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2018 17:55:05

Artikelkommentar
SchKG 297
Dokumenttitel Art. 297
Autoren Brigitte Umbach-Spahn, Stephan Kesselbach, Stefan
Bossart
Titel Kommentar zum Bundesgesetz über
Schuldbetreibung und Konkurs SchKG
Reihe SK - Schulthess Kommentar
Auflage 4. Auflage, basierend auf der 1911 erschienenen 3.
Auflage von Carl Jaeger
Jahr 2017
Seiten 1724-1732
Herausgeber Jolanta Kren Kostkiewicz, Dominik Vock
Verlag Schulthess Juristische Medien AG
ISBN 978-3-7255-6971-7

1724

Art. 2971

D. Wirkungen der Stundung


1. Auf die Rechte der Gläubiger
1 Während der Stundung kann gegen den Schuldner eine Betreibung weder eingeleitet
noch fortgesetzt werden. Ausgenommen ist die Betreibung auf Pfandverwertung für
grundpfandgesicherte Forderungen; die Verwertung des Grundpfandes bleibt dagegen
ausgeschlossen.
2 Für gepfändete Vermögensstücke gilt Artikel 199 Absatz 2 sinngemäss.
3 Für Nachlassforderungen sind der Arrest und andere Sicherungsmassnahmen
ausgeschlossen.
4 Wurde vor der Bewilligung der Nachlassstundung die Abtretung einer künftigen
Forderung vereinbart, entfaltet diese Abtretung keine Wirkung, wenn die Forderung
erst nach der Bewilligung der Nachlassstundung entsteht.
5 Mit Ausnahme dringlicher Fälle werden Zivilprozesse und Verwaltungsverfahren
über Nachlassforderungen sistiert.
6 Verjährungs- und Verwirkungsfristen stehen still.
7 Mit der Bewilligung der Stundung hört gegenüber dem Schuldner der Zinsenlauf für
alle nicht pfandgesicherten Forderungen auf, sofern der Nachlassvertrag nichts anderes
bestimmt.

1 Fassung gemäss Ziff. I des BG vom 21. Juni 2013, in Kraft seit 1. Jan. 2014 (AS 2013 4111; BBl
2010 6455).

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8 Für die Verrechnung gelten die Artikel 213 und 214. An die Stelle der
Konkurseröffnung tritt die Bewilligung der Stundung.
9 Artikel 211 Absatz 1 gilt sinngemäss, sofern und sobald der Sachwalter der
Vertragspartei die Umwandlung der Forderung mitteilt.
Art. 2972

D. Effets du sursis
1. Sur les droits des créanciers
1 Aucune poursuite ne peut être exercée contre le débiteur pendant la durée du sursis,
sauf s’il s’agit d’une poursuite en réalisation de gage en raison de créances garanties
par gage immobilier; un tel gage ne peut toutefois en aucun cas être réalisé.
2 L’art. 199, al. 2, s’applique par analogie aux biens saisis.
3 Les créances concordataires ne peuvent pas faire l’objet d’un séquestre ni d’autres
mesures conservatoires.
4 La cession de créance future conclue avant l’octroi d’un sursis concordataire ne
déploie pas d’effets si la créance cédée prend naissance après l’octroi du sursis.
5 Sauf en cas d’urgence, le sursis concordataire a pour effet de suspendre les procès
civils et les procédures administratives portant sur les créances concordataires.
6 Les délais de prescription ou de péremption cessent de courir.

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7 Le sursis arrête à l’égard du débiteur le cours des intérêts de toute créance qui n’est
pas garantie par gage si le concordat ne prévoit pas de disposition contraire.
8 La compensation est régie par les art. 213 et 214. L’octroi du sursis tient lieu
d’ouverture de la faillite.
9 L’art. 211, al. 1, est applicable par analogie dès que le commissaire communique au
contractant la conversion de la créance.
Art. 2973

D. Effetti della moratoria


1. Sui diritti dei creditori
1 Durante la moratoria non si può promuovere né proseguire alcuna esecuzione contro
il debitore. È fatta salva l’esecuzione in via di realizzazione di crediti garantiti da
pegno immobiliare; la realizzazione di siffatto pegno è invece esclusa.
2 L’articolo 199 capoverso 2 si applica per analogia ai beni pignorati.
3 I crediti concordatari non danno luogo a sequestro né ad altre misure cautelari.
4 La cessione di crediti futuri convenuta prima della concessione della moratoria
concordataria non esplica alcun effetto se il credito nasce dopo tale concessione.
5 Eccezion fatta per i casi urgenti, i procedimenti civili e amministrativi concernenti i
crediti concordatari sono sospesi.
6 Il decorso di tutte le prescrizioni e perenzioni rimane sospeso.

2
Nouvelle teneur selon le ch. I de la LF du 21 juin 2013, en vigueur depuis le 1er janv. 2014 (RO
2013 4111; FF 2010 5871).
3
Nuovo testo giusta il n. I della LF del 21 giu. 2013, in vigore dal 1o gen. 2014 (RU 2013 4111;
FF 2010 5667).

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7 La concessione della moratoria sospende, nei confronti del debitore, il corso degli
interessi di tutti i crediti non garantiti da pegno, salvo disposizione contraria del
concordato.
8 La compensazione è retta dagli articoli 213 e 214. La concessione della moratoria
vale come dichiarazione di fallimento.
9 L’articolo 211 capoverso 1 si applica per analogia se e quando il commissario
comunica al cocontraente la conversione del credito.
Materialien: Bericht der Expertengruppe Nachlassverfahren, Bern, April 2005;
Vorentwurf der Expertengruppe Nachlassverfahren, Bern, Juni 2008, Begleitbericht
zum Vorentwurf, Bern, Dezember 2008; Bericht der Expertengruppe
Nachlassverfahren zum Vorentwurf vom Juni 2008; Begleitbericht zum Vorentwurf zur
Revision des Schuldbetreibungs- und Konkursgesetzes (Sanierungsverfahren) vom
Dezember 2008; Bericht über das Ergebnis des Vernehmlassungsverfahrens, August
2009; Botschaft zur Änderung des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs
vom 8. September 2010 (BBl 2010 6455); Amtl. Bull. (NR) 2013 614 f.
Literatur: Gasser D., Neues Nachlassverfahren – praktische Konsequenzen für die
Betreibungs- und Konkursämter, BlSchK 2014 1 ff.; Gassmann R., in: Handkommentar zum
Schweizer Privatrecht – Internationales Privatrecht, 3. Aufl., Zürich 2016; Glanzmann L., Das
neue Sanierungsrecht, in: Kunz P. V./Arter O./Jörg F. S. (Hrsg.), Entwicklungen im
Gesellschaftsrecht X, Bern 2015, 225 ff.; Lorandi F., Besonderheiten beim Aktivenüberschuss
in der Generalexekution, AJP 2006 1263 ff.
Verweise: SchKG 162 ff. (Güterverzeichnis); SchKG 199 (Gepfändete und arrestierte
Vermögenswerte); SchKG 207 (Einstellung von Zivilprozessen und Verwaltungsverfahren [im
Konkurs]); SchKG 209 (Zinsenlauf [im Konkurs]); SchKG 211 (Umwandlung von
Forderungen [im Konkurs]); SchKG 271 ff. (Arrest); SchKG 310 (Verbindlichkeit des
Nachlassvertrags für Gläubiger); IPRG 175 (Anerkennung ausländischer Nachlassverträge und
ähnlicher Verfahren).

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I.Allgemeines
1 Kernelement einer Nachlassstundung ist der Schutz des Schuldners vor
Vollstreckungsmassnahmen der Gläubiger. Der Schuldner soll während der
Nachlassstundung die Sanierung bzw. den Abschluss eines Nachlassvertrags
vorantreiben können, ohne dabei durch Vollstreckungsmassnahmen behindert zu
werden. Zu diesem Zweck werden die Rechte der Gläubiger gemäss SchKG 297
modifiziert. Die Bestimmung wurde im Zuge der Revision des Sanierungsrechts (i.K.
seit 1. Januar 2014) überarbeitet mit dem Ziel, die Wirkungen der Nachlassstundung
auf die Gläubigerreche denjenigen des Konkurses anzunähern (Botschaft SchKG 2010,
6486).
2 In zeitlicher Hinsicht treten die Wirkungen von SchKG 297 unmittelbar mit der
gerichtlichen Bewilligung der Stundung ein, d.h. nicht erst mit der Publikation oder
deren Kenntnisnahme. Die Wirkungen dauern bis zum Ende der Stundung (durch
Aufhebung [SchKG 296a], Konkurseröffnung von Amtes wegen [SchKG 296b, 309]
oder Bestätigung eines Nachlassvertrags [SchKG 306 ff.]).

II.Wirkungen im Einzelnen
A.Betreibungsverbot (Abs. 1 und 2)
3 Das Betreibungsverbot gemäss Abs. 1 gilt für Nachlassforderungen, d.h. für
Forderungen, die vor Bewilligung der Stundung oder seither ohne Zustimmung des
Sachwalters entstanden sind (vgl. SchKG 310 Abs. 1 Satz 1). Als Nachlassforderungen
werden hier Forderungen aller Konkursklassen (SchKG 219 Abs. 4) verstanden, also

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privilegierte und nicht privilegierte Forderungen gleichermassen (der Begriff wird


nicht einheitlich verwendet; vgl. etwa Gasser, 4, nach dem privilegierte Forderungen
keine Nachlassforderungen sind; ähnlich KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 19 f. u.
34 f.). Aus-
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genommen vom Betreibungsverbot ist die Betreibung auf Pfandverwertung für
grundpfandgesicherte Forderungen. Auch dort bleibt jedoch die Verwertung des
Grundpfandes ausgeschlossen. Vom Betreibungsverbot nicht erfasst sind u.E. auch
Forderungen, die im Falle eines folgenden Liquidationsvergleichs oder Konkurses
Masseverbindlichkeiten wären (SchKG 310 Abs. 2; BGE 126 III 294 E. 1b; KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 14; Glanzmann, 250; unklar ob a.M. BSK SchKG II-
Vollmar, Art. 297 N 7). Zu beachten ist dabei, dass es während der Stundung – im
Unterschied zum Konkurs oder zur Nachlassliquidation – noch keine «Masse» als
Sondervermögen gibt, die betreibungsfähig ist (zur Partei- und Prozessfähigkeit der
Konkursmasse s. BGer vom 24.10.2011, 2C_303/2010 E. 2.4.2). Die Betreibung für
«Masseverbindlichkeiten» während der Stundung richtet sich daher gegen den
Schuldner. Der Wortlaut von Abs. 1 ist in diesem Sinne einschränkend auszulegen.
4 Das Betreibungsverbot schliesst die Einleitung oder Fortsetzung von Betreibungen aus.
Das Betreibungsamt hat während der Nachlassstundung gestellte Betreibungsbegehren
zu protokollieren und ggf. nach dem Wegfall der Stundung zu vollziehen (BGE 129 III
395 E. 2.2). Bereits hängige Betreibungen werden sistiert. Betreibungshandlungen, die
während der Stundung vorgenommen werden, sind nichtig.
5 Sind bereits Vermögensstücke gepfändet und liquidiert worden (gepfändete Barbeträge,
abgelieferte Beträge bei Forderungs- und Einkommenspfändung sowie der Erlös
bereits verwerteter Vermögensstücke), und ist auch die Frist für den
Pfändungsanschluss (SchKG 110 und 111) abgelaufen, so findet eine Verteilung statt
(SchKG 199 Abs. 2 analog). Andernfalls fallen die gepfändeten
Vermögensgegenstände in die Nachlass- oder Konkursmasse bzw. sind bei Bestätigung
eines ordentlichen Nachlassvertrags dem Schuldner zu überlassen. Wird die
Nachlassstundung zufolge gelungener Sanierung aufgehoben (SchKG 296a), können
Betreibungen fortgeführt werden. Allerdings wird im Zuge der Sanierung die Tilgung,
die Stundung oder der Erlass solcher Forderungen üblicherweise geregelt worden sein.

B.Ausschluss von Arrest und anderen Sicherungsmassnahmen (Abs.


3)
6 Während der Nachlassstundung sind der Arrest (SchKG 271 ff.) und andere
Sicherungsmassnahmen für Nachlassforderungen ausgeschlossen. Die Regelung von
Abs. 3 wurde mit der Revision des Sanierungsrechts neu eingeführt. Als andere
Sicherungsmassnahmen gelten insb. die Aufnahme eines Güterverzeichnisses
(SchKG 162), der Erlass von Zahlungsverboten (SchKG 170), die Eintragung von
Eigentumsvorbehalten in das Eigentumsvorbehaltsregister (ZGB 715) sowie die
Aufnahme von Retentionsverzeichnissen (SchKG 283 – zur Rechtslage nach altem
Recht s. BGE 129 III 395 E. 2.2; vgl. zum Ganzen Botschaft SchKG 2010, 6487;
Gasser, 6 ff.; KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 18).
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7 Das Verbot von Sicherungsmassnahmen gilt nach dem Wortlaut für
«Nachlassforderungen», d.h. für jene Forderungen, für die das Betreibungsverbot von
Abs. 1 gilt. Für «Masseverbindlichkeiten» (i.S.v. N 3 oben) bleiben
Sicherungsmassnahmen auch während der Stundung grundsätzlich zulässig (KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 19).
8 Arreste und andere Sicherungsmassnahmen, die trotz des gesetzlichen Verbots während
der Stundung vorgenommen werden, sind nichtig (KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297
N 18).

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C.Einschränkung der Abtretung zukünftiger Forderungen (Abs. 4)


9 In Abs. 4 wird neu explizit festgehalten, dass die Vereinbarung einer Abtretung
künftiger Forderungen, die vor Bewilligung der Nachlassstundung geschlossen wurde,
keine Wirkung entfaltet, wenn die Forderung erst nach der Bewilligung der
Nachlassstundung entsteht. Die Regelung entspricht der Rechtslage im Konkurs (BGE
111 III 73 E. 3). Massgebend ist der Entstehungszeitpunkt der Forderung, nicht deren
Fälligkeit. Der Schuldner kann sich durch die Stundung bspw. von den Wirkungen
einer Globalzession von Debitorenforderungen lösen, wodurch seine Liquidität und
Sanierungschancen erhöht werden können.
10 Zahlt ein Drittschuldner eine vor der Stundung entstandene, abgetretene Forderung
gutgläubig an den Schuldner statt an den Zessionar, so hat letzterer einen
Erstattungsanspruch gegenüber dem Schuldner. Zur vergleichbaren Situation im
Konkurs hat das Bundesgericht entschieden, dass eine Zahlung an die Konkursmasse
diese ungerechtfertigt bereichere und eine Masseverbindlichkeit darstelle (BGer v.
5.9.2002, 7B.146/2002 E. 2.2). Bei einer analogen Anwendung dieser Praxis auf die
vorliegende Situation ist somit der Erstattungsanspruch des Zessionars als
«Masseverbindlichkeit» zu qualifizieren, die nicht unter das Betreibungsverbot fällt
und für die selbst während der Stundung Zahlung verlangt werden kann.
11 Endet die Stundung im Konkurs oder mit der Bestätigung eines Nachlassvertrags mit
Vermögensabtretung, so gilt die Einschränkung der Abtretung nach Abs. 4 im Ergebnis
weiter (im zweiten Fall allerdings nur soweit die fraglichen Forderungen nicht von der
Vermögensabtretung ausgenommen sind). Endet die Stundung dagegen mit einer
Aufhebung zufolge Sanierung (SchKG 296a) oder mit der Bestätigung eines
ordentlichen Nachlassvertrags, so entfaltet die Abtretung ihre Wirkung wieder in
Bezug auf Forderungen, die nach diesem Zeitpunkt entstehen (vgl. zum Ganzen KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 26–28).

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D.Sistierung von Zivilprozessen und Verwaltungsverfahren (Abs. 5)


12 Die Sistierung von Zivilprozessen und Verwaltungsverfahren während der
Nachlassstundung wurde im Zuge der Revision des Sanierungsrechts eingeführt. Die
Regelung entspricht in mancher Hinsicht jener im Konkurs (vgl. SchKG 207), es
bestehen aber Unterschiede.
13 Die Sistierung gilt hier nur für Prozesse und Verfahren über (privilegierte und nicht
privilegierte) Nachlassforderungen. Sistiert werden nicht nur Erkenntnisverfahren,
sondern auch vollstreckungsrechtliche Verfahren (insb. Rechtsöffnung), die
Nachlassforderungen betreffen. Demgegenüber können Verfahren betreffend
«Masseverbindlichkeiten» (vgl. N 3) fortgeführt werden (im Ergebnis gleich KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 34 ff.). Aktivprozesse des Schuldners werden von der
Bestimmung ebenfalls nicht erfasst (anders im Konkurs, SchKG 207).
14 Ausgenommen von der Sistierung sind dringliche Fälle. Ob ein Verfahren dringlich
ist, ist im Einzelfall zu entscheiden. Die Verfahrensart kann insoweit ein Indiz sein, als
für dringliche Angelegenheiten häufig das summarische Verfahren vorgesehen ist.
Nicht jedes Summarverfahren ist aber per se dringlich. Als dringlich gelten nach der
Praxis (zu SchKG 207) etwa die vorläufige Eintragung eines
Bauhandwerkerpfandrecht, die Mietausweisung oder ein Herausgabebefehl (vgl. zum
Ganzen KUKO SchKG-Stöckli/Possa, Art. 207 N 25; BSK SchKG II-
Wohlfahrt/Meyer, Art. 207 N 35).
15 Die Sistierungswirkung tritt u.E. bereits von Gesetzes wegen mit Bewilligung der
Nachlassstundung ein. Das Gericht bzw. die Behörde haben das Verfahren von Amtes
wegen zu sistieren, sobald sie von der Nachlassstundung Kenntnis erlangen (vgl. für

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den Konkurs BGE 133 III 377 E. 5.1). Die Sistierungsverfügung des Gerichts oder der
Behörde hat lediglich deklaratorischen Charakter (a.M. KUKO SchKG-Hunkeler, Art.
297 N 39, gemäss welchem die Sistierungswirkung erst aufgrund einer konstitutiven
Sistierungsverfügung eintritt). Ordnen das Gericht oder die Behörde, die von der
Stundung keine Kenntnis erlangt haben, dennoch verfahrensleitende Massnahmen an
oder fällen gar einen Entscheid, sind diese dennoch als gültig zu betrachten (so für den
Konkurs BGE 132 III 89 E. 2). Die Sistierung bewirkt auch einen Stillstand von
Rechtsmittelfristen (im Ergebnis gleich, aber mit anderer Begründung [Fristenstillstand
nach Abs. 6] KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 47). Es empfiehlt sich, dass der
Schuldner die Stundung betroffenen Gerichten und Behörden (ggf. auch
Rechtsmittelinstanzen) umgehend anzeigt.

E.Stillstand von Verjährungs- und Verwirkungsfristen (Abs. 6)


16 Die Bestimmung von Abs. 6 wurde mit der Revision des Sanierungsrechts in einen
separaten Absatz überführt, entspricht inhaltlich aber der in aSchKG 297 Abs. 1
enthaltenen Regel. Der Stillstand der Verjährungs- und Verwirkungsfristen nach Abs. 6
steht wie
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bis anhin im Zusammenhang mit dem Betreibungsverbot von Abs. 1. Der Gläubiger,
der durch die Stundung in seinen Vollstreckungsmöglichkeiten eingeschränkt ist, soll
vor der Verjährung oder Verwirkung seiner Ansprüche geschützt werden. Der
Fristenstillstand gilt somit nur in Bezug auf Nachlassforderungen (gl.M. Glanzmann,
250). Forderungen des Schuldners werden vom Fristenstillstand u.E. nicht erfasst: dem
Schuldner ist es auch während der Stundung möglich, Massnahmen zu ergreifen, um
eine Verjährung oder Verwirkung seiner Ansprüche zu verhindern.
17 Zum Stillstand von Rechtsmittelfristen gegen Entscheide über Nachlassforderungen s.
N 15.

F.Stopp des Zinsenlaufs (Abs. 7)


18 Abs. 7 entspricht dem Abs. 3 in der Fassung vor der Revision des Sanierungsrechts.
Der Stopp des Zinsenlaufs betrifft nur Forderungen gegen den Schuldner, soweit sie
nicht durch ein Pfand (des Schuldners) gesichert sind und sofern der Nachlassvertrag
nichts anderes bestimmt. Betroffen sind die Nachlassforderungen (aller Klassen), nicht
aber «Masseverbindlichkeiten» (zur Abgrenzung s. N 3 oben; vgl. auch KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 48 f.). Als Zinsen im Sinne der Bestimmung sind nur die
ihrem Wesen nach akzessorischen (gesetzlichen oder vertraglichen) Zinsen zu
verstehen und nicht auch periodische Hauptforderungen, die bislang als «Zinsen»
bezeichnet werden (Miet-, Pacht-, Leasingzinsen u.dgl.; vgl. Lorandi, 1265).
19 Bei pfandgesicherten Forderungen läuft der Zins während der Stundung in dem
Umfang weiter, als der Pfanderlös (nach Verwertungskosten) nebst der Kapital- auch
die Zinsforderung deckt. Darüber hinaus fällt eine Zinsforderung auch für
pfandgesicherte Gläubiger ausser Betracht (KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 51).
Forderungen, die durch ein Drittpfand gesichert sind, gelten gegenüber dem Schuldner
nicht als pfandgesichert und sind daher vom Stopp des Zinsenlaufs erfasst (KOV 61
Abs. 1 analog; KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 48).
20 Der Stopp des Zinsenlaufs steht in jedem Fall unter dem Vorbehalt abweichender
Regelung im Nachlassvertrag. Endet die Stundung mit der Bestätigung eines
Nachlassvertrags, sind dessen Bestimmungen für die Behandlung von Zinsforderungen
massgebend.
21 Endet die Stundung mit dem Konkurs, so geht der Stopp des Zinsenlaufs nach Abs. 7
nahtlos in die konkursrechtliche Regel von SchKG 209 über. Ein Wiederaufleben der
Zinsen ex tunc für die Zeit zwischen Bewilligung der Stundung und Konkurseröffnung

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findet u.E. nicht statt. Demgegenüber ist bei einer Aufhebung der Stundung zufolge
Sanierung (SchKG 296a) zu fordern, dass auch die seit Beginn der Stundung
entstandenen Zinsen befriedigt werden (so auch KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N
50), soweit die betroffenen Gläubiger nicht freiwillig darauf verzichten.

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G.Verrechnungsverbot (Abs. 8)
22 Das Verrechnungsrecht der Gläubiger ist mit Bewilligung der Stundung gemäss SchKG
213 und 214 eingeschränkt (siehe dort). Massgeblicher Zeitpunkt ist die Bewilligung
der Stundung statt der Konkurseröffnung. Ist der Stundung ein publizierter
Konkursaufschub vorausgegangen, so ist dessen Bekanntmachung massgebend (vgl.
aSchKG 297 Abs. 4 2. Satz [«An die Stelle der Konkurseröffnung tritt die
Bekanntmachung der Stundung, gegebenenfalls des vorausgegangenen
Konkursaufschubes nach den Artikeln 725a, 764, 817 und 903 OR.»], dessen zweiter
Teil aufgrund eines redaktionellen Versehens gestrichen wurde; KUKO SchKG-
Hunkeler, Art. 297 N 53).

H.Umwandlung von Real- in Geldforderungen (Abs. 9)


23 Im Konkurs werden Forderungen gegen den Schuldner, welche nicht eine Geldzahlung
zum Gegenstand haben, in Geldforderungen von entsprechendem Wert umgewandelt
(SchKG 211 Abs. 1; zu den Vorbehalten, insb. dem Eintritt der Konkursverwaltung,
vgl. SchKG 211 Abs. 2 ff.). Eine solche Umwandlung findet in der Nachlassstundung
grundsätzlich nicht statt. Die Regel von SchKG 211 Abs. 1 gilt in der
Nachlassstundung aber «sinngemäss, sofern und sobald der Sachwalter der
Vertragspartei die Umwandlung mitteilt». Dem Schuldner soll dadurch ermöglicht
werden, ungünstige Realforderungen nur dividendenmässig befriedigen zu müssen
(Botschaft SchKG 2010, 6487). Erfolgt keine Umwandlung, fallen Realforderungen
nicht unter den Nachlassvertrag (KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 63).
24 Gemäss Botschaft liegt die Kompetenz zum Entscheid, ob eine Umwandlung
stattfinden soll beim Sachwalter (Botschaft SchKG 2010, 6487). Es ist fraglich, ob
eine Umwandlung auch ohne Mitwirkung des Schuldners bzw. gegen seinen Willen
möglich sein soll. Solange die Geschäftsführungskompetenz nicht auf den Sachwalter
übertragen worden ist, sondern beim Schuldner verbleibt, ist dies u.E. abzulehnen
(a.M. KUKO SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 56, der von einer alleinigen Kompetenz des
Sachwalters ausgeht; wohl auch BSK SchKG Ergänzungsband-Bauer, Art. 297 N 15).
Umgekehrt ist klar, dass eine Umwandlung in jedem Fall die Mitwirkung des
Sachwalters erfordert. Die Umwandlung findet im Zeitpunkt der Mitteilung an den
Vertragspartner statt.
25 Die aus der Umwandlung resultierende Geldforderung ist eine Nachlassforderung. Sie
bemisst sich nach dem positiven Vertragsinteresse des Gläubigers (vgl. die
Kommentierung zu SchKG 211). Die Bezifferung und Anmeldung der Forderung
obliegt dem Gläubiger. Erfolgt die Umwandlungsmitteilung erst nach dem
Schuldenruf, scheint es sachgerecht, den Gläubiger gleichzeitig zur
Forderungsanmeldung innert eines Monats ab Mitteilung aufzufordern mit der
Androhung, dass er im Unterlassungsfall bei den Verhandlungen über den
Nachlassvertrag nicht stimmberechtigt sei (SchKG 300 Abs. 1 analog; ähnlich KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 61). Erfolgt die Forderungsanmeldung in dieser Frist, so
ist der Gläubiger bei der Abstimmung über den Nachlassvertrag stimmberechtigt.

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III.Internationale Aspekte
26 Wie der Konkurs beansprucht auch die Nachlassstundung weltweite Wirkung (KUKO
SchKG-Hunkeler, Art. 297 N 8). Inwieweit diese eintritt, hängt jedoch von den
ausländischen Rechtsordnungen ab. Die ausländischen Regelungen sind vielfältig und
umfassen etwa die Ausdehnung der Wirkungen des Schweizer Rechts auf das
ausländische Staatsgebiet (automatisch [z.B. in Deutschland] oder aufgrund eines
Exequaturs des Schweizer Nachlassstundungsentscheids [z.B. in Frankreich]) oder
besondere Formen der Rechtshilfe (z.B. Verfahren nach Chapter 15 des US
Bankruptcy Code [USA], Anerkennung unter den Cross-Border Insolvency
Regulations 2006 [England]).
27 Bei der Sanierung international tätiger Unternehmen ist ein besonderes Augenmerk auf
die Belegenheitsorte wesentlicher Vermögenswerte zu richten und zu prüfen, wie diese
vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt werden können. Die expliziten Regelungen in
SchKG 297 (z.B. das Arrestverbot) haben oft indirekt auch im Ausland Bedeutung, da
sich der Schutz im Ausland vielfach an dem orientiert, der nach dem Recht des
(Schweizer) Hauptverfahrens gewährt wird.
28 Welche Wirkungen eine im Ausland angeordnete Stundung in der Schweiz
entfaltet, bestimmt sich nach IPRG 175. Diese Bestimmung regelt die «Anerkennung
ausländischer Nachlassverträge und ähnlicher Verfahren». Über den engen Wortlaut
hinaus sind nach Massgabe von IPRG 175 aber auch ausländische Entscheide
betreffend Nachlassstundung oder ähnlichen Schuldnerschutz anzuerkennen (vgl. BGE
137 III 138 E. 2.1; Gassmann, Art. 175 N 4). Die mit der Anerkennung eines
ausländischen Nachlassstundungsentscheids eintretenden Wirkungen in der Schweiz
richten sich grundsätzlich nach Schweizer Recht (IPRG 175 i.V.m. IPRG 170 Abs. 1
analog), jedenfalls soweit diese nicht über jene des ausländischen Rechts hinausgehen
(vgl. Gassmann, Art. 175 N 7 m.w.H.).

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