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Ratgeber

Sonntag, 18. April 2021

Personal Branding So bleiben Sie als Mitarbeiter gefragt


Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Norbert Rohleder

Eine Stärken-Schwächen-Analyse kann die Basis für ein erfolgreiches Selbstmarketing


bilden.

(Foto: imago/photothek)

Beruflicher Erfolg hängt häufig nicht nur von guten Leistungen und Fachwissen ab,
sondern auch von Positionierung und Vermarktung der eigenen Person. Wie es gelingen
kann, Präsenz zu zeigen, ohne überheblich zu wirken, zeigen Ihnen die folgenden Tipps.

Um beruflich voranzukommen, sind nicht nur Leistung und Fachkompetenz wichtig - beides
muss auch von potenziellen Arbeitgebern und Vorgesetzten wahrgenommen werden. Damit
dies funktioniert, ist eine gezielte Kommunikation der eigenen Fähigkeiten notwendig. Denn
fehlende Wertschätzung und Anerkennung liegen nicht immer an der Ignoranz der
Vorgesetzten, auch (falsche) Bescheidenheit kann dafür verantwortlich sein. Das soll
allerdings keine Aufforderung sein, sich übertrieben in Szene zu setzen. Vielmehr gilt es, Ihr
spezifisches Fachwissen, besondere Kompetenzen und Soft Skills zu kombinieren, um Ihr
Profil als Mitarbeiter zu schärfen und positiv hervorzuheben. Die folgenden Tipps helfen
Ihnen, die für Sie passende Selbstmarketing-Strategie zu entwickeln - mit der Sie sich
wohlfühlen und nicht übersehen werden.

1. Stärken-Schwächen-Analyse
Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale
Interaktion an der Hochschule Mainz.

Um Ihre Fähigkeiten ins richtige Licht zu rücken, müssen Sie diese zuerst einmal kennen. Im
Marketing spricht man von "Unique Selling Proposition" oder "Alleinstellungsmerkmal", also
die Eigenschaft eines Produkts, die es von anderen unterscheidet. Überlegen Sie, was an Ihrer
Arbeit einzigartig ist, was Sie und Ihre Leistungen besonders wertvoll für Ihr Unternehmen
macht - Ihre spezifische Kombination aus Fachwissen, Persönlichkeit und Können. Vielleicht
bleiben Sie selbst unter größtem Termindruck ruhig und besonnen? Oder Sie stellen sich
beharrlich einer Herausforderung, bis Sie die Lösung finden - wo Ihre Kollegen schon längst
das Handtuch geworfen haben? Erstellen Sie eine Liste mit all den Fähigkeiten, Eigenschaften
und Situationen, die Sie besonders gut beherrschen oder in denen Sie zufrieden und stolz sind.

2. Überlegte Kommunikation

Ihre Kommunikationskultur hinterlässt bei Ihren Kollegen und Vorgesetzten einen


beständigen Eindruck von Ihrer Person, sind sie doch tagtäglich damit konfrontiert. Wie Sie
sich äußern, welche Dinge Sie offen ansprechen und wann Sie schweigen - Kommunikation
prägt Ihr individuelles Mitarbeiterprofil entscheidend. Setzen Sie im Dialog also auf
Augenhöhe, Transparenz und wertschätzende Umgangsformen. Konzentrieren Sie sich auf
Ihre fachlichen Kompetenzen und vermeiden Sie Tratsch und Besserwisserei. Auch andere in
einem Meeting zu Wort kommen zu lassen, ist Teil einer gelungenen Kommunikationskultur.
Auf diese Weise etablieren Sie sich im Team als unkomplizierter Ansprechpartner mit
Expertise, der zurate gezogen werden kann, wenn es einmal knifflig wird.

3. Strukturierte Arbeitsweise
Die Zeiten, als ein vollgepackter Schreibtisch als Zeichen von Fleiß und Genialität galt, sind
lange vorbei. Äußeres Chaos wird von vielen als mangelnde Organisationsfähigkeit
wahrgenommen - Äußerlichkeiten werden rasch mit inneren Qualitäten assoziiert. Eine
aufgeräumte, gut organisierte Umgebung vereinfacht und unterstützt nicht nur das produktive
Arbeiten, sondern lässt Sie auch strukturiert und zielorientiert erscheinen. Und wenn es darum
geht, an komplexen, herausfordernden Projekten beteiligt zu werden, kann Ihnen eine noch so
sympathische Unorganisiertheit nur im Wege stehen - wer möchte sich schon das Chaos ins
Team holen? Strukturiert zu arbeiten, bedeutet überdies, die Konsequenzen des eigenen
Handelns absehen zu können, im Sinne der unternehmerischen Zielstellungen zu agieren
sowie Risiko- und Chancenpotenziale frühzeitig zu erkennen.

4. Zielbewusste Weiterbildung

Können Sie nach absolvierter Fortbildung einen zertifizierten Abschluss vorweisen, ist das
nicht nur gut für Ihr Selbstbewusstsein, sondern auch ein offizieller Nachweis neu erlangter
Qualifikationen. Daneben können und sollten Sie sich informell weiterbilden: Lesen Sie zum
Beispiel aktuelle Fachpublikationen, um den Anschluss an sich wandelndes Fachvokabular zu
halten und Innovationen nicht unerkannt vorbeiziehen zu lassen. Anhand aktueller
Stellenanzeigen aus Ihrer Branche können Sie sich einen Überblick über die gefragten
Qualifikationen für vergleichbare Positionen verschaffen und gegebenenfalls bei Ihren
eigenen Kenntnissen und Fähigkeiten nachjustieren. Investieren Sie in Ihre Weiterbildung
auch finanziell, falls Ihr Arbeitgeber Ihnen eine solche Unterstützung nicht zusagen kann.
Damit signalisieren Sie Interesse an beruflichen Inhalten und den Willen, sich permanent zu
verbessern - Eigenschaften, die Sie für Vorgesetzte attraktiv machen.

5. Erfolgreiches Netzwerken

Die richtigen Bekanntschaften im professionellen Umfeld eröffnen Ihnen nicht nur neue
Optionen, falls es am aktuellen Arbeitsplatz nicht vorangeht. Ein gut vernetzter, erfahrener
Mitarbeiter mit Blick für relevante Entwicklungen in seinem Arbeitsbereich, wertvollen
Branchenkontakten und vielleicht einem informellen Draht zu Wettbewerbern wird von
Vorgesetzten geschätzt. Netzwerken Sie nicht nur über die Grenzen Ihres Unternehmens
hinaus, sondern pflegen Sie auch unternehmensinterne Kontakte. So bleiben Sie unter den
Kollegen präsent, werden schneller berücksichtigt, wenn jemand mit Ihren Qualifikationen
gebraucht wird, und können sich mit Ihrer Expertise profilieren. Integrieren Sie aktiv junge
Kollegen in wichtige Prozesse - so gewinnen Sie nicht nur loyale Mitarbeiter, sondern
etablieren sich auch als guter Teamplayer.

6. Anpassungsfähigkeit

Weite Bereiche der modernen Arbeitswelt sind durch sich rasch verändernde Anforderungen
geprägt. Flexibilität ist unter diesen Bedingungen eine bedeutende Grundlage für
erfolgreiches Arbeiten und gelingende Karriereentwicklung. Der Umgang mit
Unwägbarkeiten ist eine wichtige Kompetenz - und besonnene Krisenmanager sind angesichts
unerwarteter, vielleicht schwerwiegender Problemkonstellationen gefragte Kollegen.
Erfolgreiches Engagement in diesem Bereich dringt auch zur Führungsetage durch. Auch oder
gerade, wenn Sie sich mit Veränderungen schwertun, können Sie Ihre Anpassungsfähigkeit
trainieren. Geeignete Zusatzqualifikationen, auch wenn sie zunächst fachfremd erscheinen
mögen, können zum Beispiel spezifische IT- oder sprachliche Kenntnisse, soziale
Kompetenzen wie Konfliktmanagement und Mediation sein.
Zum Schluss: Bringen Sie sich ins Gespräch

Ihre Stärken-Schwächen-Analyse und die bisher genannten Aspekte können die Basis für Ihr
Selbstmarketing bilden. Stellen Sie Ihre Stärken als gewinnbringende Merkmale Ihrer Arbeit
dar und weisen Sie darauf hin, wie wesentlich sie für die von Ihnen erreichten Ergebnisse
sind. Auf den Punkt gebracht geht es darum, Ihre Leistungen sichtbar zu machen und damit
positiv bei Vorgesetzten und Kollegen aufzufallen. Die größte Herausforderung dabei ist, die
eigenen Leistungen ins Gespräch zu bringen, ohne angeberisch oder wichtigtuerisch zu
wirken. Subtilität und Zurückhaltung sind hier gefragt.

Ihre Sichtbarkeit verbessern Sie auch mit professionellen Profilen in den einschlägigen
Online-Communitys, wie LinkedIn oder XING - gerade, wenn Sie sich neuen Arbeitgebern
als attraktive Fachkraft präsentieren möchten.

Doch denken Sie daran: Nur wenn hinter Ihren Selbstmarketingbemühungen tatsächlich auch
Expertise, Kompetenz und Persönlichkeit stehen, werden Sie auf Dauer erfolgreich sein -
letztlich sind es die Resultate Ihrer Arbeit, die eine bleibende Wirkung hinterlassen müssen,
nicht das Reden darüber. Mit wohldosierten und gut platzierten Hinweisen in Ihrem Sinne
helfen Sie nur ein wenig nach!

Prof. Dr. Norbert Rohleder ist Professor für Human Resource Management und Soziale
Interaktion an der Hochschule Mainz.

Quelle: ntv.de

https://www.n-tv.de/ratgeber/So-bleiben-Sie-als-Mitarbeiter-gefragt-
article22490131.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
GEHALT

Mit Anfang 50 ist das Maximum erreicht

von Kristin Rau

16. April 2021

Bild: Getty Images

Wer in seinem Leben viel Geld verdienen möchte, sollte sich beeilen. Denn eine neue Studie zeigt,
schon ab Anfang 50 sinken die Gehälter wieder. Mit einigen Ausnahmen.

Dass unser Körper bereits mit Mitte 20 den Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit erreicht hat, haben
die meisten von uns mittlerweile schmerzlich akzeptiert. Doch dass viele schon mit Anfang 50 auch
beim Maximum ihres Gehalts angelangt sind, überrascht. Heißt es doch immer: Je länger jemand in
einem Unternehmen ist und je mehr Erfahrungen er oder sie gesammelt hat, desto höher die
Vergütung.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit. Den anderen hat André Schaefer, Gehaltsexperte bei
Stepstone, nun gemeinsam mit seinem Team bei einer Analyse von 250.000 Datensätze geborgen: Im
Bundesdurchschnitt liegt das Maximalgehalt während eines Berufslebens bei 58.539 Euro, erreicht
wird es mit 52 Jahren. Nie zuvor und nie mehr danach landet mehr Geld auf dem Konto.

„Es gibt viele Menschen, die sich zwischen 50 und 60 etwas zurückziehen, sich weniger stressige
Positionen suchen und dann auch entsprechend weniger verdienen“, sagt Schaefer. Außerdem
würden gerade in den akademischen Berufen schon zwischen 30 und 40 große Gehaltssprünge
gemacht und in den Fünfzigern seien die Möglichkeiten bereits ausgereizt.

Eine Erkenntnis, die nicht nur auf Deutschland zutrifft. Eine ähnliche Auswertung des US-
amerikanischen Anbieters für Gehaltssoftware Payscale aus dem Jahr 2019 zeigt, dass auch in den
USA in den Fünfzigern das Maximum erreicht ist. Und noch eine Parallele ist erkennbar: Sowohl in
den USA als auch hierzulande steigt das Gehalt von Frauen schon mit knapp über 40 nicht mehr. Laut
Stepstone erreichen Frauen in Deutschland schon mit 41 Jahren ihr Maximalgehalt. Bei Männern
steigt es bis zu einem Alter von 52 Jahren an.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Erstens treten bis heute vor allem Frauen beruflich kürzer, sobald
sie eine Familie gründen. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem
vergangenen Jahr zeigt ebenfalls, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen ab einem Alter
von 30 Jahren stark ansteigt. Auch die Wissenschaftler des DIW sehen in erster Linie die
traditionellen Rollenmuster als Grund für diese Entwicklung. Der mittlere Lohn von Frauen stagniere
ab der Geburt des ersten Kindes.

Laut der Analyse von Stepstone hänge die Entwicklung aber auch mit einer anderen Frage
zusammen: Personalverantwortung ja oder nein? „Spätestens ab dem 40. Lebensjahr entscheiden
sich viele Menschen dazu, ob sie Personalverantwortung übernehmen möchten oder nicht“, sagt
Gehaltsexperte André Schaefer. „Es sind immer noch mehr Männer, die Führungspositionen
übernehmen. Ihr Gehalt steigt damit noch weiter an.“

Bis 40 werden die Grundsteine gelegt

Das ist auch der Grund, warum die größten Gehaltssprünge zwischen 30 und 40 gemacht würden. In
dieser Zeit würde häufig der Grundstein für die weitere Karriere gelegt. Es entscheidet sich, ob
Menschen Führungspositionen übernehmen wollen, mit ihren aktuellen Aufgaben zufrieden sind
oder Fortbildungen absolvieren, die ihnen den Umstieg auf einen neuen besserbezahlten Job
ermöglichen.

Auch die Art der Abschlüsse entscheidet darüber, wann die Summe auf der Lohnabrechnung nicht
mehr größer wird. Wer etwa eine Lehre absolviert hat, kann zwar damit rechnen, dass sein Gehalt bis
zum Renteneintritt stetig steigt. Allerdings ist die Gehaltskurve auch ziemlich flach. Das liegt laut
Stepstone-Experte Schaefer daran, dass viele Mitarbeiter mit einer Berufsausbildung nach Tarif
bezahlt werden. „Hier spielt das Thema Betriebszugehörigkeit tatsächlich noch eine Rolle“, sagt er.
Außertariflich Beschäftigte, die auch jenseits der 50 noch nennenswerte Zuwächse erwarten,
müssten anders argumentieren, etwa für wichtige Projekte die Verantwortung übernehmen und
diese dann in Gehaltsverhandlungen anführen. Auch Arbeitgeberwechsel brächten durchschnittlich
in jedem Alter eine Gehaltssteigerung von acht Prozent. Ein Schritt, den mit zunehmendem Alter
weniger Menschen wagen.

In Branchen, in denen besonders früh das Gehaltsmaximum erreicht ist, spielen meist
Provisionsmodelle eine wichtige Rolle. In der Immobilienwirtschaft, dem Bankensektor und der
Versicherungsbranche erreichen Mitarbeiter schon mit Ende 40 ihr höchstes Gehalt. Experte
Schaefer vermutet, dass jüngere Mitarbeiter sich stärker von diesen finanziellen Anreizen treiben
ließen und so eine höhere Motivation aufweisen. „Später sind andere Faktoren, wie Familienzeit,
wichtiger und die Angestellten fahren einen Gang runter.“

Dennoch zeigen die Stepstone-Zahlen auch, dass es einige Berufe gibt, in denen in den letzten Jahren
des Erwerbslebens noch mal ordentliche Aufschläge winken. Das gilt zum einen für Wissenschaftler,
die aufgrund von Promotionen und Habilitationen erst sehr spät ins Berufsleben einsteigen. Sie
erreichen das Gehaltsmaximum mit 65 und verdienen dann im Schnitt etwas mehr als 71.000 Euro
pro Jahr. Manager steigen in ihren letzten Berufsjahren sogar auf bis zu 76.000 Euro auf. Diese
Steigerungen hätten dann oftmals damit zu tun, dass sie für sehr viele Beschäftigte
Personalverantwortung übernehmen würden, etwa wenn sie mit Ende 50 in die Geschäftsführung
aufsteigen würden.

Link: https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/gehalt-mit-anfang-50-ist-das-maximum-
erreicht/27097760.html