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Informationsverarbeitung im

menschlichen Gehirn
zusammengefasst von Gertrud Maier und Herbert Kerschbaumsteiner

Allgemeines zu neuronalen Netzen


Neuronale Netze entstanden aus dem Versuch, die grundlegenden Mechanismen des
menschlichen Gehirns zu modellieren.

In Analogie zum Menschen versuchte man, Probleme nicht durch Programmieren,


sondern durch automatisierte Lernprozesse zu lösen. Menschen können in
Sekundenbruchteilen komplizierte Signale und Bilder oder Tonfolgen erkennen und
inhaltlich interpretieren.

Die Informationsverarbeitung im Gehirn ist hochgradig parallel und basiert auf


einem komplizierten Netz von Neuronen (Nervenzellen), die gleichzeitig
untereinander Informationen austauschen können. Informationen werden in Form
von Aktivierungsmustern über die Verbindungen zwischen den Neuronen
weitergegeben.

Die meisten der heutigen neuronalen Netzwerkarchitekturen versuchen jedoch nicht,


ihr biologisches Vorbild so exakt wie möglich nachzubilden, sondern können schlicht
als eine Klasse paralleler Algorithmen angesehen werden. In diesen Modellen wird
das Wissen gewöhnlich über das ganze Netz verteilt und in der Verbindungsstruktur
und deren Gewichtungen gespeichert. Die Modelle verwenden automatisierte
Methoden zum Trainieren des Netzes, die die Entwicklung spezieller Anwendungen
sehr vereinfachen. Neuronale Netze werden zur Mustererkennung, zur
Sprachanalyse, zur Spracherzeugung, zur Bildverarbeitung und zum schnellen
Auffinden von guten Näherungslösungen bei aufwendigen Problemen eingesetzt.
 

 
 Einführung in den Aufbau des menschlichen Gehirns
 

Das menschliche Gehirn


 

Das Gehirn (lat. Cerebrum) ist der innerhalb


der Schädelkapsel gelegene Teil des
Zentralnervensystems des Menschen und der
Wirbeltiere. Es ist Zentrum für alle
Sinnesempfindungen und
Willkürhandlungen, Sitz des Bewußtseins,
Gedächtnisses und aller geistigen und seel.
Leistungen. Im Innern des G. liegen
miteinander zusammenhängende, mit
wäßriger Flüssigkeit (G.-Rückenmarks-
Flüssigkeit) gefüllte Höhlen. Das G. ist von 3
Häuten, der weichen Hirnhaut, der
Spinnwebenhautund der den
Schädelknochen dicht anliegenden harten Hirnhaut, umschlossen.

Einteilung. Hauptteile des G. sind das aus 2 Halbkugeln bestehende Großhirn, mit
vielen Windungen an der Oberfläche, im oberen und vorderen Teil des Schädels, das
Kleinhirn im Hinterkopf und eine Kette von Hirnteilen, die das Großhirn mit dem
Rückenmark verbinden. In dem dem Rückenmark am nächsten liegenden Hirnteil,
dem verlängerten Mark, liegen an einer Stelle, dem Lebensknoten, das
lebenswichtige Atmungs- und Herzzentrum. Am Boden des Zwischenhirns sitzt die
Hirnanhangdrüse (Hypophyse), auf der oberen Fläche die Zirbeldrüse (Epiphyse);
beide sind wichtige Drüsen mit innerer Sekretion. Das Mittelhirn schließt sich nach
hinten an das Zwischenhirn an; es enthält eine Reihe wichtiger Kerngebiete. Die
versch. Tätigkeiten des G. sind an bestimmte Gegenden (Zentren) gebunden. Vom G.
gehen 12 Nervenpaare (Hirn-, G.-Nerven) aus. Mittlere Hirnmasse des Manns 1375 g,
der Frau 1245 g.
Das Gehirn hat die Aufgabe Reize aufzunehmen, zu verarbeiten und zu beantworten.
Rezeptoren, wie z.B. die Sinnesorgane nehmen bestimmte Reize (Licht, Druck, Töne,
Temperatur,...) auf und senden diese als kodierte Signale auf elektochemischem Wege
in das Zentrale Nervensystem, dessen wichtigste Schaltstelle das Gehirn darstellt.
Dort werden die eingegangenen Signale nach bestimmten Mustern bearbeitet und,
falls erforderlich, Reaktionsreize an die Effektoren (Muskeln, Drüsen, ...)
weitergeleitet.

Der wesentliche Kern der Informationsverarbeitung erfolgt in der Hirnrinde


(Neokortex). Dieses 2 bis 3 cm dicke Gewebe erstreckt sich beim Menschen in Form
eines lappenartigen Gebildes voller Furchungen und Windungen über ca. 0,2
Quadratmeter. Assoziativ zusammengehörende Fähigkeiten (Motorik,Tasten, Sehen,
Lage) sind jeweils auf einem Teil der Hirnrinde zusammenhängend gespeichert.

Die elementaren Verarbeitungseinheiten sind die Neuronen; Zellen, welche auf


elektrochemischem Wege Signale austauschen und einander gegenseitig erregen
können. Der Mensch besitzt etwa 10 hoch 10 Neuronen, welche jeweils
durchschnittlich ueber 10.000 Verbindungen mit benachbarten Zellen verfügen.

Bei der Geburt sind bereits sämtliche Neuronen vorhanden, es bestehen jedoch
praktisch keine Verbindungen. Die Vernetzung erfolgt erst mit dem Lernen.
Optimales Reaktionsverhalten auf diejeweilige Situation wird als Verbindungsmuster
zwischen Neuronen gespeichert. Jedes Training stärkt die entsprechenden
Verbindungen, werden bestimmte Verhaltensformen über längere Zeit nicht
angewandt, zerfallen die entsprechenden Verbindungen (Vergessen). Diese
"Zerfallsthese" wird heute nicht mehr allgemein als Hauptursache für das Vergessen
angesehen.

Das Gedächtnis arbeitet assoziativ. Das bedeutet Begriffe werden durch miteinander
verbundene Neuronengruppen, sogenannte Assemblies, gespeichert. Verwandte
Begriffe wie z.B. Blitz und Donner werden durch sich überlappende Assemblies
gegenseitig aktiviert. Unsere konkreten Gedächtnisinhalte sind in einem Netz von
Verbindungen abgespeichert.

Wie erwähnt sind die einzelnen Neuronen mit durchschnittlich 10.000, im Einzelfall
mit über 100.000 anderen Neuronen verbunden. Diese Verbindungen werden
Dendriten genannt. Den Neuronen vorgelagert durchlaufen die ankommenden
Reize, in Form von elektrochemischen Signalen, die Synapsen. Diese verstärken oder
schwächen die durchlaufenden Impulse ab. Erreicht die Summe aller eingegangenen
Signale ein bestimmten elektrischen Schwellenwert, wird das Neuron aktiv und
sendet ein Signal über dessen Ausgabeletitung, das Axon. Dieses Axon spaltet sich in
in viele Zweige und stellt letztendlich die Dendriten vieler nachgelagerter Neuronen
dar.

Übrigens: Schokolade kann dein Gedächtnis beeinflussen!


 

Daß die Synapsen ihre Wirkung mit der Zeit ändern können ist bewiesen, jedoch
nicht warum und wodurch. Es existiert hierzu eine Hypothese des Psychologen
Donald Hebb, welche besagt: Je häufiger vor- und nachgelagerte Neuronen
gemeinsam aktiv werden, desto verstärkender ist die Wirkung der Synapse, und
umgekehrt. Somit wird der Lernprozeß ermöglicht.
 

Verschlüsseln und Codieren


 

Wie gelangt nun eine Information von außen in unser Gedächtnis? Die moderne
Biologie arbeitet hier mit dem Modell eines stufenweisen Abspeicherns:

Eine Information in Form eines sinnlich wahrnehmbaren Reizes erreicht uns.


Der Reiz kann ein visueller (sichtbarer), auditiver (hörbarer), haptischer (den
Tastsinn ansprechender), olfaktorischer (geruchlicher) oder gustatorischer
(geschmacklicher) Reiz sein. Die eintreffende Informationsmenge ist von der
Art des Reizes abhängig: Olfaktorische Reize können etwa 20 Bit pro Sekunde
enthalten, visuelle hingegen ca 10 Millionen Bit.
Der wahrnehmbare Reiz trifft auf eine Sinneszelle, die ihn in Form eines
elektrischen Erregungsimpulses ("Spike") an eine Nervenzelle und ihre
Nervenfaserendung, die Synapse, weitergibt (Ultrakurzzeitgedächtnis).
Der elektrische Erregungsimpuls beginnt nun zwischen den Synapsen
verschiedener Nervenzellen zu kreisen. (Kurzzeitgedächtnis) Er kreist in
bestimmten, sich wiederholenden Bahnen im Netzwerk der Nervenzellen und
hinterläßt dabei charakteristische molekulare Spuren, die sich chemisch im
Gehirn einprägen. Die zunächst noch nicht fest zusammengeschalteten
Nervenbahnen festigen sich dabei; es entstehen solide Verbindungen, die
"Engramme". Sie bilden unser Langzeitgedächtnis.
 

Die Hälften des Gehirn


Die meisten Menschen nutzen die beiden Hälften ihres Gehirns zu unterschiedlichen
Typen geistiger Aktivität: Während die linke Seite eher für die "männlichen" oder
"akademischen" Tätigkeiten eingesetzt wird, setzen wir die rechte Hälfte eher für die
"weiblichen" oder "gefühlsbetonten" Vorgänge des Erfassens und Erfahrens ein.

Es zeigt sich aber, daß, wenn beide Bereiche des Gehirns gezielt trainiert werden, sich
Lernstoff umso stärker einprägt, da er nun sowohl vom Verstand als auch vom
Gefühl her verankert ist.
 
 
 

Gehirn und Bewußtsein


Die letzte große wissenschaftliche Herausforderung in der Erforschung des Gehirns
sehen Neurologen wie Philosophen in der Klärung des Problems, wie sich das "Ich"
selbst erkennt - und welche der kleinen grauen Zellen dafür verantwortlich sind.

Heinz Horeis: Gehirnforscher ringen um den "Seelenfaktor"


Wolf Singer: Bewußtsein entsteht nicht isoliert
Regine Halentz: Haben Tiere ein Bewußtsein?

Zwei kleine Nervenknoten in den jeweiligen Hirnhälften, die Mandelkerne, schon


lange bekannt als Schaltzentren bei Angstreaktionen, bewahren uns auch davor,
einem Vertreter an der Tür auf den Leim zu gehen oder wahllos mit jedem
Wartenden an einer Bushaltestelle offen zu plaudern. Zu diesem Ergebnis ist
jedenfalls eine Forschergruppe um den Neurologen Antonio Damasio von der
University of Iowa gekommen. Sie machten damit das emotionale Unbewußte
sichtbar, sodaß man sagen kann, daß unser Körper mehr weiß als wir selber.
 

Das Nervensystem ist die Gesamtheit der reizleitenden und reizverarbeitenden


Organe. Man unterscheidet zw. dem zerebrospinalen N. und dem vegetativen
(autonomen) N. - Zum zerebrospinalen N. gehören Gehirn und Rückenmark (Zentral-
N.) sowie die von da aus nach allen Körperteilen (zur Peripherie) laufenden Kopf- und
Rückenmarksnerven (peripheres N.). Es vermittelt die mit dem Bewußtsein
verbundenen Empfindungen und Bewegungen. - Das vegetative N. regelt die zum
Leben nötige Tätigkeit der inneren Organe (Herz, Magen, Darm u. a.) unter Ausschluß
des Bewußtseins und des Willens. Dabei wirken seine beiden Anteile, Sympathikus,
Parasympathikus und Vagus, funktionell entgegengesetzt (der eine fördert z. B. die
Herztätigkeit, der andere hemmt sie). Das vegetative N. besteht aus Kernen im
Zwischen-, Mittelhirn und Rückenmark sowie aus zahlreichen Nervengeflechten im
ganzen Körper, in die Ganglien (Nervenzellhaufen) eingeschaltet sind. Den Hauptteil
bildet der Grenzstrang des Sympathikus, eine Kette von Ganglien beiderseits der
Wirbelsäule.
 

Das Neuron
  Der Grundbaustein des Gehirns ist die Nervenzelle (Neuron). Eine typische
Nervenzelle läßt sich in drei Hauptstrukturen unterscheiden, nämlich Dendrit,
Zellkörper (Soma) und Axon, die ungefähr den Aufgaben Eingabe, Verarbeitung und
Ausgabe zugeordnet werden können.
 

Das menschliche Gehirn hat mindestens 100.000.000.000 Neuronen,


4 km "Draht" pro mm3
 

Die kürzeren, oft stark verzweigten, dünnen Fortsätze heißen Dendriten. Sie
empfangen die Erregungen und leiten sie in den Zellkörper. Dieser verarbeitet alle
einlaufenden Signale.

Er kann als Antwort auf die erhaltenen Signale seinerseits elektrische Impulse
abgeben. Sie laufen vom Zellkörper weg über einen meist langen Fortsatz, die
sogenannte Nervenfaser (Axon),welcher in einer sackartigen Erweiterung, dem
Endknopf, endet. Die Informationen liegen in der Frequenz (Zahl der Impulse pro
Zeiteinheit) verschlüsselt. An ihrem Ende kann die Nervenfaser durch ihre starke
Verzweigung mit bis zu mehreren tausend Zielneuronen Kontakt aufnehmen. Die
Kontaktstellen der Nervenfaser befinden sich meist entweder auf dem Dendrit oder
auf dem Zellkörper des Zielneurons und heißen Synapsen. Zwischen dem Endknopf
eines Axons und der Membran der folgenden Nervenzelle ist ein schmaler Spalt
(synaptischer Spalt). Das Endknöpfchen des Axons enthält einen Überträgerstoff
(Transmitter), welcher bei einem elektrischen Impuls in den synaptischen Spalt
ausgeschüttet wird und dann eine Potentialänderung am Dendrit oder Zellkörper des
Zielneurons hervorruft. Entscheidend bei diesem Vorgang ist die Höhe des Potentials.
Erreicht dieses einen bestimmten Schwellenwert nicht, so passiert gar nichts (Alles-
oder-Nichts-Gesetz).
 

Aufbau einer Nervenzelle


 

Je nach Art und Zustand der Synapse bewirkt ein eintreffender Impuls eine mehr
oder weniger starke Potentialerhöhung (Erregende Synapse) oder
Potentialerniedrigung (hemmende Synapse) am Zielneuron. Deshalb wirken die
Synapsen wie Analogschalter, welche die Kommunikation zwischen den Neuronen
regeln und somit wichtige Informationsträger darstellen.
 

Schichten von Neuronen


  Am Beispiel des Gehirns läßt sich verdeutlichen wie Schichten von Neuronen
zusammenarbeiten, um eine möglichst schnelle und optimale Antwort auf erhaltene
Reize geben zu können. Diese Schichten, die aus Platzgründen stark gefaltet sind,
bilden die Außenseite der beiden Gehirnhemisphären. Dort lassen sich verschiedene
Felder abgrenzen, die auf Teilaufgaben spezialisiert sind, wie beispielsweise visuelle
Wahrnehmung (Visueller Kortex), Bewegungskontrolle (Motorischer Kortex), oder
Tastwahrnehmung (Somatosensorischer Kortex). Weitere Felder (Assoziationsfelder)
verknüpfen Informationen, die mehrere Sinnesmodalitäten betreffen.

Unter jedem Quadratmillimeter der Hirnrinde liegen ca. 100.000 eng miteinander
vernetzte Nervenzellen, die einen Zusammenschluß zu höheren funktionellen
Einheiten erkennen lassen. Diese als Mikrosäulen bezeichneten Einheiten umfassen
meist die Neuronen eines kleinen vertikalen im Kortex (Großhirnrinde) stehenden
Volumenzylinders von typischerweise wenigen Zehntelmillimetern Durchmesser.
Solch ein Zylinder kann z.B. der Analyse eines bestimmten Reizmerkmals dienen.
Benachbarte Mikrosäulen lassen sich dabei nicht streng abgrenzen, vielmehr besteht
in der Zugehörigkeit der einzelnen Neuronen ein gradueller Übergang.

Die Mikrosäulen eines Typs sind auf einer nächst höheren Organisationsebene
wiederum zu spezialisierten Feldern angeordnet. Im menschlichen Kortex sind etwa
80 dieser Rindenfelder bekannt, deren jedes ein hochparalleles Spezialmodul für eine
besondere Teilaufgabe repräsentiert. So kennt man mittlerweile im Sehkortex
Rindenfelder für die Analyse von Kartenorientierungen, Farbtönen und
Geschwindigkeitsfeldern. Andere Rindenfelder beherbergen Module zu
verschiedenen Aspekten des Sprachverstehens, der Erkennung von Gesichtern, der
Orientierung im Raum oder der Planung und Ausführung von Bewegungen.

Die gegenseitige Verschaltung der einzelnen Module unterliegt weitgehend einem


topographischen Organisationsprinzip, d. h. benachbarte Neuronen eines
Ausgangsfelds sind nahezu immer mit wiederum benachbart liegenden Neuronen im
Zielfeld verbunden. Die meisten Signale von der Außenwelt erhält das Gehirn über
mit Rezeptoren bedeckte Sinnesoberflächen, wie z.B. die Haut mit ihren Tast- und
Wärmerezeptoren.

Obwohl die Verschaltung dieser Sinnesoberflächen mit ihren primären Sinnesfeldern


im Kortex über mehrere Stationen verläuft, befolgt auch sie das topographische
Organisationsprinzip und führt benachbarten Neuronen im Kortex die Signale
benachbarter Rezeptoren zu. Dadurch entsteht eine Abbildung der jeweiligen
Sinnesoberfläche auf dem betreffenden Rindenfeld. Aufgrund der
Nachbarschaftserhaltung läßt sich diese Abbildung als Karte ansehen.

Ein besonders anschauliches Beispiel bildet eine Karte im auditiven Rindenfeld von
Fledermäusen. Diese Karte enthält Informationen über die Zeitdifferenz zwischen
zwei akustischen Ereignissen, die wiederum die nächtliche Orientierung der
Fledermäuse mittels Echolot ermöglichen.
 

Informationsverarbeitung im Gehirn
Die Informationsverarbeitung im Gehirn geschieht ähnlich dem EVA-Prinzip
(Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe) in der EDV. Umweltreize wie Druck auf die
Hautoberfläche des menschlichen Körpers, Temperatur, Schallaufnahme (Ohr) oder
Lichtaufnahme (Auge) werden durch die sensorischen Nervenzellen aufgenommen
und über Nervenfasern mittels Biosignalen (elektrisch) weitergegeben. Dabei
erreichen die Signale den Thalamus. Der Thalamus leitet alle von der Außenwelt auf
die sensorischen Nervenzellen auftreffenden und aus dem Körperinneren
stammenden Sinnesempfindungen in die Großhirnrinde, er ist als eine Art
Umschaltstation zu verstehen. In der Großhirnrinde findet im wesentlichen die
Informationsverarbeitung statt. Hier werden durch die Biosignale selektiv einzelne
Bereiche aktiviert und Erregungsmuster angelegt, die entsprechend für die
Ansteuerung der motorischen Neuronen benötigt werden. Wie dieser
Verarbeitungsprozeß im einzelnen abläuft ist noch nicht bis in alle Einzelheiten
aufgeklärt. Diese Tatsache zeigt das Hauptproblem bei der Entwicklung von KNN auf.
 

Biologisches Lernen
 Auf der biologischen Ebene kann man sagen, daß das Lernen im wesentlichen durch
die Veränderung der Verbindung zwischen den Neuronen erfolgt. Die Stärke der
Verbindungen zwischen den Neuronen und damit ihr Verhalten, hängt von den
dazwischen geschalteten Synapsen ab. Einflußgrößen für die Verbindungsstärke sind
die Anzahl der zwischengeschalteten Synapsen, die Art der Verschaltung, d.h. ob die
Synapsen nebeneinander oder aufeinander liegen, und natürlich der Aufbau der
Synapsen. Entscheidend ist auch die Art und Menge der gespeicherten
Transmittersubstanz und die Zahl der Rezeptoren auf der postsynaptischen
Membran, die die Transmittersubstanz aufnehmen.

Jede Veränderung dieser Einflußgrößen führt zur Veränderung im Signalfluß, d. h.


der Frequenzfolge von Potentialen und letztlich zu einer Verhaltensänderung des
Organismus, also auch seiner Lernfähigkeit.
 

Wahrnehmungspsychologie
Die Wahrnehmungspsychologie macht Experimente mit Versuchspersonen. Es soll
z.B. in kurz präsentierten Bildern ein bestimmtes auffallendes Muster gesucht
werden. Ein Resultat ist, daß die Suche in einem Bild einmal parallel und einmal
seriell von statten geht. Durch parallele Suche werden die Zielmuster sehr schnell
gefunden und die Suchzeit ist weitgehend unabhängig von der Größe des Bildes.
Serielle Suche ist langsamer und die Suchzeit ist abhängig von der Größe des Bildes.
 

Wahrnehmungspsychologisches Beispiel: Parallele und serielle Suche


 

Künstliche Intelligenz -
Künstliche neuronale Netze
 

 Weltweit arbeitet eine große Zahl von Wissenschaftlern an der Frage: "Wie ist es möglich,
mit Hilfe der Computertechnik eine Art künstliche Intelligenz zu schaffen?''

Unser Gehirn hat die Eigenschaft, daß es sich geänderten Situationen anpassen und
Unbekanntes erlernen kann. Außerdem kann es mit Leichtigkeit fehlerhafte oder
unvollständige Informationen korrekt bearbeiten. So erkennen wir Gesichter uns
vertrauter Personen, auch wenn wir nur die Nase oder einen Teil der Augenpartie sehen.
Eine weitere beeindruckende Eigenschaft unseres Gehirns ist die hohe
Verarbeitungsgeschwindigkeit.

Eigenschaft Gehirn Computer


Parallelität hoch niedrig
Präzision mäßig hoch
Fehlertolleranz hoch niedrig
Speicherzzugriff global lokal
Erkennen von Mustern gut schlecht
Ausnutzen von Ähnlichkeiten ja nein
Numerisch präzise Berechnung schlecht gut
Fehlerloses Speichern von Daten schlecht gut
Rekonstruktion verrauschter Daten gut schlecht
Verallgemeinern von Beispielen gut schlecht
Selbstorganisation ja bisher nicht

Vergleich der Rechenvorgänge im Gehirn mit denen heute eingesetzte Computer.

Diese Liste von Eigenschaften unseres Gehirns weckt die Frage: "Kann man diese Leistung
und diese Fähikeiten überhaupt einmal technisch realisieren?''

In der Forschung beschäftigt man sich vor allem damit, wie man Modelle schaffen kann,
die mit ähnlichen Arbeitsprinzipien diese Eigenschaften erzielen können.

Begriffe
Neuronales Netz:
Ein Neuronales Netz (NN) oder auch ein künstliches Neuronales Netz (KNN), ist ein
Informationsverarbeitendes System. Es besteht aus einer Vielzahl einfacher Einheiten
(Neuronen, Units), die sich Informationen in Form der Aktivierung der Zellen über
gerichtete Verbindungen (connections, links) zusenden.
 
Neuronen, Units:
Neuronen sind die Grundbausteine eines Neuronalen Netzes. Sie stellen das
funktionale Modell einer menschlichen Nervenzelle dar.
Ein Neuron hat folgende Funktionen:
Informationsfilterung
Informationsüberlagerung
Ableitung einer (Ja/Nein)-Entscheidung

Das Neuron nimmt von der Systemumwelt oder von anderen Neuronen Signale auf,
gewichtet diese und berechnet dann den entsprechenden Output.
 

Aufbau eines künstlichen neuronalen Netzes


 
Neuronale Netze (NN) oder auch künstliche Neuronale Netze (KNN) ahmen die Eigenart des
Gehirns nach, sich durch Lernvorgänge selbst zu organisieren. Sie können im Prinzip für
jede Aufgabe eingesetzt werden, bei der es darum geht, Zusammenhänge zwischen
"unscharfen'' Mustern zu erkennen.

Die Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn sind in einem dichten Netz miteinander


verbunden. Wenn wir etwas lernen, werden die Verbindungen zwischen Zellen, die für den
Lernvorgang nötig sind, verändert. Durch diese Veränderung sind wir in der Lage,
verschiedene Aufgaben zu bewältigen und Lösungswege zu verallgemeinern. Mit dem
Computer läßt sich dieser Vorgang simulieren.

Künstliche Neuronale Netze bestehen aus einer Gruppe von Zellen, die in mehreren
Schichten angeordnet werden. Jede dieser Zellen ist mit jeder anderen Zelle verbunden.
Manche Zellen dienen als Inputzellen für die Aufgabe, andere als Outputzelle, um die
Lösung auszugeben. Je nach Aufgabenstellung bei einem  Training mit Lernmustern bilden
sich manche Verbindungen stärker, andere schwächer aus. Wird dann dem Netz eine
Aufgabe gestellt, die es nicht zuvor trainiert hat, soll es dazu in der Lage sein, au

 Einsatz Neuronaler Netze

Neuronale Netze werden in den verschiedensten Gebieten praktisch eingesetzt. In


Bereichen, die eine 100%ige Sicherheit erfordern, dürfen Neuronale Netze nicht verwendet
werden, da die Korrektheit ihrer Ergebnisse nicht nachgewiesen werden kann.

Einsatzgebiete:

Industrielle Planung und Steuerung


Industrielle Fertigungsüberwachung
Finanzwesen
Telekommunikation
Medizin (nur als Berater; Arzt trifft die letzte Entscheidung)
Marketing
Öffentlicher Dienst
Dienstleistungen
Verkehr

Mensch und Maschine - eine Zusammenfassung

 Die Trennung zwischen Mensch und Maschine ist


nicht mehr so einfach wie man sich das früher
einmal vorgestellt hat.
Maschinen können selbständig aus ihren Fehlern
und anderen Erfahrungen lernen.
Maschinen können auf diese Weise Individualität
(Persönlichkeit?) entwickeln.
Künstliche Neuronale Netze (und andere lernfähige
Maschinen) ermöglichen es, die Kommunikation
zwischen Mensch und Kunstwerk auf eine neue
Ebene zu stellen ("aktive Kunstwerke").
Die Kommunikation in biologischen Neuronalen
Netzen (also auch in unserem Gehirn) läuft
vollkommen anders ab als in allen bisherigen
Computern, eher als eine Art "Hirnmusik":
Rhythmen, Überlagerungen von Rhythmen,
Phasenverschiebungen relativ zu diesen Rhythmen
sind wesentliche Elemente der Kommunikation im
Gehirn.
Alle unsere Gedanken, Erinnerungen, Bilder usw.
sind weder als "Bilder" noch als Zahlen oder Bits,
sondern durch zeitliche Rhythmen (spike trains) in
unserem Gehirn kodiert. Vermutlich werden
zukünftige Kunstformen davon Gebrauch machen.
Übrigens: William L. Ditto, der Leiter eines Projekts am Georgia Institute of
Technology, rechnet damit, daß Biocomputer - also Computer, die Computerchips mit
menschlichen Gehirnzellen verbinden - frühestens in zehn Jahren marktreif sein
werden.
 

Abbildungen für die Hand des Schülers


 

Bewusste Handlung (Tonband leiser stellen)

(aus: Dobers u.a.: Über die Natur 4. Wien 1994.)


 

Reflexartige Handlung als Reaktion auf ein spontanes Ereignis

(aus: Dobers u.a.: Über die Natur 4. Wien 1994.)

Reflexbogen: Die Umschaltung von sensiblen auf motorische Fasern im Rückenmark

(aus: Driza u.a.: Leben und Umwelt Band 4. Wien 1988.)

Arbeitsblätter für den Unterricht


(alle aus: Westermann multimedia Arbeitsblätter Biologie, Version 1.1., Braunschweig 1998.)

Arbeitsblatt 1
 

Lösung zu Arbeitsblatt 1
Arbeitsblatt 2
 
 

Lösung zu Arbeitsblatt 2

Arbeitsblatt 3
wpe8.jpg (18625 Byte)

Lösung zu Arbeitsblatt 3
1 Zellkern        2 Zellkörper         3 kurze Nervenfortsätze         4 Hülle        

5 Einschnürung        6 Nervenfaser         7 Endverzweigung