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© Walhalla u. Praetoria Verlag GmbH & Co. KG, Regensburg


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Schnellübersicht
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Die Schnellübersicht führt Sie zu Ihrem Thema.
Die Kapitelüberschriften führen Sie zur Lösung.

Ihr Arbeitsplatz nach Maß . . . . . . . . . . 7

Die Suche nach der


1 passenden Stelle . . . . . . . . . . . . . 9

2 Die Bewerbung . . . . . . . . . . . . . . 37

3 Das Vorstellungsgespräch . . . . . . 97

4 Weitere Auswahlverfahren . . . . . 135

Bewerbung um einen betrieblichen


5 Ausbildungsplatz . . . . . . . . . . . . . 151

6 Das Arbeitsverhältnis . . . . . . . . . 159

Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 165

Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . 167
Ihr Arbeitsplatz nach Maß
Viele Menschen denken bei dem Begriff „Beruf“ in erster Linie an
Geldverdienen und Sicherung des Lebensunterhalts. Darüber hi-
naus sollen aber auch die sozialen und psychologischen Begleit-
umstände der Arbeit stimmen: So wünschen wir uns bei unserer
Berufstätigkeit ein gutes Betriebsklima, eine interessante Tätig-
keit, Ansehen und Achtung in der Gesellschaft sowie die Erfüllung
unserer persönlichen Interessen und Ziele. Den maßgeschneider-
ten Arbeitsplatz zu finden, der all diese Vorstellungen erfüllt, ist
gewiss nicht einfach in einer Zeit, in der immer noch zu viele Men-
schen in der Bundesrepublik arbeitslos gemeldet sind.
Dieses Handbuch verbessert entscheidend Ihre Ausgangslage. Sie
erfahren, wie Sie bei der Stellensuche am effektivsten vorgehen,
wie Sie eine ansprechende Bewerbung optimal gestalten und was
Sie über Auswahlverfahren wissen müssen. Zudem lernen Sie be-
währte Bewerbungsstrategien kennen, die Sie zum Erfolg führen
– Ihr intensives und aktives Engagement vorausgesetzt.

Diese Grafik fordert Sie besonders zur aktiven Mitarbeit auf: No-
tieren Sie, dem jeweiligen Auftrag folgend, Ihre Überlegungen
schwarz auf weiß auf bereitliegendem Notizpapier. Zwingen Sie
sich zu einer schriftlichen Bearbeitung. Denkt man sich die eige-
nen Beiträge nur, befasst man sich erfahrungsgemäß nicht sehr in-
tensiv mit dem jeweiligen Problem. Die schriftliche Erledigung
trägt zu genauerem Überlegen und zu exaktem Formulieren bei.
Die Leserinnen werden um Verständnis gebeten, dass aus Platz-
gründen auf Doppelbezeichnungen (z. B. der Bewerber/die Bewer-
berin) verzichtet wurde.
Der in diesem Handbuch verwendete Begriff „Personalreferent“
bezeichnet alle mit der Personalbeschaffung betrauten Personen,
auch wenn diese im Betrieb eine andere Tätigkeitsbezeichnung
(z. B. Personalchef, Personalleiter, Personalsachbearbeiter) tragen.
Hans-Jürgen Kratz
www.personaltraining-kratz.de

www.WALHALLA.de 7
Die Suche nach der
passenden Stelle 1
Sie gehen planvoll vor . . . . . . . . . . . . . . 10

Sie entwickeln Initiative . . . . . . . . . . . . 18

Die Bundesagentur für Arbeit . . . . . . . . 20

Stellenanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20

Gewerbliche Arbeitsvermittler . . . . . . . 30

Initiativbewerbungen . . . . . . . . . . . . . . 31

Stellengesuche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Persönliche Kontakte . . . . . . . . . . . . . . 35
Die Suche nach der passenden Stelle

Sie gehen planvoll vor


Für Sie kommt es als Arbeitsuchender darauf an, sich optimal für
die Arbeitsplatzsuche zu rüsten, um sich möglichst gut zu „verkau-
fen“, sich erfolgreich zu „präsentieren“, denn Sie bieten Ihre ei-
gene Dienstleistung/Arbeitskraft an. Das Wort „Bewerbung“ sagt
aus, dass dieser Vorgang etwas mit Werbung zu tun hat. Der Pro-
duzent einer Ware macht mit Werbung auf sein Angebot auf-
merksam und weckt den Wunsch zum Kauf des Produkts.
Sie sind in einer ähnlichen Situation. Sie werben bei einem Arbeit-
geber für sich. Sie müssen verkaufspsychologisch richtig vorgehen,
damit Ihnen zunächst vom Arbeitgeber die erforderliche Auf-
merksamkeit geschenkt und anschließend der Wunsch geweckt
wird, mit Ihnen einen Arbeitsvertrag abzuschließen.
Selbst wenn es genügend Stellenangebote gibt, scheitern manche
Bewerbungen. Das liegt oft daran, dass der Arbeitsuchende nicht
überzeugend für sich wirbt und ohne Plan und System vorgeht. Es
fehlt einfach das Knowhow für erfolgreiches Bewerben.

Praxis-Tipp:
Auch in der Bewerbungssituation trifft die alte Weisheit zu:
Wie man startet, so liegt man im Rennen!

Das Flussdiagramm im Anschluss soll Ihnen bei Ihrer planvollen


Vorgehensweise behilflich sein.

Planen Sie Ihren Berufsweg frühzeitig und sorgfältig!


Dass die Berufsplanung keinesfalls einfach ist, lässt sich an der Zahl
der beruflichen Möglichkeiten in der Bundesrepublik Deutschland
ablesen: Es stehen ca. 30 000 verschiedene Tätigkeitsmöglichkei-
ten zur Auswahl, die zudem einem ständigen Wandel unterliegen.
Diese Zahl macht deutlich, wie wichtig berufskundliche Informa-
tionen sind. Die meisten Menschen kennen nur einen ganz kleinen
Ausschnitt aus der Palette möglicher Tätigkeiten. Bewegen Sie sich
gedanklich nur in dem Ihnen bekannten Sektor, engen Sie das Ent-
scheidungsfeld unnötig ein.

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Sie gehen planvoll vor

START

JA
Arbeitsplatz

NEIN
Bewerbung vorbereiten

Arbeitsplatzsuche

Arbeitsplatz
NEIN
gefunden?
JA
Bewerbung

NEIN
Einladung?

JA
Vorbereitung

Vorstellungsgespräch

Weitere Ausleseverfahren

NEIN
Arbeitsvertrag?

JA
Ihre Situation als „Neuer“

Erfolgreiche NEIN
Probezeit?
JA
ENDE

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Die Suche nach der passenden Stelle

Praxis-Tipp:
Je ausführlicher, gründlicher und weitreichender Ihre persönli-
che Informationssuche und -verarbeitung ist, umso eher lässt
sich die beste Handlungsalternative auswählen.

Für Ihre Informationssuche und -verarbeitung benötigen Sie Zeit:


Zeit zum Klären und Erkunden, Zeit zum Nachdenken und Er-
gründen, Zeit zum Aufdecken von Missverständnissen, Zeit zum
Untersuchen wichtiger Hinweise, Zeit zum Ermitteln gangbarer
Wege, Zeit zum Feststellen wichtiger Termine usw. Da Sie unüber-
legte, unbewusste oder irrationale Motive durch aussagekräfti-
ge Informationen ausschalten können, sichern Sie Ihre Entschei-
dung ab und vermindern das Risiko. Schließlich sind berufliche
Weichenstellungen ganz wichtige Lebensentscheidungen und
sollten demzufolge nicht von einer Kette von Zufällen bestimmt
werden.
Bevor Sie bereits am Start Fehler begehen, die Sie ins Hintertreffen
geraten lassen, schenken Sie Ihre allergrößte Beachtung der Frage
Was will ich?
Möglicherweise suchen Sie vor Ihrer Berufsentscheidung die Bera-
tungsfachkräfte Ihrer Agentur für Arbeit auf. Einem verantwor-
tungsbewussten Arbeitsvermittler beziehungsweise Arbeitsbera-
ter wird es eher selten gelingen, den „Stein der Weisen“ zu fin-
den. In diesem Fall sollten Sie nicht den Fehler begehen, diese
Vermittlungs- und Beratungsmöglichkeit in Bausch und Bogen zu
verdammen. Vielmehr sollten Sie sich auf jedes Gespräch vorbe-
reiten, indem Sie eine Liste Ihrer Neigungen, beruflichen Vorstel-
lungen, Absichten und Fragen zusammenstellen. Eine konkrete
und realistische berufliche Zielsetzung muss zunächst erarbeitet
werden. Wer sich selbst keine Ziele setzt, wird in die Irre gehen,
berufliche Umwege in Kauf nehmen müssen, die in der Regel
schwer zu korrigieren sind. Berufliche Fehlentwicklungen kosten
immer Zeit, Geld und Selbstvertrauen. Leider wird oft erst später
klar, wie sehr frühere Entscheidungen die nachfolgenden Mög-
lichkeiten vorbestimmten und weiter einschränkten.

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Sie gehen planvoll vor

Scheuen Sie sich nicht, auch von anderen Seiten (z. B. Industrie-
und Handelskammern, Handwerkskammern, Landwirtschaftskam-
mern, Berufs- und Wirtschaftsverbänden, wie Einzelhandelsver-
band, Wirtschaftsvereinigung Bauindustrie, Ärzte-, Anwalts- oder
Steuerberaterkammern), Informationen einzuholen.
Schließt ein Beratungsgespräch nicht mit einem von Ihnen akzep-
tierbaren Ergebnis ab, werfen Sie nicht gleich das Handtuch, son-
dern dringen Sie auf eine Fortsetzung der Beratungsbemühun-
gen. Für Sie ist eine Beratung letztlich nur dann erfolgreich, wenn
sie Ihre Möglichkeiten zur Aufnahme einer Berufstätigkeit ver-
bessert.
Lassen Sie sich Ihr Leben nicht aus der eigenen Hand nehmen, las-
sen Sie sich nicht durch andere verplanen oder in eine unge-
wünschte Richtung drängen! Es geht um das speziell auf Sie aus-
gerichtete Ziel. Ein von Ihnen als erstrebenswert und realistisch er-
kanntes Ziel weckt in Ihnen schlummernde Kräfte! Aus eigener Er-
fahrung wissen Sie: Wenn ich wirklich etwas will, bin ich zu er-
staunlichen Leistungen fähig.

Praxis-Tipp:
Zeigen Sie selbst Initiative, und vergegenwärtigen Sie sich,
dass es um Ihre berufliche Zukunft geht. Hierfür sind in erster
Linie Sie selbst verantwortlich! Denken Sie daran: Beratende
Institutionen können immer nur Hilfestellungen geben, ent-
scheiden müssen Sie! Sie tragen ja auch die Auswirkungen Ih-
rer Entscheidungen.

Ermitteln Sie Ihr Knowhow!


Leider bleiben viele Bewerbungen erfolglos, weil es am „persönli-
chen Marketing“ mangelt. Die Absagen führen zu Verärgerungen,
Enttäuschungen, gelegentlich sogar zu Resignation. Vielfach se-
hen frustrierte Bewerber die Schuld mit sehr verschiedenartigen
Begründungen auf der Arbeitgeberseite. Die Analyse vieler Fehl-
schläge zeigt jedoch, dass der Arbeitsuchende seine Bewerbung
häufig nicht sorgfältig genug vorbereitet hat.

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Die Suche nach der passenden Stelle

Beginnen Sie zunächst gewissenhaft und sehr gründlich, sich über


die Punkte einen Überblick zu verschaffen, die Sie individuell in
die Waagschale werfen können. Berücksichtigen Sie bei Ihren
Überlegungen einige Fragen:
 Wie beurteile ich mein Persönlichkeitsprofil?
 Was habe ich bislang gemacht?
 Wo lagen meine Schwerpunkte?
 Was kann ich wirklich?
 Was zeichnet mich aus?
 Was habe ich, das die anderen nicht haben?
Da es auf Anhieb nicht leicht ist, die eigenen Pluspunkte darzule-
gen, stellen Sie vier Inventurlisten auf. So halten Sie konkret Ihr in
die Bewerbung einzubringendes Kapital fest.

Inventurliste 1: Kenntnisse und Fertigkeiten

Beispiel: Wann/wo erworben?

 Kenntnisse und Fertigkeiten 3 Jahre bei Fa. Sasse, Delmen-


des Berufsbildes „Radio- und horst, Gesellenprüfung 3/3
Fernsehtechniker“
 Praktische Fehlersuche und 9 Monate im Anschluss
Reparaturtechnik an Lehre 19 . ./. .
 Kenntnisse in der Luftfahr- 2 Jahre Bundesmarine
zeugelektronik
 Vertiefung und Erweiterung Abendausbildung in Bremen
elektronischer Kenntnisse 20 . .
durch Lehrgang Elektronik- ...
Pass Teile 2 und 3
...

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Sie gehen planvoll vor

Inventurliste 2: Persönliche Fähigkeiten


Beispiel: Wobei erprobt?
 Kontakt- und Kommuni- Kundengespräche im Rahmen
kationsfähigkeit des Einsatzes als Service-Techniker
 Belastbarkeit Einsatz auch an Wochenenden
und zu ungünstigen Zeiten,
keine ernsthaften Erkrankungen
 Entschlussfreudigkeit Vor Ort verantwortlich Entschei-
dungen treffen
 Organisationstalent ...
 Zielstrebigkeit ...
 Ideenreichtum ...
 Selbstständigkeit ...
 Personalführung ...
 Durchsetzungsvermögen ...
 Konzentrationsfähigkeit ...
 Zuverlässigkeit ...
... ...

Inventurliste 3: Persönliche Zusatzqualifikationen


(= berufsrelevante Pluspunkte)
Beispiel: Wo erprobt?
 Berufserfahrung ...
 spezielle Markt-/Branchenkenntnisse ...
 umfangreiche Produktkenntnisse ...
 erkennbare berufliche Flexibilität ...
 örtliche Mobilität ...
 Ortskenntnisse ...
 berufsrelevante Hobbys ...
 Vortrags-/Unterrichtstätigkeit ...
 Mitarbeit in berufsrelevanten Ausschüssen
und Gremien ...
 Bekanntheitsgrad bei potenziellen Kunden/
Zulieferern
 in Berufstätigkeit einzubringende Beziehungen ...

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Die Suche nach der passenden Stelle

Inventurliste 4: Bisherige Erfolge

Beispiel:
 Examen als Krankenschwester mit „gut“ abgeschlossen
 Staatliche Anerkennung als Krankenschwester für Anästhesie und
Intensivmedizin mit „gut“ abgeschlossen
 Zweijähriger Einsatz als Zweitschwester auf einer Intensivstation
mit sehr guter Beurteilung
 Berufsbegleitenden Lehrgang „Stationsleitung im Krankenhaus“
mit „sehr gut“ beendet

Die Muster-Inventurlisten sollen Sie anregen, für sich selbst eine


Bestandsaufnahme zu machen.

Während Sie sich bei den Inventurlisten 1, 3 und 4 an belegbaren


Fakten orientieren, bereitet eine zutreffende Einschätzung positi-
ver persönlicher Fähigkeiten und Eigenschaften immer wieder
Schwierigkeiten. Arbeitsuchende mit stark ausgeprägtem Selbst-
bewusstsein reklamieren viele positive Eigenschaften für sich,
während andere Bewerber aus lauter Bescheidenheit zur Tiefsta-
pelei neigen. In beiden Fällen wäre mehr Objektivität vonnöten.
Einer realistischen Betrachtung unserer Person kommen wir dann
näher, wenn wir von Verwandten, Freunden oder Kollegen ein
Feedback über unsere Persönlichkeitsmerkmale erhalten.
Nehmen Sie sich für die Zusammenstellungen viel Zeit. Es genügt
nicht, von sich zu behaupten, kreativ zu sein. Durch das Eintragen
von einem oder mehreren Beispielen in der rechten Spalte der In-
venturliste 2 müssen Sie schon „beweisen“, weshalb diese persön-
liche Fähigkeit einer Ihrer Schwerpunkte ist. Mit konkreten Bei-
spielen aus Ihrer Vergangenheit lassen sich Fähigkeiten wesentlich
eindrucksvoller und fundierter belegen als durch einfache Be-
hauptungen. Da Ihnen in der Stresssituation eines Vorstellungsge-
sprächs geeignete Beispiele kaum einfallen werden, legen Sie ge-

16 www.WALHALLA.de
Sie gehen planvoll vor

wissenhaft diese Inventurliste an. So werden aus bloßen Behaup-


tungen einstellungsrelevante Fakten.
Hobbys finden in Ihren Listen nur dann Erwähnung, sofern sie für
den angestrebten Beruf von Bedeutung sind.

Praxis-Tipp:
Versuchen Sie, Ihre Aussagen so konkret wie möglich zu fas-
sen. Der Hinweis auf englische Sprachkenntnisse ist wenig aus-
sagekräftig. Es ist schon ein Unterschied, ob Sie über Grund-
kenntnisse verfügen oder die Fremdsprache fließend in Wort
und Schrift beherrschen.

Nach dieser persönlichen Standortbestimmung haben Sie die


Frage
Wer bin ich?
beantwortet. In künftigen Vorstellungsgesprächen werden Ihnen
Fragen nach bisherigen Erfolgen, nach Fähigkeiten, Fertigkeiten
und Kenntnissen keine Schwierigkeiten bereiten. Auch sind Sie
sich jetzt bewusst, dass Sie dem Arbeitgeber etwas zu bieten ha-
ben. Dieses Wissen trägt dazu bei, die von Bewerbern oft einge-
nommene Rolle des Bittstellers zu vermeiden.
Richten Sie sich jetzt Ihr „Bewerberbüro“ ein. An einem ruhigen
Plätzchen tragen Sie alles zusammen, was für die Arbeitsplatz-
suche von Bedeutung ist.

Checkliste: Bewerberbüro
 Ihr „Handbuch Bewerbung“
 Aktenordner mit Stellenanzeigen für eventuelle Initiativbewer-
bungen (Genaueres dazu noch in diesem Kapitel)
 Aktenordner für die Durchschriften Ihrer Bewerbungsschreiben
und die folgende Korrespondenz sowie für Informationen über
Arbeitgeber, bei denen Sie sich bewerben
 weißes Papier (mindestens 80 Gramm)
 Computer (möglichst mit Internetzugang) mit Drucker und
Scanner

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Die Suche nach der passenden Stelle

noch: Checkliste: Bewerberbüro

 feste Briefumschläge mit Kartonrücken (Format DIN-C4 oder


DIN-B4)
 genügend viele Kopien von Schul-, Arbeits- und Dienstzeugnissen
sowie Teilnahmebescheinigungen
 Lichtbilder
 Klebstoff (zum Aufkleben von Lichtbildern)
 weicher Bleistift (zum Beschriften von Lichtbildern)

Sie entwickeln Initiative


Eine Erfolg versprechende Arbeitsplatzsuche ist keine nebenbei zu
betreibende Freizeitbeschäftigung, sondern ein Vorgang, der
Mühe und Arbeit macht sowie Energie, Geduld und Ausdauer vo-
raussetzt. Sie wollen nicht irgendeinen Arbeitsplatz besetzen, son-
dern eine Stelle erhalten, auf der Sie Ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten
und Kenntnisse gezielt einsetzen und sich persönlich entfalten
können.
Mancher Arbeitsuchender richtet seinen Hilfe suchenden Blick aus-
schließlich auf die Agentur für Arbeit. Bis ihm diese Einrichtung
eine seinen Vorstellungen entsprechende Stelle nachweist, kann es
lange dauern, wobei Geduld und Nerven des Arbeitsuchenden auf
eine harte Probe gestellt werden. Erwerbslose, die Leistungen von
der Agentur für Arbeit erhalten, sind sogar verpflichtet, Eigenini-
tiative bei der Arbeitsplatzsuche zu entwickeln und die Beschäfti-
gungssuche nicht allein der Agentur für Arbeit zu überlassen.

Praxis-Tipp:
Denken Sie daran: Niemand wird sich für Ihre Belange so stark
engagieren wie Sie selbst!

Nutzen Sie also alle Möglichkeiten der Suche nach einem freien
und passenden Arbeitsplatz. Lernen Sie von der Wirtschaft: Wer
etwas anzubieten hat, erzählt dies überall und streut sein Angebot
möglichst breit.

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Sie gehen planvoll vor

SIE UNTERNEHMEN
werden aktiv wird aktiv

gewerb-
persön- Online- Agentur
licher
liche Stellen- für
Arbeits-
Kontakte börse Arbeit
vermittler

Internet- Initiativ-
Stellen- Stellen-
Recher- bewer-
gesuche anzeigen
che bungen

offene
Stellen-
anzeigen

Chiffre-
Anzeigen

Regional-
presse

Über-
regionale
Presse

Fachzeit-
schriften

Internet

Bewerbung

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Die Suche nach der passenden Stelle

Die Bundesagentur für Arbeit


Die örtlichen Agenturen für Arbeit tragen die Hauptlast der Ar-
beitsvermittlung. Die Arbeitsvermittlung ist darauf ausgerichtet,
Arbeit suchende Arbeitnehmer mit Arbeitgebern zum Abschluss
eines Arbeitsvertrages zusammenzubringen. Auch wenn von man-
chen Lesern die Aussichten einer Arbeitsvermittlung durch die
Agentur für Arbeit skeptisch beurteilt werden, sollten Sie dennoch
Kontakt aufnehmen. Ihre Chancen können nur steigen: Im Jahr
2008 führten Kontakte der Arbeitgeber zur Arbeitsagentur oder
zu den Internet-Jobbörsen der Bundesagentur zu jeder sechsten
Einstellung. Nutzen Sie also das Wissen und die Erfahrung der
Fachleute Ihrer Agentur für Arbeit.

Praxis-Tipp:
Da Sie häufig mit längeren Wartezeiten für ein Gespräch rech-
nen müssen, vereinbaren Sie frühzeitig einen Termin.

Stellenanzeigen
Auf der Arbeitgeberseite sind Stellenanzeigen in der Presse immer
noch ein beliebtes Werbemittel im Rahmen der Personalbeschaf-
fung. So wurden im Jahr 2008 von den Arbeitgebern Stellenan-
zeigen bei 41 Prozent der Neueinstellungen geschaltet. Die Ent-
scheidung über die Wahl des richtigen Werbeträgers ist vor allem
von dem Verhalten und den Erwartungen der anzusprechenden
Zielgruppe abhängig. In der regionalen Presse (z. B. Kölner Stadt-
Anzeiger, Weser-Kurier, Westfalenpost) werden im Regelfall Stel-
lenanzeigen für Positionen bis zur mittleren Führungsebene (Meis-
ter, Techniker) veröffentlicht. Der Arbeitgeber geht davon aus,
dass eine geeignete Arbeitskraft aus dem Einzugsgebiet des Be-
triebs gewonnen werden kann. Mit der Einstellung des neuen Mit-
arbeiters aus der näheren Umgebung sind kaum persönliche oder
familiäre Probleme (z. B. Umzug, Schulwechsel, Aufgabe des Ar-
beitsplatzes des Ehepartners) verbunden, so dass sich der Neuling
vom ersten Arbeitstag an voll auf seinen neuen Arbeitsplatz kon-
zentrieren kann. So schreibt eine Firma Arbeitsplätze für Lageris-
ten, Kraftfahrer, Buchhalter oder Schweißer in der Lokalzeitung

20 www.WALHALLA.de
Stellenanzeigen

aus; hingegen werden Werkschutzleiter, Entwicklungschefs oder


EDV-Leiter sowie Spezialisten und Mitarbeiter, die im näheren Um-
kreis nicht zu gewinnen sind, mit einer Stellenanzeige in einer
überregionalen Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süd-
deutsche Zeitung, Die Welt) gesucht.
Für Berufsanfänger ist der Stellenanzeigenteil der überregionalen
Zeitungen nur in seltenen Fällen ergiebig, kann aber interessante
und gut verwertbare Informationen über Unternehmen (siehe
Kapitel 3) enthalten.
Besondere Beachtung sollten Sie Fachzeitschriften (z. B. „Das Den-
tal-Labor“, „Fleischereitechnik“, „Rationelle Hauswirtschaft“)
schenken. In diesen Spezial- oder Branchenpublikationen treffen
Inserenten auf einen bereits ausgewählten Leserkreis. Welche
Fachzeitschrift für Sie in Betracht kommt, recherchieren Sie in den
Portalen www.fachzeitung.com oder www.metagrid.de.
Wichtig: Betrachten Sie bei Ihrer Stellensuche Fachzeitschriften als
ergiebige Fundgrube von Stellenangeboten beziehungsweise als
wirksames Sprachrohr für Ihr Stellengesuch.
Bei der Abfassung einer gut aufgebauten und aussagekräftigen
Stellenanzeige wird eine Firma folgende Punkte beachten: Vor-
stellung des Unternehmens, Beschreibung des zu besetzenden Ar-
beitsplatzes, Anforderungsprofil sowie Angaben zur Bewerbung.
Achtung: Sie sollten Vorsicht walten lassen, wenn Stellenanzeigen
den Auftraggeber nicht aufführen, nur so von schwammigen For-
mulierungen, utopischen Verdienstmöglichkeiten und unrealisti-
schen Aufstiegschancen strotzen und sachliche Informationen über
den zu besetzenden Arbeitsplatz vermissen lassen oder keinerlei
Vorkenntnisse fordern. Häufig sollen auf diese Weise „windige“
Vertreterjobs (z. B. Haustürverkauf von Abonnements für Zeit-
schriften und Zeitungen) besetzt werden. Ist der in der Stellenan-
zeige genannte Ansprechpartner in einem Hotel oder Restaurant
erreichbar oder wird vom Bewerber sofortige Reisefertigkeit er-
wartet, liegt der Verdacht nahe, dass neue „Drücker“ rekrutiert
werden sollen. Bietet die Stellenanzeige nähere Informationen
„nur gegen Schutzgebühr“ an, wird eine Vermittlungsgebühr für
den Nachweis eines bestimmten Arbeitsplatzes erhoben oder wer-
den Gebühren für „Einführungsseminare“ oder „Informationsver-

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Die Suche nach der passenden Stelle

anstaltungen“ gefordert, gehen Sie dieser Bauernfängerei nicht


auf den Leim, sondern sparen Sie Geld, Zeit und Nerven für seriöse
Angebote auf. Auch angebotene Heimarbeit, die mit Vorleistun-
gen des Bewerbers in Form des Kaufs von Materialien oder Maschi-
nen verbunden sind, sollte bei Ihnen auf Misstrauen stoßen.
Vorsicht ist auch dann angesagt, wenn angebliche Arbeitgeber in
der Stellenanzeige Ihren Anruf unter einer mit 0900 beginnenden
Telefonnummer erbitten. In der Praxis werden anrufende Bewer-
ber ständig weiterverbunden, mit vielen zeitraubenden Fragen
bombardiert oder gar durch einen längeren fernmündlichen „Eig-
nungstest“ viele Minuten am Apparat gehalten. Dies hat System:
Der Angerufene erhält die Hälfte der Gebühren, die sowieso schon
erheblich höher liegen als beim Normaltarif. Während mit jeder
Gebühreneinheit die Taschen des „Arbeitgebers“ gefüllt werden,
bewahrheitet sich für den Anrufer nach Gesprächsende zumeist
die Erkenntnis: „Außer Spesen nichts gewesen!“
Nennt eine Firma in ihrer Stellenanzeige ihre volle Anschrift, spre-
chen wir von einer offenen Stellenanzeige. Der Bewerber kann sich
auf den Arbeitgeber einstellen. Demgegenüber erzeugt die Chif-
fre-Stellenanzeige häufig Misstrauen und wird von vielen Bewer-
bern als untaugliches Instrument der Personalsuche abgelehnt.
Es kann aus Sicht des Arbeitgebers Gründe geben, die eine Chiffre-
Stellenanzeige als zweckmäßig erscheinen lassen:
 Ein gegenwärtig im Betrieb arbeitender ungekündigter Mitar-
beiter soll ersetzt werden.
 Während in einzelnen Betriebsbereichen Arbeitsplätze abge-
baut werden, benötigen andere Abteilungen neue Mitarbeiter
mit Spezialkenntnissen.
 Kleine und mittlere Unternehmen versprechen sich ein größe-
res Bewerberecho als unter ihrem Firmennamen.
 Will eine Firma zur Bildung neuer Schwerpunkte (z. B. Kapa-
zitätserweiterungen, spezielle Investitionsvorhaben) Personal
einstellen, soll dies anonym geschehen, um die Wettbewerber
nicht frühzeitig aufmerksam zu machen.
 Bewerber werden auf Distanz gehalten, weil telefonische und
schriftliche Nachfragen unmöglich gemacht werden.

22 www.WALHALLA.de
Stellenanzeigen

Die vorstehende Aufzählung zeigt Ihnen, dass ein Unternehmen


ein berechtigtes Interesse an dieser Art von Stellenanzeigen haben
kann.
Zu Ihrem offensiven Arbeitsplatzsuchverhalten zählt es deshalb
auch, auf interessante Chiffre-Stellenanzeigen zu reagieren. Sie
setzen in das Adressenfeld Ihres Bewerbungsschreibens nur die
Chiffre und benutzen die übliche Anrede „Sehr geehrte Damen
und Herren“. Ihre Bewerbungsunterlagen schicken Sie an die Zei-
tung und schreiben deutlich die Chiffre auf den Umschlag.
Wollen Sie nicht, dass Ihre Unterlagen an ein bestimmtes Unter-
nehmen (es können auch mehrere sein) weitergeleitet werden,
haben Sie die Möglichkeit, Ihre Bewerbung mit einem Sperrver-
merk zu versehen. Auf dieses Verfahren zum Schutz des Bewerbers
machen manche Stellenanzeigen mit Zusätzen wie „Sperrver-
merke werden berücksichtigt“ oder „Weiterleitungsvermerke
werden beachtet“ aufmerksam. Wollen Sie dieses Verfahren nut-
zen, stecken Sie Ihre Bewerbungsunterlagen in einen Umschlag,
kleben ihn zu und beschriften ihn wie bereits beschrieben. Den
Umschlag schieben Sie mit Ihrem Sperrvermerk in einen etwas
größeren Umschlag, den Sie ohne Angabe der Chiffre der Zeitung
zuleiten. Ihr Sperrvermerk könnte wie folgt formuliert sein:

Beispiel:
SPERRVERMERK zur Chiffre …
Bitte leiten Sie meine Bewerbung nicht an nachstehend ge-
nannte Firmen weiter:
1. Klaus Zimmermann, Ahausen, Kleine Str. 6
2. EDB-Nachrichten, Hamburg, Kleine Freiheit 16
3. Personalberatung Anton, Barstadt, Auf der Wiese 6
Ernst Meier
Langer Pfad 123
21129 Hamburg

Der Zeitungsverlag wird Ihren Sperrvermerk vor Weitergabe Ihrer


Bewerbungsunterlagen kontrollieren. Ist das inserierende Unter-

www.WALHALLA.de 23
Die Suche nach der passenden Stelle

nehmen mit einer von Ihnen im Sperrvermerk genannten Firma


identisch, erhalten Sie Ihre Unterlagen nach einer angemessenen
Zeit in einem neutralen Umschlag zurück.
Sind Sie mit Ihrer Bewerbung in die engere Wahl gekommen, wird
das Unternehmen mit seiner Einladung zur Vorstellung die Anony-
mität lüften.

Stellenanzeigen im Internet
Stehen Ihnen die erforderlichen technischen Möglichkeiten zur
Verfügung, sollten Sie immer an die Arbeitsplatzsuche via Internet
denken. So nutzen akademische Berufsneulinge Online-Stellenan-
zeigen mittlerweile zu 86 Prozent, während Print-Stellenanzeigen
nur von 64 Prozent der Jungakademiker ausgewertet werden.
Die Firmen gehen verstärkt dazu über, freie Stellen auf der eige-
nen Unternehmenswebseite zu veröffentlichen. 85,9 Prozent der
in einer Studie der Universitäten Frankfurt und Bamberg befrag-
ten Fimen gaben an, Stellen über ihren Internetauftritt auszu-
schreiben, lediglich 26,6 Prozent inserieren ihre Stellen in Printme-
dien (Mehrfachnennungen waren möglich). Längst sind die Ange-
bote nicht mehr auf EDV- und Multimedia-Berufe beschränkt,
auch wenn diese naturgemäß immer noch überproportional ver-
treten sind. Zunehmend präsentieren größere Firmen, Verbände,
Organisationen, Forschungseinrichtungen und Universitäten ei-
gene Internet-Karriereseiten mit Stellenmärkten. Manche Unter-
nehmen nutzen dieses Medium bereits für interaktive Möglichkei-
ten zur Bewerbervorauswahl wie Bewerbertests, Bewerberspiele,
Assessment-Instrumente (siehe Kapitel 4), Bewerber-Chats oder
eine persönliche Bewerberbetreuung.
Gegenwärtig gibt es im Internet eine Vielzahl von Online-Stellen-
börsen, die zum Teil kostenlos in Anspruch genommen werden
können. Hier werden intelligente Suchmaschinen eingesetzt, die
aus den Datenbänken relevanter Stellenmärkte die nachgefragten
Vorschläge herausfiltern. Die Nutzung ist einfach: Sie geben ent-
sprechende Suchkriterien in eine Maske ein – etwa Branche, Post-
leitzahl oder Ähnliches – und erhalten die entsprechenden Ange-
bote. Je nach Empfehlung des Stellenanbieters erfolgt Ihre Bewer-

24 www.WALHALLA.de
Stellenanzeigen

bung per E-Mail (teilweise unter Verwendung vorgegebener


strukturierter Bewerbungsbögen) oder Sie nutzen für Ihre Bewer-
bung den üblichen Postweg. Sicherlich wird es noch einige Zeit
dauern, bis diese Möglichkeit auf breiter Basis genutzt wird, denn
viele elektronische Jobbörsen versprechen mehr als sie halten.
Dennoch sollten Sie diese Suchmöglichkeit unbedingt im Auge be-
halten. Sie können einem zukünftigen Arbeitgeber Eigeninitiative
beweisen und zeigen, dass Sie mit den neuen Medien umzugehen
wissen. Besonderheiten zu Online-Bewerbungen entnehmen Sie
Kapitel 2.

Lektüre und Auswertung von Stellenanzeigen


Da die Analyse von Stellenanzeigen einen beachtlichen Einblick in
die Wünsche und den Bedarf der Arbeitgeber vermittelt, sollten
Sie bereits dann mit der Auswertung von Stellenanzeigen begin-
nen, wenn sich eine drohende Entlassung abzeichnet oder sich bei
Ihnen der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung regt. Sie
werden also schon aktiv, selbst wenn Sie aus terminlichen Gründen
noch keine Bewerbungen absenden wollen. Durch die Vergleichs-
möglichkeit zwischen mehreren gleichartigen Angeboten kom-
men Sie vermutlich bald einem gewissen Trend auf die Spur. Sie er-
kennen, was sich auf Ihrem „Teilarbeitsmarkt“ tut, Sie erhalten ein
Gespür für Ihren „Wert“ auf dem Arbeitsmarkt. Schon mancher
Arbeitsuchende kam bei der Auswertung von Stellenanzeigen auf
neue Ideen, die seine Berufslaufbahn maßgeblich positiv beein-
flussten.
Bei Ihrer systematischen Arbeitsmarktbeobachtung lassen sich Ar-
beitgeber feststellen, die hin und wieder für Sie attraktive Arbeits-
plätze anbieten. Die besonders interessanten Stellenanzeigen
sammeln Sie in dem entsprechenden Aktenordner Ihres „Bewer-
berbüros“. Ist schließlich der Zeitpunkt gekommen, Bewerbungs-
aktivitäten zu zeigen, steht Ihnen eine Sammlung von Firmen zur
Verfügung, denen Sie Initiativbewerbungen zuleiten können.

Wie werten Sie Stellenanzeigen aus?


Lesen Sie die Stellenanzeigen grob durch und streichen Sie hierbei
die interessanten Stellen an. Nach dem Motto „Doppelt genäht

www.WALHALLA.de 25
Die Suche nach der passenden Stelle

hält besser“ lesen Sie in einem zweiten Durchgang den Stellenteil


erneut durch, diesmal jedoch sehr sorgfältig. Sie wollen sich später
sicherlich nicht den Vorwurf machen müssen, beim ersten flüchti-
gen Überfliegen ein Traumangebot übersehen zu haben. Schnei-
den Sie die kenntlich gemachte Stellenanzeige aus und kleben Sie
diese auf ein Extrablatt.

Praxis-Tipp:
Ihre Bewerbung auf eine Stellenanzeige wird nur dann Aus-
sicht auf Erfolg haben, wenn Sie die in der Anzeige genannten
Anforderungen auch erfüllen. Das Wort „unabdingbar“ weist
auf eine Anforderung hin, von der der Arbeitgeber nicht ab-
gehen wird. Ähnlich eindeutig ist „zwingend erforderlich“
oder „von höchster Priorität“. Wird eine mehrjährige Berufs-
praxis gefordert, genügt ein kurzes Praktikum nicht. Verlangt
die Firma perfektes Englisch, werden Sie mit Sprachkenntnis-
sen aus vier Schuljahren gewiss ins Hintertreffen geraten.

Sollten Sie sich dennoch bewerben, müssen Sie überzeugend be-


gründen, weshalb Sie sich trotz der unerfüllbaren Arbeitgebervor-
stellungen um den Arbeitsplatz bemühen. In diesem Fall zeigen
Sie in Ihrem Bewerbungsschreiben Ihre Bereitschaft auf, ein ge-
genwärtig noch vorhandenes Defizit auszugleichen („Über die
von Ihnen geforderten verhandlungssicheren Englischkenntnisse
werde ich nach Besuch eines im nächsten Monat zu absolvieren-
den Refresher-Kurses an der Wirtschaftsakademie … verfügen“).
Erwartet der Stellenanbieter „wünschenswerte“ oder „nützliche“
Qualifikationen (Kann-Anforderungen), über die Sie nicht verfü-
gen, kann eine Bewerbung Erfolg versprechend sein, wenn Sie die
Muss-Anforderungen überzeugend nachweisen sowie sonstige
Pluspunkte in die Waagschale werfen können. Auch geringfügige
Überschreitungen des Wunschalters des Bewerbers sollten Sie
nicht von einer Bewerbung abhalten, weil auch Arbeitgeber wis-
sen, dass es keine überzeugenden oder wissenschaftlich begrün-
deten Rechtfertigungen für starre Altersbeschränkungen gibt
(Ausnahme: Tätigkeiten im öffentlichen Dienst, für die Altersgren-
zen gesetzlich vorgeschrieben sind).

26 www.WALHALLA.de
Stellenanzeigen

Bei der nun folgenden Auswertung der Stellenanzeige soll Ihnen


eine Checkliste Hilfestellung leisten.

Checkliste: Auswerten von Stellenanzeigen


1. Wie stellt sich das Unternehmen dar?
 Betriebsgröße
– Umsatz
– Beschäftigte
 Image, Firmenphilosophie
 Stellung in der Branche
– Marktanteil
– National/International
 Produktionsprogramm
 Zukunftsperspektiven der Firma/der Branche (Stimmen meine
Informationen aus Presse, aus Arbeitsmarktprognosen, von
Berufsverbänden, von Gewerkschaften, von Verwandten/Be-
kannten usw. hiermit überein?)
 Führungsstil
2. Wo befindet sich das Unternehmen?
 Verkehrsverbindungen
 Umzug langfristig erforderlich
 Passende Schulen vorhanden
 Freizeitwert
 Für meine Familie der richtige Ort
 Chance, dass mein berufstätiger Partner dort eine Stelle finden
wird
3. Was wird über die ausgeschriebene Stelle gesagt?
 Berufsbezeichnung
 Aufgabengebiet
 Kompetenzen und Verantwortung
 Einzel- oder Teamarbeit
 Innen- oder Außendienst oder Kombination

www.WALHALLA.de 27
Die Suche nach der passenden Stelle

noch: Checkliste: Auswerten von Stellenanzeigen

 Schichtarbeit
 Befristetes Arbeitsverhältnis
 Zeitarbeit
 Teilzeitarbeitsverhältnis
 Telearbeit
4. Was wird gefordert/gewünscht?
 Schul-/Berufsausbildung
 Berufserfahrung
 Branchenerfahrung
 Auslandserfahrung
 Fach- und Spezialkenntnisse
 Persönliche Fähigkeiten
 Bereitschaft zu Teamarbeit
 Mobilität
 Fremdsprachenkenntnisse
 Veröffentlichungen
 Promotion
 Lebensalter
 Konfessionszugehörigkeit
 Parteizugehörigkeit
 Reisebereitschaft
5. Was bietet das Unternehmen?
 Gezielte Einarbeitung
 Aufstiegsmöglichkeiten
 Gehaltsangabe
 Urlaubs-/Weihnachtsgeld
 Erfolgsbeteiligung
 Firmenfahrzeug
 Soziale Leistungen
 Deputate

28 www.WALHALLA.de
Stellenanzeigen

noch: Checkliste: Auswerten von Stellenanzeigen

 Spezialisierung
 Fortbildung
6. Zu welchem Termin soll die Stelle besetzt werden?
7. Weicht diese Stelle von meinem bisherigen Werdegang
ab oder bedeutet sie eine Weiterentwicklung?
8. Welche meiner Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse
kann ich bei dieser Stelle gut einsetzen?
9. Welche meiner Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse
werden bei dieser Stelle nicht gebraucht?
10. Welche Arbeitgebervorstellungen erfülle ich nicht? Kann ich
dennoch mit genügend interessanten Pluspunkten aufwarten,
um im Rennen zu bleiben?
11. Welche Informationen werden zum Bewerbungsablauf
gegeben?
 Persönliche Bewerbung
 Bis wann soll die Bewerbung vorliegen?
 Vollständige/aussagefähige/ausführliche/übliche Bewerbung
 Kurzbewerbung
 Telefonische Kontaktaufnahme
 Angabe von Sperrvermerken möglich?
 Werden besondere Unterlagen gefordert?
 Spezielle Informationen zum Auswahlverfahren
 Hinweis auf Online-Bewerbungsformular
12. Kann die Stellenanzeige als seriös eingeordnet werden?

Aus welchen Gründen finden Sie die ausgeschriebene Stelle auch


noch nach dieser Analyse attraktiv?

www.WALHALLA.de 29
Die Suche nach der passenden Stelle

Gewerbliche Arbeitsvermittler
Manche Unternehmen entscheiden sich weder für eine offene An-
zeige noch für eine Chiffre-Anzeige. Auch wenden sie sich nicht an
die Arbeitsvermittlung ihrer Agentur für Arbeit, sondern beauf-
tragen einen gewerblichen Arbeitsvermittler (auch als Personalbe-
rater bezeichnet), der bei der Suche und Auswahl von Bewerbern
als Kontaktperson auftreten und unter den geeigneten Bewer-
bern eine Vorauswahl treffen soll.
Gehen Sie davon aus, mit einem gewerblichen Arbeitsvermittler
im Regelfall einen qualifizierten Ansprechpartner vor sich zu ha-
ben. Der Schutz des Arbeitsuchenden vor finanzieller Ausnutzung
ist dadurch gewährleistet, dass Honorare nur vom Arbeitgeber an-
genommen werden dürfen. Ausgenommen sind nur wenige Berei-
che, und zwar die Vermittlung von Künstlern und artverwandten
Berufen sowie von Berufssportlern. Bei diesen Berufen ist es seit je-
her (auch international) zulässig, dass Honorare von den zu Ver-
mittelnden geleistet werden.
Je höher die fachliche Qualifikation eines Arbeitsuchenden einzu-
stufen ist, desto häufiger werden für ihn Arbeitsplätze über ge-
werbliche Arbeitsvermittler angeboten. Hatte das Gebaren der
„Kopfjäger“ lange Zeit etwas Anrüchiges, so gilt es heute längst
nicht mehr als ungewöhnlich, einen Spezialisten mit der Suche
nach qualifizierten Mitarbeitern zu beauftragen.
Gute Personalberater besitzen Erfahrung und Sachkenntnis. Nach
einer adäquaten Ausbildung können sie verschiedenartige eig-
nungsdiagnostische Verfahren einsetzen. Da sie sich häufig auf ein
Arbeitsmarktsegment spezialisiert haben (z. B. EDV-Fachkräfte,
marketingorientierte Ingenieure, Konsumgüter-Industrie), verfü-
gen sie über Marktkenntnisse und Insider-Wissen.
Sofern Sie zu einem gewerblichen Arbeitsvermittler Kontakt auf-
nehmen, sollten Sie diesen als fachkundigen und objektiven Part-
ner betrachten, mit dem auf der Grundlage eines Stellenbeset-
zungsauftrages ein vertrauliches Gespräch über Ihre persönliche
Laufbahn geführt werden kann. Dennoch verhalten Sie sich so, als
ob Ihr Gesprächspartner der potenzielle Arbeitgeber ist. Mit dem
gewerblichen Arbeitsvermittler ist auch die Diskussion von Prob-
lempunkten in der eigenen Karriere möglich. Auch erhalten Sie

30 www.WALHALLA.de
Initiativbewerbungen

Hinweise, die die Erfolgsaussichten eigener Bewerbungsbemü-


hungen erhöhen.

Praxis-Tipp:
Bietet Ihnen Ihr Ansprechpartner eine ausführliche Karriere-
oder Bewerbungsberatung oder ein Coaching an, sollten Sie
zunächst die für diese Dienstleistungen auf Sie zukommenden
Kosten erörtern.

Gehen Sie davon aus, dass der gewerbliche Arbeitsvermittler Ihre


Bewerbung nicht nur in Blick auf die ausgeschriebene Stelle prüft,
sondern auch analysiert, ob Sie möglicherweise für andere ihm
vorliegende Aufträge in Betracht kommen könnten. Um Ihr Inte-
resse an künftigen Vermittlungsaufträgen zu bekunden, sollten
Sie sich auch kostenlos in die Datenbank des gewerblichen Ar-
beitsvermittlers aufnehmen lassen. Da Konkurrenzausschlussklau-
seln nicht seriös sind, können Sie parallel zu mehreren gewerb-
lichen Arbeitsvermittlern (und natürlich auch zur Agentur für Ar-
beit) Kontakt aufnehmen.

Initiativbewerbungen
Mit Initiativbewerbungen oder Blindbewerbungen bezeichnet
man unverlangte Bewerbungen, mit denen Kontakte zu potenzi-
ellen Arbeitgebern geknüpft werden. Eine Bewerbung „auf gut
Glück“ kann bei passenden persönlichen und fachlichen Voraus-
setzungen Erfolg haben.
Mit einer Initiativbewerbung dokumentieren Sie, dass Sie wirklich
arbeiten wollen, dass Sie sich nicht bedienen und verwalten lassen,
dass Sie Initiative und Selbstvertrauen aufweisen und Mut zum Ri-
siko haben. Im Jahr 2008 beruhte etwa jede zehnte Stellenbeset-
zung auf einer Initiativbewerbung. Auf Stellenanzeigen antwor-
ten kann jeder; unaufgefordert aktiv zu werden, ist jedoch nicht
jedermanns Sache.
Wichtig: Aus diesem positiven Bewerberverhalten folgern viele
Betriebe nicht zu Unrecht, dass dieser Bewerber auch auf anderen
geschäftlichen Gebieten Initiative entwickeln und der Firma Nut-
zen bringen wird. Große und mittlere Firmen haben einen ständi-

www.WALHALLA.de 31
Die Suche nach der passenden Stelle

gen Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. Selbst bei Personal-


freisetzungen größeren Umfangs werden neue Mitarbeiter einge-
stellt, weil durch die natürliche Fluktuation ständig Arbeitsplätze
frei werden, die wegen ihrer Bedeutung für den Betrieb nicht über
längere Dauer unbesetzt bleiben können. Fähige Mitarbeiter wer-
den immer benötigt.
Selbst wenn gegenwärtig gar keine Mitarbeiter gesucht werden,
behält so mancher Personalreferent eingesandte Bewerbungsunter-
lagen noch eine Weile in der Schublade. Kommt es dann kurzfristig
zu Personalengpässen, kann der Personalreferent sogleich einen ge-
eigneten Interessenten „aus dem Ärmel schütteln“ und den Mitar-
beiterbedarf schnell, kostengünstig und unbürokratisch decken.
Verfügen Sie über besondere Kenntnisse oder Erfahrungen, wel-
che nur von wenigen Unternehmen wegen einer speziellen Aus-
richtung der betrieblichen Aktivitäten genutzt werden können
(z. B. Firmen mit Schwerpunkt Bohr- und Fördertechnik, Flugge-
sellschaften, Kampfmittelbeseitigung), stellt die Initiativbewer-
bung die ideale Möglichkeit dar, eigenes Knowhow zielgerichtet
anzubieten.
Als Arbeitsplatzsuchender lassen Sie sich nicht von einer mögli-
cherweise hohen Zahl abschlägiger Antworten abschrecken. Auch
müssen Sie damit rechnen, dass Ihnen manche Firma überhaupt
keine Antwort gibt. Da Ihnen im Einzelnen unbekannt ist, bei wel-
chen Arbeitgebern Ihre Bewerbung wegen der gegenwärtigen
Personal- oder Auftragssituation Erfolgsaussichten hat, kalkulie-
ren Sie Streuverluste ein. Lassen Sie den Mut nicht gleich sinken.

Praxis-Tipp:
Auch wenn hier von Initiativ- oder Blindbewerbungen ge-
schrieben wird, ist es ungünstig, „völlig blind“ eine Bewer-
bung auf den Weg zu bringen. Beschaffen Sie sich besser In-
formationen über das Unternehmen (siehe Kapitel 3), so dass
Sie Ihre Bewerbung individuell auf den Empfänger ausrichten
können.

Hinweis: In Kapitel 2 ist das Muster eines Bewerbungsschreibens


bei Initiativbewerbung abgedruckt.

32 www.WALHALLA.de
Stellengesuche

Stellengesuche
Das Stellengesuch oder Eigeninserat ist die kürzeste und prägnan-
teste Form einer Bewerbung. Die Erfolgsaussichten sind nicht
schlecht, da manche Firmen zunächst einmal die hohen Kosten für
eine Stellenanzeige sparen möchten. Findet der Personalreferent
ein passendes Stellengesuch, wird er möglicherweise zunächst mit
diesem Bewerber Kontakt aufnehmen. Dem Inserenten bietet sich
eine gute Chance, weil er nicht mit einer Vielzahl von Mitbewer-
bern in Konkurrenz zu treten braucht und demzufolge mangels
potenzieller Mitbewerber weniger kritisch betrachtet wird.
Zur Größe Ihres Stellengesuchs beachten Sie bitte die Faustregel:
Sie muss der Bedeutung der gesuchten Stelle entsprechen. Wollen
Sie eine Stelle als Berufsanfänger angeboten erhalten, genügt ein
kleines Format. Wird eine Führungsposition gesucht, müssen Sie
schon tiefer in die Tasche greifen. Denken Sie stets daran, dass Ihr
Stellengesuch von anderen Annoncen optisch nicht erdrückt wer-
den darf, Sie aber auch nicht als Angeber ausweisen soll.
Vor einiger Zeit setzte ein Absolvent einer Fachhochschule dieses
Stellengesuch in die regionale Zeitung:

Beispiel:
Jungingenieur
für Betriebs- und Versorgungstechnik mit Kenntnissen im Um-
weltschutz, Ver- und Entsorgung, Heizung, Klima, Lüftung,
Kältetechnik, Feuerungs- und Wärmeanlagen, Instandhal-
tung, Elektrische Maschinen und Anlagen, Konstruktion und
Elektronik sucht Stellung unter LL 3 237 an … Zeitung

Dieser „Wunderknabe“ (über sein Stellengesuch kann man sich


wirklich nur wundern) war erstaunt, nicht eine Antwort hierauf zu
erhalten. Der Grund: Von den bei Stellengesuchen geforderten
knappen und dennoch aussagekräftigen wie prägnanten Formu-
lierungen war in diesem Gesuch nichts zu erkennen. Der Inserent
hatte die Überschriften aus der Stundentafel seines Studienganges
abgeschrieben, ohne seine speziellen Vorzüge und Wünsche zu of-
ferieren. Und wie sollte die von diesem Allerweltsingenieur ge-
suchte Anstellung wohl aussehen?

www.WALHALLA.de 33
Die Suche nach der passenden Stelle

Ein erfolgreiches Stellengesuch muss folgende Aussagen enthalten:


 Bezeichnung des beruflichen Abschlusses = Was bin ich?
 Ihre besondere Qualifikation = Was kann ich?
 Die konkret angestrebte Tätigkeit = Was will ich?
In dem geschilderten Fall wäre ein besser formuliertes Stellenge-
such werbewirksamer und billiger gewesen:

Beispiel:
Ingenieur für Betriebs- und Versorgungstechnik (26 Jahre)
mit aktuellem Fachwissen – Schwerpunkt Ver- und Entsorgung
– sucht Anfangsstellung im kommunalen Bereich. Bitte rufen
Sie an unter …

Heben Sie die „Schlagzeile“ optisch besonders hervor, wird sich ein
Personalmann mit einem Blick angesprochen fühlen – oder nicht.
Zu beachten ist hierbei, dass Berufsbezeichnungen oder akademi-
sche Abschlüsse nicht besonders werbewirksam sind. Ansprechen-
der sind Funktionsbezeichnungen in Kombination mit Zusatzan-
reizen, etwa „Kreditfachmann – Immobilienspezialist“ statt
„Bankkaufmann“ oder „Projektmanagement Holz-/Ladenbau“
statt „Dipl.-Ing.“. Erfahrungsgemäß nimmt sich nicht jeder Perso-
nalreferent die Zeit, alle Stellengesuche gründlich zu lesen und zu
analysieren. Demzufolge muss ihm selbst bei flüchtigem Überflie-
gen der Stellengesuche Ihre Anzeige dank der fett gedruckten
Überschrift sogleich „ins Auge springen“ und ihn fesseln.
Ein interessiertes Unternehmen wird sich bei Ihnen melden. Durch
Angabe Ihrer Telefonnummer im Stellengesuch erleichtern Sie die
Kontaktaufnahme (siehe Kapitel 2).

Praxis-Tipp:
Vorsorglich sollten Sie mehrere Lebensläufe, Lichtbilder und
Zeugniskopien parat haben, um diese zusammen mit einem
gesondert für die jeweilige Firma zu entwerfenden Bewer-
bungsschreiben möglichst bald dem anfragenden Unterneh-
men zuleiten zu können.

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Persönliche Kontakte

Persönliche Kontakte
Nach einer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
durchgeführten Betriebsbefragung kamen im Jahr 2008 fast ein
Drittel aller Neueinstellungen über eigene Mitarbeiter und per-
sönliche Kontakte zustande. Etwa 30 Prozent aller Positionen
werden noch nicht einmal öffentlich ausgeschrieben, sondern mit
Bewerbern aus dem Verwandten- und Bekanntenkreis der Beleg-
schaft besetzt. In einigen Fällen nutzen Betriebe unter Zahlung
von Erfolgsprämien die Kontakte ihrer Mitarbeiter, um besonders
qualifizierte Kandidaten für das Unternehmen zu interessieren.
Die Personalabteilungen versprechen sich auf der Basis vorhande-
ner persönlicher Kontakte eine langfristig stabile, verantwor-
tungsbewusste und flexibel einsetzbare Stammbelegschaft.
Überlegen Sie also bei der Suche nach Ihrem Arbeitsplatz auch, ob
Sie persönliche Beziehungen – „Vitamin B“ – nutzen können. Viel-
leicht haben Sie hierbei einige Skrupel. Denken Sie aber daran:
Was zählt, ist der Arbeitsplatz. Nach fünfjähriger Tätigkeit fragt
niemand mehr, auf welche Art und Weise Sie zu Ihrem Arbeitsplatz
gekommen sind. Falscher Stolz ist hier nicht angebracht, nutzen
Sie also auch diese Möglichkeit. Nicht umsonst heißt es im Volks-
mund: „Beziehungen schaden nur dem, der keine hat.“
Beziehungen sind wichtige Einstiegs- und Karrierebausteine. Sie
können als „Schmierstoff“ dem Bewerbungsverlauf und dem spä-
teren Berufsverlauf ohne Knirschen und Stillstand förderlich sein.
Vielleicht wenden Sie jetzt ein, dass Ihnen die für den „grauen Ar-
beitsmarkt“ erforderlichen Beziehungen fehlen. Das kann im Hin-
blick auf Verwandte, Freunde und Bekannte zutreffen. Haben Sie
aber schon einmal daran gedacht, konsequent Beziehungen zu su-
chen, zu entwickeln und zu pflegen („Networking“)? Ein ideales
Feld für das Anbahnen von Beziehungen bilden Vereine, Ver-
bände und Vereinigungen unterschiedlichster Art. Auch Kontakte
bei Lehrgangs- und Messebesuchen sowie bei Betriebsbesichtigun-
gen und Firmenpräsentationen sind eine gute Ausgangsbasis für
Ihre Bewerbung.
Im Hochschulbereich sind Erstkontakte mit Firmen auf Absolven-
tenkongressen (z. B. „Career Futures“, „Characters“), Rekrutie-
rungs- und Kontaktforen, Firmenkontaktmessen oder gelegentli-

www.WALHALLA.de 35
Die Suche nach der passenden Stelle

che Workshops möglich. An einigen Hochschulstandorten bieten


sich Uni-Absolventen per Absolventenkatalog (vergleichbar einem
Versandhauskatalog) an – eine Vorgehensweise, die in den USA
schon längst gepflegt wird.
Gehören Sie zum akademischen Nachwuchs, können in Betrieben
abgeleistete Praktika den Weg zum künftigen Arbeitsplatz ebnen.
Gleiches gilt für praxisorientierte Seminar- oder Diplomarbeiten,
die in Zusammenarbeit mit einer Firma oder einer Institution ent-
stehen. Hier gilt es, die Ohren offenzuhalten und mühsam aufge-
baute Verbindungen zu Personalverantwortlichen bis zum Zeit-
punkt Ihrer Bewerbung nicht abreißen zu lassen.
Im gewerblichen Bereich ist es üblich, persönlich bei in Betracht
kommenden Firmen vorzusprechen, um Arbeitsmöglichkeiten zu
erfragen. Die Wahrscheinlichkeit, ohne Anmeldung ungelegen zu
kommen, ist groß. Legen Sie also Wert auf eine vorherige Termin-
absprache, damit Ihr Gesprächspartner die notwendige Zeit für
das Gespräch mit Ihnen einplanen kann.
Wollen Sie persönlich beim Betrieb vorsprechen, sollten Sie sich
vorweg intensiv mit den Empfehlungen in Kapitel 3 unseres Rat-
gebers beschäftigen.

36 www.WALHALLA.de
Die Bewerbung
2
Vollständige Bewerbung . . . . . . . . . . . . 38
Bewerbungsschreiben . . . . . . . . . . . . . . 41
Lebenslauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50
EU-Lebenslauf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Lichtbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62
„Dritte Seite“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64
Zeugnisse und
Teilnahmebescheinigungen . . . . . . . . . 65
Sonstige Bewerbungsunterlagen . . . . . 79
Schluss-Check und Verpackung . . . . . . . 81

Online-Bewerbung . . . . . . . . . . . . . . . . 84

Kurzbewerbung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 88

Persönliche Bewerbung . . . . . . . . . . . . 89

Telefonische Bewerbung . . . . . . . . . . . . 89

Personalfragebogen . . . . . . . . . . . . . . . 94
Die Bewerbung

Die geringe Übung beim Formulieren und Zusammenstellen wir-


kungsvoller Bewerbungsunterlagen sowie Angst vor der Preisgabe
persönlicher Daten lassen bei vielen Menschen ein Gefühl von Unsi-
cherheit und Hilflosigkeit entstehen. Dieses bedrückende Gefühl
müssen Sie zur Seite schieben und mit Ihrer Bewerbung im besten
Sinne des Wortes für sich werben.
Im Bewerbungsverfahren unterscheidet man zwischen vollständigen
Bewerbungen, Kurzbewerbungen, persönlichen und telefonischen
Bewerbungen sowie Online-Bewerbungen. Sie stellen sich als Bewer-
ber immer auf die vom Stellenanbieter gewünschte Bewerbungsart
ein. Würden Sie sich bei geforderter ausführlicher Bewerbung mit
einer Kurzbewerbung in Szene setzen wollen, kämen beim Bewer-
bungsempfänger Zweifel an Ihrer Fähigkeit zum richtigen Lesen auf.

Vollständige Bewerbung
Zumeist wird vom Arbeitgeber eine vollständige/informative/schrift-
liche/aussagefähige/übliche/ausführliche Bewerbung gefordert.
Einerlei, welche Formulierung vom Stellenanbieter gewählt wurde,
immer wünscht er sich von Ihnen eine vollständige Bewerbung.
Bevor wir uns mit den Bestandteilen einer vollständigen Bewer-
bung befassen, sollten Sie das Folgende bedenken:

10 Gebote für eine vollständige Bewerbung


1. Bei der gegenwärtig hohen Nachfrage nach Arbeitsplätzen (nach
einer Stepstone-Umfrage treffen bei 96 Prozent von insgesamt
1635 befragten europäischen Unternehmen bis zu 200 Bewerbun-
gen pro freier Stelle ein, bei den übrigen 4 Prozent wird die An-
zahl noch überschritten) konkurrieren Sie häufig mit vielen und
zum Teil guten Mitbewerbern. Hüten Sie sich daher vor Fehlern
bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber. In der heu-
tigen Zeit können Fehler jedweder Art möglicherweise verpasste
Chancen sein. Mancher Arbeitsuchende kann nicht verstehen, dass
es auf seine Bewerbungen Absagen hagelt, ohne dass er die Gele-
genheit zu einem persönlichen Gespräch erhalten hat. Auf die
Idee, dass hier schon die Entscheidung etwa aufgrund des äußeren
Eindrucks der Bewerbungsunterlagen gefällt wurde, kommen
viele nicht. Oft sind es Versäumnisse und Nachlässigkeiten, die
über den weiteren Berufs- und Lebensweg entscheiden. Diese

38 www.WALHALLA.de
Vollständige Bewerbung

noch: 10 Gebote für eine vollständige Bewerbung

„Kleinigkeiten“ werden in ihrer Bedeutung von vielen Bewerbern


leider nicht gesehen, sodass sie selbst fachlich qualifizierten Ar-
beitsuchenden den Weg zur Karriere verstellen.
2. Jede Bewerbung weist auf die Individualität ihres Absenders hin.
Sie gestattet dem Empfänger, sich von Ihnen einen ersten Ein-
druck zu machen. Ihre Bewerbung ist Ihre Visitenkarte. Bei den oft
„zentnerweise“ eingehenden Bewerbungen müssen Sie mit Ihrer
Bewerbung einen positiven ersten Eindruck von sich vermitteln.
Sie bekommen keine zweite Gelegenheit, einen guten ersten Ein-
druck zu machen!
3. In der Werbung weiß man: Hässlichkeit verkauft sich nicht! Man
berücksichtigt auch, dass es auf die Verpackung ankommt. Die
„äußere Aufmachung“ lässt sehr wohl Rückschlüsse darauf zu, wie
ernst es Ihnen mit Ihrer Bewerbung ist. Ihre Bewerbung muss also
von Beginn an für Sie sprechen. Geknickte Unterlagen, denen man
auf den ersten Blick anmerkt, dass sie bereits durch viele Hände
gegangen sind und bei diversen Arbeitgebern die Runde gemacht
haben, gehören nicht zu Ihren Bewerbungsunterlagen. Betrach-
ten Sie Ihren Bewerbungsbrief als Verkaufsprospekt in eigener Sa-
che! Mit dieser PR-Arbeit wollen Sie Ihre Arbeitskraft souverän
und überzeugend verkaufen.
4. Der Empfänger der Bewerbung kennt Sie im Regelfall nicht. Erst
wenn Ihre Bewerbungsunterlagen nach Inhalt und Form beim Le-
ser Aufmerksamkeit und Interesse wecken und ein Minimum an
Sympathie auslösen, wird dieser den Wunsch verspüren, Sie per-
sönlich zu sehen. Eine gute Bewerbung ist die Eintrittskarte für das
Vorstellungsgespräch.
5. Eine fehlerhafte Bewerbung können Sie durch eine gute persönli-
che Vorstellung nicht ausgleichen. Stellen Ihre Bewerbungsunter-
lagen nicht zufrieden, werden Sie gar nicht erst zu einem Vorstel-
lungsgespräch eingeladen.
6. Auffälligkeiten, Unverständlichkeiten und Unvollständigkeiten
hinterlassen beim Leser einen unangenehmen Nachgeschmack.
Versuchen Sie deshalb, mit größter Sorgfalt und Einfühlungsver-
mögen vorzugehen.
7. Sind Ihre Bewerbungsunterlagen unvollständig, werden sie in der
Regel ohne inhaltliche Prüfung dem Absender wieder zuge-
schickt. Bei seiner knapp bemessenen Arbeitszeit (der Klaus Resch
Verlag fand in einer Umfrage heraus, dass 60 Prozent der Perso-
nalreferenten eine Bewerbung in maximal vier Minuten durch-

www.WALHALLA.de 39
Die Bewerbung

noch: 10 Gebote für eine vollständige Bewerbung

blättern!) wird sich ein Personalreferent kaum die Mühe machen,


Sie um Übersendung der fehlenden Unterlagen zu bitten. Schließ-
lich lässt sich aus der Fülle der vorliegenden vollständigen Bewer-
bungen eine passende Arbeitskraft finden. Da Rückfragen stets
den Arbeitsaufwand erhöhen, stößt Ihre Bewerbung schon des-
halb auf Widerwillen beim Auswerter Ihrer Unterlagen. Mit un-
vollständigen Unterlagen erwecken Sie auch den Verdacht, etwas
verbergen zu wollen (im schlimmsten Fall kann das Weglassen von
wichtigen Angaben juristische Schritte des Arbeitgebers nach sich
ziehen) oder recht oberflächlich zu arbeiten. Auch kann der Ein-
druck entstehen, dass Sie an der zu besetzenden Stelle nicht hun-
dertprozentig interessiert sind.
8. Denken Sie immer daran: Ihre Bewerbung ist für Sie ein Werbe-
brief. Mit der schriftlichen Bewerbung geben Sie eine erste Ar-
beitsprobe für den potenziellen Arbeitgeber ab. Haben Sie eine
gut aufgemachte, inhaltlich klar gegliederte, aussagekräftige und
komplette Bewerbung dem Unternehmen zugeleitet, dokumen-
tieren Sie, dass Sie zu gewissenhaftem und sauberem Arbeiten
fähig sind. Damit wecken Sie den Eindruck, dass Sie auch betrieb-
liche Aufgaben gut lösen können. Zeigen Sie aber beim ersten
Versuch einer Zusammenarbeit Schwächen, werden Personalleute
daraus auf Ihr Unvermögen schließen, auch künftige Aufträge er-
folgreich zu bewältigen.
9. Besonders wirkungsvoll werben Sie für sich, wenn der Empfänger
beim Durchlesen den Eindruck erhält, Ihre Bewerbung sei exklusiv
für ihn angefertigt worden. In Ihrer maßgeschneiderten Bewer-
bung werden Sie Ihre besonderen Fähigkeiten, erworbenen Spezi-
alkenntnisse und persönlichen Interessen stets im Hinblick auf ge-
stellte Anforderungen präzise und in sich schlüssig darlegen. Wir-
ken Sie mit Ihren Unterlagen dem Eindruck entgegen, es handele
sich um eine Einheitsbewerbung, die für jeden Arbeitgeber ein biss-
chen passt, aber auf keinen genau zutrifft. Individuelle Bewerbun-
gen erregen beim Empfänger stets größere Aufmerksamkeit als vor-
gestanzte allgemeine und damit wenig aussagekräftige Schreiben.
10. Schließlich eine eigentlich selbstverständliche Forderung: Ihre Be-
werbung muss wahr sein! Hüten Sie sich vor Fälschungen, falschen
Angaben und Übertreibungen. Werden Unaufrichtigkeiten vom
Bewerbungsempfänger erkannt, können Sie kein positives Echo
erwarten. Wer seine Einstellung einer arglistigen Täuschung ver-
dankt, darf sich nicht wundern, wenn er noch Jahre später vor die
Tür gesetzt wird.

40 www.WALHALLA.de
Bewerbungsschreiben

Was gehört zu einer vollständigen Bewerbung, zu Ihrer schriftlichen


Selbstdarstellung?
Personalleute erwarten regelmäßig:
 ein sorgfältig abgefasstes und auf die Erwartungen des Arbeit-
gebers eingehendes individuelles Bewerbungsschreiben
 den tabellarischen Lebenslauf mit aufgeklebtem Lichtbild
 Kopien von Schul-, Studien-, Arbeits- und Dienstzeugnissen
sowie Teilnahmebescheinigungen von Weiterbildungsmaß-
nahmen
Neben diesen konstanten Bestandteilen fügen Sie Ihrer Bewer-
bung auf besonderen Wunsch des Arbeitgebers folgende variable
Bestandteile bei:
 Referenzen
 Handschriftprobe
 Arbeitsproben
 polizeiliches Führungszeugnis
Achtung: Im Schreibwarenhandel werden Bewerbungsformblät-
ter und Bewerbungsmappen angeboten, die nur noch mit den per-
sönlichen Daten zu vervollständigen sind. Bedenken Sie, dass Sie
durch diese Hilfsmittel in ein vorgegebenes Schema gepresst wer-
den und die Möglichkeit verlieren, eine maßgeschneiderte Bewer-
bung auf den Weg zu bringen. Beherzigen Sie die folgenden Emp-
fehlungen, und stellen Sie stets einen auf die offene Stelle bezo-
genen und professionell gestalteten Bewerbungssatz zusammen.

Bewerbungsschreiben
Der persönlichste und deshalb wichtigste Bestandteil einer Bewer-
bung ist das Anschreiben, das allen übrigen Bewerbungsunterlagen
vorangestellt wird. Sind Form und Inhalt des Bewerbungsschreibens
ansprechend, blättert der Leser weiter. Eine negative Beurteilung
wird jedoch schnell getroffen, wenn bereits das erste Blatt Mäßiges
erwarten lässt und gravierende Fehler aufweist. Häufig „schenkt“
sich der Leser dann eine weitere Begutachtung und legt Ihre Be-
werbung auf den Stapel der nicht zu berücksichtigenden Angebote.
Sollten die folgenden Unterlagen ohne Beanstandungen sein, wird

www.WALHALLA.de 41
Die Bewerbung

er dies nicht mehr registrieren. Selbst wenn der Personalreferent die


gesamte Bewerbung durchblättert, wird es ihm schwerfallen, sein
anfängliches negatives Urteil zu revidieren.
Ihr Bewerbungsschreiben soll Aufschluss über den von Ihnen ge-
wünschten Arbeitsplatz sowie über die Gründe geben, die Sie zu
dieser Bewerbung veranlasst haben. Es genügt vollauf, wenn Ihr
Bewerbungsschreiben den maximalen Umfang einer DIN-A4-Seite
hat. Ist Ihr erster Entwurf umfangreicher, sollten Sie prüfen, wel-
che Angaben besser in den Lebenslauf gehören.

Praxis-Tipp:
Handeln Sie nach dem Grundsatz: So wenig wie möglich, aber
so viel wie nötig! Schließlich soll der Leser Ihres Bewerbungs-
schreibens nicht das Gefühl bekommen, von Ihnen zu einer
umfangreichen Strafarbeit „verdonnert“ worden zu sein.

Hüten Sie sich vor „Rundschreiben“ oder „Einheitsbewerbungen“.


Sie wollen sich gezielt für einen bestimmten Arbeitsplatz bewer-
ben, also müssen Sie mit Ihrem Bewerbungsschreiben möglichst in
das Zentrum der Erwartungen des Arbeitgebers treffen. Dies ge-
lingt Ihnen eher mit einem für die jeweilige Bewerbungssituation
entworfenen Bewerbungsschreiben. Vorteilhaft ist der Entwurf ei-
nes Basistextes, den Sie ohne große Mühe auf die besonderen
Schwerpunkte der einzelnen Bewerbung umgestalten und aus-
bauen können.
Wesentliche Bestandteile Ihres Bewerbungsschreibens sind:
 Ihre vollständige Anschrift
Selbst wenn Sie den Umschlag Ihrer Sendung mit Ihrer vollstän-
digen Absenderangabe versehen haben, führen Sie diese im
Kopf Ihres Bewerbungsschreibens noch einmal auf, weil in den
Registraturen mancher Unternehmen die Umschläge von den
Inhalten getrennt werden. Mit der Telefonnummer (Festappa-
rat, Handy) erleichtern Sie dem Bewerbungsempfänger eine
Kontaktaufnahme mit Ihnen. Mit dem Griff zum Telefon er-
spart sich der Personalreferent die Mühen einer schriftlichen
Nachricht. Sollten Sie zu den üblichen Bürozeiten telefonisch
nicht ständig erreichbar sein, aktivieren Sie Ihren mit einem

42 www.WALHALLA.de
Bewerbungsschreiben

neutralen Ansagetext besprochenen Anrufbeantworter. Falls


vorhanden, geben Sie Ihre Telefaxnummer/E-Mail-Adresse
(aber bitte eine „geschäftsfähige“ E-Mail-Adresse) an. Weisen
Sie auch auf eine eigene Homepage hin, sofern diese vorrangig
Informationen über Ihren beruflichen Wirkungsbereich ent-
hält.
 Ort und Datum Ihres Schreibens
Achten Sie darauf, dass auch der Lebenslauf und andere mit
Datum zu versehende Unterlagen das gleiche Datum tragen.
Gibt es Differenzen, könnte der Eindruck entstehen, Sie hätten
Unterlagen aus früheren erfolglosen Bewerbungen erneut ver-
wendet. Die Postleitzahl braucht hier nicht mehr angegeben
und der Monatsname nicht mehr ausgeschrieben werden.
 Vollständige Empfängeranschrift
Achten Sie auf die vollständige und richtige Anschrift der
Firma, bei der Sie sich bewerben. Kennen Sie den Namen des
Bewerbungsempfängers, setzen Sie ihn zur Anschrift:
Meyer KG
Herrn Schönemann
Am Osterbusch 17
64319 Pfungstadt
Bei dieser Anschrift darf auch ein anderer Firmenangehöriger im
Falle der Abwesenheit von Herrn Schönemann den Bewerbungs-
brief öffnen, denn Ihre Sendung ist in erster Linie an das Unter-
nehmen gerichtet. Sind Sie daran interessiert, dass Ihr Brief nur
Herrn Schönemann ohne Umwege erreicht, schreiben Sie:
Herrn Schönemann
Meyer KG
Am Osterbusch 17
64319 Pfungstadt
Bewerben Sie sich auf eine Chiffre-Anzeige, setzen Sie lediglich
die Chiffre in das Adressfeld Ihres Bewerbungsschreibens.
 Ihre Bezugnahme
Die Worte „Betreff“ oder „Bezug“ werden heute nicht mehr
eingesetzt. Geht die Initiative für Ihre Bewerbung von Ihnen
aus, genügt hier der Hinweis:
Bewerbung als …

www.WALHALLA.de 43
Die Bewerbung

Reagieren Sie auf eine Stellenanzeige, gehen Sie auf das Stel-
lenangebot, das Medium, den Erscheinungstermin und auf
eine eventuell in der Anzeige genannte Kennziffer ein:
Ihre Stellenanzeige „Malermeister“ – Kennziffer 512 – Cuxha-
vener Tagblatt vom 8.5.20…
Große Unternehmen erhalten täglich „waschkorbweise“ Be-
werbungen. Hier ist Ihre Bezugnahme unverzichtbar, damit nie-
mand zu rätseln braucht, worauf sich Ihre Bewerbung bezieht.
 Anrede
Die allgemeine Anrede lautet: „Sehr geehrte Damen und Her-
ren“. Besser ist es jedoch, nach Möglichkeit an einen konkreten
Ansprechpartner zu schreiben. Ist das Bewerbungsschreiben
bereits zu Händen eines Ansprechpartners adressiert, schreiben
Sie: „Sehr geehrter Herr Müller“. Es folgt kein Ausrufungszei-
chen, stattdessen wird ein Komma gesetzt.
 Text
Versetzten Sie sich gedanklich möglichst in den potenziellen
Arbeitgeber und fragen Sie sich: „Womit kann ich das Interesse
des Bewerbungsempfängers wecken, was würde er besonders
schätzen?“ Danach begründen Sie kurz und präzise,
– weshalb Sie sich bewerben,
– weshalb Sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben,
– warum Sie glauben, der richtige Bewerber für diesen Ar-
beitsplatz zu sein und
– ab wann Sie die Aufgabe übernehmen können.
Das erfordert ein wenig Gehirnschmalz und Formulierungs-
kunst – lohnt sich aber in jedem Fall. Der Bewerbungsempfän-
ger erkennt sofort, dass der Bewerber nachgedacht hat, wie er
sich attraktiv darstellen und welchen Nutzen er dem Unterneh-
men bringen kann.
Reagieren Sie auf eine Stellenanzeige, wird man von Ihnen den
Eindruck eines ernsthaften und zielstrebigen Bewerbers ge-
winnen, wenn Sie auf die Anforderungen in der Stellenanzeige
Punkt für Punkt knapp und präzise eingehen. Manche Interes-

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Bewerbungsschreiben

senten verhalten sich jedoch nicht marktkonform, sondern be-


werben sich an den vom Stellenanbieter genannten Wünschen
vorbei. Die Folge: Sie katapultieren sich selbst aus dem Rennen.
Personalreferenten beklagen häufig, dass sich Interessenten
mit dem in der Stellenanzeige Dargestellten und Verlangten zu
wenig auseinandersetzen. Nimmt der Bewerber ganz oder teil-
weise berechtigte Informationswünsche des Stellenanbieters
nicht zur Kenntnis, wird diese Oberflächlichkeit als persönliche
Schwachstelle gewertet.
Gehen Sie genau auf das ein, was der Arbeitgeber wissen
möchte. Schreiben Sie ihm zusätzlich alles, was ihn interessie-
ren könnte. Das kann den Vorsprung ergeben, der Ihnen den
Arbeitsplatz sichert.

Praxis-Tipp:
Stellen Sie die Stationen und Tätigkeiten heraus, die Ihre
Eignung für den Arbeitsplatz erkennen lassen. Zusätzlich
zeigen Sie Ihre besonderen Kenntnisse, Fähigkeiten, Stär-
ken und Interessen auf – aber immer bezogen auf den je-
weiligen Arbeitsplatz! Und denken Sie daran: In der Kürze
liegt die Würze!

Muss das Unternehmen einen nicht vorhersehbaren Personal-


bedarf möglichst bald decken, ist die Frage des Eintrittstermins
sowie der Verfügbarkeit des neuen Mitarbeiters für weitere
Dispositionen des Betriebes bedeutsam. Wünscht das Unter-
nehmen eine entsprechende Information, werden Sie Ihre
frühestmögliche Arbeitsaufnahme mitteilen.
Bevor Sie Gehaltsvorstellungen nennen, sollten Sie zunächst
die Empfehlungen in Kapitel 3 überdenken.
Im Schlusssatz erwähnen Sie Ihre Bereitschaft zu einem persön-
lichen Gespräch. Unterlassen Sie hierbei, dem Empfänger Ter-
minvorschläge zu unterbreiten, da Sie ihn damit in Zugzwang
bringen.
 Grußformel
Üblich ist die Formulierung „Mit freundlichen Grüßen“.

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Die Bewerbung

 Unterschrift
Setzen Sie Vor- und Familiennamen unter die Grußformel.
Anlagen
Führen Sie alle Unterlagen in der Reihenfolge Ihrer Bewerbung
auf.
Achtung: Lehnen Sie sich mit Ihren Bewerbungsunterlagen bitte
nicht zu sehr an unsere Muster an. Diese sollen nicht zum Ab-
schreiben einladen, sondern nur Anregungen geben. Verfassen Sie
Ihre Unterlagen individuell, sachlich, aussagekräftig und gefällig.
Sie sammeln Pluspunkte, wenn Sie Ihrer Bewerbung einen persön-
lichen Anstrich geben und so aus der Masse der Bewerbungen in
positivem Sinne hervorstechen.

Muster eines Bewerbungsschreibens


 Klaus-Dieter Braun  Cuxhaven, 9.3.20..
Goetheallee 4
27474 Cuxhaven
Tel. 0 47 21/1 23 45
 Mindermann KG
Personalabteilung
Erich-Kästner-Str. 5
40210 Düsseldorf
 Bewerbung als Fuhrparkleiter
Ihre Anzeige in der XY-Zeitung vom …
 Sehr geehrte Damen und Herren,
 Sie suchen einen Fuhrparkleiter, der verantwortlich die Planung und Vorbe-
reitung von Beförderungsaufträgen einschließlich Fahrer- und Fahrzeugdis-
position übernehmen soll. Darüber hinaus wünschen Sie sich von dem
neuen Mitarbeiter Erfahrungen im grenzüberschreitenden Fernverkehr so-
wie kraftfahrzeugtechnische Kenntnisse im Lkw-Bereich.
Die genannten Anforderungen erfülle ich in vollem Umfang. Nach der mit
Erfolg abgeschlossenen Berufsausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker ar-
beitete ich zwei Jahre als Geselle im erlernten Beruf. Während der folgen-
den vierjährigen unfallfreien Tätigkeit als Fernfahrer lernte ich den größten
Teil Europas kennen. Im vorigen Jahr bestand ich die Prüfung als Industrie-
meister Fachrichtung Kraftverkehr. Gleichzeitig erwarb ich die Berechtigung
als Gefahrgutbeauftragter. Gegenwärtig befinde ich mich in einer ungekün-
digten Stellung als Fuhrparkleiter.

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Bewerbungsschreiben

Die von Ihnen zu besetzende Stelle entspricht in jeder Beziehung meinem


beruflichen Werdegang. Deshalb bin ich sicher, dass ich diesen Arbeitsplatz
mit Erfolg ausfüllen kann.
Ich könnte meine Arbeit bei Ihnen am 1.4.20.. aufnehmen. Zu einem per-
sönlichen Vorstellungsgespräch stehe ich gern zur Verfügung.
 Mit freundlichen Grüßen


Anlagen: Lebenslauf, Lichtbild, Führerschein, 7 Zeugniskopien

Muster eines Bewerbungsschreibens bei Initiativbewerbung


Gisela Krusenstern Weyhe, 26.4.20..
Gildemeisterstr. 6
28844 Weyhe
Tel. 0 42 03/9 87
Klinikleitung des
Seehospitals Sahlenburg
Postfach 530
27476 Cuxhaven
Bewerbung als Krankenschwester

Sehr geehrte Damen und Herren,


vor einigen Tagen wurde im Dritten Programm des Deutschen Fernsehens be-
richtet, dass in Ihrem Hause eine weitere orthopädische Abteilung eröffnet
werden soll. Da Sie vermutlich Personalbedarf haben werden, bitte ich Sie zu
prüfen, ob Sie für mich eine meiner beruflichen Qualifikation entsprechende
Stelle zu besetzen haben.
Aufgrund meines bisherigen beruflichen Werdeganges interessiere ich mich
besonders für den Einsatz als Zweitschwester auf einer orthopädischen Station.
Die beigefügten Anlagen geben Ihnen Aufschluss über meine bisherige per-
sönliche und berufliche Entwicklung.
Über eine positive Nachricht würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen

Anlagen: Lebenslauf, Lichtbild, 8 Zeugniskopien

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Die Bewerbung

Zur Form Ihres Bewerbungsschreibens

Wählen Sie qualitativ gutes weißes Papier im DIN-A4-Format


 kein hochwertiges Büttenpapier
 kein parfümiertes Papier
 kein farblich auffallendes Papier
 kein gemustertes Papier
 kein Papier mit eingedrucktem Monogramm
 kein unübliches Papierformat
 kein Endlospapier
Achten Sie auf ein ordentliches und sauberes Schriftbild
 keine handschriftlichen Verbesserungen
 keine Radierungen
 keine Verbesserungen (auch ein korrigierter Fehler bleibt ein
Fehler!)
Sie können im gewerblichen Bereich ausnahmsweise auch ein hand-
schriftliches Bewerbungsschreiben absenden (in der Regel wäre aber
ein PC zu nutzen)
 keine schlechte, unleserliche Handschrift
 keine Eselsohren, Risse, Flecken
 keine Blatteinteilung nach dem Gefühl (wozu gibt es Linienbögen?)
Sorgen Sie für Übersichtlichkeit
 einseitige Beschriftung
 kurzer Text 1 1/2-zeilig
 längerer Text 1-zeilig
 links 3 cm Rand
Benutzen Sie für Ihre Unterschrift möglichst einen Füllfederhalter mit
blauer oder schwarzer Tinte
 keine unübliche farbige Tinte
 keinen Filzschreiber
 keinen schmierenden Kugelschreiber
Versenden Sie das Bewerbungsschreiben immer im Original

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Bewerbungsschreiben

NICHT in das Bewerbungsschreiben gehören …


grundsätzliche Erörterungen über das Berufsleben oder über die an-
gestrebte Position
„Genaue Vorstellungen über meinen künftigen Berufsweg habe ich
bisher noch nicht entwickelt. Dies ist von einer Vielzahl gegenwärtig
nicht bekannter Einflussfaktoren abhängig.“

angeberische Formulierungen
„Ich bin der beste Mann für Sie …“
„In … erzielte ich hervorragende Leistungen.“

altmodische, devote Formulierungen


„Auf Ihre geschätzte Stellenanzeige vom … erlaube ich mir …“
„Ich gestatte mir höflichst …“
„Im Hinblick auf Ihre geehrte Anzeige im …“
„Hiermit erlaube ich mir höflichst, mich für eine Tätigkeit als … in
Ihrem werten Hause ergebenst zu bewerben.“

negative Formulierungen
„Mein jetziger Arbeitsplatz entspricht in keiner Weise meinen Vor-
stellungen …“
„Meine gegenwärtigen Aufgaben interessieren mich nicht.“
„Bei dem herrschenden schlechten Arbeitsklima in meiner Firma …“
(Verkaufsprofis wissen, dass negative Aussagen des Verkäufers einen
denkbar schlechten Einstieg für eine Verkaufssituation darstellen. Mit
Negativ-Formulierungen bringen Sie Ihre Arbeitskraft nicht zu guten
Bedingungen „an den Mann“, sondern bewirken eher eine Ableh-
nung Ihres Angebots.)

private Offenbarungen
„Mein bisheriger Werdegang ist alles andere als positiv gewesen.
Meine mehrjährige Tätigkeit im Außendienst hat meine Gesundheit
untergraben. Auch meine familiäre Situation – Trennung von der Fa-
milie seit zwei Jahren – belastet mich sehr. Aus diesen Gründen sind
meine Bewerbungen in letzter Zeit erfolglos geblieben.“
Ich hoffe, Sie haben Verständnis für meine ungewöhnliche Lage …“

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Die Bewerbung

noch: NICHT in das Bewerbungsschreiben gehören …

„möchte“-Formulierungen
„Hiermit möchte ich mich bei Ihnen für … bewerben.“
„Dazu möchte ich Ihnen meine Qualifikation darstellen.“
(Denken Sie daran: Sie möchten sich nicht bewerben, sondern Sie tun
es tatsächlich! Sie formulieren also: „Ich bewerbe mich um die Stelle
als …“ oder: „Meine Qualifikation als … bietet eine solide Basis …“)

einschränkende Formulierungen
„Normalerweise hatte ich stets Erfolg …“
„Mit dieser Methode bin ich eigentlich immer gut gefahren …“
„Sollte meine Bewerbung unberücksichtigt bleiben, bitte ich um
Rückgabe meiner Unterlagen.“
(Hier signalisiert der Bewerber bereits, dass er sich seiner Sache kei-
nesfalls sicher ist, beziehungsweise er sich nicht für den idealen Be-
werber hält.)

Fehler in der Rechtschreibung und Zeichensetzung


Sie wollen nicht den Eindruck vermitteln, mit dem Deutschen auf
Kriegsfuß zu stehen. Haben Sie Zweifel über die richtige Schreib-
weise eines Wortes oder über die Zeichensetzung, formulieren Sie
Ihre Aussage um oder vergewissern Sie sich durch einen Blick in den
Duden!

Lebenslauf
Der Lebenslauf ist das Spiegelbild des bisherigen Lebens des Be-
werbers; aus ihm ist Ihr persönlicher, schulischer und vor allem be-
ruflicher Werdegang erkennbar. Neben dem Bewerbungsschrei-
ben ist er das Kernstück der Bewerbung. Hat das Bewerbungs-
schreiben für Sie geworben, geht der Lesende zum Lebenslauf
weiter. Durch ihn lassen sich mit einem Blick die wichtigsten Daten
des Bewerbers in chronologischer Folge erfassen. Demzufolge
sollte der Lebenslauf kein Roman sein, sondern die Übersichtlich-
keit eines Inhaltsverzeichnisses besitzen. Alle folgenden Bewer-
bungsunterlagen werden nur dann gelesen, wenn sich dies nach
dem Lesen des Lebenslaufs empfiehlt.

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Lebenslauf

Der Lebenslauf muss so knapp und präzise wie möglich gehalten


werden. Sein Umfang soll eine DIN-A4-Seite, bei lebensälteren Be-
werbern höchstens zwei DIN-A4-Seiten nicht überschreiten. Den-
noch sollten Sie sich um Vollständigkeit bemühen. Was nicht im Le-
benslauf steht, existiert für den Empfänger nicht. Meist wird ein
tabellarischer Lebenslauf verlangt. Er wirkt sachlicher, ist über-
sichtlicher und lässt sich leichter aufstellen. Sie sind nicht mehr ge-
zwungen, einen eleganten und ausgefeilten Stil zu schreiben.
Dafür müssen Sie aber beweisen, dass Sie das Wichtigste erkennen
und gliedern können.
Immer wieder überlegen Bewerber, ob Bewerbungsschreiben und
Lebenslauf handschriftlich oder maschinengeschrieben abzusen-
den sind. Damit Ihre Unterlagen gut lesbar sind, schreiben Sie sie
grundsätzlich mit dem Computer oder, wenn dies nicht möglich
ist, mit der Schreibmaschine. Bewerben Sie sich für einen Arbeits-
platz, der EDV-Kenntnisse erfordert, wird der Arbeitgeber Ihre von
einem qualitativ guten Drucker zu Papier gebrachten Informatio-
nen mit Interesse zur Kenntnis nehmen.
Wünscht der Bewerbungsempfänger einen handgeschriebenen
Lebenslauf, werden Sie diesen eigenhändig geschrieben vorlegen.
Auch wenn Ihre Handschrift gut lesbar ist, empfiehlt es sich doch,
den Text zusätzlich ausdrucken zu lassen. Dem eiligen Leser – bei
der Vielzahl eingehender Bewerbungen wird ein Personalreferent
nur wenig Zeit auf die Auswertung einer Bewerbung verwenden –
erleichtern Sie die Arbeit, weil er sich nicht immer wieder in eine
andere Handschrift einlesen muss.
Können Ihre Unterlagen aus zeitlichen oder technischen Gründen
nicht einwandfrei getippt oder ausgedruckt werden, nehmen Sie
Ihren Füllhalter. Allerdings muss bei Handgeschriebenem die Les-
barkeit gewährleistet sein: Unleserliches wird als Unhöflichkeit
empfunden.
In seltenen Fällen fordert der Arbeitgeber einen Lebenslauf in
Aufsatzform. Dieser Wunsch ist für einige Berufsgruppen ver-
ständlich, die auf treffende schriftliche Formulierungen zu achten
haben. Aus den einzelnen Stationen des tabellarischen Lebens-
laufs lässt sich leicht der fortlaufende Text für einen ausführlichen
Lebenslauf formulieren. Zusätzlich können Sie in ihm Besonder-
heiten Ihres Lebenswegs ausführlicher begründen.

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Die Bewerbung

Für Ihren Lebenslauf verwenden Sie weißes linienfreies Papier in


DIN-A4-Format. Im Normalfall sollten Sie sich auf eine Seite be-
schränken, keinesfalls dem Empfänger Ihrer Unterlagen mehr als
zwei Seiten zumuten.

Gliederung des Lebenslaufs

Daten zur Person


 Vor- und Zuname
 Straße und Hausnummer
 Postleitzahl, Ort
 Vorwahl, Telefonnummer, Telefaxnummer
 E-Mail-Adresse, Homepage
 Geburtsdatum und -ort
 Familienstand
 Staatsangehörigkeit
Die deutsche Staatsangehörigkeit wird angegeben, wenn der Be-
werber im Ausland geboren wurde oder einen fremdländischen
Familiennamen trägt.
Ausländer teilen ihre Staatsangehörigkeit stets mit.
Schulbildung
 Schultyp
 erreichter Abschluss
Berufsausbildung/Praktika
 Art und Dauer
 Ausbildungsberuf/-bereich
 Ausbildungsbetrieb/-stätte
 Ergebnis
Studium
 Fachrichtung
 Ort und Dauer, evtl. Hinweis auf Inanspruchnahme der Freiver-
suchsregelung („Freischuss“)
 Examensnote
 Thema der Diplomarbeit
 Promotion

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Lebenslauf

noch: Gliederung des Lebenslaufs

Berufspraxis
 Verweildauer
 Bezeichnung der Funktion/Position
 Name und Ort des Betriebes
Wollen Sie bei einer Bewerbung aus einer ungekündigten Position
keine näheren Informationen über den gegenwärtigen Arbeitge-
ber übermitteln, empfiehlt sich als „Hilfskonstruktion“ die Angabe:
1.10.19.. bis heute Produktionsleiter
(siehe Arbeitsplatzbeschreibung)
Statt eines Arbeitszeugnisses als Beleg fügen Sie eine eigene Dar-
stellung bei, die Art, Umfang, Bedeutung und Verantwortungsrah-
men Ihrer Tätigkeit enthält. Auch sollten Sie erwähnen, welches
fachliche Knowhow Sie seit der letzten durch ein Arbeitszeugnis
belegten Beschäftigung hinzugewonnen haben. Notfalls können
Sie auch mit einer beigefügten Stellenbeschreibung Ihre gegen-
wärtige Position neutral belegen. Allerdings sollte die Stellenbe-
schreibung keine Angaben enthalten, die der gebotenen Vertrau-
lichkeit unterliegen.
Ihre Berufspraxis sollten Sie lückenlos darstellen. Nicht erklärte Lü-
cken im Lebenslauf stellen bei vielen Personalleuten Knock-out-
Kriterien dar. Sie animieren den Leser zudem zu wenig schmei-
chelhaften Überlegungen über Sie (arbeitsscheu? Gefängnisauf-
enthalt? Entziehungskur? Rauschgift-Trip?). Sollten Lücken durch
freiwilliges Aussetzen, lange Krankheiten, Auslandsaufenthalte
zur Erweiterung des persönlichen Horizonts, Unfallfolgen oder
Pflege erkrankter Angehöriger entstanden sein, geben Sie die
Zeitdauer an und nennen hierzu den Grund. Während im Bewer-
bungsschreiben Angaben zur Arbeitslosigkeit möglichst vermie-
den werden, muss der Lebenslauf entsprechende Angaben ent-
halten, es sei denn, es handelt sich um kurze Zeiten.
Die Formulierungen
1.10.20.. – 30.09.20.. Berufsausbildung zum Speditions-
kaufmann bei …
1.10.20.. – 30.11.20.. arbeitslos
1.12.20.. bis heute Assistent des Fuhrparkleiters
führen zu bohrenden Fragen nach dem Grund der Arbeitslosig-
keit. Ein Auslassen des kurzen Zeitraumes von zwei Monaten pro-
voziert kaum Nachfragen.

www.WALHALLA.de 53
Die Bewerbung

noch: Gliederung des Lebenslaufs

Umschreibungen für Arbeitslosigkeit wie:


 Ich kann sofort bei Ihnen beginnen.
 Ich bin kurzfristig verfügbar.
 Terminlich bin ich nicht gebunden.
sollten unterlassen werden. Auch an solchen Formulierungen er-
kennt der versierte Personalreferent sofort, dass Sie arbeitslos
sind. Schreiben Sie also klar und wahrheitsgemäß:
 Ich bin seit dem … arbeitslos.
 Zurzeit bin ich arbeitslos.
Empfehlenswert ist eine zusätzliche Information über den Grund
der Arbeitslosigkeit, sofern diese Erklärung kein negatives Licht
auf Sie wirft, beispielsweise:
 Die Firma … verringerte die Belegschaft wegen einer Produktions-
umstellung.
 Da ich erst kurze Zeit dem Betrieb angehörte, wurde mein Ar-
beitsverhältnis aufgelöst.
Ideal wäre es, Sie könnten Zeiten längerer Arbeitslosigkeit positiv
darstellen:
1.4.20..– 30.11.20.. arbeitslos, in dieser Zeit Besuch der Kurse
– Wirtschaftsenglisch für Fortgeschrittene
– Tabellenkalkulation
– Datenbanken
an der Volkshochschule …
Dieser Bewerber dokumentiert, dass er „am Ball“ geblieben ist,
sich geistig fit gehalten und die Arbeitslosigkeit sinnvoll genutzt
hat.

Wehrdienst bzw. Zivildienst


 Dauer
 Dienstverhältnis (Grundwehrdienstleistender, Soldat auf Zeit oder
Berufssoldat)
 Bezeichnung der Funktion
 letzter Dienstgrad
Da nicht jeder Bewerbungsempfänger Insider-Wissen aus der Bun-
deswehr besitzt, müssen Sie Personalbegriffe ausschreiben und –

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Lebenslauf

noch: Gliederung des Lebenslaufs

sofern sie nicht mit zivilen Tätigkeitsbezeichnungen identisch sind


– in die Zivilsprache „übersetzen“. So schreiben Sie zweckmäßi-
gerweise in Ihren Lebenslauf:
 ... bis … Wehrdienst in der Bundeswehr als Bergesoldat. Diese
Tätigkeit ist mit der eines Kraftfahrzeugmechanikers vergleichbar.
 ... bis … Grundwehrdienst als Luftbild-Soldat, eine dem Fotogra-
fen verwandte Tätigkeit.
 ... bis … Dienstzeit in der Bundeswehr als Flugabwehrraketenelek-
tronikmechaniker. Diese technische Verwendung ist mit der Tätig-
keit eines Elektromechanikers vergleichbar.
Fortbildung
Alle Fortbildungsanstrengungen erwähnen Sie in ihrer zeitlichen Ab-
folge. Das unterstreicht Ihre Qualifikation und erhöht Ihren Markt-
wert. Kurse, die der Persönlichkeitsfindung oder -bildung dienen, soll-
ten besser unerwähnt bleiben – gefragt sind ausschließlich berufsrele-
vante Fortbildungen. Nachgeholte Schul- oder Berufsabschlüsse wer-
den von Ihnen knapp – quasi als Selbstverständlichkeit – und nüchtern
erwähnt, was zu einer Aufwertung Ihrer Person beiträgt. Absolvierten
Sie viele Fortbildungsmaßnahmen, listen Sie diese auf einem beson-
deren DIN-A4-Blatt auf und verweisen in Ihrem Lebenslauf darauf:
Fortbildung: siehe beigefügte Aufstellung
Besondere Kenntnisse und Erfahrungen
Hier werden alle wahrheitsgemäßen Aspekte aufgeführt, die mit
dem künftigen Arbeitsplatz möglicherweise in Zusammenhang ste-
hen (z. B. bei einem angehenden Pädagogen die Ausbildung zum
Gruppendolmetscher oder Betreuer für internationale Jugendbegeg-
nungen).
Wer über die übliche Qualifikation hinaus interessante Extras zu bie-
ten hat, hält damit nicht hinter dem Berg zurück. Möglicherweise
können dargestellte Außen- und Freizeitaktivitäten das Interesse des
Bewerbungsempfängers fesseln und Ihnen einen beachtlichen Vor-
sprung gegenüber den Mitbewerbern verschaffen. Als besondere
Kenntnisse, Erfahrungen und Informationen können Sie beispiels-
weise angeben:
 berufsbedeutsame Hobbys, die allgemein als positiv angesehen
werden und keine negativen Auswirkungen auf Ihre Arbeitsleis-
tung haben oder befürchten lassen. Aufzuführende Hobbys soll-
ten auf jeden Fall für den anvisierten Arbeitsplatz „passen“. Sie

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Die Bewerbung

noch: Gliederung des Lebenslaufs

wecken beispielsweise an Ihrer Eignung für eine Tätigkeit im Ver-


trieb im Außendienst Zweifel, wenn Sie introvertierte Hobbys wie
Lesen und Schachspielen angeben. Ein Ihre Bewerbung unterstüt-
zendes Engagement kann sowohl im politischen oder kulturellen
als auch im sportlichen Bereich liegen. Mannschaftssportarten las-
sen beispielsweise auf Teamgeist schließen und lockeres Aus-
dauertraining auf den Wunsch zur Gesunderhaltung.
Beide Freizeitaktivitäten kommen besser an als sportliche Höchst-
leistungen (es sei denn, Sie wollen Repräsentant eines Sportarti-
kelherstellers werden), weil bei Letzteren die Vermutung nahe-
liegt, dass Sie viel Zeit und Energie in Ihren Sport investieren und
hierdurch kaum mehr uneingeschränkt Ihrem Arbeitgeber zur
Verfügung stehen. Sportarten, die mit einer erhöhten Verlet-
zungsgefahr verbunden sind, sollten Sie nicht in den Vordergrund
stellen.
 Mitgliedschaften in Fach- oder Prüfungsausschüssen
 besondere, von Ihnen erfolgreich erledigte Aufgaben
 Fachveröffentlichungen
 besondere Vollmachten: Prokura, Handlungsvollmacht
 erteilte Patente
 Nebentätigkeiten, insbesondere berufsbezogene Lehraufträge
 Fremdsprachenkenntnisse (bewerten Sie diese evtl. unterteilt
nach Wort und Schrift mit den Kategorien verhandlungssicher,
fließend, Schulkenntnisse, Grundkenntnisse). Leichter wird Ihnen
der Nachweis Ihrer Fremdsprachenkenntnisse fallen, wenn Sie
hierfür entsprechende Diplome vorlegen können, wie etwa Dol-
metscher-, Übersetzer-, Fremdsprachenkorrespondenten-Zeug-
nisse, Bescheinigung über bestandenen TOEFL-Test, Prüfungs-
zeugnis „English for Business“, „English for Commerce“, „Cam-
bridge First Certificate“, „Cambridge Certificate of Proficiency“.
 Auslandsaufenthalte zur Vertiefung/Erweiterung Ihrer berufli-
chen Qualifikation
 Auszeichnungen für Verbesserungsvorschläge
 Auszeichnungen nach Wettbewerbsteilnahme (z. B. „Jugend
forscht“, Bundes-/Landessieger beim Handwerksnachwuchs)

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Lebenslauf

noch: Gliederung des Lebenslaufs

 kirchliches/soziales Engagement sowie Vereinsarbeit und Eh-


renämter, sofern ein sinnvoller Zusammenhang zur angestrebten
Tätigkeit erkennbar ist
 Führerscheine/besondere Berechtigungen (z. B. GGVS, Gabelstap-
ler, Baumaschinen)
Ort und Datum
Unterschrift
 Vor- und Zuname (mit Ihrer Unterschrift bestätigen Sie die Rich-
tigkeit aller im Lebenslauf enthaltenen Angaben)
 Ort und Datum (Achtung: Keine Lebensläufe mit überholtem Da-
tum versenden – lieber einen Lebenslauf unter aktuellem Datum
neu ausdrucken!)

NICHT in den Lebenslauf gehören grundsätzlich …

 Name und Beruf der Eltern (bei Schulabgängern noch üblich, im


späteren Berufsleben unwichtig!)
 Angaben zu Geschwistern
 persönliche Daten von Ehepartner und Kind
 Körpergröße/Gewicht
 Gesundheitszustand
 Glaubensbekenntnis (Ausnahme: Bewerbung bei konfessionell
gebundenen Einrichtungen)
 Vermögensverhältnisse
 Wohnverhältnisse
 Angaben zu gewerkschaftlicher/politischer Betätigung
 Hobbys ohne Bedeutung für die gewünschte Tätigkeit

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Die Bewerbung

Muster eines Lebenslaufs in tabellarischer Form


Lebenslauf
Name: Friedrich Quast
Wohnort: Große Str. 1, 27580 Bremerhaven
Tel. 04 71/2 32 67
geboren: 16.3.19.. in Hannover
Familienstand: verheiratet, 1 Kind (3 Jahre)
Schulbildung: 1.4.1..–31.3.19..
Volksschule in Hannover mit Hauptschulabschluss
Berufsausbildung: 1.4.19..–30.9.19..
Lehre zum Kraftfahrzeugmechaniker
bei Firma Kunst in Lehrte
Gesellenprüfung in beiden Teilen mit „befriedigend“
bestanden
Berufspraxis: 1.10.19..–30.9.19..
Kraftfahrzeugmechaniker bei Firma
Kleiner KG, Lehrte – Schwerpunkt:
Instandsetzung von Lkws und Baufahrzeugen
1.10.19..–31.3.19..
Betriebsschlosser bei Firma Paul, Bremen
Tätigkeiten im gesamten Berufsfeld wurden ausgeübt
1.4.19..–31.3.20..
Kraftfahrzeugmechaniker bei Firma
Schmalz, Bremen – Schwerpunkt:
Unfallreparaturen und Lackierarbeiten an Pkws
Seit 1.4.20.. arbeitslos, da Firma Schmalz
nach Tod des Besitzers aufgelöst wurde
Wehrdienst: 1.4.19..–31.3.19..
Soldat auf Zeit in der Bundesmarine
Einsatz als Kraftfahrer
15.8.19.. Führerscheine Kl. 1 und 2 erworben
Letzter Dienstgrad: Hauptgefreiter
Fortbildung: 3.2.19..–7.2.19..
Bremsendienst-Grundlehrgang
5.1.19..–9.1.19..
Bremsendienst-Aufbaulehrgang
18.9.20..–16.12.20.. Kfz-Elektrik
16.3.20..–14.5.20.. Katalysator-Technik
Bremerhaven, den 16.4.20..

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Lebenslauf

Muster eines ausführlichen Lebenslaufs


Lebenslauf
Mein Name ist Friedrich Quast. Am 16.3.19.. wurde ich in Hannover geboren.
Ich wohne mit meiner Frau und unserem dreijährigen Sohn in 27580 Bremer-
haven, Große Str. 1 (Tel. 04 71/12 32 67).
Vom 1.4.19.. bis 31.3.19.. besuchte ich die Volksschule in Hannover, die ich
mit dem Hauptschulabschluss verließ.
Die Firma Kunst in Lehrte bildete mich in der Zeit vom 1.4.19.. bis 30.9.19..
zum Kraftfahrzeugmechaniker aus. Die Gesellenprüfung bestand ich in beiden
Teilen mit befriedigendem Ergebnis.
Hieran schloss sich bei der Firma Kleiner KG in Lehrte eine einjährige Gesel-
lentätigkeit im erlernten Beruf an. Durch eine schwerpunktmäßige Verwen-
dung in der Instandsetzung von LKWs und Baufahrzeugen konnte ich mir zu-
sätzliche berufliche Kenntnisse aneignen.
Nach meiner Heirat wurde der Wohnsitz nach Bremen verlegt. Da ich dort
nicht sofort einen Arbeitsplatz im erlernten Beruf fand, nahm ich bei Firma
Paul, Bremen, eine Stelle als Betriebsschlosser an. Dieses Arbeitsverhältnis
dauerte sechs Monate und beinhaltete alle Tätigkeiten des Berufsbildes des Be-
triebsschlossers.
Um als Kraftfahrer eingesetzt zu werden und die hierfür erforderlichen Führer-
scheine zu erhalten, leistete ich in der Zeit vom 1.4.19.. bis 31.3.19.. meinen
Wehrdienst als Soldat auf Zeit ab. Am 15.8.19.. erwarb ich die Führerscheine
1 und 2. Mein letzter Dienstgrad war Hauptgefreiter.
Im Anschluss an den Wehrdienst wurde ich bei Firma Schmalz in Bremen als
Kraftfahrzeugmechaniker tätig. Hier spezialisierte ich mich auf Unfallreparatu-
ren und Lackierarbeiten an Pkws. Da der Firmeninhaber verstarb, wurde der
Betrieb aufgelöst. Seit dem 1.4.20.. bin ich daher arbeitslos.
In Tagesform besuchte ich die Bremsendienst-, Grund- und Aufbaulehrgänge,
in berufsbegleitender Form bildete ich mich in Kfz-Elektrik und Katalysator-
technik weiter.
Bremerhaven, den 16. April 20..

www.WALHALLA.de 59
Die Bewerbung

Wurden Ihre zu Beginn angefertigten Inventurlisten sorgfältig auf-


gestellt, kann Ihnen der Entwurf Ihres tabellarischen Lebenslaufs
keine Schwierigkeiten bereiten. Versuchen Sie es doch gleich!

Analysieren Sie nun anhand nachstehender Fragen Ihren Entwurf


eines tabellarischen Lebenslaufs und erkennen Sie eventuelle
Schwachstellen:

Checkliste: Ihr perfekter Lebenslauf


 Stellt die äußere Form meines Lebenslaufs zufrieden?
 Stimmen die Zeitangaben im Lebenslauf mit den Angaben in den
Zeugnissen überein?
 Sind für alle Ausbildungs- und Berufsabschnitte, die wichtig sind,
Nachweise vorhanden?
 Welche Ausbildungen wurden begonnen?
 Wurden die begonnenen Ausbildungen auch mit Erfolg abge-
schlossen?
 Sind überdurchschnittlich lange Ausbildungs- oder Studienzeiten
oder schwache Benotungen erkennbar?
 Wie wurden Führung, Leistungen und Arbeitsverhalten in Ausbil-
dungs- und Arbeitsverhältnissen bewertet?
 Wurden Arbeitsverhältnisse zu unüblichen Terminen oder
während der Probezeit beendet, und wie sieht in einem solchen
Fall das Arbeitszeugnis aus?
 Weisen berufliche Veränderungen auf einen sinnvollen Zusam-
menhang hin, oder wurde zwischen mehreren sich erheblich un-
terscheidenden Berufen gewechselt (Kontinuitätsanalyse) = „Zick-
zack-Berufsweg“?
 Wie oft wurden Arbeitgeber und Branchen gewechselt (Firmen-
und Branchenanalyse)?
 Schließen die einzelnen Arbeitsverhältnisse lückenlos aneinander
an (Zeitfolgeanalyse)?
 Müssen längere Zeiträume ohne Ausbildungsphasen oder Berufs-
tätigkeit besonders begründet werden (z. B. Unfallfolgen, Aus-
landsaufenthalt, Familienpause, Arbeitslosigkeit)?

60 www.WALHALLA.de
EU-Lebenslauf

noch: Checkliste: Ihr perfekter Lebenslauf

 Waren die Verweilzeiten in den einzelnen Firmen angemessen?


 Wird bei Arbeitsplatzwechsel ein aufsteigender oder absteigen-
der Wechsel deutlich (Positionsanalyse)?
 Sind Auffälligkeiten, Unvollständigkeiten oder Unverständlichkei-
ten zu erkennen?
 Steht das aktuelle Datum auf dem Lebenslauf?
 Ist der Lebenslauf ein Original?

Notieren Sie nun Ihre erkannten Schwachstellen (Auswertung:


siehe Kapitel 3).

EU-Lebenslauf
Die Europäische Kommission arbeitete in Kooperation mit den
Mitgliedsstaaten und Sozialpartnern einen Musterlebenslauf aus
mit dem Ziel, den Zugang zu Ausbildungs- und Stellenangeboten
in Europa zu erleichtern, transparenter zu machen und gerechter
zu gestalten. Es ist davon auszugehen, dass der EU-Lebenslauf bei
Bewerbungen außerhalb der Landesgrenzen an Bedeutung ge-
winnen wird.
Die auffälligste Änderung zur bislang üblichen Praxis besteht
darin, dass im EU-Lebenslauf kein Lichtbild mehr vorgesehen ist.
Die Auflistung von Arbeitserfahrung sowie Aus- und Weiterbil-
dung beginnt nach angelsächsischem Modell grundsätzlich mit
dem jüngsten Datum, ältere Erfahrungen kommen in absteigen-
der Reihenfolge danach. Namen und Adressen der früheren Ar-
beitgeber sollen genannt und soziale, künstlerische oder techni-
sche Kenntnisse, die nicht im Beruf oder in der Ausbildung erwor-
ben wurden und eventuell nicht durch Zeugnisse oder Teilnahme-
bescheinigungen belegt sind, beschrieben werden. Die Nennung
von Sprachkenntnissen oder freiwilligem Engagement, etwa in
Sport oder Kultur, ist ausdrücklich erwünscht.
Zusatzinformationen und Hilfestellungen können Sie unter
www.europass-info.de abrufen.

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Die Bewerbung

Lichtbild
Zu einer vollständigen Bewerbung gehört als „optische Visiten-
karte“ auch ein ansprechendes Lichtbild. Der Empfänger Ihrer Be-
werbung kann sich schon ein ungefähres Bild von der Person ma-
chen, deren Daten vor ihm ausgebreitet sind. Durch ein gelunge-
nes Foto in Ihren Bewerbungsunterlagen wirken Sie im Falle eines
Vorstellungsgesprächs bereits als „Bekannter“. Als Beurteilungs-
grundlage wird das Lichtbild besonders dann verwendet, wenn es
um die Besetzung eines Arbeitsplatzes geht, dessen Inhaber mit
Kunden zu tun hat bzw. sich stark in der Öffentlichkeit engagieren
muss.

Wichtig: Mit einem guten Foto verkaufen Sie sich besser!


Tatsächlich schauen sich viele Bewerbungsempfänger zuerst das
Lichtbild an. Das mag daran liegen, dass der Mensch für visuelle
Eindrücke außerordentlich empfänglich ist und mit einem kurzen
Blick auf das Foto auch seiner natürlichen Neugier nachkommt. Da
der über das Bild gewonnene subjektive erste Eindruck gefühlsbe-
tont ist, können schon über das Foto Weichen gestellt werden:
Entweder stuft Sie der Betrachter bei einem positiv wirkenden
Foto als sympathisch ein oder Sie werden bei einem unvorteilhaf-
ten Bild bereits auf das Abstellgleis geschoben.
Suchen Sie – auch wenn das einige Euro kostet (ein gutes Bild ist
nicht gerade preiswert, in diesem Fall aber mit Sicherheit seinen
Preis wert!) – einen Berufsfotografen auf, um ein gutes, klares und
aktuelles – möglichst nicht länger als sechs Monate zurückliegen-
des – Passbild mit einem freundlichen und aufmerksamen Ge-
sichtsausdruck zu erhalten. Am besten geben Sie eine Bilderserie
in Auftrag, sodass Sie später mit Bedacht das beste Bild aussuchen
und Ihrer Bewerbung beifügen können.
Mit dem Bild wollen Sie den Eindruck erwecken, ein aktiver, auf-
geschlossener und vor Energie sprühender Mensch zu sein, des-
halb suchen Sie den Fotografen am besten an einem Tag auf, an
dem Sie sich wohlfühlen. Schließlich wollen Sie sich mit dem Bild
auch identifizieren können. Sind Sie im Zweifel, ob Sie auf dem
Foto einen guten Eindruck machen, lassen Sie es zunächst von Drit-
ten begutachten.

62 www.WALHALLA.de
Lichtbild

Achten Sie auf Ihr korrektes Äußeres und tragen Sie normale, der
Position angemessene Kleidung. Es ist heute unerheblich, ob Sie
ein Farb- oder Schwarzweiß-Bild verwenden.

Achtung: Farbbilder wirken freundlicher; Schwarzweiß-Bilder las-


sen Sie seriöser erscheinen.

Auf keinen Fall sollen Sie


 ein Automatenfoto beifügen, das sich von einem Fahndungsfoto
höchstens noch zum Schlechten hin unterscheidet oder das Sie als
„kaputten Typ“ darstellt, der schon längst urlaubsreif ist
 ein abgegriffenes, unscharfes oder „historisches“ Foto übersenden
 ein zu großes Foto auswählen, das den Eindruck eines überstei-
gerten Selbstbewusstseins erweckt (empfohlene Größe etwa 400 x
500 mm bis 450 x 600 mm)
 ein Foto in Betracht ziehen, auf dem Sie mit einer üppigen Haar-
und Barttracht abgelichtet sind, die zwei Drittel des Bildes ausfüllt
 ein Privatfoto auswählen, auf dem Sie im Kreise Ihrer Familienan-
gehörigen im Freizeitlook zu erkennen sind
 einen Gelegenheitsschnappschuss versenden, der improvisiert und
allzu lässig wirkt
 auf dem Foto besonders „freizügige“ Kleidung tragen oder einen
aufreizenden Eindruck von sich vermitteln

Wohin mit dem Foto?


Es empfiehlt sich, das Foto mit einem Trockenkleber rechts oben
auf den Lebenslauf zu kleben. Alternativ können Sie Ihr Lichtbild
auch auf ein gesondertes, Ihrem Lebenslauf vorgeheftetes Blatt
kleben. Bevor Sie den Kleber in die Hand nehmen, versehen Sie das
Bild auf der Rückseite mit Namen und Anschrift. Bei mehrfacher
Durchsicht Ihrer Bewerbung könnte sich das Lichtbild von seiner
Unterlage lösen. Ohne nähere Angaben wäre es dem Personalrefe-
renten unmöglich, das Bild der richtigen Bewerbung zuzuordnen.
Für die Beschriftung der Fotorückseite benutzen Sie einen wei-
chen Bleistift, damit Ihre Angaben weder verlaufen (bei Tinte),
noch sich auf die Vorderseite durchdrücken (bei Kugelschreiber).

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Die Bewerbung

Achtung: Der EU-Lebenslauf verzichtet auf ein Lichtbild. Hierdurch


soll verhindert werden, dass die Vorauswahl durch das äußere Er-
scheinungsbild des Bewerbers beeinflusst wird.

„Dritte Seite“
Zunehmend fügen Führungskräfte und Hochschulabsolventen ih-
rer Bewerbung nach dem Lebenslauf eine so genannte „Dritte
Seite“ bei. Unter der Überschrift „Berufsrelevante Zusatzinforma-
tionen“, „Wissenswertes zu meiner Person“ oder „Was Sie noch
von mir wissen sollten“ werden weitere, den Umfang von Bewer-
bungsschreiben und Lebenslauf sprengende Fakten aufgeführt,
die den überzeugenden Eindruck der Bewerbung verstärken
sollen.
Hier können beispielsweise aufgeführt werden:
 im Falle einer Bewerbung aus einem ungekündigten Arbeits-
verhältnis heraus anstelle eines Arbeitszeugnisses eine allge-
meine Tätigkeits- und Unternehmensbeschreibung (Genaueres
dazu auf den nächsten Seiten) beziehungsweise Arbeitsplatz-
beschreibung
 Themenstellungen von besonderen Projekten unter Ihrer Lei-
tung
 Auftritte als Experte auf Fachtagungen/Kongressen
 Verzeichnisse von Fachveröffentlichungen
 sonstige auf den vorangegangenen Seiten genannte Aspekte,
die bei einer „Dritten Seite“ dort entfallen
Die anglo-amerikanischen Bewerbungspraktiken entlehnte
„Dritte Seite“ wird von vielen Personalreferenten mit Skepsis be-
trachtet. Sie verzichten gern auf dieses nicht allgemein übliche zu-
sätzliche Blatt Papier, wenn ein aussagekräftiges Bewerbungs-
schreiben vorgelegt wird und ein gut strukturierter Lebenslauf als
Entscheidungsvorlage für die Einladung zum Vorstellungsge-
spräch dienen kann.

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Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen


Während Sie Bewerbungsschreiben und Lebenslauf werbewirk-
sam gestalten können und auch Einfluss auf die Aussagekraft des
Lichtbilds haben, können Sie an Ihren Zeugnissen über wichtige
Ausbildungsabschlüsse und einzelne Berufsstationen nichts än-
dern. Jetzt müssen Sie Farbe bekennen!
Zeugnisse über bisherige Schulabschlüsse und berufliche Tätigkei-
ten sind grundsätzlich lückenlos vorzulegen. Da Deutsche durch
die Bank „urkundengläubig“ sind, wird bei fehlenden Zeugnissen
der Bewerbungsempfänger möglicherweise misstrauisch werden.
Für weit zurückliegende Zeitabschnitte in anderen Berufsberei-
chen müssen bei lebensälteren Bewerbern mit einer langen Be-
rufsphase nicht sämtliche Zeugnisse vorgelegt werden, zumal diese
kaum der Beurteilung der Qualifikation für die zu besetzende
Stelle dienen. Hier genügt eine Erwähnung im Lebenslauf, es sei
denn, damals erhaltene Zeugnisse sind besonders positiv gefasst.
Auch ist zu überlegen, ob Sie ein schlechtes Hauptschul-Abgangs-
zeugnis vorlegen, wenn Sie den Hauptschulabschluss nachgeholt
haben.
Am besten stellen Sie die beizufügenden Zeugnisse nach der Glie-
derung Ihres Lebenslaufs zusammen:
 Schulabschlusszeugnisse
 Zeugnisse über Berufsausbildung/Praktika
 Studiennachweise
 Arbeitszeugnisse
 Dienstzeugnis der Bundeswehr beziehungsweise des Zivildienstes
 Zeugnisse oder Teilnahmebescheinigungen über besuchte
Fortbildungsmaßnahmen
Da verloren gegangene Zeugnisse nur schwer wieder zu beschaf-
fen sind, versenden Sie nie Originale, sondern gut lesbare Fotoko-
pien (großformatige Zeugnisse – z. B. Diplome – werden auf DIN-
A4-Format verkleinert, DIN-A5-Unterlagen werden auf ein DIN-
A4-Blatt kopiert). Nur in Ausnahmefällen (z. B. im öffentlichen
Dienst) werden beglaubigte Kopien verlangt. Besteht ein Zeugnis
aus zwei oder mehr Seiten, müssen selbstverständlich alle Seiten

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Die Bewerbung

Ihrer Bewerbung beiliegen, auch wenn dadurch schlechte Noten


ans Tageslicht befördert werden. Von fremdsprachigen Zeugnis-
sen/Diplomen legen Sie eine beglaubigte Übersetzung bei.

Schulzeugnisse
In vielen Betrieben bringt man Schulzeugnissen Skepsis entgegen,
weil diese für eine Leistungseinstufung im Betrieb nur mit Ein-
schränkungen herangezogen werden können. Verantwortungs-
bewusste Personalreferenten sehen in den Schulzeugnissen nur ei-
nen Mosaikstein für das Gesamtbild des Bewerbers. Allein die
Berücksichtigung von Schulnoten kann zu erheblichen Fehlein-
schätzungen führen. Im Gesamturteil sollten Schulzeugnisse also
eine untergeordnete Rolle spielen, weil der berufliche Alltag häu-
fig andere Eigenschaften als die Schule fordert. Allerdings kann
der Vergleich mehrerer Zeugnisse des gleichen Bewerbers Auf-
schluss hinsichtlich seiner Leistungskontinuität bieten.
Dennoch: Gemäß der in Deutschland weitverbreiteten Meinung,
dass zunächst das zählt, was man schwarz auf weiß lesen kann, hat
häufig derjenige „bessere Karten“, der ein zufrieden stellendes
Schulabschlusszeugnis vorweisen kann.

Studienzeugnisse
Wegen des berufsqualifizierenden Inhalts von Studiengängen
werden gerade Studienzeugnisse individuell und intensiv durch-
leuchtet. Neben der Gesamtnote, die häufig Sortierkriterium für
die Einladung zum Vorstellungsgespräch ist, werden die Bewer-
tungen von Studien- und Diplomarbeiten sowie die Leistungen in
den Pflicht- und Wahlfächern im Grund- und Hauptstudium unter
die Lupe genommen. Auch wird die Studiendauer untersucht, die
nicht wesentlich länger als die Regelstudienzeit sein sollte. Ein zü-
giges und erfolgreich abgeschlossenes Studium wird als wichtiges
Indiz für die spätere berufliche Belastbarkeit und Leistungsfähig-
keit angesehen. Ein gravierendes Überschreiten der durchschnitt-
lichen Studienzeit um mehrere Fachsemester fällt negativ auf und
bedarf schon überzeugender und auch im Lebenslauf sofort er-
kennbarer Gründe.

66 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

Arbeitszeugnisse
Sehr intensiv wird ein Personalreferent die Zeugnisse Ihrer frühe-
ren Arbeitgeber unter die Lupe nehmen. Es gibt zwei Arten von
Arbeitszeugnissen: das einfache Zeugnis und das qualifizierte Ar-
beitszeugnis.
Das einfache Zeugnis beschränkt sich auf die Darstellung der Art
und Dauer des Arbeitsverhältnisses. Es muss die Tätigkeiten, die
der Arbeitnehmer im Laufe des Arbeitsverhältnisses ausgeübt hat,
vollständig und präzise beschreiben, beinhaltet aber keinen be-
wertenden Teil. Das qualifizierte Zeugnis enthält zusätzliche Be-
schreibungen und Bewertungen von Führung und Leistung des
Zeugnisempfängers. Mit dem qualifizierten Arbeitszeugnis wird
der „Marktwert“ eines Arbeitnehmers dokumentiert. Es ist eine
Art „Preisschild“ und stellt für einen Arbeitgeber, bei dem man
sich bewirbt, eine äußerst bedeutungsvolle Informationsquelle
über den Bewerber dar.
Ein verantwortungsbewusster Personalreferent benötigt ein qua-
lifiziertes Zeugnis zur Auswertung. Aus Erkenntnissen darüber,
was der Bewerber in der Vergangenheit mit welchem Ergebnis be-
ruflich getan, erfahren und geleistet hat, kann eine vorsichtige
Vorhersage abgeleitet werden, wie der Bewerber eine in der Zu-
kunft liegende Aufgabe bewältigen wird.
Möchten Sie beruflich aufsteigen, meldet der neue Betrieb mögli-
cherweise gegen eine Arbeitsbescheinigung wegen ihrer geringen
Aussagekraft Vorbehalte an. Da die Aussagen zu Führung und Leis-
tung fehlen, sieht sich der interessierte Bewerbungsempfänger
häufig zum Nachrecherchieren veranlasst. In diesem Fall wissen Sie
nicht, wer im früheren Betrieb bei einer telefonischen Anfrage
Auskünfte über Sie erteilt und wie diese ausfallen. Um dies zu ver-
meiden, ist es auf jeden Fall ratsam, sich vom früheren Arbeitgeber
noch nachträglich ein qualifiziertes Zeugnis ausstellen zu lassen.
Jeder Arbeitnehmer hat bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses
Anspruch auf Erteilung eines qualifizierten Zeugnisses. Dieser An-
spruch wird bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses fällig, unab-
hängig von der Dauer und der Art des Beschäftigungsverhältnisses
und wie beziehungsweise durch wen es beendet wurde. Der Ar-
beitnehmer kann das qualifizierte Zeugnis aber auch noch nach
Beendigung des Arbeitsverhältnisses verlangen. Der Zeugnisan-

www.WALHALLA.de 67
Die Bewerbung

spruch verjährt erst 30 Jahre nach Beendigung des Arbeitsverhält-


nisses. Dennoch sollte der Zeugnisanspruch bald geltend gemacht
werden (möglichst innerhalb von drei Monaten nach dem Aus-
scheiden aus dem Arbeitsverhältnis), damit juristisch keine Verwir-
kung des Zeugnisanspruchs eintritt und der Arbeitgeber von sei-
nem Erinnerungsvermögen her überhaupt noch in der Lage ist, ein
Arbeitszeugnis auszustellen.
Befinden Sie sich momentan noch in einem Arbeitsverhältnis, des-
sen Beendigung jedoch wegen Ausspruchs einer Kündigung oder
dem Abschluss eines Auflösungsvertrags bevorsteht, benötigen Sie
als Bewerbungsunterlage ein vorläufiges Zeugnis. Auf Wunsch wird
es entweder in einfacher oder qualifizierter Form ausgestellt. Das
vorläufige Zeugnis ist dann mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses
gegen das endgültige Arbeitszeugnis auszutauschen. Soll Ihr Ar-
beitgeber bei einem von Ihnen beabsichtigten Arbeitgeberwechsel
vorerst nichts von Ihren Bewerbungsaktivitäten erfahren, verbietet
sich die Bitte um Ausstellung eines vorläufigen Arbeitszeugnisses.

Praxis-Tipp:
Um unnötiges Misstrauen in Ihrer Firma zu vermeiden, nutzen
Sie gute Gelegenheiten, ein Zwischenzeugnis zu erbitten:
Beim Ausscheiden Ihres Vorgesetzten, dem Wechsel des Fir-
meninhabers oder Ihrer Versetzung in ein anderes Unterneh-
men des gleichen Konzerns beantragen Sie ein Zwischenzeug-
nis, welches Sie Ihren Bewerbungen beifügen können.

Hier drei weitere Möglichkeiten, um Ihre beruflichen Qualifikatio-


nen zu belegen:
 Fügen Sie eine Kopie Ihrer letzten betrieblichen Personalbeur-
teilung bei.
 Belegen Sie Ihre gegenwärtige Position mit einer beigefügten
Stellenbeschreibung Ihrer derzeitigen Position. Allerdings soll-
ten weder Personalbeurteilung noch Stellenbeschreibung Anga-
ben enthalten, die der gebotenen Vertraulichkeit unterliegen.
 Legen Sie als zusätzliches Blatt eine allgemeine Tätigkeits- und
Unternehmensbeschreibung bei, die so präzise ist, dass sich der
Bewerbungsempfänger ein zutreffendes Bild machen kann

68 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

(z. B. Funktion, Zuständigkeiten, Verantwortung, Mitarbeiter-


zahl), jedoch nicht sofort Ihren Arbeitgeber zu erkennen ver-
mag.
Jedes qualifizierte Arbeitszeugnis stellt eine abschließende Würdi-
gung einer oft jahrelangen Tätigkeit dar und enthält für einen
künftigen Arbeitgeber alle wesentlichen Tatsachen und Bewer-
tungen, die für die Gesamtbeurteilung des Arbeitnehmers von Be-
deutung sind. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs ist obers-
ter Grundsatz, „dass der Inhalt des Zeugnisses wahr sein muss“.
Wird dieser Grundsatz von einem Zeugnisgeber missachtet, kön-
nen vom Folgearbeitgeber Regressforderungen gestellt werden,
wenn dieser im Vertrauen auf eine zu positive Aussage einen Be-
werber einstellt, den er bei objektiven Zeugnisaussagen keines-
falls in ein Arbeitsverhältnis übernommen hätte, und durch diesen
einen Schaden erleidet. Das Gebot der Zeugniswahrheit bedeutet
nach dem Urteil aber nicht, „dass bei einem Zeugnis über Leistung
und Führung die Verpflichtung zu schonungsloser offener Beurtei-
lung von ungünstigen Vorkommnissen besteht. Das Zeugnis soll
vom verständigen Wohlwollen für den Arbeitnehmer getragen
sein und ihm sein weiteres Fortkommen nicht erschweren.“ Mit
dieser höchstrichterlichen Forderung soll vermieden werden, dass
ein Arbeitnehmer nach ungünstigen Vorkommnissen (z. B. ernst-
liche persönliche Differenzen) ein negatives Zeugnis erhält, das
ihn auf dem Arbeitsmarkt auf Dauer als ungeeignete Arbeitskraft
abstempelt.

Geheimcode Arbeitszeugnis
Als aufmerksamer Leser dieser Ausführungen erkennen Sie, wie
schwierig es für den Aussteller eines Arbeitszeugnisses ist, das Ge-
bot der Wahrheit mit dem Wunsch nach Wohlwollen in Einklang
zu bringen. Die Konsequenz dieser arbeitsrechtlichen Auflagen
bilden vier Arten indirekter Zeugnisaussagen, mit denen die Ar-
beitgeberseite versucht,
 ungünstige Verhaltensweisen des Arbeitnehmers verschlüsselt
auszuweisen und gleichzeitig
 der Forderung nach Wahrheit und möglichster Schonung des
Arbeitnehmers zu genügen.

www.WALHALLA.de 69
Die Bewerbung

Für Sie ist es wichtig, Ihre Arbeitszeugnisse richtig lesen und ver-
stehen zu können. So mancher Arbeitnehmer verlässt freudestrah-
lend den früheren Betrieb mit einem vermeintlich „traumhaften“
Arbeitszeugnis mit vielen positiv klingenden Formulierungen. Bei
näherer Betrachtung durch einen eingeweihten Leser entpuppt
sich dieses Zeugnis jedoch als deklassierende Beurteilung. Beden-
ken Sie, dass Formulierungen wie beispielsweise „in etwa“, „zu-
meist“, „im Wesentlichen“, „im Großen und Ganzen“ oder „teil-
weise“ positive Aussagen abschwächen, während die Hinweise
„hat sich bemüht“ oder „war bestrebt“ nichts Gutes erwarten
lassen.
Erkennen Sie nicht, weshalb Sie mit den von Ihnen als positiv ein-
geschätzten Bewerbungsunterlagen erfolglos bleiben und schon
im Rahmen der Bewerber-Vorauswahl Absagen erhalten, sollten
Sie das „Zeugnisdeutsch“ in Ihren Arbeitszeugnissen nach den fol-
genden Erläuterungen decodieren:

Formulierungsskala der Arbeitsgemeinschaft gemeint ist


selbstständiger Unternehmer mit Abwandlungen

 hat sich bemüht, die ihm übertragenen ungenügend = 6


Aufgaben zu erledigen

 hatte Gelegenheit, die ihm übertragenen


Aufgaben zu erledigen

 war bemüht, die ihm übertragenen Aufgaben


zu unserer Zufriedenheit zu erledigen

 hat die ihm übertragenen Aufgaben im Großen mangelhaft = 5


und Ganzen zu unserer Zufriedenheit erledigt

 machte sich mit großem Eifer an die ihm


übertragenen Aufgaben heran

 hat die ihm übertragenen Aufgaben ausreichend = 4


zu unserer Zufriedenheit erledigt

 waren mit seinen Leistungen zufrieden

 hat zufrieden stellend gearbeitet

70 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

Formulierungsskala der Arbeitsgemeinschaft gemeint ist


selbstständiger Unternehmer mit Abwandlungen

 hat die ihm übertragenen Aufgaben befriedigend = 3


zu unserer vollen Zufriedenheit erledigt
 hat die ihm übertragenen Aufgaben immer
(stets/sehr) zu unserer Zufriedenheit erledigt
 hat jederzeit zu unserer Zufriedenheit
gearbeitet
 waren mit den Leistungen jederzeit
zufrieden
 waren mit den Leistungen voll zufrieden
 hat unseren Erwartungen in jeder
Hinsicht entsprochen

 hat die ihm übertragenen Aufgaben gut = 2


stets (immer/in jeder Hinsicht) zu unserer
vollen Zufriedenheit erledigt
 seine Leistungen fanden stets unsere
volle Anerkennung
 waren mit den Leistungen stets zufrieden
 in bester Weise entsprochen
 den Erwartungen und Anforderungen
in jeder Hinsicht und in bester Form
entsprochen

 hat die ihm übertragenen Aufgaben sehr gut = 1


stets (immer/in jeder Hinsicht) zu
unserer vollsten Zufriedenheit erledigt
 waren mit den Leistungen stets sehr
zufrieden
 seine Leistungen fanden in jeder
Hinsicht unsere vollste Anerkennung
 waren mit seinen Leistungen in jeder
Hinsicht außerordentlich zufrieden
 den Erwartungen und Anforderungen
in jeder Hinsicht und in allerbester
Weise entsprochen

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Die Bewerbung

Spezialformulierungen negativen Inhalts gemeint ist

 war sehr tüchtig und wusste sich gut war ein unangenehmer
zu verkaufen Mitarbeiter
 hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten hat getan, was er
eingesetzt konnte, aber dabei kam
nicht viel heraus
 erledigte seine Arbeiten mit Fleiß und war zwar eifrig, aber
Interesse nicht besonders tüchtig
 wegen seiner Pünktlichkeit war er war ansonsten aber
stets ein gutes Vorbild eine Niete
 seinen Aufgaben widmete er sich … aber ohne Erfolg!
mit Begeisterung
 bemühte sich, den Anforderungen hat versagt
gerecht zu werden/uns mit seinen
Leistungen zufrieden zu stellen
 war immer mit Interesse bei der hat sich angestrengt,
Sache aber nichts geleistet
 zeigte für seine Arbeit Verständnis war faul und hat nichts
geleistet
 hatte Gelegenheit, alle Aufgaben die Gelegenheit war vor-
als … wahrzunehmen handen, nur stellte sich
der Erfolg nicht ein
 verfügt über Fachwissen und zeigt ein verkauft mit übersteiger-
gesundes Selbstvertrauen tem Selbstvertrauen sein
geringes Fachwissen
 erledigte seine Arbeiten ordnungs- ein typischer Bürokrat
gemäß/ordentlich ohne Eigeninitiative
 verstand es, seine Aufgaben in vollem drückte sich vor seiner
Umfang erfolgreich zu delegieren Arbeit
 mit seinen Vorgesetzten kam er gut ein Mitläufer ohne Profil
zurecht, und Spannungen mit
Kollegen gab es nicht
 war ein anspruchsvoller und war eigensüchtig, pochte
kritischer Mitarbeiter auf seine Rechte und
nörgelte gern
 im Kollegenkreis galt er als toleranter für den Vorgesetzten
Mitarbeiter eine harte Nuss

72 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

Spezialformulierungen negativen Inhalts gemeint ist

 hat stets kritisch in positiver Weise ein streitsüchtiger


mitgedacht Besserwisser
 seine Auffassungen wusste er intensiv war ein vorlauter Mit-
zu vertreten arbeiter
 mit seinen Leistungen waren wir im Einzelnen waren die
insgesamt zufrieden Leistungen aber oft
mangelhaft
 hatte dabei auch Erfolg Erfolg stellte sich nur
selten ein
 erledigte seine Aufgaben in der heut- dabei war eine geringe
zutage üblichen Art und Weise Arbeitsmoral erkennbar
 hat auch brauchbare Vorschläge seine Vorschläge waren
gemacht im Regelfall nichts
 bemühte sich stets um gute Theoretiker und Besser-
Verbesserungsvorschläge wisser, der seine Fach-
kenntnisse nicht in die
Praxis umsetzen kann
 brachte der Firma reges Interesse aber Leistungen waren
entgegen kaum erkennbar
 hatte ein gutes Einfühlungsvermögen suchte ständig
für die Belange der Belegschaft Sexkontakte
 trug mit seiner Geselligkeit zur hatte während der
Verbesserung des Arbeitsklimas bei Arbeitszeit Alkohol-
probleme
 die Zusammenarbeit mit ihm war als besonders ange-
nicht zu beanstanden nehm wurde sie aber
auch nicht empfunden
 war mit seiner Arbeit stets schnell war dabei aber flüchtig
fertig
 hat versucht, die ihm gestellten Auf- die Versuche verliefen
gaben zu lösen erfolglos
 sein Verhältnis zu den Kollegen ungehobelter und Un-
wurde durch seine Umgangsformen ruhe stiftender Klotz
bestimmt

www.WALHALLA.de 73
Die Bewerbung

Formulierungen im Zeugnisschlusssatz gemeint ist

 scheidet auf eigenen Wunsch aus Mitarbeiter hat selbst


unserer Firma aus gekündigt
 das Ausscheiden erfolgt im wir haben gekündigt
beiderseitigen/gegenseitigen bzw. dem Mitarbeiter
Einvernehmen/ die Kündigung drin-
das Arbeitsverhältnis endet mit dem gend empfohlen
heutigen Tag
 Wir mussten uns vorzeitig/ungeplant/ fristlose Kündigung
unwiderruflich am … von … trennen durch den Arbeitgeber
 … verließ uns am …, um sofort eine … hat seinen Arbeits-
neue Tätigkeit anzunehmen platz vorzeitig und
vertragswidrig verlassen
 das Ausscheiden erfolgt aus organi- ein Mitarbeiter verlässt
satorischen Gründen (ohne nähere uns, der nicht viel
Angaben) geleistet hat
 das Ausscheiden wird mit Bedauern ein guter Mitarbeiter
zur Kenntnis genommen verlässt uns
 das Ausscheiden wird mit besonderem ein sehr guter Mitarbei-
Bedauern zur Kenntnis genommen ter verlässt uns
 wünschen alles Gute, vor allem aber Ironie, mit der das
Gesundheit Arbeitszeugnis
entwertet werden soll

Auslassen oder Verstärken wichtiger Punkte


Hier werden bestimmte, für die Tätigkeit unerhebliche Eigenschaf-
ten und Merkmale oder Selbstverständlichkeiten besonders be-
tont, für die Position wichtige Eigenschaften oder Merkmale aber
vernachlässigt (=„beredtes Schweigen“). So werden zum Beispiel
bei einem Konstrukteur Pünktlichkeit, Ehrgeiz und sicheres Auf-
treten überschwänglich erwähnt, dafür aber fehlen Angaben zur
technischen Begabung und zur Sorgfalt. Bei Mitarbeitern, die mit
personenbezogenen Daten oder vertraulichen Informationen um-
gehen müssen, dürfen Hinweise zur Diskretion und Zuverlässig-
keit nicht fehlen, bei einer Chefsekretärin wäre der Verweis auf
selbstständiges Arbeiten ein Muss, bei Einkäufern ist ein Hinweis
zum Verhandlungsgeschick unumgänglich, und bei Informatikern

74 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

wären fehlende Angaben zum logischen und analytischen Denk-


vermögen der Ausgangspunkt für eine sehr kritische Überprüfung
der Bewerbungsunterlagen seitens des Arbeitgebers.

Interpunktion und Form


Achten Sie auch darauf, ob bestimmte Passagen im Arbeitszeugnis
mit einem Ausrufungszeichen versehen sind (z. B. Führung und
Leistung waren ausreichend!). Durch ein nach den Interpunktions-
regeln nicht erforderliches Ausrufungszeichen kann einer Beurtei-
lung ein zusätzlicher negativer Akzent gegeben werden.
Nach geltender Rechtsprechung muss der Arbeitgeber Arbeits-
zeugnisse auf Geschäftsbriefbogen (Briefpapier mit Firmenanga-
ben) schreiben. Das kann der Arbeitnehmer verlangen, wenn der
Arbeitgeber tatsächlich Firmenbogen besitzt und diese auch im
Geschäftsverkehr verwendet. Wird nämlich das Arbeitszeugnis auf
neutralem Bogen erteilt, lässt der Arbeitgeber damit indirekt er-
kennen, dass er sich mit dem ausgestellten Zeugnis bzw. dem bis-
herigen Mitarbeiter nicht identifizieren will.
Wir können heute davon ausgehen, dass die Personalreferenten
mittlerer und großer Betriebe die Zeugnisformulierungen sach-
und gesetzesgerecht vornehmen und über die Bedeutung indirek-
ter Zeugnisaussagen informiert sind. Allerdings benutzen in klei-
neren Betrieben Inhaber gelegentlich Formulierungen, die zwar
gut gemeint sind, aber unter Berücksichtigung der vorstehenden
Erörterungen negativ zu werten sind.

Praxis-Tipp:
Haben Sie Ihre Arbeitszeugnisse nach unseren Decodierungs-
hinweisen analysiert und stellen sich die Beurteilungen als un-
zutreffend schlecht heraus, sollten Sie sich nicht scheuen, eine
Änderung des Arbeitszeugnisses zu verlangen. Notfalls kön-
nen Sie eine Verbesserung durch Einschaltung des Betriebs-/
Personalrats oder eines Rechtsanwalts oder durch ein arbeits-
gerichtliches Verfahren erwirken.

Sind hingegen wenig schmeichelhafte Beurteilungen eines Arbeit-


gebers berechtigt, sollten Sie nachträglich von dem früheren Ar-

www.WALHALLA.de 75
Die Bewerbung

beitgeber eine Arbeitsbescheinigung erbitten und diese Ihrer Be-


werbung beifügen.
Das beste Mittel gegen ein schlechtes Zeugnis älteren Datums ist
ein erstklassiges Zeugnis neueren Datums („Erstaunlich, wie der
Mann an sich gearbeitet und sich gesteigert hat.“).
Fehlt Ihnen für einen Berufsabschnitt ein Zeugnis, sollten Sie es
vom Arbeitgeber mit einer freundlichen Bitte nachfordern. Schwie-
rig wird es, wenn der Betrieb nicht mehr existiert. Ist weder vom
Rechtsnachfolger noch vom Konkursverwalter eine Bestätigung
über Ihr früheres Arbeitsverhältnis zu erhalten, sollten Sie sich zu-
mindest von der zuständigen Kammer (Handwerkskammer, Indus-
trie- und Handelskammer usw.) eine Bescheinigung ausstellen las-
sen, dass das Unternehmen nicht mehr existiert und deshalb die
nachträgliche Erteilung eines Zeugnisses nicht mehr möglich ist.

Dienstzeugnisse
Soldaten ist bei einer Dienstzeit von mindestens vier Wochen auf
Antrag ein Dienstzeugnis zu erteilen, das Aufschluss gibt über
 Art und Dauer der wesentlichen von ihm bekleideten Dienst-
stellungen,
 seine Führung und
 seine Leistungen im Dienst.
Wurde mindestens drei Monate tatsächlich Zivildienst geleistet,
wird auf Antrag ein Dienstzeugnis über Art und Dauer des Diens-
tes sowie über Führung und Leistung im Dienst erteilt.

Teilnahmebescheinigungen
Teilnahmebescheinigungen über den Besuch von Fortbildungsver-
anstaltungen legen Sie auf jeden Fall vor, wenn sie Kenntnisse
und/oder Fertigkeiten bestätigen, die für die angestrebte Stelle
bedeutungsvoll sein können, so beispielsweise Maßnahmeblätter
des Berufsbildungspasses, REFA-Scheine, Fremdsprachen-Diplome,
EDV-Zeugnisse.
Konnten Sie zahlreiche Schulungen oder Seminare absolvieren,
sollten Sie diese eher mit einer Auflistung dokumentieren als mit
einer Vielzahl von Teilnahmebescheinigungen.

76 www.WALHALLA.de
Zeugnisse und Teilnahmebescheinigungen

Auch wenn die besuchten Kurse nicht unbedingt für die in Aus-
sicht genommene Stelle benötigt werden, weisen Sie mit Ihrer Teil-
nahme nach, dass Sie die Forderung nach lebenslangem Lernen
beherzigen. Auch wird der Tatbestand, dass ein Bewerber zusätz-
liche schulische oder berufliche Qualifikationen nebenberuflich
erworben hat, regelmäßig als Zeichen besonderer Belastbarkeit
und Zielstrebigkeit gewertet.

Checkliste: Analyse von Arbeitszeugnissen

 Beinhalten meine qualifizierten Arbeitszeugnisse folgende An-


gaben:
– Bezeichnung des ausstellenden Arbeitgebers
– Meine persönlichen Daten (Name, Vorname, Geburtsdatum)
– Dauer des Arbeitsverhältnisses (Ein- und Austrittsdatum)
– Art der geleisteten Tätigkeit (vollständige, genaue und ausführ-
liche Angabe der einzelnen verrichteten Tätigkeiten einschließ-
lich übertragener Kompetenzen und Vollmachten, damit sich
ein unbeteiligter, aber fachkundiger Dritter, insbesondere ein
künftiger Arbeitgeber, ein zutreffendes, klares Bild von der Ge-
samttätigkeit machen kann; eine bloße Berufs- oder Tätigkeits-
bezeichnung ist unzureichend)
– Angaben, wie ich die einzelnen Tätigkeiten erledigt habe
(= Leistungsbewertung: Hier sind meine Befähigung, meine
Arbeitsweise und mein Arbeitserfolg anzusprechen)
– Angaben über meine persönliche Führung (= Führungsbewer-
tung)
– Die Angaben müssen sich ausschließlich aus dem Arbeitsverhält-
nis herleiten lassen. Auch Angaben über mein Sozialverhalten
(gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Mitarbeitern, Kunden, Ge-
schäftspartnern, Patienten etc.) sind wichtig
– Zusammenfassung der Leistungs- und Führungsbewertung zu
einer Gesamtbeurteilung
– Art und Grund des Ausscheidens (wer hat warum gekündigt)
– Schlussformel, in der gute Wünsche und der Ausdruck des Be-
dauerns über die Lösung des Arbeitsverhältnisses enthalten sind
– Eigenhändige Unterschrift des Arbeitgebers
– Ort und Datum der Zeugnisausstellung

www.WALHALLA.de 77
Die Bewerbung

noch: Checkliste: Analyse von Arbeitszeugnissen

 Ist das Arbeitszeugnis auf Geschäftsbriefpapier geschrieben, wozu


der Arbeitgeber verpflichtet ist, wenn er dies auch im sonstigen
Geschäftsverkehr verwendet?
 Sind Radierungen, Tippfehler, Streichungen, Verbesserungen oder
Zusätze nicht zu erkennen?
 Sind alle Formulierungen klar, verständlich und wahr?
 Welche Formulierungen könnten dennoch missverstanden oder
zweideutig aufgefasst werden?
 Sind besonders qualifizierte oder selbstständige Tätigkeiten auf-
geführt, die über den Rahmen des Üblichen hinausgehen?
 Lässt das Zeugnis ein verständiges Wohlwollen mir gegenüber er-
kennen?
 Sind einmalige ungünstige Vorkommnisse unerwähnt geblieben?
 Bezieht sich die Beurteilung auf alle Leistungen oder werden die
einzelnen Tätigkeiten unterschiedlich beurteilt?
 Werden bestimmte für die Tätigkeit unwichtige Eigenschaften
oder Merkmale besonders betont und andererseits für die Position
erhebliche Eigenschaften oder Merkmale vernachlässigt?
 Sind unzulässige Angaben über besondere Vorgänge in meinem
Privatleben oder über eine eventuelle Tätigkeit als Arbeitnehmer-
vertreter enthalten?
 Bestätigt das Zeugnis wichtige Charaktereigenschaften und Eig-
nungsschwerpunkte für die ausgeübte Tätigkeit?
 Sind bestimmte Passagen im Arbeitszeugnis mit einem Ausru-
fungszeichen versehen, obwohl dies nach den Interpunktionsre-
geln nicht erforderlich ist und deshalb einen zusätzlichen negati-
ven Akzent bedeutet?
 Enthält das Zeugnis Spezialformulierungen negativen Inhalts?

Notieren Sie sich erkannte Schwachstellen in Ihrem Arbeitszeugnis


(Auswertung siehe Kapitel 3)!

78 www.WALHALLA.de
Sonstige Bewerbungsunterlagen

Sonstige Bewerbungsunterlagen
Im Einzelfall werden Sie auf besonderen Wunsch des Bewerbungs-
empfängers weitere Bewerbungsunterlagen übersenden:

Referenzen
Bei der Auswahl von Führungskräften werden Bewerber hin und
wieder um Angabe von Referenzadressen gebeten. Dann nennen
Sie auf einem gesonderten DIN-A4-Blatt zwei bis vier Namen von
fachlich qualifizierten Personen, mit denen Sie beruflich zu tun
hatten, so zum Beispiel ehemalige Vorgesetzte, Kollegen, Kunden,
Geschäftsfreunde, Ausbilder und Lehrer. Sie setzen deren genaue
Anschrift mit Telefonnummer hinzu.
Wichtig: Geben Sie eine Referenzadresse an, sollten Sie den Be-
treffenden um sein Einverständnis bitten und sich durch eine höf-
liche Anfrage vergewissern, dass er ein objektives, aber für Sie po-
sitives Urteil abzugeben bereit ist.

Handschriftprobe
Wird eine Handschriftprobe erbeten, soll diese entweder einem
Grafologen zur Begutachtung vorgelegt werden, oder die Firma
verlangt sie aus Prinzip. Vielleicht beruht dieser Wunsch auch auf
schlechten Erfahrungen mit dem bisherigen Stelleninhaber, der
eine miserable Handschrift hatte. Die daraus resultierenden Schwie-
rigkeiten sollen bei der Neubesetzung ausgeschlossen werden.
Sie kennen die Zweckbestimmung nicht und müssen daher mit der
ersten Möglichkeit rechnen. Mit der Einsendung einer Hand-
schriftprobe erklären Sie sich juristisch damit einverstanden, dass
Ihre Handschrift begutachtet wird.
Fügen Sie ein Extrablatt in DIN-A4-Format mit der Überschrift
„Schriftprobe“ bei. Am besten schreiben Sie einen fachbezogenen
Text ab und unterzeichnen ihn zum Schluss. Ein Grafologe benö-
tigt etwa eine ganzseitige Schriftprobe, um zu einem ausgewoge-
nen Urteil zu gelangen.
Sie benötigen weißes unliniertes Papier von guter Qualität und le-
gen für ein sauberes Schriftbild einen Linienbogen unter. Am besten
benutzen Sie einen Füllfederhalter mit schwarzer Tinte (schwarze

www.WALHALLA.de 79
Die Bewerbung

Tinte soll angeblich Entscheidungsfreude und Tatkraft signalisie-


ren). Achten Sie auch auf gute Raumaufteilung und einen ausrei-
chenden Rand, denn auch das Gesamtbild Ihrer Schriftprobe wird
vom Grafologen bewertet.
Vermutlich sind Sie morgens besonders ausgeglichen und ausge-
ruht. Ohne Zeitzwang machen Sie sich an die Arbeit. Schreiben Sie
sich erst auf einem anderen Blatt gleicher Qualität „warm“. Schrei-
ben Sie so, wie Sie es üblicherweise tun. Eine verstellte „Sonntag-
nachmittagschrift“ fällt sofort auf; Ihre Schriftprobe wäre für den
Gutachter wertlos.
Achtung: Greifen Sie dem Grafologen nicht vor, indem Sie auf ei-
gene Kosten ein Gutachten anfertigen lassen und es beifügen!
Wenn die Firma grafologiegläubig ist, wird sie an ihrem eigenen
Experten festhalten und Ihrem Gutachter vielleicht mit Misstrauen
begegnen (dies gilt auch für psychologische und sonstige Tests).

Arbeitsproben
In den meisten Berufen sind Arbeitsproben nicht üblich. Denken Sie
aber bitte an einen zu besetzenden Arbeitsplatz in einem künstleri-
schen/graphischen Beruf (z. B. Designer, Grafiker) oder an Journalis-
ten und Architekten. Dann können Sie den Wunsch des Arbeitge-
bers verstehen, sich durch Vorlage von Arbeitsproben frühzeitig ein
Bild über das Leistungsvermögen des Bewerbers zu machen.
Es sollte selbstverständlich sein, dem Arbeitgeber nur selbst ange-
fertigte Arbeitsproben vorzulegen. Geben Sie fremde Arbeiten für
Ihre eigenen aus, laufen Sie Gefahr, dass der Arbeitgeber einen zu
Stande gekommenen Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung
anfechten kann.
Der Bewerber sollte nicht nur sehr gut Gelungenes und Bemer-
kenswertes als Beweis des eigenen Könnens, sondern auch gute
08/15-Arbeiten vorlegen. Der Arbeitgeber will zumeist einen Mit-
arbeiter einstellen, der die täglich anfallenden Aufgaben meistert
und nicht nur alle Jubeljahre eine besondere Arbeit abliefert.
Wichtig: Legen Sie keine Arbeiten vor, mit denen Sie Betriebsge-
heimnisse verraten und sich damit strafbar machen. Unhandliche
oder schwere Arbeitsproben schaffen Beförderungsprobleme und

80 www.WALHALLA.de
Schluss-Check und Verpackung

erzeugen beim Empfänger eventuell Missmut. Deshalb sollten Sie


in Ihrem Bewerbungsschreiben anbieten, diese Arbeitsproben
zum Vorstellungsgespräch mitzubringen.

Polizeiliches Führungszeugnis
In manchen Fällen – vor allem bei sicherheitsempfindlichen Ar-
beitsplätzen und im öffentlichen Dienst – wird ein polizeiliches
Führungszeugnis verlangt, das Sie bei der für Sie zuständigen
Meldebehörde beantragen.

Schluss-Check und Verpackung


Gut überlegt und sorgfältig zusammengestellt liegen alle Bewer-
bungsunterlagen vor Ihnen. Wie geht es nun weiter?
Manche Bewerber versenden ihre Bewerbungsunterlagen als Lo-
seblatt-Sammlung, andere heften die einzelnen Blätter mit einer
Büroklammer zusammen, und wieder andere stopfen die „gesam-
melten Werke“ in eine Klarsichthülle. Diesen Negativ-Aufzählun-
gen folgen Sie nicht, sondern ordnen alle Zeugnisse chronologisch
(das jüngste Zeugnis nach oben) ein, legen die übrigen Bewer-
bungsunterlagen bei, Ihren Lebenslauf mit Lichtbild obenauf und
heften alles in einen Schnellhefter aus Kunststoff. Es gibt verschie-
dene Fabrikate, die für einen Inhalt von 10 bis 20 Seiten berechnet
sind. Gut geeignet sind die Farben rot, grün und blau. Ihr Bewer-
bungsschreiben legen Sie ungelocht in den Hefter obenauf.
Machen Sie aus Ihrer Bewerbung weder einen Kultgegenstand noch
eine Materialschlacht (z. B. jede Unterlage in eine Klarsichthülle,
aufwändige, schön gebundene Mappen mit viel schmückendem
Beiwerk). Großvolumige Sendungen machen nur der Post Freude.
Bevor unnötige Fehler Ihre Bewerbung disqualifizieren, nehmen
Sie sich noch Ihre „Schlussprüfung“ nach der Checkliste auf den
nächsten Seiten vor.
Die in den Kunststoffhefter eingeordneten und noch einmal über-
prüften Bewerbungsunterlagen schieben Sie vorsichtig in einen
festen Umschlag mit Kartonrücken, in dem der Inhalt unversehrt
und ungeknickt den Empfänger erreicht. Schon einmal ge-
brauchte Umschläge, auf denen Sie die erste Anschrift überklebt

www.WALHALLA.de 81
Die Bewerbung

haben, werten von Beginn an Ihre Bewerbung ab. Der Umschlag


wird mit der gut lesbaren korrekten Empfängeranschrift versehen.
Auch dürfen Sie in der linken oberen Ecke des Umschlags Ihre Ab-
senderangabe nicht vergessen.
Bevor Sie diese wichtige Sendung der Post zur Beförderung anver-
trauen, bedenken Sie noch einige Anmerkungen zum Versand:
Bemühen Sie sich um peinlich genaues Frankieren. Strafporto pfle-
gen die Bewerbungsempfänger – wenn überhaupt – nur mit Wi-
derwillen zu bezahlen. Und dieser Widerwille wird gern in Form ei-
ner Absage dokumentiert. Mit einer Überfrankierung erwecken Sie
den Eindruck, nicht mit Geld umgehen zu können. Also: Im Zweifel
den Brief auf dem Postamt abwiegen lassen! Ihre Sendung geht als
gewöhnlicher Brief ab, nicht als Einschreiben. Einschreiben machen
nur Arbeit und verursachen unnötige Kosten. Da Ihre Bewerbung
nur solche Unterlagen enthält, die auch einmal verloren gehen
dürfen, bewerten Sie das Einschreiben am besten nach dem Motto:
Taugt nichts, hilft nichts, bringt nichts, aber kostet etwas!
Auch ein Eilboten-Zuschlag ist überflüssig. Sie haben normaler-
weise etwa zehn Tage Zeit für Ihre Bewerbung, wenn Sie auf eine
Stellenanzeige reagieren. Übrigens werden Eilboten-Sendungen
wie normale Briefe befördert; sie werden nur bevorzugt zugestellt.

Checkliste: Schlussprüfung Bewerbungsunterlagen


 Versende ich den Wünschen des Bewerbungsempfängers entspre-
chend nur Unterlagen, die verlangt wurden?
 Sind alle Unterlagen vollständig beisammen?
 Wirke ich auf dem beigefügten aktuellen (nicht älter als sechs Mo-
nate) Lichtbild in Passbildformat freundlich und ansprechend?
Habe ich es auf der Rückseite mit Namen und Anschrift versehen
und dann mit Trockenkleber auf die rechte obere Ecke des Le-
benslaufs oder auf ein gesondertes Blatt geklebt?
 Vermittelt meine Bewerbung den Eindruck einer in allen Teilen
einheitlichen, aus einem Guss gefertigten Bewerbung (gleiches
Papier, gleiche Maschinentype, gleiches Papierformat, gleiche Un-
terschriftsleistung)?
 Sind Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Darstellung der gegen-
wärtigen Tätigkeit, „Dritte Seite“ und die evtl. geforderte Hand-
schriftprobe unterschrieben?

82 www.WALHALLA.de
Schluss-Check und Verpackung

noch: Checkliste: Schlussprüfung Bewerbungsunterlagen


 Ist meine gesamte Bewerbung hinsichtlich Rechtschreibung,
Grammatik und Zeichensetzung fehlerfrei?
 Sind meine Formulierungen aussagekräftig und in sich schlüssig?
 Habe ich meine Bewerbungsunterlagen einem kritischen Dritten
zum Korrekturlesen gegeben und sind dessen Anmerkungen/Ver-
besserungsvorschläge von mir überdacht und möglicherweise
berücksichtigt worden?
 Habe ich darauf geachtet, dass bei meinen auf dem PC geschrie-
benen Bewerbungsunterlagen alle abgespeicherten Angaben
(z. B. Name und Adresse des Empfängers, Datum, Bezugnahme)
der aktuellen Bewerbung angepasst wurden?
 Sind alle Zeugnisse chronologisch (das jüngste Zeugnis oben) ge-
ordnet?
 Habe ich daran gedacht: Zeugnisse müssen stets, Lebensläufe sol-
len nie und Bewerbungsschreiben dürfen in keinem Fall vervielfäl-
tigt werden?
 Habe ich meine gesamten Bewerbungsunterlagen (obenauf der
Lebenslauf) ohne Knick in einen einwandfreien Schnellhefter ein-
geheftet?
 Liegt mein Bewerbungsschreiben ungelocht im Schnellhefter
obenauf (nicht einheften, denn dieses Schreiben bleibt beim Emp-
fänger, während Ihnen alle übrigen Bewerbungsunterlagen im
Falle einer Ablehnung wieder zugeleitet werden müssen)?
 Wurde von mir bei einer Bewerbung auf eine Chiffre-Anzeige ein
Sperrvermerk beigefügt (in diesem Fall lege ich meine Bewer-
bungsunterlagen in einen Umschlag mit Angabe der Chiffre; dieser
Umschlag wird verschlossen zusammen mit meinem Sperrvermerk
in einen an den Verlag adressierten größeren Umschlag gesteckt)?
 Stehen mir für ein Vorstellungsgespräch Mehrausfertigungen der
im fünften Punkt dieser Checkliste aufgeführten Unterlagen zur
Verfügung?
 Versende ich meine Bewerbungsunterlagen in einem DIN-C4- oder
DIN-B4-Umschlag mit Kartonrücken, damit meine Unterlagen we-
der zerknittert noch beschädigt ankommen?
 Noch ein letzter Blick: Schiebe ich meine Unterlagen in den richti-
gen Umschlag (wie oft passierte es schon, dass beim Versand meh-
rerer Bewerbungen die Bewerbungssätze in die falschen Um-
schläge gerieten)?
17 x Ja = Alles in Ordnung = Ab geht die (richtig adressierte und aus-
reichend frankierte) Post!

www.WALHALLA.de 83
Die Bewerbung

Online-Bewerbung
Die Online-Bewerbung liegt mit steigender Tendenz im Trend. Be-
kannte Unternehmen wie Siemens, Deutsche Bank oder Luft-
hansa haben mittlerweise die papierlose Bewerbung eingeführt.
Demzufolge verliert die traditionelle postalische Bewerbung an
Bedeutung – sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Bewerbern. Für
den Stellenanbieter fallen die Beschleunigung des Bewerbungs-
verfahrens, eine effizientere Handhabung, ein geringerer Perso-
nalaufwand bei der Auswertung der Bewerbungsunterlagen sowie
die Einsparung von Portokosten für die Rücksendung umfang-
reicher Bewerbungsunterlagen ins Gewicht. Der Bewerber spart
Kosten für Papier, Kopien, Verpackung und Porto. Auch können
die einmal angefertigten Lichtbilder digital gespeichert und be-
liebig oft Online-Bewerbungen zugefügt werden.

Praxis-Tipp:
Vom Bewerber ist besonders viel Sorgfalt bei der Erstellung
seiner Online-Bewerbung zu fordern, mindestens in gleichem
Umfang wie bei einer Papierbewerbung. Es gelten auch hier
die gleichen Gebote wie beim klassischen Weg. Falls machbar,
sollten Sie Ihre Online-Bewerbung zunächst an die eigene
E-Mail-Adresse schicken, ausdrucken und noch einmal auf Feh-
ler durchsehen.

Bei Online-Bewerbungen sind drei Varianten zu unterscheiden,


wobei Sie den vom Unternehmen angebotenen Bewerbungsweg
wählen:

1. Online-Formular in einfacher Form


Hier bekommt der Bewerber die Möglichkeit, einen ersten Kon-
takt zum Stellenanbieter herzustellen. Die in ein einfaches Kon-
taktformular einzutragenden Informationen gleichen dem Inhalt
einer Kurzbewerbung (siehe nächste Überschrift).

84 www.WALHALLA.de
Online-Bewerbung

2. Standardisiertes Online-Formular
Der Arbeitgeber stellt zum Teil sehr umfangreiche Online-Bewer-
bungsformulare bereit. Hier sind alle relevanten Informationen,
Berufsstationen und Qualifikationen einzutragen. Zusätzliche Frei-
textfelder eröffnen dem Bewerber die Chance, mit aussagekräfti-
gen und optimal formulierten Informationen Pluspunkte zu sam-
meln. Bemühen Sie sich hierbei, schnörkellos auf den Punkt zu kom-
men, weil die Zahl der Zeichen in Textfeldern häufig begrenzt ist.
Ihre Angaben im Freitextfeld des Online-Formulars sollen die glei-
chen positiven Wirkungen erzielen wie ein sorgfältig abgefasstes
Bewerbungsschreiben einer klassischen Bewerbung. Reichern Sie
Ihre Angaben mit möglichst vielen Schlüssel- und Suchbegriffen
an, damit Sie bei der elektronischen Suche eher im Rennen blei-
ben. Da durch das Formular Struktur und Format vorgegeben sind,
kann der Bewerbungsempfänger je nach Bedarf Filter einrichten,
die den Auswertern in der Personalabteilung nur jene ausgefüll-
ten Formulare weiterleiten, die für sie interessant sind (z.B. sortiert
nach Schulabschluss, Durchschnittsnote, Berufspraxis). Bedenken
Sie auch hier, dass Sie nur wahrheitsgemäße Eintragungen vor-
nehmen, damit Ihnen bei späterem Erkennen Ihrer „Flunkereien“
keine arglistige Täuschung (und damit verbunden eine fristlose
Kündigung) vorgeworfen werden kann. Lassen Sie auszufüllende
Felder leer, sondern manche Softwareprogramme Ihre Bewerbung
automatisch aus.
Online-Formulare werden von vielen Bewerbern nicht sonderlich
geschätzt. Sie dienen regelmäßig der Datenerhebung und bieten
eher selten Chancen für präsentationsstarke Selbstvermarkter.
Hinzu kommt, dass die Online-Formulare die jeweiligen fir-
menspezifischen Informationswünsche enthalten, sodass sie von
Unternehmen zu Unternehmen variieren.
Haben Sie mit Ihrer auf einem Online-Formular abgesandten Be-
werbung (eine Ausfertigung drucken Sie für sich aus, um sich vor
einem Vorstellungsgespräch noch einmal zu vergewissern, welche
Informationen Sie dem Stellenanbieter bereits zugeleitet haben)
das Interesse des Arbeitgebers geweckt, werden Sie bald um Über-
sendung Ihrer vollständigen Bewerbungsunterlagen entweder per
E-Mail oder in klassischer Papierform gebeten.

www.WALHALLA.de 85
Die Bewerbung

3. E-Mail-Bewerbung
Sie bewerben sich per E-Mail dann, wenn dies vom Stellenanbieter
gewünscht wird. Fehlt ein entsprechender Hinweis, vertrauen Sie
Ihre Bewerbung besser der Deutschen Post an.
Die E-Mail-Bewerbung besteht aus den gleichen Teilen wie die
vollständige Bewerbung, wobei das Bewerbungsschreiben direkt
in der E-Mail steht, also nicht als Anlage beigefügt wird. Beachten
Sie weitere formale Hinweise:
 Für Ihre beigefügten Anlagen wie Lebenslauf, Lichtbild und
Zeugnisse sollten Sie nur gängige Text- oder Grafikformate
wählen, keine Zip-, Exe- oder Word-Files. Hängen Sie alle Un-
terlagen in einer einzigen pdf-Datei an Ihre E-Mail.
 Um lange Übertragungs- und Öffnungszeiten zu vermeiden,
sollte Ihr Gesamtdokument nicht größer als ein Megabyte sein.
Manche Firmen empfehlen einen geringeren Umfang.
 Eingescannte Dokumente speichern Sie im platzsparenden jpg-
Format. Verwenden Sie möglichst keine höhere Auflösung als
150 dpi.
 Im Feld „Betreff“ muss Ihre Bezugnahme aufgeführt werden.
 Am Schluss Ihrer E-Mail müssen Ihre Absenderangaben aufge-
führt werden.
 Sie versenden die E-Mail mit Ihrer persönlichen und neutralen
E-Mail-Adresse (nicht schmetterling-Sylvia@mail.de), auf kei-
nen Fall mit der E-Mail-Adresse Ihres gegenwärtigen Arbeitge-
bers.
 Das Datum kann entfallen, weil das E-Mail-Programm des Stel-
lenanbieters ihm den Zeitpunkt des Versands anzeigt.
Normalerweise wird Ihnen der Empfang Ihrer E-Mail bestätigt.
Sollte diese Bestätigung nicht innerhalb von drei Tagen bei Ihnen
eintreffen, fragen Sie telefonisch nach, ob Ihre E-Mail fehlerfrei
empfangen wurde.

86 www.WALHALLA.de
Kurzbewerbung

Bewerbungsempfänger beklagen bei E-Mail-Bewerbungen Qua-


litätsmängel, die in schriftlichen Bewerbungen weniger häufig
auftreten:
 Schlechte Formatierung
 Oberflächlichkeit
 überbordende Datenmengen, aufwändige Grafiken
 zu viele einzelne Dateien
 geringe Aussagekraft
 Serienbewerbungen, die zur Stellenanzeige nur einen gerin-
gen Bezug aufweisen
 fehlende Anhänge oder Anlagen
 formale Fehler, Tippfehler
 Rechtschreibmängel

Praxis-Tipp:
Technikverliebte Bewerber verweisen auf ihre Homepage, der
ein Arbeitgeber alle wesentlichen Informationsquellen, wie
Lebenslauf, Zeugnisse, Foto, entnehmen soll. Das Herunterla-
den und Ausdrucken relevanter Angaben erfordert für den
Stellenanbieter einen immensen Aufwand, sodass der Bewer-
ber mit dieser Vorgehensweise im Regelfall auf wenig Zustim-
mung stößt.

Kurzbewerbung
Mit erbetenen Kurzbewerbungen will sich ein Stellenanbieter ei-
nen allgemeinen Überblick über die Bewerber verschaffen, bevor
er sich von den für ihn interessanten Bewerbern weitere Unterla-
gen zusenden lässt. Die Kurzbewerbung wird als Filter betrachtet,
durch den ein schneller Überblick ermöglicht wird, welche Interes-

www.WALHALLA.de 87
Die Bewerbung

senten in die engere Auswahl gelangen sollen. Fehl am Platz wäre


die Übersendung einer vollständigen Bewerbung. Sie würden nur
den fatalen Eindruck erwecken, die Anzeige nicht richtig gelesen
oder verstanden zu haben.
Eine Kurzbewerbung besteht aus
 einem Bewerbungsschreiben
 der Fotokopie Ihres tabellarischen Lebenslaufs mit Lichtbild

Muster eines Bewerbungsschreibens für eine Kurzbewerbung


Willi Wacker Bremerhaven, 14.4.20..
Brombeerstr. 12
27580 Bremerhaven
Tel. 04 71/5 43 21

Expedition der Nordsee-Zeitung


XY 12 34 56
27580 Bremerhaven

„Sachbearbeiter …“, Nordsee-Zeitung vom 10.4.20..


Sehr geehrte Damen und Herren,
auf die von Ihnen ausgeschriebene Stelle bewerbe ich mich gern. Sie entspricht
meinen Erwartungen und meiner beruflichen Qualifikation.
Wie Sie meinem beruflichen Werdegang entnehmen werden, kann ich die An-
forderungen des zu besetzenden Arbeitsplatzes voll erfüllen, weil …
Zum gewünschten Termin wäre mir die Arbeitsaufnahme bei Ihnen möglich.
Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Gelegenheit geben, in den nächsten
Wochen meine vollständigen Bewerbungsunterlagen nachzureichen.

Mit freundlichen Grüßen

Anlagen: Lebenslauf mit Lichtbild (Fotokopie)

88 www.WALHALLA.de
Telefonische Bewerbung

Persönliche Bewerbung
Die persönliche Bewerbung war in früheren Zeiten die Regel, stellt
heute aber die Ausnahme dar. Allerdings fällt im gewerblich-techni-
schen Bereich ein Arbeitsuchender nicht aus dem Rahmen, der per-
sönlich bei den ihn interessierenden Unternehmen vorspricht und
sich nach Einstellungschancen erkundigt. Gelegentlich geben Fir-
men diese Bewerbungsmöglichkeit in ihrer Stellenanzeige an, um
auf diese Weise auch fachlich versierte Kräfte anzusprechen, die an-
sonsten wegen der mit einer Bewerbung verbundenen Schreibtisch-
arbeit die Bewerbungsprozedur scheuen. Vielfach begnügt sich der
Einstellende dann mit der Durchsicht der mitgebrachten Unterla-
gen, sodass dem Bewerber die schriftlichen Mühen erspart bleiben.

Telefonische Bewerbung
Manche Stellenanbieter ermuntern im Stellenanzeigentext zu einer
telefonischen Kontaktaufnahme. Während die Informationen in
schriftlichen Bewerbungen nicht immer ausreichen, bekommen die
Personalreferenten bei einem zehn bis 15 Minuten dauernden Tele-
fonat ein recht genaues Bild vom Bewerber. Auch wird hierdurch
der Verwaltungsaufwand bei Neueinstellungen niedrig gehalten
und die Zeitdauer bis zur Stellenbesetzung verkürzt. Diese Bewer-
bungsart wird auch bewusst angeboten, um schreibunwillige Inte-
ressenten (z. B. technisch-gewerbliche Fachkräfte mit Horror vor
„Schriftkram“ oder Verkäufer, die lieber mit dem Mund arbeiten als
mit dem Füllfederhalter) zu einer Bewerbung zu bewegen.
In der Regel hat der von Ihnen angerufene Personalreferent eine
Checkliste vor sich liegen, nach der er die ihm wichtig erscheinen-
den Punkte (z. B. Alter, Qualifikation, gegenwärtige Tätigkeit,
frühestmöglicher Eintrittstermin) von Ihnen beantworten lässt
und seine Eindrücke vom Anrufer (Telefonstimme, erkennbare
Vorbereitung auf das Gespräch, Gesamtverhalten des Anrufers)
notiert. Fallen Ihre Auskünfte zur Zufriedenheit Ihres Gesprächs-
partners aus, werden Sie um baldige Übersendung Ihrer vollstän-
digen Bewerbungsunterlagen gebeten. In diesem Fall bringen Sie
Ihre überzeugenden Bewerbungsunterlagen schnellstens auf den
Weg, damit die Erinnerung des Personalreferenten an Sie nicht
verblasst. In Ihrem Bewerbungsschreiben verweisen Sie auf das Te-

www.WALHALLA.de 89
Die Bewerbung

lefonat und bedanken sich im ersten Satz für die Ihnen gegebenen
telefonischen Informationen.
Entsprechen Sie hingegen nicht den Vorstellungen des Angerufe-
nen, wird Ihnen von der Übersendung schriftlicher Bewerbungs-
unterlagen abgeraten, sodass mit dem Auflegen des Hörers Ihre
Bemühungen enden, Sie aber auch unnötige Arbeit, Zeit und
Mühen sparen.
Bisweilen erweisen sich fernmündlich erteilte Auskünfte als Plus-
punkte bei der Zusammenstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen
und bei der adressatenbezogenen Formulierung des Bewerbungs-
schreibens.
Lesen Sie eine Ihnen „auf den Leib geschnittene“ Stellenanzeige,
greifen Sie nicht spontan zum Telefon. Dieses impulsive Vorgehen
birgt die Gefahr in sich, dass Sie konzeptionslos ins Telefon stottern
und eine Bewerbungschance leichtfertig vergeben. Auch hier gilt
es, sich gut vorzubereiten. Ihr Anruf muss für Sie werben. Schließ-
lich wollen Sie als kompetenter und gut organisierter Bewerber ei-
nen guten ersten Eindruck hinterlassen. Ein routinierter Gesprächs-
partner wird nämlich darauf achten, wie Sie das Gespräch auf-
bauen und ob Sie zielbewusst und präzise wichtige Fragen ab-
klären, die zur Entscheidungsfindung verhelfen. Auf keinen Fall
sollte das Telefonat so verlaufen, dass sich Ihr Kontaktpartner am
Ende fragen muss, warum Sie überhaupt angerufen haben. Des-
halb gehen Sie zweckmäßigerweise nach der auf der nächsten Seite
folgenden Checkliste vor.
Die Vorteile einer telefonischen Bewerbung liegen für den Bewer-
ber darin, dass er beim Auflegen des Hörers weiß, woran er ist. Ein
gravierender Nachteil ist darin zu erkennen, dass Bewerber mit ge-
ringer Routine in geschäftlichen Telefongesprächen möglicher-
weise trotz sonst guter Voraussetzungen nicht zum Zuge kommen.
Wird Ihnen die Wahl zwischen einer schriftlichen und einer telefo-
nischen Bewerbung gelassen, sollten Sie eher die zugegebener-
maßen arbeitsaufwändige schriftliche Bewerbung absenden. Den
wichtigen positiven ersten Eindruck können Sie bei Schriftlichem
in aller Ruhe vorbereiten, bei einem Telefonat ist Ihnen dies aber
nur in Grenzen möglich.
Rechnen Sie damit, dass Ihr Anruf als Belästigung angesehen wird,
wenn in der Stellenanzeige keine Telefonnummer angegeben ist.

90 www.WALHALLA.de
Telefonische Bewerbung

Checkliste: Telefonische Bewerbung

Vorbereiten
 Anzeige ausschneiden und aufkleben, Zeitung und Datum ver-
merken
 Über das Unternehmen informieren (siehe hierzu die Empfehlun-
gen im nächsten Kapitel)
 Stichwortkonzept entwerfen
 Präzise und über das Stellenangebot hinausgehende Zusatzfragen
notieren (z. B.: Welche besonderen Kenntnisse? Auch Berufsan-
fänger? Auch ältere Bewerber? Tätigkeitsbereich? Verantwor-
tungsbereich? Einstellungstermin? Innen-/Außendienst?)
 Lebenslauf und Zeugnisse aus anderen Bewerbungen bereithal-
ten, um sogleich genaue Auskünfte zur Person geben zu können
 Schreibmaterial für Gesprächsnotizen vor sich legen

Durchführen
 Sie greifen zum Hörer, wenn Sie wirklich ungestört sind und mit
keinerlei Ablenkungen zu rechnen ist
 Vor Abnehmen des Hörers lächeln Sie vor sich hin und wiederho-
len dies während des Gesprächs. Hierdurch wirkt Ihre Stimme au-
tomatisch sympathischer und Sie können sich damit selbst „positiv
programmieren“
 Sie versuchen, den zuständigen Gesprächspartner an das Telefon
zu bekommen
 Sie nennen Ihren Namen besonders deutlich und relativ langsam
 Falls Sie den Namen Ihres Gesprächspartners nicht verstanden ha-
ben, fragen Sie sofort nach und notieren den Namen
 Tragen Sie kurz und präzise Ihr Anliegen vor
 Stellen Sie weniger Ihre Person als vielmehr Ihre Leistungen in den
Vordergrund
 Bei der Beantwortung von Fragen beachten Sie die Empfehlungen
in Kapitel 3
 Nicht zu schnell sprechen, auf besonders gute Aussprache achten
 Nicht nuscheln, keinesfalls die Endsilben verschlucken

www.WALHALLA.de 91
Die Bewerbung

noch: Checkliste: Telefonische Bewerbung

 Kurze Sätze! Häufig sind Nebensätze Nebelsätze, die unvollendet


abgebrochen werden
 Gesprächspartner öfter mit seinem Namen anreden
 Ausdrucksvoll und dynamisch sprechen
 Stellen Sie Ihre Zusatzfragen selbstbewusst und präzise, um damit
Ihr Interesse und Ihre gute Vorbereitung zu demonstrieren
 Falls die erhaltenen Auskünfte Ihr Interesse an der Stelle bekräfti-
gen, müssen Sie „Nägel mit Köpfen“ machen. Keine geschlosse-
nen Fragen stellen: „Darf ich Ihnen meine Bewerbungsunterlagen
zusenden?“ oder „Können Sie mir einen Vorstellungstermin nen-
nen?“ Besser sind offene Fragen: „Bis wann sollten Ihnen meine
Bewerbungsunterlagen zugehen?“ oder „Wann darf ich Sie zu ei-
nem Vorstellungsgespräch aufsuchen?“

Auswerten
Im Falle einer positiven Antwort des Gesprächspartners:
 Schriftliche Bewerbungsunterlagen unter Hinweis auf das Telefo-
nat übersenden
 Der Einladung zum Vorstellungsgespräch folgen

Praxis-Tipp:
Vermutlich kennen Sie die Aussage: „Lieber fünf Nägel fest
einschlagen als 20 Reißzwecken eindrücken, die beim ersten
Luftzug herabfallen.“ Halten Sie sich bei Ihrer Arbeitsplatzsu-
che hieran und versenden Sie nicht zu viele Bewerbungen in
kürzester Zeit.

Es ist besser, lieber einige gut durchdachte und sorgfältig aufge-


baute Bewerbungen abzusenden als „flächendeckend“ wenig
aussagekräftige „Postwurfsendungen“ auf den Weg zu bringen.
Sie verlieren dann nicht den Überblick, sondern können sich auf
eine überschaubare Anzahl von Bewerbungen konzentrieren.
Ihre Bewerbung ist nun unterwegs. Diesen wichtigen Schritt ha-
ben Sie hinter sich. Jetzt beginnt die Zeit des Wartens und Hoffens.
Obwohl Sie sich eigentlich in Geduld üben wollen, werden Sie von

92 www.WALHALLA.de
Telefonische Bewerbung

Tag zu Tag unruhiger. Sie erwarten eine Antwort auf Ihre Bewer-
bung, aber es geschieht zunächst einmal nichts, zumindest nichts,
was für Sie einsehbar ist.
Auch wenn es dem Außenstehenden so erscheint, bleibt der Be-
werbungsempfänger tatsächlich nicht untätig. Für die Auswer-
tung der vorliegenden Bewerbungen müssen Sie dem Unterneh-
men eine angemessene Zeitspanne einräumen.
In jüngster Zeit werden bei der Auswahl qualifizierter Arbeits-
kräfte zunehmend Telefoninterviews geführt. Ein Vertreter des
Unternehmens ruft Sie zu Hause an, um von Ihnen weitere Infor-
mationen zu erhalten, die über den Inhalt Ihrer Bewerbungsun-
terlagen hinausgehen (etwa zusätzliche Erklärungen zum Lebens-
lauf, Fragen zur Motivation, Ihre Gehaltsvorstellungen, ein mögli-
cher Einstellungstermin). Man will sich hierdurch vergewissern, ob
Sie generell für das weitere Bewerbungsverfahren in Betracht
kommen.
Haben Sie sich gedanklich auf ein mögliches Telefoninterview ein-
gestellt und sich entsprechend vorbereitet, können Sie ohne Über-
raschung und Aufregung sachlich und prägnant Ihre Bewerbung
begründen. Je überzeugender Ihre Aussagen sind, umso höher
wird Ihre Chance auf eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.
Haben Sie innerhalb eines Monats nach Absendung Ihrer Bewer-
bung keine Antwort erhalten, sollten Sie sich nach dem Stand der
Dinge erkundigen. Dies kann durch einen „Nachfassbrief“ (ggf.
mit einem zusätzlichen, neuen Qualifikationszeugnis) geschehen.
Sie erkundigen sich höflich nach dem Eingang Ihrer Bewerbung
und ob noch weitere Informationen gewünscht werden. Schließen
Sie mit der Frage, bis wann Sie mit einer Gesprächseinladung rech-
nen können. Wollen Sie sich fernmündlich erkundigen, lassen Sie
eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl walten. Mit offenen
Fragen wie zum Beispiel:
 Wann kann ich mit einer Entscheidung rechnen?
 Welche zusätzlichen Informationen oder Unterlagen benöti-
gen Sie noch von mir für die Bearbeitung meiner Bewerbung?
 Was kann ich tun, um Ihre positive Reaktion auf meine Bewer-
bung zu beschleunigen?

www.WALHALLA.de 93
Die Bewerbung

setzen Sie Ihren Gesprächspartner nicht zu stark unter Druck und


zerschlagen auch kein Porzellan.
Geht innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen weder ein Zwi-
schenbescheid noch eine sonstige Nachricht ein, fordern Sie Ihre
Unterlagen höflich zurück. Damit verschaffen Sie sich einen guten
Abgang, der wichtig sein kann, wenn Sie vielleicht später noch ein-
mal als Bewerber mit diesem Unternehmen in Berührung kommen.

Personalfragebogen
Bei vielen Unternehmen ist es üblich, dem Bewerber trotz voll-
ständig eingereichter Bewerbungsunterlagen einen seitenlangen
Fragebogen zum Ausfüllen zu übersenden. Bewerten Sie dies als
positives Zeichen: Sie sind mit Ihrer Bewerbung in die engere Wahl
gekommen.
Weshalb verlangen viele Firmen von Bewerbern einen ausgefüllten
Personalfragebogen? Drei Vorteile sind hierfür ausschlaggebend:
 Die Informationen aller Bewerber zur Person sind gut ver-
gleichbar, da sie in gleicher Form vorliegen.
 Der Betrieb erhält auch Auskünfte zu solchen Punkten, die im
Normalfall in den vollständigen Bewerbungsunterlagen nicht
enthalten sind.
 Der Personalabteilung wird die Vorauswahl der geeigneten Be-
werber und die Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs er-
leichtert.
Die Firmen stellen sehr unterschiedliche Fragen im Hinblick auf die
betriebsspezifische Situation (z. B. stehen in einem Bewachungsun-
ternehmen Sicherheitsfragen im Vordergrund, während in einer Fir-
ma des Nahrungsmittelgewerbes gesundheitliche Aspekte besonders
bedeutsam sind). Daher können die einzelnen Vordrucke von Unter-
nehmen zu Unternehmen recht unterschiedlich aufgebaut sein.
Möglicherweise ärgern Sie sich, auch noch die bürokratische Hürde
des Personalfragebogens überspringen zu müssen, obwohl der
Firma bereits Ihre ansprechenden und in sich schlüssigen Bewer-
bungsunterlagen zur Verfügung stehen. Beantworten Sie dennoch
alle zulässigen Fragen im Personalfragebogen. Manche Firmen le-

94 www.WALHALLA.de
Personalfragebogen

gen einen fast schon übersteigerten Wert auf dieses Stück Papier
und betrachten es als unabdingbare Voraussetzung für eine Fort-
setzung des Bewerbungsverfahrens. Kommt es zu einer Einstellung,
gilt der Personalfragebogen bei der Anlage Ihrer Personalakte als
übersichtliche Zusammenfassung Ihrer persönlichen Daten.
Einige Grundsätze sollten Sie sich ins Gedächtnis rufen, bevor Sie
mit der Beantwortung eines Personalfragebogens beginnen:
 Füllen Sie den Fragebogen sorgfältig, gewissenhaft und ohne
Zeitdruck (nicht während des Vorstellungsgesprächs) aus. Das
erspart Ihnen bei Abweichungen kleinliche Fragen des Inter-
viewers im Vorstellungsgespräch.
 Die in der Bewerbung enthaltenen Informationen müssen hun-
dertprozentig mit Ihren Angaben im Personalfragebogen über-
einstimmen, ansonsten leidet Ihre Glaubwürdigkeit.
 Wer mogelt, kann sich selbst Fallen stellen. Bleiben Sie daher
immer bei der Wahrheit! Unvollständige oder falsche Angaben
können später einen Kündigungsgrund darstellen.
 Fragen, die Ihre Privatsphäre berühren (siehe nächstes Kapitel),
brauchen Sie jedoch nicht zu beantworten. Da die Verwendung
von Personalfragebogen der Mitbestimmung des Betriebsrats
unterliegt, sollten Sie hier nicht zu misstrauisch sein.

Praxis-Tipp:
Eine Kopie des ausgefüllten Personalfragebogens nehmen Sie
zu Ihren Unterlagen. Warten Sie nicht zu lange mit der Rück-
sendung, sondern schicken Sie den Fragebogen mit einem kur-
zen Anschreiben dem Betrieb wieder zu.

Im Fall einer erfolglosen Bewerbung darf der Betrieb nach gelten-


der Rechtsprechung den mit personenbezogenen Daten versehe-
nen Personalfragebogen nicht aufheben, sondern muss ihn ver-
nichten oder dem Bewerber zuleiten.

www.WALHALLA.de 95
Das Vorstellungsgespräch
3
Gute Vorbereitung ist
der halbe Erfolg . . . . . . . . . . . . . . . . . 98

Überlassen Sie nichts dem Zufall . . . . 99

Phasen des Vorstellungsgesprächs . . . 128

Ihre Auswertung des Gesprächs . . . . . 134


Das Vorstellungsgespräch

Gute Vorbereitung ist der halbe Erfolg


Das Warten hat sich gelohnt. Sie halten eine Aufforderung des Un-
ternehmens in Händen, zu einem Vorstellungsgespräch zu erschei-
nen. Die erste Hürde ist damit genommen. Für Sie ist dies ver-
ständlicherweise ein Erfolgserlebnis, das Sie anspornen muss, den
gesamten Parcours zu meistern.
Manche Bewerber glauben allerdings, sie hätten mit der Einla-
dung zum Vorstellungsgespräch schon das große Los gezogen und
müssten den Gewinn nur noch abholen. Tatsächlich enthält die
Aufforderung zum Vorstellungsgespräch den Hinweis, dass Sie sich
mit Ihrer Bewerbung bisher zwar durchgesetzt haben, nun aber in
eine ernsthafte Konkurrenz zu den besten Mitbewerbern eintre-
ten müssen. Im Klartext sagt die Einladung: „Sie könnten eventu-
ell für die zu besetzende Stelle in Betracht kommen!“
Ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen stellen für den Arbeitge-
ber das erste „Kennenlernen“ dar. Während Ihre fachlichen Fähig-
keiten darin schon einigermaßen deutlich werden (etwa Ausbil-
dungsergebnisse, Arbeitszeugnisse), ist über Ihre Persönlichkeit
wenig zu erkennen. Generell möchte der Arbeitgeber Sie bei ei-
nem „Liveauftritt“ kennen lernen, um den positiven Eindruck, den
er aus den schriftlichen Unterlagen von Ihnen gewonnen hat, zu
überprüfen und sich von Ihnen ein abgerundetes Bild zu machen.
So ist nachvollziehbar, dass Vorstellungsgespräche noch immer das
am weitesten verbreitete Auswahlinstrument bei der Rekrutie-
rung neuer Mitarbeiter darstellen.
Auch Sie als Bewerber benötigen vielfältige Informationen, um
nicht „halbblind“ in ein neues Arbeitsverhältnis zu stolpern und
nach kurzer Zeit enttäuscht festzustellen, dass Sie sich vieles ganz
anders vorgestellt haben und so künftig nicht Ihrem Broterwerb
nachgehen wollen.
Vorstellungsgespräche lassen sich mit mündlichen Prüfungen ver-
gleichen und weisen demzufolge auch die Symptome Lampenfie-
ber und Prüfungsangst bis hin zum gefürchteten Blackout auf.
Durch eine gezielte Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch so-
wie die Kenntnis üblicher Gesprächsabläufe lassen sich aber Stress,
Nervosität, Hemmungen und Unsicherheit abbauen. Denken Sie
daran:

98 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Es kommt nicht nur auf Ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und


Kenntnisse an, Sie müssen diese auch erfolgreich präsentieren
können.
 Ein gutes Vorstellungsgespräch lässt sich kaum aus dem Ärmel
schütteln. Und auf die „Gunst der Stunde und der Umstände“
zu hoffen, weist auf fehlenden Realitätssinn hin.
 Als unvorbereiteter Gesprächsteilnehmer befinden Sie sich in
einer besonders schwachen Position.
 Ihr Gesprächspartner wird mit Sicherheit aus Ihrem Verhalten
bei der Vorstellung Rückschlüsse auf Ihre Leistungsbereitschaft
am Arbeitsplatz ziehen. Merkt er Ihre fehlende Vorbereitung,
sinken Ihre Chancen ins Bodenlose.

Überlassen Sie nichts dem Zufall


Checkliste: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

1. Gesprächstermin bestätigen
2. Freizeit für Stellensuche beantragen
3. Rechtzeitige Anreise planen
4. Zahlung der Vorstellungskosten klären
5. Überzeugende Begründungen zu den Schwachstellen
im Lebenslauf bzw. in den Zeugnissen formulieren
6. Bewerbungsunterlagen durchsehen
7. Gekonnte Selbstdarstellung üben
8. Dauer des Vorstellungsgesprächs ermitteln
9. Informationen über den Arbeitgeber einholen
10. Schwerpunkte der beabsichtigten Tätigkeit feststellen
11. Voraussichtliches Anforderungsprofil ermitteln
12. Auf voraussichtliche Gesprächspartner einstellen
13. Auf zu erwartende Fragen vorbereiten
14. Ihre Reaktion auf unzulässige Fragen

www.WALHALLA.de 99
Das Vorstellungsgespräch

noch: Checkliste: Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

15. Eigene Fragen zusammenstellen


16. Für angemessene Gesamterscheinung sorgen
und Kleidungsfrage rechtzeitig entscheiden
17. Mitzunehmendes nicht vergessen
18. Physische Bedürfnisse berücksichtigen
19. Positive Autosuggestion betreiben

Zu 1.: Gesprächstermin bestätigen


Sie bestätigen umgehend telefonisch den Gesprächstermin mit
einigen höflichen Worten. Eventuell erkundigen Sie sich nach der
voraussichtlichen Gesprächsdauer und der Stellenbeschreibung.

Zu 2.: Freizeit für die Stellensuche beantragen


Befinden Sie sich nach Kündigung oder abgeschlossenem Auflö-
sungsvertrag noch in Ihrem Arbeitsverhältnis, ist der Arbeitgeber
nach § 629 BGB verpflichtet, Ihnen eine angemessene Freizeit für
Ihre Teilnahme an Vorstellungsgesprächen zu gewähren. Damit
hier keine Probleme auftreten, klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber
frühzeitig Termine ab. Ist das Arbeitsversäumnis unter Berücksich-
tigung aller Umstände als „verhältnismäßig nicht erheblich“ anzu-
sehen, besteht Anspruch auf Vergütung dieser Freizeit. Bewerben
Sie sich aus einem ungekündigten Arbeitsverhältnis heraus, ist der
Arbeitgeber zur Gewährung von Freizeit nicht verpflichtet.

Zu 3.: Rechtzeitige Anreise planen


Sie sorgen dafür, rechtzeitig an Ort und Stelle einzutreffen, eher
einige Minuten zu früh. Einige Augenblicke Wartezeit haben auch
noch weitere Vorteile: Sie können Ihr Äußeres in Ordnung brin-
gen, sich sammeln und sich in Ruhe auf die bevorstehende Auf-
gabe konzentrieren.

Zu 4.: Zahlung der Vorstellungskosten klären


Lädt Sie eine Firma oder ein in ihrem Auftrag handelnder gewerb-
licher Arbeitsvermittler ein, werden Ihnen die erforderlichen

100 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten ersetzt. Einen


möglichen Verdienstausfall müssen Sie selbst tragen.
Eine Kostenübernahme entfällt jedoch, wenn
 der Betrieb eine Erstattung ausdrücklich ausgeschlossen hat,
 Sie unaufgefordert den Betrieb aufsuchen,
 sich eine Firma auf Ihre Anfrage mit einer Vorstellung einver-
standen erklärt, da sie in diesem Fall den Bewerber nicht aus-
drücklich zur Vorstellung aufgefordert hat,
 Sie sich auf Zuweisung durch die Agentur für Arbeit vorstellen.
Zuschüsse zu den Bewerbungskosten und Reisekosten können von
Ihrer Agentur für Arbeit bei vorheriger Antragstellung übernom-
men werden, wenn Sie arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit be-
droht oder ausbildungsuchend sind.
Schließlich können Sie die von anderer Seite nicht übernommenen
Kosten als Werbungskosten gegenüber dem Finanzamt geltend
machen.

Zu 5.: Überzeugende Begründungen zu den Schwachstellen im


Lebenslauf bzw. in den Zeugnissen formulieren
Viele Bewerber weisen Schwachstellen auf (z. B. lange Ausbildungs-
zeiten, schwache Zeugnisnoten, häufiger Arbeitsplatzwechsel, län-
gere Zeiten von Arbeitslosigkeit). Mit der Einladung zum Vorstel-
lungsgespräch gibt das Unternehmen zu erkennen, dass Sie sich den-
noch im Rennen um den Arbeitsplatz befinden. Für jede Schwach-
stelle sollten Sie rechtzeitig eine überzeugende Erklärung formulie-
ren, mit der Sie die „Scharte“ auswetzen können. Ihr einleuchtender
Kommentar muss plausibel und nachvollziehbar klingen.

Praxis-Tipp:
Formulieren Sie Ihre Begründungen in aller Ruhe und notieren
Sie diese. Eventuell lernen Sie Ihre Begründungen auswendig,
damit Ihnen im Gespräch kein schwerwiegender Fehler unter-
läuft. Denn je sicherer Sie antworten, umso eher wird Ihnen
geglaubt.

www.WALHALLA.de 101
Das Vorstellungsgespräch

Achtung: Hüten Sie sich davor, für erfolglose Schulbesuche, abge-


brochene Ausbildungsverhältnisse, kurze Tätigkeiten oder schwa-
che Noten Dritte verantwortlich zu machen. Bemerkungen über
Missstände am früheren Arbeitsplatz sind immer ungeschickt.
Statt über Negatives herzuziehen, nehmen Sie notfalls die Schuld
auf sich, was immer noch einen besseren Eindruck macht.

Zu 6.: Bewerbungsunterlagen durchsehen


Sie schauen sich in Ruhe die Durchschläge oder Originale Ihrer Be-
werbungsunterlagen an und rufen sich die ausgearbeiteten For-
mulierungen zur Begründung Ihrer Schwachstellen ins Gedächt-
nis. Alle Angaben müssen in Ihrem Gehirn abrufbereit gespeichert
sein, damit zwischen den Angaben in Ihren Bewerbungsunterla-
gen und Ihren mündlichen Auskünften keine Zweifel an Ihrer
Glaubwürdigkeit auftreten können.

Zu 7.: Gekonnte Selbstdarstellung üben


Obwohl der Firma Ihre wichtigsten Daten bereits vorliegen, wer-
den Sie regelmäßig gebeten, die einzelnen Stationen Ihres Lebens
vorzutragen. Damit wird Ihnen eine sehr gute Möglichkeit für eine
wirkungsvolle Selbstdarstellung geboten.
Sie können mit ein wenig Eleganz und Selbstkritik anschaulich von
sich berichten und so das Interesse Ihres Gesprächspartners an Ihrer
Person verstärken. Hier können Sie auch das alte dialektische Mit-
tel der Einwandvorwegnahme nutzen, indem Sie Ihre offenkundi-
gen Schwachstellen erwähnen und sogleich Ihre überzeugenden
Begründungen zufügen. Zumeist stellen diese kritischen Punkte im
weiteren Gesprächsverlauf kein Thema mehr dar. Selbstverständ-
lich erwähnen Sie auch jene Punkte, die für Sie besonders positiv
sind. Wenn Sie selbst diese Aspekte unterschlagen, wer soll sie
denn sonst auf den Tisch bringen? Auch sollten Sie sich bemühen,
in Ihre Selbstdarstellung Antworten auf die Frage „Welche Vorteile
bringe ich der Firma in dieser Position?“ einfließen zu lassen.

Praxis-Tipp:
Üben Sie Ihren kurzen Bericht zu Hause, bis Sie zufrieden sind.
Gelingt Ihnen diese Aufgabe im Vorstellungsgespräch gut,
sprechen Sie sich „frei“, werden sicherer und verlieren einen
Großteil des bis dahin vorhandenen Lampenfiebers.

102 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

Checkliste: Auftreten, Ausstrahlung, Wirkung


 Klopfen Sie vor dem Eintreten selbstbewusst an, aber ohne dass
die Tür aus den Angeln fällt.
 Treten Sie sofort in den Raum ein, ohne linkisch in der Nähe der
Tür zu verharren.
 Stellen Sie sich gut vernehmlich vor.
 Wird Ihnen vom Personalreferenten der Handschlag angeboten,
sollte Ihr Händedruck kräftig, aber nicht zu kräftig sein.
 Nehmen Sie entspannt Platz, ohne auf der Stuhlkante hocken zu
bleiben.
 Sprechen Sie Ihren Gesprächspartner mit seinem Namen an.
 Pflegen Sie während des Gesprächs Blickkontakt und schauen Sie
nicht ängstlich und betreten zu Boden.
 Zeigen Sie einen grundsätzlich freundlichen Gesichtsausdruck.
 Streuen Sie beim Zuhören Anerkennungsbemerkungen („Nichts-
sagende Gesprächsfloskeln“) ein.
 Setzen Sie in Maßen Gestik und Mimik ein und lassen Sie ein
Pokerface zu Hause.
 Achten Sie auf ein normales Sprechtempo und zeigen Sie nicht
durch schnelles Sprechen ein Fluchtverhalten an.
 Vermeiden Sie monotones Sprechen; etwas Betonung würzt Ihre
Aussagen und erzeugt ein stärkeres Interesse an Ihren Ausführun-
gen.
 Achten Sie auf eine klare und deutliche Aussprache.

Zu 8.: Voraussichtliche Dauer des Vorstellungsgesprächs ermitteln


Je höher die Anforderungen des Arbeitsplatzes, desto mehr Infor-
mationen wünscht sich der Arbeitgeber. Während sich bei Spitzen-
leuten das Gespräch mit Unterbrechungen über mehrere Tage hin-
ziehen kann, sind bei der Vorstellung eines Gesellen oder Fachar-
beiters oft 15 bis 30 Minuten ausreichend.
Falls Sie den Termin des Vorstellungsgesprächs telefonisch verab-
reden oder bestätigen, erkundigen Sie sich ruhig nach der einge-

www.WALHALLA.de 103
Das Vorstellungsgespräch

planten Dauer des Interviews. Diese Information ist wichtig, denn


erst mit diesem Wissen lässt sich Ihr Auftritt „werbewirksam“ pla-
nen. Sie können besser entscheiden, wann im Gesprächsverlauf Sie
mit Ihren Fragen aktiv werden wollen.

Zu 9.: Informationen über den Arbeitgeber einholen


Im Vorstellungsgespräch wollen Personalreferenten unter anderem
auch feststellen, ob der Bewerber nur irgendeinen Job sucht oder
ein echtes Interesse erkennen lässt. Letzteres kann der Bewerber am
besten durch Grundkenntnisse über die Firma beweisen.
Selbst von einem Berufsanfänger erwarten Arbeitgeber Kennt-
nisse über Größe des Unternehmens, Umsatz und Mitarbeiterzahl,
über die Branche, das Produktionsprogramm und auch die Gesell-
schaftsform. Selbst Kenntnisse über den Firmengründer und die
historische Entwicklung eines Unternehmens können abgefragt
werden. Wer sich bei einer öffentlichen Verwaltung bewirbt, sollte
über die Aufgaben dieser Verwaltung, zu deren Lösung er ja spä-
ter beitragen soll, gut Bescheid wissen.

Checkliste: Wege zur Informationsbeschaffung

 Oft enthalten Stellenanzeigen vielfältige Informationen. Lesen Sie


noch einmal aufmerksam und gründlich die Stellenanzeige durch.

 Hat Sie der Arbeitsberater/Vermittler Ihrer Agentur für Arbeit auf


die Stelle aufmerksam gemacht, besitzt er möglicherweise weitere
Informationen, die Sie von ihm erbitten.

 Bei einer telefonischen Terminbestätigung können Sie höflich um


Zusendung eventueller Informationsmaterialien bitten.

 Wer Informationen aus erster Hand sucht, kommt um die Web-


seite des Unternehmens nicht herum. Hier erfahren Sie mehr über
Geschäftsfelder, Produkte und Leistungen, Umsatzzahlen, Mitar-
beiterstruktur, offene Stellen, Einstiegsmöglichkeiten usw.

 Online-Jobbörsen stellen eine große Anzahl Unternehmens-


profile zur Verfügung (z. B. www.monster.de, www.jobpilot.de,
www.stepstone.de).

104 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall
noch: Checkliste: Wege zur Informationsbeschaffung
 Legt der einladende Betrieb seinem Schreiben bereits Informati-
onsmaterial bei, sind Sie „aus dem Schneider“. Allerdings werden
Sie diesem „Wink mit dem Zaunpfahl“ folgend das Material
gründlich auswerten.
 Kennen Sie bereits Mitarbeiter des Unternehmens, bitten Sie diese
um Informationen. Sie erhalten Hinweise aus erster Hand, die mit
Insider-Wissen angereichert sind.
 Setzen Sie Ihrem Spürsinn keine Grenzen. Nutzen Sie auch fol-
gende Informationsquellen:
– Nachschlagewerke (etwa ABC-Info, Hoppenstedt-Handbücher)
– Geschäftsfreunde, Lieferanten, Kunden, die über Kontakte zu
der Firma verfügen
– Wirtschaftsmagazine und -zeitungen
– Branchen-Informationsdienste
– Geschäftsberichte und Bilanzveröffentlichungen
– Wirtschaftsteil Ihrer Tageszeitung
– Kataloge, Werbeprospekte, Produktinformationen

Fassen Sie die Ergebnisse Ihrer Recherchen in einem Firmenprofil


zusammen.

Zu 10.: Schwerpunkte der beabsichtigten Tätigkeit feststellen


Günstig wäre es, über die Schwerpunkte der in Aussicht genom-
menen Stelle Bescheid zu wissen. Dann wäre es Ihnen möglich, die
erkannten Schwerpunkte in das Vorstellungsgespräch einzubezie-
hen. Auch könnten Sie besser überblicken, ob die detailliert be-
schriebene Stelle auch den eigenen Vorstellungen und dem vor-
handenen Knowhow entspricht.
Ideal wäre es, noch vor dem Vorstellungsgespräch die Stellenbe-
schreibung für die offene Stelle einzusehen. Eine vorsichtige Frage
nach einer genaueren Beschreibung der zu besetzenden Stelle
anlässlich Ihrer telefonischen Terminbestätigung kann Licht ins
Dunkle bringen.

Zu 11.: Voraussichtliches Anforderungsprofil ermitteln


Unter einem Anforderungsprofil sind die festgeschriebenen Vor-
stellungen des Arbeitgebers darüber zu verstehen, welche Anfor-

www.WALHALLA.de 105
Das Vorstellungsgespräch

derungen eine Stelle mit bestimmten Aufgaben an den Stellenin-


haber stellt (= Soll-Vorstellungen des Unternehmens). Da vakante
Arbeitsplätze recht unterschiedliche Eigenarten aufweisen, sollten
Sie versuchen, für die in Aussicht genommene Stelle das vermut-
liche Anforderungsprofil aufzustellen. So sind Sie eher in der Lage,
voraussichtliche Schwerpunkte im Vorstellungsgespräch zu ermit-
teln. Sie erschließen hierfür alle möglichen Quellen:
 Texte entsprechender Stellenanzeigen
 Blätter zur Berufskunde (einzusehen beim Berufsinformations-
zentrum)
 Leitfäden, Berufsreporte, Berufsbeschreibungen (einzusehen
beim Berufsinformationszentrum)
 Informationen aus der Stellenbeschreibung
 Informationen von Inhabern entsprechender Stellen
 Informationen von Betriebsangehörigen
Um in einem Vorstellungsgespräch die richtigen Fragen stellen zu
können, wird ein gut geschulter Personalreferent das Anforderungs-
profil für den zu besetzenden Arbeitsplatz auswerten und hieraus
seine Fragen ableiten. Es liegt auf der Hand, dass Sie zumindest in
Teilbereichen in Ihren Antworten und Ihrem Verhalten das vermu-
tete Anforderungsprofil berücksichtigen. Wird der „Bereitschaft
und Fähigkeit zur Teamarbeit“ besondere Bedeutung beigemessen,
werden Sie vermeiden, sich als „Einzelkämpfer“ darzustellen.

Zu 12.: Auf voraussichtliche Gesprächspartner einstellen


Je größer ein Betrieb ist, umso mehr Personen werden nach dem
„Mehr-Augen-Prinzip“ an dem „Findungsprozess“ beteiligt. Des-
halb müssen Sie nicht überrascht sein, wenn Ihnen bei einem Vor-
stellungsgespräch mehrere Firmenangehörige gegenübersitzen
oder das Gespräch von verschiedenen Personen, die einander ab-
wechseln, geführt wird.
Der Vertreter der Personalabteilung will Hinweise zur allgemeinen
fachlichen und persönlichen Eignung des Bewerbers sammeln.
Der Fachvorgesetzte, mit dem künftig zusammengearbeitet wer-
den soll, will sich ein Bild über die tätigkeitsbezogene fachliche
sowie die arbeitsplatz- und bereichsbezogene fachliche Eignung

106 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

machen. Natürlich möchte er sich auch ein Bild verschaffen, ob die


menschliche „Chemie“ des Bewerbers optimal in das künftige be-
rufliche Umfeld passt.
Von Fall zu Fall können auch der Betriebsrat, der Betriebspsychologe
und der Vertrauensmann der Schwerbehinderten anwesend sein.

Zu 13.: Auf zu erwartende Fragen vorbereiten


Neben den regelmäßig vom künftigen Vorgesetzten gestellten
fachlichen Fragen werden erfahrungsgemäß immer wieder be-
stimmte Fragen gestellt, auf die Sie vorbereitet sein sollten.
Kennen Sie die Art dieser Fragen, verschaffen Sie sich einen takti-
schen Vorteil: Sie werden im Ernstfall nicht mehr überrascht, son-
dern können gut vorbereitet reagieren und fleißig Pluspunkte
sammeln.

Checkliste: Richtig antworten


 Geben Sie möglichst keine krassen Äußerungen von sich. Loben Sie
weder über den grünen Klee, noch machen Sie irgend etwas völlig
herunter. Wer extreme Meinungen vertritt, erweckt den Eindruck,
dass er sich nur schwer anpassen kann.

 Vermeiden Sie sowohl falsche Bescheidenheit als auch übertriebe-


nes Selbstlob.

 Sie müssen nicht auf jede Frage „wie aus der Pistole geschossen“
reagieren. Antworten Sie hin und wieder nach einem kurzen
Überlegen. Dann wird Ihre Antwort eher abgerundet sein. Ihr
Gesprächspartner wird auch zu dem Eindruck gelangen, dass Sie
weder zu spontan noch stark emotional reagieren, sondern so-
lide und wohlüberlegt. Platzen Sie ständig mit Ihren Antworten
sogleich heraus, übersehen Sie möglicherweise einige Auswir-
kungen Ihrer Aussagen und müssen sich später korrigieren.

 Zeigen Sie zwischendurch immer wieder ein leichtes Lächeln, macht


dies regelmäßig einen guten Eindruck. Sie können mit gelegent-
lich freundlichem Gesichtsausdruck die Stressbelastung besser er-
tragen und einer Verkrampfung vorbeugen.

www.WALHALLA.de 107
Das Vorstellungsgespräch

noch: Checkliste: Richtig antworten

 Reden Sie weder zu viel noch zu weitschweifig, um den Eindruck


nicht aufkommen zu lassen, Sie könnten künftig als Vielschwätzer
zu wenig Zeit für die Bewältigung beruflicher Aufgaben haben.
 Verhalten Sie sich zu schweigsam, verhindern Sie ein flüssiges Ge-
spräch und erschweren dem Personalreferenten dessen Aufgabe.
Einsilbigen und wortkargen Bewerbern wird oft mangelnde Kom-
munikationsfähigkeit unterstellt, was in vielen Berufssparten ei-
nen Ablehnungsgrund darstellt.

Gewiss sind nicht sämtliche in der folgenden Sammlung aufge-


führte Fragen für jedes Vorstellungsgespräch von Bedeutung. Sie
sollten sich aber mit allen auf Ihre Situation übertragbaren Fragen
auseinandersetzen und Ihre Antworten stichwortartig niederle-
gen. Formulieren Sie Ihre Antworten präzise, damit sie überzeu-
gend ausfallen.

Nehmen Sie an mehreren Vorstellungsgesprächen teil, sollten Sie


vor jedem Termin Ihre Antworten noch einmal überprüfen und da-
bei die aktuelle Stelle und das vermutete Anforderungsprofil im
Blick haben. Eventuell müssten bisherige Antworten der kommen-
den Situation angepasst werden.

Fragen zur Herstellung des Kontakts


 Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie zu uns gekommen?
 Hatten Sie eine gute Fahrt?
 Wie lange sind Sie gefahren?
 Und wo sind Sie untergebracht?
 Ich weiß, dass Sie aus … stammen, wo ich auch einige Zeit
wohnte. Können Sie sich vorstellen, diese Stadt ohne Heimweh
zu verlassen?

Fragen zur persönlichen Situation


 Erzählen Sie bitte zunächst einmal etwas von sich.
 Wo wurden Sie geboren und wo verbrachten Sie Ihre Kindheit?

108 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Welchen Beruf übte Ihr Vater aus? Und Ihre Mutter?


 Waren Ihre Eltern in Ihrer Kindheit beide berufstätig?
 Haben Sie Geschwister? Was machen diese heute beruflich?
 Wie lange lebten Sie zu Hause? Wann stellten Sie sich finanziell
auf eigene Füße?
 Gehörten Sie Jugendgruppen an? Welche Stellung nahmen Sie
in ihnen ein?
 Was tun Sie in Ihrer Freizeit? Welchen Hobbys gehen Sie nach?
 Welche Rolle spielt dabei Ihre Familie?
 Wo würden Sie am liebsten leben?
 Wie empfanden Sie persönlich den Wehrdienst/Zivildienst?
Welchen Nutzen hatten Sie davon?
 Sind Sie ganz gesund? Liegen andere Erwerbseinschränkungen
vor?

Fragen zur familiären und gesellschaftlichen Situation


 Welchen Beruf übt Ihr Ehepartner aus?
 Welche Schulen besuchen Ihre Kinder? Wie sehen die Pläne für
die Zukunft Ihrer Kinder aus?
 Haben Sie Grundbesitz? Sind Sie denn örtlich beweglich?
 Besitzen Sie ein Kraftfahrzeug? Welcher Typ? Zufrieden?
 Wie steht Ihr Partner zu Ihrer Bewerbung bei uns?
 Wäre Ihre Familie mit einem Umzug und einer Umschulung der
Kinder einverstanden?
 Ist Ihr Partner mit einer Tätigkeit im Schichtdienst/Außendienst
einverstanden?
 Haben Sie zu Hause die Möglichkeit, bei Schichtdienst während
des Tages ungestört zu schlafen?
 Reisen Sie in Ihrem Urlaub gerne oder verbringen Sie diese Zeit
lieber daheim?
 Sind Sie in Vereinen oder Organisationen aktiv tätig?
 Wie groß ist Ihr Freundeskreis? Wie häufig ist Ihr Kontakt zu
Ihren Freunden und Bekannten?
 Üben Sie Nebentätigkeiten oder Nebenämter aus?

www.WALHALLA.de 109
Das Vorstellungsgespräch

Fragen zum Bildungsgang


 Welche Schulen besuchten Sie? Gingen Sie gern zur Schule?
 Warum haben Sie Ihre Schulbildung mit der Haupt-/Realschule
beendet und nicht weitergeführt?
 Weshalb haben Sie die Haupt-/Real-/Ober-/Fachhoch-/Hoch-
schule nicht beendet?
 Welche Fächer interessierten Sie in der Schule besonders, wel-
che Fächer bereiteten Ihnen weniger Freude?
 Warum wollen/wollten Sie nicht studieren?
 Interessierte Sie während der Schulzeit ein bestimmter Beruf
besonders? Wodurch änderten sich dann Ihre beruflichen Vor-
stellungen?
 Aus welchen Gründen wechselten Sie während Ihrer Ausbil-
dung/Ihres Studiums die Fachrichtung?
 Weshalb brauchten Sie länger als üblich für den Abschluss?
 Waren Sie Mitglied in Schüler-/Studentenorganisationen? Über-
nahmen Sie dort auch Aufgaben?
 Aus welchen Gründen entschlossen Sie sich zu der Ausbildung
als …? Wie standen Ihre Eltern zu dieser Berufswahl?
 Denken Sie gern an Ihre Ausbildung und Ihren Ausbildungsbe-
trieb zurück?
 Verdienten Sie während Ihrer Ausbildung/Ihres Studiums noch
zusätzlich Geld?
 Warum wechselten Sie den Ausbildungsbetrieb?
 Weshalb wurden Sie nach erfolgreichem Berufsabschluss nicht
übernommen?
 Wie haben sich Ihre ursprünglichen Erwartungen im berufli-
chen Bereich erfüllt?
 Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Dienstzeit in der Bundeswehr
bzw. Ihr Zivildienst zu Ihrem Beruf in Beziehung gebracht wer-
den kann?
 Welche Weiterbildungen absolvierten Sie während Ihres Be-
rufslebens? Haben Sie in absehbarer Zeit in dieser Hinsicht
Pläne?

110 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Haben sich Ihre Investitionen in Ihre Weiterbildung gelohnt?


 Wieso haben Sie in Ihrer Gehilfen-/Gesellen-/Facharbeiterprü-
fung eher schwache Noten erhalten?
 Wie würden Sie sich heute entscheiden, wenn Sie noch einmal
als Schulentlassener vor der Berufswahl stünden?
 Halten Sie Ihren Berufsweg für konsequent?
 Wie sieht es mit Ihren Fremdsprachenkenntnissen aus? Kön-
nen wir unser Gespräch in … (Englisch, Französisch usw.) fort-
setzen?
 Welche Erfahrungen besitzen Sie in der EDV? Mit welcher Soft-
ware können Sie gut umgehen?
 Was halten Sie von der gegenwärtigen Wirtschaftslage/Ar-
beitsmarktlage?

Fragen zu früheren Arbeitsverhältnissen


 Welche früheren Arbeitgeber kündigten Ihnen das Arbeitsver-
hältnis? Was waren die Gründe?
 Aus welchem Grund wollen Sie Ihren jetzigen Arbeitgeber ver-
lassen?
 Was ist der Grund, dass Sie nach so kurzer Zeit bei Fa. … erneut
wechseln wollen?
 Gehen Sie nicht ein großes Risiko ein, in einer arbeitsmarkt-
politisch kritischen Zeit einen Arbeitsplatzwechsel zu versuchen?
 Welche Aufgaben hatten Sie bei Fa. … zu erledigen?
 Wem waren Sie unterstellt?
 Was hat Sie bei dieser Tätigkeit am meisten und was am we-
nigsten zufrieden gestellt?
 Wie war die Zusammenarbeit mit Ihren bisherigen Vorgesetz-
ten und Kollegen?
 Aus welchen Gründen wechselten Sie von Fa. … zu Fa. …?
 Bei wem können wir über Sie Einkünfte einholen?
 Wie viel Freiraum hatten Sie bei Ihren Arbeitsverhältnissen?

www.WALHALLA.de 111
Das Vorstellungsgespräch

 Haben Sie in früheren Arbeitsverhältnissen Entscheidungen ge-


troffen, für die eigentlich Ihr Vorgesetzter zuständig gewesen
wäre?
 Welche Probleme in früheren Arbeitsverhältnissen erschienen
Ihnen unlösbar? Wie sind Sie damit umgegangen?
 Fühlen Sie sich gegenwärtig unterfordert?
 Konnten Sie Ihr Arbeitsvolumen bei Ihrer letzten Tätigkeit zeit-
gerecht erledigen?
 Wie viele Mitarbeiter waren Ihnen unterstellt?
 Welche Kompetenzen hatten Sie, wofür trugen Sie die Verant-
wortung?
 Konnten Sie auch neue Ideen vortragen und realisieren? Wel-
che Ideen?
 Übten Sie bereits unterrichtende/unterweisende Funktionen
aus?
 Bitte nennen Sie zwei schwierige Situationen, vor denen Sie in
letzter Zeit gestanden haben, und erläutern Sie, wie Sie diese
Situationen bewältigten.
 Wann hielten Sie das letzte Mal in Ihrem Betrieb einen Vor-
trag? Berichten Sie bitte von diesem Auftritt.
 Welche Aufgaben bereiten Ihnen auch heute noch Schwierig-
keiten? Wie wollen Sie diese Schwächen ausmerzen?
 Die Angaben in Ihren Zeugnissen decken sich nicht in allen
Punkten mit Ihren heutigen Aussagen? Wie ist das möglich?
 Warum haben Sie vor Ihrer Bewerbung bei uns nie den Arbeit-
geber gewechselt?
 Sie waren sehr lange in einem Aufgabengebiet tätig. Weshalb
strebten Sie keine berufliche Weiterentwicklung an?
 Warum haben Sie vor Ihrer Bewerbung bei uns Ihren Arbeitge-
ber so oft gewechselt?
 Weshalb ist es so schwierig, in Ihrem beruflichen Werdegang
bei den vielen unterschiedlichen Tätigkeiten einen roten Faden
zu erkennen?
 Können Sie uns jetzt garantieren, dass Sie bei uns länger blei-
ben werden?

112 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Sie waren bisher nur in Großunternehmen tätig. Welche Un-


terschiede zu uns, einem mittelständischen Unternehmen,
glauben Sie zu erkennen? Wie werden Sie damit umgehen
können?
 Bisher waren Sie nur in kleineren Betrieben tätig. Ob Sie sich an
das Klima einen Großunternehmens gewöhnen können?
 Weshalb nahmen Sie eine Tätigkeit bei einem Zeitarbeitsunter-
nehmen auf?
 Welchen Grund gibt es, dass in Ihrem Lebenslauf der Zeitraum
vom … bis … unerwähnt blieb?
 Weshalb hielten Sie bis zum bitteren Ende bei Ihrem in Konkurs
gegangenen Arbeitgeber aus?
 Wie sieht ein typischer Arbeitstag an Ihrem gegenwärtigen Ar-
beitsplatz aus?
 Könnten wir uns einmal mit einem Ihrer früheren Vorgesetzten
unterhalten?
 Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann noch einmal in Ihrem
vorigen Betrieb zu arbeiten?
 Wann könnten Sie bei uns anfangen?

Wie intensiv hat sich der Bewerber mit dem Unternehmen be-
schäftigt?
 Woher erfuhren Sie, dass diese Stelle bei uns frei wird?
 Welche Information in unserer Anzeige hat Sie besonders an-
gesprochen?
 Haben Sie sich schon einmal bei uns beworben? Weshalb kam
es damals nicht zu einer Einstellung?
 Arbeiten bereits Verwandte, Bekannte, Freunde von Ihnen bei
uns?
 Was haben Sie von unserer Firma gehört? Wissen Sie, wer der
Gründer unserer Firma ist? Was produzieren wir? Wie hoch
schätzen Sie unseren Umsatz? In welchen Städten der Bundes-
republik sind wir vertreten? Wie hoch werden momentan die
Aktien unseres Hauses gehandelt?

www.WALHALLA.de 113
Das Vorstellungsgespräch

 Was schätzen Sie an unserem Unternehmen, dass Sie sich hier


bewerben?
 Welche Vorstellungen haben Sie über eine Tätigkeit bei uns?
 Können Sie sich auch unangenehme Seiten bei diesem Arbeits-
platz vorstellen? Wie könnten Sie diese bewältigen?
 Mit welchen Schwierigkeiten rechnen Sie bei Antritt einer
neuen Arbeitsstelle?
 Nahmen Sie bereits vergleichbare Aufgaben wahr?
 Würden Sie später auch in einer unserer Auslandsniederlas-
sungen arbeiten? Wo besonders gern? Weshalb?
 Unter welchen Bedingungen wären Sie mit einer Versetzung
zu einem unserer Zweigwerke einverstanden?

Fragen zur Motivation


 Welche Aufgaben möchten Sie jetzt übernehmen?
 Was würden Sie am liebsten tun, wenn Sie es sich frei aussuchen
könnten?
 Weshalb haben Sie sich gerade für diese Stelle beworben?
 Welche Änderungen an diesem Arbeitsplatz können Sie sich im
Fall einer Einstellung vorstellen?
 Welche beruflichen Ziele wollen Sie in fünf Jahren erreicht ha-
ben? Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Entwicklung bei uns
vor?
 Weshalb können Sie diese Ziele nicht bei Ihrem jetzigen Arbeit-
geber erreichen?
 Bei uns wird kooperativ geführt. Was verstehen Sie darunter?
 Was ist Ihnen an einem Arbeitsplatz besonders wichtig?
 Welche Stelle würde Sie noch interessieren?
 Welche Tätigkeiten würden Sie nicht interessieren, auch dann
nicht, wenn sie hoch bezahlt wären?
 Sollte es nicht zu einer Einstellung bei uns kommen, welche be-
ruflichen Pläne hätten Sie dann?
 Haben Sie auch bei anderen Firmen Bewerbungen laufen?

114 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Wie fühlen Sie sich bei Ihrer Arbeitsplatzsuche?


 Was würden Sie tun, wenn wir uns von Ihnen während der Pro-
bezeit trennen würden?
 Welche Erwartungen knüpfen Sie an Ihre künftigen Vorgesetz-
ten und Kollegen?
 Was glauben Sie, erwarten die anderen Mitarbeiter von Ihnen,
dem neuen Kollegen?
 Wie lange wollen Sie bei uns bleiben?
 Weshalb arbeiten Sie überhaupt?
 Angenommen, Sie würden im Lotto mehrere Millionen gewin-
nen. Was würde sich in Ihrem Leben dann wohl ändern?
 Wenn Sie Ihre Berufstätigkeit aufgeben müssten, was würden
Sie am meisten vermissen?
 Wie stehen Sie dazu, dass im Falle einer Einstellung einige Ihrer
Fähigkeiten und Erfahrungen nicht mehr benötigt werden?
 Welche Fachveröffentlichungen/Bücher/Filme/Bühnenstücke ha-
ben Sie in letzter Zeit gelesen/gesehen?
 In welchen Fachverbänden, Berufsvereinigungen oder berufs-
relevanten Gremien sind Sie Mitglied?

Fragen zur Selbsteinschätzung/zum Führungsverhalten


 Wo liegen Ihrer Meinung nach Ihre Stärken und wo Ihre
Schwächen?
 Für die zu besetzende Stelle sind Sie möglicherweise überqua-
lifiziert. Wie stehen Sie dazu?
 Fühlen Sie sich nicht zu alt/zu jung für diesen Arbeitsplatz?
 Unter welchen Bedingungen arbeiten Sie am liebsten?
 Sind Sie bereit, Ihren Beruf künftig in Form von Telearbeit, also
außerhalb eines betrieblichen Arbeitsplatzes, auszuüben?
 Tendieren Sie mehr zu einer Linien- oder zu einer Stabsfunk-
tion?
 Arbeiten Sie lieber mit Zahlen oder mit der Sprache?

www.WALHALLA.de 115
Das Vorstellungsgespräch

 Hören Sie lieber zu oder sprechen Sie lieber selbst?


 Arbeiten Sie lieber im Team oder erzielen Sie lieber für sich al-
lein gute Arbeitsergebnisse?
 Überall wird von der sozialen Kompetenz eines Vorgesetzten
gesprochen. Was können Sie hinsichtlich Ihrer Person dazu sa-
gen?
 Ist es Ihnen sehr wichtig, von allen Ansprechpartnern als sym-
pathisch eingestuft zu werden?
 Welches endgültige Berufsziel haben Sie? Wann wollen Sie es
erreicht haben?
 Was aus Ihrem Erfahrungsschatz wird Ihnen bei der Bewälti-
gung der in Aussicht genommenen Aufgaben nutzen?
 Wer hatte in Ihrem Leben den größten Einfluss auf Sie?
 Welche Zeit veranschlagen Sie für Ihre Einarbeitung, da wir Sie
ja als Branchenfremden bezeichnen müssen?
 Was qualifiziert Sie Ihrer Meinung nach für die ausgeschriebene
Stelle? Nennen Sie hierfür bitte fünf gewichtige Gründe.
 Wo sehen Sie für sich – nachdem Ihnen jetzt der Aufgabenbe-
reich der zu besetzenden Stelle bekannt ist – einen Lernbedarf?
 Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?
 Wie würde Sie ein Freund, der Sie wirklich gut kennt, beschrei-
ben?
 Was veranlasst Sie, Ihre Beherrschung zu verlieren?
 Angenommen, Sie erkennen, dass ein Kollege Hilfe braucht,
wie würden Sie vorgehen? Nennen Sie bitte Beispiele aus Ihrer
Berufspraxis.
 Was hat Sie in Ihrer Berufstätigkeit bisher am stärksten frus-
triert?
 Für diesen Arbeitsplatz suchen wir einen Mitarbeiter, der über
Organisationstalent/Kontaktfähigkeit/Durchsetzungskraft/Be-
lastbarkeit/Zielstrebigkeit/Talent in der Mitarbeiterführung
verfügt. Besitzen Sie diese Eigenschaften? Nennen Sie uns bitte
Beispiele.

116 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Für diese Stelle müssen Sie über Verhandlungsgeschick verfü-


gen. Wie bereiten Sie sich auf wichtige Verhandlungen vor?
Schildern Sie einige Ihrer wichtigsten Verhandlungserfolge.
 Was waren in Ihrem Leben Ihre größten Erfolge und Misser-
folge?
 Wie stehen Sie zu einem Chef des anderen Geschlechts?
 Was zeichnet in Ihren Augen einen guten Vorgesetzten aus?
Würden Sie sich als guten Vorgesetzten bezeichnen? Nennen
Sie Beispiele hierfür.
 Wie haben Sie sich Führungswissen angeeignet?
 Was betrachten Sie als schwierigste Aufgabe eines Vorgesetz-
ten?
 Welche Eigenschaften wünschen Sie sich bei Ihren Mitarbei-
tern?
 Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Mitarbeitern ein
Gräuel?
 Würde es Ihnen zusagen, den Platz Ihres derzeitigen Vorge-
setzten einzunehmen?
 Würden Sie einmal den Platz Ihres künftigen Vorgesetzten ein-
nehmen wollen?
 Was erinnert Sie an den besten Vorgesetzten, den Sie je hat-
ten?
 Was erinnert Sie an den schlechtesten Vorgesetzten, den Sie je
hatten?
 Welche Probleme haben Sie, wenn sich in Ihrem Arbeitsbereich
gravierende Veränderungen ergeben?
 Welche Gesichtspunkte fassen Sie bei der Auswahl neuer Mit-
arbeiter ins Auge?
 Weshalb sollen wir gerade Sie einstellen?
 Wie definieren Sie den Begriff „Erfolg“?
 Wie gehen Sie mit Konflikten um?
 Was war die bisher schwerste Entscheidung in Ihrem Leben?

www.WALHALLA.de 117
Das Vorstellungsgespräch

 Würden Sie notfalls Entscheidungen auch ohne entsprechende


Orientierungshilfen treffen?
 Wie gehen Sie mit Kritik um?
 Wie reagieren Sie, wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen?
 Wie reagieren Sie, wenn Sie einen Fehler gemacht haben?

Fragen zum bisherigen und künftigen Einkommen


 Was haben Sie in Ihrer letzten Firma verdient? Wie setzte sich
dieses Gehalt zusammen?
 Wie stehen Sie zu Überstunden?
 Welche finanziellen Vorstellungen haben Sie heute?
 Wie viel möchten Sie in fünf Jahren verdienen?
 Wie hoch sind Ihre Belastungen für Ihr Haus?
 Wie stehen Sie zu einem Leistungsgehalt?
 Sind für Sie das Anfangsgehalt oder die langfristigen Entwick-
lungsmöglichkeiten ausschlaggebend?
 Würden Sie bei einer interessanten und ausbaufähigen Tätig-
keit auch vorübergehend eine Einkommensverschlechterung
in Kauf nehmen?
 Sind Sie der Auffassung, dass Zulagen für die Betriebszu-
gehörigkeit sowie eine betriebliche Altersversorgung wün-
schenswert sind?
 Welche Erwartungen haben Sie über sonstige Leistungen, die
ein Unternehmen gewähren müsste, dem Sie gern angehören
würden?
 Was wären Ihre Mindesterwartungen für das Anfangsgehalt in
unserer Firma?

Fragen in Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit


 Aus welchem Grunde verloren Sie Ihren letzten Arbeitsplatz?
 Wieso sind Sie schon so lange arbeitslos?
 Was haben Sie bisher unternommen, um einen Arbeitsplatz zu
finden?

118 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich selbstständig zu


machen?
 Wie verbringen Sie jetzt Ihre Zeit?
 Wie hat sich die Arbeitslosigkeit auf Ihre Lebensweise ausge-
wirkt?
 Was haben Sie während Ihrer Arbeitslosigkeit getan, um eine
Knowhow-Lücke zu vermeiden?
 Weshalb haben Sie sich nicht in anderen Gegenden/im Ausland
beworben, in denen Arbeitnehmer wie Sie gesucht werden?
 Wie viel Zeit werden Sie nach Ihrer Arbeitslosigkeit benötigen,
bis Sie sich richtig eingearbeitet haben?
 Wie glauben Sie mit der künftigen Situation fertig werden zu
können, dass Sie bei der in Aussicht genommenen Stelle mehr
in der Rolle des Weisungsempfängers sind als in der eines Vor-
gesetzten?

Zu 14.: Ihre Reaktion auf unzulässige Fragen


Das Bundesarbeitsgericht hat dem Arbeitgeber ein Fragerecht bei
Einstellung eines Bewerbers nur insoweit zugestanden, als er ein
berechtigtes, billigenswertes und schutzwürdiges Interesse an der
Beantwortung seiner Frage für das Arbeitsverhältnis hat. Dieses
Interesse des Arbeitgebers muss objektiv so stark sein, dass dahin-
ter das Interesse des Arbeitnehmers am Schutz seines Persönlich-
keitsrechts und an der Unverletzlichkeit seiner Individualsphäre
zurücktreten muss.
Beantworten Sie zulässige Arbeitgeberfragen bewusst falsch, be-
rechtigt dies den Arbeitgeber später zu einer fristlosen Kündigung
und zur Anfechtung und Auflösung des Arbeitsvertrags wegen arg-
listiger Täuschung. Stellt der Arbeitgeber Fragen, welche die Pri-
vatsphäre des Bewerbers berühren und ein schutzwürdiges Inte-
resse verletzen, können Sie in „Notwehr“ auch lügen. Ein Recht
auf spätere Anfechtung des Arbeitsvertrags hat der Arbeitgeber in
diesem Fall nicht.

www.WALHALLA.de 119
Das Vorstellungsgespräch

Checkliste: Unzulässige Fragen des Arbeitgebers


 Fragen nach verjährten oder getilgten Vorstrafen
 Fragen nach Vorstrafen, die für den zu besetzenden Arbeitsplatz
nicht einschlägig sind
 Fragen nach völlig ausgeheilten Krankheiten und solchen frühe-
ren Erkrankungen, die nicht in Zusammenhang mit dem zu beset-
zenden Arbeitsplatz stehen (zulässig sind jedoch Fragen nach der
Schwerbehinderteneigenschaft des Bewerbers)
 Fragen nach einer HIV-Infektion (die Frage nach einer akuten HIV-
Erkrankung ist jedoch zulässig)
 Fragen nach einer bestehenden Schwangerschaft
 Fragen zur Familienplanung
 Fragen nach den Vermögensverhältnissen sowie nach Lohnpfän-
dungen und Teilzahlungsverpflichtungen (zulässig bei Arbeitneh-
mern, denen ein besonderes Vertrauen wegen ihrer Aufgaben-
stellung entgegengebracht wird – etwa Kassierer, Buchhalter)
 Fragen nach Gewerkschafts-, Partei- oder Konfessionszugehörig-
keit (zulässig bei Tendenzbetrieben)
 Fragen nach der Zugehörigkeit zu Betriebs-/Personalräten
Werden Ihnen dennoch Fragen mit vorstehendem Inhalt gestellt, ha-
ben Sie mehrere Reaktionsmöglichkeiten:
 Sie geben eine ausweichende, wenig präzise Antwort.
 Sie reagieren mit Halbwahrheiten.
 Sie lügen überzeugend.
 Sie lehnen die Beantwortung dieser Frage unter Hinweis auf die
geltende Rechtsprechung ab.

Nach der geltenden Rechtsprechung ist der Bewerber nicht ver-


pflichtet, für ihn ungünstige Umstände, nach denen nicht aus-
drücklich gefragt wurde, zu offenbaren. Eine andere Beurteilung
ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Arbeitnehmer erkennen
kann, dass die von ihm verschwiegenen Umstände ihm die Erfül-
lung angemessener Leistungserwartungen des Arbeitgebers un-
möglich machen oder sonst für den in Aussicht genommenen Ar-
beitsplatz bei objektiver Betrachtungsweise von ausschlaggeben-

120 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

der Bedeutung sind. So muss der Bewerber den Arbeitgeber von


sich aus informieren, wenn er in Kürze operiert werden soll, eine
Kur beantragt hat, gegenwärtig an einer ansteckenden Krankheit
leidet oder mit dem bisherigen Arbeitgeber ein Wettbewerbsver-
bot vereinbart hat, welches sich auf das beabsichtigte Arbeitsver-
hältnis einschränkend auswirken kann.

Zu 15.: Eigene Fragen zusammenstellen


Stellt ein Bewerber keine Fragen während des Vorstellungsge-
sprächs, wird er als unvorbereitet, desinteressiert und überfordert
eingestuft. Ein ernsthafter Bewerber hingegen stellt zu Hause eine
Liste wichtiger und klar formulierter Fragen zu dem auf, was er für
seine Entscheidung wissen muss und möchte. Diese Liste bedarf
sorgfältiger Ausarbeitung. Durch einen logischen Aufbau und
durch die erkennbare Gewichtung seiner Fragen überzeugt der
Bewerber, während er sich mit deplatzierten Fragen disqualifi-
ziert. Personalreferenten wissen, dass sich häufig aus den gestell-
ten Fragen des Bewerbers ein besseres Urteil über ihn bilden lässt
als aus seinen Antworten auf die ihm gestellten Fragen.
Sie versuchen beim Umfang Ihrer Fragen den goldenen Mittelweg
zu finden. Stellen Sie nur wenige und dazu noch oberflächliche
Fragen, wird Ihnen mangelndes Problembewusstsein unterstellt.
Fragen Sie jedoch nach vielen Einzelheiten und Nebensächlichkei-
ten, wird man Ihnen übertriebenes Sicherheitsdenken oder den
fehlenden Blick für das Wesentliche ankreiden.
An den Beginn Ihrer Liste stellen Sie Fragen, die mit dem anvisier-
ten Arbeitsplatz zu tun haben. Danach folgen Fragen zu Weiter-
bildungs- und betrieblichen Entwicklungsmöglichkeiten und
schließlich Fragen zum Gehalt, den Sozialleistungen und den örtli-
chen Gegebenheiten.

Fragen zur Position


 Gibt es eine Stellenbeschreibung?
 Wie ist die Stelle organisatorisch „aufgehängt“?
 Handelt es sich um eine neu eingerichtete Stelle, sodass in der
Aufbauphase Pionierarbeit zu leisten ist?

www.WALHALLA.de 121
Das Vorstellungsgespräch

 Welche Zielsetzungen sind festgelegt?


 Wer ist der Vorgesetzte?
 Wer gehört noch zu der Arbeitsgruppe?
 Welche Mitarbeiter werden mir zugeordnet?
 Welche Tätigkeiten wären von mir zu erledigen?
 Welche Kompetenzen und Verantwortungen sind damit ver-
bunden?
 Sind Personalführungsgrundsätze festgelegt?
 Besitzt die Position eine Kostenstelle?
 Mit welchen Personen und Abteilungen ist eine besonders
enge Zusammenarbeit notwendig?
 Ist die Besichtigung des Betriebs/der Abteilung/des Arbeitsplat-
zes möglich?
 Ist mit Sonderaufgaben zu rechnen?
 Wer ist Vertreter für diese Stelle bei meiner Abwesenheit?
 Muss ich selbst eine Vertretung übernehmen?
 Wer stellt Aufgaben und überprüft Arbeitsergebnisse?
 Welche besonderen Kenntnisse sollte ich mir bis zum Arbeits-
antritt noch aneignen?
 Wie groß ist der Anteil des Schichtdienstes/der Reisetätigkeit?
 Welche Aufstiegschancen bietet das Unternehmen?
 Werden Beförderungsstellen in der Regel betriebsintern be-
setzt?
 Ist eine Auslandstätigkeit notwendig oder möglich?

Fragen zum Arbeitsvertrag


 Wie sind die Arbeitszeiten festgelegt?
 Gibt es eine besondere Arbeitsordnung?
 Ab wann soll das Arbeitsverhältnis begonnen werden?

122 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

 Auf welchen Zeitraum soll die Probezeit festgelegt werden?


 Welche Kündigungsfristen sind vorgesehen?
 Wird der Arbeitsvertrag unbefristet oder befristet abgeschlos-
sen?
 Was soll der Arbeitsvertrag über Nebentätigkeiten aussagen?
 Wird eine Konkurrenzklausel vereinbart?
 Welches Gehalt ist vorgesehen?
 Mit welcher Gehaltsentwicklung ist zu rechnen?
 Welche Sonderleistungen gewährt der Betrieb?
 Verfügt der Betrieb über ein eigenes Weiterbildungssystem
bzw. fördert er den Besuch externer Fortbildungen?
 Wird ein Firmenfahrzeug zur Verfügung gestellt? Auch zur pri-
vaten Nutzung?
 Werden Trennungsentschädigungen gezahlt und Umzugskos-
ten erstattet?
 Mit welchem Urlaubsanspruch ist zu rechnen?

Fragen zum Arbeits- und Wohnort


 Wie sind die klimatischen Verhältnisse?
 Wie ist das Mietpreisniveau?
 Welche Schulen befinden sich am Ort?
 Wie günstig sind die Verkehrsverhältnisse?
Auf der Grundlage des vorstehenden Fragenkatalogs entwerfen
Sie Ihre individuelle Liste. Verzichten Sie in keinem Fall auf Ihre Lis-
te, weil Bewerber in ihrer Aufregung erfahrungsgemäß die Hälfte
vergessen. Dennoch: Bemühen Sie sich, Ihre Fragen bei der Vor-
stellung möglichst im Kopf zu haben.

www.WALHALLA.de 123
Das Vorstellungsgespräch

Zu 16.: Für angemessene Gesamterscheinung sorgen und


Kleidungsfrage rechtzeitig entscheiden
Psychologen vertreten die Auffassung, dass der Bewerber selbst
durch sein Erscheinungsbild die positive oder negative Atmo-
sphäre in den Raum seines Gesprächspartners bringt.
Fühlt sich der Bewerber durch eine lange Autofahrt unwohl oder
wirkt er wegen des frühen Aufstehens unausgeschlafen, wird
diese Verfassung dem Gesprächspartner nicht verborgen bleiben.
Abgeschlaffte, ausgepumpte Bewerber üben wenig Anziehungs-
kraft auf ihre Umwelt aus. Kommt dann noch ein ungepflegtes
Äußeres hinzu, ist zu verstehen, wenn der Personalreferent auf ein
schnelles Gesprächsende drängt.
Neben unappetitlichen Zahnlücken, aufdringlichem Körpergeruch
und Fingernägeln mit tiefschwarzem Trauerrand ist besonders
eine üppige Haar- und Barttracht negativ hervorzuheben. In den
meisten Firmen werden modisch lange Haare akzeptiert, sofern sie
nicht über den Kragen hinausragen. Den Besuch beim Friseur soll-
ten Sie eine Woche vor dem Vorstellungstermin einplanen, damit
Sie einen gepflegten, aber nicht „geleckten“ Eindruck erwecken.
Manche Bewerber zeigen ihrer Umwelt eine unkonventionelle Le-
bensart an durch T-Shirt, Jeans und Turnschuhe. Wieder andere be-
vorzugen Rollkragenpullover oder Motorradkleidung. Sie kennen
nicht den alten Verkäuferspruch: „Trittst Du sauber auf und fein,
kannst Du doppelt teuer sein!“ Genau genommen ist jeder Bewer-
ber auch Verkäufer. Seine Ware ist er selbst. Für sein Äußeres muss
er daher schon etwas tun.
Offizielle Kleiderordnungen gibt es in Betrieben nur ganz selten,
jedoch haben sich „ungeschriebene Regeln“ eingebürgert. So
können wir von branchentypischen Gepflogenheiten sprechen,
die sich am Publikumsverkehr und den Kundenkontakten ausrich-
ten. Auch ist die anvisierte Funktion und die hierarchische Einord-
nung des begehrten Arbeitsplatzes zu beachten. Der Arbeitgeber
erwartet im Allgemeinen, dass sich der Bewerber so kleidet, wie er
es auch tun würde, wenn er die neue Firma in der Öffentlichkeit
repräsentieren müsste. Trachten wir also danach, uns der ange-
strebten Stelle entsprechend zu kleiden. Im englischen Sprach-
raum heißt das: „Not overdressed, not underdressed!“ So emp-

124 www.WALHALLA.de
Überlassen Sie nichts dem Zufall

fiehlt sich zum Beispiel im kaufmännischen Bereich bei den Herren


ein Anzug oder eine farblich zusammenpassende Kombination,
während bei Damen ein hübsches Kostüm oder ein dezenter Ho-
senanzug eine positive Wirkung versprechen.
Besonders gewissenhafte Arbeitsuchende plündern vor dem Vor-
stellungstermin ihr Sparbuch und kleiden sich vom Scheitel bis zur
Sohle neu ein. Spätestens nach einem zehnminütigen Gespräch
merken sie, dass dies wenig empfehlenswert ist: In den neuen
Schuhen beginnen die Füße zu schwellen, überall zwickt der neue
Anzug, und das neue Oberhemd hinterlässt am Hals einen roten
Rand, so als hätte eine mitleidige Seele den Bewerber noch im letz-
ten Moment von einem Strick abgeschnitten. Uns verwundert
nicht, wenn sich dieser Bewerber in seiner unbequemen Kleidung
nicht wohlfühlt, sodass darunter seine Konzentration leidet.
Was spricht dagegen, „eingetragene“ Kleidungsstücke anzuzie-
hen, in denen Sie sich wohlfühlen, sich selbst gefallen und einen
guten Eindruck hinterlassen? Dass Ihre Schuhe geputzt sind und
keine „abgelatschten“ Absätze aufweisen, sollte selbstverständ-
lich sein.

Praxis-Tipp:
Kleiden Sie sich angemessen, aber verkleiden Sie sich nicht!

Über Kleidung wird zwar nicht gesprochen, aber sie wird ganz si-
cher registriert. Auch heute gelten trotz mancher Lockerungen im
gesellschaftlichen Bereich die Aussagen „Kleider machen Leute“
und „Wie Du kommst gegangen, so wirst Du auch empfangen!“

Achtung: Ihr dem Arbeitgeber vorliegendes Lichtbild hat Sie posi-


tiv dargestellt. Der Personalreferent machte sich von Ihnen bereits
ein ungefähres Bild, sodass Sie zu Gesprächsbeginn schon fast als
Bekannter begrüßt werden. Könnten Sie nun in natura durch zwi-
schenzeitliche wesentliche Veränderungen Ihres Aussehens kaum
mehr erkannt werden, wäre Ihr Gesprächspartner möglicherweise
irritiert. Daher sollte Ihr Erscheinungsbild einen möglichst hohen
Wiedererkennungseffekt zum Lichtbild aufweisen.

www.WALHALLA.de 125
Das Vorstellungsgespräch

Zu 17.: Mitzunehmendes nicht vergessen


Versetzen Sie sich einen Moment in die Lage des Bewerbers, der
pünktlich das Gebäude betritt, in welchem das Gespräch stattfin-
den soll. Gerade will er anklopfen, da fällt ihm siedend heiß ein:
„Jetzt habe ich doch … vergessen. Was mache ich nur?“
Beachten Sie folgende Checkliste, bleibt Ihnen diese peinliche und
peinigende Situation erspart.

Checkliste: Was nehme ich zum Vorstellungsgespräch mit?


 Einladungsschreiben
 Ausgeschnittene und auf ein gesondertes Blatt oder auf die
Durchschrift des Bewerbungsschreibens geklebte Stellenanzeige
 Durchschriften von Bewerbungsschreiben und Lebenslauf
 Originale meiner Zeugnisse, sofern ich unbeglaubigte Unterlagen
meiner Bewerbung beifügte
 Kopie eines möglicherweise im Vorfeld ausgefüllten Personalfra-
gebogens (siehe Kapitel 2)
 Firmenprofil einschließlich zugehöriges Informationsmaterial
 Personalausweis/Führerschein
 genügend Geld
 Notizblock
 funktionierenden Kugelschreiber einschließlich Ersatz
 Liste der für mich wichtigen Fragen
 Arbeitsproben (siehe Kapitel 2), sofern sie vom Betrieb gewünscht
werden oder ich mit ihnen besondere Pluspunkte erzielen möchte
 Aufstellung von Referenzen (siehe Kapitel 2), sofern vom Betrieb
gewünscht
 eigene Fachveröffentlichungen

Zu 18.: Physische Bedürfnisse berücksichtigen


Berücksichtigen Sie, dass Ihre Reaktionsfähigkeit durch schweres
Essen beeinträchtigt werden kann. Aber auch das Magenröhren
eines hungrigen Bewerbers wird keinen guten Eindruck erzeugen.

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Überlassen Sie nichts dem Zufall

Und wie würde Ihnen die Alkoholfahne eines Bewerbers gefallen,


die sich bereits nach einem Glas Bier recht intensiv einstellt?
Sie sollten ein leichtes Frühstück oder Mittagessen einnehmen, das
vorhält. Auch werden Sie darauf achten, alkoholfreie Getränke zu
sich zu nehmen. Denken Sie an einen guten Sportler: Wenn der
eine Hochleistung erzielen möchte, wird er sich gewiss nicht durch
Alkoholkonsum in Form bringen, denn Alkoholgenuss setzt erwie-
senermaßen die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit herab.
Manche Bewerber versuchen, der hohen Nervenanspannung in ei-
nem Vorstellungsgespräch durch Einnahme von Psychopharmaka
zu begegnen. Allerdings ist hier größte Vorsicht angezeigt, denn
Sie können nach Verabreichung solcher Mittel in den Zustand
überzogener Euphorie oder aber auch Lethargie verfallen. Die
beste Medizin ist immer noch eine gründliche Vorbereitung.

Praxis-Tipp:
Schließlich noch ein ganz banaler, aber äußerst wichtiger Hin-
weis: Vergessen Sie vor Gesprächsbeginn nicht den Gang zur
Toilette. Voller Bauch und volle Blase vermindern die Konzent-
rationsfähigkeit des Bewerbers im Vorstellungsgespräch.

Zu 19.: Positive Autosuggestion betreiben


Verfallen Sie vor dem Vorstellungsgespräch keinesfalls in Befürch-
tungen oder Ängste. Diese wirken leistungshemmend und de-
struktiv, je länger Sie sich mit ihnen beschäftigen. Mit einer nega-
tiven Autosuggestion (Selbstbeeinflussung) „Hoffentlich fragt er
mich nicht, ob …“ oder „Was sage ich bloß, wenn …“ stellen Sie
die Weichen in Richtung Misserfolg. Die Gefahr ist sehr groß, dass
Ihre pessimistischen Prophezeiungen sich selbst erfüllen, weil Ihre
Programmierung eine optimistische Einschätzung nicht vorsieht.
Haben Sie sich hingegen positiv auf das Gespräch eingestimmt,
gehen Ihre Ängste zurück und Ihre Befürchtungen verschwinden.
Die positive Autosuggestion ist die wirkungsvollste Möglichkeit,
uns von Negativem zu befreien. Sie brauchen die Kraft des positi-
ven Denkens! Marc Aurel schrieb im 2. Jahrhundert n. Chr.: „Das
Leben ist das, was die Gedanken aus ihm machen.“

www.WALHALLA.de 127
Das Vorstellungsgespräch

Ein letzter Blick in den Spiegel (ist die Frisur in Ordnung, die Kra-
watte gerade?) mit einem rundum freundlichen Lächeln zur eige-
nen Person und auf geht’s.

Praxis-Tipp:
Stimmen Sie sich positiv ein: Ich atme jetzt tief ein. Ich hebe
selbstbewusst den Kopf. Ich bin bestens vorbereitet. Ich denke
an etwas Positives. Ich entspanne mich. Ich freue mich auf das
Gespräch.

Phasen des Vorstellungsgesprächs


Für die Gliederung eines Vorstellungsgesprächs gibt es – wie sollte
es auch bei der Verschiedenartigkeit der zu berücksichtigenden
Umstände anders sein – keine feststehenden Regeln. Jedes Unter-
nehmen verfährt nach eigenem Gutdünken, und es gibt die ver-
schiedensten Varianten, mit denen versierte Personalreferenten
das Gespräch von Fall zu Fall aufgliedern. Dennoch hat sich ein
fünfphasiger Gesprächsaufbau in der Praxis durchgesetzt.

Phase 1: Gesprächsbeginn
Ein verantwortungsbewusster Personalreferent wird das Gespräch
mit einer „Aufwärmphase“ beginnen, die belanglose Punkte
(etwa Anreise, Verkehr, Wetter, örtliche Verhältnisse) beinhaltet.
Auch wird sich der Interviewer für die Bewerbung und das Zustan-
dekommen des Gesprächs bedanken und Ihnen versichern, dass
seitens der Firma die Vertraulichkeit des Gesprächs gewahrt bleibt.
Mit diesen vertrauensbildenden Maßnahmen soll der Bewerber
aus einer anfänglichen Befangenheit oder gar Verkrampfung
gelöst und die Gesprächsatmosphäre verbessert werden.
Bietet man Ihnen alkoholfreie Getränke an, können Sie das Ange-
bot dankend annehmen. Alkoholhaltige Getränke lehnen Sie hin-
gegen höflich ab. Da Gefahr besteht, einen überzeugten Nicht-
raucher vor sich zu haben, sollten Sie sich als Raucher Zurückhal-
tung auferlegen.

128 www.WALHALLA.de
Phasen des Vorstellungsgesprächs

Phase 2: Prüfung der fachlichen und persönlichen Eignung


Betrachten Sie es bitte nicht als Zumutung, wenn Sie jetzt gebeten
werden, die wesentlichen Fakten Ihres Lebens zu schildern. Hier-
bei interessieren weniger die Fakten des bisherigen Lebenswegs,
sondern das, was Sie davon für wichtig halten und wie Sie die
Dinge darstellen. Selbstverständlich überprüft Ihr Gegenüber da-
bei auch den Wahrheitsgehalt Ihrer bereits vorliegenden Bewer-
bungsunterlagen und testet, ob Sie frei reden und sich angemessen
präsentieren können. Da Sie sich auf diese Situation vorbereitet
haben (siehe Kapitel 3), werden Sie eine knappe, klare und sachli-
che Darstellung geben können, die in sich schlüssig und überzeu-
gend ist.
Fragen zu Ihrer persönlichen Situation und Ihrem schulischen
und/oder beruflichen Werdegang sowie zu Ihrer Motivation und
Selbsteinschätzung folgen. Bei der Arbeitsplatzvergabe sind ne-
ben fundierter Sachkenntnis fachübergreifende Schlüsselqualifi-
kationen ein weiteres wichtiges Auswahlkriterium für Arbeitge-
ber. Als Schlüsselqualifikationen haben besonders fünf Bereiche
an Bedeutung gewonnen:
 Lebenslanges Lernen
 Teamfähigkeit
 Fremdsprachenkenntnisse
 Datenverarbeitungskenntnisse
 Soziale Kompetenz bei Mitarbeitern mit Führungsverantwor-
tung
Die Überprüfung der fachlichen Qualifikation nimmt einen breiten
Raum ein. Schließlich sucht der Arbeitgeber einen neuen Mitarbei-
ter, der längerfristig fachlich fundiert und mit Erfolg für ihn tätig
wird. Da Ihre konkreten Leistungen in früheren Arbeits- und
Dienstverhältnissen eher auf den späteren Berufserfolg schließen
lassen als geäußerte Zukunftsabsichten, werden manchmal als boh-
rend empfundene Fragen zu dem bisherigen Berufsweg gestellt.
Lassen Sie sich nicht irritieren, wenn plötzlich ein Rollenspiel ein-
geschoben wird („Nehmen wir einmal an, ich wäre ein reklamie-
render Kunde…“). Zumeist werden Situationen aus der Praxis si-
muliert, mit denen Kompetenz und Potenzial des Bewerbers in

www.WALHALLA.de 129
Das Vorstellungsgespräch

einer konkreten Aufgabenstellung getestet werden. Sind für den


Arbeitsplatz Fremdsprachenkenntnisse gefordert, dürfen Sie nicht
erstaunt sein, wenn das Gespräch plötzlich in der Fremdsprache
geführt wird.
Bitte fühlen Sie sich nicht einem Verhör unterzogen, wenn Ihr Ge-
sprächspartner zu Ihren Aussagen Notizen zu Papier bringt. Um
nicht bedeutungsvolle Einzelheiten zu vergessen oder gar mit den
Angaben anderer Bewerber zu verwechseln, wird ein verantwor-
tungsvoller Gesprächspartner wichtige Punkte stichwortartig nie-
derschreiben, um so seinem Gedächtnis später „auf die Sprünge“
zu helfen und zu einer abgesicherten Entscheidung zu gelangen.
Teilweise werden bereits vorbereitete Interviewbögen verwendet,
auf denen Merkmale angekreuzt oder mit Noten versehen werden.

Phase 3: Darstellung des Unternehmens und der Stelle


Ein schwacher Kandidat wird diese Phase nicht mehr erleben. Die
Arbeitgeberseite macht sich nur dann die Mühe einer Darstellung
des Unternehmens und der zu besetzenden Stelle, wenn Ihre Vor-
stellung in den Phasen 1 und 2 positiv bewertet wird. Zumeist
berühren die weiteren Einzelheiten die Bereiche
 Ziele und Politik des Unternehmens
 Organisation
 Besonderheiten des Arbeitsplatzes
 Entwicklungsmöglichkeiten
 Grundsätze der Personalführung
Als Bewerber sollen Sie handfeste Informationen darüber erhal-
ten, was im Fall einer Arbeitsaufnahme auf Sie zukäme. Je wirk-
lichkeitsnaher die Informationen über die zu besetzende Stelle –
auch ihre negativen Seiten – sind, umso weniger bilden sich beim
Bewerber übertriebene Erwartungen heraus, die spätestens nach
Arbeitsaufnahme zu Realitätsschock und Unzufriedenheit und da-
mit zu erhöhter Fluktuationsbereitschaft führen können.
Wenn Sie weiter ein gutes Bild von sich vermitteln wollen, stellen
Sie jetzt Ihre Fragen. Der Personalreferent wäre enttäuscht, wür-
den Sie nur als Fragenbeantworter auftreten, aber keine eigenen
Fragen parat haben. Wozu haben Sie vorab eine Liste der Sie in-
teressierenden Fragen aufgestellt?

130 www.WALHALLA.de
Phasen des Vorstellungsgesprächs

Phase 4: Besprechen vertraglicher Konditionen


Die Gesprächspartner werden zu erkennen geben, ob nach dem
bisherigen Gesprächsverlauf weiterhin Interesse an einer Einstel-
lung besteht. Ist dies der Fall, geht es jetzt ans „Eingemachte“. So-
fern der geltende Tarifvertrag nicht Grundlage des Arbeitsvertrags
sein soll, sind wesentliche Vertragsinhalte abzuklären.
Der Gehaltsvereinbarung wird hierbei besondere Bedeutung bei-
gemessen. Heißt es von der Arbeitgeberseite: „Da Sie sich für die-
sen Arbeitsplatz beworben haben, nennen Sie uns bitte Ihre finan-
ziellen Vorstellungen“, müssen Sie Farbe bekennen. Sie manövrie-
ren sich in eine bessere Verhandlungsposition, wenn Sie eine
Bandbreite angeben: „Ich stelle mir ein Monatsgehalt in dem Be-
reich zwischen 3600 und 4000 Euro vor.“ Innerhalb dieser Schwan-
kungsbreite können Sie flexibel agieren, während Sie sich bei ei-
ner festen Zahl festlegen und damit die Gefahr besteht, zu stark
vom Üblichen abzuweichen.
Ihre Gehaltsvorstellung muss realistisch sein. Liegt Ihre Forderung
weit über dem Üblichen, kommt es nicht zu einer Einstellung. Kein
Betrieb lässt sich seine Entgeltpolitik durch einen Neuling in Un-
ordnung bringen. Fordern Sie aber ein zu niedriges Gehalt, ver-
mutet der Arbeitgeber bisher nicht erkannte Defizite oder zwei-
felt an Ihrem Leistungsvermögen oder Ihrem Selbstvertrauen.
Wie gelangen Sie zu einer realistischen Gehaltsvorstellung?

Checkliste: Informationsquellen zu Gehaltsansprüchen


 Sie holen bei der jeweiligen Gewerkschaft Auskünfte ein.
 Ihre Agentur für Arbeit kann Erfahrungswerte beisteuern.
 Sie interviewen Arbeitnehmer mit gleicher Qualifikation.
 Sie befragen frühere Arbeitskollegen.
 Sie werten die in Management-Zeitschriften und Jobbörsen veröf-
fentlichten Erhebungsergebnisse großer Personalberatungsunter-
nehmen aus.
 Sie holen – zum Teil kostenpflichtige – Informationen im
Internet ein (z. B. www.monster.de, www.stepstone.de, www.
personalmarkt.de, www.fazjob.net).

www.WALHALLA.de 131
Das Vorstellungsgespräch

Ausgehend von einer breiten Informationsbasis analysieren Sie


alle Hinweise, um Ihren „Marktwert“ zu erkennen.
Bei einer Arbeitsaufnahme im öffentlichen Dienst sind alle Leis-
tungen gesetzlich oder tariflich festgelegt. Hier wird Ihr Gesprächs-
partner kaum in der Lage sein, sich etwas von Ihnen „abhandeln“
zu lassen. Bei einem Arbeitsplatz in der Wirtschaft wird die Arbeit-
geberseite eher einen Verhandlungsspielraum haben, dennoch
nicht karitativ tätig werden wollen. Personalreferenten tragen im-
mer wieder – nicht zu Unrecht – bestimmte Argumente vor, um Sie
zur Reduzierung Ihrer Gehaltsvorstellungen zu veranlassen:
 Es wird auf interessante Sozialleistungen und sonstige Plus-
punkte (z. B. Gewinnbeteiligung, leistungsorientierter Bonus,
Privatnutzung von Firmenfahrzeugen, günstiger Einkauf von
Firmenerzeugnissen) hingewiesen.
 Man schlägt vor, das Gehalt nach erfolgreicher Probezeit neu
festzulegen.
 Die Vorteile eines betriebsinternen Weiterbildungssystems
werden ins Feld geführt.
 Verstärkte Aufstiegsmöglichkeiten durch innerbetriebliche
Stellenausschreibungen sollen längerfristige Perspektiven er-
öffnen.
Behalten Sie nicht nur das Einstiegsgehalt im Auge, sondern sehen
Sie auch die längerfristig erreichbare Position im Betrieb und die
damit verbundene Gehaltsentwicklung. Machen Sie nach Arbeits-
aufnahme durch engagiertes, kompetentes und erfolgreiches Ar-
beiten auf sich aufmerksam. Dann wird Ihr Arbeitgeber eher zu ei-
ner Neufestsetzung Ihrer Einkünfte bereit sein. Ein kluger Arbeit-
geber weiß nämlich den Wert einer qualifizierten Arbeitskraft zu
schätzen und wird mit künftigen finanziellen „Spritzen“ Abwan-
derungsgedanken im Keim ersticken. Schließlich ist es betriebs-
wirtschaftlich betrachtet stets günstiger, angemessene Einkom-
mensverbesserungen zuzugestehen, als ständig neue Mitarbeiter
zu suchen und einzuarbeiten.

132 www.WALHALLA.de
Phasen des Vorstellungsgesprächs

Phase 5: Gesprächsabschluss
Selten werden Sie zum Gesprächsschluss ein konkretes Vertragsan-
gebot erhalten. Dies hat mancherlei Gründe. Einerseits will der
Personalreferent den gewonnenen Eindruck überschlafen und
sich eventuell noch mit anderen Gesprächsteilnehmern abstim-
men, andererseits stehen vielleicht noch weitere Gespräche mit
anderen Bewerbern aus. Auch sollen zwischen dem Gespräch und
der Einstellungsentscheidung einige Tage verstreichen, um nicht
zu stark unter dem Eindruck des letzten Gesprächs zu stehen. Die
Erfahrung zeigt nämlich, dass bei Vorstellungsgesprächen mit re-
lativ gleichwertigen Bewerbern vom subjektiven Eindruck her der
letzte Kandidat immer der beste ist.
Sie sollten sich trotzdem einen Termin nennen lassen, bis zu dem Sie
mit einer konkreten Entscheidung des Betriebs rechnen können.
Mit einer sofortigen Ablehnung kann ein Bewerber nur dann rech-
nen, wenn er eine zwingende Einstellungsvoraussetzung nicht er-
füllt (z. B. bei einem Außendienstmitarbeiter der fehlende Führer-
schein, bei einem Exportsachbearbeiter fehlende Fremdsprachen-
kenntnisse). Ansonsten wird bei einem aus der Sicht des Arbeitge-
bers negativen Gesprächsausgang die bereits feststehende Ableh-
nung nicht sogleich eröffnet, sondern einige Tage später in einem
freundlich gehaltenen Brief mitgeteilt. Damit soll eine fruchtlose
Diskussion mit einem enttäuschten Bewerber über die Stichhaltig-
keit der Ablehnungsgründe vermieden werden.
Sie sollten – auch wenn Sie bei Gesprächsende kein gutes Gefühl
haben – bis zum Schluss freundlich und konzentriert bleiben und
sich schließlich für das Gespräch bedanken. Während der erste Ein-
druck entscheidend sein kann, bleibt der letzte Eindruck beim Ge-
sprächspartner haften und wirkt möglicherweise nach. Durch Höf-
lichkeit und Takt verschaffen Sie sich einen guten Abgang. Falls Sie
den „Tatort“ durch das Vorzimmer verlassen, werden einige nette
Worte und ein freundliches „Auf Wiedersehen“ Ihre Erfolgsaus-
sichten keineswegs schmälern. Manchmal üben die Damen im Vor-
zimmer einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Entschei-
dungsträger aus.
Vielleicht sind Sie sich selbst gegenüber zu kritisch? Vielleicht
kommen Sie doch noch an Ihr Ziel? Vielleicht sagt der Bewerber,

www.WALHALLA.de 133
Das Vorstellungsgespräch

mit dem der Arbeitsvertrag abgeschlossen werden sollte, noch ab?


Vielleicht erinnert man sich an Sie, wenn es um die Besetzung ei-
nes anderen Arbeitsplatzes geht? Möglicherweise hinterlassen die
anderen Bewerber einen noch ungünstigeren Eindruck?

Wichtig: Bleiben Sie bis zum Schluss freundlich, werfen Sie keine
Chancen weg! Erst außerhalb der Firma können Sie damit begin-
nen, „Dampf abzulassen“.

Ihre Auswertung des Gesprächs


Solange Ihre Eindrücke aus dem Gespräch noch frisch in Ihrer Erin-
nerung sind, sollten Sie ein kurzes Gedächtnisprotokoll nieder-
schreiben. Hier könnten folgende Punkte aufgeführt werden:
 Namen und Stellung der Betriebsangehörigen, mit denen Sie
Kontakt hatten (damit Sie Ansprechpartner für ein späteres
Nachfassen (siehe Kapitel 2) oder Dankschreiben (siehe unten)
haben)
 überraschende Fragen der Arbeitgeberseite, um diese in künf-
tigen Vorstellungsgesprächen besser beantworten zu können
 Organisatorisches, auf das Sie künftig verstärkt achten wollen
 direkte oder indirekte Hinweise der Arbeitgeberseite, die Sie
ab sofort in Ihren Bewerbungsunterlagen berücksichtigen wol-
len
 Zeitpunkt, bis zu dem Sie eine Entscheidung erwarten können
Sind Sie nach wie vor an dem Arbeitsplatz interessiert, können Sie
mit einem Dankschreiben Ihre Chancen noch verbessern. Letzte
Bedenken des Betriebs über mögliche Schwachpunkte in Ihrer Per-
son schmelzen vielleicht, wenn Sie sich für das Gespräch und die
aufgewendete Zeit bedanken und damit Ihren Wunsch verbinden,
dem Unternehmen engagiert, motiviert und in erfolgreicher
Weise anzugehören.

134 www.WALHALLA.de
Weitere Auswahlverfahren
4
Das Rennen geht weiter . . . . . . . . . . . 136

Gruppendiskussion/Rundgespräch . . . 136

Testverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 138

Grafologisches Gutachten . . . . . . . . . 143

Stress-Interview . . . . . . . . . . . . . . . . . 144

Beurteilungsseminar/
Assessment-Center . . . . . . . . . . . . . . . 144

Biografischer Fragebogen . . . . . . . . . . 149

Feststellung des körperlichen


Leistungsvermögens . . . . . . . . . . . . . . 150
Weitere Auswahlverfahren

Das Rennen geht weiter


Zumeist entscheiden Analyse und Bewertung von Bewerbungsunter-
lagen sowie die Ergebnisse der Vorstellungsgespräche, welcher Be-
werber eingestellt wird. Nicht alle Firmen begnügen sich hiermit.
Auch noch so stromlinienförmige Lebensläufe ersparen nicht den
Gang in die von manchen Bewerbern gefürchtete nächste Runde. So
manches Unternehmen setzt weitere Auswahlverfahren aus dem Re-
pertoire neuzeitlicher Folterinstrumente in der Erwartung ein, dass
der Bewerber nun beweist, ob das, was auf dem Papier steht und
durch subjektive Eindrücke im Vorstellungsgespräch bestätigt wurde,
auch Bestand hat. Zusätzliche auf „Herz und Nieren“ prüfende Aus-
wahlmethoden helfen, das Entscheidungsrisiko zu vermindern.
Sie erkennen als Bewerber das Recht des Einstellenden an, sich mit
seinen Methoden ein Bild von Ihnen zu machen, wobei die Arbeit-
geberseite unter nachfolgend beschriebenen Auswahlverfahren
wählen kann.

Gruppendiskussion/Rundgespräch
In der Gruppendiskussion über allgemeine oder fachliche Themen
kann die Einordnungsfähigkeit in eine Gemeinschaft, die Rolle je-
des Bewerbers sowie seine Persönlichkeitsentfaltung in der Gruppe
beobachtet werden. Der Betrachter erfährt hier sehr schnell, in wel-
cher Weise sich die Rollen verteilen, welchen Personen eine Rolle
aufgezwungen wird (z. B. die des Außenseiters) und wer sich seine
Wunschrolle (z. B. die des Diskussionsleiters) zu sichern versteht.
Darüber hinaus ist zu erkennen,
 wer in der Lage und bereit ist, neue Ideen zu entwickeln,
 wer den Mut hat, seine Meinung zu vertreten,
 wer keine Meinung hat,
 wer Kritik übt und welcher Art diese Kritik ist,
 wie Kritisierte reagieren,
 wer sich kraft fachlicher oder persönlicher Autorität durch-
setzt,
 wer sich nur durch „Ellenbogentaktik“ durchsetzt,
 wer die Gesprächsführung übernimmt,

136 www.WALHALLA.de
Gruppendiskussion/Rundgespräch

 wie die Gesprächsführung übernommen wird (autoritär bzw.


allmählich),
 wer die wesentlichen Punkte anspricht,
 wer sich bei Nebensächlichkeiten aufhält,
 wer das Wesentliche schnell erfasst,
 wer dem Geschehen interesselos gegenübersteht,
 wer in der Gruppe kontaktfähig ist,
 wer sich schnell isoliert,
 wer mehr praktische oder mehr theoretische Beiträge bringt.
Es ist gewiss einzusehen, dass solche Diskussionsrunden die
menschlich-gesellschaftliche Sphäre hell erleuchten und ein Be-
werber beispielsweise Eigenschaften zeigen kann, die sich unan-
genehm für den Betrieb auswirken würden (Machtanspruch, Gel-
tungssucht, Rechthaberei, Streitsucht) oder aber eine Begabung
im Umgang mit Menschen oder Problemen zu Tage tritt. Kurz ge-
sagt: Typische Eigenschaften kristallisieren sich bald heraus.
Beobachter werten die Verhaltensweisen der Diskussionsteilneh-
mer aus, Ergebnisse werden mit bereits aus anderen Auswahlver-
fahren gewonnenen verglichen, so dass sich der am ehesten ge-
eignete Bewerber dann schnell ergibt.
Ob Sie sich mit der Rolle des Diskussionsteilnehmers begnügen oder
die Rolle des Diskussionsleiters übernehmen wollen, hängt ab von:
 dem Anforderungsprofil des zu besetzenden Arbeitsplatzes
 den Anweisungen des Firmenvertreters
 der Zusammensetzung der Diskussionsgruppe
 dem Thema (sind Sie sehr sachkundig, können Sie sich als Dis-
kussionsteilnehmer besser profilieren) und
 Ihrer Tagesform
Erfahrungsgemäß herrscht nach Nennung des Diskussionsthemas
zunächst Schweigen. Sind Sie an der Diskussionsleitung interes-
siert, schlagen Sie vor, dass ein Teilnehmer die neutrale Position
des Diskussionsleiters übernimmt. Gleichzeitig fragen Sie, ob und
ggf. welche Bedenken bestehen, wenn Sie selbst diese Aufgabe
übernehmen. Da Sie kaum mit Widerspruch zu rechnen brauchen,

www.WALHALLA.de 137
Weitere Auswahlverfahren

wird Ihnen die gewünschte Rolle „in den Schoß fallen“. Günstig
wäre es, Sie hätten bereits entsprechende Erfahrungen in der Pra-
xis oder in einem guten Rhetorik-Seminar gesammelt.

Praxis-Tipp:
Geht es an die Bewertung von Teilnehmerbeiträgen, sollten
Sie sich angewöhnen, positive Aspekte aufzugreifen und diese
möglichst noch auszubauen. Ist jedoch Kritik angebracht, wer-
den Sie sich zu Wort melden. Dies allerdings nicht mit extre-
men und provozierenden Formulierungen und aggressiven
Verhaltensweisen. Da es Ihnen um die Sache geht und nicht
um die Verurteilung anders Denkender, legen Sie Ihre Kritik
sachlich, begründet und konstruktiv dar!

Testverfahren
Zunächst eine grundsätzliche Aussage: Tests im Bewerbungsver-
fahren unterscheiden nicht zwischen Könnern und Versagern,
zwischen fähigen und unfähigen Bewerbern, sondern ermitteln
immer Werte auf einer vorgegebenen Skala. Ein im oberen Bereich
der Skala ablesbares Testergebnis bedeutet noch lange nicht, dass
der Testabsolvent später auf dem Arbeitsplatz erfolgreich tätig
wird. Und ein unzureichendes Testergebnis darf nicht dazu führen,
dass der Bewerber an seinen Fähigkeiten zu zweifeln beginnt. Ha-
ben Sie also keine Angst vor irgendwelchen Tests, sondern sehen
Sie in ihnen eher eine herausfordernde Aufgabe.
Dennoch geraten manche Bewerber schon beinahe in Panik, wenn
plötzlich die Einladung zu einem Test ins Haus flattert. Auch wenn
es unangenehm für Sie sein mag, sich einem Test zu unterziehen,
lehnen Sie einen Test nicht ab. Bedenken Sie trotz eines möglichen
mulmigen Gefühls, was eine Ablehnung einer Testteilnahme be-
deutet: Sie nehmen die Test-Hürde nicht und sind damit sofort aus
dem Rennen. Stellen Sie sich aber dem Test, können Sie nur ge-
winnen: Entweder erhalten Sie die gewünschte Stelle oder Sie
sammeln wertvolle Erfahrungen für die nächste Testsituation. Da
Sie ein Recht auf Information über die wichtigsten Ergebnisse der
Testuntersuchung haben, gibt Ihnen die Testteilnahme auch die
Möglichkeit, eigene Fähigkeiten besser einschätzen zu lernen.

138 www.WALHALLA.de
Testverfahren

Im eignungspsychologischen Bereich ist der Test eine Methode, die


menschliches Verhalten und Einstellungen gezielt beobachtet und
misst. Aus dem menschlichen Verhalten wird eine ganz bestimmte
Stichprobe gezogen und gemessen, der Status quo ermittelt. Von
dieser Stichprobe schließt man auf ein bestimmtes Verhalten des
Menschen in der Zukunft. Bei der Personalauslese können wir den
Begriff „Test“ am besten mit „Verhaltensstichprobe“ umschreiben.
Im Rahmen von Einstellungstests werden Intelligenz-, Kenntnis-,
Leistungs- und Persönlichkeitstests eingesetzt. Großer Beliebtheit
erfreuen sich kombinierte Tests. Hierbei werden je nach Anforde-
rungsprofil bestimmte Kenntnis- und Leistungstests verknüpft und
eventuell auch mit Intelligenz- und Persönlichkeitstests angerei-
chert. Allein für den deutschsprachigen Raum zählt der Bundes-
verband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e. V. 600 pub-
lizierte psychologische Testverfahren. Hinzu kommen noch „haus-
gemachte“ Tests, sodass für Sie der gesamte Komplex nicht mehr
überschaubar ist.
Wollen Sie sich mit dieser Materie etwas näher befassen, hält der
Buchhandel diverse, gut lesbare Veröffentlichungen bereit. Hier
gibt es sowohl in Buchform als auch auf CD-ROM verschiedene
„Testknackerprogramme“, in denen Einstellungstests beschrieben
und zahlreiche Übungsaufgaben angeboten werden.
Es ist wichtig, sich frühzeitig auf die Testsituation einzustimmen
und zu lernen, die Prüfungssituation gut zu ertragen. Wer das
Freischwimmerzeugnis erworben hat, fürchtet sich nicht mehr vor
dem nassen Element. Mit Tests ist es nicht anders. Die Angst vor
Tests schwindet zusehends, wenn man sich mit ihnen beschäftigt,
sich zusätzliche Informationen verschafft und sich zielgerichtet
entsprechende Fertigkeiten aneignet. Kennen Sie nämlich die Lö-
sungsstrategien und Bearbeitungshinweise einzelner Untertests,
verlieren Sie in der „Ernstsituation“ keine Zeit mehr damit, inten-
siv nachzudenken, worauf es bei der Bearbeitung des jeweiligen
Testtyps ankommt.

Wichtig: Bei Ihrem Testtraining sollten Sie sich nicht selbst betrü-
gen, sondern die in den Büchern beziehungsweise CD-ROMs ent-
haltenen Übungstests unter „Ernstfallbedingungen“ – also unter
Zeitbegrenzung – bearbeiten. Erst danach sollten Sie die Aufga-

www.WALHALLA.de 139
Weitere Auswahlverfahren

ben noch einmal ohne jeden Zeitdruck durchgehen und schließlich


die Ergebnisse aus Ihren beiden Durchgängen mit den Aufgaben-
lösungen in den Büchern/CD-ROMs vergleichen.

Empfehlungen für Ihre Testteilnahme


 Tests stellen an Ausdauer, Konzentrationsvermögen, Spann-
kraft und Belastbarkeit hohe Anforderungen, denen Sie am
ehesten bei guter körperlicher und geistiger Kondition ge-
wachsen sind. Um fit zu sein, sind ausreichender Schlaf, ein
ohne Hast eingenommenes Frühstück, rechtzeitiges Erscheinen
(erkunden Sie vorher den Weg zum „Test-Tatort“) und be-
queme Kleidung nötig. Lesen Sie noch einmal unsere Hinweise
in Kapitel 3 (physische Bedürfnisse berücksichtigen). Bei Krank-
heit oder Unwohlsein sollten Sie eine Verschiebung des Testter-
mins vereinbaren.
 Ist mit einer längeren Testdauer zu rechnen, sollten Sie bei der
Zusammenstellung Ihrer „Marschverpflegung“ an Obst, Jo-
ghurt, Traubenzucker, Studentenfutter, „Scho-ka-kola“ und
Fruchtsaft denken.
 Funktionierendes Schreibwerkzeug einschließlich Ersatz sowie
eine Uhr gehören zu Ihrer Grundausstattung.
 Setzen Sie sich im Testraum nicht zu nahe an Fenster oder
Türen, weil dort eher mit Störungen zu rechnen ist und sich da-
mit die Ablenkungsgefahr erhöht.
 Das Verhalten anderer Testteilnehmer während des Tests oder
in Testpausen sollte Sie weder irritieren noch beeindrucken
oder ablenken. Manche Menschen verbreiten Nervosität, Hek-
tik und Zweckpessimismus, um Mitbewerber aus dem inneren
Gleichgewicht zu bringen. Erwiesenermaßen ist Nervosität der
größte Feind der Konzentration.
 Vor Testbeginn atmen Sie noch einmal tief durch. Vergegen-
wärtigen Sie sich, dass Sie topfit und gut vorbereitet sind und
sich sehr wohl in der Lage fühlen, gute Testergebnisse zu erzie-
len. Selbstverständlich ist auch während Ihrer Testteilnahme
positives Denken (siehe Kapitel 3) angesagt.
 Testpausen sollten Sie nutzen, sich durch kleine Entspannungs-
übungen für die nächste Runde wieder fit zu machen: Ein ruhiges

140 www.WALHALLA.de
Testverfahren

und tiefes Durchatmen bei entspannter Sitzhaltung löst Ver-


krampfungen. Auch ein lockeres Ausschütteln der Hände und ein
kräftiges Sich-Strecken trägt zur Lockerung bei. Sie bekommen
den Kopf für die nächste Testphase eher frei, wenn Sie in den Pau-
sen an etwas Angenehmes denken.
 Bemühen Sie sich, die Instruktionen richtig zu verstehen. Hören
Sie nur mit einem Ohr zu oder überfliegen Sie schriftliche Test-
anweisungen, besteht die große Gefahr, bedeutsame Informa-
tionen nicht zu erkennen und mit falschen Zielvorstellungen an
die Testaufgaben heranzugehen. Falls Ihnen Erläuterungen
zum Test unverständlich geblieben sind, fragen Sie sofort nach,
nicht erst nach Beginn der Aufgabenbearbeitung. Dann wird
Ihnen der Testleiter die Anweisungen – gegebenenfalls mit zu-
sätzlichen Erläuterungen – wiederholen.
 Denken Sie daran, dass die meisten Tests nur eine begrenzte
Zeitvorgabe haben. Beißen Sie sich also nicht an einer einzelnen
Aufgabe fest. Extrem schwierige oder ungewohnte Aufgaben
lassen Sie nicht zu Zeitdieben werden. Beschäftigen Sie sich
zunächst mit den Ihnen eher zusagenden Aufgaben.
 Lassen Sie sich durch den Zeitdruck nicht zu flüchtigem Arbei-
ten verführen. Vermutlich werden Sie bei einem gleichmäßi-
gen und sorgfältigen, aber dennoch zügigen Arbeiten die bes-
ten Ergebnisse erzielen – arbeiten Sie also weder zu schnell
noch zu zaghaft.
 Tests mit Zeitvorgabe sind oft so umfangreich, dass Sie nicht
alle Fragen beantworten können. Ist Ihnen die Lösung eines
Teiltests auf Anhieb nicht möglich, gehen Sie zum nächsten
Teil weiter. Lieber viele Fragen richtig und einige gar nicht
lösen.
 Lässt Ihnen der Test die Wahlmöglichkeit zwischen verschiede-
nen Lösungen (Multiple-Choice-Fragen), besteht im Zweifel
Ihre Lösungsstrategie darin, zunächst die falschen Lösungen
auszusortieren. Es ist für Sie dann leichter, unter zwei verblei-
benden Möglichkeiten auszuwählen als unter mehreren. Sind
dann immer noch Zweifel vorhanden, kreuzen Sie die wahr-
scheinlichere Lösung an. Geraten Sie in Zeitnot, markieren Sie
nach einer nur kurzfristigen und eher oberflächlichen Betrach-

www.WALHALLA.de 141
Weitere Auswahlverfahren

tung der Aufgabe die für richtig gehaltene Antwort. So haben


Sie zumindest noch die Chance, einen Treffer zu landen.
 Wird Ihnen in einem Test die Möglichkeit gelassen, als Antwort
„unsicher“ oder „unentschieden“ anzukreuzen, sollten Sie
hiervon eher sparsam Gebrauch machen. Entscheiden Sie sich
häufiger für diese Alternative, werden Sie schnell als wenig
entscheidungsfreudig abqualifiziert.
 Je länger Sie über eine Aufgabe nachdenken, umso komplizier-
ter erscheint sie häufig. Kommen Sie also nicht ins Grübeln, ob
eine Lösung richtig ist. Die Uhr läuft weiter. Arbeiten Sie des-
halb zügig weiter. Fragliche Lösungen markieren Sie zunächst
und überprüfen Sie erst dann, wenn nach Bearbeitung aller
Aufgaben noch Zeit zur Verfügung steht.
 Bei Testbatterien (= mehrere Tests, die unterschiedliche Fähig-
keiten messen sollen) wächst der Schwierigkeitsgrad zum
Schluss hin. Ihre Wachsamkeit sollte erst nach Ende des gesam-
ten Tests erlahmen. Sogar innerhalb einer Aufgabengruppe
sind die ersten Aufgaben leichter als die später folgenden. Sie
sollten die Aufgaben möglichst in der vorgegebenen Reihen-
folge bearbeiten. Dadurch wird der Schwierigkeitsgrad nur all-
mählich gesteigert, sodass Sie schon etwas trainiert sind, wenn
die „dicken Brocken“ kommen. Ein wildes Hin- und Hersprin-
gen würde Sie nur verwirren.
 Stellen Sie sich bei intensiven Tests auf zwei bis drei Stunden
ein; gelegentlich erstreckt sich die „Testmühle“ sogar über ei-
nen ganzen Tag. Planen Sie deshalb ausreichend Zeit ein.
 Im Regelfall werden Sie mit Papier-Bleistift-Tests konfrontiert.
In letzter Zeit werden aber zunehmend interaktive Computer-
Tests wegen des geringen Personaleinsatzes und der schnellen
Testauswertung, einschließlich Ausdruck der Ergebnisse als
Diagramm, durchgeführt. Aufgaben und Antwortmöglichkei-
ten erscheinen auf dem Monitor, auf dem Sie auch Ihre Ant-
wort mit der Maus markieren. Lassen Sie sich nicht durch den
PC-Einsatz schocken.
 Man darf schwindeln, wenn in Persönlichkeitstests nach Dingen
gefragt wird, die andere nichts angehen (z. B. Innen-, Liebes-
und Familienleben, Alpträume). Die Fragen und Aufgaben
müssen mit der im Grundgesetz garantierten Würde des Men-

142 www.WALHALLA.de
Grafologisches Gutachten

schen und seinen Persönlichkeitsrechten vereinbar sein. Daher


sind keine Fragen nach religiösen, politischen oder anderen
persönlichen Dingen erlaubt (siehe hierzu auch Kapitel 3).
 Krankenschwesterschülerinnen und Medizinstudenten fallen
häufig in Ohnmacht, wenn sie erstmals an einer Operation teil-
nehmen. Das gibt sich mit der Zeit. Durch Übung lassen sich
auch Testergebnisse in kurzer Zeit merklich verbessern. Es wird
ein Übungsgewinn erzielt. Ein Grund mehr, an Tests teilzuneh-
men beziehungsweise sich auf eine erfolgreiche Testteilnahme
vorzubereiten.

Grafologisches Gutachten
Grafologische Gutachten (Schriftanalysen) werden von Personal-
verantwortlichen unterschiedlich beurteilt. Während die Grafolo-
giegläubigen eine Schriftanalyse als letzten und bedeutungsvol-
len Mosaikstein für ihre Entscheidung werten, betrachten Skepti-
ker grafologische Gutachten als okkulte Instrumente, die eher mit
dem delphischen Orakel zu vergleichen sind als mit wissenschaft-
lich gesicherten Methoden.
Sie müssen in der Bewerbungssituation davon ausgehen, dass Sie
sich sogleich aus dem Bewerberkreis hinauskatapultieren, wenn Sie
die von Arbeitgeberseite erbetene Handschriftprobe verweigern.
Zur Abgabe einer Handschriftprobe wurden bereits in Kapitel 2
Empfehlungen gegeben.
Der Grafologe legt seine Beurteilung Ihrer Handschriftprobe in
einem Gutachten nieder. Beurteilt werden beispielsweise:
 Kontaktfähigkeit
 Durchsetzungsvermögen
 Belastbarkeit
 Integrationsfähigkeit
 Arbeitsmotivation
Wie alle Testverfahren stellt auch das grafologische Gutachten nur
eine Zusatzinformation dar, die das Bild des Bewerbers abrunden
soll.

www.WALHALLA.de 143
Weitere Auswahlverfahren

Stress-Interview
Zur Feststellung der psychischen Belastbarkeit bedienen sich man-
che Firmen hin und wieder des Stress-Interviews. In dieser wenig er-
freulichen Spielart des Vorstellungsgesprächs wird der Bewerber
bewusst Belastungssituationen ausgesetzt (man will ihm „auf den
Zahn fühlen“), beispielsweise mit unpopulären Fragen, provokati-
ven Äußerungen, ständigen Unterbrechungen, zynischen oder iro-
nischen Anmerkungen, bewusst verfälschten Zusammenfassungen
der Aussagen des Bewerbers, zusammenhanglosem Dazwischenre-
den oder unangemessener Kritik. Auch mit bewusst eingestreuten
und unangenehm wirkenden Schweigepausen sollen Bewerber aus
der Reserve gelockt werden. Selbst Kränkungen gehören zum Re-
pertoire, sodass diese Art der Bewerberauswahl mit erheblichen
Fragezeichen zu versehen ist.
Beispielsweise wird dem sich bewerbenden Außendienstmitarbei-
ter bei Gesprächsbeginn erklärt, die Stelle sei bereits besetzt. Ver-
abschiedet er sich, ist er aus dem Rennen. Beginnt er aber, sich trotz
dieser Einleitung gut zu präsentieren, wird er möglicherweise als
Sieger über die Ziellinie gehen. Für die Stelle eines Pressesprechers
oder eines Reklamationssachbearbeiters mag die frühzeitige Klä-
rung der Belastbarkeit wichtig sein, für den „normalen Sterblichen“
ist das Stress-Interview keine angemessene Auswahlmethode.
Falls Sie merken, dass Sie einem Stress-Interview unterzogen wer-
den, reagieren Sie nicht unwirsch. Sie bleiben im gesamten Ge-
sprächsverlauf verbindlich und freundlich. Sie wissen: Zum Schluss
wird abgerechnet! Beleidigungen und Beschimpfungen weisen Sie
aber unmissverständlich und selbstbewusst zurück. Auch werden
Sie überlegen, ob Sie bei einer Firma eine Stelle annehmen wollen,
die die Persönlichkeitssphäre des Bewerbers so gering achtet.

Beurteilungsseminar/Assessment-Center
Viele renommierte Großfirmen setzen bei der Einstellung qualifi-
zierter Mitarbeiter – insbesondere bei der Auslese von Führungs-
und Führungsnachwuchskräften – Assessment-Center ein, die ge-
legentlich in der Einladung auch mit den Bezeichnungen Potenzi-
alanalyse oder Karriereworkshop umschrieben werden. Mittler-

144 www.WALHALLA.de
Beurteilungsseminar/Assessment-Center

weile greifen auch vermehrt kleine und mittelständische Betriebe


auf dieses Instrument der Personalauswahl zurück.
Während bei den meisten Auswahlverfahren die Leistungen der
Vergangenheit und der momentane Kenntnisstand sowie das Indi-
vidualverhalten ermittelt werden, soll das Assessment-Center zu-
sätzlich künftige Entwicklungstendenzen in die Beurteilung eines
Bewerbers einbeziehen und die persönliche Handlungskompetenz
von Bewerbern transparent machen.
Unter Handlungskompetenz sind die folgenden beobachtbaren
Ausprägungen einzuordnen:
 Fachkompetenz als Grundlage beruflicher Betätigung
 Soziale und kommunikative Gewandtheit
 Team- und Kontaktfähigkeit, soziale Sensibilität, Beobach-
tungsgabe, Konfliktbereitschaft, Kollegialität, Informations-
verhalten, kritische Selbsteinschätzung
 Intellektuelles Potenzial
 Analyse-, Urteils- und Kritikfähigkeit, Problemlösungsorientie-
rung, Kreativität und Neugier, Beweglichkeit und Fähigkeit zu
vernetztem Denken
 Methodische Kompetenz
Strukturierungsfähigkeit, Verkaufs- und Überzeugungskraft,
unternehmerisches Denken, Verhandlungsgeschick, Steuerungs-
und Entschlusskraft, Engagement und Selbstständigkeit
Die Grundform des Assessment-Centers sieht vor, dass sechs bis
zwölf Bewerber in einem geschlossenen Seminar verschiedene Ein-
zel- und Gruppenübungen durchführen. Hierbei werden sie von
mehreren qualifizierten und speziell geschulten Führungskräften,
Mitarbeitern der Personalabteilungen oder externen Personalbe-
ratern beobachtet und analysiert. Jeder Beobachter hat im Wech-
sel ein bis zwei Teilnehmer je Übung zu beurteilen. Die Beurtei-
lungskriterien beziehen sich sowohl auf das Anforderungsprofil
der zu besetzenden Stelle als auch auf die einzelnen Übungen. In
den besonders praxisnahen Übungen werden schwerpunktmäßig
die als typisch für den Arbeitsplatz anzusehenden Arbeitssituatio-
nen simuliert. Hierdurch lassen sich bei den Teilnehmern die an-

www.WALHALLA.de 145
Weitere Auswahlverfahren

forderungsspezifischen Persönlichkeitsmerkmale, Fertigkeiten und


Kenntnisse erkennen.
In einem Assessment-Center können mehrere Beurteilungsmetho-
den – abhängig von der Betriebs- und Personalstruktur – einge-
setzt werden:

Selbstpräsentation
Zumeist startet das Assessment-Center damit, dass sich die Bewer-
ber den Beobachtern und übrigen Teilnehmern vorstellen. Wird
diese Selbstpräsentation auf die ausgeschriebene Position zuge-
schnitten und in überzeugender Weise vorgetragen, lassen sich
bereits zu Beginn die ersten Pluspunkte sammeln. Durch einen ge-
konnten Auftritt steigt zudem die Selbstsicherheit. Lesen Sie bitte
noch einmal die Informationen in Kapitel 3.

Einzelinterview
In einem bis zu zwei Stunden umfassenden Einzelinterview soll der
Bewerber Stellung zu Fragen nehmen, die sich auf seine persönli-
che, familiäre und gesellschaftliche Situation beziehen. Darüber
hinaus sollen Motivation und Selbsteinschätzung des Bewerbers er-
mittelt und Informationen über frühere Ausbildungs- und Arbeits-
verhältnisse eingeholt werden. Die Interviews laufen bei jedem Be-
werber in strukturierter Form unter gleichen Bedingungen ab.

Vortrag und Präsentation


In Vorträgen zu vorgegebenen Themen dokumentieren die Be-
werber ihre rhetorischen Fähigkeiten. Hier können sie beweisen,
dass sie ihre Gedanken kurz, präzise und wirkungsvoll darzustellen
verstehen. Auch fachbezogene Themen sollten für einen Laien
verständlich vermittelt werden, es sei denn, Sie haben es aus-
schließlich mit ausgewiesenen Experten zu tun. Hierdurch doku-
mentieren Sie, dass Sie auch im Berufsalltag spezielle Sachverhalte
einbringen und auch für solche Zuhörer verständlich darstellen
können, die nicht die Materie gleich gut wie Sie beherrschen. Soll
von den Teilnehmern eine Problemlösung bearbeitet werden, ist
anschließend das Ergebnis überzeugend zu präsentieren.

146 www.WALHALLA.de
Beurteilungsseminar/Assessment-Center

Eignungstest
Beachten Sie hierzu den Kapitelanfang.

Rollenspiele
Die Bewerber werden in Rollenspielen mit bedeutsamen und für die
Tätigkeit wichtigen Problem- und Aufgabenstellungen konfron-
tiert (z. B. Kritik an einem Mitarbeiter üben, der zu spät zur Arbeit
kommt oder einen versprochenen Rückruf bei einem Kunden ver-
gessen hat, einen reklamierenden Kunden beruhigen, einem Mitar-
beiter eine gewünschte Gehaltserhöhung abschlagen). Mit diesen
Rollenspielen wird stichprobenartig das erfolgsrelevante berufliche
Verhalten überprüft. Auch können eher normale Arbeitssituatio-
nen simuliert werden, indem beispielsweise ein Ausbilder einen
Probeunterricht halten muss oder ein EDV-Fachmann mit einem ihm
unbekannten Anwendungsprogramm konfrontiert wird.

Freie Gruppendiskussion
Beachten Sie hierzu den Kapitelanfang.

Computer-Simulation
Gelegentlich werden Computer-Simulationen eingesetzt, die durch
vielschichtige Aufgabenstellungen das Analyseverhalten des Be-
werbers offenlegen und sein Denken in vernetzten Strukturen so-
wie sein strategisches Vorgehen erkennbar machen sollen. Hierbei
wird auch offensichtlich, wer in der Lage ist, sich benötigte Infor-
mationen schnell zu verschaffen, diese auszuwerten und schließlich
in einer anschaulichen und ansprechenden Form zu präsentieren.

Postkorbübung
Der Bewerber hat einen Postkorb mit verschiedenen Aufgaben zu
bearbeiten. Hierbei gilt es, arbeitsplatztypische und private, eilige
und zeitlich weiter weg liegende, wichtige und weniger wichtige
oder auch bekannte und ungewohnte Probleme zu bewältigen,
Prioritäten zu setzen, Aufgaben zu delegieren, Entscheidungen zu
treffen usw. Dass es hierbei zu Zielkonflikten zwischen den einzel-
nen Problemstellungen kommen kann, ist durchaus üblich und

www.WALHALLA.de 147
Weitere Auswahlverfahren

auch beabsichtigt. So wartet beispielsweise ganz oben im Korb der


Urlaubsantrag eines wichtigen Mitarbeiters auf Bearbeitung,
während als letzte Aufgabe die Erledigung eines sehr eiligen Kun-
denauftrags vorgesehen ist, welcher aber nur von dem „urlaubs-
reifen“ Mitarbeiter zufrieden stellend ausgeführt werden kann.
Häufig findet diese Übung unter Zeitdruck statt, sodass auch er-
kennbar wird, ob der Kandidat in Stresssituationen den Anforde-
rungen genügen wird. Bei dieser Übung hat der Bewerber einen
bedeutsamen Vorteil, der möglichst schnell zwischen Wichtigem
und Unwesentlichem zu unterscheiden versteht und alle Arbeiten
delegiert, die auch von den Mitarbeitern erledigt werden können.

Strategie bei der Postkorbübung


 Stellen Sie eine Terminübersicht (z. B. Zeitstrahl) an den Beginn.
 Lesen Sie sämtliche Informationen.
 Ordnen Sie die Informationen:
– Informationen, die eine unverzügliche Entscheidung erfordern.
– Informationen, für die zusätzliche Hinweise benötigt werden.
 Welche Aufgaben sind miteinander verflochten und bedingen sich
gegenseitig?
 Was muss selbst erledigt, was sollte delegiert werden?
 Zeigen Sie vor allem Initiative und auch Einfühlungsvermögen.

Die Beobachter verfolgen die einzelnen Übungen anhand standar-


disierter Beobachtungsbögen. Nach Abschluss der Übungen tritt
die Beobachtergruppe zusammen, berät, trifft eine Abschlussbeur-
teilung für jeden Teilnehmer und bildet eine Rangfolge für eine
Personalentscheidung. Zu einem guten Assessment-Center gehört
eine Abschlussbeurteilung, die die Stärken und Schwächen eines je-
den Teilnehmers ausweist. In einer fairen Feedback-Phase werden
die beobachteten Verhaltensweisen und gezeigten Leistungen in
den einzelnen Übungen mit jedem Teilnehmer unter vier Augen
besprochen. Der Bewerber kann sich nach den selbstgewonnenen
Erfahrungen und der erhaltenen Rückmeldung eher einschätzen
und lernt, seine eigenen Fähigkeiten besser zu erkennen. Falls ein
Arbeitsvertrag mit einem Bewerber abgeschlossen werden soll,

148 www.WALHALLA.de
Biografischer Fragebogen

folgt eine konkrete Erörterung der in Zukunft zu planenden per-


sönlichkeits- und fachbezogenen Entwicklungsmaßnahmen.
Es steht außer Frage, dass ein einwandfrei organisiertes Assess-
ment-Center einen erheblichen Personal-, Zeit- und Kostenauf-
wand verursacht. Allerdings ist dieser Aufwand im Vergleich zu
den Kosten eines personellen Fehlgriffs eher gering.
Bei Ihrer Vorbereitung auf ein Assessment-Center sollten Sie ei-
nige Empfehlungen beherzigen:

Erfolgreich beim Assessment-Center


 Eine gute Kondition betrachten Sie als ein unverzichtbares „Muss“.
Der gestraffte Veranstaltungsverlauf und die unterschiedlichen
Übungssituationen verlangen ein Höchstmaß an Konzentration,
Ausdauer, Frustrationstoleranz und Einsatzbereitschaft.
 Selbst wenn Ihr Adrenalin-Spiegel zu Beginn des Assessment-Cen-
ters besorgniserregend steigt, bemühen Sie sich, „cool“ zu bleiben.
(Tiefatmung beruhigt den gesamten Organismus, sprechen Sie
auch bewusst ruhig und langsam, denken Sie positiv.) Wenn Sie sich
nicht nervös machen lassen, haben Sie eine gute Ausgangsposition.
 Stellen Sie schnell einen unkomplizierten Kontakt zu den Mitbe-
werbern her. Damit entkrampft sich das angespannte Klima, Sie
empfinden die Prüfungsatmosphäre um vieles angenehmer und
können so Ihr Knowhow besser zur Geltung bringen.

Biografischer Fragebogen
Im biografischen Fragebogen sind bis zu 200 Fragen enthalten. Zu
jeder Frage sind verschiedene Antworten vorgegeben, von denen
die jeweils zutreffende anzukreuzen ist. Mit den Fragen werden
Angaben zum schulischen und beruflichen Werdegang sowie zu In-
teressen, Neigungen, Einstellungen und Aktivitäten ermittelt. Das
nach der Auswertung hieraus gewonnene Bewerberprofil wird
mit dem Profil besonders erfolgreicher beziehungsweise weniger
erfolgreicher Mitarbeiter auf entsprechenden Arbeitsplätzen ver-
glichen.

www.WALHALLA.de 149
Weitere Auswahlverfahren

Feststellung des körperlichen Leistungsvermögens


In manchen Fällen geht der Arbeits- oder Ausbildungsplatzzusage
eine Überprüfung des Gesundheitszustands beziehungsweise des
körperlichen Leistungsvermögens voraus. Denken Sie an das Nah-
rungsmittelgewerbe, in dem eine ärztliche Untersuchung aus
lebensmittelrechtlicher Sicht unumgänglich ist. Auch in Berufsbe-
reichen mit erheblichen physischen oder psychischen Belastungen
(z. B. Flugsicherung, Luftfahrzeugführer, Polizei, Feuerwehr, Bun-
deswehr) ist eine Einstellung ohne „Gesundheits-Check“ nicht
denkbar. „Vater Staat“ überprüft für den Beamtennachwuchs die
körperliche Tauglichkeit, genau wie Unternehmen die künftigen
Mitarbeiter ärztlich durchleuchten lassen, die während eines vor-
gesehenen Auslandseinsatzes gesundheitsschädigenden klimati-
schen Einflüssen ausgesetzt sein werden.
Nach aktueller Rechtsprechung erstreckt sich das Informations-
recht des Arbeitgebers nach dem Gesundheitszustand des Bewer-
bers auf folgende Punkte:
 Wird durch eine Krankheit oder gesundheitliche Beeinträchti-
gung die Eignung für den zu besetzenden Arbeitsplatz auf
Dauer eingeschränkt?
 Ist gegenwärtig oder in absehbarer Zeit mit einer Arbeitsun-
fähigkeit zu rechnen (z. B. bevorstehende Operation, akute
Krankheit, bewilligte Kur)?
 Leidet der Bewerber an einer ansteckenden Krankheit, durch
die Kontaktpersonen am künftigen Arbeitsplatz gefährdet
wären?
Sie sollten keine Bedenken gegen Einstellungsuntersuchungen ha-
ben, liegen diese doch auch in Ihrem eigenen Interesse.
Nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz muss sich jeder Jugendliche
von einem Arzt seiner Wahl untersuchen lassen. Diese Erstuntersu-
chung muss innerhalb von 15 Monaten vor Beginn der Ausbildung
erfolgen. Der Arbeitgeber darf den Jugendlichen erst dann beschäf-
tigen, wenn ihm die ärztliche Bescheinigung über diese Untersu-
chung vorliegt. Der Zweck dieser Vorschrift: Der Jugendliche soll
nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, denen er körperlich nicht ge-
wachsen ist und durch deren Ausübung seine Gesundheit gefährdet
würde. Das jeweilige Bundesland trägt die Kosten der Untersuchung.

150 www.WALHALLA.de
Bewerbung um einen
betrieblichen
Ausbildungsplatz
5
Wichtiger denn je:
Eine qualifizierte Ausbildung . . . . . . . 152

Der ideale Bewerber . . . . . . . . . . . . . . 153

Besonderheiten
im Bewerbungsverfahren
bei betrieblichen Ausbildungen . . . . . . 153

Trainee-Ausbildung . . . . . . . . . . . . . . . 157

Bewerbung um eine
Praktikantenstelle . . . . . . . . . . . . . . . . 158
Bewerbung um einen betrieblichen Ausbildungsplatz

Wichtiger denn je: Eine qualifizierte Ausbildung


Künftig werden durch weitere Automatisierung und Rationalisie-
rung viele minderqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen, sodass un-
gelernte und angelernte Arbeitskräfte immer weniger geeignete
Arbeitsplätze vorfinden. Bildungswissenschaftler und –politiker
sind sich daher in einer simplen Aussage einig: Eine qualifizierte
Ausbildung ist mehr denn je die wichtigste Voraussetzung für die
Bewältigung der Zukunft eines jeden Bürgers.

Ihre Bestandsaufnahme Entwicklungen und


Tendenzen auf dem
NG INFO Arbeitsmarkt
ÄTZU RM
SCH AT
IN IO
TE N
BS
L
SE

Interessen, gesellschaftliche,
wirtschaftliche und

persönliche Stärken:
sprachliche Bevölkerungs-
rechnerische BERUF struktur
gestalterische

Wünsche und technologische


Erwartungen Entwicklung

GE
SP NG
RÄ TU
CHE BERA
z. B. Familie, z. B. Berufsverbände,
Freunde, Kameraden, Bekannte Agentur für Arbeit, Kammern

152 www.WALHALLA.de
Besonderheiten im Bewerbungsverfahren bei betrieblichen Ausbildungen

Der ideale Bewerber


Für den Bewerber ist vermutlich die Frage interessant, über welche
Eigenschaften der ideale Auszubildende nach Auffassung der Be-
triebe verfügen sollte. Hierzu gibt eine Umfrage des Instituts der
deutschen Wirtschaft Auskunft (Mehrfachnennungen waren zu-
gelassen):

Geforderte Eigenschaften (betriebliche Ausbildung)


Zuverlässigkeit 94 Prozent
Leistungsbereitschaft 92 Prozent
Ehrlichkeit 91 Prozent
Fleiß 87 Prozent
Initiative/Pflichtbewusstsein 82 Prozent
Zielstrebigkeit 75 Prozent
Pünktlichkeit 67 Prozent
Ordnungssinn, Disziplin 59 Prozent
Selbstsicherheit 44 Prozent
Ausgeglichenheit 34 Prozent

Besonderheiten im Bewerbungsverfahren
bei betrieblichen Ausbildungen
Im Prinzip ist Ihre Vorgehensweise bis auf die folgenden Gesichts-
punkte mit der Bewerbung um einen Arbeitsplatz vergleichbar:
 Es empfiehlt sich, die Bewerbung mindestens ein Jahr vor dem
angestrebten Ausbildungsbeginn abzusenden. Während es bei
der Suche nach einem Arbeitsplatz wenig empfehlenswert ist,
auf einen Schlag diverse Bewerbungen auf den Weg zu brin-
gen (siehe Kapitel 2), ist diese Vorgehensweise bei Bewerbun-
gen um einen betrieblichen Ausbildungsplatz dringend anzura-
ten. Haben Sie sich zunächst nur für wenige Stellen im Wunsch-
beruf beziehungsweise in alternativen Berufen beworben und
bleiben diese Bemühungen ohne Erfolg, würden Sie bei den ab-
zusendenden weiteren Bewerbungen regelmäßig das Nachse-
hen haben. Der Grund: Die Betriebe haben bereits ihre Ent-

www.WALHALLA.de 153
Bewerbung um einen betrieblichen Ausbildungsplatz

scheidungen für den nächsten Einstellungstermin getroffen


und Sie gehen leer aus.
 In Ihrem Bewerbungsschreiben sollten Sie Stellung nehmen,
aus welchem Grunde Sie gerade diesen Beruf gewählt haben.
Ihre Bewerbung wirkt überzeugend, wenn Sie Ihre Entschei-
dung für den gewünschten Beruf gut begründen können. So
verweisen Sie beispielsweise auf die lange Familientradition
des elterlichen Handwerksbetriebs oder auf positive Erfahrun-
gen während eines Praktikums. Sie wollen dem Betrieb keinen
Anlass zum Klagen geben, dass Ihre Bewerbung nichtssagend
ist, aus ihr nicht eindeutig hervorgeht, was Sie eigentlich wol-
len und wo Ihre Schwerpunkte liegen.
 Der Lebenslauf eines Schulabgängers besitzt nicht die zentrale
Bedeutung, die dem Lebenslauf eines Lebensälteren mit einer
längeren Berufsphase zukommt. Da Schulabgänger im Regelfall
keine Berufspraxis nachweisen können, beschränkt sich Ihr Le-
benslauf zwangsläufig auf die persönlichen Daten und Hin-
weise zur Schulausbildung. Wir empfehlen für Ihren Lebenslauf
den folgenden formalen Aufbau, den Sie variabel auf Ihre Si-
tuation zuschneiden sollten:

Aufbau Lebenslauf

1. Überschrift „Lebenslauf“
2. Name und Vorname
3. Anschrift mit Telefonanschluss und E-Mail-Adresse
4. Geburtsdatum, Geburtsort
5. Angaben zu Eltern und Geschwistern
6. Schulbildung sowie Zeitpunkt der Schulentlassung
7. Lieblingsfächer in der Schule
8. Hobbys
9. Besondere Fertigkeiten, Kenntnisse, Aktivitäten
10. Berufswunsch
11. Ort, Datum
12. Eigenhändige Unterschrift (Vor- und Zuname)

154 www.WALHALLA.de
Besonderheiten im Bewerbungsverfahren bei betrieblichen Ausbildungen

Nach absolvierter Berufsausbildung werden in künftigen Lebens-


läufen Angaben zu Eltern und Geschwistern grundsätzlich wegge-
lassen. Bei Schulabgängern legt der Ausbildungsbetrieb jedoch
auf diese Informationen Wert. Aus Ihren Angaben schließt man
gern darauf, ob Ihr persönlicher Hintergrund „stimmt“.
Zu Punkt 7 geben Sie auch besondere Leistungen in der Schule an,
etwa Jahresarbeiten, Wahlfächer, Arbeitsgemeinschaften, die nicht
in Zeugnissen vermerkt sind.
Unter Punkt 9 ordnen Sie beispielsweise ein:
– Erworbene Führerscheine
– Sprachkenntnisse, die über den in Zeugnissen nachgewiesenen
Stand hinausgehen
– Auslandsaufenthalte, die der Bildung dienten
– Soziales Engagement, etwa Mitarbeit in Behindertenheimen,
Deutsches Rotes Kreuz
– Aktive Mitgliedschaft in der Jugend-Feuerwehr
– Übernahme von Vereinsfunktionen
– Freiwillig belegte Kurse in der Freizeit
– Ferienarbeit
– Berufspraktika
– Erfolgreiche Teilnahme an Jugendwettbewerben
Bitte prüfen Sie vor einer blinden Übernahme dieser Hinweise, ob
der jeweilige Punkt in Ihrem Falle auch positiv werben wird.
 Der Ausbildungsbetrieb erwartet von Ihnen regelmäßig, dass
Sie die Kopien der letzten beiden Schulzeugnisse als konstante
Bewerbungsbestandteile beifügen.
 Häufig wird von einem Bewerber erwartet, dass er über das poli-
tische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zeitgeschehen un-
terrichtet ist. Um einen aktuellen Informationsstand vorweisen
zu können, sollten Sie täglich einige Minuten für die regel-
mäßige Lektüre der Tageszeitung und das Hören beziehungs-
weise Sehen der Nachrichten in Funk und Fernsehen vorsehen.
 Um im Vorstellungsgespräch eine gute Motivation für den an-
gestrebten Beruf zu dokumentieren, sollten Sie sich intensiv

www.WALHALLA.de 155
Bewerbung um einen betrieblichen Ausbildungsplatz

mit dem Ausbildungsberufsbild und dem Ausbildungsrahmen-


plan beschäftigen. Hierzu bedienen Sie sich der Informationen
aus den beim Berufsinformationszentrum erhältlichen oder
einzusehenden Blättern zur Berufskunde. Dann wird es Ihnen
eher gelingen, folgende Fragen gut zu beantworten:
– Wissen Sie, seit wann es diesen Beruf gibt?
– Welche Tätigkeitsbereiche enthält dieser Beruf?
– Weshalb glauben Sie, gerade für diesen Beruf geeignet
zu sein?
– Wie stellen Sie sich Ihre längerfristigen Perspektiven in
diesem Beruf vor?
 Bauen Sie Ängste vor dem Vorstellungsgespräch ab (siehe Ka-
pitel 3). Speziell bei Schulabgängern erwartet kein Personalre-
ferent die Sicherheit eines alten Hasen im Umgang mit frem-
den Menschen in nicht alltäglichen Situationen. Sie akzeptie-
ren problemlos die anfängliche Nervosität des Bewerbers, so-
lange diese nicht das gesamte Gespräch chaotisch werden lässt.
Um die Ausbildungsreife der Bewerber zu ermitteln, führen viele
Ausbildungsbetriebe Auswahlverfahren durch. Inhaltliche Schwer-
punkte schriftlicher Auswahlverfahren sind häufig Rechnen/Ma-
thematik, Deutsch und Allgemeinwissen. Die Betriebe erwarten
vom Bewerber, dass er die Grundrechenarten beherrscht. Auch
sind häufig Aufgaben aus der Bruch-, Prozent- und Dezimalrech-
nung, Dreisatzaufgaben sowie Flächen- und Körperberechnungen
zu bewältigen. Für Ausbildungsplätze in technischen und natur-
wissenschaftlichen Berufen werden auch Grundkenntnisse in Al-
gebra verlangt. Allgemein beliebt sind Textaufgaben, mit denen
gleichzeitig logisches Denkvermögen und Rechenkenntnisse über-
prüft werden. Gute Rechtschreibkenntnisse werden getestet, in-
dem die Bewerber Textlücken füllen, Wörter korrigieren oder
Druckfehler erkennen müssen. Soll ein Eindruck über die Aus-
drucksfähigkeit gewonnen werden, wird der Bewerber zumeist
mit einem Aufsatzthema konfrontiert. Für die Überprüfung des
Allgemeinwissens werden vor allem Fragen aus den Gebieten Erd-
kunde, Geschichte, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde herange-
zogen.

156 www.WALHALLA.de
Trainee-Ausbildung

Manche Betriebe geben sich nicht mit der Überprüfung der vorge-
nannten Kenntnisse zufrieden. Während bei der Beurteilung des
Leistungsvermögens für gewerblich-technische Berufe zusätzlich
Aufgaben zur Überprüfung des mechanisch-technischen Ver-
ständnisses anzutreffen sind, stehen bei Büro- und Verwaltungs-
berufen Fragen zur Allgemeinbildung im Mittelpunkt. Um auch
Informationen über die praktische Veranlagung des Bewerbers zu
erhalten, werden schriftliche Auswahlprüfungen gelegentlich
durch Arbeitsproben (z.B. Drahtbiegearbeiten, Modellieren eines
Zahnes) ergänzt. Rechnen Sie auch damit, dass Sie an einer Grup-
pendiskussion (siehe Kapitel 4) teilnehmen sollen oder dass man
Sie durch die „Testmühle“ drehen will. Manche Firmen sind inzwi-
schen so testgläubig geworden, dass sie sogar lieber niemanden
einstellen als jemanden mit einem schwachen Testergebnis.

Trainee-Ausbildung
Bei vielen frischgebackenen akademischen Berufsanfängern steht
eine besondere Form der betrieblichen Ausbildung hoch im Kurs:
die Trainee-Ausbildung. Diese zwölf bis 30 Monate umfassende
Ausbildungszeit soll den akademischen Bewerber beruflich quali-
fizieren, ihn in das soziale Umfeld des Betriebes integrieren und
über die Organisationsform des Unternehmens orientieren.
Eine traditionelle Trainee-Ausbildung enthält eine bis ins Detail
festgelegte Abfolge der Ausbildungsstationen, in verschiedenen
Ressorts. Es gibt aber auch das so genannte Training-on-the-job,
die Einarbeitung in einen speziellen Bereich. Ein angehender
Nachwuchsmanager sollte während dieser Ausbildungsphase in
jedem Fall mindestens zwei Ressorts in einem Unternehmen ken-
nen lernen. „Stippvisiten“ im ganzen Haus und gegebenenfalls
auch in einer Filiale sollten auf dem Plan stehen, der auch pro-
grammbegleitende flankierende firmeninterne und -externe
Schulungen und Seminare ausweisen sollte.
Nach einer vom Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichten
Untersuchung stehen besonders persönlichkeitsbezogene Eigen-
schaften (Mehrfachnennungen waren zugelassen) bei der Beset-
zung der heiß begehrten Trainee-Plätze im Vordergrund:

www.WALHALLA.de 157
Bewerbung um einen betrieblichen Ausbildungsplatz

Geforderte Eigenschaften (Trainee-Programm)


 Kontaktfähigkeit 51 Prozent
 Initiative 50 Prozent
 Note des Studienabschlusses 48 Prozent
 Mobilität/Flexibilität 46 Prozent
 Problemorientiertes Denken 44 Prozent
 Fachrichtung 44 Prozent
 Dynamik/Leistung 43 Prozent
 Fremdsprachen 32 Prozent
 Teamfähigkeit 32 Prozent
 Praktika/Berufserfahrung 26 Prozent

Bewerbung um eine Praktikantenstelle


Für viele Studiengänge sind mehrmonatige berufsorientierte
Praktika vorgeschrieben, die in der Regel ganz oder teilweise vor
Studienbeginn zu absolvieren sind. Es empfiehlt sich, einen mög-
lichst großen Teil des Praktikums vor Studienbeginn abzuleisten,
da in den Semesterferien beziehungsweise in den vorlesungs-
freien Zeiten oft die notwendige Zeit fehlt.
Vorpraktika fordern die Hochschulen vorrangig in den Ingenieur-
wissenschaften, zum Teil auch für wirtschaftswissenschaftliche
Fächer. Da hierzu von Hochschule zu Hochschule unterschiedliche
Regelungen bestehen können, nehmen Sie frühzeitig Kontakt mit
dem Praktikantenamt der jeweiligen Hochschule auf. Erst danach
beginnen Sie Ihre Suche nach einer passenden Praktikantenstelle.
Hierbei sind die Praktikantenämter, Praktikantenbörse der Bundes-
agentur für Arbeit, Berufsverbände, Industrie- und Handelskam-
mern, Online-Praktikumsbörsen (z. B. www.praktikum-online.de,
www.karriere.de, www.praktikum.de) usw. behilflich.
Manche Akademiker bewerben sich nach Abschluss des Studiums
als Praktikanten. Während des Praktikums lernt der Arbeitgeber
den Bewerber kennen und dieser auch das Unternehmen. Hat sich
der Praktikant während dieser Vorabmusterung bewährt, besteht
gute Hoffnung, in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden.

158 www.WALHALLA.de
Das Arbeitsverhältnis
6
Der Arbeitsvertrag . . . . . . . . . . . . . . . . 160

Befristete Arbeitsverträge . . . . . . . . . . 162

Arbeitsverträge mit
Zeitarbeitsfirmen . . . . . . . . . . . . . . . . 163
Das Arbeitsverhältnis

Der Arbeitsvertrag
Waren Sie mit Ihrer Bewerbung erfolgreich und erhielten Sie eine
Zusage, wird der Betrieb mit Ihnen einen Arbeitsvertrag abschlie-
ßen und damit ein Arbeitsverhältnis begründen. Während Sie
sich zur Arbeitsleistung und Treue gegenüber Ihrem Arbeitge-
ber verpflichten, übernimmt dieser für Sie die Fürsorge und Ge-
haltszahlung. Bei einer Einstellung als Beamter kommt es nicht
zu einem Arbeitsverhältnis, sondern zu einem öffentlich-recht-
lichen Dienst- und Treueverhältnis. Demzufolge wird kein Ar-
beitsvertrag geschlossen, dafür aber mit der Aushändigung einer
Ernennungsurkunde das Dienstverhältnis bei „Vater Staat“ be-
gonnen.

Wichtig: Nur Berufsausbildungsverträge (sog. Lehrverträge) sind


an gesetzlich vorgeschriebene Formen gebunden. Für Arbeitsver-
träge besteht Formfreiheit. Das bedeutet, es ist den Vertragspart-
nern überlassen, ob sie schriftlich oder mündlich festlegen, wie das
Arbeitsverhältnis ausgestaltet sein soll.
Sie werden den Abschluss eines schriftlichen Arbeitsvertrags (er
soll Grundlage für ein langfristiges „Vertragen“ sein) anstreben,
um im Zweifelsfall die vereinbarten gegenseitigen Rechte und
Pflichten klarstellen zu können. Auch Nebenabreden und Ergän-
zungen sollten von den Vertragspartnern besser durch eigenhän-
dige Unterschriften „abgesegnet“ werden. Beim Fehlen eines
schriftlichen Arbeitsvertrags besteht die Gefahr, dass eventuell
entstehende Streitigkeiten einen überdimensionalen Umfang ein-
nehmen. Plötzlich stellt sich heraus, dass Vereinbarungen falsch
verstanden, vergessen, unterschiedlich interpretiert oder mit Ge-
sprächspartnern getroffen wurden, die jetzt dem Unternehmen
nicht mehr angehören. Mit einer mündlichen Übereinkunft über-
nehmen beide Seiten zusätzliche Beweisrisiken, die durch eine
schriftliche Fixierung jedenfalls der wesentlichen Gesichtspunkte
vermieden werden. Dennoch werden beispielsweise bei Arbeits-
verhältnissen in kleineren Handwerksbetrieben nur selten die
wechselseitigen Rechte und Pflichten schriftlich fixiert.

160 www.WALHALLA.de
Der Arbeitsvertrag

Praxis-Tipp:
Der Wunsch nach klaren und unzweideutigen Vertragsformu-
lierungen ist weder ehrenrührig noch unnötig, sondern hat
seine Berechtigung. Nach dem Gesetz über den Nachweis der
für ein Arbeitsverhältnis geltenden wesentlichen Bedingun-
gen (Nachweisgesetz) kann jeder Arbeitnehmer einen schrift-
lichen Arbeitsvertrag verlangen. Der Arbeitgeber muss diesem
Wunsch innerhalb einer Frist von zwei Monaten nachkommen.

Insgesamt nennt das Nachweisgesetz zehn Punkte, die unbedingt


im Arbeitsvertrag aufgeführt werden müssen. Zu den vom Gesetz-
geber geforderten Angaben zählen auch die Beschreibung der
vom Arbeitgeber geforderten Aufgaben, die Zusammensetzung
und Höhe des Gehalts, die Arbeitszeit, die Urlaubsdauer, Kündi-
gungsfristen und sogar ein Hinweis auf den Tarifvertrag oder die
für das Arbeitsverhältnis geltende gesetzliche Regelung. Das
Nachweisgesetz gilt auch für bereits bestehende Arbeitsverhält-
nisse. Von Fall zu Fall ist die Aufnahme weiterer Vertragselemente
zu empfehlen (z. B. Regelungen bei Arbeitsverhinderung, Arbeit-
nehmererfindungen, Wettbewerbsverbote und Nebenleistungen
wie Trennungsentschädigung, Umzugskostenerstattung, Reisekos-
tenvergütung, Spesen, Auslösung, Versicherungen, betriebliche
Altersversorgung).

Kündigung vor Arbeitsantritt?


Haben Sie einen Arbeitsvertrag abgeschlossen, werden Sie die da-
raus resultierenden Verpflichtungen auch erfüllen. Vermutlich wer-
den Sie aber in eine Konfliktsituation geraten, wenn Sie nach einer
vertraglichen Bindung noch vor Arbeitsaufnahme von einem an-
deren Arbeitgeber ein wesentlich attraktiveres Angebot erhalten.
Obwohl Sie vertraglich gebunden sind, möchten Sie gern den
„Traumjob“ annehmen.
Hier gibt es nur eine Empfehlung: Bevor Sie sich mit einer Kündi-
gung vor Arbeitsantritt möglicherweise schadenersatzpflichtig
machen, bitten Sie Ihren Vertragspartner um ein Gespräch. Darin
werden Sie offen und ehrlich Ihre vertrackte Situation darstellen

www.WALHALLA.de 161
Das Arbeitsverhältnis

und den Personalreferenten bitten, Sie aus dem vertraglich ver-


einbarten Arbeitsverhältnis zu entlassen. Im Normalfall wird man
Ihrem Wunsch entsprechen. Ein Festhalten an der getroffenen
Vereinbarung würde nämlich bedeuten, die Stelle mit einem
neuen Mitarbeiter zu besetzen, dessen Motivation von Beginn an
im unteren Bereich angesiedelt wäre.

Befristete Arbeitsverträge
Im Regelfall strebt ein Bewerber ein Dauerarbeitsverhältnis an
und steht einem befristet abzuschließenden Arbeitsvertrag reser-
viert gegenüber. Dieser Arbeitsvertrag endet automatisch zu dem
festgelegten Endtermin, ohne dass noch eine Kündigung erfor-
derlich wird. Selten wird ein befristeter Arbeitsvertrag auf Wunsch
des Arbeitnehmers vereinbart, sehr viel eher liegt das Interesse an
einer Befristung auf Arbeitgeberseite. Häufig sollen vorüberge-
hend freie Arbeitsplätze (z. B. längere Krankheit eines Mitarbei-
ters, Einberufung zum Grundwehrdienst, zeitlich begrenzter Aus-
landsaufenthalt, Schwangerschaftsvertretung) besetzt werden.
Auch nutzen Betriebe befristete Arbeitsverträge gezielt, um neue
Mitarbeiter über längere Zeit genau zu beobachten, weil eine ver-
tragliche Probezeit hierfür oft nicht ausreicht.
Da das Interesse an befristeten Arbeitsverträgen nicht übermäßig
groß ist, fällt die Bewerberzahl im Verhältnis zu angebotenen
Dauerarbeitsplätzen niedriger aus. Demzufolge erhöhen sich die
Chancen, mit einer überzeugenden Bewerbung Erfolg zu haben.
Vor allem Arbeitslosen, Berufswechslern, Berufsanfängern und
Wiedereinsteigern ist hier eine Bewerbung zu empfehlen, um auf
diese Weise wieder – vorerst vorübergehend – in das Berufsleben
integriert zu werden.

Wichtig: Aus einem laufenden Arbeitsverhältnis heraus sind die


Chancen eines Arbeitsplatzwechsels größer als aus einer beschäfti-
gungslosen Phase.
Bedenken Sie auch, dass niemand künftige Entwicklungen vorher-
sehen kann. Häufig wurde ein befristeter Arbeitsvertrag in einen
Dauerarbeitsvertrag umgewandelt, weil der „Neue“ bestens ein-

162 www.WALHALLA.de
Arbeitsverträge mit Zeitarbeitsfirmen

schlug und sich der Betrieb von ihm nicht wieder trennen wollte,
oder der Grund für die zeitlich begrenzte Besetzung entfiel (bei-
spielsweise führte eine Krankheit zu vorzeitigem Rentenbezug,
der Wehrpflichtige blieb als Soldat auf Zeit bei der Bundeswehr,
der im Ausland tätige Mitarbeiter kündigte wegen neuer berufli-
cher Perspektiven, die glückliche Mutter will sich ohne berufliche
Zwänge nur noch der Familie widmen).
Nach einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsfor-
schung liegt die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres von
einer befristeten auf eine unbefristete Stelle zu wechseln, bei
38 Prozent.
Es wäre allerdings nicht klug, bereits im Bewerbungsschreiben
oder während des Vorstellungsgesprächs den Wunsch auf eine
Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses über die vorgesehene Zeit
hinaus zu äußern. Mit diesem Begehren sollten Sie den Arbeit-
geber frühestens nach erfolgreich absolvierter Probezeit an-
sprechen.

Arbeitsverträge mit Zeitarbeitsfirmen


Manche Firmen stellen bei kurzfristigen Auftragsspitzen, bei ho-
hem Krankenstand, zur Haupturlaubszeit, bei Terminengpässen,
bei unvorhergesehenem Arbeitsanfall oder bei starker saisonaler
Auslastung kein eigenes Personal ein, sondern wenden sich an
Zeitarbeitsunternehmen. Diese nehmen in einer Zeit zunehmen-
der Flexibilisierung der Arbeitszeit und ständig steigender Mobi-
lität der Arbeitskräfte eine Ergänzungsfunktion zur betrieblichen
Personalwirtschaft wahr.
Zeitarbeitsfirmen dürfen nach dem „Gesetz zur Regelung der ge-
werbsmäßigen Arbeitnehmerüberlassung“ Arbeitskräfte einstel-
len und über mehrere Monate an andere Firmen „ausleihen“.
Manchmal wird von „Personal-Leasing“ gesprochen, manchmal
von „Zeitarbeit“, ein anderes Mal von „Leiharbeit“. Gemeint aber
ist immer dasselbe: die „zeitlich befristete Arbeitnehmerüberlas-
sung“ – so der präzise Juristenbegriff. Damit es bei Zeitarbeit nicht
zu moderner Sklavenhaltung kommt, muss ein Zeitarbeitsunter-

www.WALHALLA.de 163
Das Arbeitsverhältnis

nehmen eine gesetzliche Erlaubnis einholen. Es wird vorausge-


setzt, dass
 das Zeitarbeitsunternehmen das Arbeitgeberrisiko trägt,
 zwischen Zeitarbeitsunternehmen und Arbeitnehmer ein Dau-
erarbeitsverhältnis eingegangen wird,
 während einer Beschäftigung in einem Entleihbetrieb das Dau-
erarbeitsverhältnis fortbesteht,
 das Dauerarbeitsverhältnis die Beschäftigung in einem Entleih-
betrieb überdauert,
 vom Zeitarbeitsunternehmen auch dann der Lohn gezahlt
wird, wenn die Arbeitskraft zeitweise nicht ausgeliehen wer-
den kann.
Auch für Beschäftigungsverhältnisse bei Zeitarbeitsunternehmen
gelten die gesetzlichen Schutzbestimmungen für Arbeitnehmer.
Daher sollte man den Arbeitsvertrag aufmerksam durchlesen, be-
vor man ihn unterschreibt. Sind die wichtigsten Vereinbarungen,
wie etwa Gehalt, Urlaub, Kündigungsfristen, Einsatzgebiete und
freiwillige Zusatzleistungen, im Arbeitsvertrag enthalten?
Da schon nach wenigen Tagen oder Wochen mit einem Arbeits-
stellenwechsel gerechnet werden muss, sind für Zeitarbeit beson-
ders mobile und flexible Arbeitnehmer erwünscht. Durch den häu-
figen Wechsel kann die Berufstätigkeit sehr abwechslungsreich
sein, und das fachliche Spektrum erweitert sich in kurzer Zeit. Der
Arbeitnehmer kommt viel herum und lernt neue Menschen und
fremde Unternehmen mit ganz anderen Betriebsstrukturen in un-
terschiedlichen Branchen und mit verschiedenartigen Aufgaben-
stellungen kennen.
Wenn auch aus der deutschen Öffentlichkeit das Negativimage von
Zeitarbeitsunternehmen nicht völlig verschwunden ist, sollten Sie
nicht übersehen, dass Zeitarbeit für den Arbeitnehmer sehr wohl
zum Sprungbrett in ein festes Arbeitsverhältnis bei einem Entleih-
betrieb werden kann. Immer wieder loten Entleihbetriebe – ohne
Risiko für sich – das Leistungspotenzial der Leihkräfte aus und bie-
ten geeigneten Kräften dann einen Arbeitsvertrag an. Etwa 30 Pro-
zent der verliehenen Mitarbeiter werden von den Entleihbetrieben
fest eingestellt.

164 www.WALHALLA.de
Ausblick

Ausblick
Wer sich bewirbt, hat bei der heutigen Beschäftigungssituation
statistisch nur eine geringe Chance, auf Anhieb erfolgreich zu sein.
Wir empfehlen nicht, möglichst viele Bewerbungen nach dem
Schrotflintenprinzip abzusenden, in der Hoffnung, dass Sie wenigs-
tens in einem Fall zum ersehnten Arbeitsplatz kommen. Erwiese-
nermaßen hilft diese Strategie nicht weiter. Mit großer Sicherheit
kommt eine Flut stereotyper/vorgedruckter Absagen zurück. Den-
noch ist es sinnvoll, sich auf einige Stellen gleichzeitig zu bewer-
ben (siehe Kapitel 2). Flattert dann eine Absage ins Haus, stellt sich
das beruhigende Gefühl ein, noch bei anderen Arbeitgebern Eisen
im Feuer zu haben. Es entscheidet keinesfalls die Anzahl Ihrer Be-
werbungen über den Erfolg, sondern die Qualität.
Hüten Sie sich bei einer Ablehnung davor, das negative Ergebnis
als nicht bestandene Prüfung oder als eklatantes Versagen zu wer-
ten. Auch sollten Sie sich nicht zu sehr ärgern oder sich auf eine in-
tensive Suche nach Sündenböcken begeben. Solche Rückschläge
müssen Sie bei Bewerbungsaktionen wegstecken.
Aufgeben sollten Sie auch dann nicht, wenn Sie ständig gegen
eine große Anzahl von Konkurrenten antreten müssen. Grund
hierfür kann die Beliebtheit bestimmter Tätigkeiten oder speziel-
ler Betriebe sein; aber auch regionale Engpässe sind vorstellbar.
Manchmal kann der Bewerberandrang an dem von Ihnen in Aus-
sicht genommenen Ort groß sein, während 70 km entfernt gute
Einstellungsmöglichkeiten bestehen. Mobilität erhöht hier Ihre
Chancen beträchtlich.
Sie sind auf dem besten Weg zu Ihrem Arbeitsplatz, wenn Sie ent-
schlossen und beharrlich weiter „am Ball bleiben“. Selbst schwä-
chere Bewerber erhalten nach Auswertung von Erfahrungen aus
missglückten Anläufen schließlich einen Arbeitsplatz.
Nichts kann eine optimistische Einstellung, bestehend aus Geduld,
Mut, Zähigkeit und Zukunftsglauben, ersetzen. Nicht das Talent –
es gibt zahlreiche erfolglose talentierte Menschen –, nicht das Ge-
nie – fast sprichwörtlich sind die vielen verkannten Genies –, nicht
die Bildung – die Welt wimmelt von gescheiterten Gebildeten! –,
Beharrlichkeit, Entschlossenheit und eine gute Motivation sind
beinahe allmächtig. Wenn Ihre zweite, fünfte oder elfte Bewer-
bung erfolgreich ist, genügt es auch.

www.WALHALLA.de 165
Das Arbeitsverhältnis

Jede Ablehnung veranlasst Sie, alle Schritte im Bewerbungsverfah-


ren noch einmal genau zu überdenken. Da Selbsterkenntnis der
erste Weg zur Besserung ist, werden Sie keinesfalls auf Ihre
Manöverkritik verzichten. Erkannte Schwachstellen merzen Sie
aus, von Bewerbung zu Bewerbung hinterlassen Sie einen besse-
ren Eindruck, und schließlich wird ein Arbeitgeber an Ihren Fähig-
keiten und Erfahrungen nicht vorbeigehen wollen. Erst mit dem
unterschriebenen Arbeitsvertrag in der Tasche endet Ihre Arbeits-
platzsuche. Noch laufende Bewerbungen ziehen Sie fairerweise
mit einem freundlichen Schreiben zurück.
Nun gibt es immer wieder Arbeitnehmer, die nach Eintritt von Ar-
beitslosigkeit zunächst den Zustand der Freiheit von beruflichen
Zwängen genießen wollen. Sie bemühen sich kaum um einen
neuen Arbeitsplatz, sondern wollen sich erholen und ausspannen.
So angenehm ein solches „süßes Nichtstun“ sein mag, dieser Ar-
beitnehmer verbaut sich seine beruflichen Eingliederungschancen!
In späteren Bewerbungen wird zum Beispiel eine sechsmonatige
Pause ohne Arbeits- oder Ausbildungsnachweis von Personalrefe-
renten mit drei großen Fragezeichen versehen.

Praxis-Tipp:
Kein Ausruhen, kein Aussteigen – sondern durchstarten, am
Ball bleiben und möglichst sofort wieder in das Berufsleben
einsteigen, um bald aufzusteigen. Die Suche nach dem pas-
senden Arbeitsplatz betrachten Sie als persönliche Herausfor-
derung.

Wir haben Ihnen eine ausführliche und Erfolg versprechende Be-


werbungsstrategie mit vielen Tipps und Hinweisen vorgestellt. An
Ihnen liegt es nun, diese Ratschläge für Ihre spezielle Situation zu
nutzen.
Goethe warnt: „Es ist nicht genug zu wissen, man muss es auch
anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss es auch tun!“
Sie sind jetzt aufgerufen, Ihr berufliches Schicksal in die Hand zu
nehmen, „anzuwenden“ und zu „tun“. Hierbei drücken wir Ihnen
die Daumen und wünschen Ihnen das auch bei besonders guter
Vorbereitung notwendige Quäntchen Glück!

166 www.WALHALLA.de
Stichwortverzeichnis

Absage 13, 165 Bewerbungsschreiben 41


Agentur für Arbeit 12 Beziehungen 35
Anforderungsprofil 105 Biografischer Fragebogen
Anreise 100 149
Arbeitsbescheinigung 67 Bundesagentur für Arbeit
Arbeitslosigkeit 53, 118, 166 20
Arbeitsplatzbeschreibung
53, 64 Chiffre-Stellenanzeige 22
Arbeitsplatzsuche 10 Computer-Simulation 147
Arbeitsprobe 80
Arbeitsvertrag 122, 160 Dankschreiben 134
Arbeitszeugnis Dritte Seite 64
– einfaches 67
– Geheimcode 69 Eignungsprüfung 129
– qualifiziertes 67 EU-Lebenslauf 61, 64
– vorläufiges 68
Assessment-Center 144 Fachzeitschriften 21
Ausbildungsplatz, Firmenprofil 105
betrieblicher 151 Fortbildung 55
Auswerten von Stellen- Fragenkatalog 108, 121
anzeigen 27 Freizeit für Stellensuche 100
Autosuggestion 127 Fremdsprachenkenntnisse 56

Beurteilungsseminar 144 Gedächtnisprotokoll 134


Bewerberbüro 17 Gehaltsvereinbarung 131
Bewerbung 10, 37 Gesamterscheinung 124
– E-Mail 25, 86 Gesprächsdauer 128
– Initiativ 17, 31, 47 Gesprächspartner 106
– Kurzbewerbung 88 Gesprächsphasen 128
– Online 84 Gewerbliche Arbeits-
– persönliche 36, 89 vermittler 30
– telefonische 89 Grafologisches Gutachten
– vollständige 38 143
Bewerbungsmappen 41 Gruppendiskussion 136
Stichwortverzeichnis

Handschriftprobe 79, 143 Schlüsselqualifikationen


Hobbys 55 129
Schwachstellen 101
Information über Arbeitgeber 104 Selbstdarstellung 102, 146
Initiativbewerbung 31 Sperrvermerk 23
Inventurlisten 14 Stellenanzeigen 20
– Chiffre-Stellenanzeige 22
Kleidung 124 – Internet 24
Kurzbewerbung 88 – Online 24
– unseriöse 21
Lebenslauf 50, 154 Stellenbeschreibung 53, 105
Leistungsvermögen, körperliches Stellengesuche 33
150 Stress-Interview 144
Lichtbild 61, 62, 82, 125
Teilnahmebescheinigung 65,
Mitzunehmendes 126 76
Telefoninterview 93
Nachfassbrief 93 Testverfahren 138
Trainee-Ausbildung 157
Online Bewerbung 84
Unzulässige Fragen 119
Personalfragebogen 94
Persönliche Kontakte 35 Vorstellungsgespräch 97
Physische Bedürfnisse 126 Vorstellungskosten 100
Polizeiliches Führungszeugnis 81
Postkorbübung 147 Wehrdienst 54, 76
Postversand 82
Praktikantenstelle 158 Zeitungen 21
Zeugnisse 65
Referenzen 79 Zivildienst 54, 76
Rundgespräch 136 Zusatzqualifikationen 15

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