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Das Alte Testament

1. Methodisches und Allgemeines


1.1 Methoden der Bibelauslegung: Historisch-kritische
Exegese:
Allgemeine Begriffe der Exegese:
 Exegese:
 Textauslegung/Erläuterung zum Verstehen von biblischen Texten
 Historisch:
 Entstehung in bestimmter Zeit und für bestimmte Zeit
 Kritisch:
 Entgegenwirken gegen Instrumentalisierung der Bibel

Text kann ausgelegt werden in Bezug auf:


 Leser ausgelegt werden (Kontextuelle Auslegung)
 sich (Literaturwissenschaftliche Auslegung)
 Die Sache (Existenziale Interpretation)
 Autor und historischen Kontext (Historisch-kritische Methode)
 Berücksichtigung von Zeit und Kontext des Autors

Methodik – Werdegang eines biblischen Textes:


 Textkritik
 Herausarbeitung des ältesten Textes aus den Handschriften
 Literarkritik:
 Herausarbeitung zugrunde liegender Quellen
 Überlieferungskritik:
 Frage nach möglicher mündlicher Vorstufe
 Redaktionskritik:
 Suche nach redaktionellen Zusammenstellungen und
Eigenformulierungen des Redaktors
 Traditionskritik:
 Welche Traditionen aus dem Umfeld werden aufgegriffen? Warum?
Warum werden sie ggf. erweitert?
 Formkritik:
 Textgattung
 "Sitz im Leben“
Alternative Bibelauslegungen:
 Existenziale Bibelsauslegung (Bultmann)
 Kontextuelle Bibelauslegung

1.2 zentrale Epochen und Ereignisse der Geschichte Israels:


Epochen:
 Vorexilische Zeit:
 Schöpfung bis 568vChr
 Exilische Zeit:
 586-538vChr
 Nachexilische Zeit:
 586-heute?

Wichtige Ereignisse:
 Schöpfung
 Adam und Eva
 Noachs Flut
 2000vChr: Abraham und Sara verlassen das Gelobte Land
 1250vChr/1400vChr: Exodus
 1000vChr: David als König Israels
 950vChr: König Salomo baut Tempel in Jerusalem
 925vChr: Teilung Israels
 721vChr: Nordreich von Assyrern erobert
 622vChr: Reformen unter König Joschija
 568vChr: Südreich von Babyloniern erobert: Exil
 538vChr: König Kyrus (Persien) erlaubt Rückkehr
 515vChr: neu aufgebauter Tempel unter Serubabbel geweiht
 425vChr: Neuaufbau von Jerusalem durch Nehemia

1.3 Gliederungsprinzipien im Vergleich:


Aufbau:
Lutherbibel:
 Geschichtsbücher
 Fünf Bücher Mose
 Weitere Schriften zur Geschichte Israels
 Lehrbücher
 Hiob, Psalme, Sprüche, Prediger, Hohelied
 Poetische und weißheitliche Literatur
 Prophetenbüche
 Große und kleine Propheten
 Apokryphen

Biblia Hebraica:
 Andere Reihenfolge
 Fünf Bücher Mose (Tora)
 Prophetenbücher (Neviim = Propheten)
 Ketuvim = Schriften
 Weniger Bücher (Zusammenfassung einzelner Schriften)

Kanon:
Biblia Hebraica:
 Tora: Weisung für ein gelingendes Leben
 Neviim (Propheten): Gottes Wirken in der Geschichte
 Kommentar für die Tora
 Ketuvim (Schriften): Gottesdienstlicher Gebrauch
 Tora als vollkommende Grundlage

Lutherbibel:
 Geschichtsbücher: Vergangenheit
 Lehrbücher und Psalmen: Gegenwart
 Propheten: Zukunft
 Neues Testament
 Heilsgeschichtliche Struktur

1.4 Begrifflichkeiten:
Pentateuch:
 Die Fünf Bücher Mose
 (Namen in Klammern sind immer die ersten Worte der Tora im hebräischen)
 Genesis (Bereschit)
 Schöpfung; Ursprungsgeschichte
 Exodus (Schemot)
 Auszug aus Ägypten
 Levitikus (Wajiqra)
 Priesterliche Gesetzgebung
 Numeri (Bemidbar)
 Zählung der Israeliten
 Deuteronium (Devarium)
 Zweites Gesetz

Andere Übliche Bezeichnung:


 Tora (Weisung/Gesetz)
 Wichtig: „Gesetz“ hier eher als Erzählung/Plan/Lehre
 Fünf Bücher Mose
 Mose als Hauptperson, nicht Verfasser
 Hexateuch/ Enneateuch:
 Verbindung mit Josua
 Pentateuch endet vor Erfüllung der Landnahme
 diese wird in Josua erzählt
 Neun Bücher von Genesis bis 2. Samuel

Vordere vs. Hintere Propheten:


Vordere Propheten:
 Prophetengestalten von Josua bis 2Könige (Nathan, Samuel,…)
 Aufgabe: Versuch, das Handeln Israels korrigierend zu beeinflussen
 zusammenhängende Geschichtserzählung
 wird auch Deuteronomistisches Geschichtswerk genannt
Hintere Propheten:
 Schriftpropheten: Jesaja, Jeremia, Amos, …
 Aufgabe: Erklären das Scheitern, Verkünden Möglichkeit eines
Neuanfangs
 vier selbstständige Bücher

Deuteronomistisches Geschichtswerk:
 Abschnitt der Bibel aus der wissenschaftlichen Perspektive
 umfasst die vorderen Propheten
 Große Ähnlichkeiten in Sprache und Theologie zum Buch Deuteronomium
 Versuch, zu erklären wie die Umsetzung der göttlichen Tora scheiterte

2. Zentrale Bibelstellen:
2.1 Schöpfungsberichte:
Wer schrieb die Schöpfungsberichte?
 Urkunden-Hypothese:
 „Fünf Bücher Mose“  Mose kann in der Schöpfung nicht anwesend
gewesen sein
 Geschichten wurden über mehrere Generationen tradiert und
mündlich weitergegeben (mind. 4 literarische Quellen)

Schöpfungsgeschichte 1:
 Gott erschafft Welt an sechs Schöpfungstagen:
 Tag 1 – Licht
 Tag 2 – Himmel und Meere
 Tag 3 – Land und Pflanzen
 Tag 4 – Sonne, Mond und Sterne
 Tag 5 – Vögel und Fische
 Tag 6 – Tiere und Menschen
 Reihenfolge hat bestimmten Ordnungszweck
 Mensch als i-Tüpfelchen der Schöpfung
 Mensch als Abbild Gottes
 Auftrag Gottes, sich zu vermehren und Welt zu leiten
 Tag 7 als Ruhetag Gottes
 Menschen direkt als Paar geschaffen

Schöpfungsgeschichte 2:
 Gott mit erweitertem Namen (Jahwe Elohim)
 Schaffung Adams aus dem Erdboden, Kulturauftrag im Garten Eden
 Kategorisierung der Tiere
 Schaffung Eva aus einer Rippe Adams
 Drama um Baum der Erkenntnis

2.2 Bundesschlüsse mit Abraham:


Bundesschluss 1: (Gen 15)
 Versprechung Gottes von zahlreichen Nachkommen, Land und Wohltaten
 Abraham ist alt und hat keine Nachkommen
 Abraham soll sich die Sterne ansehen
 „So viele Sterne am Himmel, so viele Nachkommen sollst du haben“
 Abraham glaubt Gott
 Gott hält ihn trotz moralischer Fehler für aufrichtig
 Opfergabe beschließt das Bündnis

Bundesschluss 2: (Gen 17)


 Abraham ist 90 und hat noch immer keine Kinder
 Wiederholung des Bündnisses mit einem Zusatz:
 „Alles was männlich ist, muss bei euch beschnitten sein.“
 Es folgt die Beschneidung Abrahams, der Männer seines Haushalts
 Beschneidung heute noch bei vielen Juden und Christen

3 Die Zehn Gebote:


 Exodus 20
 Israeliten kommen am Berg Sinai an
 Mose wird als Mittler zwischen Gott und den Menschen auf den Berg Sinai
geschickt
 Erhalt der 10 Gebote:
 Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben
neben mir.
 Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen.
 Du sollst den Feiertag heiligen.
 Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
 Du sollst nicht töten.
 Du sollst nicht ehebrechen.
 Du sollst nicht stehlen.
 Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten
 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
 Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh,
oder alles was sein ist.
 Wiederholung der zehn Gebote durch Mose:
 Hinzufügen kleinerer Änderungen
 Heiligung des Sabbat
 Auftrag, künftige Generationen zu unterweisen
 …

2.4 Das Schma Jisrael:


 Wichtiges Gebet zur Erinnerung an den Exodus
 zentrales Credo des Judentums
 tägliches rituelles Gebet
 Deuteronomium 6,4f.
 „Höre Israel! Der EWIGE ist unser G’tt, der EWIGE ist eins/einer/einzig.“

2.5 Goldenes Kalb:


 Exodus 32-34:
 Mose nimmt Gesetze auf dem Sinai entgegen
 Dauer von 40 Tagen
 Aaron lässt sich den Schmuck der Israeliten geben
 Erstellung eines goldenen Kalbs/Stiers
 Stief als antikes Gottesbild für Stärke und Fruchtbarkeit
 Gott sieht im Kalb die Verletzung seiner Gebote
 Plan von der Vernichtung der Israeliten
 Umstimmung durch Mose
 Mose steigt vom Berg hinab
 Zerbrechend der Steintafeln
 Zerstörung der Götzenstatue
 Gold wird zerstampft, in Wasser gefüllt und den Israeliten zu trinken
gegeben

2.6 Nathansweissagungen:
 2Samuel 7:
 David wird König über Juda und die Stämme Israels
 Jerusalem wird neue Hauptstadt
 Absicht, Tempel für JHWH in Jerusalem zu bauen
 zunächst Bestätigung Nathans
 Nächtliche Offenbarung Nathans
 Gott lehnt Bau des Tempels ab
 Prophezeiung, dass David erfolgreicher König sein wird
 Nachfahre Davids darf den Tempel bauen
 Gebet Davids nach Nachricht Nathans
 David als frommer und gottesfürchtiger Mann

2.7 Messianische Texte:


Jesaja 7: Geburt des Immanuels
 Jungfrau wird Kind empfangen mit Namen Immanuel
 Rat an König Ahas, keinen Krieg zu beginnen
 Immanuel = Gott mit uns
 Gott ist bei des Israeliten während schwerer Zeit
 Foreshadowing, dass Jesus geboren wird

Jesaja 9: Jesaja und der Messias


 Jesaja kündigt Messias an
 „Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. Die
Herrschaft auf seine Schulter gelegt.“
 könnte auch für Krönung eines Königs stehen (Hiskaja)

Jesaja 11: Das Friedensreich


 Weiterentwicklung des Foreshadowing
 künftiger König soll aus Familie David stammen
 in ihm soll Geist Gottes wohnen
 nichts Böses wird in seinem Königreich sein
 radikal neue Welt mit Gott im Mittelpunkt

Jesaja 42: Das Licht für die Völker


 Gott hat einen Plan, alle zu erretten
 es ist die Sprache von einem Knecht (Möglichkeiten: Israel, Jesaja, Kyros,
Jesus)
 Gott wird den Menschen beistehen und Exilanten sollen aus ihren Fehlern
lernen

3. Schöpfung und Sündenfall:


3.1 Vergleich der Schöpfungsberichte:

Genesis 1-2,4a Genesis 2,4b-3


Perspektive Kosmisch-universal Bäuerlich
(Außenblick) (Gartenlandschaft)
Zustand der Welt im Urmeer Wüste (kein Regen, kein
Moment der Mensch)
Schöpfung
Charakterisierung des Chaotisch, Lebensfördernd
Wassers lebensbedrohlich
(Chaoswasser –
Tohuwawohu)
Schöpfungsvorgang Sprechakt Gott als „Handwerker“
(pflanzen, machen,
formen)
Fazit (des Schöpfers) Gut, bzw. sehr gut Letztlich:
(jeweils Beurteilung) Mühsal des Lebens –
= Abschluss? Vertreibung aus dem
Paradies
Menschenbild Schaffung zuletzt Schaffung des
Direkt als Paar Menschen zuerst
(Protomensch)
erst Adam, dann Eva
Ziel/Aufgabe des „Beherrschung“ der Bewirtschaftung des
Menschen Erde Ackerbodens
Gottesebendbildlichkei In Schöpfung angelegt Durch Ungehorsam
t (womöglich als Ziel?) stärkere
Begriff des Imago Die Gottesebenbildlichkeit
(ähnliche Ontologie (Erkennen von Gut und
und Funktion) Böse durch das Essen
der Frucht)
Begriff aber selbst nicht
genannt

Gottesbild:
 Gott ist mächtig
 Gott spricht und es passiert
 Gott ist überweltlich
 unterscheidet sich von seiner Schöpfung
 revolutionär, da Götter vorher in Naturgewalten zu finden waren
 Gott ist gut
 „Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.“

Menschenbild:
 Gottesebenbildlichkeit
 Menschen könnten Gott äußerlich ähnlich sehen
 Menschen verfügen über das geistige Bild/Charakter Gottes
 Moral, Kreativität, Intelligenz
 Herrschaft über die Erde
 Nicht als Tyrann, sondern als Schutzherr

3.2 Begriff: Ätiologie:


 Lehre von den Ursachen
 Genesis als ätiologische Sage
 gegenwärtiger Tatbestand (Welt, so wie sie besteht) wird im Nachhinein
kausal hergeleitet
 Gründe und Theorien können durchaus historisch sein, müssen es aber nicht

3.3 Schöpfung als Aufstieg oder Fall?


Schöpfung als Aufstieg:
 Erkenntnis von Gut und Böse
 höhere Gottesähnlichkeit
 Leben erhält Bedeutsamkeit

Fall:
 Sterblichkeit
 Eva und Adam müssen Schmerzen ertragen (Gebären und Feldarbeit)

4. Exodus und Bundesschluss

4.1 Begrifflichkeiten:
Bund:
 Handel, oder Vertrag zwischen Gott und seiner Schöpfung/einzelnen
Menschen oder Menschengruppen

Aufbau am Beispiel der Bünde Abrahams:


 Zwei Vertragspartner: Höhergestellter und Untertan
 Gott und Abraham (Gen 15, 7-21)
 Gott und Abraham (17, 1-22)
 Bundesinhalte/-zusage:
 Land, Mehrung, Söhne
 Land, Mehrung, Segen, Söhne
 Gebote/ Bundesbedingung:
 -
 Vor Gott wandeln und fromm sein, Beschneidung
 U.U. Bundeszeichen
 -
 Beschneidung, Namensänderung
Altes oder Neues Testament:
Testament:
 lat. Testamentum
 griech. Diatheke
 hebr. Berit
 Bund, Verfügung, Verpflichtung, Vertrag
„Altes“/“Neues“ Testament:
 Impliziert Existenz eines neuen Testaments
 „Alt“ als „veraltet“
 Alternativen:
 Erstes Testament
 Jüdische Perspektive: TaNaKh (Hebräische Bibel)
 Tora, Neviim, Ketuvim

Reinheit und Unreinheit:


 Reinheit nicht im hygienischen Sinne
 eher im Sinne von Tauglichkeit
 Gebote zum Verzehr/Gebrauch nach Mose
 Aufteilung der Tiere nach Gruppen (Kriechtiere, Vögel, usw.)

4.2 Abrahams Bundesschlüsse und Bedeutung des Mose:


Bundesschlüsse Abraham:
s. Punkt 2.2!

Bedeutung Mose:
 Zentrale Figur von Exodus bis Deuteronomium
 Autorität, die kaum andere Person im AT hatte
 führte das Volk Israels aus der Sklaverei aus Ägypten
 Erwählung durch und Kontakt mit Gott
 Reden mit Gott „Auge in Auge“
 Schauen der „Herrlichkeit Gottes“
 Parallel zu anderen Berufungen
 Mose sieht sich selbst als unwürdig
 Gott überzeugt ihn dann
 Name ägyptisch: Sohn des (Gottesname)
 Bezeichnung von Mose als Gott
 Tod mit 126 Jahren
 Wunderbare Rettung Mose als Kind

4.3 Formen alttestamentlicher Rechtsstätze und der


Dekalog:
Formen der Rechtssätze:
 Apodiktische Rechtssätze:
 Du sollst nicht töten
 Keine Begründung, oder mögliche Folgen
 Grundlage des ausgeführten Rechts
 Kasuistische Rechtssätze:
 Ausgeführter Rechtsfall
 Genaue Angabe der Rechtsfolge in 3. P. Sg. Formuliert
 Sonderformen: Todes-/Fluchsätze:
 Apodiktisch, aber partizipiale und relative Angabe eines Rechtsgrunds
und Rechtsfolge
 Wer das und das tut… der soll des Todes sterben
Spezialfall: Die Talionsformel:
 Auge um Auge, Zahn um Zahn
 Verhinderung von unverhältnismäßiger Rache
 Nicht wörtlich nehmen (geschädigter Sklave konnte auch z.B. frei gelassen
werden)

Der Dekalog: (Die Zehn Gebote)


 Doppelte Überlieferung: Exodus 20; Deuteronomium 5
 Unterschiede:
 Feiertagsgebot:
 Schöpfungstheologisch
 Soteriologisch
 Unterschiedliche Zählung der Gebote
 Voraussetzung für die Gebote: Exodus
 Ausschließlichkeit der Verehrung JHWHs
 Monolatrie, kein Monotheismus!
 Bilderverbot und Verbot des Namensmissbrauchs
 Name schafft Wirklichkeit/Verfügungsgewalt
 Bilderverbot, s. goldenes Kalb
 Feiertagsgebot mit schöpfungstheologischer, oder soteriologischer
Begründung
 Vater und Mutter ehren
 Ehre der Eltern im Sinne der Altersvorsorge
 Struktur:
 Vertikale Ebene: Got-Mensch-Beziehung (I-III)
 Horizontale Ebene: zwischen-menschliche Beziehungen (IV-X)

4.4 Das kleine geschichtliche Credo und das Schma Jisrael:


Das kleine geschichtliche Credo:
 wichtiges Gebet
 Kurzformel der Geschichte Israels
 Erinnerung an Exodus
 Dtn 26, 5-9

Das Schma Jisrael:


s. Punkt 2.4

4.5 Gottesbilder im Pentateuch:


Gottesnamen:
 Gottesbegegnung am brennenden Dornbusch
 Sichtbar und doch unverfügbar
 Dornenbusch brennt, aber verbrennt nicht
 Feuer häufig in Theophanien
 Unklarheit – spricht Engel oder Gott?
 Verhüllung Mose wegen Heiligkeit Gottes
 Name Gottes: Ich bin, der ich bin/Ich werde sein, der ich sein werde.
 Gott gibt keine Macht ab
 Später: JHWH (Das wichtige Tetragramm!)
 Buchstaben bleiben hebräisch unvokalisiert
 Unverfügbarkeit
 Dynamik
 Ich werde sein, der ich sein werde
 Gott der Geschichte, des Wandels
 Treue/Beständigkeit
 El Schaddaj:
 Oft als „der Allmächtige“
 Etymologisch unklar: evtl. ursprünglich „Berggott“
 Elohim
 Eigentlich Plural: Gott
 Meist für JHWH als pluralis majestatis

Gottesbilder:
Machterweise Gottes als Rettergott: (Exodus)
 Wundersame Berufung des Mose
 Plagen: Nilwasser zu Blut, Frösche, Mücken, Ungeziefer, Pest, Beulen,
Ungewitter, Heuschrecken, Finsternis, Tötung der Erstgeburt
 Durchzug durchs Schilfmeer
 Versorgung in der Wüste

Gott als Ambivalente Figur:


Exodus 3; 7-12; 14
Plagen gegen Ägypter, brennender Busch, Durchzug durch das Schilfmeer
Aspekte/Elemente Gottesbild
Volk wird schlecht behandelt: Zorn Ambivalenz:
Gottes Einerseits: Retter, Befreier, Wundertäter
Rettung und Begleitung durch Gott
Andererseits: Gott mit dunklen Seiten
Aber:
Harte Hand, Bedrohlichkeit,
Unnahbarkeit, Grausamkeit (v.a. gegen
Ägypter)

Gott als verborgener, geheimnisvoller Gott:


Exodus 3;19;33/Exodus 20,4/Deuteronomium 5,8
Brennender Dornbusch, Gebote, Gesetze
Aspekte/Elemente Gottesbild
Wundersame Naturereignisse Ein Gott, der sich zeigt und gleichzeitig
(brennender Busch, der nicht brennt; verborgen/entzogen bleibt
Feuer/Rauch/Posaunen am Sinai) (Ambivalenz bzw. ‚Oszillieren‘)

Sichtbarkeit und gleichzeitig


Verborgenheit

Name, der kein Name ist

Einreihung in Tradition der


Erzeltern (‚Bindeglied‘)

Bild-/Gestaltlosigkeit als Gebot


bzw. auch ‚Gefahr‘ von
Sichtbarkeit

Nur ‚Spur‘ Gottes (Wirken...)

Gott als strenger und besitzergreifender Gesetzgeber:


Exodus 20/Deuteronomium 5;26
Gebote, Gesetze
Aspekte/Elemente Gottesbild
Fordernd, teilweise auch Besitz ergreifend Befreier (Begründung für Gebote), aber
(Volk = ‚Eigentum‘ – vgl. Dtn 26) auch ‚Gesetzgeber‘ (bzw. strenger
Familienvater)
eifernd, eifersüchtig; nachtragend? (Strafe
bis in die 4. Generation?!) Ambivalenz:
− ein Gott, der fordert/ein Gott
Machtstellung! – kein Bildnis machen! der Gebote (der strenge Gott)
− aber auch ein Gott der
Barmherzigkeit, aber nur gegenüber Barmherzigkeit
denjenigen, die seine Gebote befolgen →Frage: gegenüber wem +
Frage nach ‚Konsequenz‘ in Forderungen
und/oder Barmherzigkeit

Götterbilder und Götzen im alten, vorderen Orient:


 Teil des Kult-/Ritualsystems: feste Funktion
 Verehrung
 Besondere Beschaffenheit von Götzen
 Langer Herstellungsprozess: aus irdischem Material wird Götterbild
 Aufstellung im Tempel
 Keine Identität mit Gott, aber Verkörperung nach außen
 Kontaktpunkt von Irdischem und Himmlischem
 Begegnungsmöglichkeit
 Verwundbarkeit! (Schicksal von Götterbildern in Kriegen)

Warum das Bilderverbot? – Antwortversuch:


 Abgrenzung gegenüber Umwelt
 Israel und sein Gott sind anders
 Bild erzählt nicht die Story
 Stierbild z.B. erzählt nicht die Geschichte des Exodus
 Gott als dynamisch und beweglich
 Pessach als angemessene Kultform
 Gotteserfahrungen in der Bibel über Klang, Stimme, Worte
 Paradigmenwechsel von Bildertheologie zu Wort- und Schrifttheologie
 Bild und Namen symbolisieren Greifbarkeit und Festlegung
 Dynamik und Unsichtbarkeit Gottes
 Abbildung wäre eher menschliche Imagination

Fazit:
 Vielschichtigkeit, Vielfalt der biblischen Gottesbilder
 Widersprüchlichkeit der Bibel?
 Kein festgelegtes Bild
 Vielfältige Gotteserfahrungen, Perspektivenvielfalt
 Gottesbilder von AT und NT im Verhältnis
 Gleicher Gott, aber unterschiedliche Verhaltensweisen
 Nicht alle Gottesbilder spielen im AT und NT gleiche Rolle
 Herausforderung des Umgangs mit den „dunklen Seiten“ Gottes
 Stichwort Hiob

4.6 Bedeutung des Exodusgeschehens für das Volk Israel:


Im Pentateuch:
 Errettung des Volkes Israel aus der Sklaverei
 Freiheit für das Volk
 Verbindung mit Gott
 Rettung als Voraussetzung für Gebote (Ex20)
 „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der
Knechtschaft geführt habe.“
 Früh-jüdische Gottes-Bekenntnisse beziehen sich auf den Exodus
(Dtn26)
 Kleines geschichtliches Credo
 Exodus als Ausgangspunkt einer Heilsgeschichte
 Befreiung aus der schweren Vergangenheit
 Hoffnung, aber auch Furcht für die Zukunft
 wird alles glatt laufen? Verhalten wir uns richtig?
 wird es einen weiteren Exodus geben? ein Gericht?

4.7 Altisraelitische Feste mit Bezug zum Exodusgeschehen:


Das Pessach/Passah-Fest:
 beinhaltet Mazzotfest (Fest der ungesäuerten Brote)
 Frühling
 Erinnerung an Auszug
 Schlachtung des Lamms als Schutz vor Racheengel
 Ungesäuertes Brot als Zeichen für überstürzten Aufbruch
 8 Tage lang
 Besonderes Mahl mit Aspekten der Exodusgeschichte
 Maror (Bitterkraut) = Bitterkeit der Knechtschaft in Ägypten
 Seroa (Lammkeule mit wenig Fleisch) = Opferung des Passa-Lammes
 Charosset (süßer bräunlicher Brei) =Lehm bei der Arbeit in Ägypten
 Zweites Bitterkraut
 Karpas (Sellerie, Radieschen, Petersilie, oder Kartoffeln) =Frucht der
Erde: zermürbende Arbeit in Ägypten
 Beitzah (gesottenes Ei) = Fruchtbarkeit, Zerbrechlichkeit,
Tempelzerstörung
 Mazzot (ungesäuertes Brot) = übereiltes Aufbrechen
 Schälchen mit Salzwasser = vergossene Tränen in Ägypten
 Becher mit Wein für Propheten Elia (Laut Bibel kein Tod, sondern
etwaige Rückkehr)

(Wochenfest/Schawuot:
 Sommer
 Erntedankfest/Getreidefest
 Brandopfer und Speiseopfer als Dank für die Fürsorge)

Laubhüttenfest/Sukkot:
 Herbst/Winter
 eine Woche lang
 Wein- und Olivenernte wird gefeiert
 Bau einer Laubhütte
 Gedenken der Wüstenwanderung

weitere Feste:
 Jom Kippur
 Sabbatjahr
 Jubeljahr

5. Königtum
5.1 Das Richterschema:
 Richter = hebr. Schofetim
 Begriff aus vormonarchischer Zeit (Zwischen Landnahme und
Königtum)
 Führungsgestalten
 Rechtsprechung an verschiedenen Orten (lokale Fürsten)
 Charismatische Führungsgestalten (Heerführer bei Bedarf)
 Richterbücher laufen immer nach ähnlichem Schema ab
 Neue Generation an Israeliten vernachlässigt Gott
 Gottes Strafe durch Feindbedrückung durch fremdes Volk
 Reue des Volkes und Flehen an Gott
 Berufung eines Richters durch Gott
 Volk hört nicht auf Richter
 Errettung, Befreiung durch Richter
 Untreue nach Tod des Richters

5.2 Landnahme: Landnahmemodelle:


Eroberungsmodell:
 Erzählung der Bibel
 Heute kaum noch vertreten
 Israel außerhalb Kanaans entstanden
 Kriegerische Landnahme
Infiltrations-/Migrationsmodell:
 Isreael, „neben“ Kanaan entstanden
 Gruppen von Halbnomaden in dünn besiedelte Regionen Palästinas migriert
 nach und nach Bevölkerungsbildung
 Konflikte folgten später
Revolutionshypothese:
 Israel „aus“ Kanaan entstanden
 Hapiru (Entrechtete) fanden sich unter JHWH-Religion zusammen
 Vorgehen als Aufständische gegen Stadtstaaten
 Kriegerische Menschen aber aus Kanaan
Vermutlich vielschichtiger und langer Prozess:
 Gruppe aus Ägypten, die JHWH Glauben hatten
 Sesshaftwerden von Nomaden
 Aufstandsversuche von Entrechteten
 Allmähliches Ausprägen einer übergreifenden (Volks-)Identität in
allgemeiner Umbruchsphase im Übergang von der Spätbronzezeit zur
frühen Eisenzeit (Ethnogenese)

Landnahme im Vergleich von Bibel und Archäologie:


 Biblische Theorie:
 Kleine Gruppe in Ägypten wird zum großen Volk
 Militärische Eroberung des Landes „Kanaan“
 Beobachtungen:
 Richterbuch:
 Nicht alle Städte und Regionen Kanaans erobert
 Kein großflächiges Siedlungsgebiet, sondern eher Sieden in
„Zwischenräumen“
 Genesis-Erzelternerzählungen:
 Kleinviehnomaden in friedlicher Koexistenz mit Kanaanäern
 Josua 6:
 Eroberung durch Stadtumrundung, Feldgeschrei und
Posaunenklang
 Zweifelhaft
 Richter 7:
 Sieg über Midian mit absichtlich dezimiertem Heer durch
„Krachmachen“
 Zweifelhaft
 Historische Perspektiven:
 Archäologie:
 Jericho und AI zur Josua Zeit (13./12. Jh.v.Chr.) nicht besiedelt
 Ägyptische Quellen:
 Amarna-Briefe (14.Jh.v.Chr.): Erwähnung von Hapiru/Apiru
(=Hebräer?), die Angriffe ausführen
 Merenptah-Stele: Erwähnung von Israel als sesshafte
Volksgruppe
 Inschrfiten: Erwähnung von Schasu
 Nomadengruppen, die nach Ägypten flohen
 Verknüpfung mit Gottesnamen JHWH
 Kurz:
 Umherziehende Nomaden-Gruppen verbunden mit Hebräern
und JHWH
 Gruppe „Israel“ im Land Palästina

Möglichkeiten theologischer Schlussfolgerungen:


Landnahme eigentlich als „Landgabe“ JHWHs
 Land als Geschenk Gottes
Erfüllung der Verheißungen an die Erzeltern
 Bundesschlüsse mit Abraham
Gottes machtvolles Eintreten für sein Volk
 Feinde haben keine Chance gegen den Gott

In historischer Perspektive:
 Schriftlichkeit im 13./12. JH noch nicht ausgeprägt
 Frühestens in 8. JH entstanden
 Wahrscheinlich in Assyrischer oder exilischer Zeit
 Geschichte eines nicht mehr existenten Staates wird beschrieben
 Verliererperspektive als Projektion und Mutmachgeschichten
Freiheit und Verantwortung:
 Entscheidung für JHWH oder für die Götzen kommt näher

5.3 Israelitische Königsideologie:


 Königsritual auf dem Zion:
 Salbung, Annahme als Regent/Sohn Gottes, Thronname
 Königsideologie:
 Gerechtigkeit nach Innen und Ordnung nach Außen schaffen
 Recht sprechen, Feinde und Chaos besiegen
 König nicht als wütender Despot, der seine Untertanen versklavt
 Bautätigkeit als Fortführung des schöpferischen Wirkens Gottes
5.4 Nathansweissagung:
s. Punkt 2.6

5.5 Königtum:
Kennzeichen des Königtums Salomo:
Salomos Weisheit (1Kön 3)
 Freiheit eines Wunsches: Wunsch eines hörenden Herzens
 Gott gibt ihm sowohl Weisheit als auch Reichtum und Ehre
 Salomonisches Urteil
Salomo als Erbauer des Tempels
 Tempel als irdischer Palast Gottes
 Salomo darf nun bauen

Beispiele für positive und negative Königsbewertungen:


 positiv:
 976-926: Salomo (Tempelbau)
 725-697: Hiskija
 Abschaffung der Hähenheiligtümer
 Belagerund durch Sanherib
 639-609: Josija
 Kultzentralisation
 negativ:
 787-747: Jerobeam II.
 Blütezeit, deren negative Entwicklungen manche Propheten
kritisieren
 696-642: Manasse
 Wiederaufbau Höhenheiligtümer und Blutschuld
 597-687: Zidkija
 Vasallenkönig
 Fällt von Babylon ab
 Überlebt die zweite Eroberung Jerusalems nicht

6. Prophetenamt
6.1 Begrifflichkeiten:
Vordere und hintere Propheten:
Vordere Propheten:
 Prophetengestalten von Josua bis 2Könige (Nathan, Samuel,…)
 Aufgabe: Versuch, das Handeln Israels korrigierend zu beeinflussen
 zusammenhängende Geschichtserzählung
 wird auch Deuteronomistisches Geschichtswerk genannt
Hintere Propheten:
 Schriftpropheten: Jesaja, Jeremia, Amos, …
 Aufgabe: Erklären das Scheitern, Verkünden Möglichkeit eines
Neuanfangs
 vier selbstständige Bücher

Prophetengestalten und Schriftpropheten:


Prophetengestalten:
 Propheten, die als solche in den Büchern auftreten und agieren, aber nicht
selbst Bücher/Schriften hinterlassen haben
 z.B. Nathan, Elija
Schriftpropheten:
 Propheten, die sowohl in der Handlung auftreten, denen aber auch Bücher
zugeordnet werden
 niedergeschriebenes Wort Gottes im Prophetenmund

Prophetie im „klassischen“ Missverständnis:


 Prophet = Hellseher/Wahrsager
 Ausrichtung der prophetischen Botschaft auf die Zukunft
Prophetie im biblischen Verständnis:
 Von Gott berufene Mittler zwischen Gott und Menschen
 Kritische Begleitung der eigenen Zeit (Gegenwart) auf Basis von Erfahrungen
aus der Vergangenheit
 mahnende oder hoffnungsvoller Blick auf die Zukunft

6.2 Typen alttestamentlicher Prophetie:


 Hofpropheten (Bsp. Nathan)
 Tempel- und Kultpropheten (Bsp. Samuel)
 Gemeinschaftspropheten (Bsp. Bei Saul)
 Charismatische Oppositionspropheten (Bsp. Jesaja)
 Prophetentradenten (vgl. Schriftprophetie)
 Aktualisieren und Weiterschreiben der Prophetenbücher
Charismatische Oppositionspropheten:
 Institutionsgebunde vs. Institutionskritische Prophetie
 Gruppenpropheten: Ordenspropheten

 Prophetie nicht in Einklang, sondern eher im Konflikt mit Königtum und Kult
 Ausüben von Kritik

6.3 Prophetische Kult- und Sozialkritik:


Was meint Kult?
 Praktische Seite von Religionen: Dienst für Gottheit in allen seinen Vollzügen
(„Gottesdienst“)
 Feste Orte und Zeiten
 Ritualisierte Handlungen und Sprechakte
 Kommunikationsgeschehen in vertikaler und horizontaler Perspektive –
„Begegnung“ mit Gott
 Zwischen Gott und Mensch
 Zwischen der Gemeinschaft untereinander
 Opfer und Gebet
 Nahrungsversorgung, Verehrung/Huldigung
 Bitte/Klage, Lob/Dank
 Vergebung erbitten und erfahren
 „Erinnerung“/Vergegenwärtigung (Identität und Geschichte)

Inhalt von prophetischer Sozialkritik:


 Kritik an sozialer Ungleichheit, Diebstahl, Ehebruch
 Kritik an Kultpraktiken, falscher Gottesverehrung
 Beispiel bei Amos:
 Städte werden reicher; Land bleibt arm
 Soziale Schere zwischen arm und reich
 Zusammenhang von Recht/Gerechtigkeit und Kult
 Beispiel bei Hosea:
 Besondere Beziehung des Volkes Israel zu Gott (Exodus)
 Beziehung als ehebrecherisch, da Volk Israel sündigt
 Stichwort Banalisierung
 Kritik an Königen Ausführung des Kultes
 „am Eigentlichen vorbei“: Fokus auf Äußerlichkeiten (Götzen)
 Abkehr vom Alleinstellungsmerkmal bzw. dem Besonderen der
Gottesbeziehung JHWH-Israel sich abhängig machen (von
Bildern, Fremdkulturen)

Zusammenhang von Kultur-und Sozialkritik:


 Volk Israel als von Gott auserwähltes Volk
 Religion soll nicht nur durch Gebet, oder durch Götterverehrung erfolgen,
sondern auch durch das soziale System
 ein ungerechtes Volk, mit starker Diskrepanz von Arm und Reich, das
Ehebruch, Mord und Diebstahl begeht kann noch so sehr die Götter verehren
und die Bräuche richtig ausführen

6.4 Formen prophetischer Rede und Auftretens:


Grundschema prophetischer Rede:
 Heilspropheten vs. Unheilspropheten
 Für beide gilt: (wesentlich):
 1. Lagehinweis/Scheltwort  eigene Gedanken des Propheten
 2. Botenformel
 „so spricht der Herr“
 Übergang zur eigentlichen Prophezeiung
 3. Prophezeiung/Drohwort  Offenbarung

Prophetische Zeichenhandlung:
 =Symbolhandlungen („Eine Zeichenhandlung ist eine Aktion, die einen
Bedeutungsgehalt darstellt, der nicht mit dem Ziel der Handlung selbst
identisch ist“
 Z.B. Jeremia zerbricht einen Krug, um der Ankündigung der Zerstörung
Jerusalems Nachdruck zu geben
 Z.B. Hoseas Ehe

Visionsschilderung:
 Optische, oder akustische Wahrnehmungen einer transzendentalen Wirkung
 Überkommen den Propheten unvermittelt und spontan

Berufserzählungen:
 göttliche Berufung eines Propheten
 Berufung bei Jesaja relativ spät
 Angabe der Umstände der Berufung
 Häufig bei Berufung göttlicher Auftrag:
 Direkte Anrede
 Sendung(?)
 Beschreibung der Aufgabe
 Erwähnung von Einzelheiten
 Einwand
 Entkräftung des Einwandes
 Gewissheit des göttlichen Beistandes
 Zeichenhandlung

6.5 Visionen bei Amos und Messianische Texte im Alten


Testament:
Visionen bei Amos:
 Beispiel Visionsschilderung: Am 7-9
 Es wechseln sich Vision und Rede mit Gott ab
 1. Heuschreckenplage und 2. Feuersbrunst  Durch Fürbitte
abgewendet
 3. Zinnmauer und 4. Korb reifen Obstes  nicht abwendbar
 5. Theophanie über dem Altar  Endgültig
 Gott erscheint über dem Altar

Messianische Texte:
s. Punkt 2.7

6.6 Das Jesajabuch:


Die Dreiteilung des Jesajabuchs:
 Jesaja/Protojesaja (740-701)  Jes 1-39
 Düstere, unheilvolle Stimmung
 Deuterojesaja (550-540)  40-55
 Überaus positive, metaphernreiche heilsbringende Stimmung
 Erwartung von etwas neuem:
 Erwartung eines neuen Exodus (aus Babylon)
 Exodus hier als etwas Heilvolles, positivies
 Hoffnungsaussicht
 Veränderung des Gottesbildes (expliziter Monotheismus und
Unabbildbarkeit)
 Tritojesaja (530)  56-66

Bücher von mindestens zwei historischen Personen geschrieben!


(anhand von genannten Königen)

6.7 Protojesaja: Restgedanke und Zionstheologie:


Hauptthemen Protojesaja:
 Restgedanke
 Form der Unheilsprophetie
 Verderben und Zerstörung für den Großteil Israels
 Ein kleiner Kern (wahres Israel als Rest) wird übrig bleiben
 Zionstheologie
 Zion: Gottes-/Tempelberg
 Rückblick zum Weltbild:
 Gottesberg im Zentrum der Welt als Wohnort Gottes
 Zion als uneinnehmbarer Ort der Gottespräsenz
 Bringt Heil und Gerechtigkeit
 Potentielle Feinde können dem Ort nichts anhaben
 Nicht nur der König soll sich gut und gerecht verhalten, sondern das
gesamte Volk vor Gott
 Zion als Ort, der bestimmte moralische Verhaltensweisen und
Regeln fordert

7. Exil und Identität


7.1 Begriffe:
Exil:
 Untergang von Israel und Juda
 Deportation der Oberschicht nach Assyrien/ Babylonien
 Enorm hohe Bedeutung für Geschichte und Religion Israels
 Hinterfragen von Identität und Glauben als Folgen

Vorexilische und nachexilische Zeit:


 vorexilische Zeit:
 von Beginn der Schöpfung über Exodus bis hin zur Zerstörung des
Nordreichs (721vChr) und des Südreichs (586vChr)
 Exilische Zeit:
 586vChr bis zum Kyros-Edikt
 Nachexilische Zeit:
 538vChr bis heute

7.2 Exil als Identitätskrise:


Was geschah?
 Nordreich und Südreich von Assyrern/Babyloniern zerstört und
eingenommen
 Israeliten vertrieben; Leben im Exil

Reaktionen:
Psalm 137:
 Trauer
 Blick zurück nach Jerusalem
 Wunsch nach Gottesnähe, Eigenständigkeit
 Wut und Hass gegenüber Babylon und Gefangenschaft

Klagelieder2, 1-7:
 Trauer und Wut
 nicht gegen Babylonier, sondern gegen Gott, der Zerstörung zugelassen hat
Jeremias Brief an Exilierte (Jer 29):
 keine Resignation, sondern Ermutigung zum Weitermachen
 Exilierte nicht als Gefangene, sondern Umgesiedelte
 Neuaufbau des Lebens ist möglich
 Wirtschaftliche und soziale Integration

Folgen:
Hinterfragen der Religion:
 Tempel wurde zerstört
 Wo war Gott?
 Wie funktioniert die Gottesverehrung ohne Tempel?
 Exil als traurige Gottesferne?
 War Gott wirklich so mächtig wie gedacht?
 Ende des davidischen Königtums

Hinterfragen der Volksidentität:


 kulturelle und örtliche Entwurzelung des Volks
 Wo ist das Volk Israel in der Zerstreuung und wer gehört dazu?
 Exilierte?
 Flüchtlinge aus Ägypten?
 Im Land verbliebene?
 Vollkommene Identitätskrise
 was macht das Volk Israel eigentlich aus?
 Erzelternerzählungen: Verwandtschaftlicher Zusammenhang
 Exoduserzählung als Gründungsmythos
 Königtum als Grundlage einer nationalen und religiösen Identität
 Exilisch-nachexilische Zeit womöglich als weiteres Ereignis

Antworten und Folgen auf theologische Fragen:


Geschichtstheologische Deutung der Exilskatastrophe:
 Warum lässt Gott die Katastrophe zu? Ist er zu schwach?
 Untergang und Leiden als Beweis Gottes Macht
 Strafe für Ungehorsam

Ausprägung des Monotheismus: (Jesaja)


 JHWH als erster und letzter Gott
 Andere Götter sind Hirngespinste

Rede von neuem Bund: (Jeremia)


 ins Herz und in den Sinn geschrieben
 Verschmelzen mit Denken und Handeln
 Kann nicht wie der alte gebrochen werden

Sabbat-Observanz und Beschneidung:


 Zeichen des Bundes
 Identity Marker

7.3 Gründe für die Rückkehrmöglichkeit:


 Sieg der Perser über die Babylonier
 Perserkönig Kyros der Große als neuer Herrscher
 Kyros-Edikt:
 Erlaubnis der Rückkehr in die Heimat (z.B. Jerusalem)
 Erlaubnis des Wiederaufbaus des Tempels
 ABER:
 nicht alle Juden kehrten schlagartig zurück
 viele blieben auch in den Gemeinden, in denen sie jetzt ein halbes
Jahrhundert lang gelebt hatten (z.B. Babel)
7.4 Monolatrie und Monotheismus:
Polytheismus:
 Verehrung von einer Vielzahl von Gottheiten
Monolatrie:
 Alleinverehrung eines Gottes (Volks-/Nationalgott)
 Z.B. JHWH-allein-Bewegung
Monotheismus:
 Glaube an einen einzigen, universalen Gott
 Leugnung der Existenz anderer Götter

8. Weisheit
8. 1 Gattungen alttestamentlicher Psalmen:
Allgemein:
 Psalm/Psalter als „Lobgesang“
 Ausdruck von Gefühlen und Gedanken zu Gott in guten und schlechten
Zeiten
 Sprache deutlich poetischer
 ca. 150 Psalmen
 Nutzung des Stilmittels des Parallelismus Membrorum
 Ordnung nach „Verfasser“ oder thematisch

Gattungen von Psalmen:


 Liturgische Psalmen:
 besondere Anlässe
 Einweihung des Tempels, Feiertage, Krönung eines Königs
 Klagelieder
 Schilderung des Leids an Gott und Bitte um Befreiung vom Leid
 Klagelieder des Einzelnen (Ps 22; 13)
 Klagelieder des Volks (Ps 74; 79; vgl. auch Klgl)
 Danklieder
 Danksagung für guten Ausgang von Ereignissen
 Bittpsalmen
 Bitte um Sieg über z.B. gottlose Gegner
 Hymnen (Ps 8; 104)
 Vertrauenslieder (Ps 23)
 Königspsalmen (Ps 2; 110)
 Zionslieder (Ps 46; 84)
 Tora-Psalmen (Ps 1; 119)
 Weisheitspsalmen (Ps 73)

8.2 Aufbau Klagepsalmen:


 Lyrisches Ich wendet sich an Gott
 Schilderung einer Notsituation
 Gott als möglicher Verursacher (Gottklage)
 Leid in Bezug auf sich selbst nochmal angesprochen (ich-Klage)
 Verordnung des Leids in der Welt (Feinklage)
 Bitte um Befreiung vom Leid
 umschlagen der Klage in Vertrauensbekenntnis und Lobgesang
 eventuell hier zeitliche Lücke
 Erfahrung dass die Klage erhört wurde, wird mit eingebracht
 im Prozess der Klage/des Redens stellt sich Vertrauensgefühl ein

8.3 Begriffe:
Weisheit:
 Allgemeine Bezeichnung für jedwede Art von Expertentum – Weisheit als
„Fertigkeit“
 Bezeichnung für internationale Geistesströmung in der antiken Welt
(Ägypten, Mesopotamien, Griechenland); atl. Weisheit teilweise in
Anlehnung an altorientalische Vorbilder
Bestimmtes Schrifttum: Sprüche-Buch, Hiob, Kohelet

Traditionelle Weisheit:
 Welt dem Tun-Ergehen-Zusammenhang unterworfen
 Wer Gutes tut, dem widerfährt Gutes
 Wer Schlechtes tut, dem widerfährt Schlechtes

Kritische Weisheit:
 Kritische Reflexion des Tun-Ergehen-Zusammenhang
 Diskrepanzen zwischen Theorie des Tun-Ergehen-Zusammenhang und
Realität (Erfahrung)
 Hintergrund u.a. Erfahrungen der exilisch-nachexilischen Zeit
 Perspektive sowohl auf Individuum (Hiob) als auch auf Teile der Gesellschaft
(Kohelet)
 Theodizee-Frage spielt auf lange Sicht große Rolle
 Gottesfurcht und Ahnung von den Grenzen der eigenen Erkenntnis der Welt
und Gottesschöpfung als Mittelpunkt
 wir können womöglich die Gerechtigkeit Gottes nicht verstehen
 „Durchführung“ im Spannungsfeld von radikaler Kritik (fast schon säkular)
und Orthodoxie (sehr fromm)
 Langfristig Tendenz zur Theologisierung – Zusammendenken von Weisheit
und Tora (Tora als größte, eigentliche Weisheitsgabe und damit auch
eigentliche „Lebensmaxime“ – vgl. Dtn 6,4f; Ps 1)

8.4 Tun-Ergehen-Zusammenhang:
 Tun-Ergehen-Zusammenhang bzw. Tat-Folge-Prinzip
 Grundsätzlich: Wer Gutes tut, dem widerfährt gutes, wer Schlechtes tut,
dem widerfährt Schlechtes
 Möglichkeiten:
 Schicksalswirkende Tatsphäre (Klaus Koch)
 Meine Handlung färbt sich auf das Wohl der Leute um mich
herum ab
 Konnektive Gerechtigkeit (Jan Assmann, Bernd Janowski)
 Politische Ordnung als wichtiges Element
 ich werde gut behandelt und bin so froh darüber, dass ich mich
ähnlich verhalte
 Gott als eigentlicher Urheber und Garant des Zusammenhangs
 Dadurch Gottesfurcht an erster Stelle
 Problem:
 Leidender Gerechter
 Mensch, der Gutes tut, dem aber schlechtes widerfährt
 Frage nach der Gerechtigkeit Gottes (Theodizee)

8.5 Umgangsweisen mit dem Leid Hiobs:


 Hiob als Leidender Gerechter

Elifas Elihu Gott


Gottes Verhältnis Unheil als Folge Leid als Gottes Macht, bzw.
zum Leid von Schuld – pädagogische Souveränität
also Leid als Maßnahme (welche einen anderen
Strafe Maßstab hat)
Handlungsanweisun Auf bisherige Buße und Fragen als Antwort?
g an Hiob Erfahrung Umkehr zu Gott (vllt an Freunde?)
bauen
unklar
Gebet

Demut

Das Neue Testament


1. Methodisches, Allgemeines und Historisches
1.1 Der Begriff „Neues Testament“:
Testament:
 lat. Testamentum
 griech. Diatheke
 hebr. Berit
 Bund, Verfügung, Verpflichtung, Vertrag
„Altes“/“Neues“ Testament:
 Impliziert Existenz eines neuen Testaments
 „Alt“ als „veraltet“
 Alternativen:
 Erstes Testament
 Jüdische Perspektive: TaNaKh (Hebräische Bibel)
 Tora, Neviim, Ketuvim

 Griech.: kaine diatheke (neuer Bund/neues Testament)


 Lat. Novum testamentum
 Formulierung eines „neuen Bundes“ in mehreren Teilen der Bibel
 Lk22,20 und 1Kor11,25)
 Neues Testament ursprünglich keine Bezeichnung für Korpus von Schriften
 Erst ab 3.Jh. Bezeichnung des Korpus
 Vorher: theologischer Ausdruck für Heilsgeschehen in Christus

1.2 Überblick über die Schriften des Neuen Testaments:

Schriftenarten:

Anordnung:
 Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes)
 Apostelgeschichte
 Die Briefe (Paulinische, Römer, 1./2. Korinther, Galater, Epheser, Philipper,
Kolosser, 1./2. Thessalonier, 1./2. Timotheus, Titus, Philemon, Hebäer,
katholische, Jakobus, 1./2. Petrus, 1./2./3. Johannes, Judas)
 Offenbarung des Johannes

1.3 Grundsätzliches zur Entstehung:


Entstehungszeiten:
 Zeitraum 80 Jahre statt 800 (AT)
 Jesus als Mittelpunkt der Schriften (hinterließ selbst keine Schriften)
 Älteste Schriften: echte Paulusbriefe (50/60nChr)
 Römerbrief, Philemon, usw.
 Hintergrund sind Fragen in christlichen Gemeinden
 70-110nChr: Entstehung der Evangelien
 Markus, Lukas, Johannes
 Sicherung der mündlich tradierten Geschichten über Jesus
90-100nChr: Entstehung katholischer Briefe

Kanonisierung:
 Kriterien des Kanons:
 Inhalt
 Gebrauch
 Geschichte ist allgemeingültig und hat sich bewährt
 Apostolizität
 Wesensgleichheit mit dem Glauben der Apostel

 Vorgeschichte:
 Kein Kanon im Urchristentum
 AT dennoch als Autorität und Orientierung
 später: Lehre Jesu und der Jünger Jesu als Autorität
 Abnicken einer Schrift durch Apostel/Apostelschüler ist Apostolizät

 Kanon: Richtschnur/Maßstab
 Ca um 200: Canon Muratori
 Ältestes erhaltenes Verzeichnis ntl. Schriften
 Evangelien, Apostelgeschichte und Großteil der Paulusbriefe
 367-Osten: Osterfestbrief des Bischofs Athanasius von Alexandrien
 27 Schriften des NT als abgeschlossene Größe
 383-Westen: Synode unter Papst Damasus in Rom
 Die gleichen 27 Schriften des NT als feste Größe
1.4 Religiöse Gruppierungen zur Zeit Jesu:
 Judentum nicht als einheitliche, monolitische Gruppe
 Verstärkung durch Diaspora
Pharisäer
 Mittelstand, Handwerker
 Streng gesetzestreu (Tora)
 Übertragung der Tora auf ihren Alltag
 Ziel: Heiligung des Alltags
 Konzept der mündlichen Tora
 Vorläufer des späteren rabinischen Judentums
 Apostel Paulus und Jesus selbst

Sadduzäer
 Tempelaristokratie (hohe Priester)
 Konservativ in Religion und Politik (enge Zusammenarbeit mit Römern)
 Geltung der schriftlichen Tora
 Glaube an Innerweltliche Vergeltungslehre (keine Auferstehung, sondern
Lohn und Strafe in unserer Welt)

Essener (Qumran)
 Ehemaliger Tempelpriester
 Ablehnung von Kult und Politik
 Art Sekte (Askese, Abgeschiedenheit)

Zeloten
 Politisch-messianische Vertreter
 Sehr Rom-feindliche Einstellung
 Erwartung des kommenden Reiches Gottes
1.5 Einleitungsfragen zu den Büchern:
Markus-Evangelium:
 Sichtweise von Papias von Hierapolis (120nChr)
Wer?
 Markus als Dolmetscher des Petrus
 Aber: Keine besondere Nähe zu Petrus und Jesus nachweisbar
 Verfasser eher unbekannt
 Frage, wie sehr dieses Evangelium für Gottes Wort steht
An Wen?
 Griechisch sprechende Heidenchristen
 Indizien:
 Übersetzung hebräischer Ausdrücke
 Erklärung jüdischer Rituale
Wo?
 Rom oder Syrien
Wann?
 Ca 70nChr
 Endzeitrede – Eroberung Jerusalems schürt apokalyptischer Erwartungen

Matthäus-Evangelium:
Wer:
 Laut Papias: Matthäus der Zöllner (Augenzeuge)
 Aber: Zwei-Quellen-Hypothese
 Judenchrist mit guter Schriftkenntnis
 Etwas wahrscheinlicher
Wann:
 80er-90er Jahre
Wo:
 Syrien
An Wen:
 Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen, die sich Heidenmission zuwenden
 Grund: Ambivalenz:
 Große Nähe zu jüdischer Tradition (Jesus als neuer Mose)
 Heftige Kritik und Polemik gegen Juden
 Doppelte Erwartungen, doppelter Missionsbefehl, doppelte
Abgrenzung (Unterschiedlichkeiten, die auf Juden- und Heidentum
hinweisen)
Warum:
 Innergemeindliche Fragen
 Heidenmission und Etablierung christlicher Verhaltensnormen
(Gesetzesverständnis)

Lukas-Evangelium:
Wer?
 „Lukanisches Doppelwerk“ – LK + Apg vom selben Verfasser
 Laut Irenäus von Lyon:
 Lukas, Arzt und Paulusbegleiter
 Aber: theologische und geschichtliche Differenzen zu Paulusbriefen
 Unbekannter Christ aus der gehobenen Bildungsschicht
Wann?
 Ca 90. N.Chr.
Wo?
 Außerhalb Palästinaas
An wen?
 Theophilus
 Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen

Johannes-Evanglium:
Wer?
 Irenäus von Lyon: Johannes Zebedäus
 Jünger und Apostel
 Aber:
 große Abweichungen von den Synoptiker
 selbstständige Christologie
 Wahrscheinlich ein uns unbekannter Judenchrist
Wann?
 100-110nChr
Wo?
 Kleinasien (evtl. Ephesus)
An Wen?
 Gemeinde aus Heidenchristen
 Erläuterung jüdischer Bräuche
 Hintergrund: heftige Auseinandersetzung mit dem Judentum
(distanzierte Rede von „den Juden“ und Verweis auf „Wahrhaftigkeit“
des Zeugnisses)

Apostelgeschichte:
Wer?
 „Lukanisches Doppelwerk“  Lk und Apg vom selben Verfasser
 Irenäus von Lyon: Lukas, der Arzt und Paulusbegleiter
 Aber: theolog. Und geschichtl. Differenzen zu Paulusbriefen
 Unbekannter Christ aus der gehobenen Bildungsschicht
Wann?
 Um ca. 90nChr
An Wen?
 Theophilus
 Gemeinde aus Juden- und Heidenchristen

Römerbrief:
(Wichtigster der Paulusbriefe)

Gesamteindruck:
 Recht lang und kompliziert für „normalen“ Brief
 Auseinandersetzung mit Missverständnissen bzw. potentiellen
Gegenargumenten in der Religion
 Weniger situationsbezogen, sondern umfassende Darstellung der
paulinischen Theologie

Schlussfolgerungen zur Entstehung:


 Abfassungsort: Korinth
 Zeit: ca.56nChr – kurz vor Ende der dritten Missionsreise
 Ziel: Vorstellung vor der Gemeinde (durch den Brief), Unterstützung für
Spanienmission gewinnen
 Daher Darstellung der paulinischen Theologie

1.6 Testimonium Flavianum:


 Flavius Josephus (37-100nChr.): Römisch-jüdischer Geschichtsschreiber
 Jüdischer Krieg
 Antiquitates Judaicae
 Contra Aiponem
 Vita
 Testimonium im Antiquitates Judaicae
 Positive Würdigung Jesu außerhalb der Bibel
 Sowohl starke Rezeption, aber auch Diskussion
 Frage danach, ob Flavius‘ Text bearbeitet wurde
2. Zentrale Bibelstellen
2.1 Zwei Gleichnisse und zwei Wunder:
Das Gleichnis vom Sämann:
 Mt13,3-8; 18-23; Mk4,3-8; 14-20; Lk8,5-8;11-15
 Ein Sämann seht den Samen
 Samen fällt auf vier Arten zu Boden
 Samen, der auf den Weg fällt, wird von Vögeln gefressen
 Menschen, die Gott gegenüber stur sind
 nehmen Gottes Wort nicht an
 der Böse (Vogel) kann ihnen die Wahrheit nehmen
 Samen, der auf den felsigen Boden fällt
 Menschen, die positiv auf Gott reagieren, aber bei Bedrängung
oder Verfolgung nichts genaues darüber wissen wollen
 Samen, der zwischen Dornen und Unkraut fällt
 Menschen, die Gottes Wort annehmen
 Sorgen der Welt und Habgier lenken sie aber vom Weg Gottes
wieder weg
 Samen, der auf guten Boden fällt
 Menschen, die Gottes Wort hören, verstehen, annehmen und
damit ein gutes Leben vollbringen
 Sinn des Gleichnisses:
 Trennung der Menschen in solche, die sich auf Christentum einlassen
und solche, die es nicht tun

Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter:


 Lukas 10,25-37
 Jude wird überfallen und fast totgeprügelt
 Priester sieht das, wechselt die Straßenseite und geht
 Levit sieht das, geht auch weiter
 Samariter (eigentlich laut dem Glauben ein fast schon Feind) kommt vorbei
 Behandlung der Wunden
 Transport in eine Herberge, Übernahme der Kosten
 Sinn des Gleichnisses:
 nicht nur die Freunde (Nächsten), die Fremden, sondern die Feinde
sollen auch geliebt werden

Das Wunder von der Heilung des Blindgeborenen:


 Johannes 9, 1-7
 Jesus bestreicht die Augen eines Blindgeborenen mit einem selbst
gemachten Teig
 Nach abwaschen des Teigs kann der Mann sehen
 Wichtig ist hierbei der Aspekt des Glaubens
 Jesus fordert ihn auf, dass er Glauben solle
 der blinde kann was den Glauben angeht mehr sehen als andere

Das Wunder von der Speisung der 5000:


 Mk 6,30-44
 Jesus predigt vor einer Stätte
 am Ende des Tages sollen alle speisen, jedoch haben sie nur fünf Brote und
zwei Fische
 Jesus dankt für das Essen, teil es aus und alle können davon satt werden
 Wichtigkeit der Gemeinde und der Solidarität
 selbst mit wenig kann bei richtiger Moral viel erreicht werden

2.2 Bergpredigt: Mt 5-7


 Moralpredigt mit Zentralbegriff der Gerechtigkeit
 Rolle von Gemeinschaft und Zugehörigkeit
 im Fokus steht die Nächstenliebe
 Doppelgebot der Liebe:
 Liebe zu Gott, sich selbst und den Nächsten
 Beginn: Die Seligpreisungen
 Selig, die arm sind, denn ihnen gehört das Himmelreich
 Selig, die Trauernden, denn sie werden getröstet werden
 Selig die hungern oder dürsten nach der Gerechtigkeit, denn sie
werden satt werden
 Es folgen Lehren über frühere Lehren der hebräischen Bibel
 Antithetischer Aufbau („Ihr habt gehört, dass… ich aber sage euch…“)
 Gesetz Mose wird nicht zurückgewiesen, sondern dessen spätere
Auslegungen („Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um
zu erfüllen“)
 Bsp: Antithese vom Töten
 Steigerung: Nicht töten – nicht zürnen – nicht einmal
herabwürdigen
 Last der Moral sehr groß (Sünde beginnt sogar schon im Denken!)
 Abschluss:
 „Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“
 sehr hoher Anspruch (Jesus als Vorbild in Wort und Tat)
 niemand ist wirklich vollkommen, außer Gott
 die göttliche Vollkommenheit soll angestrebt, wenn auch nie
erreicht werden
 goldene Regel

2.3. Das Reflexionszitat:


 Oft in Kindheitsgeschichten
 Ziel: Jesus durch Rückbezug auf das Alte Testament als DEN Messias zu
rechtfertigen (als Heilsbringer/ Gotteswillen)
 Beispiel:
 Jesus als Sohn von Maria
 unbefleckte, durch den heiligen Geist entstandene Empfängnis
 dadurch göttlicher Charakter
 Maria und Josef als Nachfahren des israelitischen Königs David
 Rückbezug auf AT: Messias aus dem Geschlecht Davids wurde
erwartet

2.4 Ich-bin-Worte: (Joh)

2.5 Berufung des Paulus: Apg 9


 Paulus auf Reise nach Damaskus
 Blendung durch helles Licht und Hören einer Stimme
 „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“
 Bei der Stimme handelt es sich um Jesus
 Bekehrung Paulus‘
 er dachte zuvor, er würde mit der Verfolgung der Christen Gott
verteidigen
 der vorübergehend blinde Paulus wird von Gefährten nach Damaskus
geführt
 Paulus und Hananias haben Visionen voneinander
 Hananias kann durch Handauflegen Paulus heilen
 Taufe Paulus
 Paulus wird in der Gemeinde Barnabas‘ aufgenommen

2.6 Apostelkonzil: Apg 15/Gal2


 Aufnahme von Nicht-Juden als Christen sorgt für Probleme
 Juden lange aus von Gott erwähltes Volk
 Einhalten des mosaischen Gesetzes
 Müssen Nicht-Juden dieses ebenfalls einhalten?
 Verschiedene Meinungen:
 ja, Gesetze müssen gehalten werden, Beschneidung ist notwendig
 nein, nur der Glaube an Jesus ist wichtig
 Klärung der Unstimmigkeiten beim Konzil
 Ergebnis: keine Einhaltung von Gesetzen notwendig

2.7 Die Evangelien:

Matthäus Markus Lukas Johannes


Jesus als Erfüllung Jesus als Jesus als Retter Jesus als ewige
des Gesetzes und leidender der Welt Person aus dem
der Prophezeiung Gottessohn Himmelreich
Jesus als neuer Bereitschaft, sein Leben und Lehren göttliche Natur
Mose Leben für die Jesu für alle Jesu im Fokus
Vergebung der gedacht
Sünden zu opfern
Leben und Verbergen der Verhältnis zu viele theologische
Botschaft Jesu als Identität als Außenseitern, und
Einklang mit der Gottessohn vor Armen und philosophische
hebräischen Bibel Ungläubigen Frauen wichtig Aspekte
3. Evangelien (allgemein)
3.1 Der Begriff „Evangelium“:
Früher: Griech.: „Frohe Botschaft“
 Nachricht von der Geburt eines Kaisers
 Z.B. Kaiser Augustus
 Ankündigung des Heilshandeln Gottes
 AT bei Jesaja
Aber Heute:
 Literarische Gattung mit biographischen Elementen
 Taufe, Geburt Jesu, Kreuzigung, Auferstehung, Stationen der
Wirksamkeit
 Verbindung der Biographie mit Überlieferung und Deutung der
Botschaft Jesu
 Evangelien daher nicht als historisch zuverlässige Dokumente,
sondern als Schriften mit theologischer Deutung

3.2 Synoptische Evangelien und die synoptische Frage:


Synoptische Frage:
 Synopsis = Zusammenschau
 Beobachtungen:
 Evangelien zeigen sowohl enorme Gemeinsamkeiten, als auch enorme
Unterschiede
 Mt, Mk und Lk mit Ähnlichkeiten in Inhalt, Aufbau und Wortlaut
 Mt und Lk weisen Gemeinsamkeiten auf, die Mk nicht hat
 synoptische Frage: Was steckt hinter diesen Gemeinsamkeiten und
Unterschieden?
 Antwort: Die Zwei-Quellen-Theorie!

3.3 Zwei-Quellen-Theorie
 Beobachtungen der Synoptischen Frage führen zu Fragen nach
Überlieferungen
 Hypothese: Zwei-Quellen-Theorie:
 Markus-Evangelium als ältestes
 Bezug Mt und Lk auf Mk-Evangelium
 ABER: Mt und Lk mit zweiter Quelle (Logienquelle-Q)
 Logienquelle wurde nie wirklich gefunden
 Rekonstruktion aber ungefähr möglich
 Bestand wohl Hauptsächlich aus Spruchgut Jesu

3.4 Zentrale Unterschiede Joh vs. Synoptiker


Synoptiker:
 Bezeichnung für die vier Evangelien, die bemerkenswerte Gemeinsamkeiten
besitzen (Aufbau, Geographie, Wortlaut, usw.)
 Markus, Matthäus, Lukas und teils Johannes

Vergleich von Markus, Lukas und Matthäus:


 hohe Ähnlichkeit in Aufbau und Geographie

Johannes und die Synoptiker:


 Wenig Übereinstimmungen mit den Synoptikern
 Gemeinsamkeiten:
 Tempelreinigung
 Johannes der Täufer
 Einzug nach Jerusalem
 Passionsgeschichte
 …
 Unterschiede: (links: Synoptiker; rechts: Johannes-Ev)
Wieso wurden die drei synoptischen Evangelien trotz
Gemeinsamkeiten ALLE in den Kanon aufgenommen?
 unterschiedliche Blickwinkel und anderer Fokus
 richten sich an andere Bevölkerungsgruppen
 höhere Verbreitung der frohen Botschaft

4. Leben und Wirken Jesu


4.1 Gegenüberstellung Bergpredigt und Feldrede:

Ergänzung zur Feldrede:


 Reichtum und Besitz spielen große Rolle
 Goldene Regel als Zentrum
 Aufforderung zur Barmherzigkeit, statt Vollkommenheit
 Mahnung, nicht zu richten IST hier Barmherzigkeit
 Mahnung nicht um nicht gerichtet zu werden, sondern der
Barmherzigkeit Willen

Materielle Armut/Not in der Feldrede:


 Großer Fokus
 Selig sind die Armen

Geistige Armut/Not in der Bergpredigt:


 Geistige Armut oder geistliche Armut?
 Es geht um immaterielle = geistige Armut bzw. Not
 alte Sprachen: Geist auch mit Herz, oder Seele umschrieben
 es geht nicht um kognitive Fähigkeiten
 Eigene immaterielle Not:
 Geistliche Armut
 Leid tragen
 Ungerechtigkeit
 Verfolgung um der Gerechtigkeit/ um Jesu Willen
 Reaktion auf immaterielle Not anderer:
 Sanftmut
 Barmherzigkeit
 Reines Herz
 Frieden stiften

Interpretationsmodelle:
 siehe VL Linke Ethik
 Funktional-radikal
 relativierend

4.2 Wundererzählungen im NT:


Allgemein:
Modernes Verständnis:
 Naturwissenschaftliche Perspektive:
 Verstoß gegen Naturgesetze
 Wissenschaftlich nicht erklärbar
 Glaubensperspektive:
 Auch rational Erfassbares kann als Wunder wahrgenommen werden
= Außergewöhnliches

Verständnis in der Antike:


 Keine strikte Trennung zwischen Göttlichem und Irdischem
 Wundergeschehnisse als besonders intensive Erfahrung des in der Welt
wirksamen, Göttlichen als Offenbarung des Göttlichen
= Fokus liegt (v.a. im NT) nicht auf dem Außergewöhnlichen
??????
Formen:
 Heilungswunder:
 Schilderung des Leidens
 Handeln Jesu (Wunderhandlung)
 Chorschluss (Reaktion der Umliegenden)
 Dämonenaustreibungen:
 Schilderung des Zustandes
 Begegnung
 Chorschluss
 Naturwunder:
 Kein Handeln am Menschen, sondern an Gegenständen oder
gegenüber Naturgewalten
Beispiel des blinden Bartimäus:
 Jesus kommt nach Jericho
 Dialog zwischen Jesus und Bartimäus
 „Geh hin, dein Glauben hat dir geholfen.“
 Wunder liegen nicht an Jesus, oder Gott sondern am Glauben!

Mögliche Deutungen:
Wunder als Interpretamente von Glaubenserfahrung:
 Markus-Evangelium: Unverständnis der Jünger
 obwohl Jesus bereits Wunder vollbracht hat
 Direkt danach Heilung eines Blinden (zeigt Befreiung vom Unverständnis an)

Wunder als Zeichen der Gottesherrschaft (Machterweis):


 Matthäus-Evangelium
 Johannes der Täufer fragt Jesus, ob er der ist, auf den sie warten
 Jesus: „Blinde sehen, Arme gehen, Aussätzige werden rein, und Taube
hören…“
4.3 Grundfrage der Leben-Jesu-Forschung:
 Frage nach richtigem/wahren Jesusbild
 Wer und wie war Jesus?
 Verkündung Jesu und Verkündung über Jesu?
 Selbstverständnis Jesu und Interpretation
 Trennung der Fakten von der religiösen Deutung wichtig
 Trennung überhaupt möglich?
 Notwendigkeit und Relevanz des wahren Jesu?
 richtiges Christentum geht nicht mit Jesus, sondern mit der
Ostergeschichte los
 Verkündeter Jesus und Tatsache, dass er existierte sind wichtig

4.4 Kriterien für die Feststellung authentischer Jesus-Worte:


Differenzkriterium:
 zu belegende Worte dürfen keinen Zusammenhang mit der
Botschaft/Deutung des Judentum oder Christentum haben
 Jesus ansonsten nur als Deutungsfigur des Glaubens
 Worte ohne Glaubensbezug wirken authentischer

Kriterium der Mehrfachbezeugung:


 fällt ein bestimmter Satz oder Wortlaut Jesu in nur einer Quelle, ist die
Wahrscheinlichkeit geringer, als würden alle vier Evangelien und dazu noch
das Testimonium Flavius oder Tacitus ihm die Worte zuschreiben

4.5 Zusammenhang historischer und theologischer Jesus:


Enge Verknüpfung von Eckdaten des Lebens und religiöser Deutung!

Geburt (Matthäus und Lukas)


 Reflexionszitate (Erfüllung atl. Verheißungen)
 Geburtsort Bethlehem (Davidssohn)
 Stall und Krippe (Jesu Hinwendung zu den Armen)
 Flucht nach Ägypten (Bewahrung)
 Geburt hat definitiv Bedeutung!

Kreuzestod:
 Kreuzigung und Verurteilung durch Pontius Pilatus
 Kultische Deutung/Jesus als Opferlamm
 Juridische (moralisch-sittliche Herleitung des Rechts) Deutung
 Versöhnungs- und Friedensgeschehen
 Stellvertretungsdeutung
 Er wird stellvertreten unsere Sünden gekreuzigt
 Loskauf/Lösegeld-Deutung
 er erlöst uns mit der Kreuzigung von den Sünden

Auferstehung:
 Bedeutung:
 Christl. Hoffnung auf Auferstehung der Toten
 Schritt von Jesus von Nazareth zum Christus des Glaubens
 Problem:
 Empirischer Nachweis nicht möglich
 Grundlagen des Auferstehungsglaubens
 Das leere Grab
 Erscheinungen
 Wandel der Jüngerschaft
 Anknüpfungspunkte in der jüdischen Tradition

5. Christologie

5.1 Der Begriff „Messias“:


 Messias (Christus)  der Gesalbte
Innerweltlich:
 Verwendung für den irdischen König und den Hohepriester
 Wurden für Amtseinführung gesalbt
 Messias als politische Größe (z.B. Saul, David, Kyros)

Im Glauben:
 Person, in die Hoffnung auf Wiederherstellung des davidischen Königtums
(innerweltlich bzw. eschatologisch) gesetzt wurde
 Innerweltlicher König mit Wiederherstellung Israels (Serubabbel als
historische Person, in die die Hoffnung gesetzt wurde)
 Messias soll heilige Person sein, quasi überweltlich (eschatologische
Wandlung)
 Messias als „Licht für die Völker“ (Jesaja)
 Jesaja kündigte Messias mehrfach an:
 Heilskönig
 Friedensherrscher
 Davidide
 ABER: Weissagung eines vollkommenen Heilskönigs; deshalb nicht
mehr wirklich historisch

5.2 Das Messiasgeheimnis:


 Grundlegende Arbeit von William Wrede (1859-1906)
 Beobachtung, dass Messianität im MkEv eher verborgen und geheimnisvoll
ist

Christologische Schlüsselzenen:
 Wann erfährt wer, dass Jesus der Messias ist
 Langsame Ausbreitung des Kreises der Wissenden

Anfang:
 Nur Jesus hört Himmelsstimme
Mitte:
 Jesus und drei Jünger hören Himmelsstimme
Ende:
 Jüngling/Engel spricht
Elemente des Messiasgeheimnis:
 Schweigegebote:
 Wunder von Jesus; Frage nach Identität seiner Person
 Gebot Jesu, dass niemand seine Gottessohnschaft (Person) und seine
Macht (Wunder) verbreitet
 Jüngerunverständnis:
 Nichterkennen von Jesu Hoheit
 Große Furcht vor Jesu
 Verweis auf Kleinglauben der Jünger
 können die Wunder nicht verstehen
 Nichterkennen von Jesu Niedrigkeit
 Jesus als Messias bekannt
 Nicht Macht, Ruhm oder Hoheit gehen mit dem Status
Gottessohn einher, sondern gewisse Niedrigkeit und
Menschlichkeit (Einherreiten auf einem Esel)
 können das Leid nicht verstehen
 Jesus redet in Gleichnissen und erklärt das nur den Jüngern
 Jünger nehmen Hoheit von Jesu nicht wahr
 sie kapieren nicht, dass er Sohn Gottes ist
 Verstockungsmotiv:
 Unterscheidung zwischen Jünger als inneren und Menschen außen als
äußeren Kreis
 Es folgt allegorische Auslegung des Gleichnisses vom Sämann
 Nur die Jünger erfahren die Auslegung (andere Menschen nicht)
 Sämann bezeichnet Ausbreitung von Gottes Wort
 Gleichnis soll hier Missverständnis ausrufen
 Nur mit dem Gleichnis allein kann also nicht erkannt werden, dass
Jesus der Messias ist
 Notwendigkeit von Kreuz und Auferstehung
????
schau nochmal in der Nachbesprechung nach,
bitch
Erklärung des Messiasgeheimnis:
 Historisch-psychologisch:
 Bescheidener Umgang mit vorherrschenden Messiasvorstellungen
 Jesus sucht nicht fame and fortune
 Ausgleich widersprüchlicher Jesusbilder:
 Messiaswürde erst nachösterlich
 Projektion dessen in vorösterliches Leben
 Erklärung vom literarischen Effekt her
 Interesse gegenüber Jesus wird gesteigert
 Apologetische Erklärung:
 Grund warum Jesus und Heilsbotschaft nicht erkannt wurden
 Paränetischer Effekt:
 Appell/Predigt an Hörer zum rechten Verstehen und Verhalten
angesichts der Offenbarung (Basis für Nachfolge)
????

5.3 Reflexionszitate:
s. Beispiel Reflexionszitate

5.4 Johannes der Täufer und Jesus: (Lk Evangelium)


 Parallelität zwischen Jesus und Johannes dem Täufer
 Eingreifen Gottes in die Schwangerschaft
 Engel sagt Geburt an
 Verwandtschaft zwischen Jesus und Johannes
 Gesang der Lobgesänge bei Geburt
 Unterschiede:
 Johannes:
 Unfruchtbare wird Schwanger
 Jesus:
 Davidssohn und Messias
 Jungfrau wird schwanger
 Weitere Geschichten

5.5 Randgruppen im Lukas-Evangelium:

Was sind Beispiele für die Zuwendung?


6. Briefe (allgemein)
6.1 Allgemeines:
Welche Briefe gibt es?
 Corpus Paulinum (14)
 Johannesbriefe (3)
 Pastoralbriefe (3)
 Katholische Briefe

Aufbau neutestamentlicher Briefe:


Präskript:
 Absender, Adressat, Eingangsgruß
 „Gnade sei mit euch und Friede von Gott…“
 Ggf. Eulogie (Lobpreis)
 Proömium (Danksagung)

Briefkorpus:
 Thematischer Teil, meist zweigeteilt
 Dogmatischer Teil
 Paränetischer Teil (ermahnender Teil)

Briefschluss:
 Ggf. Schlussparänese (mahnende Worte)
 Postskript: Grüße, Segenswünsche

Paulusbriefe hier deutlich länger und verworrener!

6.2 Corpus Paulinum:


 Briefe, die dem Apostel Paulus zugeordnet werden
 oft an seine Gemeinden geschrieben

Unterteilung der Briefe nach:


 Adressaten:
 An Gemeinden (Röm, 1+2 Kor, Gal, …)
 An Einzelne (1+2 Tim, Tit, Phim)
 Abfassungssituation:
 Gefangenschaftsbriefe (Eph, Phil, Kol, …)
 Verfasser:
 Protopaulinen (echte Paulusbriefe) (Röm, 1+2 Kor, Gal, …)
 Deuteropaulinen (pseudepigraphe Briefe) (Eph, Kol, …)

6.3 Pseudepigraphie:
 literarische Fälschung oder Nachahmung einzelner Autoren
 Bibelbeispiel: 2. Thessalonier
 Zuordnung zu Paulus, aber wohl eher ein Paulus-Schüler
 persönlicher Ton fehlt
 stilistische und sprachliche Eigenheiten
 inhaltliche Differenzen (Eschatologie)

7. Frühe Kirche
7.1 Jerusalemer Urgemeinde:
Allgemeines
 Anfang des Christentums nach Pfingsten (Ausschüttung des heiligen Geistes)
 Idealisiertes Bild in der Apostelgeschichte
 Abendmahl und Taufe als zentrale Riten
 Gruppe versteht sich noch immer als Teil des Judentums
 Lediglich Glaube an Jesus als Messias

Zwei Fraktionen: Hebräer und Hellenisten:


 Hebräer:
 Aramäisch-sprachige Gruppe
 12er Kreis von Petrus angeführt
 Später Leitung durch 3 Säulen: Jakobus, Herrenbruder und Johannes
 Hellenisten
 Griech-sprachige Gruppe
 Juden aus der Diaspora
 Eigenständiger Verband
 7-köpfiges Leitungsteam um Stephanus
 Verfolgung und Vertreibung durch Pharisäer

Konflikte:
 Kritik am Tempel durch Hellenisten
 Tora-Vorschriften und Stellung zum Gesetz Jesu

7.2 Paulus – Biographie:


 Primärquellen: Paulus-Briefe
 Geburt und Jugend in Tarsus
 Pharisäische Erziehung;
 Beruf Zeltmacher
 Römisches Bürgerrecht, höherer Stand
 Ausbildung bei Gamaliel I. in Jerusalem
 Beteiligung an Verfolgung der Christen
 Zeuge bei der Steinigung des Stephanus
 31nChr. Berufung in Damaskus
 Christuserscheinung
 Vom Verfolger zum Verkündiger
 s. Punkt 2,5
 35nChr. Erster Besuch bei Petrus in Jerusalem
 Rückkehr nach Tarsus
 Mit Barnabas Reise nach Antiochia
 1. Missionsreise im Auftrag der antiochenischen Gemeinde
 Zyper und Kleinasien
 Sowohl Kontakt mit anderen Religionen als auch eigene Verfolgung
 48/49 Apostelkonzil: Heidenmission: Antiochenischer Zwischenfall
 Petrus: Verkündigung unter Juden
 Paulus: Heidenchristen
 Unabhängigkeit nach Zwischenfall
 2. Missionsreise durch Griechenland
 Predigt in Athen (Areopag)
 Korint: 18 monatiger Aufenthalt
 Anklage unter Gallio  Paulus verlässt Korinth
 3. Missionsreise ca 52
 Ankunft in Ephesus; 21/2 jähriger Aufenthalt
 Inhaftierung von Paulus und Timotheus
 Weiterreise nach Griechenland in Mazedonien, trifft Paulus,
Timotheus und Titus
 Korinth: dreimonater Aufenthalt; Abreise mit der Kollekte nach
Jerusalem
 Ankunft in Jerusalem um 56
 58 Amtswechsel von Felix zu Festus: Haft des Paulus
 59 Prozess: Überführung nach Rom
 60 Martyrium des Paulus (wenn 64, dann unter neronianischer
Christenverfolgung)

7.3 Apostelverständnis (Apg vs. Paulus):


 Apostel:
 Zeuge und Verkündiger der Auferstehung
 Zeugen von der Taufe durch Johannes bis zur Himmelfahrt
 Paulus also eigentlich kein Apostel
 Laut Paulus erfolgt Berufung aber durch Christus selbst
 Gleichwertigkeit der Erscheinungen der Jünger
 Wirkung von Paulus schwankt (starke Person in Apg) stark von Apg zu
Briefen

7.4 Wichtige Begriffe:


Apostelkonzil:
 Schlüsselereignis in frühem Christentum
 Inhalt:
 Frage der Missionspraxis
 Antiochia: kein Festhalten an jüdischen Praxis bei Heidenchristen
 Jerusalem: Festhalten an jüdischen Praxis
 Müssen Heiden nicht erst Juden werden, um danach Christen zu
werden?

Gal 2,1-10 Apg 15, 1-29


Anlass Offenbarung/Evangelium Beschneidungsforderung/Forderung
verbreiten , Riten einzuhalten von seitens
Judenchristen
Teilnehme Paulus, Johannes, Jakobus Paulus/Barnabas (Antiochia)
r Paulus, Barnabas und Titus Petrus/Jakobus
Titus Griech. Heidenchrist Nicht erwähnt
Beispiel zur Anschauung
Wer Paulus verkündet Evangelium Petrus; Jakobus
spricht?
Ergebnis Gesetzesfreie Heidenmission; Aposteldekret
Aufteilung der (Mindestanforderungen)
Heidenmissionsgebiete; ggf.
Kollekte
Nachgang Antiochenischer Zwischenfall Gemeinden werden brieflich
benachrichtigt

Ergebnis:
Gal:
 Gesetzesfreie Heidenmission
 Einigung auf Aufteilung der Missionsgebiete
 Petrus konzentriert sich auf Juden, Paulus auf die Heiden
 Einrichtung von Kollekte durch Paulus und Barnabas

Apg:
 Aposteldekret !
 Grundforderungen an Heidenchristen bzgl. Einhaltung der Gesetze
 Dekret nicht als Produkt des Konzils, sondern als Nachgeschichte

Antiochenischer Zwischenfall:
Gemeinde in Antiochia:
 Bedeutende Stadt in Syrien, prosperierendes Judentum
 Erste Heidenchristen aus den „Gottesfürchtigen“
 Nicht-Juden, die mit dem Judentum sympathisierten
 Zufluchtsort vertriebener Hellenisten
 Entstehung eigenständiger Gemeinde, Bezeichnung „Christianoi“
 Leutungsgremium aus 5 Personen
 U.a. Barnabas, später auch Saulus/Paulus

Zwischenfall::
 Problematik, von Juden und Heidenchristen gemischten Gemeinden
 Ehemalige Praktiken durften beibehalten werden
 Konflikte
 Problem:
 Dürfen Judenchristen Gesetze auslassen?
 Müssen die Heidenchristen sich anpassen?
 Kann man überhaupt gemeinsam speisen?
 Petrus (Judenchrist) hält Tischgemeinschaft mit Heidenchristen
 Aufkündigung der Tischgemeinschaft nach Ermahnung aus Jerusalem
 Bruch der Vereinbarung des Konzils (laut Paulus)
 Ergebnis: Alleinige Missionsreise des Paulus
 Aposteldekret als Versuch, solche Konflikte im Nachhinein zu regeln

7.5 Grundforderungen des Aposteldekrets:


 Vier Forderungen an Heidenchristen:
 Enthaltung von Opferfleisch (kein Götzenopferfleisch)
 Enthaltung von Unzucht (Verwandt-Ehen, Prostitution)
 Enthaltung von Ersticktem (kein Verzehr von nicht-geschächtetem
Fleisch, das also nicht nach jüdischem Ritus geschlachtet wurde)
 Enthaltung von Blutgenuss
7.6 Weg der Urgemeinde zur Heidenmission:
 Christen ursprünglich Juden
 Heidenchristen anfangs nur ungern aufgenommen

Petrus Auslandeinsatz:
 Petrus bereist Küstenstadt Joppe
 Vision auf einem Dach (weißes Tuch mit Insekten)
 Stimme weist, zu essen
 Petrus weigert sich  Zurechtweisung Gottes

Petrus knüpft Kontakte zu den Nicht-Juden:


 Petrus erhält Besuch von Nicht-Juden (aus Cäsarea)
 gerechter und göttesfürchtiger Mann
 eigentlich wäre Kontakt mit dem Nicht-Juden verboten
 Jesus als Vorbild: heilte auch Nicht-Juden und verkehrte mit ihnen
 Petrus nimmt sie auf

Aufnahme von Nicht-Juden in die Gemeinschaft:


 Reise mit den Nicht-Juden nach Cäsarea
 Ankunft am Hause Kornelius
 Kornelius hatte Vision, dass er nach Petrus schicken lassen solle
 Petrus realisiert, dass Gott jede Person willkommen heißt, die ihn fürchtet
und tut was recht ist (Apg 10, 34-35)

Gottes Segen für Nicht-Juden:


 Heiliger Geist durchfährt die Anwesenden

????

8. Kirche heute
8.1 Gegenüberstellung Abendmahlsüberlieferungen:
Mk14/ Mt26 Lk22/ 1Kor 11
Deuteworte streng parallel Deuteworte sind asymmetrisch
(Die ist mein Leib, dies ist mein Blut)(Dies ist mein Leib, dieser Kelch ist der
neue Bund)
Abendmahl als Feier des Bundes Abendmahl als Feier des neuen Bundes
Wein als Blut des Bundes (Exodus) Ermöglichung durch Blut und Tod Jesu
Heilsbedeutung im Kelchwort (für viele Heilsbedeutung im Brotwort (für euch
vergossen, zur Vergebung der Sünden) gegeben) und bei Lk im Kelchwort
zusätzlich
Darstellung als Schilderung eines Wiederholungsbefehl (Dies tut zu
einmaligen Geschehens (und sie alle meinem Gedächtnis)
tranken daraus)
Mahl des Pessachabends Mahl findet in der Nacht des Verrats
statt; kein Pessach

Einsetzungsworte:
 Deuteworte von Jesus
 Worte des letzten Abendmahl
 Verteilen von Brot und Wein durch Jesus
 Hinweis auf letztes Abendmahl
 Neue Bedeutung in Elemente eingesetzt
 Verbunden mit Tod und Auferstehung

8.2 Abendmahlsbedeutung im Neuen Testament:


 Vergegenwärtigung des Todes Jesu (1Kor 11,26)
 Vergegenwärtigung des neuen Bundes nach Jesu Tod (1Kor 11, Lk)
 Vergegenwärtigung des Leben Jesu im Brotwort (Joh 6,35)
 Verheißung der Gabe des ewigen Lebens
 Ausblick auf eschatologische Mahlgemeinschaft im Reich Gottes (Synoptiker)
 Konstitution einer neuen Gemeinschaft (1Kor 10; Bericht vom gemeinsamen
Mahl bei den Synoptikern)
 Präsenz des Herrn beim Mahl (1Kor 10: Gemeinschaft des Leibes/Blutes
Christi)
 Sündenvergebung (nur bei Mt)

Also:
 Sündenvergebung, Gemeinschaft, Vergegenwärtigung (eschatolog. Ausblick)

8.3 Christliche Sakramente:


 Zeichen und Handlungen, durch die Gott mit den Menschen in Verbindung
tritt
 Sichtbares Zeichen, das auf die unsichtbare Wirklichkeit Gottes hinweist
 Verbindung von Gott mit Mensch
 Sichtbare Wirklichkeit verknüpft sich mit unsichtbarer Göttlichkeit
 Wortgeschehen (Augustinus): accedit verbum ad elementum et fit
sacramentum

Sakramente evangelisch:
 Sakrament als Auftrag von Christus
 Abendmahl und Taufe
 Rückführbarkeit auf Jesus:
 Abendmahl: Letztes Abendmahl bei Jesus, schließen neuen
Bundes und Wiederholungsbefehl
 Taufe: Jesus wurde getauft als Bekenntnis zum Glauben, er
selbst tauft „mit Feuer“ also quasi mit dem heiligen Geist
 (Beichte)

Sakramente katholisch:
 Buße, Firmung, Taufe, Beichte, Krankensalbung, Priesterweihe, Eucharistie

Die Taufe als Sakrament: (Petrus)


Ekklesiologisch:
 Gemeinde durch Taufe
 =Eingliederung in die Kirche

Soteriologisch:
 Taufe als rettendes Geschehen, Trennung von der Macht der Sünde und
neues Leben im Geist
 Wechsel vom Machtbereich der Sünde in Machtbereich der Gnade
 Taufe und Glaube mit wechselseitigem Bezug

9. Gerechtigkeit, Kirche und Israel


9.1 Schuld und Rechtfertigung im Römerbrief:
Aufbau und Inhalt:
 komplexester aller Paulus-Briefe
 Brief an die Römer
 Briefanfang:
 Zentralthese (Röm1,16f.)
 Rechtfertigung und Heils
 Hauptteil:
 1-8 Entfaltung der Rechtfertigungslehre
 9-11 Folgefragen: Gottes Weg mit Israel
 12-15 Paränese: Die Gestaltung der Freiheit
 Briefschluss

Außerdem:
2. Adam-Christus-Typologie: Röm 5
 Vorher-nachher Bild
 Urtypus: Adam
 Sünde und Tod kam in die Welt
 Unheil durch nur eine Person
 Jesus:
 Tod als Folge zur Sünde
 Nur eine Person kann das Heil bringen

Die Ausgangssituation: Röm 1,18-3,20:


 Nachweis der Schuld aller Menschen
 Gerichtsrede gegen alle
 Gott hat sich bereits offenbart  Verhalten gegenüber Gott ist
deshalb wichtig
 Anklage gegen die Heiden nach Werken: Naturgesetz/ Gewissen
 Schöpfung Gottes hätte durch Schönheit der Natur erkannt
werden können
 Menschen Sind aber daran gescheitert
 Anklage gegen die Juden: Tora
 Juden haben als erwähltes Volk das Gesetz Gottes
 Sind aber daran gescheitert
 Sündigen zur Ehre Gottes? (Auseinandersetzung mit Einwänden)
 Alle stehen unter dem Machtbereich der Sünde
 Menschliche Heilbemühungen sind absolut nutzlos
 Urteil über die Menschen: Alle sind schuldig!!!

9.2 Paulinische These von der Rechtfertigung aus Glauben:


Rechtfertigung aus Glauben: Röm 3,21-5
 Jesus als universaler Sühneort und die Gerechtigkeit aus Glauben
 Glaube des Abrahams als Vorbild
 Gott wendete sich Abraham zu und umgekehrt
 Abraham war davor kein Heiliger (Glaube reicht also)
 Erinnerung: Blut als Mittel der Sündenvergebung im AT
 Tod Jesu unterstreicht die Vergebung Gottes
 Gott verzichtet auf „Gerechtigkeit“, sondern vergibt
 Göttliche Gnade durch Glaube an Gott/Jesus

Leben aus der Versöhnung (Röm 6-8):


 Versöhnung: Neue Existenz vor Gott
 Dadurch: Freiheit von Tod und Sünde, sowie vom Gesetz
 Fleischliche Existenz: Mensch durch Begierde bestimmt
 Keine Einhaltung des Gesetzes
 Taufe als praktischer Ausdruck des Glaubens: Befreiung
 Erreichen des Machtbereichs der Gnade

9.3 „Gesetz“ bei Paulus:


Allgemein: Regel, Norm, Ordnung:
 Irdisch-innerweltlich (politisch, moralisch)
 Überweltlich-religiös (gottgegeben, Verpflichtung ggü. Göttern – Verehrung)

Jüdische Tora: (Paulus)


 Paulus als Judenchrist
 Gesetz – Tora – Halacha (Göttliche Weisung)
 Pentateuch (vgl. „Gesetz und Propheten“)

Kurz: Wenn in der Bibel von „Gesetz“ die Rede ist, schwingt die Tora immer mit!

Das „Gesetz“ – Rechtfertigung jüdisch:


 Gerechtigkeit nicht denkbar ohne Tora!
 Gerechtigkeit gibt es nur mit Tora (ungeschriebenes, ewiges Gesetz)
 dagegen Paulus: (Allein) Glaube bzw. intakte Gott-Mensch-Beziehung sind
für Gerechtigkeit entscheidend!
 Konflikt über Abwendung der Tradition wird verständlicher!
 Antithese zu normaler jüdischer Perspektive

Das Gesetz bei Paulus:


Große Ambivalenz und auch widersprüchliches Verhältnis zum Gesetz:
 Galaterbrief: polemischer Kontext  negativ/Abwertung
 Römerbrief: eher allgemein/neutral  Apologie des Gesetzes

Aussagen:
 Gesetz ist gut, heilig und gerecht
 Gesetz in gleichen Machtbereich wie Sünde, dadurch hat sie Macht über den
Menschen gewonnen hat
 Geistliches Gesetz ist wegen der Sünde kein Heilsweg für den fleischlichen
Menschen
 Röm 10,4: Christus als Ende des Gesetzes (Ende als Vollendung oder Ziel?)

Einordnung durchaus diskutabel:


 Abgrenzung muss unter dem Aspekt bedacht werden, dass sich Paulus um
die Heidenchristen kümmerte
 bei ihrer Missionierung stellte sich die Frage, ob sie das Gesetz
einhalten müssen, oder nicht
9.4 Antwortmöglichkeiten auf das „Israel-Problem“:
 Heilsgeschehen besteht in Kreuz und Auferstehung
 Alle Menschen, AUCH das auserwählte Volk Israel sind schuldig
 jeder sündigt
 Problem:
 Juden sehen Jesus nicht als Christus an
 Juden können also nicht zum Heil gelangen
 Widerspruch des auserwählten Volkes, das kein Heil erlangen kann

Verschiedene Antworten:
 Wer gehört zu Israel?
 Differenz wahrer Abstammung vs wahres Israel der Verheißung
 Freie Gnadenwahl Gottes
 Verwerfung/Verstockung eines Teils Israels – Erwählung/Rettung eines Rests
 Ein Teil wird errettet, ein Rest eben nicht
 Verheißung des Anfangs bleibt weiter in Geltung
 Ölbaumgleichnis (Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt
dich)
 Ganz Israel wird gerettet werden (Errettung bleibt Gottes Geheimnis)

10. Eschatologie
 Lehre von den letzten Dingen (Theologie)
 Im weiteren Sinne:
 Frage nach dem Ergehen im Tod (individuell)
 Frage nach dem Ergehen der Welt am Ende der Zeiten (kollektiv)
 Zeitlich: Jetzt oder Dann
 Räumlich: Diesseits oder Jenseits
 Eschatologie oder Apokalyptik
 Eschatologie: jetzt und dann überlappen sich
 Heilsvorstellungen sind auch innerweltlich möglich
 Apokalyptik: jetzt und dann überlappen sich nicht
 Heil erst bei neuer Welt und neuem Himmel möglich
 Kommt in der gesamten Bibel vor

10.1 Jüdischer Hintergrund christlicher


Auferstehungshoffnung:
Ausgangspunkt:
 Futurische Eschatologie spielt sehr untergeordnete Rolle

Vorexilische Zeit:
Scheol (Unterwelt):
 Totenreich existiert
 =Unland/ Schattenreich
 Starker Gegensatz zum Leben mit Gott (Tod=Trennung von Gott)

Zionstheologie:
 Gott lebt auf dem Zion
 Hält von hier die Chaosmächte/dunklen Mächte der Welt in Schach

Exilisch-nachexilische Zeit – Neuauflage er Zionstheologie:


Ergehen nach dem Tod:
 Göttliche Kompetenzausweitung (kann auch auf das Totenreich zugreifen)

Blick auf das große Ganze:


 Neuer Bund, neue Zeit
 Heilsvisionen werden umfassender
 erhalten Utopischen Charakter
 Immer noch im innerweltlichen Kontext

10.2 Paulinische Eschatologie in der Entwicklung:


 Arten von Eschatologie:
 präsentisch
 futurisch
 Zusammenführung beider Traditionen im Geschehen von Kreuz und
Auferstehung
 Eschatologie in Entwicklung:
 erwartetes Zeitmodell:
 Auferstehung Jesu
 Zwischenzeit
 Wiederkunft (Parusie) Christi
 Zwischenzeit: Naherwartung Christi
 Jesus kommt nicht
 Umgang mit Parusieverzögerung?
 Wechsel von Kollektiver (apokalyptischer) Eschatologie zu
individueller (unmittelbarer)
 Fragen nach verschiedenen Aspekten:
 Auferstehung überhaupt möglich?
 Zeitpunkt?
 Was passiert mit dem Körper?
 Leiblichkeit – Verwandlung? – Überkleidung?
 Kosmologie
 Vollendung/Rettung der ganzen Schöpfung?

1Thess 4f.: (Eschatologische Naherwartung als Grundstimmung)


 Einer der ersten Paulus-Briefe
 Glaube der Thessalonicher:
 alle Gläubigen leben bis Jesus wiederkommt
 Problem: erste Gläubige sind bereits gestorben
 Eschatologie:
 Endzeit wird erwartet
 Erste Gläubige, die Jesus erlebten, starben
 Was ist nun mit diesen?
 Phänomen der Parusieverzögerung:
 Es vergeht bis zur Parusie mehr Zeit als gedacht
 Wenn Jesus wiederkommt, werden auch die Toten wieder
auferstehen können
 Wann kommt die Parusie?
 Ungewiss
 Kommt plötzlich, „wie ein Dieb in der Nacht“

Zwischenfazit:
 Auferstehung an Christus und Glauben gekoppelt
 Kollektive Auferstehung
 Naherwartung der Parusie (Paulus rechnet damit während seiner
Lebenszeit)
 Präsentisch gedachte Eschatologie

Phil 1 – Änderungen:
 Gefangenschaft des Paulus; Erwartung seines Todes
 Paulus sehnt sich nach dem Tod
 Erwartung, er sei direkt danach bei Christus
 Auferstehung nicht mehr kollektiv, sondern individuell
 Eschatologie noch immer präsentisch
2Thess: Zwischenzeit…
Verfasser?
 Scheinbar Paulus (Aber wahrscheinlich eher Paulus-Schüler)
 Pseudepigraphie

Vor Endzeit müsse sich Satan erst erheben:


 Verführungsversuche durch Satan werden kommen
 Keine Naherwartung Christi mehr
 Eschatologie wird futurisch

Auseinanderrücken der Eschatologischen Vorstellungen bis heute!


 Immer ein Abwägen zwischen dem jetzt und dem noch nicht

Kurz:
 Wandel von präsentischer Eschatologie/Naherwartung Christi zu futurischer
 Wechsel von kollektiver zu individueller Eschatologie

10.3 Apokalyptik:

Apokalyptik = Aufdeckung, Enthüllung, Offenbarung (der Zukunft)


 Inhaltlich: von Gott offenbartes Geheimwissen
 Apokalyptik als Literaturgattung
 Daniel (AT)
 Offenbarung (NT)

Inhaltliche Merkmale:
 Geschichtsbild: Erwartung auf Zeitenwende (Vernichtung dieser Welt,
Schaffung einer neuen)
 Dualismus
 Heil allein „jenseits“ dieser Welt
 Allgemeines jüngstes Gericht mit Scheidung in Gut und Böse
 „Übergang“ als katastrophaler Umsturz/Kampf (Gottes vs. Satan)

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