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BDV MAESTRO

Offizielles Mitteilungsorgan des Schweizer Blasmusik-Dirigentenverbandes (BDV).


Erscheint vierteljährlich im UNISONO.
Nr. 4/2002, 9. Jg.

bung des Vereins glücklich und erst recht sein, Blasmusik aber sei ein anspruchsvolles
Atempause nicht derjenige, der einen andern Weg Hobby.
beschritten hat. Junge werden oft gehänselt, Musikinstruktor Max Schenk hat seine Re-
Du – von mir aus, ich – nein! wenn sie von ihrem Hobby erzählen und kruten befragt: Gemäss diesen hindern vor
dann noch kleinlaut den Begriff «Blasmu- allem ein knappes Zeitbudget und der Frei-
Die heutige Zeit legt uns ein rasantes Tempo sig» anfügen. Wissen die Lehrkräfte an den zeitstress viele Jugendliche am Musizieren.
vor. Trotzdem möchte jeder sich hie und da öffentlichen Schulen über unsere Aktivitäten Oliver Waespi fand, ein Komponist müsse
die Freiheit nehmen, ein paar geruhsame Bescheid? Orientieren wir sie über das viel- immer das Risiko eingehen, Neues auszu-
Momente einzuschalten. Die Bläser bitten seitige Angebot, das wir unserem Nach- probieren. Auch die Dirigenten sollten
um Dispens! Und die Dirigenten? wuchs bieten? Am Sommer-Seminar wurde etwas riskieren. Sonst drohten Stillstand,
Eine kreative Erholungsphase über Monate? für mich zuviel von den Printmedien gespro- musikalische Inzucht und ein sinkendes
Undenkbar – nein – lieber die Stelle kün- chen und der «Schwarze Peter» dorthin Niveau. Hans Burkhalter (Dirigent BB Uri)
den! Viele gehen diesen Weg, denn die weitergereicht. Stopp! schliesslich verlangte, Musik müsse Spass
Unsicherheit, dass während ihrer Abwesen- Wir sind die Medien! Wir müssen unser machen. Er gibt deshalb jedem Jahreskon-
heit etwas Unerwartetes oder gar Einschnei- Produkt zeigen, attraktiv gestalten und da- zert eine spezielle Note.
dendes geschehen könnte, ist berechtigt. für einstehen. Nach einem Konzert die ei- Das Publikum beteiligte sich ebenfalls rege
Ob ich diese Ungewissheit akzeptieren gene Darbietung beweihräuchern zu lassen, an der Diskussion. Es kamen Voten wie:
könnte, weiss ich nicht. Also beschreite ich ist nicht gerade das, was sich der Dirigent Die Blasmusik hat unheimlich grosse Defizi-
doch lieber den Weg des «Adieusagens». wünscht. «Gluschtig» machen, neue Be- te in der Medienarbeit. Junge Leute wollen
Oder soll ich trotzdem bleiben, bis mir das kannte ansprechen, andere Personenkreise gefordert werden; es braucht eine gewisse
Dach über dem Kopf zusammenfällt? Wem begeistern und gezielt werben, ist bestimmt Strenge. Viele Vereine machen den Fehler,
ist wie geholfen? erfolgversprechender. Was aber nötig ist: sich den Jungen zu sehr «andienen» zu
Wie halten Sie es mit der probefreien Feri- Planung im Voraus! Und hier sind wir wie- wollen. In der Blasmusikszene fehlt ein
enzeit? Im Sommer nur zwei Wochen und der am Anfang: Die Zeit dazu fehlt uns! Angebot für nicht mehr schulpflichtige Ju-
dann wird wieder «durchgebügelt»? gendliche. In der Blasmusik würden zu oft
Hans, Fritz und Monika verreisen bestimmt Franz Knupp nur technische Faktoren gewichtet. Und Oli-
alle zu verschiedenen Zeiten in die Ferien. ver Waespi fragte das Publikum, ob eine
Ebenso durchkreuzen Militärdienst, Weiter- perfekte Aufführung wirklich eine Gänse-
bildung, Prüfungen und Auslandaufenthalte Dirigenten, riskiert etwas! haut bereite.
der Mitglieder regelmässig die Planung des tm
Dirigenten, sodass ein eigentlicher Aufbau
Das Sommer-Seminar des Schweizer Blas-
zur Konzertreife nur schwierig zu bewerk-
musik-Dirigentenverbandes (BDV) bot drei
stelligen ist. Dieses Prozedere nagt an den
verschiedene Kapitel aktueller Blasmusik: Morendo
filigranen Wurzeln des Dirigentendaseins.
Zunächst stellte der neue SBV-Musikkom-
Unsere Nahrung beruht auf Miteinander,
missionspräsident Erich Conus seine Visio- Die letzte Instanz beim Musizieren sollte
Pflichtbewusstsein und Disziplin. Worte, die
nen vor. Unter der Leitung von René Mess- immer das Ohr sein und nicht das Auge!
jeder versteht und sich trotzdem nicht daran
mer (Vizepräsident BDV) diskutierten fünf
hält! Der Egoismus ist stärker geworden und
Fachleute zum Thema «Quo vadis Blasmu-
das Kollektiv wird dadurch in Frage gestellt.
sik?» (siehe auch Interview). Am Nachmit-
Eintracht und Harmonie gehen dabei verlo- Chefredaktor
Impressum

tag stellte die Seminarklasse von Christoph


ren! Wurden diese Beinamen früher aus Franz Knupp
Walter das während sechs Kurstagen er-
einem bestimmten Grund gewählt? Gibt es
lernte Wissen über Unterhaltungsmusik vor. Bernrainstrasse 18
lässigere, neuzeitlichere Bezeichnungen für
Conus machte den über 130 anwesenden 8556 Wigoltingen
Verein, Harmonie, Blasmusik usw. mit
Dirigentinnen und Dirigenten klar, dass sich
denen sich künftige Bläser und Perkussionis- Red. Mitarbeiter
die Blasmusik in den Medien, bei der Ju-
ten angesprochen fühlen? Nicht jeder, der René Messmer
gend und in der Öffentlichkeit besser ver-
den herkömmlichen Weg der Ausbildung 8572 Berg TG
kaufen müsse. Wichtigste Aufgabe der Mu-
gemacht hat, fühlt sich bei der Namensge-
sikkommission SBV war zuletzt die Lancie- Urs Heri
rung des ersten U-Musik-Festivals vom Sep- 4543 Deitingen SO
tember 2004 in Schwyz. Utopie von Eric
Agenda

Theo Martin
5./6. April 2003 Conus ist es schliesslich, eine Musikbiblio- 2553 Safnern BE
Dirigentenkongress in Interlaken thek wie in Guebwiller im Elsass zu schaf-
fen. Satz
In der Diskussionsrunde betonte Dirigent Carmen-Druck AG, 6242 Wauwil
11. bis 14. September 2003 Walter Schild, dass auch in einem 4.-Klass-
Verein Menschen musizieren – diese aller- Die nächste Ausgabe des MAESTRO
4. Schweizerischer
Dirigentenwettbewerb in Baden dings würden selbstsüchtiger und eitler. Das erscheint in der Nr. 2/2003.
Lustprinzip nehme überhand: Auch Musi- www.dirigentenverband.ch
kanten wollten in der Freizeit überall dabei
Maestro Nr. 4/2002
BDV

Wahrnehmung von Tonhöhe durch Stimmgerät und Ohr

Intervallberechnungen ein Ton der dreigestrichenen Oktave, um


Ein guter Streicher, der gezwungen ist,
als gleich laut empfunden zu werden.
Es gibt eine Vielzahl an Schriften über ver- mit schlechten Musikern zusammenzu-
schiedene Tonsysteme. Dabei nähern sich musizieren, sollte daher – schon aus
die Autoren diesen jeweils in mathemati- Tonhöhenschwankungen Höflichkeit – mit Vibrato spielen!
scher Weise. Seit einigen Jahren ist es für Intonationskorrekturen werden von unseren
jeden Bläser möglich und finanziell trag- Bläsern am liebsten während der «statio-
bar, dass er das rein Theoretische auch Tonhöhenunterschiede
nären Phase» des Tones vorgenommen.
sichtbar nachvollziehen kann. Früher konn- Einen Halbtonschritt empfinden die meis-
Dieser Begriff der «stationären Phase» lässt
te man Klangereignisse nur über das ten von uns schon als eng. Wie gross
vermuten, dass der Ton konstant sei und
Gehör beurteilen. Seit einiger Zeit kann muss nun ein Tonhöhenunterschied sein,
sich in seiner Höhe nicht ändere. Probie-
man diese mit wissenschaftlichen Metho- damit er vom Menschen wahrgenommen
ren Sie es selbst aus, indem Sie einen Ton
den messen. Über die Aufnahmetechnik werden kann? Es wäre doch sinnlos, wür-
singen und versuchen, diesen auf konstan-
kann eine im Voraus bestimmte, berechne- de man Cent-Werte auf der Anzeigeskala
ter Höhe zu belassen. Schade – es wird
te und in einem Stimmgerät als Grundin- beachten, die Tonhöhe danach korrigieren
Ihnen kaum gelingen! Sie merken: «Sta-
formation eingegebene Intervallgrösse mit und schliesslich einen Aufwand betreiben,
tionär» kann nicht der richtige Begriff sein.
einem erklingenden Ton verglichen wer- den man nicht hören könnte...
Bessere Ergebnisse erzielen Bläser mit
den. Dieses elektronische Frequenzmess- Ähnlich wie bei verschiedenen Graden
einem gehaltenen Ton, denn der Atemdruck
gerät drückt in Cent oder Hertz eine Diffe- der Kurzsichtigkeit eine Linie mehr oder
erleichtert das Halten der Töne. Daher
renz aus. Mit dem Blick auf das Anzeige- weniger schmal erscheint, so sind auch
auch immer wieder die Bemerkungen der
instrument erhält man Informationen im die Frequenzbänder punkto Tonhöhe zu
Dirigenten: Stützt den Ton, Atemstütze, Ton
Sinne von technischer Kontrolle über alle empfinden. Es ist nicht möglich, eine für
halten usw.
möglichen Parameter des Hörens. Wichtig alle Menschen zutreffende Feinabstufung
Die einzige Möglichkeit, einen wirklich
dabei: Es ist bloss ein Hilfsmittel! zu finden. Die Fähigkeit, minimste Ton-
schwankungsfreien Ton zu erzeugen, bie-
höhenunterschiede wahrzunehmen, hängt
tet nur die Elektronik. Das merkwürdige
Viele Bläser benutzen zum Intonations- hauptsächlich von der Gehörschulung ab,
daran ist nur, dass wir diese Töne als kalt,
training ein elektronisches Stimmgerät. und diese wiederum von der Art der musi-
starr, künstlich, unpersönlich empfinden. Bei
Dieses zeigt die Tonhöhe nur als Funk- kalischen Aktivitäten. Musikalische Hörleis-
vollkommen konstanten Tonhöhen ergeht
tion der Grundfrequenz an. Nicht aber tungen allgemein wie auch die Fähigkeit,
es dem Gehör genauso wie bei mathema-
als solche der Oberschwingungen. feine Nuancen der Tonhöhenunterschiede
tisch exakten Rhythmen, perfekt reinen In-
Spielt man dem Gerät einen Ton mit wahrzunehmen, werden ganz entschei-
tervallen, vollkommen harmonischen Ober-
vielen Obertönen vor, so zeigt es bei dend durch die Art der musikalischen Be-
tönen, absolut gleichbleibender Lautstärke
der Null-Position des Zeigers (wenn die tätigung geprägt. Das Zusammenspiel, die
usw.: Es ermüdet, da der Reiz der Ab-
Tonhöhe «stimmt») eine Frequenz an, Rücksichtnahme auf Mitspieler, können wir
wechslung fehlt. Selbst ein reines Unisono
die das Ohr unter Umständen als zu in Kleinformationen besser schulen und
wird als weniger schön empfunden als ein
tief empfindet. Wir möchten nämlich erkunden. Wer den Willen hat, die Ton-
leicht verstimmtes! Darum wird der be-
anhand der Obertöne den Ton etwas höhen- und Intonationsprobleme anzuge-
gehrte Klavierstimmkünstler bei seiner
höher hören und hier macht uns die hen, dem sollte die Möglichkeit geboten
Tätigkeit die drei gleichen Saiten nicht per-
Technik einen Strich durch die Rech- werden, dies im miteinander Musizieren
fekt zueinander tunen. Erst bei kleinen
nung. Das Gerät misst nur die Grund- zu entdecken. Die Gehörschulung findet
Abweichungen wird der dreistimmige Sai-
frequenz! Es ist daher gefährlich, sich vorwiegend im Ensemblespiel statt!
tenchor als belebend und organisch emp-
die Tonhöhenbeurteilung beim Spielen funden.
von einem Gerät abnehmen zu lassen! Unregelmässigkeiten wirken sich im ästhe- Und unser Publikum?
tischen Bereich zwar positiv aus, aller- Für jeden von uns ist es natürlich interes-
In Laboruntersuchungen wurden erstaunli- dings nur unter der Voraussetzung, dass sant zu erfahren, inwieweit das Konzert-
che Ergebnisse mit Sinustönen erzielt. Man man die Absicht nicht merkt. Sie darf vor- publikum die Bemühungen um eine gute
meinte, dass ein solcher Sinuston aufgrund dergründig nicht wahrnehmbar sein, damit Intonation zu würdigen weiss: Anhand von
seiner Freiheit von Oberschwingungen der sie ihre Wirkung unterschwellig entfalten verschiedenen Tests im klassischen Kon-
«eigentliche», «reine» Ton sei und mit ihm kann. Die Vibratotechnik stellt uns eine zertbetrieb wurde festgestellt, dass unge-
die exaktesten Messergebnisse erzielt wer- solch künstlerische Möglichkeit zur Verfü- fähr die Hälfte der Konzertbesucher Unter-
den könnten. Den natürlichen Ton bezeich- gung. Sie lässt sich willkürlich steuern und schiede im Bereich von 15 Cent und nur
nete man im Gegensatz dazu als «Klang», macht einen Ton lebendiger. Ein gutes ca. 20% einen solchen von 7 Cent feststel-
da er aus vielen Sinusschwingungen be- Messergebnis für Bläser liegt bei etwa 15 len können. Dieses Ergebnis soll aber ja
steht. Man stellte (für die Laborphysiker!) bis 30 Cent. Überschreitet der Ausschlag nicht dazu führen, dass wir nicht mehr
erstaunlicherweise fest, dass die mit den diesen Wert, erklingt das stark übertriebe- intensiv an der Intonation arbeiten! Das
Sinustönen gewonnenen Forschungsergeb- ne Vibrato als «Wimmern» oder «Jaulen», bestmögliche Resultat zu erzielen, kann
nisse nicht ohne weiteres auf das Hören und dies kann nicht mehr einer eindeuti- nur durch gründliches Training und den
natürlicher Töne übertragen werden kön- gen Tonhöhe zugeordnet werden. Ein Willen zu möglichst geringen Cent-Abwei-
nen. Oft verlief die Hörwahrnehmung so- Vibrato muss relativ gleichmässig sein, chungen erreicht werden. Der pflichtbe-
gar völlig in die entgegengesetzte Rich- sonst kann das Ohr keine klar erkennbare wusste Dirigent baut im Probenablauf
tung. Tonhöhe ermitteln. Das Frequenzband des Übungen ein und gibt Hinweise, damit
Die menschliche Wahrnehmung ist weit- Vibratos bietet im Hinblick auf die Intonati- die Bläser kontinuierlich dazu hingeführt
aus vielschichtiger, als man lange Zeit on die gleichen Vorteile wie die des chori- und aufgemuntert werden, die Ohren «zu
meinte. Reiz- und Empfindungszuwachs schen Spiels. Es kaschiert jede Intonations- spitzen»!
verlaufen nicht linear. Ein bekanntes Bei- abweichung, die sich innerhalb des höchs- fk
spiel dafür ist die Lautstärkeempfindung. ten und tiefsten Ausschlages hält, denn in
Ein Ton in der grossen Oktave muss eine dieser Bandbreite können die Töne keine Quellenhinweis: Doris Geller,
wesentlich höhere Schallstärke haben, als Schwebungen bilden. Praktische Intonationslehre, Bärenreiter
Maestro Nr. 4/2002
BDV

Gefragte Musiker – kurz befragt Quo vadis Blasmusik?

«Quo vadis Blasmusik?»: Meine Wünsche regelmässig für zwei Stunden zu bündeln qui a une identité, par son costume, par
und meine Botschaft! und auf die Musik zu fokussieren. Um die- ses coutumes et aussi par son nom.
ser Aufgabe gerecht zu werden, sollten Mais, selon moi, c'est encore plus le nom
Hans Burkhalter: Die Musikverbände soll-
sich alle Leiter regelmässig weiterbilden, du village ou de la ville qui certifie pleine-
ten in den Medien präsenter sein, um die
in Kursen, aber auch im Selbststudium. ment l'identité de la société à un endroit
Blasmusikszene in der Allgemeinheit besser
Neben der rein technischen Ausbildung ou à un lieu.
vermarkten zu können (siehe Sport). Die
möchte ich ihnen besonders ans Herz Le nom d'une société est étroitement lié à
meisten interessanten Informationen blei-
legen, den musikalischen Horizont so son histoire qui est souvent assez ancien-
ben leider nur «intern» hängen. Ein «Fen-
offen wie möglich zu halten. Das bedeutet, ne. Il est bon de nos jours de pouvoir se
ster» nach aussen ist nach wie vor mein
sich immer wieder auch Musik ausserhalb raccrocher à son histoire, à celle de ses
Wunschtraum.
des bläserischen Repertoires anzuhören. amis, ou à celle de sa société de musique.
Vereine müssten durchwegs Kontakt mit den
Sinfonische Bläserwerke lassen sich nur
Musikschulen suchen. Oliver Waespi: Die Vereinsbezeichnung
geschmackvoll interpretieren, wenn man
Mein Appell: Sucht Möglichkeiten, um hängt mit der Uniformierung zusammen,
sie stilistisch begreift und allfällige Vorbil-
attraktiver zu werden. Gute Konzertpro- weil beide Elemente auf die historische
der in der Musikgeschichte studiert. Das-
gramme (Events) bringen mehr Publikum Vergangenheit eines Musikvereins hindeu-
selbe gilt ebenso für die vielen Formen der
und erhöhen den Bekanntheitsgrad: So ten. Man trifft auf Bläser, die sich an allzu
Unterhaltungsmusik. Hören sie sich immer
erhalten wir positive Schlagzeilen! altertümlichen Uniformen und an einer
wieder Beispiele aus dem reichen Erbe
älteren traditionellen Namensgebung stö-
Walter Schild: Ich wünsche mir, dass der klassischen Musik und des Jazz an!
ren. Ebenso kommt es aber auch vor, dass
Brass-Bander und Blasorchesterfreunde Nur so kann man sich immer deutlicher
selbst junge Bläser stolz darauf sind, in
vermehrt das Verbindende und nicht das bewusst werden, woher Musik kommt –
einer bestimmten Uniform zu musizieren,
Trennende suchen. Wichtig ist nicht, in und vielleicht ahnen, wohin sie gehen
weil dies beispielsweise die Zugehörigkeit
welcher Besetzung, sondern dass musiziert könnte.
zu einem prestigeträchtigen Orchester
wird.
unterstreicht. Ich bin der Ansicht, dass
Die zahlreichen positiven Nebenwirkun- Als Moderator diskutierte ich am Diri- man die Beinamen nicht im Vereinsnamen
gen nicht musikalischer Art des gemein- gentenseminar Ende August in Emmen erscheinen lassen sollte, wenn dies die
samen Musizierens werden noch viel zu auf dem Podium mit den Herren Eric Mehrheit der Mitglieder wünscht. Denn es
wenig kommuniziert. Conus, Präsident Musikkommission kann sein, dass sich die personelle Zusam-
Eric Conus: L'information et la communica- SBV, Max Schenk, Musikinstruktor, mensetzung, stilistische Ausrichtung oder
tion dans les médias, qu'ils soient écrits, Hans Burkhalter, Leiter Brass Band Uri, Trägerschaft eines Vereins über die Jahr-
radiodiffusés ou télévisuels sont pour moi Walter Schild, Dirigent MV Wigoltin- zehnte hinweg in einer Weise verändert
extrêmement importants. Nous devons ven- gen, und Oliver Waespi, Komponist, hat, die sich nicht mehr mit der ursprüngli-
dre notre image encore nettement mieux, über das ergiebige Thema «Quo vadis chen Namensgebung vereinbaren lässt.
afin de montrer au public le plus large ce Blasmusik?». Sehr viele Wortmeldun- Wenn eine Tradition nicht mehr lebt, dann
que nous valons, quelle est la musique que gen kamen auch aus dem Plenum: sollte es auch möglich sein, diese aufzuge-
nous produisons, quelles sont nos activités, Zahlreiche Dirigentinnen und Dirigen- ben.
comment presque chaque société contri- ten griffen direkt in die Diskussionsrun-
de ein, sprachen heikle Themen an, Hans Burkhalter: Ich bin nicht ganz davon
bue à la formation de la jeunesse par l'or-
machten Vorschläge, gaben Tipps oder überzeugt, ob der Name die Jugend da-
ganisation interne de cours et de subventi-
stellten kritische Fragen. von abhält, in einem Verein mitzumachen.
ons diverses.
rm Sicher gibt es junge Leute, welche die Na-
Il est en outre primordial que les jeunes
mensgebung belächeln; es sind aber nicht
soient encore mieux informés: allons dans
«Wo spielst du mit?» – «In der Musik- in erster Linie die Aktiven. Die Attraktivität
les écoles faire une démonstration de nos
gesellschaft A, im Musikverein B». Tönt eines Vereins spielt viel die grössere Rolle.
talents, organisons des concerts gratuits
veraltet, nicht wahr! Traditionsbewusster Eindeutig «schlimmer» ist es zu sagen,
pour les enfants! C'est, je le crois très fort,
und korrekter formuliert müssten zahlrei- dass man Blasmusik mache. Dies ist eine
une très bonne forme de recrutement.
che Formationen noch mit dem Beinamen Zeiterscheinung. «In» ist, worüber jeden
Max Schenk: Ich wünsche mir vermehrt «Edelweiss, Burgmusik, Union, Alpenrösli, Tag gesprochen wird. Blasmusik aber ist
eine gute Präsenz und Darstellung der Jägermusik, Concordia, Ortsmusik, Ve- schon etwas «Altes». Und Altes ist meis-
Blasmusik in den Medien. Oftmals kom- rena, Eintracht, Bürgermusik, Blechharmo- tens «Out».
men in verschiedenen Berichterstattungen nie, Helvetia, Feldmusik oder Frohsinn» Neues ist gefragt! Also machen wir die
alte Klischees wie «Blasmusik ist Marsch- versehen werden. Um diese Nomenklatur neue, die andere Blasmusik – egal auf
musik» zum Vorschein. Auch werden drücken sich die Jungen, es ist ihnen sogar welchem Niveau und mit welcher Beset-
gewisse Nebenbereiche in den Medien peinlich preiszugeben, wo sie mitwirken. zung. Hauptsache: Gut und attraktiv!
viel zu stark gewichtet oder überbewertet. Quo vadis Namensgebung? Walter Schild: Am Musikverein oder an
Um hier zu zeigen, wie heute in vielen
der Musikgesellschaft kann festgehalten
Bereichen der Blasmusik innovativ gearbei- Max Schenk: Im Vordergrund sollte für
werden. Wenig Wert lege ich auf die tra-
tet wird, müssen alle Ausführenden um mich nicht ausschliesslich der Vereins-
ditionellen – und nicht immer zutreffenden
den Stellenwert, den unser Produkt eigent- name stehen, sondern vielmehr die damit
(Frohsinn) – Beinamen. Trendige Namen
lich verdient, vermehrt kämpfen. Wo bleibt verbundene Qualität, welche ein Verein
mögen wohl modern sein, sie geraten je-
unsere Lobby?! grundsätzlich besitzen sollte. Verschiedene
doch schnell aus der Mode. Lieber junger
gute Beispiele zeigen auch heute noch,
Oliver Waespi: In erster Linie sind es die Wein in alten Schläuchen als alte Schläu-
dass Vereinsnamen durchaus beibehalten
Dirigentinnen und Dirigenten, die in ihre che in einem jungen Verein(snamen).
werden können, da man die Gesellschaft
Vereine musikalische Visionen einbringen
seit jeher unter diesem Namen kennt und Meine Herren, ich danke Ihnen für Ihre
müssen. Ihre Verantwortung besteht darin,
schätzt. Antworten ganz herzlich und wünsche
die Gedanken und den Ausdruck vieler
Ihnen weiterhin nur das Allerbeste!
Mitspieler, die aus den verschiedensten Eric Conus: L'appartenance à une société
Berufen in der Probe zusammenkommen, sous-entend l'appartenance à un groupe René Messmer