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Multiple Sklerose- Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern?

1. Wie viele Menschen bekommen pro Jahr die Diagnose MS?


 Insgesamt Ca. 240.000 Betroffenen in DE
 ca. 2,5 Millionen MS-Erkrankte weltweit
 Frauen erkranken doppelt so häufig wie Männer
 Diagnose zw. 20-40 Lebensjahr
 Interessant: höhere Erkrankungshäufigkeit in einzelnen Regionen mit steigendem
geographischen Abstand vom Äquator

2. Wie entsteht MS?


 Autoimmun Erkrankung (nicht ansteckend)
 eigenes Immunsystem greift gesundes körpereigenes (Nerven-) Gewebe an
(Fehlinformation an T-Lymphozyten; Überwindung der Blut-Hirn-Schranke;
Myelinscheiden der Axone werden angegriffen/zerstört)
 Chronisch-entzündliche Erkrankung des ZNS
 Vielfache (multiple) Entzündungsherden in Gehirn und Rückenmark
Zerstörung von Nervenfasern + Verhärtung/Vernarbung von Nervengewebe
 Reize und Befehle vom Gehirn kommen verzögert oder gar nicht an Muskeln oder
Organen an

3. Welche Symptome der MS werden im Video erwähnt?


Symptome sind unspezifisch und vielfältig!

 Bewegungs- und Empfindungsstörungen


 Sehstörungen: z.B. Verschwommensehen, Sehverlust und/oder Schmerzen bei
Augenbewegungen infolge einer Sehnerventzündung (Optikusneuritis), Doppelbilder
infolge gestörter Koordination der Augenmuskel
 Gefühlsstörungen /-verlust der Haut (Sensibilitätsstörungen) wie Kribbeln, (schmerzhaften)
Missempfindungen (z.B. "Ameisenlaufen") oder Taubheitsgefühl
 krampfartige, schmerzhafte Lähmungen (Spastiken), vor allem an den Beinen
 Störung der Bewegungskoordination (Ataxien), Unsicherheit beim Gehen oder Greifen
 Fatigue (erhebliche anhaltende Schwäche und schnelle Erschöpfbarkeit)
 Störungen der Blasen- und/oder Darmentleerung (z.B. Harn-Inkontinenz,
Harnverhalt, Verstopfung)
 "verwaschenes" Sprechen
 Schluckstörungen
 unwillkürliches, rhythmisches Zittern von Körperteilen bei zielgerichteten, bewussten
Bewegungen (Intentionstremor), z.B. Händezittern beim Greifen nach einem Glas
 unwillkürliches, rhythmisches Augenzittern (Nystagmus)
 kognitive Störungen: verminderte Aufmerksamkeit, Konzentrationsprobleme,
beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis
 sexuelle Funktionsstörungen wie Ejakulationsprobleme und Impotenz bei Männern,
Orgasmusprobleme bei Frauen, nachlassende sexuelle Lust (Libidoverlust) bei beiden
Geschlechtern
 Schmerzen, z.B. Kopfschmerzen, Nervenschmerzen (etwa in Form
von Trigeminusneuralgie), Rückenschmerzen
 Schwindel
 depressive Verstimmung, Depression
4. Wie verläuft die Krankheit?
 Erkrankung verläuft oftmals sehr unterschiedlich von Pat. zu Pat.
 Krankheit verläuft in Schüben
 neue Symptome treten auf oder bestehende Symptome verschlechtern sich stark
 1 Uhthoff-Phänomen

3 unterschiedliche Verlaufsformen:

1. Schubförmige remittierende2 MS

Schubförmig remittierende MS (RRMS)


Bei über 85 bis 90 % der Patienten beginnt die MS mit einem
schubförmig remittierenden Verlauf (englisch: Relapsing Remitting MS; RRMS).
Die einzelnen, klar voneinander abgrenzbaren Schübe bilden sich nach einiger Zeit
vollständig oder teilweise zurück.

Werden erste, für die MS typische Veränderungen im MRT oder bei der
Nervenwasseruntersuchung nachgewiesen, spricht man von einem klinisch
isolierten Syndrom (KIS). Ein KIS muss aber nicht zwangsläufig in eine MS
übergehen, zählt also nicht zu den Verlaufsformen der Multiple Sklerose.

2. Sekundär progrediente3 MS

Sekundär progrediente MS (SPMS)


Ungefähr jeder dritte MS-Patient in Deutschland hat die MS-
Verlaufsform SPMS oder befindet sich im Übergang zur SPMS.4 Wesentliches
Merkmal der SPMS ist eine langsam fortschreitende Krankheitsverschlechterung,
die oft nicht gleich bemerkt wird. Die SPMS kann sowohl mit einzelnen Schüben
einhergehen oder schubfrei sein.

3. Primär progrediente MS

Primär progrediente MS (PPMS)


Etwa 10 bis 15 % der MS-Erkrankten erfahren von Beginn an eine kontinuierliche
Verschlechterung ihrer Beschwerden, ohne dass sie Schübe haben. Diese MS-
Verlaufsform, die vor allem bei Menschen zwischen 40 und 50 Jahren auftritt, wird
als primär-progredient bezeichnet.

1
Das Uhthoff-Phänomen bezeichnet die vorübergehende Verschlechterung neurologischer Symptome der
multiplen Sklerose oder anderer demyelinisierender Erkrankungen durch eine Erhöhung der Körpertemperatur
(z.B. bei Fieber, heißen Bädern, sportlicher Anstrengung oder in der Sauna).
2
"zeitweilig aussetzend" bzw. "zurückgehend"
3
"fortschreitend", zunehmend schwerer Verlauf
5. Welche diagnostischen Maßnahmen werden beschrieben?

 MS ist Ausschlussdiagnose (viele Symptome auch bei anderen Erkrankungen)

 Anamnese / Erhebung der Krankengeschichte


 neurologische Untersuchung
 Untersuchung des Nervenwassers (Liquordiagnostik)
 Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT)
 Elektrophysiologische Messungen (Leitungsfähigkeit der Nerven);
neurophysiologische Untersuchungen (Evozierte Potenziale 4)
 Blut- und Urinuntersuchungen

4
gezielt ausgelöste elektrische Phänomene im Rahmen einer neurophysiologischen Untersuchung, mit denen
die Leitfähigkeit von Nervenbahnen untersucht werden kann.
6. Wie wird oder kann MS therapiert werden?
 Schubtherapie: Darunter versteht man die Akutbehandlung von MS-Schüben, bevorzugt
mit Glukokortikoiden ("Kortison"). Alternativ ist manchmal eine Art Blutwäsche namens
Plasmapherese bzw. Immunadsorption hilfreich.
(hochdosierte Kortisontherapie:
Durchführung über drei bis fünf Tage. Am häufigsten wird dazu Methylprednisolon verabreicht,
und zwar als Infusion direkt in eine Vene (intravenös) in einer Dosierung von 500 bis 1000
Milligramm pro Tag. Bevorzugt sollte das Kortison in einer Dosis am Morgen gegeben werden,
weil es Schlafstörungen verursachen kann.
Die Kortison-Stoßtherapie kann die Schubdauer verkürzen und die Rückbildung der Symptome
fördern.)

 Verlaufsmodifizierende Therapie (Basistherapie, Immuntherapie): Hierbei versucht man,


durch die längerfristige Anwendung bestimmter Medikamente (Immuntherapeutika) den
Verlauf einer Multiplen Sklerose günstig zu beeinflussen.

 Symptomatische Therapie: Sie umfasst Maßnahmen zur Linderung verschiedener MS-


Symptome, zum Beispiel Physiotherapie und ggf. krampflösende Medikamente bei
schmerzhaften Muskelverkrampfungen.

 Rehabilitationsverfahren: Ziel einer Reha bei Multipler Sklerose ist es, den Betroffenen
die Rückkehr in ihr familiäres, berufliches und soziales Leben zu ermöglichen.

Viele verschiedene Berufsgruppen beteiligt:

 diverse Ärzte (Neurologe, Augenarzt, Urologe, Hausarzt etc.)


 Psychologen
 Physiotherapeuten
 Ergotherapeuten
 Logopäden
 Pflegepersonal
 Sozialarbeiter

Derzeit werden folgende Immuntherapeutika zur Behandlung von Multipler Sklerose genutzt:

 Beta-Interferone (inkl. Peg-Interferon)


 Glatirameracetat
 Dimethylfumarat
 Teriflunomid
 S1P-Rezeptor-Modulatoren: Fingolimod, Siponimod, Ozanimod, Ponesimod
(keine Zulassung für MS in der Schweiz)
 Cladribin
 Natalizumab
 Ocrelizumab
 Ofatumumab
 Rituximab (keine Zulassung für Multiple Sklerose)
 Alemtuzumab
 andere Immuntherapeutika
7. Wie beeinflusst die Krankheit das Leben der Betroffenen?

 Es dauert lange um Krankheit zu akzeptieren


 Psychische Auswirkungen (depressive Phasen)
 Körperliche Beeinträchtigungen
 Vermeidung von Hitze (heiße Sommertage, Sauna, Dampfbad, etc.)
 Vermeidung von Stress (Stresslevel wirkt sich auf körperliches Wohlbefinden aus)
 Work-Life-Balance
 Gesunder Lebensstil
 Unterstützung von Familie und Freunde ist wichtig
 Austausch mit anderen MS-Betroffenen (social media, online Foren, Selbsthilfegruppe, etc.)
 Ggf. verhalten sich Mitmenschen anders nach MS-Diagnose
 keine Sonderbehandlung erwünscht bei Erkrankten
 Schwangerschaften bei Frauen muss a.v. Medikation gut geplant werden
 Regelmäßige Kontrolluntersuchungen
 Umgang mit regelmäßiger körperlicher Verschlechterung (Haut, Augen, Haare, etc.)

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