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AKTUELLE DATEN UND INFORMATIONEN

ZU INFEKTIONSKRANKHEITEN UND PUBLIC HEALTH

34 Epidemiologisches
2021 Bulletin
26. August 2021

Empfehlungen der Ständigen Impf-


k­ommission beim Robert Koch-Institut 2021
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 2

Inhalt

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut 2021


Die Impfempfehlungen der STIKO wurden auf der 97. bis 99. Sitzung der STIKO verabschiedet. Die folgen-
den Ausführungen ersetzen die im Epidemiologischen Bulletin des RKI (Epid Bull) 34/2020 veröffentlichten
Impfempfehlungen. Die Begründung für die Aktualisierung der Influenza-Impfempfehlung für Personen
im Alter von ≥ 60 Jahren (Hochdosis-Impfstoff) wurde bereits im Epid Bull 1/2021 veröffentlicht bzw. ist auf
den ­Internetseiten des RKI (www.stiko.de) verfügbar. Inhaltliche ­Änderungen gegenüber 2020/2021 sind am
Rand gekennzeichnet. Die aktuellen Empfehlungen werden auch im Pocket-Format veröffentlicht oder
­können über die STIKO-App aufgerufen werden (s. S. 62).

Aus Gründen der klareren Zuordnung wird die STIKO beginnend mit 2022 ihre Empfehlungen jeweils am
Anfang eines Jahres veröffentlichen. Die hier vorliegenden STIKO-Impfempfehlungen sollen wie in den letz-
ten Jahren als „Ausgabe 2021“ im Heft 34 des Epidemiologischen Bulletins den Übergang zu diesem neuen
Veröffentlichungszyklus herstellen.

Wesentliche inhaltliche Änderungen und Ergänzungen zu den Empfehlungen 2020/2021


▶▶ Empfehlung eines Influenza-Hochdosisimpfstoffes für Personen im Alter von ≥ 60 Jahren

(Epid Bull 1/2021)


▶▶ Aktualisierung der FSME-Risikogebiete (Epid Bull 9/2021)

▶▶ Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zu Reiseimpfungen (Epid Bull 14/2021)

Impressum
Herausgeber Allgemeine Hinweise/Nachdruck
Robert Koch-Institut Die Ausgaben ab 1996 stehen im Internet zur Verfügung:
Nordufer 20, 13353 Berlin www.rki.de/epidbull
Telefon 030 18754 – 0
Inhalte externer Beiträge spiegeln nicht notwendigerweise
Redaktion die Meinung des Robert Koch-Instituts wider.
Dr. med. Jamela Seedat
Dr. med. Maren Winkler (Vertretung) Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons
Telefon: 030 18754 – 23 24 Namensnennung 4.0 International Lizenz.
E-Mail: SeedatJ@rki.de

Nadja Harendt (Redaktionsassistenz)


Telefon: 030 18754 – 24 55
Claudia Paape, Judith Petschelt (Vertretung) ISSN 2569-5266
E-Mail: EpiBull@rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.
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Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung.............................................. 4 5.5 Postexpositionelle Tollwut-


2. Impfkalender................................................. 5 Immunprophylaxe........................................ 45

3. Standardimpfungen des Erwachsenen­ 6. Empfehlungen zu Nachholimpfungen ....... 46


alters, Indikations- und Auffrischimpfungen 6.1 Vorbemerkung.............................................. 46
sowie Impfungen aufgrund eines erhöhten 6.2 Ungeimpfte und Personen mit unklarem
beruflichen Risikos oder einer Reise............ 7 Impfstatus..................................................... 46
3.1 Übersicht...................................................... 7 6.3 Teilgeimpfte Personen.................................. 46
3.2 Anmerkungen zu einzelnen Impfungen...... 14 6.4 Vorgehen bei fehlender
Impfdokumentation..................................... 46
4. Hinweise zur Durchführung von 6.5 Anamnestische Angaben zu Varizellen........ 47
Schutzimpfungen ........................................ 26 6.6 Indikation für serologische Antikörper­
4.1 Aufklärungspflicht vor Schutzimpfungen.... 26 bestimmungen............................................. 47
4.2 Off-label-use................................................. 27 6.7 Ist „Überimpfen“ gefährlich?....................... 47
4.3 Dokumentation der Impfung....................... 28 6.8 Wahl der Impfstoffe...................................... 47
4.4 Impfmanagement in der Arztpraxis............. 28 6.9 Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie,
4.5 Impfabstände................................................ 29 Poliomyelitis und Pertussis ab dem Alter
4.6 Hinweise zur Schmerz- und von 5 Jahren.................................................. 48
Stress­reduktion beim Impfen...................... 30 6.10 Altersabhängige Empfehlungen zur
4.7 Kontraindikationen und falsche Durchführung von Nachholimpfungen....... 49
Kontra­indikationen....................................... 32
4.8 Impfen bei Immundefizienz......................... 33 7. Liste der STIKO-Empfehlungen und
4.9 Impfkomplikationen und deren ihrer wissenschaftlichen Begründungen..... 57
Meldung........................................................ 33 8. Stichwortverzeichnis.................................... 60
4.10 Lieferengpässe von Impfstoffen.................. 35 9. STIKO-App.................................................... 62
4.11 Impfempfehlungen für MigrantInnen
und  Asylsuchende nach Ankunft in
Deutschland ................................................. 35
4.12 Hinweise zur Kostenübernahme von
Schutzimpfungen......................................... 38

5. Postexpositionelle Impfungen bzw.


andere Maßnahmen der spezifischen
Prophylaxe übertragbarer Krankheiten ....... 39
5.1 Übersicht...................................................... 39
5.2  Impfungen bei gehäuftem Auftreten oder
Ausbrüchen von Meningokokken-
Erkrankungen................................................ 39
5.3 Postexpositionelle Hepatitis-B-­
Immunprophylaxe........................................ 42
5.4 Postexpositionelle Tetanus-
Immunprophylaxe........................................ 45
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Mitteilung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI)

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission


beim Robert Koch-Institut 2021

1. Vorbemerkung nal zu eliminieren und schließlich weltweit auszu-


Die Ständige Impfkommission (STIKO) ist ein im rotten. Die Eliminierung von Masern, Röteln und
Infektionsschutzgesetz (IfSG) verankertes unab- Poliomyelitis ist erklärtes und erreichbares Ziel
hängiges Expertengremium aus 12 bis 18 Mit­glie­ ­nationaler und internationaler Gesundheitspolitik.
dern, das vom Bundesministerium für Gesundheit
(BMG) im Benehmen mit den obersten Landes­ In der Bundesrepublik Deutschland werden Imp-
gesundheitsbehörden alle 3 Jahre berufen wird. Die fungen und andere Maßnahmen der spezifischen
Kommission gibt in Deutschland gemäß dem IfSG Prophylaxe von den obersten Gesundheitsbehörden
Empfehlungen zur Durchführung von Schutzimp- der Länder auf Grundlage der STIKO-Empfehlun-
fungen und anderen Maßnahmen der spezifischen gen entsprechend § 20 Abs. 3 IfSG „öffentlich emp-
Prophylaxe übertragbarer Krankheiten. Bei der Er- fohlen“. Die Versorgung bei anerkannten Impfschä-
arbeitung von Impfempfehlungen führt die Kom- den durch „öffentlich empfohlene“ Impfungen wird
mission in erster Linie eine medizinisch-epidemio- durch die Bundesländer sichergestellt.
logische Nutzen-Risiko-Bewertung auf Basis der
bestverfügbaren Evidenz durch. Es ist eine wichtige ärztliche Aufgabe, für einen aus-
reichenden Impfschutz bei den betreuten Personen
Dabei berücksichtigt sie auch den Nutzen einer Imp- zu sorgen. Dies bedeutet, die Grundimmunisierung
fung auf Bevölkerungsebene (z. B. zu erwartende bei Säuglingen und Kleinkindern frühzeitig zu be-
epidemiologische Effekte einer Impfempfehlung). ginnen, ohne Verzögerungen durchzuführen und
Die STIKO-Empfehlungen dienen den obersten zeitgerecht (bis zum Alter von 15 Monaten) abzu-
Landesgesundheitsbehörden als Grundlage für de- schließen. Neben der Grundimmunisierung im
ren öffentliche Empfehlungen und bilden gemäß Säuglingsalter sind auch die Standardimpfungen im
Sozial​gesetzbuch Fünftes Buch (SGB V) die Grund- Jugend- und Erwachsenenalter sowie regelmäßige
lage für die Entscheidung des Gemeinsamen Bun- Auffrischimpfungen sicherzustellen, um einen le-
desausschusses (G-BA), ob eine Schutzimpfung als benslangen umfassenden Impfschutz zu erzielen.
Pflichtleistung von der gesetzlichen Krankenkasse Impfungen auf Grund individueller und beruflicher
übernommen wird. Indikationen runden den Impfschutz weiter ab.
Grundsätzlich sollte jeder Arztbesuch von Kindern,
Impfungen gehören zu den wirksamsten und wich- Jugendlichen und Erwachsenen dazu genutzt wer-
tigsten medizinischen Maßnahmen. Moderne den, die Impfdokumentation zu überprüfen und ge-
Impfstoffe sind gut verträglich; bleibende gravieren- gebenenfalls den Impfschutz zu vervollständigen.
de unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW)
werden nur in sehr seltenen Fällen beobachtet. Un- Die ärztliche Impfleistung umfasst neben der
mittelbares Ziel einer Impfung ist es, Geimpfte vor ­Impfung:
einer bestimmten Krankheit zu schützen. Bei einer ▶▶ Informationen über den Nutzen der Impfung

bevölkerungsweit hohen Akzeptanz von Impfungen und die zu verhütende Krankheit


können hohe Impfquoten erreicht werden. Dadurch ▶▶ Hinweise auf mögliche unerwünschte Arznei-

ist es möglich, bestimmte Krankheitserreger regio- mittelwirkungen und Komplikationen


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▶▶ Erheben der Anamnese und der Impfanamnese tion von Impfstoffen sind die Fachinformationen
einschließlich der Befragung über das Vorliegen der jeweiligen Impfstoffe zu beachten. Für einen
möglicher Kontraindikationen lang dauernden Impfschutz ist es von besonderer
▶▶ Feststellen des aktuellen Gesundheitszustands Bedeutung, dass bei der Grundimmunisierung der
zum Ausschluss akuter Erkrankungen empfohlene Mindestabstand zwischen vorletzter
▶▶ Empfehlungen über Verhaltensmaßnahmen im und letzter Impfung nicht unterschritten wird.
Anschluss an die Impfung
▶▶ Aufklärung über Beginn und Dauer der Für die Impfprophylaxe genutzt werden sollen ins-
Schutzwirkung besondere die Früherkennungsuntersuchungen für
▶▶ Hinweise zu Auffrischimpfungen Säuglinge und Kinder (U1 – U9 sowie evtl. U10 und
▶▶ Dokumentation der Impfungen im Impfausweis U11), die Schuleingangsuntersuchung, Schulunter-
bzw. Ausstellen einer Impfbescheinigung suchungen, die ­Jugendgesundheitsuntersuchungen
(J1 und evtl. J2), die Untersuchungen nach dem
Jugendarbeitsschutzgesetz und die Vorsorgeunter-
2. Impfkalender suchungen im Erwachsenenalter, sowie die Routine­
Der Impfkalender für Säuglinge, Kinder, Jugendliche untersuchungen von Müttern innerhalb der ersten
und Erwachsene (s. Tab. 1, S. 6) umfasst Imp­fungen 6 – 8 Wochen nach der Entbindung. Die im Impf­
zum Schutz vor Tetanus (T), Diphtherie (D/d), kalender empfohlenen Standardimpfungen sollten
Pertussis (aP/ap), Haemophilus influenzae Typ b (Hib), auch alle Personen mit chronischen Krankheiten
Poliomyelitis (IPV), Hepatitis B (HB), ­Herpes zoster erhalten, sofern keine spezifischen Kontraindika­
(HZ), Pneumokokken, Rotaviren (RV), Menin­go­ tionen vorliegen.
kokken C (MenC), Masern, Mumps, Röteln (MMR),
Varizellen (V) sowie gegen humane Papillomviren Wegen der besonderen Gefährdung in der frühen
(HPV) und Influenza. Kindheit ist es notwendig, empfohlene Impfungen
für Säuglinge möglichst frühzeitig durchzuführen
Das empfohlene Impfalter wird in Wochen, Mona- und spätestens bis zum Alter von 15  Monaten die
ten und Jahren angegeben. Beispiel: Impfung im Al- Grundimmunisierungen zu vollenden. Erfahrun-
ter von 5 – 6 Jahren: d. h. vom 5. Geburtstag bis zum gen zeigen, dass Impfungen, die später als empfoh-
Tag vor dem 7. Geburtstag. Die Impfungen s­ ollten len ­begonnen wurden, häufig nicht zeitgerecht fort-
zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgen. ­Soweit gesetzt werden. Bis zur Feststellung und Schlie-
Kombinationsimpfstoffe verfügbar sind und Emp- ßung von Impflücken, z. B. bei der ­Schuleingangs-
fehlungen der STIKO dem nicht entgegen­stehen, untersuchung, verfügen unzureichend geimpfte
sollten Kombinationsimpfstoffe verwendet werden, Kinder nur über ­einen mangelhaften Impfschutz.
um die Zahl der Injektionen möglichst gering zu Vor dem Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung,
halten. Die Überprüfung und ggf. Vervollständi- spätestens aber vor dem Schuleintritt, ist für einen
gung des Impfstatus ist in jedem Lebensalter sinn- altersentsprechenden vollständigen Impfschutz
voll. Fehlende Impfungen sollten sofort nachgeholt Sorge zu tragen.
werden, entsprechend den Empfehlungen für das
jeweilige Lebensalter. Es ist zu beachten, dass be-
stimmte Impfungen nur in einem bestimmten Zeit-
fenster möglich bzw. empfohlen sind. Die RV-Imp-
fung muss bis zum Alter von 24 bzw. 32 Lebens­
wochen abgeschlossen sein. Die Kinderimpfung
­gegen Pneumokokken wird nur bis zum 2. Geburts-
tag und die Hib-Impfung nur bis zum 5. Geburtstag
nachgeholt.

Zu den zeitlichen Mindestabständen zwischen zwei


Impfungen sowie zur Möglichkeit der Koadministra­
Epidemiologisches Bulletin
Tabelle 1 | Impfkalender (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene; 2021

Impfung Alter in
Alter in Monaten Alter in Jahren
Wochen

6 2 3 4 5 – 10 11 * 12 13 – 14 15 16 – 23 2 – 4 5 – 6 7 – 8 9 – 14 15 – 16 17 ab 18 ab 60

U4 U5 U6 U7 U7a/U8 U9 U10 U11/J1 J2

Rotaviren G1 a
G2 (G3)

Tetanusb G1 G2 G3c A1 A2 Ae

Diphtherieb G1 G2 G3c A1 A2 Ae

34 | 2021
Pertussisb G1 G2 G3c A1 A2 A3e

Hibb – H. influenzae Typ b G1 G2 G3c

Poliomyelitisb G1 G2 G3c A1

Hepatitis Bb G1 G2 G3c

26. August 2021


Pneumokokkenb G1 G2 G3c Sg

Meningokokken C G1

Masern G1 G2 Sf

Mumps, Röteln G1 G2

Varizellen G1 G2

HPV – Humane Papillomviren G1d G2d

Herpes zoster G1h G2h

Influenza S (jährlich)

Empfohlener Impfzeitpunkt a Erste Impfstoffdosis bereits ab dem Alter von 6 Wochen, je nach verwendetem Impfstoff 2 bzw. 3 Impfstoffdosen im Abstand von mind. 4 Wochen
b Frühgeborene: zusätzliche Impfstoffdosis im Alter von 3 Monaten, d. h. insgesamt 4 Impfstoffdosen
c Mindestabstand zur vorangegangenen Impfstoffdosis: 6 Monate
Nachholimpfzeitraum für Grund- bzw. Erstim- d Zwei Impfstoffdosen im Abstand von mind. 5 Monaten, bei Nachholimpfung beginnend im Alter ≥ 15 Jahren oder bei einem Impfabstand von
munisierung aller noch nicht Geimpften bzw. für < 5 Monaten z­ wischen 1. und 2. Dosis ist eine 3. Dosis erforderlich
Komplettierung einer unvollständigen Impfserie e Td-Auffrischimpfung alle 10 Jahre. Nächste fällige Td-Impfung einmalig als Tdap- bzw. bei entsprechender Indikation als Tdap-IPV-Kombinations-
impfung
f Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff für alle nach 1970 geborenen Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder
Erläuterungen mit nur einer Impfung in der Kindheit
G Grundimmunisierung (in bis zu 3 Teilimpfungen G1 – G3) g Impfung mit dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff

6
A Auffrischimpfung h Zweimalige Impfung mit dem adjuvantierten Herpes-zoster-Totimpfstoff im Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten
S Standardimpfung * Impfungen können auf mehrere Impftermine verteilt werden. MMR und V können am selben Termin oder in 4-wöchigem Abstand gegeben werden
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3. Standardimpfungen des Erwachsenen- Wenn die individuell gestellte Impfindikation nicht


alters, Indikations- und Auffrischimpfungen mit der für Deutschland gültigen Zulassung und
sowie Impfungen aufgrund eines der Fachinformation des entsprechenden Impfstof-
erhöhten arbeitsbedingten Risikos oder fes übereinstimmend ist, erfolgt die Anwendung
einer Reise außerhalb der zugelassenen Indikation. Das hat im
Schadensfall Folgen für Haftung und Entschädi-
3.1 Übersicht gung und unterliegt daher besonderen Dokumenta-
Zur Umsetzung des Impfkalenders für Säuglinge, tions- und Aufklärungspflichten (s. Kapitel 4.1 und
Kinder, Jugendliche und Erwachsene (s. Tab. 1, S. 6) Kapitel 4.2). Versorgungsansprüche wegen eines
sollte der Impfstatus regelmäßig ­überprüft und ge- anerkannten Impfschadens gemäß § 60 IfSG wer-
gebenenfalls ergänzt werden; dafür sollte jeder den bei den von den Landesgesundheitsbehörden
Arztbesuch genutzt werden. öffentlich empfohlenen Impfungen gewährt.

Neben den Standardimpfungen (S) können auch In- Die in Tabelle  2 (S. 8 ff.) genannten Impfungen un-
dikationsimpfungen (I) bei besonderer epidemio­ terscheiden sich sowohl hinsichtlich ihrer epide-
logischer Situation oder Gefährdung für Kinder, Ju- miologischen Bedeutung als auch hinsichtlich ihrer
gendliche und Erwachsene indiziert sein. Bei den Kostenübernahme (s. Hinweise zur Kostenübernah-
Impfungen der Kategorien B (Impfungen aufgrund me von Schutzimpfungen, S. 38); sie werden in fol-
eines beruflichen bzw. arbeitsbedingten Risikos) gende Kategorien eingeteilt:
und R (Reiseimpfungen) handelt es sich um Son-
derfälle einer Indikationsimpfung. Reiseimpfungen S 
Standardimpfungen mit allgemeiner Anwen-
können aufgrund der internationalen Gesundheits- dung (s. a. Impfkalender, Tab. 1, S. 6)
vorschriften (z. B. Gelbfieber-­Impfung) erforderlich
sein oder werden zum individuellen Schutz emp- A Auffrischimpfungen
fohlen.
I 
Indikationsimpfungen für Risikogruppen bei in-
Die Empfehlung über Art und zeitliche Reihenfolge dividuell (nicht arbeitsbedingt) erhöhtem Expo-
der Impfungen gehört zu den ärztlichen Aufgaben sitions-, Erkrankungs- oder Komplikationsrisiko
und ist im Einzelfall unter Abwägung der Indika­ sowie zum Schutz Dritter
tion und gegebenenfalls bestehender Kontraindika-
tionen zu treffen. B Impfungen aufgrund eines erhöhten beruf­lichen
bzw. arbeitsbedingten Risikos, z. B. nach Gefähr-
dungsbeurteilung gemäß Arbeitsschutzgesetz
(ArbSchG)/Bio­s toffverordnung  (BioStoffV)/
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge
(ArbMedVV) und/oder zum Schutz Dritter im
Rahmen der beruflichen Tätigkeit
Neben den von der STIKO empfohlenen Imp-
fungen sind auf der Basis der existierenden R Impfungen aufgrund von Reisen
Impfstoff-Zulassungen weitere „Impfindika­
tionen“ möglich, auf die nachfolgend nicht einge­
gangen wird, die aber für einzelne Personen,
ihrer individuellen (gesundheitlichen) S
­ ituation
entsprechend, sinnvoll sein können. Es liegt in
der ärztlichen Verantwortung, Patien­tInnen auf
diese weiteren Schutzmöglichkeiten hin­zuweisen.
Insofern ist eine fehlende STIKO-­Empfehlung
kein Hindernis für eine begründete Impfung.
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Tabelle 2 | Empfehlungen zu Standardimpfungen des Erwachsenenalters sowie zu Indikations-(Berufs- und Reiseimpfungen)


und Auffrischimpfungen für alle Altersgruppen

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Cholera R ▶▶ Reisen in Cholera-Epidemiegebiete mit voraussichtlich Nach Angaben in den Fachinformationen des Herstellers.
ungesichertem Zugang zu Trinkwasser
▶▶ längerfristige Tätigkeit in Cholera-Epidemiegebieten
▶▶ Einsatz als KatastrophenhelferInnen

Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der


STIKO
COVID-19 Während der aktuell anhaltenden COVID-19-Pandemie
wird auf die STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung
verwiesen, die regelmäßig aktualisiert wird.
STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung
Diphtherie S/A Alle Personen bei fehlender oder unvollständiger Erwachsene sollen die nächste fällige Diphtherie-Impfung
Grundimmunisierung oder wenn die letzte Impfung der einmalig als Tdap-Kombinationsimpfung erhalten, bei
Grundimmunisierung oder die letzte Auffrischimpfung entsprechender Indikation als Tdap-IPV-Kombinations-
länger als 10 Jahre zurückliegt. impfung.
Ungeimpfte oder Personen mit fehlendem Impfnachweis
sollten 2 Impfstoffdosen im Abstand von 4 – 8 Wochen
und eine 3. Impfstoffdosis 6 – 12 Monate nach der
2. Impfstoffdosis erhalten.
Eine Reise in ein Infektionsgebiet sollte frühestens nach
der 2. Impfstoffdosis angetreten werden.
FSME I Personen, die in FSME-Risikogebieten zeckenexponiert Grundimmunisierung und Auffrischimpfungen mit einem
(Früh- sind. für Erwachsene bzw. Kinder zugelassenen Impfstoff nach
sommer- B Personen, die durch FSME arbeitsbedingt gefährdet sind Angaben in den Fachinformationen.
meningo- (exponiertes Laborpersonal sowie Personen in Entsprechend den Empfehlungen der Gesundheits-
enze­phalitis) Risikogebieten, z. B. Forstbeschäftigte und Exponierte in behörden; Hinweise zu FSME-Risikogebieten –
und andere der Landwirtschaft). veröffentlicht im Epid Bull 9/2021 – sind zu beachten.
TBE- R Personen, die in TBE-Risikogebieten außerhalb Saisonalität beachten: April – November
(Tickborne­ Deutschlands zeckenexponiert sind.
encepha- Risikogebiete in Deutschland sind zurzeit:
litis) Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der ▶▶ Baden-Württemberg
Subtypen STIKO. ▶▶ Bayern: (außer einigen Landkreisen [LK] in Schwaben
und im westlichen Teil Oberbayerns), 2021 neu hinzu-
gekommen: LK Dillingen a.d. Donau
▶▶ Hessen: LK Odenwald, LK Bergstraße,
LK Darmstadt-Dieburg, SK Darmstadt,
LK Groß-Gerau, LK Offenbach, SK Offenbach,
LK Main-Kinzig-Kreis, LK Marburg-Biedenkopf,
2021 neu hinzugekommen: LK Fulda
▶▶ Niedersachsen: LK Emsland
▶▶ Rheinland-Pfalz: LK Birkenfeld
▶▶ Saarland: LK Saarpfalz-Kreis
▶▶ Sachsen: SK Dresden, LK Vogtlandkreis, LK Erz-
gebirgs­kreis, LK Bautzen, LK Meißen, LK Zwickau;
LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge,
2021 neu hinzugekommen: LK Mittelsachsen
▶▶ Sachsen-Anhalt: 2021 neu hinzugekommen:
SK Dessau-Roßlau
▶▶ Thüringen: SK Jena, SK Gera, LK Saale-Holzland-Kreis,
LK Saale-Orla-Kreis,
LK Saalfeld-Rudolstadt, LK Hildburghausen,
LK Sonneberg, LK Greiz, LK Ilm-Kreis,
LK Schmalkalden-Meiningen, SK Suhl,
2021 neu hinzugekommen: LK Weimarer Land
Gelbfieber R Vor Aufenthalt in Gelbfieber-Endemie- und Epidemie­ Einmalige Impfung in einer von den Gesundheits-
gebieten im tropischen Afrika und in Südamerika. behörden zugelassenen Gelbfieber-Impfstelle. Es gibt
Entsprechend den Anforderungen eines Gelbfieber-​ Konstellationen, bei denen aus medizinischer Sicht eine
Impfnachweises der Ziel- oder Transitländer. Auffrischimpfung zu empfehlen ist (s. Kapitel 3.2).
Eine Liste der Länder mit der Gefahr einer Gelbfieber- Das Internationale Zertifikat für eine Gelbfieber-Impfung
Übertragung und der Länder, die bei Einreise den ist lebenslang gültig. Dies betrifft bereits ausgestellte
Nachweis einer Gelbfieberimpfung fordern, stellt die und neue Gelbfieber-Impfzertifikate. Laut WHO dürfen
WHO zur Verfügung (www.who.int/health-topics/ Einreisende mit einem Gelbfieber-Impfzertifikat seit 2016
yellow-fever; www.who.int/ith/ITH_Annex_I.pdf?ua=1). nicht mehr mit der Begründung abgewiesen werden,
dass dieses nach 10 Jahren abgelaufen sei.
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der
STIKO
B bei Tätigkeiten mit Exposition zum Gelbfieber-Virus Einmalige Impfung in einer von den Gesundheits-
(z. B. in Forschungseinrichtungen oder Laboratorien). behörden zugelassenen Gelbfieber-Impfstelle.
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(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Haemophilus I Personen mit anatomischer oder funktioneller Asplenie Einmalige Impfung. Ob Wiederholungsimpfungen
influenzae (z. B. Sichelzellanämie). sinnvoll sind, kann aufgrund unzureichender Datenlage
Typ b (Hib) derzeit nicht beurteilt werden.
Hepatitis A I ▶▶ Personen mit einem Sexualverhalten mit erhöhtem Grundimmunisierung und Auffrischimpfung nach
(HA) Expositionsrisiko; z. B. Männer, die Sex mit Männern Angaben in den Fachinformationen.
haben (MSM) Die serologische Vortestung auf Anti-HAV ist nur bei
▶▶ Personen mit häufiger Übertragung von Blutbestand-
Personen sinnvoll, die länger in Endemiegebieten
teilen, z. B. i. v. Drogenkonsumierende, Hämophile, gelebt haben oder in Familien aus Endemiegebieten
oder mit Krankheiten der Leber/mit Leberbeteiligung aufgewachsen sind oder vor 1950 geboren wurden.
▶▶ BewohnerInnen von psychiatrischen Einrichtungen
oder vergleichbaren Fürsorgeeinrichtungen für Men-
schen mit Verhaltensstörung oder Zerebralschädigung
B Personen mit erhöhtem arbeitsbedingtem Expositions­
risiko, einschließlich Auszubildender, PraktikantInnen,
Studierender und ehrenamtlich Tätiger mit vergleich­
barem Expositionsrisiko in folgenden Bereichen:
▶▶ Gesundheitsdienst (inkl. Sanitäts- und Rettungsdienst,
Küche, Labor, technischer und Reinigungsdienst,
psychiatrische und Fürsorgeeinrichtungen)
▶▶ Personen mit Abwasserkontakt, z. B. in Kanalisations-
einrichtungen und Klärwerken Beschäftigte
▶▶ Tätigkeit (inkl. Küche und Reinigung) in Kindertages-
stätten, Kinderheimen, Behindertenwerkstätten,
Asylbewerberheimen u. a.
Reisende in Endemiegebiete
R Für eine Übersicht der Endemiegebiete und weitere
Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der STIKO.
Hepatitis B I 1. Personen, bei denen wegen einer vorbestehenden Für die Indikationsgruppen 1 – 4 gilt:
(HB) oder zu erwartenden Immundefizienz, z. B. eine ge- Eine routinemäßige serologische Testung zum
plante Immunsuppression, oder wegen einer vorbe- Ausschluss einer vorbestehenden HBV-Infektion vor
stehenden Erkrankung ein schwerer Verlauf einer Impfung gegen Hepatitis B ist nicht notwendig. Eine
Hepatitis-B-Erkrankung zu erwarten ist, z. B. HIV- Impfung von bereits HBV-infizierten Personen kann
Positive, Hepatitis C-Positive, DialysepatientInnen.* gefahrlos durchgeführt werden, ist allerdings wirkungs-
2. Personen mit einem erhöhten nicht-arbeitsbedingten los. Eine serologische Testung kann in bestimmten Situa-
Expositionsrisiko, z. B. Kontakt zu HBsAg-Trägern in tionen sinnvoll sein (z. B. aus Kostengründen, zur
Familie/Wohngemeinschaft, Sexualverhalten mit Vermeidung unnötiger Impfungen, bei hohem
hohem Infektionsrisiko, i. v. Drogenkonsumierende, anamnestischem Expositionsrisiko wie beispielsweise
Untersuchungshäftlinge und Strafgefangene, ggf. bei HBsAg-positivem Sexualpartner).* *
PatientInnen psychiatrischer Einrichtungen.* Zur Kontrolle des Impferfolgs sollte 4 – 8 Wochen nach
B 3. Personen mit erhöhtem arbeitsbedingten Expositions- der 3. Impfstoffdosis Anti-HBs quantitativ bestimmt
risiko, einschließlich Auszubildender, PraktikantInnen, werden (erfolgreiche Impfung: Anti-HBs ≥ 100 IE/l).* * *
Studierender und ehrenamtlich Tätiger mit Bei „Low-Respondern“ (Anti-HBs 10 – 99 IE/l) wird eine
vergleichbarem Expositionsrisiko, z. B. Personal in sofortige weitere Impfstoffdosis mit erneuter Anti-HBs-
medizinischen Einrichtungen (einschließlich Labor- Kontrolle nach weiteren 4 – 8 Wochen empfohlen.
und Reinigungspersonal), Sanitäts- und Rettungs- Falls Anti-HBs immer noch < 100 IE/l, bis zu 2 weitere
dienst, betriebliche ErsthelferInnen, PolizistInnen, Impfstoffdosen jeweils mit anschließender Anti-HBs-
Personal von Einrichtungen, in denen eine erhöhte Kontrolle nach 4 – 8 Wochen. Das Vorgehen nach
Prävalenz von Hepatitis-B-Infizierten zu erwarten ist 6  Impfstoffdosen und weiterhin bestehendem Anti-HBs
(z. B. Gefängnisse, Asylbewerberheime, Einrichtungen < 100 IE/l wird kontrovers diskutiert; s. Erläuterungen
für Menschen mit Behinderungen).*, * * im Epid Bull 36/37 2013.5
R 4. Reiseindikation: individuelle Gefährdungsbeurteilung Bei „Non-Respondern“ (Anti-HBs < 10 IE/l): Bestimmung
erforderlich.* * * von HBsAg und Anti-HBc zum Ausschluss einer
chronischen HBV-Infektion. Falls beide Parameter negativ
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der
sind, weiteres Vorgehen wie bei „Low-Respondern“ (s. o.).
STIKO.
Nach erfolgreicher Impfung, d. h. Anti-HBs ≥ 100 IE/l,
sind im Allgemeinen keine weiteren Auffrischimpfungen
erforderlich. Ausnahme: PatientInnen mit humoraler
Immundefizienz (jährliche Anti-HBs-Kontrolle;
Auffrischimpfung, wenn Anti-HBs < 100 IE/l), ggf.
Personen mit besonders hohem individuellen
Expositionsrisiko­(Anti-HBs-Kontrolle nach 10 Jahren;
Auffrischimpfung, wenn Anti-HBs < 100 IE/l).
Bei im Säuglingsalter gegen Hepatitis B geimpften
Personen mit neu aufgetretenem Hepatitis-B-Risiko
(Indikationen 1 – 4) und unbekanntem Anti-HBs sollte
eine weitere Impfstoffdosis gegeben werden mit
anschließender serologischer Kontrolle (s. o.).
* Die angeführten Personengruppen haben exemplarischen Charakter und stellen keine abschließende Indikationsliste dar.
Die Impfindikation ist auf Grundlage einer Einschätzung des tatsächlichen Expositionsrisikos zu stellen (s. a. Epid Bull 36/37 2013). 5
* * Im Bereich der Arbeitsmedizin sind die Empfehlungen der ArbMedVV zu beachten.
* * * Bei zur Gruppe 4 (Reiseindikation) gehörenden Personen ist individuell abzuwägen, ob angesichts des konkreten Expositionsrisikos
und des individuellen Risikos eines Impfversagens eine Impferfolgskontrolle erforderlich erscheint.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 10

(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Herpes S Personen ≥ 60 Jahre Zweimalige Impfung mit dem adjuvantierten Herpes-
 zoster (HZ) zoster-Totimpfstoff im Abstand von mindestens 2 bis
I Personen ≥ 50 Jahre bei erhöhter gesundheitlicher maximal 6 Monaten.
Gefährdung infolge einer Grunderkrankung, wie z. B.:
▶▶ Angeborener oder erworbener Immundefizienz
▶▶ HIV-Infektion
▶▶ Rheumatoider Arthritis
▶▶ Systemischem Lupus erythematodes
▶▶ Chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
▶▶ Chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen
oder Asthma bronchiale
▶▶ Chronischer Niereninsuffizienz
▶▶ Diabetes mellitus

Die Impfung mit dem Herpes-zoster-Lebendimpfstoff s. a. Kapitel 3.2 (s. S. 14)
wird nicht als Standardimpfung empfohlen.

Humane s. S. 18
Papillom-
viren (HPV)
Influenza S Personen ≥ 60 Jahre Jährliche Impfung im Herbst mit einem inaktivierten
quadrivalenten Hochdosis-Impfstoff mit aktueller von
der WHO empfohlener Antigenkombination.

I Alle Schwangeren ab 2. Trimenon, bei erhöhter Impfung mit einem inaktivierten quadrivalenten
gesundheitlicher Gefährdung infolge einer Grund­ Impfstoff mit aktueller von der WHO empfohlener
erkrankung ab 1. Trimenon. Antigenkombination.

Personen ≥ 6 Monate mit erhöhter gesundheitlicher Jährliche Impfung im Herbst mit einem inaktivierten
Gefährdung infolge eines Grunderkrankung, wie z. B.: quadrivalenten Impfstoff mit aktueller von der WHO
▶▶ chronische Erkrankung der Atmungsorgane empfohlener Antigenkombination.
(inklusive Asthma bronchiale und COPD) Kinder und Jugendliche im Alter von 2 – 17 Jahren
▶▶ chronische Herz-Kreislauf-, Leber- und Nieren­
können alternativ mit einem attenuierten Influenza-
erkrankung Lebendimpfstoff (LAIV) geimpft werden, sofern keine
▶▶ Diabetes mellitus und andere Stoffwechselerkrankung
Kontraindikation besteht (s. Fachinformation). Bei
▶▶ chronische neurologische Erkrankungen,
Hindernissen für eine Injektion (z. B. Spritzenphobie,
z. B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen Gerinnungsstörungen) sollte präferenziell LAIV
getriggerten Schüben verwendet werden.
▶▶ Personen mit angeborener oder erworbener
Immundefizienz Für Personen ≥ 60 Jahren werden inaktivierte
▶▶ HIV-Infektion quadrivalente Hochdosis-Impfstoffe empfohlen.

BewohnerInnen von Alters- oder Pflegeheimen.


Personen, die als mögliche Infektionsquelle im selben
Haushalt lebende oder von ihnen betreute Risikoper­so­
nen gefährden können. Als Risikopersonen gelten hierbei
Personen mit den oben beispielhaft genannten Grund­­-
erkrankungen, bei denen es Hinweise auf eine deutlich
reduzierte Wirksamkeit der Influenza-Impfung gibt.

Wenn eine schwere Epidemie aufgrund von Erfahrungen Entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehör-
in anderen Ländern oder nach deutlichem Antigendrift den (Pandemiepläne der Bundesländer: www.rki.de/
bzw. einem Antigenshift zu erwarten ist und der Impf- pandemieplanung > Pandemiepläne der Bundesländer.
stoff die neue Variante enthält.

B Personen mit erhöhter Gefährdung, z. B. medizinisches Jährliche Impfung im Herbst mit einem inaktivierten
Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem quadrivalenten Impfstoff mit aktueller von der WHO
Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche empfohlener Antigenkombination.
Infektionsquelle für von ihnen betreute Risikopersonen Für Personen ≥ 60 Jahren werden inaktivierte
fungieren können. quadrivalente Hochdosis-Impfstoffe empfohlen.
Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt
zu Geflügel und Wildvögeln.*
* Eine Impfung mit saisonalen humanen Influenza-Impfstoffen erfolgt nicht primär zum Schutz vor Infektionen durch den Erreger der
aviären Influenza, sie kann jedoch Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern
(s. a. TRBA 608 des ABAS unter https://www.baua.de/DE/Angebote/Rechtstexte-und-Technische-Regeln/Regelwerk/TRBA/TRBA.html).

R/I Für Reisende ab 60 Jahren und die unter I (Indikations- Impfung mit einem quadrivalenten Impfstoff mit aktu­­eller
impfung) genannten Personengruppen, die nicht über von der WHO empfohlener, Antigenkombination.
einen aktuellen Impfschutz verfügen, ist die Impfung
generell empfehlenswert. Für Personen ≥ 60 Jahren werden inaktivierte
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der quadrivalente Hochdosis-Impfstoffe empfohlen.
STIKO.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 11

(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Japanische R Aufenthalte in Endemiegebieten (Südost-Asien, weite Grundimmunisierung mit 2 Impfstoffdosen; eine
Enze- Teile von Indien, Korea, Japan, China, West-Pazifik, Auffrischungsdosis vor erneuter Exposition, frühestens
phalitis Nordaustralien) während der Übertragungszeit, 12 Monate nach der Grundimmunisierung
insbesondere bei:
▶▶ Reisen in aktuelle Ausbruchsgebiete
▶▶ Langzeitaufenthalt ( > 4 Wochen)
▶▶ wiederholten Kurzzeitaufenthalten
▶▶ voraussehbarem Aufenthalt in der Nähe von Reis-
feldern und Schweinezucht (nicht auf ländliche
Gebiete begrenzt)
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der
STIKO.
B Laborpersonal, das gezielt mit vermehrungsfähigen
Japanische Enzephalitis Virus-Wildtypstämmen arbeitet
Masern S Nach 1970 geborene Personen ≥ 18 Jahre mit unklarem Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff.
Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfstoff-
dosis in der Kindheit.
I Bei bevorstehender Aufnahme bzw. bei Besuch einer Zweimalige Impfung mit einem MMR/V-*Impfstoff.
Gemeinschaftseinrichtung (z. B. Kita): Sofern die Erstimpfung im Alter von 9 – 10 Monaten
▶▶ Säuglinge ab dem Alter ≥ 9 Monaten
erfolgt, soll die 2. MMR/V-Impfung bereits zu Beginn
des 2. Lebensjahres gegeben werden.
Im Rahmen eines Ausbruchs: Einmalige MMR(V)* *-Impfung
▶▶ nach 1970 Geborene ab dem Alter ≥ 9 Monaten mit
Ggf. Vervollständigung entsprechend den für die
unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur Alters­gruppe geltenden Empfehlungen.
einer Impfstoffdosis in der Kindheit
▶▶ ausnahmsweise Säuglinge im Alter von 6 – 8 Monaten Sofern die Erstimpfung im Alter von 9 – 10 Monaten
nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung erfolgt, soll die 2. MMR/V*-Impfung bereits zu Beginn
(Off-label-use) des 2. Lebensjahres gegeben werden.
Bei Erstimpfung im Alter von 6 – 8 Monaten sollen
eine 2. und 3. MMR/V*-Impfung im Alter von 11  und
15 Monaten erfolgen.
* MMR/V = MMRV oder MMR in Ko-Administration mit VZV-Impfstoff
** MMR(V) = MMR mit oder ohne Ko-Administration von VZV-Impfstoff
Masern, B Nach 1970 geborene Personen (einschließlich Insgesamt 2-malige Impfung mit einem MMR-Impfstoff
Mumps, Auszubildende, PraktikantInnen, Studierende und (bei gleichzeitiger Indikation zur Varizellen-Impfung ggf.
Röteln ehrenamtlich Tätige) in folgenden Tätigkeitsbereichen: MMRV-Kombinationsimpfstoff verwenden).
(MMR) ▶▶ Medizinische Einrichtungen Die Anzahl der notwendigen Impfstoffdosen richtet sich
(gemäß § 23 (3) Satz 1 IfSG) inklusive Einrichtungen nach der Komponente mit den wenigsten dokumen-
sonstiger humanmedizinischer Heilberufe tierten Impfungen.
▶▶ Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem
Bei Frauen ist für jede der drei Impfstoffkomponenten
Material (M-M-R) eine 2-malige Impfung erforderlich.
▶▶ Einrichtungen der Pflege (gemäß § 71 SGB XI)
▶▶ Gemeinschaftseinrichtungen (gemäß § 33 IfSG) Bei Männern ist für die Masern- und Mumps-Impfstoff-
▶▶ Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung komponente eine 2-malige Impfung erforderlich, zum
von AsylbewerberInnen, Ausreisepflichtigen, Flücht­ Schutz gegen Röteln reicht eine 1-malige Impfung aus.
lingen und Spätaussiedlern Es existieren keine Sicherheitsbedenken gegen weitere
▶▶ Fach-, Berufs- und Hochschulen MMR-Impfung(en) bei bestehender Immunität gegen
einzelne Komponenten.
Meningo- I Gesundheitlich gefährdete Personen mit angeborener oder Impfung mit Meningokokken-ACWY-Konjugat-Impfstoff
kokken- erworbener Immundefizienz, insbesondere: und MenB-Impfstoff.
Infektionen ▶▶ Komplement-/Properdindefizienz
Nähere Erläuterungen zur Anwendung (s. S. 20 f.).
▶▶ Therapie mit C5-Komplement-Inhibitoren
(z.B. Eculizumab oder Ravulizumab)
▶▶ Hypogammaglobulinämie
▶▶ anatomischer oder funktioneller Asplenie
(z. B. Sichelzellanämie)
Bei gehäuftem Auftreten oder Ausbrüchen auf Entsprechend den Empfehlungen der Gesundheits­
Empfehlung der Gesundheitsbehörden (s. S. 41). behörden.
B Gefährdetes Laborpersonal (bei Exposition gegenüber Impfung mit Meningokokken-ACWY-Konjugat-Impfstoff
N. meningitidis-haltigen Aerosolen). und einem MenB-Impfstoff (s. S. 20 f.).
R Reisende in Länder mit epidemischem Vorkommen, Impfung mit Meningokokken-ACWY-Konjugat-Impfstoff
besonders bei engem Kontakt zur einheimischen (s. S. 21).
Bevölkerung (z. B. EntwicklungshelferInnen, Katastrophen-
helferInnen, medizinisches Personal, bei Langzeitaufent-
halt); dies gilt auch für Aufenthalte in Regionen mit
Krankheitsausbrüchen und Impfempfehlung für die
einheimische Bevölkerung (WHO- und Länderhinweise
beachten). Weitere Informationen s. Reiseimpfempfeh-
lungen der STIKO.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 12

(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)

Meningo- R Vor Pilgerreise nach Mekka (Hadj, Umrah). Weitere Impfung mit Meningokokken-ACWY-Konjugat-Impfstoff
kokken- Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der STIKO. (s. S. 21; Einreisebestimmungen beachten).
Infektionen
(Fortsetzung) SchülerInnen/Studierende vor Langzeitaufenthalten in Entsprechend den Empfehlungen der Zielländer.
Ländern mit empfohlener allgemeiner Impfung für
Jugendliche oder selektiver Impfung für SchülerInnen/
Studierende. Weitere Informationen s. Reiseimpfempfeh-
lungen der STIKO.

Mumps B Siehe Masern, Mumps, Röteln (s. S. 11)

Pertussis S/A Erwachsene sollen die nächste fällige Td-Impfung Tdap-Kombinationsimpfstoff, bei entsprechender
einmalig als Tdap-Kombinationsimpfung erhalten. Indikation Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff
(zu verfügbaren Impfstoffen s. a. Tab. 11,  S. 54 f.).

I Schwangere zu Beginn des 3. Trimenons Verwendung eines Tdap-Kombinationsimpfstoffs


(ab der 28. Schwangerschaftswoche). (Covaxis, Boostrix), bei entsprechender Indikation
Bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt als Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff (Repevax,
sollte die Impfung ins 2. Trimenon vorgezogen werden. Boostrix-Polio).
Impfung unabhängig vom Abstand zu einer vorher
verabreichten Pertussis-Impfung und in jeder
Schwangerschaft.

Folgende Personen sollen alle 10 Jahre 1 Dosis Tdap-Kombinationsimpfstoff, bei entsprechender


Pertussis-Impfstoff erhalten: Indikation Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff
(zu verfügbaren Impfstoffen s. a. Tab. 11,  S. 54 f.).
▶▶ enge Haushaltskontaktpersonen (z.B. Eltern,*
Geschwister, Freunde) und Betreuende (z. B. Tages-
mütter, Babysitter, ggf. Großeltern) eines Neuge­
borenen nach Möglichkeit spätestens 4 Wochen vor
dem voraussichtlichen Entbindungstermin

* Ist die in der Schwangerschaft empfohlene Impfung nicht erfolgt, sollte die Mutter bevorzugt in den ersten Tagen nach der Geburt
geimpft werden.

B Personal im Gesundheitsdienst sowie in Gemeinschafts-


einrichtungen soll alle 10 Jahre 1 Dosis Pertussis-
Impfstoff erhalten.

Pneumo- S Personen ≥ 60 Jahre. Impfung mit dem 23-valenten Polysaccharid-Impfstoff


kokken- (PPSV23), ggf. Wiederholungsimpfungen mit PPSV23
Krank- im Abstand von mindestens 6 Jahren nach individueller
heiten Indikationsstellung s. Kapitel 3.2 (s. S. 14).

I Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter


gesundheitlicher Gefährdung infolge einer
Grundkrankheit:
1. Angeborene oder erworbene Immundefekte, 1. Sequenzielle Impfung mit dem 13-valenten Konjugat-
wie z. B.: Impfstoff (PCV13), gefolgt von PPSV23 nach 6 – 12
▶▶ T-Zell-Defizienz bzw. gestörte T-Zell-Funktion Monaten, wobei PPSV23 erst ab dem Alter ≥ 2 Jahren
▶▶ B-Zell- oder Antikörperdefizienz (z. B. Hypogamma- gegeben werden soll.* *
globulinämie)
▶▶ Defizienz oder Funktionsstörung von myeloischen
Zellen (z. B. Neutropenie, chronische Granulomatose,
Leukozytenadhäsionsdefekte, Signaltransduktions-
defekte)
▶▶ Komplement- oder Properdindefizienz
▶▶ funktionelle Hyposplenie (z. B. bei Sichezell-
anämie), Z.n. Splenektomie* oder anatomische
Asplenie
▶▶ neoplastische Krankheiten
▶▶ HIV-Infektion
▶▶ nach Knochenmarktransplantation
▶▶ immunsuppressive Therapie* (z. B. wegen Organ­
transplantation oder Autoimmunerkrankung)
▶▶ bei chronischem Nierenversagen, nephrotischem
­Syndrom oder chronischer Leberinsuffizienz
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 13

(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)

Pneumo- I 2. Sonstige chronische Krankheiten, 2. Personen ab dem Alter ≥ 16 Jahren erhalten eine
kokken- wie z. B.: Impfung mit PPSV23. Personen im Alter ≥ 2 – 15
Krank- ▶▶ chronische Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Erkran- Jahren erhalten eine sequenzielle Impfung mit PCV13,
heiten kungen der Atmungsorgane, z. B. Asthma bronchiale , gefolgt von PPSV23 nach 6 – 12 Monaten.* *
(Fortsetzung) Lungenemphysem, COPD
▶▶ Stoffwechselkrankheiten, z. B. mit oralen Medikamen-
ten oder Insulin-behandeltem Diabetes mellitus
▶▶ neurologische Krankheiten, z. B. Zerebralparesen oder
Anfallsleiden
3. Anatomische und fremdkörperassoziierte Risiken 3. Sequenzielle Impfung mit PCV13, gefolgt von PPSV23
für Pneumokokken-Meningitis, nach 6 – 12 Monaten, wobei PPSV23 erst ab dem Alter
wie z. B.: ≥ 2 Jahren gegeben werden soll.* *
▶▶ Liquorfistel
▶▶ Cochlea-Implantat*

* Impfung möglichst vor der Intervention


** Aufgrund der begrenzten Dauer des Impfschutzes soll die Impfung mit PPSV23 in allen drei Risikogruppen mit einem Mindestabstand
von 6 Jahren wiederholt werden.
Hinweise zur praktischen Umsetzung s. S. 14 „Anmerkungen zu einzelnen Impfungen“

B Berufliche Tätigkeiten wie Schweißen und Trennen von Impfung mit PPSV23 und Wiederholungsimpfung mit
Metallen, die zu einer Exposition gegenüber Metall- PPSV23 mit einem Mindestabstand von 6 Jahren,
rauchen einschließlich metalloxidischen Schweiß- solange die Exposition andauert.
rauchen führen.

Polio- S/A Alle Personen bei fehlender oder unvollständiger Als vollständig geimpft gelten Personen, die eine
myelitis Grundimmunisierung. komplette Grundimmunisierung und eine einmalige
Alle Personen ohne einmalige Auffrischimpfung. Auffrischimpfung erhalten haben.
Ausstehende oder nicht dokumentierte Impfungen sollen
entsprechend den Angaben in den Fachinformationen
mit IPV nachgeholt werden.
Darüber hinaus wird eine weitere routinemäßige
Auffrischimpfung für Erwachsene in Deutschland
nicht empfohlen.

I Für folgende Personengruppen ist eine Impfung indiziert: Personen ohne Nachweis einer Grundimmunisierung
▶▶ Reisende in Regionen mit Infektionsrisiko durch sollten vor Reisebeginn wenigstens 2 IPV-Impfstoff-
Wild-Poliomyelitis-Virusstämme (WPV) oder durch dosen in 4-wöchigem Abstand erhalten.
einen mutierten Impfvirusstamm (circulating vaccine- Ausstehende oder nicht dokumentierte Impfstoffdosen,
derived poliomyelitisvirus [cVDPV]) (die aktuelle epide- die für einen vollständigen Schutz empfohlen sind,
mische Situation ist zu beachten, insbesondere die sollen mit IPV nachgeholt werden.
Meldungen der WHO)
▶▶ AussiedlerInnen, Flüchtlinge und Asylsuchende, die in Für bestimmte Länder hat die WHO bei einem
Gemeinschaftsunterkünften leben, bei der Einreise aus Aufenthalt > 4 Wochen verschärfte Empfehlungen
Gebieten mit Infektionsrisiko s. Kapitel 4.11 (S. 35 ff.) ausgesprochen, z. T. mit Nachweispflicht, s. auch
www.who.int/ihr/ihr_ec_2014/en
Weitere Information s. Reiseimpfempfehlungen der
STIKO. Bei einem Aufenthalt < 4 Wochen in Afghanistan oder
Pakistan wird eine Poliomyelitis-Auffrischimpfung
empfohlen, wenn die letzte Impfstoffdosis vor mehr als
10 Jahren verabreicht worden ist.

B ▶▶ Personal der oben genannten Einrichtungen Ausstehende oder nicht dokumentierte Impfungen der
▶▶ medizinisches Personal, das engen Kontakt zu Grundimmunisierung sollen mit IPV nachgeholt werden.
Erkrankten haben kann Bei Personen mit weiter bestehendem Expositionsrisiko
▶▶ Personal in Laboren mit Infektionsrisiko sollten Auffrischimpfungen alle 10 Jahre erfolgen.

Röteln I Ungeimpfte Frauen oder Frauen mit unklarem Impfstatus Zweimalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff.
im gebärfähigen Alter.43
Einmal geimpfte Frauen im gebärfähigen Alter.43 Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff.

B Siehe Masern, Mumps, Röteln (s. S. 11)

Tetanus S/A Alle Personen bei fehlender oder unvollständiger Erwachsene erhalten eine Td-Kombinationsimpfung, ggf.
Grundimmunisierung, wenn die letzte Impfstoffdosis der bei entsprechender Indikation einmalig als Tdap- oder als
Grundimmunisierung oder die letzte Auffrischimpfung Tdap-IPV-Kombinationsimpfung.
länger als 10 Jahre zurückliegt. Eine begonnene Grundimmunisierung wird vervoll-
ständigt, Auffrischimpfungen in 10-jährigem Intervall.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 14

(Fortsetzung Tabelle 2)

Impfung Kate­ Indikation Anmerkungen


gegen gorie (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Tollwut B ▶▶ TierärztInnen,JägerInnen, Forstpersonal u. a. Nach Angaben in den Fachinformationen.
Personen mit Umgang mit Tieren in Gebieten mit neu Personen mit weiter bestehendem Expositionsrisiko
aufgetretener Wildtiertollwut sollten regelmäßig eine Auffrischimpfung entsprechend
▶▶ Personen mit arbeitsbedingtem oder sonstigem engen
den Angaben in den Fachinformationen erhalten.
Kontakt zu Fledermäusen
▶▶ Laborpersonal mit Expositionsrisiko gegenüber Mit Tollwutvirus arbeitendes Laborpersonal sollte
Tollwutviren halbjährlich auf neutralisierende Antikörper untersucht
werden. Eine Auffrischimpfung ist bei < 0,5 IE/ml Serum
R Reisende in Regionen mit Tollwutgefahr und einer indiziert.
erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Tollwutexposition
(z. B. durch Kontakt mit streunenden Hunden
oder Fledermäusen).
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der
STIKO.

Tuber- Die Impfung mit einem BCG-Impfstoff wird nicht


kulose empfohlen.

Typhus R Bei Reisen in Endemiegebiete mit Aufenthalt unter Nach Angaben in den Fachinformationen.
schlechten hygienischen Bedingungen.
Weitere Informationen s. Reiseimpfempfehlungen der
STIKO.

Varizellen I ▶▶ Seronegative Frauen mit Kinderwunsch Zweimalige Impfung.


▶▶ Seronegative PatientInnen vor geplanter immun- Anwendungshinweise für Impfungen seronegativer
suppressiver Therapie oder Organtransplantation PatientInnen unter immunsuppressiver Therapie sind
▶▶ Empfängliche Personen* mit schwerer Neurodermitis,
hier verfügbar: www.rki.de/immundefizienz
▶▶ Empfängliche Personen* mit engem Kontakt zu den
beiden zuvor Genannten

* „Empfängliche Personen“ bedeutet: keine Impfung und anamnestisch keine Varizellen oder bei serologischer Testung kein Nachweis
spezifischer Antikörper.

B Seronegative Personen (einschließlich Auszubildende, Insgesamt 2-malige Impfung (bei gleichzeitiger


PraktikantInnen, Studierende und ehrenamtlich Tätige) Indikation zur MMR-Impfung ggf. MMRV-Kombinations­
in folgenden Tätigkeitsbereichen: impfstoff verwenden
▶▶ Medizinische Einrichtungen (gemäß § 23 (3) Satz 1
IfSG) inklusive Einrichtungen sonstiger human-
medizinischer Heilberufe
▶▶ Tätigkeiten mit Kontakt zu potenziell infektiösem
Material
▶▶ Einrichtungen der Pflege (gemäß § 71 SGB XI)
▶▶ Gemeinschaftseinrichtungen (gemäß § 33 IfSG)
▶▶ Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung
von AsylbewerberInnen, Ausreisepflichtigen, Flüchtlin-
gen und Spätaussiedlern

3.2 Anmerkungen zu einzelnen Impfungen seite des RKI unter www.rki.de/impfungen-a-z.


Im vorliegenden Kapitel werden Immunisierungs- Informationen zu Lieferengpässen und Angaben zu
schemata und Anwendungshinweise zu einzelnen Alternativimpfstoffen erhalten Sie auf den Websei-
Impfungen besprochen. Für Nachholimpfungen ten des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) und der STIKO.
und irreguläre Impfschemata wird auf die alters­
entsprechenden Tabellen 10 A – E im Kapitel 6.10 Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen haben
verwiesen. Handelsnamen und Anwendungsalter Anspruch auf Leistungen für Schutzimpfungen, die
für die empfohlenen Impfstoffe sind in Tabelle 11 in der Schutzimpfungs-Richtlinie des G-BA aufge-
im Kapitel 6.10 zusammengefasst. Grundsätzlich ist führt sind. Im Kapitel 4.12 finden sich weitere Informa­
verbindlich, was in der Fachinformation des einzel- tionen hierzu und zur Kostenübernahme von Imp-
nen Impfstoffs steht. Weitere hilfreiche Anwen- fungen mit arbeitsbedingter Indikation. Bei Reiseimp-
dungshinweise zu einzelnen Impfungen finden sich fungen muss die Kostenübernahme individuell ge-
in den „häufig gestellten Fragen“ (FAQ) auf der Web- klärt werden, ggf. muss der Impfling selbst zahlen.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 15

Cholera in 10-­jährigem Abstand. Ab einem Alter ≥ 5 Jahren


In Deutschland gibt es derzeit zwei zugelassene wird zur Auffrischimpfung oder bei eventuell nicht
­Cholera-Impfstoffe (Dukoral und VAXCHORA). Bei erfolgter Grundimmunisierung ein Impfstoff mit
Dukoral handelt es sich um eine Schluckimpfung reduziertem Diphtherietoxoid-Gehalt (d) verwendet,
mit abgetöteten Cholera­-Erregern. Die Grundim- in der Regel kombiniert mit Tetanus­toxoid und
munisierung mit diesem Impfstoff besteht bei Er- Pertussis-Antigen (TdaP) oder weiteren indizierten
wachsenen und Kindern ≥ 6 Jahre aus 2 Impfstoff- Antigenen.
dosen, die im Abstand von mindestens 1 bis maxi-
mal 6 Wochen verab­reicht werden. Kinder im Alter Frühsommermeningoenzephalitis (FSME)
von ≥ 2 – 5 Jahren sollten 3 Impfstoffdosen erhalten Ein Impfschutz sollte möglichst zu Beginn der
(Mindestabstand von 1  Woche zwischen den Impf- ­Zeckensaison aufgebaut sein – ca. 95 % der Erkran-
stoffdosen). Die Impfung sollte spätestens 1  Woche kungen werden in Deutschland in den Monaten Mai
vor der Einreise in ein Endemiegebiet abgeschlos- bis November gemeldet. Bitte beachten Sie die aktu-
sen sein. Bei Verwendung von VAXCHORA neh- ellen Hinweise zu Risikogebieten in Deutschland:
men Erwachsene und Kinder ≥ 6 Jahre oral einmalig FSME-Risikogebiete Stand Januar 2021; veröffent-
eine Impfstoffdosis mindestens 10  Tage vor Abreise licht im Epid Bull 9/2021. Für die Impfung stehen
(Lebendimpfstoff). Kinder-Impfstoffe (FSME-IMMUN Junior, Encepur
Kinder) und Erwachsenen-Impfstoffe (FSME-
COVID-19 IMMUN Erwachsene, Encepur Erwachsene) zur
In der aktuell anhaltenden Pandemie handelt es Verfügung. Eine unterbrochene Grundimmunisie-
sich bei der STIKO-Empfehlung um eine Indika­ rung sollte mit den fehlenden Impfstoffdosen abge-
tionsimpfempfehlung. Ob es in Zukunft eine Stan- schlossen werden. In den Fachinformationen von
dardimpfempfehlung oder eine anderslautende In- FSME-­IMMUN wird darauf hingewiesen, dass eine
dikationsimpfempfehlung geben wird, kann zum Grundimmunisierung nur nach zwei bereits gege-
jetzigen Zeitpunkt der Pandemie nicht beurteilt ben Impfstoffdosen durch eine zusätzliche Impf-
werden. Bis auf Weiteres wird auf die STIKO- stoffdosis vervollständigt werden kann. Nach Auf-
Empfehlung zur COVID-19-Impfung verwiesen, die fassung der STIKO gilt jedoch auch hier der Grund-
regelmäßig aktualisiert wird: STIKO-Empfehlun- satz „jede Impfung zählt“: Eine einmal begonnene
gen zu COVID-19. Grundimmunisierung kann zu jeder Zeit fortge-
setzt werden und es muss KEINE erneute Grundim-
Diphtherie munisierung erfolgen. Auch wenn eine Auf­
Für die Grundimmunisierung von Reifgeborenen frischimpfung erst Jahre nach dem empfohlenen
sind im Säuglingsalter drei Impfstoffdosen im Alter Impfzeitpunkt verabreicht wird, bietet sie je nach
von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen (s. Epid Bull Lebensalter wieder 3 – 5 Jahre Schutz (s. Fach­
26/2020). 2 Es ist sinnvoll diese Impfungen mit informationen). Die in Deutschland zugelassenen
einem Kombinationsimpfstoff (z. B. DTaP-IPV-Hib- Impfstoffe schützen sowohl vor dem zentraleuro-
HepB) durchzuführen, der gleichzeitig gegen Teta- päischen FSME-­Virus-Subtyp als auch vor den fern­
nus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, östlichen und sibirischen FSME-Virus-Subtypen.
Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis  B
schützt. Für Frühgeborene (Geburt vor der vollen- Gelbfieber
deten 37. Schwangerschaftswoche) sind 4 Impfstoff­ Die Gelbfieber-Impfung mit dem attenuierten
dosen im chronologischen Alter von 2, 3, 4 und Lebend­impfstoff (Stamaril) wird bei Reisen in Gelb­
11 Monaten empfohlen. fieber-Endemiegebiete empfohlen. Bei einigen Län-
dern besteht bei Einreise eine Nachweispflicht. An-
Zwischen der letzten und vorletzten Dosis des je- dere Länder fordern den Nachweis einer Gelb­fieber-
weiligen Impfschemas zur Grundimmunisierung Impfung nur bei Einreise aus gelb­fieberendemischen
sollte ein Abstand von 6 Monaten nicht unterschrit- Ländern oder bei Flughafentransit > 12 h in einem
ten werden. Auffrischimpfungen sind im Alter von gelbfieberendemischen Land. Die Weltgesundheits-
5 – 6 Jahren und 9 – 16 Jahren empfohlen und dann organisation (WHO) hat 2014 nach Bewertung der
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 16

verfügbaren Evidenz festgelegt, dass in den meisten ten nicht unterschritten werden. Wird eine Hib-Imp-
Fällen nach einmaliger Gelbfieber-Impfung von ei- fung im Alter von 1 – 4 Jahren nachgeholt, reicht eine
nem lebenslangen Schutz auszugehen ist (Strategic einmalige Impfung. Ab einem Alter ≥ 5 Jahren ist
Advisory Group of Experts on immunization
­ eine Hib-Impfung nur in Ausnahmefällen indiziert
[SAGE]: Working Group. Background Paper on Yel- (s. Tab. 2, S. 8, bei funktioneller oder anatomischer
low Fever Vaccine, 19  March 2013). Die Gültigkeit ei- Asplenie). Monovalente Hib-Impfstoffe (Act-Hib,
nes internationalen Zertifikates für eine Gelbfieber- ­Hiberix) werden aktuell in Deutschland nicht ver-
Impfung wurde von 10 Jahren auf lebenslang geän- marktet, sind jedoch über Apotheken aus dem Aus-
dert. Dies betrifft sowohl bereits ausgestellte als land bestellbar.
auch neue Gelbfieber-Impfzertifikate.
Hepatitis A
Eine Liste der Länder mit der Gefahr einer Zugelassen zur Impfung gegen Hepatitis A sind in
­Gelbfieberübertragung und der Länder, die bei Ein- Deutschland monovalente Impfstoffe (Havrix 720
reise den Nachweis einer Gelbfieber-Impfung ver- Kinder bzw. Havrix 1440, VAQTA Kinder, VAQTA,
langen, stellt die WHO zur Verfügung: HAVpur) und Kombinationsimpfstoffe (VIATIM
(www.who.int > Health Topic’s > yellow fever; mit Typhus und Twinrix Kinder/Erwachsene mit
www.who.int/ith/ITH_Annex_I.pdf?ua=1). Hepatitis B). Twinrix Kinder ist für das Alter ≥ 1 bis
< 15 Jahren zugelassen. Bei beiden Formulierungen
Folgenden Personengruppen wird bei Reiseindi­ des Twinrix-Impfstoffs ist zu beachten, dass eine
kation eine Auffrischimpfung empfohlen, da bei ih- einzelne Dosis noch keinen ausreichenden Schutz
nen die Immunantwort abgeschwächt sein kann (z. B. vor einer Reise) gewährleistet, da nur halb so
und deshalb nach einmaliger Impfung möglicher- viel Hepatitis-A-Antigen wie in den mono­va­lenten
weise kein lebenslanger Schutz besteht: (1) Kinder, Hepatitis-A-Impfstoffen enthalten ist. Erst nach der
die im Alter von <  2 Jahren erstmals geimpft wur- 2. Dosis des Kombinationsimpfstoffs kann von
den, insbesondere solche, die gleichzeitig zur Gelb- einem ca. 1 Jahr andauernden Schutz für ­Hepatitis  A
fieber-Impfung eine MMR-Impfung erhalten ­hatten, ausgegangen werden. Die 3. Impfstoffdosis nach
(2)  
Frauen, die während der Schwangerschaft 6 (–  12) Monaten verleiht einen anhaltenden
geimpft wurden, (3)  HIV-Infizierte, siehe auch die Hepatitis­-A-Schutz. Bei Erwachsenen kann für die
ausführliche wissenschaftliche Begründung zur Än- Twinrix-Kombinationsimpfung bei nicht ausrei-
derung der Gelbfieber-Impfempfehlung im Epid chender Zeit für eine reguläre Erstimmunisierung
Bull 35/2015. 3 Weitere Informationen s. Reiseimpf­ vor einer Reise ein verkürztes Schema (0, 7, 21 d)
empfehlungen der STIKO. angewendet werden. Dabei ist zu beachten, dass
eine 4. Impfstoffdosis nach 12 Monaten notwendig
Haemophilus influenzae Typ b (Hib) ist, um die Impfserie abzuschließen. Bei Verwen-
Für die Grundimmunisierung von Reifgeborenen dung eines monovalenten Hepatitis-A-Impfstoffs
sind im Säuglingsalter drei Impfstoffdosen im Alter oder des Kombinationsimpfstoffs mit Typhus (Zu-
von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen (s. Epid Bull lassung bei Letztgenanntem ab ≥ 16 Jahren) besteht
26/2020).  Es ist sinnvoll diese Impfungen mit bereits nach der 1. Dosis ein vollumfänglicher
einem Kombinationsimpfstoff (z. B. DTaP-IPV- Schutz für ca. ein Jahr. Hier ist zur Vervollständi-
Hib-HepB) durchzuführen, der gleichzeitig gegen gung der Grundimmunisierung bzw. für einen lang­
Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderlähmung, anhaltenden Schutz eine 2. Impfstoffdosis nach
Haemophilus influenzae Typ  b und Hepatitis  B einem Mindestabstand von 6 – 12 Monaten notwen-
schützt. Für Frühgeborene (Geburt vor der vollende- dig. Für die postexpositionelle Prophylaxe sollte nur
ten 37. Schwanger­schaftswoche) sind 4 Impfstoff­ der monovalente Impfstoff verwendet werden. Bei ei-
dosen im chronologischen Alter von 2, 3, 4 und ner Exposition von Personen, für die eine Hepatitis A
11 Monaten empfohlen. ein besonderes Risiko darstellt, kann zeitgleich mit
der ersten Impfstoffdosis ein Immunglobulinpräpa-
Zwischen der letzten und vorletzten Dosis des jewei- rat gegeben werden.
ligen Impfschemas sollte ein Abstand von 6 Mona-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 17

Hepatitis B (HB) und 12 Monaten mit einem hexavalenten Impfstoff


Für die Grundimmunisierung gegen Hepatitis B verabreicht werden.
sind im Säuglingsalter drei Impfstoffdosen im Alter Die übrigen Impfstoffdosen der Grundimmuni-
von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen (s. Epid Bull sierung gegen DTaP-IPV-Hib können mit einem
26/2020). 2 Zwischen der letzten und vorletzten Do- Fünffach- oder Sechsfachimpfstoff erfolgen. Wird
sis des jeweiligen Impfschemas sollte ein Abstand ein Sechsfachimpfstoff verwendet, bekommt der
von 6 Monaten nicht unterschritten werden. Es ist Säugling zwei Dosen der HB-Impfstoffkomponente
sinnvoll diese Impfungen mit einem Kombinati- mehr als nötig. Dies ist jedoch unschädlich. Wichtig
onsimpfstoff durchzuführen, der gleichzeitig ge- ist, dass am Ende der Impfserie zwischen den letz-
gen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Kinderläh- ten beiden Impfstoffdosen ein Mindestabstand von
mung, Haemophilus ­influenzae Typ b und Hepati- 5 Monaten eingehalten wird.
tis  B schützt. Serologische Vor- bzw. Nachtestungen Bei Neugeborenen von Müttern, deren HBsAg­-
im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter zur Status nicht bekannt ist und bei denen vor bzw. so-
Kontrolle des Impferfolges sind nicht erforderlich. fort nach der Geburt die serologische Kontrolle
Ebenso ist eine Auffrisch­impfung nach Impfung im nicht möglich ist, wird unmittelbar post partum die
Säuglingsalter und Kleinkindalter derzeit für Kinder, Grund­immunisierung mit HB-Impfstoff begonnen.
Jugendliche und Erwachsene ohne besonderes Risi- Bei nachträglicher Feststellung einer HBsAg-Positi-
ko nicht generell empfohlen. Bei Personen, die in vität der Mutter kann beim Neugeborenen inner-
der Kindheit gegen Hepatitis  B geimpft wurden, halb von 7 Tagen postnatal die passive Immunisie-
sollte eine ­HB-Auffrisch­impfung nur dann durchge- rung mit Immunglobulin nachgeholt werden.
führt werden, wenn für diese Person ein besonderes Nach Abschluss der Grundimmunisierung des
HB-Risiko besteht (z. B. Aufnahme einer Beschäfti- Neugeborenen einer HBsAg-positiven Mutter ist
gung im Gesundheitsdienst). In diesem Fall soll eine eine serologische Antikörperbestimmung beim
sero­logische Kontrolle 4 – 8 Wochen nach der Imp- Säugling ­erforderlich. Dazu werden 4 – 8 Wochen
fung entsprechend den Empfehlungen in Tabelle  2 nach der letzten Impfstoffdosis der Grundimmuni-
erfolgen (s. S. 9 sowie Epid Bull 31/2007 6 und 36/37 sierung die Hepatitis-B-Marker HBsAg, Anti-HBs
20135). und ­Anti-HBc bestimmt. Besteht zu diesem Zeit-
punkt keine Immunität, sollte umgehend eine wei-
Hepatitis-B-Immunprophylaxe bei Neugeborenen von tere Impfstoffdosis appliziert werden. Der Impf­
HBsAg-(Hepatitis-B-Surface-Antigen-)positiven Müt- erfolg ist serologisch zu kontrollieren (s. o.). Über
tern bzw. von Müttern mit unbekanntem HBsAg-Status das weitere Vorgehen (evtl. weitere Impfungen) ist
Entsprechend den Mutterschafts-Richtlinien ist bei individuell zu entscheiden (s. a. Epid Bull 10/2000
allen Schwangeren nach der 32. Schwangerschafts- und 8/2001).
woche, möglichst nahe am Geburtstermin, das
­Serum auf HBsAg zu untersuchen. Bei positivem Da es aufgrund eines geringen Geburtsgewichtes zu
Ergebnis ist bei dem Neugeborenen innerhalb von einer verminderten Antikörperantwort kommen
12 Stunden nach der Geburt mit der Immunisierung kann, ist bei Säuglingen mit einem Geburtsgewicht
gegen Hepatitis B zu beginnen. Dabei werden simul- von < 1.000 g bereits 4 Wochen nach der 2. Impfung
tan die 1. Dosis HB-Impfstoff und HB-Immunglobu- eine serologische Kontrolle (Anti-HBs) erforderlich.
lin an unterschiedlichen Extremitäten verabreicht. Bei einem Anti-HBs-Wert von ≥ 100 IE/l erfolgt die
Zwei Impfschemata können zur Grundimmunisie- 3. Impfung 5 Monate nach der 2. Impfung. Bei
rung mit einem monovalenten Impfstoff zur An- einem Anti-HBs-Wert < 100 IE/l ist die 3. Impfung
wendung kommen: 0-1-2-12-Monate oder 0-1-6-Mo- umgehend zu verabreichen. Vier Wochen später
nate, wobei das erste Schema eine raschere Immun- sollte bei diesen Säuglingen eine erneute Anti-
antwort bewirkt. Frühgeborene sollten immer das HBs-Kontrolle erfolgen. Bei Werten von ≥ 100 IE/l
0-1-2-12-Monate-Schema erhalten. wird eine 4. Impfung 9 Monate nach der letzten
Kommt das 0-1-2-12-Monate-Schema zur Anwen- Impfstoffdosis durchgeführt.
dung, können die Impfstoffdosen im Alter von 2
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 18

Herpes zoster (HZ) können auch ­Personen bekommen, die bereits in


In Deutschland sind zwei Impfstoffe gegen Herpes der Vergangenheit an HZ erkrankt waren. Der
zoster (HZ) zugelassen und verfügbar: Seit 2013 ein Totimpfstoff ist ­allerdings nicht zur Therapie einer
attenuierter Lebend­impfstoff (Zostavax) für Perso- HZ-Erkrankung oder ihrer Spätfolgen bestimmt.
nen ≥ 50 Jahre und seit 2018 ein adjuvantierter Auf Basis einer Studie bei ≥ 50-Jährigen ist der
HZ-subunit-Totimpfstoff (Shingrix) für Personen Impfstoff nach voraus­gegangener HZ-Erkrankung
≥ 18 Jahre. ausreichend immun­ogen und sicher. Die Datenlage
zur klinischen Wirksamkeit bei Anwendung des
Adjuvantierter Herpes-zoster-Totimpfstoff Impfstoffs und zum günstigsten Zeitpunkt der
Zur Verhinderung von HZ und Postherpetischer Impfung nach HZ-Erkrankung ist begrenzt. Die
Neuralgie (PHN) empfiehlt die STIKO seit De­­ze­m- Impfung sollte ­daher zu einem Zeitpunkt erfolgen,
ber 2018 den adjuvantierten HZ-Totimpfstoff wenn die akute Erkrankung vorüber ist und die
­Shingrix als Standardimpfung (S) für alle Personen Symptome ab­geklungen sind.
≥ 60 Jahren. Zusätzlich empfiehlt die STIKO die
Impfung als Indikationsimpfung (I) für Personen Attenuierter Herpes-zoster-Lebendimpfstoff
≥ 50 Jahren mit einer erhöhten gesundheitlichen Der Herpes-zoster-Lebendimpfstoff Zostavax wird
Gefährdung für das Auftreten eines HZ infolge ei- von der STIKO aufgrund der eingeschränkten Wirk-
ner Grundkrankheit oder für Personen mit angebo- samkeit und seiner begrenzten Wirkdauer nicht als
rener bzw. erworbener Immundefizienz (Epid Bull Standardimpfung empfohlen. Der Lebendimpfstoff
50/2018). 7 Dazu gehören u. a. PatientInnen mit ist nicht zur Impfung von Personen geeignet, die
HIV-Infektion, rheumatoider Arthritis, systemi- aufgrund einer Immunschwäche wie z. B. unter ei-
schem Lupus erythematodes, chronisch entzündli- ner immun­suppressiven Therapie ein erhöhtes Ri-
chen Darmerkrankungen, chronisch obstruktiven siko haben, an Herpes zoster zu erkranken (Epid
Lungenerkrankungen oder ­Asthma bronchiale, Bull 36/2017). 8
chronischer Niereninsuffizienz oder Diabetes
mellitus. Humane Papillomviren (HPV)
Zur Reduktion der Krankheitslast durch HPV-asso-
Durch die Impfung soll die T-Zell-vermittelte Im- ziierte Tumore ist eine generelle Impfung gegen hu-
munabwehr gegenüber Varizella-zoster-Viren (VZV) mane Papillomviren (HPV) für alle Kinder und Ju-
gesteigert und so die Reaktivierung der latent in den gendlichen im Alter von 9 – 14 Jahren empfohlen.
Nervenganglien verbliebenen VZV verhindert wer- Spätestens bis zum Alter von 17 Jahren sollen ver-
den. Die Impfserie für den HZ-Totimpfstoff besteht säumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden.
aus zwei Impfstoffdosen, die intramuskulär im
­Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten Die Impfserie sollte vor dem ersten Sexualkontakt
verabreicht werden. Aktuell kann davon ausgegan- abgeschlossen sein. Bei Beginn der Impfserie im
gen werden, dass fast jede in Deutschland aufge­ Alter von 9 – 14 Jahren (Cervarix, Gardasil-9) ist ein
wachsene Person im Alter ≥ 50 Jahren in ­seinem 2-Dosen-Impfschema mit einem Impfabstand von
­Leben Windpocken durchgemacht hat. Es ist daher 5 Monaten zugelassen. Bei Nachholimpfungen im
nicht notwendig, vor der Impfung eine Wind­ Alter von ≥ 15 Jahren oder bei e­ inem Impfabstand
pockenerkrankung in der Vergangenheit anamnes­ von < 5 Monaten zwischen der 1. und 2. Dosis ist
tisch oder serologisch abzu­klären. Die Impfung mit eine 3. Impfstoffdosis erforderlich (Angaben in den
dem HZ-Totimpfstoff kann entsprechend den Fach­ Fachinformationen beachten). Für die Anzahl der
informationen zusammen mit einem inaktivierten, erforderlichen Impfstoffdosen ist das Alter bei
nicht-adjuvantierten saisonalen Influenza-Impfstoff ­Beginn der Impfserie entscheidend.
verabreicht werden. Zur Koadministration mit an-
deren Impfstoffen sind ­bisher keine Daten veröf- Eine begonnene Impfserie sollte möglichst mit dem
fentlicht. Eine durch­ gemachte HZ-Erkrankung gleichen HPV-Impfstoff vervollständigt werden.
schützt nicht davor, wieder­holt an einem HZ zu er- Weitere Details zur Anwendung der HPV-Impf­stoffe
kranken. Die HZ-­Impfung mit dem Totimpfstoff s. a. Epid Bull 16/2016.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 19

Die Impfung gegen HPV sollte auch als Gelegen- gruppe können die inaktivierten Impfstoffe oder
heit genutzt werden, andere für Jugendliche emp- die Lebendvakzine verwendet werden. Bei Hinder-
fohlene Impfungen zu vervollständigen. Zur gleich- nissen für eine Injektion (z. B. Spritzenphobie, Ge-
zeitigen Gabe mit anderen Impfstoffen verweist die rinnungsstörungen) sollte präferenziell LAIV4 ver-
STIKO auf die jeweiligen Fachinformationen. wendet werden. Die jährliche Impfung wird auch
dann empfohlen, wenn die Antigenzusammenset-
Personen ≥ 18 Jahre ohne bisherige HPV-Impfung, zung des Impfstoffs gegenüber der vorhergehen-
können ebenfalls von einer Impfung gegen HPV den S
­ aison unverändert ist.
profitieren, jedoch ist die Wirksamkeit der Impfung
bei nicht HPV-­naiven Personen reduziert. Es liegt in Japanische Enzephalitis
der ärztlichen Verantwortung, nach individueller Derzeit ist in Deutschland nur der inaktivierte adju-
Prüfung der Impf­indikation PatientInnen auf der vantierte Totimpfstoff IXIARO zugelassen. Eine
Basis der Impf­stoffzulassung darauf hinzuweisen. Impfung gegen das Japanische Enzephalitis Virus
Die Kostenübernahme muss individuell geklärt (JEV) ist vor Aufenthalten in Endemiegebieten wäh-
werden. rend der Übertragungszeit empfohlen, insbesonde-
re wenn die in Tabelle 2 (S. 11) unter R genannten
Geimpfte Personen sind darauf hinzuweisen, dass Bedingungen vorliegen.
die Impfung mit den aktuell verfügbaren Impfstof-
fen nicht gegen alle potenziell onkogenen HPV- Die Grundimmunisierung besteht bei Erwachsenen
Typen schützt. Frauen sollen deshalb die Früherken- aus 2 Dosen à 0,5 ml im Abstand von 4 Wochen oder
nungsuntersuchungen zum Gebärmutterhalskrebs im Abstand von 1 Woche (Schnellschema: Tag 0 und
weiterhin in Anspruch nehmen. Die wissenschaft­ Tag 7, zugelassen für die Anwendung ≥ 18 bis ≤ 65
liche Begründung zur Empfehlung der ­ HPV- Jahren). Bei Kindern im Alter von ≥ 2 Monaten bis
Impfung für Jungen ist – ergänzend zu den Begrün- < 3 Jahren werden 2 Dosen à 0,25 ml im Abstand
dungen zur Änderung des Impfalters (Epid Bull von 4  Wochen verabreicht. Ab einem Alter von
35/2014)10 zur Begründung der HPV-Impfung für ≥ 3  Jahren werden volle Impfstoffdosen à 0,5 ml
Mädchen (Epid Bull 12/2007)12 und der Bewertung gegeben.
der ­Impfung (Epid Bull 32/2009)11 –  im Epid Bull
26/2018 9 veröffentlicht. Bei einem fortgesetzten Expositionsrisiko wird­
die 1.  Auffrischimpfung 12 – 24 Monate nach der
Influenza Grund­immunisierung verabreicht und eine 2.  Auf­
Die jährliche Impfung im Herbst ist als Standard­ frischimpfung bei weiterhin bestehender Indika­
impfung für alle Personen ≥ 60 Jahre sowie als In- tion 10 Jahre nach der 1. Auffrischung (s. Epid Bull
dikationsimpfung bei bestimmten Personengrup- 18/2020) 20 empfohlen.
pen (s. Tab. 2, S. 10) empfohlen. Verwendet werden
soll ein quadrivalenter Impfstoff mit aktueller von Masern
der WHO empfohlener Antigenkombination (Epid Ein monovalenter Masern-Impfstoff ist in Deutsch­
Bull 2/2018).14 Aufgrund einer geringfügigen, aber land nicht mehr erhältlich. Für die Grundimmuni-
signifikanten Überlegenheit der Impfeffektivität sierung gegen Masern werden 2 Impfstoffdosen ei-
bei älteren Menschen wird für alle Personen ≥ 60 nes Kombinationsimpfstoffs (MMR-Impfstoff) im
Jahre ein quadrivalenter Hochdosis-Impfstoff mit Alter von 11 und 15 Monaten verabreicht. Hierbei ist
aktueller von der WHO empfohlener Antigenkom- ein Mindestabstand von 4 Wochen zwischen den
bination empfohlen (Epid Bull 1/2021).13 Neben den beiden Impfstoffdosen einzuhalten.
quadrivalenten inaktivierten Vakzinen (IIV4) zur
Injektion, die je nach Impfstoffhersteller für ver- In folgenden Situationen kann die 1. MMR-Impfung
schiedene Altersgruppen zugelassen sind, ist für unter Berücksichtigung der gegebenen epidemiolo-
die Altersgruppe 2 – 17 Jahre auch eine quadri­- gischen Situation bereits ab einem Alter von ≥ 9 Mo-
valente attenuierte Lebendvakzine (LAIV4) zur nate erfolgen:
­nasalen A
­ pplikation zugelassen. In dieser Alters-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 20

▶▶ bevorstehende Aufnahme in eine Gemein- tungen der Pflege, Gemeinschaftseinrichtungen, Ein-


schaftseinrichtung (z. B. Kita) richtungen zur gemeinschaftlichen Unterbringung
▶▶ nach Kontakt zu Masernkranken. Sofern die von Asyl­bewerberInnen, Ausreisepflichtigen, Flücht-
­Erstimpfung im Alter von 9 – 10 Monaten er­ lingen und Spätaussiedlern sowie in Fach-, Berufs-
folgte, muss die 2. MMR-Impfung bereits zu und Hochschulen (s. Epid Bull 2/2020) .23
­Beginn des 2. Lebensjahres gegeben werden.
Im März 2020 ist das Masernschutzgesetz in Kraft
Für eine MMR-Impfung von Säuglingen <  9 Mona- getreten. Kinder in Kindergarten, Kindertagespflege
ten fehlen umfassende Daten zur Sicherheit und oder Schule müssen demnach den Nachweis über
Wirksamkeit, sodass jüngere Säuglinge in einem die von der STIKO empfohlenen Impfungen gegen
Ausbruchsgeschehen in erster Linie durch Impfun- Masern erbringen oder ein ärztliches Zeugnis über
gen der Kontaktpersonen in der Umgebung zu eine ausreichende Immunität gegen Masern vor-
schützen sind. Individuelle Risiko-Nutzen-Abwä- weisen. Kinder im Alter von 12 – 23 Monaten müs-
gungen können eine Impfung im Alter von 6 – 8 sen eine Masern-Impfstoffdosis erhalten haben und
Monaten ausnahmsweise begründen. Säuglinge, Kinder ≥  24 Monate mindestens zwei Impfstoff­
die im Alter von 6 – 8 Monaten geimpft wurden, dosen. Alternativ kann unabhängig vom Alter ein
sollen zum ­Aufbau einer langfristigen Immunität ärztliches Zeugnis über eine ausreichende Immu-
2 weitere MMR/V-Impfstoffdosen im Alter von 11 nität gegen Masern vorgelegt werden. Ungeimpfte/
und 15 Monaten e­ rhalten. Kinder ohne ausreichende Immunität können vom
Besuch einer Kindertagesstätte ausgeschlossen wer-
Nach Kontakt zu Masernkranken sollte die passive den. Beschäftigte in Kindergärten, Schulen oder an-
Immunisierung mit Immunglobulinen bis zu deren Gemeinschaftseinrichtungen, Asylbewerber-
6 Tage nach Exposition bei kontraindizierter aktiver und Geflüchteten-Unterkünften sowie Tagespflege-
Impfung vor allem für ungeschützte Personen mit personal müssen ebenfalls gegen Masern geimpft
hohem Komplikationsrisiko, z. B. für Säuglinge oder immun sein – sofern sie nach 1970 geboren
< 6 Monaten, immundefiziente PatientInnen und sind. Gleiches gilt für nach 1970 geborene Beschäf-
empfängliche Schwangere, erfolgen bzw. erwogen tigte in medizinischen Einrichtungen, z. B. Kran-
werden. Die Anwendung erfolgt außerhalb der Zu- kenhäusern oder Arztpraxen. (s. auch: https://www.
lassung. Säuglinge im Alter von 6 – 8 Monaten kön- masernschutz.de/).
nen nach individueller Risiko-Nutzen-Abwägung
­alternativ zur 1. Impfung Immunglobuline erhalten. Meningokokken
Nach einer Immunglobulingabe ist die MMR/V-­
Impfung für 8 Monate nicht sicher wirksam. Dies Meningokokken B (MenB)
sollte bei der Indikation zur Immumglobulingabe In Deutschland stehen zwei Impfstoffe gegen
berücksichtigt werden (s. a. Tab. 6, S. 40 und Epid Meningokokken der Serogruppe B zur Verfügung:
Bull 2/2017). Bexsero ist für Personen ab dem Alter von ≥ 2 Mona-
ten und T­ rumenba ab dem Alter von ≥ 10 Jahren zu-
Die MMR-Impfung wird auch als Standardimpfung gelassen. Die STIKO kommt gegenwärtig zu dem
für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit un- Schluss, dass die bisher vorliegenden Studienergeb-
klarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur ei- nisse und die daraus resultierende Evidenz für eine
ner Impfung in der Kindheit empfohlen. Die Imp- abschließende Entscheidung über eine generelle
fung erfolgt als einmalige Gabe eines MMR-Impf- MenB-Impfempfehlung noch nicht ausreichen. Eine
stoffs. Eine ausführliche Begründung dieser Emp- Stellung­nahme zum Stand der Bewertung des neu-
fehlung findet sich im Epid Bull 32/2010. 22 en MenB-Impfstoffs wurde erstmals im Epid Bull
36/2014 veröffentlicht und 2018 aktualisiert (Epid
Zusätzlich ist die zweimalige MMR-Impfung für Bull 3/2018).
nach 1970 geborene Personen in besonderen beruf-
lichen Tätigkeitsbereichen indiziert. Hierzu zählt das Allerdings empfiehlt die STIKO für Personen mit
­Personal in medizinischen Einrichtungen, Einrich- spezifischen Grundkrankheiten (z. B. bei Personen
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 21

mit angeborener oder erworbener Immundefizienz) Konjugatimpfstoffe sind in Deutschland ab dem Al-
zusätzlich zu einer Impfung gegen Meningokokken ter von ≥ 6  Wochen (­Nimenrix) bzw. ab dem Alter
der Serogruppen A, C, W und Y auch eine MenB- von ≥ 12 Monaten (MenQuadfi) bzw. ab dem Alter
Impfung (s. Tab. 2, S. 11). Es liegen keine Daten zur von ≥ 2 Jahren (Menveo) ­zugelassen.
Wirksamkeit der MenB-Impfung bei diesen Perso-
nen vor; in einer kleineren Studie war die Immuno- Mumps
genität jedoch bei Kindern und Jugendlichen mit Ein monovalenter Mumps-Impfstoff ist in Deutsch-
Komplementde­fekten geringer als bei gesunden land nicht mehr erhältlich. Für die Grundimmuni-
oder asplenischen Probanden. Zudem ist das Risi- sierung gegen Masern werden 2 Impfstoffdosen ei-
ko, an einer invasiven Meningokokken-Infek­tion zu nes Kombinationsimpfstoffs (MMR-Impfstoff) im
erkranken je nach Grundkrankheit unterschiedlich Alter von 11 und 15 Monaten verabreicht. Hierbei ist
hoch, wie in der „Wissenschaftlichen Begründung ein Mindestabstand von 4 Wochen zwischen den
für die Aktualisierung der Meningokokken-Impf­ beiden Impfstoffdosen einzuhalten. Eine bereits be-
empfehlung“ detailliert ausgeführt wird (s. Epid stehende Immunität gegen einen oder zwei der ent-
Bull 37/2015). 24 haltenen Erreger des Impfstoffs stellt keine Kon-
traindikation für die Impfung dar.
Somit sollte die Entscheidung für eine MenB-Imp-
fung nach individueller Risikoabschätzung getrof- Zusätzlich ist die zweimalige MMR-Impfung für
fen werden. nach 1970 geborene Personen in besonderen beruf-
lichen Tätigkeitsbereichen indiziert. Hierzu zählt
Meningokokken C (MenC) das Personal in medizinischen Einrichtungen, Ein-
Empfohlen ist die Impfung gegen Meningokokken richtungen der Pflege, Gemeinschaftseinrich­
der Serogruppe C mit einer Impfstoffdosis eines tungen, Einrichtungen zur gemeinschaftlichen
konjugierten Meningokokken-C-Impfstoffs für alle ­Unterbringung von AsylbewerberInnen, Ausreise-
Kinder im Alter von ≥ 12 Monaten, da unter Klein- pflichtigen, Flüchtlingen und Spätaussiedlern,
kindern die meisten Erkrankungen auftreten. ­sowie in Fach-, Berufs- und Hochschulen (s. Epid
­Verfügbare MenC-Konjugatimpfstoffe sind ab dem Bull 2/2020) .23
Alter von ≥ 2 Monaten zugelassen.
Pertussis
Ein zweiter niedrigerer Inzidenzgipfel der Erkran- Säuglingsimpfung: In Anbetracht der epidemiolo-
kung besteht in Deutschland bei Jugendlichen. Eine gischen Pertussis-Situation in Deutschland und der
ausführliche Begründung der Impfempfehlung fin- Schwere des klinischen Verlaufs einer Pertussis-­
det sich im Epid Bull 31/2006.28 Eine fehlende Imp- Erkrankung im Säuglingsalter ist es dringend gebo-
fung soll bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. ten, mit der Grundimmunisierung der Säuglinge
Eine Auffrischimpfung wird derzeit nicht von der und Kleinkinder zum frühestmöglichen Zeitpunkt,
STIKO empfohlen. Zusätzlich zu diesen Hinweisen d. h. unmittelbar nach Vollendung des 2.  Lebens­
sind die Empfehlungen zur Impfung von Risiko­ monats, zu beginnen und sie zeitgerecht fortzufüh-
personen (s. Tab. 2, S. 1111) zu beachten. ren. Für die Grundimmunisierung von Reifgebore-
nen im Säuglingsalter sind drei Impfungen im Al-
Meningokokken ACWY (MenACWY) ter von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen (s. Epid Bull
Bei bestimmten Indikationen, z. B. bei Personen 26/2020). 2 Es ist sinnvoll diese Impfungen mit ei-
mit angeborener oder erworbener Immundefizienz nem Kombinationsimpfstoff durchzuführen, der
oder bei Reisenden (s. Tab. 2, S. 1111 und Tab. 6, S. 41), gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhus-
ist eine Meningokokken-Impfung gegen die Sero- ten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b
gruppen ACWY empfohlen. Für Kinder und Ju- und Hepatitis B schützt. Für Frühgeborene (Geburt
gendliche, die bisher noch keine MenC-­Impfung be- vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche)
kommen haben und aufgrund einer Indikation sind 4 Impfstoffdosen im chronologischen Alter
(z. B. Reise) eine ACWY-Impfung erhalten, ist keine von 2, 3, 4 und 11 Monaten empfohlen.
weitere MenC-­Impfung erforderlich. Die ACWY-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 22

Zwischen der letzten und vorletzten Dosis des je- des sollte überprüft werden, ob ein adäquater Im-
weiligen Impfschemas zur Grundimmunisierung munschutz (Impfung innerhalb der vergangenen
sollte ein Abstand von 6 Monaten nicht unterschrit- 10 Jahre) gegen Pertussis für enge Haushaltskon-
ten werden. taktpersonen und Betreuende des Neugeborenen
Auffrischimpfungen sind mit 5 – 6 Jahren und (s. Tab. 2, S. 12) besteht.
9 – 16 Jahren empfohlen. Ab dem Alter von ≥ 5 – 6
Jahren werden sowohl zur Auffrischimpfung als Pneumokokken
auch für eine ggf. nachzuholende Grundimmuni- Säuglingsimpfung: Für die Grundimmunisierung
sierung Impfstoffe mit reduziertem Pertussis-Anti- von reifgeborenen Säuglingen bis zum Alter von
gengehalt (ap statt aP) verwendet (zu verfügbaren <  12 Monaten werden ab dem Alter von ≥  2 Monaten
Impfstoffen s. a. Tab. 11, S. 54 f.). 2  Impfstoffdosen Pneumokokken-Konjugatimpf-
stoff im Abstand von 8 Wochen verabreicht. Früh­
Standardimpfung für Erwachsene: Für alle Erwach- geborene (Geburt vor der vollendeten 37. Schwan-
senen ist empfohlen, die nächste fällige Td-Impfung gerschaftswoche) erhalten ab dem chronologischen
einmalig als Tdap-Kombinationsimpfung zu verab- Alter von ≥ 2 Monaten 3 Impfstoffdosen im Abstand
reichen (s. dazu Epid Bull 15/2019, S. 125 – 127), bei von jeweils 4 Wochen. Die Grundimmunisierung
entsprechender Indikation als Tdap-IPV-Kombina­ wird mit einer weiteren Dosis im Alter von
tionsimpfung. Da ein monovalenter Pertussis- 11  ­Monaten und mit einem Mindestabstand von
Impfstoff nicht mehr zur Verfügung steht, muss ei- 6 Monaten zur vorausgegangenen Impfung abge-
ner der genannten Kombinationsimpfstoffe ver- schlossen. Die abweichende Empfehlung für Früh-
wendet werden. Bei bestehender Indikation zur geborene ist dadurch begründet, dass in der Zulas-
­Pertussis-Impfung kann auch kurz nach einer er- sung der Pneumokokken-Konjugatimpfstoffe die
folgten Td-Impfung eine Impfung mit Tdap-Impf- Anwendung des 2+1-Impfschemas bisher (Stand:
stoff durchgeführt werden. Für einen der Tdap-­ August 2018) auf Reifgeborene beschränkt ist. Eine
Impfstoffe konnte in einer Placebo-kontrollierten ausführliche Begründung der Impfempfehlung fin-
Studie gezeigt werden, dass ­dieser bereits 1 Monat det sich im Epid Bull 36/2015.37 Bisher noch nicht
nach der letzten Td-Impfung verabreicht werden gegen Pneumokokken geimpfte Säuglinge im Alter
kann, ohne dass es zu vermehrten Nebenwirkungen ≥ 12 Monaten (bis 24 Monate) erhalten als Nachhol­
kommt (s. Epid Bull 33/2009,31 S. 340 – 341). impfung nur 2  Impfstoffdosen im Abstand von
mindestens ­8 Wochen.
Indikationsimpfung für Schwangere: Eine Impfung
mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff ist zu Primäres Ziel der generellen Impfung aller Kinder
­Beginn des 3. Trimenons empfohlen. Bei erhöhter bis zum Alter von 24 Monaten mit einem Pneumo-
Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt sollte die kokken-Konjugatimpfstoff ist es, die Morbidität in-
Impfung ins 2. Trimenon vorgezogen werden. Die vasiver Pneumokokken-Erkrankungen (IPD) und
Impfung soll unabhängig vom Abstand zu vorher die daraus entstehenden Folgen wie Hospitalisie-
verabreichten Pertussis-Impfungen und in jeder rung, Behinderung und Tod zu reduzieren.
Schwangerschaft erfolgen. Das Ziel der Pertussis-­
Impfung in der Schwangerschaft ist die Reduzie- Standardimpfung für SeniorInnen: Für Personen
rung von Erkrankungen bei Neugeborenen und jun- ≥ 60 Jahre, die keiner der in Tab. 2 (S. 12 f.) u
­ nter „I“
gen Säuglingen (s. Epid Bull 13/2020). 30 oder „B“ genannten Risikogruppen angehören, wird
als Standardimpfung die einmalige Impfung mit
Vorgehen bei Pertussis-Häufungen: Im Zusam- dem 23-valenten Polysaccharid-­Impfstoff (PPSV23)
menhang mit Pertussis-Häufungen kann auch bei (Pneumovax 23) empfohlen (Kategorie „S“).
vollständig geimpften Kindern und Jugendlichen
mit engem Kontakt zu Erkrankten im Haushalt oder Indikationsimpfung: Für Personen mit bestimm-
in Gemeinschaftseinrichtungen eine Impfung er- ten Risikofaktoren für schwere Pneumokokken-­
wogen werden, wenn die letzte Impfung länger als Erkrankungen (Kategorien „I“ und „B“) wird die
5 Jahre zurückliegt. Speziell vor Geburt eines Kin- Impfung gegen Pneumokokken unabhängig vom
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 23

Tabelle 3 | Umsetzung der sequenziellen Pneumokokken-Indikationsimpfung ab dem Alter von ≥ 2 Jahren unter
­Berücksichtigung des aktuellen Impfstatus

Empfohlenes Impfschema für die sequenzielle Impfung PPSV23-Wiederholungs-


impfung im Abstand von
Impfstatus mindestens 6 Jahren zur
1. Impfung 2. Impfung letzten PPSV23-Impfung
PPSV23 im Abstand
Keine Impfung PCV13
von 6 – 12 Monaten*
Ja

PPSV23 im Abstand
PCV13 von 6 – 12 Monaten
entfällt Ja

PPSV23 im Abstand
PCV7 oder PCV10 PCV13
von 6 – 12 Monaten*
Ja

PCV13 im Abstand PPSV23 im Abstand von 6 Jahren zur


PPSV23 vor < 6 Jahren von 12 Monaten vorangegangenen PPSV23-Impfung
Ja

PPSV23 im Abstand
PPSV23 vor ≥ 6 Jahren PCV13
von 6 – 12 Monaten*
Ja

PCV13 + PPSV23 entfällt entfällt Ja

*  PPSV23 (23-valenter Polysaccharid-Impfstoff) kann frühestens 2 Monate nach der PVC13-Impfung (13-valenter Konjugatimpfstoff) gegeben
werden (z. B. bei Impfung vor geplanter immunsuppressiver Therapie); ein längerer Abstand von 6 – 12 Monaten ist immunologisch günstiger.

Alter empfohlen. Für Personen mit Immundefizienz fungen „bei Personen mit erhöhtem Risiko für
(Gruppe  1) sowie für Personen mit anatomischen schwere Pneumokokken-Erkrankungen in Erwä-
und Fremdkörper-assoziierten Risikofaktoren (z. B. gung gezogen werden“. Auf Personen der Kategori-
Cochlea-Implantat) und damit einem erhöhten Ri- en „I“ und „B“ trifft dies regelmäßig zu. Bei
siko für eine Pneumokokken-Meningitis (Gruppe  3) ­SeniorInnen, die keiner dieser beiden Kategorien
wird die sequenzielle Impfung mit dem 13-valenten angehören, ist die Indikation individuell zu prüfen.
Konjugatimpfstoff PCV13 (Prevenar 13), gefolgt von Die PatientInnen sind auf die stärkere Reakto­genität
PPSV23 (Pneumovax 23) in einem Abstand von der Wiederholungsimpfung im Vergleich zur Erst­
6 – 12 Monaten, empfohlen. PPSV23 ist ab dem impfung, aber auch auf den möglichen Verlust des
Alter ≥ 2 Jahre zugelassen (s. Tab. 3 auf dieser Seite). Impfschutzes nach unterbleibender Wiederholungs­
Davor kann nur PCV13 geimpft werden. Für Perso- impfung hinzuweisen.
nen mit chronischen Krankheiten, die nicht mit Ausführliche wissenschaftliche Begründungen
­einer Immun­suppression einhergehen (Gruppe 2) zu diesen Empfehlungen finden sich im Epid Bull
oder mit arbeitsbedingter Indikation wird die allei- 36/2016 und 37/2016.35,36
nige Impfung mit PPSV23 empfohlen. Ausnahme:
In der Altersgruppe 2 – 15 Jahren soll auch in Poliomyelitis
Gruppe 2 eine sequenzielle Impfung erfolgen. Typ 2 und 3 des Wildpoliovirus sind weltweit ausge-
rottet. Es besteht weiterhin das Risiko der Infektion
Wiederholungsimpfungen: Aufgrund der begrenz- durch das Wildpoliovirus Typ 1 sowie durch mutierte
ten Dauer des Impfschutzes hält die STIKO Wieder- zirkulierende Impfviren (circulating vaccine-derived
holungsimpfungen mit PPSV23 in einem Mindest- polio­viruses – cVDPV) aller 3 Typen bei Reisen in
abstand von 6 Jahren aus medizinisch-epidemiolo- Regionen mit Infektionsrisiko. Der Polio-Lebend­
gischer Sicht für alle in Tab. 2 (S. 12 f.) genannten impfstoff, die orale Polio-Vakzine (OPV), wird wegen
Gruppen grundsätzlich für sinnvoll. Laut Fachinfor- des – wenn auch sehr geringen – Risikos einer Vak-
mation von PPSV23 sollten jedoch „gesunde Er- zine-assoziierten paralytischen Poliomyelitis (VAPP)
wachsene nicht routinemäßig erneut geimpft seit 1998 nicht mehr empfohlen. Zum Schutz vor
­werden“. Hingegen können Wiederholungsimp­ Poliomyelitis sollte ein zu injizierender Impfstoff, in-
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aktivierte Polio-Vakzine (IPV), eingesetzt werden Rotaviren (RV)


(ggf. als Kombinationsimpfstoff). Für die Grundim- Bei der Impfung gegen RV handelt es sich um eine
munisierung gegen Poliomyelitis sind drei Impf- Schluckimpfung mit einem oralen Lebendimpf-
stoffdosen im Alter von 2, 4 und 11 Monaten empfoh- stoff. Je nach verwendetem Impfstoff werden ab
len. (s. Epid Bull 26/2020). 2 Zwischen der letzten dem Alter von ≥ 6 Wochen 2 (Rotarix) bzw. 3 Impf-
und vorletzten Dosis des jeweiligen Impfschemas stoffdosen (RotaTeq) in einem Mindestabstand von
zur Grund­immunisierung sollte ein ­Abstand von 4  Wochen verabreicht. Es besteht ein geringfügig
6  Monaten nicht unterschritten werden. Es ist sinn- erhöhtes Risiko für Darminvaginationen (ca. 1 – 2
voll, diese Impfungen mit einem Kombinationsimpf- Fälle pro 100.000 geimpfte Kinder) innerhalb der 1.
stoff durchzuführen, der gleichzeitig gegen ­Tetanus, Woche nach der 1. RV-Impfung, das mit dem Alter
Diphtherie, Keuchhusten, Kinder­lähmung, Haemo- des zu impfenden Säuglings zunimmt. Daher emp-
philus influenzae Typ b und H­ epatitis B schützt. Im fiehlt die STIKO dringend, die Impfserie frühzeitig
Alter von 9 – 16 Jahren wird eine Auffrischimpfung – spätestens bis zum Alter von ≤ 12 Wochen – zu be-
mit einem Impfstoff, der IPV enthält, empfohlen. ginnen und vorzugsweise bis zum Alter von ≤  16
Eine mit OPV begonnene Grundimmunisierung Wochen (Rotarix) bzw. von 20 – 22 Wochen (Rota-
wird mit IPV komplettiert (s. a. Tab. 2, S. 13). Teq) abzuschließen. Die Impfserie muss für Rota-
rix auf jeden Fall bis zum Alter von ≤ 24 Wochen
Röteln und für RotaTeq bis zum Alter von ≤ 32 Wochen ab-
Ein monovalenter Röteln-Impfstoff ist in Deutsch- geschlossen sein.
land nicht mehr erhältlich. Für die Grundimmuni-
sierung gegen Masern werden 2 Impfstoffdosen ei- Eine ausführliche Begründung der Impfempfehlung
nes Kombinationsimpfstoffs (MMR-Impfstoff) im findet sich im Epid Bull 35/2013 .44 Zur gleichzeitigen
Alter von 11 und 15 Monaten verabreicht. Hierbei ist Gabe mit anderen Impfstoffen ­verweist die ­STIKO
ein Mindestabstand von 4 Wochen zwischen den auf die jeweiligen Fachinformationen.
beiden Impfstoffdosen einzuhalten.
Eine bereits bestehende Immunität gegen einen Auch für Frühgeborene und andere Reifgeborene,
oder zwei der enthaltenen Erreger des Kombina­ aber stationär versorgte Säuglinge ist die RV-Imp-
tionsimpfstoffs stellt keine Kontraindikation für die fung entsprechend ihres chronologischen Alters ab
Impfung dar. Ziele der Impfempfehlung sind in 6 Wochen nach der Geburt empfohlen. Der Nutzen
erster Linie die Verhinderung von Röteln-Embryo- für hospitalisierte Säuglinge, durch die RV-Impfung
pathien sowie die Elimination der Röteln in vor einer nosokomialen RV-Infektion geschützt zu
Deutschland. werden, überwiegt deutlich das äußerst geringe Er-
Müttern, die in der Schwangerschaft seronegativ krankungsrisiko anderer hospitalisierter PatientIn-
für Röteln getestet wurden, sollten postpartal zwei nen durch die denkbare Übertragung von RV-­
MMR-Impfstoffdosen im Mindestabstand von Impfviren. Das Übertragungsrisiko von Impfviren
4  Wochen erhalten. Für die erste Impfstoffdosis ist ­zudem bei konsequenter Anwendung der auf
bietet sich die Mutterschaftsnachsorgeuntersu- neonatologischen Stationen üblichen Standard­
­
chung am Ende des Wochenbetts an. hygienemaßnahmen als gering zu bewerten. Zur
Zusätzlich sind zwei MMR-Impfstoffdosen für RV-Impfung von Früh- und Neugeborenen im
nach 1970 geborene Personen in besonderen beruf- ­stationären Umfeld hat die STIKO gemeinsam mit
lichen Tätigkeitsberichen indiziert. Hierzu zählt das der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugend-
Personal in medizinischen Einrichtungen, Einrich- medizin e. V. und der Gesellschaft für Neonatologie
tungen der Pflege, Gemeinschaftseinrichtungen, und Pädiatrische Intensivmedizin e.  V. eine
Einrichtungen zur gemeinschaftlichen Unterbrin- Stellung­nahme im Epid Bull 1/2015 publiziert.
gung von AsylbewerberInnen, Ausreisepflichtigen,
Flüchtlingen und Spätaussiedlern, sowie in Fach-, Tetanus
Berufs- und Hochschulen (s. Epid Bull 2/2020). 23 Für die Grundimmunisierung von Reifgeborenen
sind im Säuglingsalter drei Impfstoffdosen im Alter
von 2, 4 und 11 Monaten empfohlen (s. Epid Bull
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26/2020). 2 Es ist sinnvoll diese Impfungen mit ei- (Typhim Vi, Typherix) werden einmalig i. m. spä-
nem Kombinationsimpfstoff durchzuführen, der testens 2  Wochen vor Einreise in das Endemie­
gleichzeitig gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhus- gebiet ­gegeben. Bei einer zusätzlichen Indikation
ten, Kinderlähmung, Haemophilus influenzae Typ b für ­Hepatitis  A kann der kombinierte Typhus-­
und Hepatitis  B schützt. Für Frühgeborene (Geburt Hepa­titis-A-Totimpfstoff (Viatim) verwendet werden.
vor der vollendeten 37. Schwangerschaftswoche)
sind 4 Impfstoff­dosen im chronologischen Alter Varizellen
von 2, 3, 4 und ­11 Monaten empfohlen. Für die Grundimmunisierung im Säuglings- bzw.
Zwischen der letzten und vorletzten Dosis des Kleinkindalter werden 2 Impfstoffdosen im Alter von
jeweiligen Impfschemas sollte ein Abstand von 6 11 und 15 Monaten verabreicht. Der Mindestabstand
Monaten nicht unterschritten werden. Auffri- von 4 Wochen sollte eingehalten werden. Die 1.  Do-
schimpfungen sind in Alter von 5 – 6 Jahren und im sis der Impfung gegen Varizellen (V) wird in der Re-
Alter von 9 – 16 Jahren ­empfohlen. Alle weiteren gel entweder simultan mit der 1. MMR-Impfung ver-
Auf­frischimpfungen sollten in 10-jährigem Ab- abreicht oder frühestens 4 Wochen nach dieser. Die-
stand zur vorangegangenen Impfung erfolgen. Jede se Abstände sind einzuhalten, da es sich um Lebend­
Auffrischimpfung mit Td (auch im Verletzungsfall) impfstoffe handelt. Für die 1.  Impfung gegen Vari-
sollte Anlass sein, die Indikation für eine Pertussis- zellen und Masern, Mumps, Röteln bei Kindern
Impfung zu überprüfen und ­gegebenenfalls einen < 5 Jahren sollte die simultane Gabe von Varizellen-
Kombinationsimpfstoff (Tdap) einzusetzen, bei ent- Impfstoff und MMR-­Impfstoff an verschiedenen Kör-
sprechender Indikation ­Tdap-IPV. perstellen bevorzugt werden. Grund für diese Emp-
fehlung ist das leicht erhöhte Risiko von Fieberkrämp-
Tollwut fen 5 – 12 Tage nach der Gabe des kombinierten
Deutschland gilt nach den Kriterien der WHO seit MMRV-Impfstoffs im Vergleich zur simultanen Imp-
2008 als frei von terrestrischer Tollwut. Lediglich fung mit ­Varizellen- und MMR-Impfstoff. Dies wur-
durch den illegalen Import von Haustieren (z. B. de nur bei der Erstimpfung beobachtet. Die 2.  Imp-
Hunden und Katzen) aus nicht tollwutfreien Regio- fung gegen Varizellen sollte im Alter von 15   Mona-
nen besteht weiterhin ein Risiko für terrestrische ten verabreicht ­ werden und kann mit einem
Tollwut. Deutschland zählt in Europa zu den Län- MMRV-Kombinationsimpfstoff erfolgen (s. a. Mit-
dern mit den häufigsten Fledermaus-­Tollwutfällen, teilung der ­STIKO zur „Kombinationsimpfung ge-
die durch Fledermaus-Lyssaviren verursacht wer- gen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen (MMRV)“
den. Diese können auch auf den Menschen übertra- im Epid Bull 38/2011).
gen werden. Die präexpositionelle Grundimmuni- Bei allen ungeimpften Kindern und Jugendli-
sierung erfolgt mit Tollwut-Impfstoff (HDC) oder chen ohne Varizellen-Anamnese sollte die
Rabipur durch eine dreimalige intramuskuläre Imp- Varizellen-­Impfung mit 2 Impfstoffdosen nachge-
fung nach dem Schema 0, 7, 21 oder 28 Tage. Bei holt werden. Der Mindestabstand zwischen den Va-
fortgesetzter Exposition sind Auffrisch­impfungen rizellen- bzw. MMRV-Impfungen beträgt 4 – 6 Wo-
für den Tollwut-Impfstoff (HDC) 1  Jahr nach der chen (je nach Hersteller, Fachinformation beach-
Grundimmunisierung und dann alle 5 Jahre emp- ten). Kinder und Jugendliche, die bisher nur eine
fohlen und für Rabipur alle 2 – 5 Jahre. Zur postex- Varizellen-­Impfung erhalten haben, sollen eine 2.
positionellen Prophylaxe s. Kapitel 5.5 (S. 45). Impfung ­bekommen.

Typhus abdominalis Die wissenschaftliche Begründung der Varizellen-


Für die Impfung stehen in Deutschland ein Lebend­ Impf­empfehlung wurde im Epid Bull 32/2009,47
impfstoff und drei Totimpfstoffe zur Verfügung. eine Evaluation dieser Impfempfehlung im Epid
Die Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff Bull 1/2013 veröffentlicht.
­(Typhoral L Kapseln) besteht aus 3 Impfstoffdosen Beruflich indiziert ist die 2-malige Varizel-
an den Tagen 0, 2 und 4. Die Impfserie sollte min- len-Impfung von seronegativen Personen, die in me-
destens 10 Tage vor der Reise in ein Endemiegebiet dizinischen Einrichtungen, in Einrichtungen der
abgeschlossen sein. Die parenteralen Totimpfstoffe Pflege, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Ein-
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richtungen zur gemeinschaftlichen Unterbrin- ▶▶ mögliche unerwünschte Arzneimittelwirkungen


gung von AsylbewerberInnen, Ausreisepflichtigen, und Impfkomplikationen
Flüchtlingen und Spätaussiedlern, tätig sind oder ▶▶ die Notwendigkeit und die Termine von Folge-

tätigkeitsbedingt Kontakt zu potenziell in­fektiösem und Auffrischimpfungen


Material haben (s. Epid Bull 2/2020). 23
Der genaue Umfang der erforderlichen Aufklärung
hängt jedoch immer von den konkreten Umständen
4. Hinweise zur Durchführung des Einzelfalls ab. Es gilt das Prinzip der patienten-
von Schutzimpfungen bezogenen Information, d. h. es ist jeweils der Ver-
Behandelnde ÄrztInnen haben im R ­ ahmen des Be- ständnishorizont der konkreten Person bzw. der
handlungsvertrages zwischen ihnen und ihren Pati- Einwilligungsberechtigten zugrunde zu legen. Ent-
entInnen die rechtliche Pflicht (­ §§ 630a ff. BGB), die scheidende Kriterien können z. B. Alter, Bildungs-
PatientInnen oder die Eltern bzw. Sorgeberechtig- grad, Vorerfahrungen und medizinische Kenntnisse
ten im Rahmen der vorgesehenen Routineuntersu- sein. Es ist daher immer ein individueller Maßstab
chungen auf die Möglichkeit, Zweckmäßigkeit und anzulegen, der PatientInnen bzw. Einwilligungsbe-
Notwendigkeit indizierter Impfungen zum Schutz rechtigten gerecht wird. Im Hinblick auf die Imp-
vor Infektionskrankheiten hinzuweisen. Zusätzlich fung ist ein allgemeines Bild von der Schwere und
haben sie die Pflicht, ­PatientInnen über die Folgen Richtung des konkreten Risikospektrums zu ver-
einer unterlassenen ­Impfung zu informieren. Diese mitteln. Im Ausnahmefall kann ein ausdrücklicher
Pflicht besteht ­unabhängig von der persönlichen Aufklärungsverzicht von Seiten der zu impfenden
ärztlichen Auf­fassung und möglichen subjektiven bzw. einwilligungsberechtigten Person eine Aufklä-
Bedenken oder Vorbehalten.A rung entbehrlich machen.

Form und Zeitpunkt der Aufklärung


4.1 Aufklärungspflicht vor Schutzimpfungen Die Aufklärung muss gemäß § 630e Abs. 2 Nr. 1
Allgemeines BGB mündlich durch die behandelnde Person oder
Die Aufklärung ist ein wichtiger Teil der ärztlichen durch eine Person erfolgen, die über die zur Durch-
Impfleistung. Die Aufklärungspflichten gegenüber führung der Maßnahme notwendige Ausbildung
zu impfenden Personen sind im „Gesetz zur Verbes- verfügt; ergänzend kann auch auf Unterlagen Be-
serung der Rechte von Patientinnen und Patienten“ zug genommen werden, die PatientInnen in Text-
(Patientenrechtegesetz) im Jahr 2013 neu geregelt form erhalten. In der Gesetzesbegründung (BT-Drs.
worden (§ 630e BGB). 17/10488, S. 24 zu § 630e BGB) wird zu dieser
Vor Durchführung einer Schutzimpfung ist es ­Thematik ausgeführt: „Dem Patienten soll die Mög-
ärztliche Pflicht, die zu impfende Person oder den lichkeit eröffnet werden, in einem persönlichen Gespräch
anwesenden Elternteil bzw. Sorgeberechtigten über mit dem Behandelnden gegebenenfalls auch Rückfragen
die zu verhütende Krankheit und die Impfung auf- zu stellen, so dass die Aufklärung nicht auf einen ledig-
zuklären, damit eine wirksame Einwilligungserklä- lich formalen Merkposten innerhalb eines Aufklärungs-
rung abgegeben werden kann. bogens reduziert wird.“
Es ist darauf zu achten, dass die Aufklärung recht-
Umfang der Aufklärung zeitig und für die zu impfende Person oder den an-
Die Aufklärung sollte in der Regel Informationen wesenden Elternteil bzw. Sorgeberechtigten verständ-
über folgende Punkte umfassen: lich durchgeführt wird. Informationen unmittelbar
▶▶ die zu verhütende Krankheit und deren Behand- vor der Impfung sind möglich, wenn damit kein Ent-
lungsmöglichkeiten scheidungsdruck aufgebaut wird. Es ist – insbeson-
▶▶ den Nutzen der Impfung dere bei Sprachbarrieren – darauf zu achten, dass
▶▶ die Kontraindikationen der Impfung die ärztlichen Ausführungen auch verstanden wer-
▶▶ die Durchführung der Impfung den; es sollte im Zweifel geklärt werden, ob die Hin-
▶▶ den Beginn und die Dauer des Impfschutzes zuziehung z. B. einer DolmetscherIn – ggf. auf Kos-
▶▶ das Verhalten nach der Impfung ten der zu impfenden Person – gewünscht wird.
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Aufklärungsmerkblätter klärung oder Einwilligung unter­zeichnet haben, sind


Aufklärungsmerkblätter für Impfungen durch nie- Kopien auszuhändigen (§ 630e Abs. 2 S. 2 BGB).
dergelassene ÄrztInnen stehen unentgeltlich über
die Homepage des „Forum impfende Ärzte“ zur Minderjährige PatientInnen
Verfügung (www.forum-impfen.de, nach Anmel- Bei Minderjährigen < 14 Jahren ist regelmäßig die
dung mit Passwort). Teilweise werden Aufklärungs- Einwilligung der Eltern bzw. Sorgeberechtigten ein-
merkblätter durch verschiedene Anbieter (z. B. zuholen. Jugendliche können selbst einwilligen,
durch das Deutsche Grüne Kreuz oder durch T ­ hieme wenn sie die erforderliche Einsichts- und Entschei-
Compliance) kostenpflichtig vertrieben. dungsfähigkeit besitzen; das ist in der Regel mit
Zur Unterstützung der Beratung von Personen, 16 Jahren der Fall. Allerdings ist es stets ärztliche
die nicht Deutsch sprechen, stellt das RKI übersetz- Aufgabe, im Einzelfall festzustellen, ob der Jugend-
te Impfaufklärungsbögen mit Einverständniserklä- liche „nach seiner geistigen und sittlichen Reife die
rung sowie Impfkalender in verschiedenen Spra- Bedeutung und Tragweite des Eingriffs und seiner
chen als Downloads kostenfrei bereit (www.rki.de/ Gestattung zu ermessen vermag“ (BGHZ 29,
impfen > Informationsmaterialien). Zusätzlich 33 – 37). Gemäß § 630e Abs. 5 S. 1 BGB sind auch
stellt die Bundeszentrale für gesundheitliche Auf- ­einwilligungsunfähige PatientInnen entsprechend
klärung (BZgA) zahlreiches Informationsmaterial ­ihrer Verständnisfähigkeit aufzuklären, soweit sie
zum Impfen und zu impfpräventablen Krankheiten aufgrund ihres Entwicklungsstandes und ihrer
für Laien über ihre Homepage ­www.impfen-info.de ­Verständnismöglichkeit in der Lage sind, die Erläu-
zur Verfügung. terungen aufzunehmen und dies ihrem Wohl nicht
Die Aufklärungsmerkblätter enthalten auch ei- zuwiderläuft.
nen auf die jeweilige Impfung abgestimmten Frage­
bogen zum Gesundheitszustand der zu impfenden Öffentliche Impftermine
Person und zu vorausgegangenen Schutzimp­ Für öffentliche Impftermine (z. B. bei Schulimpf-
fungen. Nachfolgend müssen zu impfende Perso- programmen) werden eine vorherige Aufklärung in
nen bzw. Eltern oder Sorgeberechtigte Gelegenheit schriftlicher Form und ggf. auch die Einholung ei-
­haben, Fragen und Unklarheiten in einem Gespräch ner schriftlichen Einwilligungserklärung empfoh-
beantwortet zu bekommen. Die meisten Aufklä- len. Das entbindet ÄrztInnen allerdings nicht von
rungsmerkblätter enthalten eine vorformulierte ihrer gesetzlichen Verpflichtung, die zu impfende
Einwilligungserklärung, die von der zu impfenden Person bzw. die Eltern oder Sorgeberechtigten zu-
Person oder den Eltern bzw. den Sorgeberechtigten sätzlich auch mündlich aufzuklären, um ihnen die
unterschrieben werden kann. Möglichkeit für Rückfragen zu geben.

Form der Einwilligung und Dokumentation 4.2 Off-label-use


Eine schriftliche Einwilligung ist nicht gesetzlich Unter Off-label-use versteht man die Verordnung ei-
vorgeschrieben, sie kann jedoch in Einzelfällen nes zugelassenen Arzneimittels außerhalb des in
sinnvoll sein. der Zulassung beantragten und von den nationalen
Aufklärungen und Einwilligungen – egal in w ­ elcher oder europäischen Zulassungsbehörden genehmig-
Form sie erfolgt bzw. erklärt worden sind ­– sind ver- ten Gebrauchs, beispielsweise hinsichtlich der An-
pflichtend in der PatientInnenakte zu dokumentie- wendungsgebiete (Indikationen), des Anwendungs-
ren (§ 630 ff. Abs. 2 S. 1 BGB). Wird der A­ ufklärung alters, der Dosierung oder der Behandlungsdauer.
ein entsprechendes Aufklärungsmerkblatt zugrunde Bei Off-label-use bezieht sich die ärztliche H
­ aftung
gelegt, sollte in der Dokumentation darauf verwie- sowohl auf die medizinische Richtigkeit der Be-
sen werden. Zudem ist es sinnvoll, die Ablehnung handlung als auch auf eventuelle unerwünschte
einer Impfung durch die vorstellige P ­ erson bzw. die Arzneimittelwirkungen (UAW). Die ärztlichen Fach-
Eltern oder Sorgeberechtigten nach durchgeführter gesellschaften empfehlen, Off-label-­Verordnungen
Aufklärung in der PatientInnenakte zu dokumentie- nur auf Basis von gültigen Leitlinien bzw. Empfeh-
ren. Von Unterlagen, die PatientInnen bzw. Einwil- lungen oder von anerkannter wissenschaftlicher Li-
ligungsberechtigte im Zusammenhang mit der Auf- teratur durchzuführen. Unabdingbar ist im Rah-
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men eines Off-label-Gebrauchs die vorherige umfas- 4.4 Impfmanagement in der Arztpraxis
sende Aufklärung und Beratung von P ­ atientInnen Ein gut etabliertes Impfmanagement in Arztpraxen
bzw. Sorgeberechtigten über Nutzen und Risiken und anderen medizinischen Einrichtungen leistet
der jeweiligen Impfung und darüber, dass der einen wichtigen Beitrag, die Inanspruchnahme von
Impfstoff im Off-label-use angewendet wird. Die Impfungen zu fördern und Impfziele zu erreichen.
ärztliche Behandlung und die ärztliche Aufklärung Durch das Managementsystem werden die Arbeits-
müssen in der PatientInnenakte umfassend doku- abläufe koordiniert und die Zuständigkeiten fest­
mentiert werden. gelegt.

4.3 Dokumentation der Impfung PatientInnenkontakte und Einladungssysteme


Allgemeines Jeder Arztbesuch sollte dafür genutzt werden, den
Im Impfausweis und in der ärztlichen Dokumenta- Impfstatus von PatientInnen zu überprüfen und
tion müssen – den Vorgaben des Infektionsschutz- ggf. zu vervollständigen. Anlässe zur routinemäßi-
gesetzes (IfSG) §  22 entsprechend – die Chargen-­ gen Überprüfung des Impfstatus umfassen
Nummer, die Bezeichnung des Impfstoffs (Han- Vorsorge­untersuchungen (z. B. U-Untersuchungen
delsname), das Impfdatum sowie die Krankheit, im Kindes­alter, die J1/J2-Untersuchung bei Jugend-
gegen die geimpft wurde, eingetragen werden.
­ lichen, Gesundheits-Check-Ups und Vorsorgeunter-
Ebenfalls zur Impfdokumentation gehören ärztli- suchungen bei Erwachsenen sowie die Routine­
cher Stempel und Unterschrift der ÄrztInnen. Dies untersuchungen von Müttern innerhalb der ersten
gilt für alle Impfstoffe und kann retrospektive Er- 6 – 8 Wochen nach der Geburt), Erstkontakte mit
mittlungen erleichtern, wenn sich Fragen zu Wirk- neuen PatientInnen, besondere Ereignisse (z. B. Be-
samkeit und Sicherheit bestimmter Impfstoffe oder handlung nach Unfällen oder Verletzungen, Kinder­
einzelner Impfstoffchargen ergeben. Als Impfaus- garten-Eintritt, Gesundheitsbescheinigungen für
weis kann jedes WHO-gerechte Formular, das die Praktika, Berufs- bzw. Stellenwechsel) oder saisona-
Vorgaben des IfSG berücksichtigt, wie z. B. „Inter- le Anlässe (Reiseimpfungen, FSME- oder Influenza-­
nationale Bescheinigungen über Impfungen und Impfungen). Ein Erinnerungs-(Recall-)System kann
Impfbuch“, benutzt werden. dabei helfen, PatientInnen rechtzeitig an fällige
Die Anlage 2 der Schutzimpfungs-Richtlinie des Impfungen zu ­erinnern und die Teilnahmerate zu
Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) weist ei- erhöhen. Die Erinnerung der zu Impfenden kann
nen einheitlichen Dokumentationsschlüssel für schriftlich, telefonisch oder per E-Mail erfolgen, als
Impfungen aus, der seit dem 1. Juli 2008 bei der allgemeine Erinnerung z. B. durch die Krankenver-
­Abrechnung mit den gesetzlichen Krankenkassen sicherung, den ÖGD oder als Einladung der behan-
­verwendet werden soll. delnden ÄrztInnen. Im letztgenannten Fall müssen
PatientInnen mittels Unterschrift dazu im Vorfeld
Fehlende Impfdokumentation ihr Einverständnis ­geben. Muster für die Einver-
Häufig fehlen Impfdokumente, sind nicht auffind- ständniserklärung zum Recall stellen z. B. die Kas-
bar oder lückenhaft. Dies ist kein Grund, notwendi- senärztlichen Vereinigungen zur Verfügung.
ge Impfungen zu verschieben, fehlende Impfungen
nicht nachzuholen oder eine Grundimmunisierung Organisatorische Aufgaben und Logistik
bzw. Erstimmunisierung nicht zu beginnen. Von Für ein effizientes und erfolgreiches Impfmanage-
zusätzlichen Impfungen bei bereits bestehendem ment in der Praxis kann es sehr hilfreich sein, ge-
Impfschutz geht kein besonderes Risiko aus. Dies zielt einzelne MitarbeiterInnen und Stellvertretende
gilt auch für Mehrfachimpfungen mit Lebendimpf- mit der Organisation zu beauftragen. Zu den Routi-
stoffen. Serologische Kontrollen zur Überprüfung neaufgaben dieser Personen kann die Bestandskon-
des Impfschutzes sind nur in Ausnahmefällen an- trolle und Bestellung der Impfstoffe, die Schulung
gezeigt (z. B. Anti-HBs bei Risikopersonen); zum der übrigen MitarbeiterInnen sowie das praktische
Nachweis vorausgegangener Impfungen bei unkla- Impfmanagement gehören. Viele Praxisverwal-
rem Impfstatus sind serologische Kontrollen im All- tungssysteme bieten nützliche Hilfen zur Verwal-
gemeinen nicht sinnvoll. tung des Impfstoffdepots an.
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Aufgaben des Praxispersonals das Einfrieren können Haarrisse in den Ampullen


Das Praxispersonal kann durch gezielte Maßnah- entstehen und der Impfstoff kann unsteril werden.
men das Impfmanagement in der Praxis unterstüt- Angefrorene oder tiefgefrorene Adsorbatimpfstoffe
zen. Bei der Terminvergabe kann daran erinnert sind schlechter verträglich und können zu eitrigen
werden, Impfpässe zur Prüfung mitzubringen, oder Entzündungen oder Spritzenabszessen führen. Be-
Terminzettel können mit Hinweisen zur Vorlage sonders empfindlich sind Lebendimpfstoffe (MMR,
des Impfpasses beim nächsten Arzttermin ergänzt Varizellen, LAIV, Rotavirus, Gelbfieber), die ver-
werden. Geschultes Personal kann den aktuellen mehrungsfähige Viren enthalten. Bei diesen Impf-
Impfstatus anhand der Impfpasseinträge erfassen, stoffen muss eine lückenlose Kühlkette eingehalten
Impflücken identifizieren und bei Bedarf einen werden.
Impfplan erstellen. Im Gespräch mit zu impfenden
Personen kann das Praxispersonal bereits über aus- Impfstoffvorbereitung und Injektion des Impfstoffs
stehende Impfungen informieren, Informations- Der Impfstoff sollte erst kurz vor der Anwendung
material zur entsprechenden Impfung aushändigen aus dem Kühlschrank genommen werden. Impf-
und zur Impfung motivieren. Die medizinischen stoffe dürfen nicht mit Desinfektionsmitteln in
Fachangestellten können die ÄrztInnnen bei Vorla- Kontakt kommen. Durchstechstopfen müssen tro-
ge der PatientInnenunterlagen auf mögliche Impf­ cken sein. Die Injektionskanüle sollte trocken sein,
lücken hinweisen. Sind Impfungen im Rahmen des insbesondere sollte kein Impfstoff die Kanüle au-
Praxisbesuches geplant, können Impfpass und ßen benetzen. Dies macht die Injektion schmerz-
Impfstoff durch das Praxispersonal vorbereitet wer- haft und kann zu Entzündungen im Bereich des
den. Qualifizierte Medizinische Fachangestellte Stichkanals führen. Nach Aufziehen des Impfstoffs
können nach ärztlicher Indikationsstellung die In- in die Spritze und dem Entfernen evtl. vorhandener
jektion des Impfstoffs übernehmen, die Haftung Luft sollte eine neue Kanüle für die Injektion aufge-
bleibt jedoch bei den ÄrztInnen. setzt werden. Der aufgezogene Impfstoff soll in der
Regel rasch verwendet werden. Unter Beachtung
Lagerung der Impfstoffe der vom Hersteller angegebenen (Mindest-)Einwirk-
Impfstoffe sind empfindliche biologische Produkte zeit soll die Impfstelle desinfiziert werden. Bei der
und müssen vor allem vor Erwärmung und vor Injektion sollte die Haut wieder trocken sein.
Licht geschützt werden. Alle Impfstoffe sollen in Für intramuskulär zu injizierende Impfstoffe ist
der Originalverpackung in einem separaten Kühl- die bevorzugte Impfstelle der M. deltoideus. Solange
schrank bei +2° C bis +8° C gelagert werden. Die dieser Muskel nicht ausreichend ausgebildet ist (z. B.
Impfstoffe sollten auf keinen Fall Kontakt zur In- bei Säuglingen und Kleinkindern), wird empfohlen,
nenwand des Kühlschranks haben und nicht in der in den M. vastus lateralis (anterolateraler Oberschen-
Kühlschranktür gelagert werden. Besonders ge­ kel) zu injizieren. Hier ist die Gefahr einer Verletzung
eignet sind Spezialkühlschränke, es können aber von Nerven oder Gefäßen gering. Eine Aspiration ist
auch Haushaltskühlschränke ohne Eisfach genutzt an diesen Injektionsorten nicht erforderlich. Bei In-
werden. Der Kühlschrank sollte ausschließlich zum jektion von Adsorbatimpfstoffen in das subkutane
Kühlen von Impfstoffen und anderen Arzneistoffen Fettgewebe kann es zu schmerzhaften Entzündungen
verwendet werden. Die Lagertemperatur sollte und zur Bildung von Granulomen oder Zysten kom-
­regelmäßig – am besten morgens und abends, aber men. Darüber hinaus ist bei Injektion in das Fettge-
mindestens einmal täglich – überprüft werden. Zur webe der Impferfolg in Frage gestellt.
Erfassung eignen sich ein Thermometer, das die
­Minimal- und Maximaltemperatur anzeigt, oder ein 4.5 Impfabstände
Thermometer-Datenlogger, der die Temperatur fort- Allgemeines
laufend misst. Das Thermometer sollte in der Mitte Die im Impfkalender, in den Tabellen 2 (S. 8 ff.) und
des Kühlschranks platziert werden. Die Ergebnisse 10 A – E (S. 49 ff.) sowie den entsprechenden Fach­
der Kontrolle sollten dokumentiert werden. Impf- informationen angegebenen Impfabstände sollten
stoffe, die versehentlich falsch gelagert oder einge- eingehalten werden.
froren wurden, müssen verworfen werden. Durch
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 30

Bei dringenden Indikationsimpfungen, wie bei- Weder klinische Beobachtungen noch theoreti-
spielsweise der postexpositionellen Tollwutprophy- sche Erwägungen geben Anlass zu der Befürch-
laxe oder der postnatalen Immunprophylaxe der tung, dass Impfungen und operative Eingriffe in-
Hepatitis B des Neugeborenen, ist das empfohlene kompatibel sind. Um aber mögliche Impfreaktio-
Impfschema strikt einzuhalten. nen von Komplikationen der Operation unterschei-
Für einen lang dauernden Impfschutz ist es von den zu können, wird empfohlen, die genannten
besonderer Bedeutung, dass bei der Grundimmuni- Mindestabstände einzuhalten.
sierung der empfohlene Mindestabstand zwischen Nach operativen Eingriffen sind keine bestimm-
vorletzter und letzter Impfung (in der Regel 6 Mo- ten Zeitabstände einzuhalten; Impfungen können
nate) nicht unterschritten wird. erfolgen, sobald der Allgemeinzustand stabil ist.
Andererseits gilt grundsätzlich, dass es keine un- Impfungen aus vitaler Indikation (z. B. Tetanus-,
zulässig großen Abstände zwischen den Impfungen Tollwut-, Hepatitis-B-Impfung) können jederzeit ge-
gibt. Jede Impfung zählt! Auch eine für viele Jahre geben werden. Nach Operationen, die mit einer im-
unterbrochene Grundimmunisierung oder nicht munsuppressiven Behandlung verbunden sind, z. B.
zeitgerecht durchgeführte Auffrischimpfung, z. B. Transplantationen, sind Impfungen in Zusammen-
gegen Diphtherie, Tetanus, Poliomyelitis, Hepa­ arbeit mit den behandelnden ÄrztInnen zu planen.
titis  B, FSME (s. dazu www.rki.de > Infektions-
schutz > Impfen > Impfungen A – Z), muss nicht 4.6 Hinweise zur Schmerz- und
neu begonnen werden, sondern wird mit den feh- Stress­reduktion beim Impfen
lenden Impfstoffdosen komplettiert. Dies gilt auch Hintergrund
im Säuglings- und Kleinkindalter. Im Interesse ei- Es ist nicht ungewöhnlich, dass bei der Injektion
nes frühestmöglichen Impfschutzes sollten Über- von Impfstoffen Schmerzen und Stressreaktionen
schreitungen der empfohlenen Impfabstände be- auftreten. Die Angst oder Sorge vor möglichen
sonders beim jungen Kind vermieden werden. Schmerzen kann die Einstellung gegenüber dem
Für Abstände zwischen unterschiedlichen Impfun- Arztbesuch, dem Impfen und die Akzeptanz von
gen gilt: Lebendimpfstoffe (attenuierte, vermeh- Impfungen ein Leben lang negativ beeinträchtigen,
rungsfähige Viren) können simultan verabreicht wer- sowohl bei Kindern als auch ihren Eltern.
den. Werden sie nicht simultan verabreicht, ist in der Es gibt inzwischen mehrere evidenzbasierte Emp-
Regel ein Mindestabstand von 4 Wochen einzu­halten. fehlungen für schmerz- und stressreduziertes Imp-
Bei Schutzimpfungen mit Totimpfstoffen (inak- fen. Dort sind bestimmte Injektionstechniken,
tivierte Krankheitserreger, deren Antigenbestand­ alters­abhängige Ablenkungsmethoden und andere
teile, Toxoide) ist die Einhaltung von Mindestabstän- Verhaltensweisen aufgeführt, durch die Schmerzen
den zu anderen Impfungen, auch zu solchen mit bei der Impfung gemildert werden können. An die-
Lebendimpfstoffen, nicht erforderlich. Impfreaktio- ser Stelle sollen diese Empfehlungen kurz zusam-
nen vorausgegangener Impfungen sollten vor er- mengefasst werden. Die STIKO möchte die Ärzte-
neuter Impfung vollständig abgeklungen sein. Zu schaft ermuntern, diese Hinweise zum schmerzredu­
den zeitlichen Mindestabständen zwischen zwei zierten Impfen im Praxisalltag zu berücksichtigen
Impfstoffdosen sowie zur Möglichkeit der Koadmi- und so die Impfakzeptanz in der Bevölkerung zu för-
nistration von Impfstoffdosen sind die Fachinfor- dern. Weiterführende Hinweise finden sich in den
mationen des jeweiligen Impfstoffs zu beachten. zitierten Veröffentlichungen (s. S. 56).B–H

Zeitabstand zwischen Impfungen und Operationen Generelle Empfehlungen


Bei dringender Indikation kann ein operativer Ein- ▶▶ Gesundheitspersonal sollte beim Impfen eine ru-

griff jederzeit durchgeführt werden, auch wenn eine hige Ausstrahlung haben, kooperativ und sach-
Impfung vorangegangen ist. Bei Wahleingriffen kundig sein. Wenn der zu impfenden Person das
sollte nach Gabe von Totimpfstoffen ein Mindestab- Impfprozedere beschrieben wird, ist es wichtig,
stand von 3 Tagen und nach Verabreichung von Le- auf einen neutralen Sprachgebrauch zu achten
bendimpfstoffen ein Mindestabstand von 14 Tagen und Worte sorgfältig zu wählen, damit Angst
eingehalten werden. nicht eventuell verstärkt oder Misstrauen geför-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 31

dert wird. Unbedingt vermeiden sollte man fälsch- ▶▶ Im jungen Säuglingsalter wirkt auch das Nuckeln
lich beruhigende oder unehrliche Phrasen wie an einem Schnuller schmerzreduzierend.
„Das tut überhaupt nicht weh!“. ▶▶ Säuglinge können, solange sie noch gestillt wer-

den, während der Impfung angelegt werden. Wird


Schmerzreduzierende Lokalanästhetika der Säugling parallel gegen Rotaviren geimpft,
▶▶ In Einzelfällen können Lokalanästhetika-haltige sollte jedoch auf das Stillen vor und während der
Schmerzpflaster oder Cremes unter einem RV-Impfung verzichtet werden, da das Stillen
­Okklusionsverband bei Kindern ab Geburt (Fach­ zum Zeitpunkt der Impfung die W ­ irkung der
informationen beachten) benutzt werden, um die RV-Schluckimpfung möglicherweise vermindern
Schmerzen bei der Injektion zu reduzieren. Im kann (s. FAQ zu Rotavirus-Impfung und Stillen
Alter von < 12 Monaten sollten die Pflaster oder Epid Bull 39/2013). Ersatz­weise kann ein Schnul-
Cremes nicht gleichzeitig mit Arzneimitteln (z. B. ler benutzt werden.
Sulfonamide) angewendet werden, die die Bil- ▶▶ Kinder im Alter von < 2 Jahren, die nicht mehr ge-

dung von Methämoglobin fördern. Auch bei Ju- stillt werden, können ein bis zwei Minuten vor der
gendlichen und Erwachsenen mit ausgeprägter Impfung 2 ml einer 25 %-igen Glukoselösung
Angst vor der Injektion kann ein Schmerzpflaster oder eine andere süße Flüssigkeit ­bekommen. Da
hilfreich sein. Die empfohlene Mindest­einwirkzeit Rotavirus-Impfstoffe Saccharose enthalten, sollte
von 30 – 60 min muss bei der Planung berück- bei der Durchführung mehrerer Impfungen an
sichtigt werden. einem Termin die RV-Impfung, sofern geplant,
▶▶ Zur Schmerzreduktion kann auch Eisspray ver- als erste verabreicht werden.
wendet werden. Die Aufsprühzeit beträgt 2 – 8 s.
Im Anschluss kann nach Hautdesinfektion sofort Empfehlungen zur Körperposition
geimpft werden. ▶▶ Kleinkinder im Alter von <  3 Jahren sollten
­während der Impfung am besten auf dem Arm
Sonstige unterstützende Verfahren oder auf dem Schoß gehalten und nach der Imp-
▶▶ Bereits vor dem ersten Impftermin ihrer Kinder fung leicht geschaukelt und liebkost werden.
(≥ 2 Monate) sollten Eltern über die anstehenden ▶▶ Kinder im Alter von ≥ 3 Jahren sowie Jugendliche

Impfungen und damit verbundenen Schmerzen und Erwachsene sollten bei der Impfung mög-
sowie Möglichkeiten der Schmerz­reduktion auf- lichst aufrecht sitzen. Kinder können auf dem
geklärt werden. Das heißt, bereits bei der U3 Schoß der Eltern sitzen, weil die Eltern so das
könnte mit einer entsprechenden Aufklärung be- Stillhalten der Gliedmaßen unterstützen können.
gonnen werden, um den Einsatz schmerzreduzie- ▶▶ Personen, die beim Impfen oder anderen

render Strategien beim Impf­termin zu fördern. medizinischen Interventionen schon einmal ohn-
▶▶ Eltern von Kindern im Alter von < 10 Jahren s
­ ollten mächtig geworden sind, sollten im Liegen geimpft
bei der Impfung ihrer Kinder anwesend sein. werden.
▶▶ Kinder im Alter von ≥ 3 Jahren sowie Jugend­liche

und Erwachsene sollten direkt vor der Injektion Empfehlungen zu Injektionstechniken


darüber aufgeklärt werden, was beim Impfen pas- ▶▶ Die Nadellänge sollte bei Säuglingen von

sieren wird und wie sie mögliche Schmerzen oder < 2 Monaten 15 mm betragen, bei älteren Säuglin-
Angst am besten bewältigen können, z. B. durch gen und Kleinkindern 25 mm und bei Jugendli-
Drücken der Hand von M ­ utter oder Vater. Kinder chen und Erwachsenen 25 – 50 mm.
im Alter von ≤ 6 Jahren sollten mittels geeigneter ▶▶ Die intramuskuläre Injektion soll altersunabhän-

Ablenkungs­manöver (z. B. durch Aufblasen eines gig ohne Aspiration erfolgen. Die Aspiration ist
Ballons, Windrädchen, Seifenblasen, Spielzeuge, überflüssig, da an den Körperstellen, an denen die
Videos, Gespräche oder Musik) direkt vor und Injektion erfolgt, keine großen Blutgefäße existie-
nach der Injektion von den Schmerzen abgelenkt ren (M. vastus lateralis oder M. deltoideus).
werden. ­Erwachsene können zur Ablenkung zu ▶▶ Werden mehrere Impfungen am selben Termin

leichten Hustenstößen oder zum Luftanhalten gegeben, soll die schmerzhafteste Impfung
aufgefordert werden. ­zuletzt injiziert werden. Besonders schmerzhaft
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 32

können die Injektionen der Pneumokokken- und Schwangerschaft nur bei eindeutiger Indikation
der MMR-Impfung sein. und nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung
▶▶ Durch eine zügige Injektion können Schmerzen verabreicht werden. Die Impfung gegen Gelbfieber
bei der intramuskulären Injektion reduziert darf bei stillenden Frauen nicht erfolgen. Es sind
­werden. weltweit vereinzelte Fälle beschrieben, in denen ge-
stillte Säuglinge nach Impfung der Mutter gegen
Maßnahmen, die nicht zur Schmerzreduktion Gelbfieber an einer Enzephalitis erkrankt sind.
empfohlen sind
▶▶ Erwärmung des Impfstoffs Falsche Kontraindikationen
▶▶ Manuelle Stimulation der Injektionsstelle Häufig unterbleiben indizierte Impfungen, weil be-
z. B. durch Reiben oder Kneifen stimmte Umstände irrtümlicherweise als Kontra­
▶▶ Orale Analgetika-Gabe vor oder während der indikationen angesehen werden. Dazu gehören
Impfung zum Beispiel:
▶▶ banale Infekte, auch wenn sie mit subfebrilen

4.7 Kontraindikationen und falsche Kontra­ Temperaturen (< 38,5° C) einhergehen


indikationen ▶▶ ein möglicher Kontakt der zu impfenden Person

Kontraindikationen zu Personen mit ansteckenden Krankheiten


Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit akuten ▶▶ Krampfanfälle in der Familie

schweren Erkrankungen sollten erst nach Gene- ▶▶ Fieberkrämpfe in der Anamnese des zu impfen-

sung geimpft werden (Ausnahme: postexpositio­ den Kindes


nelle Impfung). ▶▶ Ekzeme u. a. Dermatosen, lokal begrenzte Haut­

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen im zeitli- infektionen


chen Zusammenhang mit einer Impfung müssen ▶▶ Behandlungen mit Antibiotika

in Abhängigkeit von der Ausprägung keine absolute ▶▶ Behandlungen mit niedrigen Dosen von Kortiko­

Kontraindikation gegen eine nochmalige Impfung steroiden oder lokal angewendeten steroid­
mit dem gleichen Impfstoff sein. Kontraindikatio- haltigen Präparaten
nen können Allergien gegen Bestandteile des Impf- ▶▶ Schwangerschaft der Mutter des zu impfenden

stoffs sein. In Betracht kommen vor allem Neomy- Kindes (Varizellen-Impfung nach Risiko­ ab­
cin und Streptomycin sowie in seltenen Fällen wägung*)
Hühner­eiweiß. Personen, die nach oraler Aufnah- ▶▶ angeborene oder erworbene Immundefekte bei

me von Hühnereiweiß mit anaphylaktischen Symp­ Impfung mit Totimpfstoffen


tomen reagieren, sollten nicht mit Impfstoffen, die ▶▶ Neugeborenenikterus

Hühner­eiweiß enthalten (z. B. Gelbfieber-, Influenza-­ ▶▶ Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene sollten unab-

Impfstoff), geimpft werden. hängig von ihrem Reifealter und aktuellen


­Gewicht entsprechend dem empfohlenen Impf­
Im Fall eines angeborenen oder erworbenen Immun- alter geimpft werden.
defekts sollte vor der Impfung mit einem Lebend­ ▶▶ Stillende: Sie können alle notwendigen Impfun-

impfstoff die den Immundefekt behandelnden Ärzt­ gen erhalten außer einer Impfung gegen Gelb­
Innen konsultiert werden. Die serologische Kontrol- fieber (s. o. unter Kontraindikationen).
le des Impferfolgs ist in bestimmten Konstel­lationen ▶▶ gestillte Säuglinge: Voll- und teilgestillte Säuglin-

bei PatientInnen mit Immundefizienz angezeigt. Er- ge können genauso nach den Empfehlungen der
läuterungen dazu s. Papiere bei Immundefizienz. STIKO geimpft werden wie Säuglinge, die Mutter­
milchersatzprodukte oder andere Babynahrung
Nicht empfohlene oder nicht dringend indizierte erhalten.
Impfungen sollten während einer Schwangerschaft
nicht durchgeführt werden. Für die Lebendimpf- * Bei der derzeitigen Varizellen-Impfquote ist das Risiko für ein
konnatales Varizellensyndrom bei einer seronegativen Schwan­
stoffe gegen Masern, Mumps, Röteln und Varizellen geren mit Kontakt zu ihrem ungeimpften und damit ansteckungs-
gefährdeten Kind höher als das Risiko einer Komplikation durch
stellt eine Schwangerschaft eine Kontraindikation die Impfung des Kindes und dessen Übertragung von Impfvari­
dar. Eine Impfung gegen Gelbfieber darf in der zellen auf die Schwangere.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 33

Indizierte Impfungen sollen auch bei Personen mit PatientInnen mit Immundefizienz mit dem Ziel er-
chronischen Krankheiten – einschließlich neurolo- arbeitet, die impfende Ärzteschaft bei den o. g.
gischer Krankheiten – durchgeführt werden, da die- Punkten zu unterstützen und eine Entscheidungs-
se Personen durch schwere Verläufe und Komplika- hilfe zu geben. Die Anwendungshinweise wurden
tionen impfpräventabler Krankheiten besonders ge- in vier thematisch getrennten Dokumenten publi-
fährdet sind. Personen mit chronischen Krankhei- ziert und sind online verfügbar (www.rki.de/im-
ten sollen über den Nutzen der Impfung im mundefizienz): Das Grundlagenpapier (Papier I),
Vergleich zum Risiko der Krankheit aufgeklärt wer- die Anwendungshinweise zum Impfen bei primä-
den. Es liegen keine gesicherten Erkenntnisse dar- ren Immundefekterkrankungen (inkl. autoinflam-
über vor, dass eventuell zeitgleich mit der Impfung matorischer Erkrankungen) und bei HIV-Infektion
auftretende Krankheitsschübe ursächlich durch (Papier II), die Anwendungs­hinweise zum Impfen
eine Impfung bedingt sein können. bei hämato­log­ischen und onkologischen Erkran-
kungen (anti­neoplastische Therapie, Stammzell­
4.8 Impfen bei Immundefizienz trans­plan­tation), Organtransplantation und Asple-
PatientInnen mit Immundefizienz leiden häufig an nie (Papier III) sowie die Anwendungshinweise
Infektionskrankheiten, die bei diesen Personen mit zum Impfen bei Autoimmunkrankheiten, bei an­
schwereren Verläufen einhergehen als bei Immun- deren chronisch-entzündlichen Erkrankungen und
gesunden. Daher sollten Menschen mit Immunde- unter immunmodulatorischer Therapie (Papier IV).
fizienz grundsätzlich einen möglichst weitreichen-
den Schutz durch Impfungen erhalten. Daneben 4.9 Impfkomplikationen und deren Meldung
spielt ein solider Impfschutz von Haushalts­kon­ Kriterien zur Abgrenzung einer üblichen Impfreak-
taktpersonen entsprechend der STIKO-Empfeh­ - tion von dem Verdacht auf eine mögliche Impf­
lungen sowie anderer Personen aus dem direkten komplikation
Umfeld der PatientInnen (z. B. in ­Gesund­heitsdienst, Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) (§ 6
Kita oder Schule) eine zentrale Rolle für die Infek­ Abs.  1, Nr. 3) ist der Verdacht einer Impfkomplika­
tionsprävention. tion dem zuständigen Gesundheitsamt zu melden.
In Tabelle 2 (S. 8 ff.) der ­STIKO-Empfehlungen Diese Meldung gehört zu den ärztlichen Aufgaben.
sind bereits einige Gruppen mit angeborener oder Unter einer Impfkomplikation wird eine über das
erworbener Immundefizienz aufgeführt. Bei der übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehende
Planung und Durchführung von Impfungen bei gesundheitliche Schädigung verstanden. Um eine
diesem speziellen Personenkreis sind einige Beson- Impfkomplikation von einer üblichen Impfreak­
derheiten zu beachten, wie z. B.: tion, die nicht meldepflichtig ist, abzugrenzen, hat
▶▶ das Erkennen und Abschätzen der Schwere des die STIKO, wie nach IfSG (§ 20 Abs. 2) gefordert,
Immundefekts Merkmale für übliche Impfreaktionen definiert.
▶▶ das Erfassen der Indikationen und Kontraindika-

tionen für spezifische Impfungen bzw. Impfstoff- Übliche und damit nicht meldepflichtige Impfreak-
typen, je nach Art und Schwere der Grundkrank- tionen sind das übliche Ausmaß nicht überschrei-
heit ggf. der immunsupprimierenden Medikati- tende, vorübergehende Lokal- und Allgemeinreak­
on und der daraus resultierenden Immuninkom- tionen, die als Ausdruck der Auseinandersetzung
petenz des Organismus mit dem Impfstoff anzusehen
▶▶ Bestimmung des Zeitpunkts der Impfung (z. B. sind. Die STIKO hat die folgenden Kriterien für
rechtzeitig vor geplanter iatrogener Immun­ ­übliche Impfreaktionen entwickelt:
suppression) ▶▶ für die Dauer von 1 – 3 Tagen (gelegentlich länger)

▶▶ die spezifische Aufklärung der Personen, anhaltende Rötung, Schwellung oder Schmerz-
­insbesondere wenn eine Off-label-Anwendung un- haftigkeit an der Injektionsstelle;
umgänglich ist ▶▶ für die Dauer von 1 – 3 Tagen Fieber < 39,5° C (bei

rektaler Messung), Kopf- und Gliederschmerzen,


Eine Expertengruppe hat unter Federführung der Mattigkeit, Unwohlsein, Übelkeit, Unruhe,
STIKO Anwendungshinweise für Impfungen bei Schwellung der regionären Lymphknoten;
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 34

▶▶ im Sinne einer „Impfkrankheit“ zu deutende Darüber hinaus sind ÄrztInnen nach § 6 der Berufs-
Symptome 1 – 3 Wochen nach der Verabreichung ordnung verpflichtet, die ihnen aus ihrer ärztlichen
von attentuierten Lebend­impfstoffen: z. B. eine Behandlungstätigkeit bekannt werdenden uner-
leichte Parotisschwellung, kurzzeitige ­Arthralgien wünschten Arzneimittelwirkungen der Arzneimit-
oder ein flüchtiges Exanthem nach der Masern-, telkommission der deutschen Ärzteschaft mitzutei-
Mumps-, Röteln- oder Varizellen-­Impfung oder len (im Internet unter www.akdae.de > Arzneimittel­
milde gastro­intestinale Beschwerden, z. B. nach sicherheit > Unerwünschte Arzneimittelwirkung
der oralen Rotavirus- oder Typhus-­Impfung; melden). Ebenso kann der Hersteller informiert
▶▶ Ausgenommen von der Meldepflicht sind auch werden.
Krankheitserscheinungen, denen offensichtlich
eine andere Ursache als die Impfung zugrunde Impfschaden und Anerkennung eines
liegt. Alle anderen Impfreaktionen sollen ge­ ­Impfschadens im Sinne des IfSG
meldet werden. Nach § 2 Nr. 11 (IfSG) ist ein Impfschaden definiert
als gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer
Meldung des Verdachts auf eine Impfkomplikation über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hin-
Gemäß dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) (§ 6 ausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch
Abs. 1, Nr. 3) ist der Verdacht einer über das übliche die Schutzimpfung. Ein Impfschaden liegt auch vor,
Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden ge- wenn mit vermehrungsfähigen Erregern geimpft
sundheitlichen Schädigung (Verdacht auf eine (Lebend­impfstoffe) und nach Übertragung des Impf­
Impfkomplikation) namentlich an das Gesundheit- virus eine andere als die geimpfte Person geschädigt
samt zu melden. Die Meldung der ÄrztInnen muss wurde. Erleidet eine Person aufgrund einer öffent-
vom Gesundheitsamt gemäß § 11 Abs. 2 (IfSG) un- lich von dem Bundesland, in dem sie ansässig ist,
verzüglich der zuständigen Landesbehörde und empfohlenen Impfung einen Impfschaden, so ­stehen
nach § 77 Arzneimittelgesetz der zuständigen Bun- ihr aufgrund der gesundheitlichen und wirtschaft­
desoberbehörde (PEI) mitgeteilt werden. Die Melde- lichen Auswirkungen Versorgungsleistungen nach
verpflichtung wurde gesetzlich festgeschrieben, um dem Bundesversorgungsgesetz i. V. m § 60 IfSG zu.
die zur Klärung einer unerwünschten Arzneimittel- Der Antrag auf Versorgung ist beim zuständigen Ver-
wirkung relevanten immunologischen (z. B. zum sorgungsamt durch die/den Betroffene/n oder die
Ausschluss eines Immundefektes) oder mikrobiolo- Eltern bzw. Sorgeberechtigten zu stellen. Die Bewer-
gischen (z. B. zum differenzialdiagnostischen Aus- tung erfolgt durch das Versorgungsamt auf Landes-
schluss einer interkurrenten Infektion) Untersu- ebene nach den Versorgungsmedizinischen Grund-
chung unverzüglich einzuleiten und dafür notwen- sätzen (Anlage zu § 2 Versorgungs­medizinverordnung  –
dige Untersuchungsmaterialien, wie z. B. Serum VersMedV). Der Nachweis eines wahrscheinlichen
oder Stuhlproben, zu asservieren. kausalen Zusammenhangs mit der Impfung reicht
dabei für die Bewilligung der Leistung aus, setzt aber
Die Meldepflicht besteht unabhängig davon, ob die eine nicht nur vorübergehende und damit über ­einen
betroffene Schutzimpfung öffentlich empfohlen ist. Zeitraum von mehr als 6 Monaten sich erstreckende
Für die bundesweit einheitliche Meldung eines Ver- Gesundheitsstörung voraus.
dachtsfalls ist vom PEI in Absprache mit der STIKO Das Verfahren zur Anerkennung eines Impf-
und dem BMG ein Berichtsformblatt „Bericht über schadens ist somit anders und getrennt zu sehen
Verdachtsfälle einer über das übliche Ausmaß einer von der Meldung eines Verdachtsfalls einer Impf-
Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen komplikation (s. vorhergehender Abschnitt). Be-
Schädigung“ entwickelt worden, das online verfüg- troffene Personen oder die Eltern bzw. Sorgebe-
bar ist: www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/ rechtigten sollten von dem Gesundheitsamt oder
arzneimittelsicherheit/pharmakovigilanz/ifsg-mel- den behandelnden Ä ­ rztInnen auf die gesetzlichen
debogen-verdacht-impfkomplikation.pdf oder vom Bestimmungen zur Entschädigung (§§ 60 – 64
Gesundheitsamt angefordert werden kann. Die Mel- IfSG) und das Verfahren informiert sowie auf das
dungen tragen dazu bei, die Datenlage über Impf- zuständige Versorgungsamt hingewiesen werden.
komplikationen zu verbessern. Informationen hierzu können auch von den regio-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 35

nal zustän­digen Versorgungsämtern selbst einge- ternetseiten des PEI maßgeblich; ergänzend hierzu
holt werden. informiert die STIKO auf ihren Internetseiten (www.
stiko.de > Lieferengpässe. Die alternative Empfeh-
4.10 Lieferengpässe von Impfstoffen lung verliert ihre Gültigkeit, sobald das PEI die Fest-
Seit Oktober 2015 informiert das PEI auf seinen In- stellung des Lieferengpasses auf seiner o. g. Internet-
ternetseiten über Lieferengpässe von Impfstoffen seite wieder aufhebt. Ergänzend nimmt auch die
sowie die voraussicht­liche Dauer der Nicht-Verfüg- STIKO den Hinweis der Anwendbarkeit der alterna-
barkeit (www.pei.de/lieferengpaesse). Diese Infor- tiven Empfehlung von ihrer Internetseite. Weitere
mationen beruhen auf Mitteilungen der pharma- Informationen siehe Epid Bull 23/2021.21
zeutischen Unternehmen, die einen Lieferengpass
melden, sobald die Lieferkette für die Auslieferung 4.11 Impfempfehlungen für MigrantInnen und
eines Impfstoffes für einen Zeitraum von mindes- Asylsuchende nach Ankunft in Deutschland
tens 2 Wochen unterbrochen ist. Sollten statt des In Deutschland lebende MigrantInnen und Asyl­
vom Lieferengpass betroffenen Impfstoffes einer suchende sollen entsprechend den STIKO-Empfeh-
oder mehrere andere Impfstoffe mit vergleichbarer lungen altersgerecht geimpft sein. Asylsuchende
Zusammensetzung verfügbar sein, werden diese stammen oftmals aus Ländern oder gehören zu Be-
vom PEI entsprechend auf der Internetseite gelistet. völkerungsgruppen mit eingeschränktem Zugang
zu medizinischer Versorgung und Impfungen. Eine
Ist kein für die jeweilige Indikation und das Alter Übersicht über die in einzelnen Ländern empfohle-
zugelassener Impfstoff mit vergleichbarer Antigen- nen Impfungen ist auf den Internetseiten des ECDC
zusammensetzung verfügbar, gibt die STIKO Emp- (https://vaccine-schedule.ecdc.europa.eu/) oder der
fehlungen, wie alternativ – unter Verwendung ande- WHO (https://apps.who.int/immunization_moni-
rer verfügbarer Impfstoffe – ein Impfschutz sicher- toring/globalsummary/schedules) zu finden.
gestellt werden kann (s. u.). Auch wenn es keine un-
zulässig großen Impfabstände gibt und jede Imp- Vorliegende Impfdokumente sollten berücksichtigt
fung zählt, ist aus Sicht der STIKO die zeitgerechte werden, um den individuellen Impfstatus zu über-
Immunisierung entsprechend den Empfehlungen  – prüfen und fehlende Impfungen nachzuholen ­(s.
gerade im Säuglings- und Kleinkindalter – zu bevor- Kapitel 6.). Häufig kann der Impfstatus aufgrund
zugen. Dies gilt auch für die Grippeimpfung, bei fehlender Dokumente nicht überprüft werden. Aus
der ein Impfschutz idealerweise vor Beginn der Sai- pragmatischen Gründen gelten Impfungen, die
son erreicht werden sollte. Auffrischimpfungen nicht dokumentiert sind, als nicht gegeben. Diese
können ggf. bei vollständiger Grundimmunisierung Impfungen sollen entsprechend den STIKO-Emp-
verschoben werden, da die von der STIKO empfoh- fehlungen nachgeholt werden. Nur in Ausnahme-
lenen Zeitintervalle für Auffrischimpfungen eine fällen sollten glaubwürdige mündliche Angaben zu
gewisse Flexibilität erlauben. früher erfolgten Impfungen berücksichtigt werden.
▶▶ Kinder und Jugendliche, die ungeimpft sind bzw.

In Tabelle 4 (s. S. 36) sind Empfehlungen für die deren Impfstatus unklar ist, sollten Impfungen
häufigsten bzw. relevantesten Lieferengpässe aufge- gegen Diphtherie, Tetanus und Pertussis sowie
führt, in denen kein alternativer Impfstoff mit ver- gegen Poliomyelitis, Masern, Mumps, ­Röteln, Va-
gleichbarer Zusammensetzung zur Verfügung steht. rizellen, Hepatitis B, Meningokokken C erhalten.
Die alternative Empfehlung soll zur Anwendung Ab ≥ 9 Jahren sollen Kinder und Jugendliche ge-
kommen, sobald auf den o. g. Internetseiten des PEI gen HPV geimpft werden. Säuglinge sollten zu-
über einen Lieferengpass der ursprünglich empfoh- sätzlich gegen Rota­viren immunisiert werden:
lenen Impfung informiert wird. Eine Abfrage in Abschluss der Impfserie bis zum ­ Alter von
mehreren regionalen Lieferapotheken kann dabei 24  Wochen (Rotarix) bzw. 32 Wochen (RotaTeq).
klären, ob trotz des vom PEI deklarierten Liefereng- Säuglinge und Kleinkinder sollten gegen Pneu-
passes ggf. regional noch Restbestände dieses Impf- mokokken (bis zum Alter von 24 Monaten) und
stoffes verfügbar sind. Für die Anwendung der alter- ­Haemophilus influenzae Typ b (bis < 5 Jahren)
nativen Empfehlung ist die Information auf den In- geimpft werden. Kinder, bei denen eine Grun­d­
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 36

Tabelle 4 | Alternativ empfohlene Impfstoffe bei Lieferengpässen

Impfung gegena Vom Lieferengpass betroffener Empfohlene Alternative(n)b


empfohlener Impfstoff a
Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Hexavalenter Impfstoff (DTaP-IPV-Hib-HepB) Pentavalenter Impfstoff (DTaP-IPV-Hib) plus
Poliomyelitis, Hib, HepB HepB-Einzelimpfstoff
Alternativ: DTaP-Impfstoff plus IPV-, Hib- und
HepB-Einzelimpfstoff

HepA, HepB Kombinationsimpfstoff HepA+B HepA-Einzelimpfstoff plus HepB-Einzelimpfstoff

HepB HepB-Einzelimpfstoff Kombinationsimpfstoff HepA+B

Herpes zoster Adjuvantierter Herpes-zoster-Totimpfstoff Keine Alternative (Verschiebung des Impftermins)

Hib Hib-Einzelimpfstoff Keine Alternativec (Verschiebung des Impftermins)

Influenza (als Standardimp- Inaktivierter, quadrivalenter Influenza- Inaktivierte, quadrivalente Influenza-Impfstoffe


fung für Personen ≥ 60 Jahre) Hochdosis-Impfstoff mit aktueller, von der (Zellkultur-basierte, Splitvirus-, Subunit-,
WHO empfohlener Antigenkombination rekombinante und adjuvantierte Impfstoffe)

Masern, Mumps, Röteln MMR-Kombinationsimpfstoff MMR-V-Kombinationsimpfstoff d

Masern, Mumps, Röteln, MMR-V-Kombinationsimpfstoff MMR-Kombinationsimpfstoff plus Varizellen-


Varizellen Einzelimpfstoff

Pneumokokken 23-valenter Polysaccharid-Impfstoff Keine Alternativee (Verschiebung des Impftermins)

Tetanus, Diphtherie, Pertussis TdaP-/Tdap-Kombinationsimpfstoff Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff

a entsprechend des Impfkalenders (Standardimpfungen) für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Tab. 1 (S. 6), Empfehlungen
zu Standardimpfungen des Erwachsenenalters sowie zu Indikations- und Auffrischimpfungen für alle Altersgruppen in Tab. 2 (S. 8 ff.),
Postexpositionelle Impfungen in Tab. 5 (S. 40 ff.), bzw. Altersabhängige Empfehlungen zur Durchführung von Nachholimpfungen in
Tab. 10 A – E (S. 49 ff.)
b unter Beachtung von Zulassungsbeschränkungen gemäß Fachinformationen
c gilt nicht für Kinder < 5 Jahre, hier kann als Alternative DTap-IPV-Hib oder DTap-IPV-Hib-HepB verwendet werden
d zu beachten ist das bei Kindern < 5 Jahre leicht erhöhte Risiko von Fieberkrämpfen 5 – 12 Tage nach der erstmaligen Gabe des kombinierten
MMR-V-Impfstoffs (s. Epid Bull 30/2012); die STIKO schätzt dieses leicht erhöhte Risiko bei einem Lieferengpass gegenüber einer zeitgerech-
ten MMR-Immunisierung jedoch als nachgeordnet ein
e Wegen der breiteren Abdeckung von Pneumokokken-Serotypen ist es nicht sinnvoll, den 23-valenten Polysaccharidimpfstoff durch einen
anderen, niedrigervalenten Pneumokokkenimpfstoff zu ersetzen; bei eingeschränkter Verfügbarkeit sollten noch vorhandene Impfstoffdosen
prioritär für folgende Personengruppen verwendet werden: PatientInnen mit Immundefizienz (zur Komplettierung der sequenziellen
Impfung); Senioren ≥ 70 Jahre; PatientInnen mit chronischen Erkrankungen des Herzens und der Atmungsorgane

Abkürzungen: Diphtherie: D bzw. d (je nach Antigengehalt); Haemophilus influenzae Typ b: Hib; Hepatitis A: HepA; Hepatitis B: HepB; Masern-
Mumps-Röteln: MMR; Pertussis: aP bzw. ap (je nach Antigengehalt); Poliomyelitis: IPV; Tetanus: T; Varizellen: V

immunisierung gegen ­Tetanus, Diphtherie, Per- teln (MMR) und seronegative Frauen mit Kinder-
tussis und Polio­myelitis dokumentiert ist, benö- wunsch zweimal gegen ­Varizellen geimpft wer-
tigen eine einmalige Auffrischimpfung im Ab- den. Ab dem Alter ≥ 60 Jahren ist zusätzlich eine
stand von 5 Jahren zur Grundimmunisierung. Pneumokokken-­­Impfung (Einzelheiten s. Kapitel
▶▶ Ungeimpfte Erwachsene bzw. Erwachsene mit 3.2, S. 22) und jährlich im Herbst eine ­Influenza-
unklarem Impfstatus sollten Erstimmunisierun- Impfung ­empfohlen.
gen gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis und
Poliomyelitis erhalten. Erwachsene, die bereits Für die Aufklärung der zu impfenden Person über
eine Grundimmunisierung gegen Tetanus, Diph­ die zu verhütende Krankheit und die geplante Imp-
therie, Pertussis und Poliomyelitis aufweisen, fung stellt das RKI Informationsmaterialien ein-
sollen in 10-jährigem Abstand zur vorangegange- schließlich Einwilligungserklärungen zu verschie-
nen Impfung eine Tdap-IPV-Auffrischimpfung denen Impfungen (COVID-19, Hepatitis A, Hepa­
bekommen. Nach 1970 Geborene ­sollten einma- titis B, Herpes zoster (Totimpstoff), HPV, Influenza,
lig gegen Masern (MMR) geimpft werden. Frauen MMR, Meningokokken C, Varizellen, Pneumokok-
im gebärfähigen Alter sollten zweimal gegen Rö- ken, Rotavirus, Tdap-IPV, 6-fach-Impfung [DTaP-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 37

IPV-Hib-HepB]) in mehreren (aktuell 19) Sprachen richtungen, in denen die Umsetzung der S ­ TIKO-
im Internet zur Verfügung: www.rki.de > Infek­ Empfehlungen durch kurze Verweildauern er-
tionsschutz  > Impfen > Informationsmaterialien schwert ist, da ggf. nur ein Impftermin möglich ist,
zum Impfen. sollte eine Priorisierung der Impfungen ­erfolgen.

Die Kostenübernahme für öffentlich empfohlene Tabelle 5 (S. 38) führt die Impfungen auf, die prio­ritär
Schutzimpfungen ist bei Asylsuchenden durch das und frühzeitig (möglichst in den ersten Tagen) nach
Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG § 4 Abs. 3) Ankunft und Aufnahme in die Einrichtung begon-
geregelt. Bei allen anderen MigrantInnen werden nen werden sollten. Nach dem Verlassen der Unter-
Impfungen in der Regel von der jeweiligen Kran- künfte soll die Vervollständigung der Grund­
kenversicherung übernommen. immunisierung bzw. der Beginn neuer Impfungen
altersentsprechend auf Basis der Nachholimpfemp-
Empfehlungen zu Impfungen in Erstaufnahme- fehlungen (s. Kapitel 6.10) durch die niedergelasse-
einrichtungen für Asylsuchende und in anderen nen ÄrztInnen oder durch den ÖGD am späteren
Gemeinschaftsunterkünften mit beengten Aufenthaltsort erfolgen.
­Wohnbedingungen
Das Zusammenleben über einen längeren Zeit- Die allgemeinen Hinweise der STIKO zur Durch-
raum unter beengten Wohnbedingungen (z. B. in führung von Schutzimpfungen sollen berücksich-
Erstaufnahmeeinrichtungen für AsylbewerberIn- tigt werden (s. Kapitel 4.1). Falls in der Einrichtung
nen) erhöht die Wahrscheinlichkeit für Ausbrüche Impfstoffe nicht in ausreichender Menge zur Verfü-
von Infektionskrankheiten. Durch eine wachsende gung stehen, sollten Kinder bevorzugt geimpft wer-
Zahl unzureichend geimpfter Personen kann sich den. Riegelungsimpfungen zur Eindämmung von
eine epidemiologisch relevante, ungeschützte Ausbrüchen impfpräventabler Erkrankungen soll-
­Bevölkerungsgruppe entwickeln, bei der sich die ten prioritär verabreicht und eventuell mit anderen
Schließung von Impflücken aufgrund des dezen­ notwendigen Impfungen kombiniert werden.
tralen Gesundheitssystems und der notwendigen
Eigenverantwortung in Deutschland schwierig ge- Aufgrund des engen Zusammenlebens in Erstauf-
stalten kann. In den Erstaufnahmeeinrichtungen nahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunter-
und Gemeinschaftsunterkünften besteht hingegen künften besteht ein erhöhtes Risiko für Influenza-­
ein guter Zugang durch den öffentlichen Gesund- Ausbrüche. Es kann daher durch die lokalen Ge-
heitsdienst (ÖGD) oder durch vom ÖGD beauftrag- sundheitsbehörden erwogen werden, über die
te ÄrztInnen zur gezielten Schließung von Impf­ ­STIKO-Empfehlung hinausgehend in den Herbst-
lücken. Durch frühzeitige Impfungen nach An- und Wintermonaten nicht nur den Risikogruppen,
kunft in Deutschland können folgende Ziele er- sondern allen BewohnerInnen eine Impfung gegen
reicht werden: die saisonale Influenza anzubieten.
▶▶ individueller Impfschutz durch Schließen von

Impflücken; Empfehlungen zur Impfung von MitarbeiterInnen


▶▶ Begrenzung oder Verhinderung von Ausbrüchen in Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschafts-
impfpräventabler Erkrankungen in den Unter- unterkünften
künften; MitarbeiterInnen (inkl. beispielsweise ehrenamt-
▶▶ Verhinderung der Entstehung einer schwer er- liche HelferInnen), die in Erstaufnahmeeinrich-
reichbaren ungeimpften Bevölkerungsgruppe. tungen oder Gemeinschaftsunterkünften tätig
sind, sollen gemäß den aktuellen Impfempfeh-
Die Situation (Größe der Unterkunft, Verweildauer, lungen der STIKO geimpft werden. Der Impfstatus
Ressourcen) und auch die Organisation von Impf­ für Tetanus, Diphtherie, Poliomyelitis, Pertussis
angeboten ist in den Erstaufnahmeeinrichtungen sowie für nach 1970 Geborene gegen Masern,
und Gemeinschaftsunterkünften sehr unterschied- Mumps und Röteln sollte möglichst auf Basis des
lich. Wenn möglich, sollte das Angebot alle von der Eintrages im Impfausweis geprüft werden. Ein
STIKO empfohlenen Impfungen beinhalten. In Ein- Impfschutz gegen Varizellen ist allen Sero­ ne­
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 38

Tabelle 5 | Priorisierung des Impfangebotes für unge­impfte Asylsuchende und Asylsuchende mit unklarem Impfstatus am
ersten Impftermin frühzeitig nach Ankunft

Alter zum Zeitpunkt der 1. Impfung 1. Impftermin#

≥ 2  bis < 9 Monate DTaP-IPV-Hib-HBV1

DTaP-IPV-Hib-HBV1
≥ 9 Monate  bis 5 Jahre
MMR-V2

Tdap-IPV
≥ 5 Jahre  bis < 18 Jahre
MMR-V

Tdap-IPV3
Erwachsene, die nach 1970 geboren sind
MMR4

Erwachsene, die vor 1971 geboren sind Tdap-IPV3

Zusätzliche Indikationsimpfung für:


• Schwangere ab 2. Trimenon
Influenza (zusätzlich zu obigen Impfungen)
• Personen ≥ 60 Jahren
• Kinder und Erwachsene mit chronischen Krankheiten5

# Die hier genannten Impfstoffe können zeitgleich verabreicht werden.


1 Es kann auch ein Fünffach-Impfstoff verwendet werden.
2 Bei Kindern < 5 Jahren sollte bevorzugt werden, statt des MMR-V-­Kombinationsimpfstoffs zum 1. Impftermin MMR- und Varizellen-Impfstoff


getrennt zu verabreichen.
3 Schwangerschaft stellt keine Kontraindikation dar.
4 Nicht in der Schwangerschaft.
5 Bei unklarer Anamnese großzügige Indikationsstellung zur Impfung.

gativen empfohlen (s. Epid Bull 2/2020) .23 Bei an- tungen für Schutzimpfungen im Sinne des
gestellten MitarbeiterInnen ist die ArbMedVV zu § 2 Nr. 9 des IfSG. Die Einzelheiten zur Leistungs-
beachten. pflicht für Schutzimpfungen (Voraussetzungen, Art
und Umfang) hat der Gemeinsame Bundesaus-
Ferner empfiehlt die STIKO die folgenden beruf­ schuss (G-BA) auf der Basis der Empfehlungen der
lichen bzw. arbeitsbedingten Indikationsimpfungen STIKO in einer Schutzimpfungs-Richtlinie festzu-
für MitarbeiterInnen mit erhöhtem Expositionsrisi- legen (www.g-ba.de). Dabei soll die besondere Be-
ko in den Einrichtungen; die Impfindikation ist auf deutung der Schutzimpfungen für die öffentliche
Grundlage einer Einschätzung des tatsächlichen Gesundheit berücksichtigt werden. Gemäß § 20i
­Expositionsrisikos zu stellen: Abs. 1 Satz 2 SGB V gilt Satz 1 für Schutzimpfungen,
▶▶ Hepatitis A die wegen eines erhöhten Gesundheitsrisikos durch
▶▶ Hepatitis B einen Auslandsaufenthalt indiziert sind, nur dann,
▶▶ Auffrischimpfung gegen Poliomyelitis, falls wenn der Auslandsaufenthalt beruflich oder durch
letzte Impfung vor mehr als 10 Jahren eine Ausbildung bedingt ist oder wenn zum Schutz
▶▶ Influenza (in der Saison) der öffentlichen Gesundheit ein besonderes Interes-
se daran besteht, der Einschleppung einer übertrag-
4.12 Hinweise zur Kostenübernahme baren Krankheit in die Bundesrepublik Deutsch-
von Schutzimpfungen land vorzubeugen. Nach § 20i Absatz 1 Satz 3 und 4
Für die Kostenübernahme von Schutzimpfungen SGB  V bestimmt der G-BA in Richtlinien nach § 92
kommen verschiedene Träger in Frage. Welche SGB V Einzelheiten zu Voraussetzungen, Art und
Impfungen als Pflichtleistung von allen gesetzli- Umfang der Leistungen auf der Grundlage der
chen Krankenkassen übernommen werden, ist im ­STIKO-Empfehlungen gemäß § 20 Abs. 2 IfSG un-
Jahr 2007 neu geregelt worden. Nach § 20i Abs. 1 ter besonderer Berücksichtigung der Bedeutung der
Satz 1 SGB V haben Versicherte Anspruch auf Leis- Schutzimpfungen für die öffentliche Gesundheit.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 39

Abweichungen von den Empfehlungen der STIKO 5. Postexpositionelle Impfungen bzw.


sind besonders zu begründen. andere Maßnahmen der spezifischen
Prophylaxe übertragbarer Krankheiten
Kommt eine Entscheidung nicht innerhalb von
2 Monaten nach Veröffentlichung der Empfehlun- 5.1 Übersicht
gen der STIKO zustande, müssen die von der Zusätzlich zu den Empfehlungen der Standard- und
­STIKO empfohlenen Schutzimpfungen von den Indikationsimpfungen gibt die STIKO Empfehlun-
Krankenkassen erstattet werden, bis die Richtlinie gen zu postexpositionellen Impfungen und zu an-
vorliegt. Die Krankenkassen können in ihren Sat- deren Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe von
zungsleistungen die Kostenübernahme auch für Kontaktpersonen im privaten und beruflichen Be-
Schutz­impfungen vorsehen, die nicht Bestandteil reich sowie in Gemeinschaftseinrichtungen. Diese
der Richtlinie des G-BA sind. Außerdem haben die beinhalten Hinweise, wie unzureichend geschützte
Krankenkassenverbände auf Landesebene gemein- Personen nach dem Kontakt zu bestimmten Infek-
sam und einheitlich Vereinbarungen mit den für die tionserregern geschützt werden können, um die
Durchführung von Impfungen zuständigen Behör- Weiterverbreitung der Infektionskrankheit zu ver-
den der Länder zu treffen, in denen die Förderung hindern oder den Verlauf einer Erkrankung abzu-
der Schutzimpfungen und die Erstattung von Impf- mildern. Als Präventionsmaßnahmen werden die
stoffkosten geregelt werden. postexpositionelle Impfung, die passive Immunisie-
rung durch die Gabe von Immunglobulinen oder
Für die Kostenübernahme von Schutzimpfungen eine Chemoprophylaxe aufgeführt. Informationen
kommen außer den Krankenkassen weitere Träger zur Postexpositionsprophylaxe einzelner Infektions-
in Frage. Zu diesen zählen der ÖGD für Schutz­ krankheiten finden sich auch in den „RKI-Ratge-
impfungen nach § 20 Abs. 5 des IfSG sowie weitere bern“ (www.rki.de/ratgeber).
aufgrund gesetzlicher Vorschriften benannte Stellen
(z. B. Arbeitgeber). So darf z. B. ein Arbeitgeber nach 5.2 Impfungen bei gehäuftem Auftreten oder
§ 3 Abs. 3 Arbeitsschutzgesetz die Kosten für Arbeits- Ausbrüchen von Meningokokken-Erkrankungen
schutzmaßnahmen nicht den Beschäftigten aufer­ ▶▶ Unter einem „Ausbruch von Meningokokken-­
legen. Zu den Arbeitsschutzmaßnahmen gehören Erkrankungen“ versteht man 2 oder mehr Er-
Impfungen, die gemäß Arbeitsschutzgesetz (Arb- krankungen der gleichen Serogruppe binnen
SchG)/Biostoffverordnung (BioStoffV)/Verordnung 4 Wochen in einer Kindereinrichtung, Schulklas-
zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) an- se, Spielgruppe oder einer Gemeinschaftseinrich-
zubieten sind. Das Impfangebot richtet sich nach tung mit haushaltsähnlichem Charakter (Inter-
dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung. nat, Wohnheim, Internat, Militärkaserne u. a.).
▶▶ Unter „regional gehäuftem Auftreten“ versteht

Die in den STIKO-Empfehlungen mit „B“ gekenn- man 3 oder mehr Erkrankungen der gleichen
zeichneten Impfungen umfassen auch solche für Serogruppe binnen 3 Monaten:
Berufsgruppen, die den genannten Verordnungen • in einem begrenzten Alterssegment der Be-

nicht unterliegen. Ebenso werden in dieser Katego- völkerung (z. B. Jugendliche) eines Ortes oder
rie auch Impfungen aufgeführt, die vorrangig zum • in einer Region mit einer resultierenden

Schutz Dritter indiziert sind. Selbst wenn die ge- Inzidenz von ≥ 10/100.000 der jeweiligen
nannten Verordnungen in diesen Fällen nicht grei- Bevölkerung.
fen, sollten betroffene Arbeitgeber diese Impfungen
in ihrem eigenen Interesse anbieten, da hierdurch In Ergänzung zur Antibiotikaprophylaxe für enge
eventuellen Regressansprüchen entgegengewirkt Kontaktpersonen (s. Tab. 6, S. 40, sowie Empfehlun-
werden kann bzw. Kosten für Ausfallzeiten von Be- gen der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische
schäftigten entfallen. Inwieweit die mit „B“ gekenn- ­Infektiologie – DGPI – oder des Nationalen Ref­e­-
zeichneten Empfehlungen eine Pflichtleistung der r­enz­zentrums für Meningokokken sowie im RKI-­
GKV sind, wird in der Schutzimpfungs-Richt­linie Ratgeber „Meningokokken“) können die zuständi-
des G-BA festgelegt. gen Gesundheitsbehörden zusätzlich eine Impf­
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 40

Tabelle 6 | Postexpositionelle Impfungen sowie andere Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe

Prophylaxe Indikation Anmerkungen


gegen (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Diphtherie Für Personen mit engem (face to face) Kontakt zu Erkrankten. Chemoprophylaxe:
Unabhängig vom Impfstatus präventive antibiotische
Therapie, z. B. mit Erythromycin (s. RKI-Ratgeber „Diphtherie“,
www.rki.de/ratgeber > Diphtherie).
Postexpositionelle Impfung, wenn letzte Impfung > 5 Jahre
zurückliegt.

Bei Epidemien oder regional erhöhter Morbidität. Impfung entsprechend den Empfehlungen der Gesundheits-
behörden.

Haemophilus Nach engem (face-to-face) Kontakt zu PatientInnen mit Chemoprophylaxe:


influenzae invasiver Haemophilus-influenzae-Typ-b-Infektion wird eine Rifampicin:
Typ b (Hib) Chemoprophylaxe empfohlen: ≥ 1 Monat: 1 x 20 mg/kg Körpergewicht (maximal 600 mg)
▶▶ für alle Haushaltsmitglieder der PatientInnen ab ≥ 1 Monat, p. o. für 4 Tage
wenn sich dort ein ungeimpftes oder unzureichend
geimpftes Kind im Alter < 5 Jahren oder aber eine Person Erwachsene: 1 x 600 mg p. o. für 4 Tage
mit relevanter Immundefizienz befindet Da bei Schwangeren die Gabe von Rifampicin kontraindiziert ist,
▶▶ für ungeimpfte in Gemeinschaftseinrichtungen exponierte kommt hier zur Prophylaxe ggf. Ceftriaxon in Frage (1 x 250 mg
Kinder < 5 Jahre i. m.).
▶▶ für alle Kinder unabhängig von Impfstatus und Alter sowie
Falls eine Prophylaxe indiziert ist, sollte sie zum frühest-
für BetreuerInnen derselben Gruppe einer Gemeinschafts- möglichen Zeitpunkt, spätestens 7 Tage nach Beginn der
einrichtung für Kleinkinder, wenn dort innerhalb von etwa Erkrankung des Indexfalls, begonnen werden.
2 Monaten ≥ 2 Fälle aufgetreten sind und in der
Zusätzlich zur Chemoprophylaxe sollten ungeimpfte oder
Einrichtung nicht oder nicht ausreichend geimpfte Kinder
unvollständig geimpfte Kinder < 5 Jahren gegen Hib
betreut werden
nachgeimpft werden.

Hepatitis A Kontakt zu Hepatitis-A-Kranken (vor allem in Gemeinschafts- Postexpositionelle Impfung mit monovalentem HAV-Impf-
(HA) einrichtungen). stoff innerhalb von 14 Tagen nach Exposition:
Nach einer Exposition von Personen, für die eine Hepatitis A
eine besonders große Gefahr darstellt (z. B. chronisch HBV-
oder HCV-Infizierte), sollte simultan mit der 1. Impfung ein
Immunglobulin-Präparat gegeben werden. (s. a. RKI-Ratgeber
„Hepatitis A“, www.rki.de/ratgeber > Hepatitis A)

Hepatitis B Verletzungen mit möglicherweise HBV-haltigen Gegenstän- s. postexpositionelle Hepatitis-B-Immunprophylaxe (Abb. 1,


(HB) den (z. B. Nadelstich) oder Blutkontakt mit Schleimhaut oder S. 43)
nichtintakter Haut.

Neugeborene HBsAg-positiver Mütter oder von Müttern s. Anmerkungen zu einzelnen Impfungen (Kapitel 3.2, S. 14)
mit unbekanntem HBsAg-Status (unabhängig vom Geburts-
gewicht).

Masern Personen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder Impfung mit einem MMR(V)*-Impfstoff möglichst innerhalb
mit nur einer Impfung in der Kindheit nach Kontakt zu von 3 Tagen nach Exposition; zur Anzahl der Impfstoffdosen
Masernkranken: und den Zeitpunkten der Verabreichung sind folgende alters-
spezifischen Hinweise zu beachten.
▶▶ im Alter von 6 – 8 Monaten: ausnahmsweise nach ▶▶ Impfung; die 2. und 3. Impfstoffdosis soll im Alter von
individueller Risiko-Nutzen-Abwägung (Off-label-use) 11 und 15  Monaten gegeben werden.
▶▶ im Alter von 9 – 10 Monaten ▶▶ 1. Impfung; die 2. Impfung soll zu Beginn des zweiten
Lebensjahres erfolgen.
▶▶ im Alter von 11 Monaten – 17 Jahren ▶▶ Ungeimpfte bzw. Personen mit unklarem Impfstatus erhal-
ten eine zweimalige Impfung im Abstand > 4 Wochen;
bisher einmal Geimpfte erhalten eine Impfung.
▶▶ im Alter von ≥ 18 Jahren, nach 1970 Geborene. ▶▶ Ungeimpfte bzw. Personen mit unklarem Impfstatus oder
mit nur einer Impfung in der Kindheit erhalten eine
einmalige Impfung.
* MMR(V) = MMR-Impfung mit oder ohne Ko-Administration von VZV-Impfung.

Ungeschützte Personen mit hohem Komplikationsrisiko Postexpositionelle Gabe von Standardimmunglobulinen


bei kontraindizierter aktiver Impfung nach Kontakt zu (Off-label-use) so schnell wie möglich, möglichst innerhalb
Masernkranken: von 6 Tagen nach Exposition: 1 x 400 mg/kg Körpergewicht
▶▶ Säuglinge im Alter von < 6 Monaten intravenös.
▶▶ Empfängliche Schwangere
Bei 6 – 8 Monate alten Säuglingen kann nach individueller
▶▶ Immundefiziente
Risiko-Nutzen-Abwägung statt der 1. Impfstoffdosis eine
passive Immunisierung mit Immunglobulinen erwogen
werden, z. B. wenn der Kontakt länger als 3 Tage her ist.
Nach Immunglobulingabe ist die MMR-Impfung für
8 Monate nicht sicher wirksam. Dies sollte bei der Indika­
tionsstellung berücksichtigt werden (s. a. Epid Bull 2/2017).
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 41

(Fortsetzung Tabelle 6)

Prophylaxe Indikation Anmerkungen


gegen (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Meningo- Für Personen mit engem Kontakt zu einer Person, die an Chemoprophylaxe
kokken einer invasiven Meningokokken-Infektion (alle Serogruppen) Rifampicin:
erkrankt ist, wird eine Chemoprophylaxe empfohlen. Neugeborene: 2 x 5 mg/kg Körpergewicht p. o. für 2 Tage
Hierzu zählen: Säuglinge, Kinder und Jugendliche bis 60 kg:
▶▶ alle Haushaltskontakte der PatientInnen 2 x 10 mg/kg Körpergewicht (max. ED 600 mg) p. o. für 2 Tage
▶▶ Personen mit Kontakt zu oropharyngealen Sekreten einer Jugendliche und Erwachsene ab 60 kg:
erkrankten Person 2 x 600 mg p. o. für 2 Tage
▶▶ Kontaktpersonen in Kindereinrichtungen mit Kindern Eradikationsrate: 72 – 90 %
< 6 Jahre (bei guter Gruppentrennung nur bzgl. der oder
betroffenen Gruppe)
▶▶ Personen mit engen Kontakten in Gemeinschaftseinrich- Ciprofloxacin:
tungen mit haushaltsähnlichem Charakter (Internate, ≥ 18 Jahren: 1 x 500 mg p. o.
Wohnheime sowie Kasernen) Eradikationsrate: 90 – 95 %

Die Chemoprophylaxe ist indiziert, falls enge Kontakte mit ggf. Ceftriaxon:
dem Indexfall in den letzten 7 Tagen vor dessen Erkrankungs- von 2 – 11 Jahren (< 50 kg): 1 x 125 mg i. m.
beginn stattgefunden haben. Sie sollte möglichst bald nach ≥ 12 Jahren (≥ 50 kg): 1 x 250 mg i. m.
der Diagnosestellung beim Indexfall erfolgen, ist aber bis zu Eradikationsrate: 97 %
10 Tage nach letzter Exposition sinnvoll. ggf. Azithromycin:
Eine postexpositionelle Impfung wird zusätzlich zur ≥18 Jahren (vor allem für exponierte Schwangere):
Chemoprophylaxe ungeimpften Haushaltskontakten oder 1 x 500 mg p. o.
engen Kontakten mit haushaltsähnlichem Charakter Eradikationsrate: 93 %
empfohlen, wenn die Infektion des Indexfalls durch die Da bei Schwangeren die Gabe von Rifampicin und
Serogruppen A, C, W, Y oder B verursacht wurde. Die Gyrasehemmern kontraindiziert ist, kommt bei ihnen zur
Impfung sollte sobald wie möglich nach Serogruppenbestim- Prophylaxe ggf. Ceftriaxon (1 x 250 mg i. m. oder i.v.) sowie
mung des Erregers beim Indexfall durchgeführt werden. Azithromycin (einmalig 500 mg p. o.) in Frage.
Ein Indexfall mit einer invasiven Meningokokken-Infektion
sollte nach Abschluss der Therapie ebenfalls Rifampicin
erhalten, sofern er nicht intravenös mit einem Cephalosporin
der 3. Generation behandelt wurde.
Postexpositionelle Impfung:
▶▶ Bei Serogruppe C:
Impfung mit einem Konjugat-Impfstoff ab dem Alter
≥ 2 Monaten nach den Angaben in den Fachinformationen
(s. S. 21)
▶▶ Bei Serogruppe A, W oder Y:
Impfung mit Meningokokken-ACWY-Konjugat-Impfstoff,
sofern für Altersgruppe zugelassen (s. S. 21)
▶▶ Bei Serogruppe B:
Impfung mit einem Meningokokken-B-Impfstoff nach den
Angaben der Fachinformation, sofern für Altersgruppe zu-
gelassen (s. S. 20 f.)
(s. a. Neuerungen Epid Bull 33/2010 und Epid Bull 31/2012).

Mumps ▶▶ Ungeimpfte bzw. in der Kindheit nur einmal geimpfte Einmalige Impfung mit MMR-Impfstoff (möglichst innerhalb
Personen oder Personen mit unklarem Impfstatus mit von 3 Tagen nach Exposition).
Kontakt zu Mumpskranken
Pertussis ▶▶ Ungeimpfte Personen mit engen Kontakten zu einer er- Chemoprophylaxe mit einem Makrolid empfohlen
krankten Person in Familie, Wohngemeinschaft oder einer (s. a. RKI-Ratgeber „Pertussis“ unter www.rki.de/ratgeber >
Gemeinschaftseinrichtung Pertussis).
▶▶ Geimpfte Personen mit engen Kontakten zu einer erkrank-
ten Person, wenn sich in ihrer Umgebung gefährdete
Personen (wie z. B. ungeimpfte oder nicht vollständig
geimpfte Säuglinge, Kinder mit kardialen oder pulmonalen
Grundleiden oder Schwangere im letzten Trimenon)
befinden
Polio­myelitis Alle Kontaktpersonen von Poliomyelitis-Erkrankten unab- Postexpositionelle Impfung mit IPV ohne Zeitverzug.
hängig von ihrem Impfstatus. Sofortige umfassende Ermittlung und Festlegung von
Maßnahmen durch die Gesundheitsbehörde.
Ein Sekundärfall ist Anlass für Riegelungsimpfungen. Riegelungsimpfung mit IPV und Festlegung weiterer Maßnah-
men durch Anordnung der Gesundheitsbehörden.
Tetanus s. Tabelle 7, S. 42

Tollwut s. Tabelle 8, S. 44

Varizellen 1. Bei ungeimpften Personen mit negativer Varizellen- Postexpositionelle Impfung innerhalb von 5 Tagen nach
Anamnese und Kontakt zu Risikopersonen Exposition* * oder innerhalb von 3 Tagen nach Beginn des
Exanthems beim Indexfall. Unabhängig davon sollte der
Kontakt zu Risikopersonen (wie z. B. die unter 2. Genannten)
unbedingt vermieden werden.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 42

(Fortsetzung Tabelle 6)

Prophylaxe Indikation Anmerkungen


gegen (Packungsbeilage/Fachinformation beachten)
Varizellen 2. Personen mit erhöhtem Risiko für Varizellen- Postexpositionelle Gabe von Varizella-zoster-Immunglobulin
(Fortsetzung) Komplikationen, dazu zählen: (VZIG) sobald wie möglich und nicht später als 96 h nach
▶▶ ungeimpfte Schwangere ohne Varizellen-Anamnese Exposition.* * VZIG kann den Ausbruch einer Erkrankung ver-
▶▶ immundefiziente Personen mit unsicherer oder fehlender hindern oder deutlich abschwächen.
Varizellen-Immunität Für Dosierung und Applikation von VZIG sind die Angaben in
▶▶ Neugeborene, deren Mütter 5 Tage vor bis 2 Tage nach der den Fachinformationen zu beachten!
Entbindung an Varizellen erkrankten
▶▶ Frühgeborene ab der 28. Schwangerschaftswoche, deren Die postexpositionelle Gabe von VZIG kann ggf. in
Mütter keine Immunität aufweisen, nach Exposition in der Verbindung mit antiviraler Chemoprophylaxe erfolgen.
Neonatalperiode
▶▶ Frühgeborene, die vor der 28. Schwangerschaftswoche
geboren wurden, nach Exposition in der Neonatalperiode,
unabhängig vom Immunitätsstatus der Mutter
** Exposition heißt, Kontakt mit infektöser Person: ≥ 1 Stunde in einem Raum, face-to-face-Kontakt, Haushaltskontakt.

prophylaxe empfehlen, sofern das gehäufte Auftre- Für die Impfungen können die zugelassenen Impf-
ten oder der Ausbruch durch einen impfpräventab- stoffe eingesetzt werden, die vor der verursachen-
len Stamm hervorgerufen wurde. Begründet ist die den Serogruppe schützen (s. S. 20 f. Anmerkungen   

Impfprophylaxe dadurch, dass die Möglichkeit des zu Meningokokken).


Auftretens weiterer Erkrankungen bis zu einigen
Monaten nach Beginn der ersten Erkrankungen Bei jedem Verdacht auf eine Meningokokken­-
besteht. Meningitis sollte deshalb umgehend Material zur
Erregerisolierung an ein geeignetes Labor gesendet
Einbeziehen kann man bei einem Ausbruch in Ana- werden. Das Gesundheitsamt sollte auf die mög-
logie zur Antibiotikaprophylaxe die engen Kontakt- lichst schnelle Übersendung der isolierten Menin-
personen in den Haushalten der Erkrankten und de- gokokken an das NRZ dringen, um deren Feintypi-
ren Intimpartner sowie die engen Kontaktpersonen sierung zu gewährleisten und bei einer Häufung
in Kindereinrichtungen, Schulklassen, Spielgrup- eine Impfprävention empfehlen zu können.
pen und in Gemeinschaftseinrichtungen mit haus-
haltsähnlichem Charakter. 5.3 Postexpositionelle Hepatitis-B­
Immunprophylaxe
Bei regional gehäuftem Auftreten ist die Entschei- Im Fall einer Exposition gegenüber dem Hepatitis B-­
dung der zuständigen Gesundheitsbehörden in Ab- Virus (HBV) ist eine schnelle Prophylaxe erforderlich.
wägung der epidemiologischen und zeitlichen Zu- Die nachfolgenden Hinweise sind für die arbeitsmedizi-
sammenhänge der Erkrankungen, ihrer Altersver- nische Anwendung formuliert und können analog auf
teilung, des Grades der öffentlichen Besorgnis und andere Bereiche übertragen werden.
der Machbarkeit der Maßnahmen zu treffen.

Tabelle 7 | Hepatitis-B-Immunprophylaxe nach Exposition in Abhängigkeit vom aktuellen Anti-HBs-Wert


(Fließschema Abb. 1, S. 43 und Text beachten!)

Erforderlich ist die Gabe von


Aktueller Anti-HBs-Wert
HB-Impfstoff HB-Immunglobulin
≥ 100 IE/l Nein Nein
10 – 99 IE/l Ja Nein
und Anti-HBs war ≥ 100 IE/l zu einem Ja Nein
< 10 IE/l oder nicht innerhalb von früheren Zeitpunkt
48 Stunden zu bestimmen und Anti-HBs war nie ≥ 100 IE/l oder Ja Ja
unbekannt
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 43

Ein Infektionsrisiko besteht bei Stich- und Schnitt- 3. Der HBsAg-Status des Indexfalls ist unbekannt:
verletzungen (insbesondere mit Hohlnadeln) und Hier sollte umgehend (innerhalb von 48  h)
bei Blutkontakt mit Schleimhaut oder nicht intakter HBsAg beim Indexfall bestimmt werden. In
­
Haut. Jedes Ereignis dieser Art (z. B. im Gesund- ­Abhängigkeit vom Testergebnis sollte wie unter 1.
heitsdienst beim Umgang mit infizierten PatientIn- bzw. 2. beschrieben vorgegangen werden. Ist eine
nen, nachfolgend als Indexfall bezeichnet) sollte Testung nicht innerhalb von 48 h oder gar nicht
durch die Beschäftigten (nachfolgend als Exponierte möglich (z. B. Stich erfolgte durch Kanüle im
bezeichnet) als Arbeitsunfall gemeldet werden. Der Müllsack), wird der Indexfall grundsätzlich als
HBsAg-Status des Indexfalls und der Hepatitis-B- HBsAg-positiv eingestuft, d. h. weiteres Vorgehen
Impfstatus der Exponierten sollten ermittelt werden. abhängig vom Impfstatus der Exponierten (s. u.).

Die weiteren Maßnahmen hängen vom HBsAg-­ Das nachfolgend beschriebene Vorgehen ist zusätz-
Status des Indexfalls ab: lich in Form eines Fließschemas (s. Abb. 1 unten auf
1. Der Indexfall ist HBsAg-negativ: Weitere Maß- dieser Seite) dargestellt.
nahmen bzgl. Hepatitis B erübrigen sich.* Sind
Exponierte ungeimpft oder unvollständig geimpft, Für vollständig geimpfte Exponierte gilt:
sollte die Grundimmunisierung begonnen bzw. Vorgehen in Abhängigkeit vom letzten Anti-HBs-
komplettiert werden. Wert:
2. Der Indexfall ist HBsAg-positiv: Das weitere
* Sehr selten können auch HBsAg-negative Personen infektiös sein.
Vorgehen ist abhängig vom Impfstatus der
­ Aus Kosteneffektivitätsgründen scheint eine routinemäßige Testung
Exponierten und ist weiter unten erläutert. aller Indexfälle auf HBV-DNA nicht praktikabel.

Abbildung 1 | Vorgehen zur postexpositionellen Hepatitis-B-Immunprophylaxe (Einzelheiten s. Text)

Ja Nur
Impfstoff
Anti-HBs War
innerhalb der Anti-HBs war < 10 IE/l Anti-HBs
letzten jemals
10 Jahre ≥ 100 IE/l?
gemessen Nein Impfstoff
und
Immunglobulin
Vollständig
geimpft

Anti-HBs vor
Anti-HBs war ≥ 100 IE/l
> 10 Jahren
oder nie
gemessen Keine
Aktuelles Anti-HBs ≥ 100 IE/l Maßnahmen

Anti-HBs war 10 – 99 IE/l

Anti-HBs-
Bestimmung Aktuelles Anti-HBs 10 – 99 IE/l
innerhalb
Unvollständig von 48 h Nur
geimpft#  Impfstoff
Ja

Aktuelles War
Anti-HBs < 10 IE/l Anti-HBs
Ungeimpft #  jemals
oder Bestimmung ≥ 100 IE/l?
oder „Non- innerhalb von 48 h Nein
Responder“ nicht möglich Impfstoff
(dauerhaft und
Anti-HBs Immunglobulin
negativ bzw.
< 10 IE/l)

#  Bei unvollständig geimpften oder ungeimpften Personen sollte die Grundimmunisierung komplettiert werden.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 44

▶▶ Anti-HBs wurde innerhalb der letzten 10 Jahre Für unvollständig geimpfte Exponierte gilt:
­gemessen: ▶▶ Sofortige Bestimmung des aktuellen Anti­ -HBs-
• Anti-HBs war ≥ 100 IE/l: keine Maßnahmen Wertes. Das weitere Vorgehen ist vom Testergeb-
• Anti-HBs war 10 –  99 IE/l: Sofortige Bestim- nis abhängig (s. Tab. 7, S. 42).
mung des aktuellen Anti-HBs-Wertes, das wei- ▶▶ Durchführung der fehlenden Impfungen (gege-

tere Vorgehen ist vom Testergebnis abhängig benenfalls kann ein verkürztes Impfschema ange-
(s. Tab. 7, S. 42). wandt werden, s. Fachinformation).
• Anti-HBs war < 10 IE/l: Blutentnahme (Be-

stimmung von: HBsAg, Anti-HBc, Anti-HBs), Für ungeimpfte Exponierte und bekannte „Non-­
danach sofort simultane Gabe von HB-Impf- Responder“ (d. h. dauerhaft Anti-HBs < 10 IE/l) gilt:
stoff und HB-Immunglobulin, ohne das Test­ ▶▶ Blutentnahme (Bestimmung von: HBsAg, Anti-­

ergebnis abzuwarten.* * Ausnahme: Wenn zu HBc, Anti-HBs), danach sofort simultane Gabe
einem früheren, d. h. mehr als 10  Jahre zu- von HB-Impfstoff und HB-Immunglobulin, ohne
rückliegenden Zeitpunkt schon einmal ein An- das Testergebnis abzuwarten.* *
ti-HBs ≥ 100 IE/l gemessen wurde, sollte nur ▶▶ Bei ungeimpften Personen sollten 2 weitere Impf-

HB-Impfstoff (kein HB-Immun­globulin) gege- stoffdosen (im Anschluss an die Erstimpfung)


ben werden (s. a. Fließschema Abb. 1, S. 43). nach dem konventionellen Impfschema gegeben
▶▶ Anti-HBs wurde zuletzt vor mehr als 10 Jahren oder werden, um eine vollständige Grund­immuni­sie-
noch nie gemessen (oder Ergebnis ist ­unbekannt): So- rung zu erreichen. Die Antikörperantwort auf die
fortige Bestimmung des aktuellen Anti-­ HBs- HB-Impfung wird durch eine ggf. erfolgte s­ imul-
Wertes. Das weitere Vorgehen ist vom Testergeb- tane Immung­lobulingabe nicht ­beeinträchtigt.
nis abhängig (s. Tab. 7, S. 42).

** Ein isoliert positives Ergebnis des Anti-HBc-Tests erfordert u. U.


weitere diagnostische Abklärung. Eine erforderliche Impfung darf
dadurch nicht verzögert werden.

Tabelle 8 | Tetanus-Immunprophylaxe im Verletzungsfall

Dokumentierter Tetanus-­ Zeit seit letzter TDaP/ Tetanusimmun-


Impfstatus Impfung Tdap2,5 globulin (TIG)3
Saubere gering- Ungeimpft oder unbekannt Ja Ja
fügige Wunden < 3 Impfstoffdosen Ja4 Nein
≥ 10 Jahre Ja Nein
≥ 3 Impfstoffdosen
< 10 Jahre Nein Nein
Alle anderen < 3 Impfstoffdosen oder unbekannt Ja4 Ja
Wunden1 ≥ 5 Jahre Ja Nein
≥ 3 Impfstoffdosen
< 5 Jahre Nein Nein

1 Tiefe und/oder verschmutzte (mit Staub, Erde, Speichel, Stuhl kontaminierte) Wunden, Verletzungen mit Gewebszertrümmerung und reduzierter
Sauerstoffversorgung oder Eindringen von Fremdkörpern (z. B. Quetsch-, Riss-, Biss-, Stich-, Schusswunden), schwere Verbrennungen und
Erfrierungen, Gewebsnekrosen, septische Aborte.
2 Kinder unter < 6 Jahre erhalten einen Kombinationsimpfstoff mit TDaP, ältere Kinder und Jugendliche Tdap. Erwachsene erhalten ebenfalls Tdap,
wenn sie noch keine Pertussis-Impfung im Erwachsenenalter (≥ 18 Jahre) erhalten haben oder sofern eine aktuelle Indikation für eine Pertussis-
Impfung besteht (s. Tab. 2, S. 12 ).
3 TIG = Tetanus-Immunglobulin. TIG (im Allgemeinen 250 IE) wird simultan mit einer TDaP- bzw. Tdap-Impfstoffdosis aber kontralateral appliziert.
Die TIG-Dosis kann auf 500 IE erhöht werden bei:
(a) infizierten Wunden, bei denen eine angemessene chirurgische Behandlung nicht innerhalb von 24 h gewährleistet ist; (b) tiefen oder kontami-
nierten Wunden mit Gewebszertrümmerung und reduzierter Sauerstoffversorgung; (c) Eindringen von Fremdkörpern (z. B. Biss-,
Stich- oder Schusswunden); (d) schweren Verbrennungen und Erfrierungen, Gewebsnekrosen und septischen Aborten.
4 Für PatientInnen, bei denen die Grundimmunisierung begonnen, aber noch nicht abgeschlossen ist (z. B. Säuglinge), muss der Abstand zur letzten
Impfstoffdosis berücksichtigt werden. Eine postexpositionelle Impfung am Tag der Wundversorgung ist nur sinnvoll, wenn der Abstand zu der
vorhergehenden Impfstoffdosis mindestens 28 Tage beträgt. Bezüglich des Abschlusses einer Grundimmunisierung gelten die Nachholimpf­
empfehlungen der STIKO.
5 Nach Mitteilungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) von April 2018 werden die Kosten für Tetanus-Kombinationsimpfungen
generell übernommen, soweit nach Empfehlungen der STIKO nach einem Arbeitsunfall eine Tetanus-Prophylaxe erforderlich ist.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 45

5.4 Postexpositionelle Tetanus- sätzlich zur Immunisierung humane Tollwut-


Immunprophylaxe Immunglobuline verabreicht mit 20 IE/kg Körper-
Auch Bagatellverletzungen können Eintrittspforten gewicht. Dazu wird vom Tollwut-Immun­globulin
für Clostridium tetani und dessen Sporen sein und so viel wie möglich intramuskulär in und um die
sollten immer Anlass für behandelnde ÄrztInnen Wunde instilliert und die verbleibende Menge in
sein, den Tetanus-Impfstatus zu überprüfen (s. den M. vastus lateralis verabreicht.
Tab.  8, S. 44). Falls erforderlich, sind postexpositio- ▶▶ Falls eine indizierte Tollwut-Immunglobulin-­

nelle Tetanus-Impfungen unverzüglich durchzu- Gabe beim ersten Impftermin versäumt wurde,
führen. Fehlende Impfungen der Grundimmunisie- kann diese bis zu 7 Tage nach der ersten Tollwut-­
rung sind unbedingt nachzuholen (s. Kapitel 6.10 Impfstoffdosis nachgeholt werden.
„Altersabhängige Empfehlungen zur Durchfüh- ▶▶ Bei erneuter Exposition einer Person, die bereits

rung von Nachhol­impfungen“). vorher mit Tollwut-Zellkulturimpfstoffen geimpft


wurde, sind die Angaben des Herstellers zu be-
5.5 Postexpositionelle Tollwut- achten.
Immunprophylaxe ▶▶ Bei unvollständiger Impfanamnese wird e ­nt-
Ausführliche Informationen zur Tollwut-Epidemio- sprechend Tabelle  9 (unten auf dieser Seite) eine
logie in Deutschland finden sich im Epid Bull 8/2011. vollständige Immunprophylaxe durchgeführt.
▶▶ Bei gegebener Indikation ist die Immunprophy­

Anmerkungen zur postexpositionellen Tollwut- laxe unverzüglich durchzuführen; kein ­Abwarten


Immunprophylaxe bis zur Klärung des Infektionsverdachts beim
▶▶ Möglicherweise kontaminierte Körperstellen und Tier. Wird der Tollwutverdacht b ­ eim Tier durch
alle Wunden sind unverzüglich und groß­zügig tierärztliche Untersuchung entkräftet, kann die
über mindestens 15 Minuten mit Seife oder Deter- Impfserie abgebrochen oder als präexpositionelle
genzien zu reinigen, mit Wasser gründlich zu Impfung weitergeführt ­werden.
spülen und mit 70 %igem Alkohol oder e­ inem ▶▶ Aufgrund der großen Variabilität der Inkuba­

­Jodpräparat zu behandeln. Wunden sollten mög- tionszeit, die zwischen < 10 Tagen und > 1 Jahr
lichst nicht primär genäht werden. ­betragen kann, ist bei begründetem Verdacht eine
▶▶ Ab Expositionsgrad II erfolgt die Immunisierung Postexpositionsprophylaxe auch Wochen ­bis Mo-
mit einem Tollwut-Impfstoff nach ­einem für die nate nach Exposition noch sinnvoll.
Postexpositionsprophylaxe indizierten Schema ▶▶ Zu beachten ist die Überprüfung der Tetanus­

entsprechend den Fachinformationen. Impfdokumentation und ggf. die gleichzeitige


▶▶ Bei Expositionsgrad III werden bei Personen, Tetanus-Immunprophylaxe (s. Tab.  8, S. 44).
die keinen aktuellen Tollwutimpfschutz haben, zu-

Tabelle 9 | Postexpositionelle Tollwut-Immunprophylaxe

Art der Exposition gegenüber Immunprophylaxe*


Grad der einem tollwutverdächtigen oder (Fachinformation beachten)
Exposition tollwütigen Wild- oder Haustier Nicht oder nur unvollständig Vollständig grundimmuni­sierte
oder einer Fledermaus vorgeimpfte Personen Personen
I Berühren/Füttern von Tieren, Belecken Keine Impfung. Keine Impfung.
der intakten Haut.
II Nicht blutende, oberflächliche Kratzer Vollständige aktive Grundimmunisierung Immunisierung mit zwei Impfstoff­
oder Hautabschürfungen, Lecken oder bzw. Vervollständigung begonnener dosen im Abstand von 3 Tagen.
Knabbern an der nicht intakten Haut. Impfserie.
III Bissverletzungen oder Kratz​wunden, Verabreichung von Tollwut-Immun­globulin Immunisierung mit zwei Impfstoff­
Kontakt von Schleim​häuten oder (20 IE/kg Körpergewicht), simultan dazu dosen im Abstand von 3 Tagen.
Wunden mit Speichel (z. B. durch aktive Immunisierung (vollständige
Lecken), Verdacht auf Biss oder Kratzer Tollwut-Impfserie bzw. Vervollständigung
durch eine Fledermaus oder Kontakt der begonnener Impfserie).
Schleimhäute mit einer Fledermaus.

* Die einzelnen Impfungen und die Gabe von Tollwut-Immunglobulin sind sorgfältig zu dokumentieren.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 46

6. Empfehlungen zu Nachholimpfungen zelnen Impfstoffdosen nicht unterschritten wurde.


bei Kindern, Jugendlichen und Für einen lang dauernden Impfschutz ist es von be-
Erwachsenen mit unvollständigem oder sonderer Bedeutung, dass bei der Erst- bzw. Grund­
unbekanntem Impfstatus immunisierung (G) der empfohlene Mindestab-
stand zwischen vorletzter und letzter Impfung
6.1 Vorbemerkung (meist 6 Monate) nicht unterschritten wird. Unter
Die vorliegenden Hinweise basieren auf den Emp- dieser Voraussetzung gilt:
fehlungen zu Standardimpfungen für Säuglinge,
Kinder, Jugendliche und Erwachsene (s. Impfkalen- Jede Impfung zählt!
der, S. 6).
Dies bedeutet, dass es grundsätzlich keine unzuläs-
Die Hinweise sollen ÄrztInnen im Praxisalltag eine sig großen Abstände zwischen den Impfungen gibt.
Hilfestellung geben, welche Impfungen bei un- In der Regel muss auch bei einer für viele Jahre
geimpften bzw. verspätet oder unvollständig geimpf- ­unterbrochenen Grundimmunisierung – z. B. ge-
ten Personen erforderlich sind, um den altersentspre- gen Diphtherie, FSME, Tetanus, Poliomyelitis,
chend empfohlenen Impfschutz zu erreichen. Evi- Hepatitis  B – die Impfserie nicht neu begonnen
denzbasierte Empfehlungen können bei diesen Frage- werden. Auch eine nicht rechtzeitig gegebene Auf-
­­stellungen häufig nicht gegeben werden, da es oft kei- frischimpfung kann zu einem späteren Zeitpunkt
ne methodologisch hochwertigen Studien zur Impf­ nachgeholt werden.
effektivität bei irregulären Impfschemata gibt. Die
hier aufgeführten Empfehlungen beruhen daher Unter Berücksichtigung des aktuellen Alters, der
überwiegend auf langjähriger Erfahrung und Exper- Anzahl und der Zeitpunkte früher durchgeführter
tise der Mitglieder der STIKO. Impfungen sollte ein individueller Impfplan erstellt
Weitere Expertenmeinungen sowie Empfeh- werden.
lungen ausländischer Impf kommissionen I,J,N–R
wurden berücksichtigt. Die Literatur ist am Ende Bei Impfungen, die nur bis zu einem bestimmten
des Kapitels „Empfehlungen zu Nachholimpfun­ Alter empfohlen werden (Pneumokokken für Säug-
gen“ referenziert. linge/Kinder, Hib, Rotavirus), wird eine unvollständi-
Jeder Arztbesuch von Kindern, Jugendlichen und ge Grundimmunisierung dann nicht fortgesetzt,
Erwachsenen sollte dazu genutzt werden, den Impf- wenn die zu impfende Person dieses Alter inzwi-
status zu überprüfen und fehlende Impfungen schen überschritten hat. Eine unvollständige HPV-
möglichst umgehend nachzuholen. Impfserie soll hingegen auch nach dem 18. Geburts-
tag komplettiert werden (Kostenübernahme klären).
6.2 Ungeimpfte und Personen
mit unklarem Impfstatus 6.4 Vorgehen bei fehlender Impf­
Die Tabellen  10 A – E (s. S. 49 ff.) geben einen Über- dokumentation
blick über die empfohlenen Impfungen und das ent- Ist der Impfausweis nicht auffindbar, sollte versucht
sprechende Impfschema in verschiedenen Alters- werden, die Informationen zu früher durchgeführ-
gruppen. In den angegebenen Altersgruppen sind ten Impfungen aus ärztlichen Unterlagen zu ermit-
altersabhängige Besonderheiten der Impfempfeh- teln. Gegebenenfalls kann auf Basis der dokumen-
lungen sowie Anwendungshinweise aus den Fachin- tierten Impfanamnese ein neuer Impfausweis aus-
formationen der zugelassenen Impfstoffe berück- gestellt werden.
sichtigt. Maßgeblich für die erforderlichen Impfun-
gen ist das A
­ lter zu Beginn der Nachholimpfserie. Dem Problem fehlender Impfdokumente begegnet
man in der Praxis auch häufig bei kürzlich zuge-
6.3 Teilgeimpfte Personen wanderten Kindern, Jugendlichen oder Erwachse-
Bei teilimmunisierten Kindern, Jugendlichen und nen. Einen Überblick über die aktuellen Impfemp-
Erwachsenen zählen bisher dokumentierte Impfun- fehlungen im Herkunftsland bietet die WHO-Inter-
gen, sofern der Mindestabstand zwischen den ein- netseite unter: https://apps.who.int/immunization_
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 47

monitoring/globalsummary/schedules und auf der wäre. Ferner lässt die Antikörperkon­zentration kei-
ECDC-Internetseite https://vaccine-schedule.ecdc. nen Rückschluss auf eine möglicherweise bestehen-
europa.eu/Pages/Scheduler.aspx, wo die nationalen de zelluläre Immunität zu. Grundsätzlich gilt, dass
Impfpläne aller Länder aufgelistet sind. Grundsätz- routinemäßige Antikörperbestimmungen vor oder
lich gilt, dass Impfungen, die nicht dokumentiert nach Standardimpfungen nicht angebracht sind.
sind, den S ­TIKO-Empfehlungen entsprechend Ausnahmen bilden die Überprüfung des Impferfol-
nachgeholt werden sollen. ges bei Personen mit Immun­defizienz (s. Grund­
lagenpapier mit Anwendungshinweisen für Imp-
Bei unbekanntem Impfstatus, das heißt bei fehlen- fungen bei PatientInnen mit Immundefizienz
der oder unvollständiger Dokumentation von Imp- (www.rki.de/immundefizienz) sowie zum Nachweis
fungen, ist im Interesse der zu schützenden Person des Schutzes gegen Hepatitis B bei Personen mit ei-
von fehlenden Impfungen auszugehen. Anamnes- ner Impfindikation gemäß Tabelle 2 (s. S. 8). Emp-
tische Angaben zu bisherigen Impfungen oder fohlen werden Antikörperkontrollen außerdem zum
durchgemachten Krankheiten (z.  B. Masern, Nachweis eines Varizellen-Schutzes bei Frauen mit
Mumps, Röteln) sind mit Ausnahme von Varizellen Kinderwunsch und unklarer Varizellen-Anamnese.
(s. u.) oft unzuverlässig und sollten bei der Planung
von Nachholimpfungen nicht berücksichtigt wer- 6.7 Ist „Überimpfen“ gefährlich?
den. In Einzelfällen ist ein hiervon abweichendes Von zusätzlich verabreichten Impfstoffdosen geht
Vorgehen vertretbar. in der Regel kein erhöhtes Risiko aus. Deshalb kön-
nen zur Verringerung der notwendigen Injektionen
6.5 Anamnestische Angaben zu Varizellen Kombinationsimpfstoffe auch dann verwendet wer-
Die anamnestischen Angaben zu Varizellen (Wind- den, wenn nicht alle enthaltenen Antigene/Impf-
pocken) sind meist zuverlässig. Studien belegen, stoffkomponenten erforderlich sind (s. a. Wahl der
dass die Angabe einer früher durchgemachten Vari- Impfstoffe). In Ausnahmefällen kann es nach wie-
zellen-Erkrankung mit typischem klinischem Bild derholter Gabe von Totimpfstoffen zu Nebenwir-
eine hohe Aussagekraft besitzt.K Nach anamnestisch kungen wie einer ausgeprägten lokalen Unverträg-
durchgemachten Windpocken ist die Varizellen-­ lichkeitsreaktion mit schmerzhafter Schwellung
Impfung nicht erforderlich. In Zweifelsfällen sollte und Rötung der betroffenen Extremität (sogenann-
die Varizellen-Impfung jedoch durchgeführt wer- tes Arthus-Phänomen) kommen. Diese selbstlimi-
den, da insbesondere bei Jugendlichen und jungen tierende Reaktion tritt am ehesten bei hohen vorbe-
Erwachsenen Komplikationen der Varizellen (z. B. stehenden Serum-Antikörperkonzentrationen nach
Pneumonie, Enzephalitis, Risiko der Fetopathie bei sehr häufigen Impfungen mit Tetanus- und/oder
Erkrankungen in der Schwangerschaft) zunehmen.L Diphtherietoxoid auf. Nach dem Auftreten eines
Bei Personen, die aus tropischen Ländern, insbe- Arthus-Phänomens sollte vor weiteren Impfungen
sondere Südostasien einreisen, ist zu beachten, dass mit Td eine Antikörperbestimmung erfolgen. Für
eine Immunität gegenüber Varizellen bei Jugend­ Pertussis-Antigene besteht z. B. dieses Risiko nicht.M
lichen und jungen Erwachsenen dort deutlich selte-
ner besteht als in Europa. 6.8 Wahl der Impfstoffe
Kombinationsimpfstoffe sind den monovalenten
6.6 Indikation für serologische Impfstoffen vorzuziehen, weil dadurch die Anzahl
Antikörperbestimmungen der Injektionen reduziert, das Impfziel früher er-
Serologische Kontrollen zur Klärung der Notwen- reicht und die Akzeptanz von Impfungen gesteigert
digkeit von Nachholimpfungen sind nur in Ausnah- werden kann. Gegen bestimmte Krankheiten
mefällen sinnvoll, da die in klinischen Laboratorien (Diphtherie im Kindesalter, Masern, Mumps,
verwendeten Testmethoden häufig keine ausrei- Röteln, Pertussis) sind in Deutschland aktuell keine
chende Sensitivität und Spezifität aufweisen. Für monovalenten Impfstoffe verfügbar, sodass hier
manche impfpräventablen Krankheiten (z. B. Per- zwangsläufig Kombinationsimpfstoffe gegeben
tussis) existiert kein sicheres serologisches Korrelat, werden müssen (z. B. zum Nachholen einer fehlen-
das als Surrogatmarker für Immunität geeignet den Mumps- oder Röteln-Impfung mit MMR-Impf-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 48

stoff). Aufgrund der altersabhängigen Änderungen Komponente erreicht werden, weil bei der derzeiti-
von Impfindikationen (z. B. Haemophilus influenzae gen Durchseuchung mit Bordetella pertussis die zu
Typ b bis zum Alter < 5 Jahre, Pneumokokken bis impfende Person im Allgemeinen nicht mehr im-
zum Alter < 2 Jahre und der Einschränkung der An- munologisch naiv gegen Pertussis ist. In einer
wendung von zugelassenen Impfstoffen auf be- Studie wurde bei über 90 % der Geimpften ab dem
stimmte Altersgruppen sind für Nachholimpfungen Alter von 11 Jahren bereits durch eine Impfstoffdosis
meist individuelle Impfpläne notwendig. eine Immunantwort induziert. J Entsprechende
Hinweise finden sich auch in den Fachinforma­
Die 6-fach-Impfstoffe (DTaP-IPV-Hib-HepB) tionen der betreffenden Impfstoffe.
­Infanrix hexa, Hexyon und Vaxelis können entspre- Ab ≥ 5  Jahren sollen für Impfungen gegen Diph­
chend den aktuellen Fachinformationen für die therie und Pertussis Impfstoffe mit reduzierter An-
Grundimmunisierung und Auffrischimpfung von tigenmenge (d statt D und ap statt aP) verwendet
Säuglingen und Kleinkindern verwendet werden; werden. Während die Td-Impfstoffe (Td-Impfstoff
ein konkretes Höchstalter ist nicht aufgeführt. Nach Mérieux, Td-pur) und der monovalente IPV-Impf-
Aussage des PEI in seiner Funktion als nationale stoff (IPV-Mérieux) nach den Fachinformationen
Zulassungsbehörde existiert in diesem Zusammen- zur Grundimmunisierung zugelassen sind, sind die
hang keine verbindliche Definition des Begriffs entsprechenden Kombinationsimpfstoffe mit Per-
„Kleinkind“. Die 5-fach-Impfstoffe (DTaP-IPV-Hib) tussis-Komponente (Tdap: Boostrix, Covaxis, Tdap-
Infanrix-­IPV+Hib und Pentavac sind laut Fach­ IPV: Boostrix-Polio, Repevax) primär zur Auf­
informationen ab dem Alter ≥ 2 Monate anwend- frischimpfung vorgesehen.
bar; eine obere Altersgrenze ist nicht genannt  (s. Nach Auffassung des PEI ist mit dem Begriff
Tab. 11, S. 54 f.). Zur Grundimmunisierung gegen „Grundimmunisierung“ nur die Erstimmunisie-
­Haemophilus influenzae Typ b reicht ab dem Alter rung im Säuglings- und frühen Kleinkindalter ge-
≥ 12 Monate eine Impfstoffdosis aus. Trotzdem kön- meint, für die Impfstoffe mit höherem Diphtherie-
nen die üblichen 5-fach- bzw. 6-fach-Impfstoffe und Pertussis-Antigengehalt (groß D bzw. groß P)
DTaP-IPV-Hib(-HepB) weiter verwendet werden, verwendet werden sollen. Das PEI hat – in seiner
wenn dies zur Komplettierung der übrigen Imp- Funktion als Zulassungsbehörde für Impfstoffe –
fungen zweckmäßig ist. Negative Auswirkungen festgestellt, dass die oben genannten ap-haltigen
aufgrund der überzähligen Hib-Impfstoffdosen Impfstoffe zur Erstimmunisierung von älteren Kin-
sind nicht zu befürchten. Alternativ können fehlen- dern, Jugendlichen und Erwachsenen mit unbe-
de Impfungen mit dem 3-fach-Impfstoff Infanrix kannten Impfstatus bzw. ohne bisherige Impfung
(DTaP, zugelassen bis zum Alter < 6. Jahre) und – gegen Tdap-(IPV) verwendet werden können
­simultan oder zeitlich versetzt – mit monovalenten
Impfstoffen gegen Hepatitis B und Poliomyelitis Der Gebrauch von Boostrix (Tdap), Boostrix-Polio
ergänzt werden. Eine mit einem bestimmten Kom- (Tdap-IPV), Covaxis (Tdap) und Repevax (Tdap-IPV)
binationsimpfstoff begonnene Impfserie kann mit ist zur Erstimmunisierung ab dem jugendlichen
Impfstoffen eines anderen Herstellers vervollstän- Alter ≥ 12 Jahre von der Zulassung gedeckt.
digt werden.
Wenn die aufgeführten Impfstoffe außerhalb der
Für die Hepatitis-B-Impfung werden je nach Le- genannten Altersgrenzen verwendet werden, sollte
bensalter unterschiedlich dosierte Impfstoffe ver- über den Off-label-use entsprechend aufgeklärt (Off-
wendet (Fachinformation beachten). label-use s. Kapitel 4.2, S. 27 f.) und dies auch schrift-
lich ­dokumentiert werden.
6.9 Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie,
Poliomyelitis und Pertussis ab dem Alter Für Auffrischimpfungen können alle genannten
von 5 Jahren Impfstoffe für das in der jeweiligen Zulassung ge-
Ein Schutz gegen Pertussis kann bei älteren Kin- nannte Alter ohne Einschränkung verwendet wer-
dern und Erwachsenen bereits durch die einmalige den. Dies schließt die Vervollständigung einer frü-
Gabe eines Kombinationsimpfstoffs mit Pertussis-­ her begonnenen Impfserie ein.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 49

Die STIKO hat Hinweise zur „Anwendung von N nachzuholende Impfstoffdosis


Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoffen für die Erstimmu-
nisierung von Personen“ in einer Stellungnahme A Auffrischimpfung
im Epid Bull 4/2016 veröffentlicht.
G Grundimmunisierung
6.10 Altersabhängige Empfehlungen zur
Durchführung von Nachholimpfungen Hib 
Haemophilus influenzae Typ b
In den Tabellen 10 A – E sind die empfohlenen Nach-
holimpfungen bei Kindern, Jugendlichen und Er- MMR 
Masern, Mumps, Röteln
wachsenen mit fehlender Erst- bzw. Grundimmuni-
sierung aufgeführt. Es ist die jeweilige Tabelle für HPV Humane Papillomviren
das aktuelle Alter zu benutzen.

Tabelle 10A | Kinder im Alter von < 12 Monaten

Mindestabstand in Monaten zur vorangegangenen Alter in Jahren


Impfstoffdosis
Impfung
0 2 6 5 – 8 9 – 16

Tetanus N1 N2 N3 A1 A2

Diphtherie (D) N1 N2 N3 A1 A2

Pertussis (aP) N1 N2 N3 A1 A2

Hib N1 N2 N3

Poliomyelitis N1 N2 N3 A1

Hepatitis B N1 N2 N3

Pneumokokken N1 N2 N3

Kinder im Alter von < 12 Monaten Die Rotavirus-Impfserie kann nur in einem kurzen
Fehlende DTaP-IPV-Hib-HepB- und Pneumokokken­ Zeitfenster nachgeholt werden, da die 1. Impfstoff-
konjugat-Impfstoffdosen werden nachgeholt. Für dosis bis zum Alter von 12 Wochen und die letzte
eine vollständige DTaP-IPV-Hib-HepB- und Pneu- Dosis je nach verwendetem Impfstoff vorzugsweise
mokokken-Grundimmunisierung sollen je 2 Impf- bis zum Alter von 16 Wochen (Rotarix) bzw. 20 – 
stoffdosen in zweimonatigem Abstand und eine 22 Wochen (RotaTeq) verabreicht werden sollte (s.
3.  Impfstoffdosis mit dem jeweiligen Impfstoff im Fachinformationen). Die Impfserie muss bis zum
Abstand von ≥ 6 Monaten zur vorangegangenen Alter von 24 (Rotarix) bzw. 32 (RotaTeq) Wochen
Impfung verabreicht werden (Impfstoffe mit alters­ abgeschlossen sein.
entsprechendem Antigengehalt verwenden, s.
Tab.  11, S. 54 f.). Weitere Impfungen erfolgen gemäß dem allgemei-
nen Impfkalender der STIKO.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 50

Tabelle 10B | Kinder im Alter von ≥ 12 Monaten bis < 5 Jahre

Mindestabstand in Monaten Alter in Jahren


zur vorangegangenen Impfstoffdosis
Impfung
0 1 – 2a 6 5 – 16

Tetanus N1 N2 N3 A1b A2b

Diphtherie (D) N1 N2 N3 A1b A2b

Pertussis (aP) N1 N2 N3 A1b A2b

Hib N1

Poliomyelitis N1 N2 N3 A1c

Hepatitis B N1 N2 N3

N2
Pneumokokkend N1 (Impfabstand
≥ 8 Wochen)

Meningokokken C N1

MMRe N1 N2

Varizellene N1 N2

a Impfabstand abhängig vom Impfstoff oder der Indikation.


b Auffrischimpfung 5 – 10 Jahre nach der letzten Dosis der Grundimmunisierung bzw. nach einer vorangegangenen Auffrischimpfung.
c Die Auffrischimpfung soll im Alter von 9 – 16 Jahren erfolgen.
d Die Pneumokokken-Impfung ist ab dem Alter ≥ 24 Monaten nicht mehr als Standardimpfung empfohlen und wird auch nicht nachgeholt.
e Ab dem Alter ≥ 11 Monaten.

Kinder im Alter von ≥ 12 Monaten bis < 5 Jahre impfstoff im Vergleich zu einer simultanen Gabe
Für eine vollständige DTaP-IPV-Hib-HepB- und von MMR- und V-Impfstoff sollte für die 1. Impfung
Pneumokokken-Grundimmunisierung sollen je von Kindern < 5 Jahre die getrennte MMR- und
2  Impfstoffdosen in zweimonatigem Abstand und V-Impfung bevorzugt werden. Die 2. Impfung ge-
eine 3. Impfstoffdosis mit dem jeweiligen Impfstoff gen MMR und V kann mit dem ­ M MRV-
im Abstand von ≥ 6 Monaten zur vorangegangenen Kombinationsimpfstoff oder simultan mit einem
Impfung verabreicht werden (Impfstoffe mit alters­ MMR- und V-Impfstoff erfolgen.
entsprechendem Antigengehalt verwenden, s.
Tab.  11, S. 54 f.). Auffrischimpfungen werden im Al-
ter von 5 – 6 Jahren (frühestens 2 Jahre nach der
3.  Impfstoffdosis) und mit 9 – 16 Jahren gegeben. Ab
dem Alter von 12 Monaten sind für Hib nur noch
eine Impfstoffdosis und für Pneumokokken nur
noch 2 Impfstoffdosen (im Abstand von 8 Wochen)
erforderlich. Ab dem Alter von ≥ 2 Jahren ist eine
Pneumokokken-Impfung nur noch für Kinder mit
besonderem Risiko empfohlen (Indikationsimp-
fung). Zusätzlich erfolgen 2 MMR- und Varizellen-
Impfungen im Abstand von 4 – 6 Wochen und eine
Meningokokken-C-Konjugatimpfung. Aufgrund ei-
nes leicht erhöhten Risikos von Fieberkrämpfen
nach der Erstimpfung mit MMRV-Kombinations-
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 51

Tabelle 10C | Kinder im Alter von ≥ 5 bis < 11 Jahre

Mindestabstand in Monaten zur vorangegangenen Impfstoffdosis Alter in Jahren


Impfung
0 1 6 10 – 17

Tetanus N1 N2 N3 A1a

Diphtherie (d) N1 N2 N3 A1a

Pertussis (ap)b N1 N2 N3 A1a

Poliomyelitis N1 N2 N3 A1

Hepatitis B N1 N2 N3

Meningokokken C N1

MMR N1 N2

Varizellen N1 N2

HPVc (Kinder und G1 G2


Jugendliche) ab 9 Jahren

a Je nach Alter bei Abschluss der Grundimmunisierung sind auch 2 Auffrischimpfungen bis zum Erreichen des Erwachsenenalters möglich
(Abstand zwischen G und A1 sowie A1 und A2 jeweils 5 – 10 Jahre).
b In Deutschland ist kein monovalenter Pertussis-Impfstoff verfügbar. Daher kann die Impfung nur mit Tdap- oder Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff
erfolgen.
c Grundimmunisierung (G) mit 2 Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 5 Monaten (Fachinformation beachten).

Kinder im Alter von ≥ 5 bis < 11 Jahre In Abhängigkeit vom Alter bei Abschluss der Erstim-
Fehlende Polio-Impfungen und DTaP- bzw. Tdap-­ munisierung können für diese Altersgruppe eine
Impfstoffdosen werden unter Verwendung von oder zwei Tdap-Auffrischimpfungen im Alter von
Impfstoffen mit altersentsprechendem Antigen­ ≥  10 – 17 Jahren sinnvoll sein. Eine Auffrischimpfung
gehalt nachgeholt (s. Tab.  11, S. 54 f.). Bis zum Alter sollte frühestens 5 Jahre nach der letzten Dosis der
von < 6 Jahren kann laut Fachinformation der Erstimmuni­sierung bzw. nach einer vorangegange-
3-fach-Impfstoff ­Infanrix (DTaP) verwendet werden nen Auffrisch­impfung erfolgen. Die Erstimmunisie-
und simultan am anderen Arm eine Impfung gegen rung gegen ­Hepatitis B besteht aus 3 Impfstoffdosen
Poliomyelitis mit IPV-Impfstoff erfolgen. (0-1-6 Monate). Zusätzlich erfolgen zwei MMR- und
Varizellen­-Impfungen im Abstand von 4 – 6 Wochen
Ab dem Alter von 5 bzw. 6 Jahren (je nach Angaben und eine Impfung mit einem Meningokokken­-C-­
des Herstellers) sollte ein Impfstoff mit reduzier- Konjugatimpfstoff.
tem Diphtherietoxoid- (d) und Pertussis-Antigen­
gehalt (p) verwendet werden (3 Impfstoffdosen im Kinder und Jugendliche im Alter von ≥ 9 – 14 Jahren
Abstand von 0-1-6 Monaten, s. Tab.  11, S. 54 f.). sollten zwei HPV-Impfstoffdosen im Abstand von
mindestens 5 Monaten erhalten (Fachinformation
In Deutschland ist jedoch aktuell kein Tdap- oder beachten).
Tdap-IPV-Impfstoff für die Grundimmunisierung
in der Altersgruppe von 6 – 11 Jahren verfügbar. Für
Kinder in dieser Altersgruppe muss mit einem der
Impfstoffe, die ab dem Alter ≥ 12 Jahre zugelassen
sind, off-­label geimpft werden. Eine entsprechende
Aufklärung und Dokumentation ist erforderlich.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 52

Tabelle 10D | Kinder bzw. Jugendliche im Alter von ≥ 11 bis < 18 Jahren

Mindestabstand in Monaten zur vorangegangenen Impfstoffdosis Impfintervall


Impfung
0 1 6 5 – 10 Jahre

Tetanus N1 N2 N3 A1

Diphtherie (d) N1 N2 N3 A1

Pertussis (ap)a N1 A1

Poliomyelitis N1 N2 N3 A1

Hepatitis B N1 N2 N3

Meningokokken C N1

MMR N1 N2

Varizellen N1 N2

9 – 14 Jahre G1 G2
HPVb (Kinder
und Jugendliche)
> 14 Jahre N1 N2 N3

a In Deutschland ist kein monovalenter Pertussis-Impfstoff verfügbar. Daher kann die Impfung nur mit Tdap- oder Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff
erfolgen.
b Wenn 1. Impfung im Alter von ≥ 9 – 14 Jahren: Grundimmunisierung (G) mit 2 Impfstoffdosen im Abstand von mindestens 5 Monaten; bei Nach­-
hol­impfung (N) mit der 1. Impfung im Alter von ≥ 15 Jahren sind 3 Impfstoffdosen erforderlich (Fachinformation beachten).

Kinder bzw. Jugendliche im Alter von ≥ 11 bis Zusätzlich erfolgen 2 MMR- und Varizellen-Imp-
< 18 Jahren fungen im Abstand von 4 – 6 Wochen und eine
Bei fehlender Impfung gegen Pertussis kann ein Meningokokken-C-Konjugatimpfung.
Schutz bereits durch 1 Dosis Tdap- oder Tdap-­IPV-
Impfstoff erreicht werden.S Falls auch eine Erstim- Bei Kindern und Jugendlichen im Alter < 15 Jahren
munisierung gegen Tetanus, Diphtherie und/oder sollte eine zweimalige HPV-Impfung im Abstand
Poliomyelitis indiziert ist, sollte die erste der erfor- von mindestens 5 Monaten durchgeführt werden.
derlichen 3  Impfungen (0-1-6 Monate) mit einem Die Impfung soll bis zum Alter von <  18 Jahren
Tdap- bzw. Tdap-IPV-Impfstoff erfolgen (s. Tab.  11, nachgeholt werden. Bei Nachholimpfungen mit der
S. 54 f.). 1. Impfstoffdosis im Alter von ≥ 15 Jahren sind insge-
samt 3 Impfstoffdosen erforderlich (Fachinforma­
Eine Auffrischimpfung mit Tdap bzw. Tdap-IPV soll- tion beachten).
te 5 – 10 Jahre nach Abschluss der Erstimmunisie-
rung, möglichst noch vor Erreichen des Erwachse-
nenalters, erfolgen.

Eine Erstimmunisierung gegen Hepatitis B sollte


mit einem für das jeweilige Alter zugelassenen
Impfstoff mit 3  Impfstoffdosen (0-1-6 Monate)
durch­geführt werden.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 53

Tabelle 10E | Erwachsene ab ≥ 18 Jahren

Mindestabstand in Monaten zur vorangegangenen Impfstoffdosis Impfintervall


Impfung
0 1 2 6 alle 10 Jahre
Tetanus N1 N2 N3 A

Diphtherie (d) N1 N2 N3 A

Pertussis (ap)a N1 A1 (einmalig)

Poliomyelitis N1 N2 N3 A1 (einmalig)

Masern für nach 1970 N1


Geborene
Röteln für Frauen im N1 N2
gebärfähigen Alterb
Varizellen für
seronegative Frauen N1 N2
mit Kinderwunsch
Wiederholungs­
impfung nur nach
Pneumokokken individueller
für Erwachsene N1 Indikationsstellung,
≥ 60 Jahre s. Tab. 2, S. 8 f.
(frühestens nach
6 Jahren)

Herpes zoster
für Erwachsene N1 N2
≥ 60 Jahrec

a In Deutschland ist kein monovalenter Pertussis-Impfstoff verfügbar. Daher kann die Impfung nur mit Tdap- oder Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff
erfolgen.
b Ungeimpfte Frauen oder Frauen ohne Impfdokumentation erhalten 2 Impfungen, einmal geimpfte Frauen 1 Impfstoffdosis. Mangels eines
monovalenten Röteln-Impfstoffs kann MMR-Impfstoff verwendet werden.
c 2-malige Impfung mit dem Herpes-zoster-Totimpfstoff im Abstand von mindestens 2 bis maximal 6 Monaten

Erwachsene ab ≥ 18 Jahren zwei Röteln-Impfstoffdosen eines MMR-Impfstoffs


Erwachsene sollten alle für ihre Altersgruppe emp- erhalten.
fohlenen Impfungen und gegebenenfalls Nachhol­
impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis Die Varizellen-Impfung (2 Impfstoffdosen im Ab-
und Poliomyelitis erhalten. Ungeimpfte bzw. Per- stand von 4 – 6 Wochen) ist für seronegative Frauen
sonen mit unklarem Impfstatus können 3 Impf- mit Kinderwunsch empfohlen.
stoffdosen eines Td- oder Td-IPV-Kombinationsimpf-
stoffs (0-1-6 Monate) erhalten. Für den Pertussis-​ Ab dem Alter von ≥ 60 Jahren empfiehlt die STIKO
Impfschutz sollte bei der ersten Impfung ein Tdap- die Impfung gegen Pneumokokken mit einem
bzw. T
­ dap-IPV-Impfstoff verwendet werden (s. Tab.  11, Polysaccharid-Impfstoff (PPSV23), die Impfung ge-
S. 54 f.).O Td-Auffrisch­impfungen sollten jeweils gen Herpes zoster mit dem Totimpfstoff (zweima-
10 Jahre nach der vorangegangenen Impfung erfol- lige Impfung im Abstand von mindestens 2 bis ma-
gen. Bei der ersten fälligen Auffrischimpfung soll- ximal 6 Monaten) und die jährliche Impfung gegen
te einmalig ein Tdap-Kombinationsimpfstoff ver- saisonale Influenza mit einem quadrivalenten
wendet werden. Hochdosis-Impfstoff als Standardimpfungen. Eine
Wiederholungsimpfung gegen Pneumokokken
Nach 1970 geborene Personen ≥ 18 Jahre sollten eine sollte frühestens nach 6 Jahren erfolgen und sollte
einmalige Masern-Impfung mit einem MMR-Impf- individuell geprüft werden (s. Kapitel 3.2, S. 22 f.;
stoff erhalten. Frauen im gebärfähigen Alter sollten Tab. 2, S. 12 f. und Tab. 3, S.23).
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 54

Tabelle 11 | Handelsnamen und Anwendungsalter der im Text erwähnten Impfstoffe


(ohne Gewähr für Vollständigkeit, Fachinformationen beachten; Influenzaimpfstoffe sind nicht aufgelistet)

Antigene/ Handelsname Zulassung aba Anwendung bisa


Zielkrankheit
keine Angabe
Cholera Dukoral 2 Jahren
(begrenzte Daten bei Personen ≥ 65 Jahre)

keine Angabe
Vaxchora 6 Jahren
(begrenzte Daten bei Personen ≥ 65 Jahre)

DTaP Infanrix 2 Monaten < 6 Jahre

Infanrix-IPV + Hib 2 Monaten keine Angabe


DTaP-IPV-Hib
Pentavac 2 Monaten keine Angabe

Infanrix hexa Säuglingsalter einschließlich Kleinkindalterb

DTaP-IPV-Hib-HepB Hexyon 6 Wochen einschließlich Kleinkindalterb

Vaxelis 6 Wochen einschließlich Kleinkindalterb

FSME-IMMUN 0,25 mL Junior 1 Jahr < 16 Jahre

Encepur Kinder 1 Jahr 11 Jahre


FSME
FSME-IMMUN Erwachsene 16 Jahren keine Angabe

Encepur Erwachsene 12 Jahren keine Angabe

Gelbfieber Stamaril 9 Monaten ohne Altersgrenze

Act-Hib 2 Monaten < 5 Jahrec


Haemophilus
influenzae Typ b Hiberix 2 Monaten einschließlich Kleinkindalterc

Havrix 720 Kinder 1 Jahr < 15 Jahre

VAQTA Kinder 25 E 1 Jahr < 18 Jahre

Hepatitis A Havrix1440 15 Jahren ohne Altersgrenze

Avaxim 16 Jahren ohne Altersgrenze

VAQTA 50 E 18 Jahren ohne Altersgrenze

Hepatitis A/Typhus Viatim 16 Jahren ohne Altersgrenze

Engerix-B Kinder Geburt < 16 Jahre

HBVAXPRO 5 Mikrogramm Geburt < 16 Jahre

Engerix-B Erwachsene 16 Jahren ohne Altersgrenze


Hepatitis B
HBVAXPRO 10 Mikrogramm 16 Jahren ohne Altersgrenze

HBVAXPRO 40 Mikrogrammd 18 Jahren ohne Altersgrenze

Fendrixe 15 Jahren ohne Altersgrenze

Twinrix Kinder 1 Jahr < 16 Jahre


Hepatitis A+B
Twinrix 16 Jahren ohne Altersgrenze

Herpes zoster Shingrix 50 Jahren ohne Altersgrenze

Cervarix 9 Jahren keine Angabe


HPV
Gardasil 9 9 Jahren keine Angabe

IPV (Poliomyelitis) IPV-Mérieux 2 Monatenf ohne Altersgrenze

Japanische Ixiaro 2 Monaten ohne Altersgrenze


Enzephalitis
M-M-RVaxPro (9 –) 12 Monateng ohne Altersgrenze
MMR
Priorix 9 Monaten ohne Altersgrenze
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 55

(Fortsetzung Tabelle 11)

Antigene/ Handelsname Zulassung aba Anwendung bisa


Zielkrankheit
Priorix-Tetra (9 –) 11 Monateng ohne Altergrenze
MMR-V
ProQuad (9 –) 12 Monateng ohne Altersgrenze

MenQuadfi ≥ 12 Monate ohne Altersgrenze


Meningokokken Menveo 2 Jahren ohne Altersgrenze
ACWY
Nimenrix 6 Wochen ohne Altersgrenze

Bexsero 2 Monaten ohne Altersgrenze


Meningokokken B
Trumenba 10. Geburtstag ohne Altersgrenze

Menjugate 10 Mikrogramm 2 Monaten ohne Altersgrenze


Meningokokken C
NeisVac-C 2 Monaten ohne Altersgrenze

Pneumovax 23 2 Jahren ohne Altersgrenze

Pneumokokken Prevenar 13 6 Wochen ohne Altersgrenze

Synflorix 6 Wochen 5. Geburtstag

Rotarix 6 Wochen 24 Wochen


Rotavirus
RotaTeq 6 Wochen 32 Wochen

Td-pur 5. Geburtstag (60 Monaten) f


ohne Altersgrenze

Td-Immun
Td (vorübergehend nicht verfügbar)
5. Geburtstag (60 Monaten) ohne Altersgrenze

Td-Mérieux 5. Geburtstag (60 Monaten)f ohne Altersgrenze

Boostrix 4. Geburtstag (48 Monaten) h


ohne Altersgrenze

Covaxis 4. Geburtstag (48 Monaten)h ohne Altersgrenze


Tdap
TdaP-IMMUN
4. Geburtstag (48 Monaten)i ohne Altersgrenze
(vorübergehend nicht verfügbar)

Boostrix Polio 3. Geburtstag (36 Monaten)h ohne Altersgrenze


Tdap-IPV
Repevax 3. Geburtstag (36 Monaten)h ohne Altersgrenze

Td-IPV Revaxis 5. Geburtstag (60 Monaten) ohne Altersgrenze

Tollwut-Impfstoff (HDC)
Geburt ohne Altersgrenze
Inaktiviert
Tollwut
Rabipur Geburt ohne Altersgrenze

Typhoral L Kapseln 5 Jahren ohne Altersgrenze


Typhus
Typhim Vi 2 Jahren ohne Altersgrenze

Varivax (9 –) 12 Monaten ohne Altersgrenze


Varizellen
Varilrix (9 –) 11 Monaten ohne Altersgrenze

a Laut Fachinformation (Stand: August 2021).


b Laut Fachinformationen kann der Impfstoff für die Impfung von „Säuglingen und Kleinkindern“ angewendet werden. Eine verbindliche Definition
des Begriffs „Kleinkind“ existiert nach Aussagen der Zulassungsbehörde (PEI) nicht.
c Ab einem Alter von ≥ 5 Jahren ist eine Hib-Impfung nur in Ausnahmefällen indiziert (z. B. bei funktioneller oder anatomischer Asplenie).
d Impfstoff für Prädialyse- und DialysepatientInnen.
e Impfstoff für PatientInnen mit Niereninsuffizienz sowie für Prädialyse- und DialysepatientInnen.
f Auch für Grund- und Erstimmunisierung zugelassen.
g Wird ein früherer Impfschutz für notwendig erachtet, kann bereits ab dem Alter von 9 Monaten geimpft werden, s. Anmerkungen zur Impfung
gegen Masern (s. S. 19 f.).
h Erstimmunisierung von Personen mit unbekanntem Impfstatus und bisher Ungeimpften ab dem jugendlichen Alter (12 Jahren) ist zulassungs­
konform.
i Erstimmunisierung von Personen mit unbekanntem Impfstatus und bisher Ungeimpften ab dem Alter von 4 Jahren ist zulassungskonform:
Hinweis: TdaP-IMMUN zählt trotz des großen „P“ im Präparatenamen zu den Impfstoffen mit reduziertem Pertussis-Antigengehalt (ap).
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 56

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Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 57

7. Liste der STIKO-Empfehlungen und ihrer


wissenschaftlichen Begründungen

Herpes zoster
Hinweis für Leser der gedruckten Ausgabe: Die
7 Wissenschaftliche Begründung zur Empfeh-
wissenschaftlichen Begründungen sind online
lung einer Impfung mit dem Herpes zoster-
unter www.rki.de/epidbull abrufbar. Die zu
subunit-Totimpfstoff; publiziert im Epid Bull
ergänzende Nummer und das Erscheinungsjahr
50/2018
der jeweiligen Ausgabe findet sich bei der
8 Wissenschaftliche Begründung zur Entschei-
entsprechenden wissenschaftlichen Begründung.
dung die Herpes zoster Lebendimpfung nicht
als Standardimpfung zu empfehlen; publiziert
im Epid Bull 36/2017
Cholera
1 Änderung der Empfehlungen zur Impfung HPV
gegen Cholera; publiziert im Epid Bull 31/2010 9 Wissenschaftliche Begründung für die Empfeh-
lung der HPV-Impfung für Jungen im Alter von
DTaP-IPV-HIB-HepB 9 – 14 J­ ahren; publiziert im Epid Bull 26/2018
2 Wissenschaftliche Begründung für die 10 Wissenschaftliche Begründung für die
Empfehlung zur Grundimmunisierung gegen Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen
Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Poliomeyelitis, humane Papillom­viren; publiziert im
Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B Epid Bull 35/2014
mit dem 6-fach-Impfstoff im Säuglingsalter 11 Impfung gegen HPV – Aktuelle Bewertung der
nach dem 2+1-Impfschema; publiziert im ­STIKO; publiziert im Epid Bull 32/2009
Epid Bull 26/2020 12 Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV)
für Mädchen von 12 bis 17 Jahren – Empfeh-
Gelbfieber lung und Begründung; publiziert im Epid Bull
3 Wissenschaftliche Begründung zur Änderung 12/2007
der Gelbfieber-Impfempfehlung aufgrund der
Änderungen in den Regelungen der Internatio­ Influenza (saisonal)
nalen Gesundheitsvorschriften zu Gelbfieber; 13 Wissenschaftliche Begründung für die Aktuali-
publiziert im Epid Bull 35/2015 sierung der Influenza-Impfempfehlung für
Personen im Alter von ≥ 60 Jahren; publiziert
Hepatitis B im Epid Bull 1/2021
4 Wissenschaftliche Begründung für die Anpas- 14 Wissenschaftliche Begründung für die Empfeh-
sung der Empfehlungen zur Impfung gegen He- lung des quadrivalenten saisonalen Influenza­
patitis A und B, publiziert im Epid Bull 35/2017 impfstoffs; publiziert im Epid Bull 2/2018
5 Wissenschaftliche Begründung für die Änderung 15 Wissenschaftliche Begründung für die geänder-
der Empfehlung zur Impfung gegen Hepatitis B; te Empfehlung zur Anwendung von Influenza­
publiziert im Epid Bull 36/37/2013 impfstoffen bei Kindern und Jugendlichen im
6 Hinweise zur Notwendigkeit der Wiederimpfung Alter von 2 – 17 Jahren, publiziert im Epid Bull
10 Jahre nach erfolgter Grundimmunisierung 35/2017
gegen Hepatitis B (HB) im Säuglings- bzw.
Kindesalter; publiziert im Epid Bull 31/2007
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 58

16 Wissenschaftliche Begründung für die Ände- 27 Empfehlung und Begründung einer postexposi-
rung der Empfehlung zur Impfung gegen tionellen Meningokokken-Impfung; publiziert
Influenza; publiziert im Epid Bull 36/37/2013 im Epid Bull 31/2009
17 Änderung der Empfehlungen zur Impfung ge- 28 Begründungen zur allgemeinen Empfehlung
gen Influenza; Empfehlung zur Impfung von der Impfung gegen Meningokokken im
Schwangeren; publiziert im Epid Bull 31/2010 Säuglings- und Kindesalter – Impfung der
18 Begründung der STIKO für die Influenza- Kinder im 2. Lebensjahr mit konjugiertem
Impfung bei PatientInnen mit Multipler Skle­ Meningokokken-Impfstoff der Serogruppe C;
rose (MS) mit durch Infektionen getriggerten publiziert im Epid Bull 31/2006
Schüben; publiziert im Epid Bull 32/2004
19 Wirksamkeit und Sicherheit der Influenza- Mumps
Impfung für PatientInnen mit chronischen 29 Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen
Lungen­erkrankungen (online verfügbar unter: Mumps; publiziert im Epid Bull 31/2012
www.rki.de > Kommissionen > STIKO > Emp-
fehlung der STIKO > Begründung > Influenza) Pertussis
30 Wissenschaftliche Begründung für die Empfeh-
Japanische Enzephalitis lung der Pertussisimpfung mit dem Tdap-
20 Wissenschaftliche Begründung für die Empfeh- Kombinationsimpfstoff in der Schwangerschaft;
lung zur Impfung gegen Japanische Enzepha­ publiziert im Epid Bull 13/2020
litis bei Reisen in endemiegebiete und für 31 Zusätzliche Pertussis-Impfung im Erwachsenen­-
Laborpersonal, publiziert im Epid Bull 18/2020 alter als Tdap-Kombinationsimpfung bei der
nächsten fälligen Td-Impfung – Empfehlung und
Lieferengpass Begründung; publiziert im Epid Bull 33/2009
21 Empfehlung und wissenschaftliche Begründung 32 Klinische Studien mit azellulären Pertussis-
zum Beschluss der STIKO zu Lieferengpässen komponenten-Impfstoffen bei Erwachsenen:
von Impfstoffen; publiziert im Epid Bull 23/2021 Anlage zum Epid Bull 31/2009
33 Erweiterung der beruflichen Indikationen für
Masern eine Pertussis-Impfung; publiziert im Epid Bull
22 Änderung der Empfehlung zur Impfung gegen 31/2009
Masern; publiziert im Epid Bull 32/2010 34 Begründung für die STIKO-Empfehlung einer
Pertussis-Auffrischimpfung im Vorschulalter;
Masern-Mumps-Röteln-Varizellen publiziert im Epid Bull 3/2006
23 Empfehlung und wissenschaftliche Begründung
für die Angleichung der beruflich indizierten Pneumokokken
Masern-Mumps-Röteln-(MMR-) und Varizellen- 35 Wissenschaftliche Begründung zur Aktualisie-
Impfung; publiziert im Epid Bull 2/2020 rung der Empfehlung zur Indikationsimpfung
gegen Pneumokokken für Kinder und
Meningokokken Erwachsene; publiziert im Epid Bull 37/2016
24 Aktualisierung der Meningokokken-Impf­ 36 Wissenschaftliche Begründung zur Aktualisie-
empfehlung: Indikationsimpfung – Postex­ rung der Pneumokokken-Impfempfehlung bei
positionelle Impfung – Berufliche Indikation; Senioren (Standardimpfung ab 60 Jahren);
publiziert im Epid Bull 37/2015 publiziert im Epid Bull 36/2016
25 Änderung der Empfehlungen zur Indikations- 37 Wissenschaftliche Begründung zur Änderung
impfung gegen Meningokokken; publiziert im der Pneumokokken-Impfempfehlung für
Epid Bull 32/2012 Säuglinge; publiziert im Epid Bull 36/2015
26 Änderung der Empfehlungen zur Impfung 38 Wissenschaftliche Begründung für die Ände-
gegen Meningokokken; publiziert im Epid Bull rung der Empfehlung zur Indikationsimpfung
32/2010 gegen Pneumokokken; publiziert im Epid Bull
36/2014
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 59

39 Begründungen zur allgemeinen Empfehlung


der Impfung gegen Pneumokokken im
Säuglings- und Kindesalter – Pneumokokken-
Impfung mit 7-valentem Konjugat-Impfstoff für
Kinder unter 2 Jahren; publiziert im Epid Bull
31/2006
40 Zur Impfung gegen Pneumokokken-
Krankheiten; publiziert im Epid Bull 31/2005
41 Begründung der STIKO-Empfehlung zur
Pneumokokken-Impfung; publiziert im
Epid Bull 28/2001

Reiseimpfung
42 Empfehlungen der Ständigen Impfkommission
(STIKO) zu Reiseimpfungen; publiziert im
Epid Bull 14/2021

Röteln
43 Änderung der Empfehlungen zur Impfung
gegen Röteln; publiziert im Epid Bull 32/2010

Rotavirus
44 Empfehlung und wissenschaftliche Begrün-
dung der Empfehlung zur Rotavirus-Standard­
impfung von Säuglingen; publiziert im
Epid Bull 35/2013

Tollwut
45 Änderung der Empfehlungen zur Impfung
gegen Tollwut; publiziert im Epid Bull 31/2010

Varizellen
46 Wissenschaftliche Begründung für die Ände-
rung der Empfehlung zur passiven Immunisie-
rung mit Varizella-Zoster-Immunglobulin
(VZIG); publiziert im Epid Bull 35/2015
47 Impfung gegen Varizellen im Kindesalter:
Empfehlung einer zweiten Varizellenimpfung;
publiziert im Epid Bull 32/2009
48 Begründung der STIKO für eine allgemeine
Varizellen­impfung; publiziert im Epid Bull
49/2004
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 60

8. Stichwortverzeichnis

A G
Allergien   32 Gebärmutterhalskrebs   19
ArbMedVV   7 – 9, 38 – 39 Gelbfieber   7 – 8, 15 – 16, 29, 32, 54, 57
Arthus-Phänomen   47 Gemeinschaftseinrichtung   5, 11, 20, 39 – 41
Aspiration   29, 31 Gürtelrose    siehe Herpes zoster
Asplenie   9, 11 – 12, 16, 33, 55
Asthma   10, 13 H
Asylbewerberheime   9 Haemophilus influenzae Typ b (Hib)   5, 9, 16
Asylsuchende   13, 35, 37 – 38 Haushaltskontaktpersonen   12, 22, 33
Aufklärung   5, 26, 28, 31, 33, 36, 51, 64 HBsAg-Status   17, 40, 43
Ausbrüche   siehe Epidemien Hepatitis A   9, 16, 25, 38, 40, 54, 57
Auslandsaufenthalt   38 Hepatitis B   5 – 6, 9, 16 – 17, 21, 24, 30, 35 – 36, 38,
Auszubildende   11, 14 40, 43, 47 – 52, 54, 57
Herpes zoster   5 – 6, 18, 36, 53 – 54, 57
HIV-Positive   9
B Hochdosis-Impfstoff   10, 19
Babysitter   12
Humane Papillomviren (HPV)   18
BCG-Impfstoff   14
Blutkontakt   40, 43
I
Immundefizienz   9 – 11, 18, 21, 23, 32, 33, 40, 47
C Immunglobuline   20
Chemoprophylaxe   39, 41 – 42 Immunprophylaxe   17, 30, 40, 42 – 45
Cholera   8, 15, 54, 57 Immunsuppression   siehe Immundefizienz
Cochlea-Implantat   13, 23 Impfabstände   29 – 30
COPD   10, 13 Impfausweis   5, 28, 37, 46
COVID-19   8, 15 Impfdokumentation   4, 28, 45 – 46, 53
Impferfolgskontrolle   9
D Impfkalender   5 – 7, 27, 29, 46, 49, 64
Diabetes mellitus   10, 13, 18 Impfkomplikation   33 – 34
Diphtherie   5 – 6, 8, 15, 17, 21, 24 – 25, 30, 35 – 37, Impfmanagement   28 – 29
40, 46 – 53, 57 Impfreaktion   33 – 34
Dokumentation   5, 27 – 28, 47, 51 Impfschaden   34
Impfschema   18, 23, 30, 44, 46, 57
Impfstoffe   54
E Indikationsimpfung   7, 10, 18 – 19, 22 – 23, 50, 58
Einwilligungserklärung   27
Infektionsschutzgesetz (IfSG)   4, 33 – 34
ErsthelferInnen   9 Influenza   5 – 6, 10, 18 – 19, 28, 32, 36 – 38, 53,
57 – 58, 64
F Internat   39
Fledermaus   25, 45
Flüchtlinge   13 J
Forstbeschäftigte   8 JägerInnen   14
FSME   8, 15, 28, 30, 46, 54 Japanische Enzephalitis   11, 19, 58
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 61

K Poliomyelitis   4 – 6, 13, 23 – 24, 30, 35 – 38, 41, 46,


KatastrophenhelferInnen   11 48 – 54
Keuchhusten  siehe Pertussis PolizistInnen   9
Kinderwunsch   14, 36, 47, 53 Polysaccharid-Impfstoff   6, 12, 22 – 23, 53
Knochenmarktransplantation   12 Publikumsverkehr   10
Koadministration   5, 18, 30
Kombinationsimpfstoffe   5, 16, 22, 47 – 48 R
Kontaktpersonen   20, 39, 41 – 42 Reinigungsdienst   9
Kontraindikationen   5, 7, 26, 32 Reiseimpfungen   7, 14, 28
Kostenübernahme   7, 14, 19, 37 – 39, 46 Rettungsdienst   9
Riegelungsimpfung   41
L Rotaviren   5 – 6, 24, 31, 35
Laborpersonal   8, 11, 14, 58 Röteln   4 – 6, 11  – 13, 24 – 25, 32, 34 – 37, 47, 49, 53,
Landwirtschaft   8 58 – 59
Lebendimpfstoffe   25, 29 – 30, 32, 34
Lieferengpässe   35 S
Liquorfistel   13 SARS-CoV-2   siehe COVID-19
Schluckimpfung   15, 24 – 25, 31
Schutzimpfungs-Richtlinie   14, 28, 38 – 39
M
Schwangerschaft   12, 16, 22, 24, 32, 38, 47, 58
Masern   4 – 6, 11 – 13, 19, 25, 32, 34 – 37, 47, 49, 53,
Schweißen   13
55, 58, 64
SeniorInnen   22 – 23
Meningokokken   5 – 6, 11 – 12, 20 – 21, 35 – 36, 39,
Sexuelles Risikoverhalten  siehe MSM
41 – 42, 50 – 52, 55, 58
Sichelzellanämie   9, 11
MigrantInnen   35, 37
Stillen   31
MMR   5 – 6, 11, 13 – 14, 16, 19 – 21, 24 – 25, 29, 32,
Stoffwechselkrankheiten   10, 13
36, 38, 40 – 41, 47, 49, 50 – 55, 58, 64
Strafgefangene   9
MSM   9
Multiple Sklerose   10
T
Mumps   5 – 6, 11 – 13, 21, 25, 32, 34 – 35, 37, 41, 47,
Tetanus   5 – 6, 13, 15 – 17, 21, 24 – 25, 30, 35 – 37, 41,
49, 58
44 – 50, 53
TierärztInnen   14
N Tollwut   14, 25, 30, 41, 45, 55, 59
Nachholimpfungen   14, 18, 45 – 49, 52, 53 Tollwut-Immunglobulin   45
Neurodermitis   14 Totimpfstoffe   25
Nierenkrankheiten   10 Typhus   14, 16, 25, 34, 54 – 55
Non-Responder   43 – 44
U
O Untersuchungshäftlinge   9
Off-label-use   11, 27, 40, 48
Operationen   30 V
Organtransplantation   12, 14, 33 Varizella-Zoster-Immunglobulin (VZIG)   59
Varizellen   5 – 6, 11, 14, 25, 29, 32, 34 – 38, 41 – 42,
P 47, 50 – 53, 55, 58 – 59, 64
Pertussis   5 – 6, 12, 15, 21 – 22, 25, 35 – 37, 41, 44, Verbrennungen   44
47 – 53, 55 – 58
Pilgerreise   12 W
Pneumokokken   5 – 6, 13, 22 – 23, 32, 35 – 36, 46, Windpocken   18, 47  siehe auch Varizellen
48 – 50, 53, 55, 58 – 59, 64 Wohnheim   39
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 62

9. STIKO-App

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO@rki - die neu gestaltete Impf-App für
(STIKO) und viele weitere wichtige Informationen ÄrztInnen und Gesundheitsfachpersonal
rund um das Thema Impfen gibt es auch in Form
einer kostenlosen App. Für alle Endgeräte wurde im
Februar 2021 eine neue Version bereitgestellt.

Zusätzlich gibt es eine Web-Version der App unter


www.STIKO-web-app.de, die sich in den Praxisalltag
besonders gut direkt am PC nutzen lässt.

Die STIKO@rki-App wurde für die impfende Ärz-


teschaft und Fachpersonal im Gesundheitswesen
entwickelt, um sie bei Fragen zum Impfen im Pra-
TIS
GRA
xisalltag zu unterstützen. Mit wenigen Klicks be-
kommen NutzerInnen die für die Beratung der ein-
zelnen PatientInnen relevanten Informationen.

Abrufbar in der App sind auch die Fachinformatio-


Hier erhältlich:
nen aller Impfstoffe, Antworten auf häufig gestellte
Fragen zu Impfungen sowie die RKI-Ratgeber zu
impfpräventablen Erkrankungen.

Seit Februar 2021 können über die Push-Funktion


aktuelle News zum Thema Impfen und COVID-19
erhalten werden. Ein komplett überarbeitetes De-
sign gibt einen moderneren Look. Innerhalb der
App verbesserte Navigation durch neue Strukturie-
rung der Inhalte. Eine differenzierte Suchfunktion
ermöglicht schnellere und gezieltere Suche nach
verschiedenen Inhalten. Zudem kann man nun
neue Erklärfilme und Informaterial, wie die Fakten-
blätter zum Thema Impfen abrufen.

Seit Juli 2021 enthält die App einen „Wissenscheck“


in Form eines Multiple-Choice-Fragebogens zu
­aktuellen Impfthemen und eine neue Rubrik zu
Lieferengpässen von Impfstoffen.
Epidemiologisches Bulletin 34 | 2021 26. August 2021 63

Ständige Impfkommission (STIKO) ▶▶ Fremdsprachige Informationsmaterialien zu


beim Robert Koch-Institut ­Impfungen www.rki.de/impfen > Informations­
materialien in verschiedenen Sprachen
Vorsitzender ▶▶ Impfkalender in 20 Sprachen
Prof. Dr. Thomas Mertens (em.), ▶▶ Aufklärungsbögen und Einverständniserklärungen
Abteilung Virologie, Universitätsklinikum Ulm in deutscher Sprache
Stellvertretende Vorsitzende ▶▶ Aufklärungsinformationen zu folgenden

Prof. Dr. Dr. Sabine Wicker, Impfungen in Fremdsprachen:


Leiterin des Betriebsärztlichen Dienstes Universitäts- • COVID-19-Impfung mit mRNA-Impfstoff
klinikum Frankfurt am Main (BioNTec/Pfizer, Moderna)
Mitglieder der STIKO • COVID-19-Impfung mit Vektor-Impfstoff
Siehe www.stiko.de/Mitgliedschaft (AstraZeneca, Jansen/Johnson&Johnson)
• Hepatitis-A-Impfung
Geschäftsstelle der STIKO
• Hepatitis-B-Impfung
Robert Koch-Institut, Abteilung für Infektions-
• Herpes-zoster-Impfung mit dem Totimpfstoff
epidemiologie, Fachgebiet Impfprävention,
Seestraße 10, 13353 Berlin • HPV-Impfung
• Influenza-Impfung
Das Fachgebiet Impfprävention am Robert Koch- • Influenza-Impfung mit dem Lebendimpfstoff
Institut bietet telefonische Auskunft bei Fragen (nasal)
zur Umsetzung der STIKO-Empfehlungen an
• Meningokoken-C-Impfung
(nur für impfende ÄrztInnen!). Es wird keine
• MMR-Impfung
reisemedizinische Impfberatung angeboten.
• Pneumokokken-Impfung
Telefon: 030 18754 -35-39, Montag von 9.30 – 11.30 Uhr • Rotavirus-Impfung
und Donnerstag von 12.00 – 14.00 Uhr • TdaP-IPV-Impfung
• 6-fach-Impfung (DTaP-IPV-Hib-HepB)
Bezugsmöglichkeiten der Empfehlungen
• Varizellen-Impfung
der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim
▶▶ Glossar medizinischer Begriffe zum Thema
Robert Koch-Institut (Epid Bull 34/2021)
Einzelexemplare können beim RKI zu folgenden Impfen in 15 Sprachen
▶▶ Informationen zu Kinderlähmung
Bedingungen angefordert werden:
▶▶ kostenfrei bis zu 2 Exemplare nach Einsenden (engl., franz., arab.)
eines adressierten und mit 1,55 Euro frankierten ▶▶ Praxis-Plakat zur Aufklärung über das schmerz-
Rückumschlages für das Format A4,
reduzierte Impfen „Wie helfen Sie Ihrem Kind beim
▶▶ mehr als 2 Exemplare nach schriftlicher Bestellung
Impfen?“, finden Sie auf der Seite www.rki.de/impfen
gegen Rechnung.
▶▶ Ein Merkblatt für ÄrztInnen mit Hinweisen zum
Bitte verwenden Sie zur Bestellung folgende Adresse:
schmerzreduzierten Impfen im Praxisalltag steht
Robert Koch-Institut
­unter www.rki.de/schmerzreduziertes-impfen
Kennwort „STIKO-Empfehlungen“
zum Download zur Verfügung
Nordufer 20
▶▶ Laienverständliche Informationsmaterialien
13353 Berlin
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Die Impfempfehlungen der STIKO sind auch im
(BZgA) zum Thema Impfen (teilweise fremd-
­Internet abrufbar unter www.stiko.de,
in englischer Sprache unter www.stiko.de/en. sprachig): www.impfen-info.de/infomaterial

Weitere Informationsmaterialien
▶▶ RKI-Ratgeber zu einzelnen Infektionskrankheiten
Vorgeschlagene Zitierweise
www.rki.de/ratgeber
Ständige Impfkommission: Empfehlungen der
▶▶ Kurz & Knapp: Faktenblätter zum Impfen
­Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert
(www.rki.de/impfen-infomaterial)
▶▶ Faktenblatt zur HPV-Impfung
Koch-Institut 2021
▶▶ Faktenblatt zur Herpes-zoster-Impfung
Epid Bull 2021;34:3- 63 | DOI 10.25646/8824
▶▶ Faktenblatt zur Masern-Impfung

▶▶ Faktenblatt zu Impfungen in der Schwangerschaft (Bei Verbreitung dieses Textes wird gebeten, die
▶▶ Faktenblatt zur Influenza-Impfung ­Quelle korrekt wiederzugeben. Falls ein Nachdruck
▶▶ Faktenblatt zur COVID-19-Impfung ­gewünscht ist, bitte die Redaktion kontaktieren.)

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