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Besser leben mit Schichtarbeit Gewerkschaft der Chemiearbeiter

Broschüre für Betriebsräte Peter Schissler

Besser Leben mit Schichtarbeit


Eine Broschüre für Betriebsräte in Schichtbetrieben

Inhaltsverzeichnis

• Vorwort

• Einführung von Schichtarbeit

• Betriebliche Einführungsprozesse

• Rahmenbedingungen der Schichtarbeit

• Checkliste für die „Neueinführung“ von


Schichtarbeit

• Empfehlungen zur Schichtplangestaltung

• Einbeziehung der Mitarbeiter

• Ältere Arbeitnehmer und Schichtarbeit

• Betriebliche Gesundheitsförderung für


Schichtarbeiter

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Besser leben mit Schichtarbeit Gewerkschaft der Chemiearbeiter
Broschüre für Betriebsräte Peter Schissler

Vorwort

Flexibilisierung der Arbeitszeit ist eines der Schlagwörter der aktuellen


arbeitszeitpolitischen Diskussion.
Von den einen wird sie als Maßnahme zur Verbesserung der
Wirtschaftlichkeit, von den anderen als Mittel zur Förderung der
individuellen Arbeitszeitgestaltung und nicht zuletzt auch als Mittel zur
Arbeitsmarktentlastung gesehen.

Stärker individuell zugeschnittene Arbeitszeitmodelle sind gefragt.

Universallösungen für die Arbeitszeitgestaltung gibt es nicht.

Die Organisation der Arbeitszeit ist als Teilaspekt der gesamten


Arbeitsbedingungen und Arbeitsorganisation zu sehen.

Die Verteilung von Arbeitszeit und arbeitsfreier Zeit stellt für die
Beschäftigten meist einen erheblichen Eingriff in ihre
Lebenszusammenhänge dar.

Die beste Lösung kann immer nur unter Beteiligung der Betroffenen und
unter Berücksichtigung ihrer Interessen gefunden werden.

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Einführung von Schichtarbeit

Ziel der Einführung von Schichtarbeit ist in der Regel die Ausdehnung
der Betriebszeiten über die durchschnittliche Arbeitszeit der
Beschäftigten hinaus.

Die Arbeit im Schichtdienst ist aus gesundheitlichen und aus sozialen


Gründen mit besonderen Risiken verbunden.
Insbesondere wenn die Nacht und das Wochenende in die Arbeitszeiten
einbezogen werden, kommt es zu einer Abkopplung vom normalen
Tagesrhythmus des Körpers und zu einer sozialen Abkopplung von
gesellschaftlichen Aktivitäten.
Obwohl diese Risiken bekannt sind, besteht in vielen Bereichen nicht die
Möglichkeit auf Schichtarbeit zu verzichten.

Gründe für die Einführung von Schichtarbeit


Auf betrieblicher Ebene kann das Ziel sein, die Verfügbarkeit des
Personals zu erhöhen oder aber auch die Stückkosten oder
Personalkosten zu senken.

Als Faustregel für die Ausdehnung der Arbeitszeit gilt, dass mindestens
drei Aspekte zu berücksichtigen sind:
1. Ausdehnung der Betriebszeit (Optimierungsaufgabe)
2. Anpassung an Marktbedürfnisse (Qualität, Kundenorientierung)
3. Mitarbeiterwünsche/ -bedürfnisse

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Betriebliche Einführungsprozesse

Bei der Arbeitszeitgestaltung ist es besonders wichtig die Beschäftigten


über die grundlegenden Risikoaspekte der Schichtarbeit aufzuklären und
bekannte Gestaltungsempfehlungen zu diskutieren.

Als wesentliche Bewertungskriterien gelten:


• Einflussmöglichkeit
• Transparenz, Überschaubarkeit
• Gesundheitlicher Beeinträchtigungsgrad
• Familie und Sozialleben
• Einkommen
• Aus- und Weiterbildung, Qualifizierungsmöglichkeiten

In die Diskussion sollten ebenso die betriebswirtschaftlichen Aspekte


einfließen:
• Produktionssteigerung
• Kostenentwicklung
• Qualifizierungsbedarf
• Auftragslage

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Rahmenbedingungen der Schichtarbeit

Grundsätzlich sollen folgende Leitfragen berücksichtigt werden:


• Welche Schichtdauer ist bei der Berücksichtigung der psychischen
und physischen Arbeitsbelastung noch tolerierbar?
• Müssen oder sollen die Nachtschichten kürzer sein?
• Wie hoch ist der Arbeitsanfall in der Nacht?
• Ist es vielleicht sogar möglich, die Nachtschichten länger zu
machen, z.B. um dadurch mehr freie Wochenenden zu
bekommen?
• Welche Rotationsfrequenz und –richtung sollte gewählt werden?
• Wie lang sollten die Schichtwechselfolgen sein?
• Wie lang sollten die Freizeitintervalle zwischen den Schichten sein?
• Sollte die gesamte Freizeit am Ende des Zyklus liegen oder besser
gleichmäßig verteilt werden?
• Ist im Einzelfall tolerierbar, einen kürzeren Wechsel zu machen,
um dadurch z.B. den Samstag arbeitsfrei zu haben?
• Wie lang sind die Wegzeiten?
• Welche Verkehrsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?
• Welche arbeitsgebundenen Zeiten (z.B. Wegzeiten, ...) entstehen
für die Beschäftigten?
• Welche Schichtwechselzeiten kommen in Frage?
• Sind kollektive Wechselzeiten überhaupt notwendig?
• Sind individuelle Absprachen zwischen den Beschäftigten möglich?
• Besteht die Möglichkeit, ein Gleitzeitmodell für Schichtarbeit
einzuführen?
• Wie hoch ist die Arbeitsbelastung?
• Wie belastbar sind die Mitarbeiter?
• Wie hoch ist der Anteil älterer und leistungsschwacher Mitarbeiter?
• Wie hoch ist der Anteil Beschäftigter mit zusätzlichen
Verpflichtungen im häuslichen Bereich, z.B. Kinder,
pflegebedürftige Personen?
• Bestehen hinreichende Möglichkeiten, die durch Nachtarbeit
entstehende Mehrbelastung durch Freizeit auszugleichen?
• Reicht die bestehende Belegschaftsstärke aus?

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Checkliste für die „Neueinführung“ von


Schichtarbeit

In diesem Fall ist es noch wichtiger, die Beschäftigten in den


Gestaltungsprozess einzubeziehen. Im Dialog sollten folgende Fragen
besprochen werden:
• Soll die gesamte Belegschaft in den Schichtdienst wechseln?
• Sollten reine Tagarbeitsplätze erhalten bleiben, z.B. für den
Umstieg „schwächerer“ Kollegen oder weil während des Tages ein
höherer Produktionsbedarf besteht?
• Wie viele Arbeitsplätze sollten es sein?
• Wie viele Arbeitsplätze müssen zu den verschiedenen Zeiten
besetzt sein?
• Wie viele Beschäftigte sind dazu optimalerweise notwendig?
• Wie sieht es mit der Qualifizierung der Beschäftigten aus?
• Gibt es auf allen Schichten hinreichend qualifizierte Beschäftigte?
• Wie hoch ist die angestrebte Belegschaftsstärke?
• Wie hoch ist die Belastung an den einzelnen Arbeitsplätzen?
• Wird bei Einsparung von Beschäftigten die steigende Belastung
der verbleibenden Beschäftigten berücksichtigt?
• Wie hoch ist die Arbeitszeit?

Empfehlungen für die Einführung neuer


Schichtsysteme:

• Ausführliche Diskussion des alten Schichtplans und frühzeitige


Information über Änderungsmöglichkeiten
• Hinweis, dass man ein Schichtsystem nur dann wirklich beurteilen
kann, wenn man es selbst ausprobiert hat
• Erste Umstellungsversuche in kooperationswilligen Pilotabteilungen
oder Pilotbetrieben
• Beteiligung der Betroffenen, am besten bei der Erstellung,
mindestens aber bei der Auswahl des neuen Schichtsystems
• Großzügige Regelungen für Pilotversuche
• Abstimmung über Beibehaltung des neuen Schichtsystems nach
Ende der Probezeit

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Empfehlungen zur Schichtplangestaltung


Es gibt augenscheinlich keinen allgemein gültigen idealen Schichtplan.
Jeder Plan hat Vor- und Nachteile.

Die wesentlichen arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen (ohne


Anspruch auf Vollständigkeit) werden hier aufgeführt, zusammen mit
Begründungen im Hinblick auf gesundheitliche, familiäre und soziale
Risiken.

• Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten


• Ruhezeit nach der Nachtschichtphase
• Geblockte Wochenendfreizeiten
• Freizeit für Mehrbelastung
• Vorwärts rotierende Schichtsysteme
• Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen
• Die Nachtschicht sollte möglichst früh enden
• Flexible Schichtbeginnzeiten
• Kein Zusammenziehen von Arbeitstagen, –zeiten
• Arbeitsschwere beeinflusst Schichtdauer
• Vorhersehbare Schichtpläne

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1. Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten

Die Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten sollte möglichst


gering sein (nicht mehr als drei).

Begründungen:

• Soll man „Nachtmensch“ werden, oder ein „nachts arbeitender


Tagmensch“ bleiben.
Wenn die Nachtschichten nicht zu lange dauern, nicht mehr als zwei
Nächte zum Beispiel, dann kommen die meisten Menschen besser
damit zurecht wenn sie ihren Tagesrhythmus so weit wie möglich
beibehalten.
Das heißt: zusammen mit den anderen essen und vielleicht den
Schlaf auf 4 Stunden morgens und 2 bis 3 Stunden nachmittags
verteilen.

• Es findet keine echte Anpassung der Körperfunktionen des Menschen


an Nachtarbeit statt (auch nicht nach mehreren
aufeinanderfolgenden Nachtschichten).

• Je weniger Nachtschichten aufeinander folgen, desto schneller kann


sich der Mensch wieder an den normalen Tagesrhythmus gewöhnen.

• Je weniger Nachtschichten aufeinander folgen, desto kleiner ist das


Schlafdefizit das sich nach den Nachtschichten aufbaut.

• Das Fehler- und Unfallrisiko steigt nach mehreren Nachtschichten.

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2. Ruhezeit nach der Nachtschichtphase

Nach einer Nachtschichtphase sollten möglichst 24 Stunden arbeitsfreie


Zeit folgen.

Begründung:

• Um die Belastung durch die Nachtarbeit auch direkt auszugleichen,


sollten möglichst lange Ruhephasen nach einer Nachtschichtphase
folgen.

• Nachtarbeit stellt eine besondere Belastung für den Menschen dar,


weil er zu Zeiten des physiologischen Leistungstiefs arbeiten soll.
Die Körperfunktionen stellen sich nicht vollständig um.
Nachtarbeiter brauchen nach ihrer Arbeitszeit mehr Zeit zur Erholung.
Dies gilt verstärkt für ältere Menschen.

3. Geblockte Wochenendfreizeiten

Geblockte Wochenendfreizeiten sind besser als einzelne freie Tage am


Wochenende.

Unter "geblockten Wochenendfreizeiten" versteht man zwei


zusammenhängende freie Tage am Wochenende, so z.B.: Freitag und
Samstag, Samstag und Sonntag oder Sonntag und Montag.

Begründung:

• Das Wochenende hat für Familienleben und Freizeitaktivitäten einen


höheren Stellenwert als die Wochentage. Dies hängt damit
zusammen, dass wir in einer sogenannten "Wochenend-Gesellschaft"
leben. Die meisten sozialen und gesellschaftlichen Ereignisse finden
am Wochenende statt.

• Viele gesellschaftliche Aktivitäten spielen sich vorrangig am


Wochenende ab. Eine soziale Isolation soll vermieden werden.

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4. Freizeit für Mehrbelastung

Mehrbelastung sollte durch Freizeit ausgeglichen werden.

Begründung:

• Um den in Nachtarbeit beschäftigten Mitarbeitern ein ausreichendes


Maß an Erholungsmöglichkeiten zu bieten, sollte die Mehrbelastung
vor allem durch Freizeit ausgeglichen werden.
Dadurch wird den Mitarbeitern die Möglichkeit sowohl zu mehr
Erholung als auch zu einer besseren Teilnahme am sozialen Leben
gegeben.

5. Vorwärts rotierende Schichtsysteme

Ungünstige Schichtfolgen sollten vermieden werden.


Schichtpläne sollten vorwärts rotieren.

Begründung:

• Schichtarbeiter in vorwärts-rotierenden Systemen (Früh-Spät-Nacht)


berichten insgesamt über weniger Beschwerden als Schichtarbeiter in
rückwärts-rotierenden Systemen (Nacht-Spät-Früh).

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6. Die Frühschicht sollte nicht zu früh beginnen

Konkret wird empfohlen, dass die Frühschicht eher um 7:00 Uhr als um
6:00 Uhr beginnen sollte.

Begründung:

• Durch lange Wegzeiten kann aus einer Frühschicht eine "halbe


Nachtschicht" werden.

• Durch sehr frühes Aufstehen kann sich bei Schichtarbeitern ein


Schlafdefizit aufbauen, da sie vor einer Frühschicht erwiesenermaßen
auch nicht früher schlafen gehen.

• Aufgrund des Schlafdefizits besteht ein erhöhtes Fehler- und


Unfallrisiko.

7. Die Nachtschicht sollte möglichst früh enden

Weil die gesundheitlichen Risiken der Störung der Tagesperiodik


bekannt sind, sollte die Nachtschicht nicht zu spät enden.

Begründung:

• Dauer und Qualität der Schlafzeiten am Tag sind nicht beliebig,


sondern abhängig vom Zeitpunkt des Beginns. Je früher der
Tagschlaf beginnt, um so höher ist der Erholungswert.

• Bei einem Tagesrhythmus besteht die Tendenz des Organismus, den


Schlaf um die Mittagszeit abzubrechen. Bei einem frühen Ende der
Nachtschicht kann die Schlafdauer ggf. verlängert werden.

Die beiden letztgenannten Empfehlungen widersprechen sich bei voll-


kontinuierlichen Schichtsystemen. Flexible Schichtwechselzeiten wären eine
Möglichkeit, diesem Problem zumindest teilweise zu begegnen.

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8. Flexible Schichtbeginnzeiten

Zugunsten individueller Einflussnahme sollte auf starre Anfangszeiten


verzichtet werden.

Begründung:

• Optimal wäre ein flexibler Schichtzeitbeginn, um der


unterschiedlichen Belastbarkeit der Mitarbeiter (z.B. Alter) und den
eigenen Neigungen (z.B. "Morgenmuffel") und individuellen
Voraussetzungen ( z.B. lange Anfahrtswege) Rechnung zu tragen.

• Durch flexible Schichtwechselzeiten können beispielsweise


Übergabezeiten realisiert werden, die für einen zuverlässigen
Arbeitsablauf sorgen.

• In Teams kann die Selbständigkeit gefördert werden und individuelle


Gegebenheiten der Einzelnen können berücksichtigt werden.

9. Kein Zusammenziehen von Arbeitstagen, –zeiten

Ein Zusammenziehen von Arbeitstagen oder von Arbeitszeiten an einem


Tag sollte begrenzt werden.

Begründung:

• Gegen das Zusammenziehen der Arbeitszeit spricht die Anhäufung


von Belastung.

• Wenn die Arbeitszeit von 8 Stunden pro Tag oder von 48 Stunden
pro Woche häufig und in Folge überschritten wird, so kann daraus für
den Beschäftigten eine erhöhte Belastung entstehen, die zu
körperlichen und seelischen Gesundheitsrisiken führen kann.

• Mehr Arbeitszeit bedeutet gleichzeitig eine Verringerung der


Erholungszeiten.

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10. Arbeitsschwere beeinflusst Schichtdauer

Die Schichtlänge sollte von der Arbeitsbelastung abhängig sein.


Bei ungleichen Schichtlängen sollte die Nachtschicht kürzer sein.

Begründung:

• Schichtpläne sollten – was die Festlegung der Schichtdauer betrifft –


unbedingt die Art der Tätigkeit bzw. die Arbeitsschwere
berücksichtigen.

• Ist die Arbeitsbelastung in den verschiedenen Schichten


unterschiedlich, so kann auch die Länge der einzelnen Schichten
entsprechend unterschiedlich sein.

• Wenn die Arbeitsbelastung in allen Schichten gleich ist, könnte


einerseits eine Nachtschicht, die - für sich gesehen - schon eine
Belastung bedeutet, kürzer als Früh- und Spätschicht sein.

• Eine Verlängerung der Nachtschicht ist andererseits möglich, wenn


sie z.B. Anteile von Bereitschaftsdienst beinhaltet. Eine Verlängerung
sollte allerdings nicht erfolgen, wenn es sich beispielsweise um
Tätigkeiten mit hohem Gefährdungspotential wie z.B. in chemischen
Anlagen handelt.

11. Vorhersehbare Schichtpläne

Schichtpläne sollten vorhersehbar und überschaubar sein.


Einmal aufgestellte Schichtpläne sollten von betrieblicher Seite möglichst
zuverlässig eingehalten werden.

Begründung:

• Die Freizeitaktivitäten bzw. das Privat- und Familienleben müssen für


den Schichtarbeiter planbar bleiben.

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Einbeziehung der Mitarbeiter

Durch die Einbeziehung der von einer Arbeitszeitveränderung


betroffenen Mitarbeiter, werden neue Arbeitszeitsysteme von den
Beschäftigten eher akzeptiert.
Dies gilt auch für die arbeitswissenschaftlichen Empfehlungen, die nicht
alle gleichzeitig und widerspruchsfrei umsetzbar sind.
Hier kann es sinnvoll sein, mit den betroffenen Mitarbeitern eine Liste
von Wichtigkeiten zu erarbeiten.

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Ältere Arbeitnehmer und Schichtarbeit

Der Anteil älterer Arbeitnehmer an der Gesamtheit der erwerbstätigen


Bevölkerung nimmt immer mehr zu.
Darum müssen spezifische Gestaltungsaspekte in der Arbeitswelt
berücksichtigt werden, die der veränderten Leistungsfähigkeit dieser
Beschäftigten gerecht werden.
Auf den Problembereich Schichtarbeit bezogen bedeutet dies, dass
Schichtpläne bzw. Versetzungsmöglichkeiten in den Tagdienst speziell
für ältere Schichtarbeiter geschaffen werden müssen.
Allerdings können nicht alle älteren Arbeitnehmer auf einen
Tagarbeitsplatz versetzt werden, da entsprechende Arbeitsplätze nur
begrenzt zur Verfügung stehen.
Zum Teil wird eine Versetzung nicht gewünscht, da die Aufgabe der
Schichtarbeit bzw. Nachtarbeit auch einen Wegfall der finanziellen
Zuschläge bedeutet.
Eine Möglichkeit, ältere Mitarbeiter besser in die Schicht- und
Nachtarbeit zu integrieren, besteht über die gezielte Gestaltung der
Schichtsysteme.
Dabei ist das oberste Prinzip, welches sich an der zurückgehenden
Leistungsfähigkeit der Beschäftigten orientiert, die belastungsnahe
Erholung, d.h. längere Arbeitsphasen sollten vermieden werden.
Besser sind kürzere Arbeitsphasen mit kurzen Erholungspausen.
Möglichst Freizeitausgleich statt finanziellem Ausgleich.
Es wäre zudem zu überlegen, die Arbeitszeit für ältere Schichtarbeiter
generell zu reduzieren.
Darüber hinaus sollten die Beschäftigten verstärkt zur Wahrnehmung
der jährlichen arbeitsmedizinischen Kontrolluntersuchungen motiviert
werden.

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Betriebliche Gesundheitsförderung für


Schichtarbeiter

1. Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
Die Beschäftigten müssen darin unterstützt werden, die
angebotenen Möglichkeiten der arbeitsmedizinischen
Untersuchung wahrzunehmen.

2. Betriebliche Verpflegung
Bekanntermaßen sind Beschwerden, die sich aus der
unregelmäßigen und unangemessenen Nahrungsaufnahme
ergeben, ein wesentliches Problemfeld für Schichtarbeiter.
Deshalb ist die Bereitstellung „schichtarbeitsspezifischer
Verpflegung“ ein Vorsorgeaspekt, der die negativen
Folgeerscheinungen der Schichtarbeit zumindest abschwächen
kann.

Für eine gute betriebliche Verpflegung sind einige organisatorische


Rahmenbedingungen notwendig:
a. Pausenregelung
Es sollte eine definierte Pausenregelung bestehen.
Die Beschäftigten wissen vorher, wann sie Pause haben.
b. Räumlichkeiten
Es sollte möglichst nicht am Arbeitsplatz gegessen werden.
Die zur Verfügung stehenden Pausenräume sollten unter
Mitwirkung der Beschäftigten gestaltet werden und nicht zu weit
vom Arbeitsplatz entfernt sein.
Sanitäre Einrichtungen sollten ohne Zeitverlust erreichbar sein.
c. Bereitstellung von Speisen
Da nicht immer die Möglichkeit für die Beschäftigten besteht, sich
entsprechende vorbereitete Mahlzeiten mitzubringen, sollten
Speisen im Betrieb bereit gestellt werden.
Als Alternative dazu kommen in Frage:
• Automat mit warmen Essen
• Tiefkühlkost/Mikrowelle
• Verkaufsstand
Für die Annahme dieses Angebots durch die Beschäftigten ist es
wichtig, dass das Essen pünktlich zu den Pausen verfügbar und
erschwinglich ist.

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