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Caratteristiche del tedesco

contemporaneo e aspetti della


mediazione linguistica
Teil 2
a.a. 2020/2021
L-11/L-12
2° anno
Prof.ssa Ulrike Reeg
Modul 1

Zur Soziologie des Deutschen:


Das Deutsche und seine Sprecher
(Löffler 2016, 55-79)
Deutsch als Staatssprache der
Ex-DDR

1949 – 1990

1989/1990 Wende-Corpus (Institut für


Deutsche Sprache in Mannheim)
Vorurteile
Beispiele
Aerobic > Popgymnastik
Arbeitnehmer > Werktätiger
Pizza > Krusta
Team > Kollektiv
Kaufhalle > Supermarkt
Nicki > T-shirt
Lehrling > Azubi
Unterschiede im Wortschatz
(BRD)
Beamter
Bundesverfassungsgericht
Zivildienstleistender

Übersetzen Sie diese Wörter ins


Italienische?
BRD
Beamter
> impiegato statale
Bundesverfassungsgericht
> corte costituzionale federale
Zivildienstleistender
> obiettore di coscienza
DDR

die Konfliktkommission
die Volkssolidarität

?
DDR
Konfliktkommission
commissione per la pacificazione di
conflitti

Volkssolidarität
organizzazione con il compito di
aiutare anziani e disabili
!
Nach der Wende …
➢ kein neues Ost-Deutsch
➢ nur Herausbildung von Regionalismen
➢ Grund: Abschaffung und Angleichung der
alten gesellschaftlichen Ordnung
(Planwirtschaft/Marktwirtschaft;
Sozialismus/Demokratie)
D/A/CH/(FL)
Unterschiede auch hier besonders in
der Lexik

Keks – Keks – Biscuit

Blumenkohl – Karfiol – Blumenkohl

Abendbrot – Nachtmahl – Abendessen


Deutsches Standarddeutsch

Wäre ich Abstinenzler, dann wäre mir das nicht


passiert. Nach dem Abendessen trank ich noch
ein Viertel Weißwein.Dann schwang ich mich auf
mein Fahrrad, um zu meiner Wohnung zu fahren.
Mir wurde plötzlich so schwindelig, dass ich einen
Omnibus streifte und dann auf ein Auto auffuhr,
das gerade an der Ampel wartete. Der Autofahrer
stieg aufgeregt aus.
Österreichisches Standarddeutsch
Wäre ich Abstinenzler, dann wäre mir das
nicht passiert. Nach dem Nachtmahl trank
ich noch ein Viertel Weißwein.Dann
schwang ich mich auf mein Fahrrad, um zu
meiner Wohnung zu fahren. Mir wurde
plötzlich so schwindlig, dass ich einen Bus
streifte und dann auf ein Auto auffuhr, das
gerade vor der Ampel wartete. Der
Autofahrer stieg aufgeregt aus.
Schweizer Standarddeutsch
Wäre ich Abstinent, dann wäre mir das
nicht passiert. Nach dem Nachtessen trank
ich noch einen Dreier Weisswein.Dann
schwang ich mich auf mein Velo, um zu
meiner Wohnung zu fahren. Mir wurde
plötzlich so schwindlig, dass ich einen
Autocar streifte und dann auf ein Auto
auffuhr, das gerade vor der Ampel wartete.
Der Automobilist stieg aufgeregt aus.
Schweizerdeutsch
Wär ich e Abstinenzler, denn wer mir das
nit passiert. Nach em Znachtässe han ich
no e Viertel Wisswie trunke. Denn han ich
mi uf mi Velo druf gworfe, um zu minere
Wohnig zfahre. Mir isch es plötzlich e so
schwindlig gworde, dass ich an e Bus
gschtreift bin und denn uf eme Auto druff
gfahre bin, das grat anere Ample gwartet
het. Dr Autofahrer isch ufgregt us gschtige
Kleine Sprachgeschichte
Die politische Autonomie der vier
deutschsprachigen Länder hat aus
historischer Perspektive verschiedene Gründe.

Wichtig! Der Ursprung und die Identität der


vier deutschsprachigen Länder ist NICHT
durch sprachliche Kriterien geprägt.
Zitat
Die deutsche Sprachgemeinschaft war
offensichtlich trotz aller groß-und
kleindeutschen Einheitsbestrebungen
nicht tragend genug, um ein einziges
nationales Staatsgebilde in der Mitte
Europas mit einem kulturellen und
sprachlichen Zentrum zu konstituieren,
dessen Identität in der einheitlichen
deutschen Sprache begründet gewesen
wäre. (Löffler, 62/63)
Das deutsche Sprachgebiet und
deutsche Staatsgebiete stimmen also
nicht überein.
Diese Situation ist so alt wie die
deutsche Sprache selbst!
Mittelalter
▪ Deutsch in Form regionaler Varianten

▪ Latein die Staatssprache

▪ kein Reichsmittelpunkt (Hof)

▪ keine Hauptstadt

▪ deutsche Kaiser residierten überall und


außerhalb des deutschen Sprachgebiets
(Spanien, Sizilien, Böhmen) und konnten oft
kein Deutsch (!)
Friedrich II
Der Kaiser aus der Ferne
Frage?

Was sind also die Gemeinsamkeiten


der deutschsprachigen Länder?
Kulturelle Tradition
gemeinsame
literarisch-geistesgeschichtliche Tradition

➢ die Reformation (Martin Luther)


➢ die Philosophie des deutschen Idealismus
(Kant; Hegel)
➢ die deutsche Klassik und Romantik (Goethe;
Schiller)
➢ die Musik/das Musiktheater (Bach; Wagner;
Beethoven)
Martin Luther
Martin Luther
• 10. November 1483 in Eisleben,
Grafschaft Mansfeld
• † 18. Februar 1546 ebd.
• Augustinermönch
• Theologieprofessor
• Initiator der Reformation.
Luthers Sprache

das Ostmitteldeutsche > teilweise


Verschmelzung nord- und süddeutscher
Dialekte > ermöglicht große Verbreitung
seiner Schriften!
Mitteldeutsche Mundarten
Luthers Sprache
Orientierung an der maßgeblichen
kursächsischen Schreibtradition
Wittenbergs

Bibelübersetzung > Impuls für das


allgemeinsprachliche
Frühneuhochdeutsch in ganz Deutschland
Das Deutsch seiner Bibel ist wohl der
wichtigste Steuerungsfaktor in der
jüngeren Sprachgeschichte.

(Besch, Werner (2014): Luther und die deutsche


Sprache: 500 Jahre deutsche Sprachgeschichte im
Lichte der neueren Forschung. Erich Schmidt, Berlin
2014)
Prinzipien der Übersetzung
➢ nicht wortgetreu, sondern sinngemäß
(sensus literalis)

➢ Evangelium ist mündliche Botschaft, kein


literarischer Text

➢ Übersetzung folgt der gesprochenen


Sprache und ist hörbezogen
Seine Sprache ist bis heute stil- und
sprachbildend!

Er erfindet sehr viele neue Ausdrücke


und Redewendungen!
Übersetzen Sie ins Italienische!
der Sündenbock
der Lückenbüßer
der Lockvogel
die Dachrinne

Perlen vor die Säue werfen


Sendbrief vom Dolmetschen
(1530)
Man muß nicht die Buchstaben in der lateinischen
Sprache fragen, wie man deutsch reden solle, wie’s
diese Esel tun, sondern man muß die Mutter im
Hause, die Kinder auf der Gasse, den einfachen
Mann auf dem Markt danach fragen und denselben
auf das Maul sehen, wie sie reden, und danach
übersetzen; da verstehen sie es dann und merken,
dass man deutsch mit ihnen redet.[
Luther und die Reformation
Quelle

https://www.youtube.com/watch?v=0ZDc-
xqOQYw
Ende des 19. Jahrhunderts…

Die Intellektuellen der deutschsprachigen


Staaten einigen sich auf
➢ eine gemeinsame Schriftsprache
➢ gemeinsame orthographische und
grammatische Grundnorm
Rückblick…
unterschiedliche Schreibweisen
➢ Hilfe, Silbe und Hülfe, Sylbe
➢ Medizin – Medicin
➢ Kanal – Canal
➢ studieren – studiren
1880
Konrad Duden: Vollständiges orthographisches
Wörterbuch der deutschen Sprache

1901 – Orthografische Konferenz

Die deutsche Rechtschreibung wurde erstmals


amtlich festgelegt wurde.
Diese Regeln galten bis 1996 zur ersten
Reform der deutschen Rechtsschreibung.
Kleiner Exkurs…

Welche Bedeutung hat das


Schriftbild?
Natürlig könnte Mann mith äthwas fantasy
Aoch ainen solchn saz Lehsön, ja, wir
können sogar Sätze lesen, in deenn imemr
nur der etsre und der lttze Bstchbaue jdees
Wreots rhticig seehtn, vorausgesetzt, die
Wörter sind uns vertraut.
(Dittmann, 2006)
Standardvarietäten
D/A/CH

plurizentrische Sprache (?)

Deutsch ist eine azentrische, pluriareale


Standardsprache.
Unterschiede

➢ Lexik

➢ Prosodie
Kodifizierungen der Standardvarietäten

Ebner, Jakob:
Wie sagt man in Österreich.
Wörterbuch der sprachlichen
Besonderheiten.
Bigler, Ingrid et al.:
Unser Wortschatz. Schweizer Wörterbuch der deutschen
Sprache.

Boesch, Bruno:
Die Aussprache
des Hochdeutschen
in der Schweiz
2004

Erste systematische Zusammenstellung


der Unterschiede im Variantenwörterbuch