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30.10.

2021
Kurze Wiederholung
Lexik
Bischt ready for gehen?

Kannst du baseball playe?

Wo san denn die kinner now?


Morphologie

I hab vorher noch net geteacht.

Ich habe vorher noch nicht


gelehrt.
Syntax

Als er kumma is ich hab ihn


gefrogd.

When he came I asked him.

Als er gekommen ist, habe ich


ihn gefragt.
Pennsylvaniadeutsch
Frage?

Welche Funktion hat diese Plakette für die


Sprecherinnen und Sprecher des Pennsylvania
Deutschen?
Deutsch in Bilingualismus-Situationen
(vgl. dazu Löffler, Kapitel 4.9)

das Beispiel Elsass-Lothringen


Département Haut-Rhin und Bas-
Rhin
Basler Zeitung, 2. Dezember 2014
Von Paris werden die Elsässer (hier im Bild von
Jean-Jacques Waltz) oft als Halbfranzosen
betrachtet und wegen ihres Akzents gerne
verlacht. Gleichzeitig zählt die mit 1,9
Millionen Einwohnern relativ kleine Region
noch immer zu den florierendsten unseres
Nachbarlandes. Das hat auch Auswirkungen
auf das Selbstbild: Gemäss einer Umfrage
empfinden nur noch 17 Prozent aller Elsässer
das Elsässerditsch als altmodisch. (S. 21)
Geschichte
1870/71 – Frankreich verliert das
Elsass an das Deutsche Reich
«Reichsland Elsass-Lothringen»
1918 – Ende des 1. Weltkriegs,
Friedensvertrag von Versailles,
das Elsass wird an Frankreich
zurückgegeben,
Bau der Maginot-Linie
1940 – Zweiter Weltkrieg, Frankreichfeldzug,
Fall der Maginotlinie,
Besetzung des Elsass von den
nationalsozialistischen Truppen
„Gau Oberrhein“

nach 1945 – Ende des 2. Weltkriegs,


Das Elsass wird französisch.
Aufgabe

Welche Assoziationen haben Sie zu


diesem Foto?
Machen Sie sich Notizen.
Hausaufgabe: Recherche

Wer war René Schickele?


Literatur zum Vertiefen
Schickele, René:
Überwindung der Grenze.
Essays zur deutsch - französischen
Verständigung.
Hrsg. von Adrien Finck, Kehl, 1990.
ISBN 3-88571-166-4

Menschheitsdämmerung. Ein Dokument des


Expressionismus. (1919). Hrsg. von Kurt Pinthus,
Hamburg, 2003.
Mehrsprachigkeit

eigentlicher Bilingualismus:
ein Sprecher/eine Sprechergruppe kann sich in zwei Sprachen gleich
gut ausdrücken

partieller Bilingualismus:
Ein Sprecher/eine Sprechergruppe kann sich in zwei Sprachen
verständigen, spricht aber die zweite Sprache nur in bestimmten
Situationen.

z. B. Elsässerdeutsch
transitorischer Bilingualismus:

z. B. Auswanderung, die folgenden Generationen


gliedern sich nach und nach in die neue
Einsprachigkeit ein.
Diskutieren Sie!

Prestige-Gefälle:

Zwei Sprachen werden nicht gleich bewertet.


Sie werden als nicht gleichrangig angesehen.
Deutsch in Diglossie-Situationen (vgl.
Löffler, 73f.)

Diglossie ≠ Bilingualismus

Diglossie → funktionale Zweisprachigkeit

mediale Diglossie → geschrieben/gesprochen


Deutsch als Schulfremdsprache

das Goethe – Institut Vermittler


Deutsch als Amtssprache bei
internationalen Organisationen
Deutsch in der Europäische Union

▪ eine von 23 Amtssprachen


▪ Arbeitssprache neben Englisch, Französisch
▪ meistgesprochene Muttersprache in der EU
Deutsch bei den Vereinten Nationen
(UNO)

▪ keine Amts- bzw. Arbeitssprache


▪ Seit 1975 werden jedoch vom Deutschen
Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen
wichtige offizielle Dokumente ins Deutsche
übersetzt.
Wichtige internationale Institutionen, welche
Deutsch zu ihren offiziellen Sprachen zählen

▪ Europäische Patentorganisation – EPO


▪ Europäische Weltraumorganisation – ESA
▪ Reporter ohne Grenzen – ROG
▪ World Association of Newspapers – WAN
Caratteristiche del tedesco
contemporaneo e aspetti della
mediazione linguistica
Teil 4
a.a. 2020/2021
L-11/L-12
2° anno
Prof.ssa Ulrike Reeg
Modul 2

Varietäten des Deutschen


(Löffler 2016, 79-152, Auszüge)
Ein soziolinguistisches
Varietätenmodell

▪ Die Sprachwirklichkeit ist sehr komplex.


▪ Es gibt viele verschiedene Varietäten.
▪ Die Übergänge sind dabei fließend.
▪ Die Sprachwirklichkeit ist also „ein
übergangsloses Kontinuum“.
Sprachliche Großbereiche (Lekte)
Unterscheidung nach …
dem Individuum (individueller Sprachbesitz)
Idiolekte
dem Medium (mündlich/schriftlich)
Mediolekte
der Funktion
Funktiolekte
Unterscheidung nach …

der arealen Verteilung


Dialekte
den Sprecherguppen
Soziolekte
Alter/Geschlecht
Alterssprachen/Genderlekte
Interaktionstypen/Situationen
Situolekte
Mediolekte I
Kontextuelle Bedingungen der
Gesprochenen Sprache

Sprechen im Handlungskontext

momentan

spontan
Sprecher-Konstellationen
▪ einer gegenüber vielen (Rede, Unterricht,
Moderation …)
▪ einer gegenüber wenigen (Verhör, Interview
…)
▪ wenige gegenüber wenigen
(Familiengespräch, Gruppendiskussion …)
▪ einer gegenüber einem (Paargespräch,
Beratungsgespräch…)
Diskussion
Welche Erfahrungen haben Sie mit
gesprochenem Deutsch? In welchen Situationen
haben Sie gesprochenes Deutsch gehört? War es
schwierig für Sie, gesprochenes Deutsch zu
verstehen? Wenn ja, aus welchen Gründen?

Wie sollte Ihrer Meinung nach gesprochenes


Deutsch gelehrt/gelernt werden?
Charakteristika der gesprochenen
Sprache (Auswahl)
• häufige Parataxe
• kurze Sätze
• Pausen und Wiederholungen
• Konstruktionsbrüche
• reduzierter Wortschatz
• viele Abtönungen
• phonetisch Sprecherleichterungen und Verschleifungen
(Schnell-Sprech-Regeln)
• sprunghafte thematische Steuerung
• nonverbale und paraverbale Mittel
• häufigere Verwendung von Dialekt oder regionaler
Umgangssprache
Charakteristika der gesprochenen
Sprache
▪ Adressatenspezifik (Versuch, den Adressaten in seiner
bevorzugten Varietät anzusprechen)
▪ Wechsel zwischen Standardsprache und Dialekt
▪ Markierung von Interaktionsmodalität (Pathos, Ironie,
Komik)
▪ Code-Mixing
▪ Bedeutung prosodischer Elemente (Akzent, Rhythmus,
Tonhöhe, Lautstärke, Sprechgeschwindigkeit, Pausen
Stimmfärbung (Timbre)
▪ Topikalisierung (rhematische Elemente im Vorfeld: Das
Wichtigste steht damit am Anfang.
Beispiele im Deutschen
Phonetik
Apokope des unbetonten [ᵊ] am Wortende:
ich sag, ich mein, ich wollt
Apokope des [t] nach Frikativ:
nich, er is
Synkope einer Endsilbe:
sie warn, sie fingn, sie sind gekommn
Phonetik
Assimilation
Angleichung an den Folgelaut
(progressive Assimilation)
z. B.: eben [bm]

Elision
Lautweglassung
Phonetik

Enklise
Anlehnung eines abgeschwächt
gesprochenen oder geschriebenen Wortes
an das vorhergehende

auffe treppe/auffer Treppe


Sprachmischung (Code-Mixing)

Yeliz: ehm, beifahrerin yerdinemi oturuodu


oder was?
[saß er auf dem Beifahrersitz?]
Remsi: yo: ahmet ahmet arkada oturuyodu
[nee, Ahmet, Ahmet saß hinten]
Er hat sein Gurt irgendwie nicht gefunden,
weisch
12.11.2020
Kurze Wiederholung
Prosodie: Expressiver Satzakzent

Sprechen Sie die folgenden Sätze auf zwei


oder drei verschiedene Weisen und erklären
Sie dann Ihre Interpretation:
▪ Ohne Kino wäre für mich das Leben
sinnlos.
▪ Er war noch nie blau und wird, sagt er,
niemals blau sein.
▪ Für dich hat er 25 rote Rosen gekauft.
Topikalisierung

Gut war das Essen.


Absagen muss sie die Reise.
Viele Fehler habe ich nicht gemacht.
Syntax: Kurzformen
Ellipsen
Analepsen (Rückwendung, Rückblende):

A: wo hast du dir die haare schneiden


lassen?
B: äh bei dem typ gegenüber der schule.
A: Schmidt? (Rückfrage)
Modalpartikeln

ja, doch, mal, auch, eben, denn, schon,


eigentlich, wohl
Kommentieren Sie die Aussagen:
wie redest denn du? was glaubst denn du?
hab ich dir doch erzählt. regen sie sich doch
nicht so auf. wir lügen sie doch nicht an. das
hat der aber verstanden. das ist ja alles kein
problem. pass mal auf. er kann das halt
nicht besser machen.

Übersetzen Sie ins Italienische.


Gesprächspartikeln

Hörersteuerung/Rückversicherungssignale:
ne? nich? gell?
Rezeptionssignale: na ja (Zweifel, Widerstreben)
na gut (Zustimmung, Nachgeben)
ja ja (Irrelevanz)
tja (Ratlosigkeit, Unabänderlichkeit)
ach so (plötzliches Verstehen)
Lexikalische Gliederungssignale

Kurzformeln

am Anfang: ich meine, ich finde, ich


glaube, ich würde sagen, ich will nur
sagen

am Ende: und so, oder so, und so weiter,


weißt du?
Wie kann man Gespräche
klassifizieren?
• Monologe (Selbstgespräche, text- oder
handlungsinitiierende Reden)
• Asymmetrische Dialoge (Beratungen,
Interviews)
• Symmetrische Dialoge
(Informationsaustausch/Unterhaltung,
Small Talk)
• Handlungsdialoge (Kaufverträge,
Besprechungen)
Mediolekte II
Geschriebene Sprache
In Bezug auf die gesprochene Sprache

sekundär
autonom
dauerhaft
verweist auf Geschichte und Kultur
Welche Schrift ist das?
Die germanische Runenschrift
Woher? Abstammung ungeklärt,
nordetruskisches Alphabet (?)
Wo? britische Inseln, Skandinavien,
Deutschland
Wann? 2. Jahrhundert v. Chr.
Wofür? kultische Zwecke, Gedenkinschriften auf
Steinmonumenten, Besitzer-Inschriften
auf Gegenständen
Welche Schrift ist das?
Ägyptische Hieroglyphen
Wann? 3200 v. Chr. bis 394 n. Chr.
Wo? Altes Ägypten, Nubien

zuerst reine Bilderschrift


später Konsonanten und Sinnzeichen
→ Phonogramme, Ideogramme, Determinative
Die Form der Schriftsprache
Wir können zentrale grammatische Kategorien in
der Schriftsprache erkennen:

Wort → Spatien
Satz → Großschreibung am Anfang,
abschließender Punkt
Nebensatz → Komma
Substantive → Großschreibung im Deutschen
Wort → Spatien

Satz → Großschreibung am Anfang,


abschließender Punkt

Nebensatz → Komma

Substantive → Großschreibung im Deutschen


Die Schriftsprache verändert sich jedoch!

▪ Festschreibung und Konventionalisierung


▪ Sprachregeln
▪ Einfluss auf Sprachbewusstsein
Die Norm – die Sprachnorm

Die geschriebene Sprache ist


normerhaltend
und
normtradierend
Weiter gefasster Normbegriff
Kommunikationsnormen sind soziolinguistisch
geprägt →
rationales, zielgerichtetes, zieladäquates
Handeln.

Das Ziel ist Einander-Verstehen.


!
Korrektheit sprachlicher Mittel

Korrektheit des Sprachgebrauchs


!
Die kommunikative Funktion prägt die Form.

Der Grad der Korrektheit der Äußerung ist


dem kommunikativen/expressiven Bedürfnis
der Mitteilung in der Regel untergeordnet.
Kontextuelle Bedingungen der
Geschriebenen Sprache
▪ Raum und Zeit fallen auseinander
(Fernkommunikation, Literarische
Kommunikation)
▪ Veränderung der Grundkonstellation durch die
Neue Medien (simultan, quasi-simultan)
▪ Verbindlichkeit, Rechtskraft
▪ Kulturtechnik (muss erlernt werden)
Charakteristika der geschriebenen
Sprache (Auswahl)
Syntax
▪ längere Sätze
▪ Grammatische Variationsmöglichkeit (Stil)
▪ Hypotaxen
▪ Nominalstil
▪ festgelegte Wortstellung
Lexik
Fachwörter

Morphologie
alle Temporalformen
Konjunktive
Viele Konjunktionen
Exkurs: Konzeptionelle Mündlichkeit und
konzeptionelle Schriftlichkeit

Peter Koch
Wulf Oesterreicher
Konzeptionelle Mündlichkeit und
konzeptionelle Schriftlichkeit
▪ Eine rigide Trennung zwischen phonischer und
grafischer Realisierung sprachlicher Äußerungen wird
dem Problem ihrer Konzeption nicht gerecht.

▪ Medium und Konzeption können prinzipiell


voneinander unabhängig sein.

▪ Ein Wechsel des Mediums ist möglich.


Das Modell
Das konzeptionelle Kontinuum

sprachliche Äußerungen zwischen Nähe


(konzeptionell mündlich) und Distanz
(konzeptionell schriftlich)
Ein vieldimensionaler Raum
▪ Alle konzeptionellen Möglichkeiten zwischen
‚Mündlichkeit’ und ‚Schriftlichkeit’ können
hier situiert werden.

▪ Außersprachliche Bedingungen steuern die


Konzeption „sprachlicher
Kommunikationsakte“.
Welches sind diese außersprachlichen
Bedingungen?

▪ Grad der Öffentlichkeit (Zahl der Rezipienten)


▪ Grad der Vertrautheit der Partner
▪ emotionalen Beteiligung
▪ Situations- und Handlungseinbindung von
Kommunikationsakten
▪ Referenzbezug (Entfernung der bezeichneten
Gegenstände und Personen vom Sprecher-origo)
Welches sind diese außersprachlichen
Bedingungen?
▪ physische Nähe der Kommunikationspartner
(face-to-face-Kommunikation)
▪ Grad der Kooperation (direkte
Mitwirkungsmöglichkeiten der Rezipienten bei der
Produktion des Diskurses)
▪ Grad der Dialogizität
▪ Grad der Spontaneität
▪ Grad der Themenfixierung
(Koch/Oesterreicher 1990: 8-10; 1994: 588)
Versprachlichungsstrategien

Den Kommunikationsbedingungen
entsprechen bestimmte
Versprachlichungsstrategien.
konzeptionell relevante Eigenschaften der
sprachlichen Äußerungen

Distanzäußerungen → hoher Planungsgrad →


elaboriert → hohe Informationsdichte →
rascher Informationsfortschritt
konzeptionell relevante Eigenschaften der
sprachlichen Äußerungen

Nähesprechen → geringer Planungsgrad →


Prozesshaftigkeit und Vorläufigkeit →
sparsame Versprachlichung → geringe
Informationsdichte

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