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Frassinetti - Rota Nicht nur Literatur Leicht Vom Mittelalter bis zur Aufklärung

Ursprünge der deutschen Sprache

Das Indo - Die Geschichte der deutschen Sprache beginnt mit einer schriftlichen Überliefe-
europäische rung erst zur Zeit Karls des Großen (8. Jahrhundert). Damals vollzog sich der Über-
gang vom Germanischen, von dem die deutsche Sprache abstammt, zum Deutschen.
1. Lautverschiebung Das Germanische ist dem indoeuropäischen oder indogermanischen Sprachstamm
zuzurechnen, zu dem fast alle Sprachen Europas und einige Asiens gehören (griechisch,
lateinisch, albanisch, keltisch, slawisch, indisch, persisch, germanisch).
Um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Ch. trennten sich die germanischen Sprachen
durch die Erste oder Germanische Lautverschiebung von den übrigen indoeuropäi-
schen Sprachen. Die wichtigsten Veränderungen innerhalb des Konsonantensystems
waren die folgenden:

ptk f th h

Griechisch Lateinisch Gotisch Englisch Deutsch


pater pater fadar father Vater
treis tres threis three drei
kardia cor haírto heart Herz

bdg ptk

Griechisch Lateinisch Gotisch Englisch Deutsch


déka decem taíhun ten tein (zehn)
góny genu kniu knee Knie

bh/ph dh/th gh/kh bdg

Griechisch Lateinisch Gotisch Englisch Deutsch


phrátor frater brothar brother Bruder
thyra fores daúr door Dör (Tür)
khórtos hortus gards garden Garten

Aus der urgermanischen Sprache gingen drei Sprachgruppen hervor:


– das Nordgermanische (Schwedisch und Dänisch, Norwegisch und Isländisch);
– das Ostgermanische (Gotisch, die Sprache der Goten, Vandalen, Burgunder,
Langobarden u. a.);
– das Westgermanische (Englisch und Friesisch, Holländisch und Deutsch).
Die germanischen Sprachen gemeinsamen Ursprungs haben auch im Wortschatz
viel Gemeinsames. Als Beispiel dafür gelte ein Satz aus dem Vater Unser:

Deutsch Gib uns heute unser tägliches Brot.


Englisch Give us today our daily bread.
Holländisch Geef ons heden ons dagelijks brood.
Dänisch Giv os i dag vort daglige brød.
Schwedisch Giv oss i dag vårt dagliga bröd.

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Das Wort „deutsch“, aus dem germanischen „thiudisk“, hieß ursprünglich „zum Vol-
ke gehörig“. In Texten aus dem 7. und 8. Jahrhundert findet sich das gotische Adjek-
tiv thiudisk latinisiert als „theodisca lingua“, d. h. Vulgärsprache, als Bezeichnung für
die Mundarten der westgermanischen Stämme im Gegensatz zum Latein.
2. Lautverschiebung Nach der großen Völkerwanderung der germanischen Stämme (4.-6. Jahrhundert)
begann die Zweite oder Althochdeutsche Lautverschiebung. Sie ging vom Süden, von
den Alemannen und Langobarden aus, breitete sich teilweise bis nach Mitteldeutsch-
land aus und hatte in Norddeutschland keine Wirkung mehr. Aufgrund dieser Laut-
veränderung spaltete sich das Deutsche in zwei Dialektgruppen:
Niederdeutsch: dazu gehören das Niederfränkische, aus dem sich das Nieder-
ländische als selbständige Sprache entwickelt, und das Niedersächsische, das als Mund-
art unter dem Namen „Plattdeutsch“ in Norddeutschland erhalten geblieben ist;
Hochdeutsch: das war die Sprache Süddeutschlands, die mehrere ober- und mit-
teldeutsche Mundarten umfasste.
Die Zweite Lautverschiebung setzt sich u. a. aus folgenden Lautübergängen zusam-
men:
Die germanischen Verschlusslaute p, t, k werden zu pf, t(z) und kch, wenn sie im
Anlaut eines Wortes, nach Konsonanten oder in der Verdoppelung stehen. In den übri-
gen Stellungen, d. h. im Inlaut zwischen Vokalen und im Auslaut nach Vokalen, wer-
den sie zu den Reibelauten f(f), s(s) und h(ch).
Die Folgen der Zweiten Lautverschiebung, die nur die deutsche Sprache inte-
ressierte, kann man beim Vergleich vieler Wörter der englischen und deutschen
Sprache erkennen. Hier sind einige Beispiele:

Griechisch Deutsch
phrátor Bruder
Germanisch (Englisch) Deutsch
p pf ff
pound, apple Pfund, Apfel
open, ship offen, Schiff
t t(z) s(s)
two, twenty zwei, zwanzig
water, what, it Wasser, was, es
k k(ch) h(ch)
make, cake, cook machen, Kuchen, Koch

In seiner weiteren Entwicklung gliedert sich das Hochdeutsche auf in:


– Althochdeutsch: von 750/800 bis 1050
– Mittelhochdeutsch: von 1050 (Kreuzzüge) bis 1500 (Reformation)
– Neuhochdeutsch: von 1500 bis zur Gegenwart (mit einigen geringeren Verän-
derungen).

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