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VdTÜV-Werkstoffblatt WB 230/2

Rohre aus Titan


230/2
unlegiert und niedriglegiert
09.2007

Die VdTÜV-Werkstoffblätter werden in Zusammenarbeit mit den Werkstoffherstellern erstellt und sind eine Kurzfassung des
erstmaligen Gutachtens des Sachverständigen einer TÜO*) im Sinne der Technischen Regeln für überwachungsbedürftige
Anlagen (z. B. TRD, TRB, AD 2000-Merkblätter, TRG, TRbF, TRFL, KTA). Bei Abweichungen von den Festlegungen der
nachfolgenden Abschnitte sind Vereinbarungen zwischen Hersteller, Besteller/Weiterverarbeiter und der zuständigen TÜO*) zu
treffen und Einzelgutachten oder ergänzende Begutachtungen erforderlich.

Dieses Blatt gilt für nahtlose kreisförmige Rohre aus Titan unlegiert und niedriglegiert (Titan-Werkstoffe), die für Druckbehälter
oder Rohrleitungen nach dem AD 2000-Regelwerk hergestellt und verwendet werden. Grundsätzlich gelten für diese
Erzeugnisformen die in DIN 17850 und DIN 17851 festgelegten chemischen Zusammensetzungen, die in DIN 17861
festgelegten technischen Lieferbedingungen und bezüglich der Werkstoffeigenschaften die zusätzlichen Angaben in DIN 17869.

Über die Festlegungen in DIN 17861 und DIN 17869 hinaus und ergänzend dazu gelten für Druckbehälter und
Rohrleitungen die nachstehenden Regelungen, die sich in ihrer Reihenfolge auf die einzelnen Abschnitte der DIN 17861
und DIN 17869 beziehen.

Für geschweißte Rohre wird auf VdTÜV-Merkblatt 1253 verwiesen.

1 Zu DIN 17861 Abschnitt 1 „Anwendungsbereich“

1.1 Für Druckbehälter können die in Tafel 1 genannten Titan-Werkstoffe entsprechend AD 2000-Merkblatt W 0,
Abschnitt 3.4, für Rohrleitungen nach AD 2000-Merkblatt HP 100 R Abschnitt 5.2 in den in Tafel 1 genannten
Anwendungsgrenzen verwendet werden. Die begutachteten Abmessungen sind im Beiblatt aufgeführt. Die
Titan-Werkstoffe sind der Gruppe Ti1 der Tafel 3 des AD 2000-Merkblattes HP 0 bzw. den in Tafel 1
aufgeführten Gruppen des CEN ISO/TR 15608:2000 zuzuordnen.

1.2 Für Druckgeräte nach Richtlinie 97/23/EG unter Beachtung des Abschnittes 4 im Anhang I.

1.3 Für Anwendungsbereiche in der Kerntechnik können die in Tafel 1 genannten Titan-Werkstoffe verwendet
werden, soweit kerntechnische Regeln oder objektbezogene Spezifikationen die Verwendung gemäß
Abschnitt 1.1 zulassen.

Tafel 1 Anwendungsgrenzen für Titan-Werkstoffe

Werkstoff- Anwendungstemperatur Lieferzustand


°C
Kurzzeichen Nummer Gruppe

Ti1 3.7025 ≥ –10 bis ≤ 250


51,1
Ti2 3.7035
≥ –10 bis ≤ 300
Ti3 3.7055 51,2
weichgeglüht
Ti1Pd 3.7225 ≥ –10 bis ≤ 250

Ti2Pd 3.7235 52 ≥ –10 bis ≤ 300

Ti3Pd 3.7255

2 Zu DIN 17861 Abschnitt 3 „Anforderungen“

2.1 Bei Verwendung in sehr oxidierenden Medien ist ein Fe-Anteil von max. 0,10 % zu vereinbaren.

2.2 Die in Tafel 1 und 2 der DIN 17861 genannten Rp1,0, Rm und A gelten für die im Beiblatt genannten begutachteten
Erzeugnisformen und Abmessungen.

*)
Technische Überwachungorganisation, die Mitglied im VdTÜV ist.

Ersatz für Zusammengestellt nach Angaben des TÜV Bayern Sachsen,


Ausgabe 06.1995 Rheinland sowie des RWTÜV
Die VdTÜV-Werkstoffblätter sind urheberrechtlich geschützt. Die Vervielfältigung, die Verbreitung, der Nachdruck und die Gesamtwiedergabe auf fotomechanischem oder
ähnlichem Wege bleiben, auch bei auszugsweiser Verwertung, der vorherigen Zustimmung des Verlages vorbehalten. Weitere Hinweise siehe VdTÜV-Merkblatt „Allgemeines 001“.
Für den aktuellen Stand der VdTÜV-Werkstoffblätter ist das VdTÜV-Werkstoffblatt 100/1 maßgebend. Dieses Werkstoffblatt wird vierteljährlich auf den neuesten Stand gebracht
und ist durch ein Abonnement erhältlich.

Herausgeber: Verband der TÜV e. V.


Druck und Vertrieb: TÜV Media GmbH, Am Grauen Stein, 51105 Köln · Unternehmensgruppe TÜV Rheinland Group
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3 Zu DIN 17861 Abschnitt 4.1 „Bescheinigungen über Materialprüfungen“

Für die Erzeugnisse ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.2 nach DIN EN 10204 durch die TÜO auszustellen. Es ist durch den
Sachverständigen und den Abnahmebeauftragten des Herstellers zu bestätigen.

Vom Hersteller ist zu bescheinigen:

– das Ergebnis der chemischen Analysen,

– die Durchführung und das Ergebnis der zerstörungsfreien Prüfung (soweit gefordert),

– die Durchführung und das Ergebnis der Prüfung auf Dichtheit,

– die Übereinstimmung der Lieferung mit den Anforderungen dieses VdTÜV-Werkstoffblattes und der Bestellung.

Diese Bescheinigung ist Teil des Abnahmeprüfzeugnises 3.2.

4 Zu DIN 17861 Abschnitt 4.2 „Prüfumfang“

Für den Prüfumfang gelten die Vorgaben der Prüfklasse 2.

5 Zu DIN 17861 Abschnitt 4.4 „Dichtheit“

Zum Nachweis der Dichtheit ist der Innendruckversuch durchzuführen. Der Innendruckversuch kann im Einvernehmen mit
dem Sachverständigen durch ein gleichwertiges Prüfverfahren (z. B. zerstörungsfreie Prüfung) ersetzt werden.

6 Zu DIN 17861 Abschnitt 4.4.8 „Zerstörungsfreie Prüfung“

Alle Rohre mit einer Nennwanddicke > 5,6 mm sind über die gesamte Rohrlänge mit Ultraschall zu prüfen. Bei Rohren mit
einer Nennwanddicke ≤ 5,6 mm genügt die Prüfung an mindestens 10 % der Rohre je Schmelze und Abmessung. Werden
an so geprüften Rohren Fehler gefunden, mit deren Vorhandensein auch bei nicht geprüften Rohren gerechnet werden
muss, so sind alle Rohre über die gesamte Länge zerstörungsfrei zu prüfen. Für die Prüfung ist DIN EN 10246-7
sinngemäß anzuwenden. Andere zerstörungsfreie Prüfverfahren können angewendet werden, wenn ihre Gleichwertigkeit
durch Gutachten des Sachverständigen nachgewiesen ist.

7 Zu DIN 17861 Abschnitt 5 „Kennzeichnung“

7.1 Zusätzlich zur Prüflosnummer ist der Probenträger mit der Probenummer zu kennzeichnen.

7.2 Die Stempelung erfolgt an Erzeugnisdicken > 5 mm mit Schlagstempel, bei dünneren Erzeugnissen mit Gummistempel
und dauerhafter Farbe. Im Einvernehmen mit dem Sachverständigen können auch neue Verfahren zur Kennzeichnung,
wie z. B. Ätzverfahren, zugelassen werden.

8 Zu DIN 17869 Abschnitt 4 „Verarbeitung“

8.1 Allgemeine Hinweise

8.1.1 Es gelten für Druckbehälter die AD 2000-Merkblätter der Reihe HP, für Rohrleitungen AD 2000-Merkblatt HP 100 R.

8.1.2 Sofern keine Erfahrungen bezüglich der Verarbeitung vorliegen, sollte vor Fertigungsbeginn der Hersteller der
Erzeugnisform zu Rate gezogen werden. Dies gilt auch für die Schweißzusätze und Hilfsstoffe.

8.1.3 Von den in Abschnitt 8.2 bis 8.3 enthaltenen Festlegungen kann abgewichen werden, wenn die allgemein anerkannten
Regeln der Technik eingehalten sind.

8.2 Schweißen

8.2.1 Titan ist unter Verwendung von Argon (mind. 99,99 %) mit niedrigem Feuchtigkeitsgehalt nach folgenden Prozessen
(Begriffe und Ordnungsnummern nach DIN EN ISO 4063) schweißgeeignet.

– 141, Wolfram-Inertgasschweißen (WIG) mit oder ohne Schweißzusatz,


– 131, Metall-Inertgasschweißen (MIG).

8.2.2 Beim Schweißen sind sowohl die Nahtoberseite als auch die Wurzelseite mit Randzonen durch geeignete
Schweißeinrichtungen vor dem Zutritt von Luft auch während der Abkühlung bis unter etwa 300 °C zu schützen.

8.2.3 Durch Aufnahme von Verunreinigungen kann Aufhärtung erfolgen und dadurch u. U. Versprödung der Schweißnaht
eintreten. Daher ist auf Sauberkeit der Schweißkanten und Randzonen sowie des Schweißzusatzes besonders zu achten.

8.2.4 Als Schweißzusatz ist ein eignungsgeprüfter Blankdraht der gleichen Titan-Gruppe zu verwenden. Für die
Eignungsprüfung ist VdTÜV-Merkblatt Schweißtechnik 1153 maßgebend.
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8.2.5 Ein Spannungsarmglühen als Wärmebehandlung nach dem Schweißen ist nur erforderlich, wenn aufgrund der
Werkstoffdicke oder der konstruktiven Gestaltung größere Schweißeigenspannungen zu erwarten sind.

8.2.6 Nach dem Schweißen sind Prüfungen entsprechend der Gruppe Ti1 der Tafel 3b des AD 2000-Merkblattes HP 0
durchzuführen.

8.2.7 Die Härte der Nähte ist werksseitig zu prüfen. Die Aufhärtung soll nicht mehr als 50 Härteeinheiten gegenüber dem
Grundwerkstoff betragen.

8.3 Umformen

8.3.1 Die Werkstoffe der Titan-Gruppen 1, 2 und 3 sind kaltumformbar. Bei Umformungen zwischen 2 und 5 % ist für die Titan-
Gruppen 2 und 3 ein Erwärmen auf 200 bis max. 500 °C zu empfehlen. Größere Umformungen sind immer im gleichen
Temperaturbereich vorzunehmen. Auf ein Weichglühen bei Umformungen über 5 % kann, unabhängig von der
Umformungstemperatur nur verzichtet werden, wenn in einer Verfahrensprüfung nachgewiesen wird, dass die
Eigenschaften nach DIN 17861 und Abschnitt 2 eingehalten werden.

9 Zu DIN 17869 Abschnitt 5 „Wärmebehandlung“

9.1 Das Weichglühen ist bei Temperaturen zwischen 650 und 750 °C durchzuführen. Die Haltedauer beträgt 3 min je mm
Erzeugnisdicke, mindestens 15 min, Abkühlen an Luft.

9.2 Das Spannungsarmglühen ist bei 450 bis 600 °C durchzuführen. Die Haltedauer beträgt mindestens 30 min, Abkühlen an
Luft.

10 Berechnen

10.1 Bei den in Tafel 1 genannten Titan-Werkstoffen liegen bei Raumtemperatur bis etwa 150 °C die Zeitstandfestigkeitswerte
entsprechend DIN 17869 unter den Werten der 1 %-Dehngrenze entsprechend DIN 17861. Für die Berechnung sind daher
folgende Werte zu verwenden:

Werkstoff Berechnungskennwert K bei Temperatur °C


20 75 100 150 200 250 300
MPa

Ti1, Ti1Pd 200 160 145 130 110 90 –

Ti2, Ti2Pd 280 215 195 191 145 115 105

Ti3, Ti3Pd 340 257 242 220 165 130 115

Der Sicherheitsbeiwert S hat den Wert 1,5.

10.2 Wenn keine Zeitstandwerte der Wärmeeinflusszone und des Schweißzusatzes (Schweißgut) vorliegen, gelten für
vollbeanspruchte Schweißnähte in Bauteilen, die mit Zeitstandwerten bemessen werden, folgende Werte:

Werkstoff Berechnungskennwert K bei Temperatur °C


20 75 100 150 200 250 300
MPa

Ti1, Ti1Pd 160 128,0 116,0 104,0 96 90 –

Ti2, Ti2Pd 224 172,0 156,0 152,8 145 115 105

Ti3, Ti3Pd 272 205,6 193,6 176,0 165 130 115

11 Begutachtete Hersteller

Die begutachteten Hersteller sind im Beiblatt zu diesem VdTÜV-Werkstoffblatt genannt.