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Macht Schokolade glücklich?

Durch die Arbeit der GEPA gilt das jetzt endlich auch für die Produzenten von Schokolade, denn sie
setzt sich dafür ein, dass diese Arbeit fair vergütet wird.

Es gibt nur wenige Menschen, die nicht gerne und oft Schokolade essen. So werden in Deutschland
im Durchschnitt 9,7 Kilo Schokolade pro Kopf im Jahr verzehrt, denn Schokolade macht ja
bekanntlich glücklich. Bei einem Blick auf die Gewinnung von Kakao wird jedoch schnell der bittere
Beigeschmack ersichtlich. Kauft man eine Tafel Schokolade, so erhalten Kakaobauern derzeit nur
circa 6,6 Prozent des Verkaufspreises, wesentlich mehr fällt an die Supermärkte und
Schokoladenhersteller ab. Die Dumping-Preise für Kakao führen dazu, dass Kakaobauern häufig
kein existenzsicherndes Einkommen erzielen können, mit dem sie beispielsweise sauberes
Trinkwasser oder eine gesunde Ernährung bezahlen können. Menschenrechtsorganisationen
weisen zudem immer wieder auf Kinderarbeit und bedenkliche Zustände auf den Kakaoplantagen
hin.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat das Bewusstsein für diese Missstände – nicht nur in der
Kakaobranche – zugenommen. Generell beschäftigen sich immer mehr Menschen in Deutschland
mit der Herkunft von Produkten, wodurch der Faire Handel und auch Bio-Produkte, also Produkte
aus ökologischer Landwirtschaft, an Bedeutung gewonnen haben. Dies belegen auch die
Verkaufszahlen: Der Umsatz von fair gehandelten Produkten hat sich in den letzten zehn Jahren
verfünffacht, der von Bio-Produkten verdoppelt.

Ein bekannter Fair-Händler ist die GEPA. Sie ist die größte europäische Fair-Handelsorganisation
mit Sitz in Wuppertal und hat sich zum Ziel gesetzt, dass Produkte ökologisch und zu fairen
Bedingungen für die Rohstofflieferanten entstehen und die Lieferkette transparent ist. Am Beispiel
der GEPA-Mascobado Vollmilchschokolade lässt sich gut nachvollziehen, wie Fairer Handel
funktioniert. Für diese Schokolade importiert die GEPA Kakaobohnen, Kakaobutter, Rohrzucker und
Milchpulver von mehreren Kooperativen. Eine der Kooperative für Kakaobohnen ist die
COOPROAGRO aus der Dominikanischen Republik. Dieser gehören diverse Kakaobauern an, die
ganz am Anfang der Lieferkette der Schokolade stehen. Sie bauen den Kakao an und ernten ihn.
Bei den Mitgliedern handelt es sich um kleine Familienbetriebe und nicht um Plantagen, auf denen
Hunderte von Arbeitern beschäftigt sind.

In der COOPROAGRO können die Kleinbauern gemeinsam große Liefermengen erzielen. Als
Kleinbauer alleine wäre das nicht möglich, denn der Kakaoanbau ist harte Handarbeit, bei dem jede
einzelne Schote vom Baum abgetrennt und mit einer Machete geöffnet werden muss. Durch den
Zusammenschluss können die Bauern auch ihre Verhandlungsmacht steigern, wenn der Kakao
weiterverkauft wird. Die Genossenschaft sorgt außerdem für die Vermarktung des Kakaos, informiert
ihre Mitglieder über Preisentwicklungen und übernimmt die Transportkosten. Die GEPA arbeitet mit
der COOPROAGRO zusammen, handelt mit ihr die Verträge aus und überweist ihr Geld.
Die geernteten Kakaobohnen werden zunächst von den Bauern per Esel, Pferd oder Motorrad zu
einer der zahlreichen Sammelstellen gebracht. Teilweise holt auch ein Mitarbeiter der
COOPROAGRO die Ernte direkt bei den Bauern mit einem LKW ab. Bei der Abgabe der Bohnen
erhalten die Bauern einen Abgabe-Beleg mit dem Gewicht der Ware und der Summe, die sie von
der Genossenschaft ausbezahlt bekommen. Damit die COOPROAGRO immer Geld zur Verfügung
hat, kann sie von der GEPA eine Vorfinanzierung bekommen. Die Vorfinanzierung ist ein wichtiges
Instrument im Fairen Handel, um garantieren zu können, dass die Bauern ihr Geld möglichst schnell
bekommen.

Die Genossenschaftszentrale der COOPROAGRO befindet sich in San Fransisco de Macoris. Hier
erfolgt zunächst die Fermentierung. Dabei laufen biologische und chemische Prozesse ab, durch die
das weiße Fruchtfleisch, das die Kakaobohnen umgibt, zersetzt wird. Im Anschluss werden die
Bohnen getrocknet und Verunreinigungen werden entfernt, bevor sie in große Exportsäcke kommen
und auf Container geladen werden. Die Reederei holt dann die Container mit LKWs ab und bringt
sie nach Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, wo der Transport der
Kakaobohnen auf dem Wasserweg nach Europa beginnt, der circa drei Wochen dauert.

Die GEPA ist für den Import nach Europa verantwortlich und steuert die Verarbeitung. Da sie selbst
aber keine Schokolade herstellt, arbeitet sie mit drei Herstellern zusammen. Zwei davon sind in
Holland. Die fairen Kakaobohnen der GEPA werden dort zu Kakaomasse, Kakaobutter und
Kakaopulver verarbeitet. Anschließend werden diese Produkte von Holland nach Deutschland zur
Schokoladenmanufaktur transportiert.

Für herkömmliche Händler, die Schokolade produzieren lassen und verkaufen, ist es meist
schwierig, nachzuvollziehen, wo der Kakao wirklich herkommt, da sie diesen von Großhändlern
beziehen. Die GEPA hingegen kennt durch die Zusammenarbeit mit den Kooperativen und
Verarbeitern die Stationen der Lieferkette und hat mit der GEPA-Mascobado Vollmilchschokolade
die erste Schokolade mit fairer Milch auf den Markt gebracht - mit einem Fair-Handelsanteil von 100
Prozent.
Kakaobauern verdienen an der Schokolade teilweise so wenig, dass …

es bei den Schokoladenherstellern Bedenken hervorruft.


sie mit den Einnahmen kaum die Grundbedürfnisse stillen können.
ihre Kinder ebenfalls zur Arbeit gehen müssen.

Das Bewusstsein für Fairen Handel …


wurde maßgeblich durch die Kakaobranche geprägt.
hat in den vergangenen Jahren das Bewusstsein für Bio-Produkte überstiegen.
lässt sich an den Absatzzahlen der vergangenen Jahre ablesen.

Die GEPA setzt sich dafür ein, dass …

alle Stationen der Produktion nachvollziehbar sind.


alle Zutaten für eine Schokolade aus einem Land importiert werden.
familiäre Betriebe mehr Arbeitskräfte anstellen können.

Der Vorteil einer Genossenschaft wie COOPROAGRO ist, dass die …

einzelnen Kakaobauern die Genossenschaft leichter mit mehr Kakaobohnen versorgen können.
Kakaobauern ein Mitspracherecht bei der Preisgestaltung haben.
Kakaobauern nicht selbst mit der GEPA Abkommen treffen müssen.

Nach der Ernte der Kakaobohnen …

holen LKWs die Bohnen von den Sammelstellen ab.


können die Kakaobauern den für die Ware ermittelten Preis in Rechnung stellen.
werden die Kakaobauern mit Geldern der GEPA zeitnah bezahlt.

In der Genossenschaftszentrale von COOPROAGRO

werden die Kakaobohnen chemisch gereinigt.


werden die Kakaobohnen für den Export verpackt.
wird die Verladung und die Verschiffung der Ware vorgenommen.

In Europa …

regelt die GEPA die weiteren Schritte der Schokoladenproduktion.


verfügt die GEPA über Verarbeitungsstandorte, in denen Kakaoerzeugnisse hergestellt werden.
werden die Kakaobohnen an Verarbeiter und Manufakturen verkauft.

Für die GEPA ist es von Vorteil, dass …


sie keine Kakaobohnen von Großhändlern einkaufen muss.
dass sie die Abläufe von der Kakaobohne bis zur Schokolade kennt.
sie durch den Verkauf einer fairen Vollmilchschokolade einen hohen Bekanntheitsgrad hat.