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Maßnahmenblatt des Runden Tisches

„Gewässerschutz Werra / Weser und Kaliproduktion“

Bezeichnung der Maßnahme:

Einsatz der Salzabwässer als Fällmittel zur Fällung von


Magnesiumammoniumphosphat (MAP)

Maßnahmengruppe: Standortferne Entsorgung von Produktionsrückständen

Kurzbeschreibung / Spezifikation der Maßnahme


1. MAP-Fällung
Magnesiumammoniumphosphat, MAP (MgNH4PO4×6 H2O), auch unter dem Namen Struvit bekannt,
ist ein mineralischer Stoff. Es besteht in reiner Form aus weißen Kristallen, die sich bei Anwesenheit
von Magnesium- (Mg2+), Ammonium- (NH4+) und Phosphationen (PO43-) unter leicht alkalischen
Bedingungen unmittelbar und in kurzer Zeit bilden. Struvit kann als Düngmittel für die Landwirtschaft
eingesetzt werden.

Abwasserteilströme aus dem kommunalen bzw. industriellen Bereich können zum Teil hohe
Konzentrationen an Ammonium und Phosphat enthalten. Bei gleichzeitiger Anwesenheit von
Magnesium und Vorliegen eines alkalischen pH-Wertes finden spontane MAP-Ausfällungen statt.
MAP wird daher auf Kläranlagen zunehmend als Ursache für verstopfte Leitungen sowie
Verkrustungen an bestimmten Anlagenteilen identifiziert. Daher werden die Komponenten, die zur
ungewollten Bildung von MAP führen, häufig mit Hilfe einer kontrollierten MAP-Fällung im Vorfeld aus
dem entsprechenden Abwasserteilstrom abgetrennt und entfernt, um eine unkontrollierte, spätere
Ausfällung zu verhindern.

Darüber hinaus können die Nährstoffe (N und P) direkt aus dem Abwasser durch die MAP-Fällung
zurück gewonnen werden; i.d.R. wird dieses Verfahren auch in Teilströmen der
Schlammwasserbehandlung eingesetzt. In den meisten Fällen ist die Magnesiumkonzentration im
Vergleich zu Ammonium und Phosphat stöchiometrisch zu gering, so dass die Zugabe einer externen
Magnesiumlösung notwendig ist. Für eine vollständige Ammoniumgewinnung müsste auch Phosphor
zudosiert werden.

Im Werk Werra fallen an den drei Standorten durchschnittlich 14 Mio. m3/a Salzabwasser mit hohen
Magnesiumkonzentrationen an. Es ist denkbar, das Volumen und die Salzfracht geeigneter
Teilmengen durch Abgabe von magnesiumhaltigen Salzabwasserteilströmen zu reduzieren. Die
Sinnhaftigkeit einer solchen Teilmengenbehandlung hängt ab von

⋅ der Zusammensetzung der Salzlösung,


⋅ dem Bedarf an magnesiumhaltigen Salzabwässern auf Kläranlagen,

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⋅ der Verwertungsmöglichkeit der MAP-Produkte aus Kläranlagen und
⋅ dem Logistikkonzept zum Transport der magnesiumhaltigen Salzabwässer.
Auf Grund der Notwendigkeit an hohen Magnesiumkonzentrationen kommen hierfür nur die
magnesiumreichen Salzabwasserteilströme wie Q-Lösung aus dem Standort Unterbreizbach von
1,8 Mio m³/a, Hartsalzabstoßlauge aus dem Standort Hattorf von 2,6 Mio m³/a, Endlauge und Q-Lauge
aus dem Standort Wintershall mit 0,2 Mio m³/a bzw. 0,9 Mio m³/a in Frage (Zahlenangaben dabei
jeweils bezogen auf das Produktionsjahr 2008).

2. Bisherige Erfahrungen
Ein Teilstrom der Salzabwässer (Haldenabwasser aus dem Werk Neuhof-Ellers) wurde als Fällmittel
im Labormaßstab durch das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU Braunschweig in 2008
experimentiert. Die Ergebnisse zeigen, dass auch das Haldenabwasser für eine MAP-Fällung sehr gut
eignet ist. Der Einsatz des Haldenabwassers hat für Phosphor einen Rückgewinnungsgrad von 97 %
ergeben. Die Verwendung von Haldenabwasser stellt bezüglich der Reaktionskinetik im Vergleich zu
herkömmlichen Fällmitteln keinen wesentlichen Unterschied dar und würde in der Praxis aufgrund der
günstigen Verfügbarkeit die Kosteneffizienz dieses Verfahrens erheblich steigern. K+S Kali GmbH
verkauft bereits MgCl2-Lösung (33%-ig) für den Einsatz in einer Kläranlage einer Großstadt zur
Fällung von Struvit.

Akteur für Durchführung der Maßnahme


K+S KALI GmbH

Wirkung der Maßnahme


Primärwirkung (Effektivität der Maßnahme)
Wegen der begrenzten Phosphormengen im Abwasser kann nur ein geringer Anteil der
magnesiumreichen Salzabwässer gebraucht werden.

In der Regel wird die Vorfällung aus Gründen der Regelung (Rest-Phospor für Biologie), der reinheit
des Produktes und der zu starken CSB-Entnahme (Problem Denitrifikation) selten angewendet. Für
ein P-orientierte Fällung (100 % Gewinnung des Phosphors aus dem Zulauf) mit Magnesium und dem
vorhandenen Ammonium im Abwasser einer mittelgroßen Kläranlage mit 500.000 EW und 346,75 t/a
Phosphor im Zulauf würden 268 t/a Magnesium zu MAP-Fällung benötigt. Wenn zum Beispiel die
Hartsalzabstoßlauge aus dem Standort Hattorf mit eine Mg2+-Konzentration von 46 g/l als Fällmittel
eingesetzt würde, errechnet sich ein Bedarf an der Hartsalzabstoßlauge von 5.826 m3/a. Dieser
Bedarf beträgt nur in etwa 0,2% des Hartsalzabstoßlaugeanfalls allein aus dem Standort Hattorf (in
etwa 2,6 Mio. t/a in 2008), zudem müssten 120 m³ Lauge pro Woche zu der Anlage transportiert
werden.

Würde man für die gleiche Kläranlage die Fällung des vorhandenen P aus dem Schlammwasser einer
Faulung betreiben, so ergibt sich bei ca. 10-20% P bzw. 35 – 70 t P/a im Schlammwasser ein Mg-
Bedarf gedeckt durch ca. 580 – 1.160 m³/a aus der Hartsalzabstoßlauge. Dies entspricht nur 0,02 –

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0,04% des Anfalls aus dem Standort Hattorf. Bei einer vollständigen Ammoniumfällung aus dem
Schlammwasser müsste zusätzlich Phosphor dosiert werden.

Sekundärwirkungen:
Bei der MAP-Fällung können die anderen Sulfatsalze wie CaSO4, MgSO4 neben Struvit gebildet
werden. Diese Nebenprodukte können die Reinheit des Struvits beeinträchtigen.

Räumliche Wirkung
9 lokal 9 regional 9 länderweit
Zeitbedarf

bis zur Umsetzung ab sofort

bis zur Wirksamkeit ab sofort

Wechselwirkungen mit anderen Maßnahmen


Keine relevanten Wechselwirkungen

Kostenabschätzung
Die Entsorgungskosten der magnesiumhaltigen Salzabwässer sind abhängig von den
Transportkosten zu entsprechenden Kläranlagen und dem aktuellen Phosphordüngepreis. Sie können
daher nur individuell ermittelt werden.

Mögliche Konflikte, Risiken, Unsicherheiten


CO2-Emission durch Transport der magnesiumreichen Salzabwässer

Umsetzbarkeit der Maßnahme

Technische Umsetzbarkeit gegeben

Rechtliche Umsetzbarkeit gegeben

Zusammenfassung
Der Einsatz der Salzabwässer als Fällmittel zur Fällung von MAP stellt eine prinzipiell sinnvolle
Verwertung der magnesiumhaltigen Salzabwässer da. Dieser Einsatz kann aber auf Grund des
geringen Bedarfs die MgCl2-haltigen Salzabwassermengen nur unwesentlich reduzieren.

Quellen
- Gutachten zur Behandlung bzw. Verwertung salzhaltiger Abwässer aus dem Werk Neuhof-Ellers

der K+S Kali GmbH, Institut für Siedlungswasserwirtschaft, Technische Universität Braunschweig,

im Auftrag des Regierungspräsidiums Kassel, März 2008

- eigene Recherchen und Berechnungen, Institut für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik,


Leibniz Universität Hannover, 2009

- Erarbeitet im Rahmen des Runden Tisches „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“


auf der Grundlage verschiedener Maßnahmenvorschläge und Stellungnahmen, beschlossen auf der
12. Sitzung des RT am 26.05.09.

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