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Vorlesung Baubetrieb 5

Unternehmensführung
Kennzahlen, Shareholder Value

Prof. Dr.-Ing. A. Malkwitz


Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Agenda
• Definition Unternehmen
• Kennzahlen - Definition, Funktionen und Beispiele
• Ratings
• Kapitalstruktur von Unternehmen

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Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Definition Unternehmen

Unternehmen:

Ein Unternehmen ist ein spezieller Betriebstyp in marktwirtschaftlichen Systemen, der durch die drei
folgenden Merkmale gekennzeichnet ist:

▪ Selbstbestimmung des Wirtschaftsplanes (Autonomieprinzip)

▪ Streben nach Gewinn (erwerbswirtschaftliches Prinzip)

▪ Prinzip des Privateigentums an den Produktionsmitteln

Quelle: G. Wöhe (2016), S. 30: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26., überarbeitet und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München 2016 IBB/Malkwitz 3
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Definition Unternehmen

Größeneinteilung gemäß der Europäischen Kommission

Umsatzerlös Bilanzsumme
Unternehmenstyp Beschäftigte
(Mio. € ) (Mio. € )

Große Unternehmen > 250 und > 50 oder > 43

Mittlere Unternehmen < 250 und ≤ 50 oder ≤ 43

Kleine Unternehmen < 50 und ≤ 10 oder ≤ 10

Kleinstunternehmen < 10 und ≤2 oder ≤2

Quelle: Europäische Union (2015), S.11: Benutzerleitfaden zur Definition von KMU; Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2015 IBB/Malkwitz 4
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Struktur der Bauwirtschaft

Anteil nach Beschäftigtengrößenklassen in Prozent

Quelle: P. Krause, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (05/2020): Betriebsstruktur im Bauhauptgewerbe, abrufbar unter: https://www.bauindustrie.de/zahlen- IBB/Malkwitz 5
fakten/bauwirtschaft-im-zahlenbild/betriebsstruktur-im-bauhauptgewerbe_bwz/
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Struktur der Bauwirtschaft

Unternehmen und Umsätze in Prozent

Quelle: P. Krause, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (05/2020): Betriebsstruktur im Bauhauptgewerbe, abrufbar unter:
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https://www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/bauwirtschaft-im-zahlenbild/betriebsstruktur-im-bauhauptgewerbe_bwz/
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Agenda
• Definition Unternehmen
• Kennzahlen - Definition, Funktionen und Beispiele
• Ratings
• Kapitalstruktur von Unternehmen

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Kennzahlen

Definition:

Unter Kennzahlen versteht man im Allgemeinen eine Verhältniszahl oder Relation, die in
zusammenfassender, teilweise vereinfachender Weise Zusammenhänge der wirtschaftlichen
Arbeitsweise eines Unternehmens erläutert und veranschaulicht.

Funktionen von Kennzahlen:

■ Kennzahlen ermöglichen eine schnelle und übersichtliche Erfolgskontrolle

■ Kennzahlen gestatten inner- und außerbetrieblichen Vergleiche

■ Kennzahlen erlauben eine einfache Darstellung von komplexen Sachverhalten

■ Kennzahlen dienen als Basis für Beurteilungen und Entscheidungen

Quelle: G. Wöhe (2016), S. 199 f.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26., überarbeitet und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München 2016 IBB/Malkwitz 9
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Kennzahlen

EBITDA = Earnings Before Interest, Tax, Depreciation and Amortization

■ Zeigt liquiditätsorientierte Ertragskraft eines


Unternehmens

■ Zeigt, inwieweit ein Cash-Überschuss erzielt wurde

■ Wichtige Kennzahl für Investoren

■ Operative Ertragskraft kann gut zwischen


Unternehmen verglichen werden

■ Aber: zeigt nicht ob ein Gewinn erwirtschaftet


wurde !

Quelle: R.-D. Reineke, F. Bock (Hrsg.) (2007), S. 102: Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 1. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, GWV Fachverlage IBB/Malkwitz 10
GmbH, Wiesbaden 2007
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Kennzahlen

EBIT = Earnings Before Interest and Tax

■ International bedeutsame Kennzahl


■ Zeigt operative Ertragskraft des Unternehmens
■ Gute Vergleichskennzahl
■ unabhängig von der Kapitalstruktur eines Unternehmens
→ Vergleich von Unternehmen mit unterschiedlichen
Fremdkapitalanteilen möglich

Quelle: R.-D. Reineke, F. Bock (Hrsg.) (2007), S. 102: Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 1. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, GWV
Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007
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Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Kennzahlen

Gewinn

■ traditionelle Kennzahl, die durch Gegenüberstellung von Erträgen und


Aufwendungen den jeweiligen Periodenerfolg zeigt

■ bei der Ermittlung des Gewinns werden die Kapitalkosten nicht


vollständig berücksichtigt
→ nur Fremdkapitalkosten, keine Eigenkapitalkosten

Quelle: R.-D. Reineke, F. Bock (Hrsg.) (2007): Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 1. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, GWV Fachverlage GmbH, IBB/Malkwitz 12
Wiesbaden 2007
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Kennzahlen

NOPAT = Net Operating Profit After Tax

■ zeigt den operativen Nettogewinn nach Steuern und berücksichtigt


keine außerordentlichen Erträge wie z.B. Wertpapiererträge

■ Kapitalkosten werden nicht berücksichtigt

Quelle: R.-D. Reineke, F. Bock (Hrsg.) (2007), S. 102: Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 1. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, GWV IBB/Malkwitz 13
Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2007
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Kennzahlen

EVA = Economic Value Added

■ zeigt das operative Nettoergebnis nach Steuern unter


Berücksichtigung der gesamten Kapitalkosten

Quelle: R.-D. Reineke, F. Bock (Hrsg.) (2007), S.102: Gabler Lexikon Unternehmensberatung, 1. Auflage, Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, GWV Fachverlage IBB/Malkwitz 14
GmbH, Wiesbaden 2007
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Kennzahlen

Rentabilität:

Return On Investment (ROI): ROI =


Gewinn
%
Gesamtkapi tal
■ Rentabilität des Gesamtkapitals eines Unternehmens

■ Gewinn berücksichtigt nur Fremdkapitalkosten

■ Gesamtkapital wird nicht zwischen Fremd- und Eigenkapital unterschieden

Return On Net Assets (RONA): RONA =


Gewinn
%
Net assets
■ Rentabilität des investierten Kapitals (Eigenkapital + verzinsliches Fremdkapital)

■ Nichtverzinsliches Fremdkapital wird nicht mehr berücksichtigt


→ Zähler und Nenner konsistent definiert

Return On Capital Employed (ROCE):

■ Rentabilität des betriebsnotwendigen Kapitals (investiertes Kapital - Zinserträge)

■ Steuern und Kapitalkosten werden nicht berücksichtigt ROCE =


EBIT
%
→ internationale Unternehmensvergleiche möglich Capital employed

Quelle: R. Ewert, A. Wagenhofer (2014), S 474, 521: Interne Unternehmensrechnung, 8. Auflage, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2014 IBB/Malkwitz 15
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Beispiele Kennzahlen

Bauer AG

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Quelle: Hrsg. Bauer Aktiengesellschaft (2020), S. 5-6: Halbjahresfinanzbericht zum 30. Juni 2020, Schrobenhausen: Bauer Aktiengesellschaft
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Beispiele Kennzahlen

EBIT und Cashflow-Komponenten der Hochtief AG

IBB/Malkwitz 17
Quelle: Hrsg. HOCHTIEF Aktiengesellschaft (2020), S.2 : Halbjahresbericht Januar bis Juni 2020; Essen: HOCHTIEF Aktiengesellschaft
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Beispiele Kennzahlen

EBIT und Cashflow-Komponenten der Hochtief AG

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Quelle: Hrsg. HOCHTIEF Aktiengesellschaft (2020), S.8: Halbjahresbericht Januar bis Juni 2020, Essen: HOCHTIEF Aktiengesellschaft
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Agenda
▪ Situation des Baumarktes
▪ Kennzahlen - Definition, Funktionen und Beispiele
▪ Ratings
▪ Kapitalstruktur von Unternehmen

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Ratings

Definition

■ Ratings werden für die Beurteilung von Finanztiteln eingesetzt und fokussieren dabei stets auf den
Bonitätsaspekt. Sie beziehen sich auf:
• langfristige Finanztiteln (in-/ausländische Bankschuldverschreibungen, private und öffentliche Pfandbriefe,
kommunale Schuldverschreibungen, Industrieobligationen, Staatspapiere, usw.)

sowie auf
• Kurzläufer (Commercial Papers, Einlagenzertifikate, usw.)

■ Zu den wichtigsten Agenturen zählen:


• Moody´s
• Standard & Poor´s
• Fitch Ratings

Quelle: G. Wöhe (2016), S. 610 f.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26., überarbeitet und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München
2016 IBB/Malkwitz 21
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Ratings

Risikomerkmale
■ Qualitative Risikomerkmale eines Kreditnehmers:
• Marktumfeld und Wettbewerbsposition
• Qualitative Unternehmensführung
• Qualität des Risikoüberwachungssystems u. Ä.

■ Quantitative Risikomerkmale eines Kreditnehmers durch finanzwirtschaftliche Kennzahlen:


• Verschuldungsgrad
• Vermögensstruktur
• Erwartete Chashflows
• Erwartete Profitabilität u. Ä.

Quelle: G. Wöhe (2016), S. 610 f.: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26., überarbeitet und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München
2016 IBB/Malkwitz 22
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Ratings

Rating Codes der wichtigsten Rating Agenturen

Quelle: Eigene Darstellung auf Grundlage von H. Jung (2016), S. 807: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 13., aktualisierte Auflage, Walter de Gruyter GmbH IBB/Malkwitz 23
2016, Berlin/Boston
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Ratings

Länderratings Europa

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (2020): Die Ratings im Überblick, abrufbar unter: https://www.faz.net/aktuell/finanzen/das-rating-der-wichtigsten-laender- IBB/Malkwitz 24
11559126.html
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Agenda
▪ Definition Unternehmen
▪ Kennzahlen - Definition, Funktionen und Beispiele
▪ Ratings
▪ Kapitalstruktur von Unternehmen

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Kapitalstruktur

Kapitalbedarf

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Kapitalstruktur

Finanzierungsformen

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Quelle: H. Jung (2016), S. 730: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 13., aktualisierte Auflage, Walter de Gruyter GmbH 2016, Berlin/Boston
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Kapitalkosten

Fremdkapitalkosten

■ Zinskosten für Kredite, Anleihen oder Bürgschaften von Fremdkapitalgebern (z.B. Banken)

■ die Höhe der Kosten und andere Konditionen (z.B. Laufzeit, Tilgung, etc.) werden zwischen Kapitalanbieter
und –nutzer verhandelt

■ Fremdkapitalkosten werden steuerlich berücksichtigt

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Quelle: H. Jung (2016), S. 715: Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 13., aktualisierte Auflage, Walter de Gruyter GmbH 2016, Berlin/Boston
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Kapitalkosten

Eigenkapitalkosten

■ Kosten für Kapital von Eigenkapitalanlegern, die neben dem garantierten Mindestzinssatz einen Aufschlag
für das unternehmerische Risiko fordern

■ Eigenkapitalkosten = risikofreier Zinssatz + Risikoprämie des Eigenkapitals


• risikofreier Zinssatz = z.B. wie langfristige Bundesanleihen
• Risikoprämie = beta x (erwartete Marktrendite – risikofreier Zinssatz)
– beta = Maß für das systematische Risiko des Unternehmens
- β = 1,0: Risiko des Unternehmens entspricht dem Gesamtmarkt
- β < 1,0: Risiko des Unternehmens geringer als auf Gesamtmarkt
- β > 1,0: Risiko des Unternehmens höher als auf Gesamtmarkt

■ Eigenkapitalkosten können steuerlich nicht berücksichtigt werden

Quelle: G. Wöhe (2016), S. 599 f., : Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 26., überarbeitet und aktualisierte Auflage, Verlag Franz Vahlen, München 2016 IBB/Malkwitz 31
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Eigenkapitalausstattung

Vor- und Nachteile von Eigenkapital

■ Vorteile:
• Forderungsausfälle oder verzögerte Zahlungen von Kunden führen nicht gleich zu einer Liquiditätskrise
• Höhere Bonität gegenüber Banken und Lieferanten
• Verbesserung des Unternehmensratings und des Finanzierungsspielraumes
• keine fixen Kosten, Vergütungsanspruch nur bei Gewinnausschüttung

■ Nachteile:
• Detailliertere Berichtspflichten und Kontrollrechte
• Mitspracherechte des Investors bei strategischen Entscheidungen
• Renditeerwartungen der Kapitalgeber
• Eigenkapital begründet Anspruch auf Gewinn

Quelle: G. A. Behrens, Hrsg. M. Paschke (2002), S: 13 f. : Risikokapitalbeschaffung und Anlegerschutz im Aktienrecht und Kapitalmarktrecht, Lit Verlag Münster-Hamburg-London
2003 IBB/Malkwitz 32
Deutsches Baublatt (2009): Eigenkapitalausstattung in der Bauwirtschaft, 36. Jahrgang, Nr, 342, Januar/Februar 2009, Zeppelin Baumaschinen GmbH, Garching bei München
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Eigenkapitalausstattung

Eigenkapitalquoten und Umsatzrenditen von Bauunternehmen 2018

Quelle: Weitz, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie e. V. (04/2020): Umsatzrendite und Eigenkapitalrenditen von Bauunternehmen, abrufbar unter: IBB/Malkwitz 33
https://www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/statistik-anschaulich/preis-und-ertragsentwicklung/umsatzrendite-und-eigenkapitalquote/
Baubetrieb 5 - Unternehmensführung

Kapitalkosten

Gesamtkapitalkosten

■ WACC = Weighted Average Cost of Capital = gewichteter Kapitalkostensatz (%)

■ WACC =
Eigenkapit al
x Eigenkapit alkostensa tz
Gesamtkapi tal
Fremdkapit al
+ x Fremdkapit alkostensa tz (abzgl . Steuervort eil)
Gesamtkapi tal

■ Gesamtkapitalkosten = WACC x (investiertes Kapital)

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