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Grundlagen der technischen Analyse

Chartanalyse

Chartanalyse | 01
Inhaltsverzeichnis

3 Einleitung
4 Die Dow Theorie
5 Die 6 Grundsätze
7 Swissquote Analysis Tool
8 Administration / Verwaltung
9 Charttypen
12 Intervall / Perioden
12 Extras
13 Das Trendkonzept
14 Unterstützung / Widerstand
15 Trendlinie
16 Trendkanal
17 Kurslücken (Gaps)
19 Umkehrformationen des primären Trends
20 Schulter – Kopf – Schulter
21 Dreifach – Top und – Boden
22 Doppel – Top und – Boden
23 Trendfortsetzungsformationen
23 Dreiecksformationen
24 Flaggen und Wimpel
26 Technische Indikatoren
27 MAV – Moving Average
28 BOL – Bollingerbänder
29 OBV – On Balance Volume
30 MOM – Momentum
31 RSI – Relative Stärke Index
32 MACD – Moving Average Convergence / Divergence
34 ADX – Average Directional Index
36 STO – Stochastik Oscillator
38 LRC – Linear Regression Channel
38 ZIG – Zig Zag
39 CCI – Commodity Channel Index
40 ARO – Aroon
41 WIL – Williams %R
42 SAR – Parabolic SAR (Stop and Reverse)
43 STD und HVO – Standard Deviation und Historical Volatility
43 LRC – Linear Regression Channel
einleitung

In der Finanzwelt haben sich in den letzten Jahren zwei Lager gebildet; jene der Chart-Analysten und jene, die sich
auf die Fundamental-Analyse konzentrieren. Theoretisch kann man sich ein Bild über den Markt machen, indem
man ausschliesslich den Chartverlauf verfolgt. Empfehlenswert ist jedoch, dass man die fundamentale Analyse
miteinbezieht. Eine Marktanalyse, welche nur auf fundamentalen Fakten beruht, ist allerdings nicht geeignet.

Schwächen der Fundamentalanalyse


• Die Qualität der Informationen ist schwierig abzuschätzen.
• Wie sollen die Informationen quantifiziert werden? Was sind die Auswirkungen?
• Sie als Analyst müssen eine Unmenge an Informationen verarbeiten
• Wie seriös sind die Quellen?

Vorteile der Chartanalyse


• Sie müssen sich nur auf den Aspekt des Kursverlaufs konzentrieren
• Die Chartanalyse klammert alle fundamentalen Einflüsse völlig aus
• Der Kurs ist die einzige messbare Grösse – Der Marktwert wird ausschliesslich durch Angebot und
Nachfrage bestimmt. Der Markt hat somit immer Recht!
• Anwendbar auf alle Handelsgegenstände

Random Walk Theorie


Befürworter dieser Theorie sind ganz klare Gegner der Chartanalyse. Die Theorie wurde in akademischen Kreisen
entwickelt und proklamiert. Sie geht davon aus, dass Kursbewegungen zufällig und nicht vorhersehbar sind. Ihre
Theorie basiert auf der Hypothese der effizienten Märkte. Mit anderen Worten, Kurse fluktuieren frei und unbeein-
flusst um ihren inneren Wert! Als Chartisten distanzieren wir uns ganz klar von dieser Haltung.
Persönliche Anmerkung:
Zufälligkeit kann nur im negativen Sinn definiert werden, nämlich der Unfähigkeit, systematische Strukturen in der
Preisbewegung aufzudecken.

Die Grundannahmen der technischen Analyse


1. Die Marktbewegung diskontiert alles
2. Kurse bewegen sich in Trends
3. Die Geschichte wiederholt sich selbst

Ursprung der Chartanalyse


Der eigentliche Ursprung der technischen Analyse stammt aus dem 16. Jahrhundert. Historiker haben belegt, dass
schon damals im japanischen Osaka die Preise an der Reisbörse mittels der noch heute bekannten Candle-sticks
Formationen analysiert wurden. So weit wollen wir aber nicht zurückblicken. Die Ansätze, welche die technische
Analyse von heute geprägt haben, stammen aus dem späten 19. Jahrhundert. Als Gründer darf man hier Charles
Dow nennen.

Chartanalyse | 03
Die Dow Theorie

Charles Henry Dow wurde 1851 als Sohn eines Landwirts in den USA geboren. Er war Journalist und Wirtschafts-
wissenschaftler aber vor allem der Herausgeber des renommierten Wall Street Journals. Über die Jahre ver-
öffentlichte er 255 Artikel über das Verhalten von Aktienbewegungen. Leider schrieb er nie ein Buch mit seinen
gesammelten Erkenntnissen. Nachstehend ein paar Eckpunkte:

1884 Veröffentlichung des ersten Aktienindex, den Dow Jones Average. Er bestand aus 9 Eisenbahn- und
2 Industrieaktien.

1896 Der Dow Jones Average wurde um die Industrieaktien bereinigt. Es entstand der DJ Transport Avg Index
(20 Eisenbahnunternehmen) und der DJ Industrial Avg Index (12 Industrieunternehmen) Offizieller
Indexstand vom 26.05.1896: 40.94 Punkte. General Electric ist das einzige Unternehmen, das damals wie
heute noch im DJ Ind. Index ist.

1928 Seit 1928 besteht der DJ Industrie Average Index aus den 30 grössten Industrieunternehmen der USA.

Glücklicherweise sammelten die Herren Hamilton und Rhea in den 20 und 30er Jahren die Theorien von Charles
Dow und fassten sie in 6 Grundsätzen zusammen.

Chartanalyse | 04
Die 6 Grundsätze

1. Die Märkte haben 3 Trends


Primäre Trends
Der primäre Trend kann sowohl ein steigender als auch sinkender Trend sein. In der Regel hält er mehr als ein
Jahr und kann mehrere Jahre Bestand haben.

Sekundäre Trends
Sie sind innerhalb der primären Trends zu finden und stellen soge-nannte Korrekturphasen dar. Ihre Dauer
beträgt üblicherweise 3 Wochen bis 4 Monate.

Tertiäre Trends
Diese kurzfristigen Bewegungen zählen zu den unbedeutenden Trends.
Die Dauer ist in der Regel kürzer als 3 Wochen. Sekundäre Trends bestehen aus einer Reihe solcher tertiären
Trends. Zum Beispiel können erhöhte Volumina solche Bewegungen auslösen. Sie sind des-halb nicht von
grossem Interesse und können vernachlässigt werden.

2. Primäre Trends haben 3 Phasen


Akkumulationsphase
Informierte Anleger fangen an, Aktien zu kaufen und antizipieren so eine wirtschaftliche Erholung und ein
langfristiges Wachstum. Während dieser Phase stehen die meisten Anleger den Aktien ablehnend gegen-
über, da die Umsätze und Gewinne der Unternehmen sehr bescheiden bzw. rückläufig sind.

Partizipationsphase
Diese Phase ist durch steigende Unternehmensgewinne und bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen
gekennzeichnet. Das Vertrauen ist an die Märkte zurückgekehrt, und immer mehr Anleger kaufen nun
Aktien.

Distributionsphase
Diese Phase ist gekennzeichnet durch Rekordgewinne. Die breite Masse fühlt sich sicher. Sie kaufen immer
mehr Aktien, in der Meinung, die Kurse steigen noch weiter. Anleger die bereits in der 1. Phase einge-
stiegen sind, fangen hier an ihre Positionen abzubauen bzw. aufzulösen. Sie antizipieren so die erwartete
Abschwächung der Wirtschaft.

Chartanalyse | 05
3. Der Aktienmarkt diskontiert alle Informationen
Jeder einzelne Aktienkurs reflektiert alle Informationen, welche über ein Wertpapier bekannt sind. Sobald neue
Informationen bekannt werden, reagiert dieser Kurs umgehend auf diese Neuigkeiten. Er stellt eine aggregierte,
alles umfassende Summe aller Informationen dar.

4. Aktienmarktindizes müssen sich gegenseitig bestätigen


Als Dow seine Erkenntnisse sammelte, waren die USA eine wachsende Industrienation. Ballungszentren und Pro-
duktionszentren lagen aus-einander. Fabriken mussten ihre Güter zu den Ballungszentren trans-portieren, typi-
scherweise per Güterzug. Nach Dow konnte ein steigen-der Industrie Index (Dow Jones Industrial Average) nicht
nachhaltig steigen, so lange der Transport Index (Dow Jones Transportation Average) nicht ebenfalls stieg. Die
Überlegung dahinter war folgende: Wenn die Produzenten steigende Gewinne vermelden, dann haben sie mehr
produziert. Wenn Sie mehr produzierten, mussten sie ihre Güter zu den Konsumenten transportieren. Demzufolge
muss ein Investor beide Indizes beobachten. Beide müssen in die gleiche Richtung ten-dieren. Liegt eine Divergenz
vor, ist dies als ein Warnsignal zu werten.
Divergenz = Auseinanderentwicklung zweier Objekte

5. Trends werden durch Handelsvolumen bestätigt


Nach der Dow Theorie werden Trends durch das Volumen bestätigt. Idealerweise sollte sich das Volumen in der
Richtung des Trends bewegen: bei einem steigenden Markt sollte das Volumen ansteigen und umgekehrt.

6. Trends existieren so lange, bis klare Signale ein Ende zeigen.


Aktuelle Marktmeinungen können dem primären Trend gegenläufig sein. Die Feststellung, ob eine Trendwende
den Start eines neuen primären Trends darstellt oder ob es sich nur um eine kurzfristige Bewegung handelt, kann
mit Hilfe von Trendlinien identifiziert werden.

Kritik an der Theorie


Nachteil der Theorie ist, dass sie keine genauen Regeln aufstellt, unter welchen Bedingungen Käufe und Verkäufe
zu tätigen sind. Investoren müssen Annahmen treffen und in vielen Marktsituationen besteht ein Interpretations-
spielraum!

Chartanalyse | 06
Swissquote Analysis Tool

Das Swissquote Analysis Tool gibt Ihnen die Möglichkeit, Kursentwicklungen seit 1998 zurückzuverfolgen und zu
analysieren.

Dabei stehen Ihnen neben den historischen Kurs- auch Intraday-Daten zur Verfügung, welche durch eine dynami-
sche Aktualisierung sichergestellt werden.
Die erfolgreiche Analyse von Zeitreihen anhand von so genannten technischen Indikatoren bedarf einiger Zeit des
Selbststudiums und der Erfahrung.

Im folgenden Kapitel möchten wir Sie mit der Benutzeroberfläche des Analysis Tools vertraut machen.

Die Iconbar (Symbolleiste) ist in verschiedene Bereiche gegliedert:

1. 2. 3. 4. 5.

1. Administration/Verwaltung
2. Charttypen
3. Skalierung
4. Intervalle und Perioden
5. Extras

Chartanalyse | 07
Administration/Verwaltung

Hier können Sie eine bestimmte Graphikansicht speichern oder einen Arbeitsbereich festlegen. Die Spei-
cherungen sind jeweils auf dem Server und können deshalb über Ihr Premium-Profil jederzeit wieder ab-
gerufen werden.

Die von Ihnen definierten Arbeitsbereiche können Sie hier aufrufen.

Damit Sie gewisse Voreinstellungen oder Parameter verändern können, klicken Sie auf dieses Symbol. In
der nachstehenden Abbildung können Sie z.B. Ihre individuellen Parameter für die Indikatoren festlegen.

Drucken Sie hier bei Bedarf Ihren aktuellen Chart aus.

Sie können bis zu 6 Grafikfenster gleichzeitig öffnen. So können Sie zum Beispiel Ihre 6 Titelfavoriten auf-
rufen und auch als Arbeitsbereich definieren.

Chartanalyse | 08
Charttypen

Im Laufe der Zeit wurden verschiedenste grafische Kursdarstellungen entwickelt. Je nach Zweck und Vorliebe
können Sie entscheiden, welche für sie die Richtige ist.

Linienchart
In dieser Darstellung werden die Schlusskurse jedes Intervalls miteinander verbunden.

HLOC (Balkenchart)
Das HLOC steht hier für High – Low – Open – Close. Jedes Intervall wird durch eine HLOC-Figur dargestellt.

Chartanalyse | 09
Japanische Candlesticks
Die japanische Variante des Balkencharts gibt dieselben Informationen wieder wie die klassischen HLOC,
nur in einer anderen Darstellung. Im Swissquote Analysis Tool bedeutet ein rot ausgefüllter Balken, dass
der Schlusskurs tiefer ist als der Eröffnungskurs und ein grüner, dass der Schlusskurs höher ist als der
Eröffnungskurs.

Verbinden Sie als kleine Übung in der nachstehenden Abbildung die Schlusskurse pro Intervall.

Höchst-Tiefst
Durch Verbindung der Höchstkurse und Tiefstkurse innerhalb eines Zeitintervalls erhält der Chartist eine
übersichtliche Darstellung der Schwankungsbreite.

Chartanalyse | 10
Punktediagramm
Anstatt die Schlusskurse in der gewünschten Frequenz miteinander zu verbinden, werden hier lediglich
die Preise als einzelne Punkte angezeigt. Dies lässt Spielraum für die Interpretation der Entwicklung des
Kurses zwischen zwei Punkten, ohne einen linearen Zusammenhang vorauszusetzen.

Neben diesen Darstellungsformen gibt es noch einige Sonderformen, auf die wir jedoch nicht näher ein-
gehen, da sie im Analysis Tool auch nicht angewendet werden können. Solche Sonderformen sind zum
Beispiel:
• Kagi
• Renko
• Point and Figure
• Three Line Break

Skalierung
Bei der Skalierung können Sie zwischen einer arithmetischen und logarithmischen Variante wählen. Ein
kleines Beispiel soll den Unterschied zwischen beiden Darstellungen erläutern:

Arithmetische Darstellung Logarithmische Darstellung

Bei einer arithmetischen Skalierung zeigt die vertikale Kursskala gleiche Abstände für gleiche Kursein-
heiten. Bei der logarithmischen Darstellung jedoch werden die Abstände geringer. Der Grund hierfür ist
die Tatsache, dass prozentual betrachtet die Zuwächse kleiner werden. So beträgt der Zuwachs von 1 auf 2
prozentual ausgedrückt 100% und von 5 auf 10 ebenfalls 100%. Der Abstand von 1 auf 2 und von 5 auf 10 ist
demnach der gleiche, was in der Grafik auf der rechten Seite ersichtlich wird. Die Logarithmierung bewirkt
demnach eine prozentuale Betrachtung der Zuwächse und richtet danach auch die Abstände zwischen den
Werten.

Chartanalyse | 11
Intervall/Perioden

Je nachdem, über welchen Zeitraum Analysen durchgeführt werden sollen, können innerhalb des Analysis Tools
sowohl historische als auch Intraday – Zeitreihen angepasst werden.

Unter dem Drop Down Menü „Historisch“ kann sowohl die Zeitspanne (Periode) als auch der Intervall (Häufigkeit)
eingestellt werden. Standardgemäss werden die Kurse auf Tagesbasis angezeigt, können aber auch auf wöchent-
licher, monatlicher, vierteljährlicher, halbjährlicher und auf jährlicher Basis angezeigt werden. Ist das einmal defi-
niert, kann der Anwender einstellen, wie weit die Historie zurückreichen soll.

Dasselbe Vorgehen gilt für Einstellungen im Intraday Bereich (1 – 5 Tage). Auch hier kann der Chartist sowohl die
Periode als auch die Häufigkeit einstellen und hat zusätzlich die Möglichkeit, beide Kriterien manuell zu bestim-
men.

Eine schnellere Variante um Zeiträume zu bestimmen besteht darin, die linke Maustaste innerhalb der Grafik am
Anfang des gewünschten Zeitraums gedrückt zu halten und sie, nachdem die Maus bis zum Ende der gewünschten
Zeitspanne hin bewegt wurde, wieder loszulassen. Als Ergänzung hierzu finden Sie links neben der horizontalen
Bildlaufleiste jeweils ein “+“ und “-“ Symbol mit denen Sie ebenfalls bequem den Zeitraum erweitern oder ein-
schränken können. Indem Sie mit der rechten Maustaste in die Grafik klicken, gelangen Sie wieder auf die vorhe-
rige Ansicht zurück. Sie können die Zeitreihe der Grafik auch verbreitern, indem Sie die CTRL Taste und “+“ / “-“
gleichzeitig drücken.

Extras

Unter dieser Rubrik sind vor allem folgende zwei Funktionen unerlässlich:

Zeichnungstools
Durch das Drücken dieses Symbols erscheinen in der Regel am linken Rand des Tools diverse Zeichnungs-
funktionen.

Technische Indikatoren
Drücken Sie auf dieses Symbol und Sie erhalten die Übersicht der Indikatoren. Treffen Sie eine entspre-
chende Indikatorwahl.

Chartanalyse | 12
Das Trendkonzept

Grundsätzlich spricht man von drei Trendrichtungen


• Aufwärts
• Abwärts
• Seitwärts

Sie als Anleger werden in diesem Zusammenhang mit 3 Entscheidungen konfrontiert:


1. Soll ich den Markt kaufen?
2. Soll ich den Markt verkaufen?
3. Soll ich gar nichts machen?

Marktbewegungen werden charakterisiert durch eine Serie von Zacken. Diese Zacken gleichen einer Reihe aufei-
nander folgender Wellen, mit recht eindeutigen Gipfeln und Tälern. Es ist die Richtung dieser Gipfel und Täler, die
einen Markttrend definieren.

Ein Aufwärtstrend wird demnach definiert als eine Serie sukzessiver höherer Gipfel und Täler.

Ein Abwärtstrend ist genau das Gegenteil, nämlich eine Serie niedrigerer Gipfel und Täler.

Chartanalyse | 13
Unterstützung und Widerstand

In den bisherigen Diskussionen um Trends wurde gesagt, dass sich Kurse in einer Serie von Gipfeln und Tälern
bewegen, und dass die Richtung dieser Gipfel und Täler den Trend des Marktes bestimmt. Lassen Sie uns nun
diesen Gipfeln und Tälern ihre richtigen Bezeichnungen zuweisen und gleichzeitig das Konzept von Unterstützung
und Widerstand einführen.

Unterstützung
Die Täler oder Reaktionstiefs werden Unterstützung genannt. Der Begriff ist selbsterklärend und definiert Un-
terstützung als ein Niveau oder eine Zone auf dem Chart unter den aktuellen Kursen, wo das Kaufinteresse stark
genug ist, um den Verkaufsdruck zu übersteigen. Als Resultat wird der Kursverfall aufgehalten, und die Aktie fängt
wieder an zu steigen. Eine Unterstützungslinie wird normalerweise im Voraus durch ein früheres Reaktionstief
festgelegt.
5
2 Widerstand

Widerstand 3 4 Widerstand
Unterstützung 1

Widerstand 1
4 Unterstützung Unterstützung 3

2 Unterstützung 5

Widerstand
Widerstand ist das Gegenteil von Unterstützung und ein Kursniveau oberhalb der aktuellen Kurse, wo das Angebot
die Oberhand über die Nachfrage gewinnt und sich der Kursanstieg umkehrt. Eine Widerstandslinie wird üblicher-
weise durch einen früheren Kursgipfel festgelegt.

Gut zu Wissen
• Unterstützungen können nicht dauerhaft den Abwärtstrend stoppen, aber zumindest temporär unterbrechen.
• Immer wenn Unterstützungen oder Widerstände signifikant gebrochen werden, vertauschen sie ihre Rollen.
Unterstützungen werden zu Widerständen und umgekehrt.
• Je länger die Zeitspanne ist, in der sich die Kurse in einer Unterstützungs- oder Widerstandszone aufhalten,
umso bedeutender wird diese Zone.
• Oft sind bei runden Zahlen sehr bedeutende Widerstände bzw. Unterstützungen zu finden.

Chartanalyse | 14
Trendlinie

Nachdem wir nun Unterstützung und Widerstand verstanden haben, lassen Sie uns unserem Arsenal technischer
Instrumente einen weiteren Baustein hinzufügen – die Trendlinie. Sie ist eine der simpelsten technischen Hilfsmit-
tel, aber auch ein der wertvollsten.

Eine Aufwärtstrendlinie ist eine gerade Linie, die entlang aufeinander folgender Reaktionstiefs nach oben gezogen
wird. Siehe nachstehende Abbildung:
8
6

4
7

2
5

Eine Abwärtstrendlinie wird durch aufeinander folgende Kursgipfel nach rechts unten gezogen, wie in der nach-
stehenden Abbildung:
1

5
2

7
4
9

6 8

Damit Sie eine Linie zeichnen können, braucht es mindestens zwei Reaktionstiefs bzw. Reaktionshochs. Üblicher-
weise wird noch eine dritte Berührung abgewartet.

Je öfter eine Trendlinie getestet wird bzw. je länger sie intakt ist, desto signifikanter ist sie. Es handelt sich dann in
der Regel um vertrauenswürdige Trends, allerdings sind Brüche solcher Linien dafür umso bedeutender. Grund-
sätzlich lässt sich sagen, dass Verletzungen auf Tagesschlussbasis signifikanter sind als Intradayverletzungen.

Beim Trend ist die relative Steilheit auch in Betracht zu ziehen.


• 45° zeigt eine gesunde Tendenz
• Ist der Trend zu steil, wird der Trend Mühe haben, so durchzuhalten
• Ist der Trend zu flach, kann dies heissen, dass der Trend insgesamt in Frage gestellt werden muss!

Chartanalyse | 15
Trendkanal

Der Trendkanal baut auf der vorgängig behandelten Trendlinie auf. Es ist eine Methode um möglichst nahe am Top
bzw. Low handeln zu können.
Das Zeichnen einer Kanallinie ist relativ einfach. In einem Aufwärtstrend ziehen Sie zunächst die grundlegende
Trendlinie entlang der Tiefpunkte. Dann ziehen Sie, vom ersten Gipfel ausgehend, eine Linie, die parallel zu der
eigentlichen Aufwärtstrendlinie verläuft. Beide Linien verlaufen nach rechts oben und bilden einen Trendkanal.
Wenn die nächste Kursrally die Rückkehrlinie erreicht und dann erneut zurückfällt, könnte es sich um einen Kanal
handeln. Dasselbe gilt auch für einen Abwärtstrend, doch natürlich in der entgegengesetzten Richtung.
In der nachstehenden Graphik ist der Sinn dieser Kanallinie gut nachvollziehbar. So konnte man an der Rück-
kehrlinie Gewinnmitnahmen machen und bei Wiederberührung der Trendlinie jeweils wieder zu tieferen Kursen
einsteigen.

Wichtig
• Nicht gegen den Trend handeln, wie z.B. eine Shortposition eingehen wenn innerhalb eines Aufwärtstrends die
Rückkehrlinie berührt wird.
• Ein Bruch der Rückkehrlinie zeigt oft auf eine Trendbeschleunigung in Trendrichtung hin.
• Erreicht ein Kurs die Rückkehrlinie nicht mehr, deutet dies normalerweise auf einen abschwächenden Trend hin.

Chartanalyse | 16
Kurslücken (Gaps)

Kurslücken sind sehr wichtige charttechnische Indikatoren. Eine aufwärts gerichtete Kurslücke ist in einem Bal-
kenchart daran zu erkennen, dass der niedrigste Kurs eines Balkens signifikant höher liegt als der höchste Kurs
des vorangegangenen Balkens. Auf dem Chart ist dann eine Lücke zu sehen. Analog verhält es sich mit Abwärts-
lücken.

Eine Aufwärtslücke ist grundsätzlich ein bullishes Signal, eine Abwärtslücke signalisiert fallende Kurse. Lücken
werden als Verstärker eines bestehenden Trends interpretiert. Deshalb gilt eine Aufwärtslücke nach ihrer Ent-
stehung für den darüber notierenden Markt auch als Unterstützung, während eine Abwärtslücke für die unter ihr
liegenden Kurse einen Widerstand darstellt. Die weit verbreitete Meinung, dass sich Kurslücken immer schliessen,
trifft allerdings nur in 90% der Fälle zu. Hierbei ist die Art der Kurslücke ausschlaggebend. In der Chartanalyse
werden dabei die Ausbruchslücke, die Fortsetzungslücke und die Erschöpfungslücke definiert.

Die Ausbruchslücke (breakaway gap)


Die Ausbruchslücke findet sich am Beginn einer größeren Trendbewegung. Es kann sich dabei ebenso um den Be-
ginn eines neuen Trends handeln, wie um eine größere Korrektur innerhalb einer übergeordneten Trend-Struktur.
Achten Sie darauf, dass die Schlusskurse der folgende Tage nicht mehr unter den Ausbruch fallen, da sonst der
Trend in Frage gestellt werden muss. Im Idealfall sind solche Ausbrüche von steigenden Volumina begleitet.

Die Fortsetzungslücke (measuring gap)


In der Mitte einer Trendbewegung findet sich häufig die so genannte Fortsetzungslücke. Weil sie erfahrungsge-
mäss ungefähr bei der Hälfte einer Trendbewegung vorkommt, wird sie oft auch als Messlücke bezeichnet. Fort-
setzungslücken bieten dem Trader eine sehr wertvolle Information: Treten sie auf, ist die Wahrscheinlichkeit einer
Fortsetzung des bestehenden Trends gross.

Die Erschöpfungslücke (exhausting gap)


Kommt innerhalb einer Bewegung eine dritte Kurslücke vor, handelt es sich dabei mit grosser Wahrscheinlichkeit
um die so genannte Erschöpfungslücke. Diese indiziert das Ende des Trends und signalisiert dem Trader damit,
dass es besser ist, bestehende Longpositionen zu schliessen. Hinsichtlich der Erschöpfungslücke und ihrer Inter-
pretation ist allerdings Vorsicht geboten, weil gerade in sehr trendstarken Märkten mehrere Fortsetzungslücken
auftreten könnten. Anstelle des Ausstiegs sollte in Märkten, die von einer sehr starken Aufwärtsdynamik geprägt
sind, deshalb besser eine Anpassung des Stopp-Kurses erfolgen. Folgt auf eine Aufwärtsbewegung jedoch ein
Abwärtsimpuls, der seinerseits durch eine Lücke eingeleitet wird, handelt es sich erfahrungsgemäss um eine Er-
schöpfungslücke im klassischen Sinne.

Chartanalyse | 17
Im nachfolgenden Chart sind alle drei Lückentypen ersichtlich.

Kennzeichnen Sie als kleine Übung die Lücken und definieren Sie gleich die Art

Chartanalyse | 18
Umkehrformationen des primären Trends

Es wäre falsch anzunehmen, dass die meisten Trendwechsel sehr abrupt erfolgen. Tatsache ist vielmehr, dass
die meisten bedeutenden Trendumkehrungen in der Regel eine Übergangsperiode erfordern. Das Problem liegt
darin, dass diese Übergangsperioden nicht immer eine Trendumkehr signalisieren. Manchmal zeigen Seitwärts-
bewegungen nur eine Pause oder Konsolidierung im bestehenden Trend an, nach deren Ende die ursprüngliche
Trendrichtung wieder aufgenommen wird.

Bevor wir einzelne Umkehrformationen anschauen, müssen einige Punkte in Betracht gezogen werden, die für alle
Umkehrformationen gelten.

1. Eine Voraussetzung für jede Umkehrformation ist die Existenz eines Trends!

2. Das erste Signal eines drohenden Trendwechsels ist oft der Bruch einer bedeutenden Trendlinie.

3. Je grösser die Formation, umso grösser die nachfolgende Bewegung.

4. Topformationen dauern gewöhnlich kürzer und sind volatiler als Bodenformationen.

5. Bodenformationen weisen in der Regel geringere Handelsspannen auf und brauchen länger für
ihre Ausbildung.

6. Die Umsatzentwicklung ist bei Trendwenden nach oben von grösserer Bedeutung.

Chartanalyse | 19
Schulter – Kopf – Schulter

Die auch als SKS bekannte Umkehrformation gehört zu den häufigsten aber auch zuverlässigsten Formationen,
denen wir in der technischen Analyse begegnen. Nebst einem klaren Verkaufssignal generiert sie auch ein hilfrei-
ches Kursziel, bzw. die mindest Korrektur.

Nachstehend die Abbildung einer SKS

Nachstehend die Abbildung einer Inversen-SKS

Wichtig: Unbedingt die Umsätze (Volumen) beachten!

Chartanalyse | 20
Dreifach – Top und – Boden

Im Wesentlichen sind die Regeln identisch mit der SKS, einzige Ausnahme bildet der Fakt, dass die Spitzen in etwa
die gleiche Höhe erreichen.

Finden Sie auf der nachstehenden Abbildung die 3-fach Umkehrformationen?

Chartanalyse | 21
Doppel – Top und – Boden

Auch diese Umkehrformationen sind in der Anwendung identisch mit der SKS oder den 3-fach Formationen.

Finden Sie die Formationen?

Chartanalyse | 22
Trendfortsetzungsformationen

Diese Formationen deuten an, dass die Seitwärtsbewegung auf dem Chart nichts weiter ist, als eine Pause im vor-
herrschenden Trend, und dass die nächste Kursbewegung in derselben Richtung erfolgen wird wie der Trend, der
dieser Formation vorausgegangen war. Das unterscheidet diese Gruppe von Formationen von denen des letzten
Kapitels.

Dreiecksformationen

Die Dreiecksformation kann in Form von gleichschenkligen, umgekehrt gleichschenkligen (typisch für schwache
Marktsituationen) oder als rechtwinkliges Dreieck gebildet werden. Für alle Dreiecke gilt, dass die Ausbrüche
aus Dreiecksformationen ungefähr nach 2/3 der horizontalen Breite erfolgen. Bestätigt wird der Ausbruch, wenn
gleichzeitig das Handels-Volumen stark ansteigt. Je später der Ausbruch innerhalb der Dreiecke stattfindet und
je geringer der Umsatz, desto geringere Kursauswirkungen wird dieser Ausbruch dann haben. Eine idealtypische
Ausbildung von Dreiecken dauert länger als 1 Monat, aber stets weniger als 3 Monate. Dreiecke können aber auch
auf längerfristigen Charts mit gleichbleibender Bedeutung erscheinen. Diese Aussage trifft auf sehr langfristige
Charts über 10 Jahre wieder zu!

Schema eines symmetrischen Dreiecks

Das nächste Kurzziel

Chartanalyse | 23
Flaggen und Wimpel

Eine Formation wird als Flagge bezeichnet, wenn 2 parallele Linien die Kurse umschließen und gegen den vor-
herrschenden Trend geneigt sind. Flaggen haben eine enge Kursspanne und treten nur in kurzfristigen Konsolidie-
rungsphasen von 1 bis 3 Wochen innerhalb einer starken Marktbewegung auf.
Bei dieser Formation werden Sie selten Trendwechsel sehen. Sie ist eine der zuverlässigsten „Trendfortsetzungs-
Formationen“. Da diese Formation relativ oft vorkommt, haben Trader wiederholt die Erfahrung gemacht, dass
eine Flagge meist die Mitte einer Kursbewegung darstellt. Dadurch können Sie auf einfache Weise ein Kursziel
ermitteln. Sie addieren dazu einfach die Länge der vorausgegangenen Trendbewegung zum Ausgangspunkt der
Flagge hinzu. Flaggen treten entweder als bullish oder bearish auf. Eine Bullenflagge bildet sich innerhalb eines
Aufwärtstrends, eine Bärenflagge bei einem Abwärtstrend.
Vor Ausbildung einer bullischen Flagge kommt es meist zu einem starken, fast senkrechten Kursanstieg bei hohen
Umsätzen. Der Aufwärtstrend legt dann eine kurze Pause ein, eine bullische Flagge entsteht. Die Formation ist
entgegen der aktuellen Trendrichtung nach unten geneigt. Innerhalb der Formation werden die Umsätze immer
geringer, steigen jedoch dann stark an, sobald die Konsolidierungsformation nach oben ausbricht.

Chartanalyse | 24
Chartanalyse | 25
Technische Indikatoren

Es gibt zwei grosse Gruppen von Indikatoren, die Trendfolgeindikatoren und die Oszillatoren. Als dritte Gruppe
kann man noch die Indikatoren wie das Volumen bzw. den OBV (On Balance Volume) betiteln.

Trendfolgeindikatoren
Wie der Name schon sagt versuchen diese Indikatoren, den aktuellen Trend eines Papiers anzuzeigen bzw. diesem
zu folgen. Ein Signal zum Ein- oder Ausstieg bekommen Sie erst, wenn sich bereits ein neuer Auf- oder Abwärts-
trend gebildet hat. Durch diese Trägheit eignen sich Trendfolger besonders für Börsenphasen mit langen, ausge-
prägten Trends. In Seitwärtstrends hingegen liefern die Trendfolger viele Fehlsignale. Die Trendfolger sagen nichts
über die Stärke eines Trends oder eventuelle Übertreibungen aus. Sie zeigen lediglich an, ob ein Trend besteht oder
nicht – nicht mehr und nicht weniger. Bekannte Vertreter dieser Gruppe sind der Moving Average (MAV) oder die
Bollingerbänder.

Oszillatoren
Sie werden auch als Trendvorlaufindikatoren bezeichnet. Es sind sekundäre Indikatoren, die der grundlegenden
Trendanalyse untergeordnet werden. Sie messen Schwingungen bzw. die Trendstärke. Sie eignen sich vor allem in
trendlosen Märkten, neigen aber in trendstarken Phasen zu Fehlsignalen. Bekannte Vertreter dieser Gruppe sind
z.B. der RSI oder der MACD. Die drei wichtigsten Anwendungen sind:

• Wenn Werte einen Extrempunkt nahe der oberen oder unteren Begrenzung des Bandes erreichen, gilt der Markt
als überkauft bzw. überverkauft und kann ein Warnsignal dafür sein, dass der Kurstrend überstrapaziert und
verletzlich ist.

• Divergenzen zwischen Oszillatoren und dem Kursverlauf sind Warnsignale, die nicht ignoriert werden dürfen,
vor allem wenn sich der Oszillator in einer extremen Position befindet.

• Kreuzungen der Null-Linie (Mittellinie) kann wichtige Handelssignale in Trendrichtung geben.

Chartanalyse | 26
MAV – Moving Average

Der Moving Average (MAV), auch gleitender Durchschnitt genannt, ist ein sehr verbreiteter und deswegen auch
sehr bedeutender mathematischer Indikator. Er ist vom Wesen her ein Trendfolgeindikator. Seine Aufgabe be-
steht darin, dem Anleger zu zeigen, dass ein neuer Trend begonnen oder ein alter geendet hat. Ein MAV stellt den
Durchschnittskurs einer Aktie über einen bestimmten Zeitraum dar. Er wird bei jeder neuen Kursinformation neu
berechnet und grafisch als Linie dargestellt. Je nach Periodenlänge (z.B. 200 Tage oder 50 Tage) glättet der MAV
den Kursverlauf unterschiedlich stark, um das Chartbild übersichtlich zu gestalten und den Kurstrend klarer zu
erkennen. Kombiniert man mehrere unterschiedliche MAV, so lässt sich feststellen, ob ein Trend noch intakt ist.
Für viele Anleger besitzen die MAV eine Widerstands- und Unterstützungsfunktion. Beobachtet man nämlich den
Abstand des MAV zu den Aktienkursen, so kann man oft eine gleich bleibende Entfernung feststellen. Man kann
diesen Abstand als eine Parallele zum MAV im Chart einzeichnen. Eine Abweichung der Kurse von diesem Nor-
malabstand ergibt ein Signal, das weiter beobachtet werden sollte. Hieraus können Kauf- bzw. Verkaufssignale
abgeleitet werden. Für deren Bestimmung bedient man sich technischer Instrumente, wie Unterstützungs- und
Widerstandslinien sowie Formationsbegrenzungen.

Chartanalyse | 27
BOL – Bollingerbänder

Bollinger-Bänder oder Bollinger Bands sind ein in den 1980er Jahren von John Bollinger entwickeltes Verfahren
zur Chartanalyse. Basierend auf der Normalverteilung wird davon ausgegangen, dass aktuelle Kurse eines Wert-
papiers mit größerer statistischer Wahrscheinlichkeit in der Nähe des Mittelwertes vergangener Kurse liegen, als
weit davon entfernt.

Um Kurstrends zu erkennen, werden 3 Werte zur Ermittlung herangezogen. Zuerst wird mit der Methode des
gleitenden Durchschnitts der Durchschnittskurs, üblicherweise der letzten 20 Tage, errechnet. Anschliessend
wird der Kurs durch zwei weitere aus der Standardabweichung berechnete „Bänder“ „eingekreist“. Die errechnete
Standardabweichung wird mit einem vorher bestimmten Faktor (Bollinger empfiehlt den Wert 2) multipliziert, und
anschliessend wird dieser Wert mit dem zuvor berechneten Durchschnitt addiert bzw. subtrahiert.

Die häufigste Interpretation sieht wie folgt aus: Ein Kurs nahe dem oberen oder unteren Band wird als Signal für
eine kurzfristige Bewegung zum anderen Band gedeutet. Das Zusammenlaufen des oberen und unteren Bandes in
Richtung des gleitenden Durchschnitts impliziert eine grössere Kursbewegung, wobei die Richtung nicht bestimmt
werden kann. Bricht der Kurs jedoch aus dem Kanal aus, wird die Fortsetzung dieser Bewegung angenommen.

In der Praxis werden Bollinger-Bänder häufig herangezogen, um Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen zu treffen.
So ist es z.B. ziemlich einfach, anhand einer längerfristigen Entwicklung den Kursverlauf auf ausserordentliche
Schwankungen zu überprüfen (trendfolgende Ausbruchssysteme). Überschreitet der Kurs das obere Band, wer-
den steigende Kurse erwartet. Diese sogenannte Long-Position wird wieder aufgelöst (geschlossen), wenn der
Kurs entweder wieder unter das obere Band fällt, der Kurs unter das mittlere Band fällt oder wenn der Kurs unter
das untere Band fällt. Bei einem umgekehrten Verlauf werden folglich fallende Kurse erwartet. Jedoch sind die
Bollinger-Bänder in ihrem theoretischen Ansatz nicht dazu konstruiert, um Kauf- bzw. Verkaufsentscheidungen zu
treffen. Sie sollen lediglich dazu dienen, festzustellen, ob ein Kurs über- bzw. unterbewertet ist.

Chartanalyse | 28
OBV – On Balance Volume

In diesem Abschnitt soll die Bedeutung der Volumina im Rahmen der technischen Analyse betrachtet werden. Das
Umsatzniveau misst die Intensität oder Dringlichkeit hinter einer Preisbewegung. Indem der Chartanalyst die Höhe
der Umsätze gemeinsam mit den Kursbewegungen verfolgt, ist er in der Lage, den hinter einer Marktbewegung
stehenden Kaufs- oder Verkaufsdruck abzuschätzen. Generell lässt sich sagen, dass die Umsätze in einem Auf-
wärtstrend steigen und bei Kursrückschlägen abnehmen sollten, um behaupten zu können, dass die Umsätze den
Kurstrend bestätigen. In Marktsituationen, in denen beispielsweise Kurse über ein vorangehendes Hoch steigen
und dies mit fallenden Umsätzen einhergeht, spricht man von sogenannten Divergenzen. Ein solches Marktverhal-
ten warnt den Charttechniker vor abnehmendem Kaufdruck. Wenn das Volumen ausserdem bei Kursrückschlägen
eine steigende Tendenz hat, beginnt der Analyst zu argwöhnen, dass sich der Aufwärtstrend in Schwierigkeiten
befindet.

Einer der bekanntesten Volumenindikatoren ist der OBV:


Dem Gesamtumsatz eines jeden Tages wird ein positiver oder negativer Wert zugemessen, in Abhängigkeit davon,
ob die Kurse an diesem Tag höher oder niedriger geschlossen haben. Durch Addition oder Substraktion jedes
Tagesvolumens, welches auf der Richtung des Marktschlusskurses basiert, erhält man eine kumulative Summe.
Entscheidend hierbei ist die Richtung der OBV-Linie. Wie bereits erwähnt sollte sie dem Kurstrend folgen. Ist dies
nicht der Fall, so kann von einer Divergenz und damit von einer möglichen Trendumkehr ausgegangen werden.

Chartanalyse | 29
MOM – Momentum

Das Momentum (engl. für Wucht, Schwung, Impuls) ist ein wesentlicher Oszillator in der Chartanalyse und kann
speziell bei der Zyklusanalyse eines Charts von Bedeutung sein. Mathematisch gesehen stellt dieser Oszillator
eine Preisänderung in Bezug zu einer vorher festgelegten Zeitperiode grafisch dar. Dabei wird durch den Betrag
und die Lage des Indikators die Geschwindigkeit und Richtung eines Trends ermittelt. Die deutlich sichtbaren Wen-
depunkte des Oszillators können als Indikatoren für eine nachlassende Trendintensität interpretiert werden. Bei
extremen Ausschlägen deuten sie gar auf eine Trendänderung hin. Anhand dieser Signale kann ein Spekulant sei-
ne Entscheidungen verbessern, indem er sie zusätzlich zu Trendfolgeindikatoren benutzt, um klarere Kauf- bzw.
Verkaufszeitpunkte für Wertpapiere abzuleiten. Das Momentum ist ein Vorlaufindikator, da der Indikator in einem
Aufwärtstrend sein Hoch vor dem Kursverlauf erreicht (bzw. sein Tief bei einem Abwärtstrend).

Folgende Ereignisse werden signalisiert:


• ein bestehender Aufwärtstrend beschleunigt sich: Momentum positiv und steigend
• ein bestehender Aufwärtstrend wird gebremst: Momentum positiv und fallend
• ein bestehender Abwärtstrend beschleunigt sich: Momentum negativ und fallend
• ein bestehender Abwärtstrend wird gebremst: Momentum negativ und steigend

Das Momentum errechnet sich aus der fortlaufenden Division des aktuellen Kurses mit dem vor „t“ Tagen. Teilweise
werden die beiden Kurse auch subtrahiert. Das Ergebnis ist eine Kurve (die Momentumskurve), deren Ausprägung
von der gewählten Periodenlänge „t“ abhängt. Charttechniker wählen in der Regel eine Einstellung von t=20 Tagen.

Chartanalyse | 30
RSI – Relative Stärke Index

Der RSI stellt eine Erweiterung des MOM Oszillators dar. Die fehlende Normierung und die Gefahr der Überbe-
wertung von Ausreissern hat dazu geführt, dass mit Hilfe des RSI eine konstante Bandbreite ermöglicht und eine
Glättung vollzogen wird. Dabei liegt der Normierungsbereich zwischen 0 und 100. Die folgende Formel soll die
Berechnung hinter dem RSI verdeutlichen:

100
RSI = 100 -
1 + RS

Durchschnitt der Schlusskurse von n Tagen mit steigenden Kursen


RSI =
Durchschnitt der Schlusskurse von n Tagen mit fallenden Kursen

In der Kalkulation werden üblicherweise 14 Tage als Wert für n angesetzt; bei Wochencharts werden 14 Wochen
verwendet. Hierbei gilt, je kürzer die Zeit-periode (n) gewählt wird, umso empfindlicher wird der Oszillator und
umso weiter wird seine Amplitude.

Der RSI wird auf einer senkrechten Skala von 0 bis 100 gezeichnet. Bewegungen über 70 werden als überkauft
angesehen, während überverkaufte Marktsituationen bei Werten unter 30 herrschen. Eine alternativer Ansatz der
Interpretation besteht in der parallelen Betrachtung zwischen Preisverlauf und RSI. Sollten sich der Kurs sowie
der RSI beide in gleicher aufsteigender Richtung entwickeln und der RSI dabei die 50er Linie kreuzen, so kann dies
als Kaufsignal angesehen werden. Das gleiche gilt für die parallele Abwärtsbewegung zwischen RSI und Kursver-
lauf, welche bei Kreuzung der 50er Linie als Verkaufsignal verstanden werden kann.

Ein anderer Interpretationsansatz basiert auf der Suche nach Konvergenzen (Gleichlauf) und Divergenzen (Ge-
genlauf) zwischen betrachtetem Objekt und Indikator. Bei einer bearishen Divergenz fallen die Tops im Indikator,
während die Tops im betrachteten Objekt noch steigen. In dieser Situation wäre es beispielsweise empfehlenswert,
die Long-Positionen im Portfolio zu reduzieren, wenn nicht sogar vollständig zu verkaufen. Bei einer bullishen Di-
vergenz fallen die Lows im untersuchten Objekt, während die Lows im Indikator entweder auf gleicher Höhe liegen
oder sogar ansteigen.

Chartanalyse | 31
MACD – Moving Average Convergence/Divergence

Der MACD, oder Indikator für das Zusammen-/ Auseinanderlaufen des gleitenden Durchschnitts, ist ein trend-
folgender Schwingungsindikator, der die Beziehung zwischen zwei gleitenden Durchschnittskursen aufzeigt.
Der MACD (auch schnelle Linie genannt) ist die Differenz zwischen zwei exponentiellen Durchschnitten. In der
Standardeinstellung entspricht dies dem exponentiellen 26-Tage-gleitendem Durchschnitt und dem exponentiel-
len 12-Tage-gleitenden Durchschnitt (MACD ist rot gekennzeichnet). Ein exponentieller 9-Tage-gleitender Durch-
schnitt, Signal, Trigger oder langsame Linie genannt, wird auf dieselbe Achse gezeichnet, um Kauf-/Verkaufsge-
legenheiten darzustellen (diese Linie ist schwarz gekennzeichnet). Hauptunterschied zwischen dem Prinzip der
gleitenden Durchschnitte und dem MACD ist der Einbezug von exponentiell gleitenden Durchschnitten - ein gleiten-
der Durchschnitt, der alle Kursdaten innerhalb des Parameters betrachtet und berücksichtigt, den jüngsten aber
ein grösseres Gewicht verleiht - in den MACD. Dieses Prinzip erlaubt eine weitere Interpretationsmöglichkeit; die
Bemessung des Abstands zu einer Mittel- oder 0-Linie, der im Fall einer extremen Abweichung, wiederum in Bezug
auf Ihren persönlichen Anlagehorizont, auf eine Überkauft-/Überverkauftsituation hinweisen kann.

Zusammenfassend können sich aus der Interpretation des MACD nachstehende Schlussfolgerungen ergeben:

• Ein steigender MACD zeigt einen Aufwärtstrend, ein fallender MACD einen Abwärtstrend an.

• Ein Kaufsignal entsteht, wenn der MACD seine Signallinie von unten nach oben kreuzt. Ein Verkaufsignal
entsteht, wenn der MACD seine Signallinie von oben nach unten kreuzt.

• Der Abstand des MACD von seiner Mittellinie signalisiert die Stärke des Trends. Mit zunehmendem Abstand
erhöht sich die Trendstärke. Ein sehr grosser Abstand kann auf Überkauft-/Überverkauft-Phasen hinweisen,
aus denen Trendwechsel hervorgehen können. Hier drängt sich wieder die Auseinandersetzung mit dem
Anlagehorizont auf; ein extremes Hoch innerhalb Ihres persönlichen Anlagehorizonts kann eine Überkauft-
Situation anzeigen und umgekehrt.

• Vergrössert sich der Abstand von Signallinie und MACD, verstärkt sich der Trend; verringert sich der Abstand,
wird der Trend schwächer.

• Divergenzen des MACD zu seiner Basis (Kursreihe, auf die der MACD berechnet wurde) können als mögliches
Signal für einen bevorstehenden Trendwechsel gedeutet werden.

Versuchen wir nun, die oben genannten Interpretationsmöglichkeiten im Tages-Chart von ABBN des Jahres 2007
umzusetzen.

Chartanalyse | 32
Am 19. März 2007 verzeichnet der MACD sein erstes Kaufsignal bei einem Tageshöchst von CHF 20.8. Dieses Signal
wird bei Überprüfung durch andere Indikatoren wie zum Beispiel den MAV, je nach Parametrisierung, einige Tage
später bestätigt.
Der Trend bleibt nun sehr stabil und wird gegen Schluss kurz vor der erneuten negativen Überschneidung am
08. Mai 2007 sogar noch stärker. Der Abstand zwischen MACD und Signallinie vergrössert sich, was charttechnisch
gegen eine Trendwende, also auch gegen das Verkaufsignal spricht. Im Zeitraum zwischen dem 08. Mai und 17. Juli
kommt der MACD in eine kritische Phase, in der vier Verkaufsignale und drei Kaufsignale ausgelöst werden. Hier
zeigt sich die Wichtigkeit der Berücksichtigung mehrerer Indikatoren. Selbst bei einer niedrigen Parametrisierung
des MAV (10/20 Perioden) ist während dieser Phase kein einziges Handelssignal ausgelöst worden. Trotzdem muss
während dieser Zeit besonderes Augenmerk auf die Entwicklung gelegt werden, da sich eine Divergenz zwischen
effektiver Kursentwicklung und Entwicklung des MACD abzuzeichnen droht (Die Kursentwicklung ist positiv wäh-
rend sich der MACD seitwärts bewegt).
Das am 18. Juli ausgelöste Verkaufsignal wird nun wieder durch die gleitenden Durchschnitte bestätigt und kann
befolgt werden.
Im Anschluss werden die Signale sehr klar und es ist eine andauernde Korrelation zwischen Kursverlauf und
MACD festzustellen. Ausserdem ist innerhalb der betrachteten Periode am Schluss der Grafik ein lokales Hoch
fest-zustellen, was wiederum auf die Wichtigkeit des letzten Verkaufsignals hindeuten kann.

Chartanalyse | 33
ADX – Average Directional Index

Der ADX gehört zur Gruppe der Oszillatoren und ist damit ein Trendbe-stätigungsindikator. Er soll, im Gegensatz zu
Aroon (s. weiter unten im Dokument), die Entwicklung der Trendstärke sichtbar machen und wird deshalb bei vielen
automatischen Handelssystemen als Filter für Seitwärtsbewegungen verwendet.

Der ADX kann Werte zwischen 0 und 100 annehmen, wobei Werte über 60 in der Praxis so gut wie nie vorkommen.
Bei der Analyse des Wertebereichs lassen sich diverse Verallgemeinerungen ableiten. So bedeuten Werte über
40, dass der aktuelle Trend sehr stark ausgeprägt ist, Werte unter 20 sprechen für eine schwache Ausprägung des
Trends. Der ADX macht keine Aussage über die Richtung des eigentlichen Trends, sagt dafür aber etwas über die
Stärke des Trends aus. Allerdings lassen sich ADX-Werte unter 15 als Signal für eine stärkere Bewegung (Trend-
änderung) in die eine oder andere Richtung interpretieren. Der Übergang von einer Seitwärts- hin zu einem neuen
Trend ist somit teilweise voraussehbar. Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass sowohl ein starker Ab-
wärtstrend als auch ein starker Aufwärtstrend einen steigenden ADX zur Folge hat.

Anhand der Abbildung wollen wir nun an einem konkreten Beispiel die ADX Kurve erläutern. Als zu untersuchen-
der Basiswert wurde die Entwicklung der DaimlerChrysler Aktie im Jahre 2005 herangezogen. Dabei repräsen-
tieren die roten Geraden eine Aufwärts-, die grünen eine Abwärts- und die blauen eine Seitwärtsbewegung. Bei
Betrachtung der ersten roten Trendlinie lässt sich an der unteren blauen ADX Kurve eindeutig ein Anstieg über
30 erkennen. Ein kleiner Einbruch schwächt dabei den ADX ein wenig ab. Nach dem zweiten Wendepunkt fällt der
ADX jedoch unter die 30er Marke hin zu 15er: es kündigt sich demnach eine Seitwärtsbewegung an, welche durch
die horizontale blaue Trendgerade in der oberen Grafik gekennzeichnet ist. Beim Übergang zum Abwärtstrend ist
anschliessend wieder ein steigender ADX Wert zu beobachten bis zur nächsten Seitwärtsbewegung. Allerdings sei
hierbei erwähnt, dass die ADX Kurve jeweils mit einer Verzögerung reagiert. Als Trendbestätigungsindikator erfüllt
sie jedoch vollends ihre Aufgabe.

Als Indikator zur Filtrierung von Seitwärtsbewegungen eignet sich der ADX optimal. Häufig wird ein Wert von 30 als
Barriere verwendet; alle ADX Werte unter 30 stellen demnach eine Seitwärtsbewegung dar. In der Anwendung des
Indikators verwendet man oft einen Wert von 25 als Richtlinie.

Chartanalyse | 34
Neben der blauen ADX Linie sind zusätzlich zwei weitere Kurven zu erkennen, welche einmal die Stärke der Auf-
wärts- und einmal die Intensität der Abwärtsbewegung messen:

• Positive Directional Indicator DI+ (grün)


• Negative Directional Indicator DI - (rot)

Sie dienen der Ergänzung der ADX Kurve und der Ermittlung von Kauf- und Verkaufsignalen. Handelssignale er-
geben sich theoretisch bei jedem Schnittpunkt der DI- und DI+ Kurve. Allgemein gesagt kann man immer dann ein
Buy-Signal ableiten, solange die DI+ Kurve über der DI- Kurve verläuft und ein Verkaufsignal, solange DI- über der
DI+ Kurve verläuft. Es ist aber Vorsicht geboten, da vor allem bei Seitwärtsbewegungen diese Regel nicht anwend-
bar ist. Aus diesem Grund ist es empfehlenswert, Kaufs- oder Verkaufsentscheidung durch weitere technische
Indikatoren bestätigen zu lassen.

Chartanalyse | 35
STO – Stochastik Oscillator

Als weiterer Oszillator geht der Stochastische Oszillator von der Beobachtung aus, dass die Schlusskurse in einem
Aufwärtstrend eher zum oberen Ende der Bandbreite tendieren. Umgekehrt tendieren die Schlusskurse in einem
Abwärtstrend zum unteren Ende der Bandbreite.

Der Indikator stellt zwei Linien auf einer prozentualen Abszisse dar. Kaufs- und Verkaufsignale werden wiederum
durch eine Überschneidung der Linien “%D“ und “%K“ ausgelöst. Ein negativer Durchbruch der Linie “%D“ durch
die Linie “%K“ zeigt ein Kaufsignal an (im eigentlichen Chart durch ein grünes Dreieck gekennzeichnet), während
ein Verkaufsignal durch eine umgekehrte Überschneidung entsteht. Wichtig ist, dass ein Verkaufsignal nur ober-
halb der 80%-Linie entstehen kann, während ein Kaufsignal nur unterhalb der 20%-Linie entsteht. In der Praxis
ist dies nicht zwingend der Fall: wie wir in der Abbildung feststellen können, werden Kaufsignale nach einer kurz-
fristigen Korrektur innerhalb eines längerfristigen Aufwärtstrends auch oberhalb der 20%-Linie ausgelöst und
Verkaufsignale unterhalb der 80%-Linie innerhalb eines längerfristigen Abwärtstrends.

Der Oszillator vermag des Weiteren Überkauft- und Überverkauft-Situationen anzuzeigen, indem er zwei Linien bei
20% und 80% einzeichnet, die je nach Titel zumindest gedanklich verschoben werden können. Eine Unterschrei-
tung des Werts 20% deutet auf eine Überverkauft-Situation hin, während eine Überschreitung des Werts 80% eine
Überkauft-Situation bezeichnen kann.

Des weiteren sind Divergenzen bei Höchst- und Tiefstwerten des eigentlichen Charts verglichen mit dem Stochastic
Oscillator zu beachten; das bedeutet wenn der historische Chart ein Höchst erreicht, das nicht durch den Oszillator
bestätigt wird, ist dies eine Divergenz, also ein Verlust von relativer Stärke, und deutet auf eine Trendänderung hin.

(C - L(n))
%K = 100
(H(n) - L(n))

%D = Durchschnitt der letzten (n) frequenzen

Chartanalyse | 36
In der Grafik des DAX von Ende Oktober 2006 bis Mitte September 2007 wird die Funktionsweise des Oszillators
ersichtlich. Aufgrund der Volatilität des Index haben wir die Parameter auf 14/10/10 verändert, um die unbrauch-
baren Verkaufsignale wegzustreichen.

Chartanalyse | 37
LRC – Linear Regression Channel

Der Linear Regression Channel ist ein einfaches Hilfsmittel zur Trendeinzeichnung. Er bestimmt rückgängig auf
eine x-beliebige Anzahl Perioden die Position der Geraden, wobei die Summe der Abweichungen (positiv und nega-
tiv) die geringstmögliche sein soll. Rein statistisch betrachtet, zeigt die Verlängerung der blauen Linie den nächsten
Kurs, der mit der höchsten Wahrscheinlichkeit (auf Basis der letzten n Werte) eintritt. Die beiden orangefarbenen
Geraden auf beiden Seiten der blauen Linie werden in demselben Abstand zur blauen Linie gezeichnet, indem der
grösste Abstand des Kurses von der blauen Linie als Richtpunkt dient. Die orangefarbenen Linien werden dazu ver-
wendet, Unterstützungs- (untere Linie) und Widerstandslinien (obere Linie) auf eine bestimmte Periode in einem
sehr schnellen und einfachen Verfahren festzulegen. Bei der manuellen (ohne LRC) Festlegung dieser Linien kann
es wichtig sein, sich über seinen persönlichen Anlagehorizont im Klaren zu sein. Die Eingabe eines Parameters für
den LRC setzt die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Gedanken voraus.

ZIG – Zig Zag

Beim ZigZag handelt es sich nicht um einen Indikator, da sich die Position und Richtung des ZigZag nachträglich
ändern kann. Der ZigZag eignet sich deshalb nur zur Veranschaulichung und Vereinfachung von Kursbewegungen
und wird deshalb oft für die Elliot Wave Analyse genutzt. Die Prozentzahl des ZigZag bestimmt, ab welcher Preis-
bewegung eine gegenläufige „Welle“ gezeichnet wird.

Die Beschreibung des Elliot Prinzips würde den Rahmen dieses Handbuchs sprengen

Chartanalyse | 38
CCI – Commodity Channel Index

Der Commodity Channel Index, abgekürzt CCI, wurde von Donald Lambert, einem in den 70er- und 80er Jahren
aktiven Rohstoffhändler, entwickelt. Lambert wollte mit diesem Indikator Anfang und Ende von Rohstoffzyklen
feststellen. Der Indikator kann aber zur Analyse beliebiger Märkte verwendet werden. Tatsächlich erfreut sich der
Indikator heutzutage grosser Beliebtheit und ist seit Ende der 80er Jahre Bestandteil eines jeden Handelssystems.
Der CCI berechnet einen Wert, der den Abstand zum gleitenden Durchschnitt misst. Ab einem gewissen Abstand
geht Lambert von einem neuen Trend aus - der Indikator liefert ein Signal. Die Nulllinie selbst hat bei diesem Indi-
kator, anders als bei vielen anderen Trendfolgern und Trend-Intensitäts-Indikatoren, keine Bedeutung. Es werden,
wie von Lambert vorgeschlagen, im Allgemeinen zwei weitere Linien bei 100 und -100 eingetragen. Bewegt sich der
Indikator zwischen den beiden Linien, spricht Lambert von einem trendlosen Markt, da der Abstand zwischen Kurs
und gleitendem Durchschnitt gemäß CCI-Definition zu klein ist, um einen Trend ausmachen zu können.
Ein Kaufsignal wird geliefert, wenn der Indikator von unten nach oben durch die 100 Linie bricht. Diese Position
muss verkauft (glattgestellt) werden, wenn der Indikator wieder unter die 100 Linie fällt.
Ein Verkaufsignal im Sinne eines Leerverkaufs liefert der Indikator, wenn er die 100 Linie von oben nach unten
durchbricht. Diese Position muss durch einen Kauf wieder aufgelöst werden, wenn die 100 Linie wieder von unten
nach oben durchstossen wird.

Die Berechnung des CCI erfolgt in mehreren Schritten.


In einem ersten Schritt wird aus den Werten Tageshöchst, Tagestiefst und Tagesschlusskurs ein quasi Mittelkurs
(TP) ermittelt.

TPt = (Hight + Lowt + Closet) / 3

Danach wird ein gleitender Durchschnitt (AVG) des gewählten Parameters (n) aus den berechneten Mittelkursen
(TP) bestimmt.

AVGt = SUM(n)TP / n

In einem nächsten Schritt wird die durchschnittliche Abweichung (sAVG) des ermittelten Mittelkurses (TP) von
seinem Durchschnitt (AVG) berechnet.

sAVGt = SUM(n) (abs(TP - AVG)) / n

In einem letzten Schritt wird dann aus den Resultaten der ersten drei Schritte der effektive CCI berechnet.

CCIt = (TPt - AVGt) / 0.015* sAVGt)

Als Wert (n) wird in den meisten Fällen 20 gewählt. Wie bei allen anderen Indikatoren hat eine Verkürzung der
Periode (n) schnellere Signale und unter Umständen Fehlsignale zur Folge. Es wird deshalb empfohlen, nicht den
Parameter, sondern allfällig die Extremwerte zu verändern.

Chartanalyse | 39
ARO – Aroon

Aroon bedeutet übersetzt aus dem Sanskrit “das erste Licht der Dämmerung“ und wurde von Tushar Chande ent-
wickelt, um Seitwärtsbewegungen zu eruieren. Im Unterschied zum ADX wird nicht die Stärke des Trends zu Rate
gezogen, um einen Seitwärtstrend anzuzeigen, sondern der verstrichene Zeitraum seit dem Erreichen des letzten
Extremwerts.

In der ARO Grafik werden in einem separaten Chart zwei Linien eingezeichnet. Die ARO up Linie (grün) misst die
Perioden, die seit dem letzten Höchst innerhalb des betrachteten Zeitraums (n) verstrichen sind, während die
ARO down Linie (rot) die Perioden, die seit dem letzten Tiefst vergangen sind, darstellt. Die Werte der ARO Achse
bewegen sich zwischen 0 und 100. Wenn es nun bei einer Standardparametrisierung von 20 Perioden (n) zu einem
20-Tages Hoch kommt, zeigt der grüne ARO einen Wert von 100 an. Je mehr Zeit seit dem letzten Periodenhoch
verstreicht, desto kleiner wird der ARO up Wert. Während Perioden, zu denen der ARO up über dem ARO down
steht, herrscht ein Aufwärtstrend und umgekehrt. Ein eindeutiger Trend besteht dann, wenn beide Linien sich weit
voneinander entfernt bewegen, hingegen deutet ein enger Verlauf beider Linien (sie befinden sich innerhalb der
Werte 30 und 70) einen Seitwärtstrend an. Ein Überkreuzen der Linien kann einen Trendwechsel anzeigen.

Im Praxisbeispiel des historischen Verlaufs des DAX von März 2007 bis Oktober 2007 entstehen drei Handelssig-
nale. Ein erstes Kaufsignal entsteht am 02. April 2007 auf einem DAX Niveau von rund 6950 Punkten. Das folgende
Verkaufsignal zeichnet sich schon früh und eigentlich zu einem idealen Zeitpunkt ab. Obwohl der Indikator die
Trendstärke nicht in seine Berechnung miteinbezieht, ist sie indirekt mitenthalten, da sich die beiden Linien auto-
matisch näher kommen wenn über längere Zeit keine Extremwerte mehr erreicht werden; sprich der Trend verliert
an relativer Stärke. Dies zeichnete sich schon am 25. Juni des Jahres 2007 ab (DAX Niveau 7900 Punkte). Dieses
Anzeichen wird genau einen Monat später, nämlich am 25. Juli 2007 durch ein Überschneiden beider Linien auf
einem Niveau von 7700 Punkten bestätigt.

Chartanalyse | 40
WIL – Williams %R

Der Williams %R (WIL) wurde von Larry Williams entwickelt und basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie der
Stochastik Indikator. Er misst den jüngsten Schlusskurs in Relation zur Kursbandbreite einer gegebenen Anzahl
Perioden und soll damit die Kraft darstellen, in der sich die Kurse nach oben oder nach unten bewegen.

Wie nahezu jeder Oszillator notiert auch der Williams %R im Bereich zwischen 0 und 100. Ein Wert von 100 zeigt an,
dass der aktuelle Kurs dem Periodentief entspricht, ein Wert von 0 bedeutet, dass der aktuelle Kurs dem höchsten
Kurs im Beobachtungszeitraum entspricht. Da in diesem Fall das Kaufsignal im oberen und das Verkaufssignal im
unteren Bereich gegeben würde, wird die Darstellung im Analysis Tool umgedreht, das heisst, ein Wert von 0 zeigt
an, dass der aktuelle Kurs dem Periodenhoch entspricht, während ein Wert von -100 ein Periodentief anzeigt.
Die Extremzonen im Williams %R werden meistens zwischen 0 und 20 und zwischen 80 und 100 eingezeichnet.
Verlässt der Indikator den Extrembereich (überverkauft) zwischen -100 und -80 von unten nach oben, gilt dies als
Kaufsignal. Verlässt er den Bereich zwischen 0 und -20 (überkauft) von oben nach unten, gilt dies als Verkaufssig-
nal. Aufgrund seiner extremen Schnelligkeit eignet sich der Williams %R besonders zur Definition von Einstiegs-
signalen. Williams selbst schränkt den Indikator insofern ein, als dass er empfiehlt, ihn nur in Richtung bereits
bestehender Trends zu nutzen, was das untenstehende Praxisbeispiel widerlegt.

Betreffend der Parametrisierung eignen sich folgende Werte; für kurze Anlage-horizonte fünf Perioden, für mittle-
re Anlagehorizonte Standardeinstellung von 14 Perioden und für längere Anlagehorizonte eine Einstellung von 28
Perioden. Bei sehr volatilen Märkten werden häufig die Extremzonen verbreitert, um zu einem schnelleren Signal
zu gelangen.

Die untenstehende Grafik des Titels CSGN veranschaulicht ideal, wie der Indikator in einem abwärtsgerichteten
Trend von April 2007 bis Ende Oktober 2007 mit einigen Transaktionen eine positive Performance generieren kann.

Chartanalyse | 41
SAR – Parabolic SAR (Stop and Reverse)

Der wesentliche Ansatz dieses Indikators liegt darin, innerhalb von Trendphasen ein Stop-Level darzustellen, das
bei Fortschreiten des Trends nachgezogen wird. Dem Anleger soll damit ständig ein Ausstiegsniveau geboten
werden, welches verhindert, dass vom einmal erreichten Gewinn zuviel wieder abgegeben wird. Wird eine Long-
Position vom Parabolic SAR ausgestoppt, so geht der Indikator davon aus, dass eine Short-Position eingenommen
wird (Stop and Reversal). Bewegen sich die Kurse des untersuchten Wertpapiers dann tatsächlich weiter nach un-
ten, so wird die Stop Marke in Form des Parabolics (parabelähnlich) nachgezogen, bis das Wertpapier schliesslich
eine Gegenbewegung vollzieht und die nachgezogene Stop-Marke durchstösst. Wieder wird von einem Wechsel der
Position, diesmal in eine Long-Position, ausgegangen. Dieser Vorgang wiederholt sich nun ständig. Der Ansatz des
Parabolic SAR geht demnach davon aus, dass der Anleger immer im Markt ist und entweder eine Long- oder eine
Shortposition im betrachteten Wertpapier hält. In der Anwendung des SAR ist dies aber nicht zwingend.

SAR t = SAR t-1 + (AF* (EP - SAR t-1))),

mit

SAR t = aktueller Wert

SAR t-1 = Wert des Parabolic SAR in der Vorperiode

EP = Extrempunkt

AF = Akzelerationsfaktor

Die obige Formel soll verdeutlichen, wie die neuen Stop-Levels, welche nachgezogen werden, zustande kommen.
Nachdem jedes Mal überprüft wird, ob ein neuer Extrempunkt erreicht wurde, wird der Akzelerationsfaktor ein-
deutig bestimmt. Eine Akzeleration bzw. Beschleunigung soll sich nur ergeben, wenn innerhalb einer Position ein
neuer Extremkurs erreicht wurde, so dass von einer weiteren Bewegung in die eingeschlagene Richtung ausge-
gangen werden kann und sich somit ein beschleunigtes Nachziehen des Stop Niveaus anbietet.

Chartanalyse | 42
STD und HVO – Standard Deviation und Historical Volatility

Wie bereits erwähnt, stellt sie ein Mass für die Streuung der Werte einer Zufallsvariablen um ihren Mittelwert dar
und dient als Mass der Volatilität bzw. Schwankungsbreite. Je höher der Wert der Standardabweichung, umso vo-
latiler ist der untersuchte Kursverlauf. Diese Annahme gilt auch für die HVO Analyse. Die Berechnungsgrundlage
ist dieselbe wie bei der Standardabweichung.

x
= E(n - E(n))2

Letztendlich wird bei dieser Formel von den beobachteten Werten n jeweils der Mittelwert E(n) (hier der Erwar-
tungswert) abgezogen und anschliessend quadriert. Von der Summe dieser Terme wird dann die Quadratwurzel
gezogen. Der einzige Unterschied zwischen STD und HVO liegt darin, dass beim HVO die Kurse logarithmiert sind
(natürlicher Logarithmus) wodurch der Verlauf der Volatilitätskurve geglättet wird.

LRC – Linear Regression Channel

Der Linear Regression Channel ist ein einfaches Hilfsmittel zur Trendeinzeich-nung. Er bestimmt rückgängig auf
eine x-beliebige Anzahl Perioden die Position der Geraden, wobei die Summe der Abweichungen (positiv und nega-
tiv) die geringstmögliche sein soll. Rein statistisch betrachtet zeigt die Verlängerung der blauen Linie den nächsten
Kurs, der mit der höchsten Wahrscheinlichkeit (auf Basis der letzten n Werte) eintreten wird. Die beiden orangefar-
benem Geraden auf beiden Seiten der blauen Linie werden in demselben Abstand zur blauen Linie gezeichnet, in-
dem der grösste Abstand des Kurses von der blauen Linie als Richtpunkt dient. Die orangefarbenen Linien werden
dazu verwendet, Unterstützungs- (untere Linie) und Widerstandslinien (obere Linie) auf eine bestimmte Periode
in einem sehr schnellen und einfachen Verfahren festzulegen. Bei der manuellen (ohne LRC) Festlegung dieser
Linien kann es wichtig sein, sich über seinen persönlichen Anlagehorizont im Klaren zu sein. Die Eingabe eines
Parameters für den LRC setzt die persönliche Auseinandersetzung mit diesem Gedanken voraus.

Chartanalyse | 43
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