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10 Jahre Gassenarbeit

Verein Delfinfamilie & Stiftung Zueflucht


Ihr Einsatz auf der Gasse

Fabrikstrasse 28, 8005 Zürich


Telefon und Fax: +41 43 488 61 29, E-Mail: delfin@fraga.ch
Postkonto: 87-190412-1
Bring uns Hoffnung...
…sagte 1991 eine Fixerin namens „Engeli“ auf der berüchtigten
Drogenszene Platzspitz zu Beno Kehl. 15 Jahre später traf Beno
„Engeli“ im „Suneegge“-Spital wieder und sie staunte selbst, was
aus ihrer Bitte „Bring uns Hoffnung“ gewachsen ist.

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Inhaltsverzeichnis

4 Bring uns Hoffnung

8 Christliches Weltbild und unsere Aufgaben

10 Finanzen und Spiritualität

11 Anlaufstelle Chrichte-Bus

12 Feiern, Exkursionen und Break-Outs

13 Haus Zueflucht

19 Prävention, Vorträge, Bewusstseinsbildung

20 Therapie, Seelsorge und Einzelgespräche, rituelle Begleitung

22 Gottesdienste und Hauskreis

23 Zeugnisse von Betroffenen

24 Organisation und Zahlen

25 Team und Mitarbeiter

27 Alles in Kürze

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Bring uns Hoffnung...

…sagte 1991 eine Fixerin namens


„Engeli“ auf der berüchtigten
Drogenszene Platzspitz zu Beno Kehl.
15 Jahre später traf Beno
„Engeli“ im „Suneegge“-Spital wieder
und sie staunte selbst, was aus ihrer
Bitte „Bring uns Hoffnung“ gewachsen
ist.

10 Jahre Verein Delfinfamilie

Nach 10 Jähriger freiwilliger Gassenarbeit wurde am 2. Oktober 2000 der Verein Delf-
infamilie gegründet. Wir sassen einige Tage vor der Vereinsgründung zusammen,
schauten die Statuten an und überlegten wie wir den Verein nennen sollen. Als wir zu-
sammen sassen und überlegten wie wir den Verein benennen sollten,
stolperte ein Kokainsüchtiger in unser Lokal und sagte: „Also ob es einen Gott gibt,
weiss ich nicht genau, aber wenn es einen gibt, dann ist es ein Delfin. Wir schauten ihn
etwas verdutzt an, da erzählte er: „Ich spritzte viel zuviel Kokain und ich kam auf
Paranoia. Das sind schlimmste Angstzustände! Überall sah ich Würmer aus meiner Haut
kriechen und nicht nur die Polizei schien mich zu verfolgen sondern auch die Dämonen
aus der Unterwelt. In meiner Panik dachte ich, ich werde so beten wie die Christen von
der Gassenarbeit. Lieber Gott, lieber Jesus wenn es dich gibt, dann hilf mir, denn ich
bin in Panik und hab Angst vor der Hölle… Als ich so betete erschien mir in meinem
Drogenrausch ein Delfin, der durch die Langstrasse schwamm. Ich folgte ihm und er
hüpfte mit einem Sprung in eine Gruppe Menschen. Ich ging zu diesen Menschen und
sie halfen mir. Beruhigten mich, gaben mir etwas zu essen und erzählten von Jesus,
der für mich am Kreuz gestorben ist, so dass es auch für mich echte Hoffnung gibt.
Ich kann euch nur sagen, da ist mir etwas mitten im Drogenrausch geschehen, dass
ich jetzt sicher bin, wenn es einen Gott gibt, dann ist er mir durch diesen Delfin nahe

Wir entschieden uns spontan unseren Verein


Delfinfamilie zu taufen. Wie Delfine Menschen retten,
die am ertrinken sind, genauso versuchen wir
Menschen, die in Sucht und schweren
Lebenssituationen am unter gehen sind zu helfen. So
steht im Logo das T-Tau der franziskanischen
Bewegung in der Mitte und die drei Delfine umkreisen
die Goldene Mitte. Übrigens haben wir einige Zeit
später erfahren, dass der Delfin auch ein sehr altes
Christussymbol aus dem 4. Jahrhundert ist.

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Bring uns Hoffnung...

Ohne Ihre Unterstützung wäre es all die Jahre nicht möglich gewesen, unsere Arbeit zu
leisten. Wir sind sehr dankbar dafür. Doch auch weiterhin ist es uns nicht möglich, die
Menschen am Rande zu betreuen ohne ihre Hilfe.
Wie kann man uns und unsere Arbeit unterstützen?
1. Gebet
2. Schutzengeldienst
3. Ehrenamtliches Mitarbeiten
4. Events und Anlässe für die Gassenarbeit
5. Cumulus Punkte
6. Geld spenden
7. Naturalspenden
8. Ermöglichen von öffentlichen Auftritten für Vorträge

1. Gebet
Wenn man jeden Tag oder wenigstens einmal wöchentlich um den Heiligen Geist
bittet für die Mitarbeiter in der Gassenarbeit, bedeutet uns das sehr viel. Zum Beispiel
ein Gebet für die Mitarbeiter, dass sie im richtigen Moment am richtigen Ort sind, um
den hoffnungslosen Menschen durch Wort und Tat zu begegnen. Es ist auch schön zu
wissen, dass es Menschen gibt, die eine Kerze für uns anzünden, ein Vater unser oder
Ave Maria für uns beten und uns auf diesem Weg den Segen und das Licht der Liebe
Gottes zukommen lassen.

2. Schutzengeldienst
Schutzengel übernehmen eine Gebets-Patenschaft. So bieten sie jemandem selbstlos
einen Platz im eigenen Herzen.
Die Gebets-Patenschaft dauert ein Jahr. Wer einen Gebetspaten-Engel wünscht, kann
uns seinen Namen oder seine Adresse geben. Diese Adresse leiten wir an Menschen
(wie dich und mich) weiter, welche als Schutzengel ihre Patenkinder im Herzen
mittragen. Du kannst dann zum Beispiel:
• Beten für deinen Schützling (wichtig)
• Kerze anzünden für den Betroffenen
• Evtl. eine Postkarte schicken
• Evtl. einen Geburtstagsgruss senden
• Evtl. ein Weihnachtsgeschenk schicken
Minderjährige brauchen das Einverständnis ihrer Eltern für diesen Dienst. Es ist
ansonstem jedem Engel freigestellt, die eigene Adresse anzugeben oder
persönlichen Kontakt aufzunehmen. Vielleicht kommt nie ein hörbares Echo. Aber Gott
sieht das verborgene Werk und geizt nicht mit seiner vergeltenden Gnade.

Manchmal ist ein anonymes Päckli vom Schutzengel vor der Tür, welches immer wieder
riesige Freude schenkt. Andere nehmen gar persönlichen Kontakt mit dem Betroffenen
auf. Ein Schutzengel wurde sogar der einmal Trauzeuge für eine Exsüchtige, als sie
heiratete.

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Bring uns Hoffnung...

3. Ehrenamtliche Mitarbeit
Wer die Augen offen hat und sich im Herzen auch gerufen fühlt irgendwie in der
Gassenarbeit mitzuhelfen, soll sich doch bitte melden. Sei es für die Mithilfe in der Kü-
che, in der Hausreinigung, im täglichen Hauskreis mit Gebet, bei Gasseneinsätzen, bei
Besuchen, bei Präventionsanlässen u.a. Ohne die Ehrenamtlichen Mitarbeiter könnten
wir nur einen Bruchteil unserer Aufgaben erfüllen. Sicher kann nicht jeder alles
machen, aber wir suchen gemeinsam, was Dir entspricht. Dahinter erahnen wir auch
den Willen von Gott. Interessierte sollen doch einige male vorbeischauen und spüren
dann bald - ja, das ist etwas für mich! Dabei bemühen wir uns, die helfenden Hände
auch richtig einzuführen.

4. Events
Besonders freut es uns, wenn es Menschen gibt, wie zum Beispiel Annalisa, die schon
viele Benefiz-Konzerte organisiert und mit schöner Musik die Menschen zur Solidarität
mit den Menschen am Rande auffgeordert hat.
Es gibt ganze Firmkurse oder Konfirmandenklassen, welche die Gassenarbeit an einem
Samstag besucht haben und anschliessend eine Hilfsaktion für uns gemacht haben.
Andere strickten Socken für die Gassenarbeit oder organisierten einen
Weihnachtsbasar. Dank solcher Initiativen von Privaten und Pfarreien, konnten wir in
den letzen Jahren immer wieder unsere Rechnungen bezahlen und wussten uns von
der Liebe Gottes getragen, die durch solche Aktionen sichtbar wurde.

5. M-Cumulus
Mit den M-Cumulus Punkten die für die Gassenarbeit gesammelt werden, unterstützen
wir die vielen Menschen, die in finanzieller Not zu uns kommen. Oft sind es Mütter,
welche nicht wissen wie sie die nötigsten Einkäufe tätigen können. So hat jeder
Mitarbeiter auf der Visitenkarte unseren Haus Zueflucht Cumuluscode, den auch sie
gerne weitergeben dürfen. Herzlichen Dank auch da für ihre Spende.

6. Geldspenden
Wir versuchen im franziskanischen Geist zu leben, aber wir haben auch viele
Rechnungen, für Miete, Telefon, faire Löhne und Direktunterstützungen. So sind wir
angewiesen auf Geldspenden. Viele meinen, dass wir öffentliche Gelder von Staat oder
Kirche erhalten. Dies trifft nicht zu! Wir müssen uns zu 100% über Spenden
finanzieren. Wir haben gelernt, uns nach der uns anvertrauten Decke zu strecken.
Dank vieler kleiner und grosser Spenden mussten wir in den letzten 10 Jahren nie
Mangel leiden. Der Dank geht an Sie und an Gott, der uns durch Euch geholfen hat.
Dankbar sind wir auch für Stiftungen, die uns unterstützen oder für unsere
Vereinsmitglieder. Wir freuen uns über jedes neue Vereinsmitglied. Andere nehmen
Geldspenden auf an Hochzeiten, Taufen oder Beerdigungen. Es freut uns jeweils sehr,
wenn jemand sagt! Mir geht es so gut - anstelle meiner Geburtstagsgeschenke kann
man etwas für das Engagement der Gassenarbeit schenken.

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Bring uns Hoffnung...

7. Naturalspenden
Immer wieder erlebten wir Menschen, die uns spontan durch Naturalspenden
unterstützen. So hat z.B. die ökumenische Arbeitsgruppe Steckborn Essen und viele
andere Dinge wie Shampoo, Schokolade, Hygieneartikel usw… für die
Gassenarbeit gesammelt. Oder ich denke an die Rotarier, die auf Weihnachten
viele kleine Geschenke abgegeben haben. Aber auch schöne gute Kleider können
immer wieder gebraucht werden. Optimal sind für uns haltbare Sachen wie Nudeln,
Konserven, Gewürze, Schokolade u.a. Natürlich freuen wir uns auch,
wenn Bauern sagen, dass wir auf dem Hof Kartoffeln, Gemüse oder Früchte abholen
dürfen.

8. Vorträge
Immer wieder werden wir von Schulen, Gemeinden oder sonstigen Veranstaltern
eingeladen über unsere Arbeit zu berichten. Die Vorträge erwiesen sich bis jetzt meist
aufrüttelnd, informativ, präventiv und auch von einer Spiritualität der Hoffnung
getragen. Es besteht auch viel Bildmaterial, welches mit einem Beamer gezeigt werden
kann. Zudem steht auch gutes Filmmaterial zur Verfügung. Wir machen die
Vorträge im kleinen Kreis aber auch in grösseren Veranstaltungen. Die Vorträge sind
immer auch ein Mittel der Sensibilisierung. Oft kommen dann Jugendliche und
schreiben ihre Maturaarbeit oder sonst eine schriftliche Arbeit über unser Wirken.
Dankbar sind wir auch über die Kollekten, die manchmal für unsere Arbeit aufgenom-
men werden.

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Christliches Weltbild und unsere Aufgaben

Der Verein Delfinfamilie wurde gegründet, um der Hoffnung, welche aus dem
franziskanisch christlichen Weltbild entspringt, ein konkretes Gesicht zu geben. Diese
Hoffnung versuchen wir pragmatisch im Alltag umzusetzen. Die Vereinsstatuten
umschreiben deshalb den Vereinszweck wie folgt:

Der Verein ist gemeinnützig und dient vor allem Menschen in schwierigen
Lebenssituationen, insbesondere den Menschen, die auf der Gasse anzutreffen sind.

Er ist ein Zusammenschluss von Personen, die der Franziskanischen Spiritualität nahe
stehen, besonders dem Testament des heiligen Franz von Assisi.
Ein Ausschnitt aus dem Testament des Heiligen Franz von Assisi, welches eine tiefe
geistliche Kraft für die Arbeit mit den randständigen Freunden ausstrahlt:

So hat der Herr mir, dem Bruder


Franziskus, gegeben, das Leben der Busse (neue
Ausrichtung auf Gott) zu beginnen: denn als
ich in Sünden (ohne direkte Beziehung zu Gott)
war, kam es mir sehr bitter vor, Aussätzige zu
sehen. Und der Herr selbst hat mich unter sie
geführt, und ich habe ihnen
Barmherzigkeit erwiesen.
Und da ich fortging von ihnen, wurde mir das,
was mir bitter vorkam,
in Süssigkeit der Seele und des Leibes
verwandelt.

Was zur Zeit von Franz von Assisi


1182-1211 die Aussätzigen waren,
sind heute unsere Süchtigen,
Aidskranken, sozial Schwachen,
psychisch Instabilen und
randständigen Freunde.

Dieses Bild wurde zur Vereinsgründung geschenkt und


enthüllt wie Franziskus den Aussätzigen umarmt. Der Künstler
zeigt wie Franziskus und der Aussätzige vom Auferstandenen
Jesus umarmt werden, was Franziskus als „Süssigkeit der Seele
und des Leibes“ umschreibt.

8
Christliches Weltbild und unsere Aufgaben

Unser franziskanisch geprägtes Menschenbild lehrt uns, dass es immer Hoffnung auf
einen Neubeginn gibt. Wir stigmatisieren die Süchtigen, sozial Schwachen, psychisch
Instabilen oder Randständigen nicht gerne mit diesen Begriffen, so nennen wir sie
schlicht Freunde. Es sind für uns auch nicht in erster Linie Patienten oder Klienten, viel
mehr lehrt uns der franziskanisch geprägte Hintergrund, sie immer wieder als
Geschwister zu achten.
Dabei ist von den
Mitarbeitern der Delfinfa-
milie eine besondere Kom-
petenz gefordert - einen
geschwisterlichen Umgang
mit einem wirklich
professionellen und kom-
petenten Hintergrund
in der Arbeit mit diesen
herausfordernden Lebens-
entwürfen. Es gibt viele
Freunde mit speziellen
Verhaltensweisen, so dass
sie kaum noch Annahme
oder Aufnahme an anderen
Orten finden können.

Aufgabenbereiche unserer Arbeit:


1. Präsenz unter unseren Freunden auf der Gasse
2. Betreuung und Begleitung von unsern Freunden im Haus Zueflucht
3. Kleine und grössere Exkursionen (Break-Outs) mit Menschen, die sonst kaum
aus dem Sumpf der Gasse herauskommen
4. Prävention: Bei Jugendlichen und in Schulen sprechen wir von unsern
Erfahrungen mit den Menschen auf der Gasse. Manchmal begleiten uns auch
Betroffene und beantworten die Fragen der Jugendlichen
5. Einzelbegleitung von Menschen in Krisensituationen und von deren Angehörigen
6. Rituelle Begleitung von unsern Freunden, je nach Wunsch
7. Ausbildungs- und Praktikumsplatz für Sozialarbeiter der Fachhochschulen und
anderen Schulen wie Agogis und SCS

Wir begleiten unsere Freunde bei dem was das Leben bringt. Wir gehen mit zu Behör-
den, besuchen sie in der Klinik oder im Gefängnis, nehmen sie mit auf Ausflüge, wir
motivieren sie zum Entzug und Therapie, betreuen sie im Wiedereinstieg nach der The-
rapie,
helfen bei Kontaktaufnahme mit den Familien, bieten Seelsorge und Gebet an und je
nach Möglichkeit auch unbürokratische finanzielle Direktunterstützung. Und wenn uns
ein Freund verlässt, gestalten wir auch seine Beerdigung mit oder nehmen zumindest
daran Teil.

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Finanzen und Spiritualität

Und wenn uns einmal der Arbeitslohn nicht gegeben würde, so wollen wir zum Tisch des Herrn
Zuflucht nehmen und Almosen erbitten von Tür zur Tür.(Testament 22)

Die Arbeit mit unseren Freunden ist sehr kostenintensiv. Es sind meistens die Men-
schen, die am Rand der Gesellschaft und unter dem Existenzminimum leben. Viele sind
verschuldet, haben keine ordentliche Niederlassung in der Schweiz, besitzen keinen
Versicherungsschutz noch bekommen sie soziale Hilfe. Nicht zu vergessen die „sans
papiers“. Viele benötigen, Kleider, Nahrung, Medizin und Geld zum (Über-) Leben.

Als Giuseppe, ein Drogenkonsument das Bild bei der Vereinsgründung sah, sagte er:
„Weisst Du, was der Aussätzige mit der Spritze im Arm sagt?“ Er sagt: „Häsch mer no
en Schtuz?“ (Hast du mir einen Franken). Beno entgegnete dem Süchtigen: „Betteln im
Sinne des hl. Franziskus dürfen wir erst, wenn wir auch gearbeitet haben.“

Nebst ehrenamtlichen Mitarbeitern hat der Verein Delfinfamilie 5 Teilzeitstellen, und


diese Mitarbeiter sind angewiesen auf einen fairen Lohn. Die Arbeit ist spannend, he-
rausfordernd und braucht viel Energie. Mit unseren Rundbriefen halten wir uns an die
Worte des heiligen Franziskus, der uns Mut macht zu bitten. Dies dürfen wir aber erst
wenn wir auch ordentlich gearbeitet haben. Dass gearbeitet - und dass gut gearbei-
tet wird, davon können Sie sich selber überzeugen, indem sie uns besuchen oder gar
selbst ein (ehrenamtlicher) Mitarbeiter im speziellen Weinberg des Herrn, der Gasse,
werden. Wir sind überzeugt, dass jeder der uns unterstützt im Gegenzug das erhält,
was Franziskus allen persönlich wünscht:
„Der Herr schenke dir den Frieden!“
Die franziskanisch, spirituelle Weltsicht lässt uns erkennen, dass die Wunden und Not
in der Welt eins zu eins mit den Wunden und Leiden Jesu in Verbindung stehen. In der
Gerichtsrede sagt Jesus von sich selbst: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan
habt das habt ihr mir getan. (Mt 24ff)

Den Segen am Schluss des Testamentes des Heiligen Franziskus:


Und wer immer dieses beobachtet, werde im Himmel erfüllt mit dem Segen des höchsten Vaters und
werde auf Erden erfüllt mit dem Segen seines geliebten Sohnes in Gemeinschaft mit dem Heiligsten
Geiste, dem Tröster, und allen Kräften des Himmels und allen Heiligen.
Und ich, der ganz kleine Bruder Franziskus, euer Knecht, bestätige euch, soviel ich nur kann, innen
und aussen diesen heiligsten Segen.

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Anlaufstelle Chrischte-Bus

Vor einiger Zeit hat ein Spender der Gassenarbeit einen Bus geschenkt, für welchen wir
immer wieder sehr dankbar sind. Das Projekt einer mobilen Anlaufstelle konnten wir
dank diesem grossen Chrischte-Bus sofort umsetzen. Da bereits ein kleiner Tisch
eingebaut war, konnten wir sofort beginnen und parken nun mehrmals wöchentlich von
mittags bis abends auf der Gasse. Wir suchen Menschen auf der Strasse auf und laden
diese ein, um im Bus mit uns Essen und Gespräche zu teilen anhand des Konzeptes,
welches auch auf unserer Bustüre steht:
Hoffnung auf Ausstieg, Umstieg, Abstieg und Aufstieg.
Bei einer warmen Suppe oder einem guten Kaffee tragen wir immer wieder etwas von
unserer Hoffnung zu den Menschen am Rande. Dieses Projekt erweist sich als sehr
segensreich.
Ob mit oder ohne Bus, die Aufsuchende Gassenarbeit gelingt dann, wenn wir uns auf
die gleiche Ebene einlassen und den richtigen Moment erwischen, in welchem ein Le-
ben verändert werden kann.

Ein „Freund“ erklärte sich bereit für ein Interview, als er im Bus zu Besuch war.
Wie heisst Du und woher kommst Du? Ich heisse Dave und bin ein Weltbürger (lacht).
Wie alt bist Du? Dürfen wir das Fragen? Kein Problem - ich bin 34 Jahre.
Wie ist das für Dich hier im Bus zu sitzen? Würde es solche Hilfe wie eure nicht geben, hätte ich
sehr Mühe zu überleben. Ich bin psychisch und physisch darauf angewiesen.
Versteckst Du Dich hier vor der Polizei? Nein! Nein! Ich verstecke mich eher vor mir selbst.
Wie finanzierst Du die Sucht? Meine Freundin und ich machen etwa 10 Knalls pro Tag. Also, der
Tag hat bei mir 24 Stunden, wo ich wach bin. Das macht bei uns jeden Tag 1000 Franken. Man kann
zum Beispiel die Medikamente verkaufen, die man vom Arzt erhält, oder Geld schnorren, oder andere
bescheissen. Es gibt hier unendlich viele Möglichkeiten.
Sollte man kein Essen abgeben, damit Du weniger Geld für Drogen hast? Dann würden wir
es einfach im Migros klauen und im Bus kommen wir auch auf bessere Gedanken.
Hast du das Gefühl, dass es möglich ist, aus der Sucht auszusteigen? Den Entzug zu
machen ist einfach. Aber noch Freude im Alltag zu finden, das ist das Schwierigste. Je mehr Tage
vergehen, desto schwieriger wird es. Wenn ich mal aufhören könnte, würde ich gerne Musik machen.

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Ferien, Exkursionen und Break-Outs

Dann sagte Jesus zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so
lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn
ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.

Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.

Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der
Auferstehung der Gerechten. (Lk 17, 12-14)

Der Grund, weshalb wir auch erlebnispädagogische Projekte durchführen liegt darin,
dass wir es mit Menschen zu tun haben, die sich am „Rand der Gesellschaft“ befinden.
Durch die gemeinsamen Erlebnisse baut sich eine tiefere Beziehung auf, die weit über
das Erlebte hinaus reicht. Es geht auch darum Menschen wenigstens für eine kurze Zeit
von der Gasse wegzuholen und mit ihnen das Leben aus einer anderen
Perspektive zu erfahren. Das heisst mit unsern Freunden das Leben zu feiern und die
Schönheit der Natur zu erleben. Die Selbstwirksamkeit der sogenannten
Erlebnispädagogik überrascht immer wieder. Diese Ausflüge in die Berge, ans Wasser
oder auch mal ein gemeinsames Grümpeltournier schaffen neue Begegnungsräume.
Inzwischen wissen wir, das der Hinweis Jesu nicht nur für die Randständigen gemacht
wurde, sondern wir selber reifen und wachsen in der Liebesfähigkeit - und natürlich
machen uns die oft sehr herausfordernden Ausflüge und Feiern ebenfalls meistens
grossen Spass.

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Haus Zueflucht

Die Müller-Landswingstiftung hat der Stiftung Zueflucht das Haus an der Fabrikstrasse
28, in 8005 Zürich im Baurechtsvertag überschrieben. Die Stiftung Zueflucht vermiete-
tet das Haus nun an die Delfinfamilie weiter.

Der Zweck der Stiftung Zueflucht lautet:


Die Stiftung bezweckt die Unterstützung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen, insbesondere
der Menschen, die auf der Gasse leben.

Sie will einsame, isolierte, heimatlose Menschen, die auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt benachtei-
ligt sind - ungeachtet ihrer Herkunft oder Religion - unterstützen und ihnen einen gemeinschaftli-
chen Lebensraum im Sinne des Evangeliums ermöglichen.

Oft vereinsamen und verwahrlosen Süchtige irgendwo in den Wohnungen der Groß-
stadtwüste. In den letzten Jahren haben wir immer wieder erlebt, wie schwer es ist, für
solche Menschen auch eine offizielle Erlaubnis zur Beherbergung zu bekommen.
So ist diese spezielle franziskanisch
motivierte Wohngemeinschaft ent-
standen. Es sind schlicht Freunde,
die hier an der Fabrikstrasse ein
Zimmer bekommen haben. Die Be-
treuungskosten werden weder von
der Stadt noch von einer Sozialver-
sicherung gedeckt. Aus der christ-
lichen Motivation heraus: Was ihr
für den geringsten meiner Brüder
getan habt, das habt ihr mir getan
(Vgl. Mt. 24ff), leben und betreuen
wir die etwas andere Wohngemein-
schaft. Immer wieder versuchen
wir einen Schritt in eine bessere
Richtung mit unseren Bewohnern
zu finden. Dabei geht es darum,
möglichst die Selbständigkeit der
Bewohner/in zu fördern und doch
ein erträgliches Zusammenleben zu
gestalten.

Einige Mitarbeiter sind auch als Wo-


chenaufenthalter im Haus angemel-
det und schlafen regelmässig dort.
Im grossen Aufenthaltsraum treffen
sich Christen aus verschiedensten
Konfessionen und gehen von hier
aus auf die Gasse und sprechen
mit den verschiedensten Menschen
über Um-, Aus-, Ab- oder Aufstieg.

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Haus Zueflucht

Unser Haus ist offen für Freunde und Menschen in Not. In die-
sen Begegnungen finden sich oft auch unkonventionelle Pro-
jekte und Lösungen, die Hoffnung bringen. Das Konzept der
WG ist im Mietvertrag und in der Hausordnung niedergeschrie-
ben, alles weitere erarbeiten wir in den monatlichen
WG-Sitzungen.

Die Delfinfamilie vermietet auch noch Räume im Haus an eine Kinderspielgruppe (Ver-
ein Inklusiv) und an das Chrischtehüsli (Verein Inklusiv).

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Haus Zueflucht

Begleitetes Wohnen im Haus Zueflucht

Die Delfinfamilie ist auch in den Bereichen Wohnen und Tagesstruktur tätig.
Im Haus Zueflucht stehen 15 Zimmer in unterschiedlicher Grösse, verteilt auf drei
Etagen und eine Gemeinschaftsküche zur Verfügung. Wir vermieten die Zimmer vor-
wiegend an Menschen in schwierigen Lebenssituationen, Suchtkranke und psychisch
Beeinträchtigte. Die Wohngemeinschaft wird sehr niederschwellig geführt und die
Bewohner der WG unentgeltlich und je nach Bedürfnis von unserem Team begleitet.
Zusätzlich steht, vor allem in den Wintermonaten, ein Zimmer mit mehreren Betten als
Notschlafstelle für Obdachlose zur Verfügung
Der Mensch steht im Mittelpunkt. Wir suchen immer wieder die Begegnung mit den
Bewohnern und Gästen, versuchen eine Beziehung mit ihnen aufzubauen und holen sie
dort ab, wo sie momentan gerade stehen. Auf der Basis des Vertrauens werden
immer wieder Veränderungsprozesse möglich gemacht. Menschen mit psychosozialen
Schwierigkeiten soll bei der Eingliederung in ihre gesellschaftliche Umgebung geholfen
werden. Dies geschieht vor allem durch Sachhilfe wie z.B. praktische Unterstützung,
Tagesstruktur (z.B. durch kleinere Aufgaben und Arbeiten im Hause, Renovationen,
Instandhaltung etc.), Vermittlung an weiterführende Institutionen und was sonst bei
der Integration behilflich sein kann. Wir feiern zusammen Geburtstage, unternehmen
gemeinsame Ausflüge, Bastelnachmittage etc. Von Montag bis Freitag bieten wir
gratis ein Mittagessen an. Als wichtig erachten wir vor allem das Beziehungsangebot -
ein Gegenüber - das zuhört, Anteil nimmt und auf Wunsch Beratung gibt.
Aus- und Weiterbildung sowie langjährige Erfahrung sind das fachliche Werkzeug
unserer MitarbeiterInnen. Unser gemeinsamer Glauben an Gott ermöglicht immer
wieder Hoffnung und Kraft und lässt uns auch schwierige Situationen ertragen oder
überwinden.

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Haus Zueflucht

Tagesstruktur und Beschäftigung

Der Mensch braucht nebst Essen, Wohnraum, Hobbys und Beziehungen auch eine
Aufgabe oder eine Arbeit. In einer Supervision wurde klar, wie wichtig in Zukunft Ta-
gesstruktur und Arbeit im Haus Zueflucht sein werden. So haben wir es uns zum Ziel
gesetzt, eine faire Arbeitsstruktur aufzubauen. In der Schweiz will alles geregelt und
versichert sein, damit man nicht als Arbeitgeber in den illegalen Bereich abrutscht.
Dasselbe gilt für die Tagesstruktur und Beschäftigung von Menschen die über die IV
oder über das Sozialamt finanziert werden. So hat die Gassenarbeit über „kahnu“ alle
Versicherungen geregelt, damit jetzt Menschen in unserer Arbeitstruktur mitwirken
können. Da wird bis jetzt Schmuck hergestellt, Briefe verpackt oder es wird auch bei
Unterhaltsarbeiten im Haus mit angepackt.

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Haus Zueflucht

„kahnu“ - kostenlos – aber hoffentlich nicht umsonst!


Die neue und gleichzeitig ganz alte Idee kommt von Jesus. Dieser sagte: „Umsonst habt ihr empfan-
gen, umsonst sollt ihr geben“. So kann jeder, der eine Dienstleistung von „kahnu“ bezieht, selber den
Wert für diese bestimmen. Der Arme gibt weniger, der Reiche mehr und schlussendlichwird es aufgehen,
wenn wir dem Kommen des Gottesreiches wirklich Platz schenken. Zudem klappt nach diesem Prinzip die
Schere zwischen Arm und Reich schlagartig zu.

Wir machen jeweils einen Vertrag mit den Randständigen in welchen alle rechtlichen
Dinge wie Lohn, Sozialabzüge, Versicherungen und Arbeitszeugnisse geregelt werden.

Da die meisten Menschen Kinder unserer Marktwirtschaft sind und mit möglichst wenig
Aufwand möglichst viel verdienen wollen, haben wir am Beispiel eines Malers nachge-
wiesen, dass ihm nach Abzug aller Aufwendungen 5.- Franken zur freien Verfügung
bleiben. Ähnliche Einrichtungen mit interner Beschäftigung haben denselben Maßstab
für Entlöhnung.

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Haus Zueflucht

Wieviel sind fünf Franken wirklich wert?

„kahnu“ hat beschlossen, den Stundenlohn auf netto Fr. 5.00 festzulegen.
Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren folgenden Überlegungen:
Grundsätzlich werden die Lebenshaltungskosten eines Randständigen von
Sozialversicherungen, der öffentlichen Hand und über zusätzliche Fremdfinan-
zierungen ohne Eigenleistungen getragen. Im Vergleich dazu ist der Maler in
der Lagedurch seine Arbeit Fr. 5.30 als „Sparbatzen“ auf die Seite zu legen.Den
ausbezahlten Betrag an den Randständigen bezeichnen wir deshalb ebenfalls
als „Sparbatzen“.
Prävention, Vorträge, Bewusstseinsbildung

Eine besondere Art der Prävention ist, wenn Schulklassen von maximal 30 Schülern
mit Begleitern ins Haus Zueflucht kommen und dort Süchtigen begegnen. Es gibt einen
Vortrag, einen Film über die Gassenarbeit und wir selbst kommen ins Gespräch mit
Jugendlichen. Oft geben suchtbetroffene Bewohner im Haus Zueflucht Zeugnis von
ihrem Leben.
Mit manchen Jugendlichen gehen wir mit einem Fragebogen auf die Gasse und sie
interviewen Menschen rund um die Fragen von Sehnsucht, Lebenssinn und Sucht. Die
Konfrontation lässt die Jugendlichen selber nachdenken und nach eigenen Lösungen
suchen.
Ein weitere Form der Prävention ist, wenn Jugendliche eine Abschlussarbeit für ihre je-
weilige Ausbildung über die Gassenarbeit schreiben. Diese jungen Erwachsenen
erarbeiten oft sehr gute Berichte aus der eigenen Betroffenheit heraus.
Wie würden Sie reagieren, wenn ihnen Jugendliche mitten in Zürich begegnen und
ihnen spontan folgende Fragen stellen?

1. Wie haben sie die letzte Weihnacht gefeiert?


2. Was ist der Sinn des Lebens?
3. Was ist Ihre grösste Sehnsucht?
4. Haben Sie Suchtbetroffene in ihrem nächsten Familien oder Bekanntenkreis?
5. Sind Sie selber schon mit illegalen Suchtmitteln in Kontakt gekommen?
6. Wenn ja, wie war das?
7. An was glauben Sie?
8. Kommen Sie heute mit uns Mittagessen im Haus Zueflucht an der Fabrikstr. 28?
Zum Schluss bedanken sie sich für das Interview, schenken Ihnen eine Schokolade mit
den Infos über die Gassenarbeit und verabschieden sich dann.
Durch den Mut auf andere zuzugehen und diese Fragen zu stellen, beginnen auch häu-
fig die jungen Erwachsenen ganz neu,sich selbst die wesentlichen Fragen zu stellen
und machen oft wichtige Schritte zur Selbstverantwortung.

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Therapie, Seelsorge und Einzelgespräche,
rituelle Begleitung

Es ist eine grosse Kunst genau zu erfassen, was der einzelne


Ratsuchende bei uns will. Oft melden sich verzweifelte Eltern
und möchten, dass wir ihren Kindern, die im Strudel der Sucht
unterzugehen drohen, nachgehen. Nach Möglichkeit machen wir
das auch. Die Erfahrung zeigt, dass die Angehörigen, von Men-
schen die in Sucht, Kriminalität oder psychische Krisen geraten,
gleichfalls eine gute Begleitung bräuchten.

Es ist eine grosse Herausforderung, gesunde Menschen in einer


Krise gut zu begleiten. Aber wenn es um Situationen mit Sucht,
Gewalt, Kriminalität und massiven psychischen Störungen geht,
kommen auch unsere sehr gut ausgebildeten Mitarbeiter an die
Grenzen. Dabei helfen immer wieder die Intervision, die Super-
vision oder das gemeinsame Gebet, um den weiteren Weg zu
finden. Unsere Mitarbeiter wissen, dass wir nur andere unter-
stützen und begleiten können, wenn wir selber gesund und fit
bleiben.
In schwierigen Situationen ist es besonders wichtig eine gute
Triage zu machen, um zu schauen, wie man ein stützendes Um-
feld aufbauen kann.
Es kann sein, dass wir den Suchtbetroffenen von der Gasse her
kennen und schon öfters mit ihm gesprochen haben. Später
meldet sich die Mutter. Mit ihr kommt man über das Seelsor-
gegespräch zum Schluss, dass sie doch mal ihre Familie beim
Systemstellen aufstellen könnte. Manche ziehen therapeuti-
schen Sitzungen unter vier Augen vor, um etwas mehr Klarheit
zu finden. Dabei geht es letztlich darum, wie kann man einem
Familienmitglied, welches in massiven Schwierigkeiten steht,
einerseits Beziehung anbieten und andererseits lernen, gesunde
Grenzen zu ziehen.
Wir erlebten, dass Betroffene die Sucht hinter sich lassen konn-
ten und wir sie dann auf dem Weg zur Ehe begleiten und ihre
Beziehung segnen durften. Aber leider gab es auch den anderen
Weg, so dass wir nur noch eine Beerdigung mitgestalten konn-
ten.

20
Therapie, Seelsorge und Einzelgespräche,
rituelle Begleitung

Auch die gute Vorbereitung auf den Tod


ist eine Herausforderung. Aber wenn es
gut gelingt, wird die Freude dessen was
nach dem Tod kommt oft schon in diesem
Leben spürbar. So dass die Beerdigung
ein Fest ist, wo getrauert werden darf,
aber zugleich auch von der Hoffnung des
Zukünftigen überstrahlt wird.

Gut 90% der Hilfesuchenden leben auch


in prekären finanziellen Verhältnissen.
Meist ist es nicht möglich, die Beratung
zu verrechnen. Wir sind deshalb froh, sie
kostenlos aber hoffentlich nicht umsonst
anbieten zu können. Dies ist einer der
Gründe weshalb der Verein Delfinfamlie
eng mit dem Verein kahnu zusammen-
arbeitet. Der Verein kahnu versucht die
wirtschaftlichen Konsequenzen von kos-
tenlos aber hoffentlich nicht umsonst zu
gestalten, zu reflektieren und weiter zu
entwickeln.

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Gottesdienste und Hauskreis

Jeder Mensch ist ein Abbild Gottes, so sehr es auch durch das Chaos der Welt entstellt
ist. In den Gottesdiensten feiern wir die Erlösung täglich in den verschiedensten
Formen des Gebetes wie Lobpreis, freies Beten, Rosenkranz oder Heilungsgebet.
Besonders freuen wir uns immer wieder wenn ein Priester eine Heilige Messe mit uns
feiert.

Normalerweise beginnen wir den Tag mit Singen, Beten und dem Teilen des
Evangeliums. Hier treffen sich Christen aus allen Konfessionen. Dabei haben wir
gelernt respektvolle Ökumene zwischen den Konfessionen zu leben. Es ist ein ganz
besonderes Zeichen des Heiligen Geistes, dass wir hier täglich in Einheit den Glauben
an Jesus offen zum Ausdruck bringen können.

Je nach Bedürfnis wird auch mit den einzelnen Menschen persönlich gebetet. Dieses
gemeinsame Gebet ist immer wieder der Quell der Liebe, aus welchem wir versuchen
den Willen Gottes mitten im Chaos von auffälligen Lebensentwürfen zu erkennen und
zu finden.

Letztlich geht es darum, dass wir immer


wieder als „kluge Jungfrauen“ mit wachem
Geist dem Auferstandenen mitten im All-
tag entgegen gehen.

Hinter dem Symbol vom Kreuz Jesu


kommt uns in der Not der Menschen am
Rande immer wieder der leidende
Christus mitten in Zeit und Raum
entgegen. So ist es gut, wenn wir durch
die Gottesdienste immer wieder aus der
Kraft des auferstandenen Herrn Jesus
Christus gestärkt werden.

Die Tür ist immer offen für jedermann der


an den morgentlichen Andachten
teilnehmen will.

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Zeugnisse von Betroffenen

Wir haben einen ganzen Ordner voller Briefe und Dan-


kesschreiben von Menschen, die sich an die Begegnun-
gen mit uns zurückerinnern.

Es ist sehr finster und kalt und meist riecht es sehr unange-
nehm.....wo bin ich?

Wir sind alle in demselben Boot gefangen und gezwungen zu ru-


dern.....Die Droge schlägt den Takt dazu.
Wir sind die Verirrten, die Süchtigen, wir bleiben meist unter
unsresgleichen, deshalb ist es schwer frei zu werden.
Es blendet meine Augen - ein kleines Licht. Ja, so in etwa fand
damals die Begegnung mit Bruder Beno Kehl statt. An meinem
finstersten Ort trat er mit einem ansteckenden Lachen und
blendendem Licht in den Augen zu mir hin. Sofort war er einer
von uns, doch sein Licht (die Botschaft der Hoffnung) blendete
mich und so trennten sich unsere Wege wieder. Ich konsumierte
weiter.
Doch er setzte den Samen, in meinem Herzen. In vielen Gesprä-
chen mit anderen noch Konsumenten und frei Gewordenen lebt die Erinnerung an diese Hoffnung,
welche ER uns damals in die Finsternis trug. Seine Hand, welche er mit Angeboten und nicht nur
Worten an uns heran getragen hatte, verfehlte die Wirkung nicht.
Viele haben es geschafft, die Kraft zum Ausstieg durch diesen damals gesetzten Samen zu gewinnen.
Und bei so vielen die noch ringen, ist der Name Beno, seine Dienste und die Hoffnung noch am Leben.
Und wenige, doch auch die gibt es, (ich selber auch) die folgen seinem Beispiel und werden zu Licht und
Hoffnungsbringern. Danke für deine Liebe zum Herrn, zu uns und für alle deine Hilfe
und Angebote für Menschen in Not. Viele wären
ohne Hoffnung längst schon Tod.
Dein Freund Thomas

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Organisation und Zahlen

Einnahmen und Ausgaben


450000
400000
350000
300000
250000
CHF

200000
Einnahmen
150000
Ausgaben
100000
50000
0
bis 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
2001
Jahr

24
Team und Mitarbeiter

Christine Schneider
Vereinspräsidium, Sozialpädagogin, Psychologin. Sie nimmt Pflegekin-
der in ihre Familie auf.
Arbeitsbereiche: Vorträge, Seelsorge, Beratung und Begleitung, Gas-
senarbeit
christine.schneider@bluewin.ch, Telefon 079 380 94 27

Beno Kehl
Mitgründer der franziskanischen Gassenarbeit
Er arbeitet seit über fünfzehn Jahren als Sozialarbeiter, Ausbildner,
Therapeut und Seelsorger im Suchtbereich.
Arbeitsbereiche: Gassenarbeit, Prävention, Vorträge, Seelsorge.
beno@fraga.ch, Telefon 076 388 20 02

Sandra Keller
Medizinische Praxisassistentin, Sozialtherapeutinund arbeitet seit 2002
in der Gassenarbeit. Sie führt die Wohngemeinschaft im Haus Zue-
flucht. Arbeitsbereiche: Sekretariat, Betreuung, Gassenarbeit, Vorträge,
Break out
delfin@fraga.ch, Telefon 076 470 02 39

Andreas Elliker
Informatiker, Fachausbildung im Suchtbereich und arbeitet seit 2003 in
der Gassenarbeit.
Arbeitsbereiche: Beratung, Workshops mit Jugendlichen, Gassenarbeit,
Prävention, Vorträge
andreas@fraga.ch, Telefon 076 344 36 58

Roger Gartenmann
Päsident Verein Kahnu, erledigt die Buchhaltung für die Delfinfamilie.
Arbeitsbereiche: Berater, Gassenarbeit
buchhaltung@fraga.ch, Telefon 079 551 56 06

25
Team und Mitarbeiter

Davina Bauer
Kleinkinderzieherin. Sozialpädagogin in Ausbildung.
Arbeitsbereiche: Gassenarbeit, Betreuung Wohngemeinschaft, Break
out und Einzelbegleitung
davinabauer@gmx.ch, Telefon 079 314 39 33

Vittorio Ferlin
Freiwilliger Mitarbeiter

Gottfried Portmann
Freiwilliger Mitarbeiter

Doris Nussbaumer
Freiwillige Mitarbeiterin in der Suchtprävention

Bruder Leonhard
Gassenhelfer und Seelsorger

und diverse Freiwillige und andere Mitarbeiter. Villeicht kommen auch sie Zeitweise in unser
Team.

Pace e Bacio Ihr franziskanisches Gassenarbeiter Team

26
Alles in Kürze

Zum 10jährigen Jubiläum des Vereins Delfinfamilie wollen wir die wichtigsten Schwerpunkte unseres Ein-
satzes für Menschen am Rande der Gesellschaft kurz vorstellen. Unser christlich geprägtes Menschenbild
lehrt uns, dass es immer Hoffnung auf eine Veränderung oder einen Neubeginn gibt. Aus dieser Ge-
wissheit heraus begegnen wir den Menschen am Rande unserer Gesellschaft und begleiten sie ein Stück
Lebensweg.

1. Präsenz auf der Gasse, Begleitung und Beratung von Menschen in Not
Mit unserem grossen Gassebus sind wir als mobile Anlaufstelle unterwegs auf den Strassen von Zürich,
verteilen Essen und Trinken, bieten uns an für Gespräche, beten gemeinsam und hoffen, den Moment für
eine Veränderung im Leben dieser Menschen zu finden.

2. Betreuung und Begleitung der Bewohner des Hauses Zueflucht


Von der Stiftung Zueflucht wird uns ein grosses Haus an der Fabrikstrasse in Zürich vermietet. Hier ist
es uns möglich, einzelnen obdachlosen Randständigen oder Men-schen in Not ein Zimmer in Untermiete
anzubieten. Wir betreuen diese etwas andere Wohngemeinschaft und bemühen uns dabei, die Selbstän-
digkeit der Bewohner/in zu fördern. Dabei helfen die internen Tagesstrukturen und kleinen Arbeitsange-
bote. Dies ist uns möglich dank Spenden und ehrenamtlicher Mitarbeiter.

3. Break-Outs
Wir führen erlebnispädagogische Projekte/Ausflüge durch, weil sich durch die gemeinsamen Erlebnis-
se eine tiefere Beziehung zu den Manschen am Rande aufbauen lässt, die weit über das Erlebte hinaus
reicht. Es geht auch darum Men-schen wenigstens für eine kurze Zeit von der Gasse wegzuholen, damit
sie das Leben wieder einmal aus einer anderen Perspektive erfahren können.

4. Präventionsangebote für Jugendliche


Mit Jugendlichen, die zu uns ins Haus kommen oder in Schulen sprechen wir von unsern Erfahrungen mit
der Sucht und den Menschen auf der Gasse. Manchmal begleiten uns auch Betroffene oder Ex-Betroffene
und beantworten die Fragen der Jugendlichen selbst.

5. Einzelbegleitung von Menschen in Krisensituation


Es ist eine grosse Herausforderung Menschen in Krisen zu begleiten. In schwierigen Situationen ist es
uns besonders wichtig mitzuhelfen, ein stützendes Umfeld aufzu- bauen, damit der Betroffene Bezie-
hung erfährt und trotzdem für die Anderen noch gesunde Grenzen möglich sind.

6. Rituelle Begleitung von Betroffenen


Es kann kraftvoll und hilfreich sein, Veränderungen und spezielle Momente im Leben durch einen Ritus
zu unterstützen. Dabei bemühen wir uns die Wünsche der Betroffenen so weit wie möglich zu erfüllen.

7. Angebot von Ausbildungs- und Praktikumsplätzen


Angehende Sozialarbeiter können bei uns einen Teil ihrer praktischen Erfahrungen sammeln und lernen
dabei die speziellen Bedingungen der Arbeit mit Suchtbetroffenen kennen.

Wir finanzieren unsere Arbeit zu 100% aus Spenden. Wir sind dankbar für jede Unterstützung und kön-
nen die Menschen am Rande nur weiter betreuen mit ihrer Hilfe. Wie kann man uns und unsere Arbeit
unterstützen? Durch Gebet, durch ehrenamtliches Mitarbeiten, durch Naturalspenden, durch Anlässe und
Events zugunsten der Gassenarbeit, durch ihre Cumuluspunkte, duch Geld und nicht zuletzt durch das
Ermöglichen von öffentlichen Auftritten für Vorträge.

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Adresse und Kontaktanzeige

Franziskanische Gassenarbeit Finanzinstitut


(Delfinfamilie) Swiss Post Finance
Fabrikstrasse 28 Nordring 8
8005 Zürich 3030 Bern
Switzerland
Telefon und Fax
+41 43 488 61 29 Postkonto
87-190412-1
E-Mail
delfin@fraga.ch IBAN
CH12 0900 0000 8719 0412 1

Bic-Code / SWIFT-Code
POFICHBEXXX

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M-Cumulus
Mit den M- Cumulus Punkten die für die Gassenarbeit ChristliChe
gesammelt werden, unterstützen wir die vielen Men-
schen die in finanzieller Not zu uns kommen. Oft sind
Gassenarbeit
es Mütter, welche nicht wissen wie sie die nötigsten Delfinfamilie, Fabrikstrasse 28
2099358453048

Einkäufe tätigen können. So hat jeder Mitarbeiter auf CH-8005 Zürich, 079 314 39 33
der Visitenkarte unsern Haus Zueflucht Cumuluscode, www.fraga.ch delfin@fraga.ch
den sie gerne weitergeben dürfen. Herzlichen Dank
auch da für ihre Spende. Jeder M-Cumuluspunkt kommt der
Gassenarbeit zu gute.
Gott segne Dich dafür.