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FRANZ VON SSALES

VON ALES • BRIEFE IV

1
Deutsche Ausgabe der

WERKE DES HL. FRANZ VON SSALES


VON ALES

Band 8

Nach der vollständigen Ausgabe der


OEUVRES DE SAINT FRANÇOIS DE SALES
der Heimsuchung Mariä zu Annecy (1892-1932)
herausgegeben von den Oblaten des hl. Franz von Sales
unter Leitung von PP.. Dr
Dr.. FFranz
ranz Reisinger OSFS

2
Franz von Sales

BRIEFE
IV
V.. KKorrespondenz
orrespondenz im Überblick
mit Namen- und Sachregister der Brief-Bände

F ranz-Sales-Verlag • Eichstätt
ranz-Sales-V

3
Ausgewählt, aus dem Französischen übertragen und erläutert
von P. Dr. Franz Reisinger OSFS.

Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte


das Bischöfliche Generalvikariat Eichstätt

ISBN 3-7721-0220-4
2. Auflage 1999
© Franz-Sales-Verlag, Eichstätt 1973
Alle Rechte vorbehalten.
Gesamtherstellung: Brönner & Daentler, Eichstätt

4
VORWORT

Mit dem vorliegenden Band wird die Wiedergabe von Briefen des hl.
Franz von Sales in der deutschen Ausgabe seiner Werke abgeschlossen.
Die drei vorausgehenden Bände enthalten vollständig die sicheren geist-
lichen Briefe an Johanna Franziska von Chantal (Band 5), eine reprä-
sentative Auswahl der Seelenführungsbriefe an Laien (Band 6) und an
Ordensfrauen (Band 7). Dadurch könnte der Eindruck entstehen, Franz
von Sales hätte mindestens seine geistlichen Briefe ausschließlich oder
doch in der überwiegenden Mehrzahl an Frauen gerichtet. Bedenkt man
aber, daß in diesen drei Bänden nur etwa 900 von 2.100 in den Bänden
XI-XXI der Annecy-Ausgabe überlieferten Briefe des Heiligen veröf-
fentlicht sind, dann erhebt sich die Frage nach Inhalt und Adressaten
der größeren Hälfte seiner Briefe.
Darüber soll der vorliegende Band Aufschluß geben. Er bietet einen
Überblick über die gesamte Korrespondenz des hl. Franz von Sales. Die-
ser vermittelt vor allem einen Eindruck von der Vielfalt der Empfänger
und Gegenstände seiner Briefe. Aus ihm ergibt sich auch ein geistiges
Porträt des Schreibers, ein lebendiges und authentisches Bild seiner
inneren Entwicklung, denn diese Briefe enthalten wertvolle, oft vertrau-
liche Bekenntnisse über seine intimsten Gedanken und Empfindungen,
die Entfaltung seiner Persönlichkeit und seinen ungebrochenen Auf-
stieg zur Heiligkeit.
Die große Zahl und der zuweilen beträchtliche Umfang der in den
vorausgehenden Bänden nicht veröffentlichten Briefe machen eine Aus-
wahl notwendig. Dabei werden unbedeutende oder rein formale Schrift-
stücke übergangen, von anderen nur eine kurze Inhaltsangabe oder ein
Hinweis auf sie gebracht. Ausgeklammert werden einige grundsätzliche
Pastoralschreiben und die Korrespondenz über die Reform der Män-
nerklöster; beide werden in Band 11 dieser Ausgabe aufgenommen.
Dem Überblick über die Korrespondenz des hl. Franz von Sales die-
nen auch ein Namen- und Sachregister der vier Brief-Bände am Schluß
dieses Bandes; dabei wird besonderer Wert auf die Grundsätze und Me-
thoden der Seelenführung des hl. Franz von Sales gelegt. Seine Briefe
sind dafür eine ergiebige Quelle; sie soll dadurch Priestern und Laien
besser erschlossen und nutzbar gemacht werden.

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Herzlicher Dank sei den eifrigen Mitarbeitern bei der Gestaltung
dieses Bandes gesagt, vor allem einer Salesschwester für treue Dienste
als Sekretärin, P. Franz Aichinger für die Anlage des Sachregisters und
dem Salesianischen Institut in Eichstätt für die Unterstützung bei der
Endredaktion. Erneut möchte ich den Herausgebern der Oeuvres com-
plètes von Annecy danken für ihr emsiges Ausforschen der Adressaten
und Daten der Briefe wie für die reichen biographischen Notizen in den
elf Briefbänden, denen die meisten Anmerkungen der deutschen Aus-
gabe entnommen sind. Dadurch gewinnen viele Briefe an Verständnis
und Wert, auch für das geistige Porträt des hl. Franz von Sales.

Ingolstadt, 28. Dezember 1972,


am 350. Todestag des Heiligen.

P. Dr. Franz Reisinger OSFS

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Inhaltsübersicht

Vorwort 5
Zur Einführung 9

I. Dompropst und Missionar

(1593 – 1598) 13
A. Freundschaftsbriefe an Antoine Favre 14
B. Pionier der Chablais-Mission (Sept. 1594 – März 1597) 16
C. Konsolidierung im Chablais (März 1597 – Ende 1598) 31
Fazit der Mission des hl. Franz von Sales – Sein seelisches Bild 47

II. Vom Missionar zum Bischof

(1599 – 1602) 49
A. Briefe aus Rom (1599) 50
B. Briefe aus Savoyen (1599 – 1602) 53
C. Briefe aus Paris (1602) 70
D. Vor der Bischofsweihe (1602) 75
Die innere Entwicklung: Rom und das Haus Acarie 81

III. Die ersten Bischofsjahre

(Dezember 1602 – Ostern 1604) 83


Das Bild des jungen Bischofs 98

IV. Der Seelenführer

(Ostern 1604 – Pfingsten 1610) 99


A. Ostern 1604 bis Pfingsten 1605 100
B. Pfingsten 1605 bis Pfingsten 1607 109
C. Pfingsten 1607 bis Pfingsten 1610 125
Innere Entwicklung des hl. Franz von Sales 1604 – 1610 159

7
V. Von der „Galerie“ bis Lyon

(1610 – 1615) 161


A. Die ersten Jahre der „Heimsuchung“ 162
B. Die Leitung der Diözese 175
C. Die Fesseln der Politik 190
D. Der geistliche Freund und Berater 206
Das Charakterbild des Heiligen 228

VI. Von Lyon bis Paris

(1615 – November 1618) 229


A. Die Ausbreitung der Heimsuchung 230
B. Die Bürde des geistlichen Amtes 245
C. Der „Sklave“ des Fürsten 259
D. Der Freund mit dem Herzen des Vaters und der Mutter 271
Die seelische Entwicklung des Heiligen 287

VII. Die letzten Lebensjahre

(November 1618 – Dezember 1622) 289


A. Ein Jahr in Paris (1618/19) 290
B. Die Rollen der Magdalena und Martha 300
C. Die letzten Reisen 343
Die Vollendung des Heiligen 351

Anmerkungen 353
Namenregister Band V – VIII 365
Sachregister der Briefbände 375
Vergleichende Tafeln 398

8
Zur Einführung

Man hat ausgerechnet, daß der hl. Franz von Sales etwa 20.000 Briefe geschrie-
ben hat, von denen nur der zehnte Teil erhalten blieb. Etwa die Hälfte davon sind
Briefe der Seelenführung, die in den drei vorausgehenden Bänden dieser Ausgabe
zum größten Teil veröffentlicht wurden. Dazu kommen zahlreiche Freundschafts-
briefe, vor allem an seinen engsten Freund, den Senator und späteren Senatsprä-
sidenten Antoine Favre.
Franz von Sales korrespondierte mit Personen der verschiedensten Stände. In
vielen Briefen wendet er sich an hochgestellte Persönlichkeiten: an den Papst,
den Kaiser, König und Herzog, an den Nuntius und an Bischöfe; unter seinen
Korrespondenten finden sich bedeutende Persönlichkeiten des geistlichen Le-
bens, so Petrus Canisius und der berühmte Gelehrte und päpstliche Diplomat
Possevino; viele Ordensleute, vor allem Jesuiten, Feuillanten und Kapuziner;
Ordensfrauen, unter ihnen die Äbtissin Angélique Arnauld von Port-Royal, Jo-
hanna Franziska von Chantal, die ersten Oberinnen und viele Schwestern der
Heimsuchung; ebenso aber auch zahlreiche eifrige Laien in Savoyen und Frank-
reich.
In diesen Briefen spiegelt sich ein unerhört reiches Leben wider: der Prediger,
Beichtvater und Missionar, der geistliche Diplomat und Verteidiger der Rechte
der Kirche, der Anwalt der Armen und Verfolgten, der Reformator des Klerus
und der Klöster, der Ordensgründer und Seelenführer, der begnadete Schriftstel-
ler, der Kirchenlehrer und Heilige.
Anhand der überlieferten Briefe, so gering ihre Zahl im Vergleich zu den ge-
schriebenen auch sein mag, lassen sich verschiedene Etappen im Leben des hl.
Franz von Sales feststellen, unterschieden nach Inhalt, Schwerpunkten und Reich-
weite seines Wirkens. In diesem abschließenden Brief-Band sollen sie aufgezeigt
werden.

I. Dompropst und Missionar (1593–1598)

1. Der schwierige Weg des hl. Franz von Sales zum Priestertum wird in seinen
Biographien geschildert.* Wenn man von ersten Höflichkeitsbriefen absieht, steht

* Von den heute im deutschen Sprachgebiet verbreiteten Biographien des hl.


Franz von Sales seien hier genannt:
Hans Berghuis, Nichts so sehr als Mensch. Leben, Wirken und Sterben des hl.
Franz von Sales. Eichstätt 1992.
Angela Hämel-Stier, Franz von Sales. Ein Heiliger der Harmonie. 2. Auflage,
Eichstätt 1956.
E. J. Lajeunie, Franz von Sales. Leben–Lehre–Werk. 2. Auflage, Eichstätt 1980.
Die umfassendste Biographie über den Heiligen.
Peter Ebner, Die Liebe genügt. Franz von Sales-Erzählungen. Eichstätt 1995.

9
am Anfang der Humanisten-Briefwechsel mit dem Senator Favre. Das sind Briefe
einer aufrichtigen männlichen Freundschaft; bemerkenswert ist die Schilderung
seiner Empfindungen vor der Priesterweihe.
2. Die Briefe des Missionars, des zähen Kämpfers für Gott und Kirche, geben
wohl Einblick in einige seltene Anwandlungen von Mutlosigkeit, sonst aber in
seine feste Entschlossenheit trotz aller Schwierigkeiten. In diesen Briefen wer-
den die überaus schwierigen Anfänge der Mission deutlich, dann die allmählich
ansteigende Kurve der Bekehrungen, bis schließlich ganze Dörfer katholisch
werden wollen und eine Welle von Bekehrungen das ganze Volk des Chablais
erfaßt hat.
3. Schwere Krankheiten, die Pest im Lande, kriegerische Wirren zwingen Franz
von Sales, das Missionsfeld zu verlassen, wo jetzt andere Kräfte ihr Bestes tun,
die er gewonnen hat. Von Annecy aus wirkt er weiter für die Mission; er muß die
Existenz seiner treuen Mitarbeiter sichern. Es folgen zähe Verhandlungen mit
den „Rittern“. Zahlreiche Briefe an den Nuntius Riccardi, an den Herzog und an
den Bischof offenbaren den unermüdlichen Eifer des Propstes für seine priester-
lichen Brüder.

II. Vom Missionar zum Bischof (1599-1602)

Der alternde, oft kranke Bischof braucht eine starke Stütze. Mgr. de Granier und
der Herzog sind darin einig, daß Franz von Sales sein Koadjutor werden soll; er
selbst ist dagegen, muß sich aber fügen. In Rom und in Paris steht er vor schweren
Hürden; er nimmt sie mit unterschiedlichem Erfolg. Der Kampf mit den geizigen
„Rittern“ geht weiter und wird noch lange andauern.
In Paris hat Franz von Sales wertvolle Begegnungen: Barbe Acarie, Bérulle, ver-
schiedene Klöster. Ein neues Tor öffnet sich ihm. Während seiner Heimreise
nach Savoyen stirbt Bischof Granier; am 8. Dezember 1602 wird Franz von Sales
zum Bischof geweiht.

III. Die ersten Bischofsjahre (1602-1604)

Die Aufgaben der Verwaltung des Bistums sind ihm nicht fremd; er hat sie zum
Teil schon mit dem verstorbenen Bischof getragen. Der Seelsorger in ihm wirkt
unentwegt weiter. Die Verbindungen in seiner Heimat Savoyen und in Paris wir-
ken sich in der Korrespondenz aus. Für sein Missionsgebiet Chablais muß er
weiterhin Sorge tragen; dazu kommen neue Gebiete in der Umgebung von Genf,
die zu seiner Diözese, politisch aber zu Frankreich gehören. Die Rückkehr dieser
Gebiete zur Kirche wird durch Errichtung von Pfarreien und deren finanzielle
Sicherung gefestigt. Das macht immer wieder Reisen und Verhandlungen not-
wendig.

10
IV. Der Seelenführer (1604-1610)

Durch die Fastenpredigten in Dijon, der Hauptstadt von Burgund, wird Franz
von Sales 1604 bekannt mit der Witwe Johanna Franziska von Chantal, mit der
Präsidentin Brulart, mit der Äbtissin Rose Bourgeois und anderen eifrigen Da-
men. Die Entwicklung des Heiligen zum großen Seelenführer setzt ein. In den
letzten Jahren dieser Periode zielen seine Gedanken und Bemühungen auf die
Gründung einer religiösen Gemeinschaft, die vom Geist zweier Heiliger getragen
wird.

V. Von der „Galerie“ bis Lyon (1610-1615)

Im Haus der „Galerie“ erfolgt die Gründung dieser Gemeinschaft und die For-
mung der jungen Ordensgemeinde von der Heimsuchung durch den Heiligen. Das
Haus wird infolge zahlreicher Aufnahmen bald zu klein, so daß ein neues Kloster
am Kanal bezogen werden muß. Dort ergeben sich beim Ausbau des Hauses
Schwierigkeiten mit den Anrainern, den Dominikanern.

VI. Von Lyon bis Paris (1615-1618)

Ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Heimsuchung – und im Leben des
Gründers – beginnt mit der Gründung eines Klosters in Lyon.
Noch während der schwierigen Verhandlungen mit Erzbischof Marquemont von
Lyon, die später zur Umwandlung der Heimsuchung in einen Klausur-Orden
führen, verlangt man an anderen Orten nach den Schwestern von der Heimsu-
chung. Das führt zu einer raschen Ausbreitung in Frankreich. Gleichzeitig ent-
stehen Zellen salesianischen Lebens in Laienkreisen in Savoyen und Frankreich.
In dieser Zeit kommt Franz von Sales viermal nach Grenoble, um die Advents-
und Fastenpredigten zu halten. Daraus entsteht ein reger Briefverkehr mit ver-
schiedenen Persönlichkeiten in Grenoble. In diesen Abschnitt fällt auch die
Gründung weiterer Klöster der Heimsuchung in verschiedenen Städten, die eben-
falls ihren Niederschlag in der Korrespondenz des Heiligen findet.

VII. Die letzten Lebensjahre (1618-1622)

Im Gefolge des Kardinals Maurice von Savoyen kommt Franz von Sales im Herbst
1618 nach Paris. Während der elf Monate dauernden Verhandlungen der sa-
voischen Gesandtschaft mit dem königlichen Hof entfaltet der Bischof ein rei-
ches seelsorgliches Wirken, das sich in der Korrespondenz fortsetzt. In diese Zeit
fällt seine Begegnung mit Angélique Arnauld und die Gründung des Heimsu-
chungs-Klosters in Paris durch Johanna Franziska von Chantal.

11
Die Rückkehr nach Annecy im November 1619 bedeutet nicht das Ende seiner
Verpflichtungen am herzoglichen Hof, denn er wird zum Groß-Amônier der
Prinzessin Christine ernannt. Eine gewisse Entlastung erhofft er sich durch sei-
nen Bruder Jean-François, der zu seinem Koadjutor ausersehen und im Januar
1621 zum Bischof geweiht wird. Das schafft Franz von Sales einige Freiheit, sich
der rasch wachsenden Heimsuchung mehr anzunehmen, auch wieder intensiver
als Seelsorger und Seelenführer zu wirken.
Im Sommer 1622 führt er im Auftrag des Papstes den Vorsitz beim Generalkapi-
tel der Feuillanten in Pinerolo; im November unternimmt er bei stark geschwäch-
ter Gesundheit im Gefolge des herzoglichen Hofes eine Reise nach Avignon; auf
dieser Reise stirbt er am 28. Dezember 1622 in Lyon.

–––

Diese Etappen bilden den Rahmen für den Überblick über die Korrespondenz
des hl. Franz von Sales in dem abschließenden Brief-Band der deutschen Ausga-
be seiner Werke. Dabei werden die in den drei vorausgehenden Bänden bereits
veröffentlichten geistlichen Briefe nur dann im zeitlichen Zusammenhang er-
wähnt, wenn dies für den Überblick erforderlich oder nützlich erscheint (beson-
ders im Abschnitt IV: Der Seelenführer); von ihnen wird jeweils der Band und die
Seitenzahl der deutschen Ausgabe angegeben (z. B. DA 5,174). Dort finden sich
weitere Angaben in den Anmerkungen und vergleichenden Tafeln.
Für die Auswahl aus den bisher nicht in deutscher Übersetzung veröffentlichten
Briefen sind vor allem inhaltliche Kriterien maßgebend, da sie von sehr unter-
schiedlichem Charakter, historischer und geistlicher Bedeutung sind. Deshalb
wird ihr Inhalt teilweise nur stichwortartig als Bericht angegeben; dies auch dann,
wenn mehrere Briefe oder Passagen darin fast gleichlautend sind. Manchmal sind
Teile eines Briefes ausgelassen, deren Verständnis nur durch ausführliche Erklä-
rungen der historischen Zusammenhänge oder der örtlichen Verhältnisse möglich
wäre; dies freilich nur, wenn dadurch der Sinn des Briefes nicht verstümmelt
wird. Meist sind auch die barocken Briefschlüsse und Höflichkeitsformeln weg-
gelassen.
Der Nachweis der Fundstelle in der Annecy-Ausgabe wird unmittelbar nach dem
Datum der einzelnen Briefe in gewohnter Weise nach Band und Seitenzahl ge-
führt (z. B. XII,365-369). Eine kurze Schilderung der geschichtlichen und bio-
graphischen Zusammenhänge leitet die einzelnen Abschnitte ein; abgeschlossen
werden sie mit einer Zusammenfassung der inneren Haltung und geistlichen Ent-
wicklung des Heiligen in diesem Zeitraum, wie sie sich aus den Briefen ergibt.
Anmerkungen geben Aufschluß über bestimmte Personen und Einzelheiten, so-
weit das nicht schon im Bericht oder in früheren Bänden geschehen ist.
Dem Überblick über die gesamte Korrespondenz des hl. Franz von Sales dienen
die vergleichenden Tafeln, das Namen- und Sachregister für die vier Brief-Bände
am Schluß dieses Bandes.

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I. Dompropst und Missionar
1593 – 1598

Franz von Sales hat seine Studien beendet. Sein 70jähriger Vater rechnet damit,
daß der Erstgeborene nach seinem Ableben das Haupt der Familie de Sales sein
wird. Dafür hat er ihn die kostspieligen Studien in Paris und Padua machen
lassen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat hat Franz sich als Anwalt beim
Gericht in Chambéry eintragen lassen; er hat gute Aussichten, Senator zu wer-
den. Sein Vater sucht für ihn eine geeignete, reiche Braut und vermittelt eine
Begegnung seines Sohnes mit ihr.
Bei Franz steht aber seit Jahren fest, daß er in den Dienst der Kirche treten will.
Eine Aussprache mit dem Vater darüber ist zu diesem Zeitpunkt aussichtslos. So
vertraut er sich einigen Freunden an, und diese handeln. Eben ist der Propst des
Domkapitels gestorben; darin sehen sie einen Wink der Vorsehung. Ohne Wissen
des Heiligen verhandeln sie mit Rom, das für die Ernennung des Dompropstes
von Genf zuständig ist, kräftig unterstützt von Bischof Granier, der in Franz von
Sales schon seinen Nachfolger auf dem Bischofsstuhl von Genf sieht; und sie
erreichen ihr Ziel. Der Dompropst ist der Ranghöchste nach dem Bischof. Damit
hoffen sie den Widerstand des Vaters zu überwinden. Nach einem kurzen inneren
Kampf gibt er auch wirklich seine Zustimmung und seinen Segen.
Nun bereitet Franz sich auf die Priesterweihe vor. Im Juni 1593 empfängt er die
Niederen Weihen und die Subdiakonatsweihe, im September die Diakonatsweihe
und am 18. Dezember die Priesterweihe. Schon als Subdiakon beginnt er auf
Wunsch des Bischofs zu predigen und gründet die Bruderschaft vom heiligen
Kreuz, der auch sein Freund Favre, viele Priester und Laien beitreten. In diese
Zeit eifrigen Wirkens fällt eine Reihe von Briefen des Heiligen.

13
A. FFreundschaf
reundschaf tsbriefe an FFavre
reundschaftsbriefe avre
1593 – 1594

1. Die in Band XI der Annecy-Ausgabe enthaltenen Briefe aus der Studienzeit


des Heiligen zu Paris und Padua sind Entwürfe für Höflichkeitsbriefe und inhalt-
lich ohne besondere Bedeutung. Seine Briefe an die Eltern aus dieser Zeit dürf-
ten bei der von Richelieu aus Rache am Bruder des Heiligen befohlenen Zerstö-
rung des Schlosses Sales verbrannt sein.

2. Aus dieser Zeit ist vor allem bemerkenswert der lateinische Briefwechsel zwi-
schen Franz von Sales und dem Senator Favre, 1 der sich bis zum Mai 1597 er-
streckt. Es sind echte Humanisten-Briefe. Von Franz von Sales besitzen wir die
Entwürfe, genau durchgearbeitet, mit vielen Verbesserungen, elegant geschrie-
ben, mit einem Hauch von Pretiosität (Die Briefe Favres sind im Anhang zu
Band XI wiedergegeben).
Antoine Favre eröffnet die Korrespondenz mit einem lateinischen Brief vom 30.
Juli 1593 (XI,371-373), in dem er dem gelehrten Juristen und Dompropst seine
Freundschaft anbietet. Dieser antwortet ebenfalls lateinisch im August 1593
(XI,18-25). Er hatte sich seinerseits nach der Freundschaft des berühmten Sena-
tors gesehnt, fand aber infolge widriger Umstände bisher keine Gelegenheit zu
einem ausführlichen Gespräch. Er ist jedoch überglücklich, als Neuling im Kreis
der Gelehrten die Achtung und freundschaftliche Liebe des schon berühmten
Senators Favre zu besitzen. Er fürchtet zwar, daß der Senator in seiner Liebe zu
ihm nachlassen werde, wenn er ihn näher kennt, vertraut jedoch auf seine Güte.
Der Senator schreibt im Oktober wieder einen langen, geistreichen Brief (XI,373-
376), den Franz von Sales Ende Oktober 1593 (XI,25-32) beantwortet. Immer
bescheiden, dankt er dem Senator, daß er ihm die Freundschaft mit François
Girard, einem durch Alter, Wissenschaft und Tugend hervorragenden Priester,
vermittelt hat.
Anfangs Dezember 1593 (XI,32-36) meldet Franz von Sales seinem Freund Favre,
daß er durch die Vorbereitung auf eine Predigt, die er im Auftrag des Bischofs zu
halten hatte, verhindert war, ihm zu schreiben; außerdem erforderte der Zustand

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seiner Mutter bei der schwierigen Geburt ihres 13. Kindes im Alter von 42 Jahren
seine Anwesenheit auf Schloß Sales, weil seine Gegenwart ihr immer großen Trost
gibt. In der Zwischenzeit hat er vom Senator drei Briefe erhalten; das bereitet
ihm wohl Freude, ist ihm andererseits aber peinlich, da er sie nicht sogleich
beantworten konnte. Über die Frage, ob er die Würde des Senators annehmen
soll, will er sich mit Favre mündlich aussprechen.
Der Brief vom 15. Dezember 1593 (XI,37-40) ist wohl der bedeutendste aus
dieser Zeit. Franz von Sales spricht von der Unruhe, die ihn beim Herannahen
des Tages seiner Priesterweihe befällt. Sie ist eine große Ehre und ein kostbares
Gut, bringt aber auch eine schwere Verantwortung mit sich. Senator Favre ist der
einzige, der seine Unruhe versteht, weil er alles Heilige mit Ehrfurcht und Vereh-
rung behandelt; daher weiß er auch, wie schwer es ist, diese heilige Aufgabe
würdig zu erfüllen. Franz fehlt nicht der Mut dazu; seine Angst ist nicht so
erdrückend, daß sie nicht Raum ließe für eine Hoffnung und für eine Freude, die
viel größer sind als das, was seine Verdienste an Wert besitzen.

3. Mit der Priesterweihe am 18. Dezember 1593 beginnt ein Leben und Wirken
von seltener Intensivität und Tiefe. Der Dompropst hat in seiner Antrittsrede
vor dem Domkapitel2 Genf den „Krieg“ erklärt, aber nicht einen Krieg mit Pul-
ver und Kanonen, sondern mit den Waffen der Liebe und mit Überwindung
dessen, was den Feinden der Kirche solchen Vorteil verschaffte, nämlich der
Unwissenheit und des anstößigen Lebenswandels von Priestern und Ordensleuten.
Er selbst steigt sofort in die Arena. Sein Leben ist von jetzt an unermüdliches
Wirken auf der Kanzel, so daß sein Vater sich darüber beschwert, und im Beicht-
stuhl, den er oft stundenlang nicht verläßt. Sein Briefwechsel mit Senator Favre
ist ihm eine willkommene Erholung. Die Freundschaft mit diesem edlen, geist-
vollen Mann vertieft sich immer mehr und findet in zahlreichen Briefen ihren
liebenswürdigen Ausdruck (zwischen der Priesterweihe am 18. Dezember 1593
und dem Beginn der Chablais-Mission im September 1594 liegen 18 Briefentwürfe
vor): Pläne für Zusammenkünfte, Vorbereitung auf die gemeinsame Wallfahrt
nach Aix, herzliche Worte männlicher Freundschaft, verbunden mit Bewunde-
rung für den geistvollen Senator und seine eleganten Briefe sind ihr Inhalt.

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B. Pionier der Chablais-Mission
September 1594 – Mär
Märzz 1597

Eine Wende im Leben des hl. Franz von Sales bringt das Jahr 1594: Der seelen-
eifrige Dompropst, der gesuchte Prediger und Beichtvater, wird zum einsamen
Missionar, umgeben von Kälte und Feindseligkeit. Wie es dazu kam, berichten
die Biographien des Heiligen.
Am 14. September 1594 betritt er mit seinem Vetter Louis de Sales sein neues
Arbeitsfeld, die liebliche Landschaft Chablais südlich vom Genfer See. Seine
Erlebnisse spiegeln sich in seinen Briefen wider, zunächst in seinen Briefen an
Senator Favre (3 aus den letzten Monaten 1594, 14 im Jahre 1595, 5 im Jahre
1596), ferner in zwei Briefen an seinen Bischof, zwei an P. Possevino, und von
1595 an in zahlreichen Briefen an den Nuntius Riccardi.

1. Ein aussichtsloses Unterfangen?

Im ersten Brief an Favre anfangs Oktober 1594 (XI,90-93) schreibt Franz von
Sales, daß ihm durch den Brief seines Freundes
in der dichten Finsternis ein gewisses Licht aufleuchtete. Die bedeu-
tendsten Bürger von Thonon haben einander geschworen, daß weder
sie noch das Volk katholische Predigten anhören würden ... Das soll
vorgestern im Rathaus der Stadt geschehen sein und vorher schon in
ihren Konsistorien. Sie wollen, daß wir die Hoffnung aufgeben und uns
zurückziehen. Das wird aber nicht geschehen; wir sind fest entschlossen,
an diesem Werk ohne Unterlaß weiterzuarbeiten.

An Bischof Granier schreibt er Ende Oktober 1594 (XI,94f) in ähnlichem Sinn


von der Halsstarrigkeit des Volkes, das vorgibt, die Rache der Berner und Genfer
zu fürchten,
die sie als Abtrünnige behandeln würden, wenn sie uns anders be-
gegneten als mit Beschimpfungen auf der Zunge und mit Steinen in den
Händen ... Aber wir hoffen geduldig, daß der starke Bewaffnete durch
einen Stärkeren vertrieben wird, durch unseren Herrn Jesus Christus.

16
Am 2. November 1594 (XI,95-97) schreibt Franz von Sales an Favre aus Evian,
daß einer der Herren von Thonon ihm freundlich begegnet sei. Das gibt ihm ein
wenig Hoffnung, da man doch übereingekommen war, ihm nicht nur jeden Dienst
zu verweigern, sondern überhaupt nicht mit ihm zu sprechen.
Hoffnungsvoll ist auch sein Brief an Favre Mitte November 1594 (XI,97-99) von
der Festung Allinges, in dem er u. a. schreibt:
Es scheint mir, daß der göttliche Tau des Gotteswortes jeden Tag
glücklichere Früchte hervorbringt.

Am 27. November 1594 (XI,102f) schreibt er von Thonon an Favre:


... Ich beginne heute meine Adventspredigten vor vier oder fünf Per-
sonen. Gebet, Almosen und Fasten bilden das Band, das der Feind
schwerlich zerreißen kann ...

Seine Flugblätter, die er nun Woche für Woche den Bürgern von Thonon zukom-
men läßt, damit sie seine „Betrachtungen“ über den wahren Glauben lesen kön-
nen, da sie ihn nicht hören dürfen, erwähnt er zum ersten Mal in einem Brief an
Favre Ende Januar 1595 (XI, 107-109):
Ich hoffte, Ihnen etwas von meiner Arbeit schicken zu können, 3 aber
ich habe meine Absicht geändert; ich will lieber warten, bis sie sozusagen
ein Ganzes bildet, als sie Ihnen Stück für Stück zu schicken ...

Mitte Februar 1595 (XI,110-112) schreibt er aus Allinges:


Ich fühle die Schwierigkeiten meines Unternehmens; es fehlen mir
auch die Hilfsmittel, d. h. die notwendigen Bücher ... Ich werde in Tho-
non Wohnung nehmen ...

Davon spricht er ausführlicher in einem Brief vom 7. März 1595 (XI,112-116)


aus Thonon:
Ich bin jetzt nach Thonon heruntergekommen. Von der Höhe mei-
ner Festung angegriffen, hat der Gegner die gerechten Bedingungen
mißachtet. Jetzt gehe ich zum letzten Angriff über. Er hat den Vorteil
der Zahl, wir den unserer guten Sache ...

Im März 1595 (XI,117f) schreibt er an seinen Vater: 4


Wäre Rolland5 Ihr Sohn, während er nur Ihr Diener ist, dann wäre
er nicht so feige gewesen, vor einem so kleinen Schock zu weichen, dem
er ausgesetzt war. Er würde daraus nicht einen Schlachtlärm machen.
Niemand zweifelt am bösen Willen unserer Feinde, aber man tut uns
Unrecht, wenn man an unserem Mut zweifelt ... Ich bitte Sie, mein Vater,
unser Ausharren nicht als Ungehorsam auszulegen und mich als Ihren
Sohn zu betrachten, der Sie sehr verehrt ...

17
Anfangs April 1595 (XI,118f) schreibt er in etwas anderem Ton seinem Bischof:
Monseigneur, wenn Sie zu wissen wünschen, und es ist angebracht,
daß Sie wissen, was wir getan haben und was wir jetzt tun, so finden Sie
das alles, wenn Sie die Briefe des hl. Paulus lesen. Ich bin ja nicht würdig,
mit ihm verglichen zu werden, aber unser Herr weiß sich sehr wohl unse-
rer Schwachheit zu seiner Verherrlichung zu bedienen. Wir gehen, aber
wie ein Kranker, der das Bett verläßt und feststellt, daß er verlernt hat,
seine Füße zu gebrauchen. Bei seiner schwachen Gesundheit weiß er
nicht, ob er mehr gesund als krank ist.
Monseigneur, diese Provinz ist wirklich ganz gelähmt, und bevor sie
gehen lernt, kann ich wohl an die Reise in das wahre Vaterland denken ...

Seinem Seelenführer zu Padua, dem Jesuiten Possevino,6 dem er sich in einem


Brief Mitte Dezember 1594 (XI,104-106) in Erinnerung brachte, schreibt er auf
dessen Antwort hin aus Thonon anfangs April 1595 (XI,119-122) über sein
Wirken:
... Es ist nun schon der siebente Monat, seit ich hierher kam. Obwohl
ich an allen Sonn- und Feiertagen und oft auch während der Woche
gepredigt habe, haben mich von den Hugenotten nur drei oder vier an-
gehört, die vier- oder fünfmal zur Predigt kamen, heimlich an Türen und
Fenstern lauschend; es sind die Bedeutendsten, die fast immer kamen.
Ich versäume aber keine Gelegenheit, an sie heranzukommen, aber die
einen wollen mich nicht anhören, andere entschuldigen sich mit dem
Schicksal, dem sie entgegengingen, falls der Waffenstillstand mit Genf
gebrochen würde ...7 Das hält sie so im Zaum, daß sie den Verkehr mit
mir meiden, soviel sie können. Manche sind zwar schon ganz vom Glau-
ben überzeugt, aber es ist unmöglich, sie zum Bekenntnis des Glaubens
zu bringen, solange die Unsicherheit über den Waffenstillstand beste-
hen bleibt ... Das einzige, was man tun kann, ist, den Glauben der Katho-
liken zu stärken ... Ich habe hier einige Verwandte und andere, die mich
besonderer Gründe wegen achten; deshalb muß ich bleiben. Übrigens
bin ich gut genug, den Mauern zu predigen, wie ich es in dieser Stadt
mache ...

Dem Senator Favre schreibt er aus Thonon am 11. April 1595 (XI,122-127):
... Einige Ähren der großen Ernte beginnen zu reifen ... Darunter ist
Pierre Poncet,8 ein gelehrter Jurist und ein gerades Herz.
... Obwohl er in vielen schrecklichen Irrtümern befangen war, hatte
er schon lange Zeit richtige Gedanken über die wirkliche Gegenwart

18
Jesu in der heiligen Eucharistie. Es war nicht schwer, ihn zur Absage an
die Schule Calvins zu bringen, die sich und die anderen über das ganze
Sakrament täuscht. In den Schoß der Kirche zurückzukehren, ist aller-
dings eine andere Sache. Er sagt zwar, daß er es tun muß, aber die
Angst, Hab und Gut zu verlieren, die Vorwürfe seiner Freunde, die
Unsicherheit über den Waffenstillstand, all das zusammen verhindert
seine Konversion ... Meine Geduld wurde nie auf eine so harte Probe
gestellt wie durch diese langwierige Verzögerung. Die Freude wird aber
für das lange Warten entschädigen ...
Der Ritter de Compois überbrachte mir Ihren Brief und wollte mir
aufgrund irgendwelcher echter oder falscher Voraussagen gute Hoff-
nung für die christliche Sache geben. Er ist sehr katholisch, Savoyarde,
leichtgläubig und hat mich sehr bedrängt, daß auch ich daran glauben
soll ...

An Senator Favre um den 15. April 1595 (XI,128f) aus Thonon:


... Der Ritter de Compois wollte nicht ohne einen Brief an Sie abrei-
sen, um Sie begrüßen zu können. Da er ein Riese von Gestalt und Stim-
me ist, wie Sie sehen, konnte ich kleine Maus ihm nicht widerstehen ...
Poncet hat jetzt versprochen, bald sein Glaubensbekenntnis abzulegen.
Dieses Versprechen machte er zuerst Compois, der es ihm erpreßte,
nachher soeben mir. Sie werden sehen, wie sich unser Ritter in seiner
martialischen Sprache nicht wenig rühmt, mich in der Freude über diese
Bekehrung übertroffen zu haben.

Die Briefe des Heiligen vom Mai 1595 (XI,130-132) und vom 16. Mai 1595
(XI,132-134) an Favre nehmen nicht auf die Mission Bezug. Im zweiten dieser
Briefe schreibt Franz von Sales, daß er einige Tage bei seiner Familie in Sales
verbringe.
In einem Brief aus Annecy von Ende Mai 1595 (XI,135-140) an Favre spricht
Franz von Sales über ein Gedicht des Senators: zum Schluß schreibt er:
Ich bin daran, nach Thonon zurückzukehren. Sie sind wohl der ein-
zige, der das billigt, aber das genügt. Es ist jedoch mein Entschluß, wenn
in vier Monaten, d. h. nach Abschluß meines Jahres, nicht jeder seine
Pflicht in dieser Sache erfüllt, werde ich nicht zulassen, daß ein anderer
als Sie mich in dieser Aufgabe zurückhält. Ich will offen sprechen: Man
glaubt allgemein, daß wir ohne den Herzog, viele meinen – nicht ohne
Grund – sogar gegen seinen Willen in dieser Provinz arbeiten. Sein
Schweigen, wo schon das geringste Wort genügt hätte, ist ihr großer
Beweis. Ein Beweis ist auch, zu sehen, daß Menschen inmitten von Lie-
genschaften der Kirche unter einem katholischen Fürsten ein armseli-

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ges Leben, sozusagen von einem Tag auf den anderen fristen ... Ich
möchte aber nicht, daß Sie mit irgend jemandem darüber sprechen; wie
Sie sehen, könnte es eine gefährliche Bedeutung bekommen ...
An den hl. Petrus Canisius schreibt Franz von Sales aus Thonon am 21. Juli 1595
(XI,140-148) nach einer längeren Einleitung:
Ich bin jetzt schon den neunten Monat inmitten von Häretikern und
habe erst acht Ähren in die Scheuern des Herrn einbringen können; das
ist immerhin eine große Wohltat für einen Mann, der weniger ein Arbei-
ter als der Vorläufer von Arbeitern ist.

Franz von Sales spricht dann von Poncet, dem er den Katechismus des Petrus
Canisius geliehen hat; dieses Buch hat ihn in die Kirche geführt. – Im Konzept zu
diesem Brief stellt Franz von Sales fest, daß zwar die Ernte auf Befehl des
Herzogs begonnen wurde, daß er sich aber nicht mehr darum kümmere, da er von
anderen Dingen absorbiert sei. Die Leute
fürchten, falls die Genfer und Berner zurückkämen, von diesen mißhan-
delt zu werden, nicht weil sie zur Kirche zurückgekehrt sind, sondern schon
deswegen, weil sie katholische Theologen angehört haben.

Trotzdem hat Franz von Sales wenigstens zweimal jeden Sonntag gepredigt.
Die wenigen Katholiken wurden dadurch ermutigt, und durch Got-
tes Gnade haben sich acht Seelen Jesus Christus unterworfen.

Ein neuer Name, der oft wiederkehren wird, taucht hier zum ersten Mal auf: Mgr.
Riccardi, 9 Nuntius in Turin; vorerst in einer kirchenrechtlichen Angelegenheit
(XI,148-151), dann 25mal in Band XI.
Favre verfolgt weiter das Schicksal der Mission im Chablais. Am 2. August 1595
(XI,153-156) schreibt ihm Franz von Sales aus Annecy:
Die Ernte von Thonon ist eine Last, die meine Kräfte übersteigt. Ich
bin aber entschlossen, sie nicht aufzugeben, außer wenn Sie das wollen
und befehlen. Indessen fahre ich fort, auf jede mögliche Art andere
Arbeiter für dieses Werk vorzubereiten und ihnen Möglichkeiten für
ihren Unterhalt zu suchen ... Es quält mich, zu sehen, daß uns bei all den
Katastrophen, die uns bedrohen, kaum ein Augenblick bleibt, die Fröm-
migkeit zu pflegen, die wir so notwendig bräuchten. Trotzdem müssen
wir auf die Barmherzigkeit des Herrn bauen und unsere Herzen zur
Hoffnung erheben. – Ich habe mich sehr gefreut, daß unser Possevino
sich meiner so gut erinnert ...
Wie Sie dem neuen Vorwort von de Sponde 10 entnehmen können,
wissen die kleinen Geister in Genf und im Chablais diesem bedeutenden
Mann nichts anderes anzuhängen, als daß er zur Strafe für den Verrat
des (calvinistischen) Glaubens wahnsinnig geworden sei und sich in ir-

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gendeinem Winkel Frankreichs verstecke ... Was mich hindert, ihnen zu
glauben, ist ihre Lügenhaftigkeit. Haben sie doch auch neuerdings mit
größter Unverfrorenheit erklärt, Poncet werde vom Teufel schrecklich
gequält und ich verbrächte die Nächte bei ihm, um ihn durch den Exor-
zismus vom Teufel zu befreien ...

Anfangs August 1595 (XI,156f) schreibt Franz von Sales aus Sales an Favre: Er
spricht von den übertriebenen Gerüchten, die wegen der kriegerischen Ereignisse
herumschwirren, und freut sich, daß es nicht so schlimm ist.
Unsere Zeit ist so unglücklich, daß man sich für glücklich hält, wenn
man nicht ganz unglücklich ist.

2. Möglichkeiten und Hemmnisse

Am 18. September 1595 (XI,158-160) schreibt er aus Thonon an Favre:


Endlich öffnet sich uns eine breitere Pforte für die Ernte der Chri-
sten. Es hat wenig gefehlt, und Herr d’Avully11 und die Ratsherren wä-
ren öffentlich zu meiner Predigt gekommen, weil sie gehört hatten, daß
ich über das heiligste Altarssakrament predige. Sie wagten es dann doch
nicht, sondern hörten an einem Platz zu, wo sie nicht gesehen werden
konnten.

Franz von Sales hatte dafür so machtvolle Beweise angekündigt, daß seine Geg-
ner deren Beweiskraft zugeben müßten, falls sie nicht auf die Vernunft verzich-
ten wollten. Dadurch hoffte er, sie zur Diskussion zu zwingen, andernfalls wür-
den sie für feige gehalten, da sie es nicht wagten, sich mit der katholischen Lehre
zu messen, selbst wenn sie von einem Menschen verteidigt wird, der nichts ist.
Es ist wohl sicher, daß sie zu verhandeln beginnen. Bald werden sie
kapitulieren. Der Anwalt du Crest 12 hat mir gesagt, daß die Herren von
Thonon auf allgemeinen Beschluß uns das Bekenntnis ihres Glaubens
schriftlich vorlegen wollten, damit wir in vertraulichen Zusammenkünf-
ten und persönlichen Schriften über die Unterschiede zu unserem Glau-
ben diskutieren könnten. Einige wollten ihren Prädikanten damit beauf-
tragen, andere waren aus Vorsicht dagegen; sie fürchten, er könnte durch
scholastische Spitzfindigkeiten besiegt werden, wenn er sich mit uns ein-
läßt, da er von Philosophie nichts verstehe.
Gewiß sind wir auf dem rechten Weg, da sie den Kampf annehmen
und Angst vor unseren schwachen Kräften haben ... Wir haben durch
Gottes Gnade guten Mut und erwarten freudig diesen Kampf, der uns
gute Hoffnung gibt.

21
Anfangs Oktober 1595 (XI,160-163) schreibt Franz von Sales erneut aus Thonon
an Favre. Nach einigen Bemerkungen über die politische Lage, besonders in
Frankreich (Konversion Heinrichs IV.) schreibt er:
Ich bedränge die Herrn von Thonon weiter und werde sie noch mehr
bedrängen, wenn ich die kleine Schrift fertig habe, über die ich seit lan-
gem nachdenke, und Sie das Unterfangen billigen. Ich bin nämlich ent-
schlossen, nichts ohne Ihre Gutheißung zu unternehmen. Die Herren
von Thonon bewundern Ihre Betrachtungen über „Buße und Gotteslie-
be“, besonders die Schönheit dieses Werkes. Nur ein Prädikant hat über
den Satz: „Selig die Schuld, die uns einen solchen Erlöser gebracht hat“
ausgerufen: „O Lästerung, o Atheismus, o Papismus!“ Ich habe ihm mit
aller möglichen Mäßigung durch einen Dritten Vernunft beigebracht,
denn er selbst hat es noch nicht gewagt, sich mit mir zu messen.

Der Anwalt de Prèz hat an Favre lobende Worte geschickt, obwohl er ein hartnäk-
kiger Häretiker ist. Favre möge ihm freundlich antworten; Franz von Sales hofft,
ihm zum Glauben zu verhelfen.
Am 14. Oktober 1595 (XI,164f) an Favre aus Thonon: Franz von Sales will im
ersten Teil des „Codex Fabrianus“ zeigen, daß die Häretiker keine Reformatoren
sind, sondern alte Häresien aufwärmen.
Am 14. Oktober 1595 (XI,166f) an Possevino aus Thonon: Franz von Sales hat
sich schon zweimal blamiert, weil er aus zweitrangigen Quellen zitierte, da er
keinen Zugang zu Calvins „Institutiones“ habe, die im Chablais jedermann aus-
wendig kenne.
Am 29. Dezember 1595 (XI,168-175) beginnt die Korrespondenz mit dem Her-
zog von Savoyen, Karl Emmanuel I., über die Maßnahmen zur Bekehrung des
Chablais:13
Da Ew. Hoheit zu erfahren wünschen, welche Mittel die geeignetsten
sind, das Volk im Chablais zur katholischen Kirche zurückzuführen, wie
ich durch Herrn d’Avully erfahren habe, sage ich schlicht und einfach,
was ich denke:
Zusammengefaßt sind das folgende: 1) Sichere Einkünfte für eine beträchtliche
Zahl von Predigern. Die Einwohner von Thonon glauben nicht, daß sie auf Ver-
langen des Herzogs predigen, da man sich bisher nicht um sie kümmerte und die
Ausgaben dafür nicht bezahlt wurden. Die Gehälter, die vor dem Krieg für die
zwanzig Prädikanten verwendet wurden, genügten dafür.
2) Die Kirchen müssen wieder instand gesetzt und das Einkommen der Pfarrer
gesichert sein. Die Prediger müssen die Freiheit haben, überall zu predigen.
3) Die Kirchen von Thonon und Allinges sollen vorrangig restauriert und mit
Pfarrern besetzt werden. Dort sind schon viele Katholiken, andere sind bereit, es
zu werden; sie verlaufen sich wieder, wenn für sie nicht gesorgt wird. Auch sollen
die Gottesdienste würdig gefeiert werden, vor allem in Thonon.
4) Da die Einwohner die Predigt nicht hören wollen, möge der Herzog den
Obrigkeiten der Stadt schreiben und einen Senator von Savoyen schicken, der sie

22
im Namen des Herzogs einlädt, die katholischen Predigten anzuhören und ihre
Beweisführung zu überdenken, da sie doch früher von den Bernern zum Abfall
vom katholischen Glauben gezwungen wurden. Dafür schlägt er den Senator
Favre vor.
5) Um die jungen Leute zu beschäftigen, sollen sie zum Militär eingezogen wer-
den und dort religiöse Unterweisung erhalten. Ferner soll ein Kolleg der Jesuiten
errichtet werden.
6) Schließlich soll man solche, die hartnäckig am Irrtum festhalten, von allen
Ämtern ausschließen.
Am 6. Februar 1596 (XI,176-181) aus Annecy an Favre: Franz von Sales ent-
schuldigt sich, daß er dem Freund seit Jahresbeginn noch nicht geschrieben hat.
Mit Favre beneidet er einen gemeinsamen Freund, François Genand, der bei den
Kapuzinern eingetreten ist. Er teilt noch mit, daß er nach Thonon zurückkehrt.
Um den 8. Februar 1596 (XI,182f) schreibt er an den Sekretär des Herzogs,
Théodule Chavent, dankt ihm für das Angebot seiner Freundschaft und erklärt,
daß alles ihm verbiete, den Wunsch zu hegen, Koadjutor des Bischofs zu werden.
Ehrfurcht und Eifer für seinen Bischof werden ihn immer hindern, daran zu
denken, solange dieser lebe, und wenn ihn Gott zu sich hole, außerdem seine
eigene Unfähigkeit.
Am 19. Februar 1596 (XI,183-188) aus Thonon an den Nuntius Riccardi: Nach
Segenswünschen zum Amtsantritt des Nuntius und nach demütigen Worten über
sich selbst, daß er die hohe Meinung nicht rechtfertige, die der Nuntius von ihm
hat, außer dem Wunsch, der Kirche zu dienen und seinen Oberen zu gehorchen,
schildert er dem neuen Nuntius die Lage im Chablais:
Von den Bernern vor 60 Jahren erobert, blieb das Gebiet häretisch, bis es vom
Herzog zurückerobert wurde. Viele bekehrten sich damals, mehr auf das Krachen
der Gewehre hin als auf die Worte der Prediger, fielen aber in den Irrtum zurück,
als die Genfer und Franzosen erneut in das Land einfielen. Darauf kam Franz
von Sales auf Befehl des Bischofs mehr als Kundschafter und Quartiermacher,
um die Mittel zu erkunden, wie man das Land mit Ärzten und Arzneien versehen
könne. Er und einige andere Priester hätten trotzdem jeden Feiertag gepredigt
und auch einige Bekehrungen erreicht. Franz von Sales zählt dann die Maßnah-
men auf, die er dem Herzog vorgeschlagen hat. Ganz wichtig sei es, für das nötige
Einkommen zu sorgen. Es gebe im Land viele Pfründen, die hätten aber andere
Leute inne, meistens die Ritter vom hl. Mauritius und Lazarus. Der Dienst Got-
tes erfordere jedoch, daß vor allem die Religion wiederhergestellt werde.

Thonon, 19. März 1596 (XI,189) an den Herzog von Savoyen:


Die Einstellung des Volkes im Chablais sehe ich derzeit so: Wenn die heilige
Absicht Ew. Hoheit unverzüglich verwirklicht, die Kirche in Thonon und an
anderen Orten instand gesetzt wird, wage ich Ew. Hoheit zu versichern, daß
Sie in einigen Monaten das ganze Land zurückkehren sehen können. Denn in
der Stadt sind einige in so guter Verfassung und die anderen in ihrem Gewis-
sen so erschüttert, daß sie unfehlbar in den Hafen kommen werden, in dem
Ew. Hoheit sie zu haben wünscht, wenn man ihnen die Gelegenheit dazu bietet.

23
Vom Land sind schon Leute aus zehn bis zwölf Pfarreien gekommen
und haben gebeten, daß man ihnen die Ausübung des katholischen Glau-
bens ermögliche. So ist die Zeit gekommen, Gott verherrlicht zu sehen
und den Eifer Ew. Hoheit, von dem ich den Auftrag und die notwendi-
gen Maßnahmen erwarte. Falls jemand das Gegenteil behauptet, so bitte
ich Sie demütig zu glauben, daß ich Ihnen nur der Wahrheit und meinem
Gewissen gemäß schreibe ...
Am 19. März 1596 (XI,190-192) schreibt Franz von Sales an den Nuntius dassel-
be wie an den Herzog. Er fügt die Befürchtung hinzu, der Herzog werde auf den
Widerstand der Ritter vom hl. Mauritius und Lazarus14 stoßen, die die kirchli-
chen Einkünfte zurückhalten. Diese sind aber notwendig für die Erneuerung der
Kirchen, für den Unterhalt der Prediger und Pfarrer.
Am 16. April 1596 (XI,193-195) schreibt Franz von Sales aus Thonon an Favre,
daß ihn die immer wieder verschobene Ankunft des Herzogs schmerze, weil sie
die Regelung kirchlicher Angelegenheiten verzögert.
Annecy, 6. Mai 1596 (XI,195-198) an Nuntius Riccardi: Er dankt ihm, daß er
ihm die Erlaubnis erwirken will, indizierte Bücher zu lesen, die er notwendig
braucht. Die Liste der Bekehrten kann er ihm nicht schicken, weil er sie in
Thonon gelassen hat. Er hofft ihm bald gute Nachricht zu schicken, wenn er die
Mittel erhält, um eine geeignete Zahl von Predigern in diese Provinz zu senden.
Er meint, die Pfründen sollten nicht denen zurückgegeben werden, die sie schon
hatten, da diese sich vielleicht für einen ruhigen Posten eigneten, nicht aber für
solche, wo man kämpfen muß.
Am 10. Mai 1596 (XI,198-201) erklärt er dem Herrn d’Avully eine Stelle aus den
Kommentaren des hl. Hieronymus, freut sich über die Konversion der Tochter
des Herrn d’Avully, fragt sich aber, ob sie einen guten Unterricht erhalten habe.
Thonon, September 1596 (XI,202-205) an Mgr. Riccardi: Franz von Sales freut
sich, daß der Nuntius seine Befriedigung über die Konversion des Herrn d’Avully
ausdrückt. Dieser berichtet ihm aber von Verleumdungen am Hof von Turin
gegen d’Avully und gegen ihn selbst. Er will bald selbst in Turin erscheinen, um
eine Erklärung des Herzogs in dieser wichtigen Sache zu erwirken.
Wenn man rasch die erforderlichen Weisungen gibt, halte ich es für
sicher, daß wir bald eine Ernte von einigen tausend Seelen haben wer-
den. Wenn man aber diese Weisungen nicht erteilt, werde ich um Ihren
Segen bitten und um die Erlaubnis, dieses Unternehmen anderen zu
übergeben, die fähiger sind als ich. Es bricht mir das Herz, mich außer-
stande zu sehen, ganzen Pfarreien zu helfen, die sich darnach sehnen,
von der heiligen katholischen Lehre genährt zu werden, weil mir die
Mittel fehlen, ihnen eine ausreichende Zahl von Predigern und Seelsor-
gern zu schicken. Ich kann hier nicht länger allein bleiben, ohne zum
Gespött unserer Feinde zu werden, die sehen, daß man keine Befehle
erteilt, und meine seelsorgliche Arbeit verachten.
Was meine Verleumder betrifft, hoffe ich, man werde schließlich er-
kennen, und Gott weiß es, daß ich frei von allem Ehrgeiz bin ... Ich

24
schrieb Ihnen letztens über die Konversion des Herrn d’Avully und ich
werde Ihnen noch eine genauere Rechenschaft darüber geben, denn
nicht nur ihm und mir schaden diese Verleumder, sondern der Mission.
Sie begünstigen damit die Häretiker, die alle Bekehrungen unserer Zeit
verleumden, um die Wirkung zu vereiteln, die das Beispiel der Angese-
henen beim Volk erzielt ...

Sales, 14. November 1596 (XI,205-207) an den Nuntius:


Die Verzögerung des Friedensschlusses läßt mich sehr befürchten,
der Herzog werde zögern, der Bevölkerung des Chablais zu Hilfe zu
kommen. Da ich nicht weiß, wohin ich mich wenden soll, bitte ich Sie
demütig um der Liebe Gottes willen, nicht zuzulassen, daß der Advent
vorübergehe, ohne daß ich unseren Herrn in diese Gegend heimkehren
sehe. Ich bitte Sie, doch zu erreichen, daß die Ausübung des katholi-
schen Kultes wenigstens in drei oder vier Orten beginnen kann, wenn
man der Kälte wegen nicht mehr tun kann.
Es ist sehr wichtig, daß begonnen wird. Wenn Christus zu uns als
kleines Kind kommt, wird er wachsen bis zur Fülle der Reife. Es gibt da
kein Risiko ... Ich bin daran, von Sales nach Thonon zurückzukehren, wo
ich wieder meinen Feinden zum Gespött gereichen werde, bis die Wei-
sungen Sr. Hoheit uns erreichen; ich warte darauf mit freudiger Zuver-
sicht ... Ich möchte nur hinzufügen, daß eine verzögerte Hoffnung mei-
ne Seele und die vieler Katholiken unerhört bekümmern und vielleicht
die Ursache ewiger Trostlosigkeit einer großen Zahl von Seelen sein
würde.

Annecy, 23. oder 24. November 1596 (XI,208-210) an Favre, nach persönlichen
Mitteilungen, über Thonon:
Herr von Jacob 15 hat uns die schönsten Versprechungen gemacht.
Wir benützen jede Gelegenheit, den Herzog für die Sache zu gewinnen,
durch den Nuntius, durch Jesuiten und Kapuziner. Ich begann schon,
einen günstigen Erfolg zu erhoffen, aber ich höre von Kriegsgerüchten,
die meine Hoffnung erschüttern.

Thonon, 29. November 1596 (XI,212-216) an Nuntius Riccardi: Er möge inter-


venieren, damit zwei armen Kirchen Legate zugeschrieben werden, die sie zu
verlieren in Gefahr sind. Der Nuntius möge außerdem beim Herzog auf die kirch-
liche Erneuerung im Chablais drängen. Wenn Se. Hoheit ein Zeugnis für die
Frömmigkeit ihres Hauses ablegen wolle, müsse sie es bei dieser Gelegenheit tun,
mit der Gott so wohlgefälligen Schnelligkeit und Sorgfalt.

25
Thonon, 7. Dezember 1596 (XI,217f) an Favre:
Wenn sich durch die Gnade Gottes verwirklicht, was wir erwarten,
daß zu Weihnachten Christus wiedergeboren werde unter den wenigen
Gläubigen, die er hier hat, werde ich es Sie wissen lassen ... Die Männer
von Mésinge, die mir in Ihrer Gegenwart auf unserem Schloß Marclaz
versprachen, die Häresie zu verlassen, haben nun ihr Glaubensbekennt-
nis abgelegt ...

Thonon, 12. Dezember 1596 (XI,219-224) an Nuntius Riccardi:


Ich habe den Auftrag Sr. Hoheit erhalten, 300 Ecus in Empfang zu
nehmen, um die schon gemachten Ausgaben zu decken. Ich erhielt zu-
gleich Ihren Brief mit der Erlaubnis, Rückfällige zu absolvieren ... Seit
ich hierher zurückgekommen bin ohne die notwendigen Maßnahmen
für dieses Werk, bin ich das Gespött der Ungläubigen. Trotzdem wurden
achtzig Personen gewonnen, große wie kleine. Wenn Se. Hoheit, ihrem
heiligen Eifer folgend, einen Senator hierher schickt, um die Bewohner
von Thonon einzuladen, daß sie das Wort Gottes anhören, dann hoffe
ich, daß dies eine gute Wirkung haben wird.
Ew. Gnaden haben mir das Leben wiedergegeben durch die Nach-
richt, daß wir trotz des Wehklagens der Ritter bald Geld bekommen
werden, damit wir beginnen können, dem katholischen Kult in diesem
Volk mehr Ausdehnung zu geben. Ich bin mehr denn je überzeugt, daß
es sehr notwendig ist, ihnen heiliges Weideland zu eröffnen. Einige sind
katholisch, seit Se. Hoheit (1589) hier durchgezogen ist. Viele wurden
gezwungen, nach außen hin rückfällig zu werden, viele sind gleichgültig
und wissen nicht einmal, zu welcher Religion sie gehören, und alle sind
ohne Hirten wie verirrte Schafe.
Es freut mich, daß die Ritter die kirchlichen Güter des Chablais für
unbedeutend halten, dann werden sie diese in ihrem Großmut gern für
den Gottesdienst abtreten. Dieses Öl, das ihnen wenig zu sein scheint,
wird genügen, um Licht zu erzeugen, das seine Strahlen bis mitten unter
die Berner und Genfer senden wird, vorausgesetzt, sie überlassen uns
dieses Einkommen ohne Streit.
Ich habe hier noch viele Personen und Pfarreien angetroffen, die für
unseren Glauben sehr gut disponiert sind. Wenn die Absichten Sr. Ho-
heit mit Eifer durchgeführt werden, könnte eine Bewegung von Konver-
sionen in Gang kommen, besonders da die Friedensverhandlungen in
frommen und heiligen Händen sind ...
Wir brauchen einen apostolischen Visitator für die Abteien und an-

26
dere Orte in Savoyen, denn wenn ich mich nicht täusche, ist für solche
Unordnung eine höhere Autorität notwendig als die eines einfachen
Prälaten. Ich glaube nicht, daß Se. Heiligkeit etwas Vorteilhafteres tun
kann, als einen apostolischen Visitator zu schicken ...

Thonon, 21. Dezember 1596 (XI,225-227) an den Herzog:


In Erwartung der Zustimmung Ew. Hoheit für die Wiedererrichtung
der katholischen Religion in der Ballei Thonon habe ich einen Altar in
der Kirche zum hl. Hippolytus aufgestellt, in der ich seit zwei Jahren
regelmäßig predige, um dort an Weihnachten die heilige Messe zu fei-
ern. Die Vorsteher der Stadt wollten sich dem widersetzen, haben dann
aber darauf verzichtet ... Mein Eifer im Dienst Ew. Hoheit gibt mir den
Mut zu sagen, Ew. Hoheit möge ... in allem die Katholiken und ihre
Religionsausübung begünstigen und diesen Leuten zu verstehen geben,
sie sollten die Erlaubnis, die sie haben, einfach benutzen, ohne jene zu
behindern, welche die katholische Religion zu fördern suchen ... Herr
Lambert möchte einem Prädikanten großzügig helfen, der sich bekehrt.
Ich glaube, Ew. Hoheit wird dies angenehm sein und Sie werden ihm
Weisung geben, noch mehr zu tun.

Thonon, 21. Dezember 1596 (XI,228f) an Nuntius Riccardi:


Ich schrieb Sr. Hoheit über den Widerstand der Bewohner von Tho-
non, als ich daranging, einen Altar in der Kirche aufzustellen, in der ich
bisher gepredigt habe, um dort Weihnachten zu feiern. Ich bitte Sie, mir
Briefe zu verschaffen, die ich dieser kleinen Zahl von Gegnern vorlegen
kann, um ihnen zu beweisen, daß ihnen die sogenannte Gewissensfrei-
heit genügen soll, ohne daß sie die Ausübung des katholischen Kultes
stören. Das ist die letzte Anstrengung Satans gegen unser Werk, der auf
diese Weise die Verzögerung in der Durchführung der guten Absichten
Sr. Hoheit ausnützt. Das wird aber nichts bedeuten, wenn Ew. Gnaden
dafür eintreten, daß man schnellstens ... die Übung der katholischen
Religion einrichtet. Ich sehe eine ständig wachsende Zahl von Men-
schen, die geneigt sind, unseren heiligen Glauben anzunehmen, wäh-
rend andere durch Verleumdungen, böse Reden und andere teuflische
Listen uns bedrängen ... Verzeihen Sie mir bitte, wenn ich aufdringlich
bin; ich habe aber nach menschlichem Ermessen am Hof keine andere
Zuflucht als Ihre Güte und Fürsorge ...

Am 21. Februar 1597 (XI,231f) bekundet Franz von Sales dem Herzog seine
Freude, daß dieser die Errichtung eines Altares in St. Hippolyth gutgeheißen hat.
Er versichert ihm, daß er in dieser Sache ganz fest bleiben wird und nichts so sehr

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fürchtet, als daß man ihn zu großer Feigheit anklage. Er bittet den Herzog, daß
der Statthalter Lambert einem Prädikanten, der konvertieren will, ausgiebiger
helfe. – Der Ritter Bergera16 sieht wohl ein, daß die sechs Gehälter, die man vom
Einkommen der Ritter abzweigt, nicht genügen, um das Volk zum Glauben zu-
rückzuführen; er hält den Vorschlag des Propstes für vernünftig, daß die Ritter
das gesamte Einkommen der Pfarreien diesen zukommen lassen; der Herzog
selbst hat dies für gut befunden. Franz von Sales bittet ihn, seine Autorität bei
den übrigen Herren des Ordensrates dafür einzusetzen ...
Am 21. Februar 1597 (XI,232-234) schreibt Franz von Sales an den Rat der
Ritter vom hl. Mauritius und Lazarus:
Da der Ritter Bergera zurückgekehrt ist, brauche ich nicht zu berich-
ten, was in Thonon auf Ihre Weisung zur Ehre Gottes und für die Aus-
breitung des katholischen Glaubens getan wurde. Ich will nur sagen, daß
ich mit Gottes Hilfe auch in Zukunft alles tun werde, was man von einem
so unfähigen Mann, wie ich es bin, erwarten kann.
Da ich mich aber als Quartiermacher und Sachwalter für eine große
Zahl von Predigern und anderen Priestern betrachte, die kommen sol-
len, um hier die Schlachten des Herrn der Heerscharen zu schlagen,
muß ich wohl Sr. Heiligkeit, Sr. Hoheit und Ew. Gnaden lästig fallen und
Sie ersuchen, daß Sie uns die Kosten erstatten, die von Tag zu Tag an-
wachsen, entsprechend der Zahl der zum Fortschritt dieses Werkes not-
wendigen Arbeiter.
Es scheint mir, ich müßte Ihnen ein- für allemal Vorschläge unter-
breiten, die die Vollendung dieses Werkes jeder Not entheben und zu-
gleich den lästigen wiederholten Bitten um Hilfe vorbeugen, die wir sonst
von Zeit zu Zeit vorbringen müßten. Diese Vorschläge bestehen darin,
daß Ew. Gnaden alle Pfarrpfründen, die Sie in dieser Gegend besitzen,
mit allem Zugehörigen vollständig abtreten. Wenn dem noch hinzuge-
fügt würde, was von einzelnen dazukommt, könnte man in dieser Ge-
gend einen so glanzvollen religiösen Kult einrichten, daß sein Licht weit-
hin ausstrahlte.
Für diesen Vorschlag brauche ich keinen anderen Fürsprecher, denn
er ist so vernünftig, daß der Eifer und Gerechtigkeitssinn Ew. Gnaden
sich in dieser Angelegenheit nicht werden verleugnen lassen ...
Am 21. Februar 1597 (XI,235-239) schreibt er an den Nuntius Riccardi, warum
er noch nicht auf dessen Briefe geantwortet hat. Es sei nicht notwendig, ihm
„kraft des heiligen Gehorsams“ zu befehlen, daß er ihn öfter über die Ereignisse
im Chablais unterrichte, da der einfache Wunsch des Nuntius ihn dränge, das
Bestmögliche zu tun. Er spricht dann von der Konferenz mit den Prädikanten
von Genf, zu der P. Chérubin eingeladen wurde, und bittet den Nuntius, seine
Autorität einzusetzen, damit die Kapuziner P. Chérubin und P. Esprit im Chab-
lais eingesetzt werden.17

28
Wir brauchen noch andere Missionare in möglichst großer Zahl, Ka-
puziner und Jesuiten, die sich mit Weltpriestern vereinigen, die kommen
werden, damit wir einen kräftigen Sturm auf die Häresie in diesen klei-
nen Bezirken unternehmen können ... Dazu müßte man entweder einige
Zeit zwei der sechs Gehälter einbehalten oder bei solchen einen Teil des
Einkommens abheben, die kirchliche Güter in dieser Ballei haben. Von
den Rittern darf man ja nicht mehr erwarten.
Der Ritter Bergera hat wirklich versprochen, unter Berufung auf
Ihre Autorität im Rat der Ritter durchzusetzen, daß sie alle Pfarrpfrün-
den der Ballei abtreten, damit der Gottesdienst vollständig hergestellt
werden kann; dies allerdings unter der Bedingung, daß man sonst nichts
mehr von ihnen verlange. Er hat mich gebeten, Ihnen diesen Vorschlag
mitzuteilen. Das mache ich sehr gern, denn ich finde ihn gerecht und für
diesen Zweck sehr nützlich, denn wir brauchen dann nicht Höflinge und
Pensionäre der Ritter zu werden. Er wollte auch, daß ich Sr. Hoheit und
dem Rat der Ritter darüber schreibe, was ich ebenfalls getan habe, um
nicht meinerseits das Wenige zu versäumen, das in meiner Macht steht ...

Thonon, 2. März 1597 (XI,239-246) an Nuntius Riccardi:


... Ich sehe die großen Schwierigkeiten, die Ew. Gnaden haben, um
den Bedarf der sechs Pfarrer zu decken. Ich kann nur erstaunt sein über
den geringen Eifer jener, die bei einer solchen Sache Schwierigkeiten
machen ... Der Wert dieser Gehälter übersteigt nach Aussage der Be-
wohner von Thonon durchschnittlich 80 Ecus nicht. Ich schätze, das mag
genügen, wo die Vikare den Vorteil eines Hauses haben und beisammen
wohnen können. Aber die Ritter mögen bedenken, daß die Priester in
dieser Gegend Mangel an allem haben, außer an unfreundlicher Be-
handlung ...
Ich habe eine gute Anzahl von Priestern, die sich bald freimachen,
um sich hier in der Geduld und Abtötung zu üben. Ich werde mir alle
Mühe geben, daß sie reich seien an vorbildlichem Leben und gediege-
nem Wissen. Ich hoffe, in dieser Fastenzeit vier von ihnen an verschiede-
nen Orten einzusetzen, wenn ich kann, alle sechs ...
Übrigens gibt es hier keine renovierte Kirche und keinen ordentli-
chen Altar, wir haben keine Kelche, keine Meßbücher und andere in
sechs Pfarreien notwendige Dinge. Ich habe darüber mit dem Ritter
Bergera gesprochen. Da er keine Vollmacht hat, uns für diesen Zweck
Geld zu gewähren, hat er sich darauf beschränkt, acht oder zehn Duka-
ten für die Kirche in Thonon zu bestimmen, wo alles drunter und drüber

29
ist, ohne Einrichtung außer einem schlecht gezimmerten Altar, der für
Weihnachten angefertigt wurde. Um uns die Anschaffung dessen zu er-
leichtern, was in Thonon und in anderen Pfarreien noch notwendig ist,
war er geneigt, für diese Ausgaben die Gesamtsumme der sechs Gehäl-
ter vom 15. Januar bis 1. März zu bestimmen, für die Zeit des Beginns
der Zahlung. Vom 1. März bis zur Einsetzung der Pfarrer könnten wir,
wenn die Gehälter weitergezahlt werden, vielleicht 60 bis 70 Ecus einspa-
ren, um die notwendigsten Dinge anzuschaffen ...
Damit die Ritter nicht das Mitleid Sr. Heiligkeit wegen ihrer Armut
erregen, versichere ich Ihnen, daß das Einkommen, das sie hier aus den
kirchlichen Gütern beziehen, durchschnittlich 4.000 gute Dukaten
beträgt ...

30
C. KKonsolidier
onsolidier ung im Chablais
onsolidierung
Mär
Märzz 1597 – Ende 1598

Die Konversionen im Chablais werden immer zahlreicher. In Thonon sind noch


einige Widerstandsnester, aber die Landgemeinden wollen katholisch werden. Es
könnten Pfarreien errichtet werden, Prediger für die weitere Missionsarbeit sind
gewonnen, die Pfarrpfründen sind vorhanden, – aber sie befinden sich in den
Händen des Ritterordens, der passiven Widerstand leistet und den großen Auf-
bruch lähmt.
Daneben rückt Genf immer mehr in das Blickfeld des Missionars. Die Rückkehr
Théodore de Bèze’s zur Kirche wird zum großen Anliegen; er ist der Nachfolger
Calvins, Humanist, Theologe und Bibelkenner. Es beginnt auch ein Ringen mit
Genf, das bis zum Tod des hl. Franz von Sales fortdauert, um die Herausgabe des
von Genf unrechtmäßig angeeigneten Kirchenbesitzes zu erreichen und Wege zur
Bekehrung seiner Bürger zu finden.
Dazwischen stehen immer wieder Bittgesuche an den Herzog für Arme und An-
regungen für die Reform der Klöster.

1. Große Möglichkeiten – kleinliche Krämerseelen

Am 12. März 1597 (XI,246-251) aus Thonon an den Nuntius: Seit der Abreise
Bergeras von Thonon schweigen die Ritter. – Franz von Sales hat am 3. Fasten-
sonntag in Allinges gepredigt, dann in dem drei Meilen entfernten Cervens und
noch einmal im sechs Meilen entfernten Thonon. In Cervens hatte er viele Zuhö-
rer, die großes Verlangen nach dem Glauben haben. Wenn die Mission nicht mehr
Erfolg hat, so ist daran der Geiz derer schuld, die die kirchlichen Güter zurück-
halten. – Das Konsistorium in Thonon will Herrn d’Avully absetzen, der sich mit
Recht dagegen wehrt.
Ungefähr gleichen Inhalts ist der Brief an den Herzog vom 12. März 1597 (XI,251-
253).
Am 16. März 1597 (XI,254f) berichtet Franz von Sales dem Nuntius von der
Predigt in Cervens am 4. Fastensonntag und von der Glaubensbereitschaft der
Bevölkerung:
Wenn man von Thonon absieht, bieten sich uns die Seelen überall
gleichsam als Beute dar.

31
Thonon, 25. März 1597 (XI,256-262) an den Nuntius: 22 Gemeinden sind be-
reit, katholisch zu werden. Er will zunächst 18 Pfarreien errichten, weil für mehr
die Mittel nicht reichen.
Wenn die Ritter zustimmen wollten, die Pfarreien und die Pfarr-
pfründen abzutreten, und wenn jeder ebenso handelte, der hier Pfrün-
den innehat, dann könnte man sie alle zusammenlegen und zu gleichen
Teilen auf die Landpfarreien aufteilen; denn in Thonon muß der Got-
tesdienst feierlicher gestaltet werden. Ich glaube, das wäre vorteilhaft.
Ich möchte aber nicht, daß die Ritter das Patronatsrecht über die Pfar-
reien haben; das würde den Konkurs vereiteln und mit der Zeit untrag-
bare Ernennungen ergeben. Übrigens sind sie weder die Gründer noch
die Wiederhersteller dieser Pfarreien.

Nach einigen Überlegungen zur geplanten Konferenz des P. Chérubin in Genf


sagt Franz von Sales, daß er gern nach Annecy gegangen wäre, um etwas Trost
beim Bischof und seinem Kapitel zu finden, weil er hier ganz allein ist, „wie ein
Aussätziger außerhalb des Heeres“. Aber ein kleiner Fieberanfall, der Beichtdienst
und andere Notwendigkeiten halten ihn hier bis Ostern fest.
Ich sage ganz einfach meine Meinung. Se. Heiligkeit könnte nichts
Besseres tun, als alle Autorität und Handlungsfreiheit in dieser Angele-
genheit Ew. Gnaden und unserem Bischof zu übertragen, in dieser und
in ähnlichen Angelegenheiten, denn diesen Krieg kann man besser mit
dem Auge als mit dem Ohr leiten. Sehr oft bieten sich Gelegenheiten
und gehen unwiederbringlich vorüber an jenen, die sie nicht zu ergreifen
wissen ... Diese Provinz ist so krank, daß das geringste Ereignis einen
großen Erfolg verhindern kann.
Am 4. Fastensonntag war ich wieder in Cervens und hatte noch mehr
Zuhörer als beim ersten Mal. Ich habe dort einen guten Priester zurück-
gelassen, der schon seit dem Beginn dieser Bemühungen zum Pfarrer
dieser Gemeinde bestimmt war, sobald es die Entwicklung erlaubt; er ist
schon mit vielen Bewohnern bekannt. Gestern haben mich die Leute
eingeladen, wieder zu ihnen zu kommen. Sie wollen katholisch werden.
Die Osterbeichten in Thonon und Allinges zwingen mich, diese gute
Sache auf die Zeit nach Ostern zu verschieben.
Die Kapuziner, die ich fürs erste für diese Mission bestimmt sehen
möchte, sind P. Chérubin und P. Esprit, beide sehr gelehrt, heilig und
demütig. Beide predigen in unserer Diözese. Von den Jesuiten wollte
ich P. Jean Saunier haben, einen der ersten, die hierher geschickt wur-
den, und einen anderen, der in dieser Fastenzeit in Rumilly gepredigt
hat, an dessen Namen ich mich nicht erinnere; ich werde den Bischof

32
bitten, ihn zu erfragen. Es scheint mir aber, man sollte sich nicht mit
dieser kleinen Zahl begnügen, sondern sie um weitere vermehren, wenn
es für die Seelen erforderlich ist, denn ich sehe keine Gefahr, daß dabei
ein Mißbrauch geschehen könnte ... Ich möchte nur hinzufügen, daß die
Reform der Abteien in diesem Land unendlich wichtig ist ...

Sales, 1. April 1597 (XI,263f) an den Herzog: Franz von Sales erinnert ihn an
seine frühere Bitte um Unterstützung für sieben oder acht alte Katholiken und
an seine Bitte für die Bewohner einiger kleiner Dörfer in der Pfarrei Allinges;
ferner um Schutz für Herrn d’Avully, damit dieser seine Stelle als Richter des
Konsistoriums nicht verliere.
Sales, 11. April 1597 (XI,264-267) an Nuntius Riccardi:
Aus der Kopie des Briefes an Kardinal Aldobrandini habe ich gese-
hen, daß Se. Heiligkeit über unsere Angelegenheiten auf dem Laufen-
den gehalten zu werden wünscht. Ich möchte ihm gern täglich wahre
und erfreuliche Nachrichten geben, aber bis jetzt sind die Dinge so schlep-
pend und schlecht vor sich gegangen, daß es die gesündesten und kräf-
tigsten Mägen ermüdet. Wie ich Ew. Gnaden schrieb, habe ich für die
Pfarrer erst 100 Gulden und 30 Maß Weizen erhalten. Darüber werde
ich genaue Rechenschaft ablegen, damit die Ritter sehen, daß unsere
Armut nicht ihre Güter sucht, um uns zu bereichern und üppig zu wer-
den ... Ich werde nicht aufhören zu drängen, ja sogar zu schreien ..., daß
man Maßnahmen ergreife für die Reform oder die Versetzung der Or-
densleute der Abteien Aulps, Abondance und anderer, die in dieser
Provinz Brutstätten des Ärgernisses sind ....

Annecy, 21. April 1597 (XI,268-274) an Papst Clemens VIII.:18


Im vergangenen Jahr haben P. Esprit de Beaume, ein Prediger aus
dem Kapuzinerorden, und ich selbst, überzeugt durch gewichtige Aussa-
gen vieler Leute, auf die Bekehrung Bèzes und auf seine Rückkehr zur
katholischen Kirche zu hoffen begonnen. Um für eine so wünschens-
werte Sache es weder an unseren Bemühungen fehlen zu lassen noch
Mittel zu vernachlässigen, sind wir übereingekommen, daß P. Esprit, der
zum Generalkapitel seines Ordens nach Rom kommen sollte, diese An-
gelegenheit vor Ew. Heiligkeit behandeln und Ew. Heiligkeit bitten soll-
te, falls dieses Gerücht seiner Bekehrung sich bestätigte, Ihr apostoli-
sches Wohlwollen diesem in den Schoß der Kirche zurückkehrenden
Häretiker nicht zu versagen. Meine Aufgabe war es, so klug und sorgfäl-
tig als möglich aus dem Munde Bèzes selbst seine innerste Gesinnung zu
erfahren und mich mit ihm auseinanderzusetzen.
Dazu benützte ich verschiedene Vorwände, um öfter nach Genf zu

33
kommen; es war aber nie möglich, zu einem persönlichen und geheimen
Gespräch mit ihm zu kommen, außer am letzten Osterdienstag, an dem
ich ohne Schwierigkeiten Bèze allein begegnete. Als ich ihn schließlich
verließ, nachdem ich mit allen Mitteln versucht hatte, ihm die innerste
Überzeugung zu entlocken und den Stein zu bewegen, soweit es durch
mich geschehen konnte, mußte ich erkennen, daß sein Herz versteinert
ist, unbeweglich bis jetzt oder noch nicht ganz aufgerüttelt, ein verhärte-
ter Greis. Soweit ich mir aus seinen Worten ein Urteil bilden kann, mei-
ne ich, wenn man häufiger und mit größerer Sicherheit an ihn herankä-
me, könnte man ihn vielleicht zur Kirche zurückführen; aber bei einem
Achtzigjährigen ist jede Verzögerung gefährlich. Darauf mußte ich Ew.
Heiligkeit aufmerksam machen, denn ich wollte nicht für nachlässig und
unaufmerksam gelten in Ausführung von Aufträgen, die mir durch apo-
stolische Schreiben Ew. Güte und mündlich durch P. Esprit übermittelt
wurden.
Und da Ihre große Güte mich dazu ermächtigt, möchte ich es nicht
unterlassen zu sagen, daß die bisher noch häretische Bevölkerung in der
Umgebung von Genf, in der sogenannten Ballei Gex und Gaillard, de-
mütig um die Wiederherstellung des katholischen Glaubens und Kultes
bittet, um als Katholiken leben zu können. Ich höre ständig viele unter
ihnen klagen, daß sie, obwohl katholisch, durch die Tyrannei von Genf
gehindert werden, ihre Pflichten als Katholiken zu erfüllen, um so mehr,
als diese Republik diese tyrannische Macht nicht im eigenen, sondern im
Namen des allerchristlichsten Königs von Frankreich ausübt. Weiß der
König von Frankreich um diesen Zwang, der auf den katholischen Ge-
wissen lastet? Ich kann es kaum glauben, nachdem er jüngst mit solchem
Eifer seine Vereinigung mit der katholischen Kirche vollzogen hat. Ich
möchte glauben, daß manches anders wäre, wenn der König selbst durch
den Apostolischen Stuhl auf diese Dinge aufmerksam gemacht würde.
Wenn der König sich eingehender bemühte, daß die Republik Genf das,
was sie Gewissensfreiheit nennen, in der Stadt selbst zugesteht, wäre
schließlich ein Erfolg nicht ganz unwahrscheinlich ...

Annecy, 25. April 1597 (XI,275-279) an Nuntius Riccardi:


P. Chérubin, P. Esprit und ich ... denken, die Konferenz, für die man
die Genehmigung von Rom erwartet, wird mit Gottes Hilfe etwas sehr
Fruchtbares sein ... Ich bitte Ew. Gnaden, bei Sr. Heiligkeit die Angele-
genheit von Gex und Gaillard19 kräftig zu unterstützen. Es ist wirklich
eine Schande, daß die Genfer diese Gebiete im Namen des Königs von

34
Frankreich besetzt halten und die Katholiken zwingen, ein schlechtes
Leben zu führen. Sobald es der König erfährt, wird er zweifellos befeh-
len, ihnen wenigstens die Gewissensfreiheit oder die Freiheit des „Inte-
rim“ 20 zu gewähren, wie sie es nennen.
Gebe Gott, daß er auch die Eingebung habe, die gleiche Freiheit für
die Stadt Genf zu verlangen. Das ist vielleicht doch zu erreichen, wenn
man diese Sache etwas energischer betreibt. In den vergangenen Tagen
wurde das Gerücht darüber in Genf verbreitet, und es gab sogleich viele
Meinungen unter den Bürgern. In so wichtigen Dingen ist es gewiß bes-
ser, mehr zu versuchen und viel zu erwarten, wenn das Mißlingen keinen
großen Schaden bringt, als durch zu viel Zurückhaltung Gelegenheiten
zu versäumen, Gutes zu tun ...
An den Festtagen haben die jüngst konvertierten Katholiken mich
mit ihren Generalbeichten ermüdet, aber ich empfand eine ganz große
Freude, sie so fromm zu sehen. Herr d’Avully an ihrer Spitze hat keine
Gelegenheit versäumt, das gute Beispiel zu geben ...

Thonon, 27. Mai 1597 (XI,279-282) an den Herzog:


... In Saint-Julien bei Genf hatte man einen Pfarrer eingesetzt, der
nach dem Zeugnis vieler Leute bis jetzt seine Pflichten zur Freude des
ganzen Volkes sehr gut erfüllt hat. Nun ist er gezwungen, die Pfarrei zu
verlassen, weil er nichts hat, um davon zu leben. Dabei hat die Pfarrei,
die den Rittern vom hl. Mauritius und Lazarus untersteht, ein sehr gu-
tes Einkommen. Das ist nun ein großes Ärgernis. Die Leute von Bernex,
eine Meile von Genf entfernt, haben mich um die Errichtung des katho-
lischen Kultes gebeten, als ob ich Mittel und Autorität besäße, das zu
tun. Ich unterbreite diese Nöte Ew. Hoheit, von der allein deren Besei-
tigung abhängt.
Ich darf auch die Notlage des Ortes nicht übergehen, wo ich bin. Da
P. Esprit, der an den Feiertagen hier war, ... sah, daß die Leute der Stadt
die katholischen Prediger nicht einmal anhören wollten, suchte er am
vergangenen Freitag dem Prädikanten offen und freundlich die Irrtü-
mer seiner Lehre vorzuhalten. Darauf behaupteten die Bürger, Ew.
Hoheit wünschten nicht, daß sie mit uns verhandeln. Auf meine Ant-
wort, daß dies ganz im Sinn Ew. Hoheit sei, sagten sie, Ew. Hoheit hätten
dazu keine Weisung gegeben; sobald das geschehen, sei die Sache an-
ders; im übrigen glaubten sie mir nicht. Ein ungeduldiger Bürger zog
dann den Prädikanten gewaltsam mit sich fort, so daß man nicht weiß,
was man tun kann.

35
So fühle ich mich in meiner Seele verpflichtet, Ew. Hoheit demütig zu
bitten, diese Leute wissen zu lassen, daß es Ihrem Wunsch entspricht,
wenn sie die katholischen Beweise hören und darüber nachdenken ...

2. Immer neue Hindernisse

Thonon, 27. Mai 1597 (XI,282-290) an Nuntius Riccardi:


Zwei Befürchtungen haben mich daran gehindert, Ihnen zu schrei-
ben: die Kriegsgerüchte und die Gefährdung durch die Pest, die unser
Gebiet etwas bedrohte.
Nun will ich Ew. Gnaden mitteilen, daß die Pfarrei Bernex in der
Ballei Ternier, etwa drei Meilen von Genf entfernt, an mich ein Ansu-
chen um die Wiedereinführung des katholischen Kultes gerichtet hat.
Sie meinen, daß ich Mittel und Vollmacht dafür von Sr. Hoheit erhalten
hätte.
Von Saint-Julien, das kaum weiter von Genf entfernt ist, haben mir
der Oberrichter von Gex und andere Briefe für den Pfarrer dieses Ortes
geschrieben. Er wurde vor kurzem eingesetzt und hat bis jetzt sein Amt
gut verwaltet. Da er aber nichts zum Leben hat, ist er gezwungen, die
Pfarrei ohne Seelsorger zu lassen. Die Pfarrei gehört dem Orden vom
hl. Lazarus, der dem Pfarrer ein bestimmtes Gehalt gegeben und es
dann wieder zurückgezogen hat, ein Skandal, der nicht größer sein könn-
te. Man hat mir berichtet, daß ihn die Leute mit Tränen in den Augen auf
den Knien gebeten haben zu bleiben. Obwohl die Priester zusehen müs-
sen, wie der Wolf die Lämmer verschlingt, beschloß er, seine Pfarrkinder
zu verlassen, allerdings mit der Absicht, jeden Sonntag zurückzukom-
men, um sie zu trösten.
Diese Dinge ereignen sich außerhalb des Chablais, sehr nahe bei
Genf. Ich nehme deshalb meine Zuflucht zur Güte Ew. Gnaden, sende
Ihnen die Bittschrift der Leute von Bernex und die des Pfarrers von
Saint-Julien, die ich Sr. Hoheit schon einmal unterbreitet habe, die aber
in ihrem wichtigsten Punkt ohne Antwort blieb. Ich sende Ihnen auch
die Briefe des Oberrichters von Gex und des Barons de Viry ..., damit die
Ritter sehen, daß ich nur Anwalt bin, nicht Partei. Partei ist nichts ande-
res als das öffentliche Wohl ... Ich bitte Sie inständig, diese Briefe nicht
zu verlieren, damit ich sie gegen jene verwenden kann, die es unrecht
finden, daß ich mich in so viele Dinge einmische. – Ich habe darüber an
Se. Hoheit ein Wort geschrieben und bitte Sie, mir eine kurze aber wir-
kungsvolle Antwort zu erwirken ...

36
Um die Gehälter steht es schlecht. Ich habe bisher nur 160 Gulden
und 55 Maß Weizen erhalten. Man hat mir wohl 75 Maß Weizen angebo-
ten, aber von so schlechter Qualität, daß ich ihn nicht annehmen konnte.
Ich werde meine Bemühungen fortsetzen; wenn ich aber alles getan habe,
was in meiner Macht steht, bin ich der Verantwortung für das Weitere
enthoben. Es fehlen Wohnungen für die Pfarrer, wir haben keine Aus-
stattung für die Kirchen. Man muß alles kaufen ...

Annecy, 31. Mai 1597 (XI,291-300) an Nuntius Riccardi:


Nachdem ich Ew. Gnaden am 27. Mai von Thonon geschrieben hatte,
erfuhr ich, daß unser Bischof sehr krank, ja in Todesgefahr war und
mich zu sehen wünschte.
In einem Breve Sr. Heiligkeit an den verstorbenen P. Papard gibt der
Papst die Gründe für die Präbende an, die der Abt von Abondance an
den Prediger von Evian zu leisten hat; Gründe, die heute schwerwiegen-
der denn je sind ... Der Abt zieht den Zehent ein, es ist also gerecht, daß
er etwas für die Schäflein tut, deren Wolle er schert. Das ist der größte
Dienst, der dem Herrn in der ganzen Abtei geleistet wird ...
Die Klarissen von Evian sind nicht nur arm, sondern sie leiden Hun-
ger. Ich weiß, daß der Abt ihnen Almosen gibt; ob er ihnen eine Präben-
de zuteilt, wie er vorgibt, dafür muß man wohl zwischen Präbende und
Präbende unterscheiden ...
Was nun die Ansicht betrifft, die der Abt gegen Ew. Gnaden geäu-
ßert hat, daß man den Savoyarden allgemein nicht trauen dürfe, be-
trachte ich das als eine Frechheit, die keine Antwort verdient. Mag er
sich noch so bemühen, solche Ansichten zu suggerieren, so bin ich fest
vom Gegenteil überzeugt, d. h. daß ich in dieser Sache wie in allem ande-
ren weder Lügen noch Schliche bei Ew. Gnaden anwende und auch nicht
einen Groschen vom Einkommen der Abtei verlange ...
Eine Pfarrpfründe,21 d. h. eine Pfarrei ist derzeit unbesetzt. Sie kann
in guten Jahren etwa 200 Ecus einbringen und muß wie üblich im Kon-
kurs vergeben werden. Mehrere meiner Freunde, vor allem geistliche,
drängen mich, diese Gelegenheit zu ergreifen, denn wir haben keine
bessere in dieser Gegend. Um deren Rat nicht zu mißachten, werde ich
mich darum bewerben, aber nur mit Zustimmung Ew. Gnaden, denn ich
kann nicht zugleich mit dieser Pfarrstelle das Amt des Dompropstes
innehaben und behalten. In Wahrheit bringt das Amt des Propstes kei-
nen Pfennig ein und das Kanonikat, das man dem Propst gibt, nicht
mehr als 60 Ecus im Jahr. Ich halte es deshalb für vorteilhafter, ein
besoldeter Pfarrer zu sein als ein mittelloser Propst ...

37
Ich möchte aber Ew. Gnaden bitten, mit Zustimmung Sr. Heiligkeit
das einfache Kanonikat behalten zu dürfen, damit ich einen Platz im
Chor habe, wenn ich hierher komme. Das Chorgebet wird hier so würdig
gefeiert, daß dies eine meiner größten Freuden ist ... Ich weiß nicht, ob
Se. Heiligkeit den Herren Grandis und Roget die Erlaubnis gegeben hat,
indizierte Bücher zu lesen. Ohne diese Erlaubnis sollte man sich nicht
damit befassen, bei den Häretikern zu predigen ...

Sales, 29. Juni 1597 (XI,301-305) an Nuntius Riccardi:


... Damit wir die Zahl der Pfarrer vermehren können, bleibe ich dabei
zu sagen, daß nicht nur die Ritter, sondern alle, die Pfründen im Chab-
lais innehaben, diese dem Bischof übergeben sollen, damit er sie den
Fähigsten übergebe. Es scheint mir, daß die Ritter dieses Werk nicht
unter leeren Vorwänden verzögern und nicht sagen dürfen, fast alle
Pfarreien seien in Händen von Geistlichen, denn es gibt kaum fünf Prie-
ster, die sich friedlich dieser Pfründen erfreuen; von den fünf kenne ich
nur einen, der nicht von den Rittern belästigt wurde, und dieser hat
nicht einen Groschen aus ihr bezogen, weil er durch die Genfer daran
gehindert wurde. Er hat überdies in der Chablais-Mission genug aus
seinem Vermögen ausgegeben, so daß man ihm diese Pfründe nicht vor-
werfen kann ... 22
P. Chérubin schreibt Ihnen, wie es mit der Konferenz steht ... Wir
haben in Chambéry zwei hervorragende Jesuiten, P. Saunier und den
Schotten P. Alexander; wenn die Straßen nach Italien gesperrt wären,
würden diese beiden genügen. Die Genfer machen freilich große Schwie-
rigkeiten, die Jesuiten zu dieser Konferenz zuzulassen; sie sagen, diese
seien Politiker und Spione für Spanien. Wir werden aber unsererseits
alles ins Werk setzen ...

Im Juli 1597 (XI,306f) an den Herzog:


Ich danke Ew. Hoheit demütig für das günstige Urteil, das Sie kürz-
lich über mich gefällt haben, als die Nachricht verbreitet wurde, daß der
Bischof in Todesgefahr sei.23 Ich weiß, daß es nur Ihrer Güte zuzuschrei-
ben ist, daß Sie sich bei diesem wichtigen Anlaß meiner erinnerten. Ich
werde schamrot in Anbetracht meiner Unwürdigkeit. Trotzdem preise
ich Gott, daß er Ew. Hoheit den Entschluß eingegeben hat, Ihrem Volk
gute Hirten zu verschaffen; denn obwohl ich der Unwürdigste derer bin,
deren Ew. Hoheit sich dabei erinnert, so ist doch die gute Absicht Ew.
Hoheit sehr hoch zu schätzen.
Ich habe Ew. Hoheit die Nöte des Chablais geschildert. Obwohl ich
nicht daran zweifle, daß durch den Eifer, den Unser Herr in Ihr Herz

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gelegt hat, die Erinnerung daran immer frisch bleibt, habe ich trotzdem
Herrn Chevron gebeten, Ew. Hoheit diese Nöte erneut vorzutragen ...

Am 14. September 1597 (XI,308-311) an Nuntius Riccardi: Während der Propst


in Erwartung einer Besprechung mit P. Chérubin es von Tag zu Tag verschob, dem
Nuntius zu schreiben, hat sich viel ereignet, vor allem eine Besprechung von
Predigern und Pfarrern in Annemasse, bei der beschlossen wurde: 1. Die Ritter
und die anderen sollen die Pfarrpfründen abtreten, die sie innehaben; 2. die
Jesuiten sollen ein Kolleg oder mindestens eine Residenz in Thonon errichten; 3.
das Vierzigstündige Gebet (das dann mit unerwartet großem Erfolg stattfand)
soll in Annemasse gehalten werden.

Am 14. Januar 1598 (XI,313-318) an Nuntius Riccardi:


Nachdem ich von der Güte Gottes, unseres Herrn, durch ständiges
Fieber heimgesucht war, erlitt ich vor kurzem einen so gefährlichen Rück-
fall, daß man während sieben Tagen ständig meinen Tod erwartete. Nun
bin ich durch dieselbe göttliche Güte auf dem Weg der Genesung. Es ist
mir aber eine solche Schwäche geblieben, besonders in den Beinen, daß
ich nicht weiß, ob ich vor Ostern nach Rom reisen kann, obwohl ich sehr
gern in der Karwoche dort sein möchte; ich werde zu diesem Zweck alles
tun, was ich vermag.
Bevor ich krank wurde, war ich bei Sr. Hoheit im Feldlager um einen
Paß, ferner um die Erklärung seiner Zustimmung zur Rückgabe der
Pfarreien des Chablais an die Pfarrer zu erbeten, die sich unverzüglich
dort niederlassen werden, sobald diese Rückgabe erfolgt ist. Se. Hoheit
ließ darauf ... drei Briefe schreiben; einen an Se. Heiligkeit und zwei an
Kardinäle, um den Heiligen Stuhl inständig zu bitten, die Vereinigung
dieser Pfründen mit jenen der Ritter zu widerrufen. Da ich in diesen
Briefen als deren Überbringer genannt werde mit der Aufgabe, die Not-
wendigkeit dieses Widerrufs zu erklären, habe ich bisher versäumt, sie
abzusenden, in der Hoffnung, sie bald selbst übergeben zu können. Nun
sehe ich aber, daß diese Briefe veralten, und befürchte einige Gefahr
von dieser Verzögerung; es scheint mir daher angebracht, sie Ew. Gna-
den zu schicken, damit Sie die Briefe entweder zurückbehalten, wenn Sie
das für gut finden, oder sie weiterschicken, um das Werk zu beschleuni-
gen, das ohnehin nicht so rasch vollendet sein wird, als man wünschen
kann.
Ich hoffe, daß Se. Heiligkeit dabei keine Schwierigkeiten finden wird.
Der Herzog sagte mir noch im besonderen, die Angelegenheit sollte so
behandelt werden, daß Herr Arconats, sein Gesandter beim Heiligen
Stuhl, nichts davon erfährt; er würde sich dagegen stellen, weil es gegen
seine persönlichen Interessen geht. Die Sache drängt wirklich. Das be-

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weist auch, daß Se. Hoheit zu Weihnachten den Präsidenten Favre nach
Thonon geschickt hat, um die Stimmung der Bewohner des Chablais für
die Ausübung des katholischen Kultes festzustellen. Fast alle haben ihr
Verlangen darnach bezeugt und sie warten von Stunde zu Stunde dar-
auf, daß er wiederhergestellt werde ...

Annecy, Januar 1598 (XI,319-321) an den Herzog:


Ew. Hoheit erinnern sich wohl, ... daß die Ritter vom hl. Lazarus dem
Herrn Nuntius versprochen haben, jedes Jahr sechs Gehälter für eben-
soviele Pfarreien zu geben. Um sich aber nicht gleich zu übernehmen,
gaben sie im ersten Jahr nur die Hälfte des Versprochenen, so daß man
die sechs Pfarreien auf die Hälfte reduzieren mußte. Ich dachte nun,
daß sie in diesem Jahr ihren Pächtern die nötigen Weisungen geben
würden ... Da ich aber nun sehe, daß sie sich gar nicht darum kümmern,
bin ich gezwungen, Ew. Hoheit demütig zu bitten, Sie mögen, wie Sie
durch Ihre Autorität und Ihren Eifer von den Rittern das Versprechen
erreicht haben, nun auch dessen Einlösung erwirken und den Ämtern
im Chablais Weisung geben, daß aus dem Einkommen der Pfarreien die-
se sechs Gehälter eingezogen werden. Dann wird man außer den drei
schon errichteten Pfarreien noch drei weitere errichten können, sobald
die Mittel dafür da sind. Sonst wird der Gottesdienst aufhören, wo er
schon begonnen wurde; das wäre ein großes Ärgernis und man wird
niemand finden, der dorthin geht, um auf die Gnade der Ritter angewie-
sen zu sein.
Hier ist ein klarer Beweis der Not, die in dieser Gegend bei vielen
geistlichen Arbeitern herrscht. Diese Bauern kommen als Abgesandte
mehrerer Pfarreien zu Ew. Hoheit, um Sie zu bitten, ihnen die Mittel zu
geben, ihre Kirchen zu restaurieren und katholische Seelsorger zu er-
halten. Ich kann in aller Wahrheit sagen, daß die meisten Dörfer der
Ballei von Thonon gleichen Willens sind. Für sie alle bitte ich Ew. Ho-
heit, ... sie Ihre große Liebe für die Ehre Gottes erfahren zu lassen. Der
Empfang und die Gunst, die diese einfachen Leute bei Ew. Hoheit fin-
den, wird Maß und Regel für das übrige Chablais sein, und sogar für
Thonon, wenn auch jetzt dort noch manche störrisch und rebellisch
gegen das Licht sind. So ist es ja gewöhnlich, daß die armen und einfa-
chen Menschen lieber das Kreuz umfangen als die reichen und geschei-
ten Weltmenschen ...
Ich hoffte, von Sr. Heiligkeit die vollständige Rückgabe der Pfarreien
dieser Ballei zu erlangen, entsprechend der ausdrücklichen, schriftlich

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gegebenen Zustimmung Ew. Hoheit, wenn Gott meine Reise nach Rom
nicht durch eine lange Krankheit verzögert hätte ...

Am 17. März 1598 (XI,322-326) an Nuntius Riccardi:


Ich habe Briefe von P. Chérubin und von Herrn d’Avully über den von
ihnen gemeinsam gefaßten Plan erhalten, das Vierzigstündige Gebet in
Thonon so würdig als möglich zu feiern und anschließend daran offiziell
theologische Diskussionen vorzuschlagen, zu denen alle Häretiker der
Umgebung einzuladen sind, damit kein Versuch unterlassen werde, die-
se an der Häresie erkrankten Seelen zu erschüttern.
Ich schicke also Ew. Gnaden ihre Briefe und bitte Sie zu glauben, daß
das Vierzigstündige Gebet nichts anderes als fruchtbar sein kann. Wir
haben schon die Erfahrung von Annemasse im vergangenen Jahr. Häre-
tiker, die dort waren, wurden in ihrem Gewissen schwer erschüttert.
Eine Anzahl von ihnen bekehrte sich, und die Katholiken empfanden
große Freude. Ich hoffe, daß die Andacht in Thonon noch mehr ange-
bracht und nützlich sein wird.
Was die Diskussionen betrifft, so habe ich das feste Vertrauen, daß
sie sehr aufbauend wirken werden, ... denn entweder kommen die Häre-
tiker nicht, dann ist der Sieg unser, oder sie kommen, dann werden wir
beweisen, daß Vernunft und Wahrheit auf unserer Seite sind ... Es ist
übrigens nichts Neues, die Häretiker zu Diskussionen einzuladen, da die
Prädikanten von Vivarais und von Languedoc sehr oft vom Jesuitenkol-
leg in Tournon dazu eingeladen werden. Da ich mit Bèze, La Faye, Per-
rot, Beauchatan und anderen bedeutenden Prädikanten diskutiert habe,
sehe ich darin keine große Gefahr ... Es wäre gut, wenn P. Lorini bei
dieser Zusammenkunft zugegen wäre ...
Während ich schrieb, kam Claude Marin, der Finanzprokurator des
Chablais, ein sehr katholischer Mann, zu mir und teilte mir mit, daß am
Samstag, den 14. d. M., vier Personen von Genf nach Thonon kamen,
unter anderem ein Deutscher, Hermann Lignaridus, ein berühmter Theo-
logie-Professor von Genf.24 Am Samstag und Sonntag diskutierte er mit
P. Chérubin in Gegenwart vieler. P. Chérubin hat nach der Aussage des
Finanzprokurators großes Wissen und große Gewandtheit bewiesen und
seinen Gegnern schwer zugesetzt ...

Sales, Ende März 1598 (XI,326f) an den Herzog:


Während ich nicht ins Chablais kommen kann, schicken mir die Ka-
tholiken von dort ständig ihre Nachrichten, besonders ihre Sorgen; sie
fühlen sich schon halb erleichtert, wenn sie mir diese mitgeteilt haben.

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Von drei oder vier Stellen schreiben sie jetzt über Gerüchte, daß man
auf Verlangen der Berner die Zahl der Prädikanten verdoppeln wolle ...
Ich habe ihnen versichert, daß Ew. Hoheit zu viel Festigkeit haben und
ein zu großes Bewußtsein Ihrer Verpflichtungen gegen Gott, um den
Bernern etwas zuzugestehen, was den Dienst an seiner göttlichen Maje-
stät erschweren würde, ebenso, daß ich niemand bei Ew. Hoheit wüßte,
der es wagte, etwas derartiges vorzuschlagen ...

Sales, 10. April 1598 (XI,328-333) an Nuntius Riccardi: Bericht über seine
Bemühungen um die Pfarrei Petit-Bornand, ferner über neue Hindernisse seiner
geplanten Romreise (Pest in Annecy, so daß ihm der Bischof die nötigen Doku-
mente nicht übergeben kann).
Soweit ich sehe, wird von seiten der Ritter nichts fehlen, um die
Sache des Chablais zu vereiteln. Sie geben sich keine Mühe, die verspro-
chenen Gehälter zu bezahlen, ohne die die Ausübung des Kultes, die in
drei Pfarreien begonnen hat, nicht aufrechterhalten und noch weniger
ausgeweitet werden kann. So günstige Voraussetzungen gibt es in die-
sem Land für den katholischen Glauben, aber sie bleiben unfruchtbar
durch den Mangel an Ausübung des Kultes, der nicht möglich ist ohne
Priester, die aber ein Einkommen brauchen ...
P. Chérubin ist hier und hat mich über die Diskussion mit Lignaridus
unterrichtet ... Er bereitet sich vor, das Vierzigstündige Gebet in Tho-
non mit möglichst großer Feierlichkeit abzuhalten. Die Nachricht davon
hat sich in der Umgebung verbreitet, und man bereitet sich von allen
Seiten darauf vor, zu dieser Andacht zu kommen, nicht nur aus katholi-
schen Gebieten, wie Fribourg, der Schweiz und dem Wallis, sondern
auch aus protestantischen Gegenden, wie Bern und Genf. Das gibt mir
große Hoffnung, daß wir sehr zum Verdruß der Prädikanten reiche
Früchte ernten werden. Es wäre gut, wenn Se. Heiligkeit die Gelegenheit
ergreifen und außer dem vollkommenen Ablaß noch andere geistliche
Gnaden gewähren wollte, z. B. die Absolution der reservierten Fälle.
Denn in diesen Gebieten gibt es viele, die solche seit zehn oder zwanzig
Jahren auf dem Gewissen haben; sie würden sich bei dieser Gelegenheit
davon entlasten. Es scheint mir, daß die Vollmacht der Bischöfe, Pries-
ter für die Absolution von der Häresie zu delegieren, mit dem Ende
dieses Monats erlischt; es wäre dringend, sie zu erneuern.

Franz von Sales will nach Thonon gehen, um für den Nuntius und den Papst die
Liste der in den letzten drei Jahren Konvertierten aufzustellen. Er schließt den
Brief:
Wir haben am Hof kaum einen anderen Freund als Se. Hoheit. Das

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hilft uns aber nicht viel, weil seine Befehle nicht ausgeführt werden ...
Ew. Gnaden sind unser einziger Beschützer und Tröster ...
Sales, 18. Mai 1598 (XI,334-338) an Nuntius Riccardi: Franz von Sales möchte
am liebsten mit dem Präsidenten Favre nach Rom reisen, weil dieser als einziger
Laie über die Angelegenheiten des Chablais vollkommen informiert ist. Da aber
die Quarantäne des Bischofs (wegen der Pest) noch nicht beendet ist, kann dieser
ihm die nötigen Dokumente nicht übergeben. Die Briefe des Herzogs, die Franz
von Sales dem Papst überreichen sollte, hat er dem Präsidenten Favre übergeben;
dieser soll sie dem Nuntius bringen, damit er sie an den Papst weiterleite. – In der
Frage der sechs Gehälter ist von seiten der Ritter nichts geschehen; drei sind in
Ordnung, mehr nicht. – Genf soll gedrängt werden, wenigstens das „Interim“
anzunehmen. Ferner sollte man fromme Werke in großer Zahl in der Umgebung
von Genf unterstützen: die Abteien reformieren, Predigten und Diskussionen
halten, Schriften und ähnliches verbreiten ... In Annecy sollte eine Druckerei
errichtet werden; der Propst gibt finanzielle Möglichkeiten dafür an.
Sales, 13. Juni 1598 (XI,339f) an den Nuntius: über das „Interim“, das für Genf
unbedingt erreicht werden und die Pforten der Stadt Calvins dem katholischen
Kult öffnen soll. Franz von Sales kann sich nur danach sehnen und dem Nuntius
sein Herz ausschütten.
Thonon, 16. August 1598 (XI,347-350) an Don Juan de Mendozza, den Kom-
mandeur der spanischen Truppen: Die Truppen mögen nicht durch Thonon zie-
hen; das würde das vom Papst und Herzog genehmigte und erwünschte Vierzig-
stündige Gebet unmöglich machen, zum Ärgernis für Katholiken und Protestan-
ten.

Thonon, 13. Oktober 1598 (XI,356-362) an Nuntius Riccardi:


Die glückliche Ernte einiger tausend Seelen, die dieser Tage in Tho-
non eingebracht wurde, hat uns unglaubliche Freude bereitet ... Der
Bischof von Genf und der Bischof von St. Paul25 und wir alle hier, die
Ihnen ergeben sind, waren erstaunt und betrübt, keine Nachricht über
Ihre Gesundheit zu erhalten. Wenn diese uns immer teuer war, so muß
sie uns das jetzt besonders sein, weil unsere Angelegenheiten in einem
Zustand sind, daß wir mehr denn je einen Beschützer und Förderer
brauchen, wie es Ew. Gnaden immer für uns gewesen sind ... Jetzt haben
wir nichts anderes zu erbitten als ein aktives, rasches und freigebiges
Mitwirken des Apostolischen Stuhles ... Wenn uns dies nicht durch die
Vermittlung Ew. Gnaden zuteil wird, wüßte ich nicht, auf welchem Wege
es uns sonst zukommen könnte.
Wir benötigen geistliche Gnaden, damit diesem neubekehrten Volk
Absolution erteilt werden kann, nicht nur durch den Bischof und durch
mich, sondern durch alle, die notwendigerweise dazu delegiert werden
müssen. Wenn nun eine solche Ernte eingebracht werden kann, genügt
kaum eine große Zahl von Erntearbeitern. Es sind auch bestimmte Voll-

43
machten notwendig, die je nach den Umständen einer oder mehreren
Personen gegeben werden können ...
Aber nicht nur geistliche Gnaden brauchen wir, sondern auch zeitli-
che, und das kann nicht ohne großen Schaden für die Seelen aufgescho-
ben werden. Es wäre notwendig, daß Se. Heiligkeit im Einklang mit den
Absichten des Herzogs veranlaßt, daß die von den Rittern zurückgehal-
tenen Pfründen den Pfarrern und Priestern übergeben werden, die jetzt
in dieser Ballei provisorisch angestellt werden. Es ist nicht notwendig,
daß dies durch zeitraubende Formalitäten geschehe, weil doch inzwi-
schen von Christus erkaufte Seelen zugrunde gehen und weil es auch
wahr ist, daß „das Heil des Volkes das oberste Gesetz sein soll“. Und
dabei soll man nicht langsam vorgehen, denn jeder Aufschub bedeutet
eine Gefahr. Die Sache Christi hat jetzt in diesen Provinzen einen Stand
erreicht, daß das Haupt der Schlange zertreten wird, wenn wir dem
Gottesdienst den gebührenden Glanz geben können. Wehe dem, der
sich einem solchen Werk widersetzt!
Die Bullen, durch die Se. Heiligkeit den Rittern diese Pfründen über-
geben hat, fordern, daß im Falle der Rückkehr zum Glauben jedem Pfar-
rer ein Einkommen von 50 Dukaten gewährt werde. Nun ist der Glaube
fast überall wiederhergestellt, aber die Kirchen sind Ruinen, ohne heili-
gen Schmuck, ohne Kelche und Kreuze. Woher nehmen? Für die Pfar-
rer, die man hier anstellt, genügen 50 Dukaten nicht. Sie müssen einen
zweiten Geistlichen bei sich haben. Wehe dem, der allein ist, besonders
wo Wildkatzen, Bären und Wölfe hausen. Wenn nötig, sollte man Kel-
che und kostbare Gegenstände, die anderen Kirchen nicht notwendig
sind, verkaufen, um diese Anschaffungen zu machen und hungernde
Seelen zu nähren, die sonst von Stunde zu Stunde der Gefahr ausge-
setzt sind, damit es nicht heißt: „Ihr habt alle getötet, die ihr nicht er-
nährt habt.“ Ich will sagen: Se. Heiligkeit muß in Anbetracht der Wich-
tigkeit dieser Sache Befehle erteilen, damit die Ritter erlauben, daß die
Güter, die dazu von der Frömmigkeit unserer Väter und Ahnen gestiftet
wurden, zum Dienst unseres Herrn Jesus Christus verwendet werden.
Mögen Ew. Gnaden mir gütig verzeihen, wenn ich, gedrängt von der
Sehnsucht, diesen herrlichen Anfang zu einem noch herrlicheren Ende
gelangen zu lassen, mit so großem Freimut und vielleicht zu aufdringlich
geschrieben habe. Aber Ew. Gnaden sind schon gewohnt, die vertrauli-
chen Mitteilungen meiner oft sehr schlecht ausgedrückten Gedanken zu
empfangen, und werden es nicht übel aufnehmen.
Ich möchte imstande sein, Ihnen einen Bericht zu geben von allem,
was Gott hier im zweimaligen Vierzigstündigen Gebet gewirkt hat. Ich

44
möchte Ihnen die Freude unseres Bischofs beschreiben können, als er
so viele verlorene Kinder in seine Arme schließen durfte, und mit wel-
chem Eifer er sich dieser beglückenden Aufgabe widmete. Ich möchte
Ihnen das Geschick, die Klugheit und den Mut schildern können, mit
denen der Bischof von St. Paul gewirkt hat, und den Eifer, mit dem er bei
Sr. Hoheit unsere Sache vertreten hat, die er bei jeder Gelegenheit ent-
faltet. Ich spreche nicht von P. Chérubin, der so erfreut ist, daß ihm,
abgesehen von seiner großen Müdigkeit, Thonon ein Paradies zu sein
scheint ...
Ich würde auch von mir sagen, daß ich sehr erfreut bin, wenn mich
nicht das in unserer Gegend umgehende Gerücht sehr beunruhigte, daß
der allerchristlichste König wolle, das ruchlose Babylon von Genf solle
in den vom Heiligen Stuhl vermittelten ehrenhaften Frieden zwischen
den katholischen Mächten eingeschlossen sein. Ich kann nicht daran
glauben ... und könnte es absolut nicht verstehen ... Was immer auch sei,
wir werden gegen Genf den Krieg durch die Predigt führen und, da man
uns zu einer Diskussion einlädt, uns sorgfältig darauf vorbereiten. Wir
bitten aber, daß P. de Lorini von Mailand kommt, sooft er gerufen wird,
um mit uns zusammenzuarbeiten ...

3. Zwei Entwürfe für Bischof Granier

Thonon, 20. Oktober 1598 (XI,363-366): Bischof Granier an Papst Clemens


VIII.:
Durch den Bericht Ihres Legaten, des Kardinals de Medici, haben
Ew. Heiligkeit erfahren, welch schöne und reiche Ernte wir in den ver-
gangenen Tagen in dieser Diözese eingebracht haben. Gott hat es in der
Tat so gefügt, daß während der Feier des Vierzigstündigen Gebetes in
dieser Stadt der hochwürdigste Kardinal auf seiner Rückreise in Gegen-
wart unseres erlauchten Herzogs unter glücklichsten Umständen miter-
lebte, wie ungezählte Scharen der Häresie abschworen und den katholi-
schen Glauben bekannten, ein Teil von ihnen in die Hände des hochwür-
digsten Legaten, ein Teil in meine Hände, während der erlauchte Her-
zog alles aufs beste förderte.
Aber während wir uns so vor dem Herrn freuten, erreichte uns eine
sehr unangenehme und betrübliche Nachricht. Der allerchristlichste Kö-
nig teilt dem Herzog von Savoyen durch ein Schreiben mit, daß Genf, die
Mutter und Quelle der calvinistischen Häresie, in den Friedensvertrag
eingeschlossen sei, den Ew. Heiligkeit zur Freude der katholischen Welt

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hat abschließen lassen, obwohl in den Artikeln des Vertrages davon nichts
erwähnt ist. Diese Nachricht vermehrt die Frechheit der Häretiker un-
glaublich, verschließt ihnen den Zugang zum katholischen Glauben, und
wenn sie schon nicht den jüngst Bekehrten allen Mut raubt, so schafft sie
zum mindesten große Verwirrung, nimmt mir und meinen Domherren
jede Hoffnung auf die kirchlichen Güter, welche die Genfer ganz unge-
rechterweise zurückbehalten.
Deshalb haben wir, d. h. alle Geistlichen hier, so schnell als möglich
unseren Dompropst entsandt, der in unser aller Namen sich Ew. Heilig-
keit zu Füßen werfen und darlegen soll, welch großen Schaden dieser
Friede dem christlichen Staat zufügte und welcher Schandfleck er nach
diesem großen Erfolg wäre ... Möge Ew. Heiligkeit bei der väterlichen
Güte, die Sie allen Katholiken und besonders dieser von so vielen Prü-
fungen heimgesuchten Provinz bezeugt haben, beim allerchristlichsten
König und beim Herzog intervenieren, daß ein solcher Friede nicht de-
nen gewährt werde, die sich bemühen, durch Zwiespalt den Frieden der
Kirche zu erschüttern ...

Ende 1598 (XI,367f): Bischof Granier an Papst Clemens VIII. :


Franz von Sales, Propst meiner Kathedrale, hätte schon längst in
meinem Namen die Gräber der Apostel besucht, wenn er daran nicht
durch eine schwere Krankheit gehindert worden wäre, die ihn mehrere
Monate ans Bett gefesselt hielt, und wenn die Straßen nach Italien nicht
durch die Pest gesperrt gewesen wären, die fast die ganze Provinz heim-
gesucht hat. Nun hat er sich auf die Reise begeben und ist wohl schon in
Rom eingetroffen.
Weil aber die Angelegenheit, deretwegen er nach Rom gereist ist,
nicht mehr ohne große Gefahr hinausgeschoben werden konnte, ich
aber bei seiner Abreise nicht alle Dokumente hatte, die für seine Reise
ad limina notwendig sind, glaube ich, sie jetzt schicken zu sollen, damit er
in meinem Namen seine Pflicht Ew. Heiligkeit gegenüber erfülle, in der
Hoffnung, Ew. Güte sei es so angenehm, damit sowohl in der für uns so
schwierigen Zeit, was durch Weniges geschehen kann, nicht durch Vie-
les geschehen muß, als auch, damit mein Vertreter, der nicht ohne Er-
folg auf dem Feld des Herrn gearbeitet hat, sich auf verschiedenen Wall-
fahrten erholen kann.
Ich bitte den gütigen und großen Gott, Ew. Heiligkeit lange für seine
Kirche zu erhalten ...

46
Fazit der Mission des hl. FFranz
ranz von Sales
Sein seelisches Bild

Am Ende des missionarischen Wirkens des hl. Franz von Sales im Chablais ange-
langt, können wir nun das Fazit seiner Tätigkeit kurz zusammenfassen. Wir muß-
ten feststellen:
1. Vom Nullpunkt seines Erscheinens im Chablais im September 1594 bis zur
Volksbewegung der Konversionen wirkt Franz von Sales im Alleingang (sein Vet-
ter Louis war nur kurze Zeit bei ihm).
2. Aus seinen Briefen ist klar der Fortschritt zu erkennen, ja sogar zu datieren:
einzelne Konversionen, dann zwanzig, achtzig, bis zum Drängen des ganzen Vol-
kes zur katholischen Kirche. Die Feiern in Thonon, das Eingreifen des Herzogs
und die Massen-Konversionen sind nur der großartige Schlußakt nach dem uner-
hört zähen Ringen des Missionars, der allein auf sich gestellt, ohne Hilfen, zuerst
umgeben von Haß und Feindseligkeit, durch seinen Mut und seine Güte das Eis
allmählich zum Schmelzen brachte. Kontakte, auf die Dialoge folgten, Predigten
vor vier oder fünf Leuten, die später heimlich von Gegnern mitgehört wurden,
Flugblätter, um die Gegner zum Nachdenken zu bringen und zum Widerspruch
herauszufordern, die aber auswichen, – all das führte schließlich zum Erfolg.
3. Will man versuchen, aus seinen Briefen das seelische Bild des hl. Franz von
Sales in dieser Periode abzuleiten, so ist das ein großes Wagnis, wie jede Erkun-
digung über das Seelenleben eines Menschen.
Franz von Sales war gewiß kein verschlossener Mensch. Wir stoßen bereits in
dieser Zeit auf eine wertvolle Eigenheit des Heiligen: seinen Zug zur Freund-
schaft. Seine Freundesliebe zu Antoine Favre, zuerst scheu gegenüber dem älte-
ren, sehr berühmten und gelehrten Mann, wird immer herzlicher und immer
offener für das, was ihn innerlich bewegt. Auffallend ist die geringe Meinung, die
er von sich selbst hat, die er oft spontan ausspricht: Er ist nichts, er ist gerade gut
genug, den Mauern zu predigen. Er ist auch ehrlich im Geständnis der Mutlosig-
keit, die ihn zuweilen überfällt.
Er wäre kein Mann, wenn nicht zuweilen der Zorn aus ihm hervorbräche, etwa
über den merkwürdigen Kommendenabt, der den Savoyarden nicht traut, über
das Ärgernis der Mönche, über die geistlichen Ritter, die auf ihren Geldsäcken
hocken, während wegen ihres Geizes Seelen verloren gehen, wogegen er ein ener-
gisches Vorgehen des Papstes fordert.
Seine Geduld wird auf harte Proben gestellt durch seinen Landesherrn, dem er
loyal ergeben ist. Er hatte verlangt, daß Missionare ins Chablais geschickt wer-
den, kümmerte sich dann aber nicht mehr um sie. Der Propst wettert zwar nicht
dagegen, aus seinen Feststellungen hört man aber deutlich heraus, was er empfin-
det. Er läßt es nicht zur Verbitterung kommen, aber es lastet auf seiner Seele, daß
er zum Gespött seiner Gegner wird. – Er kann aber auch aufjubeln, wenn sich
Erfolge einstellen.

47
Er kann auf seinen Rechten beharren und den Großen gegenüber eine offene
Sprache führen, so dem Nuntius gegenüber: Es sei doch nicht nötig, von ihm im
Namen des Gehorsams Berichte zu fordern; dem Papst gegenüber: Er sollte sich
nicht so Vieles vorbehalten, sondern die Entscheidungen dem Bischof und dem
Nuntius überlassen; dem Herzog gegenüber: Er sollte zu seinem Wort stehen und
endlich offen erklären, daß der Missionar auf sein Geheiß im Chablais wirkt.
Hier zeigen sich auch bereits einige Züge, die in seinem Leben immer wieder
sichtbar werden. Da ist zunächst die unüberwindliche Zähigkeit: Er predigt jah-
relang vor vier oder fünf Zuhörern; er kämpft viele Jahre gegen die Verschlagen-
heit und den passiven Widerstand der Ritter; er ringt mit Genf in immer erneuten
Runden um die Rechte seines Domkapitels, um seinen geraubten Besitz, um das
Recht, Pfarreien zu errichten in Gebieten, die sie unrechtmäßig besetzt halten,
um die Seele ihres greisen Oberhauptes Théodore de Bèze, um das ,,Interim“; er
ringt bis zu seinem Tod um das „Heilige Haus“ in Thonon. – Er ringt mit dem
Einsatz seiner Persönlichkeit um die Beharrlichkeit der von ihm Bekehrten, die
durch die kriegerischen und oft unbesonnenen Unternehmungen des Herzogs
immer wieder in große Gefahr geraten.
4. Über das Wirken des jungen Franz von Sales im Chablais gibt es viele Darstel-
lungen, von den konventionellen in den Klischees der Zeit, den erbaulichen
Heiligengeschichten, bis zu den nüchternen unserer Zeit und zu solchen, die
nach wissenschaftlichen Methoden der Geschichtsforschung den Gang der Ereig-
nisse beschreiben (vgl. die Darstellung bei Lajeunie und in: Mémoires et
documents, Annecy, 1968, besonders die Studien von A. Ravier S. 77-88 und von
Henri Baud S. 139-179).
5. Wir sind dankbar, daß Franz von Sales die Konzepte der Briefe an seinen
Freund Antoine Favre aufbewahrt hat. Hier finden wir unter den Wortspielen des
Humanisten die Seele des Missionars, seine Reaktionen auf die Ereignisse, auf
die Schwierigkeiten und auf die Menschen, mit denen er zu tun hatte. Diese
Briefe geben Einblick in das Innerste eines Menschen, der sich ganz Gott hinge-
geben hat, zugleich aber ganz Mensch ist. Neben dem epischen Fluß der Schilde-
rungen über seine Tätigkeit im Chablais wirken die Momentaufnahmen seiner
Reaktionen erfrischend und absolut wahrhaftig.
6. Es soll auch nicht übersehen werden, was Franz von Sales als Kind seiner Zeit
kennzeichnet: einerseits die Formeln der Untertänigkeit gegenüber geistlichen
und weltlichen Obrigkeiten, die uns heute unbegreiflich sind, in der Zeit des
Absolutismus aber selbstverständlich waren; andererseits harte Ausdrücke gegen-
über der Häresie, wenn er über sie oder gegen sie schreibt und predigt. – Mit der
Zeit wird sich beides in ihm abklären. Er wird vielen Dingen in der Welt und in
der Kirche mit selbständigem Urteil gegenüberstehen und in seiner Haltung der
Häresie gegenüber zu Schlüssen kommen, die wir heute fast als ökumenische
Haltung begrüßen möchten.

48
II. Vom Missionar zum Bischof
Vom
1599 – 1602

Franz von Sales war 1594 in das Chablais entsandt worden, um die Rekatholisierung
des Gebietes in die Wege zu leiten. Durch die Umstände wurde er selbst zum
Missionar und hat bis zum Eintreffen der Kapuziner in drei überaus harten
Jahren den entscheidenden Teil der Missionsarbeit allein geleistet; jetzt geht es
darum, die Ernte einzubringen und den Erfolg zu sichern.
Dem dienen die Verhandlungen des Heiligen zur Organisation und finanziellen
Ausstattung der Kirche im Chablais. In den Plänen des Heiligen spielen die Stadt
Thonon und das „Heilige Haus“ eine große Rolle; er schlägt sogar vor, den Bi-
schofssitz von Annecy nach Thonon zu verlegen. All das erfordert auch Verhand-
lungen mit dem Heiligen Stuhl. In Vertretung des kränklichen Bischofs reist der
Dompropst, nach einer längeren Verzögerung durch zweimalige Krankheit, Ende
1598 zum Besuch ad limina nach Rom. Er kann aber nur einen Teil der ange-
strebten Maßnahmen erreichen, deren Durchführung außerdem auf Schwierig-
keiten stößt.
Mit dem Propst reist der Generalvikar François de Chissé nach Rom, um im
Namen seines Onkels und des Herzogs die Ernennung des hl. Franz von Sales
zum Koadjutor des Bischofs mit dem Recht der Nachfolge zu erwirken. Die
Formalitäten ziehen sich (wegen der Gebühren) so lange hin, daß die Urkunden
ihn erst bei seiner Rückkehr aus Paris nach dem Tod des Bischofs erreichen.
Neue Probleme ergeben sich durch den Friedensschluß zwischen Frankreich und
Savoyen 1601, durch den ein Teil der Diözese Genf unter französische Hoheit
kam. Genf will aus ihm Vorteile ziehen; für die Reorganisation der Kirche wird
das „Interim“ verschieden ausgelegt; außerdem liegen auf diesem Gebiet die in
der Folge der Reformation in die Hände Genfs gelangten kirchlichen Güter.
Deshalb reist Franz von Sales zu Anfang des Jahres 1602 nach Paris, kommt aber
nach neun Monaten fast ohne Erfolg nach Savoyen zurück. Unterwegs erhält er
die Nachricht vom Tod des Bischofs Granier.

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A. Briefe aus Rom (1599)

Mitte Januar 1599 (XII,1-5) an Bischof Granier:


Wir warteten eine Gelegenheit ab, die sicherer ist als die gewöhnli-
chen in dieser unruhigen Zeit, um unsere Briefe zu schicken, und eine
gewisse Entscheidung, welchen Fortgang unsere Angelegenheiten neh-
men, um Ihnen eine bestimmte Nachricht zu geben. Beides hat sich erst
jetzt ergeben. Wir haben Sr. Heiligkeit in Ihrem Namen zehn Artikel
vorgelegt. Bei einigen hat er zugestimmt, bei anderen hat er uns an den
Nuntius verwiesen und die übrigen fast abgelehnt.
Er hat die Abtretung der Pfründen im Chablais, in Ternier und in den
anderen Balleien bewilligt bis zu der Summe, die notwendig ist für die
Wiederherstellung der heiligen Religion und die Anstellung der Seel-
sorger. Er hat bewilligt, daß die Ernennung dieser Seelsorger für dieses
erste Mal ganz durch Sie geschehe, ebenso, daß Sie den Pfarrern ein
angemessenes Gehalt geben, auch außerhalb der kanonischen Visitati-
on. Ferner, daß Sie die Häretiker während der nächsten fünf Jahre wie
bisher absolvieren können. Diese Erlaubnis halten sie hier für eine dau-
ernde, weil man ja nur vor ihrem Auslaufen die Bitte um Weitergeltung
der Erlaubnis zu erneuern brauche.
Was Ihren Zehent betrifft, verweist er die Sache an den Nuntius. Er
soll prüfen, wie man Ihre Rate auf die anderen Benefizien legen kann,
die weniger Lasten haben als das Bistum Genf. Er weist auch den Nun-
tius an, zu untersuchen, wieweit eine Steuerbefreiung angemessen ist
und wie sie am besten geschehen kann.
Er bewilligt die Visitation der Klöster und wird sie zur gegebenen
Zeit halten lassen. Er erteilt auch die Dispens für die Kanoniker, vor-
ausgesetzt, daß sie die Pfarreien versehen können; dieser Punkt ist aber
noch nicht ganz geklärt.

50
Was die Theologalen betrifft, so will er sie nicht auf die Klöster legen,
damit man nicht einen Altar abdecke, um einen anderen zu bedecken,
wie er sagt. Trotzdem meint Kardinal Borghese, unser Kommissar, man
sollte diesen Punkt durch den Nuntius behandeln lassen, vielleicht wer-
de es ihm gelingen. Man müßte ihn daher nach unserer Rückkehr darum
ersuchen, und ich glaube, daß er sich dazu gern bereitfinden wird.
Was die Verlegung unserer Kathedrale betrifft, so ist diese Frage
noch in der Schwebe, weil unser Kardinal-Kommissar nicht sagen kann,
ob Thonon näher bei Genf liegt als Annecy. Trotzdem sind weder Se.
Heiligkeit noch die Kardinäle sehr dafür. Sie meinen, die Bewohner von
Annecy wünschten, daß wir in dieser Stadt bleiben, die wie alle Städte
auf die Gegenwart des Bischofs und seines Kapitels großen Wert lege.
Sie sagen, man könnte die Vorteile dieser Verlegung auf andere Weise
ersetzen. Ich glaube aber, daß alles, was von unseren Wünschen nicht
gebilligt wurde, an den Nuntius gehen soll.
Niemals war ich an einem Ort, wo die Dinge so genau genommen
werden wie an diesem Hof. Se. Heiligkeit würde nicht eine Gnade ge-
währen, so gering sie auch sein mag, die nicht abgewogen und gegenge-
wogen wäre durch den Rat der Kardinäle. Wenn sie sehen, daß Se. Hei-
ligkeit sie gewährt, sind auch sie der gleichen Meinung. Aber im übrigen
leuchtet fast überall eine engelhafte Freundlichkeit und Haltung, beson-
ders bei unseren drei Kommissaren, den Kardinälen Borghese, Arrigo-
ne und Bianchetti, vor allem aber bei Kardinal Baronius ...
Ich glaube, daß Eure Güte unsere bescheidene Verhandlung billigen
wird, obwohl das Ergebnis nicht ganz Ihren heiligen Absichten ent-
spricht ...
Was aber meinen ersten und wichtigsten Auftrag betrifft,1 so habe
ich ihn bei Sr. Heiligkeit und bei Kardinal Aldobrandini vorgebracht, so
lebhaft ich konnte, und als einziges Ergebnis hat man unserem Nuntius
geschrieben, er möge mit Sr. Hoheit verhandeln, daß er über diesen
Punkt keinen Entschluß fasse ... Da man keinen Nuntius in Frankreich
habe, müsse man abwarten, bis ein solcher ernannt ist. Es ist der Bischof
von Modena, der nun hier eingetroffen ist und seine Instruktionen er-
hält, um dann abzureisen, unter anderem auch in unserer Sache eine
gute, wie mir heute morgen Kardinal Aldobrandini versicherte. Ich wer-
de ihn besuchen, um ihn darüber zu informieren.
Das ist, glaube ich, ein Teil dessen, was wir hier erreichen wollten,
trotz der Schwierigkeiten, es voranzubringen, die wir wegen der Über-
schwemmung des Tiber hatten.

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Der Kardinal Sainte-Severine sagte mir, der Nuntius lasse mir mit-
teilen, ich sollte wegen der Abwesenheit des guten P. Chérubin zu Ihnen
kommen. Wie man uns von dort mitteilt, ist er in eine sehr bedauerliche
Krankheit gefallen. Se. Heiligkeit, die Herren vom Heiligen Offizium,
kurzum alle Guten bedauern unendlich diesen Zwischenfall wegen der
Tüchtigkeit des Mannes, die nun brachliegt, wie auch wegen der Gerüch-
te, die nun die Gegner verbreiten werden. Da diese keine Rechtferti-
gung für ihre Hartnäckigkeit haben, benützen sie zu ihrer Verteidigung
alle unglücklichen Ereignisse, die uns zustoßen, so natürlich und normal
sie auch sein mögen. Nun, um so mehr Mut mache ich mir. Der Herr
Generalvikar, ich und unsere Freunde vergessen nicht, wie es unsere
Pflicht ist, in unseren schwachen Gebeten seiner zu gedenken ...
Wir hoffen, Ihnen noch vor Ostern die Hände küssen und Ihnen
Rechenschaft ablegen zu können ...

Am 26. März 1599 (XII,6) an den Domherrn Louis de Sales:2


Ich bekenne Ihnen in aller Einfalt, daß Gott unsere Beschämung
beim Examen nicht zugelassen hat, obwohl ich nichts anderes erwartet
hatte. Ich versichere Ihnen, daß der Herr Generalvikar das Konsistori-
um freudiger verlassen hat als ich. Dieser treue Freund beeilte sich nur
zu sehr, die Zeichen väterlicher Güte nach Savoyen zu berichten, mit
denen der Papst mich geehrt hat. Das verpflichtet mich, mehr denn je
ein guter Sohn und Diener der heiligen römischen Kirche zu sein. Aber
was immer meine Freunde schreiben, bedenken Sie, daß unsere Freun-
de ebensooft das Gute an uns übertreiben, wie unsere Feinde unsere
Fehler vergrößern, und daß wir schließlich nur das sind, was wir vor
Gott gelten ...

52
B. Briefe aus Savoyen
1599 – 1602

1. Hoffnungen und Schwierigkeiten

Turin, 17. Mai 1599 (XII,7-13) an P. Juvénal Ancina:3


Obwohl ich noch nicht am Ziel meiner Rückreise bin, da ich leider
einen Monat lang an diesem Hof festgehalten werde, muß ich Ihnen
doch Einzelheiten über alle Liebenswürdigkeiten mitteilen, die ich Ih-
nen verdanke.

Er berichtet von seinem Aufenthalt in Loreto und Bologna, dann fährt er fort:
Hier in Turin habe ich nicht versäumt, dem Erzbischof Grüße von
Eurer Paternität zu bestellen ... Ich habe auch Sr. Hoheit meine Aufwar-
tung gemacht und einen kurzen Bericht über meine Verhandlungen in
Rom gegeben. Er war zufrieden, außer über das Examen, das ihm zu-
nächst ungehörig erschien, über das er aber nach Anhören meiner Grün-
de ebenfalls befriedigt war ... 4
Die Ritter vom hl. Lazarus wußten, daß ich der Überbringer des
Breves Sr. Heiligkeit bin, das dem Bischof von Genf die Vollmacht gibt,
für den Unterhalt der Pfarrer, Seelsorger und Prediger die Einkünfte zu
verwenden, die sie aus den bekehrten Pfarreien haben. Sie haben mich
vorgeladen und verlangen, daß ich „Rechenschaft über meine Verwal-
tung“ ablege. Ich bin also gezwungen, hier zu bleiben, bis Se. Hoheit
mich entläßt. Trotzdem hoffe ich bald abzureisen, sei es, um der Gefahr
zu entgehen, die wirklich ernst ist, sei es, um wieder an die Arbeit zu
gehen ...
Man hofft, daß Se. Hoheit nach Frankreich gehen wird, wo ihn der
König sehnsüchtig erwartet ... und ihn mit allen Ehren empfangen wird,

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die man ihm selbst gewöhnlich erweist ... Von Turin kann man sagen:
„Wie ist es menschenleer!“ Alles flieht von hier ... Die Ansteckung ist
sehr groß in Savoyen, in der Stadt Genf und in der Gegend von Mont-
melian; alles übrige ist ganz frei davon ...

Turin, 21. Mai 1599 (XII,13-15) an den Ritter de Ruffia: 5


Der Herr Präsident de Rochette ist in Savoyen, und so Gott will,
werde ich ebenfalls bald dort sein. Es bleibt also nur noch, daß auch Sie
nicht zögern, dorthin zu kommen, um das zu vollenden, was den Dienst
Gottes und der Seelen in den Balleien Thonon und Ternier betrifft, da
Sie zur Durchführung des Breves des Apostolischen Stuhles bestimmt
wurden.
Ich bitte Sie zu bedenken, daß bei dieser Lage die Verzögerung des
Werkes gleichbedeutend ist mit seinem Zusammenbruch; denn wenn die
Arbeiter ohne Einkommen sind, können sie nur ganz kurze Zeit bleiben.
Daraus ergibt sich, daß Sie im Gewissen verpflichtet sind, unverzüglich
zu kommen, weil von Ihrem Kommen der Erfolg unseres Unternehmens
abhängt und weil man ohne Sie nichts unternehmen kann. Bedenken Sie
bitte, daß es sich hier um den Dienst Gottes handelt, in dem jede Nach-
lässigkeit den Fluch herabzieht.
Verzeihen Sie mir, wenn ich Sie so freimütig auffordere, unverzüg-
lich zu kommen. Ich fühle mich verpflichtet, so zu handeln. Übrigens
weiß ich, daß ich mit einer so verständnisvollen Persönlichkeit verhand-
le, die selbst sieht, wie drängend die Not ist. Deswegen wage ich zu
wiederholen, daß Sie ohne Rücksicht auf die ansteckende Epidemie und
andere Hindernisse unbedingt verpflichtet sind, auf schnellstem Wege
dorthin zu kommen, wo ich Sie selbst erwarte, in der Absicht, dort zu
bleiben, dort und wo immer ich mich befinden werde.

Chambéry, 24. August 1599 (XII,17-22) an Nuntius Riccardi:


... Ich kann Ew. Gnaden berichten: Wenn die Bekehrung des Chab-
lais und der anderen Balleien nicht zurückgeht, so kommt sie doch nicht
viel voran. Der Fortschritt hängt von der Ausübung des katholischen
Kultes ab, der aus Mangel an Geld und anderer notwendiger Dinge
nicht so würdig und eindrucksvoll gefeiert werden kann, wie es am An-
fang notwendig wäre. Selbst die Priester, die in diesen Gebieten schon
angestellt sind, haben nicht das unbedingt notwendige Einkommen. Wäre
unser Bischof nicht so freundlich und gut zu ihnen gewesen, wäre nicht
die Hälfte von ihnen geblieben.
Und das ist die Ursache: Se. Hoheit hat den Präsidenten des Senats
und den Ritter de Ruffia delegiert, bei der Zuteilung der Pfründen an-

54
wesend zu sein, die der Bischof von Genf im Auftrag des Heiligen Stuh-
les vornehmen soll ... Der Ritter de Ruffia sollte sofort nachkommen, als
ich von Turin abreiste; er ist noch nicht erschienen. Er ist daher äußer-
ster Nachlässigkeit schuldig oder bewußter Verzögerung der Rückgabe
des ungerechten Besitzes der Ritter an diesen Pfründen. Wenn man
auch nur einen Teil der Einkünfte für den katholischen Kult heranzieht,
so geht das unter so vielen Schwierigkeiten vor sich, daß der Erfolg in
Frage gestellt wird.
Andererseits unterlassen die Genfer und die anderen Gegner in der
Nachbarschaft nichts, um den Fortschritt der heiligen Sache zu behin-
dern, indem sie Drohungen und Kriegsgerüchte verbreiten. Sie verbrei-
ten auch Bücher und Schriften und schleusen heimlich Spione und See-
lenverderber in die Bevölkerung ein. Jedenfalls verurteilt ihr Eifer für
das Böse die Nachlässigkeit der Katholiken im Guten.
Trotzdem ist es sehr wahr, daß unter den Bekehrten keiner je Miene
machte, zurückzuschauen. Sie kräftigen sich mehr und mehr im Glauben
und es bekehren sich andere der in der Häresie am meisten Verstockten.
Es ist klar, daß Gott von uns große Anstrengungen und einen großen
Eifer verlangt, um dieses Unternehmen zu fördern. Er spendet in die-
sem Land bestimmte Gnaden, die man als kleine oder sogar große Wun-
der bezeichnen könnte; darüber werde ich Ew. Gnaden berichten, so-
bald ich sicher informiert bin.
Ich erwarte mit großer Sehnsucht die Verlängerung der Vollmacht,
Häretiker auch außerhalb der Beichte zu absolvieren, die ich notwendig
brauche. Ich erwarte auch die Mitteilung der Entscheidung Sr. Heilig-
keit betreffs der Mission der Jesuiten ... Der Widerstand der Genfer
Prädikanten kommt eindeutig nicht vom Mut oder vom Eifer, den sie
haben, sondern von der Wut und Verzweiflung. Wenn wir sie etwas hart
bedrängen, ist es um sie geschehen; das Volk hat die Albernheiten satt,
die sie hersagen; es wird das Ohr der Wahrheit öffnen ...

Franz von Sales bittet erneut um Verzeihung, wenn er viel, auch ungelegen
schreibt; aber er hat niemand als ihn, zu dem er Zuflucht nehmen kann. Er fragt
noch, was Se. Heiligkeit über die Reform der Klöster beabsichtigt, ein Werk, das
sehr notwendig ist.
Thonon, 23. September 1599 (XII,23-28) an Nuntius Riccardi: Der Ritter de
Ruffia ist immer noch nicht erschienen, so daß das Breve Sr. Heiligkeit bisher
nicht durchgeführt werden konnte. Daher wollte der Bischof nach Chambéry
reisen, um mit Sr. Hoheit zu verhandeln, damit die Pfarrer nicht länger unter
Entbehrungen leiden müssen. Unterwegs traf er aber den Statthalter und Herrn
d’Avully, die ihm mitteilten, Se. Hoheit habe beschlossen, 12.000 Ecus für den

55
Ankauf des Priorates St. Hippolyth und noch einiger anderer Besitzungen für das
Kolleg der Jesuiten zu geben. Deshalb reiste der Bischof nach Thonon, um diesen
Plan durchzuführen. Franz von Sales bleibt in Thonon für die Aufgaben der
Seelsorge.
Thonon, 26. September 1599 (XII,29) an den Herzog: Dieser hatte Franz von
Sales durch Herrn d’Avully ... beauftragt, für ein gutes Einvernehmen zwischen
dem Bischof von Genf und Erzbischof Gribaldi zu sorgen, der im Auftrag des
Papstes nach Savoyen kam.
Es schien mir, ich müßte ihm versichern, daß zwischen beiden sich
nichts zugetragen hat, was nicht von Takt, Freundschaft und Brüderlich-
keit geprägt war. Und ich glaube, daß Se. Heiligkeit nur Genugtuung
empfinden wird über den Bericht, den er über den Stand unserer Ange-
legenheit erhält, besonders nach dem guten Beginn für das Kolleg der
Jesuiten, das ein Grundstein dieses ganzen Werkes ist. Es wäre aller-
dings angezeigt, etwas aufscheinen zu lassen, daß auch die „Herberge“
im Kommen ist, da ich bemerkt habe, daß Se. Heiligkeit dafür ein beson-
deres Interesse hat ...
Thonon, 13. Oktober 1599 (XII,30) an Philipp de Quoex, 6 der sich in Rom auf
die Priesterweihe vorbereitet. Franz von Sales empfiehlt ihm seinen Bruder Louis
und den Sohn des Präsidenten Favre, die in Rom studieren sollen.
Chambéry, 15. November 1599 (XII,31-37) an Nuntius Riccardi:
Auf der Reise von Thonon nach Chambéry, wo ich dem Bischof von
Genf nützlich zu sein hoffte, war ich leider gezwungen, mich einige Zeit
unterwegs aufzuhalten, um die nötigen Papiere abzuwarten, die ich für
die Verhandlungen über kirchliche Fragen am Hof brauche. Der Bischof
konnte selbst nicht kommen, weil die Verbindungen von Annecy, wo er
sich aufhält, nach Chambéry (wegen der Pestgefahr) unterbrochen
sind ...
Chambéry, 9. Dezember 1599 (XII,38-41) an Nuntius Riccardi:
... Se. Hoheit hat dem Senat befohlen, zu prüfen, ob seine Befehle
für das Haus in Thonon ausgeführt wurden. Er hat Herrn d’Avully be-
auftragt, dafür Sorge zu tragen.

Dann spricht Franz von Sales von seinem Prozeß um die Pfarrei Petit-Bornand,
den er beim Senat verloren hat, obwohl die Resignation des früheren Inhabers
nach dessen Tod datiert ist und Franz von Sales sie im regelrechten Konkurs
erhalten hat. Er wird nach Rom appellieren, schon um den Schwindeleien einen
Riegel vorzuschieben, die den Pfarrkonkurs umgehen. – Der Herzog wurde in
Lyon sehr gefeiert. Die Genfer glauben, Se. Heiligkeit mache große Anstrengun-
gen, daß die freie Ausübung des katholischen Kultes in Genf gestattet werde;
viele Genfer scheinen das zu wünschen, während andere sagen, sie würden in
diesem Fall Selbstmord begehen.

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Thonon, Januar 1600 (XII,42-44) an Kardinal Baronius: Wenn das schwierige
und mühevolle Werk der Bekehrung dieser Provinzen nicht von Gott käme, so
wäre es schon längst gescheitert, denn es fehlt nicht an Schwierigkeiten und
Hindernissen. Sie waren so zahlreich und von solcher Art, daß sie niemals durch
menschliche Mittel hätten überwunden werden können.
Annecy, 17. Januar 1600 (XII,45-48) an Nuntius Riccardi:
In den letzten Tagen des vorigen Jahres sind gleichzeitig zwei Briefe
von Ew. Gnaden angekommen, einer vom 7. Dezember, der andere ist
das Duplikat eines Briefes vom 20. Oktober mit der Kopie des Briefes,
den Ihnen P. Chérubin am 2. Oktober aus Rom geschrieben hat ... In
diesem Brief sehe ich zwei Dinge: Erstens eine Antwort auf die Fragen
des Heiligen Vaters; der Bericht des Erzbischofs von Vienne ist aber viel
klarer und umfassender ... P. Chérubin hat von den Mitarbeitern einige
vergessen, andere kennt er nicht, weil sie nach seiner Abreise gekommen
sind: Déage, Grandis, Gottry, Bochut, lauter Doktoren und sehr ge-
lehrt. Außerdem haben wir andere, die zwar nicht Doktoren aber sehr
gelehrt sind, und eine große Zahl, die dieses Jahr in Avignon promo-
viert werden. Dieser Punkt scheint mir jedoch keinerlei Schwierigkeiten
zu bereiten.
Wir sind aber dadurch festgenagelt, daß wir keine Möglichkeit ha-
ben, für diese verdienten Männer Wohnungen zu beschaffen, die für
ihren Stand und ihre Aufgaben geeignet sind. Man sieht es an Herrn
Nouvellet, von dem P. Chérubin in seinem Brief spricht; er hat Bücher im
Wert von 1.000 Ecus kommen lassen, ... seine Bücher aber bisher nicht
aufmachen und sein Wissen nicht nutzbar machen können. Obwohl Dom-
herr, lebt er in großer Armut ... Ich wollte Ihnen das sagen, um Ihnen
kurz zusammenzufassen, welche Hindernisse sich dem Fortschritt im
Dienste Gottes hier entgegenstellen ...

Sales, 19. Januar 1601 (XII,53f) an Bischof Granier:


Auf den Brief hin, den Herr von Sancy mir schrieb, ich möge mich bei
Ihnen zum Fürsprecher seiner Absicht machen, habe ich den Brief ge-
öffnet, den er Ihnen geschrieben hat. Ich tat dies, gestützt auf das Ver-
trauen, das Sie in meine liebevolle Treue zu Ihrem Dienst haben, außer-
dem in der Befürchtung, es könnte eine Sache sein, die es verdient, daß
ich zu Ihnen komme, um Ihre Befehle zu empfangen. Da ich aber sehe,
daß der Gegenstand keine solche Eile erfordert, schicke ich Ihnen die
zwei Briefe und bleibe hier bei der Pflicht, die ich zum Dienst an meinem
Vater habe, der von einem Tag zum anderen mit großen Schritten dem
anderen Leben zueilt. Er wird zusehends schwächer. Wenn Gott uns

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nicht durch ein Wunder hilft, werde ich mich in wenigen Tagen des Tro-
stes beraubt sehen, den ich mit unserem ganzen Hause immer in der
Gegenwart dieses guten Vaters hatte. Gott, der Herr unseres Lebens,
sei auf immer gepriesen in allen seinen Anordnungen ...

Sales, 3. Februar 1601 (XII,54-57) an P. Juvénal Ancina:


Durch den Brief, den Sie mir durch Herrn Philippe de Quoex schick-
ten, habe ich sehr großen Trost empfangen; das aus verschiedenen Grün-
den, vor allem deswegen, weil ich aus seinem Inhalt erkenne, daß Sie mir
nicht nur ein besonderes Gedenken bewahren, sondern auch, weil Sie
für diese ganze Provinz eine einzigartige Sorge tragen. Diese Sorge kann
ihr nur sehr vorteilhaft sein, wie sie es bis jetzt war, besonders in diesen
unheilvollen Zeiten ...
Unbeschreiblich ist unser Kummer beim Anblick dieses armen Schiff-
leins, das schon durch eine solche Kriegspest schwer angeschlagen war.
Trotzdem sei Gott gelobt, daß sowohl unter den früheren Katholiken als
auch unter den Neubekehrten nichts anderes sich regte als größerer,
glühender Eifer. Unsere Priester in den neuen Kirchen haben unglaub-
lich gelitten, aber mit solcher Standhaftigkeit, daß es ein großer Trost
ist, daran zu denken. Die Prädikanten von Genf haben nicht versäumt,
die Kirchen besetzen zu wollen, aber unser Bischof beschwerte sich dar-
über beim König von Frankreich, der ihnen daraufhin befahl, auf solche
Pläne zu verzichten. So blieben die Dinge wahrhaftig nicht ohne An-
strengung beim gegenwärtigen Stand.
Die Hoffnung auf einen baldigen Frieden erfreut uns alle. Wenn er
aber wegen unserer Sünden nicht abgeschlossen würde, dann bräuchten
wir sehr wohl die Unterstützung des Heiligen Stuhles beim König, um
nicht von den Genfern schlecht behandelt zu werden. Für meinen Teil
bin ich fest entschlossen, bis zum Ende zu bleiben mit der geringen Kraft,
welche mir die göttliche Majestät gegeben, besonders wenn Sie und
P. Matthieu weiter für mich beten, worum ich Sie demütig bitte ...
Ich möchte nicht versäumen, Ihnen zu sagen, daß meine Ernennung
zum Koadjutor seit dem Examen nicht erfolgt und nicht vorangekom-
men ist. Wenn Sie mir daher Briefe schicken, bitte ich Sie, mir nicht
einen Titel zu geben, der mir nicht zusteht ...

Annecy, 18. März 1601 (XII,57-59) an Nuntius Riccardi:


Da mein Onkel, Herr de Villette, ... sich zu Ihnen begibt, halte ich es
für meine Pflicht, ein notwendigerweise langes Schweigen zu brechen
und Ihnen mit diesen Zeilen meine Aufwartung zu machen. Ich will

58
Ihnen einen Trost bereiten durch gute Nachrichten sowohl über Tho-
non als auch über Ternier, wo ich am Sonntag Quinquagesima war. Man
hat dort zwar unter der Statthalterei des Hugenotten Montglas und
unter verschiedenen Hinterhältigkeiten sehr gelitten (in Ternier haben
sie sich ein tyrannisches Regiment geleistet und gegen heilige Dinge sich
so infam benommen, daß man es nicht schildern kann). Trotz all dem gab
es unter einer so großen Zahl von Konvertiten nur vier, die abgefallen
sind, und die sind niederen Standes. So konnte man erkennen, daß ihre
Bekehrung das Werk des Allerhöchsten war. Sie feierten im Gegenteil
das Weihnachtsfest mit ungewohnter Begeisterung.
Die Durchführung des Breves Sr. Heiligkeit für die Übergabe der
kirchlichen Güter an die Seelsorger und Pfarrer steht infolge der Intri-
gen der löblichen Ritter noch aus.
Herr de Villette wird Ew. Gnaden bitten, daß Sie in gewohnter Weise
dem Herrn Nouvellet die versprochenen Präbenden durch den Abt von
Abondance zuweisen lassen, wohl nicht für das vergangene Jahr, da Herr
von Sancy das ganze Einkommen dieser Abtei konfisziert hat, aber für
das kommende Jahr ...

Sales, 28. Juni 1601 (XII,62-68) an Nuntius Riccardi:


Zu meinem großen Leidwesen habe ich erfahren, daß Ew. Gnaden
daran sind, Ihre fruchtbare Tätigkeit als Nuntius zu beenden. Daher bin
ich vor allem zum Dank verpflichtet und danke Ihnen untertänigst für
die vielen Gunsterweise, mit denen Sie mich gütigst überhäuft haben,
sowohl zu meinem eigenen Trost wie zum Wohl dieser Provinz, für die
Sie nicht nur ein großer Wohltäter, sondern auch der liebevollste Vater
sind. Ich bitte Sie, mir weiterhin Ihr Wohlwollen zu schenken, wohin
immer Sie Ihrer Verdienste wegen kommen werden. Glauben Sie bitte,
daß Sie nie einen Diener haben werden, der Ihnen mehr ergeben, wenn-
gleich unnütz ist.
Trotzdem möchte ich nicht versäumen, Ew. Gnaden über unsere An-
gelegenheiten in der Umgebung von Genf zu unterrichten. Ich war die-
sen Monat auf Anordnung des Bischofs in Thonon und in der Ballei
Chablais, um alle Kirchen zu visitieren und festzustellen, in welchem
Zustand sie sind und wie man sie dotieren könnte. Was die Seelen be-
trifft, habe ich gefunden, daß trotz des Krieges die Zahl der Konvertiten
seit Weihnachten sich vermehrt hat, obwohl unter der Herrschaft des
Statthalters, den der König von Frankreich eingesetzt hat und der da-

59
mals ein fanatischer Hugenotte war, einige Schäflein sich verloren ha-
ben, aber wenige an Zahl und von unbedeutendem Ansehen. Zu Pfing-
sten habe ich in Thonon gepredigt, wo alle meine Katholiken in großer
Zahl mit reicher Frucht die heilige Kommunion empfangen haben.
Was nun die Mittel betrifft, die Kirchen zu dotieren, so sind die
Schwierigkeiten sehr groß aus denselben Gründen wie bisher, d. h. alle
schauen auf ihre eigenen Interessen, einschließlich den Propst von St.
Bernhard, der unter dem Vorwand, daß er vor dem Einbruch der Häre-
sie das Recht zu Ernennungen hatte, dieses Werk behindert, wo er nur
kann. Und er, der zur Zeit der mühevollen Arbeit nie zu sehen war, will
sich nun der Pfründen bemächtigen ... Was die Ritter betrifft, so kann
man nichts anderes sagen, als daß ihre Bevollmächtigten weiter alles
anfechten wollen. So sieht man kein Ende in dieser Angelegenheit, und
doch wäre es notwendig, sie zu beenden, um das zu beginnen, was nun
folgt.
Zwei Patres der Mission und zwei Pfarrer im Chablais nahe der Ballei
von Gaillard haben gehört, daß Se. Hoheit im Besitz dieser Ballei sei und
dort sich ein sehr katholischer Befehlshaber befinde. So boten sie sich
an, dort zu predigen und mit dem katholischen Kult zu beginnen, der
noch nicht existierte, weil die Genfer die Ballei bisher im Namen des
Königs von Frankreich besetzt hatten. Der Kapitän zeigte großen Eifer
und guten Willen für die gute Sache; er versprach den Patres jede Un-
terstützung. Zu Pfingsten begann man damit in dieser Ballei (eine halbe
Genfer Meile, d. i. zwei Meilen von Genf entfernt) mit solchem Beistand
des Heiligen Geistes, daß ich in zwei Pfarreien mehr als hundert katho-
lische Familien vorfand, als ich am Mittwoch nach Pfingsten hinkam. Fast
alle anderen sind für das gleiche Glück gut disponiert, ohne daß Zwang
oder ein anderes Mittel als die einfache Verkündigung angewandt wur-
de. Es ist wohl wahr, daß diese Gegend nicht weit entfernt ist von den
neuen Katholiken des Chablais einerseits und von früheren Katholiken
auf unserer Seite des Genferlandes andererseits, so daß die Bewohner
in der katholischen Religion schon halb unterrichtet waren. So wird also
der Bischof neue Mühe haben, um Arbeiter in diesen Weinberg zu sen-
den und sie mit dem notwendigen Einkommen zu versorgen.
Noch größere Anstrengungen werden in der Ballei von Gex mit dem
Interim auf uns zukommen, das der König von Frankreich dort einfüh-
ren muß. Auch dort muß man für Seelsorger sorgen, denn diese Ballei
ist jetzt noch ganz hugenottisch und von den Genfern besetzt, die durch
das Interim schwer betroffen werden, wenn sie gezwungen sind, die kirch-
lichen Güter zurückzugeben. Ich glaube, daß sie das tun müssen trotz

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der Klausel im Friedensvertrag, daß jeder wieder in den Besitz seiner
Güter gelangen soll, die er vor dem Krieg besessen hat. Ich glaube näm-
lich nicht, daß der Heilige Stuhl beim Friedensschluß beabsichtigt hat,
die Hugenotten sollten die Kirchengüter behalten, deren Räuber, nicht
aber Eigentümer sie sind.
Das ist der Stand der Dinge. Ich bitte Ew. Gnaden inständig, ihnen
weiterhin Ihre gewohnte Fürsorge zu schenken und sie Ihrem hohen
Nachfolger eindringlich zu empfehlen. Und da ich gewohnt bin, Ihnen
immer eine Bitte zu meinem besonderen Trost vorzutragen, so ersuche
ich Sie, sich der Präbende für Herrn Nouvellet zu erinnern, den Veteran
der kirchlichen Kampftruppe. Herr de Villette wird Ihnen ausführlicher
darüber berichten ...
In unserer Diözese ist ein Mädchen, das in sehr jungen Jahren das
Gelübde der Keuschheit abgelegt hat. Obwohl es sehr fromm ist, will es
nicht in ein Kloster eintreten, hat es aber in der Welt sehr schwer, sein
Gelübde zu halten. Deshalb meinten die Patres Jesuiten, man sollte es
vom Gelübde dispensieren, damit es heiraten kann. Ich bitte also Ew.
Gnaden, mir gütig die Vollmacht zu geben, ihm die erforderliche Dis-
pens zu erteilen, und mir zu vergeben, daß ich es wage, mich mit so viel
Freimut an Sie zu wenden, denn Ihre grenzenlose Güte ist der einzige
Grund dafür.
Zum Schluß bitte ich Sie, mir zu gestatten, daß ich Ihnen manchmal
nach Rom oder nach Bari schreibe und Sie über unsere Angelegenhei-
ten informiere. Ich glaube, Ew. Gnaden werden sich immer gern an sie
erinnern, wenn Sie an die Mühen denken, die Sie hier im Dienste Gottes
auf sich genommen haben ...

2. Die Probleme von Gex

Am 20. August 1601 (XII,70-74) an Nuntius Riccardi:


Obwohl ich nach dem, was mir der Präsident Favre und der Baron de
Chevron sagten, nicht weiß, ob dieser Brief Sie erreicht, solange Sie
noch in Ihrer Nuntiatur sind, will ich doch nicht unterlassen, Ihnen
Kenntnis zu geben von zwei Dingen, zu deren Erfolg Ihre Autorität und
Ihre Güte bei Gelegenheit viel helfen könnten.
Das eine betrifft die Ausdehnung des Glaubens in der Umgebung
von Genf, in der Ballei Gex, die zu unserer Diözese gehört. Sie erstreckt
sich von der Grenze Burgunds und vom Berner Land bis eine halbe
Meile vor Genf. Diese Ballei war bisher von den Genfern im Namen des

61
Königs von Frankreich besetzt, seit zwei Wochen ist sie aber von neuem
seiner Krone unterworfen und den Händen der Genfer entrissen. Ba-
ron de Lux, der von ihr im Namen des Königs Besitz ergriffen hat, er-
klärte, es sei die Absicht des Königs selbst, daß die Ausübung des katho-
lischen Kultes dort wiederhergestellt werde mittels des Interims, in glei-
cher Weise, wie es in Frankreich geschieht.
Da aber das französische Interim fordert, daß die kirchlichen Güter
und die Kirchen den Priestern, den Bischöfen und anderen zurücker-
stattet werden, haben die Genfer gefordert, daß das Interim sie in kei-
ner Weise schädigen dürfe; sie haben ja die Güter und die Einkünfte des
Bischofs, seines Kapitels und der anderen Kirchen beschlagnahmt. Des-
halb hat Baron de Lux, der ein guter Katholik ist, den König gebeten,
diese Schwierigkeit zu lösen. Ebenso hat der Bischof an Se. Majestät und
an den Nuntius von Frankreich geschrieben, daß seine und unsere Rechte
gewahrt werden.
Das nützt aber wenig, wenn nicht der Heilige Stuhl seine Autorität
bei Sr. Majestät kraftvoll einsetzt, daß sie ohne Rücksicht auf die Genfer
die Rückgabe der kirchlichen Güter durchführe. Auf diese Weise erhal-
ten die Häretiker den schwersten Schlag, der ihnen bis heute jemals
zugefügt wurde. Ohne diese Maßnahme kann die Religion nicht wieder-
hergestellt werden. Denn man kann unmöglich diesem Land Seelsorger
geben, wenn man sie nicht mit den nötigen Mitteln und mit einer Kirche
versieht. Unser Bischof schreibt zu diesem Zweck an den Kardinal Al-
dobrandini, und ich glaube, auch Ew. Gnaden benachrichtigen zu sollen,
damit Sie bei einer für die Ehre Gottes so günstigen Gelegenheit inter-
venieren.
Die andere Sache ist, daß ich vom Bischof und, um es offen zu sagen,
von allen bedeutenden und hervorragenden Persönlichkeiten der Di-
özese, nicht nur Priestern, sondern auch Laien, lebhaft bedrängt, schließ-
lich zugestimmt habe, daß die begonnenen Verhandlungen wieder auf-
genommen werden, mich zum Koadjutor des Bischofs mit dem Recht
der Nachfolge zu ernennen. Gewiß wünsche ich diese Bürde nicht, de-
ren Gewicht mir immer furchtbar erschien, besonders in diesen verwor-
renen und unruhigen Zeiten, aber ich konnte dem Urteil so vieler guter
Menschen nicht Widerstand leisten, die der Auffassung sind, ich dürfte
diese Angelegenheit nicht weiter verzögern.
Immerhin gibt es eine große Schwierigkeit; vielleicht bedient sich ih-
rer die göttliche Vorsehung für die Gnade, mich zu verschonen. Meine
Familie hat unter den vergangenen unglücklichen Zeiten sehr gelitten,

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ich habe außerdem vor drei Monaten meinen Vater verloren, so daß ich
nicht in der Lage bin, große Auslagen zu machen. Wenn solche notwen-
dig sind, kann ich diese Angelegenheit nicht weiter verfolgen, um so
mehr, als es sich nicht um eine Sache der Gegenwart sondern der Zu-
kunft handelt, nicht um Vorteile, sondern um unglaubliche Mühen. Die-
se Kirche ist des größten Teils ihres Einkommens beraubt, da sich dieses
in den Händen der Feinde des Glaubens befindet; ferner gibt es so viel
Mühen zu ertragen, daß der Bischof das karge Brot, das sie ihm gibt, nur
um den Preis vielen Schweißes essen kann.
Aus diesem Grund schreibt unser Bischof seinem Bevollmächtigten,
er möge mit Hilfe unserer Freunde, besonders des Kardinals Baronius,
zu erfahren versuchen, ob man eine solche Gunst von Sr. Heiligkeit
erhoffen kann. Ich selbst bitte Ew. Gnaden demütig darum, denn falls
solche Vergünstigungen nicht gewährt werden, will ich die Sache nicht
weiter verfolgen. Denn wenn sie aus Mangel an Geld keinen Erfolg hät-
te, könnten meine Mitbürger böse Vermutungen hegen und diesen Miß-
erfolg einer anderen Ursache zuschreiben. Sollte die Sache aber Erfolg
haben, werde ich nicht aufhören, zu Ihrem Wohlwollen und Ihrer Güte
Zuflucht zu nehmen, sooft ich es für angemessen halte. Ich wünsche
darin und bei jedem anderen Plan unter Ihrem geistigen Schutz zu ste-
hen.
Ich bedaure sehr, daß diese Angelegenheit am Ende Ihrer glückli-
chen und fruchtbaren Nuntiatur unternommen werden mußte, aber so
will es die göttliche Vorsehung. Ich überlasse daher ihr völlig den Erfolg
dieses wie jedes anderen Planes und bitte sie, Ew. Gnaden zum Nutzen
seiner Kirche zu erhalten ...
Am 20. August 1601 (XII,75-77) an Nuntius Tartarini:7
Da die verschiedenen Bedürfnisse dieser Diözese mir oft Gelegen-
heit geben werden, zur Autorität Ew. Gnaden Zuflucht zu nehmen,
scheint es mir, daß ich mit jener anfangen kann und muß, die sehr be-
deutend und wichtig ist.

Es folgt die im vorausgehenden Brief an Mgr. Riccardi behandelte Frage des


Interims von Genf.
Da diese Rückgabe, wenn sie stattfindet, einer der schwersten Schlä-
ge sein wird, die die Häretiker bis jetzt erhalten haben, schien es mir
notwendig, Sie über alle diese Dinge zu informieren, damit auch Sie
dieses Unternehmen mit Ihrem heiligen Eifer unterstützen und es dem
Heiligen Stuhl empfehlen. Der Bischof von Genf schrieb deshalb an den

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Kardinal Aldobrandini; ich lege diesen Brief bei, damit er durch Ihre
Verbindung mit größerer Sicherheit ankommt ...

Thonon, Anfang Oktober 1601 (XII,77-79) an den Herzog:


Nachdem der Bischof von Genf die Kirchen in dieser ganzen Ballei
errichtet hat, außer aus Mangel an Mitteln an zwei oder drei Orten,
unter anderem auch in dieser Stadt, hat er mich für einige Tage hier
gelassen, damit ich versuche, den kleinen Rest von Hugenotten aus der
Festung ihrer Hartnäckigkeit herauszulocken. Ich habe mein ganzes Herz
dafür eingesetzt und ich hoffe, daß Gott einige von ihnen gerührt hat
durch die Gründe, die er mir eingab. Ich habe aber von ihnen noch
keinen festen Entschluß herausholen können. Ich habe andere vorge-
funden, die so verstockt sind, daß sie das heilige Wort Gottes nicht
einmal anhören und keiner Beweisführung zugänglich sind, unwissende
und unbedeutende Leute. Nachdem ich getan habe, was in meiner Macht
stand, und sah, daß so viele Jesuiten und andere Prediger ihr ganzes
Können darauf verwendet haben, habe ich die Beamten Ew. Hoheit an
diesem Ort und alle, die ich treffen konnte, unter anderem den Marquis
de Lullin befragt, was von unserer Seite noch getan werden könnte.
Alle sind der gleichen Meinung, daß es kein anderes Mittel gibt, da-
mit fertig zu werden, als daß Ew. Hoheit durch ein friedfertiges Edikt
allen Ihren Untertanen befehlen, das katholische Glaubensbekenntnis
abzulegen und es mit einem Eid zu bekräftigen, uzw. im Verlauf von zwei
Monaten in die Hände derer, die dazu abgeordnet sind, – oder Ihre
Lande zu verlassen, mit der Erlaubnis, ihren Besitz zu verkaufen. Viele
werden damit die Verbannung aus dem Paradies vermeiden, um nicht
die Verbannung aus ihrer Heimat zu erleiden. Die anderen aber, sehr
gering an Zahl, sind von solcher Art, daß Ew. Hoheit durch deren Ver-
lust viel gewinnen wird, Leute, deren Gesinnung ganz verkehrt ist, die
den Hugenotten eher als einer Partei angehören denn als einer Religi-
on. Die heilige Wirkung des Ediktes wird allen echten Katholiken die
Frömmigkeit und den hohen Mut Ew. Hoheit noch bewundernswerter
erscheinen lassen, dessen Milde wird alle Gegner zwingen, Ihre Duld-
samkeit anzuerkennen, selbst nach solch sorgfältiger Belehrung dieses
Volkes, über das Sie nun herrschen, ohne an Vertrag und Bedingungen
gebunden zu sein, sondern weil Gott es Ihnen gegeben hat ...

Im Oktober 1601 (XII,80) an Baron de Lux:8


Da Sie so freundlich waren, mich von der Reise zu Ihnen zu dispen-
sieren, und meine Ansichten kennen lernen wollen, bevor Sie nach Gex

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reisen, möchte ich Ihnen ganz einfach auf dem Papier sagen, daß der
Bischof sich bereithält, das Kreuz aufzurichten und seine Geheimnisse
überall zu verkünden, wo Sie ihm Orte und die Gelegenheiten zeigen
werden. Er wartet nur darauf, daß Sie ihm den Tag angeben, an dem Sie
sich auf dem Weg treffen werden. Ich werde so viele Weisungen als
möglich einholen über die Einzelheiten, die notwendig sind für einen so
wichtigen Beginn eines Werkes, dessen Ehre ganz Gott gebührt als sei-
ner Quelle, das aber auch viel Ehre auf Sie ausgießt, dem wichtigsten
Werkzeug, dessen er sich bedienen will ...

Lyon, 10. November 1601 (XII,81-84) an Kardinal Aldobrandini:9


Der allerchristlichste König hat am 17. Oktober dem Bischof von
Genf geschrieben, er möge tüchtige Seelsorger und Pfarrer in die Ballei
von Gex senden, die vor kurzem seiner Krone untertan wurde, um dort
die Ausübung des heiligen katholischen Glaubens wiederherzustellen
nach den Bestimmungen des „Interims“, wie sie für das übrige Frank-
reich gelten. Und weil der König verlangte, daß man sich bezüglich der
Zahl genau an jene halte, die vom Baron de Lux bestimmt wurde, dem
Statthalter von Burgund, Bresse und anderen Gebieten, die vor kurzem
mit dem Königreich vereinigt wurden, deshalb kam ich hierher, um zu
erfahren, wie die Angelegenheit im einzelnen behandelt werden soll,
was bisher noch nicht entschieden wurde.
Unter anderem hat man von den Einkünften des Bischofs und des
Domkapitels von Genf gesprochen und von denen von Saint-Victor, die
von den Genfern beschlagnahmt sind, und von den Maßnahmen, die zu
ergreifen sind, um sie zurückzuerhalten. Soweit ich feststellen konnte,
möchte der König unter allen Umständen eine gute Begründung haben,
um diese Einkünfte der Stadt wegzunehmen, ohne die häretischen Kan-
tone der Schweiz und die Königin von England zu kränken, die sich sehr
für die Genfer einsetzen. Was er wünscht, ist, im Namen des Heiligen
Stuhls gedrängt zu werden, dem man ein gerechtes Ansinnen nicht ab-
schlagen könnte.
Daher erschien es mir nützlich, Ihnen vor meiner Rückreise nach
Savoyen von diesem besonderen Umstand Kenntnis zu geben, und ich
bitte Sie demütigst, sich mit dem heiligen Eifer in dieser Angelegenheit
ans Werk zu machen, den Gott Ihnen für das Wohl der heiligen Kirche
eingegeben hat. Ich halte es für sehr gut, wenn Ew. Gnaden an den
Bischof von Genf einen Brief schreiben und ihn zu seinen Bemühungen
dafür ermuntern, und gleichzeitig einen Brief an den Nuntius von Frank-

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reich, um ihn anzuweisen, darüber energisch mit Sr. Majestät zu verhan-
deln. So würde die Angelegenheit zu einem guten Erfolg geführt, zum
nicht geringen Schaden für die Genfer, die dadurch recht arm werden,
und zum nicht geringen Nutzen für die katholische Religion. Zugleich
wird dadurch allmählich auch der Weg geöffnet zu einem höheren Wohl
für die Stadt Genf selbst. Für all das haben wir nächst Gott nichts zu
erhoffen, außer von der Heiligkeit und Güte unseres Heiligen Vaters
und vom Eifer Ew. Gnaden ...

Lyon, 10. November 1601 (XII, 84-87) an Claude de Quoex:10


Wir sind jetzt in Lyon, um vom Statthalter de Lux ... zu hören, was
wir für die Wiederherstellung der katholischen Religion in der Ballei
Gex zu tun haben, nach dem Brief, den der König von Frankreich an den
Bischof geschrieben hat, von dem ich Ihnen eine Abschrift schicke. Beim
Gespräch, das ich mit ihm hatte, habe ich gefunden, daß der König und
seine Leute wohl gut eingestellt sind, um unsere Güter zurückzugeben,
d. h. die Güter unseres Kapitels, die in Gex liegen; aber er wünscht von
Sr. Heiligkeit dazu aufgefordert und gedrängt zu werden. Somit ist es
wichtig, vom Heiligen Vater zu erreichen, daß er dies kräftig betreibe, und
vom Nuntius in Frankreich, daß er diese Forderung kräftig anpacke ...
Außerdem gibt es noch einen wichtigen Punkt. Es wäre günstig, wenn
der Kardinal dem Bischof von Genf einen Brief schriebe, um ihn zu
ermuntern, die Rückgabe seiner Güter zu fordern, die in Gex liegen;
ebenso einen Brief an den Nuntius, daß er dieses Verlangen unterstüt-
ze. Sie fragen: Warum alle diese Formalitäten? Nun, ich kann nur sagen,
ich weiß keinen anderen Grund als den, daß ich eindeutig festgestellt
habe, man muß diesen Weg gehen. Ich habe erfahren, daß die hugenot-
tischen Kantone und die Königin von England sich sehr für die Genfer
einsetzen, die die Besitzer oder Usurpatoren dieser Güter sind; der
König sucht eine gerechte Begründung, um sie zurückzuweisen. Er hat
aber keinen überzeugenderen Grund als eine Intervention des Heiligen
Stuhles ...

Dem Brief ist ein Memorandum an Claude de Quoex beigefügt, um den Kardinal
über einen Einwand der Genfer und über die Antwort darauf zu informieren.
Einwand: Im Friedensvertrag ist ein Artikel, der besagt, daß jedem der beiden
Fürsten die Ländereien in gleicher Weise verbleiben, wie sie vor dem Krieg waren.
Vor dem Krieg hätten aber die Genfer die Ländereien des Bischofs und des
Kapitels unangefochten in Besitz gehabt, daher müßten sie in ihrem Besitz blei-
ben.
Antwort: Der Artikel setzt den Rat von Genf tatsächlich in den bloßen, einfa-

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chen Besitz, aber er macht diesen Besitz nicht zu einem rechtmäßigen, wenn er es
nicht schon war. Nun, vor dem Krieg war er das nicht, daher ist er es auch jetzt
nicht. Wenn er das nicht ist, darf er nicht aufrecht bleiben.
Entgegnung: Warum hat man vor dem Krieg nicht versucht, in den Besitz dieser
Güter zu kommen?
Antwort: Weil Se. Hoheit mit den Bernern einen anderen Vertrag hatte, der von
den Bernern selbst annulliert wurde. Dieser frühere Vertrag mit den Bernern
bestimmte ausdrücklich, daß die (katholische) Religion in den Balleien nicht
wiederhergestellt werden soll. Seither wurde sie aber wiederhergestellt mit Wis-
sen von Bern, das sich dem nicht widersetzt hat. Das ist ein Zeichen, daß die
Berner diesen ersten Vertrag für null und nichtig halten. Wenn er aber nicht mehr
besteht, können die Genfer sich nicht darauf berufen.

Am 21. Dezember 1601 (XII,89-94) an Nuntius Tartarini:


... Ich werde nun Ew. Gnaden Rechenschaft geben über die Fort-
schritte (der Religion) in dieser Diözese, die sehr glücklich sind, nicht
nur in Thonon und Ternier, denn das liegt schon länger zurück, sondern
auch neuerdings in den Balleien von Gex und Gaillard, die sich bis vor
die Tore von Genf erstrecken. In der zweiten dieser Balleien weihte der
Bischof von Genf in der vergangenen Woche zwei Kirchen wieder ein für
einige tausend Seelen, die seit Pfingsten zum Glauben zurückgeführt
wurden ... In der ersten Ballei, die dem König von Frankreich untertan
ist, wurden drei Pfarreien errichtet und nun drei unserer Domherren
für das heilige Predigtamt eingesetzt. Ihr Wirken dort ist sehr fruchtbar,
denn es fanden sich dort viele frühere Katholiken, deren Glaube verbor-
gen und zugedeckt war, wie Feuer unter der Asche des hugenottischen
Kultes, der dort seit 70 Jahren allein ausgeübt wurde. Dieser Glaube
wurde jetzt wieder lebendig unter dem Wehen des göttlichen Wortes. Sie
legen Zeugnis für die Wahrheit ab; andere sind daran zu konvertieren,
andere bereiten sich darauf vor.
Es bleibt nur noch übrig, daß nicht nur in drei Pfarreien, sondern in
allen, 26 an der Zahl, die Ausübung des Kultes wiederhergestellt werde
und daß die kirchlichen Einkünfte den häretischen Prädikanten und den
Genfern weggenommen werden. Wenn das Volk gezwungen sein wird,
den Prädikanten Unterhalt auf eigene Kosten zu geben, wird es dessen
nämlich bald müde sein, um so mehr, als es gute Priester sehen wird, die
ihm heilsame Nahrung spenden, ohne Geld zu fordern. Der Bischof von
Genf hat den Heiligen Stuhl gebeten, in dieser Angelegenheit mit dem
König von Frankreich „heiß“ zu verhandeln. Weil der hochwürdigste
Nuntius von Frankreich schreibt, daß er dazu den Auftrag des Heiligen
Vaters erhalten habe, daß ihm aber einer von uns eine genauere Kennt-

67
nis unserer Gründe geben sollte, hoffe ich, am dritten Weihnachtstag
nach Paris zu reisen, um diese Aufgabe zu erfüllen. Ich nehme mir aber
vor, so schnell wie möglich nach Thonon zurückzukehren für das heilige
Jubiläum, besonders wenn wir uns der Anwesenheit Ew. Gnaden erfreu-
en, wie man sagt, die jedenfalls sehr nützlich und fruchtbar sein wird.
Um nun auf die Punkte zu antworten, die Ew. Gnaden berühren,
möchte ich sagen, daß durch das Haus von Thonon die allerseligste
Jungfrau, der es geweiht ist, das giftige Haupt der Schlange zertreten
und vernichten wird, die in Genf und Lausanne Zuflucht gesucht hat,
daß die Religion im Wallis wiederhergestellt wird und die Finsternis der
Berner und anderer Schweizer Kantone erleuchtet wird. Mit einem Wort,
dieser Plan kann allen diesen Gebieten unsagbare Werte bringen. Es
wird ein Berg sein, hochragend, eine Festung, ein Zufluchtsort, damit
ungezählte Seelen gerettet werden ... Heute ist das Haus von Thonon in
einem armseligen Zustand; es macht den Eindruck eines Hauses, das
soeben von Soldaten geräumt wurde.
Ein derart schöner Plan kann vereitelt werden durch kriegerische
Einfälle der Genfer und Berner, wenn sie das tun wollen, aber auch
durch die Armut des Landes. Dem könnte man abhelfen durch folgende
Mittel: Der Heilige Stuhl sollte die Niederlassung von Thonon unter
seinen besonderen Schutz stellen und dafür die Mitwirkung der katholi-
schen Fürsten in Anspruch nehmen. Ferner möge Se. Hoheit, der Her-
zog, diese Stadt mit einer Mauer umgeben, was nach der Meinung von
Fachleuten in kurzer Zeit geschehen kann. Man sollte dafür sehr freige-
big sein und großzügig die Einkünfte einer guten Anzahl von unnützen
Abteien und Pfründen verwenden ... Vor allem aber ist es notwendig,
daß man bald die Hand ans Werk lege, denn gute Absichten allein die-
nen wenig. Wenn dies nicht auf einmal durchgeführt werden kann, so
möge man es doch nach und nach machen, indem man mit den notwen-
digsten Teilen beginnt, wie dem Kolleg, dem Seminar usw. ...

Am 3. Januar 1602 (XII,98-101) an Claude de Quoex:


... Ich bin hier zu Meximieux bei Präsident Favre. Wir reisen beide
heute nach Dijon, er für einen wichtigen Prozeß, ich, um dort den Mar-
schall Biron und den Baron de Lux zu treffen, von denen ich eine beim
König wirksame Empfehlung wünsche. Von Dijon aus mache ich mich
dann auf den Weg für unsere Angelegenheit von Gex, deren Stand fol-
gender ist:

68
Der Herr Baron de Lux hat anfangs des vergangenen Monats den
Bischof im Namen des Königs in der Ballei Gex eingeführt, ihm drei
Pfarreien und deren Einkünfte gegeben ... Mit diesem Wenigen sind wir
aber nicht zufrieden; denn wir verlangen alles, sowohl für die Ausübung
des Kultes, das ist das erste, als auch die Güter, nicht nur, weil uns das
nützlich ist, sondern auch, weil es der hugenottischen Religion schadet;
denn wenn sie auf das Volk angewiesen ist, wird sie ohne jeden Zweifel
eingehen. Diesen Inhalt hatte unser Ansuchen. Daraufhin hat Herr de
Lux uns an den König und seinen Rat verwiesen. Ich reise deshalb dort-
hin, auf so viele Gründe gestützt, daß wir siegen werden, wenn wir Hilfe
finden.
Nun, dank Gottes und Ihrer Hilfe will uns der Papst unterstützen,
denn das ist absolut notwendig. Es gilt zu drängen, ob gelegen oder
ungelegen. Der Nuntius von Frankreich schreibt dem Bischof, daß er
beauftragt ist, uns zu helfen, daß er schon damit begonnen hat und den
König geneigt findet; man muß ihn nur sehr drängen und aufklären.
Deshalb gehe ich dorthin; um nichts zu versäumen, sehe ich aber, daß
das Entscheidende in dieser Sache eine dringende Empfehlung des Hei-
ligen Stuhles ist. Diese wäre äußerst wirksam, wenn Se. Heiligkeit dar-
über mit Kardinal d’Ossat sprechen und ihn auffordern würde, dem
König davon in einer Weise zu schreiben, die ihn günstig beeinflußt.
Denn es gibt in Rom keine Empfehlung, welcher der König so zugäng-
lich ist wie dieser.
In zehn bis zwölf Tagen hoffe ich in Paris zu sein. Schicken Sie mir die
Briefe dorthin in den Paketen von Madame;11 so werden sie nicht verlo-
rengehen ... Was die Ernennung zum Koadjutor betrifft, danke ich Ih-
nen für die Mühen, die Sie damit haben. Wir werden ja sehen, was dar-
aus wird. Wohin auch immer die Barke segelt, wird der Hafen mir recht
sein ...
Wir haben in Gex die Domherren de Sales, Grandis und Bochut
zurückgelassen. Wir sind dem Herrn de Lux ungemein dankbar für den
frommen und religiösen Sinn, den er in der ganzen Verhandlung offen-
barte. Herr Lesdiguières war an dem Tag, als wir in Gex waren, ebenfalls
dort. Die Prädikanten baten ihn um seinen Beistand; er sagte ihnen, es
ließe sich nichts machen, da der König es so wollte. Sie sollten aber,
soweit sie könnten, die Güter der Kirche behalten, das würde ihre Reli-
gion aufrechterhalten trotz unserer Ausübung ...

69
C. Briefe aus PParis
aris (1602)

Am 22. Januar 1602 trifft Franz von Sales mit seiner Begleitung in Paris ein, um
mit dem König über die Rückgabe der kirchlichen Güter zu verhandeln. Aus den
Briefen, die er an seinen Bischof und an andere Persönlichkeiten schreibt, ist der
Mißerfolg dieser Mission zu ersehen.

Paris, 8. Februar 1602 (XII,101f) an Bischof Granier:


Nachdem der Hof in die Stadt zurückgekehrt ist, hat sich der Nunti-
us die Mühe genommen, zu Herrn de Villeroy12 zu gehen, an den uns Se.
Majestät für die Verhandlungen gewiesen hatte. Mit ihm mußte ich schon
schwer für unsere Forderungen kämpfen. Nichtsdestoweniger übergab
ich ihm schließlich mein wichtigstes Ansuchen. Er erklärte mir, der Rat
werde uns Recht und Gerechtigkeit zuteil werden lassen, wir sollten
daran nicht zweifeln. Unter diesen Umständen kann ich mit Gottes Hilfe
nicht anders als mit einem guten Bescheid zurückkommen. Ich bin dabei,
gewisse Mutmaßungen aufzuspüren, die mich recht gute Hoffnung
schöpfen lassen. Es gibt dabei wohl etwas Mühe und Ärger und es braucht
etwas mehr Zeit, als ich dachte. Ich werde diese trotzdem abkürzen,
soviel ich kann, um der Ehre willen, bald bei Ihnen zu sein. Ich bedaure,
daß die Auslagen so hoch sind, daß wir jetzt schon ohne Geld sind; dies
aber nicht aus Mangel an Sparsamkeit oder an Sorgfalt, sondern weil
alles sehr teuer ist. Wenn sich die Mühe nur lohnt, wird alles erträglich
gefunden, wenn es auch etwas kostet.
Wir haben einen guten Nuntius voll guten Willens, der sich mutig für
unsere Sache einsetzt. Ich schicke Ihnen den Brief, den er Ihnen über
den Gegenstand meiner Verhandlungen schreibt. Um besser zu erfah-
ren, was er davon erhofft, habe ich mir erlaubt, ihn zu öffnen, mit dem
gewohnten Vertrauen auf Ihre Güte und auf Ihr sicheres Wissen um die
Aufrichtigkeit meiner Gesinnung in Ihrem Dienste ...

70
Paris, 9. März 1602 (XII,103-106) an Claude de Quoex:
... Was die Angelegenheit betrifft, deretwegen ich hier bin, möchte
ich Ihnen nur kurz sagen, daß ich nie so sehr hingehalten und vertröstet
wurde wie hier beim Rat, wo ich jedermann versichern höre, daß mein
Ansuchen äußerst gerecht ist, aber im übrigen geht alles auf Rücksicht-
nahmen und Verzögerungen hinaus, die meiner Ansicht nach schlecht
begründet sind. Gott will mich einüben. Unterdessen bitte ich Sie, sich
darum anzunehmen, daß Kardinal d’Ossat über die Sache schreibe; ich
brauche sehr notwendig alle meine Unterlagen. Falls ich jetzt nichts un-
ternehme, wird die Pforte dieser Hoffnung auf lange Zeit geschlossen
sein; das macht mich so hartnäckig und zudringlich.
Im übrigen habe ich nach Hause geschrieben, daß man 200 Ecus
schicke, um die Ernennung zum Koadjutor zum Abschluß zu bringen, da
ich ja hier keine Order erteilen kann. Ich denke, daß meine gute Mutter
dafür sorgen wird, soviel ich weiß. Nachdem die Sache so weit gediehen
ist und so viele Gunstbezeugungen gegeben wurden, wäre ein Zurück-
weichen schändlich. Ich danke Ihnen sehr für Ihre Mühen, die Sie dabei
hatten, und bitte Sie, die Angelegenheit aufrecht zu halten, damit nichts
unserem Ruf schade ...
In Erwartung des Ausgangs meiner Angelegenheit war ich aus Höf-
lichkeit gehalten, dreimal in der Woche in der Kapelle der Königin vor
den Prinzessinnen und dem Hof zu predigen; ich konnte ihre Bitte und
Aufforderung nicht abschlagen. Das geschah aber, ohne unser Verfah-
ren zu verzögern, das ich nur langsam voranbringen kann, entsprechend
der Einstellung jener, die die Sache in der Hand haben und denen ich
mich anpassen muß ...

Paris, 26. März 1602 (XII,107) an Bischof Granier:


Die Angelegenheit, deretwegen ich hier bin, ist so schwieriger Natur
und nimmt einen so sonderbaren Fortgang, daß ich nicht wage, Ihnen
etwas zu versprechen, außer daß ich weiterhin alle Sorge und Liebe auf
sie verwenden werde, die Sie wünschen, um sie zu einem guten Ende zu
führen. Ich hoffe dies bald erreichen zu können, wenn auch nicht mit
allen guten Bedingungen, die die Guten wünschen, so doch wenigstens
mit einigem Vorteil, der uns Grund sein kann, Besseres zu erhoffen.
Wenn dies geschehen ist, werde ich sofort abreisen, um zu Ihnen zu
kommen, mich Ihrer Gegenwart zu erfreuen, was mir doch nicht so bald
zuteil werden wird, wie ich es wünsche ... Der hochwürdigste Nuntius

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grüßt Sie recht liebevoll; er widmet sich mit Eifer der Angelegenheit, die
Sie mir anvertraut haben.

Fontainebleau, 10. April 1602 (XII,108f) an Bischof Granier:


Ich bin hierher nach Fontainebleau gekommen zur Abreise des Herrn
de Mallians, der mir in Aussicht stellt, daß er bald nach seiner Ankunft
in Belley nach Necy kommen wird. Wenn dem so ist, wird er Ihnen besser
als irgend jemand über den Erfolg und den Weg berichten, den unsere
Angelegenheit an diesem Hof eingeschlagen hat. Wenn dies nicht zu-
trifft, dann schreibe ich eine Probe davon an den Herrn Generalvikar,
meinen Bruder, damit er Ihnen darüber Bericht erstatte. Ich fürchte
sehr, daß ich zurückkommen werde ohne anderen Erfolg als die Hoff-
nung. Mein Gewissen bezeugt mir trotzdem, daß ich alles getan habe,
was ich konnte, und ich meine, wenn die Ernte nicht gleich auf die erste
Arbeit folgt und auf die Aussaat, die ich mit dieser Reise gemacht habe,
so wird sie in einigen Monaten doch einmal daraus gewonnen werden.
Schließlich müssen wir die Wirkungen annehmen, die Gottes Vorse-
hung bestimmt, wenn wir unsere Pflicht erfüllt und getan haben, was an
uns liegt.
Ich werde nicht nachlassen, bis ich den endgültigen Entschluß zu
meiner Rückreise fasse, nach der ich mich sehne wegen der Ehre, bei
Ihnen zu sein und Ihre Weisungen zu empfangen ...

Paris, 18. April 1602 (XII,109f) an Bischof Granier:


Eben komme ich von Fontainebleau zurück. Wäre ich dort nicht zur
rechten Zeit erschienen, so wären meine Verhandlungen zunichte ge-
worden. Ich habe immerhin so viel erreicht, daß ich wieder einige gute
Hoffnung gefaßt habe. In zwei oder drei Tagen werde ich den endgülti-
gen Bescheid erhalten. Er wird nun wohl nicht so sein, daß er ganz
befriedigt, wie wir es wünschen; man muß aber aus dem Feuer herausho-
len, was man davon retten kann. Es wird nach den Aussagen von Fach-
leuten immerhin viel sein.
Am Tage Quasimodo hieß mich der König vor ihm predigen und
zeigte sich darüber befriedigt. Ich werde bemüht sein, mich sobald als
möglich frei zu machen, aber der Gang der Verhandlungen an diesem
Hof ist sehr schwierig; wenn man denkt, befreit zu sein, ist man ganz
verwickelt. Mme. de Mercoeur hat mich einladen lassen, in fünf oder
sechs Tagen die Trauerrede für ihren Gemahl zu halten, was ich weder
verweigern kann noch darf ...

72
Paris, Mai 1602 (XII,111-113) an die Herzogin von Mercoeur:
Madame, Ihr erster Wunsch galt meinem Willen als Befehl, als Sie
Ihre Augen auf mich geringen Menschen geworfen hatten, um die Trau-
errede für Ihren verstorbenen Gemahl, den Herzog von Mercoeur, zu
halten. Mit der gleichen Hochachtung muß ich auch Ihren zweiten
Wunsch erfüllen und zulassen, Madame, daß die Rede gedruckt und der
Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde, da es Ihnen so gefällt.
Sie werden darin von mir nichts finden als das einfache Zeugnis
meines guten Willens und einzig das Zeichen meines Gehorsams, zu
dem ich nicht weniger Neigung hatte, als ich darin eine Pflicht sah. Das
Bedeutendste daran ist die getreue Zusammenfassung der seltenen und
hervorragenden Tugenden, mit denen Gott die Seele des Fürsten ge-
schmückt und seine reiche Natur ausgestattet hat ...
Es ist gewiß erlaubt, daß man auch Linderung bei anderen suche,
und Sie haben eine solche, uzw. eine sehr große, im kostbaren Unter-
pfand, das Ihnen dieser große Fürst aus Ihrer Ehe hinterlassen hat; ich
meine Mademoiselle de Mercoeur, die ein lebendiges Abbild ihres Va-
ters und die echte Erbin seiner Tugenden ist. Er hat die Sorge für sie
Ihrer Führung überlassen, Madame, um sie durch eine edle und christ-
liche Erziehung zu pflegen, die Sie ihr angedeihen lassen. Wenn sie ein
Andenken an die Tugenden des großen Fürsten wünscht, den Gott ihr
zum Vater gegeben, dann bitte ich sie mit Ihrer gütigen Erlaubnis, die
kurze Zusammenfassung annehmen zu wollen, die ich in dieser Schrift
versucht habe. Ich bitte Sie, da Sie ja ihr Erscheinen wünschen, daß die
Schrift mit der Widmung an den Namen der Prinzessin, Ihrer einzigen
und geliebten Tochter, erscheine ...

Paris, 21. Mai 1602 (XII,113-116) an Claude de Quoex:


Ich habe Ihren Brief vom 17. April erhalten und als Antwort möchte
ich Ihnen sagen, daß wir bei Madame unternehmen, soviel wir können,
damit Sie die Freude der Rückkehr haben, nach der Sie sich sehnen. Ich
kann freilich kaum etwas machen, aber ich trage dazu bei und werde es
auch in Zukunft tun. Ich sehe Madame wohl geneigt, aber die Ausfüh-
rung der Pläne geht etwas langsam und zögernd vor sich, darin wie in
allem. Ich hoffe, daß Sie befriedigt sein werden.

Es folgen Nachrichten und einige Zeilen, um seine beiden Freunde, Quoex und
Favre, miteinander zu versöhnen.
Was meine Angelegenheit betrifft, so bitte ich Sie, sich ihrer anzu-
nehmen. Meine beiden Brüder schreiben mir, daß sie auf zwei verschie-

73
denen Wegen den Auftrag erteilt haben, Ihnen die 200 Ecus für die
Dokumente etc. zukommen zu lassen. Ich zweifle nicht daran, daß Sie
diese erhalten haben. Ich warte noch darauf, daß Sie mir mitteilen, wel-
che Dankschreiben ich schicken soll ... Unterdessen werde ich hier als
Bischof behandelt, obwohl ich es nicht bin. Ich muß das ertragen, wo
immer ich auch bin und was ich auch mache, auch bei meinen Verhand-
lungen; und diese angebliche Eigenschaft hilft mir viel, obwohl es mir
mißfällt, damit vor der Zeit bedient zu werden; es ist das geringere Übel.
Übrigens fürchte ich sehr, daß meine Verhandlungen nicht viel Erfolg
haben, trotz aller Gunstbezeugungen von fast allen Großen und selbst
vom König, seit ich vor Sr. Majestät gepredigt habe; denn vorher hatte
ich ihn nicht gesprochen ...
Man spricht hier über Unruhen in der Gegend von Bresse, aber nicht
mit Sicherheit. Wenn es wahr wäre, dann wären meine Verhandlungen
zerschlagen und viele andere gute Dinge für unseren Glauben, denn die
Häresie nährt sich von Unruhen ...

Die Briefe an Herrn Soulfour vom 15. Juni 1602 (XII,116-119) und an Herrn de
Chemin vom 24. September 1602 (XII,120-122) sind Freundschaftsbriefe; der
Brief an eine unbekannte Dame vom Sommer 1602 ist eine Empfehlung. So ist
von Ende Mai bis Oktober 1602 kein wichtiger Brief des Heiligen überliefert.
Der Brief vom 24. September ist bereits auf der Heimreise geschrieben. Am 17.
September 1602 starb Bischof Granier; die Nachricht von seinem Tod erreicht
Franz von Sales in Lyon.

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D. Vor der Bischofsweihe (1602)
Vor

Thorens, 14. Oktober 1602 (XII,123) an den Herzog:


Über meine Reise nach Frankreich hatte ich Ew. Hoheit benachrich-
tigt, ebenso über den Zweck meiner Reise, für den ich fast erfolglos
mehrere Monate aufgewendet habe. Ich bin jetzt wieder zurückgekehrt
und glaube, es Ihnen melden zu sollen, damit Sie wissen, wo Ihre Wei-
sungen mich erreichen, wenn es Ihnen gefallen wird, mich damit zu be-
ehren. Dazu fühle ich mich immer mehr verpflichtet, da ich nun durch
das Hinscheiden des guten und heiligen Prälaten, dessen Frömmigkeit
Ew. Hoheit so sehr geschätzt hat, das Amt des Bischofs übernehmen
soll. Da es der Wille des Heiligen Stuhles und Ew. Hoheit war, mich dazu
zu berufen, hoffe ich, in seiner Nachfolge inmitten unendlich vieler Auf-
gaben und Mühen, die sich einstellen werden, doch unter der Gunst und
dem Schutz Ew. Hoheit glücklich zu leben, für deren Wohl ich mein
Leben lang beten werde.

Sales, 21. Oktober 1602 (XII,124) an Claude Marin:


... Sie können nicht ermessen, wie traurig die Nachricht für mich war,
als ich in Lyon vom Hinscheiden des Bischofs, meines guten Vaters,
erfuhr.
Es möge das geschehen, was Gottes Vorsehung will. Ich bleibe stets
der Gleiche wie früher. Ich verlange nicht danach, Bischof zu werden,
wie ich früher nicht danach gestrebt habe. Wenn es mich trifft, muß ich
es wohl tragen; wenn nicht, wird es mir um so wohler sein ...

Sales, 21. Oktober 1602 (XII,124-127) an Claude de Blonay:


Ich schreibe Ihnen jetzt nicht, um Ihnen Rechenschaft zu geben über
das, was ich auf meiner Reise erreicht und was ich nicht erreicht habe;
das wird Gegenstand unserer Unterhaltung sein, wenn wir uns wieder-
sehen. Ich schreibe Ihnen vielmehr, um Sie zu bitten, unserem ganzen

75
Hause und mir im besonderen in einer Angelegenheit zu helfen, die wir
für wichtig halten.

Ich denke, Sie wissen, daß meine Mutter und meine Brüder die Lie-
genschaft von Thorens von der Herzogin von Mercoeur um den Preis
von 6.000 Gold-Ecus gekauft haben. Ich denke, Sie wissen auch, daß wir
das nicht konnten im Vertrauen auf irgendeinen Schatz, den wir in der
Hand hätten. Trotzdem haben meine Mutter und ihre Freunde erreicht,
daß die erste Rate von 6.000 Francs flüssig gemacht wurde. Es bleiben
noch 4.000 Ecus, die wir nur aufbringen können durch die Eintreibung
von Geld, das man uns schuldet, und durch den Verkauf von anderen
Gütern sowie durch Verpflichtungen, die wir eingehen. Das alles erfor-
dert aber Zeit, wie Sie sich wohl denken können.

Das hat uns veranlaßt, an ein anderes Vorgehen zu denken, nämlich


eine beträchtliche Anleihe aufzunehmen, um nachher in aller Ruhe ver-
kaufen und unsere Pläne verwirklichen zu können. Wir haben dabei an
Herrn Prangin gedacht. Man schätzt ihn als guten Arzt für solche Gele-
genheiten, da er auch die nötigen Drogen besitzt, vorausgesetzt, sein
Geld ist gut gesichert. Falls er es wünscht, werden wir es gut zu sichern
versuchen. Wenigstens für 1.000 Ecus denken wir, wird uns Herr Muneri
Kaution geben, um so mehr, als er uns diese Summe oder ungefähr so
viel noch schuldet aus dem Nachlaß des Barons d’Hermance, dessen
Kurator er ist. Für das übrige werden wir uns bemühen, eine gute und
vernünftige Kaution zu finden und die Zinsen pünktlich zu zahlen.

Jetzt bleibt noch, daß uns jemand den Gefallen erweist und die Mühe
auf sich nimmt, zu sondieren, ob Herr de Prangin daran denken will,
oder wenn nicht, ob jemand anderer im Wallis oder anderswo in dieser
Gegend zu finden wäre, der dazu bereit ist. Die alte Freundschaft, die
Sie uns und diesem ganzen Haus so freundlich erwiesen, hat uns ermu-
tigt, Sie um diese Gefälligkeit zu bitten, wie immer es nur möglich ist,
entweder durch Ihre Vermittlung bei Freunden oder durch Sie selbst, so
wie Sie es für richtig halten. Wir bitten Sie demütig, uns Antwort zu
geben, sobald es Ihnen Ihre Zeit erlaubt.

Falls Herr de Prangin Ihnen der Geeignetste zu sein scheint, können


Sie, wenn es Ihnen recht ist, von mir sprechen und von meiner Erhebung
zur bischöflichen Würde, obwohl das in Wahrheit nichts einbringt. Ich
sage das aber nur, weil er mich liebt und mich kennt und weil dieser
Hinweis nützlich sein kann. Schließlich überlasse ich die ganze Angele-
genheit Ihrer Klugheit und Ihrer ganz aufrichtigen Freundschaft, die
Sie uns schenken. Ich möchte darüber nichts mehr sagen, als daß die

76
Summe, die wir erwarten, 3.000 oder 2.000, wenigstens aber 1.000 Ecus
ist.
Ich erwarte jeden Tag die erforderlichen Depeschen aus Rom in der
Angelegenheit des Bischofsamtes. Sobald ich sie habe, werde ich es Ih-
nen mitteilen und werde dann mit Ihnen nur von geistlichen Dingen
sprechen; inzwischen erwarte ich aber von Ihnen Nachrichten über diese
zeitlichen Dinge, die ich Sie in die Hand zu nehmen bitte für dieses
Haus, das Ihnen ganz ergeben und zu Diensten ist, und für mich im
besonderen, der immerdar und sein ganzes Leben sein wird Ihr demütig
ergebener Bruder und Diener,
Franz von Sales, ernannter Bischof von Genf.

Sales, Ende Oktober 1602 (XII,127-130) an Papst Clemens VIII.:


Zu Beginn dieses Jahres habe ich mich an den Hof des allerchrist-
lichsten Königs von Frankreich begeben, um im Namen des Bischofs, des
Kapitels und des Klerus von Genf die Wiederherstellung des katholi-
schen Glaubens in der Stadt und im ganzen Gebiet von Gex zu errei-
chen, ein überaus frommes und gerechtes Unterfangen. Ew. Heiligkeit
hat es ebenfalls nicht an Bemühungen und apostolischer Fürsorge feh-
len lassen, um diesen Erfolg zu erzielen. Der Bischof von Camerino, Ihr
Nuntius, eine Persönlichkeit voll Eifer und von seltener Klugheit, hat
sich ebenfalls sehr aktiv dafür verwendet. Dieser Prälat hatte über den
Gegenstand häufige und ernsthafte Besprechungen mit dem König selbst
und mit seinen engsten Ratgebern. Es schien also, daß nichts die Hoff-
nung auf den ersehnten Erfolg zunichte machen könnte. Aber, o Unge-
rechtigkeit unserer Zeiten! Nach so vielen Verhandlungen in dieser hei-
ligen Sache haben wir kaum mehr erreicht als die Freiheit, die heiligen
Geheimnisse in drei Ortschaften zu feiern, und ein jährliches Einkom-
men für unsere Priester dort. Was das übrige betrifft, hat uns der König
die Härte der Zeiten vorgehalten. „Ich wünschte mehr als irgendeiner“,
sagte er, „die ganze Wiederherstellung der katholischen Religion“, aber
es sei auch ihm nicht alles gestattet, was er möchte, und ähnliche Re-
densarten. So war ich gezwungen, nach vollen neun Monaten zurückzu-
kehren, und habe kaum etwas erreicht.
Ich befand mich auf der Rückreise, als mich die überaus traurige
Nachricht erreichte, daß unser Bischof von Genf mit dem Ende des Ju-
biläums von Thonon sein Leben beschloß. Diese Provinz konnte keinen
größeren Verlust erleiden und ihre Bevölkerung keine größere Ursache
zur Trauer haben. Von diesem Bischof, der Ihrer Wachsamkeit, höchster
Pontifex, wohl bekannt war, möchte ich nur eines sagen: Während 25

77
Jahren mit der Leitung dieser Kirche betraut, hat er sie durch seine
ständige Gegenwart gestärkt. Durch sein Wirken und das seiner Mitbrü-
der hat er 25.000 verirrte Schäflein zurückgeführt. Als Mann des über-
kommenen Glaubens, ehrwürdiger Sitten, überlieferter Frömmigkeit und
althergebrachter Beharrlichkeit, ist er gewiß würdig der Unsterblichkeit
und sein Andenken sei von allen gesegnet.
Heiliger Vater, nun hat dieser große Mann kurz vor seinem Tod mich
als seinen Koadjutor und Nachfolger erbeten, obwohl ich durch kein
Band des Blutes und der Verwandtschaft mit ihm verbunden bin, und er
hat zu seiner großen Freude von der unaussprechlichen Güte Ew. Hei-
ligkeit beides erlangt. Ich habe folglich die apostolischen Schreiben des
Heiligen Stuhles erhalten, die mich zum Nachfolger des verstorbenen
Bischofs ernennen ...
Es bleibt mir nur noch übrig, mich der göttlichen Vorsehung zu über-
lassen und ihr mit vollkommener Hingabe meine Person und alle Dinge
anzuvertrauen. Ihnen, sehr heiliger und gütiger Vater, sage ich meinen
innigsten Dank für die unermeßlichen Wohltaten, mit denen mich Ihre
apostolische Freigebigkeit überhäuft hat. Sie hat mir durch die Großzü-
gigkeit, würdig Ihrer höchsten Stellung, die Gebühren erlassen, die ich
bei dieser Gelegenheit nach dem Herkommen hätte auslegen müssen.
Für eine solche Wohltat kann ich meine Dankbarkeit nicht anders
beweisen als durch meinen dankbar hingegebenen Willen. Ich unterwer-
fe ihn ganz und beständig den Weisungen und dem Wohlgefallen Ew.
Heiligkeit und bitte von ganzem Herzen Gott, den großen Belohner, Sie
noch lange in bester und unversehrter Gesundheit zum Segen der heili-
gen Kirche zu erhalten. Ich bitte, demütig hingeworfen zu Füßen Ew.
Heiligkeit, um Ihren apostolischen Segen, damit die Bischofsweihe, die
ich unverzüglich empfangen werde, mir und meiner Herde Gnaden und
Tröstung verleihe.

Thonon, anfangs November 1602 (XII,131-134) an Papst Clemens VIII.:


Während meines Aufenthalts in Paris, wo ich über die Angelegenheit
verhandelte, über deren Ergebnis ich Ew. Heiligkeit berichtet habe, mußte
ich viele Predigten vor dem Volk und selbst vor dem König und den
Prinzen halten. Bei dieser Gelegenheit trat Mme. Catherine d’Orléans,
Prinzessin von Longueville,13 mit einer Bitte an mich heran. Die Prinzes-
sin, ausgezeichnet nicht nur durch ihren hohen Adel, sondern auch, und
das ist das Wichtigste, durch ihre Liebe zu Christus, hat die Absicht, in
Paris ein Kloster der reformierten Karmelitinnen zu gründen. Sie hielt

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es für gut, mich einzuladen, gemeinsam mit einigen frommen und ge-
lehrten Theologen diesen Plan zu beraten. Wir versammelten uns zu
diesem Zweck mehrmals, und nach reiflicher Prüfung dieses Planes fan-
den wir, daß er von Gott eingegeben war und daß er zu seiner größeren
Ehre und zum Heil vieler Seelen beitragen werde.
Etwas aber beunruhigte uns. Es schien unmöglich, jetzt in Frankreich
die Brüder dieses Ordens einzuführen, um dieses Kloster zu leiten. Nach-
dem wir aber überlegt hatten, daß vor kurzem in Rom ein Kloster der
Karmelitinnen gegründet wurde, das man einem Oratorianer anvertraute,
war die Schwierigkeit beseitigt. Man hat also drei Männer gewählt, die
gelehrt, von reinen Sitten, in allem bewandert, geeignet scheinen für die
Leitung dieses Werkes zum Besten des Klosters ...
Es bleibt uns jetzt nur noch zu wünschen, daß der heilige Apostoli-
sche Stuhl dieses Unternehmen billige und dessen Ausführung dem Wil-
len des Königs anvertraue, der gegen alle Erwartung sogleich seine Zu-
stimmung erteilte. Daher wird nun dieser Bote zu Ew. Heiligkeit ge-
sandt, um Sie zu bitten, Ihre apostolischen Bullen zu gewähren, um die
Errichtung und Festigung dieses Werkes zu sichern.
Was mich betrifft, Heiliger Vater, der fast allen Konferenzen über
diesen Gegenstand beigewohnt hat, so habe ich mich verpflichtet, Ihnen
zu erklären, was ich darüber denke, obwohl mein Zeugnis nicht wert ist,
angehört zu werden. Ich kann nicht umhin, Ihnen zu versichern, daß es
der Religion sehr nützlich sein wird, wenn Ew. Heiligkeit mit Ihrem apo-
stolischen Segen diese göttliche Eingebung fördert, in Anbetracht der
Zeit und besonders des Ortes, wo sie verwirklicht werden soll. Diese
Gnade erbitten die fürstliche Dame, eine große Anzahl anderer Chris-
ten und ich mit ihnen, demütig und untertänig.
Möge der gütigste und mächtigste Gott Ew. Heiligkeit noch viele
Jahre uns und allen gutgesinnten Menschen erhalten.

Thonon, 11. November 1602 (XII,134f) an die Stadträte von Annecy:


Ich möchte in mir ebensoviel Grund zur Freude haben, wie Sie in
meiner Erhebung zum Bischof und, wie ich sehe, in der Freundschaft,
die Sie mir schenken. Ich habe nun weniger Furcht vor der Schwere der
Aufgabe, der ich von jetzt an verpflichtet bin. Ich vertraue auf die Güte
Gottes, daß sie mir die Gnade ihres heiligen Beistands gebe, damit ich
Ihnen die Dienste zu leisten vermag, wie ich es wünsche und wozu Ab-
stammung und Erziehung mich einladen. Wenn Sie so freundlich sind,
Gott mit mir darum zu bitten, dann haben Sie um so mehr Grund, es für

79
sich zu erwarten, und ich, es zu erhoffen als eine der größten Freuden,
die ich mir gewünscht habe.
Erlauben Sie mir, daß ich Sie einstweilen von hier aus grüße, in der
Erwartung, daß ich bald die Freude haben werde, in Ihrer Stadt zu wei-
len, der ich jeden himmlischen Segen wünsche ...

Sales, 22. November 1602 (XII,136-152) an die Ordensfrauen des Klosters der
Filles-Dieu in Paris: der erste uns bekannte Brief über die Reform eines Klosters,
geschrieben auf Schloß Sales während der Vorbereitung auf die Bischofsweihe.
Der umfangreiche Brief ist veröffentlicht in Band 7 dieser Ausgabe,
S. 181-190 (im Folgenden zitiert: DA 7,181-190).

Sales, anfangs Dezember 1602 (XII,152f) an Janus de la Faverge:14


... Wir versprechen uns, so Gott will, in einigen Tagen die Ehre Ihrer
Anwesenheit wie auch die meiner Tante, meiner Schwester und Patin,
für die ich zu ihrer Ankunft den feierlichen Kuß reserviere, wenn sie
mich dessen noch für würdig erachtet. Wenn es Ihnen so recht ist, wird
das am Samstag sein, da ich Ihr freundliches Angebot angenommen
habe, den Herrn Erzbischof von Vienne auf seiner Durchreise bei Ihnen
zu beherbergen. Ich glaubte, Ihr Angebot nicht ablehnen zu dürfen, denn
wenn es Ihnen auch einige Unbequemlichkeiten bereitet, so wird er um
so besser und wärmer empfangen, und Sie sind schon so daran gewöhnt,
von uns belästigt zu werden, daß es Ihnen kaum mehr Mühe bereitet.
Als Gegenleistung werde ich mein ganzes Leben lang zu Gott für
Euch um ein langes Leben, Gesundheit und Wohlergehen beten ...

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Die innere Entwicklung: Rom und das Haus Acarie

War bisher die geistige Entwicklung des hl. Franz von Sales geprägt von humani-
stischen Einflüssen, war sein Horizont geweitet durch die Studien in Paris und
Padua, von der Auseinandersetzung mit der Häresie und damit vom Reformideal
inmitten des gläubigen Volkes, so kommen jetzt in Rom und Paris neue Eindrük-
ke zur Geltung.
In Rom ist es der päpstliche Hof, der Papst und die Geistesgrößen wie Baronius
und Bellarmin, deren Schriften er eingehend studieren wird. Eine andere Begeg-
nung in Rom, die ihn seelisch beeinflußt, ist die mit Philipp Neri, der wohl schon
1595 gestorben ist, dessen Geist aber weiterlebte im Oratorium, mit dem sich
Franz von Sales bald befreundet. Noch ein anderes Heiligtum zieht ihn an: das
Kloster der hl. Franziska Romana, deren Leben und Klosterregel ihn bei der
Gründung der Heimsuchung inspirieren werden.
Paris ist nicht mehr die turbulente, durch Bürgerkriege zerrissene Stadt, wie sie
es in seinen ersten Studienjahren war. Heinrich IV. hat durch weise Mäßigung die
Ruhe wiederhergestellt. Und die Frömmigkeit blüht auf. Um Barbe Acarie, die
begnadete Hausfrau und Erzieherin ihrer Kinder, hat sich ein Kreis religiöser
Menschen gebildet, in den Franz von Sales sofort Eingang findet, mit dem er sich
befreundet. Er wird Barbe Acarie’s Beichtvater, lernt viel und gewinnt Einblick
in die mystischen Strömungen seiner Zeit. Er berät mit Theologen über die
Einführung der Karmelitinnen in Frankreich, bespricht sich mit Bérulle über die
Gründung des Oratoriums in Frankreich, befreundet sich mit ihm und anderen
heiligmäßigen Priestern, predigt vor dem Hof, erwirbt sich die Hochschätzung
des Königs, der ihn als Koadjutor des Kardinals für Paris gewinnen will.
Während er nach Savoyen zurückkehrt, erhält er die Nachricht vom Tod seines
Bischofs: ein neuer Meilenstein in seinem Leben und in seiner seelischen Ent-
wicklung.

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III. Die ersten Bischofsjahre
Dezember 1602 – Ostern 1604

Der neue Bischof führt offiziell den Titel eines Fürstbischofs von Genf. Einer
seiner Vorgänger, Pierre de la Baume, war jedoch vor den religiösen Kämpfen der
Reformation aus Genf geflohen und gab 1534 seine Residenz endgültig auf.
Seine beiden Nachfolger erschienen überhaupt nicht in ihrer Diözese. Angelo
Guistiniani, 1568 zum Bischof von Genf ernannt, ließ sich in Annecy nieder,
resignierte aber 1570 vor der Widerspenstigkeit des Domkapitels. Von 1579 bis
1602 leitete Claude de Granier die Rest-Diözese und begann sie nach den Wirren
der vorausgegangenen Jahrzehnte zu reorganisieren. Dabei, vor allem aber für die
Wiedergewinnung ganzer Gebiete, ist Franz von Sales seine beste Stütze gewor-
den; als Bischof setzt er deshalb die Bemühungen seines verehrten Vorgängers
mit allem Eifer fort.
An erster Stelle steht die Reorganisation des Klerus und der Seelsorge. Ihr dient
die alljährliche Diözesansynode, mehr noch das persönliche Beispiel des Bischofs
auf der Kanzel, im Beichtstuhl und im Sprechzimmer; er hält auch selbst die
Kinderkatechese und die Christenlehre in Annecy, um sie dann in der ganzen
Diözese einzuführen.
Seine besondere Sorge gilt weiterhin den jüngst für die Kirche wiedergewonnenen
Gebieten. In Thonon plant er mit dem „Heiligen Haus“ ein geistiges Zentrum zur
Festigung des Glaubens und der Ausstrahlung in die benachbarten protestanti-
schen Gebiete. Seine Pläne werden immer wieder durchkreuzt und durch die
politischen Ereignisse behindert. Mit dem mißglückten Handstreich gegen Genf
(die sogenannte Escalade) Ende 1602 hat der Herzog bewaffnete Einfälle der
Protestanten provoziert, die zu Plünderungen, zur Zerstörung von Kirchen, zu
Ausschreitungen gegen Priester und Konvertiten, zur Bedrückung des Volkes
durch Besatzungen führen.
In den überlieferten Briefen aus den ersten Bischofsjahren scheinen diese Bemü-
hungen und Schwierigkeiten vielfach auf. Dazwischen stehen finanzielle Fragen
seiner Familie und Anliegen von Freunden. Diese Briefe zeigen den jungen Bi-
schof aber auch als Seelsorger, der Freunden und Ratsuchenden geistliche Wei-
sung gibt.

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1. In den ersten Briefen des neugeweihten Bischofs steht die Bitte um das Gebet
seiner Freunde im Vordergrund, so im Brief vom 16. Dezember 1602 (XII,154)
an Pierre Favier.

Annecy, 18. Dezember 1602 (XII,155-157) an Pierre de Bérulle:1


... Am Fest Unserer lieben Frau, den 8. Dezember, wurde ich zum
Bischof geweiht. Das spornt mich an, Sie zu bitten, mir immer mehr
durch Ihr Gebet zu helfen, wie auch ich Sie nicht vergesse, besonders im
Memento der heiligen Messe.
Ich hatte das Glück, vor der Weihe Tage der Sammlung und Exerziti-
en unter dem Beistand des P. Fourier 2 zu verbringen, eines der ausge-
zeichnetsten Jesuiten, denen ich begegnet bin. Das sage ich Ihnen, weil
ich Ihnen Rechenschaft von meinem Geist ablegen will, wie Sie es über
den Ihren getan haben, als Sie sagten, daß Sie so weitermachen inmitten
sehr verschiedenartiger Beschäftigungen und einer Menge von Unvoll-
kommenheiten. Es gibt da kein Heilmittel; wir werden immer die Fußwa-
schung brauchen, da wir ja im Staube wandeln. Möge Gott uns die Gna-
de schenken, in seinem Dienste zu leben und zu sterben.
Ich bitte Sie, fest zu glauben, daß es niemand auf der Welt gibt, der
Ihnen mehr ergeben und zugetan ist, als ich es bin und mein ganzes
Leben lang sein werde ... Mit Ihrer Erlaubnis bitte ich Sie, mich den
Gebeten Ihrer Frau Mutter und Ihrer Tante zu empfehlen ...

Die Bitte um Gebet und Ratschläge ist auch der Inhalt der Briefe vom 3. Januar
1603 (XII,158f) an Claude d’Orlié und vom 10. Januar 1603 (XII, 159-162) an
Bischof Juvénal Ancina von Saluzzo.
Annecy, 22. Januar 1603 (XII,175f) an den Ritter de Ruffia:
Unlängst habe ich einen der Briefe erhalten, die Sie mir zu schreiben
geruhten, so voll von Zeugnissen Ihres Wohlwollens, wie ich es nicht
verdiene. Ich wünschte, daß Ihre Freude über meine Erhebung zu die-
sem Amt ebensoviel Grund in meinen Fähigkeiten und in meiner Tüch-
tigkeit hätte, wie sie in der Freundschaft begründet ist, mit der Sie mich
so gütig ehren. Gott in seiner Güte wird mir helfen und wird ergänzen,
was mir fehlt. Wollen Sie aber bitte glauben, daß ich niemals denen nach-
stehen will, die Ihnen in Zuneigung und Treue ergeben sind. Sollten Sie
also Beweise dafür zu erhalten wünschen, indem Sie mich in Anspruch
nehmen, so würde ich das als eine besondere Ehre betrachten. Das gilt
auch für den Dienst in der bestimmten Sache, von der Sie mir schreiben,
daß sich Ihr Vertreter an mich wenden werde, was bis zur Stunde noch
nicht geschehen ist.

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2. Im Frühjahr 1603 reist Franz von Sales nach Piemont, um dem Herzog den
Lehenseid zu leisten für die Herrschaft Thy en Sallaz, die als einziger Grundbe-
sitz des Bistums der Beschlagnahme durch Genf entgangen ist. Auf dieser Reise
versucht er auch in einem Rechtsstreit der Herzogin von Mercoeur mit einem
Verwandten des Herzogs zu vermitteln.

Annecy, 29. März 1603 (XII,178-180) an Charles d’Albigny:3


Auf die Hoffnung hin, die Sie mir machten, rechnete ich damit, Sie
einige Tage der Karwoche in dieser Stadt zu sehen. Daher habe ich mich
nicht zur Abreise entschlossen, um Sie zu begrüßen und Ihre Weisungen
vor meiner Reise nach Piemont zu erbitten. Ich wäre sicher abgereist,
hätte ich mir nicht die genannte Freude versprochen. Um zur rechten
Zeit den Absichten Sr. Hoheit Gehorsam zu leisten, bin ich nun ent-
schlossen, am nächsten Montag abzureisen. Dabei weiß ich nicht, ob es
früh genug ist, um die Hoheiten in Piemont anzutreffen.
Ich bitte Sie, mir immer die Ehre Ihres Wohlwollens zu bewahren
und mir eine Empfehlung mitzugeben, damit ich rasch verabschiedet
werde. Denn wenn ich getan habe, was die Treue gebietet, bin ich drüben
sehr unnütz, während ich hier eine große Menge geistlicher Angelegen-
heiten zurücklassen muß, die ihrer Natur nach die Anwesenheit des
Bischofs erfordern. Ich verspreche mir diese Gunst von Ihrer Güte, die
mir allein das Vertrauen gibt, freimütig darum zu bitten.
Außerdem unterbreite ich Ihnen noch eine Bitte für einen armen
Pfarrer von Ternier, namens Burgiat, Pfarrer von Beaumont, der von
den Genfern als Kriegsgefangener festgehalten wird, damit er bei einem
Vertrag im Austausch oder sonstwie seine Freiheit erhalte. Wollen Sie
ihm bitte diesen Liebesdienst erweisen; ich kann Ihnen versichern, daß
er vor Gott verdienstvoll sein wird, weil der Pfarrer ohne seine Schuld
gefangengenommen wurde und seine Pflicht sehr gut erfüllt hat.
Indessen bitte ich die göttliche Majestät, daß sie von Tag zu Tag ihre
Gnaden und Segnungen über Sie vermehre ...

Annecy, 18. Mai 1603 (XII,184-186) an die Herzogin von Nemours:4


Es ist mir eine überaus große Ehre, in Ihrer Erinnerung so im Vor-
dergrund zu stehen, daß Sie nicht nur geruhten, mir am 16. April zu
schreiben, sondern auch bezeugen, daß es Ihnen angenehm wäre, von
mir Briefe zu erhalten. Aber die freundliche Klage, die Sie gegen mich
äußern, daß Sie keine Briefe erhalten, würde mich mit Schande bedek-
ken, wenn ich so viel Möglichkeiten gehabt hätte, Ihnen zu schreiben, wie
ich es wünschte. Denn in dem sicheren Wissen um Ihre Güte, Madame,
hätte ich nicht verfehlt, Ihnen öfter meine Ehrerbietung durch Briefe zu

85
erweisen, wäre ich nicht daran gehindert worden durch die Reise nach
Piemont und den Aufenthalt dort, zu dem ich gezwungen war, um die
Freigabe der Einkünfte meines Bistums zu erlangen, die Se. Hoheit hat-
te beschlagnahmen lassen, kurz nachdem ich zum Bischof geweiht wur-
de. Von dort bin ich erst drei Tage zurück, da ich erst am letzten Tag des
Aufenthalts Sr. Hoheit in Piemont verabschiedet wurde, worauf der
Herzog nach Nizza abreiste, um die Prinzen ans Meer für die Reise nach
Spanien zu bringen. Ich denke, daß dies nun geschehen ist, wenn nichts
dazwischen gekommen ist. Das sind alle Neuigkeiten von Piemont.
Was nun die Neuigkeiten von hier betrifft, so sind sie so unangenehm,
daß ich nicht glaube, Sie damit behelligen zu müssen; nichts als Diebstähle
und Plünderungen der Genfer gegen uns und besonders gegen Geistli-
che, was wieder das Aufgeben vieler Kirchen zur Folge hat. Möge unser
Herr Hand anlegen, um uns den heiligen Frieden zu schenken ...

Annecy, 27. Mai 1603 (XII,186f) an den Dekan François de Menthon:5


Herr Dekan, ich will unbedingt und ohne Widerrede, daß Ihre Sän-
ger der Subdiakon und der Thurifer Kanoniker seien, ungeachtet all
Eurer Bräuche, da jene meiner Kirche dieses Standes sind. Ich befehle
dies Ihrem Kapitel und Ihnen kraft des heiligen Gehorsams und unter
der Strafe der Exkommunikation latae sententiae ...

Im Brief vom Juli/September 1603 (XII,211-214) an den Herzog de Nemours6


erklärt Franz von Sales, daß er den Anspruch des Kapitels von Notre-Dame de
Liesse auf Vorrang oder wenigstens gleichen Rang mit dem Domkapitel bei der
Fronleichnamsprozession nicht anerkennen kann, weil frühere Entscheidungen
ihn binden.
Thonon, 21. September 1603 (XII,222) an Pfarrer Excoffier von Chevênoz:
Herr Pfarrer, ich habe erfahren, daß Sie nicht weiterhin zwei Messen
feiern wollen, entsprechend der Erlaubnis, die ich Ihnen gegeben habe.
Das veranlaßt mich, Ihnen aufzutragen, daß Sie nicht aufhören, Vinzie
wie gewohnt zu betreuen, bis ich Ihnen die Vollmacht entziehe. Außer-
dem ermahne ich Sie, sich zu bemühen, daß Sie geeigneter werden, die-
ses Amt auszuüben, wozu Sie verpflichtet sind. Ich zweifle also nicht
daran, daß Sie nicht verfehlen werden, Ihre Pflicht gut zu erfüllen, und
bleibe ...
Annecy, 6. Juni 1603 (XII,194-196) an Antoine de la Porte:7
Kürzlich bin ich von Piemont zurückgekommen. Dort sah ich Se. Ho-
heit und besprach mit ihm die Angelegenheiten, die Madame drüben
hat. Ich sah ihn sehr geneigt, um ihr allen Beistand und alle Hilfe zu

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gewähren und alles zu erledigen. Ich habe ihm vorgeschlagen, wenn ein
Beauftragter von Madame kommt, wäre es zweckmäßig, jemand von der
Justizbehörde zu beauftragen, daß er in freundschaftlichem Gespräch
alle Schwierigkeiten beilegen möge, die sie mit Don Amedée und mit
anderen hat. Se. Hoheit billigte dies sehr gerne und zeigte äußerste
Hochschätzung für alles, was zur Befriedigung für Madame beiträgt,
seiner nahen Verwandten und Witwe eines Prinzen, der mit ihm ver-
wandt war und zu dessen Lob er mir Wunderbares sagte.
Während ich darüber in Piemont verhandelte, brachte aber die Fi-
nanzkammer den Prozeß in Gang, den Madame mit Don Amedée wegen
Conflans führt, und als ich ankam, fand ich ihn fast bis zum Urteil gedie-
hen. Auf die Auskunft des Richters hin schrieb ich sofort an Se. Hoheit
und bat ihn um Aufschub und um den Befehl, alles zurückzustellen,
entsprechend seiner Zustimmung, die strittigen Fragen ohne Prozeß zu
bereinigen. Aber das half nichts, denn mein Brief war noch nicht abge-
schickt, als das Urteil schon gefällt war, wie es der Richter Ihnen mittei-
len wird. Ich war äußerst betrübt, daß ich Madame diesen Dienst nicht
leisten konnte, wie ich gewünscht hätte.
In Piemont besuchte ich auch den Herrn Referendar Millet und rei-
ste dann nach Maurienne, um mit dem Herrn Bischof wegen Faverge zu
sprechen. Sie bleiben bei dem Angebot, aufgrund der Vollmacht von
Madame das Geld zu fordern, ohne daß Madame Auslagen hat, ent-
sprechend dem Memorandum, das ich bei Ihnen gelassen habe. Der
Marquis de Lullin schrieb an Madame, Duin zu verkaufen, und ich habe
ihr den Brief geschickt; ich weiß nicht, ob sie ihn erhalten hat. Er wartet
auf Antwort.
Es bleibt mir noch, von mir zu sprechen. Ich bin sehr betrübt, die
Zahlungen für Thorens nicht pünktlich leisten zu können. Ich hoffe,
daß Madame das Unglück berücksichtigen wird, das uns drüben nieder-
drückt, das auch Thorens zum großen Teil betrifft. Ich werde mich be-
mühen, sie baldigst zufriedenzustellen, da ich mich mit keiner anderen
weltlichen Angelegenheit außer dieser beschäftige und ihr bei jeder Ge-
legenheit alle Dienste leiste, soviel ich auch hier gebunden bin. Geben
Sie mir die Ehre, sie dessen zu versichern, und drücken Sie ihr meine
tiefe Ehrerbietung aus. Ich bete zu Gott, daß er Sie mit seinen Gnaden
überhäufe.

Am 22. August 1603 (XII,219f) schreibt er an Antoine de la Porte über die


Verpachtung der Ländereien von Duin, über den Prozeß von Madame mit Don
Amedée und mit der Familie Millet. Er bedauert, daß er mit den Zahlungen für
Thorens infolge der eben erst beendeten Kriegswirren noch im Rückstand ist; er
will dafür sein Bestes tun.

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Annecy, 14. Juni 1603 (XII,196f) an Charles d’Albigny:
Ich habe den Ausweg überlegt, den der Kapitän de Moyron vor-
schlägt, um den Klerus von Einquartierungen im Krieg zu befreien, und
ich sehe darin verschiedene Nachteile. Ich befürchte unter anderem vor
allem, daß die kirchliche Freiheit und Immunität dadurch direkt verletzt
wird, wie mir scheint. Daher schicke ich den Überbringer dieses Briefes
zu Ihnen, um Ihnen dies zu bestellen. Ich denke, bei Ihnen kein geringe-
res Eintreten für unsere Rechte zu finden, wie wir es hier immer gefun-
den haben, und ich hoffe es auch in Zukunft zu finden ...

Ende Juni 1603 (XII,201) richtet der Bischof an Charles d’Albigny eine Bitte für
einen Neffen des verstorbenen Bischofs.
Ende Juli 1603 (XII,208-210) bittet er den Baron de Lux um Beistand gegen
ungerechte Angriffe auf die Inhaber von zwei Pfarrpfründen.
Am 2. August 1603 (XII,215) vermittelt er an Charles d’Albigny die Bitte eines
Gläubigers des Heiligen Hauses von Thonon, die nötige Summe zu beschaffen.
Annecy, 22. August 1603 (XII,218) an Charles d’Albigny:
P. Chérubin hat mir gesagt, welchen Eifer Gott Ihnen gegeben hat für
den Fortgang der Sache des Heiligen Hauses von Thonon und für den
guten Beginn, für den Sie gesorgt haben. Das läßt mich bald auf eine
glückliche Vollendung hoffen, für die P. Chérubin nach Chambéry geht.
Ich bitte Sie, weiterhin Ihre Gunst diesem heiligen Werk zu schenken,
damit seine Fertigstellung baldigst erfolge. Sonst sehe ich die Errich-
tung der Kirche von Thonon in Schwebe bleiben.
Ich fürchte keineswegs, Ihnen lästig zu fallen bei Anliegen, die auf
die Ehre Gottes abzielen, für die Ihnen Gott solchen Eifer und solch
heiligen Ehrgeiz gegeben hat. Ich bitte Gott, daß er Sie mit seiner Gnade
überhäufe.

Annecy, 23. Oktober 1603 (XII,223) an Louis Bonier:


Der Nuntius in Turin schreibt mir und beschwört mich, ihm „eine
kleine Bilanz der geprüften Rechnungen vom Heiligen Haus in Thonon
zu schicken, weil das viel dazu beitragen wird, uns von Sr. Heiligkeit viele
Vergünstigungen zu erlangen“. Wenn sie nur dazu dienen, scheint es
mir, daß ich sie schicken soll. Das kann ich aber nicht, wenn ich sie nicht
habe, und ich kann sie nur durch Sie bekommen, den ich hiermit darum
ersuche. Ich bitte Sie, mich immer zu lieben und zu glauben, daß ich
immer um Ihr Wohlergehen bete und mein Leben lang bleibe ...
Am 7. November 1603 (XII,224f) an Erzbischof Broglia von Turin, ebenfalls
über die Ausgaben des Heiligen Hauses in Thonon.

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3. Um sich gegen Anschuldigungen, die gegen ihn in Rom erhoben wurden, zu
rechtfertigen, ersuchte der Herzog von Savoyen in einem Schreiben vom 23.
Oktober 1603 (XII,459) Franz von Sales um eine Bestätigung seiner Verdienste
bei der Rekatholisierung des Chablais.

Annecy, 15. November 1603 (XII,227f) an den Herzog:


Ich sende Ew. Hoheit die Bestätigung, die Sie von mir wünschen,
über die Bekehrung des Volkes von Chablais, Gaillard und Ternier. Ich
weiß nicht, ob ich es so ausgeführt habe, wie Ew. Hoheit es wünschen;
aber ich weiß wohl, daß ich dieses große Werk nicht seinem Wert ent-
sprechend darstellen kann, auch nicht meinem Wunsch, den Weisungen
und Absichten Ew. Hoheit recht demütigen Gehorsam zu leisten. Sie
werden so gütig sein, ich bitte Sie demütig darum, mich durch Ihre Gunst
zu beglücken. Ich bete zu Unserem Herrn für die Gesundheit und das
Wohlergehen Ew. Hoheit ...

Annecy, 15. November 1603 (XII,228-239) an Papst Clemens VIII.:8


Heiliger Vater! Nach Gott ist der heilige Apostolische Stuhl, ist es
seine Wachsamkeit, welche die Beständigkeit der Christenheit sichert.
Deshalb ist es auch so wichtig, ihm einen gewissenhaften und getreuen
Bericht über die Ereignisse zu erstatten, welche die Kirche in jedem
Land betreffen. Sonst kann man bei der Darlegung von Tatsachen, die
man der höchsten Sorge des Heiligen Vaters unterbreitet, etwas für wahr
erklären, was falsch ist, und für falsch, was wahr ist.
Nun hat sich in der Diözese, deren Obhut mir durch den Willen des
Apostolischen Stuhles obliegt, jüngst die Lage glücklicherweise gebes-
sert. Diese neue Lage soll ich dem Apostolischen Stuhl darlegen. Ich
möchte dies so klar als möglich tun, aber auf jeden Fall mit großer Sorg-
falt, der Wahrheit entsprechend. Um vollständig zu sein, muß ich not-
wendigerweise weiter ausholen.
Zur Zeit, als König Franz I. von Frankreich fast ganz Savoyen besetz-
te, fielen die Berner, seit kurzem von der lutherischen und zwingliani-
schen Seuche angesteckt, in die angrenzenden Gebiete Savoyens ein,
wiegelten die Bürger Genfs auf, das sanfte Joch Christi und die Herr-
schaft ihres eigenen Fürsten abzuschütteln ...
Wie aber französische Waffen Anlaß zum Einfall der Berner und
ihrer Herrschaft über unsere Savoyarden waren, so wurde auch der Frie-
de mit der Bestimmung, alles zurückzuerstatten, zwischen Heinrich IV.,
dem Sohn des Königs Franz, und dem Herzog Emmanuel-Philibert ab-
geschlossen. Er bot eine Handhabe, ernsthaft daran zu denken, daß die

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Berner alle Gebiete zurückgeben sollten, die sie erobert hatten. Sie konn-
ten aber nicht dazu gebracht werden, alles herauszugeben, was sie ge-
raubt hatten, noch dazu, was sie herauszugeben bereit waren, ohne eine
ungerechte Bedingung preiszugeben. Da man sich damals nicht mit den
Waffen mit ihnen messen konnte, kam es dazu, daß der Herzog die vier
Balleien Thonon, Ternier, Gaillard und Gex bekam, ... allerdings mit der
Bedingung, daß in ihnen die Ausübung der katholischen Religion nicht
eingeführt werde. Gewiß eine ungerechte Bedingung, mit der man sich
aber abfand in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ...
Vor einigen Jahren fielen wieder die Berner und Genfer im Verein
mit den Franzosen in diese Provinzen ein und brachen damit die frühe-
ren Verträge. Dieser Treuebruch kann geradezu glücklich und gelegen
genannt werden, denn nun hat der Herzog die Gelegenheit der gebro-
chenen Vertragstreue benützt, diese Völker zum ungebrochenen Glau-
ben zurückzuführen ... Als der Herzog die zwei Balleien Thonon und
Ternier besetzt hatte, wurde ein Waffenstillstand geschlossen. Unter die-
sen Umständen fühlte sich Karl-Emmanuel befreit von der schimpfli-
chen Bedingung jenes Vertrages und forderte unverzüglich den Bischof,
meinen Vorgänger gesegneten Andenkens, auf, katholische Prediger zu
entsenden, um die Bevölkerung zu bekehren. Er erklärte seinen festen
Willen, daß die katholische Religion wiederhergestellt werde. Voll Freu-
de schickte der Bischof nach Ternier einen Dominikaner und einen Je-
suiten, nach Thonon zwei Domherren, Louis de Sales, der jetzt Dom-
propst ist, und mich, damals Dompropst, heute Bischof, obwohl dessen
unwürdig. Ich spreche also von etwas, was ich selbst gesehen habe ...
Als wir in dieser Gegend eintrafen, bot sich uns überall ein trauriger
Anblick. Wir hatten vor uns 64 Pfarreien, in denen außer den Beamten
des Herzogs, der immer nur Katholiken anstellte, bei einer Bevölkerung
von vielen tausend Seelen keine hundert Katholiken waren. Die Kirchen
waren zum Teil zerstört, zum Teil ausgeplündert, nirgends ein Kreuz,
nirgends ein Altar, alle Spuren des wahren Glaubens waren vernichtet.
Überall sogenannte Minister, d. h. Lehrer der Häresie, die die Familien
verdarben, indem sie ihre Lehren aufdrängten und die Kanzeln aus Ge-
winnsucht bestiegen. Die Berner, Genfer und ähnliche „Söhne des Ver-
derbens“ hielten durch ihre Sendboten die Bevölkerung durch Drohun-
gen davon ab, unsere Predigten zu hören. Die Waffenruhe, sagten sie,
ist kein echter Waffenstillstand, der Friede ist noch nicht geschlossen.
Bald verjagen wir den Herzog und die Priester wieder mit Gewalt ...
Unsere Priester trugen aber männlich ihre Sache voran und führten

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als erste einige hervorragende Männer aus den Strudeln der Häresie in
den Hafen der katholischen Einheit. Wir konnten sechs Pfarreien er-
richten, drei in der Gegend von Thonon, drei im Gebiet von Ternier
(warum nicht mehr errichtet wurden, hat seinen Grund teils im Mangel
an Geld, teils in der geringen Zahl von Arbeitern, teils darin, daß bei
dem unsicheren Frieden die Lage unklar war). Vom Orden der Kapuzi-
ner kamen neue tüchtige Arbeiter, die mit ihrem Schwung und Eifer die
Kräfte vieler ersetzten.
So gingen zwei Jahre dahin, bis der Herzog, ungeduldig über die
Verzögerung dieser Sache, die ihm so am Herzen lag, sich entschloß,
selbst nach Thonon zu kommen, um die wichtigsten Persönlichkeiten
der Stadt zu versammeln und mit ihnen persönlich zu verhandeln. Das
geschah im Jahre 1598 und mit solchem Erfolg, daß der Kardinal von
Florenz ..., der einige Tage später kam, Zeuge der Bekehrung von meh-
reren tausend Personen sein konnte. Einem Teil von ihnen erteilte nach
seinem Willen er selbst die Absolution, einem Teil der Bischof, mein
Vorgänger, einem Teil ich. Bei der großen Zahl von Bekehrungen mußte
zu allen Stunden des Tages jemand bereit sein, die Schafe aufzunehmen,
die zum Schafstall Christi zurückkehrten.
Es ist gewiß würdig und gerecht, diese gewaltige Bewegung der See-
len auf den höchsten Beweger aller Dinge zurückzuführen. Zugleich
aber müssen wir bekennen, daß er vor allem den Eifer des Herzogs als
vorzüglichstes Werkzeug benutzt hat. Denn in den Monaten, da der Her-
zog sich dem Werk der Bekehrung widmete und in Thonon weilte, schien
sein Herz durch eine besondere Gnade ganz in den Händen Gottes zu
sein, um sich von ihm nach Gutdünken verwenden zu lassen, sei es zu
öffentlichen Ermahnungen in Worten, würdig eines katholischen Für-
sten, sei es zu privaten Aufforderungen an solche, die die größten Stüt-
zen der Häresie zu sein schienen, sei es durch das Beispiel guter Werke.
Alle Gaben und Kräfte seiner Seele gebrauchte er, um das ganze Volk
zur katholischen Kirche zurückzuführen, als der von Gott eingesetzte
Führer dieses Volkes, um seinen Willen zu verkünden. Er ließ nicht da-
von ab, bis sich die Lage geändert hatte, der Winter vorbei war, der
Frühling einkehrte und überall der herrliche und glanzvolle Baum des
lebenspendenden Kreuzes sichtbar wurde, überall die Gesänge der Kir-
che wie die Stimme der Turteltaube im Lande gehört wurden und die
Weinrebe wieder eingepflanzt, blühend ihren Duft verbreitete. Ohne
Zögern behaupte ich, daß nirgendwo in unserer Zeit eine so große Schar
von Häretikern milder und wirksamer zum gesunden Glauben zurückge-
führt wurde.

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Obwohl nun der größte Teil dieses Volkes zur Kirche zurückkehrte,
gab es trotzdem Häretiker beiderlei Geschlechts, die hartnäckiger als die
anderen in ihrem Irrtum beharrten. Da man diese anders nicht heilen
konnte, befahl der Herzog schließlich durch ein allgemeines Edikt, um
die Gefahr einer Ansteckung des übrigen Volkes zu verhindern, daß sie
das Land verlassen sollten. Dadurch ließen sich einige zur Bekehrung
bewegen ... Der Fürst ließ sozusagen in seinem Eifer keinen Stein liegen,
ohne ihn mit seinen Händen zu bewegen: Freundliche Worte, Drohun-
gen, er versäumte nichts, was in seiner Macht lag, um die Bevölkerung
zurückzuführen. Und was noch besonders des Lobes würdig ist, er han-
delte dabei gegen die Ansicht und die Ratschläge eines großen Teils
seines Rates. Ich erinnere mich, zu dieser Versammlung vom Herzog
selbst berufen, gehört zu haben, daß die meisten Räte sagten, es sei noch
nicht die Zeit da, solches zu unternehmen, da staatliche Interessen dem
entgegenstünden. Aber über all das stellte der Herzog in heiligem Eifer
einzig die Interessen der Religion. Das alles sahen und beobachteten die
Berner Gesandten zähneknirschend; sie hatten gerade damals einen nach-
drücklichen Versuch unternommen, es zu verhindern. Die Ballei Gail-
lard allerdings blieb nach den Bestimmungen des Waffenstillstands da-
mals noch in der Gewalt der Genfer und war für den katholischen Glau-
ben auf diese Weise weiterhin unzugänglich. Als sie aber bald darauf
nach dem Friedensschluß dem Herzog zurückgegeben wurde, wurden
auch dorthin im Auftrag des Fürsten Jesuiten und Weltpriester gesandt,
die mit Gottes Hilfe in kürzester Zeit unter größten Mühen fast das
ganze Werk vollbrachten.
Um das große Werk in wenige Worte zu fassen: Vor zwölf Jahren
wurde in 64 Pfarreien, die der Stadt Genf benachbart sind, sozusagen an
ihre Mauern grenzen, öffentlich die Häresie gelehrt, die alles derart
beherrschte, daß kein Platz für die katholische Religion blieb. Früher
konnte man in allen diesen Pfarreien kaum hundert Katholiken zählen,
jetzt aber nicht mehr so viele Häretiker. Überall werden die Geheimnis-
se des katholischen Glaubens gefeiert, jede Pfarrei hat ihren Pfarrer. So
sind diese drei Balleien, nachdem sie durch den Friedensvertrag dem
Herzog zurückgegeben wurden, nun auch der Kirche zurückerstattet,
und was das Wichtigste ist, sie sind so fest verwurzelt im Glauben und in
der Religion, daß sie durch keine Verfolgung in den Kriegen, durch
keine Drohung der Häretiker davon abspenstig gemacht werden konn-
ten. Das ist gewiß der einzige Vorteil, den die vergangenen Kriege der
Diözese eingebracht haben.
Zum Schluß bittet der Bischof um gütige Fürsorge. Der Bericht trägt die Unter-
schriften von Domherren, die mitgewirkt haben.

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4. Ein Herzensanliegen des Bischofs bis zu seinem Tod wird die Reform der
Klöster sein. Ihre Notwendigkeit hat er bereits während seiner Missionstätigkeit
erkannt und mehrfach betont. Schon im ersten Jahr seines Bischofsamtes nimmt er
diese Aufgabe in Angriff. Nach der Visitation schreibt er am 14. November 1603
(XII,226f) an den Prior und die Ordensgemeinde von Sixt darüber (DA 12,128f);
auf einen Brief des Nuntius Tolosa9 antwortet er Ende 1603 (XII,239-243) mit
grundsätzlichen Ausführungen über die Reform der Klöster (DA 12,118-120).
5. Das magere Ergebnis der Verhandlungen in Paris über die kirchlichen Güter in
Gex befriedigt Franz von Sales nicht. Neue Verhandlungen führen ihn nach Dijon,
der Hauptstadt von Burgund. Sie bringen ihm unter anderem die Einladung der
Stadt ein, die Fastenpredigten zu halten.
Annecy, 22. August 1603 (XII,220-222) an den Bürgermeister und die Schöffen
von Dijon:
Ich betrachte es als eine große Gunst, daß Sie mich für den Dienst an
den Seelen in Ihrer Stadt wünschen. Ich kann mir nicht vorstellen, wieso
mir diese Freude zukommt, daß Sie überhaupt meinen Namen kennen
und wissen, daß ich auf der Welt bin. Darüber bin ich um so mehr er-
staunt, als ich mich weit entfernt davon weiß, es zu verdienen, da in mir
nichts ist, was der Meinung entspräche, die Sie von mir haben, außer
eine ganz große Liebe zur Vermehrung der Ehre Gottes und zu allen,
die sie wünschen. Da ich weiß, daß Sie dabei in der ersten Reihe stehen,
so bitte ich Sie, zu glauben, daß Sie mir keine Gelegenheit bieten, Ihnen
einen Dienst zu leisten, ohne daß ich mich von ganzem Herzen zur Ver-
fügung stelle ... Gestatten Sie mir aber bitte, Ihnen zu sagen, daß es nur
in der Fastenzeit sein kann ...
Gott möge Ihnen die Fülle seiner Gnaden schenken und mir soviel
Kraft, als er mir Liebe geschenkt hat, um mich erkennen zu lassen als
Ihren ganz demütigen Diener in Jesus Christus.

Annecy, 16. Januar 1604 (XII,251-254) an Antoine des Hayes:10


Vor kurzem habe ich von Ihnen zwei Briefe erhalten. In dem einen
schreiben Sie mir von dem Ärger, den Ihnen ein Sekretär verursacht
hat. Ich werde immer teilnehmen an allem Angenehmen und Unange-
nehmen, das Sie berührt. Ich freue mich aber, daß dies Ihnen Anlaß
war, echt christliche Liebe in der Verzeihung zu üben, die Sie dem ge-
währten, der ohne Grund so unloyal Ihnen gegenüber gehandelt hat.
Darin liegt die größte Kraft eines hochherzigen Geistes, die am meisten
die Gunst des Himmels erwirkt. Leben Sie immer so inmitten der Stür-
me des Meeres, in dem Sie sich befinden, schauen Sie immer aus nach
Ihrem Hafen. Ich mußte Ihnen dieses Wort sagen, um Ihnen meine
Freude zu zeigen ...

93
Der zweite Brief berichtet mir von einigen guten Diensten, die Sie in
meinem Namen in den Angelegenheiten von Gex zu leisten auf sich ge-
nommen haben, die sich vor allem auf die Schwierigkeiten beziehen, die
mir der Erzbischof Frémyot von Bourges bereitet bei der Herausgabe
der kirchlichen Güter, die er vom König versehentlich erhalten hat un-
ter der Voraussetzung, unter der Se. Majestät sie früher dem Bischof
und den Pfarrern gewährte. Sollte ich also in dieser heiligen Sache nicht
anders ans Ziel kommen, daß Se. Majestät sich der Sache erinnert und
an das durch Ihre Vermittlung gegebene Versprechen, werde ich mich
an den König wenden, um eine eindeutige Weisung an den genannten
Erzbischof zu erreichen. Das ist mir lieber, als in Dijon einen Prozeß zu
führen, wie ich es zuvor getan habe. Ich denke, Prozesse zwischen Män-
nern seines und meines Standes können nur ein Ärgernis sein.
Über die Absichten des Erzbischofs kann ich noch nichts sagen, be-
vor ich mit ihm Fühlung genommen habe. Ich hoffe, daß dies in Dijon
geschehen wird, wenn ich dort die Fastenpredigten halte, die ich wegen
dieser Angelegenheit mehr als wegen anderer Gründe zugesagt habe.
Ich dachte, daß ich dort im übrigen eher unnütz sein werde, besonders
jetzt, da durch die Anwesenheit der Jesuiten diese Stadt keine Not an
geistlicher Hilfe hat. Da ich aber mein Wort vor deren Rückkehr gege-
ben habe und die Interessen meiner Diözese es verlangen, hoffe ich,
gemeinsam mit ihnen am Werk unseres Herrn zu arbeiten. Ich vertiefe
mich auch ständig in der Theologie, wie mir der König aufzutragen be-
liebte. Ich habe übrigens kein anderes Verlangen und keine andere Be-
schäftigung, die mir angenehmer wäre. Ich hoffe, daß Se. Majestät nie
einen Anlaß habe, anders von mir und meinem Verhalten zu denken.
Herr de la Porte ist in dieser Gegend und wird von uns Geld in
Empfang nehmen, wie er mir schreibt und Mme. de Mercoeur mich an-
gewiesen hat, um unsere Schulden bei ihr zu verringern. Ich werde mich
unablässig bemühen, ihr Geld zu senden, soviel ich nur kann. Aber ich
muß Ihnen die Wahrheit gestehen, unser Land ist arm, und es ist schwer,
nach soviel Durcheinander und Unruhe Geld aufzutreiben.
Ich habe erfahren, daß Herr de Bérulle mir die Ehre erwiesen hat,
mir das Buch zu schicken, das ich gewünscht habe. Ich zweifle nicht dar-
an, daß er es meinem Bruder anvertraut hat; dieser wird ihm nicht die
Aufmerksamkeit geschenkt haben, die der Wertschätzung entspricht,
die ich für alles habe, was von Herrn de Bérulle stammt; bin ich doch auf
dessen Wohlwollen ebenso bedacht wie kaum jemand anderer. Ich schrei-
be darüber meinem Bruder; wenn er es nicht verloren hat, kann ich es
mir bei der ersten Gelegenheit verschaffen.

94
Ich bin überaus erfreut über den guten Ausgang der Sache der Jesui-
ten in Frankreich. Ich wünsche, wie Sie wissen, diesem Land schönen
und heiligen Fortschritt, der nur eintreten wird durch das Aufblühen
der alten Tugend und Frömmigkeit, zu der diese ausgezeichnete Gesell-
schaft unendlich viel beitragen wird ...
Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll für alle Güte, die Sie mir
schenken. Die Fülle der Verpflichtungen ist so groß, daß Geist und Herz
davon ausgefüllt sind. Ich bete immer zu unserem Herrn für Ihre Ge-
sundheit und Zufriedenheit ...
P. S. Das Geld, das in Gex sein soll, die Gehälter, die für die Prädi-
kanten gezahlt werden, ist in den Händen der Prädikanten, die sich so
halsstarrig weigern, etwas davon herzugeben, wie sie es nicht für einen
Artikel ihres Glaubens tun. Aber ich werde in Dijon sehen, ob ich dem
abhelfen kann.

Annecy, Februar 1604 (XII,256f) an den Herzog:


Vor einiger Zeit versicherte mir Herr de Villette von seiten Ew. Ho-
heit, es sei Ihnen angenehm, daß ich nach Dijon reise und dort die
Fastenpredigten halte, um dort auch für die kirchlichen Angelegenhei-
ten von Gex zu verhandeln ... Auf diese Versicherung hin reise ich nach
Dijon mit dem gleichen Willen, Ew. Hoheit zu dienen und so alle Bewei-
se unerschütterlicher Treue zu geben. Ich werde dort so kurz als möglich
bleiben, bin ich doch außerhalb meiner ruhigen Atmosphäre.
Möge es Gott gefallen, daß die Gerüchte, die seit einigen Monaten
über die Rückgabe von Gex an Ew. Hoheit von drüben kommen, ebenso
sicher seien, als sie wünschenswert ist. Ich hätte dann die besondere
Befriedigung, die heilige Religion in meiner ganzen Diözese gesichert zu
sehen, ohne so viele Mühen und Sorgen, wie ich sie jetzt haben muß ...

Annecy, Ende Februar 1604 (XII,257-260) an Papst Clemens VIII.:


Heiliger Vater. Unter den vielen Schwierigkeiten der Verwaltung die-
ser Diözese ist eine der bedeutendsten, daß sie zwei verschiedenen welt-
lichen Jurisdiktionen untersteht. Denn wenn auch der größte Teil unter
der Herrschaft des erlauchten Herzogs von Savoyen steht, so ist doch
ein beträchtlicher Teil der französischen Krone untertan. Diese Ver-
schiedenheit der Regierenden verpflichtet mich zwangsläufig, mit bei-
den Fürsten zu verhandeln und zu beiden ein gutes Verhältnis zu haben,
ebenso zu ihren Repräsentanten, Parlamenten oder Senaten. Das berei-
tet mir nicht wenig Schwierigkeiten, besonders in Frankreich, wo man

95
weiß, daß ich Lehensmann von Savoyen bin. Da aber der Teil, der zu
Frankreich gehört, dem Parlament von Dijon untersteht, muß ich mit
diesem über fünf Hauptpunkte verhandeln:
Die erste Frage betrifft die Ballei Gex. Obwohl die kirchlichen Güter
in dieser Ballei unbedeutend sind (weil der katholische Kult nur an drei
Orten wieder errichtet ist), müssen sie gegen ein Ratsmitglied dieses
Parlaments verteidigt werden. Die zweite betrifft die Form der Visitation
dieses Teils der Diözese, weil es verboten ist, vom Volk auf irgendeine
Weise Geld zu fordern, weder zum Bau der Kirchen noch für sonst
etwas. Die dritte Schwierigkeit kommt daher, daß die Bevölkerung, die
kürzlich von Savoyen abgetrennt wurde, einen französischen Generalvi-
kar verlangt. Die vierte: Obwohl durch die eifrigen Bemühungen des
Apostolischen Nuntius von Frankreich die Errichtung des häretischen
Kultes in Seyssel nicht mehr in Frage kommt, verlangt man dort von mir
genauen Nachweis der Umstände, die dessen Errichtung verbieten, denn
dieser Plan ist nicht aufgegeben, sondern nur aufgeschoben. An fünfter
Stelle: Viele Katholiken in Gex, die nach dem sogenannten Edikt der
Freiheit den katholischen Kult in ihren Pfarreien ausüben könnten, ha-
ben niemanden, der ihre Bitten vorbringt und die Bestätigung erreicht.
Dafür, Heiliger Vater, muß ich nach Dijon reisen, nachdem ich mir
die Erlaubnis Sr. Hoheit gesichert habe. Die Stadt liegt wohl außerhalb
meiner Diözese, ist aber die Hauptstadt jenes Teils meiner Diözese, der
zu Frankreich gehört. Ich werde dort tun, wozu Gott mir die Möglichkeit
geben wird, um die oben erwähnten Fragen zu regeln. Ich werde dann
beiden Nuntien Ew. Heiligkeit, in Frankreich und in Savoyen, darüber
berichten. Ich glaube nicht, daß Ew. Heiligkeit diese kurze Abwesenheit
mißbilligen wird, die ich im Interesse meiner Diözese in Kauf nehmen
muß. Ich verlasse sie, wohl versorgt in geistlichen Belangen, und hoffe,
sie in zwei Monaten wiederzusehen. Die Herren von Dijon, die wußten,
daß ich dorthin reisen muß, haben mich gebeten, bei ihnen die Fasten-
predigten zu halten, und ich habe gern eingewilligt in der Hoffnung, daß
dieser Dienst dazu beitragen wird, schneller und besser die Verhandlun-
gen abzuschließen, die ich bei ihnen zu führen habe. Trotzdem wollte ich
nicht unterlassen, Ew. Heiligkeit davon Rechenschaft zu geben, wie ich
es bei all meinen Handlungen zu tun wünsche, die in allem und für alles
vom apostolischen Wohlgefallen geregelt sein solle ...

96
6. Neben den administrativen Pflichten, die einen großen Teil der Korrespondenz
des neuen Bischofs in diesen ersten Jahren ausmachen, behält die Freundschaft
ihre Rechte, und in allem erweist sich Franz von Sales immer als Seelsorger.
Am 16. Januar 1603 (XII,163-170) an die Novizin de Soulfour: weise Ratschläge
für eine willige aber etwas komplizierte Seele (DA 6,29-35).
Im Januar 1603 (XII,171-174) an Mme. Beauvilliers: Ratschläge an die junge
Äbtissin von Montmarte in Paris für die Reform ihres Klosters (DA 7,234f).
Annecy, 31. Januar 1603 (XII,176) an Bischof Revol: 11
Ich schicke Ihnen die Weisung, die Sie von mir wünschen, für die
notwendige Vorbereitung auf die Bürde, die Sie auf sich nehmen und
die von nun an Ihre Schultern drücken wird. Gott, für dessen Dienst
und Ehre ich es Ihnen wünsche, möge Sie durch seine eigene Hand
dafür bereiten, damit Sie sein guter und treuer Diener seien.

Am 31. März 1603 (XII,177f) an eine Tante: Beileid zum Tod ihres Mannes (DA
6,45f).
Im April/Mai 1603 (XII,180-184) an Mlle. de Soulfour: geistliche Weisungen für
die ehemalige Novizin nach ihrem Austritt (DA 6,35-38).
Annecy, 15. Juni 1603 (XII,197-199) an Herrn de Soulfour:
Es scheint mir, daß ich Ihnen hundert Jahre nicht geschrieben und
zweihundert Jahre von Ihnen keine Nachricht erhalten habe. Meine Rei-
se nach Piemont war die Ursache des einen, was die Ursache des ande-
ren war, weiß ich nicht. Unsere Nachrichten sind die alten Drangsale;
deren größte ist der Verlust von hundert Kirchen im Umkreis von Genf,
die fast zerstört sind. Trotzdem schickt Gott uns auch Tröstungen ...
Durch Gottes Gnade habe ich Mühen, soviel ich tragen kann. Ich wün-
sche mir, daß Sie mir durch Ihre Gebete und die Ihrer Freunde kräftig
helfen. Niemals vergesse ich Sie in meinen Gebeten am Altar, auch nicht
den Sohn und die Tochter, um die sich zu bemühen mein Geist nicht
lassen kann, obwohl unnützerweise.
Ich schulde Herrn Asseline einen Brief, ebenso einen weiteren ei-
nem seiner Freunde, den er mir als Freund zuführen wollte; ich werde
ihm den Brief schicken. Ich habe aber keine Muße, diese Schuld jetzt
abzutragen, es wird jedoch bei erster Gelegenheit geschehen.
Es folgen Fragen über Freunde, mit der Bemerkung:
Ich habe ein Herz, das beständig ist, das niemals seine Beute fahren
läßt ...
Am 22. Juli 1603 (XII,202-206) an Mlle. de Soulfour: einige Grundsätze für ein
gesundes Streben nach Vollkommenheit (DA 6,38-42).
Ende Juli 1603 (XII,207f) an einen Unbekannten: Dank für einen Brief, Versi-
cherung der Freundschaft.

97
Annecy, 6. August 1603 (XII,216f) an Claude de Charmoisy: 12 Verschiedene
Nachrichten; am Schluß des Briefes eine Bemerkung über den zweijährigen Sohn
des Adressaten, die Franz von Sales als Kinderfreund kennzeichnet:
Gestern war Euer lieber Henri bei mir, beehrte mich mit tausend
Liebkosungen und gab mir dadurch ein Zeichen des ererbten Wohlwol-
lens, das er mir in Zukunft schenken wird, als Sohn eines Vaters und
einer Mutter, denen ich in unverletzlicher Weise der ganz demütige Vet-
ter und Diener bin.

1603 (XII,244f) an Mme. de Boisy: ein liebevoller Gruß an die Mutter vor einer
Reise nach Chambéry (DA 6,27).
1603/04 (XII,246-249) an Bischof Gisbert Masius von s’Hertogenbosch: Beide
sind in einer ähnlichen Lage: Franz von Sales aus seiner Stadt ausgesperrt, Masius
in seiner Stadt eingeschlossen. – Er empfiehlt dem Bischof einen jungen Studen-
ten, der sich als Gast des Senators Favre gut bewährt hat.
Ende Februar 1604 (XII,260-262) an Jacques de Vallon: Franz von Sales ent-
schuldigt sich, daß er auf einen Brief nicht gleich geantwortet hat. Herr Déage
habe ihn falsch unterrichtet, der selbst durch seine Schwerhörigkeit getäuscht
wurde. Er möchte dadurch keine Einbuße an seiner Freundschaft erleiden. – Er
drückt ihm sein Beileid zum Tod des Vaters aus und versichert ihn seines Gebetes,
seit er von dessen Hinscheiden Kenntnis erhielt.

Das Bild des jungen Bischofs


Am 7. Dezember 1608 schrieb Franz von Sales an die Baronin von Chantal: ,,Ich
bemühe mich um eine recht gründliche Erneuerung meiner Seele, denn morgen
sind es sechs Jahre, daß Gott mich der Welt und mir selbst genommen hat, um
mich seiner Kirche und seinen Schäflein zu geben. Sie wissen, daß dies der Jahres-
tag meiner Bischofsweihe ist“ (DA 5,182). Zeugen berichten unter Eid von der
Entrückung des Heiligen während der Weihe. Gott bemächtigte sich seiner für
die großen Aufgaben, für die er ihn auserwählt hatte. Er gehörte nun nicht mehr
sich, sondern den Menschen. Er weiß um die große Verantwortung, daher bittet
er immer wieder um das Gebet seiner Freunde.
Wie viele Probleme gaben ihm diese Aufgaben auf! Nicht umsonst schrieb er
einmal an die Baronin von Chantal vom stürmischen Meer seiner Diözese (DA
5,70); die Angelegenheiten dieser Diözese gleichen reißenden Strömen (DA 5,103).
Seine Briefe aus den ersten Jahren lassen einiges davon ahnen.
Woher hat Franz von Sales die innere Ruhe und Sicherheit, die dabei sichtbar
werden? Vor seiner Bischofsweihe hat er geistliche Exerzitien unter der Leitung
des P. Fourier gemacht, sich eine Lebensregel aufgestellt, in der Meßopfer, Gebet
und theologisches Studium die geistliche Grundlage bilden; daran hat er sich
gewissenhaft gehalten. Lang noch wirkt auch das große Erlebnis seiner Bischofs-
weihe nach, das er jedes Jahr erneuert. Davon ist das geistige Bild des jungen
Bischofs von Genf von Anfang an geprägt.

98
IV
V.. Der Seelenführer
Ostern 1604 – Pfingsten 1610

Franz von Sales hat die Fastenpredigten in Dijon angenommen in der Hoffnung,
bei dieser Gelegenheit die Verhandlungen über die kirchlichen Güter in Gex zu
einem guten Abschluß zu bringen. Diese Fastenpredigten markieren darüber hin-
aus eine Wende in seiner geistlichen Wirksamkeit, die er nicht voraussehen konn-
te: Sein Einfluß weitet sich über die Grenzen seiner Diözese aus. In den folgen-
den Jahren erhält er immer wieder Einladungen zu Advents- und Fastenpredigten
in französischen Städten, denen er infolge des Mißtrauens seines Herzogs nur
zum Teil nachkommen kann: Lyon, Grenoble, Paris u. a. Und jede dieser Einla-
dungen führt zur Ausweitung seiner Korrespondenz, weil nach diesen Predigten
immer Einzelne um seinen geistlichen Rat bitten. Damit tritt neben den bereits
bekannten Begabungen des Heiligen als Prediger, Missionar und kirchlicher Di-
plomat eine neue in den Vordergrund: sein Charisma als Seelenführer.
Vereinzelt hat er schon in den vorausgehenden Jahren einzelnen Menschen brief-
lich Ratschläge und Weisungen für ein christliches Leben gegeben, aber in Dijon
werden Bande geknüpft, die eine persönliche Führung über viele Jahre hin be-
gründen. Die chronologische Einordnung der geistlichen Briefe dieses Abschnitts
in die Gesamt-Korrespondenz und deren teilweise beträchtlicher Umfang zeigen
deutlich, welchen Rang die Seelenführung in diesen Jahren im Wirken des Bi-
schofs einnimmt. Sie ist mit Pfingsten 1610 keineswegs beendet, erhält aber von
diesem Zeitpunkt an einen neuen Akzent.
Das deutliche Übergewicht der Seelenführungsbriefe im folgenden Abschnitt
bedeutet nicht eine Vernachlässigung anderer Aufgaben. So geht der amtliche
Briefwechsel und die Korrespondenz mit Verwandten und Freunden weiter. Das
führt zur Verdichtung des Briefapostolates, freilich auch zu einer deutlichen
Verschiebung des Schwergewichts zugunsten der geistlichen Führung.

99
A. Ostern 1604 bis Pfingsten 1605

In diesem Jahr legt Franz von Sales den Grund für die geistliche Führung dreier
Frauen, denen er in Dijon begegnet ist, die von da an zu seinen wichtigsten
Korrespondenten zählen. Der Beginn der Korrespondenz mit ihnen zeigt bereits
die Eigenart seiner Seelenführung: Die große Linie ist für alle gleich, deshalb
übergibt er ihnen kleine Abhandlungen über Grundfragen des religiösen Lebens,
die sie untereinander austauschen; die Anwendung dieser Grundsätze aber rich-
tet sich nach den persönlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten: Stand und
Beruf, Gesundheit, Charakter und Temperament. Das wird an diesen drei Frauen
besonders deutlich.
Johanna Franziska von Chantal (1572-1641) hat nach neunjähriger glücklicher
Ehe ihren Mann, dem sie vier Kinder geboren hat, durch einen Jagdunfall verlo-
ren. Nun wendet sich ihr Herz mit ungestümem Verlangen Gott zu; sie macht das
Gelübde, nicht mehr zu heiraten, und bittet Gott um einen geistlichen Führer.
Durch Freundinnen gerät sie an einen Ordensmann, der sich ungebeten zu ihrem
Seelenführer macht, sie durch vier Gelübde an sich bindet, ihr eine Unzahl reli-
giöser Übungen und Kasteiungen auferlegt, die sie mehr verwirren als fördern.
Schon bei der ersten Predigt des hl. Franz von Sales in Dijon erkennt sie in ihm
den geistlichen Führer, den ihr Gott in einem Gesicht gezeigt hat, aber ihre
Gelübde hindern sie, sich ihm anzuvertrauen, bis eine Gewissensnot in Abwesen-
heit ihres Seelenführers sie veranlaßt, durch Vermittlung ihres Bruders, des Erz-
bischofs Frémyot von Bourges, ihn um eine Unterredung zu bitten. Franz von
Sales erkennt sogleich ihr Herz, „das kraftvoll liebt“, und ist ihr zu helfen bereit.
„Gott hat mich Ihnen gegeben, das wird mir mit jeder Stunde mehr zur Gewiß-
heit“, schreibt er ihr von der ersten Station seiner Rückreise am 26. April 1604
(XII,262; DA 5,43).
Zunächst will er ihrer Seele neben ihrem Seelenführer dienen, nach Beratung mit
P. Fourier erklärt er aber ihre Gelübde für nichtig. Auf einer gemeinsamen Wall-
fahrt nach Saint-Claude übernimmt er ihre Seelenführung und legt in den Brie-
fen der folgenden Monate das Fundament für ihr Streben nach Vollkommenheit
und für die heilige Seelenfreundschaft, die beide Heilige von nun an verbindet.
Marie Brulart, Tochter von Claude Bourgeois, Herr de Crépy, und Schwester der
Äbtissin von Puits d’Orbe, ist die Gattin des Senatspräsidenten Nicolas Brulart
von Burgund. An sie sind Briefe des hl. Franz von Sales bis 1613 überliefert (DA
6,78-113). Aus ihnen ergibt sich das Bild einer eifrigen, wenngleich etwas wei-
chen Frau, die als Gattin und Mutter in gehobener gesellschaftlicher Stellung die
standesgemäße Vollkommenheit nach den Weisungen ihres heiligen Seelenführers
zu verwirklichen trachtet.

100
Rose Bourgeois, die jüngere Schwester von Mme. Brulart, ist durch den Einfluß
ihres Vaters, ohne innere Berufung Ordensfrau und Äbtissin von Puits d’Orbe
geworden. Nach den Fastenpredigten des hl. Franz von Sales in Dijon, an denen sie
mit ihrer Schwester teilnahm, faßt sie den Entschluß zur Änderung ihres eigenen
Lebens und zur Reform ihres Klosters und stellt sich unter die Leitung des Bi-
schofs von Genf. Wie seine Briefe deutlich zeigen, wird beides immer wieder ver-
zögert durch ihre Unentschlossenheit und durch Einflüsse von außen, obwohl
Franz von Sales mit unendlicher Geduld immer wieder ermutigt und mahnt.
Annecy, 3. Mai 1604 (XII,263-267) an die Baronin von Chantal: Als Resonanz
auf die Aussprache in Dijon ermutigt der Brief zum Festhalten am Verlangen
nach Vollkommenheit wie an der Liebe zum Witwenstand, den „zwei Säulen ihres
Heiligtums“, und warnt vor Skrupeln (DA 5,43-45).
Annecy, 3. Mai 1604 (XII,267-271) an Mme. Brulart: Grundregeln und Mittel
für ihr Streben nach christlicher Vollkommenheit als verheiratete Frau (DA 6,79-
81).
Annecy, 3. Mai 1604 (XII,271-273) an die Äbtissin Bourgeois: Begleitschreiben
zur Schrift über die christliche Vollkommenheit, die Franz von Sales auch den
beiden anderen Damen geschickt hat, zusätzlich zu einer Weisung über ihre
Pflichten als Ordensfrau und Äbtissin (s. XXVI,165-170), die er ihr bereits
übergeben hat (DA 7,254).
Annecy, Mai 1604 (XII,273-275) an einen Calvinisten:
Ich hatte nicht die Absicht, mich auf eine Konferenz mit Ihnen einzu-
lassen. Die Notwendigkeit einer bevorstehenden Reise nimmt mir die
Möglichkeit dazu. Wenn die Konferenzen nicht unter günstigen Bedin-
gungen stattfinden, wenn nicht genügend Zeit dafür da ist und man
nicht die Möglichkeit hat, sie zu Ende zu führen, sind sie unfruchtbar.
Ich habe nur die Ehre Gottes und das Heil des Nächsten im Auge; wenn
diese nicht zu erreichen sind, halte ich keine Konferenzen ...
Das Gebet für die Verstorbenen wurde von der ganzen Kirche des
Altertums geübt; das anerkennt sogar Calvin. Die Väter haben es belegt
mit dem Buch der Makkabäer und mit der allgemeinen Übung ihrer
Vorfahren. Sehen Sie den Schluß und den Anfang der Schrift des hl.
Augustinus über diesen Gegenstand. Wir halten mit ihnen Schritt und
folgen ihren Fußstapfen. Weder das Buch der Makkabäer noch die Ge-
heime Offenbarung waren so allgemein anerkannt wie die übrigen; das
eine wie das andere wurden es dennoch in gleicher Weise auf dem Kon-
zil von Karthago, an dem der hl. Augustinus teilnahm. Man hat eine Zeit
lang erlaubterweise an bestimmten kanonischen Schriften gezweifelt, an
denen man heute nicht mehr zweifeln darf. Die von mir zitierten Stellen
sind so eindeutig, daß man sie nicht in einem anderen Sinn auslegen
kann.

101
Ich beschwöre Sie bei Jesus Christus, doch die Heilige Schrift und die
alten Väter ohne Vorurteile zu lesen. Sie werden sehen, daß das Wich-
tigste und Wesentliche im Antlitz der Urkirche in der gegenwärtigen
Kirche vollkommen erhalten ist. Man hat mir gesagt, daß Gott Ihnen
viele natürliche Gaben geschenkt hat; mißbrauchen Sie diese nicht, um
die Gaben der Gnade auszuschließen ...
Tragen Sie zu Ihrem Heil die aufmerksame Erwägung unserer Grün-
de und der alten Väter bei. Ich werde mein armes, schwaches Gebet
beitragen, das ich der Barmherzigkeit unseres Erlösers aufopfere ...

Annecy, 29. Mai 1604 (XII,275f) an den Herzog:


Ich habe den Auftrag Ew. Hoheit erhalten, Ihnen zuverlässige Aus-
kunft über den Zustand des Priorates und Klosters Bellevaux zu geben,
weil man Ihnen mitgeteilt hat, es sei so arm, daß man daran denken will,
dem Prior den Zehent zu erlassen. Ich gehorche also dem Wunsch Ew.
Hoheit und kann aus genauer Kenntnis der Wahrheit Ew. Hoheit versi-
chern, daß dieses einst berühmte Kloster in seinen Gebäuden fast ruinen-
haft ist und in seinen Einkünften so verarmt, daß es seit langer Zeit dem
Prior keine hundert Dukaten jährlich abwerfen kann. Außerdem hat es
dieses Jahr durch das Unwetter großen Schaden erlitten, so daß es seine
Verpflichtungen kaum erfüllen kann. Dazu kommt die Armut des neuen
Priors mit der Absicht, dort zu residieren und seine Aufgabe gut zu erfül-
len. Daraus muß man folgern, daß Ew. Hoheit durch eine fromme Schen-
kung ihre Großzügigkeit in dieser Frage walten lassen soll ...

Annecy, 14. Juni 1604 (XII,277-281) an die Baronin von Chantal: Der für die
Baronin und ihren Seelenführer bestimmte Brief soll die Bedenken zerstreuen,
daß sie durch die Beratung mit Franz von Sales ihre Pflicht gegen den Seelen-
führer verletzt habe (DA 5,46-48).
Annecy, 20. Juni 1604 (XII,281f) an Charles d’Albigny:
Ihr Wunsch, daß man die Soldaten aus heiligen Orten herausholen
dürfe, um sie für ihre Vergehen zu bestrafen, ist sehr gerecht und geeig-
net zur Erhaltung des öffentlichen Wohles. Ich hatte so viele Unan-
nehmlichkeiten, weil ich es nicht gestatten wollte, daß ich ebenfalls An-
laß habe zu wünschen, die Gesetze über die Unverletzlichkeit der Kir-
chen sollten zu diesem Zweck abgeschwächt werden. Trotzdem kann ich
das nicht von mir aus tun, da ich Untergebener bin. Deshalb habe ich
den Herrn Nuntius gebeten, mir ein kurzes Wort mit der Erklärung zu-
kommen zu lassen, das mich von der Strenge der Gesetze entbindet, die
nach meiner Ansicht nicht am Platze sind in dieser Zeit, an diesem Ort

102
und bei diesen Anlässen. Ich bitte Sie, es für gut zu finden, daß ich warte,
da meine Lage es so erfordert ...

Annecy, 24. Juni 1604 (XII,282-288) an die Baronin von Chantal: Der nur für
die Baronin bestimmte Brief spricht deutlicher und ausführlicher über die Bin-
dung an ihren Seelenführer und deren Grenzen. Franz von Sales will ihrer Seele
dienen, ohne den Titel des geistlichen Vaters zu beanspruchen (DA 5,48-52).
Annecy, 15. Juli 1604 (XII,289-291) an Papst Clemens VIII.:
Heiliger Vater, die Diözese Belley, an die von Genf angrenzend, ist
seit einiger Zeit unbesetzt. Dem allerchristlichsten König wurden meh-
rere Kandidaten vorgeschlagen, damit er sie dem Heiligen Stuhl präsen-
tiere. Unter ihnen ist ein französischer Priester, André de Sauzéa, 1 ein
Mann mit vielen Qualitäten: ein guter Theologe, eifriger Prediger und
von untadeligem Lebenswandel. Obwohl diese verwaiste Diözese recht
arm ist, ist sie dennoch sehr wichtig, denn sie liegt in der Nachbarschaft
der Häretiker und in deren Grenzbereich. Das Gedeihen dieser Diözese
kann viel zu dem der Diözese Genf beitragen. Deshalb, Heiliger Vater,
und da ich weiß, daß Ew. Heiligkeit mit sehr liebevoller Sorgfalt für die
Bischofssitze sorgen und Ihr besonderes apostolisches Wohlwollen für
die Diözese Belley walten lassen, wage ich trotz meiner Armseligkeit und
Unwürdigkeit, Sie zu bitten, daß Sie um der Ehre Gottes und des Heils
der Seele willen den genannten Theologen begünstigen. Dazu bewegt
mich kein persönliches Interesse, da ich den Mann erst seit einem Jahr
kenne. Er hat in der Diözese Genf viele Predigten gehalten, zum großen
Nutzen und zur Genugtuung der Zuhörer.
Möge Ew. Heiligkeit diese meine Bitte mit jener freundlichen Güte
entgegennehmen, die mir Vertrauen einflößt, Ihnen in diesem Anliegen
zu schreiben ...

Sales, 11. August 1604 (XII,292f) an Charles d’Albigny: Über eine finanzielle
Frage des Heiligen Hauses in Thonon.
Sales, 11. August 1604 (XII,293f) an Claude de Blonay: Über die Schwierigkeit,
für ein armes Benefizium einen geeigneten Bewerber zu finden.
Annecy, 14. August 1604 (XII,294-297) an Bischof Revol von Dole: geistliche
Fragen.
Annecy, 18. August 1604 (XII,298f) an Jean-François de Blonay:2
Ich freue mich sehr über die guten Nachrichten des Herrn von Abon-
dance und die Niederlassung der Feuillanten. Er wird in mir jederzeit
einen ihm sehr ergebenen Diener finden. Ich reise unwiderruflich am
23. d. M. nach Saint-Claude ab, um ein altes Gelübde zu erfüllen, das
meine Mutter und ich in einer meiner Krankheiten abgelegt haben. Ich

103
werde am 24. dort sein und am 25. noch dort bleiben; ich denke, am 27.
wieder hier zu sein. Ich hatte vor, nach Sales zurückzukehren, aber ich
ändere gern meine Absicht und werde mich am 27. hier einfinden, um
für den Herrn von Abondance ein Zimmer bereitzuhalten, das meinen
bescheidenen Verhältnissen entspricht. Ich bitte Sie, ihn in meinem Na-
men einzuladen, aber recht herzlich. Wenn er vor mir ankommt, wird ihn
und Sie Herr Déage empfangen ... Der Herr Vikar wird das übrige be-
antworten ...
Sales, 5. Oktober 1604 (XII,299-325) an Erzbischof Frémyot von Bourges: Die-
ser berühmte Brief über das Predigtamt ist in den „Geistlichen Schriften“ veröf-
fentlicht (DA 12,29-49).
Sales, 7. Oktober 1604 (XII,326-332) an den Präsidenten Benigne Frémyot: ein
freimütiger Brief, auf Wunsch des Präsidenten geschrieben, über die Vorberei-
tung auf den Tod durch Loslösung vom Irdischen durch Erwägungen über Gott
und durch gute Lektüre (DA 6,49-53).
Sales, 9. Oktober 1604 (XII,332-341) an die Äbtissin Bourgeois: konkrete Wei-
sungen für das geistliche Leben, zusätzlich zu einer Schrift über das innerliche
Gebet, und für die Reform des Klosters (DA 7,255-261).
Sales, 13. Oktober 1604 (XII,341-345) an die Äbtissin Bourgeois: einzelne Rat-
schläge für ihre eigene Erneuerung und für die Reform des Klosters (DA 7,262-
264).
Sales, 13. Oktober 1604 (XII,345-352) an Mme. Brulart: als Antwort auf Beden-
ken und Fragen einige Grundregeln der Frömmigkeit und eine geistliche Tages-
ordnung (DA 6,82-87).
Sales, 14. Oktober 1604 (XII,352-370) an die Baronin von Chantal: Nachdem
Franz von Sales die Seelenführung der Baronin übernommen hat, sind ihr von
neuem Bedenken dagegen gekommen. Darauf und auf eine Reihe von Fragen
antwortet dieser ausführliche Brief. Er enthält u. a. die Ordnung der geistlichen
Übungen mit der Grundregel ihres Gehorsams: „Alles aus Liebe, nichts aus Zwang
... (DA 5,52-67).
Annecy, 27. Oktober 1604 (XII,371-374) an Papst Clemens VIII.: über die Not-
wendigkeit der Reform von Klöstern in seiner Diözese. Bitte um Bestätigung der
Ablösung der Mönche von Abondance durch Feuillanten (DA 12,137f).3
Annecy, 27. Oktober 1604 (XII,374f) an den Herzog: Bitte um Genehmigung des
gleichen Planes und um eine Präbende für Herrn Nouvellet (DA 12,138f).
Annecy, 31. Oktober 1604 (XII,376f) an den Herzog: Rechtfertigung und Bitte
um Intervention des Herzogs in dem Prozeß um die Pfarrei Allinges, den der
Propst vom Großen St. Bernhard beim Erzbischof von Tarentaise anstrengte (der
1618 durch einen Vergleich beendet wurde).
Annecy, 31. Oktober 1604 (XII,378f) an Staatssekretär de Roncas: Bitte um
Vermittlung im Prozeß um die Pfarrei Allinges.
Annecy, 1. November 1604 (XIII,392, a-e) an die Baronin von Chantal: über die
Demut, die vorzüglichste Tugend der Witwe (DA 5,67-70).

104
Annecy, 12. November 1604 (XII,379f) an den Herzog:
Herr Nouvellet 4 wurde mit dem Amt des Theologalen von Evian be-
traut, also auch mit der damit verbundenen Präbende ausgestattet. Nun
ist aber der Abt von Abondance stark daran gehindert, sie zu zahlen, weil
er einerseits große Auslagen hat, um die Patres Feuillanten in sein Klo-
ster einzuführen, andererseits schon mit Gehältern belastet ist. Er sagt
aber, wenn jene, die Gehälter haben, freiwillig die Hälfte für die Präben-
de übernehmen würden, wollte er gern die andere Hälfte beitragen.
Das kann man aber weder erwarten noch erhoffen, außer von der
Güte und Fürsorge Ew. Hoheit, wenn Sie dem Abt und den Gehalts-
empfängern den Auftrag dazu geben im Interesse der Seelen, die da-
durch Hilfe bekommen, und zugunsten des guten Herrn Nouvellet, des-
sen Armut dadurch gemildert und der im Alter damit getröstet würde.
Er wird vor Gott und den Menschen für die Größe und das Wohl Ew.
Hoheit und Ihrer Kinder eintreten, für die auch ich täglich zur göttli-
chen Majestät bete ...

Annecy, 21. November 1604 (XII,380-390) an die Baronin von Chantal: Für das
Unvermögen des Geistes und die davon stammenden Versuchungen gegen den
Glauben erklärt Franz von Sales die Unterscheidung zwischen dem höheren und
niederen Seelenbereich (DA 5,70-77).
Annecy, 22. November 1604 (XII,390-395) an die Äbtissin Bourgeois: Ermuti-
gende Ratschläge für Schwierigkeiten im betrachtenden Gebet und für ihr Ver-
halten während der Krankheit (DA 7,264-268).
Annecy, 22. November 1604 (XII,395f) an Mme. Brulart: Eine kurze Antwort
auf den Bericht über ihren Landaufenthalt (DA 6,87f).
Annecy, 23. Dezember 1604 (XII,400) an Charles d’Albigny:
Der Überbringer dieses Briefes heißt Henri de la Rose; er stammt
aus Matisco, hat aber einen großen Teil seines Lebens in Genf verbracht.
Er kam zu mir, um die Absolution von der Häresie zu erhalten, die ich
ihm auch erteilt habe. Dabei sprach er von einer Sache, die ich nicht
recht verstehe, ich halte sie aber für wert, nicht ganz geringgeschätzt zu
werden. Deshalb habe ich ihm den Rat gegeben, bis zu Ihnen vorzudrin-
gen, damit Sie über sein Anliegen urteilen. Wie er mir sagte, hat er mit
keinem Menschen auf der Welt darüber gesprochen, außer mit mir, aber
ich habe es nicht recht verstanden ...

Annecy, 30. Dezember 1604 (XII,441) an M. de la Faverge:


Ihren Brief habe ich durch den gleichen Überbringer erhalten. Sein
Recht wird sehr sorgsam gewahrt werden, nicht nur, weil ich die Ver-

105
pflichtung dazu allen gegenüber habe, die zu dieser Diözese gehören,
sondern außerdem wegen der Empfehlung, die Sie mir gaben; sie wird
stets so großen Einfluß auf mich haben, wie keine andere. Wäre der
Herr Präsident hier, hätte ich unverzüglich getan, was Sie von mir bei
ihm wünschen; mit Gottes Hilfe werde ich das tun, wenn er von Cham-
béry zurückkommt; wie er mir schreibt, wird das auf Dreikönig sein ...

1602-1604 (XII,403f) an eine Unbekannte:


Ich übergehe alles übrige in Ihrem Brief, um nur Gott zu loben, zu
preisen und ihm zu danken für den Entschluß, den er in Ihre Seele
gepflanzt hat. Ich bitte ihn, diesen zu nähren und mit seinen Segnungen
diese Pflanze zu begießen. Ich war schon früher mit Ihrem Herzen ver-
bunden und habe ihm gewünscht, was ihm nun widerfahren ist; mehr
noch, mein Herz hat mir fast gesagt, was in das Ihre gesenkt wurde. Die
Liebe gibt manchmal eine Vorahnung durch die Kraft der Zuneigung ...
Mut, Madame! Es wäre wirklich ein erstaunlicher Kleinmut einer ed-
len Seele, einen solchen Entschluß aufzugeben, wie Sie ihn empfangen
haben. Gott, der ihn geschenkt hat, wird ihn nicht zurücknehmen, wenn
Sie ihn nicht wegwerfen. Bewahren Sie ihn also ...

Januar-März 1605 (XIII,1f) an Mme. de la Thuille: Segenswünsche für seine


fromme Schwägerin (DA 6,28).
Annecy, 18. Februar 1605 (XIII,4-11) an die Baronin von Chantal: eine Mah-
nung zur Geduld im religiösen Streben und in den Schwierigkeiten. Antworten
für Mme. Brulart über Beichte und Versuchungen (DA 5,77-82).
Annecy, 18. Februar 1605 (XIII,12-14) an die Äbtissin Bourgeois: aufmunternde
Worte über ihre Leiden (DA 7,268f).
Annecy, 18. Februar 1605 (XIII,14-16) an Mme. Brulart: kurze Antworten zum
Wechsel des Beichtvaters, einen Besuchsplan, über den Verkehr mit Hugenotten
u. a. (DA 6,88f).
La Roche, Ende Februar 1605 (XIII,16f) an die Baronin von Chantal: Emp-
fangsbestätigung für ihre Briefe, ermutigende Gedanken und Wünsche (DA 5,83).
La Roche, März 1605 (XIII,18-22) an Mme. Brulart: Die Überwindung der Un-
vollkommenheiten braucht Zeit. Glück der Gegenwart Gottes. Den Willen Got-
tes froh und mutig erfüllen (DA 6,89-93).
La Roche, März 1605 (XIII,22f) an die Äbtissin Bourgeois: Brieffragment mit
ermutigenden Gedanken für ihre Leiden (DA 7,269f).
Sales, 15./18. April 1605 (XIII,25-35) an die Äbtissin Bourgeois: persönliche
Nachrichten. Der tiefere Sinn des Leidens. Ausführliche Gedanken über den
Frieden der Seele und die Demut (DA 7,270-277).

106
Etwa 20. April 1605 (XIII,35-37) an Claude de Crépy:5
Wie sehr verpflichten Sie mich zu echtem, vollkommenem und kind-
lichem Gehorsam durch die Freundlichkeit, mir so oft zu schreiben über
Ihre Gesundheit und über den Stand der Angelegenheiten der Frau
Äbtissin, meiner teuren Schwester. Ohne Zweifel kann mich nichts mehr
befriedigen, als Ihres Gedenkens und Wohlwollens sicher zu sein und zu
sehen, daß Ihnen mein Verlangen sehr angenehm ist, dieser Schwester
in all ihren tugendhaften Bestrebungen zu dienen. Ich heiße es gut, daß
sie den Weg, den ich ihr vorgeschlagen habe, nicht ohne reifliche Über-
legung verläßt. Aber ich möchte auch nicht, daß sie sich deswegen über
die guten Ratschläge hinwegsetzt, die sie von anderen erhält, besonders
vom guten Pater von Saint-Benigne ...
Wie aber könnte ich jemals müde werden, reichliche Gnaden und
Segnungen dieser lieben Schwester und ihrem ganzen Haus zu wün-
schen? Ich sehe, wie sie um mein Wohlergehen so besorgt ist, daß sie mir
sogar einen Eilbrief geschickt hat, um sich über meine Gesundheit zu
erkundigen. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihr so ausführlich geschrie-
ben, wie ich nur konnte, um sie zu trösten, da ich wohl weiß, daß das
Wohlbefinden ihres Leibes viel von dem ihrer Seele abhängt, wie das
ihrer Seele von den geistlichen Tröstungen ...

Etwa 20. April 1605 (XIII,37-39) an Mme. Brulart: über ihre Schwester und
deren Beichtvater, der auch ihr nützen kann (DA 6,93f).
Annecy, 20. April 1605 (XIII,39-42) an die Baronin von Chantal: über das
geplante Treffen mit ihr zu Pfingsten in Thorens (DA 5,83-85).

Annecy, April/Mai 1605 (XIII,43-45) an Charles d’Albigny:


... Die Pfarreien Armoy, Reyvre, Draillans und Thonnay sind völlig
entblößt von Seelsorgern. Sie bekommen keine andere Betreuung als
jede Woche den Besuch der zunächst wohnenden Pfarrer. Es kann aber
nicht ausbleiben, daß durch das Fehlen von Geistlichen viele Unzuläng-
lichkeiten entstehen. Es wäre viel vernünftiger, daß die Ritter vom hl.
Mauritius ohne kirchliche Güter wären, als daß die Leute den Dienst
entbehren müssen, den sie für ihr Heil brauchen.
Es gibt noch einige andere Pfarreien, die nicht mit dem versehen
sind, was sie brauchen, wie Thonon, das keinen Pfarrer, sondern nur
Vikare hat, ebenso Ivoire und einige andere. Die Herren Ritter sind
verpflichtet, sie mit den angemessenen Mitteln zu versehen, wie ich ver-
pflichtet bin, sie mit Seelsorgern zu versehen. Sie haben keinen Grund,
sich über die Übermäßigkeit der geforderten Mittel zu beklagen, da die-

107
se ja in Ihrer Gegenwart auf das mögliche Mindestmaß ermäßigt wur-
den. Es bleibt also nur, das auszuführen, was bestimmt wurde ...
Ich weiß nicht, ob ich für das Kolleg dieser Stadt weiterhin nichts
erhoffen darf, das die Patres Jesuiten so dringend braucht. Ich weiß
sehr wohl, daß ich nichts zu erwarten habe, außer durch die Vermittlung
Ihrer Güte, deren Größe mir Verzeihung verspricht, wenn ich Ihnen so
viel und so oft lästig falle ...

Mélan, 19. Mai 1605 (XIII,45f) an die Baronin von Chantal: Ankündigung des
Mannes, der die Baronin von Gex nach Thorens begleitet (DA 5,86).

108
B. Pfingsten 1605 bis Pfingsten 1607

Dieser Zeitraum bildet einen deutlichen Abschnitt zwar nur in der Seelenführung
der Frau von Chantal, weil an seinem Anfang und an seinem Ende je eine Reise
der Baronin nach Savoyen steht, um Rechenschaft über ihre Seele zu geben und
Weisungen zu empfangen; Pfingsten 1605 kann aber für die beiden anderen
Damen als Anlaß zum Rückblick auf das erste Jahr der geistlichen Führung und
zum Ausblick auf die kommende Entwicklung genommen werden.
Johanna Franziska von Chantal hat ihrem Seelenführer Rechenschaft über die
Verfassung ihrer Seele gegeben, die auch in den vorausgehenden Briefen durch-
scheint: ihr ungestümes Streben, das durch ein Unvermögen des Geistes und
häufige Versuchungen gegen den Glauben erschwert wird. Ihrem Wunsch, die
Welt zu verlassen, stehen vorerst ihre familiären Pflichten im Weg: vier unmün-
dige Kinder, der greise Vater, der griesgrämige Schwiegervater, die Verwaltung
zweier Güter. Daher erhält sie die Weisung, zunächst in ihrem Stand zu verblei-
ben, im „Kloster der Witwen“, dessen „Äbtissin“ die Gottesmutter ist.
In der folgenden Zeit tritt immer deutlicher die innige Seelenfreundschaft zwi-
schen beiden Heiligen hervor, so in vertraulichen Mitteilungen des Bischofs über
sein Innenleben, in der liebevollen Sorge der Baronin um seine Gesundheit. Das
für Pfingsten 1606 geplante Treffen kommt wegen der Beanspruchung des Bi-
schofs nicht zustande, der neue Termin an Pfingsten 1607 wird kurzfristig festge-
setzt. Dabei fällt eine wichtige Entscheidung für Frau von Chantal, aber auch für
die weitere Entwicklung der geistlichen Freundschaft.
Marie Brulart ist eine Frau voll guten Willens, den Weisungen des hl. Franz von
Sales zu folgen. Obwohl sie eine gute Gattin und Mutter ist, schielt sie öfter nach
dem Ordensleben und sieht im häuslichen Leben nicht genug auf das harmoni-
sche Zusammenleben. Sie hat auch Schwierigkeiten mit den Beichtvätern, für die
Franz von Sales weise Ratschläge gibt.
Die Äbtissin Bourgeois, in der ersten Zeit eifrig auf die Führung durch Franz von
Sales und auf die Reform ihrer Abtei bedacht und in beider Hinsicht von ihm
reichlich beraten, besonders auch in ihrem langwierigen Leiden, befolgte leider
wesentliche Ratschläge nicht; sie gab nicht das unerläßliche Beispiel und war
parteiisch in der Leitung der Schwestern. So kam die Reform der Abtei nicht
voran, ein für Franz von Sales sehr schmerzlicher Mißerfolg.
Annecy 29. Mai 1605 (XIII,46f) an die Baronin von Chantal: der erste Brief
nach der Aussprache, mit der Erklärung der seligsten Jungfrau als „Äbtissin“
(DA 5,86f).

109
Annecy, 1. Juni 1605 (XIII,48-50) an den Abt von Abondance: über die Voll-
macht zur Segnung der Glocken. Delegation des Abtes.
Annecy, Anfang Juni 1605 (XIII,51f) an die Baronin von Chantal: Versicherung
der unlösbaren Verbindung mit ihrer Seele, besiegelt durch Generalbeichte, Kom-
munion und Gelübde des Gehorsams (DA 5,87f).
Annecy, 10. Juni 1605 (XIII,53f) an Mme. Brulart: Ermahnung zum Streben auf
dem von Gott durch ihren Stand vorgezeigten Weg (DA 6,94f).
Annecy, 16. Juni 1605 (XIII,54-57) an die Äbtissin Bourgeois: Über Schwierig-
keiten in der Beichte und im Gebet (DA 7,277-279).
Annecy, 28. Juni 1605 (XIII,58-60) an Mme. de Limojon: schrittweise, geduldig
vorgehen, um zu einer gesunden, liebenswerten Frömmigkeit zu gelangen (DA
6,42-44).
Annecy, 29. Juni 1605 (XIII,60-63) an die Äbtissin Bourgeois: Reaktion auf
verschiedene Sorgen, die ihm die Äbtissin verursacht, die der Reform auszuwei-
chen versucht (DA 7,279-281).
Annecy, 29. Juni 1605 (XIII,63f) an Claude de Crépy:
Ich schreibe Ihnen diese paar Worte, um Sie sehr untertänig zu grü-
ßen und Ihnen meine Ansicht über die Artikel der Reform von Puits
d’Orbe zu sagen. Ich glaube nicht, daß Sie darin etwas Strenges finden
werden. Aber, mein Herr, mein sehr verehrter Vater, bin ich nicht Ihr
ganz gehorsamer Sohn? Schützen Sie also meine Ehre. Erlauben Sie
nicht, daß der Pater von Saint-Benigne glaubt, ich wolle seinen Rat über-
spielen, denn ich kann das nicht wollen.
Was meine Schwester, und wenn Sie erlauben, meine Tochter be-
trifft, so denke ich, unser guter Gott, der mir so viel Herz für ihr Wohl
geschenkt, wird mir auch Licht schenken, ihrem Geist zu dienen. Sehen
Sie, mein Herr Vater, nicht jede Geistesrichtung ist gut für sie. Da ist
Herr Viardot aus Dijon, der ihr zusagt. Es wird sehr gut sein, wenn er
manchmal hinkommt. Er fragt nicht gern um meine Meinung. Ich bitte
Sie, ihm entgegenzukommen. Damit will ich nun nicht sagen, daß Herr
Neron für unser Vorhaben nicht sehr nützlich sei ... Glauben Sie mir,
wenn ich könnte, wie ich wünschte, würden keine sechs Monate verge-
hen, ohne daß ich mit Ihnen acht Tage in diesem frommen Hause weilte.
Ich bin für gewöhnlich dort im Geiste und mit dem Herzen ...

Im Juli 1605 (XIII,65f) an Charles d’Albigny:


Ich zweifle keineswegs an der Beständigkeit Ihres Eifers und daran,
daß Sie auf die Dinge bedacht sind, die sich auf den Dienst Gottes bezie-
hen. Trotz dieser Gewißheit muß ich mich aber selbst daran erinnern,
Sie untertänig zu bitten, was ich hiermit tue, für die Bedürfnisse unserer
Pfarreien im Chablais und Gaillard, die von Seelsorgern entblößt sind,

110
da die Mittel fehlen, wie Sie selbst in Thonon festzustellen Gelegenheit
hatten ...

Annecy, 1. Juli 1605 (XIII,66) an Antoine d’Avully:


Da die Rechnung, die meine Brüder Ihnen geschickt haben, in Ord-
nung ist, bitte ich Sie herzlich, Weisung für die Zahlung der Restsumme
zu geben ... So werden Sie die Unannehmlichkeiten beenden, die Sie
durch unsere lästigen Forderungen haben und wir durch die Verzöge-
rung der Zahlungen, und Sie verpflichten uns und besonders mich noch
mehr zu Ihrem Dienst. Ich bete zu Unserem Herrn für Sie und hoffe auf
einen sicheren Erweis Ihrer Freundschaft.

Annecy, 3. Juli 1605 (XIII,67f) an die Baronin von Chantal: über ihr Verhalten
gegen den Mann, durch den ihr Gatte getötet wurde (DA 5,88f).
Annecy, 16. Juli 1605 (XIII,69-73) an Papst Paul V.: 6
Im Wettstreit der Gratulanten, die am Beginn Ihres Pontifikates er-
schienen, um Ew. Heiligkeit ihre Ehrerbietung zu bezeigen, glaubte ich
meine Wenigkeit nicht vordrängen zu sollen, die zwar im Gehorsam, in
der Treue und Ehrerbietung niemandem nachsteht, aber an Verdiensten
so gering ist, daß sie im Vergleich mit anderen kaum Beachtung finden
könnte. Jetzt aber, Heiliger Vater, da der Eifer der Großen befriedigt ist,
würde ich nicht richtig handeln, wollte ich noch schweigen und nicht ver-
künden, welche frohe Kunde der Tag Ihrer Erhebung uns gebracht, und
besonders, welche Freude ich mit dieser Diözese darüber empfunden habe.
Ich schulde dieses Zeugnis meiner Freude dem Apostolischen Stuhl,
den ich zur Thronbesteigung eines so großen Pontifex beglückwünsche;
ich schulde es auch Ihnen, Heiliger Vater, der eine Zierde des Heiligen
Stuhles ist; ich schulde es allen Gläubigen Roms und der Welt, die Sie
durch die Ausstrahlung Ihrer Tugenden neu beleben; ich schulde es
dieser Provinz, die von den Fluten und Schlägen der Häresie hin- und
hergeworfen und fast zerschlagen, nun große Hoffnung im Blick auf
Ihre Fürsorge schöpft. Ich schulde es auch mir selbst, der Ihre wunder-
volle Güte schon früher erfahren hat, als Sie durch Ihre Kardinalswür-
de dem Apostolischen Stuhl ganz nahe standen und ich als Propst der
Kirche von Genf über die Rückgabe der durch die lange häretische Be-
setzung zerstörten Kirchen mit dem Heiligen Stuhl verhandelte und die
willkommene Nachricht von der Rückkehr vieler tausend Menschen in
die Kirche Christi brachte. Ich darf wohl hoffen, daß der Pontifex und
Vater mir Gunst erweisen wird, der ihn schon als wohlwollenden Kardi-
nal erfahren hat.

111
Das Herz als wichtigstes Organ des menschlichen Leibes läßt seine
wohltätigen Einflüsse besonders kraftvoll in den angeschlagenen Glie-
dern des Körpers wirken; die Sonne sendet ihre Strahlen um so reichli-
cher und kräftiger auf die Erde, je höher sie aufsteigt und das Firma-
ment beherrscht. Sie aber, Heiliger Vater, sind Herz und Sonne des
gesamten kirchlichen Dienstes, es besteht daher kein Zweifel, daß Sie
neben der Sorge für alle Kirchen Ihre besondere Fürsorge dieser zu
erneuernden Diözese zuwenden werden, die am meisten und schlimm-
sten von der Häresie gequält wird, und daß Sie dies um so reichlicher
tun werden, je höher Sie über uns stehen ...
Annecy, 18. Juli 1605 (XIII,73f) an Bischof Revol von Dol:
... Ich lebe hier unter vielen Schwierigkeiten und in großer Ohn-
macht, mein Amt auszuüben. Ich bin aber von unserem Herrn getröstet
durch mehrere Bekehrungen von Häretikern und besonders von Bür-
gern aus Genf, die durch eine außergewöhnliche Bewegung aus den
Reihen der Häresie austraten und zur heiligen Kirche zurückkehrten,
fast durchwegs junge Leute, gleich einem Bienenschwarm auf der Suche
nach einem besseren Bienenstock ...

Annecy, 21. Juli 1605 (XIII,74-76) an die Baronin von Chantal: Erwägungen
über Magdalena am Grab und den Willen Gottes (DA 5,89f).
Annecy, 25. Juli 1605 (XIII,77) an Pierre de Bérulle:
... Ich bitte Sie, wie Sie es mir versprochen haben, mir gegenüber
weiter die Liebe zu üben, indem Sie für mich beten ...
Annecy, 30. Juli 1605 (XIII,77f) an Charles d’Albigny:
Beiliegend ein Brief des guten P. Sebastian, der vor Eifer brennt, die
Menschen von Gaillard zurückzuführen. Wie Sie sehen, bemüht er sich,
mir von seinem Feuer mitzuteilen, und ersucht mich, Ihnen seinen Brief
zu schicken. Um seinen Wunsch zu erfüllen, tue ich das, obwohl ich
sicher bin, daß es nicht notwendig ist, Ihren Eifer zu beleben und aufzu-
frischen, der von selbst zu heiligen Aktionen drängt.
Aber ich muß Sie immer wieder bitten, vor allem den Herrn Ritter
Bergera zu sich zu rufen und mir Tag und Stunde anzugeben, daß wir
gemeinsam vor Ihnen mit Ihrer Autorität ein- für allemal die angemes-
senen Anteile für den Unterhalt des Gottesdienstes in den Kirchen der
Balleien festlegen. Ich bekenne in Wahrheit, keine Sorge in meinem Amt
quält meinen Geist so oft wie diese, besonders im Hinblick auf die fünf
oder sechs Pfarreien, die keinen Pfarrer haben. Besonders Tonnay vor
den Toren von Genf braucht gute und rasche Hilfe.

112
Wo auch immer Sie mich zu diesem Zweck zu sehen wünschen, kom-
me ich sofort, und ich bitte Sie demütig, mich in dem Anliegen der Be-
schleunigung zu unterstützen. Ich fürchte sehr, lästig zu werden, aber
nicht in dieser Sache. Sie können wohl beurteilen, daß mein Wunsch
vernünftig ist, so stark und drängend er sein mag.

Juli-August 1605 (XIII,79f) an die Äbtissin Bourgeois: über Fragen der Kloster-
reform, besonders der Klausur (DA 7,281f).
Annecy, 1. August 1605 (XIII,80-85) an die Baronin von Chantal: beruhigende
Versicherung über den Seelenzustand der Baronin. Persönliche Mitteilungen (DA
5,90-94).
Annecy, 28. August 1605 (XIII,86f) an Mme. Brulart: Fragen nach ihrem geistli-
chen Fortschritt und nach der Äbtissin (DA 6,95f).
Annecy, 28. August 1605 (XIII,87-89) an die Baronin von Chantal: Ratschläge
gegen neue Versuchungen. Nachrichten über Erfolge im Chablais (DA 5,94-96).
Annecy, 7. September 1605 (XIII,90f) an Mme. de Limojon: ihr Brief gibt die
Gewißheit über ihr festes Vorhaben, Gott im Streben nach echter Frömmigkeit
zu dienen (DA 6,44).
Annecy, 8. September 1605 (XIII,91f) an die Baronin von Chantal: geistliche
Anregungen im Anschluß an Maria Geburt (DA 5,96).
Annecy, 13. September 1605 (XIII,92-95) an die Äbtissin Bourgeois: über die
Einführung der Klausur; persönliche Ratschläge (DA 7,282f).
Annecy, 13. September 1605 (XIII,95-98) an die Nonnen von Puits d’Orbe:
lobende und werbende Gedanken zur Reform ihres Klosters gemeinsam mit der
Äbtissin (DA 7,284-286).
Annecy, 14. September 1605 (XIII,98-100) an die Baronin von Chantal: beruhi-
gende und klärende Worte in seelischen Schwierigkeiten (DA 5,97f).
Annecy, 30. September 1605 (XIII,101-103) an Antoine d’Avully:
Wir hatten die Freude, Ihr liebes Fräulein Tochter hier bei der Feier
der „großen Gnade“ zu sehen. 7 Sie sprach mir von ihrem Wunsch, sich
als heiliges Ganzopfer der Majestät ihres Gottes hinzugeben, sich im
Orden der hl. Klara ganz dem Dienste Gottes zu weihen. Ich kann nicht
leugnen, ihr Wunsch ist heftig, er kommt aus einer tief-frommen Seele,
die von der himmlischen Liebe erfaßt ist. Ich glaube, es wäre sehr scha-
de, seine Erfüllung zu verhindern. Ich habe ihr gesagt, was Sie mir ge-
antwortet haben, als ich mit Ihnen davon sprach, aber das konnte sie
nicht beruhigen. Die Kraft des inneren Dranges läßt kein Verschieben
und Verzögern zu. Da sie sah, daß ich Mitgefühl mit ihrem Herzen hatte,
das sich in seinen Wünschen verzehrt, beschwor sie mich sehr, Ihnen
darüber zu schreiben, was ich davon denke. Sie hoffte, daß meine Ver-
mittlung diesmal für sie wirksamer sein werde als die erste.

113
Ich werde es Ihnen also sagen. Da der Geist Ihrer Tochter so voll-
kommen erfaßt ist vom Willen, völlig und ohne Einschränkung für Gott
zu leben, wird sie niemals Ruhe außerhalb des Ortes finden, nach dem
sie sich sehnt. Und Sie, der Sie Ihre Tochter zärtlich lieben, werden
ebenfalls sehr unruhig darüber sein, sie ungern in der Welt vor Ihren
Augen leben zu sehen. Ihr Wunsch könnte auch so heftig sein, daß sie
eines Tages an Schwermut erkrankt und Ihnen Kummer bereitet, statt
Ihnen Freude zu machen. Glauben Sie mir, Gott weiß, daß ich dies vor
ihm sage: Überlassen Sie sich der göttlichen Vorsehung, lassen Sie Ihre
Tochter dort sich einschiffen, wohin die Eingebung sie ruft ... Gott ver-
langt von Ihnen das unblutige Opfer Ihrer Tochter. Er wird daran se-
hen, wie sehr Sie ihn lieben ...
Ich weiß wohl, daß man Gott auch in der Welt dienen und sein Heil
wirken kann, aber ich zweifle nicht daran, daß jene, die Gott aus ihr
zurückruft, mehr Mittel haben, ihm zu dienen. Und Sie wissen, daß wir
nicht beim Guten stehen bleiben sollen, wenn wir das Bessere erreichen
können, und wenn wir dazu angetrieben werden wie diese begnadete
Tochter, die für die große Wohltat, um die sie Ihre väterliche Liebe
bittet, Sie um Erlaubnis bittet, ihren Leib und ihre Seele, ihre Gedanken
und ihre Kräfte, ihre Jahre und ihre Freiheit dem weihen will, der ihr
alles geschenkt, was sie hat.
Ich bitte Sie, nehmen Sie diesen erneuten Vorstoß freundlich auf,
der aus einem Herzen kommt, das Ihrem Glück und Wohl zugetan ist.
Ich bitte die göttliche Güte, es Ihnen reichlich zu schenken ...

Im September/Oktober 1605 (XIII,103-105) an eine Ordensfrau: Erste Weisun-


gen an Bernarde de Vignod in Sainte-Catherine, die sich unter seine geistliche
Leitung stellt (DA 7,192f).
Annecy, 4. Oktober 1605 (XIII,105-110) an P. Antonio Possevino:
Es ist schon lange her, daß ich mich um Nachrichten von Ihnen er-
kundigt habe und nach dem Ort, wo Sie sind, um Ihnen auch Nachrich-
ten von mir zu geben. Ihr großes Wohlwollen für mich zur Zeit, als ich
das Glück hatte, einer Ihrer geistlichen Söhne in Padua zu sein, gibt mir
die Gewißheit, daß Sie nicht ohne Freude erfahren werden, was ich
mache ...
Als ich am wenigsten daran dachte, erfuhr ich auf meiner Rückreise
aus Paris in Lyon, daß der Bischof, mein Vorgänger, gestorben war. Da
mich der Papst kurz vor dessen Tod zu seinem Nachfolger bestimmt
hatte, war ich plötzlich Bischof von Genf, betraut mit der Führung dieser
armseligen, ganz zerschlagenen und aufgerissenen Barke. Hochwürdi-
ger Vater, ich muß gestehen, ich habe viel Mühe und Arbeit, dazwischen

114
aber auch manche Freude. Durch Gottes Gnade sehe ich nämlich täglich
viele die Häresie verlassen, um in den Schoß der Kirche zurückzukeh-
ren. Ebenso hat dieses Jahr eine schöne Anzahl der Bürger von Genf
und der Bewohner der Stadt abgeschworen und in meine Hände sich zur
heiligen katholischen Kirche bekannt. Der Überbringer dieses Briefes,
Herr de Gallion, ist einer dieser Konvertiten. Er kann Ihnen mehr Ein-
zelheiten darüber erzählen.
Eine besonders enge Freundschaft verbindet mich mit P. Jean Fou-
rier, dem Rektor des Kollegs von Chambéry, der mir mit seinen Rat-
schlägen und Weisungen viel hilft.
Bevor ich dieses Amt antrat, war ich gezwungen, etwas gegen ein
Buch zu schreiben, das die Prädikanten von Genf gegen die Verehrung
des Kreuzes veröffentlicht hatten. Später habe ich noch ein Büchlein
verfaßt, das viele gutgeheißen haben. 8 Hätte ich eine Möglichkeit gefun-
den, hätte ich es Ihnen zugeschickt, nicht weil ich es für würdig erachtet
hatte, daß Sie es sähen, sondern um alle meine Dinge Ihrem Urteil zu
unterbreiten, wie ich es seinerzeit für meine Seele machte, worauf ich
mein Leben lang stolz sein werde.
Mein hochwürdiger Vater, nehmen Sie bitte diesen Brief gütig auf.
Er kommt gewiß aus der Hand eines Mannes, der Sie ehrt und verehrt
wie kein anderer und der sich sehr geehrt und verpflichtet fühlt, wenn
Sie ihn zuweilen der Barmherzigkeit unseres Erlösers empfehlen, der
Ihnen gnädig und der Hüter Ihres ehrwürdigen Alters sein möge ...

Annecy, 10. Oktober 1605 (XIII,110-112) an Mme. de Rye: Ratschläge für die
spätere Äbtissin von Baume-les-Dames nach einer Aussprache (DA 7, 219f).
Annecy, 13. Oktober 1605 (XIII,113-115) an die Baronin von Chantal: kurze
Antwort auf mehrere Briefe vor der Abreise zur Visitation der Diözese (DA
5,98-100).
Annecy, 15. Oktober 1605 (XIII,115-117) an M. de Chevron-Villette:
Den Fuß im Steigbügel, um zur Visitation in diesen sechs Wochen bis
zum Advent aufzubrechen, danke ich Ihnen demütig für Ihre Sorge um
die Brüder Rolland ...
Mme. von Sainte-Catherine ist wirklich zu eigenartig. Ich habe es ihr
geschrieben und ihr auch meine Meinung ausführlich sagen lassen, konnte
aber nichts erreichen ...

Am 23. Oktober 1605 (XIII,117-119) an Jean de Brétigny:9


Ich danke Ihnen außerordentlich für den Brief, den Sie mir geschrie-
ben haben. Es bereitet mir große Freude zu wissen, daß Sie sich meiner

115
erinnern, ebenso die erfreulichen Nachrichten vom Fortschritt der Klö-
ster der heiligen Mutter Theresia in Frankreich zu hören. Denn ich habe
wahrhaftig eine besondere Verehrung sowohl für die Mutter als auch für
die Töchter und ich preise Gott, die neue Gründung in Dijon zu sehen, in
einer Stadt, die mir so teuer ist, als wenn ich dort meine Heimat hätte.
Sie werden mich sehr verpflichten, wenn Sie mich bei Gelegenheit
informieren über die Fortschritte wie über Einzelheiten der Einführung
des Ordens in Frankreich und über die Seelen, die hier zu ihm gekom-
men sind. Das wird mich trösten in den Mühen der schrecklichen Last,
die auf meinen Schultern liegt. Wenn Sie mir durch Ihr Gebet und Opfer
bei der göttlichen Majestät beistehen wollten, wäre meine Verpflichtung
Ihnen gegenüber vollkommen ...
P. S. Ihre Nichte ersuchte mich nach Ihrer Abreise von Paris und
während ich dort war, ihr geistlicher Vater zu sein; erlauben Sie mir, von
ihr Nachrichten zu erbitten. Sie ist ein Engel.

Anfang November 1605 (XIII,120) an die Äbtissin Bourgeois: ein Trostbrief in


Leiden und Schwierigkeiten, während der Visitationsreise geschrieben (DA
7,286f).
Annecy, 5. Dezember 1605 (XIII,126-128) an die Baronin von Chantal: nach
dem Ende der Visitationsreise und einer leichten Erkrankung Gedanken der
Hingabe mit dem Vergleich der Seeschwalben (DA 5,100-102).
Annecy, 17. Dezember 1605 (XIII,129f) an die Kanoniker von La Roche:
Die Sache des Kollegs von La Roche ginge gut voran, wenn nicht
einige aus persönlichen Interessen sich dagegen gewendet hätten, um
die Verwirklichung zu verhindern. So war es nun notwendig, von neuem
das allgemeine Interesse zu unterstreichen und es den Wünschen Ein-
zelner entgegenzustellen. Es scheint mir, Ihr könnt und solltet dazu
beitragen, nicht nur durch Eure Stimmen, sondern auch durch Eure
Mahnungen und überzeugende Reden. Die Gründung und Einrichtung
dieses Kollegs wird ja so sehr zur Ehre Gottes und der Kirche beitragen,
wie Ihr nur denken und glauben könnt. Deshalb habe ich Euch diese
Zeilen geschrieben, um Euch darum zu bitten, da ich sehr bedacht bin
auf alles, was das Wohl der Stadt betrifft; wie auch auf alles, womit ich
Eurem Kapitel dienen kann, dem ich den Segen des Himmels wünsche ...

Annecy, 24. Dezember 1605 (XIII,131f) an Charles d’Albigny:


Ich werde mich bemühen, den Herrn Prior von Bellevaux durch Brie-
fe zu überzeugen, um sich in der Meinungsverschiedenheit zu einigen,

116
die er mit Herrn Basso hat. Ich bin erstaunt, daß er es Ihnen gegenüber
an Achtung hat fehlen lassen.
Die arme Frau, belastet mit einer Schar kleiner Kinder, kommt ihrem
Mann zu Hilfe; sie erhofft sich keine andere Stütze als jene, die Ihre
große Liebe und Güte verspricht. Sie hat gewünscht, daß ich meine Bitte
mit ihrem Elend verbinde, um so leichter Ihr Mitleid zu erregen. Ich
konnte sie nicht abweisen, sowohl der hohen Feiertage wegen als auch,
um ihren Mann kennenzulernen, der frei von jeder Bosheit und ein
recht guter, treuer Mensch ist, was mich dazu drängt, Sie demütig zu
bitten, ihn begünstigen zu wollen.
Gott möge Sie mit seinen Segnungen überhäufen, die er an diesen
Tagen über die Erde ausgoß, als er seinen Sohn sandte, um als kleines
Kind bei uns geboren zu werden, dessen Fest wir in diesen Tagen feiern.
Ich wünsche Ihnen, daß Sie voll der Freude und Zufriedenheit seien ...

Annecy, 28. Dezember 1605 (XIII,133f) an die Baronin von Chantal: Wünsche
zum Jahresschluß, in der heiligen Liebe zuzunehmen (DA 5,102).
Annecy, 7. Januar 1606 (XIII,135f) an Pfarrer R. des Oches von Talloires:
Sie haben mich gefragt, ob es erlaubt ist, daß Kinder in der Kirche
approbierte Weihnachtslieder oder andere geistliche Lieder singen. Ich
sage ja, denn das geschieht auch in Rom und in ganz Italien. Ich habe es
auch in dieser Stadt und in La Roche veranlaßt. Ich mache aber darauf
aufmerksam, es darf nicht als ein Teil des öffentlichen und feierlichen
Offiziums gesungen werden, sondern einfach als Weihnachtslieder und
geistliche Gesänge, wie Sie sagen. Ich weiß, was der hl. Paulus sagt, daß
die Frau in der Kirche schweige; aber dabei handelt es sich um die Lehre
und nicht um Lieder ... Ich empfehle mich Ihrem Gebet.

Annecy, 16. Januar 1606 (XIII,136f) an Charles d’Albigny:


Der gute Pater Maurice, der für einige Tage hier ist, ersucht mich,
Ihnen zu empfehlen, daß Sie durch den Herrn Oberrichter von Ternier
oder durch seinen Stellvertreter, den Herrn de Rovenoz, für die Durch-
führung und Einhaltung der Edikte gegen die Hugenotten oder viel-
mehr für sie und ihre Rückführung sorgen. Die Wirkungen werden in
kurzer Zeit sehr gut und den Wünschen entsprechend sein. Mir scheint,
daß er den Stellvertreter dafür lieber am Werk sieht als den Oberrichter,
weil er an Ort und Stelle ist und geschickter, diese Sache im einzelnen zu
leiten. Die Freundlichkeit, die Sie mir bei allen Belästigungen durch mich
erweisen, läßt mich noch diese hinzufügen, um Ihnen die Notwendigkeit
vorzustellen, die dieser Pater für sehr dringlich erklärt, von der ich sehe,
daß sie zum mindesten ihm sehr am Herzen liegt.

117
Annecy, 30. Januar 1606 (XIII,138-143) an die Baronin von Chantal: vertrauli-
che Mitteilungen über seine Seele, verschiedene Ereignisse und Personen (DA
5,102-106).
Chambéry, 24. Februar 1606 (XIII,144f) an die Baronin von Chantal: über erste
Wirkungen der Fastenpredigten und den „Weinberg“ ihres guten Willens (DA
5,107f).
Chambéry, Ende Februar 1606 (XIII,146-148) an die Baronin von Chantal:
über die Einheit ihrer Herzen in Gott (DA 5,108-110).
Chambéry, Februar/März 1606 (XIII,148-151) an Mme. Brulart: Antworten zu
einzelnen Fragen des inneren Lebens (DA 6,96-99).
Chambéry, 6. März 1606 (XIII,152f) an die Baronin von Chantal: Verhalten bei
Versuchungen (DA 5,110).
Chambéry, 6. März 1606 (XIII,153f) an Barbe Acarie:
... Man schreibt mir von Dijon, daß Herr de Bérulle und Herr Galle-
mand dort sind, und sogar, daß Herr de Bérulle hierher kommen und
mir die Ehre geben wird, hinzukommen, wo ich sein werde ... Gewiß hat
diese Nachricht mich mit Freude erfüllt. Wenn es geschehen wird, werde
ich es für eine besondere Gnade Gottes ansehen ...

Annecy, 3. April 1606 (XIII,160f) an Mme. Brulart: Sie kann das Kloster ihrer
Schwester betreten, solange dort noch keine Klausur ist. Tendenzen in diesem
Kloster (DA 6,99).
Annecy, April 1606 (XIII,161-163) an die Baronin von Chantal: Rolle des Ver-
standes und der Vorstellungskraft beim innerlichen Gebet (DA 5,111f).
Annecy, 6. April 1606 (XIII,164-166) an Claude de Crépy:
Es ist nicht zu glauben, wie sehr Sie mich an meine Verpflichtung
gegen Sie binden, indem Sie stets meiner gedenken, wie Ihre zahlrei-
chen Briefe bezeugen. Ich preise Gott für die Gesundheit der Frau Äb-
tissin, meiner großen Schwester und – mit Ihrer Erlaubnis – meiner
lieben Tochter. Ich glaube, daß seine göttliche Güte sich ihrer für die
Vermehrung seiner Ehre und für das Heil vieler Seelen bedienen wird.
Aber, mein sehr verehrter Vater, ohne Sie, ohne Ihre Autorität kann
sie nichts tun, um die innere Erneuerung in ihrem Kloster herbeizufüh-
ren, und nichts, um sie aufrechtzuhalten, wenigstens an deren Beginn.
Deshalb bitte ich Sie, ihr beizustehen, vor allem für die Klausur, minde-
stens mit den Änderungen, die ich vorgeschlagen habe ...
Sie schreiben mir, daß unter allen frommen Personen die Präsiden-
tin, Ihre Tochter, und Mme. de Chantal den Preis davontragen ... Ich
verstehe, Sie wollen mich trösten mit der Frömmigkeit dieser zwei See-
len, die ich unendlich liebhabe in Unserem Herrn. Trotzdem bin ich ganz
beschämt zu sehen, daß sie den Himmel an sich reißen; und ich bleibe
ganz unten in meinen Unvollkommenheiten ...

118
Annecy, 7. April 1606 (XIII,166f) an Mme. Brulart: öftere Kommunion; Bedeu-
tung der Unvollkommenheiten (DA 6,100).
Annecy, 8. April 1606 (XIII,168) an Charles d’Albigny: geschäftliche Fragen des
Kollegs von La Roche.
Annecy, 14. April 1606 (XIII,169f) an den Prior und die Ordensleute von Sixt:
Über den Prozeß des Abtes gegen den Bischof 10 (DA 12,129f).
Annecy, 15. April 1606 (XIII,170f) an die Herzogin von Mercoeur: Intervention
für Herrn Manigod und Bitte um Nachsicht wegen der verspäteten Abtragung der
Schuld für Thorens.
Annecy, 24. April 1606 (XIII,173f) an eine unbekannte Dame: Begleitschreiben
zu einer Schrift mit geistlichen Weisungen.
Annecy, 29. April 1606 (XIII,174-176) an Mme. Brulart: Reaktion auf eine
Schwierigkeit mit der Äbtissin von Puits d’Orbe (DA 6,101f).
Annecy, 4. Mai 1606 (XIII,176f) an den Herzog: Bitte um Intervention bei den
Rittern, die ihre Versprechungen nicht halten (vgl. den folgenden Brief).
Annecy, 5. Mai 1606 (XIII,178) an den Rat der Ritter:
Seit langer Zeit erwarte ich die Anweisung, die Sie von Ihrer Seite
geben müssen, für die gerechte Dotierung der Kirchen von Chablais,
Gaillard und Ternier, die noch immer ohne Seelsorger sind, weil die
Mittel fehlen, um sie einzusetzen. Da ich sehe, daß diese Anweisung
nicht erfolgt, beschwere ich mich bei Ihnen, meine Herren, denn mir
scheint, daß Sie viel zu wenig Sorgfalt verwenden auf eine Sache, die so
wichtig ist für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Falls aber der
Ritter Bergera diese Anweisung bereits in Händen hätte und die Verzö-
gerung von seiner Seite kommt, beschwere ich mich über ihn noch viel
mehr, denn er kennt die Lage aus so vielen Versammlungen und Ge-
sprächen; ihm habe ich die Notwendigkeit dieser Maßnahme deutlich
genug dargelegt.
Nehmen Sie bitte diese Beschwerde an, meine Herren, die ich Ihnen
mit dem schuldigen Respekt vortrage, den mein Gerechtigkeitssinn mir
erlaubt. Ich wünsche in Ihrer Gunst zu leben und bitte Gott, Sie mit
seinen Segnungen zu überhäufen.

Annecy, 20. Mai 1606 (XIII,179-181) an Mme. de Charmoisy: Versicherung der


Diskretion über einen versehentlich geöffneten Brief und Dank für ihr Vertrauen
(DA 6,55f).
Annecy, 8 Juni 1606 (XIII,181-192) an die Baronin von Chantal: Plan eines
neuen Treffens zu Pfingsten. Erneut die Rolle des Verstandes und der Vorstel-
lung im betrachtenden Gebet. Persönliche Mitteilungen (DA 5,112-120).
Annecy, 17. Juni 1606 (XIII,192f) an die Baronin von Chantal: Ankündigung
der Visitationsreise, die fünf Monate dauern wird (DA 5,120f).

119
Im Sommer 1606 (XIII,194) an Mme. Brulart: Fragment mit Ermutigungen zur
Geduld im standesgemäßen Streben (DA 6,102).
8. Juli 1606 (XIII,195) an Charles d’Albigny:
Ich bitte Sie untertänigst, dem Herrn d’Ivoyre aus Chablais einen Paß
für einen Monat zu geben. Es besteht große Hoffnung, daß er sich in
dieser Zeit unterrichten läßt und konvertiert. Das erwarte ich nach einer
Mitteilung, die mir der Domherr Grandis gegeben hat, ein sehr glaubwür-
diger Mann. Auf sein Wort hin stelle ich diese Bitte ohne Bedenken ...

Im Juli/August 1606 (XIII,199-201) an die Baronin von Chantal: Antwort auf


mehrere Briefe. Gedanken über Erlebnisse bei der Visitation in den Bergdörfern
(DA 5,121f).
Cluses, 6. August 1606 (XIII,201-212) an die Baronin von Chantal: Während
einer notwendigen Erholungspause im Verlauf der strapaziösen Visitation beant-
wortet Franz von Sales ausführlich einen Brief der Baronin, in dem sie u. a. fragt,
ob sie hoffen darf, in einen Orden einzutreten (DA 5,123-131).
Im August/September 1606 (XIII,212f) an die Baronin von Chantal: Ankündi-
gung der Lebensgeschichte einer heiligmäßigen Dorfbewohnerin (DA 5,132).
Mitte September 1606 (XIII,213-217) an Mme. Brulart: Standespflichten und
religiöses Leben. Persönliche Mitteilungen (DA 6,102-105).
Cranves, 23. September 1606 (XIII,217f) an Charles de Loche: Über Heiratsplä-
ne befragt, empfiehlt Franz von Sales den jungen Mann, rät aber zu näheren
Erkundigungen über Einzelheiten.
Loëx, 28. September 1606 (XIII,219) an den Herzog:
Im vergangenen Jahr habe ich von Ew. Hoheit den Auftrag erhalten,
mich eingehend über die Lasten und Einkünfte des Priorates von Bellevaux
zu erkundigen. Das habe ich getan und festgestellt, daß die Lasten wirk-
lich alle Einkünfte aufzehren oder daß wenig daran fehlt. In diesem Jahr
war ich persönlich in dem genannten Priorat, um es zu visitieren. Dabei
konnte ich mich noch besser überzeugen, wie groß seine Armut ist. Ich
habe gesehen, daß die Gebäude fast alle verfallen sind; zu ihrer Wieder-
herstellung würden die Einkünfte vieler Jahre nicht ausreichen. Der Prior
wünschte deshalb, daß ich dafür bei Ew. Hoheit Zeugnis ablege; ich konn-
te das nicht ablehnen, weil es ganz der Wahrheit entspricht.

Fillinges, 29. September 1606 (XIII,220) an Kaiser Rudolf II.: Empfangsbestäti-


gung der Einladung zum Reichstag.
Bonneville, 2. Oktober 1606 (XIII,221f) an die Baronin von Chantal: Anstren-
gungen und Freuden der Visitationsreise (DA 5,132f).
Annecy, Ende Oktober 1606 (XIII,222-225) an die Baronin von Chantal: nach
der Rückkehr von der Visitation: die „mitgenommene“ Seele des Bischofs. Ein-
drücke von der Visitation (DA 5, 133f).

120
Annecy, Ende Oktober 1606 (XIII,225-230) an Mme. Brulart: Fragen der Re-
form von Puits d’Orbe. Konkrete Ratschläge für ihr eigenes Leben (DA 6,105-
109).
Annecy, 7. November 1606 (XIII,230f) an Herrn du Chatelard:
... Alle Welt weiß, daß mir in dem Fall, auf den Sie mich hinweisen, die
Hände gebunden sind, daß ich sie nicht zur Vergebung von Pfarreien
rühren kann, außer auf dem Weg des Konkurses, von dem ich für nie-
mand eine Ausnahme machen kann.
Das Ausbleiben des Erfolgs wird gewöhnlich als mangelnder Wille
ausgelegt; ich traue aber Ihrem klaren Geist eine bessere Auslegung
meiner Antwort zu. Da Sie sehen, daß sie der Wahrheit entspricht, wer-
den Sie weiterhin glauben, daß ich Ihrem Herrn Bruder genau so Erfolg
wünsche wie meinem eigenen ...

Annecy, 23. November 1606 (XIII,231-233) an Papst Paul V.:


Schon naht das fünfte Jahr meines Episkopates. Ehe das vierte ganz
zu Ende geht, muß ich nach apostolischer Bestimmung die Gräber der
Apostel besuchen. Allein die Höhe der Kosten, die Beschwerlichkeit des
Weges und der Nutzen der Diözese selbst hindern mich, eine so große
Reise zu unternehmen. Daher schicke ich meinen leiblichen Bruder, Ka-
noniker meiner Kathedrale, daß er in meinem Namen diese Aufgabe
erfülle und den genauen und ausführlichen Bericht über den Stand der
Diözese überreiche. Sein Ergebnis ist dieses: eine weitläufige Provinz,
die zugleich weitgehend verödet ist. Zu ihrer Wiederherstellung ist viel
erforderlich, was man nur vom Apostolischen Stuhl erwarten kann. Sei-
ne Hilfe und seinen Beistand erbitte ich deshalb eindringlich und instän-
dig, zugleich mit dem väterlichen Segen, den die Güte Ew. Heiligkeit
gern denen erteilt, die Ihnen als Kinder in aller Ehrfurcht ergeben sind.
Aus der Stadt Annecy, dem Ort unserer Pilgerschaft und unserer
Verbannung, in der wir weinend sitzen, während wir an unser Genf den-
ken, bis der Herr unsere Vertreibung wende wie den Strom im Südwind,
am 23. November 1606.

Annecy, 23. November 1606 (XIII,234f) an P. Jean-Matthieu Ancina:


Da ich meinen Bruder zum Besuch ad limina nach Rom sende, wen-
de ich mich mit diesem Brief an Sie als Ihr ergebener Diener. Zugleich
bitte ich Sie, meinem Bruder die Gunst zu gewähren, daß er an den
Übungen Ihrer sehr frommen Kongregation (des Oratoriums) teilneh-
men darf. Ich habe eine große Wertschätzung für sie ...

121
Annecy, 25. November 1606 (XIII,236f) an die Baronin von Chantal: über die
Jubiläumsfeierlichkeiten mit vielen Generalbeichten (DA 5,134).
Annecy, 28. November 1606 (XIII,237-239) an Kardinal Baronius: Bitte um
Beistand für seinen Bruder in den Anliegen der Diözese.
Annecy, Ende November 1606 (XIII,239 241) an einen Kardinal: die gleiche
Bitte für seinen Bruder.
Annecy, Dezember 1606 (XIII,241f) an Bernarde Vignod: ermutigende Gedan-
ken zum Jahrestag ihrer Generalbeichte als Beginn der Erneuerung (DA 7,193f).

Annecy, 10. Dezember 1606 (XIII,243) an Antoine Favre:


Ihre liebe Frau Präsidentin und ich beten während der Jubiläumsfei-
ern für Ihre Gesundheit und erwarten Ihre Rückkehr; und wenn wir Sie
einmal festhalten können, werden wir nicht zulassen, daß Sie uns wieder
verlassen. Kommen Sie also zurück, lieber Bruder, aber kommen Sie mit
einer gefestigten Gesundheit, die uns unsagbar teuer ist. Wenn die Versi-
cherung unseres Wohlergehens zu Ihrer Genesung beitragen kann, dann
werden Sie sich wohlbefinden, denn all den Ihren hier geht es gut ...

Annecy, 14. Dezember 1606 (XIII,244f) an Mlle. Clément: über ihren Wunsch,
Ordensfrau zu werden, und ihre Sorgen (DA 6,53f).
Annecy, 25. Dezember 1606 (XIII,245f) an Kaiser Rudolf II.:
Wir, Franz von Sales, Fürstbischof von Genf, bestätigen, daß uns das
Schreiben Ew. stets erhabenen kaiserlichen Majestät ausgehändigt wur-
de, das uns daran erinnert, daß der bereits angekündigte Reichstag am
8. Mai des kommenden Jahres stattfinden muß.
Wir beschwören den überaus großen und erhabenen Gott mit allem
Eifer, daß er der kaiserlichen Krone Hilfe vom Heiligtum sende und sie
von Sion aus beschütze ...

Annecy, 30. Dezember 1606 (XXI,83-85) an die Baronin von Chantal:11 Rechen-
schaft zum Jahresschluß und persönliche Nachrichten (DA 5,134-136).
Annecy, Januar 1607 (XIII,247f) an Bernarde de Vignod: über Demut, Selbst-
verleugnung, Mut und Nächstenliebe (DA 7,194f).
Annecy, Januar 1607 (XIII,249-251) an Jacques de Bay: lateinisches Dank-
schreiben für sein Werk über die heilige Eucharistie, das er Franz von Sales
gewidmet hat.
Annecy, 15. Januar 1607 (XXI,251f) an Nuntius Costa:
... Die Deputierten des Klerus dieser Diözese begeben sich nach Tu-
rin, um Ew. Gnaden eine Note über die kirchlichen Einkünfte zu über-
reichen und von Ihnen die notwendigen Weisungen über die Zahlung
des Zehents zu empfangen, außerdem, weil Se. Hoheit von uns jetzt das

122
Treuegelöbnis verlangt, wie er es nennt. Darin sehe ich keine Schwierig-
keit, weil es bisher schon so gehalten wurde ...

Annecy, 20. Januar 1607 (XIII,252f) an die Baronin von Chantal: kurze geistli-
che Anregungen (DA 5,136).
Annecy, 20. Januar 1607 (XIII,253-255) an Papst Paul V.: Empfehlung eines
treuen Konvertiten (vgl. den folgenden Brief).
Annecy, 30. Januar 1607 (XIII,255-257) an Kardinal Aldobrandini:
In aller Demut, wie es sich gebührt, bitte ich Ew. Gnaden, die Arme
Ihrer Güte und Liebe auszubreiten für den Edelmann, der diesen Brief
überreicht. Aufgewachsen in der Häresie und sehr angesehen in seiner
Stadt Lausanne, hat er dennoch all sein Gut und alle irdischen Ehren
geopfert, um unserem Herrn Christus zu dienen. Ja, er hat sogar seine
Frau und seine Kinder verlassen. Trotzdem hat er stets alle Sorge und
den entsprechenden Eifer für ihre Seelen aufgewendet. In der Tat hat er
sie durch seine Briefe so sehr zur Erkenntnis der Wahrheit geführt, daß
sie alle bereitwillig den Glauben annehmen, wenn man ihnen ein Unter-
kommen bei den Katholiken verschaffen kann. Ein echtes und lauteres
Zeugnis dieses Glaubens hat er selbst sieben Jahre gegeben, nicht nur
mit großer Standhaftigkeit, sondern auch mit großer Frömmigkeit und
großem Eifer. Da dies offenkundig ist, glaubte ich ihn nicht ziehen las-
sen zu können und zu dürfen, ohne ihm diese wenigen Zeilen als Zeug-
nis der Wahrheit mitzugeben ...

Annecy, 30. Januar 1607 (XIII,258-260) an Mme. Brulart: Da er noch an zwan-


zig Briefe schreiben muß, gibt er nur kurz Antwort, besonders über ihr Verhalten
in Versuchungen und bei Gesellschaften (DA 6,109f).
Annecy, 11. Februar 1607 (XIII,260-267) an die Baronin von Chantal: einge-
hende Antwort auf ein Paket von Briefen, die nach langer Pause eintrafen: ihr
Eintritt in ein Kloster, die Jahreszeiten in ihrer Seele, erste Erwähnung der
Arbeit am „Theotimus“, die Katechesen des Bischofs u. a. (DA 5,136-139).
Annecy, Mitte Februar 1607 (XIII,268f) an einen Freund:
... Ich werde diese Fastenzeit in meiner Kathedrale verbringen, um
meine Seele wieder ein wenig zu bekleiden, die fast ganz zerlumpt ist
durch all das Durcheinander, das sie erleben mußte seit der lieben Freu-
de, die ich bei Ihnen in Ihrem Haus zu Dijon fand. Meine Seele ist ein
Uhrwerk, das in Unordnung geraten ist. Man muß sie auseinanderneh-
men, Stück für Stück reinigen, einölen und wieder zusammenstellen,
damit sie richtig läutet.
Das ist es, was ich mich zu tun bemühe. Ich sage Ihnen das, da ich
mehr der Ihre bin, als ich mir selbst gehöre; also müssen Sie wissen, was

123
ich mache. Mein Gott schenke mir die Gnade, das gut zu tun, was ich tun
muß, um weniger unwürdig des Erbarmens zu leben, mit dem er meine
Erbärmlichkeit erträgt.

Sales, 14. Februar 1607 (XIII,269-271) an den Domherrn Pierre de Grilly: Franz
von Sales hat dem Heiligen Vater für ihn geschrieben und wünscht ihm, jeden
Dienst zu leisten.
Annecy, 12. März 1607 (XIII,271-273) an André de Sauzéa:
Ich schicke Ihnen die unterschriebenen Bescheinigungen wieder zu-
rück ... Für die Reise nach Puits d’Orbe überlege ich jetzt das Wie und
Wann. Um sie zweckdienlicher einzurichten, werde ich keine Schwierig-
keiten machen, sie einige Monate aufzuschieben. P. Chérubin bringt ein
Jubiläum für Thonon von vollen zwei Monaten. Das ist ein weiteres Hin-
dernis. Glauben Sie mir, ich bin in Verlegenheit: „Ich habe das Verlan-
gen, aufgelöst zu werden und bei ihnen zu sein“, der anderen wegen
aber zu bleiben. Aber wie immer es sei, ich werde so viele Steine heraus
wälzen, bis ich einen Onesimus gefunden habe. Etwas früher oder etwas
später, was tut es? ...
Wenn ich Ihnen nicht so ausführlich auf Ihre Briefe antworte, so
kommt das von meiner schlechten Gewohnheit, die Feder erst zur Hand
zu nehmen, wenn der Bote am Abreisen ist, und dann kommt es vor, daß
ich gerade dringende Aufgaben zu erledigen habe. Ich freue mich, daß
Sie in Seyssel so viel Gutes tun ... Behalten Sie mich bitte in Ihrer Erin-
nerung, besonders beim heiligen Meßopfer.

Annecy, 13. März 1607 (XIII,237f) an Charles d’Albigny: Empfehlung für den
Baron Montlong, der aus der Gefangenschaft in Genf kommt.
Annecy, 5. April 1607 zwei Briefe (XIII,274 u. 275f) an die Baronin von Chantal:
Seelenernte in der Fastenzeit. Mme. de Charmoisy im „heiligen Netz“ (DA 5,140f).
Annecy, 8. April 1607 (XIII,278f) an Bernarde de Vignod: Weisungen für die
Osterbeichte und die Übungen der Karwoche (DA 7,195).
Annecy, 14. April 1607 (XIII,280f) an die Baronin von Chantal: Ostergruß,
Ermutigung, Bericht über eine Predigt (DA 5,141f).
Annecy, 20. April 1607 (XIII,281f) an Mlle. de Villers: vor der Abreise zum
Jubiläum in Thonon. Bitte um Nachrichten durch Frau von Chantal, die Pfing-
sten mit ihm feiern wird.
Annecy, 20. April 1607 (XIII,283f) an die Baronin von Chantal: Ankündigung
des Treffens zu Pfingsten in Annecy (DA 5,142f).
Annecy, Ende April 1607 (XIII,287) an die Baronin von Chantal: Willkommens-
gruß vor ihrer Ankunft (DA 5,143f).

124
C. Pfingsten 1607 bis Pfingsten 1610

Pfingsten 1607 bringt für Frau von Chantal eine wichtige Entscheidung, die auch
für Franz von Sales von weitreichender Bedeutung ist. Nach der Rechenschaft
über die zwei vergangenen Jahre erwartet die Baronin eine Antwort auf die Frage,
die sie in zunehmendem Maße beschäftigt: ob sie die Welt verlassen darf. Franz
von Sales stellt ihre Bereitschaft, dem Willen Gottes zu folgen, auf die Probe
und eröffnet ihr dann seinen Plan, mit ihr eine neuartige Kongregation zu grün-
den. In den Briefen der drei folgenden Jahre wird das allmähliche Reifen dieses
Planes in seinem Geist, werden aber auch die aufsteigenden Bedenken der Baro-
nin, die Überwindung der verschiedenen Hindernisse und die nahende Verwirkli-
chung sichtbar.
In diesen Jahren geht die Korrespondenz mit Mme. Brulart und mit der Äbtissin
von Puits d’Orbe merklich zurück, gewiß nicht durch die Schuld des hl. Franz
von Sales; dafür treten neue Namen in den Vordergrund: zwei Frauen, in vielem
der Baronin von Chantal geistig verwandt, die bald auch persönlich mit ihr be-
freundet sind.
Louise de Charmoisy (1587-1645), verheiratet mit Claude de Charmoisy, einem
Verwandten des hl. Franz von Sales, entschloß sich nach den Fastenpredigten von
1607 zum Streben nach christlicher Vollkommenheit und stellte sich dazu unter
die geistliche Leitung des Bischofs. Von seinen Weisungen sind nur wenige als
Briefe überliefert, die meisten sind ja, etwas überarbeitet, in die „Anleitung zum
frommen Leben“ eingegangen, die um die Jahreswende 1608/09 erschienen ist.
Madeleine de la Fléchère (1565-1632), verheiratet wie Mme. Brulart und
Charmoisy, wurde durch die Fastenpredigten des hl. Franz von Sales 1608 in
Rumilly angeregt, sich seiner Leitung zu unterstellen. Nach der Baronin von
Chantal hat sie die meisten Seelenführungsbriefe erhalten (in Bd. 6 der Deut-
schen Ausgabe sind davon 60 wiedergegeben). Aus ihnen ergibt sich das Bild
einer willensstarken Frau, deren heiliges Ungestüm der Seelenführer oftmals zu
mäßigen versucht.
Annecy, Juni 1607 (XIII,289-292) an Mme. Brulart: Antworten auf konkrete
Fragen des religiösen Lebens, u. a. über die Methode des innerlichen Gebetes,
das Schielen nach einem anderen Lebensstand, über Versuchungen (DA 6,110-
112).
Annecy 2. Juli 1607 (XIII,292-294) an die Baronin von Chantal: Bekräftigung
des gefaßten Planes (DA 5,144f).
Thonon, 7. Juli 1607 (XIII,294-297) an die Baronin von Chantal: Neue Bekräf-
tigung seiner Festigkeit in dem gefaßten Entschluß (DA 5,145-147).
Thonon, 10. Juli 1607 (XIII,297f) an die Baronin von Chantal: in der Barke der
Vorsehung wie Martha und Magdalena (DA 5,147).

125
Viuz-en-Sallaz, 20. Juli 1607 (XIII,298f) an Mme. Brulart: Geduld und Ordnung
in ihrem Streben. Erfüllung des göttlichen Willens in den gegebenen Verhältnis-
sen (DA 6,112f).
Viuz-en-Sallaz, 20. Juli 1607 (XIII,300-302) an die Baronin von Chantal: die
quakenden Frösche von Viuz als Bild ihrer Zweifel und Versuchungen (DA 5,147-
149).
Viuz-en-Sallaz, 24. Juli 1607 (XIII,302-305) an die Baronin von Chantal: Ant-
wort auf ihre Fragen in einem Paket von Briefen, u. a. über Klugheit und Ein-
fachheit, Verhalten in Versuchungen, Vertrauen auf seine Führung (DA 5,149-
151).
Annecy, 9. August 1607 (XIII,305-309) an die Baronin von Chantal: hinderliche
Wünsche überwinden, den wesentlichen Wunsch pflegen. Mut in Versuchungen.
Persönliche Mitteilungen (DA 5,151-153).
Annecy, 16. August 1607 (XIII,309-312) an die Baronin von Chantal: Martha
und Maria als Vorbilder der geplanten Kongregation, die ursprünglich den Namen
„Marthaschwestern“ erhalten sollte. Mitteilungen über innere Freuden und seine
Tätigkeit (DA 5,154-156).
Annecy, 20. August 1607 (XIII,313f) an Bernarde de Vignod: Dienerin Gottes
sein trotz innerer Kälte durch Nächstenliebe, Entschlossenheit, Demut, Ein-
fachheit und Vertrauen (DA 7,196).

Annecy, 25. August 1607 (XIII,314f) an Charles de Rochette:


Der Überbringer, einer meiner Freunde und lobenswert in seinem
Beruf, hat mich um eine Empfehlung an Sie gebeten, um eine Beschleu-
nigung seines Prozesses vor dem obersten Senat zu erreichen. Daher
bitte ich Sie, ihm dabei behilflich zu sein. Dadurch wird er eher an seine
Kirche zurückkehren, um wie ich Gott zu bitten, daß er Sie lange erhalte
und segne. Die Gunst, die Sie mir erweisen, wird zugleich ein echter
Beweis sein, daß Sie mich als Ihren untertänigsten Diener betrachten
und lieben.

Annecy, 27. August 1607 (XIII,315-317) an Nuntius Costa:


Die beiden Edelleute, die im beiliegenden Memorandum genannt sind,
sind bereit, eine beträchtliche Geldsumme zu geben, um im Heiligen Haus
von Thonon noch mehr Werkstätten einzurichten. Das wäre ein Mittel, das
Werk der Bekehrung von Häretikern sehr zu fördern. Die Konvertiten könn-
ten in der Tat diese Handwerke ausüben, anständig davon leben und wären
nicht wie jetzt gezwungen, dahin und dorthin zu gehen. Darüber hinaus
würden viele andere angespornt, sich zu bekehren, wenn sie sehen, daß sich
vor ihnen ein Ort des Treffens öffnet. Und auf die Dauer wäre das kein

126
geringer Schaden für Genf, das auf diese Weise einen großen Teil seines
Handels und seiner Handwerker verlöre.
Die Selbstlosigkeit und Liebe dieser Edelleute werden indes eine
große Vermehrung des Eifers erfahren, wenn sie mit einer Billigung
belohnt werden, vor allem von einer so würdigen und hervorragenden
wie von Ew. Gnaden. Deshalb bitte ich Sie im Vertrauen auf Ihre groß-
zügige Güte und Liebe in aller Ehrfurcht und Demut, die beiden Edel-
leute durch ein Schreiben recht zu ermutigen, damit sie in ihrem Vorha-
ben bestärkt werden ...

Annecy, 6. September 1607 (XIII,317-319) an die Baronin von Chantal: Mut im


innerlichen Kreuz. Mitteilungen über seine Seele (DA 5,156f).
Annecy, 27. September 1607 (XIII,320-322) an eine Dame: verschiedene Rat-
schläge für ihr religiöses Leben als Antwort auf einen Brief (DA 6,46f).
Les Clets, 12. Oktober 1607 (XIII,323-325) an Antoine des Hayes:
Ich habe den Überbringer, ein alter Diener des herzoglichen Hauses
und mein guter Freund und Nachbar, gebeten, Sie so herzlich, als er
kann, von mir zu grüßen. Ich füge hier auf dem Papier nur hinzu, daß
kein Zeichen, keine Erklärung weder meine Verpflichtung Ihrem Wohl-
wollen gegenüber noch die unverletzliche Liebe, mit der ich Ihrem Dienst
hingegeben bin, je schildern kann ...
Ich bin dabei, die Visitation in den Bergen zu halten. Ich hoffe mich
im Winter in unser kleines Annecy zurückzuziehen, wo ich mich wohl-
fühle. Es würde mir hier noch besser gefallen, wären nicht diese kleinen
Streitigkeiten zwischen den Beamten des Herrn de Nemours, die sich
täglich vervielfältigen. Einige von ihnen benehmen sich sehr häßlich ge-
gen den guten Herrn Favre, dessen Alter und Güte sie ausnützen. Der
Fehler liegt bei Herrn de Nemours, der es gleichgültig zuläßt, daß man
diese bedeutende Persönlichkeit anklagt ...
Wir sind hier ohne Nachrichten, besonders ich in den Tälern unserer
Gebirge, aber es vergeht kein Tag, ohne daß ich den Segen Gottes auf
Sie und Ihr Haus herabrufe ...

Evires, 27. Oktober 1607 (XIII,326-328) an Nuntius Costa:


Vor drei Tagen habe ich das Schreiben Ew. Gnaden vom 30. Septem-
ber erhalten, das Sie nur als Begleitbrief zur Kopie eines anderen Schrei-
bens vom Hochwürdigsten Herrn Arrigone über die Frage „de Auxiliis“
geschrieben haben. Ich wünsche in der Tat sehr, diese Kopie zu bekom-
men, denn der Streit, der in Spanien entbrannt ist, hat sehr große Be-
deutung für unsere durch die Häresie verheerte Gegend. Ich hoffe, Se.

127
Heiligkeit hatte die Eingebung, eine Entscheidung zu treffen, die zur
Ehre Gottes und zum Frieden in der heiligen Kirche gereicht. Aber die
erwähnte Kopie blieb auf dem Tisch Ihres Sekretärs liegen, denn ich
habe sie nicht mit Ihrem Brief erhalten. Dagegen fand ich das beiliegen-
de Schreiben, das mir vermutlich durch einen Irrtum geschickt wurde,
denn es stammt nicht vom Kardinal und handelt in keiner Weise vom
Disput de Auxiliis ...

Sales, 2. November 1607 (XIII,328-333) an die Baronin von Chantal: sehr per-
sönliche Mitteilungen nach dem unerwarteten Tod seiner jüngsten Schwester im
Haus der Baronin (DA 5,157-160).
Sales. 2. November 1607 (XIII,333-335) an Mme. Brulart: Beileid zu einem To-
desfall. Billigung ihrer Gebetsweise, Empfehlung von Büchern (DA 6,113-115).
Chessenaz, 14. November 1607 (XIII,336f) an den Grafen de Tournon:
Ich wunderte mich über das, was ich von diesem Edelmann vernom-
men habe, denn es paßt gar nicht zu meiner bisherigen Meinung. Nun,
ich hoffe in zwei Wochen in Neci zu sein, dann werde ich bald wissen, ob
der Entschluß des Chevalier vom Himmel kommt. In diesem Fall werde
ich mein Bestes tun, um ihn meiner Pflicht gemäß unterzubringen. Wenn
er aber irdischen Ursprungs ist, werde ich das leicht erkennen durch die
Reue, die bald folgt und die ich meiner Meinung nach bald aufdecken
werde. In diesem Fall werde ich mich lebhaft für den Plan einsetzen, den
Sie vorschlagen und den ich dafür schon lange vorher in meinem Herzen
trug, was ich Sie fest zu glauben bitte.
Was den Eremiten betrifft, werde ich nächste Woche nach Valier und
in die Gegend von Rumilly kommen. Ich werde ihm die Möglichkeit ge-
ben, sich zurückzuziehen ...

Annecy, 1. Dezember 1607 (XIII,341-343) an Baron Guy de Chantal:


Ich bewundere die Großzügigkeit und Freundlichkeit sehr, womit
Sie den Plan der Ehe Ihrer Enkelin mit meinem Bruder gutgeheißen
haben. Ich weiß aber nicht, wie ich mich dafür jemals erkenntlich und
dankbar zeigen könnte. Ich bitte Sie nur demütig, zu glauben, daß Sie
durch diese Ehre niemand verpflichten könnten, der sie mit größerer
Dankbarkeit empfängt, als meine Verwandten und ich es tun; wir alle
sind von großer Freude erfüllt. Da wir weit entfernt sind von den Ver-
diensten, die Sie gerechterweise erwarten könnten, um diese Gunst zu
erweisen und uns zu einer so engen Verbindung mit Ihnen anzunehmen,
hoffen wir ihr durch vollkommenen, lauteren und demütigen Eifer zu
Ihrem Dienst zu entsprechen, daß Sie Ihre Befriedigung finden werden.

128
Was mich im besonderen betrifft, mein Herr, gestatten Sie mir zu
sagen, daß die nicht nur brüderliche sondern auch väterliche Liebe, die
ich für meine kleine Schwester hege, in mir lebendig ist, um sie dieser
anderen, noch kleineren Schwester zu schenken, für die Sie mich vorbe-
reiten, wie mir scheint. Ich schenke sie ihr mit wachsender Achtung und
ganz einmaliger Wertschätzung, in Anbetracht der Verehrung, die ich
für Sie hege, für den Erzbischof von Bourges und für den Herrn Präsi-
denten; hier will ich absehen von der Liebe, die ich ihrer Frau Mutter,
Ihrer Tochter schulde.
Ich hoffe, Gott werde alles segnen und diesen Plan fördern, den ich
ihm von ganzem Herzen empfehle, und daß er Sie erhalte und Sie mit
seinen Gnaden und Gaben segne ...

Annecy, Ende Dezember 1607 (XIII,345-347) an Kardinal Maurice de Savoie:12


Die glücklichen Verheißungen, die der Himmel durch die Erhebung
Ew. Hoheit zur Kardinalswürde der Erde gibt, geben der ganzen Kirche
Anlaß, die göttliche Vorsehung zu preisen ... Die Diözese Genf aber
muß eine ganz besondere Freude haben; denn jetzt ist sie der Protektion
Ew. Hoheit doppelt sicher, durch das Blut, aus dem Sie stammen, und
durch das Blut, das Ihren heiligen Hut färbt, denn die Purpurfarbe hat
keinen anderen Sinn, als das Blut des Erlösers zu versinnbilden, in das
die Großen der Kirche stets ihren Eifer tauchen müssen.
Wenn Ew. Hoheit gestatten, füge ich hinzu, daß mir in der Geschich-
te kein Kardinal aus Ihrem erlauchten Haus begegnet ist, der nicht den
Bischofssitz von Genf innegehabt hätte, außer der große Felix ...
Gott lasse uns erleben, daß die Tage Ew. Hoheit erfüllt sind von allen
Segnungen und daß die Kirche aufblühe in der Gottesfurcht ...

Sales, 1606-1607 (XIII,347f) an die Baronin von Chantal: über den guten Geist,
der auf Schloß Sales herrscht (DA 5,161).
Annecy, Ende 1607/08 (XIII,349-353) an Papst Paul V.: Lob des P. Fenouillet,
der zum Bischof von Montpellier ausersehen ist: hervorragend durch Beredsam-
keit, Wissen und Frömmigkeit.
Annecy, 1. Januar 1608 (XIII,354f) an die Baronin von Chantal: Neujahrsgruß
im Namen Jesus (DA 5,161f).
Annecy, 20. Januar 1608 (XIII,355f) an die Baronin von Chantal: Klage über das
Nachlassen der Frömmigkeit in der Fastnachtszeit (DA 5,162f).
Annecy, 24. Januar 1608 (XIII,357-363) an die Baronin von Chantal: Antwort
auf mehrere Briefe, u. a. über die heilige Kommunion und den Willen Gottes
(DA 5,163-166).

129
Rumilly, 1. März 1608 (XIII,363f) an einen Geistlichen:13
Lesen Sie bitte den Brief des Ritters Bergera und schicken Sie ihn
dann an den Herrn Pfarrer von Thonnay. Herr Gottri sagt mir übrigens,
daß er ihm bald Geld schicken würde, falls der Ritter nicht dafür sorgen
sollte. Es wäre schon sehr merkwürdig, wenn weder von der einen noch
von der anderen Seite etwas getan würde.
Ich habe meinem Bruder ein Wort geschrieben, das Sie betrifft, da
ich nicht dachte, Ihnen zu schreiben. An Herrn und Frau de la Roche
beste Grüße im Herrn.

Rumilly, 5. März 1608 (XIII,367-370) an die Baronin von Chantal: Ratschläge


für ihr Verhalten in Schwierigkeiten durch Versuchungen und Zweifel. Mittei-
lung einer subtilen Versuchung des Bischofs (DA 5,166-169).
Rumilly, 6. März 1608 (XIII,370f) an Pfarrer Crosset:
Die Pfarrangehörigen Ihrer Kirche sind zu mir gekommen mit Kla-
gen über mangelnde Betreuung. Herr Exetier kam seinerseits wegen
bestimmter Zehnten, von denen er sagt, daß Sie diese vereiteln, und
wegen der Ausgaben, die ich mir zu kennen vorbehalten habe. Wegen all
dieser Dinge wünsche ich Sie am nächsten Donnerstag hier zu sehen,
damit wir nach Möglichkeit diese Differenzen beilegen zur Ehre Gottes.
Ich bitte Sie, dazu beizutragen, und bin Ihr sehr ergebener Mitbruder.

Rumilly, 6. März 1608 (XIII,371f) an Mme. Bourgeois: ein Versuch, angesichts


ihres langen Schweigens die Verbindung aufrechtzuhalten (DA 7,287).
Rumilly, 7. März 1608 (XIII,373-377) an die Baronin von Chantal: Was kann
man gegen den Zweifel an der Richtigkeit des großen Planes tun? Nachrichten
(DA 5,169-172).
Rumilly, 7. März 1608 (XIII,377-379) an die Baronin von Chantal: Begleit-
schreiben zur Übung der jährlichen Erneuerung, wie er sie für Mme. Charmoisy
aufgestellt hat (DA 5,172).
Rumilly, 10. März 1608 (XIII,380f) an P. Polliens SJ:
Durch Herrn d’Hostel habe ich erfahren, daß unser P. Rektor schwer
erkrankt ist. Wenn ich es für nützlich erachtete, würde ich ihn persönlich
besuchen; da ihm das jedoch keinerlei Nutzen bringt, werde ich ihn je-
den Tag im Geist besuchen, indem ich das heilige Opfer für sein Befin-
den darbringe. Indessen bitte ich Sie, ihm meine herzlichsten Empfeh-
lungen zu bestellen und ihm zu sagen, wenn meine Gebete im Himmel
erhört werden, dann wird er bald in der Kirche und in der Gemeinschaft
sein und Gott für die wiedererlangte Gesundheit Dank sagen und sie
noch viele Jahre zur Ehre Gottes und zur Freude vieler gebrauchen ...

130
Rumilly, 20. März 1608 (XIII,381-383) an Mme. de Charmoisy: über ihre geist-
lichen Übungen unter veränderten Bedingungen während ihres Aufenthalts in
Chambéry (DA 6,56f).
Rumilly, Ende März 1608 (XIII,383f) an Mme. de Charmoisy: ein ermutigender
Gruß mit der Versicherung seines Gebetes (DA 6,58).
1605-1608 (XIII,385-388) an eine Unbekannte: Ratschläge gegen die Unruhe
im Gebet (DA 6,47-49).
Annecy, 8. April 1608 (XIV,1-3) an Mme. de la Fléchère: der erste Brief: Mah-
nung zur Geduld im religiösen Streben (DA 6,135f).
Annecy, 19. April 1608 (XIV,4f) an Bischof Fenouillet:
Es war nicht notwendig, daß Sie sich die Mühe machten, mir zu erklä-
ren, warum ich in den vergangenen zwei oder drei Monaten auf die Freu-
de verzichten mußte, von Ihnen Briefe zu erhalten ... Ich danke Ihnen
tausendmal für die schöne Leichenrede, die Sie mir geschickt haben ...
Mit einiger Ungeduld erwarte ich die Nachricht von Ihrer Bischofs-
weihe. Ich meine, daß uns dieses gemeinsame Amt noch stärker verbin-
den wird. Wenn ich daran denke, kann ich es nicht unterlassen, in mei-
nem Geist oft den feierlichen Wunsch auszusprechen: Ad multos annos.
Möge Gott mich erhören. Seien Sie gesegnet mit ständigen Segnungen
des Himmels ...

Annecy, Ende April 1608 (XIV,6) an König Heinrich IV.:


In der Ballei Bugey unterstehen mir 50 bis 60 Pfarrer, denen bisher
von Ew. Majestät kein Zehent auferlegt wurde. Ich nehme jetzt für sie
und sie mit mir Zuflucht zu Ihrer Güte, damit Sie diese auch in Zukunft
davon befreien möchten. Die Begründung dieser Bitte ist zwar sehr trau-
rig, aber um so solider: Es ist ihre äußerste Armut. Fast alle haben so
wenig Mittel, daß sie nur ganz armselig leben können. Wenn Ew. Maje-
stät Weisungen geben, daß man es so beläßt, wird es für sie ein vorzüg-
liches Almosen sein, denn es wird ihnen Sicherheit geben, die einzige
Bedingung, ihre Not halbwegs erträglich zu machen ...

Annecy, Ende April – anfangs Mai 1608 (XIV,7f) an Mme. de la Fléchère: Geist-
liche Tagesordnung für ihr pflichtenreiches, unruhiges Leben (DA 6, 136f).
Annecy, 6. Mai 1608 (XIII,9f) an Antoine des Hayes:
Ich habe Ihren Brief vom 21. April erhalten. Er läßt mich die Güte
des Königs bewundern, der mir nicht nur die Ehre erweist, sich meiner
zu erinnern, sondern mir auch gut gesinnt ist und mich für würdig er-
achtet, der Kirche in seinem Königreich zu seiner Zufriedenheit zu die-

131
nen. Sie können sich denken, mein Herr, ob ich mir dieser Ehre bewußt
bin. Ich wäre es in der Tat und würde mich von ihr mitreißen lassen,
wenn mich nicht das Bewußtsein meiner Unzulänglichkeit daran hinder-
te. Denn diese Ehre blendet mich nicht so sehr, daß ich das Maß und die
Grenzen meiner Fähigkeiten nicht genau sähe, die ohne Zweifel sehr
gering und eng sind.
Deshalb bitte ich Sie, mein Herr, vom König zu erfragen, was er aus
mir zu machen gedenkt und wofür er mich verwenden will, denn ohne
Zweifel bin ich nicht zu vielem zu gebrauchen. Ich habe aber trotzdem
den Ehrgeiz, zu nichts anderem verwendet werden zu wollen, als was ich
bin und was ich vermag, um so mehr, als es durch die Gnade und die
Güte eines so großen Königs geschehen soll. Er würde nicht daran den-
ken, mich von diesem Land in sein Königreich zu versetzen, das so reich
ist an Männern mit Verdiensten jeder Art, wenn er mich nicht für brauch-
bar und geeignet hielte, ihn zufriedenzustellen ...
Wenn Ihnen also Se. Majestät ihre Absichten im einzelnen erklärt
hat, will ich vor Gott und in seiner Gegenwart meine Kräfte prüfen.
Wenn ich sie für den Dienst, den man von mir erwartet, als ausreichend
erkenne und wenn Se. Heiligkeit mir den Auftrag gibt (denn Sie wissen
sehr gut, daß ich mich ohne diesen nicht von dem Wachposten zu entfer-
nen wage, auf den ich gestellt bin), dann werde ich ganz bereit, ganz
gewillt und ganz eifrig sein, dem göttlichen Ruf zu folgen, und ich zweifle
in keiner Weise, er wird derart sein, daß ich den Willen des Papstes und
des Königs gleichzeitig erfüllen kann ...

Annecy, 6. Mai 1608 (XIV,11f) an Antoine des Hayes:


Ich füge dieses Blatt gesondert bei, um freimütiger mit Ihnen zu
sprechen, auch um Ihnen die Möglichkeit zu geben, meinen Brief dem
König zu zeigen, wenn sich das ergibt ...
Ich bin nicht der Ansicht, daß ich mich für ein so allgemein gehalte-
nes Angebot entscheiden sollte, wie es Se. Majestät mir macht. Es könn-
te ja sehr gut sein, daß ich mich ganz ungeeignet sähe für die Aufgabe, zu
der man mich einsetzen wollte ..., oder daß sie nicht wert wäre, daß ich
mich verändere ... Ich muß darüber ein wenig mit Ihnen sprechen, denn
Sie haben mein Herz in der Hand.
Außerdem wissen Sie, daß ich mich ohne die Autorität des Papstes
nicht entfernen kann. Und wenn, dann ist es wichtig, daß diese Autorität
allen Gerüchten zuvorkomme, die hier entstehen können. Sie wissen
wohl, warum. Das ist es, was alles so schwierig macht, denn im Vertrauen
gesagt, ich verdiene solchen Aufwand an Heimlichkeit nicht ...

132
Annecy, 6. Mai 1608 (XIV,13f) an die Baronin von Chantal: Die angebotene
Rangerhöhung ist kein Hindernis für die geplante Ordensgründung (DA 5, 173).
Annecy, 11. Mai 1608 (XIV,14-16) an die Baronin von Chantal: mögliche Ge-
fährtinnen für die Heimsuchung. Keine Sorge wegen der Pläne Frankreichs mit
ihm (DA 5,174).
Annecy, 18. Mai 1608 (XIV,18-20) an Mlle. Claudine des Chastel: eingehende
Belehrung über das Gelübde der Keuschheit und seine Beweggründe (DA 6,66-
68).
Annecy, 19. Mai 1608 (XIV,21-23) an Mme. de la Fléchère: Die Vielfalt der
häuslichen Pflichten ist kein Hindernis für das religiöse Streben, erfordert aber
Geduld, vor allem mit sich selbst (DA 6,137f).
Annecy, 23. März 1608 (XIV,23f) an Bischof Fenouillet:
... Ich wundere mich über die Ehre, die Se. Majestät mir erweist, um
so mehr, als ich nichts in mir sehe, was nicht dessen unwürdig wäre. Ich
zweifle nicht daran, daß Ihr Wohlwollen und das unseres Freundes die
einzigen Winde sind, die die Segel meiner Barke aufblähen, um sie auf
das hohe Meer hinauszutragen. Wenn Gott mich hinaussegeln heißt,
werden dort große Gefahren lauern, weil sie nicht für die salzigen Flu-
ten des Ozeans gebaut ist, sondern für unsere kleinen Süßwasser-Seen
...

Annecy, 24. Mai 1608 (XIV,24-26) an den Augustiner P. Jean Comes:


Hochwürdiger Pater, die Herren Kanoniker meiner Kirche sind sehr
gern bereit, meinen Wunsch zu erfüllen, Sie gemeinsam mit Ihnen zu
treffen, um alle Differenzen, die es zwischen Euch gibt, auf friedlichem
Wege beizulegen. Man braucht sich nur noch über die Zeit, den Ort und
die gewünschten Personen für diesen Zweck zu einigen ...
Was die ungebührlichen Äußerungen betrifft, über die Sie sich be-
schweren, behaupten unsere Kanoniker, daß sie nicht von ihrem Kapitel
ausgegangen seien; sie sagen im Gegenteil, es sei ihnen berichtet wor-
den, daß Ihre Religiosen sie reichlich gegen sie gebraucht hätten. Wenn
aber die Sache klargestellt ist, werden alle Schatten, Verdächtigungen
und Nachreden verschwinden, und wie es unsere Pflicht ist, wird die eine
wie die andere Körperschaft fortfahren, in heiliger Liebe die eine mit
der anderen im Dienst am ganzen Leib Christi zusammenzuarbeiten ...

Annecy, 28. Mai 1608 (XIV,26f) an Mme. de la Fléchère: Gewissenhaftigkeit,


trotzdem milde Beurteilung von Fehlern aus Schwäche (DA 6,139).
Annecy, Ende Mai 1608 (XIV,28-30) an Mlle. Claudine de Chastel: Ermutigen-
de Ratschläge nach der Ablegung ihres Gelübdes (DA 6,68f).

133
Annecy, 10. Juni 1608 (XIV,30-32) an Kardinal Arrigone: Bitte um Erneuerung
verschiedener Vollmachten:
... Der Grund dieser Bitte ist, daß wir in unserer Diözese Häretiker
haben, von denen jeden Tag welche in den Schafstall der Kirche zurück-
kehren, sei es auf öffentliche Predigten oder auf private Gespräche hin.
Da ich und andere Prediger in der Diözese uns zuweilen nicht nur mit
Häretikern sondern auch mit häretischen Theologen auseinanderset-
zen müssen, wird kein Erfahrener leugnen, daß das kaum ohne das Stu-
dium verbotener Bücher geschehen kann ...

Annecy, 25. Juni 1608 (XIV, 33-38) an die Baronin von Chantal: in Ruhe und
Frieden auf die Verwirklichung des großen Wunsches warten. Ihr Namenspatron.
Wiederaufnahme abgefallener Ordensleute (DA 5,174-176).
Annecy, 25. Juni 1608 (XIV,39-41) an Mme. Brulart: über Schwierigkeiten mit
der Äbtissin. Erneute Mahnung zu ruhigem Streben (DA 6,115f).
Anfang Juli 1608 (XIV,42f) an einen Kardinal: Franz von Sales verteidigt sich
gegen das in Rom verbreitete Gerücht, er lasse in seiner Diözese die Verbreitung
häretischer Bücher zu:
... Gewiß habe ich nicht die genaue Sorgfalt, die notwendig wäre,
aber ich setze meine Treue und meinen guten Willen ein, wo es mir
möglich ist. Wenn mir Kraft und natürliche Talente fehlen, so wird man
dabei weder Treulosigkeit noch Mangel an Mut finden. Hochwürdigster
Herr, ich bitte Sie also, Sie möchten der Fürsprecher für den mir in
dieser schwer heimgesuchten Provinz so notwendigen Frieden sein. Die-
ser Friede hängt aber davon ab, daß der Heilige Stuhl mit meinen Hand-
lungen nicht unzufrieden ist, so daß er mich von seinem allgemeinen
Wohlwollen gegen die Kleinen nicht ausschließt ...

Annecy, 4. Juli 1608 (XIV,44f) an die Baronin von Chantal: Fragment mit ver-
schiedenen Mitteilungen (DA 5,176).
Annecy, 6. Juli 1608 (XIV,46f) an Pierre de Bérulle:
Ich habe mir versagt, Ihnen öfter zu schreiben, aus Achtung vor Ih-
ren großen religiösen Aufgaben, obwohl ich wünsche, in Ihrem Gedächt-
nis und in Ihrer Liebe einen Platz zu haben, besonders zur Zeit Ihrer
Gebete und im Meßopfer. Aber jetzt wird es Ihnen angenehm sein, wenn
ich Sie ein wenig ablenke, um Ihnen zu sagen, daß ich am 15. Juni die
Abschwörung von Claude Boucard aus Verdun entgegengenommen und
ihn öffentlich in der Kirche von Notre Dame von Thonon in den Schoß
der Kirche aufgenommen habe. Sie sollen sich darüber freuen, weil die-
ser Gewinn für die Kirche wichtig ist, und besonders weil, wie er mir

134
sagte, Sie von ihm in der Philosophie unterrichtet wurden und Sie auch
durch Briefe viel zu seiner Rückkehr in die Kirche beigetragen haben ...
Ich freue mich über das Echo dessen, was Gutes in Paris getan wird
durch Sie selbst und die anderen Diener Gottes, die ich von Herzen
verehre. Möge seine göttliche Majestät immer an Ihrer Seite sein ...

Annecy, 7. Juli 1608 (XIV,48f) an Baron Amédée de Villette:


... Unsere Akademie hat der Bitte des Herrn Nouvellet, Ihnen einen
Platz unter den Akademikern einzuräumen, mit Freuden entsprochen.
Für mich selbst ist es eine große Ehre, eine so würdige Persönlichkeit
aufzunehmen ...

Annecy, 8. Juli 1608 (XIV,50f) an P. Dubouloz OP:


Ich bin sehr erfreut zu hören, daß die Patres dieser Stadt Sie zum
Prior gewählt haben. Da ich nicht selbst zu Ihnen kommen kann, um
Ihnen die Bitte vorzutragen, daß Sie diese Wahl und das Amt annehmen
mögen, schicke ich Ihnen diesen Brief. Er soll Ihnen versichern, daß Sie
nie mit solcher Zuneigung und Aufrichtigkeit erwünscht und ersehnt
waren wie von ihnen und von mir. Besonders ich werde Ihnen bei jeder
Gelegenheit zu Diensten sein, daß Sie mit Gottes Hilfe keinen Anlaß
haben werden, sich zu erinnern, Sie hätten meinen Wunsch erfüllt. Die
Ordensleute sind ebenso gewillt, Ihnen zu gehorchen und Sie so zu
entlasten, daß Sie keineswegs die Ruhe entbehren, die Sie in Ihrem
Alter und für Ihre Kontemplation brauchen. Erweisen Sie also uns allen
die Güte, unsere begründete Bitte nicht zurückzuweisen, die auf die
Ehre Gottes und die innere Erneuerung eines Konvents abzielt ...

Annecy, 13. Juli 1608 (XIV,51f) an Mme. de la Fléchère: Ratschläge für ihr
Verhalten während der Schwangerschaft (DA 6,139f).
Annecy, 16. Juli 1608 (XIV,53f) an Mme. de la Fléchère: Gebetsleben und reli-
giöse Übungen während der Schwangerschaft (DA 6,140f).
Annecy, 21. Juli 1608 (XIV,55) an Mme. de la Fléchère: Zusage, Pate des erwar-
teten Kindes zu werden (DA 6,141).
Annecy, 23. Juli 1608 (XIV,55f) an Claude-François de la Fléchère:
Ich preise Gott für die Ankunft der kleinen Tochter, die Sie mir als
Patenkind angeboten haben. Ihre Frau Mutter wird eines Tages, ich sage,
schon in dieser Welt, entschädigt werden für die Mühen, die sie bei ihrer
Geburt ertragen hat, wenn sie erlebt, wie sie ihr reich an wahrer Tugend
jede Befriedigung verschafft. An meinen schwachen Gebeten in dieser

135
Meinung wird es nicht fehlen, ebenso nicht für Sie und ihre Frau Mutter,
für Ihr dauerndes Wohlergehen, das ich stets mit großem Eifer
wünsche ...
Annecy, im August 1608 (XIV,57) an Mme. de la Fléchère: Gott dienen in kind-
licher Freiheit und heiliger Freude, ohne dem Leib jetzt Kasteiungen zuzumuten
(DA 6,142).
Annecy, 16. August 1608 (XIV,58) an den Herzog:
In dem Wunsch, Ew. Hoheit stets Rechenschaft über mein Tun zu
geben, bitte ich Ew. Hoheit untertänigst, es gutzuheißen, daß ich mich im
Interesse eines meiner Brüder nach Burgund begebe, wo ich nur zwei
Wochen zu bleiben gedenke. Es bleibt bei meinem Versprechen des Ge-
horsams gegen Ihre Befehle ...14
Saint-Rambert, 21. August 1608 (XIV,48f) an Mme. de Charmoisy: liebevoller
Gruß von der Reise nach Burgund (DA 6,59).
Dijon, 1. September 1608 (XIV,61) an die Äbtissin Bourgeois: Ermunterung zum
Festhalten an den früheren Entschlüssen (DA 7,288).
Annecy, 9. September 1608 (XIV,62) an eine Ordensfrau: Weisungen für ihr
Verhalten während einer schweren Krankheit (DA 7,197).
Sales, 19. September 1608 (XIV,63f) an die Baronin von Chantal: die überra-
schende Bitte eines Mädchens, als Dienerin der künftigen Kongregation aufge-
nommen zu werden (DA 5,176f).
Sales, 25. September 1608 (XIV,64f) an die Geistlichen von Bugey, Valromey und
Gex:
Um die Auferlegung eines ständigen Zehents zu verhindern, haben
die Deputierten von Bresse einen Beschluß erreicht, der mir sowohl für
den Klerus von Bresse wie für Euch günstig zu sein scheint und sich zum
Vorteil für alle eingetauschten Gebiete ausgewirkt hat. Um mit ihnen an
der Ausführung des genannten Beschlusses teilzunehmen, müßt Ihr
unter Euch einen Deputierten bestimmen, der nach Lyon geht, um die
Zahlung der entsprechenden Summe für die Erlangung der Exemption
zu leisten. Deshalb habe ich dies dem Herrn Pfarrer Rosetan von Cha-
varnay übergeben, damit er mit meinem Schreiben in Händen dafür sor-
ge, daß dieser Deputierte bestimmt wird. Darum bitte ich Euch, weil ich
denke, daß es zu Eurem Besten gereichen wird ...

Sales, 25. September 1608 (XIV, 65-67) an Pfarrer Dunant von Gex: Pastorale
Mahnungen (DA 12,113f).
Annecy, 29. September 1608 (XIV,67-73) an die Baronin von Chantal: ausführ-
liche Antwort auf drei Wünsche: daß Franz von Sales lang lebe, daß die Baronin
bald die Welt verlassen dürfe, und die Ehe zwischen Bernhard und Marie-Aimée
(DA 5,177-180).

136
Annecy, 1. Oktober 1608 (XIV,73f) an P. Polliens SJ:
Ihre Liebe trübt Ihr Urteil über mich. Sie stellt mich dar als würdig
Ihrer Liebe und der Ihrer Patres und Brüder, obwohl ich in Wirklichkeit
aller Voraussetzungen ermangle, um dieses Glückes teilhaft zu werden,
ausgenommen die Ehre und Ehrfurcht, die ich Euch allen schulde, be-
sonders Ihnen, und darin will ich niemandem nachstehen ...
Gott weiß, daß ich dieses gute Mädchen, Mlle. Clément, liebhabe. Ich
wünschte wohl, sie in ihrem frommen Verlangen befriedigt zu sehen,
aber ich glaube nicht, daß ihre Konstitution der Lebensform der Klaris-
sen gewachsen wäre; und wo könnte man sie sonst in Savoyen hingeben,
wo sie nicht schlimmer würde als in der Welt? ... Gott wird sie trösten, da
sie ja ihr Vertrauen in ihn gesetzt hat. Wenn sie in der Fastenzeit hierher
kommt, werde ich sehen, wie ich ihr helfen und zu Diensten sein kann,
denn sie besitzt meine ganze väterliche Liebe, wie ich auch Sie, hochwür-
diger Pater, mein Leben lang verehren werde.

Im Oktober 1608 (XIV,75) an Mlle. Clément: Sie soll die Erfüllung ihres Kloster-
wunsches in die Hände Gottes legen, der die Liebe oftmals durch Versagen eines
Wunsches prüft (DA 6,54f).
Annecy, 8. Oktober 1608 (XIV,76f) an die Baronin von Chantal: am Kirchweih-
fest Dank für die Weihe ihres Lebens zum Dienst Gottes und des Nächsten (DA
5,180f).
Annecy, 12. Oktober 1608 (XIV,77f) an Mme. de la Fléchère: geistliche Erwä-
gungen im Anschluß an die Weinlese.
Annecy, 15. Oktober 1608 (XIV,79f) an die Äbtissin de Maillard: Hingabe des
Herzens an Gott; alles nur in ihm und für ihn lieben (DA 7,206).
Annecy, 28. Oktober 1608 (XIV,80f) an die Baronin von Chantal: vertrauliche
Antwort auf ihre hohe Meinung vom Bischof (DA 5,181f).
Annecy, 28. Oktober 1608 (XIV,81f) an Mme. de la Fléchère: über den heiligen
Gleichmut zum Unterschied von Empfindungslosigkeit (DA 6,142f).
Annecy, 4. November 1608 (XIV,83f) an die Ratsherren von Rumilly:
Ich weiß, daß es Euch nie am Wunsch fehlte, Eure Pfarrkirche zu
restaurieren. Er blieb aber trotzdem bis jetzt wirkungslos, sei es, weil die
allgemeine Lage dieses Landes Euch seit vielen Jahren der Mittel zu
seiner Ausführung beraubte, oder sei es, weil es Euch an der Einheit
und Einmütigkeit der Geister fehlte, die für jedes gute Unternehmen so
notwendig ist.
Als ich im vergangenen Jahr bei Euch war, schien mir dieses letzte
Hindernis recht unbedeutend zu sein, denn ich sah Euch fast alle eines
Sinnes für dieses Ziel. Bleiben wir aber kurz bei dem anderen, denn
obwohl viele von Euch, beseelt von heiliger Frömmigkeit, ihr Wort vor

137
Gott gegeben haben, ihren Beitrag zu leisten, haben doch auch viele ihre
heilige Verpflichtung nicht eingelöst; und bei allen besteht die Schwie-
rigkeit, daß sie nicht zur Leistung aufgefordert werden. Das ist ja der
Teil, der zur Ausführung am notwendigsten ist; ohne ihn ist offenbar
alles unterblieben.
Nun bietet sich ein sehr sicherer Anlaß, Euch in einem oder zwei
Jahren alles vollendet sehen zu lassen, was Ihr so lang ersehnt habt, und
ein schimpfliches Kennzeichen Eurer Stadt in den Augen der Fremden
zu entfernen, die im übrigen nur gute Kennzeichen hat ...
Gebt also meiner Seele, die Euch gehört, diese Genugtuung und den
anderen das gute Beispiel ..., daß ein so gutes Werk nicht durch Mei-
nungsverschiedenheiten und unterschiedliche Konzeptionen verhindert
und vereitelt werde. So könnt Ihr auf lange Sicht alle durch die Fröm-
migkeit erbauen, die diese Restaurierung bewirken wird, in Euren geist-
lichen Übungen und in Euren irdischen Gütern, die Gott Euch als Be-
lohnung verleihen möge ...

Annecy, 6. November 1608 (XIV,85f) an Mme. de Mieudry: Ratschläge für ihre


religiösen Übungen als Antwort auf einen Brief (DA 6,62f).
Am 16. November 1608 (XIV,86f) an Mlle. de Bréchard: erster Gruß an die
Anwärterin auf die Ordensgründung, die bei der Baronin lebt (DA 6,64).
Am 16. November 1608 (XIV,88) an die Baronin von Chantal: Fragment mit
Nachrichten über Schloß Sales (DA 5,182).
Annecy, 24. November 1608 (XIV,89f) an Mme. de la Chambre: geistliche Er-
mutigung für die mit dem Bischof verwandte Ordensfrau von Sainte-Catherine
(DA 7,220).
Annecy, 7. Dezember 1608 (XIV,91) an die Baronin von Chantal: Gedanken zum
6. Jahrestag seiner Bischofsweihe (DA 5,182).
Annecy, 18. Dezember 1608 (XIV,91f) an Mme. de Traves: drängende Fragen
nach ihrer Gottesliebe (DA 6,70f).
Annecy, 18./19. Dezember 1608 (XIV,93-97) an die Baronin von Chantal: An-
kündigung der Reise Bernhards nach Burgund. (DA 5,183-185).
Annecy, 19. Dezember 1608 (XIV,97f) an die Äbtissin Bourgeois: ermutigende
Mahnungen, Versicherung seines Gebetes und der Liebe in Christus, obwohl sie
auf fünf Briefe nicht geantwortet hat (DA 7,288f).
Annecy, 28. Dezember 1608 (XIV,99f) an die Äbtissin de Rochette: Begleitschrei-
ben zu geistlichen Liedern (DA 7,206).
Annecy, 28. Dezember 1608 (XIV,100f) an Claude Bretagne:
Dieses Jahr, das in zwei Tagen zu Ende sein wird, soll mir denkwürdig
bleiben, weil ich in ihm das Glück Ihrer Freundschaft erhalten und Sie
kennengelernt habe. Bevor es zu Ende geht, will ich mich in Ihre Erinne-

138
rung zurückrufen und Sie bitten, im kommenden neuen Jahr mir dieses
Glück, das Sie mir in diesem Jahr geschenkt haben, auch weiterhin zu
erhalten ...

Annecy, Ende Dezember 1608 (XIV,101f) an die Baronin von Chantal: Mlle. de
Blonay will der künftigen Kongregation angehören (DA 5,185).
Ende 1608 oder 1609 (XIV,116f) an die Baronin von Chantal: Mme. de Boisy
erwartet ungeduldig die Schwiegertochter (DA 5,185).
Annecy, 13. Januar 1609 (XIV,118) an die Stadträte von Rumilly:
Ich habe mich bemüht, Euren Brief an den Pater Kommissar zu er-
halten, und habe ihm einen zweiten hinzugefügt, den ich in Eurem An-
liegen geschrieben habe. Der sie befördert, wird mir wohl bald Antwort
bringen, von der ich Euch dann Mitteilung machen werde, wie ich wün-
sche, zu Eurem geistlichen Trost ...

Annecy, 20. Januar 1609 (XIV,119-121) an Mme. de la Fléchère: klärende Rat-


schläge für Schwierigkeiten im inneren Leben und gegen die Versuchung, die
Welt verlassen zu wollen (DA 6,143f).
Annecy, im Februar 1609 (XIV,121-123) an Mme. de la Fléchère: konkrete
Weisungen als Antwort auf Fragen und Klagen (DA 6,144-146).
Annecy, 15. Februar 1609 (XIV,124-128) an Erzbischof Villars von Vienne: Über
die Anleitung zum frommen Leben und über literarische Pläne.
Annecy, Mitte Februar 1609 (XIV,128-132) an die Baronin von Chantal: Aktu-
elle Mitteilungen, u. a. über die Reise der Baronin nach Sales, über Mme. de
Charmoisy und die Äbtissin von Puits d’Orbe (DA 5,185-187).
Annecy, Ende Februar 1609 (XIV,132-135) an Mme. Brulart: Geistliche Rat-
schläge und aktuelle Fragen (DA 6,117f).
Annecy, im März 1609 (XIV,135-137) an Mme. de la Fléchère: Das ungestüme
Streben bringt Verwirrung und Probleme. Mäßigende Weisungen für bestimmte
Fragen (DA 6,146f).
Annecy, Mitte März 1609 (XIV,137f) an Mme. Brulart: Ermahnung zu Sanftmut
und Geduld im häuslichen Leben (DA 6,118f).

Annecy, Ende März 1609 (XIV,139-141) an Bischof Camus:


Begierig ergreife ich diese Gelegenheit, Ihnen zu schreiben, wenn sie
auch etwas kurz befristet ist, um Ihnen auf Ihren letzten Brief zu ant-
worten ...
Wohlan denn, kommen Sie also, mein teuerster Bruder. So sei es
denn durch meinen Dienst, daß Sie mit dem höchsten Rang des bibli-
schen Priestertums geschmückt werden. So werden wir in einem sehr
wahren Sinn, den aber Fleisch und Blut nicht verstehen, durch eine geist-

139
liche Verwandtschaft miteinander verbunden, die weder der Tod selbst
noch die Verbrennung unserer Leiber auslöschen können, die ewig be-
stehen wird. Durch sie wird mein Geist in einer echt väterlich-kindlichen
und brüderlichen Beziehung zu dem Ihren stehen. Gott weiß, daß ich bis
ans Ende der Welt ginge, um Ihnen die Mitra auf das Haupt zu setzen,
und daß ich eifersüchtig wäre, wenn mir ein anderer diese Ehre raubte ...

Annecy, März-April 1609 (XIV,141-143) an Mme. Brulart: ermutigende Nach-


richten (DA 6,119f).
Annecy, März-April 1609 (XIV,143-145) an Erzbischof de Villars: über den Titel
„Monseigneur“ (DA 12,26-28).
Annecy, Anfang April 1609 (XIV,146-149) an die Äbtissin Bourgeois: verschie-
dene Weisungen für einen neuen Beginn religiösen Strebens der Äbtissin und der
Reform des Klosters (DA 7,289-291).
Annecy, im April 1609 (XIV,149f) an Bischof Fenouillet:
Monseigneur, wenn ich Ihnen schreibe, geschieht es von ganzem Her-
zen voll Ehrfurcht und Vertrauen. Dieses kommt davon, daß ich die Lau-
terkeit Ihres Wohlwollens gegen mich kenne, jene von der großen Zahl
wertvoller Qualitäten, die eine Zierde des Standes sind, den Sie in der
Kirche Gottes einnehmen. Wenn ich Ihnen darin auch der Zeit nach vor-
aus bin, sehe ich Sie gleichwohl in jeder anderen Beziehung mir so weit
voraus, daß ich zum mindesten Ihnen gegenüber mich einer angemesse-
nen Ehrerbietung befleißen will und muß. Hätten Sie nicht die Ehre, die
Sie mir erweisen, auf die Spitze getrieben, würde ich versuchen, Ihnen
größere Ehre zu erweisen als Sie mir. Ich muß mich aber geschlagen ge-
ben, sowohl weil Sie alles besser als ich zu tun verstehen, als auch weil der
Ort, von dem die Ehrung ausgeht, ihr so außergewöhnliches Gewicht
verleiht, daß ich das nicht ausgleichen kann. Doch genug davon.
Monseigneur, bewahren Sie bitte Ihre Liebe jenem, der Ihnen alles
erdenkliche Glück in der Gnade Gottes wünscht, der in unverletzlicher
Zuneigung Ihr sehr demütiger Bruder und sehr gehorsamer Diener ist.

Annecy, 18. April 1609 (XIV,150f) an Mme. de Traves: Obwohl die Witwe mit
der Versorgung ihrer Kinder vor schweren Aufgaben steht, rät ihr Franz von
Sales, sich nicht wieder zu verheiraten (DA 6,71).
Annecy, 20. April 1609 (XIV,152f) an Bischof Fenouillet:
... Seit kurzem haben wir den Bischof von Belley in dieser Stadt, der
mir die Gunst erweist, mich nächste Woche zu besuchen. Man spricht so
viel Gutes von ihm, daß ich einzigartige Hochachtung für ihn hege, noch
bevor ich die Ehre hatte, ihn kennenzulernen ...

140
Unser Herr des Hayes schrieb mir eines Tages durch Herrn de Char-
moisy einen ganz liebevollen Brief. Ich muß mich dessen vor Ihnen rüh-
men, da Sie mit mir seine Freundschaft so hoch schätzen. Erweisen Sie
mir die Gunst, mir die Ihre zu erhalten, der ich treu entsprechen werde
durch so viel ergebene Gesinnung, wie Sie von dem erwarten können,
der Ihnen alles Wohlergehen und allen Segen wünscht ...

Annecy, 27. April 1609 (XIV,153-155) an die Äbtissin Bourgeois: über zwei
Chirurgen, die eine Heilung ihres kranken Beines in Aussicht stellen (DA 7,292f).
Annecy, 29. April 1609 (XIV,155f) an die Äbtissin Bourgeois: Angebot weiteren
Dienstes, um dem ursprünglich gesetzten Ziel näher zu kommen (DA 7,293).
Annecy, im Mai 1609 (XIV,156f) an Mme. de la Fléchère: Mahnung zu Ruhe und
Besonnenheit nach einem Verstoß gegen die Nächstenliebe (DA 6,147f).
Annecy, 9. Mai 1609 (XIV,158) an den Herzog:
Der Hauptmann La Rose nimmt seine Zuflucht zur Güte Ew. Hoheit,
um irgendeine Hilfe zum Unterhalt seiner armen Familie zu erlangen. Da
er einer der angesehensten Konvertiten ist, die Genf verlassen haben,
bitte ich Ew. Hoheit untertänigst, ihm behilflich zu sein, wie Sie es allen
sind, die ihre Zuflucht zu Ihrer großherzigen Güte nehmen. Indes wün-
sche ich Ihnen unablässig die Fülle der himmlischen Gaben und bleibe ...

Annecy, 15. Mai 1609 (XIV,158f) an Mme. de Cornillon: liebevolle Ratschläge


für seine Schwester Gasparde (DA 6,72).
Annecy, Mitte Mai 1609 (XIV, 160f) an Mlle. de Bréchard: Ermahnung zur
Festigkeit und Ratschläge (DA 6,64f).
Annecy, 27. Mai 1609 (XIV,163f) an die Baronin von Chantal: menschliches
Empfinden und Glaubensgeist. Persönliche Mitteilungen (DA 5,187f).
Annecy, Ende Mai 1609 (XIV,164f) an Mlle. de Bréchard: ein ermutigender
Gruß und Gnadenwünsche (DA 6,65f).
Annecy, 30. Mai 1609 (XIV,166-168) an Mme. Brulart: über ihre geplante Reise
mit der Äbtissin nach Annecy. Aktuelle Fragen (DA 6,120-122).
Annecy, 18. Juni 1609 (XIV,169-171) an die Baronin von Chantal: Gedanken
des Bischofs bei der Fronleichnamsprozession (DA 5,188f).
Annecy, 30. Juni 1609 (XIV,171f) an Mme. de Cornillon: Empfehlung der Sanft-
mut und Liebenswürdigkeit (DA 6,72f).
Annecy, 10. Juli 1609 (XIV,172-175) an P. Claude-Louis-Nicolas de Quoex,
Prior von Talloires, über die Klosterreform (DA 12,140-142).

Annecy, Mitte Juli 1609 (XIV,176f) an Claude de Charmoisy:


... Ich habe Madame, Ihre würdige Gefährtin und meine liebe Cousi-
ne, seit ihren letzten Nachrichten nicht gesehen. Ich glaube aber, daß sie

141
ganz zufrieden ist, in der Hoffnung, daß sie sich viel mehr und ganz
Ihrer lieben Gegenwart wird erfreuen können. Obwohl ich ein geschwo-
rener Feind der Fürstenhöfe bin, billige ich, was Gott fügt, als das Beste
und freue mich über die Ehre, die wir nun haben werden, Sie in aller
Ruhe zu besitzen und angenehme Früchte aus Ihrem Gespräch und aus
der aufrichtigen Freundschaft zu ziehen, die Sie gegen den hegen, der
Sie liebt, hochschätzt und verehrt.

Annecy, Juli/August 1609 (XIV,179-181) an Antoine Bellot:15


Seit Sie mit mir über die Konferenz gesprochen haben, habe ich mich
nicht mehr darum gekümmert, da ich davon nichts mehr hörte, habe sie
aber nicht vergessen. Da nun, wie Sie mir mitteilen, die Herren von der
anderen Seite den Sprecher ihrer angeblichen Religion gewählt haben,
ebenso den Ort und die Übersetzung, die sie verwenden wollen, scheint
es mir, daß sie mit Vorbedacht handeln. Davon überzeugt, sage ich Ih-
nen, daß ich sehr gerne Genf als Ort der Konferenz annehme, und daß
wir uns der Antwerpener Bibel bedienen werden ...
Somit bleibt nur, daß wir uns verständigen über Zweck und Ziel die-
ser Aktion. Ich erkläre meinerseits, daß ich nicht mit Streitsucht hinge-
he, denn das liegt mir ferne, auch nicht, um in der Wissenschaft zu
glänzen, denn darin sehe ich nicht meine Aufgabe, sondern einfach und
ehrlich zur Feststellung der heiligen Wahrheit.
Um dies zu erreichen, wünsche ich, daß wir uns nur mit dem Kern
der Schwierigkeiten befassen und daß wir aus ihnen die wichtigsten aus-
wählen, um sie mit den Methoden zu ergründen, über die wir uns vorher
geeinigt haben müssen. Meinerseits werde ich dazu alle nur mögliche
Aufgeschlossenheit und Zugänglichkeit mitbringen, nachdem Sie mich
vom gleichen Willen der Herren in diesen Einzelheiten versichert haben.
Indessen bitte ich Unseren Herrn, daß er der Anfang, Fortschritt und
das Ende dieses Vorhabens und aller unserer Handlungen sei ...

Annecy, Anfang August 1609 (XIV,182-186) an Antoine des Hayes:


Sie glauben gewiß, was ich Ihnen so oft versichert habe, daß ich voll-
kommen und unabänderlich der Ihre bin aus Neigung, Wahl und über-
großer Liebe. Da ich das weiß, bringe ich keine Entschuldigung vor für
die lange Zeit, die ich verstreichen ließ, ohne Ihnen zu schreiben, denn
ich bin sicher, daß Sie mir das in keiner Weise schlecht auslegen. Ohne
jede Vorrede danke ich Ihnen also dafür, daß Sie sich sorgfältig zu errei-
chen bemühen, daß ich mich Ihrer Gegenwart in Ihrem Paris eine gute

142
Zeit lang erfreuen darf, wo mir das mehr als irgendwo nach Wunsch
zuteil wird.
Aber sagen Sie mir bitte die Wahrheit: Diese Untertänigkeit und die
Demütigungen, sich nicht frei fühlen zu dürfen, obwohl man nicht Skla-
ve ist, sind die nicht zu vergleichen mit denen, die nicht frei sind, weil sie
Sklaven sind? Aber darein muß man sich fügen und ganz ruhig, was
wichtig ist. Wie froh war ich bei diesem kleinen Schimmer von Hoffnung,
mich mit Ihnen gemeinsam in Paris zu befinden ...
Ich habe einen Brief von Herrn de Santeuil erhalten, der mich ein-
lädt, im Jahre 1611 die Fastenpredigten in Saint-Germain zu überneh-
men ... Ich wage noch nicht nein zu sagen in der Hoffnung, daß die
Fürsten sich einigen werden ... Herr de Santeuil meinte sogar, falls ich
wollte, würde der König deswegen dem Herzog schreiben. Diese Ehre
wäre aber zu heiß und zu schwerwiegend für mich ...
Ich muß Ihnen auch sagen, daß wir seit kurzem unseren Herrn de
Charmoisy hier haben. Heute morgen habe ich gut drei Stunden mit ihm
über seinen Abschied vom Haus des Herzogs (de Nemours) gespro-
chen. Ich habe gefunden, daß er gewiß mehrere gute Gründe hat, das zu
tun; es wäre zu umständlich, sie hier aufzuzählen. Trotzdem sagte er mir,
daß er sich dem fügen werde, was ihm seine Freunde raten, vor allem Sie
und ich. Gewiß, der Herzog hat einen sehr guten, sehr brauchbaren und
würdigen Diener verloren, und seine Gemahlin hatte in Mme. de Char-
moisy eine sehr tugendhafte Dienerin. Ich denke darüber nach, wie ich
es einrichten könnte, daß ich als Mittler für eine Aussöhnung dienen
kann. Aber ich halte die Sache für sehr schwierig, denn die Ohren des
Herzogs werden jeden Tag mehr und mehr mit gegenteiligen Ratschlä-
gen angefüllt; jene, die Herrn de Charmoisy nicht gut gesinnt sind, ha-
ben dazu jede Freiheit und Gelegenheit. Und nach einer so tiefen Ent-
fremdung wird eine gewisse Abneigung der Herzen des einen und des
anderen schwer zu verhindern sein ...
Wenn Sie noch am Plan der Reise nach Sainte-Baume festhalten,
dann zweifeln Sie nicht daran, daß ich Sie auf Ihrer Pilgerfahrt begleiten
werde ...

Annecy, 11. August 1609 (XIV,187f) an den Herzog de Nemours:


Der Oberrichter de Crans von Faucigny hat mich gebeten, bei Ew. Exzel-
lenz dafür einzutreten, die Nachfolge in seinem Amt seinem Sohn zu über-
tragen. Ich übernehme diese Aufgabe sehr gern, weil ich in ihm einen wohl-
geborenen Edelmann sehe, der einen gesunden Geist und eine gute Seele
hat und sehr gelehrt ist. Als er einige Zeit das Amt seines Vaters als dessen

143
Vertreter ausübte, bewies er, daß er es würdig verwalten und sich als ein
nützlicher Diener Ew. Exzellenz erweisen wird. Dem füge ich also meine Bitte
um diese Gunst hinzu für den greisen Vater, der sich anschickt, diese Welt zu
verlassen, ihm diesen Wunsch zu erfüllen, seinen Sohn im gleichen Dienst
seines Fürsten zu hinterlassen, den auszuüben er die Ehre hatte ...

Annecy, 17. August 1609 (XIV,188-193) an P. Bonivard SJ über die vorgeschlage-


ne Konferenz in Genf (DA 10,353-355).
Annecy, 20. August 1609 (XIV,193f) an Mme. de la Fléchère: Trost und Ermu-
tigung in der Krankheit. Mahnung zum Streben unter den gewöhnlichen Bedin-
gungen (DA 6,148f).
Annecy, 27. August 1609 (XIV,194f) an Dom Boudet: Franz von Sales ersucht
den Prior der Kartäuser von Pommier, dafür zu sorgen, daß seine Untergebenen
ihre Pflichtabgaben an den Pfarrer von Beaumont leisten.
Cessy, 21. September 1609 (XIV,196f) an Antoine Favre:
Ich sehne mich sehr danach, Sie und unsere Frau Präsidentin, meine
Schwester, zu sehen. Aber die Vielfalt der Geschäfte, die Herr de Lux
hier vorfand, und der Widerstand der Prädikanten haben uns festgehal-
ten, ohne etwas zu tun, bis zum heutigen Tag des hl. Matthäus, an dem
ich die erste Messe nach 73 Jahren in Cessi gefeiert habe. Morgen werde
ich das gleiche in zwei weiteren Pfarreien tun, übermorgen gehe ich nach
Seyssel und am nächsten Tag werde ich mit Gottes Hilfe bei Euch sein.
Ihr habt erfahren, daß ich unter dem Geleit meines Schutzengels
Genf durchquert habe, uzw. nur, um nicht als Feigling dazustehen und
das Wort zu bewahrheiten: „Wer in Einfalt wandelt, geht voll Vertrau-
en“, und unter Angabe meines Titels. Ich rühme mich dessen nicht,
denn in diesem Entschluß war wenig Klugheit; aber wie Sie wissen, ist
das nicht meine Tugend ...

Annecy, 26. September 1609 (XIV,198-200) an den Herzog: Begleitschreiben zur


2. Auflage der „Anleitung“; Bemühungen um die Verehrung des seligen Amédée
von Savoyen; eine Bitte für den Sohn des Präsidenten Favre.
Annecy, Ende September 1609 (XIV,201f) an König Heinrich IV.:
Sire, nachdem ich Gott die Ehre gegeben für die jüngste Wiederer-
richtung des katholischen Gottesdienstes in zwei Pfarreien der Ballei
Gex, die der Herr Baron de Lux vorgenommen hat, statte ich den Dank
der königlichen Vorsorge Ew. Majestät ab, durch deren Frömmigkeit
dieses arme Volk dieses ewige Gut erhalten hat. Ich sage ewig, Sire, weil
es in der Tat zum Heil der Seelen gereicht, die in die Ewigkeit hinein
dauern; aber nicht nur der Seelen, die jetzt von diesem unvergleichli-

144
chen Glück begünstigt werden, sondern vieler anderer, die durch ihr Bei-
spiel und durch den Ruf des heiligen Eifers Ew. Majestät angespornt, ihre
demütigen Gesuche vorbereiten, um eine gleiche Gnade zu erlangen.
Ich meinerseits sehe in dieser Wiederherstellung der heiligen Kirche
eines der kostbaren Merkmale, an denen man in Ew. Majestät das Blut
und das Herz des hl. Ludwig und Karls des Großen erkennen kann; der
eine wie der andere zählen ja zu den größten Wiederherstellern des
Gottesdienstes, die die Christen je gesehen haben ...
Annecy, 2. Oktober 1609 (XIV,202-204) an Mme. de la Fléchère: persönliche
Mitteilungen und geistliche Ratschläge (DA 6,149f).
Annecy, 2. Oktober 1609 (XIV,204-206) an Mme. de la Forest: Ärgernisse und
Verleumdungen in der Abtei Bons. Mahnung zur Milde (DA 7,223).
Etwa 10. Oktober 1609 (XIV,206f) an die Baronin von Chantal: Meldung der
Abreise nach Burgund (DA 5,189).
Am 29. Oktober 1609 (XIV,207-209) an Pierre de Bérulle:
Ich habe Ihnen kaum geantwortet auf den Brief, den Sie mir über die
Frage der Kongregation der reformierten Priester geschickt haben, um
Sie meines Verlangens zu versichern, daß ich zu einem so nützlichen
Unternehmen alles beitragen möchte, was von mir abhängt. Da ich nicht
über eine Abwesenheit von meiner Diözese verfügen kann, wie sie für
dieses Werk erforderlich wäre, versichere ich Ihnen, daß ich an den
Heiligen Vater schreiben werde, sobald ich in Neci ankomme, um seinen
Auftrag dafür zu erhalten. Inzwischen, denke ich, wäre es sehr günstig,
wenn man erreichen könnte, daß der Nuntius des Heiligen Stuhles, der
in Paris residiert, von dort über diesen Plan schreibt. Das veranlaßt mich,
Ihnen von hier zu schreiben, um von meiner Seite nichts zu unterlassen,
wovon ich glaube, daß es nützlich ist, um eine Sache von so großem
Gewicht für das Wohl der Kirche zu fördern. Es liegt an Ihnen, dem die
Sache am Herzen liegt, nun zu tun, was Ihnen am geeignetsten scheint ...
Dole, 1. November 1609 (XIV,209f) an die Ratsherren von Salins:
Meine Herren, Sie verpflichten mich außerordentlich durch Ihren
Wunsch nach meinen Predigten. Diese werden nützlich für Ihr Volk sein,
wenn Gott mir so viel Kraft schenkt, wie er mir Mut und Eifer gegeben
hat, um mich Ihrem Dienst zu widmen. Wenn er mich erhört, werden Sie
alle lange, glücklich und heilig leben in dieser Welt, ewig, glorreich und
überselig in der anderen. Das sind die Wünsche, die ich von nun an der
göttlichen Majestät für Sie und Ihre Sache darbringe ...

Baume-les-Dames, 16. November 1609 (XIV,210f) an die Baronin von Chantal:


Mitteilungen über sein Gebetsleben (DA 5,190).

145
Annecy, 29. November 1609 (XIV,212f) an Mme. de Boisy: liebe, besorgte Worte
an die Mutter, die manchmal traurig ist (DA 6,27).
Annecy, Ende November 1609 (XIV,214) an die Baronin von Chantal: Frag-
ment: das Glück, in Gott geborgen zu sein (DA 5,191).

Annecy, 4. Dezember 1609 (XIV,215-218) an Antoine des Hayes:


... Wenn Ihre Geschäfte unsere Pilgerfahrt verzögern, wird sie ein
andermal um so angenehmer sein, wenn Sie die Geschäfte glücklich ab-
geschlossen haben, wie ich wünsche. Inzwischen wird sich auch auf mei-
ner Seite eine andere Angelegenheit aufklären, die ich bei meiner Rück-
kehr ganz unerwartet vorgefunden habe. Um es Ihnen zu sagen, mein
Herr, zu dem ich immer ganz offen sein will, sie besteht in der Aufklä-
rung eines Argwohns, den irgendein Unverschämter durch seine Ver-
leumdung zwischen dem Geist Seiner Hoheit und mir erweckt, so als
hätte ich ein bestimmtes Einvernehmen mit meinem armseligen Genf,
um dort auf eine andere Weise als durch seine Gnade einzuziehen und
zu regieren. Der Anhaltspunkt für den Lästerer waren ganze zehn oder
zwölf Tage, die ich im vergangenen September in meinem Gex war. Auf
dem Weg dorthin durchquerte ich mit einer gewissen unklugen Kühn-
heit ganz Genf, nachdem ich den unmittelbar vor mir Reitenden am Tor
angeben ließ, daß ich der Bischof bin, und in das Wachbuch schreiben:
Franz von Sales, Bischof dieser Diözese (denn ich muß etwas ausführli-
cher über die Einzelheiten der Laune meiner Tapferkeit sprechen).
Aus all dem hat man folgenden Schluß gezogen: Was hat er alles in
Gex getan und wer hat ihm die Sicherheit gegeben, sich in dieser Stadt
zu bewegen? Sie ist doch dem Namen, den er trägt, und seinem Titel
spinnefeind. Seine Vorgänger haben sie seit dem Umsturz nicht mehr
betreten ohne Geleitbrief, ohne sich zu verkleiden und ihren Stand zu
verleugnen. Aber in Wahrheit kennen sie meine Seele so wenig, daß sie
mir so viel Überlegung und Befürchtungen zutrauen, daß ich nicht auch
einer kleinen Kühnheit fähig wäre. Die Zeit, meine Unschuld, vor allem
aber die Vorsehung Gottes werden das alles in Ordnung bringen. Trotz-
dem habe ich Sr. Hoheit alles geschrieben, was mir gutdünkte, sobald ich
erfuhr, daß er sich zu einem gewissen Mißtrauen gegen mich verleiten
ließ. Auf diese Weise warte ich in aller Ruhe ab. Das sind meine Neuig-
keiten vom Staat.
Was die Neuigkeiten von diesem Land betrifft, freuen wir uns sehr in
der Hoffnung, einen guten Ausgang der Reise des Herrn de Jacob zu
sehen, und erwarten, daß Monseigneur kommt, um nach Frankreich zu
reisen und die Heirat zustande zu bringen, die wir so ersehnen, die sich

146
aber so verzögert. Unser Herr de Charmoisy ist derzeit ganz zufrieden in
seinem Landhaus. Er behauptet, über seinen Abschied so froh zu sein,
daß er nicht einmal will, man sollte über seine Rückkehr verhandeln.
Wenn Monseigneur kommt, werde ich es, Ihrem Rat folgend, trotzdem
tun, wenn ich kann ...
Ich schicke diese drei Bücher, in denen keineswegs alle Fehler ver-
bessert sind, die der Drucker durchgehen ließ. Ich überreiche sie Ma-
dame, Ihrer teuren Hälfte, und je eines durch ihre Vermittlung ... Mlle.
de Touteville und der Marquise de Menelay ...

Annecy, 10. Dezember 1609 (XIV,219-226) an P. Possevino SJ:


... In den Balleien oder Herrschaften von Ternier und Gaillard sowie
im Herzogtum Chablais haben wir keine Häretiker mehr. Als ich vor 16
Jahren hingeschickt wurde, waren dort fast alle häretisch ... In der Ballei
von Gex, die jetzt dem König von Frankreich untertan ist, sind die Be-
wohner zum größten Teil noch Hugenotten; denn diese sogenannte Re-
ligion, die die Berner eingeführt haben, besteht bei ihnen seit 60 Jahren.
Indessen haben wir seit neun Jahren in fünf Orten die Ausübung des
katholischen Gottesdienstes wieder eingeführt ...
Was Genf betrifft, so hält es die Staatsräson in seinem Unglück fest.
Wie mir scheint, beginnt aber trotzdem die erste Morgenröte des geist-
lichen Tages ihren Schimmer über die Bewohner auszubreiten. Ein gro-
ßer Teil von ihnen gibt zu, daß die katholische Religion die bessere ist.
Viele sehnen sich nach ihr und sagen, sie würden sich offen zu ihr beken-
nen, wenn es für ihren Staat ebenso heilsam wäre wie für ihr Gewissen.
Ich glaube, wenn ihr Edikt (das sie das grundlegende nennen), nach
dem zum Tod verurteilt werden muß, wer als erster von einem Wechsel
der Religion spricht, wenn dieses Edikt aufgehoben würde, würden viele
zu Fürsprechern, daß in einer der Kirchen der Stadt der katholische
Gottesdienst erlaubt wird.
Als ich neulich nach Gex reiste, kam mir der Gedanke, durch Genf zu
reiten, nachdem ich in einem benachbarten Ort die Messe gefeiert hatte;
das war für mich der kürzeste Weg. Ich tat es ohne alle Furcht, mit einer
gewissen Kühnheit, in der mehr Einfalt als Klugheit war. Als ich am
Stadttor ankam, fragte der Wachhabende, wer ich sei. Ich ließ durch
meinen Generalvikar antworten, daß ich der Bischof bin. Auf seine Fra-
ge: „Welcher Bischof?“, ließ ich antworten: „Der Bischof dieser Diöze-
se.“ Der Mann schrieb also in sein Register: „Herr Franz von Sales,
Bischof dieser Diözese.“ Ich weiß nicht, ob er die Bedeutung des Wortes

147
„Diözese“ verstanden hat; jedenfalls ließ er mich ein und so durchquer-
te ich zu Pferd die Stadt und wurde von den meisten Männern und
Frauen mit großem Respekt gegrüßt.
Als ich fort war und sich unter dem Volk die Kunde von meinem
Durchzug verbreitete, gab es darüber verschiedene Meinungen. Die Auf-
wiegler sagten, man hätte mich festhalten müssen, um mich zum Ver-
zicht auf meine Würde zu zwingen. Die Vornehmsten dagegen sagten,
man hätte mich aufhalten sollen, um mich als benachbarten Fürsten und
Freund ehrenvoll zu empfangen. Im allgemeinen haben sie die Sicher-
heit als böses Vorzeichen aufgefaßt, mit der ich kaltblütig mitten unter
ihnen mit den Insignien des Bischofs aufgetreten bin und am Tor ange-
geben habe, daß ich ihr Bischof bin. Etwas ähnliches ist seit ihrem Um-
sturz nie vorgekommen. Oft habe ich ihnen angeboten, zu ihnen zu kom-
men, um sie von der Irrigkeit ihrer Lehre zu überzeugen, unter der
Bedingung einer bestimmten Sicherheitsgarantie für meine Person und
für meine Begleiter. Ich habe ihnen das Angebot sogar durch Standes-
personen in einem eigenhändigen Brief mit meinem Siegel überbringen
lassen. Sie haben nie gewollt, denn sie wurden durch die Prädikanten
daran gehindert. Ich wollte Ihnen diese Begebenheit erzählen, denn
man hat mir aus Italien geschrieben, daß mein Ritt durch Genf in Turin
anders dargestellt wurde. Ich bin daher beruhigt, wenn Sie wissen, wie
sich die Sache wirklich zugetragen hat.
Indessen hat eine sehr tugendhafte und fromme Dame dieser Stadt,
in der ich residiere, während ihres Aufenthalts in Chambéry mit P. Fou-
rier, dem Rektor des Kollegs, über geistliche Fragen gesprochen und
ihm bestimmte Weisungen gezeigt, die ich ihr geschickt hatte. Als der
Pater sie gelesen hatte, drängte er mich sehr, sie drucken zu lassen.
Daran hatte ich keineswegs gedacht. Schließlich habe ich es notgedrun-
gen im vergangenen Jahr getan. Seither wurden sie ein zweites Mal ge-
druckt und bald werden sie es zum drittenmal sein. Das Werk hat in
Frankreich großen Anklang gefunden wegen der Neuheit seines Inhalts,
der kein anderes Ziel hat, als den Menschen in der Welt zu helfen.
Ich war der Meinung, wenn ich Ihnen ein Exemplar schicke, werden
Sie es billigen. Deshalb sende ich es bei dieser Gelegenheit. Ich bitte Sie,
es anzunehmen als etwas, das von jemand kommt, der Sie schätzt, Sie
verehrt und Sie von ganzem Herzen liebt und der Gott bittet, Sie mit
allem Segen zu erfüllen.

Annecy, 11. Dezember 1609 (XIV,226-231) an die Baronin von Chantal: ver-
schiedene Nachrichten, u. a. über konkrete Vorbereitungen und künftige Mit-

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glieder der Ordensgründung, über den Ritt durch Genf, über Freunde und Ver-
wandte (DA 5,191-194).
Annecy, Mitte Dezember 1609 (XIV,231f) an die Baronin von Chantal: über
Anne-Jacqueline Coste und seine Auffassung von der Abtötung (DA 5,194).
Annecy, Mitte Dezember 1609 (XIV,232-234) an Mme. de la Fléchère: religiöse
Erwägungen, u. a. über die Betrachtung des Leidens Christi, über Bescheidenheit
und Armut (DA 6,150f).
Annecy, 29. Dezember 1609 (XIV,234f) an die Baronin von Chantal: Gedanken
zum Jahresschluß über Zeit und Ewigkeit (DA 5,194f).
1609 oder 1610 (XIV,235f) an Mme. de la Fléchère: Geduld und Ergebung in
geistlicher Trockenheit (DA 6,152).
Anfangs 1610 (XIV,239) an die Baronin von Chantal: Anne-Jacqueline fragt oft,
wann die Gnädige Frau kommt (DA 5,195).
Annecy, Januar 1610 (XIV,239-241) an den Herzog:
Vor einiger Zeit habe ich Ew. erlauchten Hoheit mehrere Memoran-
den geschickt über die Wertschätzung und hohe Meinung, die das ganze
Land von jeher über die Heiligkeit des ehrwürdigen Herzogs Amédée
III. hat. Ich glaube, wenn Ew. Hoheit diese eindrucksvollen und ehren-
vollen Zeugnisse der hervorragenden Heiligkeit eines Fürsten beden-
ken, der Ihnen so nahe steht, werden Sie sich hinreichend angespornt
fühlen, seine Heiligsprechung zu wünschen ...
Dieser große Heilige und Ew. Hoheit haben eine wechselseitige Ver-
pflichtung einer gegenüber dem anderen. Denn Ew. Hoheit als sein Nach-
folger, sowohl dem gleichen Blut als dem gleichen Szepter nach, gehört
zu ihm wie ein Sohn zu seinem Vater. Ew. Hoheit muß ihm also Ehre
machen in allem, wo Sie können, wie seine Liebe ihn verpflichtet, Ew.
Hoheit zu fördern, zu beschützen und zu erhöhen. Diese gegenseitige
Bindung ist durch den Tod nicht zerstört, denn es sind Bande der heili-
gen Liebe, die so stark ist, sie zu bewahren, wie der Tod, sie aufzulösen ...

Annecy, 8. Januar 1610 (XIV,241f) an einen Adeligen:


... Verweigern Sie mir die Gunst, um die ich Sie gebeten habe, daß Sie
Ihren Sohn sehen und aufnehmen, der in Ihren väterlichen Schoß zu-
rückkehrt, um da künftig zu leben in aller Demut und allem Gehorsam,
die er Ihnen schuldet? Schenken Sie mir die Befriedigung, ich beschwö-
re Sie, mein Herr, daß dieses Glück Ihrem Sohn durch meine Vermitt-
lung widerfährt, damit er weiß, daß ich in Ihrem Wohlwollen einen Rang
einnehme, der ebenso hoch ist wie der, den Sie in meiner Wertschätzung
und Hochachtung innehaben.
Meiner Fürbitte muß ich noch ein Wort aus meiner Sicht hinzufügen.
Obwohl die Väter notwendigerweise ihre Strenge gegen ihre Kinder wal-

149
ten lassen, müssen sie in ihrem Willen die Milde bereithalten, damit die
Strenge, die sie bestraft, sie nicht erdrücke, indem sie in Härte und
Hochmut ausartet. Dieser Sohn wirft sich Ihnen zu Füßen, und ich flehe
Sie an, ihn väterlich aufzunehmen ...

Annecy, 16. Januar 1610 (XIV,242f) an die Äbtissin Bourgeois: Gebetsversprechen


trotz der Abkühlung ihrer Beziehungen (DA 7,294).
Annecy, 16. Januar 1610 (XXI,98-98) an die Baronin von Chantal: verschiedene
Nachrichten über Verwandte und die Gründung. Die Gebetsweise der Baronin.
Vertrauliche Mitteilungen (DA 5,195-200).
Annecy, Ende Januar 1610 (XIV,243f) an Mme. de Cornillon: liebevolle Wün-
sche und Ermutigung in ihrer Schwangerschaft (DA 6,73).
Annecy, 3. Februar 1610 (XIV,245f) an die Ratsherren von Salins:16
Durch die Herren Räte Ihrer Stadt, die sich die Mühe machten, hier-
her zu kommen, habe ich die Botschaft erhalten, die Sie ihnen aufgetra-
gen haben. Es bleibt mir nur, Sie zu bitten, mir zu glauben, daß ich in
meiner Seele den liebevollen Eifer bewahre, mit dem ich Ihnen die Pre-
digten gehalten hätte, die Sie von mir für diese Fastenzeit erbeten hat-
ten. Ich will sie umwandeln in ebensoviele Gebete, die ich für das Wohl
Ihrer Stadt verrichte. Gott sei also für immer Ihr Schützer, und ich bin ...

Annecy, 5. Februar 1610 (XIV, 246-248) an die Baronin von Chantal: verschie-
dene kurze Mitteilungen, u. a. über den Beginn der Arbeit an der Abhandlung
über die Gottesliebe (DA 5,200f).
Annecy, 8. Februar 1610 (XIV,248f) an Claude de Blonay:
Ich teile Ihnen mit, daß durch Gottes Erbarmen „die Zeit der Heim-
suchung“ naht. Damit will ich sagen, daß unsere Entschlüsse dafür ge-
faßt sind und daß wir in diesem Frühjahr Mme. de Chantal erwarten, um
mit unserer kleinen Kongregation zu beginnen. Sie wissen, daß für sie
der Heilige Geist auch Ihre Tochter bestimmt hat, die ich auch als meine
Tochter betrachte. Als ich heute früh an sie dachte, kam mir in den Sinn,
daß sich die Worte des Bräutigams im Hohen Lied in einzigartiger Weise
an ihre Seele wenden: „Auf, meine Freundin, komm!“ Schließlich heißt
sie Aimée, und der Bräutigam ruft sie bei ihrem eigenen Namen ...17

Annecy, 12. Februar 1610 (XIV,249f) an Jacques de Bay:


Ich konnte und wollte nicht versäumen, worum Herr Louis Bonier
mich gebeten hat, daß ich Ihnen seinen Sohn Laurent ob Ihres Wohl-
wollens gegen mich empfehle. Er ist ein junger Mann von bestem Cha-
rakter. Ich erfülle seinen Wunsch, sowohl weil er stets mein enger Freund

150
war, als auch weil ich bei dieser Gelegenheit Ihre Erinnerung an mich
auffrischen will ...

Annecy, 18. Februar 1610 (XIV,251f) an den Herzog de Nemours:


Der gute Herr Nouvellet erbittet eine bestimmte Wohltat von Sr.
Hoheit, teils aus echter Bedürftigkeit, teils aus einem gerechten An-
spruch ... Nun, ich habe mich deswegen zum Fürsprecher bei Sr. Hoheit
gemacht; da ich aber weiß, daß ohne Ihre Vermittlung die meine wir-
kungslos wäre, bitte ich auch Ew. Exzellenz um eine günstige Empfeh-
lung für ihn, wie ich diese Gunst von Sr. Hoheit erbitte ...

Annecy, 25. Februar 1610 (XIV,252-254) an die Baronin von Chantal: vertrau-
liche Mitteilungen über sein Herz und den Karneval in Annecy (DA 5,201f).
Sales, 4. März 1610 (XIV,254f) an Mme. de Cornillon: Nachricht vom friedli-
chen Tod der Mutter (DA 6,74).
Annecy, 6. März 1610 (XIV,256) an den Herzog:
Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst, dem Herrn de Blonay, der diesen
Brief überbringt, Ihr gütiges Ohr zu leihen. Er wünscht, mit Ihnen nur
über Dinge zu sprechen, die Ihnen angenehm sind, denn er findet nur
Gefallen an der Förderung der Ehre Gottes, an der Hebung des Glau-
bens und des Heils der Seelen.
Der allmächtige Gott selbst lasse Ew. Hoheit immer reicher werden
an himmlischen Segnungen und Tröstungen; das sind die innigen Wün-
sche, die ich ständig für Sie hege ...

Annecy, 10. März 1610 (XIV,257f) an Antoine des Hayes:


... In der Fastenzeit gedachte ich in Salins in der Grafschaft Burgund
zu sein, weil mich die Räte dieser Stadt sehr gedrängt und von Sr. Ho-
heit freibekommen hatten. Als ich beinahe abreisen wollte, schickten sie
mir zwei von ihren Räten, die mir mitteilten, daß ihr Erzbischof ihnen
bedingungslos die Erlaubnis verweigerte, mich auf ihre Kanzel zu lassen.
Ich kenne die menschlichen Beweggründe nicht, aber ich glaube, daß
Gott es so gefügt hat einer schmerzlichen Genugtuung wegen, die ich in
den vergangenen Tagen hatte, nämlich meiner sterbenden Mutter den
letzten Segen zu spenden und ihr die Augen zu schließen. Denn da es
Gott gefallen hat, sie heimzuholen, gereicht es mir zur Befriedigung, ihr
in diesen letzten Stunden gedient und Beistand geleistet zu haben, zu-
mal sie eine der gütigsten und unschuldigsten Seelen ist, die man sich
denken kann, der die Vorsehung Gottes im Sterben überaus gnädig war,
da sie darauf sehr gut vorbereitet war.

151
Sehen Sie, mein Herr, es erleichtert mich, darüber zu Ihnen zu spre-
chen, denn es ist eine große Sache sowie eine glückliche und gütige
Fügung für ein derart verwundetes Herz, sich mitteilen zu können, wenn
auch nur durch Briefe, einem Herzen, das so gütig, so liebevoll, so teuer,
so kostbar und so freundlich ist wie das Ihre dank Ihrer Güte, die ich
mir stets sicher zu bewahren bitte, mit der Versicherung, daß ich ohne
Ende und ohne Rückhalt bin ...

Annecy, im März 1610 (XIV,259f) an Bischof Fenouillet:


... Ich beginne zu verstehen, warum Unser Herr nicht zulassen woll-
te, daß ich nach Salins gehe. Denn ich denke, das geschah deswegen,
damit ich meiner überaus guten Mutter im Tod beistand, die er am 1.
dieses Monats zu sich gerufen hat, nachdem er sie zuvor durch seine
Barmherzigkeit vorbereitet hatte, diesen Übergang gut und glücklich zu
vollziehen. Sehen Sie, Monseigneur, es erleichtert mir das Herz sehr,
mich Ihnen darüber mitzuteilen als einem Freund, für den ich so viel
Liebe, Hochachtung, Respekt und Ehrfurcht hege, und in dessen Wohl-
wollen ich so viel Vertrauen setze, mit einem Wort, dem ich vollkommen
ergeben bin ...

Annecy, 11. März 1610 (XIV,260-267) an die Baronin von Chantal: der Tod
seiner Mutter und der Tochter Charlotte der Baronin. Die schwierige Äbtissin
von Puits d’Orbe. Die ersten Mitglieder der Heimsuchung. Über die Betrachtung
ohne Vorbereitung (DA 5,203-207).
Annecy, 16. März 1610 (XIV,267f) an Mme. de Dérée:
Madame, meine sehr teure Cousine, ich wäre im Unrecht, Ihnen so
lange nicht den schuldigen Dank abzustatten für das Gedenken, das Sie
mir bewiesen durch das kleine Huhn, das mein Bruder mir brachte, wäre
ich nicht verhindert gewesen durch den Tod meiner armen guten Mutter.
Dadurch mußte ich einige Zeit in Sales sein, um diesem lieben Menschen
den letzten Beistand zu leisten. Meine Entschuldigung ist unerfreulich für
Ihr Herz, davon bin ich überzeugt, denn in seiner Güte hat es die liebe
Verstorbene sehr geliebt, die Sie ihrerseits mit einem Eifer ehrte, der
Ihrem Dienst ganz ergeben war. Sie werden aber sehr getröstet sein, mei-
ne teure Cousine, wenn Sie hören, daß sie uns vielerlei Gründe geliefert
hat für die Hoffnung, daß ihre Seele aufgenommen wurde zur Rechten
Gottes. Das ist ja schließlich das einzige Glück, nach dem wir in allen
Lagen des armseligen sterblichen Lebens hienieden streben.
Nun müssen Sie mich etwas mehr lieben, meine teure Cousine, um
den Verlust auszugleichen, den ich auf dem Feld der Liebe erlitten habe,
das diese Mutter mir geboten hat. Tun Sie das, bitte, teure Cousine, und

152
seien Sie recht fromm, zumal ich Sie recht bald hier zu sehen hoffe,
gemäß der Zusicherung, die Sie meinem Bruder gegeben haben ...

Annecy, 25. März 1610 (XIV, 268f) an die Baronin von Chantal: in Erwartung
der baldigen Ankunft der Baronin in Annecy (DA 5,207).
Annecy, 27. März 1610 (XIV,269-271) an Mme. de la Fléchère: Vertrauen auf
die Vorsehung bei berechtigten Befürchtungen (DA 6,153).
Annecy, 29. März 1610 (XIV,271) an eine unbekannte Dame:
Madame, die Verzögerung des Eintreffens der Depesche, die dieser
Bote und Sie erwarten, ist mir unangenehm. Wenn es in meiner Macht
stünde, würden Sie sogleich zufriedengestellt. Ich hoffe aber, daß die
Erledigung nicht mehr lange dauern kann, daher fordere ich Sie auf,
sich zu trösten und heilige Geduld zu bewahren, indem Sie stets in der
Furcht unseres Herrn leben, den ich bitte, Ihnen die Gaben seines Hei-
ligen Geistes zu schenken ...

Annecy, 30. März 1610 (XIV,272f) an Kardinal Gallo: über die Verleihung eines
Kanonikates, die nicht dem Bischof sondern dem Senat zusteht.
Annecy, 31. März 1610 (XIV,274-276) an P. Alexander Ceva:
Dieser Edelmann aus Genf, Alexandre de Montcroissant, hat alles
verloren, was er besaß, als er zum heiligen katholischen Glauben konver-
tierte. Er blieb längere Zeit hier, wo er Zuflucht gesucht hatte. Da er
aber in diesen armen Tälern keine Möglichkeit findet, seine Existenz zu
sichern, geht er nach Rom mit einer geringen Unterstützung, die ich ihm
geben konnte ...
Da ich aber noch viele andere Konvertiten zu unterstützen habe,
konnte ich ihm bei seiner Abreise nur zwölf Dukaten geben. Ew. Paterni-
tät werden ein vor Gott, unserem Herrn, sehr gutes Werk tun, wenn Sie
ihm in Ihrer Eigenschaft als Aumônier von Sr. Hoheit irgendeine Hilfe
erwirken. Auf diese Weise kann er seine Reise fortsetzen. Ich bitte also
Ew. Paternität, ihm diesen Liebesdienst zu erweisen ...

Sales, 20. April 1610 (XIV,277-280) an Mme. Brulart: Antwort auf verschiedene
Nachrichten, u. a. über ein Heiratsprojekt ihrer Tochter (DA 6,122-125).
Sales, 20. April 1610 (XIV,281-285) an die Äbtissin Bourgeois: ermutigende
Ratschläge für ihre Seele und ihre Amtsführung als Antwort auf einen Brief (DA
7,294-297).
Annecy, 21. April 1610 (XIV,285f) an Mme. de la Fléchère: Ermutigung zu
Demut, Sanftmut, Güte, Ergebung und Liebe (DA 6,253).
Annecy, 23. April 1610 (XIV,286-288) an die Baronin de Cusy: Ankündigung der
Ordensgründung für Pfingsten (DA 6,186).

153
Annecy, 24. April 1610 (XIV,289) an die Baronin von Chantal: Ermutigung am
„Vorabend der Einschiffung“ (DA 5,207f).
Annecy, 26. April 1610 (XIV,290-293) an Jacques de Bay:
Ich fühle mich sehr geehrt durch den Gruß, den Herr Ramus mir
von Ihnen brachte, denn ich bin sehr glücklich, Ihre Freundschaft zu
genießen, wie ich Sie umgekehrt zu glauben bitte, daß ich Sie von ganzem
Herzen achte und verehre. Ich fühle mich zu größtem Dank verpflichtet
für Ihre beständige Geneigtheit zum Wohl dieser meiner Diözese, denn
Sie sind sehr bemüht, die jungen Männer, die Ihnen von hier geschickt
werden, in jeder gediegenen Tugend auszubilden, vor allem im Eifer für
den heiligen katholischen Glauben.
Da sind nun wieder einige, die sich zum gleichen Zweck unter Ihre
Fittiche begeben. Ich bin verpflichtet, Ihnen alle insgesamt zu empfeh-
len, weil sie meine sehr teuren Söhne in unserem Herrn sind. Aber
darunter sind doch zwei, denen ich in dieser Absicht einen Vorzug geben
muß; der eine ist Antoine Rolland ..., der andere Bernardin du Nant ...
Schließlich sende und überreiche ich Ihnen zwei kleine Stücke meiner
Arbeit von verschiedenem Stil und Inhalt ...18 Das eine wie das andere ist
voll von groben Druckfehlern und von groben Mängeln im Aufbau, aber
ein Schriftsteller wie ich, behindert und bedrängt von so vielen Aufgaben,
kann nur eine sehr unvollkommene Sache zustandebringen; aber ich mußte
mich dem Wunsch und der Autorität der Freunde fügen ...

Annecy, 2. Mai 1610 (XIV,293-295) an die Baronin de Cusy: Da sie in ihrem


Entschluß schwankt, der neuen Kongregation das vorgesehene Haus zur Verfü-
gung zu stellen und selbst einzutreten, drängt Franz von Sales auf eine Entschei-
dung (DA 6,186f; vgl. 182f).
Annecy, 5. Mai 1610 (XIV,296f) an die Baronin von Chantal: über die neue
Kongregation, von der Franz von Sales sogar träumt (DA 5,208).

Annecy, 6. Mai 1610 (XIV,297-301) an Jean-François Ranzo:


Das Schreiben, das Ew. Gnaden mir schickten, um eine bestimmte
Festlichkeit am Todestag des seligen Amédée zu veranlassen, erreichte
mich am Vorabend seines Festes. So konnte das nicht geschehen, was ich
lebhaft gewünscht hatte; so Gott will, wird es aber nächstes Jahr gesche-
hen ...
Mir ist ein Gedanke gekommen, der sehr zur Verehrung des Seligen
beitragen kann, wenn Ew. Gnaden ihn gutheißen. Am kommenden
Pfingstfest wird eine Kongregation von Frauen gegründet, ausgezeich-
net durch Tugend und Herkunft. Sie werden sich verschiedenen Werken

154
der Caritas für die Armen und Kranken widmen, gemäß dem Herkom-
men, nach dem in den Ländern jenseits der Alpen dieser Dienst ge-
wöhnlich von Frauen geübt wird. Sie werden ein Haus haben, in dem sie
gemeinsam leben, und ein sehr frommes Oratorium. Nun hängt es von
mir ab, dieses Oratorium und das Haus einem Heiligen nach meinem
Gutdünken zu weihen. Angesichts der Liebe dieser Frauen für die Ar-
men und Kranken, die unser Seliger so sehr liebte, wie von allen Kanzeln
verkündet wird, sähe ich es gern, daß dieses Haus unter seinem Namen
errichtet wird. Wäre es nicht angebracht, da er in dieser Diözese gebo-
ren wurde, daß ihm hier auch das erste Haus und das erste Oratorium
zu eigen ist?
Um aber diesen Plan zu verwirklichen, ist es erforderlich, daß Se.
Hoheit ihn billigt und Se. Heiligkeit die Genehmigung erteilt ...

Vanchy, 8. Mai 1610 (XIV,398f) an Antoine des Hayes:


Dieser Edelmann, einer meiner engen Freunde, reist mit dem Herrn
Baron de Lux und nimmt den direkten Weg; ihm gebe ich diese vier oder
fünf Worte mit, die Sie der beständigen Zuneigung versichern, mit der
mein Herz Sie ehrt, achtet und liebt.
Um etwas zum Gegenstand des letzten Briefes zu sagen, den zu emp-
fangen ich die Ehre hatte, so glaube ich wohl, daß die glückliche Heirat,
über die wir uns so freuen,19 mir künftig so viel Freiheit gewähren wird,
als ich brauche, um eines Tages die Freude der Unterhaltung mit Ihnen
zu haben, wenn nicht der Krieg, zu dem sich so viele Bestrebungen ver-
schwören, mir ein neues Hindernis bereitet. Gott wende alles zu seiner
größeren Ehre und sei Ihnen mehr und mehr gnädig ...
Herr von Charmoisy beharrt in seiner Verachtung des Hofes. Ich
glaube, wir werden Mühe haben, ihm diesen von neuem schmackhaft zu
machen.

Annecy, 18. Mai 1610 (XIV,302f) an Roch Calcagni: Bitte um Verwendung für
die Ernennung seines Bruders de la Thuille zum Ritter.
Annecy, 24. Mai 1610 (XIV,304-308) an P. Nicolas Polliens SJ:
... Mein lieber Pater, Sie sollen wissen, daß mir vor einem Jahr be-
stimmte fromme Seelen die Gründung eines Frauenordens vorgeschla-
gen und mir eine schöne Summe Geldes für ein Gebäude und den Grund
angeboten haben. Da ich weiß, wie sehr manche Mädchen sich von der
Welt zurückzuziehen wünschen, die das in den bestehenden Orden nicht
können, habe ich das Angebot angenommen und meine volle Unterstüt-
zung für diesen Plan zugesagt.

155
Der Herr Baron de Cusy, der mir den Vorschlag übermittelte, kaufte
ein kleines Haus in der Vorstadt, an einem Platz, der sehr geeignet ist,
um es auszubauen und dieses kleine Gebäude einzurichten, uzw. in der
Weise, daß es in kurzer Zeit bequem ein Dutzend Personen aufnehmen
könnte, ausgestattet mit einem kleinen Oratorium. Jene, die so glücklich
sind, anderen als Beispiel dienen zu wollen, sollten sich auf diese Weise
hier zurückziehen und einen Versuch des Vorhabens machen können.
Kurz darauf teilte mir der Baron aber mit, daß er nur die Hälfte des
vorgesehenen Geldes habe. Inzwischen zweifelt man sehr an den zeitli-
chen Vorteilen, die durch eine Person kommen sollten, die zuerst mit
Feuereifer eintreten wollte, der dann mit einem Schlag erkaltete.
Unter diesen Umständen mußte ich den Plan aufschieben, ein förm-
liches Kloster zu errichten. Um aber einer bestimmten Seele, die fest
entschlossen ist und in heiliger Ungeduld darauf wartet, sich aus dem
Getümmel der Welt zurückzuziehen, einen Platz für eine sehr ehrenhaf-
te Zurückgezogenheit zu schaffen, öffne ich ihr die Pforte einer kleinen
Vereinigung oder Kongregation von Frauen und Mädchen, die versuchs-
weise gemeinsam leben unter kleinen frommen Konstitutionen. Wir wer-
den mit der Armut beginnen, weil unsere Kongregation nur an guten
Werken reich werden will.
Ihre Klausur wird für den Anfang die sein: Männer werden zu ihnen
nur bei Gelegenheiten Zutritt haben, bei denen sie reformierte Klöster
betreten können. Auch Frauen sollen keinen Zutritt haben ohne Er-
laubnis des Superiors, ich denke des Bischofs oder seines Bevollmäch-
tigten. Die Schwestern werden zum Krankendienst ausgehen nach dem
Jahr ihres Noviziates, während dessen sie kein von den Frauen in der
Welt verschiedenes Kleid tragen werden; es wird aber schwarz sein und
sie werden es zu äußerster Schlichtheit und christlicher Bescheidenheit
vereinfachen.
Sie werden das kleine Offizium Unserer lieben Frau singen, um dabei
eine heilige und göttliche Erholung zu finden. Außerdem werden sie
jeder Art frommer Übungen obliegen, besonders jener der heiligen und
herzlichen inneren Vereinigung. Ich hoffe, Gott wird durch dieses be-
scheidene Unterfangen verherrlicht, und wie Pater Rektor Ihnen sagte,
ist der Grundstein, den Gott uns dafür gibt, eine Seele von hervorragen-
der Tugend und Frömmigkeit, die mich vor allem glauben läßt, daß die
Sache gut gedeihen wird.

Lieber Pater, Sie kennen die Launen, Kräfte und Möglichkeiten die-
ser Welt und verstehen wohl, wie ich denke: Wenn ich das Bessere nicht

156
tun kann, ist es gut, das zu tun. Ich weiß, daß ich die Kritik auf mich
lenken werde, aber dadurch lasse ich mich nicht beirren, denn wer tut
jemals etwas Gutes ohne sie? So aber werden sich mehrere Seelen um
Unseren Herrn scharen, etwas Erfrischung erfahren und den heiligen
Namen des Erlösers verherrlichen, die sonst mit den anderen Fröschen
in den Sümpfen blieben.
Lieber Pater, das ist die Zusammenfassung und der erste Aufriß des
Werkes, das Gott zur Vollendung führen möge, die er allein kennt, für
das mein Mut unglaublich beherzt ist, weil ich glaube, daß es Gott gefal-
len wird. Ihre Aufgeschlossenheit und Ihre heilige Redlichkeit veranlas-
sen mich, Ihnen das alles ganz einfach zu sagen. Ich füge noch hinzu,
daß ich der sehr demütige Sohn und Diener des Pater Rektor bin. Er
weiß wohl, daß unsere Kongregation, die in wenigen Tagen entstehen
wird, die Frucht der Reise nach Dijon ist ...

Annecy, 27. Mai 1610 (XIV,309-311) an Präsident Bénigne Frémyot:


Mein Herr und Freund, es ist wahr, Europa kann keinen Tod bekla-
genswerter finden als den des großen Heinrich IV. Wer aber wird nicht
mit uns über die Unbeständigkeit, die Nichtigkeit und die Treulosigkeit
der Großen dieser Welt staunen? ...
O Gott, mein Herr, wie sind wir weise durch solche Erfahrungen! Wie
verachten wir diese Welt, in der alles so gebrechlich und hinfällig ist! Wie
sollten wir uns nicht zu Füßen des unsterblichen Königs halten, der durch
seinen Tod über den Tod triumphiert hat, dessen Tod liebenswerter ist als
das Leben aller Könige der Erde? Sie sind sehr glücklich, mein Herr,
wenn Sie diese Erwägungen anstellen; Sie werden aber noch glücklicher
sein, wenn Sie aus ihnen die entsprechenden Entschlüsse ableiten und
den Rest Ihrer alten Tage wie ein Rauchopfer darbringen durch die Glut
der ausschließlichen Liebe zum König der Ewigkeit. Meine Zuneigung zu
Ihrer teuren schönen Seele läßt mich das ohne Notwendigkeit sagen.
Im übrigen bestand das größte Glück des verstorbenen großen Kö-
nigs darin, daß er der Vater Frankreichs ist, indem er ein Kind der Kir-
che wurde; indem er ein Schaf des großen Hirten wurde, ward er der
Hirte eines zahlreichen Volkes; indem er sein Herz Gott zuwandte, ge-
wann er das Herz aller guten Katholiken für sich. Dieses Glück allein
läßt mich hoffen, daß die gütige und barmherzige Vorsehung des himm-
lischen Vaters dem großmütigen Herzen des Königs im letzten Augen-
blick seines Lebens die für einen guten Tod erforderliche Reue unver-
merkt eingegeben hat. So bitte ich die grenzenlose Güte, daß sie dem

157
gnädig sei, der es so vielen Menschen war; daß sie dem Verzeihung schen-
ke, der sie so vielen Feinden gewährte; daß sie diese Seele versöhnt in
ihre Herrlichkeit aufnehme, die durch ihre Güte so viele nach ihrer Be-
kehrung in ihre Gunst aufgenommen hat.
Ich bekenne meinerseits, daß die Gunsterweise dieses großen Kö-
nigs gegen mich mir grenzenlos dünken, wenn ich daran denke, daß er
mich im Jahre 1602 aufforderte, in seinem Königreich zu bleiben, unter
Bedingungen, die geeignet waren, mich zum Bleiben zu bewegen: nicht
als armer Priester, der ich damals war, sondern als angesehener Prälat.
Nun, Gott hat es anders gefügt. Ich war sehr erfreut, daß die königliche
Güte, die mir einmal ihr Wohlwollen zuwandte, mich so dauerhaft und
freigebig begünstigte, wie mir zahllose Beweise bezeugen, die er mir bei
verschiedenen Gelegenheiten gab. Da ich von seiner Güte stets nur die
Freude erfuhr, in seiner Gunst zu stehen, fühle ich mich über alles ver-
pflichtet, in meinen schwachen Gebeten für seine Seele und für das
Glück seiner Nachkommen fortzufahren.
Es fällt mir schwer, nicht mehr über einen Fürsten zu sagen, der des
Gedenkens so würdig ist, aber ich werde gedrängt, den Brief abzuschlie-
ßen ...

Annecy, 28. Mai 1610 (XIV,312f) an die Baronin von Chantal: Sorgen und
Vertrauen in den letzten Schwierigkeiten der Ordensgründung (DA 5,209).

158
Innere Entwicklung des hl. Franz von Sales 1604 – 1610

Diese Jahre sind nach außen weniger stürmisch als die ersten Bischofsjahre. Sie
stehen vor allem im Zeichen der Seelsorge. Ihr gilt die jährliche Diözesansynode,
die den Bischof enger mit seinem Klerus verbindet. Auf den Visitationsreisen,
die vor allem in den Berggemeinden überaus anstrengend, gleichzeitig aber sehr
erbaulich sind, gewinnt er engeren Kontakt mit seinem Volk. Die Bemühungen
um die kirchliche Organisation der wiedergewonnenen Gebiete gehen weiter; in
diesem Zusammenhang steht der Ritt des Bischofs durch Genf, der so viel Auf-
sehen erregte. In diese Zeit fallen auch neue Bestrebungen einer Rangerhöhung
für Franz von Sales. Papst Leo XI. (der als Kardinallegat den Abschluß der
Chablais-Mission miterlebte), der nur wenige Wochen regierte, wollte ihn 1605
zum Kardinal erheben; Heinrich IV. versuchte ihn 1608 erneut für Frankreich zu
gewinnen. Die Reaktion des Heiligen zeigt die innere Verbundenheit mit seiner
Diözese und seine innige Bindung an den göttlichen Willen.
Die Fastenpredigten des Heiligen, 1604 in Dijon, 1606 in Chambéry, 1607 in
Annecy, 1608 in Rumilly, gelten der Erneuerung und Vertiefung des christlichen
Lebens im Volk. Sichtbare Zeichen ihres Erfolgs sind jene Menschen, die durch
sie zu einem entschiedenen Streben nach christlicher Vollkommenheit angeregt
wurden und dafür den Rat und die Leitung des Bischofs erbitten. An dieser
Aufgabe entfaltet sich das Genie des hl. Franz von Sales als Seelenführer. Seine
geistlichen Briefe sind von unvergänglichem Wert. Aus ihnen entstand 1608 die
„Anleitung zum frommen Leben“, die seinen Namen unsterblich gemacht hat.
Ohne Zweifel ist er an dieser Aufgabe selbst innerlich gewachsen.
Den nachhaltigsten Einfluß auf die innere Entwicklung des Bischofs hat die
geistliche Leitung der verwitweten Baronin von Chantal. Sie folgt nicht nur
seiner Führung am vollkommensten, beide verbindet vielmehr bald eine einmali-
ge Seelenfreundschaft, die ganz in Gott gegründet ist und zu einer gegenseitigen
Vertrautheit führt, so daß Franz von Sales von ihrem gemeinsamen Herzen spre-
chen kann. Die Baronin ist nicht nur um seine Gesundheit besorgt, sie fragt auch
nach seinen geistlichen Übungen und nach seinem innerlichen Gebet. Seine Brie-
fe enthalten nicht nur das Echo auf Mitteilungen und Fragen der Baronin, die
ihren seelischen Aufstieg durch vielerlei Prüfungen und Trockenheiten wider-
spiegeln, sondern auch vertrauliche Bekenntnisse über die innersten Regungen
seines eigenen Herzens, die seine innere Entwicklung bis zur Mystik, aber auch
seine Belastungen und Schwierigkeiten erkennen lassen.

159
160
V. Von der „„Galerie“
Von Galerie“ bis LLyon
yon
1610 – 1615

Im Vordergrund dieses Abschnitts steht die Gründung der Kongregation von der
Heimsuchung Mariä mit Johanna Franziska von Chantal im Haus der „Galerie“
und die innere Formung der jungen Ordensgemeinschaft durch den Bischof, bis
mit der Gründung eines Klosters der Heimsuchung in Lyon eine neue Phase in
der Entwicklung der Gemeinschaft beginnt. Für Franz von Sales bedeutet die
Verwirklichung der Heimsuchung ebenso einen wichtigen Einschnitt in seinem
Leben wie für Frau von Chantal. Er hat diesem Werk sein volles Interesse und
seine väterliche Liebe geschenkt; die Zeit für die Betreuung seiner geistlichen
Töchter freilich muß er den wachsenden Pflichten des bischöflichen Amtes oft
förmlich abringen.
Die Leitung der Diözese verlangt in diesen Jahren weiterhin den Einsatz seiner
Persönlichkeit. Sie wird immer wieder erschwert durch die politischen Ereignisse,
durch die Tatsache, daß ein Teil seiner Diözese zum französischen Staatsgebiet
gehört, durch die Haltung des Herzogs von Savoyen, seine kriegerischen Ambi-
tionen und sein immer wieder aufflackerndes Mißtrauen gegen Franz von Sales,
dessen Ruf und Ansehen die Grenzen Savoyens überschreitet. Durch seine geist-
lichen Aufgaben tritt der Bischof in Verbindung mit bedeutenden Persönlichkei-
ten des politischen Lebens in Savoyen und Frankreich, aber auch mit Geistlichen
und Bischöfen; mit manchen von ihnen verbindet ihn eine dauernde Freund-
schaft.
Bei alldem findet der Heilige noch Zeit, die geistliche Leitung einzelner fortzu-
setzen, in der Hauptsache durch Briefe, und immer neuen Ratsuchenden geistli-
cher Berater und Seelenführer zu sein.

161
A. Die ersten Jahre der „Heimsuchung“

Am 6. Juni 1610 zieht sich die Baronin von Chantal mit drei Gefährtinnen in das
Haus der „Galerie“ zurück, um das Noviziat zu beginnen. Franz von Sales gibt
seine Unterweisungen meist mündlich: im Sprechzimmer, im Garten, in der Ka-
pelle; sie sind in den „Geistlichen Gesprächen“ und in den „gesammelten“ Pre-
digten überliefert. Die Briefe an die „Mutter“ Chantal beschränken sich in die-
sen Jahren meist auf kurze Antworten, persönliche Mitteilungen und geistliche
Anregungen; nur wenn einer der beiden Heiligen von Annecy abwesend ist, schreibt
er ausführlicher. Das gleiche gilt von seinen Briefen an die ersten Schwestern.
Interessante Einblicke in seine Idee von der Heimsuchung und in die Ereignisse
dieser ersten Jahre geben die überlieferten Briefe des Heiligen an Dritte.
An Mutter Chantal schreibt Franz von Sales am 10. Juni 1610 (XIV,313-315)
über sein Befinden nach der Fronleichnamsprozession und über Sorgen wegen
des Hauses (DA 5,209f). Am 23./24. Juni 1610 (XIV,320f) Namenstagswünsche
mit geistlichen Erwägungen über Johannes den Täufer (DA 5,211f). Am 30. Juni
1610 (XIV, 323-325) Erwägungen über die Reise Marias zu Elisabeth (DA 5,212f).
Annecy, 20. Juli 1610 (XIV,328-332) an Philippe de Quoex: Nach einer Erörte-
rung der erforderlichen Mitgift in der Heimsuchung schreibt er ergänzend zum
Entwurf der Regel (vgl. den Brief vom 24. Mai 1610 s. 155-157):
Diese Kongregation nimmt unterschiedslos Witwen und Mädchen
auf; Mädchen aber nicht unter 17 Jahren. Sie machen ein Probejahr, und
wenn es zweckmäßig ist, auch zwei oder drei; dies dann, wenn sie wäh-
rend des ersten Jahres kein deutliches Zeichen der Besserung gegeben
haben. Nach ihrem Noviziat werden sie feierlich aufgenommen, aller-
dings nicht durch Gelübde, die man feierlich ablegt, sondern durch eine
Aufnahme oder Weihe nach der Art, die der selige Kardinal Borromäus
für die Ursulinen eingeführt hat, mit geringen Änderungen, paucis mu-
tatis. Sie machen trotzdem das einfache Gelübde der Keuschheit nach
dem Rat des Beichtvaters und der Oberin. Bei ihrer Aufnahme weihen
sie ihre Seele, ihren Leib und den Gebrauch ihres Besitzes Gott und
Unserer lieben Frau, um sich nach den Regeln der Kongregation ganz
seiner Ehre zu widmen; das geschieht aber in einer schönen Feier.

162
Männer betreten ihr Haus in keiner Weise, auch Frauen nur mit
schriftlicher Erlaubnis. Die Mädchen gehen nur in bestimmten, sehr sel-
tenen Fällen aus; die Älteren gehen aus, um den Armen zu dienen, aber
in guter Ordnung wie die Frauen vom „Spiegelturm“.
Sie verrichten nur die Tagzeiten Unserer lieben Frau nach einer sehr
frommen Melodie. Sie stehen um 5 Uhr auf und gehen um 10 Uhr schla-
fen, im Winter um 6 Uhr und gehen um 1/2 11 Uhr schlafen. Sie machen
eine Stunde am Morgen und eine am Abend das Geistesgebet, im übrigen
haben sie eine Ordnung für die Arbeit und das Stillschweigen, für Gehor-
sam, Demut und eine äußerst strenge Selbstverleugnung wie in keinem
Kloster der Welt. Sie empfangen an allen Sonn- und Feiertagen die Kom-
munion. Die Strafe, wenn eine dem Geist der Kongregation nicht folgen
will, ist ihre Entlassung, wobei man ihr allerdings zurückgibt, was sie mit-
gebracht hat. Es gibt keine anderen Fasttage als die allgemeinen der Kir-
che, außer am Freitag und an den Vigilien Unserer lieben Frau.
Die Kongregation ist gegründet unter dem Titel der Heimsuchung
Unserer lieben Frau. Der Anfang ist sehr überzeugend und erbaulich.
Die Mitglieder kommen aus Chambéry, Grenoble und Burgund. Nun,
schließlich ist es eine einfache Kongregation, bestimmt für Frauen und
Mädchen, die wegen ihrer körperlichen Schwäche, oder weil sie sich
nicht berufen fühlen, die großen Strengheiten auf sich zu nehmen, nicht
in die formellen und reformierten Orden eintreten können. Sie finden
eine milde und freundliche Zuflucht mit der Übung der wesentlichen
Tugenden der Frömmigkeit ...

An Mutter Chantal im Juli/August 1610 (XIV,334f) eine kurze Antwort auf zwei
Billette (DA 5,213f); am 7. September 1610 (XIV,343f) verschiedene Antworten
und Mitteilungen (DA 5,214).

Annecy, 29. September 1610 (XIV,348-351) an Herrn Ranzo:


... Die Kongregation der Frauen ist errichtet zur großen Genugtu-
ung des Volkes über das Gute, das es sieht. Da ich von Rom den Segen
Sr. Heiligkeit, verbunden mit bestimmten Ablässen, erbitten mußte, habe
ich erwogen, ob das Oratorium dem seligen Amédée geweiht werden
könne, die Kongregation hat jedoch aus mehr als einem Grund die selig-
ste Jungfrau von der Heimsuchung als Patronin gewünscht.
Was die Messe zu Ehren des seligen Fürsten betrifft, die im Kloster
von Talloires gefeiert wurde, konnte ich nur dies ausfindig machen: Herr
Claude-Nicolas de Quoex, der Bruder des Boten und Prior des Klosters

163
Talloires, diente als junger Novize bei der Messe. Er erinnert sich sehr
gut, in einem alten Missale dieses Meßformular gesehen zu haben, die
einer seiner Onkel zelebrierte, der ebenfalls Prior des Klosters war und
sich Amédée nannte. Aber von dem Missale fehlt jede Spur, weil der
erwähnte Prior lange Zeit studienhalber abwesend war ...

Annecy, 28. Oktober 1610 (XIV,354f) an Mlle. de Vallon:1


Ihr Wunsch, ganz für Unseren Herrn zu leben, gefällt mir sehr gut.
Ich will Ihnen meinerseits zeigen, wie Sie ihn recht erfüllen können,
wenn Ihr Herr Vater dazu beiträgt, was von seiner Seite erforderlich ist.
Nähren Sie indessen liebevoll die heilige Eingebung, die Gott Ihnen ge-
schenkt hat, durch alle guten Übungen, die Ihr Herz festigen können in
der Demut, Freundlichkeit und Reinheit. Wenn Sie auf diese Weise Ihr
Vertrauen in die höchste Güte setzen, wird sie die Tage abkürzen, um
bald den Eintritt zu ermöglichen, zu dem sie einlädt ...

An Mutter Chantal am 28. November 1610 (XIV,366f) einige gute Gedanken für
die Schwestern zum Advent (DA 5,215); am 3. Dezember 1610 (XIV,369) über
die tägliche Kommunion vom Fest der Unbefleckten Empfängnis an (DA 5,215);
am 5. Dezember 1610 (XIV,374f) über die Wirkung der täglichen Kommunion
(DA 5,216).
Annecy, 17. Dezember 1610 (XIV,386f) an Philippe de Quoex:
Hier ist Ihr Bote, den wir Ihnen umgehend zurückschicken. Ich wer-
de Mme. d’Avully in allem zu Diensten sein, was mir möglich ist, beson-
ders in dem einen oder anderen Punkt, den Sie mir angeben.
Zum ersten Punkt: Obwohl ich nicht gewohnt bin, für eine Person
Partei zu ergreifen, da mein Amt mich stets zur Neutralität im Interesse
des Friedens mahnt, werde ich für diesen Fall einen Brief schreiben,
wenn sie es so wünscht, und ich werde mit dem Herrn de la Roche, der
abwesend ist, im gleichen Sinn sprechen, wenn er zurückkommt.
Zum zweiten Punkt: Ich denke, man wird abwarten müssen, bis sie
hierher kommt, um das Leben dieser Kongregation zu sehen, damit man
sie zufriedenstelle, wenn es möglich ist, je nach dem Tag, den sie wählt.
Trotzdem will ich deutlich sagen, daß man ihr schwerlich gestatten kann,
ein Zimmermädchen zu halten, das nicht zum Haus gehört, wohl aber
kann sie von einem der Mädchen des Hauses bedient werden. Das ist
notwendig, damit im Kloster alles einheitlich sei. Sicher, ich für meinen
Teil wünschte sehr, sie in dieser Berufung ganz zufrieden zu sehen ...

An Mutter Chantal schreibt er um die Jahreswende 1610/11 (XIV,400f) einen


geistlichen Trostbrief während ihrer Krankheit (DA 5,218); im Februar 1611
(XV,21) das Bekenntnis seiner Ergebung in den Willen Gottes (DA 5,220).

164
Annecy, im Januar/Februar 1611 (XV,19f) an Philippe de Quoex:
... Ihrem Gedenken in der Messe empfehle ich die Gesundheit der
Königin unseres jungen Bienenstocks. Sie ist sehr mitgenommen von
der Krankheit, und unser guter Herr Grandis weiß nicht, was er gegen
dieses Übel verordnen soll, obwohl er einer der gelehrtesten Ärzte ist,
die ich kenne. Er sagt, die Krankheit habe eine Ursache, die dem Lehrer
der Ärzte, Galenus, unbekannt ist. Ich weiß nicht, ob uns der Teufel
dadurch erschrecken will, oder ob sie nicht zu herb ist für die Ernte.
Jedenfalls weiß ich wohl, daß es für sie kein besseres Heilmittel gibt, als
sie der Sonne der Gerechtigkeit auszusetzen.
Wie dem auch sei, mein ganzes Herz gehört so sehr diesem heiligen
Unternehmen, das einzig von oben kommt, daß nichts mich für seinen
Fortgang fürchten läßt. Ich glaube, Gott wird in der Tat diese Mutter
einer hl. Paula ähnlich machen, einer hl. Angela, einer hl. Katharina von
Genua und den heiligen Witwen, die wie schöne und duftende Veilchen
im heiligen Garten der Kirche so lieblich anzuschauen sind. Von diesen
Bräuten Jesu Christi heißt es: Myrrha et gutta et casia a vestimentis ...

Annecy, 26. Februar 1611 (XV,22f) an Bénigne Milletot:


Es ist schon einige Zeit her, daß uns die traurige Nachricht vom Tod
des verewigten Herrn Präsidenten Frémyot erreichte und uns mit größ-
tem Schmerz erfüllte angesichts der großen Verpflichtung gegen ihn
und der großen Hochachtung, die wir für ihn haben. Wir haben aber
verhindert, daß die gute Mutter Chantal irgendein Gerücht erreichte,
denn es wäre zu grausam gewesen, ihre Krankheit durch einen so gro-
ßen Schmerz zu belasten zu einem Zeitpunkt, da sie noch sehr schwach
war. Jetzt habe ich ihr aber selbst die bittere Mitteilung gemacht. Als sie
diese empfing, hat der Schmerz ihre Tugend auf eine harte Probe ge-
stellt; sie wäre ohne Zweifel unterlegen, wenn sie nicht so stark und tief
wäre. Aber Gott sei Dank, sie hat ein so schönes Zeugnis der Tugend
gegeben, daß jene, die sie in so großer Trauer sahen, ein denkwürdiges
Beispiel empfingen.
Ich habe großen Trost empfunden, als ich sah, wie freundlich der
gute, ehrenwerte Verstorbene die Wünsche aufgenommen hat, die ich
ihm in meiner Einfalt in den letzten Briefen aussprach, die ich ihm ge-
schrieben habe. Es ist wahr, mein Herr, ich verehre diese ehrenwerte
große Persönlichkeit mit einer ganz einzigartigen Liebe, die in meiner
Seele nie erlöschen wird, ebenso wie jene, die ich von ganzem Herzen
Ihnen geweiht habe und von neuem weihe.

165
Ich weiß nicht, wie dieses Gerücht von meiner bevorstehenden Ver-
setzung auf einen anderen Bischofsstuhl sich in meiner Umgebung ver-
breiten konnte, ohne daß in mir ein Gedanke daran war, noch ein Wunsch
oder irgendeine Vorstellung. Nein, mein Herr, an all den Erörterungen,
die man darüber anstellt, ist keine Spur. Es ist so, daß ich in dem heiligen
Dienst bleibe, dem ich mich in dieser lieben Schar verpflichtet habe, in
der Sie ein so gutes Unterpfand haben. Gott sei darob gepriesen; er
überhäufe Sie mit seinen Gnaden und Tröstungen.

An Mutter Chantal im März 1611 (XV,26f) über die Wiederaufnahme des be-
trachtenden Gebetes nach ihrer Krankheit (DA 5,220); am 9. März 1611 (XV,29-
31) über die Namensänderung der Schwestern (DA 5,221).

Annecy, 3. April 1611 (XV,38-40) an Vespasian Ajazza:


Mein sehr teurer Bruder! Der unglaubliche Duft einer liebevollen
Güte, dessen Ihr unvergleichlich liebenswürdiger Brief an mich voll ist,
drängt mich sanft, Ihren brüderlichen Wünschen zu entsprechen und
Sie wissen zu lassen, was ich in diesem Winkel unserer Berge mache,
wovon Sie sagen, daß sich dessen Wohlgeruch bis zu Ihnen verbreitet
habe. Das glaube ich gern, mein sehr teurer Bruder: Da ich das Brand-
opfer auf den Altar gelegt habe, muß es nun nicht einen süßen Duft
verbreiten? Also nicht, was ich getan habe, ist geschehen, sondern was
Gott getan hat.
Mein Bruder de Thorens hat seine kleine Frau in Burgund geholt
und brachte mit ihr eine Schwiegermutter, die er niemals verdient hat,
der zu dienen ich nicht würdig bin. Sie wissen bereits einiges von dem,
was Gott aus meiner Tochter gemacht hat. Sie sollen also wissen, daß
diese Tochter zu ihrem armseligen Vater gekommen ist, damit er sie der
Welt absterben lasse, gemäß dem Plan, den ich Ihnen bei unserem letz-
ten Treffen mitgeteilt habe. Gedrängt vom Verlangen nach Gott, hat sie
alles verlassen und mit einer für ihr schwaches Geschlecht ungewöhnli-
chen Klugheit und Stärke hat sie sich von ihren Pflichten freigemacht.
Sie hat das in einer Weise verstanden, daß die Guten darin viele lobens-
werten Dinge finden, die bösen Kinder der Welt aber nichts finden, um
daran ihre Verleumdungen zu knüpfen.
Am Tage der allerheiligsten Dreifaltigkeit haben wir sie eingeschlos-
sen mit zwei Gefährtinnen und einer Dienerin, die ich Ihnen vorgestellt
habe. Diese ist bei ihrer ländlichen Herkunft eine so gute Seele, daß ich
in ihrem Stand sonst keine solche gefunden habe. Dann kamen Mäd-
chen aus Chambéry, Grenoble und Burgund, um sich zu ihnen zu gesel-
len. Ich hoffe, diese Kongregation wird eine milde und angenehme Zu-

166
flucht für die Schwachen, denn sie üben alle wesentlichen Tugenden der
Frömmigkeit ohne viel körperliche Strengheiten ...
Die Reform, die Sie vorschlagen, wünsche ich sehnlichst, und um die
Wahrheit zu gestehen, Ihre Neigung macht mich geneigt und gewinnt
mich ganz für sich. Ihre Gründe sind stichhaltig, und Ihre Autorität
vermag alles bei mir. Bei Gott, fürchten Sie nicht, mich zu belästigen. Ich
habe mein Leben und meine Seele Gott und seiner Kirche geweiht; was
tut es, wenn ich Mühe habe, da ich alles zum Heil der Seelen aufwende?
Behandeln Sie mich also brüderlich, denn Sie wissen, daß zwischen uns
alles in Liebe und für die Liebe geschieht. Nun, die Liebe kennt keine
Mühe, die nicht liebenswert wäre: Ubi amatur, non laboratur; vel si labo-
ratur, labor amatur ...

An Mutter Chantal am 10. Juni 1611 (XV,63f: DA 5,225) Gedanken über ein
Wappen der Heimsuchung; am 1./2. Juli 1611 (XV,76: DA 5,227) über das
Heimsuchungsfest; am 11. August 1611 (XV,87: DA 5,227) Aufschub einer Ent-
scheidung; am 29. August 1611 (XV,91f: DA 5,227) Gedanken zur Vorbereitung
auf die Profeß.
Im Herbst 1611 reiste Mutter Chantal nach Burgund, um das Erbe ihrer Kinder
zu regeln. Am 10. September 1611 (XV,98-100: DA 5,228-230) schickt er ihr
einen väterlichen Gruß; am 14. September 1611 (XV,101f: DA5,230f) Motive
für ihr Vorgehen; am 1. Oktober 1611 (XV,107f: DA 5,231f) Wünsche und
Grüße; am 15. November 1611 (XV, 121f: DA 5,232f) die Erlaubnis zur Verlän-
gerung ihres Aufenthalts und Ratschläge für ihr Verhalten; am 7. Dezember 1611
(XV,125f: DA 5,233) einen Gruß aus Gex; am 23. Dezember 1611 (XVI,58f: DA
5,234) einen Gruß nach einem Unfall auf der Rückreise.
Während ihrer Abwesenheit vertrat sie Sr. de Bréchard in Annecy. Ihr schrieb der
Bischof Ende September 1611 (XV,105: DA 7,58) eine Ermutigung; Sr. Roget
fordert er zum Vertrauen in ihre Führung auf (XV,106f: DA 7,136); am 29./31.
Oktober 1611 (XV,112f: DA 7,58f) gibt er Sr. de Bréchard Ratschläge; am 15.
Dezember 1611 (XV,133f: DA 7,74) schreibt er an Sr. de Chastel nach ihrer
schweren Krankheit.
Annecy, 28. November 1611 (XV,123) an Philippe de Quoex:
... Ich bitte Sie, dies dem Herrn de Blonay zu übermitteln und ihm zu
schreiben, daß seine Tochter willkommen ist, wenn es ihm recht ist, daß sie
kommt, ohne die Rückkehr der Frau von Chantal abzuwarten. Das sage
ich, weil Frau von Chantal möglicherweise nicht vor Weihnachten kommt,
denn sie ist entschlossen, vor ihrer Rückkehr ihre Angelegenheiten abzu-
schließen, um weiter keinen Anlaß zur Zerstreuung zu haben ...

An Mutter Chantal am 24. Januar 1612 (XV,158-160: DA 5,237f): Was bei der
Aufnahme von Novizinnen zu sagen ist; am 9. Februar 1612 (XV,163: DA 5,239f)
über seine plötzliche Heilung von Zahnschmerzen. – Eine neue Erkrankung der
Mutter Chantal macht ihm ernste Sorgen.

167
Annecy, 24. Februar 1612 (XV,168-170) an Philippe de Quoex:
Wegen der Rückkehr des bedauernswerten Arztes, 2 der unsere Mut-
ter nicht heilen konnte und den ich nicht zu heilen vermochte, schreibe
ich Ihnen dieses Wort. Ach, muß ein Kind verhindern, daß die Seele des
Vaters von seinem Leib lebt? Unsere teure Kranke hätte bereitwillig ihr
Leben für die geistliche Gesundheit ihres Arztes gegeben, und was hätte
ich armer, kümmerlicher Hirte nicht gegeben für das Heil dieses bedau-
ernswerten Schäfleins! Beim lebendigen Gott, vor dem ich lebe und spre-
che: Ich wollte meine Haut geben, um ihn zu bekleiden, mein Blut, um
seine Wunden zu salben, mein zeitliches Leben, um ihn vor dem ewigen
Tod zu bewahren.
Warum sage ich Ihnen das, mein lieber Freund, wenn nicht, um Sie
zu ermutigen, sehr darauf zu achten, daß sich die Wölfe der Nachbar-
schaft nicht auf Ihre Schäflein stürzen, oder um nach den Gesinnungen
meines Herzens väterlicher zu sprechen, auf die armen Genfer. Achten
Sie darauf, daß niemand von meinen räudigen und verirrten Schafen die
teure und geliebte Schar irremache ...
Ich empfehle diesen armen kranken Arzt Ihrem Gebet; feiern Sie
drei Messen in dieser Meinung, damit er unsere Mutter heilen kann und
wir ihn heilen können. Die gute Mutter ist sehr krank und mein Geist ist
etwas in Sorge über ihre Krankheit. Ich sage „ein wenig“, und das ist
viel. Ich weiß trotzdem, daß der erhabene Architekt der neuen Kongre-
gation, wenn er den Grundstein aus dem Fundament herausbrechen
will, das er gelegt hat, um ihn in das himmlische Jerusalem zu versetzen,
wohl weiß, was er mit dem übrigen Bau machen will. In dieser Überzeu-
gung bleibe ich im Frieden und Ihr demütiger Diener und Mitbruder.

Annecy, 26. Februar 1612 (XV,170f) an P. Bonivard SJ:


Mein lieber Pater, ich bitte Sie um eine Novene für die Gesundheit
unserer Frau von Chantal. Seit zehn oder zwölf Tagen läßt mich ihre
schwere Krankheit die dritte Vaterunser-Bitte sprechen: Fiat voluntas
tua. Ich unterwerfe mich dem göttlichen Willen vollkommen. Wenn es
ihm gefällt, diese Mutter wegzunehmen, bringe ich sie ihm zum Opfer;
wenn es ihm gefällt, sie uns zu lassen, sei sein heiliger Name gepriesen!
Wenn es ihm gefällt, daß unser Bauwerk entsteht, wird er uns den Bau-
stoff lassen; wenn nicht, wird er ihn in seiner himmlischen Wohnung
verwahren.
Nach den Regeln unserer unlösbaren väterlichen, brüderlichen und
kindlichen Liebe muß ich Ihnen gestehen, lieber Pater, daß mich die

168
Führung Gottes in allen seinen Plänen mit Bewunderung erfüllt, ver-
bunden jedoch mit einer gewissen heimlichen Hoffnung, daß er an den
Rand des Todes führt, um das Leben zu schenken; ich sage noch mehr:
daß er tötet, um wieder zu erwecken. Ich beschließe alle meine Gedan-
ken mit dem Wort: Fiat voluntas tua ...

Im Frühjahr 1612 ist Franz von Sales erstmals länger abwesend, um in Chambéry
die Fastenpredigten zu halten. Von dort gibt er am 10. März 1612 Sr. Favre
Ratschläge (XV,178-180: DA 7,25); am 28. März 1612 der Mutter Chantal
(XV,197-199: DA 5,240f); am 1. April 1612 (XV,205-207) schreibt er an die
Gemeinschaft Grüße und väterliche Ermahnungen (DA 7,136-138); wieder in
Annecy, gibt er Ende Mai 1612 (XV,220) Mutter Chantal Ratschläge für die
Behandlung einer unentschlossenen Kandidatin (DA 5,241f).
Gex, 17. Juli 1612 (XV,245f) an P. Polliens SJ:
Hochwürdiger Pater! Ich wünschte sehr, das gute Mädchen zufrie-
denzustellen, von dem Sie mir geschrieben haben. Sein Onkel und vor
allem Ihr Zeugnis verpflichten mich. Die kleine und unbequeme Unter-
kunft der Töchter von der Heimsuchung erlauben aber nicht, daß es
sogleich zufriedengestellt werde. Erweisen Sie mir die Güte, hochwürdi-
ger Pater, mir zu schreiben, zu welchem Beschluß wir in Chambéry ge-
kommen sind, weil ich mich infolge meiner Vergeßlichkeit nicht mehr
genau erinnere. Daher kann ich mit den Damen nicht so gut sprechen,
wie es erforderlich ist. Ich arbeite an dem Buch, das Sie wünschen, und
Sie werden einer der Ersten sein, denen ich ein Exemplar schicke, wenn
Gott mir hilft, daß ich es erscheinen sehe ...

Annecy, 21. September 1612 (XV,264-266) an Baron de Villette:


Mein Herr Onkel, ich danke Ihnen untertänigst, wenn auch viel spä-
ter, als ich sollte, für die Gunst Ihres Briefes, den mir mein Cousin, Herr
de Giez, mitten in der unendlichen Zahl von Verpflichtungen bei unse-
rer „Großen Gnade“ brachte ...
Gestern kam mich meine kleine Cousine besuchen und erklärte mir
ihre Absicht bezüglich der Berufung zum Ordensleben. Sie schilderte mir
ihren kleinen Fall so ehrlich und aufrichtig, daß ich sehr erbaut und getrö-
stet war. Sie sagte, daß sie wohl Schwester der Heimsuchung sein möchte,
sich aber nicht entschließen könne, weil sie eine so hohe Vollkommenheit
nicht anstreben könne und nicht sicher sei, sie erreichen zu können.
Da sie mir sagte, sie habe Ihnen sehr ausführlich geschrieben, will ich
Ihnen den Rest unserer Unterhaltung nicht schildern. Zum Schluß bat
sie mich, Sie dafür zu gewinnen, sie in ihrer Unvollkommenheit zu un-
terstützen. Ich denke wohl, daß die arme Kleine in keiner Weise ans

169
Heiraten denkt und daß sie sich in eine andere Lebensweise fügen wird,
in der man keine so unbedingte Regel beobachtet wie in der Heimsu-
chung. Ich halte das Mädchen gewiß für so gut, daß ich hoffen darf, sie
werde Sie zufriedenstellen, wofür sie sich auch entscheidet ...

Im Oktober/November 1612 (XV,290f) gibt Franz von Sales Sr. de Blonay Ant-
wort auf erste Schwierigkeiten (DA 7,94). Im November zieht die Gemeinschaft
in ein größeres Haus um. Mutter Chantal hat dabei über ihre Kräfte gearbeitet
(XV,306: DA 5,246) und ist erkrankt (XV,311f: DA 5,246f). Um die Jahreswen-
de 1612/13 (XV,330) schreibt er über sein außerordentliches Gebet und die
Arbeit am Theotimus (DA 5,248); am 10. Januar 1613 (XV, 333-336) vom Plan
einer Kongregation für Männer (DA 5,248f).
Ende Januar 1613 (XV,343f) lädt er Mme. des Gouffiers ein, sich die Heimsu-
chung anzusehen, da sie eintreten will (DA 7,157; vgl. 155).
Im Frühjahr 1613 macht Franz von Sales die Wallfahrt zum Grab des hl. Karl
Borromäus, die er während der Krankheit der Mutter Chantal gelobt hat.3 Von
dieser Reise schreibt er ihr mehrere Briefe: XV,374f: DA 5,251f; XVI, 1-3: DA
5,252f; XVI,5-7: DA 5,253; und nach der Rückkehr: XVI,12f: DA 5,254; am 6.
Juni 1613 (XVI,19-21) vertrauliche Gedanken über den Theotimus (DA 5,254f).
Am 18.-20. Juni 1613 (XVI,34f) schreibt er an eine unbekannte Person über das
erbauliche Sterben der Schwester Roget (DA 6,236).
Am 12. August 1613 (XVI,49-51) gibt Franz von Sales der Mutter Chantal geist-
liche Weisungen für ihre zweite Reise nach Burgund (DA 5,257); am 15. Septem-
ber 1613 (XVI,72f) Kennzeichen der Echtheit übernatürlicher Gnaden (DA
5,257f).
Am 22. September 1613 (XVI,75f) schreibt er an Sr. Favre von seinem kranken
Bein, lehnt aber im Brief an Sr. de Bréchard vom 27./28. September 1613
(XVI,76f) die Pflege der Schwestern dankend ab (DA 7,59f).
Annecy, Ende November 1613 (XVI,104-109) an die Herzogin von Mantua:
Erlauchte Prinzessin! In Annecy wurde eine Kongregation sehr eh-
renwerter Damen errichtet, Witwen und Mädchen, die sich von den irdi-
schen Dingen gelöst und sich mit größter Frömmigkeit erbaulich dem
Dienst Unseres Herrn geweiht haben ...
Diese Kongregation wurde nach dem Vorbild ähnlicher gegründet,
die der große Diener Gottes, der hl. Karl in Mailand gegründet hat. Sie
hat ein Haus erworben und wünscht nun ein Oratorium unter dem Titel
der Heimsuchung Unserer lieben Frau zu errichten, in dem auch eine
Kapelle zu Ehren des seligen Amédée sein soll, sobald er heiliggespro-
chen ist. Deshalb wird Ew. Hoheit gebeten, diese Kongregation unter
Ihren besonderen Schutz zu nehmen und in Ihrer Gunst halten zu wol-
len, damit sie unter dem Schatten Ihres erlauchten Namens und unter
dem Schutz Ihrer Güte sich in Ruhe, in innerem und äußerem Frieden
den heiligen Dingen hingeben kann.

170
Zu diesem Zweck wäre es notwendig, 1. daß Ew. Hoheit durch eine
Urkunde oder ein persönliches Schreiben erklären, daß Sie diese Kon-
gregation, alle Schwestern oder Damen, die sie jetzt bilden oder in Zu-
kunft bilden werden, unter Ihren Schutz nehmen und halten; – 2. daß
Ew. Hoheit diese Absicht durch ein Schreiben dem Herrn Marquis de
Lans und dem Senat von Savoyen mitteilen, damit sie bei gegebenem
Anlaß die Interessen dieser Kongregation wahrnehmen; – 3. wäre es
nützlich, wenn Se. Hoheit, der Herzog von Savoyen, unser Souverän,
ebenfalls einen Brief in diesem Sinn schreibt, um zu bekunden, daß er
diese Kongregation, die auf seine Weisung unter den Schutz Ew. Hoheit
gestellt ist, in seinen Landen zu begünstigen und zu erhalten wünscht.
Das ist um so berechtigter, als diese Kongregation nicht bettelt, son-
dern sich von den Beiträgen der eingetretenen Damen erhält. Sie will
nie mehr Einkommen haben, als für die Baukosten, die Sakristei, den
Beichtvater und den Kauf von Arzneimitteln nötig ist, sei es durch Jah-
resrenten, sei es durch andere Mittel, die niemanden belasten und die
Steuern und Abgaben des Herzogs in keiner Weise beeinträchtigen. Und
wenn diese Kongregation, wie man hofft, sich in einigen Jahren mit aus-
reichendem Einkommen versorgt sieht für die laufenden Aufwendun-
gen, können die Witwen, deren Kinder versorgt sind, und die Jungfrau-
en, die Unserem Herrn in Keuschheit, Gehorsam und Frömmigkeit die-
nen wollen, dies leicht tun, weil sie hier gegen eine einfache jährliche
Pension aufgenommen werden, die ihre Familie auf Lebenszeit aussetzt.
Ew. Hoheit werden daher ein der göttlichen Majestät und seiner
allerseligsten Mutter, Unserer lieben Frau, sehr wohlgefälliges Werk tun,
wenn Sie diese fromme Kongregation unter die Fittiche Ihrer Protekti-
on nehmen, sich als deren Herrin, Beschützerin und Mutter betrachten.
Da aber die Kongregation ihr Oratorium bald errichten will, wäre es
ihr eine Ehre und ein sehr großer Trost, wenn der Grundstein im Na-
men Ew. Hoheit gelegt werden kann. So bittet sie zum Schluß die er-
lauchte Prinzessin, eine Dame Ihres Hofstaates zu ersuchen, daß sie
sich als Ihre Beauftragte hierher begibt, um dieser Grundsteinlegung
beizuwohnen und die übliche Inschrift anzubringen, die Sie anzugeben
belieben. Ew. Hoheit werden dadurch stets Anteil am besten Teil aller
guten Werke haben, die in dieser Kongregation und im Oratorium ge-
schehen, insbesondere an den Gebeten dieser Frauen, die Tag und Nacht
den Heiligen Geist um die himmlische Tröstung Ew. Hoheit bitten ...

Am 31. Dezember 1613 (XVI,122) ordnet Franz von Sales das Austauschen der
Gebrauchsgegenstände zum Jahreswechsel an (DA 5,260); um diese Zeit
(XVI,128f) schreibt er an Mutter Chantal über die Arbeit am 9. Buch des Theo-

171
timus (DA 5,261); über den Theotimus und die Eigenliebe im Kloster an eine
Schwester (XVI,129-132: DA 7,138-140); am 11. Januar 1614 wieder an Mutter
Chantal über den Theotimus (XVI,140: DA 5,261).

Annecy, 28. September 1614 (XVI,225f) an Baron d’Anlezy:


Nachdem das erforderliche Breve mit der Erklärung der Nichtigkeit
der Gelübde Ihrer Schwägerin, Mme. des Gouffiers, in einer Weise aus-
gefertigt ist, wie sie es nur wünschen konnte, scheint mir, sie kann nicht
besser bezeugen, daß sie ihre Freiheit nur angestrebt hat, um sich glück-
licher wieder an Gott zu binden, als wenn sie an Sie herantritt, um die
geeigneten Entschlüsse für ihren endgültigen Eintritt zu fassen. Wenn
sie den an diesem Ort und in diese Gemeinschaft wählt, an die sie seit
mehr als einem Jahr denkt, dann glaube ich Ihnen versichern zu müssen,
mein Herr, daß ihre Herkunft, ihre Tugend und ihre heiligen Absichten
ihr jeden Dienst erworben haben, den ich ihr leisten kann. Wenn sie hier
auch den meisten ihrer Verwandten fern ist, werden ihr dennoch meh-
rere Personen nahe sein, die sie schrankenlos ehren, die vor ihr eine so
heilige und ehrenvolle Achtung haben, daß Sie in dieser Hinsicht keine
Ursache haben, mein Herr, ihre Wahl zu mißbilligen. Sie hat dabei mehr
die Absicht, Gott zufriedenzustellen, als menschlichen Rücksichten zu fol-
gen. Seine göttliche Majestät wird ihr daher ohne Zweifel alle Segnungen
schenken, auf die sie hoffen darf, und wird davon auch einen guten Teil
über Sie ergießen, wenn meine Wünsche erhört werden; denn ich werde
sie mein ganzes Leben lang darbringen für Ihr Glück und bleibe ...

Am 14. April 1614 (XVI,172f) an Mutter Chantal: Ratschläge für den Kloster-
bau (DA 5,262f), mit dem auch die folgenden Briefe zusammenhängen.
Annecy, September/Oktober 1614 (XVI,226-229) an Guillaume-Bernard de Foras:
Die dringende Notwendigkeit, für die Heimsuchung einen Teil des
Gartens der Dominikaner zu erwerben, auf den das neue Gebäude her-
absehen wird, hat einigen ehrenhaften Leuten den Gedanken eingege-
ben, daß die Dominikaner einen Teil des Gartens, der dem Kolleg ge-
hört, für ihren Gartenanteil erhalten, den sie der Heimsuchung überlas-
sen möchten. Die Damen der Heimsuchung werden das Kolleg entschä-
digen. Es wäre zum Vorteil beider Häuser, der Dominikaner und der
Heimsuchung, und das Kolleg hätte keinen Nachteil.
Ich sprach deshalb kürzlich mit dem Herzog de Nemours, der es für
gut fand, dies den Administratoren des Kollegs durch Herrn Dufresne
zu empfehlen. Da aber jetzt das Kolleg den Barnabiten übergeben wur-

172
de, wird es auch von ihnen abhängen. Würde nun der Herzog den Barn-
abiten mitteilen, daß er dieses Abkommen wünscht, so scheint sein Zu-
standekommen gesichert, vorausgesetzt, daß sein Wunsch deutlich
ausgedrückt wird ...
Nun möchte ich sie nur bitten, dies beim Herzog zu vermitteln, ohne
daß die Barnabiten selbst beim Herzog vorsprechen müßten ...

Am 6. Oktober 1614 (XVI,231f) meldet Franz von Sales Mutter Chantal, daß die
Barnabiten die Lage des Hauses besichtigen kommen, um ihrem General zu
berichten (DA 5,264). Am folgenden Tag (XVI,232) berichtet er wieder von
intensiver Arbeit am Theotimus (DA 5,264).
An Mme. des Gouffiers schreibt Franz von Sales am 15. Oktober 1614 (XVI, 235-
237) über ihre Haltung und ihre Pläne einer Gründung in Lyon (DA 7,157f); am
26. Oktober 1614 (XVI,238-241) über die Dispens von Rom (DA 7,158); am 30.
Oktober 1614 (XVI,244-248) über die Vorsehung und die Heimsuchung (DA
7,159f).
Am 28. Oktober 1614 (XVI,241-243) gibt er Sr. de Chastel väterliche Ratschläge
(DA 7,74-76); im November 1614 (XVI,271f) kündigt er Mutter Chantal eine
neue Kandidatin an; am 2. Dezember 1614 (XVI,272-274) schickt er einen Gruß
von seiner Reise nach Sitten (DA 5,265); Mitte Dezember 1614 (XVI,279) schreibt
er über die Berufung des Fräulein de Monthoux (DA 5,266). Ende Dezember
1614 (XVI,282) über Mme. des Gouffiers an Mutter Chantal.
Annecy, 18. Dezember 1614 (XVI,280f) an Dom Placide Bailly OSB:
Sehr teurer Pater, ich kann Ihnen versichern, daß unsere liebe Sr.
Françoise Gabrielle Bailly, Ihre Schwester, mir so teuer ist wie meine
eigene; ihre Frömmigkeit veranlaßt mich dazu. Gott sei gelobt, daß sie in
der Kongregation unserer lieben Schwestern große Befriedigung emp-
fängt und gibt. Unsere Mutter hier liebt sie vollkommen. Wir sehen, sie
ist ein bereites Gefäß, offen für große himmlische Gnaden; denn sie ist
eine gerade Seele, ein Geist, von allen Dingen dieser Welt leer und ent-
blößt, sie hat keine anderen Gedanken und Wünsche als Gott. Wie glück-
lich ist sie in diesem Stand! Denn es bedeutet wenig für eine Seele,
durch die Zeit zu gehen, wenn sie nach der Ewigkeit strebt und die
vergänglichen Augenblicke nur dazu nützt, zum unsterblichen Leben zu
gelangen.
Ach, mein Pater, mein Bruder, leben wir doch auf dieser Pilgerfahrt
unseren Gastgebern zu Gefallen fröhlich in allem, was nicht Sünde ist.
Ich weiß, daß Ihre Seele zu denen gehört, deren Augen niedergeschla-
gen sind, um das heilige Ziel ihrer Liebe zu betrachten, und die fragen:
Wann werdet ihr mich trösten?
Sie fragen mich um eine Unterweisung, wie Sie ein gutes Ordensle-
ben beginnen sollen. O großer Gott, lieber Pater, wie kann ich, der ich

173
nie ein guter Kleriker war, heilige Ordensleute belehren? Tragen Sie
milde und liebevoll Ihr Kreuz, das, wie ich sehe, groß genug ist, Sie mit
Segnungen zu überhäufen, wenn Sie es lieben ...
Heute ist der Jahrestag, da Gott mich dem Dienst der Seelen geweiht
hat. Ich begehe diesen Tag jedes Jahr mit soviel Liebe, als ich kann, und
weihe mich aufs neue meinem Gott ...

174
B. Die Leitung der Diözese

Die Briefe aus diesen Jahren vermitteln einen lebendigen Eindruck von der Viel-
falt der Aufgaben, die mit der Leitung der Diözese verbunden waren: Besetzung
von Benefizien, Disziplinarfälle, Gesuche und Fürsprachen, Errichtung, Unter-
stützung und Reform von Klöstern, die Berufung der Barnabiten an das Kolleg
von Annecy ...
Aus all dem ragen die Bemühungen des Bischofs um eine Klärung der kirchlichen
Verhältnisse in Gex heraus, die nach zähen Verhandlungen zur Durchführung des
Edikts von Nantes in diesem Gebiet führen.

Annecy, 9. September 1610 (XV,1-4) an die Gräfin de Tournon:4


Gott weiß, daß mein dringender Wunsch, den Herrn Nacot zu maß-
regeln, keine andere Ursache hat als meine Pflicht, diejenigen zum Ge-
horsam zurückzuführen, den sie meinem Amt schulden und mir verwei-
gern. Wenn Nacot erschienen wäre, als er vorgeladen wurde, wäre längst
seine Unschuld ehrenhaft bezeugt worden, falls er unschuldig ist. Aber
nicht einmal erscheinen und mir seine Gründe unter vier Augen darle-
gen wollen, ... das kann ich nicht für vernünftig halten.
Übrigens verstehe ich nicht, Madame, wieso Sie das Vorgehen gegen
diesen Mann als hart bezeichnen können, da er nun schon seit mehreren
Monaten alle Vorladungen ungestraft mißachtet. Noch mehr bin ich er-
staunt, für wie argwöhnisch Ihrem Gemahl gegenüber Sie mich halten
und daß Sie mir sagen, nur zu viele Anzeichen ließen ihn das annehmen
... Außerdem kreiden Sie mir dieses schleppende Verfahren an, Ma-
dame, das Sie hart zu nennen belieben. Wenn Sie mir gestatten, mich
einigermaßen freimütig vor Ihnen zu verteidigen, will ich Ihnen sagen:
Wenn sich der Knoten meiner Verpflichtung gegen Sie und Ihren Ge-
mahl lösen ließe, hätten Sie beide mich bei zwei Gelegenheiten sehr vor
den Kopf gestoßen.
Die eine war, als Sie es wissentlich unternahmen, die Genehmigung
zur Heirat von Herrn und Frau Monthoux, Ihrer Kinder, zu erlangen,

175
die wir angesichts eines so großen Hindernisses nicht ordnungsgemäß
geben konnten. Wie aber konnte man verweigern, was von einer so zu-
verlässigen Stelle gewünscht wurde? Es wäre aber unschön von mir,
Madame, wenn ich auf Grund des Wohlwollens, mit dem Sie mich be-
schenken, von Ihnen etwas verlangen würde, was Sie auch nur im gering-
sten zu bereuen hätten. Ich würde Sie schwer zu beleidigen fürchten,
hätte ich dies wissentlich getan.
Der andere Fall war, als Sie es unternahmen, Madame, den Unge-
horsam dieses Priesters zu stützen, für den Sie in Ihrem Schreiben ein-
treten. Ihre Nächstenliebe allein konnte ohne andere Erwägungen die
gerechte Absicht in Ihnen wecken, vom Inhalt der Sache her seinen Fall
zu verfechten. Aber nicht einmal wollen, daß er antworte und erscheine,
wenn er vorgeladen wird, und andererseits mich der Härte und Untreue
bezichtigen wollen, wenn ich das nicht gutheiße, das scheint mir die Här-
te selbst zu sein. Das heißt diesen Priester und seine ungerechte Ge-
mächlichkeit stillschweigend der Autorität vorziehen, in der ich stehe
und die mich verpflichtet, wenn ich nicht meine Pflicht vernachlässigen
will, ihn zur Herde und unter den Hirtenstab zurückzuführen.
Trotzdem will ich noch einige Zeit warten, Madame, bevor ich weitere
Schritte unternehme, um von Ihnen selbst die Gründe dieses ehrenwer-
ten Herrn zu hören, da Sie mir in Aussicht stellen, Sie bald zu sehen.
Wenn seine Gründe derart sind, daß ich mich demütigen muß, werde ich
es gerne tun. Wenn aber die Vernunft gebietet, daß er sich meinem
Rechtsspruch beuge, dann bitte ich Sie, nicht die Autorität Ihres Wohl-
wollens einzusetzen, um ihn entgegen der Notwendigkeit meines Amtes
davon zu entbinden.
Ich bin froh, daß Se. Heiligkeit das erforderliche Heilmittel gegen
das ungerechte Verhalten des Herrn Nacot gewährt hat, und ich werde
noch mehr erleichtert sein, wenn ich höre, daß es rechtlich angewendet
wurde. Da ich Ihren Herrn Gemahl und Sie, Madame, sehr liebevoll
hochschätze, jetzt und mein ganzes Leben lang, so wünsche ich, daß
alles, was Ihnen wertvoll ist, von Gott gesegnet sei und daß in Ihrem
Hause nichts bleibe, was den Segen Gottes verhindern könnte.
Ich liebe und ehre Ihren Herrn Gemahl, Madame, Sie und alle die
Ihren so sehr, wie Sie es sich nur von einem Menschen wünschen kön-
nen; was ich aber am meisten wünsche, ist, daß Gott niemals vernachläs-
sigt werde, auch nicht einen Augenblick ...

176
Annecy, 4. November 1610 (XIV,356-358) an Philippe de Villers:
... Ich komme zu Ihnen mit der Bitte, Sie möchten sich sowohl der
Sache dieses Boten annehmen als auch der Differenz, die ich mit dem
Kapitel von Belley wegen der Pfarrei von Abergements habe. Sie hat
ihren Grund vor allem darin, daß man mir die Aufsicht über die Pfarrei
und die vakanten Pfarrkirchen streitig machen will. Das widerspricht
allem Recht, aller Gewohnheit und den Artikeln, die wir in der gütlichen
Vereinbarung beschlossen und unterzeichnet haben. Diese Artikel wur-
den aber von ihrer Seite verletzt, und ich kann sie nicht so leicht wieder-
herstellen. Ich erkenne ja jeden Tag klarer, daß ihre Besetzungen für das
Dekanat Seyzérieu schwach und hinfällig sind, auf Kosten des Herrn de
Vitré, außerdem daß diese Herren kein anderes Bestreben haben, als
sich über die Autorität des Bischofs hinwegzusetzen, die kirchliche Dis-
ziplin zu untergraben und bei uns Methoden einzuführen, die im Wider-
spruch zu den Konzilien stehen. Ich bitte Sie daher, mich in dieser Hin-
sicht sehr zu unterstützen ...

Sales, 20. November 1610 (XIV,362f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder! Einige Pfarrer von Valromey führen Prozesse in
Dijon, bei denen ich für die Rechte des Bistums eintreten mußte. Nun
werden wir verpflichtet, nachzuweisen, daß wir die Pfarreien früher im
Konkurs vergeben haben und daß der Senat, wenn vor ihm ein Prozeß in
dieser Angelegenheit geführt wurde, nach dem Konkurs und zu seinen
Gunsten entschieden hat. Deshalb kommt dieser Bote zu Ihnen, um
eine Erklärung zu erlangen, die geeignet ist, dem Parlament von Dijon
glaubhaft zu machen, was wir zur Begründung angeführt und was ich
gesagt habe, wenn es Ihnen beliebt, das Ersuchen gütigst zu behandeln,
das er vorlegt.
Kürzlich habe ich mit dem Herrn Generalanwalt gesprochen. Er sag-
te mir, wir würden eine solche Erklärung schwerlich erhalten, der Senat
könne aber wohl eine Erkundigung seinerseits durch einen abgeordne-
ten Kommissar anstellen, die dann ebensoviel wie eine Bestätigung selbst
dienen könne. Das würde genügen, denn ich versteife mich nicht auf die
Form. Ich bitte Sie also, mein Herr Bruder, uns in dieser Sache behilflich
zu sein, die für uns wichtig ist und weittragende Folgen hat ...

Annecy, 1. Dezember 1610 (XIV,367f) an Erzbischof Gribaldi:


Monseigneur, das Unglück, das in den vergangenen Tagen in Saint-
Paul geschehen ist, hat mir großen Kummer bereitet; ein Unglück, das

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von hundert beklagenswerten Umständen begleitet ist. Jener des ge-
schändeten Friedhofs betrifft mich; um ihm möglichst würdig und schnell
abzuhelfen, bitte ich Sie untertänig, Monseigneur, an einem Ihnen ge-
nehmen Tag sich die Mühe zu machen, die erforderliche Wiedereinwei-
hung vorzunehmen. Dadurch werden Sie dem armen Volk eine überaus
große Gunst erweisen; es kann zwar nichts für das Verbrechen, leidet
aber dauernd unter dem Verlust der geistlichen Annehmlichkeit. Mich
werden Sie von neuem zum Gehorsam gegen Sie verpflichten ...

Annecy, 5. Dezember 1610 (XIV,370-372) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder! Mit tausendfachem Dank für die zwei letzten
Briefe, die Sie trotz des großen Getümmels, das Sie belastet, mir zu
schreiben sich die Mühe machten, bitte ich Sie, belasten Sie sich damit
niemals, um mir diese Befriedigung zu schenken. Ich gebe ja zu, daß
diese Befriedigung groß ist, aber die über Ihre Erhaltung und Erholung
ist für mich unvergleichlich größer.
Ich freue mich über die gute Absicht des Herrn Ritters Buccio; ich
zweifle aber, ob Se. Hoheit nicht irgendeine Entschuldigung für die Er-
nennung vorbringen wird wegen des Anspruchs der Herren vom hl. La-
zarus, den Namen des Heiligen Hauses zu gebrauchen, um dadurch ihr
Gut zu vermehren. Aber die Versuche können nicht schaden, können
sogar Erfolg haben. O Gott, mein Herz ist halbtot von den beunruhigen-
den Nachrichten über einen harten Kampf für unseren Fürsten, obwohl
ich meine Hoffnung auf die göttliche Vorsehung setze, daß sie alles zu
unserem Nutzen wenden wird.
Die guten Patres Feuillanten, und ich mit ihnen, haben an die Ihren
in Turin wegen der Sache von Talloires geschrieben. Ich bitte Sie, Du-
pont zu beauftragen, daß er die Briefe dem ersten übergibt, der nach
Piemont reist. Die Patres sind voll Achtung und herzlicher Liebe für Sie
und Ihr ganzes Haus.
Die Tochter macht sich gut und ist stets eine gute, ich will sagen,
immer bessere Tochter. Madame du Foug, meine Tante und wie ich an-
nehme, Ihre Gastgeberin in Thonon, hat mich in einem Brief gebeten,
daß ich Ihnen ihr Verfahren empfehle, das beim Senat anhängig ist. Ich
weiß nicht, was das ist, aber sie ist der Förderung würdig aus tausend
Gründen, unter denen mich der bewegt, daß sie unsere Rahab im Chab-
lais war. Abgesehen davon, daß sie ihr Leben lang den besten Ruf ge-
noß, ist der Vergleich treffend ... 5

178
Am 14. Dezember 1610 (XIV,383f) an Pierre Rigaud:
Herr Rigaud, ich bedaure, daß Sie sich die Mühe machten, den Eilbo-
ten zu schicken, der mir die Bücher brachte, die Sie ihm anvertraut ha-
ben. Indessen liegt es nicht in meiner Macht, in absehbarer Zeit die
Abhandlung über die Gottesliebe fertigzustellen, da mir meine ständi-
gen Amtsgeschäfte so wenig Muße lassen, obwohl ich bedacht bin, kei-
nen Augenblick zu verlieren. Wenn sie aber so weit ist, daß ich sie schik-
ken kann, werde ich Ihnen einige Wochen vorher Nachricht geben, da-
mit Sie alles bereit haben, was zur Herausgabe dienlich ist ...

Annecy, 3. Januar 1611 (XV,5f) an Bénigne Milletot:


Daß ich mich geehrt fühle, von Ihnen geliebt zu werden, diene als
schlichte Vorrede meiner Bitte, Sie möchten der geneigte Fürsprecher
dieses Boten sein; er ist der Bruder des Ersten Präsidenten von Savoyen
und mein Generalvikar. Die Anliegen, die er Ihnen vorträgt, sind zum
Teil die seinen, zum Teil die meinen; um es besser auszudrücken, die
seinen und zugleich die meinen, weil er selbst durch eine lange und enge
Freundschaft der Meine ist.
Indessen führt sich unsere gute Tochter 6 hier besser, als wir über-
haupt hoffen konnten. Sie hatte wohl in den vergangenen Tagen einen
kleinen Fieberanfall, aber es war sonst nichts. Was das Beste ist, sie ist
ganz erfüllt von wahrer Güte und Frömmigkeit, die sie allen Schwestern
gleichermaßen liebenswert machen. Gott schenke ihr die heilige Beharr-
lichkeit und erhalte Sie lange ...

Annecy, 10. März 1611 (XV,31) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder, ich habe Ihnen durch den Mann geschrieben, der
mir heute morgen Ihren Brief brachte; aber die armen Leute von Estrem-
bières drängen mich durch ihre Vorstellungen, für sie einzutreten, denn
sie kommen zu mir, wie sie sagen, als meine Kinder, die am meisten der
Verfolgung durch ihre rebellischen Brüder ausgesetzt sind.7 Ich bitte Sie
also untertänigst, soweit es gut und vernünftig geschehen kann, ihnen
Ihre Hilfe zu gewähren ...

Annecy, 30. April 1611 (XV,48f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder, dieser Bote wird Ihnen sagen, daß ich etwas in
Sorge bin wegen einer Reise nach Gex, zu der mich trotzdem mein Amt
verpflichtet, denn es geht um die Rückgabe der Kirche von Divonne,
eines sehr wichtigen Ortes in diesem Gebiet. Das Zusammentreffen des
Gerüchtes vom Krieg, der noch nicht ausgebrochen ist, und des Reise-

179
verbots mit den falschen Nachrichten, die in den vergangenen Tagen
umgingen, scheinen mir wenig günstig, um aus diesem Anlaß außer Lan-
des zu gehen und mit Herrn le Grand und Herrn de Lux zusammenzu-
treffen. Aber ich sehe keinen hinreichenden Vorwand, um mich von die-
sem Dienst für Gott und die Seelen zu entschuldigen. Ich werde mich
lediglich bemühen, nur kurz zu bleiben und so schnell wie möglich zu-
rückzukommen. Ich schreibe ein Wort an den Herrn Baron de Lans ad
cautelam, wenn Sie es für gut finden ...

Annecy, 30. April 1611 (XV,49f) an Marquis de Lans:


Da ich aufgefordert wurde, die Übung des heiligen Glaubens in ei-
nem Ort der Provinz einzuführen, der zu meiner Diözese gehört, aber
außerhalb des Hoheitsgebietes des Herzogs liegt, wollte ich Ew. Exzel-
lenz vor meiner Abreise Kenntnis von dieser kleinen Reise geben, zu der
mein Amt mich verpflichtet, damit ich bei jeder Gelegenheit die Gesetze
meiner Pflicht erfülle, soweit ich kann ...

Annecy, 4. Mai 1611 (XV,55f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder! Mit diesem Brief, den ich an die Herren des
Senats richte, gebe ich die Zusage, daß ich Ihnen den heiligen Dienst
leisten werde, den sie von mir gewünscht haben.8 Herr de Monthoux hat
mich gebeten, ihm diesen zu schicken, damit er ihn übergebe, da er die
Vollmacht hat, mir den Auftrag zu geben. Aber machen Sie es nach Ihrem
Gutdünken, denn in dieser Absicht vertraue ich Ihnen alles an, da Sie mir
schon alles Vertrauen schenken, wie Gott und die Menschen wissen.
Ich schreibe einfach Ja und habe nicht den Mut, besser gesagt die
Vermessenheit, zu versuchen, den schönen Stellen des Briefes, den ich
in ihrem Namen erhalten habe, gleiche entgegenzusetzen. Wenn Sie meine
Zusage mit Komplimenten bereichern wollen, können Sie das ohne Be-
denken tun, denn Sie werden meine Gefühle nicht übertreiben durch
alle Ausschmückungen, mit denen Sie es ausdrücken. Mit Zustimmung
des Herrn Marquis reise ich morgen nach Gex ...

Gex, 10. Mai 1611 (XV,56f) an Mutter Chantal: Nachrichten über die günstige
Entwicklung in Gex, die einen längeren Aufenthalt erfordert (DA 5,223).
Gex, 17. Mai 1611 (XV,59f) an den Großprior und die Ordensleute von Saint-
Claude:
Ich teile völlig die Befriedigung Ihrer Mitbrüder9 über die Wieder-
einführung des Gottesdienstes in der Kirche von Divonne. Ich zweifle
nicht daran, daß Sie den Eifer mehr und mehr steigern werden, den Sie

180
für den Dienst Unseres Herrn an den Tag legen, und bitte Sie, für die
Wiederherstellung des Altares Sorge zu tragen, ebenso für das notwen-
dige Einkommen des Pfarrers zu sorgen. Damit er nicht mehr verlangt,
als angemessen ist, habe ich ihm dieses in gleicher Höhe angewiesen, wie
Sie es dem Pfarrer von Cessy geben ...

Annecy, 15. Juni 1611 (XV,69-72) an Bischof Fenouillet:


Unser Kapitel von Genf hat zum Beginn der Errichtung des katholi-
schen Gottesdienstes in Gex mehr als andere Geistliche beigetragen,
denn außer dem Herrn Propst waren die Herren Grandis, Bochut und
Gottri, Kanoniker des genannten Kapitels, die ersten, die für die Dauer
eines Jahres auf eigene Kosten sich in diesem Gebiet niederließen. Die-
ses Kapitel war es auch, das für die Auslagen aufkam, die ich noch als
Propst beim Versuch der Festigung der kirchlichen Organisation hatte.
In Anbetracht dieser Tatsachen hat ein gewisser Herr de Monluel, der
durch lange Jahre ein kleines einfaches Benefizium in Gex im Wert von
ungefähr 20 oder 25 Ecus Einkommen innehatte, nach eigenem Gut-
dünken und nach eigener Wahl gewünscht, daß sein Benefizium mit un-
serem Kapitel vereinigt werde. Ich habe das um so lieber getan, als es
eine heilige und gerechte Sache ist.
Da aber die weltlichen Kammern verlangen, die Provisoren müßten
ein Placet oder ein Schreiben des Königs haben, ... bitten wir alle Sie sehr
demütig, dieses Placet zu erwirken ...
Das ist meine Bitte an Sie, Monseigneur, und hier sind meine kleinen
Neuigkeiten. Ich war eines Tages bei Herrn le Grand und Herrn de Lux;
dort hatte ich den Trost, einen Edelmann und Religionsführer für den
Glauben wiederzugewinnen, zwei Pfarrkirchen wieder zu weihen und in
vier Predigten mehrere Häretiker zu erschüttern und sie zum Bekennt-
nis zu bringen, daß die katholische Wahrheit schön, wenn auch schwer
zu verstehen ist ...
Bei meiner Rückkehr stellte ich fest, daß meine Reise nicht nur in
Anbetracht ihrer Kürze fruchtbar an Trost war, sondern diesseits und
jenseits der Berge auch an Argwohn und Verleumdungen, die aber die
Wahrheit, wie ich denke, im Verlauf einiger Tage zerstreuen wird ...

Thonon, 16. September 1611 (XV,103) an den Herzog: Bitte um Steuererlaß für
die Bewohner von Sixt, die durch eine Steinlawine schwer heimgesucht sind.
Annecy, 29. Oktober 1611 (XV,110f) an Antoine Favre: über Pfarrkonkurse und
die Besetzung von Pfarreien.

181
Annecy, im November 1611 (XV,115) an einen Unbekannten:
Seit dem Empfang Ihres Briefes, der mich anfangs September er-
reichte, war ich fast immer auf dem Land, um die Visitation der Balleien
in der Umgebung von Genf zu halten, die über hundert Jahre nicht mehr
visitiert und vor 12 oder 13 Jahren in den Schoß der Kirche aufgenom-
men wurden. Mehrere Bürger und Bürgerinnen von Genf, die zur Wein-
lese kamen, sahen uns dabei und bestätigten zum größten Teil, daß sie
sehr erbaut wurden. Einige, die mich hören wollten, waren erstaunt, daß
ihre Prädikanten ihnen unseren Glauben ganz anders geschildert ha-
ben, als wir ihn predigen ...

Annecy, 28. November 1611 (XV,124) an Marquis de Lans:


Da die Geistlichen und Katholiken von Gex mich beschwören, ihnen
in einer Sache zu Hilfe zu kommen, die zur Ehre Gottes wichtig ist, reise
ich sofort dorthin. Vor meiner Abreise gebe ich Ihnen aber Nachricht
und verspreche, nach meiner Rückkehr Ew. Exzellenz zu berichten, was
sich ereignet hat ...

Annecy, 13. Dezember 1611 (XV,127-130) an Marquis de Lans:


Wie ich Ew. Exzellenz Nachricht gab von meinem Aufbruch nach Gex,
so jetzt von meiner Rückkehr, die ich möglichst beschleunigt habe. Der
Grund meiner Reise war, daß die Hugenotten auf ihrer Versammlung von
Saumeur Klage führten über die Nichtdurchführung des Edikts von Nan-
tes. Daher hat der König von Frankreich mit seinem Rat für jede Provinz
Kommissare bestellt, damit das Edikt genau durchgeführt werde ...
Es war vorgesehen, mir alle Kirchen und kirchlichen Güter zurückzu-
geben, die von den Hugenotten besetzt sind, damit ich für jeden Ort
Seelsorger und geeignete Dienste einsetze. Da ich nicht anwesend war,
wurde der Vorschlag in meinem Namen durch einen sehr guten und
würdigen Kapuzinerpater gemacht, der aus Bugey stammt, aber in Cham-
béry geboren ist. Da er keine Vollmacht besaß, versprach er, ich werde
ihn bestätigen.
Als mich deswegen die Katholiken beschworen, für eine Entschei-
dung von so großer Wichtigkeit anwesend zu sein, reiste ich Tag und
Nacht und kam noch früh genug zu einer Generalversammlung der gan-
zen Provinz, auf der ich meine Forderungen lebhaft vertrat und auf die
Einwände der Prädikanten antwortete. Sie ließen ihrerseits nichts un-
versucht, um einen Erfolg dieser Kommission zu verhindern, die von
ihren Mitbrüdern unklugerweise verlangt worden war. Diese hatten nicht
bedacht, daß die Durchführung des Edikts zwar anderwärts für sie gün-

182
stig, in Gex aber sehr zu ihren Ungunsten ausfallen muß. Nach drei oder
vier öffentlichen Versammlungen führte die große Zahl von Widersprü-
chen und Einwänden unserer Gegner schließlich dazu, daß alles an den
Kronrat zurückverwiesen wurde, damit dieser entscheide, was gesche-
hen soll.
Nur die Kirche der Karmeliten von Gex, die ganz zerstört ist, und
eine mit ihr verbundene Kapelle, die von einem Sproß unseres Fürsten-
hauses gestiftet wurde, sowie die Kirche von Alemoigne wurden mir in
diesem Gebiet überlassen. Ich hoffe trotzdem, daß mir innerhalb weni-
ger Monate auch alle übrigen zurückgegeben werden, da ich so viele
Gründe auf meiner Seite habe. So war also meine Reise gewiß nicht
erfolglos.
Sonst hat sich nichts ereignet, was verdiente, Ew. Exzellenz vorgetra-
gen zu werden ...

Annecy, 12. Februar 1612 (XV,166f) an die Königin-Mutter Marie de Medici:


Madame, dieser Bote ist der ordentliche Prediger von Gex, ein sehr
eifriger Ordensmann, fromm, diskret und sehr geeignet für den Ort und
die Aufgabe, die er erfüllt. Das kleine katholische Volk und ich senden
ihn in aller Demut zu Ew. Majestät wie ein lebendiges Buch, in dem die
geeigneten Maßnahmen stehen für die Rückführung der einen von der
angeblichen Religion und für die Förderung des katholischen Glaubens
in der Ballei von Gex. Wenn es Ew. Majestät beliebt, die ich untertänigst
darum bitte, können Sie durch ihn alle Einzelheiten am klarsten
erfahren ...

Chambéry, 1. April 1612 (XV,203f) an Claude de Quoex:


... Es ist eine außerordentliche Befriedigung für mich, daß unser
liebes Annecy so ausgiebig das Glück genießt, den großen Gottesmann
P. Bonivard zu hören, worüber mir von allen Seiten jeder seine Freude
ausdrückt. Ich weiß sehr wohl, daß ein so gutes Volk nur unbegrenzte
Freude über einen Prediger haben kann, der so viele gute Eigenschaften
hat. Er schrieb mir seinerseits, daß er sehr erfreut ist, zu sehen, daß der
Boden, den er bearbeitet, den Samen des Gotteswortes so willig auf-
nimmt, und glaubt, daß das Versprechen, das ich ihm gab, durch den
Erfolg übertroffen wird.
Ich strebe dem Ende der Fastenzeit zu, indem ich das Beste gebe, was
ich kann. Ich habe bis jetzt allen Grund, mit dem Zustrom und der
Aufmerksamkeit meiner Zuhörer zufrieden zu sein. Gott sei immer ge-
benedeit für die Früchte, die entstehen, wenn es ihm gefällt, die Absicht
zu segnen, die ich für seinen Dienst in dieser kleinen Arbeit habe ...

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Annecy, 13. Mai 1612 (XV,213f) an Bénigne Milletot:
Mein Herr Bruder, der Überbringer ist Kanoniker meiner Kathedra-
le, Untertan des Königs und Staatsbürger. Er ist zu Unrecht vom Parla-
ment vorgeladen, das seinerseits behauptet, es habe von mir das Recht
der Besetzung einer Kapelle erhalten. Ich glaube, man wird einsehen,
daß es kein Gesetz der Welt gibt, das mich der Ausübung meiner kirch-
lichen Autorität in der Vergabe der Benefizien meiner Diözese beraub-
te. Wie der Erzbischof von Lyon sie im Herzogtum Burgund ausübt und
der Bischof von Grenoble in Savoyen, ja sogar in Chambéry, obwohl ihre
Residenz im Königreich liegt, ebenso muß ich mich der Ausübung mei-
ner Autorität im Königreich erfreuen, obwohl ich in Savoyen wohne. Ich
bin überzeugt, daß dem so ist, glaube aber trotzdem, daß ich Ihre Für-
sprache nötig habe, um die ich Sie anrufe ...

Annecy, 2. August 1612 (XV,254f) an Marquis de Lans:


Alle Kirchen von Gex, die von den Prädikanten besetzt waren, deret-
wegen ich mich an den Kronrat von Frankreich gewandt hatte, mit Aus-
nahme jener, die die Genfer innehaben, sind zurückgegeben. Nun bin
ich in meine ständige Residenz zurückgekehrt, grüße Sie untertänigst
und bitte Sie, mir die Ehre Ihres Wohlwollens zu bewahren.
Der bestellte Kommissar (B. Milletot), der mich in diesen Besitz ein-
setzte, ist einfaches Ratsmitglied des Parlaments von Dijon, dem er als
Dritter angehört. Trotzdem wußte er sich sehr gut durchzusetzen, unbe-
schadet aller Ansprüche und Widerstände der Häretiker. Die Genfer
waren erstaunt und verdrossen, daß er auf Rückgabe der Güter ent-
schied, die sie im französischen Hoheitsgebiet besetzt halten, und haben
nicht versäumt vorzubringen, daß Se. Hoheit sie in dieser Beziehung
besser behandelt habe.
Sonst hat sich nichts ereignet, was verdiente, Ihnen vorgetragen zu
werden ...

Annecy, anfangs August 1612 (XV,255f) an die Königin-Mutter Marie de Medici:


Nachdem ich Gott gedankt habe für die Wiedereinsetzung seiner
Kirche in die Orte und Güter der Ballei von Gex, die davor von den
Dienern der angeblichen Religion besetzt und zurückgehalten wurden,
danke ich auch Ew. Majestät untertänigst für die königliche Fürsorge
und Frömmigkeit, durch die uns dieses Glück zuteil wurde.
Der ewige Gott möge die Herrschaft des Königs, Ihres Sohnes, festi-
gen, da Sie so große Sorgfalt auf die Wiederherstellung der Herrschaft

184
seines Sohnes verwendet haben, des Königs der Könige. Gott erfülle
Ihre königliche Person mit seinen Segnungen, da Sie mit der von ihm
empfangenen Autorität bewirkten, daß sein heiliger Name an so vielen
Orten gepriesen werde, an denen er entweiht wurde ...

Annecy, 8. Oktober 1612 (XV,274f) an Jacques de Bay:


... In den vergangenen Monaten haben wir annähernd 25 Kirchen in
der Umgebung von Genf aus den Händen der Hugenotten zurückbe-
kommen. Ich hoffe sie mit guten Seelsorgern zu besetzen und noch mehr
zurückzubekommen, wenn es Gott gefällt, das Herz der Fürsten zu rüh-
ren, daß sie sich zur Heiligung seines heiligen Namens einigen. Das sind
die einzigen Neuigkeiten, die ich Ihnen berichten kann, meiner Meinung
nach die angenehmsten, die Ihnen um so mehr Mut geben, diese Diöze-
se zu begünstigen, indem Sie jene, die zu Ihnen geschickt werden, in den
Wissenschaften und in der Frömmigkeit bilden und Unseren Herrn für
mich bitten ...

Annecy, 10. November 1612 (XV,293-295) an Roger de Bellegarde:10


Ich überlasse dem Herrn Milletot die Befriedigung, Ihnen den er-
freulichen Erfolg seines Auftrags zu berichten, den ihm der König zur
Durchführung des Edikts von Nantes in Gex erteilt hat, und beschränke
mich darauf, Ihnen untertänigst zu danken für die beständige Sorge
Ihres Eifers zur Wiederherstellung der Ehre Gottes in dieser bedau-
ernswerten Ballei. Die Häresie, die hier so lange die Frömmigkeit mit
Füßen getreten hat, droht uns auch jetzt noch so frech wie je, die Hoff-
nung zuschanden zu machen, die wir auf Ihre Protektion setzen ...
Aber wie es unser Glück ist, einen Glauben zu haben, der jenem der
Hugenotten entgegengesetzt ist, so rühmen wir uns auch der Hoffnung,
die ihrer Anmaßung entgegensteht. In diesem Sinn hoffen alle Katholi-
ken von Gex, und ich mehr als alle, und werden immer hoffen, stets
einen Fortschritt unserer heiligen Religion in diesem kleinen Winkel des
Königreichs zu erleben, der das Glück hat, unter Ihrer Herrschaft zu
stehen. Dazu wird nicht wenig beitragen, wenn Herr Milletot, der seinen
Auftrag so würdig erfüllt hat, ein besonderes Amt bekommt, um alles
anzuordnen und zu beaufsichtigen, was damit zusammenhängt, im Sinn
einer Oberaufsicht über die Justizbeamten. Da sie der entgegengesetz-
ten Religion angehören, wäre es ein großer Vorteil für uns, jemand zu
haben, der besonders Sorge für uns trägt. Das wäre z. B. der genannte
Herr Milletot, der bei dieser Gelegenheit gewiß große Klugheit und gu-
ten Eifer bewiesen hat.

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Aber Ihre Weisheit wird Ihnen eingeben, mein Herr, was in diesem
Fall das Beste ist. Ich werde indessen meine Wünsche vor Unserem Herrn
für Ihr Wohlergehen fortsetzen, damit es ihm gefalle, Sie damit zu über-
häufen. Ich bin ...
Am 14. November 1612 (XV,295-299) schreibt der Bischof an Gilles le Mazuyer
wegen des ungeklärten Besetzungsrechts der Pfarreien in Gex; am gleichen Tag
(XV,299-301) an Antoine des Hayes außerdem über den Landtag von Baden. Um
die gleiche Zeit (XV,316f) richtet er an die Königin-Mutter Marie de Medici ein
Gesuch um die Wiedererrichtung des Karmelitenklosters in Gex; an Roger de
Bellegarde (XV,329f) ein Dankschreiben für seine Hilfe.
Annecy, 16. Januar 1613 (XV,337-339) an Pfarrer Dunant von Gex: eine Trauungs-
vollmacht und verschiedene administrative Weisungen. Am 19. April 1613
(XV,372f) ersucht er Claude de Quoex, in Rom eine Ehedispens einzuholen.
Annecy, 24. Januar 1613 (XV,341f) an Jean de Chatillon:
Wir haben hier Herrn Nicolas Bertolino,11 dem unser Kapitel einen
kleinen Sold gibt, damit er leben und im Chor dienen kann. Er braucht
aber darüber hinaus eine Beihilfe, um seine Wohnung einzurichten, und
ersucht, daß das Heilige Haus ihn dabei unterstützen wolle gemäß sei-
ner Bestimmung und der Liebe, die dort herrscht. Nun hat er mich gebe-
ten, Ihnen und durch Sie dem Herrn Erzbischof und dem Rat des Heili-
gen Hauses zu bescheinigen, daß er die Hilfe und Unterstützung ver-
dient. Nach allem, was ich bisher erfahren habe, kann ich das guten
Gewissens tun. Dem füge ich meine Bitte zu seinen Gunsten hinzu ...

Annecy, 9. Mai 1613 (XVI,3-5) an Kaiser Matthias:


Erhabener Herrscher! Wie sehr wünschte ich, der Aufforderung Ew.
kaiserlichen Majestät getreu Folge leisten zu können, an dem nun ange-
sagten Reichstag teilzunehmen, mit meinem Talent, soweit ich eines habe,
und mit meinem Bemühen zu dessen Zielen beizutragen und schließlich
dem erhabenen, unübertrefflichen Kaiser in Person zu huldigen. Aber
die Rebellion der häretischen Genfer hat diesen bischöflichen Stuhl in
übelster Treulosigkeit fast aller irdischen Güter beraubt, so daß ich das
Gute nicht tun kann, das ich will.
So bleibt mir nichts, erhabenster Kaiser, als unablässig vom überaus
gütigen höchsten Gott durch Opfer und Gebete zu erbitten, daß er Ih-
nen seine Hilfe vom Heiligtum sende und alle Ihre frommen Unterneh-
mungen segne.

Im Juni 1613 (XVI,18f) gibt er Mutter Anne de la Vesure Ratschläge für die
Klausur der Ursulinen (DA 7,242); am 13. September 1613 (XVI,71f) richtet er
an Pfarrer Girod einen Appell zur Hilfe für die Klarissen.

186
Annecy, 12. September 1613 (XVI,6 9-71) an Bischof Revol:
... Ich habe ständig Scherereien, die mir die Leitung dieser Diözese
bereitet. Ich finde nicht einen Tag, um meine armen Bücher anzusehen,
die ich manchmal so geliebt habe und jetzt nicht mehr zu lieben wage aus
Furcht, daß die Trennung von ihnen, zu der ich gekommen bin, mir noch
härter und verdrießlicher werde.
Wir haben wohl ein kleines Gebiet, wo seit kurzem durch die Autori-
tät des Königs und gemäß dem Edikt von Nantes die kirchliche Verwal-
tung wiederhergestellt ist. Aber diese Verwaltung stellt mich mehr vor
die Aufgabe, mit den Prädikanten um die zeitlichen Güter der Kirche zu
streiten, die sie uns vorenthalten, als sie und das Volk von der Wahrheit
der geistlichen Güter zu überzeugen, nach denen sie streben müßten. Es
ist erstaunlich, wie diese Schlangen ihre Ohren verstopfen, um die Stim-
me des Schlangenbeschwörers nicht zu hören, wie weise und heilig er sie
auch beschwören mag. Es gibt hier eine ausreichende Zahl von guten
Seelsorgern und tüchtigen Kapuzinerpatres. Wenn auch die Menschen
nicht auf sie hören, Gott schaut auf sie und wird ohne Zweifel ihre
gegenwärtige Nutzlosigkeit für das Heilige annehmen, die er später durch
eine fruchtbare Ernte ausgleichen wird, und wenn sie unter Tränen säen,
werden sie mit Freuden ernten ...
Annecy, 7. Oktober 1613 (XVI,85-87) an den Herzog: Ansuchen, dem Domkapi-
tel die Kirche und das Priorat vom Heiligen Grab zu überlassen; am 16. Oktober
1613 (XVI,87f) Bittgesuch für einen Edelmann aus Genf.
Annecy, Mitte Dezember 1613 (XVI,113-117: DA 12,142-144) und 27. Januar
1614 (XVI,147-154: DA 12,145) an Philippe de Quoex: über die Reform von
Talloires; zum gleichen Gegenstand (XVI,127f: DA 12,144f) an Claude-Louis-
Nicolas de Quoex12.
Annecy, 25. Januar 1614 (XVI,145f) an den Herzog:
Monseigneur! Die Hoffnung, die das Volk von Neci und der Graf-
schaft Genf gefaßt hat, dieses Kolleg, das jetzt fast brach liegt, der Kon-
gregation der Barnabiten übertragen zu sehen, hat keine andere Stütze
und Grundlage als die väterliche Güte Ew. erlauchten Hoheit. Sie haben
den Plan nicht nur gutgeheißen, weil er geeignet ist für das zeitliche
öffentliche Wohl Ihrer demütigen Untertanen, sondern auch wegen sei-
nes Nutzens für das Heil der Seelen. Bei dieser Gelegenheit bitte ich Ew.
erlauchte Hoheit in aller Demut von neuem, ihn zur Ehre Gottes kräftig
zu fördern, den ich unablässig bitte, ihn stets gedeihen zu lassen ...

Annecy, 8. Februar 1614 (XVI,156-158) an Claude de Blonay:


Ich habe diesem Boten, dem Herrn Pfarrer von Massongy, den Rest
des Geldes übergeben, den meine Brüder und ich dem Herrn Erzbi-

187
schof, meinem Vater, schulden von dem, was er in Paris für uns ausgege-
ben hat ...
Wir haben Ihren Herrn Prior 13 hier, mit dem wir heute eine gute
Aussprache hatten. Der Herr Abt und ich halten jeder eine für sich,
dann werden wir uns einigen, und ich denke, Sie werden zufrieden sein.
Ich schreibe an den Herrn Advokaten de Blonay je nach dem gefaßten
Beschluß am nächsten Tag. Man sagte mir, die gute Mme. du Foug sei
krank. Ich bitte Sie, geben Sie mir bei erster Gelegenheit irgendeine
Nachricht, denn ich bin ein wenig in Sorge und bitte Gott, daß er sie und
uns segne ...

Annecy, 27. Februar 1614 (XVI,165f) an Claude de Blonay:


Ich lobe Gott, daß Sie kommen werden, denn das wird günstig sein,
um alle Fragen mit dem guten Herrn Prior zum Abschluß zu bringen. Er
wünscht nicht, nach Chablais zurückzugehen. Aber ich habe Ihnen dar-
über ausführlich durch Herrn Jaquart geschrieben. Lieben Sie mich in-
dessen stets und seien Sie überzeugt, daß niemand in der Welt mehr als
ich Ihr demütiger und ergebener Bruder und Diener ist.

Annecy, Februar-Mai 1614 (XVI,176f) an König Ludwig XIII.:


Sire, nichts in der Welt ist vor der Wärme der Sonne verborgen;
ebenso ist nichts der Sorge der guten Könige in ihrem Bereich fern. Ew.
Majestät haben die Kirche von Gex besichtigt, die am äußersten Ende
des Königreichs liegt, und da Sie diese sehr arm fanden, für sie ein
Almosen von 300 Ecus bestimmt. Dafür komme ich jetzt im Geist mit
allen Katholiken dieses Ortes Ihrer königlichen Güte Dank zu sagen,
Sire. Wir bitten Sie, uns den Genuß dieser Wohltat zu verschaffen, von
der wir bisher nur Nachricht haben. Wir werden die erhabene Güte Un-
seres Herrn stets bitten, Ew. Majestät im Überfluß der himmlischen
Gnaden zu erhalten. Sire, das ist der beständige Wunsch Ihres sehr
demütigen und sehr gehorsamen Fürsprechers und Dieners.

Annecy, 12. Juni 1614 (XVI,182f) an den Herzog:


Monseigneur, als ich vor einem Jahr die Ehre hatte, Ew. Hoheit mei-
ne Aufwartung zu machen, habe ich Ihnen vorgeschlagen, die Kartäuser
in der Abtei von Filly im Chablais anzusiedeln zur Vermehrung der Fröm-
migkeit, die ein so heiliger Orden in dieser Gegend bewirken wird, und
wegen der Zierde, die die Wiederherstellung einer so bedeutenden Ab-
tei bewirkt. Als ich aber nachher erfuhr, daß Ew. Hoheit in der gleichen
Absicht Ihr Augenmerk und Ihren Wunsch auf Ripaille richteten, war

188
ich sehr erfreut. In aller Demut bitte ich Sie, möglichst bald die Ausfüh-
rung folgen zu lassen, damit wir noch in unseren Tagen die Frömmigkeit
wiederhergestellt sehen an einem Ort, der so bekannt wurde durch die
Frömmigkeit, die Ihre Vorfahren selbst so heilig und ehrenvoll übten.
Ich bin überzeugt, daß dieser großzügige und fromme Plan nicht in bes-
sere Hände gelegt werden kann als in die eines so festen und beständi-
gen Ordens wie die Kartäuser, die seit ihrer Gründung dem erlauchten
Haus Ew. Hoheit sehr verpflichtet, andererseits ihm auch stets sehr zu-
getan und ergeben sind ...

Im Juni/Juli 1614 (XVI,187f) an Claude de Quoex: über die Bemühungen um


Dispens der Mme. des Gouffiers von ihren Gelübden. Am 8. Juli 1614 (XVI,189-
191) an den Herzog: Meldung des Eintreffens der Barnabiten im Kolleg von
Annecy. Am 31. Juli 1614 (XVI,192f) Dank an König Ludwig XIII. für die
Spende von 300 Ecus zur Wiederherstellung der Kirchen von Gex.
Annecy, 7. August 1614 (XVI,200-202) an Dom Bruno d’Affringues: 14
Hochwürdigster Pater. Dem demütigen Dank, den ich Ew. Paternität
für die gute Aufnahme der Bitte schulde und abstatte, die ich Ihnen vor
einiger Zeit vorgetragen habe als Empfehlung der Tochter des Herrn de
Lornay des Costes, füge ich noch meine Fürsprache hinzu, daß Sie das
erforderliche Billet an den Pater Vikar von Mélan schreiben möchten,
mit dessen Hilfe nach den Worten des genannten Herrn de Lornay sei-
ner Tochter ihr Platz gesichert wird ...

Annecy, 28. August 1614 (XVI,219-221) an Pfarrer Dunant: verschiedene admi-


nistrative Weisungen für Gex; am 2. Oktober 1614 (XVI,229f) Mitteilung an
Pfarrer Jay von Bonneville, daß er als Domvikar vorgesehen ist.
Annecy, 28. November 1614 (XVI,268-270) an Graf de Tournon:
Nachdem Herr de Carbonnex hier war, machte ich eine kleine Reise
nach Tarentaise, um die Kirche der Kapuziner zu weihen, die sie kürzlich
gebaut haben, gemäß der Empfehlung, die mir der hochwürdigste Erzbi-
schof dieses Ortes seinerseits gab. In zwei Tagen werde ich ins Wallis
reisen, wo am 2. Adventsonntag der Bischof von Sitten geweiht wird.
Diese Reise wird etwas länger dauern und wird mich fast bis zum Fest
dieser Stadt fern sein lassen. Indessen beruhigen sich mit Gottes Hilfe
die Ereignisse dieser Gegend, und meine Frau Cousine wird zu Ihnen
reisen, was mich davon abhält, ihr jetzt zu antworten ...

189
C. Die Fesseln der Politik

Die geistliche Wirksamkeit des Bischofs wird fast ständig erschwert und oftmals
behindert durch politische Ereignisse und Bestrebungen, so daß er selbst von
„Fesseln“ spricht. Herzog Charles-Emmanuel von Savoyen verweigert ihm unter
dem Einfluß von Verleumdungen und Verdächtigungen weiterhin die Erlaubnis,
außerhalb Savoyens Advents- und Fastenpredigten zu halten. Henri de Nemours,
Herzog der Grafschaft Genf mit dem Sitz in Annecy, verfolgt seine Freunde,
verdächtigt seine Brüder und ihn selbst, als sein Vertrauensmann Berthelot ver-
prügelt wurde.
Die Briefe des Heiligen aus diesen Jahren offenbaren nicht nur diese „Fesseln“,
sondern auch die aufrichtige Loyalität des Bischofs gegen die Fürsten trotz aller
Schwierigkeiten. Am deutlichsten zeigt sich dies nach dem offenen Bruch zwi-
schen Nemours und dem Herzog von Savoyen in seinem Bemühen um eine Aus-
söhnung zwischen ihnen.

Annecy, 15. Juni 1610 (XIV,316-318) an den Herzog:


Die Ernennung des Herrn Favre zum Ersten Präsidenten von Savoy-
en hat in der Bevölkerung hier eine so allgemeine Freude ausgelöst, wie
es nur sein kann. Ich denke, daß Ew. Hoheit unzählige Danksagungen
zu Füßen gelegt werden. Da sie aber der Dankesschuld gegen die Für-
sorge Ew. Hoheit nicht nach Gebühr Ausdruck zu geben vermögen,
schien es mir, ich müßte als Hirte eines großen Teils von ihnen ihre
demütigen Gefühle mit den meinen verbinden und gemeinsam für sie
und für mich dieses Zeugnis unserer großen Dankesschuld gegenüber
der Güte Ew. Hoheit ablegen ...
Ew. Hoheit werden tausendfaches Lob von den anderen Völkern für
die Ernennung dieser großen Persönlichkeit ernten, an der sie die Ge-
lehrsamkeit in der Ausübung erkennen, wovon die Nahestehenden aus
Erfahrung wissen. Wir bitten Sie untertänigst, diesen Ausdruck unserer
Dankbarkeit anzunehmen, verbunden mit dem Wunsch, es möge Gott
gefallen, Ihre Krone zu verherrlichen und zu begünstigen ...

190
Annecy, 19. März 1611 (XV,34f) an Antoine Favre:
Mein Herr Bruder, P. François und ich haben entsprechend Ihrem
letzten Brief nach Thonon geschrieben und werden mit Sorgfalt alles
tun, wozu sich in dieser Sache Gelegenheit bietet.
Am nächsten Tag habe ich Ihnen über die Not dieser Gegend ge-
schrieben, nicht nur im Widerspruch zur Wahrheit, die in diesem Fall
schlimmer ist, als man sagen kann, sondern auch gegen meinen Willen,
denn das Übel ist unheilbar.15 Da ich aber beim Präsidenten dieser Stadt
war, als sie schrieben, sah ich mich durch seine und der anderen Herren
des Rates Bitten veranlaßt, meinen Brief mit dem ihren zu vereinigen.
Ich bitte Unseren Herrn, daß er dem Volk durch seine Gnade Erleichte-
rung gewähre, es vor Verzweiflung bewahre und das Gemeinwesen vor
völligem Ruin ...

Annecy, 3. April 1611 (XV,37f) an den Herzog:


Monseigneur, ich werde sehr dringend aufgefordert und gedrängt,
in der nächsten Fastenzeit in Paris zu predigen. Andererseits haben mir
die Herren des Senats von Chambéry die Ehre erwiesen, mich zum glei-
chen Zweck zu wünschen. Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst, mir Be-
scheid zu geben, was Sie wünschen, denn ich werde meinen Wunsch
nach dem Ihren richten und meinen Entschluß nach Ihrem Befehl.
Wenn Gott meine Wünsche erhört, wird er Ew. Hoheit mit seinen
überaus teuren Segnungen erfüllen. Ich bin mit einem unvergleichlichen
Herzen der sehr demütige, sehr gehorsame und sehr treue Diener Ew.
Hoheit.

Annecy, 12. Juni 1611 (XV,66-69) an den Herzog:


Monseigneur. Als ich erfuhr, daß man mich bei Ew. Hoheit beschul-
digt hat, mit den Ausländern bestimmte staatsschädigende Geschäfte
gemacht zu haben, war ich überaus erstaunt, denn ich kann mir nicht
vorstellen, auf welchen Schein von Gründen man diese Verleumdung
stützen kann. Denn obwohl mich dieser Tage meine Pflicht zwang, nach
Gex zu reisen und einige Zeit dort zu bleiben, habe ich dort wie sonst
auch nichts anderes zu tun oder zu sagen unternommen, als was meines
Amtes ist: zu predigen, zu disputieren, Kirchen wieder zu weihen, Altäre
zu konsekrieren, die Sakramente zu spenden.
Ich habe nicht nur nichts gegen den Dienst Ew. Hoheit unternom-
men (was ich nie getan habe, noch jemals tun werde), sondern ich habe
im Gegenteil alles wahrgenommen und beobachtet, was ich für den Dienst
Ew. Hoheit als bemerkenswert erachtete, soweit die Diskretion und die

191
Rücksicht auf mein Amt es mir erlauben, um Ihnen darüber Mitteilung
zu machen, wie ich es durch ein Schreiben bei meiner Rückkehr getan
habe. Darauf erhielt ich den Auftrag, sie mündlich dem Marquis de Lans
zu machen, mit dem ich ganz freimütig und offen gesprochen habe. Ihm
habe ich u. a. versichert, daß die Gerüchte über die Pläne der Franzosen
bezüglich Genfs reine Hirngespinste sind, die vielleicht einige erfunden
haben, um ihre angeblichen Dienste glaubhaft zu machen. In Wirklich-
keit haben die Franzosen keinerlei Absicht, diese Stadt mit Gewalt zu
nehmen, weil sie sehr fürchten, die Gemüter der Häretiker in Frank-
reich zu erregen, so daß sie zu den Waffen greifen, was sie jederzeit tun
würden, wenn sie könnten, falls man solche Schläge gegen sie führt: so
sehr, daß weder Herr le Grand de Bellegarde noch Herr de Lux jemals
wagen, hierher zu kommen, obwohl sie eingeladen wurden, aus Furcht,
den Verdacht zu bestärken, den manche hegen ...
Ich habe dem Herrn Marquis de Lans noch mehrere andere Einzel-
heiten berichtet, die er ohne Zweifel gut im Gedächtnis behalten wird,
um sie Ew. Hoheit vorzutragen. Ich bitte Sie untertänigst zu glauben,
daß ich meinem Herzen zu früh die Verpflichtung Ihnen gegenüber ein-
geprägt habe, um mich jemals in eine Sache einzulassen, so gering sie
auch sei, die dem Dienst an Ihren Interessen abträglich wäre, da ich
außerdem eine zu große Abneigung gegen die verwickelten Staatsge-
schäfte habe, um daran je aus eigenem Antrieb zu denken. Weder ich
noch einer meiner Verwandten haben in der Tat oder in der Absicht
irgendein Geschäft außerhalb des Gehorsams gegen Ew. Hoheit. Daher
verstehe ich nicht, wie mich die Verleumdung mit fremden Bestrebun-
gen in Verbindung zu bringen wagt. Da ich, Gott sei Dank, so lebe, daß
ich offenbar nicht verdiene, in der Gunst Ew. Hoheit zu stehen, weil an
mir nichts ist, was mich dieser Ehre würdig machte, so verdiene ich auch
nicht, jemals in Ungnade bei Ihnen zu fallen, weil ich nichts unternehme
oder beabsichtige, was mir dieses Unglück einbrächte. Davor fürchte ich
mich übrigens nicht, gestützt auf die Hilfe Unseres Herrn, der ange-
sichts der wahrhaftigen Treue, die ich Ew. Hoheit bewahre, nicht zulas-
sen wird, daß die Gerüchtemacher und Verleumder mich jemals der
Ehre berauben, zu sein ...

Annecy, 26. Mai 1612 (XV,217f) an den Herzog: Bitte um Zustimmung, die
nächsten Fastenpredigten in Lyon zu halten.
Annecy, 25. Juni 1612 (XV,241f) an die Kanoniker von St. Johannes in Lyon:
Meine Herren, Ihre Einladung zu den nächsten Advents- und Fa-
stenpredigten betrachte ich als große Ehre ... und bitte Sie zu glauben,
daß ich ihr getreu entspreche durch den Wunsch, Sie zufriedenzustel-

192
len. Da ich diese Provinz, in der mein Amt mich festhält, nicht gut ohne
die Zustimmung Sr. Hoheit verlassen kann, habe ich nicht nur den Her-
zog darum gebeten, sondern auch einen von denen, die ich für geeignet
halte, ersucht, eine Bestätigung zu erwirken.
Bis jetzt habe ich aber keinerlei Antwort erhalten und bekomme wo-
möglich eine Absage zu einer Zeit, daß auf die Auszeichnung, die Sie mir
durch Ihre Einladung erwiesen haben, der Verdruß folgt, weder meine
Predigten noch die anderer Prediger zu bekommen, auf die Sie an mei-
ner Stelle Ihr Augenmerk lenken könnten, weil sie sich inzwischen an-
derweitig verpflichtet haben. Deshalb bitte ich Sie, meine Herren, halten
Sie die Ehre nicht länger aufrecht, mich zu erwarten, und sprechen Sie
mit einem anderen nach Ihrer Wahl, der mehr Freiheit hat als ich, Ihre
Einladung anzunehmen ...
Sollte aber nach einer Verzögerung, wie sie an den Höfen üblich
sind, die Antwort Sr. Hoheit im Sinn Ihrer und meiner Wünsche eintref-
fen und sollten Sie Ihre Einladung an mich für ein anderes Jahr auf-
rechterhalten, so versichere ich Ihnen, meine Herren, daß ich meiner-
seits den Entschluß aufrechterhalte, Ihrem Wunsch zu entsprechen ...

Annecy, 5. Oktober 1612 (XV,271-273) an Antoine des Hayes:


Ich denke, daß Sie nie zweifeln an meinem Eifer in der Erfüllung
Ihres Willens und Ihrer Wünsche, denn die außergewöhnliche Freund-
schaft, mit der Sie mich beehren, hat einen Grad der Vollkommenheit
erreicht, daß sie erhaben ist über alles Mißtrauen und jeden Zweifel.
Aber in der Frage, ob ich in St. Benedikt predigen komme, dürfen nicht
nur Sie nicht zweifeln, mein Herr, sondern alle, die sich vorstellen, wie
gering meine Neigung sei ...
Aber sehen Sie, in welcher Situation ich mich befinde: Se. Hoheit hat
die Königin abblitzen lassen, wie Herr de Roascieu Ihnen mitgeteilt ha-
ben dürfte, und ein Freund, den ich am Hof habe, versichert mir, daß in
dieser Frage nichts nütze, da Se. Hoheit entschlossen sei, sich nicht
umstimmen zu lassen. Ich war fast entschlossen, bis Turin zu gehen, um
zu sehen, ob ich durch die Erklärung meiner guten und aufrichtigen
Absichten seinen Geist nicht bewegen könnte. Aber da versichert man
mir von allen Seiten, daß er in einigen Tagen mit dem Prinzen nach
Chambéry komme, und unser Erster Präsident Favre meint, daß die
Hoheit mich herüben festhält, um mich bei seiner Ankunft hier zu ha-
ben. Dadurch bin ich im Zwiespalt, denn wenn der Papst selbst mir den
Auftrag gäbe zu gehen, und Se. Hoheit, da er von herüben ist, mich

193
zurückhielte mit der Versicherung, daß es dem Papst nicht mißfalle, dann
wäre ich in Verlegenheit, wie Sie denken können. Mit Rücksicht auf den
Prozeß, den ich beim Kronrat hatte, ist mir klar, daß es abgesehen von
Ihrem Besten äußerst wichtig ist, da es Anlaß zum Verdacht der Ziererei
meinerseits seinen und meinen Gegnern Vorteil verschaffen könnte.
Herr de Charmoisy, der nach mir am meisten meine Reise wünscht,
ist bemüht, einen guten Ausweg aus dieser Schwierigkeit zu finden. Ge-
wiß, wenn Se. Hoheit nicht kommt, vermag die Autorität des Papstes
alles, denn ich würde seinen Auftrag erfüllen und nur schriftlich Urlaub
nehmen. Wenn aber Se. Hoheit hier ist, werde ich Mühe haben, die
Einwände zu entkräften, die man mir machen wird, und ich glaube nicht,
daß ich es kann. Die Zeit ist jedoch kurz und läßt uns in wenigen Wo-
chen am Anfang der Fastenzeit stehen. Dann wird es schwer sein, einen
passenden Prediger für Ihre Kanzel zu finden.
Um die Wahrheit zu gestehen, ich bin bei dieser Sachlage in größter
Verlegenheit und ich weiß mich nicht recht zu entscheiden, außer in dem
Punkt, daß ich überaus gern tun werde, was Sie mir sagen, es mag kom-
men, was muß. Mehr noch: Wenn ich jemals nach Paris zu Fastenpredig-
ten gehe, dann wird es nur mit Rücksicht auf Sie geschehen, ob Sie nun
den Auftrag der Kirche haben oder nicht.
Ich versichere Ihnen, mein Herr, daß ich geschrieben habe, fast ohne
zu wissen, was ich mache, so sehr verdrießt es mich, daß ich Ihnen nicht
in voller Freiheit sagen kann: Ich komme. Entschuldigen Sie bitte mei-
nen Stil und glauben Sie, daß ich mit einem unwandelbaren und unsterb-
lichen Herzen bin und sein werde Ihr sehr demütiger und sehr treuer
Diener.

Annecy, Januar/Februar 1613 (XV,344-346) an Bischof Fenouillet:


Monseigneur, ich kann Ihnen nicht gebührend danken für die schö-
nen Geschenke, die Sie mir zu schicken beliebten ...
Aber welches Mißgeschick! Wie glücklich wäre ich gewesen, in diesem
Jahr nach Paris zu gehen und dem Wunsch unseres großen Freundes zu
entsprechen, um bei Ihnen und bei ihm die Früchte der ausgezeichneten
Tröstung zu ernten, die ich haben kann. Ich beuge mich trotzdem der
Fügung der himmlischen Vorsehung, die mindestens zugelassen hat, daß
mir wegen meiner Sünden diese Freude versagt blieb. Ich hoffe, die
Reise nach Piemont, die ich für dieses Frühjahr plane, wird bei Sr. Ho-
heit so starkes Vertrauen zu meiner Einfalt bewirken, daß ich im kom-
menden Jahr meine angemessene Freiheit haben werde.
Besteigen Sie indessen die große Bühne, Monseigneur, folgen Sie
Gott, wie Sie es tun, erwarten Sie jede Art guter Wirkungen und verwer-

194
ten Sie diese zum Wohl der Kirche und der Provinz, für die Sie sich auf
den Weg machen ...

Annecy, 4. März 1613 (XV,356f) an den Herzog:


Monseigneur! Bezüglich der Klagen über den Herrn Abbé de la Tour,
die mich erreichten wegen der Prügel, die er dem Herrn Berthelot gege-
ben hat, läßt mir der große Respekt, den ich Ew. Hoheit schulde, gera-
ten erscheinen, gegen den genannten Herrn Abbé keine Maßnahmen zu
ergreifen, weil er der ordentliche Gesandte Ew. Hoheit war, sich hier
nur auf der Durchreise befand und von Tag zu Tag in Erwartung seiner
Rückkehr zur Ausübung seiner Gesandtschaft. Jetzt können Ew. Hoheit
die zur Belastung und Entlastung des genannten Herrn Abbé gesammel-
ten Informationen sehen, die dieser Bote in Händen hat, und Sie kön-
nen mir daraufhin Ihre Weisungen geben, denen ich mit der Treue ge-
horchen werde, die mich Gott unablässig um das Wohlergehen Ew. Ho-
heit bitten läßt ...

Annecy, 28. März 1613 (XV,361-364) an Antoine des Hayes:


Sie wissen sicher durch den Brief, den Herr de Charmoisy Ihnen
geschrieben hat, daß er nach der Abreise von Mme. de Charmoisy das
Mißgeschick hatte, sich aus dieser Stadt gleichsam verbannt zu sehen
durch einen ausdrücklichen Befehl Sr. Hoheit, sich zurückzuziehen und
hier nicht mehr zu erscheinen. Das geschah unter dem verkehrtesten
Eindruck der Welt, den Herr de Nemours durch einige Verleumder ge-
wann, Herr de Charmoisy habe die Prügel veranlaßt, die Herr Berthelot
erhalten hat. Darüber erfaßte den Herrn de Nemours so heftiger Groll,
daß wir alle erschrocken sind. Es hat nicht viel gefehlt, daß auch einer
meiner Brüder, der Malteser-Ritter, verhaftet wurde (gut, daß er wäh-
rend der ganzen Zeit des Streites bei mir in Sales war), nur weil er ein
enger Freund des Herrn Abtes von Talloires ist und ihn zufällig nach der
Prügelei besucht hat. Ich hoffe trotzdem, daß sich das alles in wenigen
Tagen legen wird, und daß Herr de Nemours bei seiner Güte bedauert,
dem Herrn de Charmoisy dieses Unrecht zugefügt und so vielen ande-
ren seiner treuesten und ergebensten Diener und Untertanen zuge-
dacht zu haben.
Indessen muß Mme. de Charmoisy gute Haltung bewahren und darf
keinerlei Klagen äußern, die dem Herrn de Jacob zu Ohren kommen
könnten. Wenn sie mit ihm spricht, muß sie große Zuversicht zeigen,
daß die Güte Sr. Hoheit und des Herrn de Nemours ihrem Gatten sehr
bald gewogen und gegen jene aufgebracht sein wird, die ihm schaden
wollten. Das sage ich Ihnen, mein Herr, damit Sie der guten Dame bes-

195
ser raten können, wie sie sich verhalten soll. Ihr kann ich das nicht schrei-
ben, obwohl ich ein Wort beifüge.
So habe ich schließlich die ganze Fastenzeit in dieser kleinen armen
Stadt damit verbracht, uns in etwa gegen alle Verleumdungen zu vertei-
digen, die man wahllos gegen diesen und jenen wegen der leidigen Prü-
gel richtete. Wäre es nicht besser gewesen, wenn mein Glück mir erlaubt
hätte, Ihren Wunsch zu erfüllen, auf Ihrer Kanzel zu predigen, mich der
Gunst Ihrer Gegenwart und der unseres Herrn Bischofs zu erfreuen,
der dort ist? Ich hoffe, in diesem Monat nach Turin zu reisen. Dort
werde ich alles tun, was ich kann, um für das nächste Jahr meine Freiheit
zu haben. Denn das Verlangen meines Herzens nach dem Guten ist sehr
groß, das ich von der Begegnung mit Ihnen und mit so vielen edlen
Menschen erhoffe, die mich Ihretwegen in ihren Kreis aufnehmen wer-
den. Gleichwohl geschehe der Wille Gottes ...

Annecy, 28. März 1613 (XV,365f) an Mme. de Charmoisy: Aufforderung zum


Vertrauen in ihrem Kummer (DA 6,59f).
Annecy, 11. April 1613 (XV,370-372) an Graf de Tournon:
Dieses Billet schreibe ich gesondert, um den anderen Brief so zu
lassen, daß er dem Herrn Marquis de Lans gezeigt werden kann. Ich
habe ihn nicht so flüchtig geschrieben, weil ich wollte, daß er entweder
dem Herrn Kanzler übergeben werde oder irgendeinem, der eine gute
Möglichkeit hat, Sr. Hoheit die Bosheit und das Gift der Feinde unseres
armen Verwandten vorzutragen. Er ist hier, in sehr genauem Gehorsam
wie ein Hase versteckt in Marclaz. Jedermann ist entsetzt über die große
Macht, die bloße Anschuldigungen haben: Wenn es genügt, beschuldigt
zu werden, wer wird noch schuldlos sein? Alle, die Herrn de Servette
kennen, und ich glaube, daß Se. Hoheit ihn kennt, die wissen in der Tat
von gestern wohl zu unterscheiden. Gewiß, Berthelot konnte nichts tun,
um sich ihm in Begleitung der Damen zu widersetzen; denn wie Sie wis-
sen, ist er ein Edelmann von so guter Herkunft, daß man ihn achten
muß, wie dem auch sei.
Nun, es genügt, wenn man dem armen Verwandten einen Dienst
erweisen kann, der seither aus dem Genfischen verbannt und allein auf
sein Haus beschränkt ist. Ich sehe in diesen Verleumdern so viel Bosheit
und Verschlagenheit und sehe sie so klar, daß ich mich zum Sprechen
verpflichtet fühle. Schweigen scheint mir eine Sünde zu sein. Es ist drin-
gend, daß dieser Dienst schnell erwiesen wird, denn ich habe heute früh
erfahren, daß Berthelot einen Mann schicken wird, da er wohl weiß, daß
die größte Kraft der List in der Emsigkeit liegt ...

196
Am 20. Mai 1613 (XVI,7-10) an Antoine des Hayes:
In Turin fand ich Ihren Brief vom 30. März vor. Ich bin verwirrt, darin
Ihren Dank für die Beharrlichkeit meines Wunsches zu finden, Ihrer
Pfarrei in der nächsten Fastenzeit zu Diensten zu sein. Denn mein
Wunsch, meine Beharrlichkeit und meine Hoffnung sind zunichte und
nutzlos. Se. Hoheit wollte mir nicht erlauben, Savoyen zum Zweck von
Predigten zu verlassen; er tat es mit überaus ehrenden, meiner Absicht
aber keineswegs förderlichen Worten. Daher bitte ich Sie, mein Herr,
rechnen Sie in keiner Weise mehr mit mir, weil ich ohnmächtig bin, Ih-
nen den schuldigen Dienst zu leisten. Ich habe zwar trotzdem noch ei-
nen Trumpf in der Hand, den ich morgen ausspielen will, aber ich wage
nichts zu versprechen. Wenn Sie wüßten, mein Herr, woher die Schwie-
rigkeiten kommen, Sie würden sich wundern über den Eifer des Teufels,
mit dem er sich unseren Wünschen widersetzt ...
Ich will Ihnen dieses Wort im Vertrauen auf Ihre Klugheit sagen:
Herr Trouillouz, dessen Se. Hoheit sich in den Angelegenheiten Frank-
reichs bedient, sagt in Turin unter Berufung auf Nachforschungen, die
er angestellt habe, bevor man mich nach Paris gehen lasse: Nur Char-
moisy und Herr des Hayes haben diesen Plan, außer ihnen hat niemand
daran gedacht. Von da geht man zu anderen Vermutungen weiter. Wie
lange wird man so leben? Abgesehen von dieser Einzelheit, die ich mir
nur mit Rücksicht auf Sie mehr zu Herzen nehme als irgend etwas, das
mich betrifft, hat Se. Hoheit mich mit so vielen Zeichen der Achtung und
der Gunst überhäuft, als ihm die Führung des Krieges erlaubt, in den ich
ihn verwickelt sehe ...
In fünf oder sechs Tagen hoffe ich Herrn de Charmoisy in Freiheit zu
sehen. Ich schreibe Mme. de Charmoisy; sie wird Ihnen mitteilen, wie es
darum steht, und die Nachricht, die ich ihr gebe, denn ich werde ge-
drängt, den Brief zu beenden ...

Annecy, 9. Juni 1613 (XVI,23f) an den Herzog de Nemours:


Monseigneur! Da Sie mir die Freiheit für meinen Verwandten, den
Herrn de Charmoisy, zuzusagen beliebten, erwarte ich diese zuverlässig
von Ihrer Güte, die ich schon bisher sehr demütig durch vier verschiede-
ne Briefe angerufen habe, sich zu erinnern, daß Sie gewohnt sind, Ihren
gehorsamsten Dienern Ihre Gunst zu bewahren, von denen ich einer
der zuverlässigsten bin. Auch Herr du Noyeret erwartet das gleiche, nach-
dem er die Erklärung seiner Ergebenheit geschrieben hat (die nicht hoch
genug eingeschätzt werden kann), die zu diesem Zweck verlangt wurde.

197
Ich bitte also Ew. Gnaden untertänigst, mich für den einen wie den
anderen zu erhören und die Klagen, die mit Arglist gegen alle Ihre Un-
tertanen in dieser Stadt erhoben werden könnten, ohne Vorurteil gegen
die Verteidigung und die rechtmäßigen Angaben der Beschuldigten an-
zunehmen. Auf diese Weise wird Gott gehorcht und er wird entspre-
chend meinem beständigen Wunsch seine überaus köstlichen Gnaden
über Ew. Gnaden ausgießen ...

Annecy, 14. Juni 1613 (XVI,29-31) an den Herzog de Nemours:


Monseigneur! Die neue Gefahr, in der Herr de Charmoisy sich be-
findet durch die Gefahr der Pest, die die Umgebung, ja das Innere sei-
nes Hauses selbst bedroht, läßt mich Ew. Gnaden erneut untertänigst
bitten, mir Weisung zu geben, daß Sie mir seine Freiheit zu gewähren
belieben, damit er dieses gefährdete Haus verlassen und sich nach der
Quarantäne aus der Gefahrenzone entfernen kann.
Der gutmütige Herr du Noyeret war wie ich auch der Meinung, daß
Ew. Gnaden sein Ergebenheitsschreiben nicht erhalten haben, mit des-
sen Hilfe Sie mir die Gunst zusagten, ihn aus der Haft zu entlassen,
ebenso seine Kinder, weil er sich dieser Gunst noch nicht erfreut. Des-
halb hat er von neuem das Beiliegende geschrieben, das ich Ew. Gnaden
in seinem Namen übergebe, verbunden mit der untertänigsten Bitte,
Monseigneur, mich ebenfalls zu erhören.
Die Edelleute von Burgund, für die ich noch eine gleiche Bitte an Ew.
Gnaden gerichtet habe, erwarten ebenfalls die Wirkung des guten Wil-
lens, den Sie mir im Hinblick auf sie bezeugten. Sie verdienen dies um so
mehr, weil sie sonst nichts begehren, als ohne Widerspruch überall den
Namen von untertänigsten Dienern Ew. Gnaden zu tragen; denn sobald
sie Ihre Gunst erlangt haben, werden sie sich in ihr Gebiet zurückziehen,
wenn nicht irgendein würdiger Dienst Sr. Hoheit oder Ew. Gnaden sie
zurückhält. In diesem Fall werden sie sehr klar beweisen, wie unrecht es
war, sie des Mangels an Achtung und Ehrfurcht gegen den zu beschuldi-
gen, für den sie das ausdrückliche Bekenntnis untertänigster Zuneigung
ablegen, und sie sind von solchem Charakter und Stand, daß sie ge-
schätzt zu werden verdienen.
Was die Ränke betrifft, durch die man bedauerlicherweise meine Für-
sprache für alle diese Leute als schlecht hinstellen möchte, so fürchte
ich sie keineswegs; denn ich weiß, daß Ew. Gnaden sich durch solche List
nicht überrumpeln lassen. Deshalb bin ich fest überzeugt, daß Ihnen
meine Hinweise und Bitten stets als lauter und gerecht erscheinen. In-
dessen wünsche ich unablässig, Gott möge Ew. Gnaden mit Wohlerge-
hen segnen ...

198
Annecy, 19. Juli 1613 (XVI,46f) an den Herzog von Nemours:
Monseigneur, ich übergebe Ew. Gnaden ein Gesuch in der Sache, in
welcher der Genfische Rat meine hilfesuchenden Brüder an Sie verwie-
sen hat. Die Gerechtigkeit und Güte Ew. Gnaden geben ihnen die Ge-
wißheit, daß Sie uns mit einer so gerechten und höflichen Bitte nicht
abweisen werden, die nichts anderes anstrebt, als uns Ihr Wohlwollen zu
erhalten.
Desgleichen warte ich auf die Gunst, Monseigneur, die Sie mir für
die Herren de Charmoisy und du Noyeret zu gewähren beliebten. Das ist
eine Gunst, so gerecht und so vernünftig, daß ich nicht glauben kann,
irgendeine Sache der Welt könnte mich der Befriedigung berauben, die
ich begehre, noch jene, für die ich sie anstrebe, der Wirkungen, auf die
ich ihnen Hoffnung machte.
Ew. Gnaden, gut, gerecht und milde gegen jedermann, können nicht
gegen mich hart und streng sein, wenn ich das sagen darf. Gott, überaus
gut, gerecht und milde, verlangt durch seine Gebote diese Gnade, diese
Gerechtigkeit, diese Milde von Ew. Gnaden, deren sehr demütiger, sehr
gehorsamer und sehr treuer Diener ich nach seinem Willen bin.

Annecy, 31. Juli 1613 (XVI,47-49) an Marquis de Lans:


Wie ich Ihnen Kenntnis von dieser kleinen Reise nach Gex gegeben
habe, so will ich Ew. Exzellenz auch Mitteilung von meiner Rückkehr
geben. Gestern etwa drei Stunden nach meiner Abreise kamen der Vogt
von Nyon und einige andere Berner, um Herrn le Grand de France zu
bitten, daß er seine Truppen zurückrufe, denn sie seien überzeugt, daß
Sie, Monsieur, nicht abrüsten und daß die piemontesischen und spani-
schen Truppen die Berge überschreiten werden. Herr le Grand antwor-
tete darauf, er danke für die Mitteilung, aber solange nichts geschehe,
warte er auf Herrn d’Amanzé, den er schon vorher zu Ew. Exzellenz
geschickt habe, um zu erfahren, wie es mit der Abrüstung stehe. Ich war
nicht anwesend, als das geschah, aber ich habe es bald erfahren.
Im übrigen können jene, die es gesehen haben, nicht schweigen über
die Hochachtung und den Respekt dieses Herrn vor dem Namen Sr.
Hoheit. Er hat diese Nacht in Saint-Claude verbracht, heute früh dort
seine Osterbeichte gemacht und übernachtet heute in Chatillon. Am
Sonntag muß er in Belley sein ...
P. S. Was den Zweck meiner Reise betrifft, sind unsere Geistlichen
und Katholiken zufrieden mit dem Ausgleich, den wir, Gott sei Dank, in
allen Schwierigkeiten getroffen haben, die von unseren Gegnern her-
aufbeschworen wurden.

199
Annecy, 4. Oktober 1613 (XVI,84) an den Herzog de Nemours:

Monseigneur, ich danke Ew. Gnaden in aller Demut für die Freiheit,
die Sie den Herren de Charmoisy und du Noyeret zurückgegeben haben,
gemäß dem Versprechen, das Sie mir gegeben hatten. Sie werden nie
einem Menschen eine Gunst erweisen, der mit größerer Treue Ihrem
Dienst hingegeben ist als ich, der auch noch hofft und erwartet, für die
beiden Edelleute den Zutritt zu dieser Stadt offen zu sehen; denn die
Güte und Unparteilichkeit werden das Herz Ew. Gnaden drängen und
anhalten, es zu tun, ohne daß irgendeine andere Vermittlung notwendig
wäre ...

Annecy, 16. November 1613 (XVI,98-101) an Jacques de Vallon:16


Mein Herr Cousin! Man teilt Ihnen die neuen Anstrengungen mit,
die Herr de Nemours unternimmt, um Ihr Wappen auszuradieren; ich
denke, man wird Ihnen sogar den Brief zeigen, den er geschrieben hat.
Aus ihm werden Sie sehen, was Se. Gnaden sich von der Autorität Sr.
Hoheit erwartet. Ich erfahre aber auch, daß Se. Hoheit Ihnen befehlen
wird, nach Piemont zu kommen, um seine Befehle entgegenzunehmen,
wenn Sie diesem so dringenden Verlangen von Nemours nicht nach-
kommen. Obwohl ich weiß, daß Sie dort das Unrecht dieser Verfolgung
aufdecken könnten, wäre ich sehr erleichtert, wenn Sie nachgeben. Denn
ich fürchte, daß Sie außer Unkosten nur neue Schwierigkeiten haben
werden. Es sind noch nicht 24 Stunden, daß mir ein Ehrenmann sagte,
er wisse ganz sicher, wenn Sie sich noch länger widersetzen, werde man
einen neuen Angriff gegen Sie unternehmen wegen des Namens Gex.
Sie unterstellen, daß er von Ihnen angenommen wurde, obwohl er ein
Titel des Herzogs und der Name eines Landes sei, das von der Krone
Savoyens abhängt.
Das sind in Wahrheit die seltsamen und überaus bösartigen Bestre-
bungen, die diese Erkundigungen ans Licht bringen. Da es aber dagegen
keine Abhilfe gibt, glaube ich weiterhin, es sei das Beste, sich über all das
hinwegzusetzen und zu zeigen, daß weder Ihre Ehre noch Ihr Ansehen
bei den guten Menschen davon abhängen, ob dieses Wappen eingemei-
ßelt ist oder entfernt wird. Das muß aber geschehen, ohne Widerwillen
und Abneigung zu zeigen. Wenn Sie das tun, werden Sie zwei Dinge
erreichen: das eine, daß Herr de Nemours um so eher das Unrecht
erkennt, das er Ihnen geschehen ließ, indem er denen zu viel Glauben
schenkte, die Sie hassen; das andere, daß jene, die Sie kränken wollten,
nicht das erwartete Vergnügen haben, wenn sie merken, daß Sie sich

200
über ihre Angriffe hinwegsetzen und die Wirkung Ihrer Anstrengung
verachten ...
Das ist meine Meinung, und ich versichere Ihnen, wenn man das
gleiche Unrecht, das Ihnen geschehen ist, meinen Brüdern zugefügt
hätte, würde ich darüber lachen und wollte soviel Mut aufbringen, die
Verachtung zu verachten und mich über eine so armselige Rache lustig
zu machen. Schließlich sehen alle Ehrenmänner sehr wohl, daß man Sie
aus reiner Rachsucht verfolgt und daß die Zeit nicht geeignet ist, Abhil-
fe gegen dieses Übel zu finden, daß man sich schließlich dem Willen der
mächtigen Großen fügen muß und daß alles zusammen mit Ihrer Ehre
nichts zu tun hat.
Ich schreibe Ihnen ohne Muße, nicht aber ohne den heißen Wunsch,
Ihnen einen Dienst zu erweisen, und ich bitte Sie, meinen Rat gut aufzu-
nehmen. Glauben Sie mir, Gott wird Ihnen helfen, und wenn diese schlim-
me Zeit vorüber ist, wird eine Zeit kommen, da die wahren Diener des
Fürsten an der Reihe sind ...

Annecy, 10. Januar 1614 (XVI,138f) an Bischof Fenouillet:


... Mein ganzes Leben lang habe ich die Stadt Toulouse sehr geschätzt,
nicht wegen ihrer Größe und Bedeutung, sondern wie der hl. Chryso-
stomus von seinem Konstantinopel sagt, weil in ihr so beständig und
gewissenhaft am Dienst Gottes festgehalten wird. Sie können sich den-
ken, Monseigneur, wie gern ich Ihnen zu Diensten sein wollte; aber Sie
kennen meine Fesseln, die sich bis jetzt nicht im geringsten gelockert
haben. Haben Sie also die Güte, den Herren dieser Stadt auf die Bitte zu
antworten, die sie für mich an Sie gerichtet haben. Ich bitte Sie sehr
demütig, teilen Sie ihnen mit, daß es kein Mangel an Hochschätzung für
ihre Verdienste meinerseits ist, denen ich niemals entsprechen kann,
noch ein Mangel an Macht, die Sie über mich haben, da ich ganz der Ihre
bin, sondern Mangel an Verfügungsgewalt über mich selbst, wenn ich
ihren Wünschen nicht Folge leiste, die für mich viel zu ehrenvoll sind, als
daß ich sie nicht vorziehen müßte ...

Annecy, 3. August 1614 (XVI,197-200) an Graf de Tournon:


Ich habe dem Herzog de Nemours persönlich die zwei Schreiben
übergeben, die Sie mir sandten, wie ich stets alles getreu ausführe, was
Ihr Wunsch ist und in meiner Macht liegt.
Im übrigen bin ich hier für den Fürsten, als wäre ich nicht da, zumal
die Fülle der Arbeit, die ihm die Aufstellung der Armee bereitet, mir
nicht erlaubt, mich oft der Ehre seiner Gegenwart zu erfreuen, wie ich es
vielleicht zu anderen Zeiten könnte. Ich lasse den alten Spruch gelten:

201
Episcopum in caulis, non in aulis invenire par est. Wenn Sie bei guter
Zeit kommen, um ihn hier zu treffen, werden Sie feststellen, daß ich mir
die Flügel an diesem Licht nicht verbrenne.
Ich leugne gewiß nicht, daß mich das günstige Zeugnis, das Sie für
das armselige Büchlein der „Anleitung“ geben, sehr ermutigt hat, in
Wahrheit mehr als das vieler großer Persönlichkeiten, die mich durch
Briefe sehr empfehlen, ohne mich zu kennen. Ich sehe es gegenwärtig
durch, weil man es in kleinem Format neu gedruckt hat und ich darin
unzählige Fehler finde, teils vom Drucker, teils vom Verfasser. Ich ver-
bessere sie sorgfältig, denn ich will, daß man womöglich keine andere
Änderung erkenne als die Verbesserung des Druckers.
Herr du Noyeret war sehr getröstet, als er Ihrem Wunsch gemäß von
der Erinnerung an ihn in Ihrem Schreiben an mich erfuhr. Ich bin dabei,
den Rest seiner Affäre zu ordnen, der ich nicht auf den Grund kommen
kann, weil sich zwei hartnäckige Gegner im Geheimen Rat Sr. Gnaden
befinden ...

Annecy, 6. November 1614 (XVI,252-256) an den Herzog de Nemours: 17

Monseigneur! Das Zeugnis Ihres Wohlwollens gegen mich, das Sie


mir bei Ihrer Abreise von dieser Stadt zu geben beliebten, die Frömmig-
keit, die Sie bewiesen, als Sie den himmlischen Segen von diesem unwür-
digen Hirten erbaten, die natürliche Neigung, die durch viele Verpflich-
tungen verstärkt wird, die ich gegen Ihre Güte immer in meiner Seele
genährt habe, Monseigneur: Das alles und viele andere Erwägungen, die
meine Treue mir eingibt, bewegen mein Herz lebhaft, und ich kann mich
nicht enthalten, dies jenen zu zeigen, denen ich auf dem Land begegne,
seit ich des Anblicks Ew. Gnaden beraubt bin.
Diese Ergriffenheit, verbunden mit einer gewissen Hoffnung auf Ihre
baldige Rückkehr, die Ew. Gnaden mich bewahren hießen, ließen mich
mehr als einmal über die Gründe nachdenken, die Sie für Ihre Rückkehr
haben, um den Rest des Trostes zu vermehren, den Sie mir ließen, indem
Sie mir andeuteten, daß Ihre Abwesenheit vielleicht nicht so lang dau-
ern werde, sondern viel kürzer, als unser Mißfallen uns denken lasse.
Mon-seigneur, ich habe gefunden, daß der wahre Dienst Ew. Gnaden
Ihre Rückkehr erfordert, nicht nur der allgemeine Wunsch aller Ihrer
ergebenen Untertanen, die Ihre Gegenwart als Erleichterung empfin-
den werden nach den vielen Leiden, die sie ertragen haben ...
Wenn ich es wage, meine Gedanken über die weiteren Gründe aus-
zusprechen, die Ew. Gnaden für die Rückkehr haben, muß ich den leb-
haften Wunsch Sr. erlauchten Hoheit nennen ...

202
Ich müßte auch noch sagen: Falls der Krieg, den Se. erlauchte Ho-
heit auf dem Hals hat, auflebt und zu einer gewissen Heftigkeit anschwillt
(was Gott verhüte), glaube ich, werden Ew. Gnaden den Mut nicht zü-
geln können, daß er Sie nicht drängt, dieses Blut zu verteidigen, dieses
Haus, diese Krone, diesen Staat ... Und würden Ew. Gnaden nicht über-
aus betrübt sein, sich so weit entfernt von Sr. Hoheit und seinem Staat
zu befinden? ...
Ich würde noch sagen: Wenn Ew. Gnaden während der Dauer des
Krieges hier und nicht bei der Armee sind, wird der Feind immer der
Meinung sein, daß Sie einer zeitweiligen Notwendigkeit folgen oder neue
Kräfte zur Unterstützung Sr. Hoheit sammeln; und solche Gedanken
können Ihrer Sache nur sehr nützlich sein. Wenn aber Ew. Gnaden sich
zu weit entfernen in einer Zeit des Sturmes, dann wird dies sicher so
aufgefaßt, als habe der Steuermann das Schiff endgültig verlassen, zu
dessen Erhaltung alle menschliche Vernunft Ew. Gnaden verpflichtet,
und es wird sicher Ursache der Klage für diesen ganzen Baum werden,
von dem Sie ein Ast sind, Monseigneur, auf die man nichts zu antworten
wüßte.
Monseigneur, ich gestehe, daß ich nicht so viel zu sagen vorhatte,
aber beim Schreiben hat mich die Treue gegen Ew. Gnaden die Grenzen
überschreiten lassen, die ich mir gesetzt hatte. Schließlich werde ich ge-
drängt von der Befürchtung, daß der Gedanke an die Entfernung von
Sr. Hoheit in einer solchen Zeit lang anhalten und als Beweggrund für
eine gegenseitige Entfremdung dienen werde, die niemals förderlich ist
und Ew. Gnaden bei hundert Gelegenheiten nachteilig sein könnte. Zum
mindesten werden die Geister, die ihn beraten, sich das nicht entgehen
lassen, vielleicht mit soviel Verschlagenheit und List, daß es glaubwürdig
wirkt.
Wenn mir nicht die Zuverlässigkeit dieses Boten, vor allem aber, wenn
mir nicht die Güte Ew. Gnaden Sicherheit gäbe, würde ich nicht daran
denken, einen Brief zu schicken, der mit solchem Freimut geschrieben
ist. Aber ich weiß einerseits, daß er nicht in falsche Hände geraten wird,
daß er andererseits nur von gütigen und mir wohlgesinnten Augen gele-
sen wird. Ich schreibe ihn (wenn der allmächtige Gott mir gnädig ist)
außerdem, ohne meine Absicht anderen als zwei der untertänigsten und
treuesten Dienern, Untergebenen und Lehensmänner Ew. Gnaden mit-
zuteilen. Wenn ich das Glück habe, erhört zu werden, wünsche ich kei-
nen anderen Nutzen zu haben als die gegenseitige Zufriedenheit Sr.
Hoheit und Ew. Gnaden sowie der allgemeinen Freude Ihrer Völker
und Ihrer wahren Diener.

203
Ich bitte Gott von ganzem Herzen, daß er Ihr Herz mit seinen Gna-
den erfülle, und bin ohne Ende, Monseigneur, Ihr untertänigster und
gehorsamster Fürsprecher und Diener.
P. S. Darf ich wagen, Monseigneur, Ew. Gnaden zu bitten, diesen
Brief wie eine Beichte anzunehmen; falls er Ihnen nicht genehm ist, ihn
selbst mit seiner Vernichtung zu bestrafen, seinen Verfasser aber trotz-
dem in Anbetracht seiner Unschuld und wegen des guten Glaubens, in
dem er ihn geschrieben hat, als unveränderlich sehr gehorsamen Diener
Ew. Gnaden zu betrachten?

Annecy, 6. November 1614 (XVI,257-260) an Graf de Tournon:


Ich danke Ihnen untertänigst für die Mitteilung Ihrer Neuigkeiten,
die den unseren hier völlig gleichen, denn ich wurde ebenfalls gebeten,
dem Herzog de Nemours einen Brief zu schreiben, um ihn zur Rückkehr
zu überreden; dies alles auf die Vorstellungen seines Fiskalprokurators
hin, der sich restlos dafür einsetzt. Nun, ich habe geschrieben, um nicht
den Anschein zu erwecken, ich hätte weniger als andere den Wunsch
nach einem so großen Gut; in Wahrheit habe ich diesen Wunsch, größer
und ehrlicher als viele andere, wenn ich denke, wie das moralisch ge-
sprochen geschehen kann. Aber was vermögen diese leblosen Redner im
Vergleich zu den Dauerrednern, die lebendig sind und dem Prinzen stän-
dig mit seinem Fernbleiben von diesem Land in den Ohren liegen? Und
dann, haben sie nicht schon die Hälfte ihres Werkes vollbracht? Wenn
wir seine Abreise nicht verhindern konnten, welches Mittel haben wir,
seine Rückkehr zu erreichen?... Ich habe eine Abschrift des Briefes, den
ich geschrieben habe, und will sie Ihnen zeigen, so Gott hilft ...

Thonon, 13. Dezember 1614 (XVI,274-276) an den Herzog:


Monseigneur! Als ich die letzten sieben oder acht Tage in Sitten zur
Konsekration des Bischofs war, bemerkte ich in vielen Orten dieser Ge-
gend große Neigung zum Dienst Ew. erlauchten Hoheit. Gleichzeitig
erfuhr ich aber, daß der Gouverneur von Mailand große Anstrengungen
macht, um diesen Staat zum Verbündeten Spaniens zu machen ...
Weil das Wallis so nahe bei Savoyen und Piemont liegt, kann es für
die Interessen Ew. Hoheit nur äußerst nützlich sein, wenn zu ihm eine
Allianz und Verbindung besteht. Daher dachte ich, daß dieser Hinweis
wichtig sei und daß ich ihn Ew. Hoheit geben müsse. Ich bitte Sie unter-
tänigst, ihn gütig aufzunehmen. Ich will Ihnen auch noch sagen, daß der
junge Bischof, den wir geweiht haben, Anlaß zu großer Hoffnung gibt.
Er ist fromm, tatkräftig, von lebhaftem Geist und gewandter, als seine

204
Nation sie gewöhnlich hervorbringt, und Ew. Hoheit sehr gewogen. Er
betrachtet das Geschenk eines Bischofsrings als Ehre, den ihm der Herr
Prinz-Kardinal versprochen hat.
Was den Hauptmann Waldin betrifft, so bekennt er mehr als alle
ausdrücklich, daß er zum Dienst an Ew. Hoheit sehr bereit ist. Ich erwei-
se Ihnen untertänigst meine Reverenz ...

Thonon, 13. Dezember 1614 (XVI,276-278) an Marquis de Lans:


Bei meiner Abreise von Annecy habe ich Ihnen Mitteilung gemacht,
daß ich ins Wallis reise zur Konsekration des Bischofs von Sitten, der
mich schon lange eingeladen hatte. Ich war bei der Feier in gewissem
Sinn notwendig, weil er keinen Bischof hatte, der näher wohnte und
dieses Amt mit weniger Ungelegenheit als ich übernehmen konnte. Als
ich von dort zurückkam, fühlte ich mich verpflichtet, Sr. Hoheit Nach-
richt zu geben von den Anstrengungen des Gouverneurs von Mailand,
um das Gebiet des Wallis auf die Seite Spaniens zu bringen und Sr.
Hoheit dieses Bündnis zu stehlen ...
Diese Nachricht ist wichtig, wie Ew. Exzellenz besser wissen. Deshalb
bitte ich Sie, den beigeschlossenen Brief so schnell wie möglich Sr. Ho-
heit zuzustellen. Dazu will ich nur sagen, daß diese Leute wunderlich,
mißtrauisch und schwer zu behandeln sind, aber das weiß er selbst. Ich
hätte ihm aber in diesem Zusammenhang gern gesagt, daß sie es be-
fremdend fanden, daß Herr Valdengo nicht zur Weihe des Bischofs und
zur Versammlung erschien, die für diesen Tag angesetzt war, da er selbst
dazu die Anregung gegeben hatte, wie auch der Bischof von Sitten, daß
ihm der Prinz-Kardinal seinen Bischofsring senden werde. Wenn sich
der genannte Herr Valdengo oder irgendein anderer im Namen Sr.
Hoheit nicht am Dienstag, den 16. dieses Monats, oder bald darauf zur
Versammlung der Landstände einfindet, die gehalten wird, fürchte ich
sehr, daß dieses Bündnis mit Sr. Hoheit sich in eines mit Spanien ver-
wandeln wird ...
Es bleibt noch zu sagen, um mir das Beste für den Schluß zu sparen,
daß der neue Fürstbischof (so nennen sie ihn), sehr tüchtig ist, fromm,
gelehrt, gewandt und mutig, ein entschiedener Diener Sr. Hoheit und
ein Freund Savoyens ...

205
D. Der geistliche Freund und Berater

Die Gründung der Heimsuchung und die Leitung der Diözese mit ihren vielfälti-
gen Schwierigkeiten hindern Franz von Sales nicht, bestehende Freundschaften
zu pflegen und neue einzugehen. Manchmal geben amtliche Anlässe den Anstoß
dazu, so zur Freundschaft mit dem Herzog de Bellegarde, Antoine des Hayes und
Claude de Quoex; in anderen Fällen verwandtschaftliche Beziehungen, z. B. mit
dem Baron de Villette und dem Grafen de Tournon.
Zu seinen Freunden zählen die Bischöfe Fenouillet, Camus, Revol und Jost,
bedeutende Geistliche wie die Brüder de Quoex, Pierre de Bérulle, die Jesuiten
Polliens und Bonivard u. a. Die Ausdrücke der Demut und der Ergebenheit in
seinen Briefen hindern nicht, daß sie alle ihn als geistlichen Berater schätzen und
verehren.
Die Zahl seiner geistlichen Töchter nimmt auch außerhalb der Heimsuchung
weiter zu. Während die Korrespondenz mit der Äbtissin Bourgeois stark zurück-
geht und die mit ihrer Schwester, Mme. Brulart, im Jahre 1613 ganz aufhört,
geht sie mit Mme. de la Fléchère und anderen unvermindert weiter. In den Brie-
fen dieses Abschnitts tauchen neue Namen von Frauen auf, deren geistliche
Leitung Franz von Sales übernommen hat: Mme. de Travernay (DA 6,183; 189-
195) Mme. d’Aiguebelette (DA 6,183; 204-206), und nach den Fastenpredigten
1612 in Chambéry: Mme. de la Valbonne (DA 6,183; 209-213), Mme. de Peyzieu
(DA 6,184; 214-224), Mme. d’Escrilles (DA 6,184; 225-228) und Mme. de la
Croix d’Autherin (DA 6,184; 228-232).

Annecy, 22. Juni 1610 (XIV,318f) an François de Saint-Sixt:


Obwohl es mir bisher nicht gelungen ist, einen Ausgleich zwischen
Ihrem Herrn Bruder und Ihnen in dem Zwist herzustellen, der zwischen
Ihnen besteht, hoffe ich doch, daß ich es eines Tages zustandebringe. Ich
habe erfahren, daß Ihr Herr Bruder bei Herrn Bonod einen bestimmten
Betrag hinterlegt hat, von dem er sagt, daß er nur Ihnen zustehe. Daher
meine ich, Sie sollten in Erwartung eines endgültigen Beschlusses sich
für dieses Mal und ohne Konsequenzen damit begnügen, ihn anzuneh-
men. Darum bitte ich Sie von ganzem Herzen, von dem Sie sagen, daß
Sie es lieben ...

206
Annecy, 24. Juni 1610 (XIV,322f) an Bischof Fenouillet:
Monseigneur. In dem Leid über den Tod des großen Königs, den
Frankreich mit der Welt verliert, ist mir u. a. auch der Gedanke an den
Verlust gekommen, den Sie dadurch erleiden. Er hat Sie ja geliebt und
kannte sehr wohl die Gründe, Sie noch mehr zu lieben. Man muß aber
die erhabene Vorsehung anbeten und ihre Ratschlüsse preisen. Ihr emp-
fehle ich von ganzem Herzen den jungen neuen König und das ganze
Königreich.
Ich erwarte von Ihnen neue Nachrichten auf Ihrer Seite nach Lyon,
wenn Sie an den Hof gehen. Mein Gott, wie hart muß unser großer
Freund (A. des Hayes) von diesem Schlag getroffen werden! Denn sein
Verdienst wird möglicherweise von denen, die es klar erkennen, nicht so
eingeschätzt, wie es in den Augen dieses würdigen Monarchen war. Aber
wenden wir uns stets wieder an die Vorsehung, die in Wahrheit der
Treffpunkt unserer Wünsche ist.
Hier gibt es keine Neuigkeiten. Unser lieber Präsident (A. Favre) ist
von hier weggegangen, um der gesamten Justiz von Savoyen ruhmvoller
vorzustehen, als das je hier geschehen ist. Er hat diese Ehre erlangt
ohne Intrigen, Bewerbung und Geld, ohne andere Vermittlung als die
seiner Verdienste, deretwegen der Herr de Nemours ihn der Geneigt-
heit Sr. Hoheit empfohlen hat ...

Annecy, 30. August 1610 (XIV,341f) an Antoine des Hayes:


Dieses Blatt bringt Ihnen ganz einfach die Gedanken, die aus dem
Grund meines Herzens kommen, über den letzten Brief, den ich vor fast
sechs Wochen von Ihnen erhalten habe.
Gewiß, der Tod dieses großen Königs erfüllt mich hundertfach und
aus hundert Gründen mit Mitleid, denn er ist beklagenswert. Aber der
Gedanke an Sie nimmt mit die erste Stelle ein, daß mich Unbehagen
überfällt. Bei Gott, der überragende Geist dieses Fürsten hat als einzi-
ger Sie zu verstehen begonnen. Nun ist er Ihrer Karriere entrissen, so
daß sie nicht mehr so unangefochten blüht. Aber tun Sie, mein teurer
Herr, was ich von Herzen als gleichwertig erachte, halten Sie mutig stets
Ihre Tugenden lebendig, die obendrein unsterblich sind, und ich ver-
spreche mir die Genugtuung, zu erleben, daß die kurze Unterbrechung,
die Ihr Glück durch den Tod des großen Königs erfährt, nur dazu die-
nen wird, Ihre Karriere zu fördern. Schließlich ist es Gott, der die Zügel
unseres Lebenslaufes hält, und wir haben kein anderes Glück als seine
Vorsehung; möge sie besonders über Ihnen walten, denn Ihre Liebe gilt

207
ihr im besonderen. Ich bitte sie von ganzem Herzen, daß sie besonders
mit Frankreich sei, mit seinem kleinen König und mit seiner großen
Königin.
Darüber habe ich Ihnen bald nach dem schweren Schlag bereits ge-
schrieben, aber wie ich sehe, ist mein Brief nicht in Ihre Hände gelangt.
Es ist gut, daß Sie den Bischof von Montpellier bei sich haben, und ich
bin sicher, daß Ihre beiderseitige Klugheit Ihrem Geist alle Erleichte-
rung bringt, die man finden kann. Ich beschwöre Sie meinerseits, mein
Herr, glauben Sie, daß Sie auf der Welt kein Herz haben, das vollkom-
mener das Glück schätzte, so sehr von Ihnen geliebt zu werden ...

Annecy, 17. Dezember 1610 (XIV,388f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder, daß ich Ihnen jetzt schreibe, hat keinen anderen
Grund, als mein Herz zufriedenzustellen, denn wenn ich kann, muß ich
durch diese kleine Erleichterung das Glück ersetzen, das ich durch das
Zusammensein mit Ihnen hatte. Außerdem gilt es, die guten Bräuche zu
erhalten und Ihnen schöne Feiertage zu wünschen. Denn die Freude zu
erwarten, auf die wir fast gehofft hatten, Sie bei unserem schönen Offi-
zium und bei den würdigen Feiern unter uns zu sehen, erlauben mir
weder die Zeit noch die Pflichten, wenn es nicht in der gewohnten Weise
geschieht, durch die Sie meiner Seele immer gegenwärtig sind, vor allem
am Altar und am Weihnachtstag, an dem ich die kostbare Freude hatte,
Sie zu sehen. Wie lang ist das her? Gewiß, ich denke nicht nur daran,
denn mir scheint, daß unsere Freundschaft ohne Grenzen ist und daß
sie ganz stark in meinem Herzen eingewurzelt ist, ja sie ist älter als die-
ses. Fahren wir also fort, mein Herr Bruder, in dieser so würdigen und
so seltenen Zuneigung, damit nicht nur der Herr von Saint-Paul, son-
dern die ganze Welt sie von nun an bewundere und lobe.
Ich bin immer ein wenig in Sorge um die Gesundheit unserer lieben
Frau Präsidentin, obwohl man mir versichert, ihr Übel sei nicht so groß,
daß man sie nur die Vorbeugungsmittel gegen ein größeres nehmen
lassen müsse. Gott schenke Euch beiden gute und schöne Feiertage, er
erhalte Euch lange und glücklich ...

Annecy, 22. Dezember 1610 (XIV,390f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder, jetzt schreibe ich Ihnen nicht nur, um den schul-
digen Dank abzustatten für Ihre Beharrlichkeit im Wunsch nach dem
Wohl der Unseren; es geschieht, um Sie demütig zu bitten, durch Ihre
berechtigte Protektion diese arme Witwe zu begünstigen, die der Herr
von Conflans, nach meinem Urteil ebenso einer Ihrer Diener wie meiner

208
Freunde, mir inständig empfiehlt. Ich trage Ihnen also die Bitte vor und
wünsche Ihrer lieben Frau Präsidentin, meiner sehr teuren Schwester,
und Ihnen, mein Herr Bruder, was Sie sich vom Herzen Ihres demüti-
gen Bruders und Dieners vorstellen können ...

Annecy, 31. Dezember 1610 (XIV,395f) an Antoine Favre:

Mein Herr Bruder, ich beschließe dieses Jahr mit der Befriedigung,
Ihnen den Wunsch übermitteln zu können, den ich für Sie für das kom-
mende Jahr hege. Diese zeitlichen Jahre gehen also dahin, mein Herr
Bruder; ihre Monate verringern sich zu Wochen, die Wochen zu Tagen,
die Tage zu Stunden und die Stunden zu Augenblicken. Sie sind das
einzige, was wir besitzen; wir besitzen sie aber nur in dem Maße, als sie
vergehen und unser vergängliches Leben ausmachen, das uns gleich-
wohl sehr liebenswert sein muß. Da dieses Leben voller Trübsal ist, kön-
nen wir hier keinen zuverlässigeren Trost finden als die Gewißheit, daß
es vergeht, um jener heiligen Ewigkeit zu weichen, die uns im Reichtum
der Barmherzigkeit Gottes bereitet ist. Nach ihm strebt unsere Seele
unablässig durch die unaufhörlichen Gedanken, die ihre Natur ihr ein-
gibt, obwohl sie ihn nur durch die anderen, viel höheren Gedanken er-
hoffen kann, die der Urheber der Natur ihr eingießt.
Gewiß, mein Herr Bruder, ich denke an die Ewigkeit nie anders als
mit großer Befriedigung. Denn, sage ich, wie könnte meine Seele ihre
Gedanken bis zu dieser Unendlichkeit ausstrecken, wenn sie nicht ir-
gendeine Beziehung zu ihr hätte? Gewiß muß eine Fähigkeit, die ein Ziel
anstrebt, irgendeine Beziehung zu ihm haben. Wenn ich aber sehe, daß
mein Verlangen auf meine Gedanken über die Ewigkeit folgt, nimmt
meine Freude unvergleichlich zu, denn ich weiß, daß wir ein wahres Ver-
langen nur nach möglichen Dingen fühlen. Meine Sehnsucht versichert
mir also, daß ich die Ewigkeit besitzen kann. Was bleibt mir mehr zu tun,
als zu hoffen, daß ich sie haben werde? Das wurde mir zuteil durch die
Erkenntnis der grenzenlosen Güte dessen, der keine Seele geschaffen
hätte, die denken und nach der Ewigkeit streben kann, wenn er ihr nicht
auch die Mittel geben wollte, dorthin zu gelangen. Finden wir uns also
am Fuß des Kreuzes ein, mein Herr Bruder, es ist die Leiter, auf der wir
von diesen zeitlichen Jahren zu den ewigen Jahren emporsteigen.
Nun wünsche ich also Ihrer teuren Seele, daß diesem Jahr viele wei-
tere folgen und daß sie alle nützlich angewendet werden zur Erlangung
der Ewigkeit. Mögen Sie lang, heilig und glücklich leben unter den Ihren

209
hier unten in den vergänglichen Augenblicken, um ewig weiterzuleben in
jenem unvergänglichen Glück, für das wir leben ...

Annecy, 14. Januar 1611 (XV,14) an Mme. de Montfort:


Meine liebe Frau Cousine! Von ganzem Herzen freue ich mich über
das Glück, das Unser Herr Ihnen und meinem Cousin, dem Herrn de
Montfort, geschenkt hat, zumal die Zuneigung, mit der ich Sie ehre,
mich an allen Ereignissen teilnehmen läßt, die Sie betreffen. Gott lasse
Sie lange erleben, daß dieses Kind die Segnungen erfahre, die ihm Ihr
demütiger Cousin und Diener wünscht ...

Annecy, 12. April 1611 (XV,42) an Bischof Camus: Empfehlung eines Mannes,
der aus dem Dienst des Präsidenten Favre ausgeschieden ist.
Annecy, 13. April 1611 (XV,43-45) an Antoine des Hayes:
... Ich habe die Freude, Ihnen mitzuteilen, daß ich Sr. Hoheit dar-
über geschrieben habe, was mir Herr de Charmoisy über Ihren Wunsch
sagte, mich in der nächsten Fastenzeit in Paris zu sehen. Ich hoffe in
wenigen Tagen eine verbindliche Antwort zu erhalten. Wenn sie in unse-
rem Sinn ausfällt, kann ich mit Recht glauben, daß Gott es durch eine
besondere Fügung gewollt hat, weil der Lauf der Dinge der Welt mir
etwas günstig sein wird, wie ich denke. Denken Sie doch, mein Herr,
welche Befriedigung für mich, eines schönen Tages mich der Auszeich-
nung Ihrer Gegenwart erfreuen zu können.
Indessen ist bei mir ein junger Geistlicher, ein Neffe meines verstor-
benen Vorgängers,18 der sich Gedanken macht, auf welche Weise er drü-
ben in den Dienst irgendwelcher junger Herren zu ihrem Unterricht
treten und auf diese Weise außerdem studieren könnte. Da er weiß,
welches Vertrauen ich bei Ihnen genieße, hat er mich so gedrängt, daß
ich ihm versprechen mußte, Sie zu bitten, mir Nachricht zu geben, ob das
möglich ist. Ich füge aber trotzdem hinzu: Da der junge Mann aus einem
sehr vornehmen (aber zerrütteten) Haus stammt und da er einen sehr
lebhaften und gebildeten Geist hat, so daß es mehr sein Ermessen als
meine Meinung ist, das ihm diesen Wunsch eingibt, hat er kaum die
Voraussetzungen, um sich in die Abhängigkeit zu fügen, die diese Auf-
gabe verlangt. Aber die jungen Leute lösen die fernliegenden Schwierig-
keiten und fliehen die naheliegenden.
Nun wird es genügen, mein Herr, wenn Sie die Güte haben, mir ein
Wort zu schreiben, das ihn eines Besseren belehren kann, denn es ist
schwer mit ihm umzugehen ... Ich nehme Anteil an Ihnen und wende
freimütig diese kleine List zugunsten dieses jungen Mannes an, den ich

210
schätzen muß wegen der Hoffnung, die er gibt, zur Pflicht zurückzukeh-
ren, vor allem aber im Andenken, das ich seinem Herrn Onkel schulde.
Sie werden das alles im guten Sinn auslegen als von einem Herzen kom-
mend, das volles Vertrauen zu Ihnen hat.
Hier gibt es keine Neuigkeiten, wohl aber Drohungen (der Genfer),
unseren Kirchen noch mehr Schaden zuzufügen. Ich hoffe aber, daß
ihnen der Schutz nie zuteil wird, aus dem sie ihre Kraft zu gewinnen
hoffen, um diesen traurigen Erfolg zu erzielen. Gott möge Ihnen den
Frieden schenken, den die Welt nicht geben kann, und Sie lang und
glücklich erhalten ...

Annecy, 26. April 1611 (XV,45f) an Jacques de Bay:


Herr Martinet ... weiß, mit welcher Klugheit und Sorgfalt die jungen
Leute unter Ihrer Autorität und Leitung in Ihrem Kolleg geführt und
gebildet werden; daher wünscht er sehr, daß sein Sohn, der bisher den
Kurs in Philosophie gemacht hat, die Gunst erhalte, dort aufgenommen
und behalten zu werden, damit er seine Studien besser abschließe; dies,
ohne das Kolleg finanziell zu belasten, denn er will für seine Pension
und den notwendigen Bedarf aufkommen ... So bitte ich Sie, daß dieser
Sohn auf meine Empfehlung hin aufgenommen werde als der Sohn ei-
nes ehrenwerten und verdienten Vaters. Dadurch werden Sie mich noch
mehr verpflichten, als ich es schon bin, und ich bitte Unseren Herrn, Sie
mit seinen Gnaden zu überhäufen.

Gex, 15. Mai 1611 (XV,58) an Jean de Chatillon:


Ich bitte Sie, die Empfehlung des Überbringers anzunehmen für al-
les, was er gerechterweise von Ihrer Güte wünschen kann. Seine Armut
veranlaßt mich zu dieser Bitte ebenso, wie Ihre Verdienste mich stets
bezeugen lassen, daß ich bin ...

Annecy, 12. Juni 1611 (XV,64f) an den Herzog:


Einige tugendhafte Edelleute und ich haben die Verfolgung, die Herr
de Blonay wegen des Verlustes seines Sohnes gegen den Herrn von
Saint- Paul anstrengte, mit Gottes Hilfe durch eine gütliche und christ-
liche Beilegung der ganzen Feindschaft und Auseinandersetzung been-
det. Dessen glaubte ich Ew. Hoheit versichern zu müssen, damit es Ih-
nen leichter falle, Ihre Barmherzigkeit jenem zuzuwenden und ihm Ihre
Gnade zu schenken, der durch diesen Vergleich den Frieden einerseits,
durch Reue und Beichte die Vergebung von Gott erlangt hat. Nun bleibt
ihm nichts mehr zu wünschen als der Nachlaß der Strafe, den ihm nur
Ew. Hoheit erteilen kann, den Ihre Milde ihn erhoffen läßt ...

211
Annecy, 11. Juli 1611 (XV,77-80) an Antoine des Hayes:
Erst gestern, als der würdige Bote, der Prior der Feuillanten, zu mir
kam, erhielt ich den Brief, den Sie mir durch ihn am 6. April geschrieben
haben. Solche Zeugnisse Ihres Wohlwollens empfange ich immer mit
tausend Freuden, und wenn Ihre Briefe auch alt sind dem Datum nach,
erfüllen sie mich doch immer mit neuer Befriedigung.
Daran sehe ich aber, daß Sie lange Zeit ohne Briefe von mir waren.
Ich bekenne aufrichtig meine Schuld, aber es ist nicht die meine, son-
dern die der Boten ... Nein, mein Herr, ich bitte Sie, ändern Sie nicht die
Liebe zu mir; denn glauben Sie, daß auch ich, ob ich geschrieben habe,
was ich mit Gottes Hilfe tat, oder ob ich nicht geschrieben hätte, niemals
den Entschluß ändern werde, immer ganz wahrhaft der Ihre und ganz
der Ihre zu sein, ohne Rückhalt oder Ausnahme. Ich spreche die Spra-
che meines Herzens, nicht die dieser Zeit. Nun, nach meiner Auffassung
ist alles gesagt, wenn ich sage, daß ich ganz der Ihre bin, und es ist wenig
gesagt, wenn ich nur das sage ...
Unser Herr de Charmoisy ist in Chambéry. Vor einigen Tagen habe
ich ihm die Nachricht vom Verlust seines zweiten Sohnes, meines Paten-
kindes, gebracht. Ich glaube, daß es ihn tief getroffen hat, denn seit er
sein Herz vom Hof zurückgezogen hat, hat er es seiner Frau, seinen
Kindern und seinen Freunden zugewandt.
Ich freue mich, daß der Bischof von Montpellier in der kommenden
Fastenzeit in Paris sein wird, um sich Ihrer Gegenwart zu erfreuen, nach
der ich mich oft sehne, wie Sie glauben dürfen, aber vergeblich. Denn
mehrmals habe ich Se. Hoheit um die Erlaubnis gebeten, einmal die
Fastenpredigten in Ihrer Stadt halten zu dürfen, bis jetzt habe ich aber
keine andere Antwort erhalten als die, daß nicht daran zu denken sei.
Nichts aber kann mich daran hindern, daß ich im Geiste und mit dem
Herzen täglich bei Ihnen bin, um Sie zu ehren, zu lieben und mit allen
Kräften zu umfangen.
Die Frau Marquise de Meneley erweist mir zuviel Ehre, sich meiner
zu erinnern, und noch mehr, zu wünschen, daß ich komme. Ich bin ihr
sehr untertäniger Diener und habe große Hochachtung vor ihrem Ver-
dienst; aber über das Kommen kann ich nichts sagen, außer daß es ge-
schehen wird, sobald ich kann. Aber zu wissen, wann ich können werde,
das liegt nicht in meiner Macht.
Herr Nouvelet, der in kleinen Schritten dem Ende seines Lebens
entgegengeht, wünscht, daß ich Sie seiner demütigen Liebe versichere.
Vor allem versichere ich Sie der meinen ...

212
P. S. Ich habe Gott gepriesen, als ich von Lyon die Nachricht erhielt,
daß Sie von einer schweren Krankheit genesen sind, ehe ich erfuhr, daß
Sie von ihr befallen wurden. Gott erhalte Sie, und ich freue mich mit
Ihrer Frau Gemahlin, deren demütiger Diener ich ebenso bin.

Annecy, 1.–5. September 1611 (XV,93-97) an Bénigne Milletot:


Ihre Briefe voll Liebe und Vertrauen gegen mich verlangen von mir
mit sanfter Gewalt eine klare Antwort zu drei Punkten. Zum ersten wird
Ihnen die gute Frau Chantal ihre und zugleich meine Meinung sagen,
was für den Eintritt Ihrer Tochter in diese Kongregation erforderlich
ist. Ich habe die gute Frau außerdem gebeten, Ihnen meinerseits die
Versicherung zu geben, die Sie zweimal mit äußerster Freundlichkeit
von mir erbeten haben; aber ich muß sie trotzdem hier eigenhändig schrei-
ben, wie ich sie von ganzem Herzen empfinde.
Es ist wahr, mein Herr, daß meine Freundschaft mit dem Tod meiner
Freunde nicht stirbt, sondern wenn irgendeine Veränderung eintritt,
dann die einer Wiedergeburt, die sie lebendiger und stärker aus der
Asche erstehen läßt wie einen mystischen Phönix. Denn wenn auch die
Menschen sterblich sind, die ich liebe, so ist doch das unsterblich, was ich
an ihnen vor allem liebe, und ich habe als Grundregel für die Erkenntnis
der wahren Freundschaften immer das betrachtet, was Aristoteles, der
hl. Hieronymus und der hl. Augustinus so feierlich ausgesprochen ha-
ben: Amicitia quae desinere potuit, numquam vera fuit.
Bei Gott, der gute Herr Präsident (Frémyot) ist in meinem Herzen
stets lebendig und er nimmt darin den Rang ein, der ihm zukommt durch
so viele Gunsterweise, die ich von ihm empfangen habe, und durch so
viele würdige Eigenschaften, die ich an ihm erkannt habe. Aber die ge-
genseitige Mitteilung, die ich mit ihm mit solchem Vertrauen kaum be-
gonnen hatte, hat aufgehört und ist umgewandelt in die Übung des ge-
genseitigen Gebetes, das der eine für den anderen verrichtet: er, da er
weiß, wie sehr ich es brauche, ich im Zweifel, ob er es nötig hat. Wenn es
Ihnen gefällt und wenn Sie es wollen, sage ich Ihnen von ganzem Her-
zen: Nehmen Sie den Platz in dieser Gemeinsamkeit ein, mein Herr,
mein Herz wird Sie ebenso achten, ebenso lieben, Ihnen seine Gedanken
zuwenden mit einer Liebe, die die Regeln der Hochachtung nicht ver-
letzt, und mit einer Hochachtung, die sich niemals von der Verpflichtung
der Liebe trennt.
Aber beginnen wir auf dieser Grundlage zu sprechen, wie es zwi-
schen Freunden notwendig ist, und kommen wir zum dritten Punkt, auf
den ich Ihnen antworten muß. In Ihrem Buch sehe ich zwei Dinge: ei-

213
nerseits die Handschrift des Künstlers, andererseits den Stoff und den
Gegenstand. Ihre Hand finde ich wirklich gut und lobenswert, aber der
Inhalt mißfällt mir sehr ...19
Ich hasse aus natürlicher Neigung, durch die Art meiner Erziehung,
durch eine Scheu infolge meiner gewöhnlichen Überlegungen und, wie
ich denke, durch himmlische Eingebung alle Streitigkeiten und Ausein-
andersetzungen unter Katholiken, deren Ziel unnütz, und noch mehr
jene, deren Ergebnis nichts anderes sein kann als Uneinigkeit und Zwie-
tracht, besonders in dieser Zeit, reich an Geistern, die zu Kontroversen,
Verleumdungen, Zensuren und zum Ruin der Liebe neigen.
Nein, ich habe nicht einmal bestimmte Schriften eines heiligen und
ausgezeichneten Prälaten nach meinem Geschmack gefunden, in denen
er die indirekte Gewalt des Papstes über die Fürsten berührt, nicht weil
ich der Überzeugung wäre, daß es so ist oder nicht so ist, sondern weil
ich glaube, daß wir im Innern der Kirche nichts erschüttern dürfen ... O,
ich weiß, ich glaube und ich schwöre bei allem, daß Sie die Kirche lieben,
daß Sie stets ihr treuer Sohn sind; aber der Eifer für die Autorität, die
Sie so lange und so glücklich besaßen, hat Sie etwas zu weit getrieben. Es
lebe Gott! Mein Herr, ich liebe Sie bei all dem von ganzem Herzen ...
Im übrigen weiß Gott, wie kostbar mir Ihre liebe Tochter ist wie eine
eigene Schwester ...

Saint-Julien, 12. Oktober 1611 (XV, 109f) an Baron de Villette:

Mein Herr Onkel! Welcher Schmerz erfaßte mich bei der traurigen
Nachricht vom Tod meiner Frau Tante, die mich so zärtlich und herzlich
liebte, der ich mit Recht von ganzem Herzen ergeben war. Ich käme
selbst, um Ihnen mein Mitgefühl zu bezeigen, wenn ich glaubte, dadurch
Ihren Schmerz erleichtern zu können ...
Im übrigen ist diese bittere Trennung insofern weniger hart, als sie
nicht lange dauert. Wir hoffen nicht nur, sondern wir streben nach der
glücklichen Ruhe, in der diese Seele ist oder bald sein wird. Nehmen wir
diese kleine Wartezeit gern an, die uns hier unten auferlegt ist, ich bitte
Sie, und statt unsere Seufzer und Tränen über sie zu vermehren, gießen
wir sie vor Unserem Herrn aus, damit es ihm gefalle, sie schneller in die
Arme seiner göttlichen Güte aufzunehmen, wenn er ihr diese Gnade
noch nicht geschenkt hätte.
Gewiß, ich empfing meinerseits viel Trost aus meiner Kenntnis des
Inneren der guten Tante, das sie mir öfter mit größtem Vertrauen in der

214
heiligen Beichte eröffnete; denn daraus gewinne ich die Sicherheit, daß
die göttliche Vorsehung, die ihr ein so frommes und christliches Herz
schenkte, sie bei ihrem Hinscheiden von uns mit Segnungen erfüllt hat.
Loben und preisen wir Gott, mein teuerster Herr Onkel, beten wir die
Weisheit seiner Fügungen an, anerkennen wir die Begrenztheit und Un-
beständigkeit dieses Lebens und streben wir nach dem Frieden des künf-
tigen. Ich gehe nun in die Kirche, wo ich beim heiligen Opfer die Fürbit-
ten für diese liebe und teure Seele beginnen werde und jene, die ich für
immer fortsetzen muß für Sie und alle, die sie am meisten liebte ...

Im Oktober 1611 (XV, 113f) an Bénigne Milletot: Dank für die gute Aufnahme
der kritischen Bemerkungen zum Buch über die weltliche Gewalt.
Annecy, 1. Januar 1612 (XV, 145) an Bénigne Milletot:
Am Beginn des neuen Jahres bitte ich Sie, die Erneuerung des Ange-
bots meines sehr demütigen Dienstes anzunehmen, verbunden mit gro-
ßer Zuneigung, Aufrichtigkeit und Hochachtung, die ich Ihnen schon
früher entgegenbrachte. Wenn Unser Herr meine Wünsche erhört, wird
dieses Jahr ein Jahr des Glückes, der Zufriedenheit und des Segens für
Sie, in Ihnen und um Sie, mein Herr; ihm wird dann eine große Zahl
gleicher folgen, die schließlich einmünden in das ewige Jahr, in dem Sie
sich unsterblich des Urhebers alles wahren Glückes und Segens erfreu-
en werden. Das ist der Wunsch Ihres sehr demütigen und sehr ergebe-
nen Dieners in Unserem Herrn.

Annecy, im Januar 1612 (XV, 148f) an Antoine des Hayes: Nach dem Ausdruck
der Freude über die Genesung des Freundes, der Versicherung des Gebetes und
ständigen Gedenkens eine Anspielung auf die Heiratspläne zwischen Savoyen
und Frankreich:
... denn über das hinaus, was ich dachte, hat es den Vorteil, daß es
keineswegs außerhalb der Möglichkeit liegt, vielleicht viel eher nach Pa-
ris zu kommen, als ich denke. Sie können sich wohl denken, weshalb,
aber das sage ich zwischen uns beiden. Se. Hoheit hat ihm (Nemours)
von neuem versprochen, diese Heirat anzustreben, entweder während
der bevorstehenden Fastenzeit oder nach Ostern; die Zeit nach Ostern
kann aber sehr lange dauern ...

Annecy, 20. Januar 1612 (XV, 154f) an Pierre de Bérulle:


... Ich versuche Ihnen ein Zeugnis meines glühenden Wunsches zu
geben, Ihnen irgendeinen Dienst bei der Errichtung, Gründung und
Förderung Ihrer Kongregation zu leisten, die ich für eine der fruchtbar-

215
sten apostolischen Taten halte, die in Frankreich geschehen sind, und das
seit langer Zeit. Ich sehe aber wohl, daß ich nicht das Glück habe, etwas
anderes dazu beizutragen als meine guten Wünsche und meine Gebete ...
Wenn ich auch ganz unnütz für Sie bin, so war ich es nicht und werde
es nie sein ohne große Vorliebe für dieses Vorhaben, das so sehr zur
Ehre unseres Herrn und zur Förderung der Frömmigkeit gereicht. Soll-
te sich aber jemals eine Gelegenheit bieten, Ihnen einen Dienst zu er-
weisen, so bitte ich Sie, es mir zu sagen ...

Annecy, 21. Januar 1612 (XV,156f) an Mlle. Acarie:


... Ihren Wunsch, mich dort zu haben, teile ich meinerseits vollstän-
dig, denn ich denke, eine Reise wäre sehr nützlich, nicht für andere,
sondern für mich. Durch das Zusammentreffen mit so vielen guten Men-
schen würden die Entschlüsse und mein Geist erneuert, was in meinem
Beruf notwendig ist.
Mehr, als ich sagen kann, wünschte ich im Dienst der frommen Kon-
gregation nützlich zu sein, die jetzt unter der Leitung des Herrn de
Bérulle aufblüht. Ich halte sie für eine der fruchtbarsten Aufgaben, die
je in Paris erfüllt wurden. Aber ich kann in keiner Weise nützen. Unser
Herr hat mich nicht für würdig gehalten, und die Sache, deretwegen
Herr de Bérulle mir geschrieben hat, ist unmöglich, wenn ich auch gern
mein Möglichstes beigetragen hätte, falls Aussicht auf Erfolg bestünde.
Gott, der durch seine Barmherzigkeit der Urheber dieser gesegne-
ten Gemeinschaft ist, wird sie aufnehmen, fördern und verbreiten zum
Heil und zur Vervollkommnung vieler. Darum bitte ich ihn ...

Chambéry, 26. März 1612 (XV,196f) an den Herzog: Bittschrift um Freilassung


des unschuldig eingekerkerten Herrn Chapperon.
Chambéry, 29. März 1612 (XV,201f) an Antoine des Hayes: Grüße und verschie-
dene Nachrichten.
Annecy, 10. Juni 1612 (XV,227-229) an Dom Pierre de Flottes:
Gewiß, hochwürdiger Pater, ich wünsche sehr, aus dem Gedränge
meiner nutzlosen Geschäfte irgend ein kleines Werk über die Frömmig-
keit gewinnen zu können, das in etwa den Wünschen entspricht, die Ihre
Liebe hegt; aber es ist sehr wahr, daß ich es jetzt keineswegs zu erhoffen
wage. Was ich am ehesten bereit habe, betrifft die Lebensführung der
Geistlichen meiner Diözese; mit Gottes Hilfe werde ich es Ihnen durch
diesen Boten schicken, der nicht nur mein Diözesan ist, sondern sich
auch bisher bei ähnlichen Gelegenheiten bewährt hat, außerdem weil Sie
es wollen ...

216
Hochwürdiger Pater, ich schreibe Ihnen in der Tat ohne Muße und
fast außer Atem am Pfingstmorgen. Fast alle unsere Kanzeln sind mit
Kapuzinern besetzt, die acht Häuser haben, zum größten Teil neuer-
dings gegründet. Ich kann Ihnen sagen, daß ich mit Ausnahme dieser
Stadt nicht wage, einen Prediger vorzuschlagen, der einen Tag braucht,
um herzukommen.

Annecy, 18. Juni 1612 (XV,236f) an den Herzog:


Monseigneur! Nachdem Herr Chapperon durch die Güte und Gerech-
tigkeit Ew. Hoheit die Freiheit erhalten hat, wollte er zu Ihnen kommen, um
Ihnen seinen demütigen Dank zu Füßen zu legen, den er Ihnen schuldet.
Und ich, Monseigneur, der sich für ihn eingesetzt hat, schließe mich dieser
Danksagung an, bitte Unseren Herrn, daß er Ew. Hoheit mit Gunst über-
häufe, und bleibe Ihr sehr demütiger ... Diener und Fürsprecher.

Annecy, 21. Juni 1612 (XV,237-239) an Bischof d’Esne von Tournai:


Monseigneur, ich werde von nun an das armselige kleine Büchlein
der „Anleitung zum frommen Leben“ noch zärtlicher als bisher lieben,
weil es mir die Ehre Ihres frommen Wohlwollens einbrachte, und ich
werde mich dem P. Irenäus noch mehr verpflichtet fühlen, der mir die
Genugtuung verschaffte, mir dies als erster mitzuteilen. Schließlich schul-
de ich aber Ihrer Güte demütigsten Dank, die dem Werk so geneigt war,
es zu billigen, und dem Verfasser, ihn zu lieben. Ich sage Ihnen also
demütigsten Dank, auch für Ihre guten Wünsche für meine Wiederein-
setzung in meiner bedauernswerten Stadt Genf ...
Ich werde die Übersetzungen in Ehren halten, die Sie mir zu schik-
ken beliebten, nicht nur weil ich diese Art von Schriften sehr schätze,
sondern auch weil sie mir ein Unterpfand dafür sind, daß ich Ihre Gunst
genieße. Ich bitte Sie, Monseigneur, mir diese zu erhalten als einem
Menschen, der sie wie kein anderer schätzt und ehrt ...

Annecy, 30. Juni 1612 (XV,243) an den Herzog:


Monseigneur, dieser Edelmann, der in der Gegend mehrere emp-
fehlenswerte Verwandte hat, wendet sich an die Gerechtigkeit Ew. Ho-
heit, um einen Mann zur Verantwortung zu ziehen, der gegenwärtig in
Turin ist, schon als unredlich bekannt, wie er ihn fühlen ließ. Da keinem
Gerechtigkeit versagt wird, wer er auch sei, wenn Ew. Hoheit ihm beson-
dere Protektion dafür gewährt, hofft er sich sehr bald ihrer Früchte zu
erfreuen, die er begehrt. Darum fleht er Ihre Güte an, und ich füge
meine untertänigste Fürsprache hinzu ...

217
Annecy, 7. August 1612 (XV,256f) an einen Adeligen:
Durch den Arzt Grandis habe ich vom schmerzlichen, aber glückli-
chen Hinscheiden Ihrer lieben Frau Gemahlin erfahren. Gewiß, mein
Herz wurde so lebhaft getroffen wie von keinem anderen Verlust seit
langer Zeit; denn die Güte, die Frömmigkeit und die Tugend, die ich in
dieser schönen Seele sah, haben mich derart verpflichtet, sie zu schät-
zen, daß ich nunmehr feierlich Zeugnis dafür ablege. Wie glücklich ist
die teure Frau, daß sie in allen Schmerzen und Nöten die schuldige
Treue gegen Gott bewahrte, und es gereicht mir zum Trost, daß ich einen
Teil der liebevollen Worte hörte, die ihr Geist mit ihren letzten Seufzern
in den Schoß der göttlichen Barmherzigkeit sandte ...
Habe ich nicht eine unsterbliche Verpflichtung gegenüber der Gunst,
die sie mir erwies, daß sie meiner gedachte und daß sie mich ihr ganz
ergeben in Unserem Herrn wußte? Die Erinnerung daran wird nie aus
meiner Seele weichen, und da ich den überaus treuen Dienst nicht mehr
leisten kann, den ich ihrer Tugend und Frömmigkeit gewidmet hatte,
bitte ich Sie, mein Herr, diesen anzunehmen und in Anspruch zu neh-
men, verbunden mit der Hochschätzung Ihres Wohlwollens, die mein
Empfinden schon bisher erfüllte. Beugen wir uns den Fügungen der
göttlichen Vorsehung, mein Herr; Fügungen, die immer gerecht, immer
heilig, immer anbetungswürdig sind, wenn auch undurchsichtig und dun-
kel für unseren Verstand.
Diese schöne, fromme Seele ist verschieden mit einem Gewissen,
daß wir glücklich sterben, wann immer es sei, wenn Gott uns die Gnade
schenkt, im gleichen Zustand zu sterben. Anerkennen wir die Gnade,
die Gott ihr erwiesen hat, und üben wir sanfte Geduld für die kurze Zeit,
die wir hier unten ohne sie leben müssen, da wir die Hoffnung haben, im
Himmel ewig mit ihr vereinigt zu sein in einer unaufhörlichen und un-
wandelbaren Gemeinschaft.
Mein Herr, ich werde mein Leben lang Segnungen ausgießen über
Ihre liebe Verstorbene und unveränderlich Ihr ... Diener sein.

Annecy, 25. September 1612 (XV,267f) an Claude de Blonay:


Ich hatte die Hoffnung auf die Reise nach Mailand aufgegeben, weil
ich nicht das nötige Geld zu haben glaubte; aber siehe, mit einem Schlag
taucht unvermutet eine Hoffnung auf, mehr Mittel zu haben, als ich
brauche, weil ich nicht länger als drei Wochen unterwegs sein werde. Ist
es nicht der heilige Erzbischof, den wir verehren wollen, der für seine
Verehrer sorgt?

218
Wichtig ist aber zu wissen, was der Herr Abt sagt, der unser Raphael
auf dieser Pilgerfahrt sein soll. Ich bitte Sie, das von ihm zu erfahren,
denn wenn er es für nötig hält, wollen wir zum Fest des Heiligen dort
sein und zum Advent zurückkommen. Teilen Sie es mir bitte möglichst
bald mit, denn wenn wir reisen sollen, müssen wir aufbrechen. Wenn es
aber günstiger ist, wollen wir bis zum Frühjahr warten ...

Annecy, 11. Oktober 1612 (XV,276f) an Amédée de Villette:


Mein Herr Onkel! Da ich weiß, daß Ihre plötzliche Abreise ihren
Grund nur in einer Angelegenheit von großer Wichtigkeit haben kann,
werde ich Unseren Herrn um so inständiger bitten, daß er Ihnen mit
seinem Geist des Rates und der Stärke beistehe, um jene zu gerechten
und geeigneten Beschlüssen zu überreden, die vielleicht nicht sehr gut
eingestellt sind.
Herr Carrel, der vom Chablais zurückkam, sagte mir, daß die Pest
sich in fünf oder sechs Orten des Waadtlandes ausgebreitet habe. Das
könnte Ihre Reise erschweren, aber Ihre Klugheit wird dieses Hindernis
bewältigen, indem Sie die zu Ihrem Schutz geeigneten Umwege machen;
bitte, lassen Sie sich das auf alle Fälle empfohlen sein.
Meine kleine Cousine gibt uns bei allen Vorkommnissen Grund zur
Zufriedenheit; denn obwohl ihr Geist nicht zu einem zurückgezogenen
und klösterlichen Leben neigt, ist sie doch fest entschlossen, immer mehr
tugendhaft und fromm zu werden; dadurch werden Sie nur große Ge-
nugtuung von ihr erfahren. Frau von Chantal liebt sie zärtlich und hat
die Hoffnung, daß sie sich durchwegs sehr gut führen wird. Ich habe
meinerseits begonnen, sie als meine Tochter zu betrachten, und werde
mit Ihrer Erlaubnis nie aufhören, mein Herr Onkel, wie ich unveränder-
lich Ihr sehr demütiger Neffe und Diener bin.

Annecy, 19. Februar 1613 (XV,351f) an P. de Lesseau: 20


Hochwürdiger Pater, Sie verpflichten mich sehr durch das Zeugnis
Ihrer Zuneigung zu mir, das ich so wenig nach meinem Wunsch zu erwi-
dern vermag mit einigermaßen gutem Effekt von Dankbarkeit für die
Ehre, die Sie mir erwiesen, was ich in Wahrheit sehr gewünscht hätte.
Abgesehen davon ist es schade, daß Sie Ihren Geist, der sich besser
würdigeren Gegenständen zuwendet, damit befassen, einem Mann von
so geringem Verdienst zu huldigen. Es ist schade, auf einem derben
Stoff so zart zu sticken: „Non omnes arbusta juvant humilesque miris-
cae.“ Gleichwohl danke ich Ihnen sehr demütig, hochwürdiger Pater,
und werde nicht verfehlen, Sie mit abertausend guten Wünschen zu über-
häufen ...

219
Annecy, 28. März 1613 (XV,359-361) an Claude de Blonay:

Aus Ihrem Brief und dem, was ich von Herrn de Sainte-Catherine
erfahren habe, sehe ich, daß dem Herrn Abt unsere Pilgerfahrt sehr
ungelegen kommt, die er ohnehin nur unternimmt, um mir einen Gefal-
len zu erweisen. Wenn ich außerdem bedenke, daß es für seine Gesund-
heit abträglich ist, befürchte ich sehr, daß es eine zu große Belastung für
ihn sei, die Reise zu unternehmen. Ich bitte Sie daher, erweisen Sie mir
die Gefälligkeit, ihn bei all seinem Wohlwollen für mich zu beschwören,
sich nicht in Gefahr zu begeben, weder in den Ausgaben noch in der Last
und Mühe der Reise, weil er nur auf meine Beruhigung bedacht ist. Ich
gestehe, sie wäre zu schwach, wenn ich sie durch so großes Ungemach
eines Menschen erlangte, den ich sehr liebe und schätze.
Was mich betrifft, so ist die Reise nach Turin, die ich früher selbst
wollte, gegenwärtig aus verschiedenen Gründen notwendig. Wenn ich
dort bin, kann ich leicht nach Mailand reisen, um die schon so lange
beschlossene Verehrung am Grab des glorreichen hl. Karl abzustatten.
Und wenn es hier auch bestimmte Dinge gibt, bei denen man von Ex-
kommunikationen spricht, werde ich nicht unterlassen, mich auf den
Weg zu machen, in der Hoffnung, daß Gott mir bei allen Vorkommnis-
sen die Gnade schenkt, meine Pflicht gegen die Kirche und den Fürsten
nicht zu versäumen.
Kurz, lassen Sie nicht zu, daß der Herr Abt diese große Anstrengung
auf sich nimmt, daß er vor allem Rücksicht auf seine Gesundheit nimmt,
denn es wäre mir sehr peinlich, ihn leiden zu sehen, und ein ständiges
Unbehagen, ihn in Gefahr zu wissen. Vor allem aber versäumen Sie nicht,
mir möglichst bald mitzuteilen, welche Wirkung Ihre Vorstellungen ha-
ben. Denn je nach der Nachricht, die ich bekomme, werde ich anders
über meine Abreise entscheiden, möglicherweise auch über die Art der
Reise, zu Fuß oder zu Pferd nach Turin zu reisen.
Ich erfahre, daß auch Sie und der Herr Pfarrer von Bons diese Reise
nur mit Unbehagen machen, und ich bitte Sie von ganzem Herzen, sich
keine Ungelegenheiten zu machen und auch den Pfarrer von Bons dazu
zu überreden. Denn ehe ich meinen Freunden in einer Sache zur Last
falle, die nicht notwendig ist, gebe ich die Reise ganz auf. Geben Sie mir
bitte Antwort und machen Sie sich nur die Mühe, mich nach Ostern hier
zu besuchen, um zu besprechen, was ich zweckmäßig für unsere kirchli-
chen Belange bei Sr. Hoheit unternehmen kann. Dann lassen Sie mich
mein kleines Unternehmen ausführen und glauben Sie, daß alles gut
und ohne Gefahr verlaufen wird ...

220
P. S. Ich bekomme Nachrichten, deretwegen ich vielleicht etwas frü-
her abreisen muß. So muß man sich nach der Zeit richten, vor allem aber
darnach, was Gott durch seine Vorsehung zuläßt.

Annecy, Ende Mai 1613 (XVI,16f) an Mme. de Giez:


... Es ist ein außerordentlicher Gewinn, daß Sie inmitten der An-
nehmlichkeiten der Welt, im Frühling der Jugend und unter den Huldi-
gungen vieler die heiligen Tugenden lieben und schätzen. Demut, Be-
scheidenheit und Milde sind jene, die die ganze heilige Frömmigkeit
enthalten. Herr, sagte König David, „du hast mich gelehrt von Jugend
an, und bis jetzt habe ich deine Wundertaten verkündet“. Wessen bedarf
es noch, außer daß es der erhabenen Güte gefalle, Sie an der Hand zu
halten, damit Sie mit dem gleichen König sagen können: „Herr, mein
Gott, verlaß mich nicht bis in mein Alter und meine Gebrechlichkeit.“
Lassen Sie dieses Morgengrauen zunehmen bis zum vollen Mittag der
heiligen Gottesliebe und Ihren blühenden Frühling sich in einen frucht-
baren Herbst verwandeln ...
Sie sind sehr glücklich, einen so christlichen Gatten zu haben, den
Gott in seiner Güte Ihnen geschenkt hat, denn das Joch des Erlösers,
das in sich so milde und leicht ist, wird es noch mehr, wenn zwei es
gemeinsam tragen ...

Annecy, 6. Juli 1613 (XVI,39) an die Herzogin von Mercoeur:


Madame, die günstige Gelegenheit eines so würdigen Boten gab mir
den Mut, Ihnen die Reliquien vom großen hl. Karl Borromäus zu über-
reichen, die ich aus Mailand mitgebracht habe. Er ist ein Heiliger, der in
dieser gleichen Zeit wie wir lebte, aber nach der Art der Bischöfe in der
Vorzeit, unter denen die Kirche so aufblühte. Madame, mir scheint, daß
ich Ihnen keine angenehmere Gabe anbieten kann und keine, die besser
bezeugte, daß ich bei meiner Pilgerfahrt nicht vergaß, der göttlichen
Majestät durch die Vermittlung dieses großen Dieners seiner Ehre Ihre
Gelöbnisse und Wünsche darzubringen.
So will ich ob tausend großer Verpflichtungen, die ich habe, mein
ganzes Leben lang unablässig die Gnade und himmlische Güte auf Sie
herabrufen, Madame, und unveränderlich bleiben Ihr sehr demütiger
und sehr gehorsamer Diener.

Annecy, 8. Juli 1613 (XVI,40f) an Claude de Blonay:


Soviel ich erkennen kann, bin ich der Ansicht, daß Sie kommen kön-
nen und müssen, denn Herr d’Avise bleibt bei seinem Wort und das

221
Fräulein erwidert seine Liebe. Sie ist in La Thuille, wo unser Jacques sie
treffen wird, wenn sie nicht zufällig heute hierher kommt, da sie eingela-
den ist, mit Mme. de la Thuille und ihrer Schwester die Stadt zu besu-
chen, allerdings unter dem Vorwand, die Heimsuchung zu besichtigen.
Alle anderen Neuigkeiten werden Sie durch den Herrn Abt erfahren
und durch den Brief von Jacques, der sterblich verliebt ist. Wer ihm
zuhören wollte, der wäre Tag und Nacht mit dem Gespräch über seine
Liebe befaßt. Ich denke, je eher die Sache zum Abschluß kommt, um so
besser wird es sein ...

Annecy, 11. Juli 1613 (XVI,43f) an Pierre de Bérulle: Empfehlung eines Geist-
lichen, der in das Oratorium eintreten will. Am gleichen Tag (XVI,44f) ein Be-
gleitschreiben an Nicolas de Soulfour.
Annecy, 24. August 1613 (XVI,55-58) an Roger de Bellegarde: persönlicher
Beichtspiegel und Weisungen für ein christliches Leben in seinem Stand (DA
6,246-248).
Annecy, 4. November 1613 (XVI,88-90) an Graf de Tournon:
Ich war in Belley, als Herr de Blonay durch diese Stadt kam, und ich
fand bei meiner Rückkehr den Brief, den Sie mir am 18. des vergangenen
Monats zu schreiben beliebten. Darin weisen Sie mich auf einen Bericht
hin, den er mir über bestimmte Einzelheiten geben wird. Bis zu seiner
Rückkehr aus dem Chablais werde ich also im Unklaren darüber sein;
aber ich warte geduldig, denn was ich am meisten zu erfahren wünschte,
wird mir ausführlich durch Ihren Brief bestätigt: daß Sie gesund sind
und wir Ihr Wohlwollen genießen, das sogar so weit geht, rühmlich mei-
ner Brüder zu gedenken; Sie deuten das zwar versteckt in Ihrem Brief
an, Herr de Blonay hat es aber offener meinem Bruder de Thorens
mitgeteilt, den er auf seiner Reise mit seinem Besuch beehrte. Was kann
ich dazu sagen, mein Herr? Da Sie der Edelmut Ihres Charakters drängt,
uns ganz ohne Verdienst zu lieben, bitte ich Sie, uns Ihre Liebe zu be-
wahren. Obwohl die Unzulänglichkeit und der geringe Wohlstand meine
Freunde hindert, das Gute und die Ehre anzunehmen, die Sie ihnen
wünschen, kann ihnen schon der Vorschlag allein nur sehr erwünscht
sein; er wird zum mindesten einen gewissen Anfang des guten Eindrucks
beim Fürsten bewirken. Sie und ich mit ihnen sind Ihnen deshalb sehr
verpflichtet, mein Herr, durch diese neue Verpflichtung, die uns stets
mehr zu Ihren Dienern macht.
Indessen wird die neue Gesandtschaft, die Se. Hoheit Ihnen anver-
traut, zwar viele Pflichten aber auch große Ehren mit sich bringen. Dar-
unter scheint mir die größte und ehrenvollste, die Ihnen übertragen

222
wird, der Auftrag zu sein, die Unordnung und die Mängel zu heilen, die
in seinem Dienst vorgekommen sind. Gehen Sie also, mein Herr, auf
einem guten Weg und kommen Sie bald zurück mit der Befriedigung, die
Se. Hoheit selbst erwartet von Ihrer Anstrengung und Ihrem Eifer in
einem so wichtigen Dienst.
Hier ist der gute Herr Präsident de Buttet; er ist sehr krank. Die
Ärzte schwanken zwischen Bangen und Hoffnung um sein Leben. Fast
alle guten Leute sind voll Kummer und bezeugen, wie sie ihn schätzen.
Es ist nicht zu sagen, welchen Wert der Bischof von Belley auf Ihre Freund-
schaft legt, wie er mir während der letzten zehn Tage oft wiederholte, die
ich bei ihm war. Er schreibt unablässig den ganzen Tag und verwirft stän-
dig, was er vorher geschrieben hat.
Wir haben den Marquis de Lans gesehen, der morgen von la Roche
hierher zurückkommt.
Das sind alle unsere Neuigkeiten, oder wenigstens die meinen, von
mir, der fern von den Ereignissen und Geschäften jener lebt, die sie
betreiben. In Erwartung der Ihren durch meine Frau Cousine, wie Sie
mich hoffen machten, bitte ich Gott, daß er Sie beide geleite und mit
Segnungen erfülle ...

Annecy, 10. Januar 1614 (XVI,135-137) an P. Nicolas de Soulfour:


Ich sende Ihnen meine Antworten an den Bischof von Bazas und an
Herrn Dubois de Fontaines, und es wird Ihre Sache sein, bitte, ihnen
meine Absichten annehmbar zu machen, da Sie ihnen die Absicht einge-
geben haben, mich zu lieben. Indes richte ich nach Ihrem Rat an den
Letzteren ein Wort der Ermutigung, in Tours ein Haus der Kongregati-
on zu errichten. Die Kongregation habe ich ins Herz geschlossen, ich
denke, schon vor Herrn de Bérulle und vor Ihnen. Ich bin nicht würdig,
dieser Kongregation anzugehören, wünsche aber trotzdem sehr, in ihr
irgendeinen Platz zu haben. Sagen Sie mir indessen, ehe ich diesen Ge-
genstand verlasse, wäre es eine große und tadelnswerte Neugierde, et-
was mehr an Einzelheiten ihrer Verfassung und Lebensweise wissen zu
wollen? Denn sehen Sie, ich scheue mich, Sie darum zu bitten, kann
mich aber dessen kaum enthalten. Das ist genug für einen erfahrenen
Beobachter, der mich sehr liebt.
Im übrigen schlägt mir der Bischof von Bazas eine kleine Arbeit vor,
die ich gern jetzt schon machen würde, da ich seinen Wunsch als Einge-
bung auffasse. Aber ich bin noch ein wenig gebunden durch eine Ab-
handlung über die Gottesliebe; ich würde es als eine Sünde erachten, sie

223
jetzt unvollendet zu lassen, weil nur mehr – ich weiß nicht, wie viele –
Monate fehlen, um sie zu veröffentlichen. Ich bitte Sie also, lassen Sie
ihn diese Nachricht gut aufnehmen, die ich ihm gebe, aber ich wage
nicht, daß irgendein anderes Werk dieses bedränge. Ach, ich versichere
Ihnen, guter Herr, ich bin so mit Geschäften, oder besser gesagt mit
Hindernissen überhäuft, daß ich kaum dann und wann eine Viertelstun-
de stehlen kann, um sie für die geistlichen Schriften zu verwenden.
Nun denn, Grüße an alle, die mich nach Ihrer Kenntnis lieben, und
tausendfachen Lobpreis Gott für die Ruhe, die er Ihnen in dieser heili-
gen Kongregation geschenkt hat ...
P. S. Teilen Sie mir bitte den Titel der Kongregation mit, damit ich die
richtige Anschrift schreiben kann; und sehr demütigen Gruß an Mlle.
Acarie.

Annecy, 22. Februar 1614 (XVI,158-165) an Bischof Hildebrand Jost:21


Hochwürdiger, sehr geehrter Herr in Christus! Der Tod Ihres Vor-
gängers, des hochwürdigsten Herrn Adrian, hat meine Seele mit tiefster
und wahrhaft persönlicher Trauer erfüllt, nicht nur wegen der großen
Verehrung, die ich für den großen Bischof hatte, oder wegen des Wohl-
wollens, mit dem er mich seinerseits auszeichnete, sondern am meisten
deswegen, weil die berühmte Kirche von Sitten und das ganze Volk des
Wallis dieses ausgezeichneten Fürsten und Hirten in schwerer Zeit und
allzu früh beraubt wurde, da wir keinen in jener Gegend dem verstorbe-
nen Bischof an Eifer und Erfahrung vergleichbar glaubten, um die Reli-
gion des ererbten katholischen Glaubens zu erhalten und zu vermehren.
Als ich aber durch den hochwürdigen Kanoniker Ihrer Kirche, der
wegen der Weihen kam, von Ihrer Erhebung und von der Fülle Ihrer
außergewöhnlichen Gaben eingehender und ausführlicher hörte, da hat
sich meine Trauer in Freude verwandelt und unser Klagelied in Zither-
spiel, damit wir Gott reichen Dank sagen, daß er sein Licht in Jerusalem
nicht erlöschen ließ, daß er an Stelle des Vaters den Sohn erweckt hat,
damit er ihn über die Stadt Sitten setze, die wir Sion nennen.
Darauf haben wir durch Freunde (unter denen schon bisher der edle
Herr Quartery einen der ersten Plätze einnimmt) Ihrer erhabenen und
ehrwürdigen Herrlichkeit einen Gruß gesandt; Sie haben mich umge-
kehrt durch den bekannten und ebenso ehrwürdigen Abt von Saint-
Maurice freundlichst grüßen lassen.
Hochwürdigster Bischof, so wird die unterbrochene Freundschaft
Ihres Vorgängers gegen mich, wie ich aus Ihren Briefen sehe, durch
Ihre Neigung und durch meinen sehnlichen Wunsch wieder aufgelebt,

224
jetzt freudiger, fester und dauernder sein. Was mich betrifft, verspreche
ich Ihnen, daß ich Ihnen und Ihren Interessen stets sehr ergeben sein
werde, so daß Sie nicht nur jeden brüderlichen Dienst von mir erwarten
dürfen, der mit unserer gemeinsamen Berufung zusammenhängt, son-
dern auch jede geflissentliche Hilfe, die Sie vom treuesten und untertä-
nigsten Diener wünschen können. Sie werden mich also stets bereit und
willfährig finden, sei es für die Feier Ihrer Konsekration, sei es zu allen
anderen Verpflichtungen, zu denen sich für Sie oder die Ihren Gelegen-
heit bietet.
Indessen will ich unseren Herrn und Erlöser inständig bitten, daß er
Ihnen Hilfe sende vom Heiligtum, durch die Sie Ihr Schiff, das durch
schwere Stürme erschüttert wird, unversehrt zum ersehnten Hafen des
Friedens und der Frömmigkeit lenken mögen ...

Annecy, 17. März 1614 (XVI,166-168) an Antoine des Hayes:


Es kommt sehr gelegen, in diesem Fall fast ungelegen, daß ich Sie mit
Dingen belästige, die mich betreffen; aber die Gunst Ihres Wohlwollens
ermutigt mich. Ich bitte Sie, machen Sie sich die Mühe, das beigefügte
Schriftstück anzusehen und zu überlegen, ob man Mme. d’Angoulème
auf irgendeine Weise veranlassen kann, ihre Verpflichtung anzuerken-
nen, daß sie ihre zweite Schwester, Mlle. de Charansonay, mit der Hälfte
des Pflichtteils ihrer Mutter bedenkt. Denn je nach dem Rat, den Sie mir
freundlicherweise zu geben sich die Mühe machen, werde ich sehen, ob
das eine Sache ist, die sich machen läßt. Die Dame, die es beansprucht,
ist nämlich meine Verwandte, und um mich noch deutlicher auszudrük-
ken, sie will mir die Hälfte dessen schenken, was ihr zusteht, damit es für
fromme Zwecke verwendet werde. Ich habe aber trotzdem so große Ab-
neigung gegen solche Geschäfte, daß ich nicht daran denken möchte,
wenn es nicht den Anschein großer Leichtigkeit hat. Daher bitte ich Sie,
mein Herr, erweisen Sie mir den Gefallen mir mitzuteilen, ob das bei
Erwägung aller Umstände ein Anspruch ist, der wert ist, erhoben zu
werden ...
P. S. Mein Herr, ich grüße demütig Ihre Frau Gemahlin und bin ihr
sehr demütiger Diener. Herr de Charmoisy ist in Chambéry, wohin er
sich zur Durchreise des Kardinals d’Est begeben hat. Es geht ihm sehr
gut. Das ist alles, was ich an guten Nachrichten für meine Cousine, Mme.
de Charmoisy sagen kann, die ich hier mit Ihrer Erlaubnis grüße.

Annecy, 31. Juli 1614 (XVI,193-195) an Roger de Bellegarde: Ermutigung in


seinem Entschluß zu einem christlichen Leben (DA 6,248f).

225
Sales, 29./30. Juli 1614 (XVI,195*) an Mutter Chantal:22
... Meine Tochter, ich muß Ihnen immer etwas von unseren häusli-
chen Ereignissen und vom Stand der Familie berichten, an der wir beide
solchen Anteil nehmen. Wir erfüllen hier die letzte Pflicht gegen unse-
ren teuersten Bruder de Boisy. Er ist vor kurzem in meinen Armen ge-
storben. Ich habe ihm die Augen und den Mund geschlossen, aber er hat
mir sein Herz im Sakrament der Buße auf eine so christliche Weise er-
schlossen, daß ich allen Grund zur Hoffnung habe, Gott habe seine
Seele in der Milde seiner Barmherzigkeit aufgenommen. Im übrigen wage
ich zu sagen, daß er erstaunliche Schmerzen ertragen hat, während er
mehrere Monate im gleichen körperlichen Zustand blieb, aber mit so
auffallender Frömmigkeit und Geduld, daß wir ihn den Ijob unserer
Familie nennen können ...

Annecy, 11. August 1614 (XVI,203-205) an Graf de Tournon:


Nein, ich bin keineswegs kleinlich um Förmlichkeiten und Lobsprü-
che besorgt; selbst Beleidigungen verderben nichts bei mir, wenn sie
nicht ausdrücklich die Freundschaft zerstören sollen (ich spreche von
der Freundschaft, nicht von der allgemeinen Nächstenliebe, die nichts
zerstören darf). Denn Beleidigungen, die aus Nachlässigkeit, Schwäche,
Unüberlegtheit oder sogar aus einer plötzlichen Leidenschaft des Zor-
nes, der Wut und des Hasses entstehen, muß eine auch weniger starke
Freundschaft ertragen können in Anbetracht unserer menschlichen Na-
tur, die solchen Zufälligkeiten unterworfen ist ...
Sie haben einen Brief erhalten, durch den die guten Damen von der
Heimsuchung eine neue Gunst von meiner Frau Cousine erbitten. Ich
grüße sie demütig und bin ...

Annecy, 6. November 1614 (XVI,251f) an Chanoine Marpeaud:


Die gute Mme. d’Escrilles war sehr getröstet durch die Aussicht, die
Sie ihr geben, ihren Sohn bei sich aufzunehmen, denn sie glaubt, von
allem anderen abgesehen, daß der Umgang mit Ihnen für ihn heilsam
ist. Da Sie aber gegenwärtig nicht die Absicht haben, möchte sie Sie
bitten, ihn wenigstens an einem anderen Platz unterzubringen, wo er in
guter und tugendhafter Gesellschaft ist, so gut es Ihnen möglich ist. Da
sie glaubt, daß ich bei Ihnen einen Einfluß habe, hat sie mich beschwo-
ren, meine Bitte der ihren beizufügen. Das mache ich durch diese vier
Worte von ganzem Herzen, sowohl mit Rücksicht auf die Mutter, die des
Beistands würdig und meine Verwandte ist, als auch mit Rücksicht auf

226
den Sohn, der meines Erachtens voll guten Willens ist, in der Furcht
Gottes voranzukommen ...

Annecy, 20. November 1614 (XVI,267f) an Bischof Hildebrand Jost:


Erlauchter hochwürdigster Fürst! Es wird mir immer sehr willkom-
men sein, wenn sich irgendeine Gelegenheit bietet, Ihnen einen Dienst
zu erweisen. Das verlangt von mir Gott, unser Erlöser, der uns zu Nach-
barn gemacht hat, damit wir soviel als möglich gegenseitig einer des
anderen Last tragen. Das erfordert offenbar von selbst auch Ihr bereits
früher erwiesenes Wohlwollen gegen mich, ebenso Ihr beständiger und
hervorragender Eifer für das katholische Volk.
Wenn mir daher Ew. hochwürdigste Herrlichkeit den Tag mitteilen,
werde ich nicht verfehlen, freudigst das Amt des Promotors Ihrer äu-
ßerst liebenswerten und geliebten Konsekration auszuüben. Denn so ist
es bei mir beschlossen, daß ich Ihnen immer und überall mit aller Vereh-
rung und lauterer Liebe folge ...

227
Das Charakterbild des Heiligen

In den Ereignissen dieser Jahre und in den Briefen, die darauf Bezug nehmen,
treten verschiedene Charakterzüge des hl. Franz von Sales zu Tage, die seine reife
Persönlichkeit kennzeichnen. Soweit dabei eine Entwicklung erkennbar wird,
bedeutet sie eine Vertiefung und Verinnerlichung.
Wiederholt betont Franz von Sales seine Abneigung gegen weltliche Geschäfte.
Das hindert ihn freilich nicht, energisch und zäh die Rechte der Kirche auf ihren
Besitz und ihre Einkünfte zu vertreten. Ebenso möchte er zwar mit der Politik
möglichst nichts zu tun haben, die Verhältnisse bringen ihn aber ständig mit ihr
in Verbindung, vielfach in einer Weise, die seine Abneigung nur verstärken kann.
Bezeichnend für seine Haltung ist, daß er dabei immer die Ehre Gottes, das Heil
der Seelen und die Interessen der Kirche im Auge hat, so, wenn er sich als Für-
sprecher für Arme und Verfolgte einsetzt, wenn er Streitigkeiten und Feindschaf-
ten schlichtet oder seinem Landesherrn über verschiedene Vorgänge berichtet.
Die charaktervolle Persönlichkeit des Bischofs beeindruckt viele Männer, zum
Teil in einflußreichen Stellungen, nachhaltig, denen er in der Erfüllung seiner
Aufgaben begegnet ist. Mit manchen von ihnen verbindet ihn eine dauernde
Freundschaft. Die überlieferten Briefe geben Einblick in seine hohe Auffassung
von der Freundschaft, von den Anforderungen, die er an sich selbst und an die
Freunde stellt, von der persönlichen Anteilnahme des Bischofs an Freud und
Leid, von seinem treuen Einsatz für seine Freunde in allen Situationen und von
dem geistlichen Einfluß, den er auf sie ausübt.
Die veröffentlichten Briefe geben die ursprüngliche Idee des Heiligen von seiner
Ordensgründung wieder; ihre innere und äußere Entwicklung während der ersten
Jahre findet jedoch in den Briefen nur geringes Echo, selbst wenn man die in den
vorausgehenden Bänden veröffentlichten geistlichen Briefe dazunimmt. Es ist
aber nicht zu verkennen, daß Franz von Sales aus der geistlichen Formung der
Gemeinschaft und aus der persönlichen Seelenführung der Schwestern, vor allem
der hl. Johanna Franziska von Chantal, selbst großen Gewinn gezogen hat. Das
klarste Zeugnis dafür ist die „Abhandlung über die Gottesliebe“, die in diesen
Jahren reifte, sowohl aus dem eigenen seelischen Erleben des Verfassers als auch
aus der Erfahrung des Ordensgründers und Seelenführers.
Aus dieser Sicht gewinnen die häufigen Äußerungen absoluten Vertrauens auf die
Vorsehung Gottes, rückhaltloser Hingabe an seinen Willen, aber auch des Eifers
im Dienst der Kirche und der Seelen, liebevoller Anteilnahme am Leben der
Freunde und selbstloser Hilfsbereitschaft für alle an Gewicht als Äußerungen
einer ganz vergeistigten und verinnerlichten Persönlichkeit.

228
VI. Von LLyon
Von yon bis PParis
aris
1615 – November 1618

Mit der Gründung des Klosters der Heimsuchung in Lyon beginnt eine wichtige
Entwicklung, die zur Umwandlung der Kongregation in einen Orden im Jahre
1618, zur Gründung weiterer Klöster und zum Verlangen nach Schwestern der
Heimsuchung in zahlreichen Städten führt.
Auch die Wirksamkeit des hl. Franz von Sales weitet sich in dieser Zeit aus, wenn
auch unter vielfältigen Schwierigkeiten durch die politischen Spannungen, die
kriegerischen Ereignisse und die mißtrauische Haltung des Herzogs von Savoyen
seinem Bischof und treuen Untertan gegenüber.
Die Advents- und Fastenpredigten in Grenoble führen dem Bischof neue geistli-
che Töchter und bedeutende Freunde zu, deren Leitung sich in den Briefen
fortsetzt, unter ihnen vor allem Mme. Le Blanc de Mions (DA 6,256f; 262-267),
Mme. de Veyssilieu (DA 6,257; 268-273), Mme. de Granieu (DA 6,257; 273-
287) und Mme. de Sautereau (DA 6,289-291).

229
A. Die Ausbreitung der Heimsuchung

Zur Gründung des Klosters in Lyon reist Mutter Chantal selbst mit einigen
Schwestern am 26. Januar 1615 nach Lyon. Bei ihrer Rückkehr nach Annecy im
Herbst wird Sr. Favre als Oberin und Sr. de Blonay als Assistentin eingesetzt.
Franz von Sales berät und ermutigt sie häufig durch Briefe in ihrer neuen Aufga-
be.
Erzbischof Marquemont von Lyon wünscht manche Änderungen in der Heimsu-
chung. In den Verhandlungen darüber, in Briefen an Dritte, vor allem an Kardi-
nal Bellarmin, die Gräfin di San Secondo und Don Juste Guérin, wird die Grund-
idee des hl. Franz von Sales von der Heimsuchung sehr deutlich; an ihr hält er
auch bei der Umwandlung der Kongregation in einen Orden mit Klausur fest, die
1618 von Rom approbiert wird.
In Annecy führt der notwendige Ausbau des Klosters zu Schwierigkeiten mit den
Dominikanern wegen ihres Gartens, zu langwierigen Verhandlungen, die schließ-
lich scheitern.
Der Ruf der Heimsuchung verbreitet sich rasch. In zahlreichen Städten Frank-
reichs verlangt man nach Schwestern, und überall will man Mutter Chantal als
Gründerin haben. Durch die eigenwillige Mme. des Gouffiers kommt es bereits
im Sommer 1616 zur schlecht vorbereiteten Gründung in Moulins; zahlreiche
Briefe an Mère de Bréchard spiegeln die Schwierigkeiten wider, die bald auftre-
ten.
Durch die Predigten des Bischofs von Genf in Grenoble wird dort der Boden für
ein Kloster der Heimsuchung bereitet, aber auch in Bourges und Paris reifen
1618 die Pläne für eine Gründung.

Annecy, 2. Januar 1615 (XVI,289f) an Claude de Blonay:


Mein sehr teurer Herr Bruder! Gott sucht uns mit seiner Güte heim
und will, daß die Heimsuchung durch unseren überaus guten Herrn von
Lyon eingeladen wird, ihn in seiner Diözese heimzusuchen, um dort ein
Haus Unserer lieben Frau wie das unsere von Annecy zu gründen. Da
nun das Unterfangen groß ist und es sich um einen ersten Ableger han-
delt, den unser Haus hervorbringt (von dem ich wünsche, daß er nur
Gutes hervorbringt), wollen wir das Edelste unserer Kongregation hin-
schicken. Da unsere sehr teuere Tochter Marie-Aimée zu jenen zählt,
die mir am wertvollsten sind, wünsche ich sie in die Fundamente dieses
neuen Bauwerks zu versetzen.

230
Mein teurer Bruder, ich hoffe, daß Ihre Frömmigkeit Sie veranlaßt,
der örtlichen Entfernung der lieben Tochter willig zuzustimmen, weil es
zur Ehre Gottes erforderlich ist. Außerdem (um etwas menschlicher mit
einem Vater zu sprechen, der seine Tochter sehr liebt) ist diese Entsen-
dung ehrenvoll für unsere Tochter. Ich habe keine Eile, sie zu fragen, ob
sie gehen will, weil ich mir ihres Gehorsams sicher bin, wie ich mir auch
Ihres Verzichtes sicher bin und wie Sie es der brüderlichen Zuneigung
Ihres sehr demütigen Dieners und Mitbruders sein können.

Annecy, 25. Januar 1615 (XVI,294f) an Mme. de la Fléchère:


... Unsere gute Frau von Chantal reist morgen ab, um in Clermont zu
übernachten, nachdem die Herren und Damen von Lyon gekommen
sind, um sie abzuholen. Ach, Gott möge diese Reise segnen und zum
Guten gedeihen lassen, die zu seiner Ehre und zur Erbauung vieler un-
ternommen wird ...

Annecy, 26. Januar 1615 (XVI,295-299) an Mutter Chantal: sieben Billette, von
denen Sr. de Blonay jeden Tag eines der Mutter Chantal übergeben soll (DA
5,267-270).
Annecy, 4. Februar 1615 (XVI,302-306) an Mutter Chantal: die ersten Tage nach
der Abreise der Schwestern (DA 5,270f).
Annecy, 18. April 1615 (XVI,342-346) an Mutter Chantal: Mme. des Gouffiers.
Verhalten gegenüber den Wünschen des Erzbischofs (DA 5,277f).
Annecy, 13. Mai 1615 (XVI,359f) an Mutter Chantal: Fragen der Leitung der
Schwestern in Lyon (DA 5,279).
Annecy, 14. Mai 1615 (XVI,362f) an Sr. Favre: Krankheit der Mutter Chantal
(DA 7,26f). – Am gleichen Tag ein Brief an Mutter Chantal (XVI,363f) über
seine Ergebung (DA 5,280f), am 16.-18. Mai 1615 (XVI,365f) nach ihrer Gene-
sung (DA 5,281f), am 31. Mai 1615 (XVI,373f) an Sr. Favre, Dank für ihre
Nachrichten über Mutter Chantal.
Annecy, im Juni 1615 (XVII,16f) an Erzbischof de Marquemont:1
... Ich wollte Gott Töchter des Gebetes schenken und so innerliche
Seelen, daß sie würdig erfunden werden, seiner unendlichen Majestät
zu dienen und ihn anzubeten im Geist und in der Wahrheit. Ich lasse die
schon in der Kirche bestehenden großen Orden Unseren Herrn ver-
herrlichen durch hervorragende Übungen und durch auffallende Tu-
genden und will, daß meine Töchter keinen anderen Anspruch erheben,
als ihn durch ihre Demut zu ehren. Das kleine Institut soll wie ein einfa-
cher Taubenschlag unschuldiger Tauben sein, deren Sorge und Bemü-
hen es ist, das Gesetz des Herrn zu betrachten, ohne sich in der Welt
sehen und hören zu lassen. Sie bleiben verborgen in der Felsspalte und
im Versteck der Klüfte, um hier ihrem lebenden und sterbenden Vielge-

231
liebten Beweise des Mitleids und der Liebe ihrer Herzen zu geben durch
ihre schlichten und demütigen Seufzer ...
Zu Verhandlungen mit Erzbischof de Marquemont über dessen Änderungswün-
sche kommt Franz von Sales selbst nach Lyon. Am 2. Juli 1615 (XVII,17f)
schickt er Mutter Chantal ein Billett (DA 5,282), in den nächsten Tagen schreibt
er ihr zweimal über ein Memorandum für den Erzbischof (XVII,19f; DA 5,283);
am 14. Juli 1615 (XVII,22-24) gibt er ihr von Annecy einen Bericht über die
Rückreise (DA 5,283-285).
Annecy, 16./17. August 1615 (XVII,34-37) an Mutter Chantal: die Tertiarinnen
von Toulouse; Warnung vor verfrühten Neugründungen (DA 5,285f); am 8. Ok-
tober 1615 (XVII,70f) die außergewöhnlichen Erscheinungen der Gründerin der
Tertiarinnen (DA 5,286f).
Thonon, August-September 1615 (XVII,42f) an Sr. de Bréchard: Freiheit der
Wahl des Beichtvaters (DA 7,60).
Mutter Favre erhält für ihr Amt als Oberin in Lyon mehrere ermutigende Briefe:
am 4. Oktober 1615 (XVII,67f: DA 7,27), am 12. Oktober 1615 (XVII,72f: DA
7,28) geistliche Ratschläge für ihre Amtsführung; Ende Oktober oder Anfang
November 1615 (XVII,79-82: DA 7,28-30), Ende November 1615 (XVII,93f:
DA 7,30) die Versicherung seiner väterlichen Liebe; am 13. Dezember 1615
(XVII,100-105: DA 7,31-33) Ratschläge für ihr Verhalten in Versuchungen; am
18. Dezember 1615 (XVII,113-115: DA 7,33) die Aufforderung, ihren Schwe-
stern Mutter zu sein; am 25. Dezember 1615 (XVII, 117f: DA 7,34) Antwort auf
verschiedene Fragen.
Annecy, 5. Dezember 1615 (XVII,97-100) an Mme. de la Fléchère: Aufregung
über zwei Kandidatinnen für Lyon (DA 6,172); am 13. Dezember 1615 (XVII,105f:
DA 7,94) an Sr. de Blonay: über die Macht des Gehorsams; 1615/1616 (XVII,125f:
DA 7,76) an Sr. de Chastel: geistliche Ratschläge.
Annecy, im Januar 1616 (XVII,134f) an Mutter Favre: Vertrauen in die Zukunft
der Kongregation (DA 7,35); am 2. Februar 1616 (XVII,137-142: DA 7,35-38)
über das Memorandum für den Erzbischof; im Februar 1616 (XVII, 150f: DA
7,38) über ihr Verhalten gegen den Erzbischof.
Annecy, Februar/März 1616 (XVII,162f) an einen unbekannten Empfänger:
... Wahrhaftig, die Ernte ist sehr groß; man muß vertrauen, daß Gott
Arbeiter schicken wird. Da ist Toulouse, das unsere Töchter der heiligen
Maria haben will, Moulins, Riom, Montbrison, Reims; und das Wichtig-
ste ist, man will unbedingt die Mutter haben ...
Annecy, anfangs Mai 1616 (XVII,208-210) an Michel Favre:2
Mein Freund, Herr Michel! Legen Sie unser armseliges Manuskript
dem Herrn Erzbischof zu Füßen, wenn er in der Stadt ist und die Muße
findet und sich dieser Lektüre unterziehen will. Wenn nicht, legen Sie es
in die Hände des Herrn de Ville; er ist Doktor in der heiligen Theologie
und mit der Approbation von Büchern betraut. Nach seinem Urteil über-
geben Sie das Manuskript dem Herrn Meschatin la Faye, dem Generalvi-

232
kar der Erzdiözese Lyon und anderen Doktoren. Ich kenne mich ja als
fehlerhaften Menschen und hatte wenig Muße, mein kleines Werk durch-
zusehen. Deshalb wünsche ich fest und bitte sie inständig, es möge in
Ruhe und liebevoll geprüft werden von den gelehrten Dienern Gottes.
Im Mai 1616 (XVII,210-220) erhält Mutter Chantal im Verlauf ihrer Exerzitien
die Briefe über die Selbstentäußerung (DA 5,288-295).
Annecy, im Juni 1616 (XVII,222f) an Mutter Favre: Weisungen über Fragen der
Leitung (DA 7,40).
Annecy, 27. Juni 1616 (XVII,228) an Mutter Chantal:
Hier ist das Vorwort und der Entwurf des Weihegebetes. Sehen Sie
es durch und schicken Sie es zurück, so daß ich es spätestens in einein-
halb Stunden habe, um es abschreiben zu lassen. Schreiben Sie mir kurz
Ihre Meinung. Gott segne Sie, meine sehr teure Mutter. Amen.
Annecy, 8. Juli 1616 (XVII,234-238) an Michel Favre: Detaillierte Angaben für
den Druck des Theotimus (Vorwort, Druckfehler, eigene Fehler) und andere
Aufträge.
Annecy, 10. Juli 1616 (XVII,238-254) an Kardinal Bellarmin:
... Wir haben hier und in Lyon je eine Gemeinschaft von Jungfrauen
und Witwen, die zwar richtiger Oblatinnen als mit dem eigentlichen Na-
men Ordensfrauen oder Nonnen genannt werden, aber sie halten über-
aus heilig die Keuschheit und heilige Sittsamkeit, pflegen ganz einfältig
den Gehorsam und folgen sehr fromm der Armut. Wenn sie auch durch
ihre Regel nicht zur Klausur verpflichtet sind, beobachten sie diese trotz-
dem aus innerem Antrieb fast ständig, da sie nämlich das Haus nur aus
besonders dringenden und frommen Gründen verlassen. Zu bestimm-
ten Stunden, die passend über den ganzen Tag verteilt sind, rezitieren
sie gemeinsam im Chor das kleine Offizium der seligsten Jungfrau in
einer Singweise, die den Regeln der Frömmigkeit so glücklich angepaßt
ist, daß man kaum sagen kann, ob die Würde die Lieblichkeit übertrifft
oder die Lieblichkeit die Würde. Sie widmen auch zwei Stunden, eine am
Morgen und eine am Abend, mit größtem Nutzen jenem engelgleichen
Gebet, das man das innerliche nennt, so daß ich mit einem Wort zusam-
menfassen kann: Sie scheinen mir jenen Frauen zu gleichen, von denen
der hl. Gregor von Nazianz zu Hellenius so rühmend sagt, er scheue sich
nicht, sie himmlische und überaus schöne Sterne Christi zu nennen.
Als ich nun vor nicht langer Zeit den Herrn Erzbischof von Lyon
besuchte und wir über den Stand unserer kirchlichen Angelegenheiten
miteinander sprachen, kamen u. a. die beiden Gemeinschaften von Frauen
zur Sprache, deren Ruf in beiden Diözesen der beste ist, so daß ihre
richtige Leitung von größter Bedeutung schien.

233
Als der Erzbischof es als notwendig bezeichnete, daß wir sie vor allem
zur Beobachtung einer Ordensregel, die von der Kirche approbiert ist,
zur Klausur und zur Einführung feierlicher Gelübde bewegen, habe ich
mich seiner Meinung leicht angeschlossen, sowohl in Anbetracht seiner
einzigartigen Autorität über mich, seiner erprobten Erfahrung und Fröm-
migkeit als auch wegen des Glanzes der Bezeichnung als Orden, die ich
als große Zierde für diese im übrigen sehr bescheidenen Gemeinschaf-
ten erachtete. So wurde es zwischen uns beschlossen, und als wir es
durchzuführen begannen, fanden wir bei ihnen eine staunenswerte und
überaus liebenswürdige Bereitschaft und Leichtigkeit zum Gehorsam.
Sie haben nur drei besondere religiöse Ziele, die ihnen sehr am Her-
zen liegen. Wenn sie vom apostolischen Stuhl gebilligt werden, bringt
diese Änderung der Verfassung nichts Hartes und Bitteres. Sie sind
derart, daß sie meines Erachtens der Klausur und dem Stand von Or-
densfrauen in keiner Weise widersprechen. Nach dem Urteil von Ken-
nern unserer französischen Verhältnisse können sie der Frömmigkeit
nicht nur nicht schaden, sondern sie sogar sehr fördern.
Das Erste ist, daß sie zum sogenannten großen Offizium der Kleri-
ker nicht verpflichtet sind, sondern nur zum kleinen Offizium der selig-
sten Jungfrau. Der Grund ihres Wunsches darnach ist, daß in diese
Gemeinschaften meist schon ältere Frauen aufgenommen werden, die
das große Offizium mit seinen Rubriken kaum oder nur mit Mühe erler-
nen könnten ...
Das Zweite ist, daß sie Witwen erlauben, manchmal auch mehrere
Jahre in weltlicher aber sehr bescheidener Kleidung bei ihnen zu woh-
nen, um an den religiösen Übungen der Gemeinschaft teilzunehmen.
Allerdings nicht allen Witwen, sondern nur solchen, die in einen Orden
eintreten wollen ... Der Grund für diesen Wunsch ist, daß in diesen
Landen die Männer auch den frömmsten Witwen durch Reden und welt-
liche Lockungen derart zusetzen, daß jene, die eine echte Witwenschaft
bewahren wollen, dies kaum mit Sicherheit verwirklichen können. Ihnen
wird auf diese Weise am besten geholfen ...
Das Dritte ist, daß sie nicht nur solche Witwen zulassen, die ernsthaft
der Welt entsagen wollen, sondern bisweilen auch Verheiratete, nämlich
solche, die ein neues Leben in Christus beginnen wollen. Um nach be-
stimmten geistlichen Übungen die sogenannte Generalbeichte abzulegen,
müssen sie sich einige Tage an einen dem weltlichen Treiben fernen Ort
zurückziehen. Man kann nicht hinreichend schildern, wie reiche Früchte
diese geistliche Gastfreundschaft von einigen Tagen bringt ...

234
Wenn es ferner irgendeinen frommen Grund gibt, weswegen Frauen
bisweilen die Klöster der Nonnen betreten können (und es gibt einige),
dann sind diese beiden vor allem anzuführen. Dabei ist daran festzuhal-
ten, daß sie vom Ordinarius oder seinem Generalvikar schriftlich gebil-
ligt werden, dann entsteht aus dieser Übung keinerlei Schaden für die
klösterliche Disziplin. Aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kann
der Schluß gezogen werden, daß es nichts Heiligeres und Nützlicheres
gibt, zumal es bisher den denkbar besten Erfolg gezeitigt hat, so daß er
auch weiterhin erwartet werden darf.
Im übrigen hat der hochwürdigste Herr Erzbischof von Lyon einen
sehr mächtigen Mittler in der Person des Gesandten des allerchristlich-
sten Königs. Auch die Schwestern dieser Stadt haben die einflußreiche
Fürsprache der erlauchten Herzogin-Witwe von Mantua, die sie sehr
schätzt. Ich dagegen, hoher Kardinal, wende mich einzig an Sie als Für-
sprecher, da ich nur Sie im erhabenen apostolischen Kollegium kenne,
da Sie außerdem unsere Verhältnisse diesseits der Alpen am besten
beurteilen und den übrigen klarmachen können, daß die Sache Gottes
anders hier und anders dort gefördert werden muß. Außerdem lassen
Ihre Kontroversen keinen Zweifel an Ihrem Mitgefühl mit dieser armse-
ligen Diözese zu, Ihr überaus liebenswürdiger jüngster „Benjamin“ an
Ihrem Wohlwollen gegen die frommen Seelen. Im Vertrauen auf die
außergewöhnliche Zuneigung Ew. hochwürdigsten Gnaden zu den gu-
ten Unternehmungen zum Guten bitte und beschwöre ich Sie inständig,
daß Sie nach Ihrem klugen Urteil das Anliegen fördern und zum Erfolg
führen, soviel in Ihrer Macht liegt ...

Annecy, 17. Juli 1616 (XVII,255-257) an Claude Feydeau:3


Die guten Schwestern der Heimsuchung, die eine neue Gemeinschaft
zu gründen kommen, können nur sehr getröstet sein, daß Sie im Namen
des Herrn Erzbischofs von Lyon diese mit bischöflicher Vollmacht för-
dern. Gott sei gelobt für den Eifer, den Sie für dieses gute Werk bewei-
sen. Ich hoffe, daß Sie von ihm befriedigt sein werden ...

Annecy, 22. Juli 1616 (XVII,258) an Claude Feydeau:


Da der Erzbischof von Lyon Sie als seinen Vertreter für die Grün-
dung und den Fortschritt der Gemeinschaft der Heimsuchung in Mou-
lins bestellt hat, richte ich an Sie diese vier Zeilen, damit sie unter Ihrer
geistlichen Autorität den Absichten Gottes dienen, der ihren guten Wil-
len und ihr Bestreben segnen wird, wie ich hoffe ...

235
Annecy, 22. Juli 1616 (XVII,258-261) an Mutter de Bréchard: ihre Berufung zur
Oberin in Moulins (DA 7,60-62); Sr. Bailly (XVII,261f: DA 7,141) als Mitgrün-
derin; Sr. Humbert (XVII,263f: DA 7,141) geistliche Ratschläge; Sr. de la Croix
(XVII,264f: DA 7,142) trotz ihrer Jugend Mitgründerin.
Die Schwierigkeiten in Moulins spiegeln sich in den Briefen an Mutter de Bréchard
vom 19. September 1616 (XVII,277-279: DA 7,62-64) wider, und vom 8. Okto-
ber 1616 (XVII,289: DA 7,64) sowie an Mme. des Gouffiers an den gleichen
Tagen (XVII,280f, 286-288: DA 7,160f).
Von den Adventspredigten in Grenoble schreibt Franz von Sales zweimal an
Mutter Chantal: am 3. und 8. Dezember 1616 (XVII,317-319; DA 5,297); am
21. Januar 1617 (XVII,335f: DA 7,41) an Mutter Favre über den Wechsel des
Beichtvaters im Kloster von Lyon.
Während der Fastenpredigten in Grenoble reifen die Pläne für ein Kloster der
Heimsuchung; davon handelt der Brief vom 9. Februar 1617 (XVII,343-345: DA
5,299) an Mutter Chantal. Nach Moulins gehen die Briefe vom 10. bzw. 11.
Februar 1617 an Mutter de Bréchard (XVII, 347: DA 7,64) und Mme. des Gouffiers
(XVII,345f: DA 7,162). Am 28. Februar 1617 (XVII,348f: DA 7,41) an Mutter
Favre eine Mahnung zur Geduld bei der Aufnahme von Kandidatinnen in Lyon;
am 12. März 1617 (XVII,356f: DA 5,300) an Mutter Chantal: Die Gründung in
Grenoble ist noch nicht aktuell; im März/April 1617 (XVII,359-361: DA 7,42)
an Mutter Favre über Sonderwünsche einer Schwester bezüglich des Gebetes.

Annecy, 25. April 1617 (XVII,383-385) an die Gräfin di San Secondo:


... Der Inhalt Ihres Briefes, den Sie mir zu schreiben beliebten, zeigt
mir zur Genüge, daß Sie Ihre Liebe Gott geweiht haben. Was braucht es
mehr, um Ihnen meine Dienste zu widmen? Ich werde das von ganzem
Herzen tun, ebenso der Signora Donna Ginevra, und ich preise die er-
habene Güte Unseres Herrn, der Ihnen durch seine himmlischen Lok-
kungen so wünschenswerte Neigungen geschenkt hat.
Hier sind die Regeln der Heimsuchung ... Sie müssen wissen, daß die
Regeln in Rom sind, wo man diese Kongregation in einen Orden umzu-
wandeln versucht. Vielleicht läßt Se. Heiligkeit einiges hinzufügen; ich
denke trotzdem, daß das keine wichtige Sache sein muß. Wie uns jener,
der die Sache in Händen hat, schreibt, hat er dort keine andere Schwie-
rigkeit als die wegen des Offiziums. Die Herren, die die Aufsicht darüber
haben, wollen, daß es das große Offizium des Breviers sei, wir aber wün-
schen, daß diese Kongregation nur zum kleinen Offizium verpflichtet
sei, damit sie es weiterhin mit Würde, Klarheit und Ruhe singen kann,
mit einem Wort, so heilig, wie diese Seelen es jetzt verrichten. Um diese
Vergünstigung zu erreichen, rufen wir die Gunst des Herrn Gesandten
an, der im Namen der erlauchten Frau Infantin nach meiner Meinung
die Sache zu einem guten Abschluß bringen wird. Darauf hat die Signora
Donna Ginevra keinen geringen Einfluß.

236
Indessen, leben Sie beide ganz in Gott. Fern von ihm ist das Leben
nur Tod, mit ihm der Tod ein glückliches Leben. Wenn Sie mir die Gunst
erweisen, mir von der göttlichen Majestät eine gleiche Gnade zu erbit-
ten, wird mich das immer mehr verpflichten, Madame, für immer Ihr
sehr demütiger und sehr ergebener Diener in Unserem Herrn zu sein ...

Thonon, 2. Juli 1617 (XVIII,41f) an Michel Favre:


Mein Freund, Herr Michel, bitte grüßen Sie in meinem Namen mei-
nen Bruder und geben Sie mir bei jeder Gelegenheit Nachricht über ihn,
ebenso von meiner Mutter. Das ist alles, was ich sagen kann am Morgen
der heiligen Heimsuchung. Ich wünsche Ihnen guten Tag und bleibe Ihr
sehr demütiger Mitbruder.

Annecy, 10.-15. September 1617 (XVIII,83-87) an einen Adeligen:


Ich habe das Vertrauen zu Ihrer Liebe, Sie zu bitten, daß die folgen-
den Punkte deutlich dargelegt werden in der Weise, daß sie womöglich
vom Protokollführer niedergeschrieben werden.
1. Die Damen der Heimsuchung haben vor den Augen und mit Wis-
sen der ganzen Stadt das Haus erworben, in dem sie gegenwärtig sind,
um Gott zu dienen. Sie haben sich darin niedergelassen ohne Wider-
spruch selbst der Patres Dominikaner. Im Gegenteil, der hochwürdige P.
de Bollo, Superior des Ordens, hat ihre Kongregation und ihren Auf-
enthalt an diesem Ort gefördert durch mehrere religiöse Ansprachen in
ihrem Oratorium. Sie hatten also keinen Grund anzunehmen, daß diese
Patres ihr Verbleiben in diesem Stadtteil so übel aufnehmen würden.
2. Da es Gott gefiel, ihre Kongregation wachsen zu lassen, standen
sie vor der Notwendigkeit, ihr Haus zu erweitern und die benachbarten
Häuser durch rechtmäßige Verträge mit deren Besitzern zu erwerben.
Aus dem gleichen Grund mußten sie ihr Haus als Kloster ausbauen und
gestalten, um die Klausur und die Schicklichkeit zu wahren ... Als es
dann notwendig war, ihren Bau über den Kanal auszudehnen, gab Se.
Gnaden (de Nemours), an den sie sich wandten, seine Zustimmung ...
ebenso unser hochwürdiger Pater Prior in allen Erklärungen, die er ih-
nen gab.
3. Sie bedauern außerordentlich, daß sie ihren Bau nicht ausführen
können, ohne für den Garten der Patres einigen Schatten zu verursa-
chen. Wenn sie dadurch irgendeinen Nachteil bewirken, so geschieht das
zu ihrem Bedauern und ohne ihre Schuld, weil die Notwendigkeit ihres
Baues sie drängt. Wenn sie irgendeine Unbequemlichkeit verursachen,
begehen sie kein Unrecht, weil das Unbequemlichkeiten der Art sind,

237
die nach der Rechtsordnung und nach dem allgemeinen Brauch die
Nachbarn ertragen müssen.
4. Obwohl sie nur nach ihrem Recht und der legitimen Autorität Sr.
Gnaden und des Ordinarius handeln, möchten sie trotzdem stets die
dringende Notwendigkeit ihres Baues an diesem Platz irgendwie mit dem
Nutzen der Patres in Einklang bringen ... Sie bitten die hochwürdigen
Patres, zu einem friedlichen Ausweg auf eine Weise zu kommen, die am
geeignetsten scheint; dies in Anbetracht der christlichen Liebe, die zwi-
schen Personen herrschen muß, die durch gemeinsame Berufung die
Welt verlassen haben, um Gott zu dienen, die sich gegenseitig helfen
können und das tun müssen, nicht einer den anderen behindern.
5. Was die gute Sitte und den rechten Abstand angeht, der zwischen
Frauen- und Männerklöstern bestehen muß, so ist es dem Ortsbischof
übertragen, darüber zu urteilen. Er ist durch die Canones des Konzils
von Trient beauftragt, alles zu prüfen, was die Klausur und die Sittlich-
keit der Frauenklöster betrifft. Nach ihnen und in Anbetracht aller Um-
stände sind die Schwestern zu diesem Bau ermächtigt, nicht zu tadeln
und im Recht, an diesem Platz zu bauen. Im übrigen ist er nicht in der
Nähe und in der Sicht des Klosters der hochwürdigen Patres, sondern
nur eines Gartens, der ihnen gehört, außerhalb ihrer Umfriedung. Be-
vor die Kongregation der Heimsuchung bestand, war er den Blicken und
dem Lärm der Frauen ausgesetzt, die ihre Wäsche waschen. Jetzt ist
offenbar die Lage der Patres günstiger, ... weil die Schwestern nicht
hineinsehen und nicht eingesehen sind. Trotz alldem haben sie die hoch-
würdigen Patres gebeten, bevor sie einen bitteren und wenig erbaulichen
Prozeß führen, ... zu einer Einigung zu kommen ...

Aus Grenoble kommen während der Adventspredigten mehrere Briefe an Mutter


Chantal während einer besorgniserregenden Krankheit und nach ihrer Genesung
(XVIII,123-128: DA 5,305f).

Annecy, anfangs Januar 1618 (XVIII,140-143) an Don Juste Guérin:4


... Das Anliegen der Damen von der Heimsuchung in Rom besteht
darin: Se. Heiligkeit möge gütig gestatten, daß sie nicht verpflichtet sind,
das große Offizium zu verrichten, uzw. aus folgenden Gründen:
1. Es gibt keine Nation auf der Welt, wo die Frauen das Latein so
schlecht sprechen wie die von Frankreich, besonders hier. Es wäre fast
unmöglich, sie das große Offizium gut verrichten zu lehren, wogegen es
leicht sein wird, sie das für das kleine Offizium Unserer lieben Frau zu
lehren, das sie tatsächlich bis jetzt sehr gut vortragen.

238
2. In dieser Kongregation will man Mädchen von schwacher Konsti-
tution aufnehmen, die mangels körperlicher Kräfte in strengere Orden
nicht aufgenommen werden können. Wenn aber jene, die zum großen
Offizium verpflichtet sind, es deutlich und bedächtig vortragen wollen,
können sie das nicht ohne Anstrengung; und wenn sie es rasch und
fließend vortragen wollen, werden sie lächerlich und unandächtig. Des-
halb ist es besser, daß jene, die mangels körperlicher Kräfte es nicht
getragen verrichten können, nur das kleine Offizium verrichten.
3. Es gibt ein Beispiel in Paris, wo die Schwestern der hl. Ursula,
Ordensfrauen mit feierlichen Gelübden, das kleine Offizium verrichten.
4. Die Schwestern von der Heimsuchung machen mehrere geistliche
Übungen, die sie nicht machen könnten, wenn sie das große Offizium
verrichten.
Ich gedachte Ihnen die anderen Punkte darzulegen, aber ich erin-
nerte mich, daß der Pater Generalprokurator dies gewiß ausführlich
gemacht hat. Es bleibt noch zu sagen, daß ihre Regeln, deren Approba-
tion man erbittet, alle mit der Regel des hl. Augustinus übereinstimmen,
abgesehen von der vollständigen Klausur, die der hl. Augustinus nicht
errichtet hatte, an die sich jedoch die Schwestern halten wollen, ent-
sprechend dem heiligen Konzil von Trient. Möglicherweise beauftragt
der Heilige Stuhl einige von dort, bestimmte Ordensobere und andere
Theologen, um sie durchzusetzen, zu verbessern und zu approbieren ...
Der Erzbischof von Lyon ist dort; wenn er die Sache fördern will,
vermag er dabei sehr viel. Nun, ich glaube, daß er dazu bereit ist, zumal
er an seinem Metropolitansitz ein Haus der Heimsuchung hat, wo Gott
sehr geliebt wird.
Aber man muß alles sanft und mit Umsicht betreiben, hochwürdiger
Pater. Das sage ich, weil einige Geistliche, die streng und genau gegen
sich sind, zu verstehen gegeben haben, daß sie nicht zufrieden sind, weil
es in dieser Kongregation so wenig Strenge und harte Bußen gibt. Man
muß aber immer das Ziel im Auge haben, das darin besteht, auch schwäch-
liche Mädchen und Frauen, sei es aus Alter oder Konstitution, aufneh-
men zu können.
Ich wünsche auch ein Schreiben von der Kongregation der Bischöfe
an mich und an den Klerus dieser Diözese zu erhalten, durch das ich
verpflichtet werde, ein Seminar für jene zu errichten, die den geistlichen
Stand anstreben, wo sie sich üben können in den Zeremonien, in Kate-
chese und Predigt, im Singen und anderen klerikalen Fertigkeiten dieser
Art; denn unter den Knaben gibt es schließlich solche, die Geistliche
werden wollen und nur deswegen studieren.

239
Ich wünsche aber, daß der Klerus am Schreiben teilhat, damit man
eine kleine Umlage auf die Benefizien für diesen Zweck legen kann. Das
Konzil von Trient würde ja genügen, um es aber wirksamer durchführen
zu können, ist das erwähnte Schreiben erforderlich ...

Zur Vorbereitung einer Gründung in Grenoble kamen einige Kandidatinnen in


das Kloster von Annecy; davon handeln die Briefe an Mutter Chantal vom 13./
14. Januar 1618 (XVIII,148) und an Mme. de Bouquéron vom 18. Januar 1618
(XVIII,151-153: DA 6,296). Dank für ein Geschenk und Bitte um Vermittlung
in Sachen einer Mühle, die die Heimsuchung gekauft hat, sowie Nachrichten über
die Heimsuchung sind der Inhalt eines Briefes an Donna Ginevra Scaglia vom
27. Februar 1618 (XVIII,177-181).
Grenoble, 5.-10. März 1618 (XVIII,186-188) an Don Juste Guérin: warum für
die Heimsuchung unbedingt das kleine Offizium erreicht werden soll.
Grenoble, 11. März 1618 (XVIII,191f: DA 5,307) an Mutter Chantal: „Bienen“
für die Gründung in Grenoble vorbereiten. Ende März 1618 (XVIII,192f: DA
5,307): Sr. Anne-Françoise ist für Grenoble bestimmt. Am 29. März 1618
(XVIII,193f) an Mutter de Bréchard: bevorstehende Gründungen in Bourges und
Grenoble, Aussichten in Paris.
Grenoble, 16. April 1618 (XVIII,195-197) an Don Juste Guérin:
... Zur Frage des Herrn, von dem Sie mir schreiben, nach der Be-
schäftigung der Schwestern von der Heimsuchung für den Fall, daß sie
nicht das große Offizium verrichten, gibt es zwei Antworten:
Die erste: Da die Schwestern das kleine Offizium gemessen und mit
Pausen verrichten, verwenden sie darauf soviel Zeit, wie die meisten
anderen Ordensfrauen für das große Offizium brauchen, mit dem einzi-
gen Unterschied, daß sie es erbaulicher und besser vortragen als die
anderen. Vor acht Tagen war ich in einem Kloster nahe dieser Stadt und
habe Dinge gesehen, die gewiß die Hugenotten zum Lachen bringen
können ... Ich will damit nur sagen: Da es dabei keinen Nachteil, sondern
großen Nutzen gibt, sollte man es in der Heimsuchung beim kleinen
Offizium belassen. Kurz, hochwürdiger Pater, das kleine Offizium ist das
Leben der Frömmigkeit in der Heimsuchung.
Die zweite Antwort: In der Heimsuchung gibt es keinen Augenblick,
der nicht sehr nützlich verwendet wird für das Gebet, die Gewissenser-
forschung, die geistliche Lesung und andere Übungen.
Ich bin sicher, daß der Heilige Stuhl dieses gute Werk fördern wird.
Darin ist nichts gegen das Gesetz und nichts gegen den geistlichen Stand.
Es gewinnt ihm viele Häuser des Gehorsams in einer Zeit und in einem
Königreich, wo er ganz verloren ist. Es bedarf außerdem nicht so vieler
Überlegungen, dies für die Häuser dieser Töchter zu tun, weil es keine
Konsequenzen für die anderen Orden hat, und es kann kein Anlaß zur

240
Klage für andere sein, die unter anderen Statuten gegründet sind. Ein-
zig der Gedanke an die größere Ehre Gottes gibt mir diesen Wunsch ein
und der Nutzen für viele Seelen, die fähig sind, Gott in dieser Kongrega-
tion gut zu dienen, die nur zum kleinen Offizium verpflichtet ist, die aber
dem großen Offizium nicht folgen können. Wäre es des Christentums
nicht würdig, daß es in ihm einen Platz gibt, an den sich diese armen
Töchter zurückziehen können, die ein starkes Herz aber schwache Au-
gen oder eine schwache Konstitution haben?
Im übrigen, hochwürdiger Pater, betreiben Sie eifrig den Fortschritt
des Unternehmens unseres Seminars, denn ich bin der Meinung, daß es
jetzt notwendig ist ...

Mutter Chantal leitet die Gründung in Grenoble; an sie geht ein Brief vom 30.
April 1618 (XVIII,201-208: DA 5,307-311) über Fragen des Ordens. – Zu den
aktuellen Fragen in Annecy gehört der Garten der Dominikaner (vgl. den Brief
vom September 1617 an einen Adeligen s. 237f).

Annecy, Ende April 1618 (XVIII,212f) an Don Juste Guérin:


... Was den Garten betrifft, mein teuerster Pater, denke ich nicht
weiter an ihn ... Unsere Töchter von der Heimsuchung werden ihren
Bau ohne Bequemlichkeit machen, aber sie werden sich sehr willig dar-
ein fügen, ja ich kann sagen, sie werden sehr zufrieden sein, weil es sich
nicht besser machen läßt. Außerdem wissen sie, daß es nicht unpassend
ist, wenn die treuen Bräute dessen, der in dieser Welt nie ein Zuhause
und nichts hatte, wohin er sein Haupt legen konnte, nicht zu ihrer Be-
quemlichkeit untergebracht sind.
Wie sie wissen, mein lieber Pater, hat die Mutter, die diese neue
Schar leitet, sich so sehr daran gewöhnt, auf dem Kalvarienberg zu woh-
nen, daß ihr jede andere irdische Wohnung noch zu schön erscheint. Sie
hat daher keinerlei Gefühl des Widerstrebens, denn sie weiß gut, daß
die Pilger in dieser Herberge nur eine Zuflucht brauchen, um darin eine
Nacht dieses kurzen Lebens zu wohnen, und daß sie mit Gottes Hilfe so
darauf bedacht sind, Frieden zu finden in der schönen Herberge ihrer
ewigen Stadt, daß das übrige ihnen gleichgültig ist.
Mein teuerster Pater, schließlich sind wir Kinder der himmlischen
Vorsehung. Gott wird nach seinem Wohlgefallen für seine Dienerinnen
sorgen. Man muß Geduld haben: Qui seminant in lachrymis, in exulta-
tione metent. So bringen auch die Rosenstöcke zuerst Dornen hervor,
dann Rosen ...

241
Annecy, 18./19. Juli 1618 (XVIII,248-250) an Chanoine d’Ulme:
Ich wundere mich nicht über den Eifer, den die guten Leute entfal-
ten, um die Seelen abwendig zu machen, die Gott in die Heimsuchung
beruft. Denn jetzt scheint mir die vielgeliebte kleine Kongregation frei,
um die Verfolgungen und Widersprüche gut durchzustehen, die der
Feind ihres Fortschritts gegen sie aufbietet und in allen ähnlichen Fällen
gewöhnlich erregt. Gewiß, ich glaube trotzdem, daß er nichts mehr ver-
mag, denn wie ein Advokat, der einen schlechten Fall hat, weiß er nichts
mehr zu tun, als zu kneifen und Zeit zu gewinnen.
Ich habe von Rom den Auftrag erhalten, diese Kongregation unter
dem Titel eines Ordens zu errichten, mit allen Privilegien, Vorzügen und
Gnaden, die alle anderen Orden haben, uzw. nach der Regel des hl.
Augustinus. Sagen Sie der guten Seele, daß sie beruhigt in Sainte-Marie
eintreten kann; wenn sie auch noch kein Orden ist, wird sie es doch bald
sein, und ich wage zu sagen, daß sie es vor Gott immer war, denn durch
seine Gnade hat man hier immer religiös gelebt. Gewiß geht jemand
genug auf das Meer, der ein Schiff in der Rhônemündung besteigt, das
zur Ausfahrt bereit ist.
Unsere Mutter wird diesen Winter ein Haus in Paris gründen, wie ich
voraussehe, mit soviel Segen, Nutzen, Schutz und Beistand, daß ich si-
cher bin, nachher wird alles still und friedlich sein.
Ich schätze die Schwestern Ihrer Stadt sehr glücklich, daß sie sich
der Früchte Ihrer Liebe, Sorge und Ihres Eifers erfreuen dürfen. Wel-
ches Glück für mein armseliges Vaterherz zu wissen, daß mein überaus
liebenswerter Bruder ganz liebevoll und herzlich zu meinen vielgeliebten
Töchtern ist! ...

Annecy, 27. August 1618 (XVIII,274-276) an Don Juste Guérin: Die Dominika-
ner haben den Kontrakt über den Garten nicht gehalten. Bitte um die italieni-
sche Regel des hl. Augustinus.
Annecy, August-September 1618 (XVIII,279-282) an Chanoine des Eschelles:
Von den Ungewißheiten über die vielgeliebte Reise, die uns für meh-
rere Monate vereinigen soll, mein teuerster Herr Bruder, bedaure ich
nichts so sehr, als das Glück verzögert zu sehen, das unsere Herzen sich
davon versprechen, daß wir über den Wunsch nach ihren heiligen Vor-
sätzen miteinander sprechen können ... Wenn ich nur wirklich ein Got-
tesfreund wäre, wie Ihr großer Bischof (Camus) mich nennt (mehr sei-
ner großen Liebe als der Kenntnis meiner Schwächen folgend), wie will-
kommen wäre ich Ihnen dann, mein teuerster Bruder! Aber wenn Sie
mich nicht deswegen lieben können, was ich bin, dann lieben Sie mich,

242
damit ich es sei, und bitten Sie unseren großen Menschenfreund, daß er
mich durch seine Gebete zu seinem Gottesfreund mache ...
Aber was soll ich Ihnen sagen, wieviel unsere guten Schwestern von
der Heimsuchung durchgemacht haben wegen ihres Platzes und ihrer
Bauten? Mein teurer Bruder, der Herr ist unsere Zuflucht geworden.
Wenn der Herr die Zuflucht ihres Geistes ist, sind sie da nicht sehr
glücklich? Wie unsere gute Mutter, sehr leidend, mir gestern sagte: Wenn
die Schwestern unserer Kongregation sehr demütig und Gott treu sind,
werden sie das Herz Jesu, ihres gekreuzigten Bräutigams, als Herberge
und Zuflucht in dieser Welt und seinen himmlischen Palast als ewige
Wohnung haben.
Ich muß es in das Ohr Ihres Herzens sagen, das von dem meinen so
zärtlich geliebt wird: Mein Geist ist von unsagbarer Süßigkeit erfüllt,
wenn ich die Genügsamkeit dieser teuren Mutter sehe und die völlige
Loslösung von allen irdischen Dingen, die sie bei all diesen kleinen Wi-
derwärtigkeiten bewiesen hat. Das sage ich nur zu Ihrem Herzen, denn
ich habe mir vorgenommen, nichts über sie zu sagen, die das Wort Got-
tes zu Abraham vernommen hat: Egredere de terra tua, et de cognatione
tua, et de domo patris tui, et veni in terram quam monstravero tibi. Sie
tut das in Wahrheit, und mehr als das. Nun bleibt mir, sie Ihren Gebeten
zu empfehlen, denn die häufigen Anfälle ihrer Krankheiten bringen uns
oft Angriffe der Besorgnis, wenn ich auch nicht zu hoffen aufhöre, der
Gott unserer Väter werde ihre fromme Nachkommenschaft vermehren
wie die Sterne am Himmel und wie den Sand am Ufer des Meeres. Mein
Gott, das ist zu viel gesagt über diesen Gegenstand, von dem ich nichts
sagen wollte. Es ist jedoch für Sie bestimmt, dem man alles sagen kann,
da Sie ein Herz haben, unvergleichlich in der Liebe zu dem, der mit
liebevoller Hochachtung Ihnen bekennt, Ihr gehorsamster und liebe-
vollster Diener und Mitbruder in Christus zu sein.

Annecy, 16. Oktober 1618 (XVIII,295-297) an Donna Ginevra Scaglia:


Da Bourges und Paris meine Zusage und die der Mutter haben, ist es
unmöglich, es anders zu machen. Aber unsere Mutter wird bald zurück-
kommen, d. h. im Frühjahr, und von hier aus läßt sich die Frage des
Klosters von Turin auf eine gediegenere Grundlage stellen. Sr. Paule-
Jéronyme de Monthoux ist vorgesehen, die Mutter zu begleiten und in
Turin eingesetzt zu werden, wenn es Ew. Gnaden angenehm ist und
wenn der erlauchte Prinz es billigt, wie wir hoffen.
Ich bin im Aufbruch zum Dienst des erlauchten Prinz-Kardinals be-
griffen, wie es Se. Hoheit wünscht. Wenn die Nachricht stimmt, die man

243
mir bringt, daß der Herr Marquis, Ihr Bruder, an der Reise teilnimmt,
wird mir das ein besonderer Trost sein ...
Um nach Bourges zu reisen, wird die Mutter einen anderen Weg
nehmen als wir. Sie wird dort bleiben, solange ich in Paris bin. Ich werde
nicht unterlassen, Sie vom Fortschritt unserer Kongregation zu unter-
richten, die Ew. Gnaden so lieben ...

Orléans, anfangs November 1618 (XVIII,302f) an Mutter Favre: Das Breve,


durch das die Heimsuchung als Orden errichtet wird (DA 7,48).

244
B. Die Bürde des geistlichen Amtes

Aus den vielfältigen Aufgaben des Bischofs, die in Briefen, Bittschriften und
Empfehlungen ihren Niederschlag fanden, ragen einige deutlich heraus. Dazu
gehören die andauernden Bemühungen um die materielle Sicherung der Seelsor-
ge, die Sorge für das Heilige Haus in Thonon, in dem er eine Gemeinschaft des
Oratoriums gründen wollte, die Förderung der Barnabiten und die Versuche der
Reform in Talloires und Sixt.
Das Wirken des Bischofs wird immer wieder beeinflußt, erschwert und behindert
durch die politischen Verhältnisse; sie klingen in den Briefen dieses Abschnitts
ebenso an, wie umgekehrt aus den Briefen über weltliche Gegenstände im nächs-
ten Abschnitt die geistliche Grundhaltung des Seelsorgers immer durchscheint.

Annecy, 17. Februar 1615 (XVI,308f) an Prinz-Kardinal Maurice von Savoyen:


Die Unterlagen für die Heiligsprechung des seligen Amédée sind mit dem Tod des
Herrn Ranzo verschollen. – Dank für die Unterstützung bei der Berufung der
Barnabiten an das Kolleg von Annecy und Bitte um weitere Förderung.

Annecy, 13. März 1615 (XVI,323) an Jean de Chatillon:


Ich höre schwere Klagen über den Pfarrer von Cervens durch einen
bestimmten Mann aus dem Ort, der sich meines Erachtens Pellier nennt.
Ich bitte Sie, der Sache nachzugehen, und nachdem Sie mit dem genann-
ten Pellier gesprochen haben, mich zu informieren, wenn es Ihnen gera-
ten scheint. Es täte mir leid, wenn der arme Mann schlecht wäre; wenn er
es aber ist, muß er gemaßregelt werden.

Annecy, 15. März 1615 (XVI,324f) an Prinz-Kardinal Maurice: Bitte um Inter-


vention des Kardinals, damit die Stadt Annecy von Kriegssteuern befreit werde.
Annecy, März-April 1615 (XVI,333-335) an Bénigne Milletot:
Mein Herr Bruder! Ich muß offenherzig zu Ihnen sprechen; zu wem
sonst? Seit ich dieses Amt des Bischofs innehabe, ist mir nichts begeg-
net, was mich so betrübt hat wie dieser Aufruhr, den die Ratsherren und
mehrere Bewohner von Seyssel in den letzten Tagen gegen die Frömmig-

245
keit und die Gerechtigkeit gemacht haben. Sie führen seit kurzem einen
Prozeß gegen mein Kapitel wegen des Zehnten. Sie behaupten, daß sie
nicht mehr zahlen müßten als 30 Garben Korn pro Kopf und 60 Posten
Weizen pro Kopf. Ich habe mich mit aller Kraft bemüht, diesen Zwist
gütlich beizulegen, aber da gibt es nie eine Möglichkeit, weil sich die
Bewohner keinem Spruch und keinem Versuch beugen wollen, wenn
man nicht ihren Willen tut. Während dieses Prozesses glaubten sie, daß
ihnen Gewalt mehr nütze als Gerechtigkeit, und nach einigen Drohun-
gen taten sie, was der Statthalter von Belley sicher geschildert hat. Wenn
ich mich nicht täusche, war das äußerste Verachtung der Pflicht gegen
den Magistrat und wildeste Leidenschaft gegen die Pfarrer und Geistli-
chen.
Ich bin betrübt, wenn diese Gewalttätigkeit nicht unterdrückt wird,
denn sie nimmt mit jedem Tag noch mehr zu. Ich bin aber andererseits
auch betrübt, wenn diese Meuterei bestraft wird, denn die Meuterer
sind meine Diözesanen und meine geistlichen Kinder. Wenn ich alles
wohl überlege, wünsche ich das zweite, denn schließlich bedarf es ein
wenig der Betrübnis der Kinder, damit sie sich bessern, zumal die Er-
mahnungen nichts genützt haben, und es ist besser, daß ich über ihre
zeitliche Trübsal weine, als daß sie sich in die ewige stürzen. Der Mehr-
zahl der guten Leute dieses Ortes tut dieser Aufruhr leid; sie können
aber trotzdem die Flut der Unruhe nicht aufhalten.
Von meiner Pflicht getrieben, schicke ich also diese zwei Boten, die
mehr als Augenzeugen dieser Tat waren, vor allem Herr Roget, ein Mann
von unvergleichlicher Rechtschaffenheit und ein sehr fähiger Prediger.
Gegen ihn haben sie die Frauen aufgehetzt, um ihn durch das leicht
erregbare Geschlecht in die Rhône werfen zu lassen, als hätte er gegen
die Ehre aller gesprochen. Zu seiner Rechtfertigung sagt er: „Ach, ich
habe so große Angst vor diesen Leuten! Wenn ich je in meinem ganzen
Leben etwas Böses gesagt hätte, würde ich mich fürderhin sehr hüten!“
Insgesamt scheint mir, daß diese Unverschämtheit zu bekannt ist,
um verheimlicht zu werden, zu frech, um ungestraft zu bleiben, zu ge-
fährlich, um nicht unterdrückt zu werden. Ich verlasse mich gleichwohl
auf Ihre Klugheit und bitte Sie nur, mein Herr Bruder, mich darin un-
terstützen zu wollen, daß meine Kirche auf diesen Rechten besteht und
daß diese Leute künftig ihre Pflicht erfüllen ...

Annecy, 3. Mai 1615 (XVI,351-355) an Antoine des Hayes:


Ich antworte gesondert auf Ihren Brief vom 10. April, den ich vorge-
stern, am 1. Mai erhalten habe, und ich habe zu diesem Gegenstand fast
nichts zu sagen; denn ich spreche ganz ehrlich und ich kann nicht glau-

246
ben, daß man mich anders von hier versetzen will als mit Anstand, ohne
den ich von hier nicht weggehen kann und will. Ich könnte das nicht
wollen, ohne Gott zu beleidigen und mein Ansehen zu verlieren, das ich
jedoch in jedem Fall, in diesem aber besonders nötig habe. Sie wissen
gut, mein Herr, daß es wichtigerer Gründe bedarf, um alte Leute zu
versetzen als junge, und daß Hunde sich nur vorwärts bewegen.
Aus diesem Grund bin ich in Wahrheit so wenig geeignet, daß ich
selbst nicht ohne Beschämung an die Ehre denke, die Sie, mein Herr,
und jener, der Ihnen den Vorschlag gemacht hat, mir zudenken. Ich
glaube, Sie verstehen gut, daß ich Ihnen keine andere Antwort auf ein so
allgemeines Angebot geben kann.
Nun antworte ich auf zwei andere Briefe, die ich im vergangenen
Monat erhalten habe ...

Es folgt der Dank für verschiedene Gefälligkeiten, Nachrichten über den Sohn
des Freundes, der bei den Barnabiten studiert, und über einen Sieg des Herzogs.
Annecy, 15. Juli 1615 (XVII,25f) an Bischof Fenouillet:
Monseigneur! Eingeladen vom Herrn Erzbischof von Lyon, war ich
in den vergangenen Tagen bei ihm. Ich hatte die feste Absicht, Ihnen die
Hand zu küssen, wie jetzt sehr demütig durch den Brief; aber ich hatte
dafür nie die Muße wegen des Gedränges der Besuche, die ich empfing
und machte. Gewiß, die großen Städte sind dafür ungünstig, wenigstens
für die armen Dörfler wie ich, die es nicht gewohnt sind. Aber wenn ich
Ihnen auch nicht schreiben konnte, habe ich doch nicht versäumt, oft
mit dem würdigen Prälaten von Ihnen zu sprechen, der wahrhaftig be-
zeugt, Sie zu ehren und sehr zu schätzen. Darüber habe ich mich sehr
gefreut, wie Sie sich denken können.
Im übrigen haben wir Frieden, Gott sei Dank, den ich bitte, ihn dau-
erhaft und glücklich zu machen. Der Krieg war kurz, aber so hart, wie es
nur sein kann, ... so daß wir viele Witwen und Waisen haben, deren
Wünsche nach einem dauernden Frieden gehen ...

Annecy, 4. August 1615 (XVII,31f) an Bischof Fenouillet: die Folgen des Krieges
für beide Seiten.
Annecy, 14. August 1615 (XVII,32f) an Pfarrer Dunant von Gex:
... Bezüglich der Ehe wünsche ich weder einen geringen noch großen
Anschein, daß ich sie gutfinden oder ohne eine Erklärung des Mäd-
chens billigen könnte. Es führt auch zu nichts, sich auf Beispiele zu beru-
fen, denn die Bischöfe, die es erlauben, können mehr Autorität haben

247
als ich; und wie sie ihr Vorgehen zu verantworten wissen, wovon ich
überzeugt bin, so ich das meine. Ich zweifle nicht, daß die Ehen zwischen
Katholiken und Häretikern nicht gut sind, wenn sie geschlossen sind,
aber sie zu erlauben und einsegnen zu lassen, das tut nicht einmal der
Papst. Ich weiß, daß es wenig wünschenswerte Konsequenzen haben
wird, aber ich bleibe bei meiner Pflicht.

Thonon, 3. September 1615 (XVII,45-48) an Prinz-Victor-Amédée:5


Monseigneur! Entsprechend Ihrem Auftrag bin ich hierher gekom-
men, um die Einführung der Patres Barnabiten in das Heilige Haus Un-
serer lieben Frau vom Mitleid vorzunehmen, und schließlich haben die
Verhandlungen in dieser Sache zu dem beigefügten Beschluß geführt.
Es ist nicht zu beschreiben, zu welchem Fortschritt die Patres Barna-
biten in dieser Gegend von nun an nützlich sein werden, nicht nur für
die Festigung des Glaubens beim guten Volk, ... sondern auch zur Be-
schämung der Feinde des Glaubens, die diese Provinz von allen Seiten
umgeben. Es kann nicht anders sein, als daß sich das geistliche Gut von
hier aus allmählich auf die Nachbarschaft ausbreitet, die auf diese Weise
unvermerkt gute Voraussetzungen empfängt, sich zu bekehren und zur
Pflicht zurückzukehren.
Außerdem aber kann ich mich nicht enthalten, Monseigneur, meine
Freude darüber zu äußern, daß wir durch die Ankunft der guten Patres
in dieser Stadt den heiligen Gottesdienst in der Kirche des hl. Augusti-
nus wieder aufblühen sehen. Sie wurde gegründet von dem berühmten
Amé, dem großen Ahnherrn Ew. Hoheit, in einer Stadt, die ausgezeich-
net ist durch die Geburt des hervorragenden Dieners Gottes, des seli-
gen Amé, dessen Heiligsprechung wir mit unvergleichlicher Sehnsucht
wünschen, weil wir hoffen, durch die öffentliche Anrufung seines Bei-
stands das Ende so vieler Heimsuchungen, Seuchen und Unwetter zu
erlangen, mit denen Gott durch eine Reihe von Jahren dieses Volk heim-
suchen wollte.
Monseigneur, Ew. Hoheit haben Anteil am ererbten und stets wach-
senden Glanz Ihrer erlauchten Abkunft, die Ehre der Werke Ihrer güti-
gen und unsterblichen Frömmigkeit; und wie Sie deshalb eine der Zierden
der Krone Ihres erlauchten Vaters sind, so sind Sie auch eine der kostbar-
sten Säulen des Tempels Gottes, des ewigen Vaters. Jede dieser Eigen-
schaften gibt mir das Vertrauen, die Güte Ew. Hoheit bei allen Anlässen
anzurufen, die sich auf die heilige katholische Religion beziehen. Eine der
wichtigsten ist die Ausbreitung der Patres Barnabiten und die Wiederher-
stellung des Gottesdienstes in allen Klöstern; ich empfehle sie demütigst

248
dem Eifer Ew. Hoheit, der ich meine untertänigste Reverenz erweise und
unablässig die Fülle himmlischer Gnaden wünsche ...

Annecy, 2. Oktober 1615 (XVII,66f) an Bischof Fenouillet: über die Pest in


Genf.
Annecy, 23. Oktober 1615 (XVII,73-75) an Claude de Blonay:
In der Gewißheit, daß Sie bald kommen, um Mlle. d’Avise zu bringen,
fasse ich mich kurz und will Ihnen nur sagen, daß die Patres Barnabiten
wohl (nach Thonon) kommen möchten, aber sie wagen es nicht ohne
neue Genehmigung des Generals, weil der geschlossene Vertrag nicht
bestehen kann ...
Ich werde die Briefe schreiben, die Sie wünschen, sobald ich dazu
Muße habe. Herr Claude verspricht, mich zu besuchen, er tut es aber
nicht, denn es geschah auf der Straße, wo ich ihm begegnet bin. Sie
werden zu tun haben, um sich wegen Contamine zu verteidigen, und
schließlich werden Sie sehen, daß man ein großes Gehalt geben muß.
Das sage ich nicht, weil ich es wüßte, sondern weil ich es voraussehe.
Den Damen von der Heimsuchung habe ich gesagt, wenn Mme. de
Charmoisy kommt, werden Sie ihnen das Geld schicken; sie erwarten es.
Hier ist ein Brief an Mlle. d’Avise, den mir Mme. de la Fléchère heute
gegeben hat.

Annecy, 24. Oktober 1615 (XVII,76-78) an Bischof Fenouillet: Empfehlung für


einen Studenten der Medizin. Kriegsgerüchte in Frankreich.
Annecy, 8. November 1615 (XVII,83-85) an den Herzog:
Bezüglich der Empfehlung, die Ew. Hoheit mir für den Herrn de Cha-
telard zu geben geruhten, die bei mir die Stelle eines Befehls einnimmt,
hätte ich sehr gewünscht, ihm die Pfründe geben zu können, die er an-
strebt. Aber einerseits stand es mir nicht zu, darüber zu verfügen, da das
Kapitel meiner Kirche das Recht der Ernennung hatte, andererseits kön-
nen weder das Kapitel noch ich die Bestimmungen des Konzils von Trient
übertreten, die zu beobachten wir geschworen haben. Sie erlauben nicht,
die Pfarrpfründen anders als im Konkurs zu vergeben, uzw. dem Fähig-
sten. Täten wir das Gegenteil, würden wir uns der Ungnade Unseres
Herrn und der Verdammnis aussetzen. Diese Pfründe kann dem Pfarrer
nur 50 Dukaten einbringen, und die Seelsorgsaufgabe ist sehr schwer
wegen der großen Seelenzahl, die ihm untersteht und viel mit Deutsch-
land verkehrt. Sie braucht einen Seelsorger, der große Sorgfalt darauf
verwendet, sie zu erbauen und sie im Glauben zu bewahren.

249
Ich wünsche dem genannten Herrn de Chatelard gewiß alles Gute.
Er verspricht, den Dienst der Kirche zu lieben, aber als Benefizien wün-
sche ich ihm andere, die keine Verantwortung für die Seelen auferlegen.
An solchen fehlt es nicht, wenn Ew. Hoheit ihn bei Gelegenheit empfeh-
len wollen.

Annecy, 27. Februar 1616 (XVII,152f) an Graf de Tournon:


Der Überbringer brachte mir wohl die Befriedigung, Ihre Nachrich-
ten zu erhalten und vom Wunsch zu erfahren, daß ich seinem Orden
einen Dienst erweise. Aber er verfügt über so geringes Wissen, daß ich
große Bedenken habe, ihm die Priesterweihe zu spenden, wenn er nicht
noch viel studiert. Deshalb habe ich ihm zu verstehen gegeben, er soll
nicht wiederkommen, ohne damit versehen zu sein. Im übrigen wird er
Ihnen die Gesundheit meiner Frau Cousine bestätigen ...

Annecy, 29. Februar 1616 (XVII,153-156) an den Herzog: Dank für die Beru-
fung der Barnabiten und Bitte um das nötige Einkommen durch die Übertragung
von zwei Prioraten.
Annecy, 29. Februar 1616 (XVII,156-159) an Kardinal Borromeo: Dank für die
Überlassung von Reliquien des hl. Karl Borromäus.
Annecy, 10. März 1616 (XVII,171-173) an Don Juste Guérin:
Hochwürdiger Pater! Unsere Patres von hier waren der Meinung,
ich sollte einen neuen Vorstoß bei Sr. Hoheit und bei dem erlauchten
Prinzen für die Angelegenheit von Thonon unternehmen. Das habe ich
meines Erachtens zu dem günstigen Zeitpunkt gemacht, als mir der Herr
Prinz-Kardinal Gelegenheit bot, mich zu bedanken für seine Mitteilung
vom guten Anfang, den er in den Bemühungen um die Heiligsprechung
des seligen Amé gemacht hat. Da der ehrwürdige Fürst in Thonon gebo-
ren ist, habe ich das zum Anlaß genommen, die Einsetzung der Patres an
diesem Ort zu empfehlen. Das gleiche habe ich an Se. Hoheit und an den
erlauchten Prinzen geschrieben, denn ich fühlte mich verpflichtet, ihnen
meine Freude über die Hoffnung auf diese Heiligsprechung zu bezeu-
gen. Da Sie selbst die Briefe übergeben, können Sie hinzufügen, daß ich
im vergangenen Jahr, als Thonon von der Pest sehr bedroht war, dem
Volk das Vertrauen empfahl, das sie auf die Fürbitte des ehrwürdigen
Fürsten haben müßten, durch dessen Geburt die Stadt ausgezeichnet
ist, und daß alle größte Zuversicht zeigten ...

Annecy, 10. März 1616 (XVII,174f) an Prinz-Kardinal Maurice:


Monseigneur! Ich lobe Gott und preise seinen heiligen Namen für
den guten Fortgang, den er der Kanonisation des glorreichen ehrwürdi-

250
gen Amé verliehen hat. Ich denke, daß keiner den Abschluß dieses hei-
ligen Vorhabens mit größerer Anteilnahme erhoffen kann als ich. Ich
sehe ja voraus, daß das ganze Volk künftig überaus großen Trost und
eine große Zunahme der Frömmigkeit erfahren wird, vor allem aber in
Thonon, dem Ort der Geburt des heiligen Fürsten. Hier habe ich im
vergangenen Jahr eine allgemeine Bewegung des Vertrauens auf die Für-
sprache des ehrwürdigen Gottesfreundes festgestellt nach den ersten
Befürchtungen wegen der Pest in Genf; ich hatte ihnen klargemacht,
daß sie dazu allen Grund haben wegen der Ehre, die ihre Luft hatte, für
die ersten Atemzüge des großen Fürsten zu dienen ...
Indessen bitte ich Sie demütigst, Monseigneur, sich die Förderung
der Einsetzung der Patres Barnabiten im Heiligen Haus von Thonon
und im Priorat von Contamine sehr angelegen sein zu lassen. Ew. Hoheit
wird damit ohne Zweifel ein Werk tun, das der göttlichen Majestät sehr
angenehm ist und das nach meiner Meinung Ihnen der selige Geist des
glorreichen Fürsten Amé vom Himmel her sehr heilig empfiehlt ...

Annecy, 12. März 1616 (XVII,176-178) an den Herzog:


Monseigneur! Ew. Hoheit lieben ohne Zweifel das arme Thonon; es
ist auch in zweifacher Weise das Ihre, einmal weil Sie sein regierender
Fürst sind und weil Sie ihm ein neues Leben geschenkt haben durch Ihre
väterliche Sorge, das ganze Volk in den Schoß der Kirche zurückzufüh-
ren: eine Dankesschuld, die nicht nur unsterblich ist, sondern ewig, weil
sie eine Wohltat betrifft, die über die Jahrhunderte dauern wird.
Monseigneur, zur Vollendung dieses heiligen Werkes haben mir Ew.
Hoheit vor etwa einem Jahr den Auftrag gegeben, für die Einsetzung der
Patres Barnabiten an diesem Ort zu sorgen. Das gelingt dadurch, daß
das Heilige Haus das Priorat von Contamine an diese Patres abtritt. Nun
aber sind Schwierigkeiten aufgetaucht, die niemand überwinden kann
als die Frömmigkeit und das unüberwindliche Herz Ew. Hoheit. Darum
flehe ich Sie in aller Demut bei der Gunst des glorreichen ehrwürdigen
Fürsten Amé an, der an diesem Ort geboren ist, von dessen Heiligspre-
chung ich der Krone Ew. Hoheit allen heiligen Segen verheiße ...

Annecy, 12. März 1616 (XVII,178f) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur, ich weiß, daß die Liebe und Frömmigkeit Ew. Hoheit
sehr entschlossen ist in dem Vorhaben, die Patres Barnabiten in Thonon
einzusetzen. Mit ihm ist die Erhaltung des Priorates von Contamine beim
Heiligen Haus dieses Ortes zur Benützung und zum Unterhalt der Pa-

251
tres und ihres Kollegs verbunden. Da es meine Pflicht ist, richte ich
trotzdem von neuem meine demütige Bitte an Ew. Hoheit zum gleichen
Zweck und erinnere Sie nur daran, daß Thonon der Geburtsort des
ehrwürdigen Amé ist, über dessen bevorstehende Heiligsprechung ich
mich unendlich freue. In ihr sehe ich viele heilige Segnungen voraus für
die Krone, die er in dieser Welt getragen und unter der er so glücklich in
der anderen gekrönt wurde ...

Annecy, 18. März 1616 (XVII,181f) an Don Juste Guérin:


Hochwürdiger Pater, ich habe Ihnen durch Herrn Gilette geschrie-
ben und gleichzeitig drei Briefe für die Fürsten verfaßt und ihnen die
Angelegenheit von Thonon und Contamine empfohlen. Ich erfahre, daß
das Priorat von Contamine sehr geeignet ist und zu mehreren Zwecken
sehr nützlich sein wird. Deshalb und vor allem, um es uns nicht entgehen
zu lassen, wird es gut sein, den Grafen de Verene zu gewinnen durch
eine kleine Rente bis zu hundert Pistolen ...

Annecy, 28. März 1616 (XVII,182f) an P. Dominique de Chambéry: Befürwor-


tung des Wunsches der Stadt La Roche nach einem Kloster der Kapuziner.
Annecy, 26. April 1616 (XVII,197f) an den Herzog:
Monseigneur! Die Gunsterweise, die Ew. Hoheit uns gaben, geben
mir das Vertrauen, immer neue zu erbitten, zumal sie alle die Ehre Got-
tes zum Ziel haben, der Ihre Frömmigkeit unablässig dient, um sie zu
mehren. Die Patres Barnabiten sind in Thonon eingeführt. Es gilt nun,
sie dort festzuhalten. Dazu ist es notwendig, daß das Priorat von Conta-
mine, das vor allem für ihren Unterhalt bestimmt ist, ihnen gesichert
und von dem Anspruch befreit wird, den der Herr Abbé Scaglia darauf
erhebt. Das wird die Klugheit Ew. Hoheit sehr leicht durch die geeigne-
ten Maßnahmen erreichen ...

Annecy, 23. Juli 1616 (XVII,265f) an Propst Roland Viot: über die Einigung im
Streit mit dem Hospiz vom Großen St. Bernhard um die Pfarreien Allinges und
Mesinges.
Annecy, 10. Oktober 1616 (XVII,290f) an Claude de Blonay:
Vor einigen Tagen hielt Se. Hoheit (Victor-Amédée) eine Versamm-
lung, um die geeigneten Beschlüsse für die Wiederherstellung der Klö-
ster zu fassen, sowohl in bezug auf die zeitlichen Grundlagen als auch
auf das geistliche Bauwerk der klösterlichen Disziplin.
Für das Erste hat Se. Hoheit bestimmt, daß erledigte Präbenden un-
besetzt bleiben, bis anders verfügt wird. Das habe ich P. Fulgens vor
seiner Abreise mitgeteilt; da ich aber weiß, daß es dort gegenwärtig eine

252
vakante Stelle gibt, bitte ich Sie, diese unbesetzt zu lassen, d. h. zu errei-
chen, daß der Rat, dem die Verleihung zusteht, dies aufschiebt. Sie kön-
nen auf Grund meines Briefes dem Rat im Namen Sr. Hoheit mitteilen,
daß er mich beauftragt hat, die Hand darauf zu halten, und daß ich Sie
bitte, dies zu tun, ... indem Sie den Herrn Erzbischof (Gribaldi) darum
bitten. Dasselbe habe ich im beigefügten Brief getan, indem ich ihm be-
stätige, daß ich wünsche, Sie möchten ein Auge darauf haben, soviel es
auf Sie ankommt, indem ich Sie im Namen Sr. Hoheit und durch Sie den
Rat benachrichtige. Dem füge ich nichts hinzu, als daß ich Ihr sehr de-
mütiger Mitbruder bin.

Annecy, 13. Oktober 1616 (XVII,294f) an Claude-Amédée Vibod:


Erweisen Sie mir bitte die Liebe, daß ich den Brief haben kann, den
Se. Hoheit an den Vize-Legaten von Avignon gerichtet hat als Empfeh-
lung des Anliegens, das das Heilige Haus von Thonon, mein Kapitel und
ich haben hinsichtlich der Plätze des Kollegs von Annecy oder Savoyen,
die in Avignon gestiftet sind, die dem Volk von Savoyen zustehen, damit
wir wieder in die Lage versetzt werden, sie einzunehmen.
Ich werde Ihnen das Memorandum schicken; Herr Boschiz verspricht
mir freundlicherweise, dieses Schreiben zu befördern, das wir zu bekom-
men wünschen, damit es um so früher der Persönlichkeit übergeben
werde, die wir schicken, um das Ansuchen zu stellen ...

Annecy, 26. Oktober 1616 (XVII,296f) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Die Ordensleute von Talloires haben erfahren, daß
der Pächter ihres Kommenden-Priors versprochen hat, 300 Fuhren Ge-
treide für die Armee zu liefern, und daß er zu diesem Zweck das Getrei-
de seines Pachtgutes verwenden will. Sie bitten Ew. Hoheit untertänigst
zu befehlen, daß vor allem die Präbenden einbehalten werden, die zum
Unterhalt der Ordensleute bestimmt sind, damit der Dienst Gottes er-
halten bleibe, in Anbetracht dessen, daß der Pächter nichts versprechen
kann, was den Ordensleuten gehört. Ich unterstütze sie in der Annah-
me, daß Ew. Hoheit es billigen ...

Annecy, 29. Oktober 1616 (XVII,298) an den Herzog: Bitte um Intervention für
das Kolleg von Annecy in Avignon beim Papst (vgl. den Brief vom gleichen Tag an
Claude-Amédée Vibod: XVII,299).
Annecy, 18. November 1616 (XVII,309-311) an Annibale Boschi: Bitte um
Auszahlung von bewilligten Zuschüssen für die Klarissen.
Annecy, 19. November 1616 (XVII,311) an Prinz Victor-Amédée: Ankündigung
des Besuchs der Barnabiten und Dank.

253
Annecy, 23. November 1616 (XVII,313f) an Jean Massen: Empfehlung eines
Studenten der Theologie.
Annecy, 5. Januar 1617 (XVII,325-328) an Chanoine Denis de Granier: Das
Domkapitel und der Bischof ersuchen ihn, auf sein Kanonikat zu verzichten, da
er seinen Platz schlecht ausfüllt und das Kapitel diesen einem würdigeren Prie-
ster geben will.6
Annecy, 8. Januar 1617 (XVII,330f) an den Herzog de Nemours: Dank für die
Absicht, den Barnabiten eine Kirche zu bauen (die wegen Geldmangels erst 1645
gebaut wurde).
Annecy, 17. Januar 1617 (XVII,332-334) an Prinz Victor-Amédée: Antwort auf
eine Anfrage. Nach Rücksprache mit dem Präsidenten de Sautereau rät der Bi-
schof von einer Heirat des jungen Sautereau mit der „Bellod“ wegen deren anstö-
ßigen Lebenswandels entschieden ab.
Annecy, 2. Februar 1617 (XVII,342f) an die Kanoniker von Sallanches:
Ich werde alles Erforderliche tun, um den Herrn Dekan zu seiner
Pflicht anzuhalten, damit er nicht das Brot vom Tisch des Herrn ißt, dem
er nicht dient und den er in keiner Weise ehrt, sondern verachtet und
schwerstens entehrt, soviel er kann. Ich schicke Ihnen eine Mitteilung
über einen Vorfall, von dem ich wünsche, daß Sie ihn in Ordnung brin-
gen, weil das Ihre Aufgabe ist, und ich bin sicher, daß Sie das tun und
mich Ihrer Gebete teilhaft machen werden.7

Grenoble, 2. März 1617 (XVII,350-352) an Jean-François de Sales:8


Ich bin sehr erstaunt, daß Sie nur das Billet erhalten haben, das ich
durch Herrn Charbonnet schickte, denn ich habe Ihnen gewiß bei jedem
Anlaß geschrieben, mein teuerster Bruder, und auf alles geantwortet,
was Sie mir vorgelegt haben ...
Bezüglich der Exkommunikation wegen des Betretens von Männer-
klöstern durch Frauen muß man vor allem sehen, ob es eine solche gibt,
denn ich habe das nie gesehen. Wenn es eine gibt, muß man genau be-
achten, unter welchen Voraussetzungen sie eintritt. Dann kann man sie
veröffentlichen, denn für die Bekanntgabe von Exkommunikationen de
jure bedarf es keiner weiteren Mahnung. Man muß aber gut überlegen,
was man tun kann. Wenn die Exkommunikation durch unsere Autorität
zu verhängen wäre, ergibt sich eine große Schwierigkeit, weil dann Raum
für die Berufung ist. Man muß große Sorgfalt anwenden, das gegen
Ordensleute zu tun, die nachher alles aufbieten, um den Erfolg unserer
Absicht zu vereiteln, so gerecht und heilig sie sein mag. Wir haben das
Beispiel des Erzbischofs von Tarentaise, der viel mächtiger, geschickter
und beherzter ist als wir und der es nur mit einem Konvent zu tun hat.
Um zu schließen: Wenn es irgendeinen Kanon oder eine Bulle gibt,

254
die diese Exkommunikation verhängt, bin ich einverstanden, daß man
sie mit einem guten Rat veröffentlicht; wenn es das nicht gibt, bin ich der
Meinung, wir sollen uns mit einem einfachen Verbot begnügen, das wir
bekräftigen durch Reservation des Falles oder durch Exkommunikation,
wie es uns die Zeit erforderlich erscheinen läßt.
Das ist alles. Ich bin in Eile, so daß ich nur die Zeit finde, Sie zwi-
schen Rosenkranz und Offizium abertausendmal zu grüßen, mein sehr
teurer Bruder. Ich bitte Gott, daß er Sie mit Glück überhäufe, zusam-
men mit allen Brüdern und Mitbrüdern, und bin ohne Ende ganz der
Eure.

Grenoble, 5. März 1617 (XVII,354f) an Prinz Victor-Amédée: Bitte um Beistand


für Herrn Gilette in den Anliegen des Heiligen Hauses von Thonon.
Grenoble, 5. März 1617 (XVII,355f) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur! Seit langem hat sich der Dekan de Choisy, ein Prie-
ster, angewöhnt, die Soldaten zu begleiten und der Armee zu folgen. Er
will aber trotzdem den Ertrag aus seinem Dekanat über das Kapitel und
die Kirche von Sallanches genießen, als hielte er die Residenz, zu der er
verpflichtet ist. Da er weiß, daß das Kapitel ihm diesen nicht mit gutem
Gewissen abliefern und ich nicht erlauben kann, daß er sich seiner auf
diese Weise erfreue, deswegen erwirkt er von Zeit zu Zeit ein Schreiben,
durch das Se. erlauchte Hoheit dem Kapitel befiehlt, diesen Ertrag ab-
zuliefern. Ich bin aber sicher, Monseigneur, wenn Se. Hoheit wüßte, was
das für ein Mann ist, würde er ihn zur Pflicht rufen und nicht zulassen,
daß der geistliche Stand in seinem Fall entweiht wird, zumal selbst in
seiner militärischen Tätigkeit nichts so Empfehlenswertes liegt, daß es
als nennenswerter Dienst angesehen werden könnte.
Als ich bei Gelegenheit Ihres ehrenden Besuches hier mit Ihnen dar-
über sprach, bestätigten Ew. Hoheit, daß Sie meine Vorstellungen för-
derungswürdig finden; deshalb bitte ich untertänigst um den Auftrag,
mit dem Kapitel auf die wiederholten Briefe Sr. Hoheit zu antworten,
die der schlechte Priester erhält, durch die er das Kapitel so bedrängt,
daß es keinen anderen Weg weiß, da der bloße Wunsch Sr. Hoheit uns
äußerst ehrfurchtgebietend ist ...

Annecy, 6. April 1617 (XVII,364-366) an das Generalkapitel der Barnabiten: zu


einem Memorandum über die Ausbreitung der Barnabiten in Savoyen. – Am 12.
April 1617 (XVII,381f) an den General der Barnabiten: Bitte, daß P. Fulgens in
Thonon bleiben darf.
Annecy, 26. April 1617 (XVII,391f) an Prinz Victor-Amédée: Erneute Beschwer-
de über den Dekan von Sallanches.

255
Annecy, 1615-1617 (XVII,397-399) an Kardinal Bellarmin:
Unter den Dingen, die dieser armen, leidgeprüften Diözese Genf
helfen können, ist eines der vordringlichsten die Errichtung eines Semi-
nars. Sie wurde schon von meinem Vorgänger im Bischofsamt seligen
Andenkens versucht, aber er begegnete so vielen Widerständen, daß es
unmöglich war, voranzukommen, denn er ging auf dem Weg der Zuwen-
dung von Benefizien vor. Ihre Inhaber sind aber so geizig auf ihren
Vorteil bedacht, daß sie mit aller Kraft die Zusammenlegung zu Kollegi-
en und anderen Werken der Frömmigkeit verhindern.
Deshalb möchte ich den Plan auf einem anderen Weg wieder aufneh-
men, wenn Se. Heiligkeit uns in der Weise fördern wollte, die der hoch-
würdigste Herr Benedetto Giustiniani Ew. hochwürdigsten Eminenz vor-
geschlagen hat. Ich bitte Sie also demütigst, Ihre Liebe und Ihren Eifer
beim Heiligen Vater einzusetzen, um uns in diesem Anliegen zu unterstüt-
zen. Dieser Eifer strahlt aus Ihren Schriften, die uns eine so große Hilfe
gegen die Häretiker sind. Ich zweifle nicht daran, daß er Sie auch drängen
wird, uns in dieser Sache behilflich zu sein, die viel zur Überwindung der
Häresie Calvins an ihrem Sitz, der Stadt Genf, beitragen wird ...

Annecy, 11. August 1617 (XVIII,60f) an Pierre de Bérulle:


Ich habe allen Grund, Ihnen sehr demütig zu danken für das Ange-
bot, das Sie mir durch Herrn de Foras zu machen beliebten; aber ich will
mit der Erfüllung dieser Pflicht warten, bis ich weiß, ob ich mich auf die
Gunst beziehen kann, die Sie mir zu erweisen gedenken.
Sie wissen indes, wie ich denke, welche Hochschätzung ich immer für
Ihre Kongregation hatte. Seit Gott in seiner Güte sie aufblühen ließ,
hatte ich immer den Wunsch, ein Haus von ihr in dieser Diözese zu
haben. Bis jetzt konnte ich das nicht erreichen, nun kann ich meiner
Meinung nach diesen Plan verwirklichen. Es gibt eine Stadt, in der wir
ein Priorat mit 800 Gold-Ecus Einkommen in flüssigem Geld haben. Die
Kirche ist ganz fertig und fast eingerichtet, der Ort ist schön, angenehm,
nahe bei Genf und Lausanne, und man lebt dort fast umsonst, d. h. sehr
billig. Es bleibt nur, daß Sie mich wissen lassen, ob Sie den Vorschlag
annehmen wollen, ob wir zunächst acht Priester haben können, weil die
Gründung das erfordert, und ob es sich nicht machen läßt, daß einer
der acht die Seelsorge mit Unterstützung der anderen ausübt. Denn
wenn dem so ist, habe ich nur noch die Zustimmung Sr. Hoheit einzuho-
len, der sicher gern zustimmen wird.
Ich erwarte also von Ihnen Nachricht in dieser Sache, beschwöre Sie,
mich oft der Barmherzigkeit Gottes zu empfehlen, und bleibe immer der

256
demütige Mitbruder und sehr ergebene Diener Ihrer ganzen Kongrega-
tion im allgemeinen und der Ihre im besonderen.

Annecy, 12. September 1617 (XVIII,77-81) an Kardinal Bellarmin: Bitte um


Hilfe für einen Konvertiten, der von seiner Pension nicht leben kann. Dank für
zwei Schriften des Kardinals.
Annecy, 12. September 1617 (XVIII,81f) an die Ordensleute von Sixt: Ermuti-
gung zur Reform (DA 12,130f).
Annecy, 17. September 1617 (XVIII,89-91) an Papst Paul V.: Bitte um eine
Dispens für die armen Klarissen der Diözese. – Am gleichen Tag (XVIII, 91-94)
an Kardinal Bellarmin: die Armut der Klarissen; der außerordentliche Beichtva-
ter.
Annecy, 21. Januar 1618 (XVIII,153-155) an König Ludwig XIII.: über die Wie-
derherstellung des Klosters der Karmeliten in Gex. Eifer der Kapuziner.
Oratorianer und katholische Beamte für Gex.
Annecy, 6. Februar 1618 (XVIII,167f) an Jean de Chatillon: Bestimmungen über
verschiedene Pfarreien.
Annecy, 11. Februar 1618 (XVIII,169f) an Prinz Victor-Amédée: Bitte um Er-
richtung der Kartause in Ripaille.
Notre-Dame de Myans, 28. Februar 1618 (XVIII,182) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur, das Heilige Haus von Thonon kann nur durch die Güte
und Freigebigkeit Ew. Hoheit Bestand haben. Sie sind ja dessen Grün-
der und werden jetzt um verschiedene Dinge gebeten, deren Anord-
nung und Durchführung für den Bestand dieses Hauses notwendig sind,
wie Ihnen Herr Gilette, der Überbringer dieses Briefes, vortragen wird.
Mögen Ew. Hoheit diesem guten Werk gewogen sein, wie Sie es ge-
wöhnlich allem sind. Das ist die einzige Bitte, die ich gegenwärtig an Sie
habe ...

Grenoble, 10. März 1618 (XVIII,189f) an Claude de Quoex:


Hier sind die zwei Briefe in Sachen der Ordensleute von Talloires,
denen ich dienen, die ich lieben und ehren will, wie es ihre Frömmigkeit
und die Wünsche meines armen älteren Freundes erfordern. Denn die
Wünsche des Verstorbenen und seine treue Freundschaft werden stets
in meinem Gedächtnis und in meiner Zuneigung lebendig sein. Wenn
ich nicht eher geschrieben habe, so ist das nicht meine Schuld wegen der
Menge wichtiger Verpflichtungen, die mich beschlagnahmen, darunter
vor allem die Predigten.
Erweisen Sie mir bitte trotzdem die Ehre, mich weiterhin zu lieben,
denn ich werde mein ganzes Leben sein ...

257
Annecy, 26. April 1618 (XVIII,200f) an Prinz Victor-Amédée: Der Prinz möge
Marquis de Lans anweisen, daß zwei Pfarrern ihre Gehälter gezahlt werden.
Annecy, 23. Juli 1618 (XVIII,253f) an den Rat des Heiligen Hauses: Ankündi-
gung einer Generalversammlung des Rates.
Annecy, 31. Juli 1618 (XVIII,255f) an König Ludwig XIII.: Bitte um Schutz bei
der Erneuerung der Cölestiner.
Annecy, 10. August 1618 (XVIII,258-260) an die Konsuln von Chabeuil: Die
Barnabiten sind bereit, das kleine Kolleg zu übernehmen, man muß aber beizei-
ten den Bischof von Valence benachrichtigen. – Am 16. August 1618 (XVIII,263-
265) an den General der Barnabiten: Empfehlung des Plans.

Annecy, 25. August 1618 (XVIII,267) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Obwohl Ew. Hoheit oft befohlen haben, wie es Ge-
rechtigkeit und Frömmigkeit verlangen, daß den Pfarrern von Armoy
und Draillans ihre Gehälter bezahlt werden, haben sie seit vier Jahren
bis jetzt nie auch nur einen Heller erhalten können, trotz aller Gesuche,
die sie und ich gemacht haben, trotz aller Hinweise auf die Notwendig-
keit der Unterstützung für diese Pfarreien, die wir unternahmen. Da-
durch werde ich gedrängt, Monseigneur, mich von neuem an die Ge-
rechtigkeit und Güte Ew. Hoheit zu wenden, damit Sie aus diesem Anlaß
Ihre Fürsorge walten lassen und diese Zahlungen befehlen, so daß die
armen Geistlichen künftig in Frieden den Gottesdienst in ihren Kirchen
versehen können. Die göttliche Majestät wird Ew. Hoheit dafür immer
mehr segnen ...

Annecy, 25. August 1618 (XVIII,268-270) an den Sekretär Carron: Nähere Aus-
führungen zu diesem Gesuch.
Annecy, 30. August 1618 (XVIII,276f) an den Herzog: Bitte um Hilfe für das
schwer geschädigte Tal d’Aulps.
Annecy, 3. September 1618 (XVIII,282f) an François Fyot de Barain:
Ich habe ein Kapitel, so vorzüglich, wie man es nur sagen kann. Abge-
sehen von der Pflicht, die ich im Dienst Gottes und der Kirche habe,
nehme ich deswegen besonders Anteil an meinen Kanonikern; sie sind
ein seltenes Beispiel dadurch, daß sie nur ein Herz und eine Seele mit
mir in der Sorge für die Diözese sind. Deshalb flehe ich Sie bei Ihrer
Gerechtigkeit und Frömmigkeit an um die Wahrung ihrer Rechte in der
Auseinandersetzung, die sie mit den Herren Syndici und mit den Be-
wohnern von Seyssel haben ...

258
C. Der „Sklave“ des Fürsten

Das Verhältnis des Bischofs zum Herzog de Nemours und zum Herzog Charles-
Emmanuel von Savoyen bleibt weiterhin belastet durch deren häufiges Mißtrau-
en und die daraus folgende Verzögerung und Verweigerung der Erlaubnis, außer-
halb Savoyens zu predigen. Sogar der Besuch des Erzbischofs von Lyon in Anne-
cy erregt Argwohn. Die Loyalität des Heiligen gegen seinen Landesherrn ist daher
um so bewundernswerter.
Prinz Victor-Amédée von Piemont dagegen bringt dem Bischof volles Vertrauen
und aufrichtige Verehrung entgegen. An ihn wendet sich Franz von Sales in
zunehmendem Maße mit verschiedenen Anliegen um seine Vermittlung. Dadurch
wird das Verhältnis des Bischofs zum herzoglichen Hof in seinen letzten Lebens-
jahren entscheidend beeinflußt.

Annecy, im Februar 1615 (XVI,301) an Claude de Quoex:


Dieses Billet bestätigt Ihnen meinerseits, daß ich von Sr. Hoheit kei-
nen Brief erhalten habe seit dem einen, den er mir schrieb, um mir seine
Dankbarkeit für einen sehr wichtigen Hinweis zu bezeugen, den ich ihm
bei Gelegenheit meiner Reise nach Wallis gegeben habe.
Indessen bin ich Ihnen sehr verpflichtet dafür, daß Sie Anteil nehmen
an allem, was mich betrifft, und bin ebenso von ganzem Herzen Ihr ...

Annecy, 15. Februar 1615 (XVI,306f) an Antoine des Hayes:


Ich habe Ihnen das Breve mit der kleinen Gunst für Gex gesandt und
ich habe die Nachricht erhalten, daß der Herr Erzbischof von Bourges
nicht gestorben, sondern krank ist.
Herr Mazuyer hat mir einen langen Brief geschrieben, um mich zu
überreden, daß ich nach Paris komme, um die nächsten Fastenpredigten
in Saint Germain oder in Saint Mederic zu halten ... Da ich aber diese
Reise nicht gegen den Willen meines Fürsten machen kann, in dessen
Staat ich lebe und leben muß, solange sich nichts anderes ereignet, und
da ich nichts sehe, was mir seine Einwilligung in Aussicht stellen könnte,

259
muß ich Geduld üben in meinem Gebüsch; und da Gott überall ist, kann
ich mich auch hier in ihm trösten.
Nach Ostern will ich keine Zeit verlieren, um das kleine Werk von der
Gottesliebe erscheinen zu lassen, das Sie lieben und wünschen. Ich wer-
de bestimmt Weisung geben, daß Sie eines der allerersten Exemplare
bekommen, die nach Paris gelangen, wie Sie auch der allererste Freund
sind, den ich dort und anderswo habe ...

Annecy, 7. März 1615 (XVI,316f) an Graf de Tournon:


... Monseigneur de Nemours hat in den letzten Tagen einen Edel-
mann geschickt, um eilig eine Untersuchung gegen meinen Bruder, den
Ritter, einzuleiten wegen eines ungebührlichen Benehmens gegen ihn;
er ist zudem sehr krank. Daran ärgert mich nichts als die Leichtigkeit,
mit der dieser Fürst die Zuträgereien unbedeutender Leute annimmt,
zumal sie gegen jene gerichtet sind, die mir viel bedeuten. Aber die Vor-
sehung Gottes wird es zum Guten lenken ...

Annecy, 9. März 1615 (XVI,317-319) an den Herzog de Nemours:


... Die Nacht ist ein schlechter Zeuge, die Wege und die Werke der
Nacht sind bösen Zufällen ausgesetzt, für die niemand bürgen kann.
Aber diese armen Leute, die ihr Einkommen von der Güte Ew. Gnaden
bekommen, können nachweisen, daß sie in jenen Nächten anderswo
waren, und sie sollen wohl dafür bestraft werden, daß sie bei diesem
Streich weder mitgewirkt noch ihm zugestimmt haben. Ich habe von kei-
ner anderen Unverschämtheit ihrerseits erfahren, weil sie es wirklich
nicht getan haben.
Monseigneur, ich bitte Ew. Gnaden untertänigst, mir die bescheidene
Freiheit zu gestatten, die mir mein Amt Ihnen gegenüber gibt. Die Päpste,
die Könige und die Fürsten sind der Gefahr ausgesetzt, daß sie häufig
durch Anklagen und Berichte getäuscht werden. Sie geben manchmal Er-
lässe heraus, die durch Kriecherei und Erschleichung zustandekommen.
Deshalb übergeben sie diese ihren Kammern, Senaten und Räten, damit
die Parteien gehört und geklärt werde, ob die Wahrheit eingehalten oder
die Unwahrheit vorgetragen wurde. Auch die schönsten Titel der Antrag-
steller dürfen ihre Beschuldigungen und Berichte nicht von der erforder-
lichen Prüfung ausnehmen. Ohne sie würde die Welt, die voll Ungerech-
tigkeit ist, völlig der Gerechtigkeit entblößt. Deshalb können sich die Für-
sten nicht darüber hinwegsetzen, dieser Methode zu folgen; sie sind dazu
unter Strafe der ewigen Verdammnis verpflichtet.
Ew. Gnaden haben Beschuldigungen gegen diese armen Leidtragen-
den und gegen meine Brüder erhalten. Es war gerecht, sie anzunehmen,

260
wenn Sie diese nur mit den Ohren aufnahmen. Wenn Sie diese aber in
das Herz einließen, dann sei es mir nicht nur als Ihrem sehr demütigen
und sehr treuen Diener, sondern auch als Ihrem sehr ergebenen, wenn
auch unwürdigen Seelenhirten gestattet, Ihnen zu sagen, daß Sie Gott
beleidigt haben und es bereuen müssen, selbst wenn die Beschuldigun-
gen wahr wären. Man darf ja keinem Wort zum Nachteil des Nächsten
Glauben schenken, bevor es bewiesen ist, und es kann nur bewiesen
werden durch eine Untersuchung, indem die Parteien gehört werden.
Wer etwas anderes zu Ihnen sagt, Monseigneur, der verrät Ihre Seele.
Auch wenn die Ankläger noch so glaubwürdig sind, muß man den
Beschuldigten erlauben, sich zu verteidigen. Die großen Fürsten beset-
zen die Stellen und die Posten nur mit glaubwürdigen Menschen ihres
Vertrauens, aber sie werden oft getäuscht, und die gestern treu waren,
können heute treulos sein. So können jene, die diese armen Leute be-
schuldigen, durch ihren früheren Lebenswandel das Vertrauen gewin-
nen, das Ew. Gnaden ihnen schenkt; sie verdienen, es von nun an zu
verlieren, da sie es mißbrauchen, indem sie so falsche Beschuldigungen
erhoben ...

Annecy 9. März 1615 (XVI,320f) an Guillaume-Bernard de Foras:9

... Nach meiner Rückkehr von Sales, wo ich die Tage des Karnevals
vorübergehen ließ, habe ich die Wiederkehr der alten Widerwärtigkei-
ten durch die Verleumdungen gegen meine Brüder vorgefunden. Ich
würde ja über all das lachen, sähe ich nicht den Herzog zornig und ver-
ärgert. Das ist mir unerträglich, denn ich bin diesem Fürsten durch so-
viel unlösbare Zuneigung verbunden und habe von ihm soviel Güte er-
fahren. So viele Leute betrügen, sind Mörder und finden Zuflucht bei
seiner Güte; meine Brüder beißen niemanden, fallen über niemanden
her und werden von seiner Härte erdrückt ...
Was tut man ihnen oder Ihnen denn Böses, fragen diese Lästerer.
Man raubt uns das Kostbarste, was wir haben, das Wohlwollen unseres
Fürsten, und dann fragt man: Was hat man Ihnen denn Böses getan? Ist
es möglich, mein teuerster Bruder, daß Se. Hoheit mich liebt, wenn er,
wie es scheint, Vergnügen an den Berichten findet, die man ihm über
meine Brüder hinterbringt, wo er doch bereits erfahren hat, daß dies
gewöhnliche Schwindeleien sind, und trotzdem nimmt er sie an, glaubt
sie und zeigt, daß er darüber verärgert ist.
Es ist überall ein Verbrechen, den Nächsten zu hassen; hier ist es ein
Verbrechen, ihn zu lieben. Die Herren Beigeordneten, tadellose Men-
schen, werden von höchster Stelle getadelt, nur weil sie mich lieben, so

261
wie man es Menschen meines Standes gegenüber tun soll. Gewiß, mein
lieber Bruder, ich habe den Vorzug Ihrer Liebe und meiner Liebe zu
Ihnen. Aber da mein Unglück so groß ist, bei Gott, reden wir nicht mehr
darüber. Nur Gott und unsere Herzen wissen darum und einige, die
eines Geheimnisses der Liebe würdig sind.
Ich schicke Ihnen ein Duplikat meines Briefes an den Herzog. Sehen
Sie, ob man ihn schicken soll oder kann. Denn so leidenschaftlich erregt
ich auch bin in dieser Angelegenheit, so möchte ich nicht, daß der Fürst
sich ärgert, und ich will nicht, daß Sie bei ihm in Ungnade fallen. Es wird
ein Tag kommen, da man niemandem einen Vorwurf machen wird, mich
zu lieben, wie ja auch keiner von jenen, die mich besonders lieben, je
einen Vorwurf dafür verdient hat.

Thonon, 14. September 1615 (XVII,63f) an den Herzog: Bittschrift für einen
armen Konvertiten, der Geistlicher werden will.

Annecy, 2. Oktober 1615 (XVII,65f) an den Herzog:


Monseigneur, vor einiger Zeit hat man begonnen, in dieser Gegend
die Seidenspinnerei einzuführen, und es ist unbeschreiblich, wie nützlich
ihr Fortschritt für den Dienst Gottes ist, da sie viele Seelen von den Häre-
tikern wegzieht und Genf schwächt, das sich zum guten Teil von diesem
Gewerbe nährt, und da es den Untertanen Ew. Hoheit hilft, die aus die-
sem Handel den Gewinn ziehen werden, den unsere Feinde haben.
Aus diesen Gründen, Monseigneur, beschwöre und bitte ich Ihre
Güte und Frömmigkeit untertänigst, dieses gute Werk kräftig zu unter-
stützen, das so glücklich begonnen wurde, zur Ehre des Erlösers, der
Ihnen so gnädig ist, Ihre Krone so ruhmvoll erhält und Ihnen eine ewige
im künftigen Leben bereitet.

Annecy, 8. November 1615 (XVII,85f) an Bischof Fenouillet:


... Der Herr Erzbischof von Lyon hat mir die Ehre erwiesen, mich zu
besuchen und sechs oder sieben Tage hier zu bleiben. In dieser Zeit hat
er zwei Predigten und eine kleine Ansprache mit solcher Frömmigkeit
gehalten, daß das gute Volk darüber lang erbaut sein wird. Unser Genf
ist immer noch sehr schwer von der Pest betroffen, aber es verhärtet sich
unter dieser Strafe. Man behauptet, daß bis jetzt mindestens 6.000 Men-
schen an dieser Krankheit gestorben sind, die sich durch ein Wunder so
gut wie gar nicht über Savoyen ausgebreitet hat ...

262
Annecy, 15. November 1615 (XVII,88-91) an Marquis de Lans:
Mein Herr, ich antworte auf den Brief, den Sie mir gestern, am 14. d.
M., zu schreiben beliebten, den ich soeben erhalten habe, und ich bitte
Ew. Exzellenz zu glauben, daß ich in diesem Fall Gott und seine Engel vor
Augen habe, um nichts zu sagen, was im Widerspruch zur Ehrfurcht
stünde, die ich der Wahrheit schulde.
Als der Herr Erzbischof von Lyon sein Amt antrat, schrieb er mir
einen liebenswürdigen Brief, in dem er mich beschwor, eine heilige
Freundschaft nach Art der Bischöfe der alten Kirche mit ihm zu schlie-
ßen, die nur ein Herz und eine Seele waren und die durch die gegensei-
tige Mitteilung der Eingebungen, die sie vom Himmel empfingen, einan-
der halfen, ihr Amt auszuüben, besonders wenn sie einer des anderen
Nachbarn waren. Da ich viel länger im Amt war als er, schrieb er mir
weiter, daß er mich besuchen komme, um sich mit dem zu versehen, was
ich mir durch die Erfahrung in unserem Beruf aneignen konnte, und
ähnliche Worte äußerster Demut und Bescheidenheit.
Seitdem hielt er beständig am Wunsch fest, mir diese Ehre zu erwei-
sen, und dachte nicht daran, daß ich ihm zuvorkommen müßte, da er der
erste Bischof von Frankreich ist, ich aber der letzte von Savoyen. So
besuchte ich ihn in Lyon, wie Ew. Exzellenz wissen. Er wollte in seiner
Liebenswürdigkeit meinen Besuch erwidern bei Gelegenheit der Visita-
tion seiner Diözese ... Ich hatte keine sichere Nachricht von seinem Kom-
men bis zum Vorabend seiner Ankunft.
Er kam jedoch nicht heimlich, wie es gewöhnlich jene tun, die odiose
Geschäfte betreiben, sondern aller Welt sichtbar und bekannt, begleitet
von acht Männern zu Pferd, von denen aber keiner von höherem Stand
war, außer Herr de Ville, Doktor der Theologie und ein großer Predi-
ger, gebürtig von Rossillon bei St. Rambert, und sein Kaplan namens
Raymond. Ich versichere Ihnen, während er hier war, haben wir nichts
getan und gesagt, ja nicht einmal gedacht, was die Dinge der Welt be-
trifft, die uns beiden sehr zuwider sind; wenn ich mich nicht täusche,
auch nicht kirchliche Angelegenheiten, da wir nichts zu ordnen und nichts
zu mischen haben. Wir haben vielmehr ausschließlich einfach über die
Pflichten gesprochen, die wir in der Ausübung unseres Amtes haben, in
der Art der kirchlichen Funktionen und rein geistlichen Dinge.
Er hat zwei ausgezeichnete Predigten voll Frömmigkeit und Eifer
gehalten, eine in der Kathedrale, die andere im Kolleg am Fest des hl.
Karl. Er hat jeden Tag die Messe an einem anderen Ort gefeiert und hat
stets nur von Dingen gesprochen, die im Einklang mit unserer Berufung

263
stehen. Ich wäre Ew. Exzellenz sehr verbunden, wenn Sie dies Sr. Hoheit
versichern; ich verpfände ihm dafür meine Ehre und meinen Ruf, und
Gott, der es weiß, mein Gewissen und mein Heil.
Wenn Ew. Exzellenz gestatten, will ich Ihnen freimütig sagen: Ich bin
geboren, aufgewachsen, erzogen und so alt geworden in zuverlässiger
Treue gegen unseren regierenden Fürsten, zu der mich mein Beruf und
darüber hinaus alle erdenklichen menschlichen Überlegungen überaus
verpflichten. Ich bin durch und durch Savoyarde, und so wie ich all die
Meinen, und ich werde nie etwas anderes kennen. Ich weiß also nicht,
womit ich jemals Argwohn erweckt hätte, vor allem durch die Art, wie ich
gelebt habe.
Ich erwarte von der Güte Ew. Exzellenz, daß Se. Hoheit vollkommen
zufriedengestellt wird und daß nichts von dem Argwohn bleibt, der den
Erzbischof von Lyon viel mehr kränkt als mich, der sich im Lauf der Zeit
und der Ereignisse stets als überaus treuer Diener Sr. Hoheit erweisen
wird, dem ich alles heilige Wohlergehen wünsche.

Annecy, 15. Dezember 1615 (XVII,107f) an Marquis de Lans:


Mein Herr, ich halte mich für verpflichtet, auf die Vorwürfe, die man
gegen mich erhoben hat, nicht nur durch den Mund der Herren zu ant-
worten, die sie im Namen Ew. Exzellenz mir vorgetragen haben, sondern
außerdem mit der Feder. Ich versichere Ihnen, die meinen Handlungen
nachspüren und über sie philosophieren, setzen sich mehr ins Unrecht
als mich, denn sie können meine Unschuld nicht verletzen und machen
sich übler Bosheit schuldig. Gebe Gott, mein Herr, sie hätten die Ge-
spräche zwischen dem Erzbischof von Lyon und mir gehört! Sie hätten
gesehen und erfahren, daß wir, wie ich weiß, nicht ein Wort gesprochen
haben, das sich nicht auf die Vermehrung der Ehre Gottes in unserem
Volk bezieht. Wir halten die Gespräche der Offiziere und Soldaten für
unwürdig, die Zeit der Hirten des Schafstalls des lebendigen Gottes zu
beanspruchen.
Unsere Besuche betrafen in Wahrheit eine Staatssache, nämlich die
Verfassung, die wir gegenwärtig im Gemeinwesen unserer kleinen Kon-
gregation aufstellen müssen. Wenn wir dadurch etwas Böses getan ha-
ben, sind wir schuldig; wenn nicht, tut man uns Unrecht. Was mich be-
trifft, erkläre ich Ihnen, daß mir die Staatsgeschäfte fremd sind, und ich
will so wenig mit ihnen zu tun haben, daß sie weder in meinen Gedanken
noch in meiner Sorge und in meinem Mund einen Platz haben, außer es
ergibt sich irgendeine Gelegenheit, Sr. Hoheit zu beweisen, daß ich sein
ergebener und treuer Untertan bin ...

264
Annecy, 16. März 1616 (XVII,180) an den Herzog de Nemours:
Monseigneur, die Heiligkeit der bevorstehenden Tage veranlaßt mich,
das Gelöbnis meines Gehorsams gegen Ew. Gnaden zu erneuern, eben-
so das meiner schwachen Gebete zu Gott für die Erhaltung und das
Wohlergehen Ihrer Person. Ich bitte Sie untertänigst, Monseigneur, das
eine wie das andere anzunehmen, und ich bezeuge, daß die Gabe, die ich
auf dem Papier darbringe, aus einem Herzen kommt, das unveränder-
lich in der Treue ist, in der es stets leben will und muß ...

Annecy, 1. April 1616 (XVII,185) an den Herzog: Dank für die Förderung der
Seidenspinnerei.
Annecy, 4. April 1616 (XVII,186f) an Claude-Amédée Vibod: Der Herzog hat
die Fastenpredigten in Grenoble für das kommende Jahr gestattet. Neue Verwah-
rung gegen den Argwohn wegen des Besuchs französischer Bischöfe.
Annecy, 7. April 1616 (XVII,188) an den Herzog de Nemours: Bittschrift für
einen verwandten Edelmann.
Annecy, 24./25. Juli und 14. August 1616 (XVII,266-270) an Mme. de la Fléchère:
über die Wirren durch die Erhebung des Herzogs de Nemours gegen Charles-
Emmanuel, in deren Verlauf Annecy von den Truppen des Herzogs de Nemours
belagert wurde. Ankunft des Prinzen Victor-Amédée in Annecy (DA 6,177).
Annecy, 23. August 1616 (XVII,274f) an Prinz Victor-Amédée, und 29. August
1616 (XVII,275) an den Herzog: Der Mann mit angeblich wichtigen Nachrichten
aus Genf ist wieder aufgetaucht.
Annecy, 6. September 1616 (XVII,276) an den Herzog:
Monseigneur, ich überreiche Ew. Hoheit eine Abhandlung über die
Gottesliebe, die ich in den vergangenen Tagen veröffentlicht habe, nicht
weil ich sie in den Augen eines so großen Fürsten für würdig erachtete,
vielmehr möchte ich nach meinem Vermögen Ew. Hoheit meine Vereh-
rung erweisen, indem ich Ihnen die Früchte meiner Arbeit vorlege. Sie
stammen von einem Menschen, für den es in dieser Welt nichts gibt, was
ihm teurer wäre als die Ehre, Monseigneur, Ihr untertänigster, gehor-
samster und treuester Fürsprecher und Diener zu sein.

Annecy, 5. Oktober 1616 (XVII,283-285) an Bischof Fenouillet:


... Wir sind bereit, unsere Feinde tapfer zu empfangen, wenn sie zu
kommen entschlossen sind, wie man uns droht, und hoffen, Gott werde
unsere Unschuld berücksichtigen. Man bemüht sich indessen unablässig
um eine Einigung der Fürsten; man sagt ja, daß dieses ganze Unglück
durch ihren Einfluß über uns kommt. 10
Gott möge uns in seiner Güte seinen heiligen Frieden schenken und
Sie, Monseigneur, viele Jahre erhalten ...

265
Annecy, 21. Oktober 1616 (XVII,295f) an den Herzog:
Der Klerus hat mit aller Demut und Hochachtung angenommen, was
Ew. Hoheit mir zu befehlen geruhten.11 Wir alle bedauern, daß wir unse-
ren Eifer für Ihren Dienst nicht würdig genug beweisen können. Gott
weiß es jedoch und schaut auf unsere unablässigen Wünsche, es möge
ihm gefallen, Ew. Hoheit mit Wohlergehen zu erfüllen. Vor allem aber
herrsche seine Liebe für immer in Ihrem Herzen.

Annecy, 31. Oktober 1616 (XVII,300-302) an einen Adeligen:


Zwei Gründe haben mich und den ganzen Klerus bewogen, ohne
Bedenken der Hilfe und finanziellen Unterstützung zuzustimmen, die
Se. Hoheit von uns verlangt. Erstens hat Se. Heiligkeit vor sieben oder
acht Jahren Sr. Hoheit den Zehnten vom Klerus seiner Lande auf sechs
Jahre bewilligt. Davon hat Se. Hoheit nichts verlangt und wir haben ihn
bisher nicht gezahlt. Daher geben wir ihm diesen aus gutem Grund,
zumal wir keinen Lärm geschlagen haben aus Furcht, das könnte die
Gemüter der Finanzleute erregen, daß sie nachträglich auch den Rest
fordern, denn bei solchen Gelegenheiten sind sie sehr flink.
Der zweite Grund ist, daß die Doktoren das 6. Kapitel de Immunita-
te Ecclesiarum von den Klerikern darauf beschränkten, daß es sich nicht
um den Fall eines großen öffentlichen Notstands handelt ... Dazu kommt,
daß es hier nicht darum geht, die Steuer in Form einer Anleihe aufzuer-
legen oder anderswie, weil sie nichts anderes ist als eine Unterstützung
in einem besonderen Fall, der keine Konsequenzen hat.
Das sind unsere Grundlagen, entgegen unserem eigenen Vorteil dem
zuzustimmen, was Se. Hoheit von uns begehrt, und ich habe als erster
meinen Teil an Getreide abgeliefert, obwohl ich keinen Überfluß habe ...

Annecy, 7. November 1616 (XVII,303f) an Barthélemy Floccard:


Ich danke Ihnen untertänigst für Ihre Mühe, mir aus einem so guten
Anlaß zu schreiben. Vor drei Tagen hat man uns von dieser Einigung
berichtet, die jeder auf seine Weise und nach der vorherrschenden Nei-
gung bewirken will. Gott schenke uns in seiner Güte einen echten Frie-
den, in dem ihm von allen gedient und Ehre erwiesen wird.
Ich hoffe Sr. Hoheit bald meine Aufwartung machen zu können,
denn die Adventszeit ruft mich nach Grenoble, wohin ich mich nicht
begeben darf, ohne vorher seine Aufträge zu erbitten. Dann werde ich
die Befriedigung haben, Sie zu sehen und genauer die Einzelheiten die-

266
ses Vertrags zu erfahren. Diese Nachricht veranlaßt mich, ein Wort an
Herrn de Monthoux zu schreiben, damit er die Sache der Damen der
Heimsuchung betreibe, solange die gute Zeit anhält und man die Maß-
nahmen zur Gründung treffen kann ...
P. S. Wenn der Herr Beigeordnete de Quoex noch da ist, bitte ich ihn
wissen zu lassen, daß ich ihn demütig und sehr herzlich grüße.

Annecy, 18. Januar 1617 (XVII,334f) an den Herzog: Empfehlung einer Bitt-
schrift der Stadt Annecy um Fortdauer ihrer Privilegien.
Grenoble, 18. Februar 1617 (XVIII,347f) an den Herzog: Grenoble ersucht den
Bischof, auch im nächsten Jahr die Fastenpredigten dort zu halten.
Grenoble, 3. März 1617 (XVII,353f) an Prinz Victor-Amédée: Bitte um einen
angemessenen Titel für Herrn de Charmoisy.

Annecy, 12. April 1617 (XVII,379f) an Bénigne Milletot:


Mein Herr Bruder! Diesmal rufe ich Ihre brüderliche Gunst für mei-
ne Kirche an (und was könnte ich mit größerer Liebe sagen?). Ich glau-
be, daß Sie mit mir leicht übereinstimmen werden, besonders wenn Sie
die Erläuterungen hören, die dieser Bote Ihnen geben wird. Aus ihnen
werden Sie ersehen, daß das Schreiben, um das es sich handelt, nicht
nur auf Pietät gegründet ist, sondern wenn ich mich nicht täusche, auch
auf Gerechtigkeit. Daher bitte ich Sie demütigst, mein Herr Bruder, uns
eifrig behilflich zu sein.
Sie fragten mich kürzlich im letzten Brief, den ich von Ihnen zu emp-
fangen die Freude hatte, nach Neuigkeiten über meinen Verwandten,
den Herrn de Charmoisy. Damit zeigen Sie Ihren guten und edlen Cha-
rakter; der ehrenwerte Ritter wird Ihnen sehr verpflichtet sein, wenn er
es erfährt. Das wird in wenigen Tagen sein, wenn er und seine Frau in
diese Stadt kommen, denn der Prinz von Piemont hat bei dieser jüngsten
Gelegenheit seinen Wert und seine Zuverlässigkeit in Sachen des Krie-
ges erkannt und ihn zum Großmeister der Artillerie in diesem Staat
ernannt. Darauf wurde er vom Herzog de Nemours überschwenglich
umarmt und liebkost. Er hat ihn eingeladen, in diese Stadt zu kommen,
und wird ihn sehr ehrenvoll behandeln. Schließlich hilft nichts, als ein
guter Mensch zu sein.
Ich bin auch für das kommende Jahr nach Grenoble verpflichtet. Der
Herr Marschall Lesdiguières hat es von Sr. Hoheit erbeten, der gern zu-
stimmte. Die göttliche Güte möge mich dabei erfolgreich sein lassen! ...

267
Annecy, 30. April 1617 (XVII,392f) an den Herzog:
Monseigneur, eben habe ich die Order Ew. Hoheit erhalten, mich
bereitzuhalten, um in der kommenden Advents- und Fastenzeit in Paris
zu predigen. Aus dem Brief des Herrn Baron de Marcien habe ich aber
gesehen, daß Ew. Hoheit mir für die gleiche Advents- und Fastenzeit
beim Parlament von Grenoble Erlaubnis erteilten. Daher bitte ich Ew.
Hoheit untertänigst, mich wissen zu lassen, an welchen der beiden Orte
ich gehen soll. Mir ist es gleichgültig, denn wo ich auch bin, soll es nach
dem Wohlgefallen Ew. Hoheit sein ...

Annecy, 26. Mai 1617 (XVIII,11f) an den Herzog und an Prinz Victor-Amédée:
erneute Bitte um Erneuerung der Privilegien für Annecy.
Thonon, 7. Juli 1617 (XVIII,42-44) an den Herzog: Gnadengesuch für den Prä-
sidenten Crespin der seine Frau im Affekt getötet hat (vgl. den Brief vom glei-
chen Tag an Prinz Victor-Amédée: XVIII,45f):
Dazu werde ich gedrängt durch die Pflicht, die jene meines Standes
haben, Mitleid zu haben mit den Unglücklichen und die Betrübten zu
trösten, selbst dann, wenn sie jeder anderen Hilfe beraubt sind ... Möge
es also Ihrer Milde gefallen, Monseigneur, Ihre schützende Hand über
diesen armen Verlassenen zu halten und den Freimut zu entschuldigen,
mit dem ich Ihnen dieses gute Werk vorgeschlagen habe ...

Annecy, anfangs August 1617 (XVIII,56) an Präsident Crespin:


Ich war im Chablais, als ich den ersten Brief erhielt, den Sie mir zu
schreiben beliebten, und ich erwarte die Antwort auf das Gnadenge-
such, das ich an Se. Hoheit gerichtet habe, um mich versichern zu kön-
nen, was ich Ihnen zu tun habe ...

Annecy, 30. August 1617 (XVIII,65-67) an Bischof Fenouillet:


... Ich bin noch unsicher, ob ich nach Paris gehe oder nach Grenoble
zurückkehre. Se. Hoheit, die mir das eine wie das andere aufgetragen,
hat noch nicht entschieden, für welches der beiden ich mich verpflichten
soll.
Herr Garin wird Ihnen alle Neuigkeiten berichten, auch daß wir den
jungen Herrn des Hayes zu seinem Vater zurückschicken, freundlich,
liebenswürdig und höflich, aber nicht sehr gebildet, sondern nur ein
wenig in Latein und in einigen Teilen der Mathematik unterrichtet. Ich
bin sicher, daß sein Herr Vater sich damit zufriedengibt, denn viel mehr
ist nicht zu erreichen, obwohl unsere Patres Barnabiten nach ihrem be-
sten Können dazu beigetragen haben ...

268
Annecy, 23. September 1617 (XVIII,97f) an Don Juste Guérin:
Hochwürdiger Pater, ich schreibe Ihnen ohne Muße, denn P. Reden-
te reist heute unvermutet ab, dessen Abreise ich erst für Montag erwar-
tete. Sie erhalten ein Paket mit den Büchern von der „Anleitung“ und
die traurigen Nachrichten über unseren jüngsten Verlust durch den Tod
unserer armen, überaus liebenswürdigen Witwe ...
Ich bitte Sie, mir beim hochwürdigsten Herrn Kardinal einen Dienst
zu erweisen, damit ich erfahren kann, ob ich in der Advents- und Fasten-
zeit nach Grenoble oder nach Paris gehen soll. Se. Hoheit hat nämlich
dem Herrn Marschall versprochen, daß ich nach Grenoble komme, und
den anderen, daß ich nach Paris komme. Ich weiß nicht, was von beiden
seiner Absicht entspricht und wozu ich mich verpflichten soll. Es wird
aber Zeit, daß ich es weiß; ich werde mich für das entscheiden, was man
mir mitteilt. Ich bitte Sie, hochwürdiger Pater, mir diesen Gefallen zu
erweisen, uzw. möglichst bald.
Unserer Mutter geht es gut, Gott sei Dank. Sie freut sich sehr über
das schöne Kreuz. Wir bemühen uns auf jede Weise, ohne den Garten
der Patres auszukommen, weil ich sehe, daß daran einige sehr Anstoß
nehmen. Ich hoffe, Gott wird uns helfen ...

Annecy, 29. November 1617 (XVII,123) an den Herzog: Bitte um Bestätigung


der Privilegien für den Seidenhandel.
Annecy, 4. Januar 1618 (XVIII,138f) an den Herzog:
Monseigneur! Obwohl Ew. erlauchte Hoheit abertausend Geeigne-
tere auswählen konnten, um dem Herrn Prinz-Kardinal auf seiner Reise
nach Frankreich würdig zu dienen, können Sie doch diesen Auftrag kei-
nem Lebenden geben, der diese Ehre mit größerer Treue und Liebe
annähme und mit größerem Eifer, versuchen zu wollen, durch seinen
demütigen Dienst der Ehre und Auszeichnung zu entsprechen, die ich
in diesem Auftrag sehe.
Ich erwarte einen neuen Auftrag für den Tag, an dem ich diese Pflicht
übernehmen soll, und bleibe ...

Annecy, 4. Januar 1618 (XVIII,139) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur, ich betrachte den Auftrag als große Ehre, den Ew.
Hoheit mir erteilen, den erlauchten Herren Kardinal nach Frankreich
zu begleiten. Mit Gottes Hilfe werde ich ihn mit solcher Treue und Un-
terwürfigkeit ausführen, daß ich die Ehre nicht verscherze, die ich habe,
Monseigneur, Ihr demütiger, treuer und gehorsamer Fürsprecher und
Diener zu sein.

269
Etampes, 5. November 1618 (XVIII,303f) an Guillaume-Bernard de Foras:
... Sie vermuten zu Recht, daß ich auf dieser Reise beim Prinzen bin.12
Ich gehöre nicht mehr mir und ich habe keine Freiheit als jene, die man
mir geben wird. Ich will trotzdem alles tun, was ich kann, damit er mir
gütig alles zu tun erlaubt, was Herr de Monthelon von mir für die Kanzel
von Saint André wünscht. Ich schätze das Wohlwollen dieses Herrn hö-
her, als man überhaupt denken kann; dazu bin ich aus mehreren Grün-
den verpflichtet. Ich werde also morgen mit dem Kardinal sprechen,
damit ich ganz für Saint André vorbehalten bin, wenn es ohne Schaden
für seinen Dienst geschehen kann. Wenn es für den Advent nicht mög-
lich ist, was wirklich schwierig sein dürfte, dann für soviele Gelegenhei-
ten, als mir der Herr de Monthelon angeben wird.
Bezüglich der Unterkunft muß ich mich fügen, wo der Quartiermei-
ster mich unterbringen wird. Wenn ich auch unnütz bin, will mich der
Prinz doch stets um sich haben, und die Vernunft gebietet mir, daß ich
diese Pflicht nach der Absicht Sr. Hoheit erfülle. Aber es ist unrecht von
mir, so viele Dinge auf dem Papier zu erzählen, da ich Sie in Kürze
persönlich sehen und mit dem Herrn de Monthelon alle Möglichkeiten
erörtern kann, sobald wie möglich alle seine Wünsche zu erfüllen ...

270
D. Der FFreund
reund mit dem Her zen des
Herzen
Vaters und der Mutter

Es ist fast unglaublich, wieviel Zeit und Kraft Franz von Sales bei seiner vielfäl-
tigen, oft erdrückenden Beanspruchung durch die Amtspflichten für die Pflege
der persönlichen Beziehungen aufbringt. Sosehr er immer wieder betont, daß er
sich durch diese Freundschaften geehrt fühlt, ist er doch stets der Gebende und
dabei immer auch der Seelsorger. Seine persönlichen Briefe an Freunde und
Verwandte aus verschiedenen Anlässen ergeben das Bild eines Menschen, der
„das Herz des Vaters und der Mutter gleichzeitig“ hat, wie er selbst es als Forde-
rung aufgestellt hat.

Annecy, 17. März 1615 (XVI,325f) an Gräfin de Tournon: Bitte um ihre Hilfe
für zwei arme Witwen.
Annecy, 12. April 1615 (XVI,339-342) an Bischof Fenouillet: Bitte um Gnade
für den Neffen des Bischofs und Nachrichten über den Sohn des gemeinsamen
Freundes des Hayes, der bei den Barnabiten studiert.
Annecy, 21. Mai 1615 (XVI,368-370) an Balthazard de Peyzieu: Beileid zum Tod
seines Sohnes (vgl. den Brief an seine Frau: DA 6,221f).
Annecy, 13. Juli 1615 (XVII,20f) an einen Ordensoberen:
Hochwürdiger Pater! Frater N. kam zu mir im Bewußtsein seiner
Bedrängnis, ich kann sagen, mehr tot als lebendig, denn sein Jammer
war überaus groß. Ich erinnere mich an Ihn, der den glimmenden Docht
nicht auslöscht und nicht zerbricht, was geknickt ist. Er zeigte mir die
Urkunde seiner Entlassung, Verstoßung und des Ausschlusses aus dem
Orden, und durch seine Tränen erreichte er von mir leicht eine Zuflucht
für einige Wochen in meiner Diözese, während ich in Lyon war, um den
Herrn Erzbischof zu besuchen, bei dem der hochwürdige Pater V. mit
mir sprach. Um meine Meinung zu sagen, er sprach nach meinem Her-
zen und empfahl mir den armen Mann, der Priester ist und durch die
Gelübde gebunden, damit ihm irgendwie Trost zuteil werde.

271
Darauf habe ich noch lieber getan, was ich aus Liebe gegen diese
Seele tun will. Aber ich blieb stets in dieser Zurückhaltung, hochwürdi-
ger Pater, mit der Ihr Orden bei allen Gelegenheiten geschätzt und ge-
ehrt wird und sich allen gegenüber demütig verhält, die in ihm sind. Auf
Ihre Weisung hin werde ich meine Hand noch stärker über ihn halten,
solange er in meiner Diözese bleibt, da ich nichts so sehr wünsche, als
die Ordensleute zufriedenzustellen, besonders jene in Ihrer Stellung.
Hochwürdiger Pater, Sie schlagen mir aber die Rückkehr dieses Schäf-
leins in Ihre Hände vor. Ich glaube, daß er nach nichts mehr Verlangen
hat, vor allem wenn Sie ihm versichern wollten, daß Sie seine gute Ab-
sicht begünstigen durch eine einigermaßen freundliche Aufnahme und
durch eine gewisse Milderung der Buße, die etwa Ihre Konstitutionen
vorschreiben für solche, die zurückkehren. Wenn Sie sich die Mühe ma-
chen, mir Ihren Willen in dieser Hinsicht mitzuteilen, werde ich von
ganzem Herzen zu diesem guten Werk beitragen ...

Annecy, 15. Juli 1615 (XVII,27-29) an Antoine des Hayes:


... Unser Sohn fügt sich nur schwer in die Disziplin des Kollegs und
er weiß gut, daß das seinem Ruf schadet. Die Ursache seiner Schwierig-
keit liegt in einer gewissen Fähigkeit, die Geister anzuziehen und die
Herzen für sich zu gewinnen, die ihn dann für sich einnehmen und ihn
so beeinflussen, wie sie wollen. Er hatte deswegen mehrere Auseinan-
dersetzungen mit seinen Lehrern, die ihn hindern wollten, auszugehen
und sich Freiheiten herauszunehmen, die den Regeln des Kollegs wider-
sprechen. Auch ich habe ihn öfter gerügt. Dabei hat er mich sehr ver-
pflichtet durch die Versicherung, daß er traurig sei, mir zu mißfallen,
und daß er schließlich aus Liebe zu mir sich zum Besseren zu wandeln
begonnen hat. Dadurch hätte er mein Herz für sich gewonnen, wenn es
ihm nicht schon ganz gehörte.
Wenn er durchhält, können wir zufrieden sein; wenn er es nicht tut,
muß man eine der zwei Abhilfen schaffen; ihn entweder in ein Kolleg
stecken, das etwas mehr abgeschlossen ist als dieses hier, oder ihm einen
Privatlehrer geben, einen Mann, dem er Gehorsam leistet. Schließlich ist
er Ihr einziges Kind und gewiß sehr liebenswert. Trotzdem ist er in den
gefährlichen Jahren, die die Erziehung als Page noch gefährlicher ma-
chen. Man darf aber nicht unterlassen, diese Pflanze zu pflegen, denn sie
wird ohne Zweifel gute Früchte tragen.
Es ist nicht zu beschreiben, wie enge Freunde wir sind und wie er
mich achtet. Das würde bei einem Privatlehrer genügen, um ihn gut zu
lenken, wenn er etwa nicht durchhielte. Aber ich hoffe darauf, denn die

272
Patres Barnabiten und Herr Peyssard versichern mir fest, daß er gegen-
wärtig genau hält, was er mir versprochen hat. Schreiben Sie ihm bitte,
daß ich Ihnen meine Zufriedenheit mit ihm ausgedrückt habe, um ihm
Mut zum Aushalten zu machen.
Die größte Sorge um ihn habe ich wegen des Wassers, an dem er
besonderes Gefallen hat; und ich fürchte, daß es ihm noch einfällt, sich
an irgendeiner gefährlichen Stelle hineinzustürzen, um zu baden, weil
dabei jedes Jahr irgendeiner umkommt. Aber in diesem Punkt stellt er
mich sehr zufrieden, denn er geht dort nicht hin. Insgesamt bitte ich Sie
zu glauben, mein Herr, daß dieses Kind mir teuer ist wie meine Augen,
daß er seinerseits seinem Vater in der Liebe zu mir gleicht und daß ich
hoffe, wenn diese gefährlichen Jahre vorüber sind, wird er mit Gottes
Hilfe seinem Vater noch in vielen anderen Dingen gleichen.
Wir haben Frieden. Dank sei dem Herrn. Möge es der göttlichen
Majestät gefallen, daß er von Dauer ist und daß sich für den Prinzen von
Piemont ein gutes Einvernehmen und eine Heirat eröffnet; er ist der
weiseste, mutigste und frommste Prinz, den es seit langem gab ...

Annecy, 14. Januar 1616 (XVII,131f) an Bischof Fenouillet: über den Versuch,
die Herren de Barraux und Garin zu versöhnen. Über die Pest in Genf, die
Savoyen verschont hat.

Annecy, 1. Februar 1616 (XVII,136f) an Bischof Fenouillet:


... Der treue Bote wird Ihnen alle unsere Neuigkeiten berichten, die
in der Zeit des Friedens gering sind. Ich wollte gern helfen, seinen Wil-
len mit dem des Herrn Barraux zu einigen, aber sie haben beide die
verordnete Arznei abgelehnt mit der Behauptung, sie seien nicht krank.
Das heißt, sie haben wohl zugegeben, daß sie allen Grund haben, einer
den anderen zu mögen, aber sie haben keinerlei Absicht, sich darum zu
bemühen, um darin Genugtuung zu finden, aus Rücksicht auf Ihre Be-
friedigung, die sie Ihnen schulden. Ich ermahne sie ständig, diese zu
schätzen als das Heiligtum ihres Glückes, wie ich es stets von ganzem
Herzen tun will ...

Annecy, 12. Februar 1616 (XVII,143f) an Philippe de Quoex:


Am Abend habe ich die Nachricht vom Hinscheiden unseres guten
Herrn de la Fléchère erhalten. O Gott, mit welcher Glut wird diese teure
Witwe Gott das ganze Opfer der Gerechtigkeit darbringen! Wenn ich
nur dieses vollkommene Schäflein in meiner Herde hätte, würde es mich
nicht verdrießen, Hirte in dieser heimgesuchten Diözese zu sein. Nach

273
unserer Frau von Chantal weiß ich nicht, ob ich je einer so starken Seele
in einem weiblichen Leib begegnet bin, einem vernünftigeren Geist und
einer aufrichtigeren Demut. Ich zweifle nicht daran, mein lieber Herr
Mitbruder, daß Sie sie besuchen werden, da Sie so nahe bei ihr vorbei-
kommen. Bringen Sie ihr die Versicherung, daß ihr meine Gebete für die
Seelenruhe ihres Verstorbenen und zu ihrem eigenen Trost sicher sind
(vgl. die Briefe an Mme. de la Fléchère: DA 6,172-174).

Annecy, 19. Februar 1616 (XVII,149) an Jacques de Cerisier:


Mein Herr Cousin, nehmen Sie im Namen Gottes alles, was für Ihre
Nahrung erforderlich ist. Die Schwere Ihrer Krankheit läßt keinerlei
Beschränkung der Nahrungsmittel bei Ihnen zu. Ich wünsche Ihnen un-
ablässig die volle Gesundheit, ebenso meiner Frau Cousine, und ich blei-
be von ganzem Herzen, mein Herr Cousin, Ihr sehr ergebener und de-
mütiger Cousin und Diener (vgl. DA 6,63).

Annecy, 13. Juli 1616 (XVII,254f) an Melchior de Cornillon:


Mein lieber Herr Schwager! Die lange Zeit, die Ihr Herr Vater lebte,
und das letzte Siechtum, das Ihnen seit einiger Zeit seinen Tod ankün-
digte und sein künftiges Fernsein androhte, mögen Ihnen Veranlassung
gegeben haben, sich mit dem Verlust des Glückes abzufinden, ihn noch
in dieser Welt zu wissen. Kurz, da niemand vom Sterben ausgenommen
ist, bleibt die günstigste Bedingung, die wir von ihm haben können, daß
er uns lange der Unseren erfreuen läßt.
Man muß also Gott loben und preisen für die Gunst, die er Ihnen
erwies, Ihren Vater lang zu behalten, und muß sich dem Willen beugen,
durch den Sie jetzt seiner beraubt wurden. Ich will mich Ihnen gegenüber
nicht der üblichen Ausdrücke bedienen. Das Band, das mich zur Freund-
schaft und zum Dienst gegen Sie verpflichtet, diene Ihnen als Pfand und
als Sicherheit, daß ich gern meine Pflicht erfülle, für den Verstorbenen zu
beten und sein Andenken zu ehren, und daß ich im übrigen, mein lieber
Herr Schwager, Ihr sehr demütiger und treuer Diener bin.

Annecy, 23. November 1616 (XVII,314f) an René Gros de Saint-Joyre:


Sie erweisen mir eine große Gunst, mir so freigebig Ihre schönen
Werke zu schicken. Jenes, das ich Ihnen zurückschicke, zeigt, wie reich
Sie sind an Gedanken und Gründen, um die Frömmigkeit recht zu pfle-
gen. Nur darin sehe ich einen Makel, daß Sie in Ihrem Wunsch, jeden
zur heiligen Liebe zu ermuntern, meinen guten Willen zu günstig beur-

274
teilen, die Völker der französischen Sprache zu ihr anzuspornen durch
die „Abhandlung“, die ich kürzlich herausgab. Ich bin trotzdem sehr
erfreut, daß Sie diese billigen, weil ich glaube, daß Ihr Urteil ihr zum
Erfolg verhelfen und ihre Darlegungen für viele Seelen noch nützlicher
machen wird ...

Grenoble, 17. Dezember 1616 (XVII,319-321) an Bischof Fenouillet:


Monseigneur, ich konnte mich nicht enthalten, diese so günstige Ge-
legenheit zu benützen, Ihnen die Hände zu küssen, um Ihnen wenig-
stens demütigst zu danken für die Ehre, die mir Herr de Montmorency
bei seiner Durchreise durch diese Stadt erwiesen hat, da er mir erklärte,
daß Sie ihm die Anregung dazu gaben durch die ehrenvolle Erwähnung
meiner Person, die Sie öfter machten. Ich bin immer beschämt, wenn ich
an die überschwengliche Gunst denke, die dieser Herr mir erwiesen hat,
und verlegen, weil ich in seinem Quartier war, um ihm meine Aufwar-
tung zu machen, und alle Gelegenheiten erkundete, die ich dazu haben
könnte, aber nie das Glück hatte. Aber ich glaube, daß der Herr Präsi-
dent (du Faure) ihm von meinem Bemühen berichtet hat. Trotzdem bitte
ich Sie, Monseigneur, ihm von meinem Kummer darüber zu berichten,
denn ich bin mir sehr wohl des Respekts bewußt, den ich seiner Würde
und seinen Verdiensten schulde, und der außergewöhnlichen Verpflich-
tung durch seine grenzenlose Güte. Sie haben daran Anteil, Monseig-
neur, denn Sie haben ihm die hohe Meinung von mir eingegeben, durch
die er mich auszeichnet. Amare et sapere, vix coelitibus conceditur. Sie
haben ihm zu viel gesagt und er hat zu viel getan; ich bin dabei zu kurz
gekommen, gewiß deswegen, weil ich zu wenig tun konnte ...

Annecy, 10. April 1617 (XVII,378f) an Antoine Favre:


... Man macht mir angst durch das Gerücht, daß es in Chambéry sehr
gefährliche Krankheiten gebe und daß Herr d’Avise gestorben sei. Das
ist der Grund der Reise dieses Boten. Hier gibt es keine Neuigkeiten ...

Annecy, 16. Mai 1617 (XVIII,5-9) an Philippe de Quoex:


Ohne ein Mädchen zu beleidigen oder fast ohne es zu beleidigen,
wird man es für wenig weise oder nicht ganz richtig im Kopf halten, wenn
es mitten in der Stadt seine Brust entblößt und seine Brüste den Blicken
aller auf der Straße und in der Kirche aussetzt. Man wird aber niemals
murren, und muß es nicht tun, wenn eine Amme ihre Brust öffnet, sie
dem Kindlein zeigt und reicht, weil man wohl weiß, daß sie die Amme ist

275
und daß ihre Aufgabe als Amme sie verpflichtet, dem lieben kleinen
Kind die Milch zu geben, wo immer sie erkennt, daß es ihrer bedarf.
Das sage ich für Sie und für mich. Man muß immer tun, was unsere
Pflicht im Dienst unseres milden und guten Meisters ist gegen jene, die
in ihm wahrhaft unsere Kinder sind. Man muß ihnen an jedem Ort, wo
ihre Bedürftigkeit es erfordert, die mütterliche Brust unserer Liebe öff-
nen und ihnen die Milch der Liebe geben. Ich sage „mütterlich“, weil die
Liebe der Mütter stets zärtlicher zu den Kindern ist als die der Väter,
meiner Meinung nach deswegen, weil diese den Vätern mehr abverlangt.
Seien wir also das eine wie das andere, denn das ist die Pflicht, die der
Höchste uns auferlegt hat.
Übrigens versichere ich Ihnen, daß ich gelacht habe, aber wohlge-
merkt aus ganzem Herzen, als ich gegen Ende Ihres Briefes sah, daß
man Ihnen erzählte, ich sei sehr in Zorn geraten und hätte all das ge-
sagt, was Sie mir berichten. Mehr noch, Sie sagen mir: Mein Vater, ver-
hehlen Sie Ihrem Sohn die Wahrheit nicht, der darüber bestürzt ist. 13
Ich sage Ihnen also, mein Sohn, daß mein Herz dem Ihren gegen-
über der Wahrheit getreu die Ehre geben wird. Wenn jener, der Ihnen
von meinem Zorn erzählt hat, nicht mehr gesehen hätte als ich, wären
Sie nicht in Sorge um diesen armseligen Vater. Ich bitte Sie aber, wenn
er wieder zu Ihnen kommt, umarmen Sie ihn in meinem Namen und
schenken Sie ihm doppelte Liebe, denn ich bekenne Ihnen, er hat nicht
ganz unrecht. Ich bin ein armer Mensch, der Leidenschaft unterworfen;
aber durch die Gnade Gottes habe ich, seit ich Hirte bin, niemals ein
heftiges Wort des Zornes zu meiner Herde gesagt. Es ist wahr, beim
Widerstand von N. und N. drohte ich dem einen mit seinem Vorgesetz-
ten, dem anderen mit N., aber ich habe nichts getan, als was ich tun
mußte und in solchem Fall immer tun würde. Ich war wirklich erregt,
aber ich habe die ganze Erregung zurückgehalten. Ich habe meine
Schwachheit unserer Mutter gestanden, die bei diesem Anlaß ebenso
wie ich kein zorniges Wort gesagt hat. Ich will Ihnen noch mehr sagen:
Es scheint, daß diese guten Leute ihr oft Gelegenheit zur Abtötung
geben wollen, die sie unersättlich schluckt.
Aber sagen Sie mir, lieber Herr Mitbruder, was haben wir dem guten
Mann angetan? Ach, unsere Mutter und ich wollen nur ein kleines Bie-
nenhaus bauen, bescheiden und unserem Vorhaben angepaßt, um unse-
re armen Bienen unterzubringen, die keine andere Sorge haben, als den
Honig auf den heiligen und himmlischen Hügeln zu sammeln, nicht je-
doch ihr Bienenhaus zu vergrößern oder zu verschönern. Wahrhaftig,

276
wenn ich an unsere Mutter und ihre Töchter denke, gratias ago ei qui me
confortavit, Christo Jesu Domino nostro, quia fidelem me eixistimavit,
ponens me in ministerio, aus Anlaß dieser Kongregation. Damit ist da-
rüber genug gesagt, um Sie von der Sorge zu befreien, mein sehr teurer
Bruder und Freund. Beten Sie nur für uns, und alles geht gut.
Was die guten Edelleute betrifft, bei Gott, mein teuerster Herr Mit-
bruder, sprechen Sie sie ohne Vorbehalt von allem los, wovon ich los-
sprechen kann. Warum sollte ich Ihnen irgendeine Vollmacht vorenthal-
ten, die ich übertragen kann, da Sie keine Mühe ausschließen, die Sie für
das Wohl meiner Herde haben können?
Ach, mein teurer Freund, ich vergieße manchmal Tränen über sie,
wenn ich an mein babylonisches calvinistisches Genf denke: Haereditas
nostra versa est ad alienos; das Heiligtum ist zum Gespött geworden;
das Haus Gottes ist verwüstet. Was soll ich dazu sagen? Ich kann wohl
nichts anderes, als auf seinen Trümmern weinen.
Wenn ich an unsere arme, kleine und bescheidene Heimsuchung den-
ke, die Gott soviel Ehre erweist, empfinde ich noch einigen Trost, Bi-
schof dieser Diözese zu sein. Wenigstens hier werde ich etwas Gutes
getan haben. Wenn allerdings dieser Bischofssitz einen Hilarius hätte,
einen Augustinus, einen Ambrosius, ach, diese Leuchten würden die
Finsternis des Irrtums zerstreuen! Trotzdem will ich einhalten und mit
den Leuten im Evangelium sagen: Gott hat alles gut gemacht. Und Sie,
mein vollkommener Freund und sehr teurer Mitbruder, werden gut dar-
an tun, mir vollen Glauben zu schenken ...
P. S. Es berührt mich schmerzlich, zu erfahren, daß man im Priorat
(von Talloires) nichts mehr von der heiligen Liebe und Einheit sieht,
ohne die das Ordensleben nur reine Illusion ist. Das Schlimmste ist, daß
die Uneinigkeit unter den Guten herrscht, denn das ist besonders ge-
fährlich. Wie der hl. Bernhard von den Orden sagt, daß er sie als die
Augen der Kirche betrachtet, der Braut Jesu Christi, non est dolor sicut
dolor eorum. Ihr Auge muß unterscheiden, was hilfreich ist, um dieses
Übel zu heilen; Ihre väterliche Gelassenheit muß die schädlichen Stim-
mungen zerstreuen, Ihr Eifer, Ihre Gerechtigkeit und Ihre Festigkeit
müssen diese Zwietracht beenden.

Annecy, 28. Mai 1617 (XVIII,13f: DA 6,287f) an Claude de Blonay: In Erwar-


tung der Todesnachricht des Bruders Bernhard; am 30. Mai 1617 (XVIII,18-20:
DA 6,288f) an Baron de Villette: Zum Tod des Bruders.

277
Sales, 21. Juni 1617 (XVIII,21-24) an Antoine Favre:
Mein Herr Bruder! Ich beklage lebhaft den Verlust, den wir durch
den Tod des guten Herrn Präsidenten de Sautereau erlitten haben, der
Sie gewiß unsagbar ehrte und mich mit einer außergewöhnlichen Freund-
schaft auszeichnete ... Ich werde sogleich an die Frau Präsidentin de
Sautereau schreiben, nicht um sie zu trösten, sondern um ihr zu beteu-
ern, daß ich stets der grenzenlosen Verpflichtung eingedenk sein werde,
die ich gegen den Verstorbenen habe (vgl. DA 6,289). Indessen bin ich in
Sales bei unserer jungen Witwe, die mich in Staunen versetzt, wenn ich
in ihrem Schmerz soviel Liebe zu ihrem verstorbenen Gatten sehe und
soviel Tapferkeit im Ertragen des Kummers über seinen Tod.
Am Freitag werde ich nach La Roche abreisen, um den Grundstein
für die Kirche der Kapuziner zu legen, von da gehe ich nach Thonon,
teils um die Kirche zu weihen, die die gleichen Patres dort gebaut haben,
und den Hochaltar der Patres Barnabiten, teils um womöglich bestimm-
te Streitigkeiten zu schlichten, die durch menschliche Versuchung im
Heiligen Haus entstanden sind. Von dort werde ich nach Gex reisen, wo
ich für ähnliche Aufgaben erwartet werde, und mit Gottes Hilfe werde
ich mich für unser Fest vom „hl. Petrus in Ketten“ in Annecy einfinden.
Bei all dem macht mir Sorge, daß ich meinen Bruder de Boisy zum
dritten Mal sehr krank an einem Fieber zurücklasse; und wenn es stimmt,
daß der Herr Erzbischof von Lyon als Gesandter nach Rom geht, kann
es sein, daß er während dieser Zeit die Alpen überschreitet; das kann ich
zwar kaum glauben, denn ich denke, daß er vor seiner Abreise den Kö-
nig, seinen Herrn, sehen will.
Ich habe einen guten Herzensfreund verloren in Herrn de Chanal.
Vor einigen Jahren von Gott zum frommen Leben berufen, ist er in einer
Verfassung gestorben, daß wir guten Grund haben, die Stunde seines
Todes glücklich zu nennen, dessen bin ich sicher. Ich habe insbesondere
einen unwiderlegbaren Grund, ihn glücklich zu schätzen, durch die Re-
chenschaft über sein Gewissen und seine guten Absichten, die er mir vor
seiner Abreise von Annecy mitteilte. Dagegen bedaure ich unendlich
Herrn de Bourgeois und Herrn de la Pierre, wenn sie sich durch das
Duell gegenseitig dem Henker ausgeliefert haben, um sich in die Ver-
dammnis zu stürzen. Ich will mich aber weigern, eine so schreckliche
Sache zu glauben, soviel ich kann ...

Annecy, 6. August 1617 (XVIII,57-59) an Réné Favre de la Valbonne: freudiger


Willkommensgruß an den ältesten Sohn des Präsidenten Antoine Favre, der zum
Senatspräsidenten berufen wurde (sein Vater hatte dieses Amt bis 1610 inne).

278
Annecy, 30. August 1617 (XVIII,68f) an Antoine Favre:
Mein Herr Bruder! Als ich gestern unter ungünstigem Gedränge an
meinen Cousin, Herrn de Charmoisy, schrieb und die Absicht hatte,
Ihnen über die Krankheit meiner Nichte, der Frau Präsidentin der Graf-
schaft Genf zu schreiben, da schloß ich den Brief, als wäre er für Sie. Ich
glaube, Sie werden mich leicht entschuldigen, ebenso mein Cousin; ihr
kennt meinen Geist gut genug, der der Zerstreutheit unterworfen ist.
Ich schreibe Ihnen im Namen meiner Schwägerin de Thorens, ent-
biete Ihnen ihren demütigsten Handkuß und bitte Sie, sie zu unterstüt-
zen bei dem, was man nach Möglichkeit tun kann, um bestimmte Feuer-
waffen meines Bruders, ihres Gatten, wiederzubekommen; dieser Bote
wird Ihnen die Einzelheiten erklären ...
Im übrigen bitte ich Sie demütigst zu veranlassen, daß wir Nachricht
erhalten über den Stand der Krankheit unserer Präsidentin, denn wir
sind wirklich in Sorge bis zur Unruhe, und die Damen der Heimsuchung
vergessen nicht, Gott zu bitten ...

Marie-Aimée de Thorens,Tochter von Johanna Franziska von Chantal, kam zu


ihrer Mutter in die Heimsuchung, brachte dort ihr Kind zur Welt, das nach der
Nottaufe starb (vgl. DA 5,304), sie selbst zwei Tage später. Franz von Sales
berichtet darüber in einer Reihe von Briefen, am 10. September 1617 (XVIII,72f)
an Mme. de Montfort (DA 6,292), am 12. September 1617 an Mutter de Bréchard
(XVIII,75: DA 7,66) und Mutter Favre (XVIII,76f: DA 7,43).
Annecy, 12. September 1617 (XVIII,74) an einen Adeligen:
... Es hat Gott außerdem gefallen, mich in den letzten Tagen in unse-
rem Haus heimzusuchen, indem er unsere neue Witwe zu sich gerufen
hat, meine Schwägerin de Thorens, eine der weisesten, tugendhaftesten
und liebenswürdigsten Frauen, die man sich wünschen kann. Ich meinte,
daß mein Bruder nicht ganz gestorben sei, solange diese Frau lebt. Sie
hatte sich vom Beginn ihrer Witwenschaft an der Heimsuchung geweiht
und hatte diesen Plan schon bei der Abreise ihres Gatten. Gott hat ihr
die Gnade geschenkt, daß sie in diesem Haus gestorben ist, eines Todes,
der von außergewöhnlicher Heiligkeit gekennzeichnet war. Sie erbat den
Habit und machte die Profeß, ehe sie starb.
Es tut mir sehr wohl, von meinem Schmerz mit Ihnen zu sprechen, da
Sie mich mit Ihrem Wohlwollen ehren ...

Annecy, 23. September 1617 (XVIII,94-96) an den General der Barnabiten:


Hochwürdiger, sehr geehrter Pater in Christus! P. Redente (Bar-
anzano) kehrt zurück, wohin ihn der Gehorsam ruft. Er ist ein Mann von
sehr guten Eigenschaften und hat alle sehr erbaut. Ich weiß, daß er

279
gefehlt hat durch die Veröffentlichung seiner Bücher ohne die erforder-
liche Erlaubnis, ich weiß aber auch, daß die eigentliche Ursache dieses
Fehlers eine gewisse Einfalt und Unaufmerksamkeit ist. Durch eine vä-
terliche und gütige Zurechtweisung, die Ew. hochwürdige Paternität ihm
erteilt, wird er ohne Zweifel künftig achtgeben. Wenn Sie es daher nicht
aus irgendeinem Grund, der mir unbekannt ist, für untragbar halten,
wage ich Ew. Paternität zu sagen, daß es gut wäre, ihn hierher zurückzu-
schicken. Da er die Sprache erlernt hat und in dieser Gegend sehr be-
liebt ist, scheint er mir hier sehr nützlich zu sein.
Ich verlasse mich jedoch ganz auf Ihre große Klugheit. Gott mache
Sie glücklich in der göttlichen Gnade und Glorie ...

Annecy, Ende November 1617 (XVIII,116-122) an den General der Barnabiten:


Dank für die Rückkehr des P. Baranzano. Don Juste Guérin könnte in Turin und
in Rom die Pläne bezüglich Contamine für das Seminar vertreten und über den
Stand der Diözese berichten, über ein Noviziat in Rumilly verhandeln und die
Approbation der Regeln der Heimsuchung beschleunigen.

Grenoble, 27. Dezember 1617 (XVIII,128-130) an Mme. de Chailliol:


... Ich habe mich nach Ihnen erkundigt, um mich vor allem über Ihre
glückliche Heirat mit Ihnen zu freuen, denn man sagt darüber viel Gutes.
Ich denke daran, daß Sie ein wenig meine geistliche Tochter waren,
und bitte Sie, ganz nach der Gnade zu leben, die Unser Herr Ihnen
erwiesen hat, und treu dem Licht zu entsprechen, das er Ihnen durch
soviele Belehrungen geschenkt hat.
Denken Sie daran, stets in der Demut zu leben, damit Gott Sie in
Ihrem ganzen Herzen segne, denn es ist gewiß, daß Gott den Stolzen
widersteht und den Demütigen seine Gnade gibt. Nichts wird Sie so
ehren wie diese Demut, denn Gott erhöht die Niedrigen ... Ich sage
Ihnen nichts über die heilige Frömmigkeit; sie ist immer und überall
wünschenswert, denn wie Sie wissen, mäßigt sie unseren Geist in den
Freuden und Vergnügungen, in den Widrigkeiten ist sie uns Zuflucht
und Erholung. Was immer uns trifft, sie läßt uns Gott preisen, der bes-
ser ist als alles. Sie macht die Jugend vernünftiger und liebenswürdiger
und das Alter weniger unerträglich und unangenehm.
Lesen Sie bitte, was ich in der „Anleitung“ von der Milde und Güte
gesagt habe, die man in der Ehe sorgfältig üben soll. Um die Lehren gut
zu verwirklichen, die Sie dort finden, müssen Sie jetzt damit beginnen,
sich darin zu üben, indem Sie die Morgen- und Abendübung gut ma-
chen. Wenn Sie beten, beten Sie bitte manchmal ein wenig für mich ...

280
Annecy, 13. Januar 1618 (XVIII,143-148) an Bénigne Milletot: Die Äbtissin von
Puits d’Orbe hat Franz von Sales in Grenoble aufgesucht, ist aber nicht nach
Annecy in die Heimsuchung weitergereist; sie findet keinen Frieden. – Der Tod
seines Bruders und seiner Schwägerin. – Erzbischof Frémyot verdächtigt Franz
von Sales zu Unrecht wegen des Testaments seiner Schwägerin. – Am 15.-17.
Januar 1618 (XVIII,149f): Fürsprache für einen Freund, der in einen Prozeß
verwickelt ist. – Die Reise des Prinz-Kardinals ist verschoben.
Annecy, 24. Januar 1618 (XVIII,156f) an Mutter Chantal: Der selige Tod des
Philippe de Quoex (DA 5,306f). An Mutter Favre (XVIII,157f: DA 7, 46) außer-
dem über den Tod des P. Simplicien.
Annecy, im Januar-Februar 1618 (XVIII,163f) an Claude-Louis-Nicolas de Quoex:
Mein lieber Bruder (denn ich bin es anstelle dessen, den unser guter
Gott von uns weggenommen hat), man berichtet mir, daß Sie andauernd
über diese wahrhaft schmerzliche Trennung weinen. Das soll aber kei-
neswegs sein, ob Sie nun seinetwegen weinen oder über sich. Wenn es
seinetwegen ist, warum weinen, daß unser Bruder im Himmel ist, wo es
keine Tränen mehr gibt? Wenn Sie über sich weinen, geschieht es dann
nicht zu sehr aus Eigenliebe (ich spreche so freimütig zu Ihnen), so daß
man glaubt, Sie liebten mehr sich als sein Glück, das unvergleichbar ist?
Wollten Sie, daß er Ihretwegen nicht bei dem sei, in quo movemur et
sumus, soviel wir uns seinem heiligen Ratschluß und göttlichen Willen
beugen?
Aber kommen Sie uns besuchen, und bald, und wir werden die Tränen
in Freude verwandeln, wenn wir uns gemeinsam daran erinnern, wessen
unser guter Bruder sich erfreut und was ihm niemals wird genommen
werden. Kurz, denken Sie oft daran und an ihn, und Sie werden froh
leben. Das wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen, mit dem ich mich
Ihren Gebeten empfehle und Ihnen versichere, daß ich der Ihre bin.

Annecy, 4. Februar 1618 (XVIII,165f) an P. Angelo Calcagni: 14


Hochwürdiger, sehr geehrter Pater in Christus! Herr Roch, Ihr Bru-
der, wendet sich an mich und ich komme, Sie mit ihm im Geist zu grü-
ßen. Ich bitte Sie, bleiben Sie in dieser Prüfung so froh als möglich. Dank
Gott wird sie bald beendet sein, denn nach der Ankunft Sr. Exzellenz (de
Lans), der in wenigen Tagen kommen soll, werden Ew. Paternität in
Freiheit gesetzt werden. Indem ich Ihnen allen wahren Trost nach dieser
Prüfung wünsche, empfehle ich mich von ganzem Herzen Ihrem Gebet
als Ihr sehr ergebener Bruder und Diener.

Annecy, 23. Februar 1618 (XVIII,176f) an P. Ancina: Begleitschreiben zu einer


Lobrede auf seinen verstorbenen Bruder, den Bischof Ancina.

281
Grenoble, 8. März 1618 (XVIII,185) an den Herzog:
Monseigneur! P. Angelo Calcagni, Guardian der Observanten von
Piacenza, ist seit drei Monaten in Chambéry in Haft. Da ich ihn oft in
Annecy sah, wo er sich manchmal einen ganzen Monat bei seinem Bru-
der aufhielt, und da ich an ihm nie etwas bemerkte, was im Widerspruch
zu Frömmigkeit und Religion stünde, habe ich ihn im Gefängnis besucht
und ihn als einen Mann erlebt, der sein reines Gewissen bezeugt. Da er
mich bei der Liebe Gottes um meine Fürsprache bei Ew. Hoheit gebeten
hat, konnte ich ihm das nicht abschlagen. Weil ich fest überzeugt bin, daß
sich bei diesem Anlaß nichts gegen seine Unschuld findet, richte ich an
Ew. Hoheit die untertänigste Bitte, ihm Ihre Gunst zu erweisen für seine
baldige Abreise und die Rückkehr in sein Kloster ...

Grenoble, 10. März 1618 (XVIII,190f) an Mme. de Lescheraine:


Madame, ich konnte dem Herrn de Lescheraine, Ihrem Sohn, nicht
zu Diensten sein, sondern habe ihn nicht einmal gesehen, weder ge-
stern, als er sich die Mühe machte, hierher zu kommen, weil ich mich auf
die Predigt vorbereitete, noch heute, als er mir Ihren Brief brachte, weil
er jenem seinen Namen nicht nannte, mit dem er sprach, und weil er sich
in übergroßer Diskretion zurückzog, als er mich beschäftigt wußte. Aber
glauben Sie bitte deswegen nicht weniger, daß ich ihm bei jeder Gelegen-
heit nach Kräften und mit besonderem Eifer zu Diensten sein werde, da
ich von ganzem Herzen Ihr sehr demütiger und ergebener Diener bin.

Annecy, 25. April 1618 (XVIII,198f) an Roger de Bellegarde:


Der Bote, ein junger Mann aus Gex, verläßt sein Land und das Haus
seines Vaters, um der unmenschlichen und dauernden Verfolgung zu ent-
gehen, der er ausgesetzt ist, seit er der Häresie abgeschworen und den
katholischen Glauben angenommen hat. Es ist schlimm, daß die Partei
der angeblich Reformierten, die durch die Langmut des Königs geduldet
wird, so unduldsam ist, daß sie auf unerhörte Weise die Untertanen der
Krone hindern will, in Freiheit Gott zu dienen nach der Religion des
Königs und des Königreichs, in der der Staat Bestand hatte und die im
Staat, Gott sei Dank, annähernd 1.200 Jahre immer herrschte.
Deshalb habe ich Sie gebeten, mein Herr, uns in dieser Ballei katho-
lische Beamte zu geben. Durch ihre Autorität können sie ein Gegenge-
wicht bilden gegen die Menge und die Bosheit der Feinde der Religion
des Königs und des Königreichs, die so dreist im Bösen und so listen-

282
reich sind, es auszuführen. Wenn sie nicht mit starker Hand zurückge-
halten werden, hören sie nicht auf, auf jede gewaltsame Weise den Fort-
schritt der Bekehrung der Seelen zu verhindern ...

Annecy, 18. Mai 1618 (XVIII,225f) an Guillaume-Bernard de Foras:


Mein Herr Bruder, wie würde das aussehen, wenn ich diesen Boten
meiner Freunde und Mitbrüder abreisen ließe, ohne ihm diese vier Wor-
te mitzugeben? Muß ich nicht so oft als möglich die mehr als brüderliche,
aufrichtige und unverletzliche Liebe in Erinnerung rufen, die ich für Sie
hege? Es ist wahr, mein teurer Herr Bruder, je weiter die Freude und die
Wohltat hinausgeschoben wird, Sie wiederzusehen, um so mehr nimmt
diese Gesinnung in mir zu.
Im übrigen hat man uns von allen Seiten die Heirat Sr. Hoheit (de
Nemours) angekündigt. Ich erwarte aber, daß Sie es mich wissen lassen,
ehe ich Sr. Hoheit meine Freude bekunde, wie ich muß. Ich würde mich
noch mehr freuen, wenn man uns nicht in der gleichen Nachricht versi-
cherte, er habe sich entschlossen, nicht mehr hierher zu kommen. Nun
denn, die göttliche Vorsehung weiß, was sie mit uns vorhat ...

Annecy, 19. Mai 1618 (XVIII,226f) an Claude de Blonay:


Ich nehme aufgrund unserer gegenseitigen, alten und unveränderli-
chen Freundschaft Anteil an all Ihrem Glück und Kummer. Deshalb
bedaure ich den Verlust Ihres Herrn Schwiegersohnes und bitte Gott,
daß er seine liebe Witwe tröste, der ich gern zu Diensten sein möchte.
Die Heimsuchung erwartet Sie, und Mme. Chantal beschwor mich
vor ihrer Abreise oder in einem Brief, Sie zu drängen, daß Sie ihnen zu
dem Geschenk verhelfen. Sie ist gegenwärtig in Lyon bei unserer Toch-
ter und wird in acht Tagen hier sein, um in der Oktav der Himmelfahrt
die Profeß der Fräulein de Vallon und Carra entgegenzunehmen.
Unser Herr Prior wird Ihnen die immer zuverlässigeren Nachrichten
vom Frieden bringen ...

Annecy, im Mai-Juni 1618 (XVIII,234) an Guillaume-Bernard de Foras:


Schließlich ist es wahr, mein Herr Bruder, daß man die Sterne nicht
mehr sieht, wenn die Sonne an unserem Horizont steht. So hat auch die
große Befriedigung, die Sie über die Heirat des Herrn (de Nemours)
empfinden, Sie so eingenommen, daß wir vergessen sind. Nun denn, wir
freuen uns gewiß mit Ihnen von ganzem Herzen über dieses Glück, das
wir hoch einschätzen; aber wir haben diese erfreuliche Nachricht im Fin-

283
stern tappend erhalten, indem wir da und dort die Gewißheit sammel-
ten, die wir aus den Gerüchten gewannen, die darüber verbreitet wur-
den; denn weder Herr (de Nemours) noch jemand von seiner Seite noch
irgendein Mensch der Welt gab uns irgendeine Nachricht. Doch Gott sei
gepriesen. Er möge seine Segnungen über diese heilige Verbindung ver-
mehren.
Wenn die erste Verzückung vorbei ist, in welche die große Freude Sie
versetzt, mein Herr Bruder, ich bin sicher, dann werden Sie sich auch
herablassen, uns ein wenig mit Ihrem Wohlwollen zu beschenken. Glau-
ben Sie indessen, was mich betrifft, bleibe ich unverrückbar im Willen,
stets zu leben als Ihr sehr demütiger und sehr ergebener Bruder und
Diener.

Annecy, 3. Juni 1618 (XVIII,236f) an Bischof Fenouillet:


Monseigneur, der würdige Bote wird Ihnen sagen, was wir sind und
was wir tun. Wir sind stets in der Hoffnung und Erwartung der Rückga-
be von Vercelli ... Kurz gesagt, die Eitelkeit ist übermächtig.
Dasselbe kann ich sagen zu dem Bild, das man Ihnen bringt. Ohne
Seele und Herz ist es nur eine nutzlose Darstellung eines Menschen, der
nichts ist als Eitelkeit. Es vermag aber mehr als ich, der sehr wünschte,
wirklich bei Ihnen zu sein, um Ihnen mit lebendiger Stimme meine un-
tertänigsten Dienste anzubieten und sich der Ehre Ihres Anblicks zu
erfreuen. Da ich das aber noch nicht kann, bleibe und bin ich immer
mehr begierig, von Ihnen erkannt und anerkannt zu werden als Ihr sehr
gehorsamer Bruder und Diener (vgl. DA 6,275 an Mme. de Granieu).

Annecy, 17. Juni 1618 (XVIII,241) an Don Juste Guérin:


Hochwürdiger Pater, ich antworte Ihnen zwar kurz, aber das ge-
schieht gezwungenermaßen, da ich nur dazu Muße habe. Wahrhaftig,
mein Pater, es braucht keinen Schwur, um mich an die Echtheit Ihrer
aufrichtigen, herzlichen, tiefen und unveränderlichen Freundschaft ge-
gen mich glauben zu lassen. Denn ich glaube an sie, ich kenne sie, ich
fühle sie, ich taste sie. Meine Seele müßte leblos sein und mein Herz
gefühllos, wenn ich an ihr zweifelte. Aber glauben auch Sie umgekehrt
fest, mein teuerster Pater, daß mein Geist dem Ihren darin treu ent-
spricht, daß ich unlösbar und unveränderlich der Ihre bin, ohne Rück-
halt und irgendeine Ausnahme; aber sehen Sie, ich sage der Ihre in dem
Maß, daß mein Herz keinen Gedanken hat, der nicht zustimmte ...

284
Annecy, 26. August 1618 (XVIII,271-274) an P. Lessius SJ:
Hochwürdiger Pater in Christus! Unser lieber Magister Gabriel brach-
te mir den Brief Ew. Paternität, durch den ich sehr geehrt und erfreut
bin. Schon früher habe ich Sie und Ihren Namen geliebt und verehrt,
mein Pater, nicht nur, weil ich alles zu schätzen pflege, was von Ihrer
Gesellschaft kommt, sondern auch weil ich insbesondere von Ew. Hoch-
würden zunächst Vortreffliches gehört, dann gesehen, kennen und schät-
zen gelernt habe.
Vor einigen Jahren habe ich das überaus nützliche Werk „De Justitia
et Jure“ gelesen, in dem Sie kurz und klarer als die übrigen Autoren, die
ich gesehen habe, die Schwierigkeiten dieses Abschnitts der Theologie
vorzüglich lösen.
Dann sah ich den Rat, der vom Engel des großen Ratschlusses den
Sterblichen über die Wahl der wahren Religion gegeben wurde; schließ-
lich sah ich in der Bibliothek des Kollegs von Lyon den Traktat über die
Prädestination. Wenn ich auch nur da und dort einen Blick hineinwerfen
konnte, erkannte ich doch, daß Ew. Paternität die durch Alter, Lieblich-
keit und die ursprüngliche Autorität der Heiligen Schrift ausgezeichne-
te Lehre von der Vorherbestimmung zur Glorie post praevisa opera
annehmen und festhalten. Das war mir wirklich sehr willkommen, da ich
sie stets als mit der Barmherzigkeit und Gnade Gottes besser vereinbar,
echter und liebenswerter erachtet habe, was ich indessen auch im Büch-
lein über die Gottesliebe dargelegt habe.
Da ich also auf diese Weise die Verdienste Ew. Paternität schätzte,
die Ihre Werke seit langem verkündeten, bin ich in der Tat erfreut, Ihnen
auch umgekehrt irgendwie teuer zu sein. Damit das immer so sei, werde
ich den erwähnten Magister Gabriel sehr empfohlen halten, und wenn
ich je etwas finde, womit ich Ihnen einen Gefallen erweisen kann, dies
mit größtem Eifer tun ...

Annecy, 30. August 1618 (XVIII,277) an Don Juste Guérin:


Mein lieber Pater, Sie waren zweimal in so kurzer Zeit krank? Das ist
ein Zeichen, daß Sie zu wenig darauf achten, Ihre Gesundheit zu erhal-
ten. Sie sind jedoch verpflichtet, darauf zu achten, um unserem großen
Meister und seinen Kindern um so besser zu dienen, denn dazu ver-
pflichtet Sie Ihre Berufung. Tun Sie es von jetzt an, lieber Pater; das sage
ich Ihnen ganz im Guten, mit aller Liebe, die ich für Sie hege, und mit
allem Einfluß, den ich auf Sie habe ...

285
Annecy, 4. September 1618 (XVIII,284f) an Bischof Fenouillet:
Monseigneur, man dankt der Sonne nicht dafür, daß sie den Tag
macht, noch dem Mond, daß er die Nacht erhellt, weil das ihre Natur ist.
So werde auch ich Ihnen nicht danken für die gute Aufnahme, die Sie
dem Herrn Präsidenten Crespin gewährten, sei es, daß Sie es aus der
Großzügigkeit Ihres Geistes getan haben, die zu Ihrer Natur gehört, sei
es, daß Sie es nach Ihrem Wohlwollen gegen mich getan haben; diese
Haltung ist Ihnen ja durch die große Zahl von Akten, die Sie andauernd
gegen mich üben, zur Natur geworden. Ich will Ihnen nur sagen, daß ich
Gott bitte, es Ihnen zu vergelten, ihn, der dessen Urheber in Ihnen ist.
Wie ich übrigens den Wunsch des Herrn Präsidenten lobe, seine Tage in
unserem kirchlichen Beruf zu beschließen wie in einem Hafen der Gna-
de, um nach diesem rauhen Sturm und der Prüfung dieses grausamen
Gewitters der Welt in den Hafen der Glorie zu gelangen, so bin ich auch
Ihrer Ansicht, daß es erst geschehen soll, nachdem der Schiffbruch ein
wenig eingedämmt ist, von dem er betroffen wurde ...
Für meinen Teil weiß ich noch nicht, ob ich nach Paris reisen werde
oder nicht. Diese Ungewißheit hängt von der über die Reise des Herrn
Prinz-Kardinals ab und von der, die an den Höfen zu herrschen pflegt ...

Annecy, 16. Oktober 1618 (XVIII,292f) an einen Adeligen:


Die Erfahrung Ihrer Freundlichkeit, die ich vor zwanzig Jahren in
Rom machte, der Bericht, den mir der Herr Kanonikus Desplans dar-
über gibt, und die Erwägung der Ehre, die Ihre Verdienste Ihnen ein-
bringen, verpflichten mich, Ihnen meine Dienste anzubieten, wenn auch
unnützer Weise, denn so unbedeutend, wie ich bin, kann ich nicht ver-
sprechen, sie Ihnen leisten zu können. Wenn mich diese Überlegung
auch zurückhalten müßte, Ihnen zur Last zu fallen, wenn es sich um das
Anliegen handelt, das Ihnen der genannte Herr Desplans wegen der
Unterstützung der Kanoniker meiner Kirche vorgetragen hat, so kann
ich es doch nicht unterlassen, Sie zu bitten, daß Sie uns allen behilflich
seien, damit den einen geholfen wird und ich getröstet werde, wenn ich
sehe, daß ihnen ein wenig geholfen und sie von der Armut befreit wer-
den. Ich versichere Ihnen, daß Sie die guten Leute sehr verpflichten
werden und sie voll Eifer sind, vom Guten im Dienste Gottes zum Besse-
ren fortzuschreiten, und meinen Eifer insbesondere ...

286
Die seelische Entwicklung des Heiligen

Im 9. Buch der Abhandlung über die Gottesliebe beschreibt Franz von Sales den
heiligen Gleichmut; in einem Brief an Johanna Franziska von Chantal nennt er es
„ihr“ 9. Buch; nach ihrer Aussage ist es das Selbstgespräch seiner Seele. Beides ist
richtig, denn die innige Verbundenheit der beiden Heiligen ist Ursache und Er-
gebnis ihrer gegenseitigen Förderung zu jenem Grad der Vollkommenheit, der im
Briefwechsel vom Mai 1616 über die Selbstentäußerung zum Ausdruck kommt.
Dieser heilige Gleichmut ist nach Franz von Sales der Gipfel der heiligen Liebe.
Aus dieser inneren Haltung wird verständlich, wie Franz von Sales wohl am Grund-
sätzlichen zäh und beharrlich festhalten, dabei aber in der Form und in äußeren
Dingen sehr nachgiebig und elastisch sein konnte; wie er bei allen Anfeindungen
das innere Gleichgewicht und die gütige Freundlichkeit zu wahren vermochte;
warum in seinen Briefen kaum eine Spur von den häufigen Anfeindungen und
Beleidigungen zu finden ist, denen er ausgesetzt war.
Sein unbedingtes Vertrauen auf die Vorsehung Gottes, seine stets vermittelnde
und Frieden stiftende Autorität, seine herzliche Freundschaft und nicht zuletzt
seine tiefe Demut haben ihren tiefsten Grund in der übernatürlichen Wertung
der Dinge und Ereignisse. All dies gab den Menschen schon zu seinen Lebzeiten
die Überzeugung, daß er ein Heiliger ist.

287
288
VII. Die letzten Lebensjahre
November 1618 – Dezember 1622

Die vorausgehenden Jahre sind gekennzeichnet durch eine intensive geistliche


Wirksamkeit von Annecy aus. Abgesehen von den Advents- und Fastenpredigten
in Grenoble und kurzen Reisen innerhalb der Diözese ist Franz von Sales in
seiner Residenz. Sichtbare Erfolge der Tätigkeit sind die endgültige Redaktion
der „Anleitung zum frommen Leben“ und die Veröffentlichung der „Abhandlung
über die Gottesliebe“ 1616, die Revision der Konstitutionen der Heimsuchung
nach den Wünschen des Erzbischofs von Lyon 1617 und die Umwandlung der
Kongregation in einen Orden mit Klausur 1618 sowie die Ausweitung der Seelen-
führungsbriefe auf neue Adressaten.
Nun wird der Bischof in zunehmendem Maß vom herzoglichen Hof in Anspruch
genommen. Fast ein Jahr ist er im Gefolge der savoyischen Gesandtschaft auf der
Reise nach Paris von seiner Diözese abwesend, aber auch nach der Rückkehr ist
er als Aumônier der Prinzessin Christine dem Hof verpflichtet und „hat nur die
Muße, die ihm der Hof läßt“, für sein seelsorgliches Wirken und für seine litera-
rischen Pläne, während sein Bruder und Koadjutor ihn am Hof vertritt. Im Som-
mer 1622 tut er selbst noch einige Wochen Dienst als Aumônier am Hof von
Turin. Im November 1622 tritt er, wieder im Gefolge des Prinz-Kardinals, die
Reise nach Avignon an, von der er nicht mehr lebend zurückkehrt.

289
A. Ein Jahr in PParis
aris (1618/19)

Der offizielle Anlaß der Reise des Prinz-Kardinals Maurice von Savoyen, in des-
sen Gefolge sich Franz von Sales befindet, ist die Aussöhnung zwischen Frank-
reich und Savoyen. Sie wird besiegelt durch die Heirat des Thronfolgers von
Savoyen, Prinz Victor-Amédée, mit der jüngeren Schwester Ludwigs XIII., Prin-
zessin Christine de France. Der Ehevertrag wird am 11. Januar 1619 unterzeich-
net, Victor-Amédée trifft am 6. Februar in Paris ein, der Kardinal reist im April
ab, Franz von Sales aber verläßt erst am 13. September 1619 Paris im Gefolge des
jungen Paares, begleitet es bis Chambéry und trifft anfangs November in Annecy
ein.
Neben seinen Pflichten im Rahmen der diplomatischen Mission entfaltet der
Bischof von Genf in Paris eine reiche geistliche Wirksamkeit, die ihn fast er-
drückt. Die Einladungen zu Predigten, auch vor dem Hof, häufen sich; die Kon-
takte zu bedeutenden kirchlichen Persönlichkeiten vertiefen sich zur Freund-
schaft und wirken über den Tod des Heiligen hinaus in Frankreich nach. Zu
diesen Persönlichkeiten gehören vor allem Vinzenz von Paul, Bérulle, P. Binet,
die Kardinäle Retz und Rochefoucault.
Am französischen Hof genießt der Bischof von Genf höchstes Ansehen. Die
Königin-Mutter Marie de Medici, die Königin Anna von Österreich, König Lud-
wig XIII. und Richelieu überhäufen ihn mit Gunsterweisen. Die Versuche, ihn für
Frankreich zu gewinnen, scheitern an seinem Widerstand. Prinzessin Christine
ernennt ihn zu ihrem Groß-Aumônier, aber Franz von Sales „macht zwar das
Noviziat am Hof“, sehnt sich aber zurück nach seinen geistlichen Aufgaben.
Seinen Aufenthalt in Paris benützt er auch, um die Gründung des Klosters der
Heimsuchung vorzubereiten. Die Voraussetzungen dafür schienen sehr günstig,
aber durch die Einmischung verschiedener geistlicher Instanzen entstehen große
Schwierigkeiten. Mutter Chantal kommt im April 1619 nach der Gründung in
Bourges nach Paris und bleibt bis zum Frühjahr 1622 (vgl. DA 5,313-329).
Während seines Aufenthalts in Paris begegnet Franz von Sales im April 1619 der
Äbtissin Angélique Arnauld. Sie sucht nicht nur seinen Rat für ihr geistliches
Leben und die Reform von Maubuisson und Port-Royal, sondern möchte ihr
Amt als Äbtissin niederlegen und in die Heimsuchung übertreten (vgl. DA 7,309-
333 und verschiedene Briefe in diesem Abschnitt an Dritte).
Zahlreiche Briefe an Damen, die sich in Paris unter die geistliche Leitung des hl.
Franz von Sales stellten, sind im 6. und 7. Band der deutschen Ausgabe veröf-
fentlicht. Zu ihnen zählen vor allem Charlotte de Herse (DA 6,258; 308-311),
die Schwestern Lhuillier: Marie de Villeneuve (DA 6,257f; 305-308) und Hélène

290
de Frouville (DA 6,259; 326-331); Mme. de Villesavin (DA 6,258; 311-315);
Catherine Arnauld, Mme. Le Maître (DA 6,259; 318-321); Marie-Aimée de
Merville, Mme. du Tertre, die Wohltäterin und spätere Schwester der Heimsu-
chung (DA 7,155f; 171-177); die Gräfin Rossillon (DA 6,302-304); die Gräfin
Dalet und ihre Mutter, Mme. Le Loup de Montfan (DA 6,260; 336-348).

Paris, 9. November 1618 (XVIII,305-311) an Dona Ginevra Scaglia:


Erlauchte, sehr geehrte Signora! Ihren Brief habe ich gestern abend
durch Herrn Verdelli erhalten. Ich danke Ew. erlauchten Gnaden für
die Gunst, daß Sie mir schrieben, denn es bereitet mir tausendfachen
Trost.
Die Mutter (Chantal) befindet sich also durch eine besondere Fü-
gung Gottes bereits auf der Reise und kam zur selben Zeit in Bourges
an, als mich das Ersuchen des erlauchten Prinzen erreichte. Ich glaube,
sie wird von Bourges nach Paris kommen, um ein Kloster zu gründen.
Wenn auch durch den Tod des Kardinals du Perron einige Schwierigkei-
ten entstanden sind in den Dispositionen, die er getroffen hat, sehe ich
doch, daß sie sich allmählich zerstreuen. Wenn sie diese Stadt verläßt,
wird sie nach Dijon gehen, wo alles für die Gründung eines weiteren
Klosters bereit ist. Im Frühjahr kann sie nach Turin kommen, wenn alles
für die Niederlassung vorbereitet ist. So hoffe ich, daß sie ihre Tage gut
nützen wird, ohne Zeit zu verlieren, wenn die göttliche Majestät ihr hilft
und sie stärkt ...
Die Reise verlief ausgezeichnet. Unser hochwürdigster Herr war gu-
ter Dinge. Überall wurde er sehr eindrucksvoll unter großem Beifall von
Groß und Klein empfangen. Jeder pries Gott und unser Fürstenhaus
und zeigte lebhaftes Verlangen nach der geplanten Heirat. Während der
fünftägigen Schiffahrt konnte ich mich in Muße der Gesellschaft des
hochwürdigsten Kardinals erfreuen, nicht ohne viel über gute Dinge zu
sprechen. Zweimal am Tag las Se. Hoheit französische Bücher, um die
Sprache besser zu erlernen und sich mit den Verhältnissen des König-
reichs vertraut zu machen. Manchmal ruderte er selbst und hieß mich
mit ihm rudern. Er dachte zuerst, daß ich diese Kunst nicht beherrschte,
dabei stellte sich jedoch heraus, daß ich es darin schon zum Lehrer
gebracht habe.
Nach der Ankunft in Orléans trafen wir mit den Herren de Bethune
und di Modena zusammen, die zu unserem Empfang gekommen waren.
Wir blieben zwei Tage, um uns etwas zu erholen. Hier empfing Se. Ho-
heit an Allerheiligen die heilige Kommunion, dann kamen wir in kleinen
Tagesreisen bis hierher. Es ist nicht zu beschreiben, mit welchen Ehren
Se. Hoheit empfangen wurde ...

291
Ich füge nur hinzu, daß ich in Paris eine Zunahme der Frömmigkeit
vorgefunden habe, daß es wunderbar ist. Vor allem der König hat eine so
hohe Auffassung von der heiligen katholischen Religion, daß man davon
allen Segen für das Königreich erhoffen darf. An unseren guten Pater D.
Juste abertausend Grüße. Ich werde nicht verfehlen, bei Gelegenheit sei-
ner Kongregation alle guten Dienste zu erweisen, die ich kann ...

Paris, 18. Dezember 1618 (XVIII,315f) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Bei der allgemeinen Freude im ganzen Königreich über
den glücklichen Beschluß der Heirat Ew. Hoheit kann und darf ich nicht
unterlassen, meine Freude zu bekunden. Sie ist gewiß um so größer, weil
ich einerseits der Güte Ew. Hoheit mehr verpflichtet bin und andererseits
insbesondere in Madame eine vollendete Vereinigung von Vollkommen-
heiten gefunden habe, im Aussehen, in der Haltung, im Reden. In ihrem
Benehmen stellt man so viele Züge der Güte, der Klugheit, der Milde und
der Frömmigkeit fest, daß man nicht unterscheiden kann, welcher dieser
Vorzüge am meisten vollendet ist. Da die Heilige Schrift den glücklich
nennt, der mit einer guten Frau vermählt ist, kann ich schon jetzt Ew.
Hoheit in dieser Hinsicht alles Glück vorhersagen und dafür von ganzem
Herzen Unseren Herrn preisen, da die gleiche Heilige Schrift uns sagt:
Das Haus und die Reichtümer wurden uns von unseren Vätern erworben,
aber die weise und tugendhafte Frau im besonderen wird uns als ein kost-
bares Geschenk der göttlichen Freigebigkeit gegeben.
Im übrigen vermag ich nicht zu beschreiben, Monseigneur, mit wel-
chem Anstand sich der Herr Kardinal an diesem Hof bewegt und wie
geschickt er den Rang des großen Prinzen, den ihm seine Geburt ver-
leiht, mit dem des sehr würdigen Kardinals zu verbinden weiß, den sein
Beruf ihn zu wahren verpflichtet, indem er sehr bewundernswert die
ungezwungene und allgemeine Höflichkeit, die bei diesem Volk so er-
wünscht und geschätzt ist, mit der Bescheidenheit und Schicklichkeit
vereinigt, die hier so kostbar ist wie auf der ganzen Welt.
So sei also Gott in allem Ehre und Verherrlichung, Monseigneur, mit
demütigstem Dank für seine Tröstungen, die er uns schenkt und die er
für Se. erlauchte Hoheit und für Sie noch bereithält ...

Paris, 19. Dezember 1618 (XVIII,316-318) an Mme. de la Fléchère:


... Ich werde hier fast erdrückt von Aufgaben, dank Unserem Herrn
lauter guten ... Unserer guten Mutter geht es in Bourges gut. Hier haben
wir große Mühe, die Niederlassung der Kongregation zuwege zu brin-

292
gen, und fürchten sehr, daß sie sich verzögert, obwohl es wunderbar ist,
wie viele Seelen ihr anzugehören wünschen ... (vgl. DA 6,179).

Paris, 24. Dezember (XVIII,318) und 29. Dezember 1618 (XVIII,320f) an Mut-
ter Chantal: über seine Tätigkeit. Nachrichten (DA 5,313f).
1618 (XVIII,322f) an einen Geistlichen:
Durch meinen Brief habe ich Ihnen bestätigt, daß ich es als Gunst
betrachte, mich Ihren Bruder zu nennen. Das ist der Name für die auf-
richtigste und wünschenswerteste Liebe, die uns die Natur gegeben und
die Gnade geboten hat. Aber wenn ich Sie mit diesem Titel anspreche,
geschieht es mit einem ganz besonderen Gefühl der Brüderlichkeit. Den-
noch fordern Sie mich auch noch auf, daß ich Ihr Vater sei und Sie mein
Sohn. Gewiß, ich kann diesem Wunsch meine Zustimmung nicht versa-
gen; aber ich bitte Sie, üben wir ein wenig Mäßigung; sie hält mich zurück
und tadelt mich, etwas zu leichtfertig zu sein gegenüber einem Men-
schen, wo die Gefahr der Anmaßung besteht.
Die älteren Brüder folgten früher den Vätern in den Familien nach
und vertraten die Stelle des Vaters bei ihren Brüdern, so daß die Brüder
Väter waren und die Väter Brüder; die Jüngeren waren Kinder, Brüder
und Brüder der Kinder. Nun denn, seien wir das. Es ist wahr, die Zunei-
gung, die ich zu Ihnen habe, hat den Rang der väterlichen Liebe, da es
Ihnen gefällt, wegen ihrer Stärke und Beständigkeit, und den Rang ei-
ner brüderlichen Liebe wegen ihres Freimuts und ihrer Vertraulichkeit.
Wie dem auch sei, „die Liebe macht die Liebenden einander gleich“, in
der Art, wie sie zwischen den Brüdern, Vätern, Müttern und Kindern
herrscht. Das also ist es, was Sie mir sagen, mein teuerster Bruder.
Deshalb werde ich Sie auch meinen sehr teuren Sohn und meinen teuer-
sten Vater nennen.
Da ich nicht ohne Nachteil für den Boten länger schreiben kann,
verbleibe ich mit einem väterlich-brüderlichen Herzen Ihr sehr ergebe-
ner Vater und Bruder.

Paris, Ende 1618-Anfang 1619 (XVIII,328-330) an P. Gérard de Tournon:


Hochwürdiger Pater, es ist ein empfindlicher Schmerz für mich, den
großen Mangel an Güte unter unseren hochwürdigen Geistlichen dort zu
sehen. Ich weiß nicht, was ich nicht täte, um ihre Leidenschaften zu mäßi-
gen. Aber da hilft nichts. Der Geist des Widerspruchs macht sich überall
bemerkbar, am heftigsten aber da, wo man weiß, daß die Einheit und
Einmütigkeit zur größten Erbauung gereichten. Ich habe an den Herrn
Pfarrer (Dunant) geschrieben, damit er nichts unternehme gegen Herrn

293
Jacquin und Herrn Paris bis zu meiner Rückkehr, die mit Gottes Hilfe
bald nach Ostern sein wird ... (es folgen administrative Weisungen).

Paris, 1619 (XVIII,331) an die Präsidentin de Herse:1


Von Herzen gern werde ich mich einfinden, Madame, wo und für
wann Sie es mir angeben, und ich lehne die Bequemlichkeit Ihres Wa-
gens nicht ab. Ich habe ja keinen, außer von hilfreichen Menschen; zu
ihnen gehören auch Sie. Ich versichere Ihnen, daß Sie eine der Seelen
sind, denen ich sehr herzlich, zärtlich und nachdrücklich jede Art heili-
gen Trostes wünsche. Ich bin ohne Ende und ohne Rückhalt Ihr sehr
demütiger Diener in Unserem Herrn.

Paris, 7. Januar 1619 (XVIII,336-338) an Dona Ginevra Scaglia:


... Bitte, lassen Sie Ihre teure Seele nicht verwirren durch Skrupel
wegen Ihres Gelübdes, Ordensfrau zu werden; denn wer die Bezahlung
aufschiebt, um in besserer Münze zu bezahlen, darf nicht als schlechter
Zahler bezeichnet werden, besonders wenn weder der Tag noch die Zeit
festgelegt sind. Die Liebe ist die Königin des Gewissens; wenn sie uns
um der größeren Ehre des Bräutigams willen zuzuwarten heißt, braucht
sich das Gewissen nicht zu ängstigen. Ew. Gnaden warten auf die Stun-
de, da Sie viele Seelen mit sich nehmen können; warten Sie also und
befürchten Sie nichts, denn ohne Zweifel ist es besser, so zu handeln.
Ich weiß noch nicht, wann ich nach Savoyen zurückkehren werde, aber
ich weiß wohl, daß ich nicht zögern werde, wenn es Gott gefällt, nach
Turin zu kommen, entweder mit dem hochwürdigsten Kardinal oder mit
dem erlauchten Prinzen ...

Paris, 11. Januar 1619 (XVIII,339f) an Mutter Chantal: unangenehme Nach-


richten über Herrn von Chantal (DA 5,316).
Paris, 16. Januar 1619 (XVIII,340-342) an Mme. de Granieu: über die Schwie-
rigkeiten der Gründung in Paris (DA 6,280).
An Mutter Chantal in Bourges: am 19. Januar 1619 (XVIII,345-349) verschiede-
ne Nachrichten; am 21. Januar 1619 (XVIII,350-353) sonderbare Pläne mit der
Heimsuchung in Paris; am 20. Februar 1619 (XVIII,359) Kritik an der Anzie-
hungskraft der Heimsuchung; 21. März 1619 (XVIII,364f) Weisungen für ihre
Reise nach Paris (DA 5,316-321).
Paris, 17. März 1619 (XVIII,360-363) an Dona Ginevra Scaglia: zum christli-
chen Tod ihres Vaters. Gute Aussichten für die Heimsuchung in Turin.
Paris, 5. April 1619 (XVIII,366f) an eine Dame:
Da ich Sie kürzlich in Sorge um Dorothée sah, glaubte ich Ihnen
sagen zu müssen, daß ich gestern bei meiner Rückkehr aus dem Louvre

294
mitten in der Nacht hier Benediktiner antraf, die mir erzählten, ein Mäd-
chen habe sich kurz vorher an sie gewandt, um mir mitteilen zu lassen,
daß Dorothée bei Mme. de la Trimoille gewaltsam festgehalten wurde,
die sie zwei Prädikanten übergeben habe, die sie heute früh trotz ihres
Widerstands mitnehmen wollten. Ich denke, daß man von Genf die Wei-
sung dazu gegeben hat; aber ich sehe keine Hilfe, zumal ich verpflichtet
bin, vier Meilen von hier fortzugehen; ich werde von dort nicht vor dem
Abend zurückkommen. Außerdem glaube ich, daß man das Mädchen
heute früh schon weggebracht hat ...2

Paris 26. April 1619 (XVIII,368-370) an Angélique Arnauld: der erste Brief
nach der Begegnung am Vortag (DA 7,311f).
Paris, 29./30. April 1619 (XVIII,373f) an Mutter Chantal: Weisung für ihre
Verhandlungen über die Betreuung der „Büßerinnen“ (DA 5,321).
Paris, 18. Mai 1619 (XVIII,376f) an Michel Bouvard:
Als Antwort auf den letzten Brief, den zu schreiben Sie sich die Mühe
machten, will ich Ihnen sagen, daß ich nichts unterlassen habe, was ich
tun konnte, um dem armen Herrn Beigeordneten de Quoex in seinem
Unglück einen Dienst zu erweisen. 3 Aber soweit ich sehe, wurden meine
Bitten und Vorstellungen entkräftet durch einen bestimmten Wider-
spruch, durch den Gott zuließ, daß es noch größer wurde. Ich kann aber
nicht sagen, sondern nur ahnen, woher mir dieses Mißgeschick zugesto-
ßen ist. Die Trübsale wären nicht betrüblich, wenn sie uns nicht kränk-
ten, und die Diener Gottes sind davon kaum ausgenommen. Ihr Glück
ist ihnen für das künftige Leben aufbewahrt. Trotzdem hoffe ich, daß
der Schlag, den der Herr Beigeordnete erhalten hat, nicht so schwer
sein wird wie die Befürchtung ...

Paris, 21. Juni 1619 (XVIII,393f) an Roger de Bellegarde: dringende Bitte um


Intervention im Konflikt zwischen seinem Kapitel und Seyssel.
Paris, im Juni 1619 (XVIII,397f) an eine Dame:
Madame, ich habe Mme. Goulay (du Tertre) versprochen, Sie auf
dem laufenden zu halten über das, was ich in ihrer Sache getan habe,
und ich halte Wort. Ich konnte noch nichts Bestimmtes erfahren über
den Beschluß, den die Herren vom Rat des hochwürdigsten Kardinals
de Retz gefaßt haben. Ich glaube aber, daß ich es heute abend erfahren
werde, denn ich habe seinen Generalvikar, Herrn de Pierrevive, gebeten,
mich zu benachrichtigen.
Die Schwestern von der Heimsuchung sagen allerdings, sie hätten
erfahren, daß es der genannte Rat für ganz unzuträglich halte, wenn sie

295
diese gute Dame aufnehmen, weil ihr Kloster aus lauter Novizinnen
bestehe und in dieser Stadt so neu sei, daß sein Ansehen dadurch deli-
kat ist, wie sich merkwürdigerweise bei seinem Anfang gezeigt habe, und
angesichts vieler sehr empfindlicher Geister. Der erwähnte Rat habe
außerdem bedacht, daß der Herr Kardinal immer erklärt habe, es genü-
ge nie, hier einzutreten, außer um tatsächlich bleiben zu wollen. Folglich
sei beschlossen worden, daß man sie nicht für einige Zeit aufnehme.
Wenn sie dagegen zielstrebig ist und mit Vorbedacht Ordensfrau wer-
den will, könne man sie aufnehmen, wie Sie selbst mir sagen, wenn man
ihre Berufung gründlich geprüft hat. Ein gutes Kennzeichen dafür sei,
wenn sie sich damit zufriedengebe, für einige Zeit in irgendeines der
Klöster in Frankreich zu gehen, um dann hierher zurückzukommen. Das
ist im Wesentlichen das, was ich gestern von der Mutter Oberin erfahren
habe. Sie nannte ihren Gewährsmann, der sehr glaubwürdig ist. Da er
aber nicht zum Rat gehört, habe ich mich gestern an Herrn de Pierrevive
gewandt, der mir größere Klarheit zu geben verspricht.
Sie werden also verstehen, Madame, wenn es sich so verhält, kann
ich nichts erwidern, denn sie sind die Interpreten des Prälaten. Da ich
hier nur in Erwartung meiner Abreise bin, muß ich mich in allem und für
alles nach ihrer Auffassung richten. Außerdem macht das bloße Ge-
rücht die Schwestern so bange, daß ich, falls es wahr ist, nicht wagen
werde, sie zu einer Aufnahme zu überreden, durch die sie solchen Ver-
druß haben würden.
Behalten Sie bitte diese Nachricht für sich und erwarten Sie jene, die
ich Ihnen sogleich geben werde, sobald ich die Antwort des Herrn Gene-
ralvikars habe ... (vgl. DA 7,68 an Mutter de Bréchard in Moulins und die
Briefe an Mme. du Tertre).

Paris, 2. Juli 1619 (XVIII,403f) an einen Adeligen: Über die Interpretation der
Heiligen Schrift.
Paris, 4. Juli 1619 (XVIII,405) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur, ich danke Ew. Hoheit untertänigst für die Mühe, die
Sie sich zu machen beliebten, um mir die Rückkehr des Herrn Carron
mitzuteilen. Ich erwarte indessen die Aufträge, die Sie mir in bezug auf
den Herrn Herzog de Nemours geben werden. Man versichert mir, daß
er am Samstag mit seiner Gemahlin hierher kommen muß, von der man
sagt, daß sie guter Hoffnung sei ...
P. S. Monseigneur, ich habe Mme. de Saint George im Auftrag Ew.
Hoheit gesehen. Sie küßt demütigst Ihre Hände und erweist Ihnen ihre
Reverenz, verbunden mit dem Dank, daß Sie sich ihrer erinnern.

296
Paris, 11. Juli 1619 (XVIII,407-409) an den Herzog:
Monseigneur, ich habe von der Notlage erfahren, in der sich der
Herr Beigeordnete de Quoex befindet. Er wird in Chambéry gefangen
gehalten wegen einer Summe von annähernd tausend Dukaten, zu der
er von einigen Senatoren und Schatzmeistern verurteilt wurde, die be-
sonders dafür abgeordnet waren. Ich habe mich auch vergewissert, daß
er in all dem, was ihm zur Last gelegt wird, kein böswilliges Vergehen
begangen hat und es in keiner Weise an der demütigsten Unterwerfung
fehlen ließ, die er Ew. Hoheit schuldet, in der er und die Seinen stets
sehr treu gelebt haben. Ich bin außerdem ein zuverlässiger Zeuge, daß
er und sein Bruder sich bei der Gelegenheit, die sich vor vier Jahren in
der Grafschaft Genf bot, sich als sehr tüchtig und eifrig im Dienst Ew.
Hoheit erwiesen haben. Daher kann ich mir nicht versagen, Sie untertä-
nigst zu bitten, und wenn Sie mir gestatten, Sie bei Ihrer eigenen Güte
zu beschwören, daß Sie Ihre schützende Hand über diesen guten und
ehrenhaften Mann halten, um ihn vor dem Ruin zu bewahren, in den ihn
sein Unglück, nicht irgendein Verbrechen zu stürzen droht.
Es gibt keinen noch so weisen und gerechten Menschen auf der Welt,
an dem man nicht etwas auszusetzen hätte, wenn man mit aller Strenge
und neugierig die Handlungen im Lauf mehrerer Jahre bis ins Kleinste
durchforscht. Monseigneur, wenn aber die Fehler ohne Bosheit, ohne
List, ohne böse Absicht und ohne Folgen sind, erlaubt die Barmherzig-
keit, ja selbst die Gerechtigkeit den großen Fürsten nicht, ihre Gerech-
tigkeit durch eine andere Bestrafung als einen Tadel und einen Verweis
zu gebrauchen. Vor allem, Monseigneur, ließ es die Milde und Großmut
Ew. Hoheit nie am Beistand für die Guten fehlen. Das läßt mich hoffen,
daß er sich hier noch reichlicher zeigen und daß meine demütige Bitte
gut aufgenommen wird, da sie im Einklang steht mit der Großherzigkeit,
die jeder an Ew. Hoheit bewundert. Ich wünsche Ihnen unablässig alles
heilige Wohlergehen und bin ...

Paris, 29. Juli 1619 (XVIII,410f) an Prinz Victor-Amédée:


... Auf Befehl Ew. Hoheit werde ich bleiben oder abreisen, wie es
Ihnen gutdünkt. Ich zweifle nicht, daß Sie meine Pflicht gebührend be-
rücksichtigen, in meine Residenz zurückzukehren, sobald Sie glauben,
daß mein Aufenthalt hier für Ihren Dienst nicht mehr nützlich sein kann.

Paris, Ende Juli 1619 (XVIII,411-413) an Mutter de Bréchard: Mme. du Tertre


kommt nach Moulins (DA 7,68).

297
Bis zur Abreise aus Paris (am 13. September) schreibt Franz von Sales mehrmals
an Mutter Chantal (DA 5,322-324) und mehrere geistliche Briefe (vgl. DA 6,313-
318) und an Angélique Arnauld (DA 7,317).
Auf der Reise mit der ständigen Beanspruchung durch den Hof nützt Franz von
Sales jeden freien Augenblick, um den Klöstern der Heimsuchung wenigstens
einen kurzen Besuch abzustatten und Briefe zu schreiben: in Tours an Angélique
Arnauld (DA 7,319-321), an die Schwestern Lhuillier (DA 6, 305), an Mutter
Chantal (DA 5,324), an Mutter Marie de Jesus (DA 7,236); in Amboise an
Angélique Arnauld (DA 7,322) und Mme. Le Maître (DA 6,318f); aus Bourges
an Mutter Chantal (DA 5,324); aus Varennes an Mutter Rosset (DA 7,108) und
aus Roanne-Voreppe an Mutter Chantal (DA 5,325-329) einen Bericht über die
ganze Reise.
Amboise, 22. September 1619 (XIX,30f) an Antoine Arnauld:4
Ich weiß Sie weit entfernt dem Leib, aber nahe dem Geiste nach, und
ich sehe Ihr väterliches Herz betrübt über mehrere Ereignisse seit mei-
ner Abreise. Aber ich sehe auch, wie mir scheint, daß Gott, Ihr Schutz-
engel, Ihre Klugheit und Ihr Mut Sie in all diesen Erschütterungen auf-
richten und stärken. Sie kennen zu gut die Bedingungen dieses armseli-
gen Lebens, das wir auf dieser Welt führen, um erstaunt zu sein über die
Vorkommnisse verschiedener Art, die sich hier ereignen. Was kann ich
Ihnen also aus diesem Anlaß sagen? Lassen wir Gott nehmen, was ihm
gefällt, und danken wir ihm für das, was er uns läßt, und mehr noch
dafür, was er uns ganz schenken wird mit einer unvergleichlichen Ver-
geltung am Tag, da wir ihn von Angesicht sehen werden.
Ich nehme Anteil und werde stets Anteil nehmen an Ihren Freuden
und Schmerzen, weil ich untrennbar bin von der Zuneigung zu Ihnen
und Ihrer gottgesegneten Familie. Diese beschwört Sie in der Person
des Herrn d’Andilly und durch mich, auf sich achtzuhaben, um künftig
nicht mehr so viel zu arbeiten, denn Ihrem Alter gemäß müssen Sie sich
durch eine angemessene Erholung erleichtern. Sie werden in zehn Jah-
ren maßvoller Arbeit unvergleichlich mehr tun als in einem oder zwei in
übermäßiger Anstrengung. Gewiß, man muß die Last verringern, weil
die Zeit die Kräfte abnehmen läßt.
In der Erwartung, daß Sie diese von Herzen kommende Ermahnung
gut aufnehmen, bitte ich Sie, mein Herr, mich weiterhin zu lieben, wie ich
ohne Ende Ihr sehr demütiger und sehr ergebener Diener bin.

Chambéry, 27. Oktober 1619 (XIX,46-48) an Bischof Camus:


Monseigneur! Bei der Zuneigung, die Sie zu mir haben, glaube ich,
können Sie sich vorstellen, wie groß mein Bedauern war, von Paris abzu-
reisen, ohne die Ehre gehabt zu haben, von Ihnen Abschied zu nehmen,

298
die ich vielleicht nicht mehr haben werde. In Chartres sagte man mir, Sie
seien in Etampes, in Etampes sagte man, Sie seien in Chartres. Ich glau-
be, daß Sie weder da noch dort waren, sondern in Maubuisson oder auf
dem Weg dorthin. Kurz, ich bin in meinem Nest. Wenn es das Tal ist,
werde ich immer glauben, daß Sie mir auf einen Tag nahe sind, aber
vergeblich, denn Sie werden in Ihrem liebenswürdigen Paris sein bei der
großen Zahl von Seelen, die Gott durch Ihre Vermittlung segnen will.
Als ich hier auf der Durchreise von unserem Hof Abschied nahm,
sagten mir die Patres Kapuziner, daß man sie in Belley haben wolle, wo
andere Ordensleute an ihrer Stelle sein möchten. Monseigneur, ich weiß,
daß Ihre erste Absicht war, Ordensleute zu haben, die das Sakrament
der Buße verwalten. Wenn die Kapuziner diesen Dienst versehen könn-
ten, würden Sie sie allen anderen vorziehen. Sie sind wirklich aus tau-
send Gründen vorzuziehen, da sie jetzt die Erlaubnis haben, in dieser
Provinz Beichte zu hören; denn sie haben große Fähigkeiten, ein unver-
gleichliches Ansehen und kommen bei den Leuten an; sie üben eine
Armut, die jene nicht belastet, die ihren Unterhalt bestreiten, ein Ver-
hältnis untereinander, das die Ordensleute in der Observanz erhält, und
eine besondere Neigung, Sie zu ehren. Da Ihr Belley Ihren Auftrag er-
wartet, bitte ich Sie, Ihre Autorität für sie einzusetzen; ich weiß, daß
Ihre Herde darüber äußerst getröstet sein und Sie sehr zufriedenstellen
wird.
Erweisen Sie mir indessen die Gunst, Monseigneur, nicht zuzulas-
sen, daß meine Entfernung von Ihnen Ihr heiliges Wohlwollen gegen
mich vermindere, der Sie stets von Herzen ehrt und unwandelbar Ihr
sehr demütiger und sehr gehorsamer Bruder und Diener ist ...
P. S. Wenn ich nicht die Hoffnung hätte, bald an die Heimsuchung
von Paris und nach Maubuisson zu schreiben, würde ich Sie bitten, daß
Sie Herrn Jantet meine Grüße in diesen beiden Häusern bestellen las-
sen. Da ich dies aber in zwei oder drei Tagen selbst durch Briefe tun
werde, würde ich mich damit begnügen, daß er mit Ihrer Erlaubnis Herrn
und Frau de Saint Bonet meines Gehorsams versichert; und wenn ich
nach drüben schreibe, werde ich meine Verpflichtung gegenüber Mme.
de Herse nicht vergessen.

Chambéry, 30. Oktober 1619 (XIX,49f) an Mutter Chantal: Der Hof hat ihn
beim Abschied als Groß-Aumônier der Prinzessin verpflichtet (DA 5,329).

299
B. Die Rollen der Magdalena und Mar tha
Martha

Nach der langen Abwesenheit von Savoyen warten auf den Bischof viele Aufga-
ben, denen er sich trotz seiner angegriffenen Gesundheit mit großem Eifer wid-
met. Außer der Reform der Klöster gilt sein Bemühen der Einführung des Ora-
toriums in Rumilly, der Förderung der Barnabiten und der Behebung der trost-
losen Zustände im Heiligen Haus von Thonon.
Die rasche Ausbreitung der Heimsuchung durch neue Gründungen in Nevers,
Dijon, Chambéry und Belley erfordert viele Briefe an Mutter Chantal in Paris
(DA 5,329-369), an Oberinnen und Schwestern (vgl. DA Bd. 7). Großen Kum-
mer bereiten den Gründern die Spannungen zwischen den Klöstern von Moulins
und Nevers wegen der Mitgift der Mme. du Tertre.
Sehr schmerzlich ist für Franz von Sales der Abfall des Neffen seines Vorgängers,
Denis de Granier, zur anglikanischen Kirche, ebenso die gehässige Verfolgung
seines Freundes de Foras, in die er selbst durch Verleumdungen hineingezogen
wird, gegen die er sich zur Wehr setzt.
In seiner Eigenschaft als Aumônier der Prinzessin Christine vertritt den Bischof
die meiste Zeit sein Bruder und Generalvikar Jean-François am Hof in Turin. An
ihn gehen zahlreiche Briefe mit Nachrichten und Aufträgen. Dankbar nimmt
Franz von Sales die Ernennung des Bruders zu seinem Koadjutor mit dem Recht
der Nachfolge an, der am 17. Januar 1621 zum Titularbischof von Chalzedon
geweiht wird. Mit ihm möchte er sein Amt in der Weise teilen, daß er selbst die
Rolle der Magdalena behalten kann, um ganz für seine geistlichen Aufgaben und
literarischen Pläne zu leben.

Annecy, 15. November 1619 (XIX,54f) an Claude de Blonay:


Ich hatte Sie gebeten, Herrn Combaz zu sagen, daß er seine Tochter
holen komme. Nachdem ich aber von seiner heftigen Aufregung darüber
erfahren habe, erwog ich, ob ich noch eine Möglichkeit für diesen Einzel-
fall finde, sie zu behalten. Gott weiß, daß ich froh darüber wäre, wenn
ich keine Notwendigkeit und keine Verpflichtung im Gewissen sähe, sie
zurückschicken zu lassen. Wenn ich es aber tun müßte, werde ich mich
auch darauf einstellen, sie sagen zu lassen, was man will, und meine
Pflicht zu tun.
Ich verlasse mich auf Ihre Diskretion, mein Herr, und bin Ihr sehr
demütiger und sehr ergebener Bruder.

300
Annecy, 19. November 1619 (XIX,55f) an Prinz Victor-Amédée: über eine
Präbende im Zusammenhang mit der Klosterreform (DA 12,146f).
Annecy, 22. November 1619 (XIX,57) an die Ordensleute von Sixt: Ermahnung
zur Eintracht (DA 12,135f).
Annecy, 30. November 1619 (XIX,58f) an Mutter Chantal: über die Verfolgung
des Herrn de Foras (DA 5,330).
Annecy, 10. Dezember 1619 (XIX,63f) an Graf Jacques de Viry:
Die Dispens für Ihr Fräulein Tochter ist eingetroffen. Trotzdem bleibt
noch ein Hindernis zu beseitigen, das durch den Herrn de Pommier der
Kanzlei des Bistums vorgelegt wurde. Ich sehe Herrn du Boys irgendwie
bereit, es durch eine bestimmte Geldsumme zu beheben; ich weiß aber
nicht, ob sie so groß ist, daß sich die Parteien sogleich damit begnügen
werden. Deshalb glaubte ich, Ihnen diese Mitteilung machen zu müssen,
damit Sie durch Ihre Autorität und Geschicklichkeit dazu beitragen, die
Einigung zu beschleunigen und damit auch die Hochzeit. Ich erinnere
mich nämlich, daß Sie mir erklärten, Sie wollten diese gehalten sehen,
ehe Sie nach Burgund abreisen, um den Herrn du Boys zufriedenzustel-
len. Andernfalls kann der Weg der Justiz, so kurz er sein mag, nur lang-
wierig und vielen Zufällen unterworfen sein ...

Annecy, 13. Dezember 1619 (XIX,65f) an François de Montholon:


... Bitte, gestatten Sie mir, mein Herr, daß ich meine Seele erleichte-
re, indem ich mich bei Ihnen selbst beklage über Ihre Klagen. Ich bin
darüber wirklich betroffen und erstaunt, denn ich glaube nicht, daß ich
dazu irgendeine Veranlassung gegeben habe. Außer dem wahrheitsge-
mäßen Zeugnis, das ich ein einziges Mal für die Verdienste und die
guten Eigenschaften dieses Edelmannes (de Foras) gab, habe ich näm-
lich in keiner Weise zu dieser Heirat mitgewirkt, außer vielleicht da-
durch, daß ich sie Gott empfohlen habe, damit sie zu seiner Ehre gerei-
che. Alles, was man sonst darüber sagt, ist nur Übertreibung.5
Die Wahrheit ist, daß die Partner sich während meiner Abwesenheit
zur Zuneigung und zum Versprechen fanden. Kurz nach meiner Rück-
kehr war ich bei der Wiederholung des Versprechens zugegen, das sie
vor mir erneuern wollten; aber meine Anwesenheit bestand einfach da-
rin, daß ich nichts anderes tat, als es mit mehreren anderen anzuhören,
ohne ein Wort zu sagen. Kann ich einen solchen Dienst gegen solche
Personen verweigern? Nicht mehr als jenen, den ich Ihnen erweise, mein
Herr. Mir scheint, Sie hätten mir nur mitgeteilt, daß Sie eine so heftige
Abneigung gegen diese Heirat haben, damit ich mich diesem glühenden
Mißfallen anschließen könne, das Sie haben ...

301
Annecy, 13. Dezember 1619 (XIX,67) an einen Adeligen:
... Nun, mein Herr, ich habe mich Ihnen gegenüber etwas breiter
ausgelassen, um mich zu erleichtern. Ich bin gewiß nicht sehr niederge-
schlagen wegen des Tadels und der Vorwürfe, die man mir bei diesem
Anlaß erteilt, denn ich weiß mich vor Gott unschuldig. Ich bin aber trotz-
dem betrübt über die Erregung so vieler Leidenschaften über eine Sa-
che, mit der ich so wenig zu tun hatte. Die mich kennen, wissen, daß ich
nichts oder fast nichts leidenschaftlich oder heftig will; wenn ich Fehler
begehe, dann geschieht es aus Unwissenheit. Ich möchte aber trotzdem
das Wohlwollen dieser Herren mit Rücksicht auf mein Amt zurückge-
winnen. Wenn ich das nicht kann, werde ich es unablässig weiter verwal-
ten per infamiam et bonam famen, ut seductor et verax. Ich will an Leben
und an gutem Ruf nur soviel, als Gott will, und ich werde davon immer
mehr haben, als ich verdiene ...

Annecy, 13. Dezember 1619 (XIX,68-71) an Bischof Camus:


Monseigneur! Seit einigen Tagen weiß ich, daß die göttliche Vorse-
hung schließlich Ihren Herrn Vater aus dieser Welt abberufen hat. So-
gleich trat ich an den Altar, um den ewigen Sohn seinem Vater darzu-
bringen für die Seele des Verstorbenen und dem Heiligen Geist Ihre
Seele und jene Ihrer guten Mutter und der ganzen Schar der Brüder
und Schwestern zu empfehlen; er ist die milde Quelle alles wahren Tro-
stes. Was kann man bei solchem Anlaß Besseres tun?
Gewiß, ich nehme Anteil an Ihrem Schmerz; aber der Anteil, den ich
daran nehme, wird die Totalität des Ihren um nichts vermindern. Ach,
wenn der Kummer in dem Maß geringer würde, als wir ihn in das Herz
vieler ergießen, welcher Vorteil wäre es für Sie, nah und fern so viele
Menschen zu haben, die Sie ehren und aufrichtig lieben, die sich alle mit
Ihren Empfindungen vereinigen, um mit Ihnen zu fühlen.
Ich weiß Ihnen aus diesem Anlaß nichts anderes zu sagen, als daß ich
mein ganzes Leben das wertvolle Andenken an den guten verstorbenen
Herrn ehren und unwandelbar der sehr demütige Diener seiner so eh-
renwerten Nachkommen und seiner Frau Witwe sein werde ...
Ich empfinde noch einen Schmerz über diesen Tod, der mich stets
betrübt, wenn ich daran denke. Ich hatte den festen Entschluß gefaßt,
bei meiner Abreise von Paris von diesem guten Vater Abschied zu neh-
men, und mir dies für den Schluß aufgehoben, da ich ihm große Ehre
schuldete und er so nahe war. Aber fortgerissen und beschlagnahmt von
der Flut der Besuche, die ich an diesem Tag empfing, war mein Geist so

302
erdrückt, daß ich nicht rechtzeitig an diese Verpflichtung dachte. Als ich
mich unterwegs daran erinnerte und ihr nicht mehr zu entsprechen ver-
mochte, konnte ich nur noch darüber betrübt sein. Was Sie betrifft, Mon-
seigneur, war es keineswegs ein Mangel an Aufmerksamkeit, sondern
die falsche Auskunft, die mein Gastgeber in Chartres mir gab, Sie seien
in Etampes, wo ich mich dann getäuscht sah, aber zu spät. Ich hoffe aber,
daß mir der gute Herr gern vergeben hat, wenn man so sagen darf, da er
den sah, der alles sieht, und da er sieht, daß mein Fehler nicht aus einem
Mangel an Ehrfurcht, Respekt und Liebe hervorging. Und Sie werden
mir bei Ihrer Freundlichkeit und Güte gegen mich diesen meinen Fehler
gern verzeihen. Gott hat mir Ihr Wohlwollen geschenkt. Gott wird es
mir bewahren, wenn es ihm gefällt. Denn aus mir selbst konnte ich es
nicht verdienen, noch seine Erhaltung.
Zur Bewahrung des Wohlwollens schreibt man mir, daß ich das des
Herrn de Montholon fast verloren hätte wegen der Heirat des Herrn de
Foras. Ich muß Ihnen darüber noch Rechenschaft geben, weil Sie mir
sein Wohlwollen vermittelt haben. Mit einem Wort kann ich in Wahrheit
sagen, außer dem wahrheitsgemäßen Zeugnis, das ich ein einziges Mal
der Mme. de Vaulgrenant über die guten Eigenschaften ihres Gatten
gab, habe ich zu dieser Heirat nichts beigetragen. Als ich allerdings die
starke und heftige Bindung der Herzen sah und erfuhr und das feste
gegenseitige Versprechen einer künftigen Heirat, das sich beide gaben,
während ich in Maubuisson war, da außerdem die Damoiselle sehr si-
cher glaubte, daß Mme. de Sanzelles alles billigen werde, ich sage, ob-
wohl ich damals nicht mehr an der Verschwiegenheit ihrer Liebe in der
Folge zweifelte, habe ich ihnen trotzdem geraten, ihre Hochzeit nicht
lange aufzuschieben. Dieser Rat steht im Einklang mit den Dekreten der
Kirche und mit dem Gehorsam gegen die Gebote Gottes; ich hatte dabei
nur das höhere Wohl und die größere Sicherheit der Seelen im Auge.
Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß Herr de Montholon, als ich
mit ihm darüber sprach, nicht zu verstehen gab, daß er eine so große
Abneigung und eine so starke Anteilnahme an dieser Sache habe, daß
ich deswegen annehmen hätte können, er werde daran so lebhaftes Miß-
fallen haben. Ich kann also meine Meinung nicht mehr dahin ändern,
daß ich mich in diesem Punkt für schuldig halte, wenn ich auch sehr
betrübt darüber bin, bei diesem Anlaß so viele Leidenschaften erregt zu
sehen. Um sie zu besänftigen, kann ich nur sagen: Redime me a calum-
niis hominum ...

303
Annecy, 13. Dezember 1619 (XIX,71-74) an Mutter Chantal: Begleitschreiben
zu den vorstehenden drei Briefen. Nachrichten (DA 5,330-332).
Annecy, 16. Dezember 1619 (XIX,77-84) an Jean-François de Sales, der ihn als
Aumônier der Prinzessin am Hof vertritt: Verschiedene Nachrichten und Aufträ-
ge, u. a.:
M. Favre schreibt mir, daß Herr de Foras infolge des Starrsinns der
Eltern noch nicht frei ist. Sie machen ihn schlecht, soviel sie können. Ich
habe an Herrn de Montholon geschrieben, um zu sehen, ob ich ihn von
seiner falschen Auffassung abbringen kann, die er von meinem Vorge-
hen hat, dessen ich mich nicht schäme, das ich auch nicht zu bereuen
brauche ...
Ich sende Ihnen den Entwurf für die Durchführung der Reform der
hiesigen Klöster, den der Herr Prinz von mir verlangt hat. Es scheint mir
günstig, wenn er ihm während der Feiertage übergeben wird, zu einer
Zeit, da diese Gedanken aktuell sind. Sie können ihm sagen, daß ich
mich vor seiner Abfassung mit Herrn de Monthoux und dem Herrn Abt
von Abondance beraten habe, und daß es günstig wäre, wenn die Denk-
schrift italienisch oder lateinisch abgefaßt wird, am besten von guter
Hand italienisch ...

Annecy, 17. Dezember 1619 (XIX,85) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur, die Schwestern der hl. Klara von Evian richten an Ew.
Hoheit das Gesuch, daß sie den Platz und das Gemäuer der Burg dieses
Ortes bekommen, um dort ihren Konvent zu errichten, da der Herr Mar-
quis de Lullin bestätigte, daß dies die Erhaltung der Stadt nicht beein-
trächtige. Da sie auch meine Fürsprache bei Ew. Hoheit wünschten, lege
ich sie demütig ein und füge hinzu, daß ich glaube, es gebe kein Kloster
dieses Ordens, in dem echte Frömmigkeit so blüht wie in diesem hier.
Ich sende Ew. Hoheit außerdem den Entwurf, den ich in Ihrem Auf-
trag machte, für die Reform der Klöster diesseits der Berge. Sein Studi-
um während der Feiertage wird nicht unpassend sein, da der ganze Plan
die größere Ehre des göttlichen Kindes zum Ziel hat, dessen Geburt
man feiert; ich bitte es unablässig, Ew. Hoheit zu segnen ...

Annecy, 25. Dezember 1619 (XIX,92f) an Claude de Quoex:


Ich halte Wort und will Ihnen berichten. Nachdem ich von der Freund-
lichkeit des Herrn de Dalma alles erreicht hatte, was ich zum Zweck eines
gütlichen Übereinkommens wünschte, erhielt ich am gleichen Tag auch,
was ich schon vorher dem Herrn de Paschal angezeigt hatte, der mir in
seiner Güte ebenfalls sein Wort zum gleichen Zweck gegeben hatte. Da

304
wird mir eben dieses Billet gebracht. Aus ihm sehen Sie, daß ich die Unter-
stützung durch das Ansehen brauche, das Sie genießen.
Mein Gott, wie quält uns doch diese armselige Welt! Wie glücklich
sind jene, die sie von ganzem Herzen verachten. Ich bin von ganzem
Herzen Ihr sehr demütiger Diener.

Annecy, 8. Januar 1620 (XIX,99) an den Rat des Heiligen Hauses:


Meine Herren! Vor langer Zeit hat Se. Hoheit bestätigt, daß er die
Unterstützung des Herrn de Corsier wünscht. Ich bitte Sie, die Empfeh-
lung für ihn anzunehmen als für einen von jenen, für die das Heilige
Haus in erster Linie errichtet wurde. Ich halte es für überflüssig, dem
etwas hinzuzufügen, vor allem deswegen, weil er in dieser Gegend ganz
auf Verwandte und Freunde angewiesen ist. Um meiner Pflicht, seinen
Verhältnissen und den Absichten Sr. Hoheit zu entsprechen, halte ich
trotzdem meine wärmste Empfehlung aufrecht und bin ...

Annecy, 12. Januar 1620 (XIX,107f) an P. Dominique de Chambéry: Bitte um


Erlaubnis für einen Pater, in besonderem Auftrag nach Lyon zu reisen. Beileid
zum Tod eines Paters.
P. S. Der Bischof von Belley hat mir geantwortet, daß er sich mit den
Patres Augustinern eingelassen hat. Er habe das nur getan wegen der
Absage, die ihm die Patres (Kapuziner) vor einigen Jahren erteilt haben.

Annecy, 16. Januar 1620 (XIX,112f) an einen Onkel: Trostbrief nach dem plötz-
lichen Tod seiner Tochter (DA 6,323f).
Annecy, 28. Januar 1620 (XIX,113f) an Graf de Viry:
Ich bin fest überzeugt, daß kein Mensch auf der Welt Sie jemals frei-
mütiger ehren wird als ich. Um so mehr bin ich betrübt über das, was sich
dieser Tage in Ihrem Haus ereignet hat, weil dadurch Gott beleidigt und
öffentliches Ärgernis erregt wurde. Da die Ehe auf alle Fälle nichtig und
ungültig ist, darf sie nicht vollzogen werden, bis die Vollmacht zur Dis-
pens von Rom erreicht ist. Deshalb wird es notwendig sein, die Erklä-
rung des Ehewillens von neuem abzugeben, damit diese Verbindung und
die Nachkommenschaft rechtmäßig sei. Dazu will ich alles tun, was in
meiner Macht steht, und in Ausführung der Gesetze und Bestimmun-
gen der Kirche, damit Sie und die Beteiligten die Überzeugung gewin-
nen mögen, daß ich dabei nichts anderes verlange, als was unbedingt
notwendig und unvermeidlich ist, da ich in Wahrheit Ihr sehr demütiger
und sehr ergebener Diener bin.

305
Annecy, 30. Januar 1620 (XIX,115f) an Prinzessin Christine:
Madame! Da Sie nun dank Gott schließlich an dem Ort angelangt
sind, an dem Sie Ihre Reise nach Ihrer glücklichen Ankunft in diesem
Land beenden sollten, glaubte ich mich nun nicht länger enthalten zu
können, daß ich mein Schreiben Ew. Hoheit präsentiere, falls es Ihnen
nicht unerwünscht sein wird. Ich hoffe, daß ihm diese Ehre zuteil wird,
denn es ist nur geschrieben, um in der Eigenschaft, die ich habe, meine
Empfindungen mit der öffentlichen und allgemeinen Freude zu vereini-
gen, die alle Provinzen in Untertänigkeit gegen Ew. Hoheit empfinden,
bei der Wiederkehr des Tages, an dem Gott Sie durch Ihre Geburt Frank-
reich und dreißig Jahre später durch Ihre Vermählung diesem Staat
geschenkt hat, in dem ohne Zweifel jeder diesen Freudentag segnet und
preist.
Aber ich, Madame, segne ihn und werde ihn als der am meisten von
allen Verpflichtete unvergleichlich segnen durch die glühendsten Wün-
sche, deren meine Seele fähig ist. Möge dieser Tag stets zu denen zählen,
die den Menschen bestimmt sind, um sie zur Ewigkeit gelangen zu las-
sen. Möge der Tag, an dem Sie Christin wurden, Madame, ein Tag zum
Trost für die ganze Christenheit werden. Möge der Tag, an dem Sie
unsere sehr verehrte Herrin und Prinzessin wurden, das erlauchte Haus
von Savoyen durch eine glückliche und stets erlauchte Nachkommen-
schaft Ew. Hoheit erstrahlen lassen.
Das sind die Wünsche, die ich im Geist zu Füßen der göttlichen Güte
darbringe, Madame. Ihr hat es gefallen, mich zum Dienst Ew. Hoheit zu
bestimmen in dem Rang, den Sie mir zu verleihen geruhten. Ich widme
und weihe alle Tage Ihrem teuren und kostbaren Leben, damit es der
erhabenen Vorsehung gefallen möge, es durch eine lange Folge von Jah-
ren zu vermehren, es zu heiligen durch die heilige Fruchtbarkeit an christ-
lichköniglichen Taten und es schließlich zu verherrlichen durch die Kro-
ne der Unsterblichkeit.
Ich erweise Ew. Hoheit in aller Demut meine Reverenz, Madame,
und bin Ihr untertänigster, gehorsamster und treuester Fürsprecher
und Diener.

Annecy, 30. Januar 1620 (XIX,117f) an Roger de Bellegarde: Bitte um Unter-


stützung der Barnabiten, da Beaume um Errichtung eines Kollegs gebeten hat.
Annecy, 31. Januar 1620 (XIX,118-120) an Claude de Quoex: widerrechtliche
Besitznahme eines Benefiziums (DA 12,109f).
Annecy, im Januar 1620 (XIX,121) an Bischof Camus:
... Man teilt mir mit, daß man mir in Paris vorsätzlich den Bart stutzt,
aber ich hoffe, daß Gott ihn üppiger denn je wieder wachsen läßt, wenn

306
das für meinen Dienst notwendig ist. Gewiß, ich will nur soviel Ansehen,
als es dafür notwendig ist. Muß Gott nicht gedient werden bei gutem wie
bei schlechtem Ruf, im Glanz wie im Verfall unseres Ansehens ...?

Annecy, 8. Februar 1620 (XIX,132f) an Marc-François de Malarmy de Lauray:6


Mein Herr, schließlich muß man sich trösten; nichts ist in diesem
sterblichen Leben so angenehm und so heilsam, als Gott recht zu lieben
und Gottes wegen den Nächsten. Ich sehe gewiß und fühle, daß Sie mich
von Herzen lieben und daß Sie daran großes Gefallen haben. Und glau-
ben Sie bitte ebenso, daß ich meinerseits eine unvergleichliche Befriedi-
gung finde in der Zuneigung zu Ihnen, die mir Unser Herr geschenkt
hat.
Da ist ferner die sehr teure Schwägerin, die ebenso fast nur das
Wohlwollen für ihren Schwager atmet und den armseligen geistlichen
Vater kindlich liebt, zu dem Gott ihr eine unaussprechlich tiefe und voll-
kommene Freundschaft geschenkt hat. Ich muß Ihnen wohl sagen, mein
teurer Bruder (wünschen Sie diese herzliche Anrede nicht?), daß die
Arme ein wenig mein Mitleid erregt, wenn ich sie auf dem Land etwas zu
viel in trauriger Einsamkeit sehe. Aber das ist ihr Kelch; muß sie ihn
nicht trinken? Dann stelle ich mir vor, daß Sie ihr oft schreiben und ihr
empfindsames Herz aufmuntern durch die Mitteilung der Empfindun-
gen Ihres Herzens ...
Mein Bruder kann sich vom Hof nicht losmachen. Der Dienst und
die Gunst von Madame halten ihn dort fest. Aber ich kann wohl an
seiner Stelle antworten, daß er in hohem Maß Ihr sehr demütiger Die-
ner ist. Ich muß einhalten, weil der Bote mich drängt.
Leben Sie immer ausschließlich in Gott, mein sehr teurer und stets
wahrhaft immer mehr teurer Bruder, und lieben Sie beständig meine
Seele. Sie wünscht der Ihren abertausend Tröstungen und heiliges Wohl-
ergehen, liebt und ehrt Sie unwandelbar ...

Annecy, 12. Februar 1620 (XIX,134f) an Baron Prosper de Rochefort:


Ich freue mich mit Ihnen und Ihrem ganzen Haus sehr über die
Geburt des lieben Kindleins, dem ich allen Segen wünsche, vor allem
den, daß es sehr viel teilhabe an den Tugenden des glorreichen hl. Bern-
hard, da es das Glück hat, teilzuhaben an seinem Blut ...
Sie wissen sicher, daß der Herr Dekan de Chevron, mein Cousin und
Ihr Verwandter, den ich vor drei Jahren in unseren geistlichen Stand
aufnahm, sich im Klosterberuf in Talloires besser dem Dienst Unseres

307
Herrn widmen zu können glaubte und schließlich dort eintrat. Es ist
wahr, daß er sich zuerst mit mir in Verbindung setzte wegen der Weige-
rung, in den Dienst der Prinzessin zu treten, wie der erlauchte Prinz
gewünscht hatte, aber es geschah mit einer Entschlossenheit, bei der für
einen Rat kein Platz mehr war. Trotzdem glaubte Mme. de Chevron,
meine gute Tante, bis jetzt, daß ich die Ursache dieses Klostereintritts
gewesen sei ...

Annecy, 16. Februar 1620 (XIX,136-138) an Jean-François de Sales: Geleitbrief


für die Delegation, die die Ernennung des Bruders zum Koadjutor betreiben soll.
Es ist wahr, daß es günstig ist, wenn ich womöglich erst nach Ostern
und nach der Synode nach Turin reise, insbesondere wenn die Informa-
tion „super vita et moribus“ in dieser Stadt stattfinden muß. Ich möchte
womöglich gern wissen, wofür Se. Hoheit mich verwenden will, nach
dem, was Herr Cavoret Ihnen gesagt hat. Aber wenn Sie es herausbrin-
gen können, brauchen Sie es mir nur in der dritten Person mitzuteilen,
wenn Sie mir schreiben, z. B. so: Der Freund wird für dies oder das
verwendet werden.
Fast alle Welt hier bezeigt seine Freude über Ihre Beförderung, und
es gibt nur drei Gruppen, die sie nicht zeigen: Die einen sind der Mei-
nung, es geschehe ausschließlich, um mich von hier zu entfernen, denn
sie wollen uns beide haben; den anderen kommt es so unverhofft, daß
sie zunächst Mühe haben, es zu glauben; schließlich gibt es noch sehr
wenige, so wenige, daß es nichts zu sagen hat, die aus Mißgunst, Neid
und Bitterkeit des Herzens dagegen sind. Aber die Herren des Kapitels,
vor allem der Herr Propst, haben eine große Freude, weil man ihre
Bischöfe aus dem Schoß der Kirche nimmt. Die Herren des Rates und
die ganze Stadt, sie alle sind voll Freude und jeder billigt die Beförde-
rung um so mehr, weil sie ohne Ränke und Bewerbung erfolgt ist. Der
gute Herr de Chatelard erhielt die erste Nachricht, nämlich zwei Tage
vor mir, so daß man davon zu sprechen begann, bevor ich etwas wußte.
Kurz, man muß es so gut machen, so heilig und demütig, daß die Ehre
dafür Gott bleibt.
Ich sende Ihnen meine Erlässe für meinen Neffen, oder bei nächster
Gelegenheit ...

Annecy, 17. Februar 1620 (XIX,139-141) an Etienne Jarcellat-Beybin:


Se. Hoheit hat meinem Bruder die Gunst erwiesen, ihn zum Koadju-
tor dieser Diözese mit dem Recht der Nachfolge zu nominieren. Ich
dachte, daß Sie mir gern den Dienst erweisen, die Befürwortung (in
Rom) zu übernehmen, zumal Ihre Geburt in dieser Diözese und die

308
Freundschaft, die Ihr Vater und Ihre Brüder mir stets erwiesen haben,
Sie dazu einladen. Ich bitte Sie daher inständig, sich dessen mit Eifer
und mit aller Sorgfalt anzunehmen. Denn Se. Hoheit und der Herr Prinz
wünschen sehr, daß die Angelegenheit rasch zum Abschluß gebracht
werde, aus guten Gründen, die sich auf ihre Befriedigung und ihren
Dienst beziehen. Sie können mit aller Sicherheit mein Wort dafür ver-
bürgen, daß wir dabei keine List am Hof anwandten, keine Zudringlich-
keit, weder Bitten noch Gesuche.
Das bischöfliche Einkommen ist klein, die Diözese groß und beschwer-
lich. Deshalb wäre es sehr günstig, wenn mein Bruder seine Benefizien
behalten könnte, solange er Koadjutor ist ...

Annecy, 23. Februar 1620 (XIX,148f) an Baron Louis de la Tournette:


Ich preise Gott und danke Ihnen demütig für den Frieden und die
Güte, die Sie Ihrem Pfarrer geschenkt haben. Ich bin sicher, daß er sie
zum besseren Dienst an der Kirche nützen wird. Ich kann nur große
Freude empfinden über Ihre Erinnerung an die feste gegenseitige
Freundschaft unserer Väter, die ich meinerseits bei jeder Gelegenheit
mit großem Eifer pflegen werde, die mein Vermögen finden kann, Ihnen
einen Dienst zu erweisen.
Wenn die Kapelle, von der Sie mir schreiben, meiner Verfügung un-
terstünde, würde ich sie sehr gern zu Ihrer Befriedigung als Aufenthalt
Ihres Sohnes bestimmen, der als Ordensmann in der Schweiz ist. Aber
der Herr Dekan wird sie noch während des ganzen Jahres seines Novi-
ziates innehaben und dann über sie zugunsten eines Verwandten verfü-
gen, der ihm und Ihnen so nahesteht, daß mir, als er ihn mir nominierte
und seine Gründe dafür nannte, aller Mut fehlte, mich für irgendeinen
anderen zu verwenden ...
Indessen verpflichtet mich die gleiche alte Freundschaft, die Sie mir
zu erweisen beliebten, Ihnen Mitteilung von der Ehre zu machen, die Se.
Hoheit in den jüngsten Tagen meinem Bruder erwiesen hat, indem er
ihn zu meinem Koadjutor und Nachfolger in diesem Bistum ernannte,
mit einer um so größeren Freundlichkeit, als es geschah, ohne daß ich je
darnach fragte noch darum bat. Auf diese Weise werden Sie an meiner
Stelle einen anderen Bischof haben, der als mein Bruder in der Folge
wie ich Ihr sehr demütiger und sehr ergebener Diener sein wird.

Annecy, Ende Februar 1620 (XIX,156f) an einen Adeligen:


Ich fühle mich durch die Freundlichkeit, die Sie meinem Bruder und
mir erwiesen haben, so sehr verpflichtet, daß ich nicht weiß, wie ich

309
beginnen, noch wo ich aufhören soll, um Ihnen dafür zu danken. Ich
bitte Sie nur sehr demütig, die wahrhaftige Beteuerung anzunehmen, daß
ich eine ebenso hohe Meinung habe, wie man sie wünschen kann, von
einer Seele, die sich ihrer Verpflichtung voll bewußt ist, mit dem grenzen-
losen Eifer, ihr durch jede Art treuen Dienstes zu entsprechen ...

Annecy, 2. März 1620 (XIX,159-161) an einen Jesuiten:


Hochwürdiger Pater, ich antworte auf das, was Sie mich wegen des
Herrn Sonnaz fragen. Er kam zu Weihnachten hierher, wie er mir sagt,
geschickt von seinem Beichtvater, der sich über seine Berufung nicht
schlüssig werden kann und ihn an mich verwies, damit er sich mit mir
darüber bespreche. Das geschah allerdings in der Beichte, so daß ich
darüber nur zwei offenkundige Wahrheiten sagen kann: die eine, daß
diese Seele sehr gut und ganz auf den Willen Gottes eingestellt ist; die
andere, daß ich es für geraten hielt, ihm noch etwas Zeit zu geben, wäh-
rend er das Studium der Theologie abschließt, um seine Gedanken über
die Tatsache seiner Berufung noch genauer zu prüfen. Nach dem, was er
mir sagte, ist sein Beichtvater eine sehr bedeutende Persönlichkeit und
von der Gesellschaft Jesu; er wird in der Folge klarer erkennen, was
ratsam ist, und wird darüber besser entscheiden, als ich es zu tun wüßte.
Was die Frage betrifft, dem Kolleg von Chambéry ein Benefizium zu
verschaffen bis zur Höhe dessen, was Se. Hoheit gewährt, damit man
nichts mit den Verwaltern und Finanzleuten zu tun hat, würde ich das
sehr begrüßen, selbst wenn der Betrag nicht ganz gleich ist. Wenn Herr de
Sonnaz sein Priorat abgibt, sind da noch andere in der Umgebung von
Chambéry, z. B. Saint Bardot, und manch andere kleine, die dazu dienen
könnten. Dieser Plan könnte berücksichtigt werden bei der Errichtung
eines Bischofssitzes in Chambéry, die Se. Hoheit sehr eifrig zu betreiben
scheint und die so notwendig ist. Dafür ist die Gelegenheit günstiger
denn je, solange der Herr Marschall Lesdiguières Gouverneur ist. Da der
Vorschlag eines Seminars gemacht wurde, kann man leicht auf den Vor-
schlag eingehen, daß einige Patres zu seiner Leitung eintreten ...

Annecy, 6. März 1620: Dankschreiben für die Ernennung des Bruders zum
Koadjutor an den Herzog (XIX,161f), an Prinz Victor-Amédée (XIX,162f) und
an Prinzessin Christine (XIX,163f).
Annecy, 18. März 1620 (XIX,165f) an Präsident François de Tardy: Bitte um
Unterstützung der Reform von Sixt (DA 12,136).
P. S. Die Einwohner von Sixt verdienen durch ihr Elend das Mitleid
und durch ihre Frömmigkeit sind sie würdig, gefördert zu werden. Da-
her sehe ich keine Schwierigkeit, Sie untertänigst zu bitten, ihnen Ihre

310
Gerechtigkeit und Ihre Gunst zur Erhaltung ihrer guten Rechte zuteil
werden zu lassen.

Annecy, 27. März 1620 (XIX,168f) an Claude de Blonay:


Ich erwarte jeden Tag ein Breve des Papstes, von dem mein Bruder
mir schreibt, daß er es in den Händen des hochwürdigsten Nuntius gese-
hen hat, durch das ich beauftragt werde, die Angelegenheiten des Heili-
gen Hauses nach Möglichkeit besser zu ordnen. Ich bitte Sie, daß man
bis dahin mit der Besetzung der Stelle warte, die Herr Thomas frei-
macht, der mir den Schmerz zufügt, ihn diese Diözese verlassen zu se-
hen, angesichts der Tugend, die er stets bewiesen hat. Andererseits bin
ich sehr getröstet, daß er in den Weinberg von Lyon geht, von dem man
sagt, daß er dringend Arbeiter brauche ...

Annecy, Ende März 1620 (XIX,173) an einen Freund:


Wir sind hier ohne Neuigkeiten; die gibt es jetzt alle in Piemont mit
dieser ausgedehnten und großen Hofhaltung, die die Hochzeit bewirkt.
Ich meinerseits bin nicht dort, nicht einmal in Gedanken, denn meine
Seele ist ganz dem entgegengesetzten Leben zugewandt, und ich hüte
mich, mich an der Erwägung eines Gegenstandes zu ergötzen, der so
wenig zu ihm paßt ...

Annecy, 8. April 1620 (XIX,177f) an Guillaume-Bernard de Foras: Erklärung


seines Schweigens während der Verfolgung (DA 6,325).
Annecy, 11. April 1620 (XIX,180f) an die Herzogin de Nemours: Bitte um die
Gunst des Herzogs für die Witwe de Charmoisy und ihren Sohn. Bitte für zwei
seiner Freunde.
Annecy, 23. April 1620 (XIX,183f) an Jean-François de Sales: verschiedene
Mitteilungen.
... Hier ist der Brief Mme. de Grignols. In drei oder vier Tagen werde
ich Ihnen ausführlicher schreiben, wenn Herr de Chastelard abreist,
denn ich habe so viel geschrieben, daß ich nicht mehr kann ...
Die arme Mme. de Charmoisy ist sehr betrübt über ihren Sohn, der
sehr aufgebracht ist über das, was man ihm gesagt hat. Sie hat mich
gebeten, ihm eine Zurechtweisung zu schreiben.

Annecy, 23. April 1620 (XIX,184f) an Kardinal Federico Borromeo: Dank für
Reliquien und Brief.
Annecy, 23. April 1620 (XIX,186f) an den General der Barnabiten: Geleitbrief
für zwei Patres, die zum Kapitel nach Mailand reisen.
Annecy, 6. Mai 1620 (XIX,190f) an Claude de Quoex: Schwierigkeiten bei der
Ernennung eines Pfarrers. Die Vereinbarung mit den Eremiten von Voiron.

311
Annecy, 22. Mai 1620 (XIX,204f) an Prior Drujon: das Recht der Ernennung
des Priors von Ripaille (um die Augustiner Chorherren durch die Kartäuser zu
ersetzen).
Annecy, 24. Mai 1620 (XIX,206) an die Eremiten von Mont-Voiron:
... Die Liebe ist gütig, sie ist geschmeidig, sie ist geduldig und schließ-
lich tut sie alles. Gott, der die Liebe selbst ist, möge Euch alle in seinem
heiligen Dienst erhalten. Bei ihm bitte ich Euch, mich an Euren Gebeten
teilhaben zu lassen ...
Annecy, 2. Juni 1620 (XIX,220f) an Guillaume-Bernard de Foras:
Mein sehr teurer Herr Bruder! Ich stehle mir diesen Augenblick, um
Sie demütigst zu grüßen, ebenso meine sehr teure Schwester, meine
Tochter, und Ihnen zu versichern, daß alles, was Ihnen hier gehört, sich
wohl befindet, und ich denke, ebenso in Turin. Wie ich sehe, wird unser
gemeinsamer Bruder noch einen Monat oder sechs Wochen dort blei-
ben, um nach seiner Weihe der Prinzessin noch einige gute Dienste zu
leisten. Wenn er hierher zurückkehrt, kann ich an seine Stelle treten.
Dieser Bote (Denis de Granier) ist immer der Gleiche. Wenn die
Luft von Paris seinen Geist ein wenig reifen lassen könnte, wäre das ein
großes Glück. Er hat sich vor mir sehr der Ehre gerühmt, die er in Ihrem
Wohlwollen sieht. Das wäre wohl die vorteilhafteste Auszeichnung, die
er erfahren kann. Wenn der Herzog (de Nemours) ihm die Gunst er-
weist (und er selbst sich hier darum bewirbt), würde er sich vielleicht
etwas mehr, als er es bis jetzt getan hat, daran halten, besser zu leben.
Das ist alles, denn bedrängt, wie ich bin, verschiebe ich es auf Freitag
oder Samstag, an die gute Mutter Chantal zu schreiben, wenn ich mehr
Muße dazu finden kann. Wenn Sie die Freundlichkeit haben, sie das
wissen zu lassen, wird sie dadurch sehr getröstet sein.
Lieben Sie mich bitte stets, ich bitte Sie demütigst darum, mein Bru-
der, und glauben Sie, daß ich für immer Ihr demütiger Bruder und Die-
ner sein werde, ebenso der meiner lieben Frau Schwester, meiner Toch-
ter ...
P. S. Gestatten Sie bitte, daß ich mit diesem kleinen Stück Brief Herrn
und Frau Rousselet grüße.

Annecy, 2. Juni 1620 (XIX,222-230) an Jean-François de Sales: Nachrichten


und Aufträge verschiedener Art.
Annecy, 2. Juni 1620 (XIX,230f) an den Herzog: über die Verwendung der
Präbenden von Contamine.
Annecy, 6. Juni 1620 (XIX,232-235) an Jean-François de Sales: verschiedene
Angelegenheiten der Diözese.
Annecy, 9. Juni 1620 (XIX,236-238) an Mutter de Bréchard: Weisungen für ihre

312
Reise zur Gründung in Nevers (DA 7,69). – An Mme. des Gouffiers (XIX,238-
241: DA 7,163): Ratschläge für die Gestaltung ihres weiteren Lebens.
Annecy, 10. Juni 1620 (XIX,241-247) an Jean-François de Sales: vom Plan des
Bruders Louis de Sales, ein Bergwerk zu errichten. Vom Wunsch des Präsidenten
Favre, daß sein Sohn sein Nachfolger werde. Ein neuer Anwärter für das Amt des
Aumônier der Prinzessin. Zu erwartende Vorteile, wenn Jean-François Dekan des
Kapitels von Notre Dame wird. Die Einkünfte der Pfarreien Armoy und Draillans.
Ich war erleichtert zu erfahren, wie es um das Kloster von Turin
steht, besonders weil ich sehr erleichtert bin, daß diese Verzögerung
meiner Sr. Favre Gelegenheit gibt, das von Montferrand zu gründen,
und der Mme. de Chantal, das von Orléans und Nevers. Wir waren ge-
zwungen, Mme. de Monthoux als Oberin von Moulins zu bestimmen, da
Herr Grandis sagte, ohne Luftveränderung werde sie innerhalb weniger
Monate sterben, was sie in den letzten Tagen zu tun glaubte. Das Amt
der Novizenmeisterin strengt ihren Geist zu sehr an, der sich besser für
die äußeren Aufgaben eignet.
Wir warten, ob die Signora Dona Ginevra kommt, meine sehr teure
Tochter. Ich wünschte sehr, daß Mme. de Saint George wegen des Dien-
stes bei den Hoheiten und bei unserer Prinzessin noch einige Jahre war-
tet.
Hier ist ein Buch „Anleitung“ in Französisch. P. Antoniotti hat es viel
besser übersetzt, als man es in Rom getan hat.
Ich erwarte Nachrichten vom General der Feuillanten, außerdem
von unserem Herrn Abt von Abondance, entsprechend der Mitteilung,
die Sie mir über seine Sache machten, die ich ihm getreulich weitergege-
ben habe. Mein Gott, welcher Segen für den erlauchten Prinzen, wenn
die Reform zustande kommt! Alle Ordensleute sind aufgeschreckt durch
die Ankündigung des Abtes Chézery, daß er sie nach seiner Rückkehr
durchführen will. Die einen wollen ihm zum Schein zuvorkommen; da
sie aber keine reformierten Oberen haben, weiß ich nicht, wie sie das
machen können ...
Annecy, 11. Juni 1620 (XIX,247-249) an Guillaume Rousselet: Dank an den
Sekretär des Herzogs de Nemours für die Unterstützung in verschiedenen Anlie-
gen. Louis de Sales Kommandant der Burg von Annecy während des Durchzugs
der Spanier.
Die Oberin der Heimsuchung von Moulins schrieb mir vor einiger
Zeit, daß es nicht irgendein körperliches Gebrechen ist, weshalb sie
glaubt, die Nichte nicht behalten zu können, die ich ihr so empfohlen
hatte, sondern ihr überaus heftiger Widerwille gegen alle klösterlichen
Übungen. Sie versucht diesen Widerwillen in keiner Weise zu überwin-
den, sondern läßt sich vollständig gehen. Mehr hat sie mir darüber nicht
geschrieben, und ich habe das Mädchen in der Weise empfohlen, daß

313
man es nach meiner Meinung nur entlassen soll, wenn man es unmög-
lich behalten kann. Ich habe an Mme. de Chantal geschrieben, die sich
genauer nach Einzelheiten erkundigen und mir diese mitteilen wird, damit
man Abhilfe schaffe, wenn man eine finden kann.
Ich fürchte gewiß Ihr Mißfallen hundertmal mehr als mein eigenes,
denn ich bin Ihrem Wohlwollen und dem meiner Frau Tochter voll und
ganz ergeben. Ich schreibe ihr diesmal nicht, denn ich habe den Boten
schon zu sehr aufgehalten; er hätte gestern früh abreisen sollen, wenn
es mir möglich gewesen wäre zu schreiben. Aber glauben Sie bitte beide,
daß Sie niemals einer Seele begegnen werden, die Sie herzlicher und
beständiger verehrt als ich ...
P. S. Tausendfachen Segen meiner Tochter Florence. Ich bitte Sie,
Herrn Lefevre zu versichern, daß ich ihn von ganzem Herzen ehre und
sein Diener bin. Bitten Sie außerdem Herrn und Mme. de Foras, daß sie
mich stets mit ihrem Wohlwollen auszeichnen, denn ich habe keine Mög-
lichkeit mehr, ihnen zu schreiben.

Annecy, 25. Juni 1620 (XIX,259) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Ich glaube, unter der Fülle dringender Aufgaben Ew.
Hoheit zum Wohl Ihrer Krone und zur Befriedigung Ihrer Lande ist es
keine geringe, die Sie eifriger betreiben müßten als jene, die ich Ew.
Hoheit vorgeschlagen habe, als ich die Ehre hatte, auf der Burg dieser
Stadt zu erscheinen, um jene andere Stadt auf eine gütliche, friedliche
und sichere Weise zurückzugewinnen.7 Nun kommt ein Mann, Monsei-
gneur, von Geburt Untertan Sr. Hoheit, der mir, ohne meine Gedanken
zu kennen, einen brauchbaren Plan mitteilt, der einem Teil meines Vor-
schlags entspricht.
Ich bitte Ew. Hoheit ergebenst, ja wenn Sie gestatten, beschwöre ich
Sie bei Ihrer eigenen Güte und Ihrem Glück, ihn ehestens und gnädig
anzuhören und jetzt einen guten Anfang mit diesem frommen Vorhaben
zu machen. Sie haben dabei ja nichts zu verlieren, sondern können alles
erreichen und noch mehr erhoffen durch den guten Ausgang, den Gott
dabei Ew. Hoheit schenken wird, entsprechend dem allgemeinen Wunsch
aller guten Menschen und meinen beständigen Gebeten für das Gedei-
hen der Krone Sr. Hoheit und der Ihren, Monseigneur, deren demütig-
ster, gehorsamster und treuester Fürsprecher und Diener ich bin.

Annecy, 6. Juli 1620 (XIX,269) an Prinz Victor-Amédée: erneute Empfehlung


des Mannes und seines Planes, der zur Ehre Gottes, zum Wohl des Volkes und
zum Schaden der Häresie gereicht.

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Annecy, 20. Juli 1620 (XIX,282f) an Jean-Antoine Rigaud:8
... Ich werde alle Vorsorge für Sie treffen, die Sie von einem treuen
Freund und Bruder wünschen können. Bleiben Sie in Frieden und ver-
lassen Sie sich auf diese meine Erklärung. Bewaffnen Sie sich mit De-
mut, Geduld und Güte, dann singen Sie fröhlich: Si exsurgat adversum
me praelium, in hoc ego sperabo; Dominus protector vitae meae, a quo
trepidabo? Bleiben Sie unter den Fittichen Unserer lieben Frau und
fürchten Sie nichts; hegen Sie keinen Zweifel. Et pax Christi, quae exsu-
perat omnem sensum, custodiat corda vestra et intelligentias vestras ...

Annecy, 22. Juli 1620 (XIX,284f) an den Rat des Heiligen Hauses:
Meine Herren, ich spreche offen zu Ihnen, weil die Zeit dafür gekom-
men ist. Der erlauchte Prinz weiß, daß Eure Gründungsbulle die hoch-
würdigen Geistlichen von Notre Dame verpflichtet, nach dem Vorbild je-
ner vom Oratorium zu leben. Er zweifelt nicht daran, daß dies um so
leichter erreicht wird, wenn einige Patres des Oratoriums, die gegenwär-
tig fast in ganz Frankreich eingesetzt sind, in die genannte Kongregation
von Unserer lieben Frau kommen, um sie nach ihrem Institut auszurich-
ten und zu vollenden. Deshalb hat mich der Prinz beauftragt, mit den
Oratorianern von Paris zu verhandeln. Kurz darauf erhielt ich eine neue
Weisung von Sr. Hoheit, er wolle diesen Plan verwirklichen, uzw. bald, mit
dem Auftrag, die vakante Stelle bereitzuhalten, damit man sie freier und
leichter für eine so heilige Absicht verwenden könne. Deshalb hatte ich
gemeint, man sollte die Besetzung ein wenig verzögern, ohne Angst, die
genannte Gründungsbulle zu verfälschen; sie wird im Gegenteil dadurch
besser durchgeführt und mehr nach der Absicht Sr. Heiligkeit. Und ich
glaube, unsere Herren Geistlichen werden erleichtert sein, in ihnen Mit-
brüder zu haben, die sie unterstützen, nicht nur das Offizium gut zu ver-
richten, sondern auch ihre Kongregation nach dem Modell zu gestalten,
das die Bulle ihrer Errichtung vorsieht. Denn in der ganzen Sache wird
alles in voller Gerechtigkeit, Güte und Milde vor sich gehen, ohne daß sich
irgendein Anlaß ergibt, sich über einen Menschen zu beschweren.
Da ich mich innerhalb einiger Wochen zu Euch begeben muß, denke
ich, daß wir dann eine günstigere Gelegenheit haben werden, um mitein-
ander zu beraten, und es besteht kein Bedenken, alle Beschlüsse bis
dahin aufzuschieben. Indessen bleibe ich Euer ... Mitbruder.

Von den Schwierigkeiten bei der Gründung der Heimsuchung in Nevers handeln
die Briefe an Mutter Chantal (DA 5,342f), Mutter de Bréchard (DA 7, 70f),
Mme. du Tertre (DA 7,174) und der folgende Brief an einen Förderer des Klos-
ters von Moulins.

315
Annecy, 27. Juli 1620 (XIX,292-294) an Nicolas de Palièrne:
... Ich betrachte es als Glück, Mme. du Tertre gegen Ende meines
Aufenthalts in Paris in irgendeiner Weise zu Diensten gewesen zu sein.
Ich bin sicher, sie bezeugt wahrheitsgemäß, daß ich sie nie irgendwie
überredet habe, nicht einmal indirekt, weder zur Wahl ihrer Berufung
noch zur Verwendung ihres Vermögens, weil das eine nach meiner Auf-
fassung gefährlich und das andere meiner Geistesverfassung ganz fremd
ist. Ich berücksichtigte nur, daß das Haus der Heimsuchung in Moulins,
das ich ihr als wünschenswerten Aufenthalt empfahl, durch die Pension,
die sie ihm zuwenden wollte, wirtschaftlicher Sorgen enthoben wurde,
und wenn Gott sie anregte, ganz dort zu bleiben, sie ihm geben könnte,
was vollkommen zu seinem Unterhalt ausreichte.
Als ich nun auf der Reise nach Moulins kam, fand ich in dieser Seele
noch keine Disposition, die Wahl zu treffen, die sie hernach getroffen
hat. Ich denke, es ist zwei Monate, daß ich durch einen Brief von ihr
erfuhr, sie habe sich gegenüber Unserem Herrn nicht nur zu ihrer Beru-
fung verpflichtet, sondern auch zur Errichtung eines Hauses in Nevers.
Ich konnte nicht ahnen, daß man mit diesem Vermögen Pläne für Mou-
lins gemacht hatte, da ich den gleichen Gedanken nur unter einer sehr
ungewissen und unbestimmten Bedingung hatte. So konnte ich ihre Wahl
nur gut finden, wie sie in der Tat war. Als ich dann aufgefordert wurde,
ein paar Töchter zu schicken, tat ich das, in Wahrheit ohne große Über-
legung. Ich konnte ja nicht voraussehen, daß man jemals die Abreise
einer Person als Unrecht auslegen müßte, von einem Ort, wo sie nicht zu
bleiben verpflichtet ist, noch die Versetzung einer anderen, da sie an
ihrer Stelle eine andere zurückließ, die ihr nachfolgte, mit ausreichen-
den Fähigkeiten, ihr Amt auszuüben. Sehen Sie, mein Herr, das ist alles,
was ich bis jetzt in dieser Hinsicht getan habe.
Jetzt schreibt mir Mme. du Tertre, daß die Autorität des Herrn Mar-
schalls de Saint Geran sie von ihrem ersten Plan abbringt, und daß wür-
dige Theologen ihr versichern, ihr Gewissen habe die Freiheit zu blei-
ben, wo sie ist. Dazu habe ich nichts zu sagen, da ich keine Gewalt über
ihren Willen und nicht die Absicht habe, über ihr Vermögen zu verfügen.
Ich will auch in keiner Weise den Gewissensrat prüfen, den sie von jenen
erhalten hat, mit denen ich mich keineswegs vergleichen kann in dem für
solche Entscheidungen notwendigen Wissen. Was mehr zur Ehre Got-
tes gereicht, wird meinen Wünschen mehr entsprechen. Bleibt der Ver-
druß, den dabei meine gute Sr. Jeanne-Charlotte haben kann, den Her-
ren von Nevers ihr Wort gegeben zu haben, das sie nicht halten kann;
denn ich glaube, daß nichts sonst imstande ist, eine so wohlgestaltete
Seele zu betrüben. Aber da gibt es keine Abhilfe.

316
Zum Schluß will ich Ihnen sagen, mein Herr, was ich der einen wie
der anderen der beiden Töchter geschrieben habe. Mme. du Tertre habe
ich geschrieben, sie soll tun, was der Pater Rektor ihrem Gewissen rät;
und meiner Sr. de Bréchard, sie soll alles ertragen, was aus diesem Rat
folgt, sie soll in Geduld diese Erniedrigung annehmen und sich erin-
nern, daß die Stiche der Bienen schmerzlicher sind als die der Mücken,
daß man aber wegen ihres Honigs nicht aufhört, sie zu lieben, auch wenn
sie stechen ...

Annecy, 28. Juli 1620 (XIX,295) an Mgr. Jean-François de Sales:


Mein teuerster Bruder, Sie kennen die Unzuträglichkeiten, die der
Stall des Herrn de Moyron mit sich bringt, der an die Kirche des hl.
Franziskus angebaut ist, und wie unschicklich er ist. Nun, Herr de Chein-
ex, der Nachfolger des Erbauers, hat sich verpflichtet, zu tun, was Se.
Hoheit anordnen wird, indem er denen, die ein Recht auf diesen Stall zu
haben behaupten, zahlen will, was als gerecht befunden wird, und ihn
von dort entfernen läßt, wie es sich gehört. Und die Franziskaner wünsch-
ten, daß ich Sie bitte, Ihnen dabei noch einen Dienst zu leisten ...

Annecy, 5. August 1620 (XIX,304f) an Baron Prosper de Rochefort:


Es ist noch nicht länger als drei Tage her, daß ich mit Herrn Rosetain
über das armselige Geschöpf gesprochen habe, dem ich meiner Pflicht
und Ihrem guten Wunsch gemäß eine Zuflucht geboten hatte. Er sagt
mir, daß sie einen völlig verdrehten Sinn habe und voll Wut über ihn und
über mich spreche, als wollte ich sie hier zurückhalten, um sie zu täu-
schen und ihr zu schaden. Indessen tut sie alles so, daß man nichts
beweisen kann. Gott möge in seiner Güte hier seine heilige Hand bieten
und ihren Geist von dieser Verirrung des Gewissens heilen.
Ich weiß nicht mehr, wann der Hochwürdigste Herr von Belley meine
Aufwartung wünscht, und ich glaube, er schätzt Sie so vollkommen, daß
meine Vermittlung überflüssig sein wird ...

Annecy, 5. August 1620 (XIX,306) an Prior Jean de Lucinge von Contamine:


Mein Herr Cousin! Gestern kam Herr Crosson zu mir, um sich über
seinen Prior (von Thiez) zu beschweren; heute kommt sein Prior zu mir,
um sich über ihn zu beschweren. Er hat mir sein Gesicht gezeigt, das
ganz entstellt ist von Schlägen, die er vom genannten Herrn Crosson
bekommen zu haben behauptet. Er ersucht mich, Sie zu bitten, daß Sie
an den Ort der Ausschreitung kommen, um sich zu überzeugen. Ich

317
glaube, das wird sehr ratsam sein. Wenn Sie die Untersuchung so anstel-
len wollen, daß ich von ihr Gebrauch machen kann, wird das die Mög-
lichkeit bieten, Gerechtigkeit walten zu lassen, gegen den einen durch
Sie, gegen den anderen durch mich ...

Über den Zwist zwischen Moulins und Nevers Briefe an Mutter de Bréchard (DA
7,71) und Mutter Chantal (DA 5,344-346).
Annecy, 9. August 1620 (XIX,316f) an Herrn Lhuillier:
Da ich erfahren habe, mit welcher Entschlossenheit Sie dem plötzli-
chen und unerwarteten Eintritt des Fräuleins de Frouville, Ihrer gelieb-
ten Tochter, zustimmen, kann ich mir nicht versagen, mich mit Ihnen von
ganzem Herzen darüber zu freuen wie über eine Tat, an der Gott sein
Wohlgefallen finden wird, durch die die Engel und die Heiligen die gött-
liche Vorsehung außerordentlich verherrlichen werden. Ich weiß ja sehr
gut, mein Herr, daß diese Tochter Ihnen überaus kostbar ist und daß es
Ihnen nicht möglich wäre, sie dem göttlichen Willen darzubringen, wenn
Sie nicht zuerst sich selbst gänzlich seinem Gehorsam hingegeben hät-
ten. Das ist ja das größte Glück, das man wünschen kann.
Ich sage nun weiter voraus, daß die erhabene und grenzenlose Güte
Gottes Ihnen für dieses geistige Opfer, das Sie ihm so freigebig darge-
bracht haben, die gleichen Segnungen schenken wird wie bei ähnlicher
Gelegenheit dem Abraham ... (vgl. DA 6,307; 330).

Annecy, 16. August 1620 (XIX,318-326) an P. Antonio Antoniotti SJ:


Hochwürdiger, sehr geehrter Pater in Christus! Ich sende Ew. Pater-
nität Ihre Übersetzung zurück, die ich von Anfang bis zum Schluß durch-
gesehen habe. Sie scheint mir sehr schön und gut gemacht zu sein; ich
danke Ihnen auch sehr demütig, daß Sie die Güte hatten, sie zu unter-
nehmen.
Nur eine Sache gibt mir zu denken: Einige italienische Herren sag-
ten, die Kapitel, in denen ich über die Spiele, die Bälle, die Liebeleien
und ähnliche Vergnügungen und Zeitvertreib schreibe, sowie jenes über
die eheliche Keuschheit und der Vergleich mit der Versuchung der Prin-
zessin, der in den Ausführungen über die Versuchung steht, dies alles
entspreche der Leichtfertigkeit und Freizügigkeit der französischen Na-
tion; die natürliche Zurückhaltung und Würde der Italiener mache es
aber überflüssig, von solchen Dingen zu sprechen. Ich überlasse das
dem Urteil Ew. Paternität, obwohl ich sicher weiß, daß man in bestimm-

318
ten Gegenden Italiens auch tanzt, spielt und Liebschaften hat, vor allem
in den Deutschland und Frankreich benachbarten Orten wie in unserem
Piemont. Außerdem wurde dieses Büchlein ohne irgendwelche Strei-
chungen ins Spanische übersetzt, wo man indessen auf den äußeren
Anstand großen Wert legt. Überdies müssen die Weisen Nachsicht üben,
weil man in ähnlichen Werken mit weniger Klugen davon spricht; da ich
zu Menschen in der Welt spreche, zu Höflingen und anderen, fühle ich
mich Weisen und Toren verpflichtet.
Ich habe viele Stellen korrigiert, wo der Drucker von Lyon Fehler
machte, und einige, wo die französischen Ausdrücke nicht richtig ver-
standen wurden ...
Ich schicke Ew. Paternität das beiliegende Heft, in dem Sie die Texte
des hl. Gregor von Nazianz finden, und eine Fassung des Kapitels über
die eheliche Keuschheit, in dem es vielleicht gut sein wird, den Vergleich
nicht so offen auszuführen. Ich hielt es für besser, diese Arbeit jetzt zu
machen, denn ich fürchte, Se. Hoheit wird zu einer Stunde, wenn ich
nicht daran denke, meine Reise nach Frankreich wünschen.
Ich schicke Ihnen auch meine „Abhandlung über die Gottesliebe“,
die ein Edelmann sehr glücklich übersetzt hat, soweit ich das sagen kann.
Es verdrießt mich, daß in dieser letzten Ausgabe, der sechsten, sich in
einem Buch so viele Fehler eingeschlichen haben, wo es nicht nötig war.
Denn ein Druckfehler kann in einer wichtigen Sache einen falschen Sinn
ergeben. Wenn ich ein Exemplar der ersten Ausgabe finden könnte, hät-
te ich es Ihnen sicher schicken lassen.
Ew. Paternität werden im Vorwort sehen, daß ich sehr wenig ge-
schrieben habe. Dies gewiß nicht aus Mangel an Stoff; ich hätte ja viel zu
schreiben über die Nächstenliebe und über die Gegenstände, von denen
ich in drei- oder viertausend Predigten während 28 Jahren gesprochen
habe, die nach Ansicht vieler für das allgemeine Wohl nützlich wären.
Als ich im vergangenen Jahr mit dem erlauchten Prinz-Kardinal in Paris
war, richteten zahlreiche Personen von hohem Stand ebenfalls die drin-
gende Bitte an mich. Aber unter der Bürde der Seelsorge ist es unmög-
lich, etwas zu schreiben, um es drucken zu lassen. Wenn die göttliche
Majestät es will, wird sie mir die Muße dazu schenken; will sie es nicht,
darf ich es auch nicht länger wollen.
Was die „Anleitung“ betrifft, ist es wahr, daß sie in Frankreich, Flan-
dern und England von großem Nutzen ist; man hat sie in Französisch an
verschiedenen Orten mehr als vierzigmal gedruckt. Sie dient sogar dazu,
die Häretiker zu bekehren, wie P. Jacques Gaultier SJ im 16. Jahrhundert
seiner „Tables chronologiques“ bestätigt. Ich weiß nicht, ob sie in Italien
solchen Erfolg haben wird. Möge es Gott, unserem Herrn gefallen, daß

319
die Mühe, die Ew. Paternität sich machten, und die Demut, mit der Sie
diesem kleinen Werk die schöne italienische Fassung gaben, die es aus-
zeichnet, sich als nützlich für das Heil vieler Seelen erweise ...

Annecy, 22. August 1620 (XIX,326-330) an Mgr. Jean-François de Sales: Nach-


richten, Klosterreform, Grüße, u. a.
Annecy, 7. Oktober 1620 (XIX,351f) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur! Im Hinblick darauf, daß Ew. Hoheit den Plan der Wie-
derherstellung der wahren Frömmigkeit in allen Klöstern und in den
übrigen Kirchen dieses Staates diesseits der Berge fördern, bietet sich
eine günstige Gelegenheit für Rumilly. Herr de Sonnaz, der Prior von
Chindrien in Chantaigne, wünscht unablässig, seine Person und sein
Priorat dem Dienst Gottes und der Seelen im Institut der Patres vom
Oratorium zu weihen. Da sein Priorat nahe bei Rumilly liegt, hat er
diesen Ort im Auge, dessen Pfarrei ziemlich gut ist. Wenn sie zusammen
mit einigen anderen kleinen Benefizien dem Priorat angeschlossen wird,
könnte sie für den Unterhalt von zehn bis zwölf guten Geistlichen des
genannten Oratoriums genügen, für die in dieser Stadt und in der gan-
zen Umgebung gute Verwendung ist. Um aber einen günstigen Erfolg zu
haben, Monseigneur, wäre es notwendig, daß Ew. Hoheit uns Ihr Ein-
verständnis und Ihre Befriedigung bestätigen und daß Sie dann die Be-
mühungen unterstützen, die man in Rom unternehmen muß. Außer-
dem bitte ich untertänigst, auch zu befehlen, daß die armen Pfarreien
von Armoy und Draillans mit dem Geld versehen werden, das Ew. Ho-
heit so oft für sie bestimmt haben. Es ist uns nicht möglich, irgend etwas
zu bekommen, weder durch Bitten noch durch Unterwürfigkeit oder
Zudringlichkeit, außer 50 Ecus seit fünf oder sechs Jahren, mehr nicht.
Ew. Hoheit wissen, wie gerecht diese Bitte ist ...

Annecy, 16. Oktober 1620 (XIX,355f) an Mutter de Chastel:


... Ich glaube gern, meine sehr teure Tochter, daß es Ihr Wunsch ist,
wir sollten Sie vom Amt der Mutter ablösen; das ist aber keineswegs unse-
re Absicht. Ach, meine Tochter, denken Sie, daß Unsere liebe Frau weni-
ger die Mutter Unseres Herrn war, da sie außer sich vor Schmerz, nieder-
gebeugt vom Leid und ganz in Gram versenkt, das Wort sprach: Ja, mein
Sohn, „weil es dir so gefällt“, als damals, da sie in der Sprache ganz demü-
tiger Freude den himmlischen Lobgesang ihres Magnificat sang? ...
Wundern Sie sich nicht darüber, daß Sie während Ihrer Krankheit
kein Gefühl der Frömmigkeit haben. Die Zustimmung zum Guten oder
Bösen kann ja ohne Gefühl sein und das Gefühl ohne Zustimmung.

320
Bleiben Sie also im Frieden, meine liebe Tochter; seien Sie Mutter und
eine gute Mutter, solange Gott es anordnet ...

Annecy, 27. Oktober 1620 (XIX,358f) an Louis de Gerbais de Sonnaz:


Aus Ihrem Brief sehe ich Ihren Wunsch, die Welt zu verlassen. Dem
will ich keineswegs widersprechen, denn selbst Ihre Zurückgezogenheit
verhindert die Ausführung Ihres Planes nicht. Aber bei all dem muß
man, so gut es geht, den guten Onkel zufriedenstellen, der Sie stets liebt,
und ich sehe, daß Sie im Oratorium nicht aufhören werden, ihn sehr
zufriedenzustellen. Er schrieb mir kürzlich einen Brief, der seiner gewiß
würdig ist sowie der hohen Meinung, die ich immer von seiner echten
Frömmigkeit hatte.
Übrigens erhielt ich gestern abend einen Brief aus Piemont, in dem
mein Bruder mir schreibt, daß der Prinz mit der Antwort auf meinen
Vorschlag in Ihrer Sache warten will, bis er mit Sr. Hoheit, seinem Vater,
gesprochen hat, und daß er dafür sorgen wird, darum zu bitten. Mit den
Fürsten muß man immer ein wenig Geduld haben, aber ich hoffe, daß
alles zu Ihrer Zufriedenheit ausgehen wird ...

Annecy, 2. November 1620 (XIX,363f) an den Herzog und (XIX,364f) an Prinz


Victor-Amédée: Empfehlung für Herrn Floccard.
Annecy, 7. November 1620 (XIX,370f) an den Senat von Savoyen: über die
bevorstehende Vereinigung der Pfarrei Rumilly mit dem Oratorium.
Annecy, 7. November 1620 (XIX,373f) an Baron de Clermont-Mont-Saint-Jean:
Bitte um Überlassung von Dokumenten.
Annecy, 21. November 1620 (XIX,381-384) an Mgr. Jean-François de Sales:
Hier ist ein Brief, den ich öffnete, ohne darauf zu achten, daß er
nicht für mich bestimmt ist. 9 Gott, mein sehr teurer Bruder, welcher
Schmerz für meine Seele, als ich ihn gelesen hatte! Es ist gewiß, daß ich
in meinem Leben noch keine so unerfreuliche Überraschung erlebt habe.
Ist es möglich, daß dieser Geist sich so verirrt hat? Er versicherte mir
fest, daß er nie etwas anderes als ein Kind der heiligen römischen Kirche
sein werde, obwohl er glaube, daß der Papst die Grenzen der Gerechtig-
keit überschreite, um seine Autorität zu vermehren ...
Die Bescheidenheit, mit der er Ihnen schreibt, die Freundschaft, um
die er Sie mit solchem Nachdruck, ja mit Unterwürfigkeit bittet, hat mei-
ner Seele eine tiefe Wunde des Mitleids zugefügt, die sich nicht darüber
beruhigen kann, die Seele dieses Freundes zugrundegehen zu sehen.
Ich war daran, ihm hier eine Stelle zu verschaffen, und Herr Jantet hatte
den Auftrag, mit ihm darüber zu verhandeln. Nun ist er von der übrigen

321
Welt getrennt durch das Meer und von der Kirche durch das Schisma
und den Irrtum! Gott wird trotzdem aus dieser Sünde seine Verherrli-
chung gewinnen.
Ich habe eine besondere Vorliebe für diese große Insel und ihren
König. Ich empfehle ihre Bekehrung unablässig der göttlichen Majestät
im Vertrauen, daß ich erhört werde, zusammen mit vielen Seelen, die
darnach seufzen. Von nun an, scheint mir, werde ich im Gedanken an
diese Seele noch glühender darum beten ...
Man muß indessen diese traurige Nachricht geheimhalten. Sie wird
ja schon zu viel verbreitet werden durch so viele Verwandte und Freunde
dessen, der sie uns gab. Wenn Sie ihm durch Herrn Gabaleone schrei-
ben, wozu er Sie einzuladen scheint, versichern Sie ihm, daß alle Wasser
des Meeres von England meine Liebe nicht zu löschen vermögen, solan-
ge er mir irgendeine Hoffnung auf seine Rückkehr zur Kirche und auf
den Weg seines ewigen Heiles lassen kann.
Mein Bruder, lassen Sie mich wissen, wann Sie geweiht werden, und
empfehlen Sie mich der Barmherzigkeit des Herrn, der immer die einzi-
ge Hoffnung und Liebe unserer Seele sei. Amen.

Annecy, 21. November 1620 (XIX,384-387) an Mgr. Jean-François de Sales:


Für diesmal weiß ich Ihnen sonst nichts zu sagen, mein teuerster
Bruder, denn mein Herz ist so bedrängt vom Schmerz über den Verlust
des Armseligen, der Ihnen schreibt. Ich bekenne, daß ich noch nie einen
so schmerzlichen Kummer empfunden habe wie darüber. Da ich aber
noch ein wenig Hoffnung in Gott auf seine Rückkehr fühle, habe ich
Ihnen beiliegenden Brief geschrieben, damit Sie ihm diesen schicken.
Wer weiß, wenn er auf diese Weise einen kleinen Einfluß auf seinen
Geist bewahrt, ob sich Gott dessen nicht für seine Rückkehr bedienen
wird? ... (vgl. DA 5,350f).

Annecy, 24. November 1620 (XIX,389f) an Mutter Theresia von Jesus:


Es ist Gott, meine sehr teure Schwester, der Herrn de Sonnaz dem
Oratorium zuführt, und ich danke dafür aus tiefstem Herzen, denn ich
glaube, daß dieser junge Edelmann dort sehr treu zur Ehre seines Na-
mens beitragen wird.
Ich habe von dem kleinen Wirbel gehört, den einige Ihrer Klöster
gemacht haben. Ach, sie wissen nicht, was sie wollen, vielleicht auch nicht,
was sie sagen. Was gut ist, muß man schätzen. In Italien hat man klar
erkannt, daß die Frauenklöster von den Patres ihres Ordens nicht so gut

322
geleitet werden wie von Priestern anderer Ordinarien. Die Gründe zu
nennen, führt zu weit, aber es ist offenkundig ...

Annecy, 8. Dezember 1620 (XIX,393-396) an Mgr. Jean-François de Sales: Nach-


richten und Aufträge.
... Es ist ein Wunder, daß man in dieser Gegend noch nichts vom
bedauerlichen Abenteuer des Herrn de (Granier) weiß. Ich meinerseits
verheimliche es, soviel ich kann, um nicht die Luft durch eine so ekelhaf-
te Neuigkeit zu verpesten ...

Annecy, 11. Dezember 1620 (XIX,399f) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Der trostlose Zustand, der im Heiligen Haus Unserer
lieben Frau von Thonon herrscht, kann nur durch Ihre erlauchte Fürsor-
ge behoben werden. Die Armut ist maßlos, die Kinder des Seminars sind
fast nackt, barfuß und erstarrt vor Elend. Die Priester des Hauses und die
Patres Barnabiten haben gerade genug, um zu essen und zu wohnen, aber
nicht, um sich zu kleiden, und um alles andere steht es schlecht. Das
Schlimmste aber ist, daß dieses Elend zu einer betrüblichen Uneinigkeit
führt, da jeder das Wenige an Geldmitteln an sich zu reißen versucht, was
dort eingeht. Die Abhilfe für dieses Übel, Monseigneur, das unvergleich-
lich schwere Folgen hat, besteht in folgenden Punkten ...
Monseigneur, ich erhoffe mir von Ihrer Güte, daß Ew. Hoheit mir
gern die Aufdringlichkeit dieses Briefes verzeihen werden. Er ist ge-
schrieben von der Hand und mit dem Herzen Ihres sehr demütigen,
treuen und gehorsamen Fürsprechers und Dieners.

Annecy, 28. Dezember 1620 (XIX,404-408) an Mgr. Jean-François de Sales:


Ich habe noch keinen Befehl von Sr. Hoheit für die Reise nach Frank-
reich erhalten, mein teuerster Bruder, und ich weiß noch nicht, wieviele
Personen ich mitnehmen kann. Ich bereite mich trotzdem darauf vor,
damit ich nicht völlig überrascht werde. Wenn ich Sie an meiner Stelle
hier lassen kann, werde ich viel mehr beruhigt sein ...10
Sie werden erfahren, was von seiten des Herrn Baron de Tournon
gegen Herrn de Valbonne geschehen ist. Am meisten mißfällt mir die
Mißachtung der Justiz, und daß ich ohne meine Schuld der Anlaß dazu
war. Aus unbekanntem Grund begingen hier zwei junge Männer von 20
oder 22 Jahren reichlich unverschämte Frechheiten unter überaus gro-
ßem Lärm und Geschrei. Der eine war Lakai des älteren Chappaz, der
andere ist Reitknecht beim Herrn Baron de Tournon. Nun, der Herr
Präsident ließ sie abführen und einsperren. Nach zwei Tagen schickte er

323
sie, um mich um Verzeihung zu bitten, ohne daß sie eine andere Züchti-
gung durch Taten oder Worte erhielten. Am folgenden Tag traf der Herr
Baron de Tournon den Sekretär des Herrn Präsidenten, stürzte sich auf
ihn, prügelte ihn und sagte: Da, bring das deinem Herrn. Obwohl ich
nicht weiß, ob diese Worte wahr sind, weiß ich wohl, daß sie gesagt wur-
den.
Ich schreibe Ihnen die Geschichte nur, damit Sie davon wissen, und
deswegen, weil der Herr Präsident die Sache an den Herrn Marquis de
Saint Damien weitergeleitet hat, der Ihnen vielleicht davon erzählt. Sie
sollen wissen, daß ich mich meinerseits in keiner Weise über sie be-
schwert und die Frechheit sehr gern verziehen habe, die ohne Zweifel
aus Hinterlist geschah, ohne daß ich jemals die Herren oder die Diener
beleidigt habe. Ich weiß aber aus sicherer Erfahrung, daß man über vie-
les schweigen und alle Beleidigungen, wie sie auch sein mögen, gering-
schätzen muß, und daß man auf diese Weise den Frieden erreicht und
schließlich die Herzen der Unbesonnensten gewinnt. Ich bin nur betrübt
über die beiden Edelleute, die ein Benehmen an den Tag legen, das der
Höflichkeit und Großzügigkeit so widerspricht, zu der sie ihre Geburt
gegenüber der Justiz und gegen alle Welt verpflichtet ...

Annecy, 3. Januar 1621 (XX,1f) an Claude Frémyot:


Ich hatte die Ehre, von Ihrem seligen Vater und von Ihrer ganzen
Familie geliebt zu werden. Das verpflichtet mich für immer zu Ihrem
Dienst, ebenso der Respekt, den Ihre Verdienste von mir fordern. Auf
der gleichen Grundlage habe ich die feste Zuversicht, daß Sie mich mit
Ihrem Wohlwollen auszeichnen, worum ich Sie demütigst bitte. Indes-
sen freue ich mich von ganzem Herzen über den Rang, den Sie am Hof
einnehmen; er ist ein Weg, auf dem Sie mit Gottes Hilfe eines Tages die
Ehren erlangen werden, nach denen das Beispiel Ihrer Vorfahren und
Ihre Tugend Sie gerechterweise streben lassen müssen. Bei dieser Gele-
genheit empfehle ich Ihnen untertänigst die Ansprüche des Herrn de la
Tour d’Arrerex ...

Annecy, 3. Januar 1621 (XX,2-4) an Sr. Chaillot:11


Als ich vom Wunsch der Marquise de Lullin hörte, ein Haus Ihres
Ordens in Thonon errichtet zu sehen, dankte ich Gott von ganzem Her-
zen und zeigte auf jede mögliche Weise meine Befriedigung über die
Nachricht, die ich erhalten habe. Ich habe ja immer die Werke großer
Liebe Ihrer Kongregation geliebt, hochgeschätzt und geehrt. Ich wünsch-
te lebhaft ihre Verbreitung, auch in der Provinz Savoyen. Als mir einige

324
Jesuiten vom Kolleg in Chambéry eine gewisse Hoffnung machten, daß
man an diesem Ort ein Haus errichten könnte, habe ich in der Tat die
Genehmigung dazu von Sr. Hoheit eingeholt.
Sollte ich einmal die Befriedigung haben, die mich die Frömmigkeit
und der Eifer der Marquise de Lullin erwarten lassen, einen Zweig des
gesegneten Baumes der hl. Ursula in dieser Diözese zu sehen, werde ich
mich bemühen, ihr jeden Beweis zu geben, wie sehr ich ihn schätze und
liebe. Das veranlaßt mich zur demütigen Bitte, meine sehr teure Schwe-
ster, daß Sie zu diesem Plan alles beitragen, was Sie nach Gott vermö-
gen, und nicht daran zweifeln, daß dies zur größeren Ehre Gottes, zur
Förderung und Festigung vieler Seelen in der Frömmigkeit und schließ-
lich zur großen Zufriedenheit der Ersten gereichen wird, die sich die-
sem guten Werk widmen ...

Annecy, 6. Januar 1621 (XX,4-6) an Kardinal Bellarmin: Bitte um Beistand für


P. Reydelet von den Tertiaren des hl. Franziskus.
Annecy, 7. Januar 1621 (XX,6-8) an den General der Barnabiten: Bitte um
Aufnahme eines frommen, mit einer Irregularität (einem kirchenrechtlichen Hin-
dernis zum Empfang geistlicher Weihen) behafteten jungen Mannes.
Annecy, 7. Januar 1621 (XX,8f) an P. Dominique de Chambéry: Bitte um Er-
laubnis für P. Adrien zu einer Reise nach Turin in einer wichtigen Angelegenheit.
Annecy, 19. Januar 1621 (XX,10f) an Mme. de la Fléchère:
Ich bin noch hier, meine sehr teure Tochter, und weiß noch nicht,
wann ich abreisen werde; ich glaube aber, daß es wenigstens noch nicht
in dieser Woche sein wird ... Ich erwarte meinen Bruder zum Ende die-
ses Monats. Er schrieb mir, daß er einige Tage vor meiner Abreise bei mir
zu sein gedenke; er glaubt also, daß die Reise nicht so bald stattfindet ...

Annecy, September 1620 – Januar 1621 (XX,15f) an Marc-François de Malarmy


de Lauray:
Mein sehr teurer Herr Bruder, ich glaube, nun ist die Hoffnung auf
unsere Reise oder vielmehr auf unser Beisammensein auf der Reise
schließlich ganz zerschlagen; aber was kann man da machen? Bleiben Sie
im Frieden, teuerster Bruder, und bleiben wir unbeschadet der örtlichen
Entfernung stets sehr einmütig miteinander verbunden durch das un-
lösliche Band unserer heiligen Freundschaft, das Gott geschaffen und
von jedem Nachlassen ausgenommen hat, das Entfernung und Abwe-
senheit gewöhnlich bei den menschlichen und vergänglichen Freund-
schaften verursachen. Ist es nicht so, mein teuerster Bruder?
Aber da bin ich noch in einer anderen Sorge: Ich weiß nicht, ob Se.
Hoheit nicht wünschen wird, daß ich für einige Monate bei der Prinzes-

325
sin Aufenthalt nehme, zumal mein Bruder sich hier niederlassen wird.
Kurz, mein Herr Bruder, wenn Gott nicht eingreift, ist die Hälfte meiner
Freiheit an diesen Hof gebunden. Ich habe nicht die Absicht, auch nur
ein Stückchen an diesem Hof oder an irgendeinem anderen zu verbrin-
gen, denn meiner Seele widerstrebt diese Lebensweise ganz und gar ...

Annecy, 5. Februar 1621 (XX,17f) an Barthélemy Floccard:


Ich danke Ihnen untertänigst für Ihre freundlichen Glückwünsche
zur Ankunft meines Bruders, des Bischofs von Chalzedon. Sie brachte
mir wirklich den Trost, ihn nicht nur endlich zum Bischof geweiht und
voll Eifer zu sehen, Gott und seiner Kirche gut zu dienen, sondern au-
ßerdem bei ihm gute Anlagen zu sehen, die ihn befähigen, in diesem Amt
guten Erfolg zu haben. Unsere Befriedigung wäre allerdings vollkom-
men gewesen, wenn Sie mit ihm gekommen wären.
Nun, während ich Ihnen schrieb, erhielt ich Ihren Brief und das Paket
vom 30. Januar mit der Nachricht von der unerwarteten Abreise des Hoch-
würdigsten Prinz-Kardinals nach Rom. Seit ich gestern die Nachricht vom
Tod des Papstes erhalten habe, stelle ich mir vor, daß er zur Wahl eines
anderen Papstes eilt, zu der er viel mehr beitragen kann, wenn er zur
rechten Zeit ankommt, als wenn er später kommt. Die Päpste sterben also
ebenso wie die armen Leute, und die Reise nach Frankreich ist nun entwe-
der ganz hinfällig oder hinausgeschoben. Wenn es nach meinem Wunsch
ginge, wäre sie ganz hinfällig durch die Erhebung des Hochwürdigsten
Prinz-Kardinals zum Papst, nicht so sehr wegen der Ehre, die ich habe,
sein gehorsamster Diener zu sein, sondern weil ich überzeugt bin, daß es
der Christenheit zum Guten gereichte. Aber die Vorsehung Gottes wird
alles lenken und einen guten Papst wählen lassen ...

Annecy, im Februar 1621 (XX,26f) an Prinz Victor-Amédée: Die angeforderte


Denkschrift über die Erneuerung der kirchlichen Zucht wurde schon vor einem
Jahr dem Sekretär Jean Carron übergeben (vgl. den Brief an diesen vom gleichen
Tag: XX,27f).
Annecy, 4. März 1621 (XX,28f) an den Herzog de Nemours: Empfehlung des
Herrn Gard für ein Kanonikat von Notre Dame.
Annecy, 8./9. März 1621 (XX,29f) an P. Dominique de Chambéry: Bitte um
Erlaubnis für P. Adrien, nach Lyon zu reisen, um in der Frage des Seidenhandels
zu vermitteln.
Annecy, Anfangs April 1621 (XX,37f) an Pierre und Jean de Villers:
Ich versichere Ihnen, als P. Arviset mir kürzlich in Lyon sagte, daß
unser guter Vater gestorben ist, da erfaßte mich lebhafter Schmerz, wie

326
ihn gewöhnlich Kinder empfinden, wenn sie ihr Vater verläßt. Ich schätzte
und verehrte ja diesen Vater so kindlich, der mich in jeder möglichen
Weise sich verpflichtet hat.
Da es aber Gott gefallen hat, daß er in seine Ruhe eingehe, füge ich
mich nicht nur, sondern preise die göttliche Vorsehung, die ihm ein so
langes Verweilen in diesem sterblichen Leben verliehen und ihn, was am
wichtigsten ist, so liebevoll auf dem Weg seiner Furcht und Gnade ge-
führt hat, daß wir allen Grund haben, überzeugt zu sein, daß er ihn jetzt
sich seiner Glorie erfreuen läßt. Darin können Sie ohne Zweifel allen
Grund für Ihren Trost finden. Ich hoffe, Sie werden in der Genugtuung
leben, Kinder eines solchen Vaters und so lange Zeit in der Schule sei-
ner Tugend und Frömmigkeit gewesen zu sein ...

Annecy, im April 1621 (XX,38-40) an Michel Favre: Aufträge für die Reise nach
Rom und Loreto.
Annecy, 19. April 1621 (XX,41f) an Jean Joly de la Roche: Nachrichten und
Empfehlungen.
P. S. Unser Herr Prior de Sonnaz macht sich sehr gut. Er dient Gott
und dem Nächsten durch Katechesen in Spitälern. Er tut es nicht ohne
Eifer und Befriedigung, aber auch in heiliger Ungeduld, weil er seine
Wünsche noch nicht erfüllt sieht, deretwegen er schließlich unter Ihrer
Leitung fortgegangen ist.

Annecy, 21. April 1621 (XX,42-44) an Anton Quartery:


Bei Gelegenheit der Reise des Provinzials P. Dominique und des P.
Philibert vom Orden der Kapuziner in Ihre Gegend von Wallis fühle ich
mich verpflichtet, Ihnen für das günstige Zeugnis zu danken, das Sie in
Rom für meinen Bruder, den Bischof von Chalzedon, ablegten. Er ist
gegenwärtig mein Koadjutor und würde Ihnen auch selbst schreiben,
wenn er da wäre.
Das ist aber nicht der einzige Beweis Ihres Wohlwollens gegen mich,
den Sie mir gaben. Es ist ja schon lange, daß Sie mich lieben und daß ich
mich verpflichtet weiß, Sie zu verehren wegen der Frömmigkeit und Recht-
schaffenheit, verbunden mit Eifer und Klugheit, womit Gott Sie ausge-
stattet hat. Ich erinnere mich sehr gut, was Sie bei jeder Gelegenheit für
den Dienst der Kirche und das Wohl Ihres Landes getan haben. Um
meinerseits zur Vergeltung so vieler guter Werke, an denen Sie so offen-
kundig mitgewirkt haben, so viel als möglich beizutragen, bitte ich Gott,
er möge Ihnen die Gnade schenken, darin mehr und mehr fortzufahren,
Sie in der Tugend und Frömmigkeit unablässig zunehmen zu lassen, da-

327
mit Sie sich nach einem langen und nützlichen Leben im Stand der Be-
harrlichkeit befinden, um zum ewigen Leben einzugehen.
Hier ist eine Gelegenheit, die sich Ihrem Eifer bietet mit der Einfüh-
rung der Kapuziner in Sitten. Wie Sie wissen, werden sie dort tausend-
fach Gutes und dem ganzen Gebiet treue geistliche Dienste leisten, viel
mehr, als sie in irgendeinem Gau der Heimat leisten könnten ... Nun, wie
Ihnen nach Gott die wahre Ehre für die Niederlassung dieses Ordens in
Saint Maurice zukommt, so können Sie auch großen Anteil haben an der
Niederlassung des gleichen Ordens in Sitten. Ich weiß, daß alle Guten
sie seit langer Zeit dort haben wollen. Im Vertrauen auf Ihre Mithilfe,
den Eifer, die Klugheit, die Güte und Wohltätigkeit des Hochwürdigsten
Bischofs von Wallis habe ich den zwei Patres, die wahre Diener Gottes
sind und geliebt zu werden verdienen, Mut gemacht, ihrerseits alles nur
Mögliche zu diesem guten Werk beizutragen. Ich bitte Gott von neuem,
es segnen zu wollen und Sie immer mehr in seiner Gnade zunehmen zu
lassen ...

Annecy, 23. April 1621 (XX,45f) an Don Juste Guérin:


Hochwürdiger Pater! Von ganzem Herzen freue ich mich mit unserer
sehr teuren Signora D. Ginevra über das gute Werk, das sie damit getan
hat, daß sie das Geld gab, um die Fundamente Ihrer Kirche in dieser
Stadt zu legen, und ich bedanke mich bei ihr dafür auch durch den beilie-
genden Brief ...
O mein teuerster Pater, wie schlecht ist die Welt und wie wenig schät-
ze ich sie! Ich meine das Leben in dieser Welt. Fahren Sie fort, mich zu
lieben, ich bitte Sie ...

Annecy, 24. April 1621 (XX,46-48) an Michel de Marillac:


Ich danke Ihnen tausendmal für das Porträt der sehr ehrwürdigen
Schwester Marie de l’Incarnation. Ich wüßte nicht, was ich für meine
Seele Nützlicheres und Erfreulicheres empfangen könnte. Denn einer-
seits habe ich eine Liebe so voll Ehrfurcht für diese heilige Persönlich-
keit, andererseits habe ich es so notwendig, in meinem Geist die from-
men Empfindungen wieder zu erwecken, die ihr Anblick und der über-
aus fromme Umgang mit ihr mir einst gegeben haben, als ich während
sechs Monaten fast ihr ständiger Beichtvater war und sie bei verschiede-
nen Anlässen des Dienstes Gottes fast jeden Tag mit mir gesprochen
und sich mit mir beraten hat.
Man sagte mir, daß man ihre Lebensgeschichte geschrieben hat und
drucken läßt. Das war die Mutter Priorin von Lyon, die ich sah, als ich

328
kürzlich dort war. Welchen Nutzen wird das bringen, sogar für Weltmen-
schen, wenn der Teil ihrer Geschichte über die Zeit, da sie in der Welt
lebte, gut dargestellt wird. Ich glaube, daß dies zutrifft, da Herr Duval es
verfaßt hat. Kurz, ich liebe und bewundere diese heilige Seele und liebe
alle, die sie in diesem Leben geliebt hat, Sie im besonderen, denn sie hat
mir Ihr Wohlwollen verschafft ...

Annecy, 25. April 1621 (XX,48-51) an Mutter Favre über den Streit zwischen der
Gräfin Dalet und ihrer Mutter (DA 7,51-53). Am gleichen Tag an die Gräfin
Dalet (DA 6,336-339), an Mme. de Montfan (DA 6,339f) und den folgenden
Brief.
Annecy, 25. April 1621 (XX,58f) an Abt Antoine Rigoullet:
Ihrem Wunsch gemäß habe ich an die Damen geschrieben, von de-
nen die Gräfin ganz liebenswürdig ist, denn sie geht vom Übermaß der
Liebe gegen die eine ihrer Töchter aus und gegen die andere von der
Frömmigkeit. Ich gestehe, daß ich mich nie so schwer getan habe zu
schreiben als da, denn wie sollte ich es wagen, nach Ihnen, nach dem
großen P. Coton und nach P. Duchesne das Wort zu ergreifen? Ich habe
es gleichwohl überstürzt getan, den Kopf voll von den Fragen der Syn-
ode, folglich in der Aufmerksamkeit stark abgelenkt ...

Annecy, 30. April 1621 (XX,62) an Prinz Victor-Amédée: Empfehlungen für P.


Adrien, die Reform der Klöster und die Errichtung des Oratoriums in Thonon
und Rumilly.
Annecy, Februar-Mai 1621 (XX,63f) an Marc-François de Malarmy de Lauray:
Mein sehr teurer Bruder, das ist die Frage, die Sie mir stellten: Liebt
Ihr Herz das meine immer und unter allen Umständen? Und das ist
meine Antwort: Mein teuerster Bruder, es ist ein Ausspruch von drei
großen Liebenden, alle drei Heilige, alle drei Kirchenlehrer, alle drei
große Freunde, alle drei große Lehrer der Moraltheologie, die Heiligen
Ambrosius, Hieronymus und Augustinus: Amicitia quae desinere potuit,
numquam vera fuit.
Mein lieber Bruder, vernehmen Sie also die heilige Weissagung über
die Unvergänglichkeit unserer Freundschaft, denn sie ist heilig, nicht
geheuchelt, gegründet auf der Wahrheit, nicht auf Eitelkeiten, auf der
Mitteilung geistlicher Güter, nicht auf dem Verlangen und Erwerb zeitli-
cher Güter. Wahrhaft lieben und aufhören können, wahrhaft zu lieben,
sind zwei unvereinbare Dinge. Die Freundschaften der Kinder der Welt
sind von der Art der Welt: die Welt vergeht und alle ihre Freundschaften
vergehen, die unsere aber ist von Gott, in Gott und für Gott: Ipse autem

329
idem ipse est, et anni ejus non deficiunt. Mundus perit, et concupiscentia
ejus; Christus non perit, nec dilectio ejus; eine unfehlbare Folgerung ...
Hier ist also schließlich das Bild dieses irdischen Menschen. So un-
möglich ist es mir, irgend etwas zu verweigern, was Sie wünschen. Man
sagt mir, daß ich nie gut gemalt wurde, und ich glaube, das hat wenig zu
bedeuten. In imagine pertransit homo, sed cor frustra conturbatur. Ich
habe es ausgeborgt, um es Ihnen zu geben, denn ich habe keines bei mir.
Ach, wäre das Bild meines Schöpfers in seinem Glanz in meinem Geist,
das Sie gern sehen möchten! ...

Annecy, 2. Mai 1621 (XX,67) an Claude de Blonay:


Das Heilige Haus verwendet gegenwärtig seine Geräte für das Hüt-
tenwerk nicht; auch die Kartäuser benützen es nicht. Deshalb bitte ich
Sie, diese meinem Bruder de Thorens zu leihen, der jetzt ein Hütten-
werk errichtet. Gewogen und gut gekennzeichnet werden diese Geräte
in gutem Zustand zurückgegeben werden, sobald Sie oder das Heilige
Haus es verlangen ...

Annecy, 10. Mai 1621 (XX,75f) an Jean de Chatillon:


Ich bin betrübt, daß wir nicht die Freude hatten, Sie bei der Synode
zu sehen, aber mehr noch, daß Ihre angegriffene Gesundheit die Ursa-
che war.
Sie sind in der Angelegenheit von Suzanne und des Herrn de Vallon
sehr richtig vorgegangen. Sie konnten ja nur ganz in meinem Sinn han-
deln, da Sie sowohl den Eifer als die Fähigkeit haben ...

Annecy, 13. Mai 1621 (XX,80f) an den Herzog: Fürsprache für eine kinderreiche
Familie, die Ansprüche an Piemont hat.
Annecy, 14. Mai 1621 (XX,81) an den Herzog:
Monseigneur, ich habe den Auftrag Ew. Hoheit erhalten, mich in das
Heilige Haus zu begeben, und werde nicht verfehlen, ehestens nach Tho-
non zu reisen und Ihnen Bericht zu erstatten über alles, was ich getan
und vorgefunden habe ...

Annecy, 14. Mai 1621 (XX,82-86) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Auf Befehl Ew. Hoheit werde ich ehestens nach Tho-
non reisen. Ich kann meine Freude nicht zurückhalten über den Beginn
der Ausführung des Planes, der für diese Stadt besteht, für die Reform
der Klöster und des öffentlichen Wohls der Kirche in dieser Provinz. Da
dies eine große Sache im Dienst Gottes ist, zweifle ich nicht, daß seine

330
göttliche Majestät dafür Ew. Hoheit mit überreichem Segen belohnen
wird, den ich Ihnen unablässig wünsche ...
P. S. Es scheint zwar nicht sehr wichtig, zu wissen, wem die Priorate
und Abteien gehören, die man zusammenlegen will, da man nicht vor-
hat, die Anteile der Äbte und Prioren zu vereinigen, sondern nur die der
Mönche; um aber Sr. Hoheit zu gehorchen, nenne ich hier die Inhaber
der fraglichen Abteien und Priorate ...

Annecy, 18. Mai 1621 (XX,87f) an Prinz Victor-Amédée: Gesuch um Reise-


erlaubnis nach Paris für den Sohn von Mme. de Charmoisy.
Annecy, 21. Mai 1621 (XX,89f) an den Rat und die Bewohner von Montferrand:
Meine Herren, ich antworte auf Ihre Schreiben und entspreche Ih-
ren Wünschen, soweit ich kann. Ich versichere Ihnen, daß ich meine Sr.
Marie-Jacqueline Favre, solange es der Dienst Gottes mir erlaubt, in
dem Kloster belassen werde, wo sie sich dank Ihrer Frömmigkeit gegen-
wärtig befindet. Ich bin sehr beruhigt, daß sie dort die Gnaden gebraucht,
die ihr die göttliche Vorsehung schenkt. Wenn ich es könnte, würde ich
Ihnen gern sagen, daß sie ihr ganzes Leben bleibt, um Ihren Eifer und
den so vieler Seelen zufriedenzustellen, die sich bei ihr Rat holen. Sie
können sich aber wohl vorstellen, welche Anlässe sich ergeben können,
sie abzuberufen und anderweitig zu verwenden, wenn sie zur Ehre des-
sen gebraucht wird, dem sie geweiht ist ...

Annecy, 21. Mai 1621 (XX,90-92) an Sr. de Blonay:


Meine sehr teure Tochter, ich habe heute so viel geschrieben, daß ich
keine Möglichkeit mehr habe, Ihnen so ausführlich zu schreiben, wie ich
möchte. Ich habe nichts dagegen, daß die gute Schwester Marie in das
Kloster von Valence kommt, sooft es ihr gefällt, ebenso Mlle. des Con-
ches, denn ich bin überzeugt, daß sie die Salbung und den Duft der
Frömmigkeit mitbringen, die für die Ermutigung der Schwestern sehr
nützlich sein werden. Soweit ich es vermag, gestatte ich ihnen diese Frei-
heit. Tatsächlich muß aber der Bischof von Valence ... diese Besuche
genehmigen, denn er hat in Wahrheit die Vollmacht dazu.12
In der kommenden Woche werde ich nach Thonon reisen, wo ich nur
acht oder zehn Tage bleiben werde. In der Zeit werden der gute Vater,
die Brüder und ich viel von Ihnen sprechen. Sie alle sind wohlauf ...

Ende Mai 1621 (XX,93f) an Mutter Chantal: Durchsicht der Direktorien und
Konstitutionen der Heimsuchung (DA 5,353).
Thonon, 1. Juni 1621 (XX,95) an Prinz Victor-Amédée: Empfehlung für einen
Edelmann.

331
Annecy, 7. Juni 1621 (XX,96f) an Barthélemy Floccard: Antwort auf zwei Briefe
und Nachrichten vom Hof.
Annecy, 12. Juni 1621 (XX,99) an den Herzog und (XX,100-103) an Prinz Victor-
Amédée: Begleitschreiben zum Bericht der Visitation des Heiligen Hauses.
Annecy, 12. Juni 1621 (XX,103-105) an Prinz Victor-Amédée: Reform der
Zisterzienserinnen und Klarissen. Niederlassung der Kartäuser in Ripaille. Der
Skandal von Aulps.
Annecy, 25. Juli 1621 (XX,111-113) an den Herzog de Nemours: Verteidigung
des Herrn de la Pesse, eines treuen Dieners des Herzogs, gegen Intrigen.

Annecy, 28. Juli 1621 (XX,113f) an Baron Gaspard de Chevron-Villette:


Mein Herr Cousin! Dieser Bote kommt vom Bischof von Chalzedon,
vom Chevalier, von meinen Brüdern und von mir, um Ihnen unsere Dien-
ste anzubieten aus Anlaß des Verlustes, den Sie erlitten haben, den wir
lebhaft mitempfinden, da er sehr groß ist. Wir versäumen trotzdem nicht,
Sie zu bitten, daß Sie Ihr Herz erleichtern, soviel Sie können, im Gedan-
ken an die Gnade, die Gott Ihnen geschenkt hat und allen, die das Glück
haben, Ihnen anzugehören, da er Ihnen so lange Zeit die Freude an
diesem guten Vater ließ. Er hat ihn erst in dem Alter abberufen, in dem
dieses Leben kaum noch länger dauern kann ohne große Leiden und
Beschwerden, die gewöhnlich mit dem Greisenalter verbunden sind.
Sie müssen sich aber noch mehr damit trösten, daß der gute Vater all
die Jahre in Ehre und Tugend gelebt hat, in allgemeinem Ansehen, ge-
liebt von seiner Verwandtschaft und von allen, die ihn kannten, und
schließlich damit, daß er im Schoß der Kirche und mitten in Werken der
Frömmigkeit gestorben ist. Sie haben also Grund zur Hoffnung, daß er
selbst Ihnen im Leben der Seligen beistehen wird.
Indessen biete ich Ihnen von neuem meine treuen Dienste an, eben-
so der Frau Baronin, meiner Cousine, und bin von ganzem Herzen, mein
Herr Cousin, Ihr sehr ergebener Cousin und Diener.

Annecy, 31. August 1621 (XX,139f) an den Herzog: Schwierigkeiten des Heiligen
Hauses von Thonon. An Prinz Victor-Amédée (XX,140f) außerdem über Rumilly
und die Reform der Klöster.
Annecy, 23. September 1621 (XX,156) an die Ordensleute von Sixt: Ermutigung
zum nächsten Schritt in der Klosterreform (DA 12,137).

Annecy, 27. September 1621 (XX,158f) an den Oratorianer François Billet:13


Ich schicke Ihnen das Memorandum, das notwendig ist, um die Früch-
te zu erlangen, die man durch List der Pfarrei von Rumilly vorenthalten
wollte, dazu die Abschrift der Antwort, die der erlauchte Prinz auf den

332
Brief gab, in dem ich ihn an seinen Wunsch nach der Einsetzung der
Oratorianer in der Kirche dieses Ortes erinnerte; am Montag darauf
sandte ich ihm das Memorandum, das er verlangte, damit es nicht an mir
liegt, wenn sein Auftrag zur Einsetzung nicht so bald durchgeführt wird.
Grüßen Sie bitte Mme. de la Fléchère. Sie wird mich entschuldigen,
daß ich ihr nicht geschrieben habe, da mir die Muße fehlt ...

Annecy, 12. Oktober 1621 (XX,161f) an Don Juste Guérin:


Mein sehr teurer Pater, meine Augen beneiden die von N. und mei-
nes jungen Neffen, die Sie sehen dürfen. Ich habe aber keinen Neid im
Herzen, gegen wen auch immer, denn es wird nie jemand geben, der Sie
herzlicher liebt als ich. Und wenn ich nicht das Herz meiner sehr teuren
Tochter (sagen Sie mir ihren neuen Namen) zu kränken fürchtete, wür-
de ich ohne Einschränkung sagen: nicht so, wie es das meine tut und
stets tun wird.14
Nun, was macht die liebe Tochter? Die Herren N. und N. machten
großes Aufsehen davon, daß der ganze Hofstaat der Prinzessin, die er-
lauchten Prinzen und Prinzessinnen ihrer Aufnahme in das Noviziat bei-
wohnten. Ich freue mich im Vertrauen, daß Unsere liebe Frau, die Engel
und die Heiligen des Himmels dabei waren und sie mit ihrer Aufmerk-
samkeit auszeichneten und Unser Herr mit seinem Segen.
Wir sind am Ende mit den Formalitäten für das Priorat (Saint-Clair).
Mein Gott, wie falsch ist die Welt bei solchen Anlässen! ... Mein Pater,
man drängt mich und das Kind muß abreisen.15 Es ist das Ihre, weil es
das meine ist, der Sohn meines Bruders, der ihn mir übergeben hat, als
er tatsächlich wie ein Heiliger in meinen Armen starb, wie der andere in
Ihren Armen starb.
Ich bin ganz der Ihre, mein lieber Pater, ich sage, ganz der Ihre ohne
Rückhalt.

Annecy, 19. Oktober 1621 (XX,163) an Prinzessin Christine von Piemont:


Madame, es ist mir eine so große Ehre, daß Ew. erlauchte Hoheit
anzuordnen geruhten, daß der Sohn meines Bruders unter die Zahl Ih-
rer Pagen aufgenommen wird, so daß ich nur meinen untertänigsten Dank
aussprechen kann, den ich Ihrer Güte schulde. Ich bitte Sie also in aller
Ehrfurcht, es anzunehmen, daß ich anstelle jedes anderen Zeugnisses der
Anerkennung Gott preise für die Güte und Milde, die er dem Herzen Ew.
Hoheit zum Wohl Ihrer Diener geschenkt hat, Madame. Wie ich ohne
Ende sehr verpflichtet bin, werde ich die göttliche Vorsehung täglich um

333
Ihr Wohlergehen anrufen, Madame, und bleibe unveränderlich Ihr sehr
demütiger, treuer und gehorsamer Fürsprecher und Diener.

Annecy, 19. Oktober 1621 (XX,164) an Mme. Talon:


Madame, nachdem ich dem verstorbenen Herrn Talon die ewige Ruhe
gewünscht habe, die Unser Herr durch sein Blut denen verdient hat, die
in seiner Gnade sterben, wünsche ich Ihrem Herzen allen heiligen Trost,
den es im Willen seiner göttlichen Vorsehung finden muß, der über
seine Geschöpfe in seiner Güte bestimmt. Ihr Schutzengel und Ihre
Frömmigkeit mögen Ihnen schon die Gründe eingegeben haben, deret-
wegen man die gewöhnlichen Ereignisse unserer gemeinsamen Sterb-
lichkeit im Frieden annehmen muß. Deshalb bleibt mir nur, daß ich Sie
versichere, wie ich die guten Eigenschaften und die Freundschaft des
teuren Verstorbenen sehr schätze, so werde ich stets mit dem lebhaften
Wunsch leben, Ihnen durch irgendeinen Dienst beweisen zu können,
Madame, daß ich Ihr sehr demütiger und ergebener Diener in Unserem
Herrn bin.

Annecy, 21. Oktober 1621 (XX,165) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur, es ist mein großer Ehrgeiz, aber der am meisten be-
rechtigte, den ich haben kann, im Dienst von Madame zu bleiben, da Ew.
Hoheit allein durch Ihre Güte mich dazu berufen haben. Weil mein Amt
mir nicht erlaubt, meine Pflichten durch meine Anwesenheit zu erfüllen,
ebenso meine Unfähigkeit, dort nützlich zu sein, deshalb danke ich Ew.
Hoheit in aller Demut, daß Sie einem von den Kindern meines verstor-
benen Bruders gestatteten, in die Zahl der Pagen von Madame einzutre-
ten, damit er in seiner Kindheit die ersten Elemente des Dienstes erler-
ne, dem er durch seine Geburt sein ganzes Leben lang ergeben zu sein
verpflichtet ist. Ich betrachte dies als sichtbares Zeichen, daß Ew. Ho-
heit mir die Ehre erweisen, mich als Ihren sehr demütigen, treuen und
gehorsamen Fürsprecher und Diener zu betrachten.

Annecy, 11. November 1621 (XX,183-185) an P. Etienne Binet SJ:16


Hochwürdiger Pater! Mit tausendfachem Dank für die Mühe, daß
Sie mir geschrieben haben, sage ich Ihnen als Antwort: Als ich in Paris
war, wollte ich nie dem Wunsch zustimmen, den Mme. de Port-Royal mir
vortrug, sich aus dem Orden zurückzuziehen, in dem sie bis dahin so
segensreich gelebt hat. In Wahrheit verwendete ich in diesem Land nicht
einmal einen Gedanken darauf. Aber Schlag auf Schlag erhielt ich durch
Briefe sehr gute Vorstellungen, durch die sie mich veranlaßte, ihre Ge-

334
danken gutzuheißen und ihre Wünsche zu billigen. Ich wand mich und
zeigte mich nicht nur kalt, sondern ihren Plänen vollständig abgeneigt,
bis mir 18 Monate später eine Persönlichkeit von großem Ansehen so
darüber schrieb, daß ich es nicht für ratsam hielt, der oberste Richter in
diesem Fall zu sein, sondern die letzte Entscheidung dem Ausgang zu
überlassen. Ich versagte mir also, ihr einen Rat zu geben, und schrieb
ihr, da ihr Herz keine Ruhe finde in allem, was ich ihr gesagt und ge-
schrieben habe, könne sie das Gesuch einreichen lassen, das sie wün-
sche. Wenn Se. Heiligkeit ihm stattgebe, sei das ein sehr deutliches Zei-
chen, daß ihr Wunsch vom Willen Gottes kommt; in Anbetracht dessen,
daß die Sache in sich schwierig ist, könne sie ohne besondere Hilfe der
göttlichen Gunst keinen Erfolg haben. Wenn dagegen Se. Heiligkeit es
ablehne, habe sie keine andere Möglichkeit, als sich zu unterwerfen und
ihr Herz zu beruhigen. Sehen Sie, hochwürdiger Pater, so weit bin ich
gegangen.
Ich sehe wohl, daß dieser Anspruch außergewöhnlich ist, ich sehe
aber auch ein außergewöhnliches Herz. Ich sehe wohl die Neigung die-
ses Herzens zu befehlen, aber ich sehe auch, daß es dazu dient, diese
Neigung zu unterdrücken, wenn sie sich zum Gehorsam verpflichten
will. Ich sehe wohl, daß sie eine Frau ist, aber ich sehe auch, daß sie mehr
als eine Frau zu befehlen und zu leiten hatte und daß sie wohl fähig ist,
gut zu gehorchen.
Was den Vorteil für die Heimsuchung betrifft, gewiß, hochwürdiger
Pater, ich bekenne vor Gott und vor Ew. Hochwürden, daß ich daran
keineswegs gedacht habe oder doch so wenig, daß ich mich daran nicht
erinnere. Ich bekenne wohl, daß ich eine besondere Liebe zum Institut
der Heimsuchung habe, aber Mme. de Chantal, Ihre und meine teure
Tochter, wird Ihnen sagen, daß ich deswegen das hervorragendste und
angesehenste Geschöpf der Welt nicht von seiner richtigen Berufung
abbringen wollte und es nicht getan habe, auch wenn es in der Heimsu-
chung eine kanonisierte Heilige geworden wäre. Ich freue mich, wenn
Gott der Heimsuchung gute Menschen zuführt, aber ich habe nie ein
Wort oder einen Kunstgriff angewandt, so fromm er wäre, um irgend
jemand dafür zu gewinnen, außer einige schwache Gebete vor Gott. Die
Unbeständigkeit der Frauen ist ja zu fürchten, aber man kann sie nicht
ahnen; und die Beständigkeit dieser einen ist ebenso vorteilhaft zum
Guten zu erwarten.
Mein Gott, mein Pater, unsere alte Freundschaft läßt mich außerge-
wöhnlich vertraulich werden und meine Seele vor der Ihren ausbreiten!
Das ist zu viel. Ich lasse mich von der Meinung eines anderen leiten; ich
werde mich auch gern der Ansicht jener anschließen, die sich die Mühe

335
machen, diesen Fall zu prüfen, vor allem aber der Ihren, die ich sehn-
lichst erwarte und sehr gern annehmen werde ...

Annecy, 11. November 1621 (XX,186f) an Herrn de Soulfour: Empfehlung für


zwei Freunde.
Über die Gründung in Dijon und Valence vgl. die Briefe an Mutter Chantal (DA
5,35 9-363), Mutter Favre (DA 7,53) und Sr. de Blonay (DA 7,102).
Annecy, 12./13. November 1621 (XX,192f) an Herrn Magnin:
Prinz Thomas, der die letzten drei oder vier Tage hier wohnte, um
auf den Feldern der Umgebung zu jagen, löste bei den Genfern Alarm
aus, als er zu mir kam, um mit mir zu sprechen. Sie haben ganz und gar
Unrecht, sich durch derart leere Befürchtungen in Aufregung versetzen
zu lassen, da man sehr sorgsam die letzten Vereinbarungen beobachtet,
die getroffen wurden ...

Annecy, 29. November 1621 (XX,198-200) an den Herzog und (XX,200-202) an


den Sekretär Jean Carron: die Einsetzung der Oratorianer in Rumilly und die
dafür erforderlichen Schreiben des Herzogs.
Annecy, 13. Dezember 1621 (XX,208f) an den General der Kartäuser:
Hochwürdigster Pater! Wie soll man das Feuer verstecken? Ich kann
den überaus großen Eifer inmitten meines Herzens nicht länger verber-
gen, Sie mit allen Kräften zu ehren. Und jeder glaubt, daß ich umgekehrt
das Glück habe, von Ihrer Güte sehr geliebt zu werden. Deshalb nimmt
man, wie Sie oft sehen, zu meiner Vermittlung Zuflucht bei Gelegenhei-
ten, wo man Ihre Gunst sucht.
Die Herren de Bressieu haben eine Schwester im Kloster von Mélan,
die großes Verlangen hat, Ordensfrau zu werden. Sie bitten Sie, hoch-
würdigster Pater, ihnen Ihre Genehmigung zu gewähren, die dafür er-
forderlich ist. Da sie es wünschen, flehe ich mit ihnen Ihre Liebe an ...

Annecy, 15. Dezember 1621 (XX,210f) an Mutter Chantal: zum Tod von Mme.
des Gouffiers (DA 5,363).
Annecy, 1620 oder 1621 (XX,218-220) an Pierre Jay:
Nachdem ich Ihr Manuskript gelesen habe, gebe ich es mit einer so
weitgehenden Approbation zurück, wie Sie von mir erwarten können.
Aber, mein Gott, ich muß Ihnen sagen, die Erkenntnis der Launen der
Welt läßt mich leidenschaftlich wünschen, die göttliche Güte möge ir-
gendeinen ihrer Diener anregen, nach dem Geschmack dieser armseli-
gen Welt zu schreiben. Ich will sagen, mein Herr, wenn Sie Ihrem Talent

336
folgen wollten und über fromme und heilige Dinge in einer angenehmen
Art schreiben, historisch und den wunderlichen Geistern der Zeit ein
wenig schmeichelnd, würde das die verderbliche Lektüre der „Amadis“,
von Romanen und anderen Albernheiten verhindern oder wenigstens
zurückdrängen und sie würden unvermerkt den angenehmen Angelha-
ken schlucken, der sie aus dem Meer der Sünde in den Nachen der
Tugend zieht.
Schließlich sind wir Fischer, uzw. Menschenfischer. Wir müssen also
auf diesem Fischfang nicht nur Sorgfalt, Mühe und Wachsamkeit ver-
wenden, sondern auch Köder, Kunstgriffe und Lockmittel, ja wenn ich
es sagen darf, fromme Listen. Die Welt ist so empfindlich, daß man sie
künftig nur mit parfümierten Handschuhen anzufassen wagen darf, ihre
Wunden nur mit Zibethpflaster verbinden. Was aber wichtig ist: Warum
sollen die Menschen geheilt und wozu sollen sie gerettet werden? Unse-
re Königin, die Liebe, tut alles für ihre Kinder. Fassen Sie also Mut, mein
Herr, folgen Sie den Regungen des großen anmutigen Geistes, der Sie
beseelt.
Ich muß Ihnen ein Geheimnis anvertrauen, das ich bisher nur zweien
meiner guten Freunde mitgeteilt habe. Glauben Sie, daß ich, so schwerfäl-
lig ich bin, in der Art einer historischen Erzählung die Hauptpunkte unse-
res Glaubens zu beschreiben plane? Aber ach, ich habe keine andere Muße
als jene, die der Hof mir läßt. So werde ich sterben wie die schwangeren
Frauen, ohne zur Welt zu bringen, was ich empfangen habe ...

1618-1622 (XX,224f) an Albert de Genève-Lullin:17


Halten Sie sich bitte oft vor Augen und bringen Sie Ihrem Geist in
Erinnerung, was die überaus weise Güte Gottes in Ihrer Seele und durch
Ihre Vermittlung wirken wollte, da sie Ihnen Güter, Gunst und Autori-
tät verlieh.
Die Fürsten und die großen Herren haben gewöhnlich von Geburt
an, was das einfache Volk sich mit viel Anstrengung zu erwerben be-
müht. Wenn ihnen irgend etwas fehlt, vermögen sie alles in dem, der
ihnen alles gegeben hat, und genügt für sie, zu wollen, um mächtig genug
zu sein. Damit aber ihr Wille der Richtschnur des allgütigen Willens
mehr entspreche, muß ihre Vollkommenheit darin bestehen, nur das zu
wollen, was Gott will. Nun ist es wahr, daß Gott von einem Fürsten
nichts anderes will, als daß er seine Untergebenen mit Furcht und Liebe
regiert, während er Gott liebt und fürchtet mit einer kindlichen Furcht
und einer ganz reinen, sehr heiligen und herzlichen Liebe. Oft ist ihre
Nachsicht reine Grausamkeit und ihre Gerechtigkeit eine große Gnade.
Ihr Beispiel ist der Punkt, von dem Glück und Unglück des Volkes ab-

337
hängt. Deshalb müssen sie alle mit Trajan sagen: „Ich muß als Fürst
gegen meine Untertanen so sein, wie ich einem Fürsten begegnen möch-
te, wenn ich Untertan wäre.“
Da außerdem jeder Herr und Edelmann ein kleiner König in seinem
Haus ist, dürfen sie das Wort des Apostels nicht vergessen: „Die ihr
Herren seid, tut euren Dienern, was recht und billig ist“, indem ihr euch
erinnert, „daß ihr einen anderen Herrn im Himmel habt“ und Könige
auf Erden, von denen ihr abhängig seid. Sie dürfen nicht zur Empörung
reizen und ihre Diener nicht unterdrücken. Ihre Frömmigkeit muß viel-
mehr großmütig sein, ihr Mut voll Erbarmen und Güte. Das ist ihre
erste Lektion, aus der sie lernen sollen, Gott und ihrem König alle Pflich-
ten ihrer Abhängigkeit zu leisten und ihren Untergebenen alle Dienste
einer Macht, die nur auf dem Weg der Gerechtigkeit und der Güte vor-
gehen darf.

Annecy, 1620-1622 (XX,227f) an Graf Claude-Jérome de Saint-Maurice: Mah-


nung zur Pflege einer Kapelle.
Annecy, 1621 oder 1622 (XX,229f) an einen Geistlichen: Regeln für das Verhal-
ten gegen eine Verleumdung (DA 12,117).
1622 (XX,233f) an Roger de Bellegarde:
Gott hat Sie an den Platz und in die Würde versetzt, zu der er Sie
durch Ihre Verdienste erhoben hat, damit Sie aus Liebe zu ihm die allge-
meine Zuflucht der Bedrängten seien, besonders aber derjenigen, die
mehr durch Unglück als durch Bosheit in Not geraten.
Mondon, der Überbringer dieses Briefes, ist wahrhaft einer von die-
sen, schwer heimgesucht durch die Schuld eines anderen, aber durch die
Tat eines anderen, die nicht durchaus ein Verbrechen ist, wie Ew. Gna-
den besser entscheiden können als irgend jemand, wenn Sie sich die
Geschichte dieses Vorfalls anhören wollen ...
Wie ich weiß, haben Ew. Gnaden eine besondere Vorliebe, Armen
Gutes zu tun. Hier ist eine ganz einmalige Gelegenheit, sie zu betätigen
und in gewissem Sinn Unseren Herrn zu verpflichten, für Ihre teure
Seele besondere Sorge zu tragen ...

Annecy, 15. Januar 1622 (XX,244) an Prior Moccand von Sixt:


... Ich habe Ihnen eine Abschrift der Regel des hl. Augustinus und
der Konstitutionen der Heimsuchung gegeben, damit Sie ihnen entneh-
men können, was Ihnen geeignet scheint ...

338
Annecy, 23. Januar 1622 (XX,246f) an die Marquise de Maignelais:
Madame, nicht nur ein Grund, sondern mehrere sehr gerechte und
dringende, rufen die gute Mutter Oberin der Heimsuchung Mariä in
Paris nach Dijon und hierher. Deshalb ist es sehr gerecht, daß ich Ihnen,
wie ich es untertänigst tue, danke für den Trost und die Gunst, die sie
von Ihrer beständigen Liebe empfing. Ich bitte Sie, damit trotzdem fort-
zufahren in der Person der Schar von Töchtern, die sie dort zum Dienst
der Ehre Gottes zurückläßt. Ihm gehört ja Ihre Liebe ganz, und seine
Vorsehung hat Ihr Herz bereitet, Zuflucht und Schutz der kleinen Die-
nerinnen seines Sohnes zu sein. Sie bedürfen dessen um so mehr, als
das Alter und die Mangelhaftigkeit ihrer Niederlassung diese gefährden
und Widerständen aussetzen.
Ich hoffe, daß ihre Demut und die Erkenntnis ihrer Unscheinbarkeit
ihnen nicht nur die Gnade Gottes erhalten werden, sondern auch Ihr
Wohlwollen, Madame, und daß sie zusammen mit den anderen, die be-
deutender und Ihrer Gunst würdiger sind, die Ihre Frömmigkeit mit
ihrem Eifer fördert, auch sie ihrem Rang entsprechend unter dem Schutz
Ihrer Großmut leben werden. Sie wird sich erinnern, daß ihr Spiegel,
Vorbild und Patron die Kleinen, Niedrigen und Schwachen besonders
zärtlich liebt, ja selbst die sehr jungen kleinen Kinder, weil sie sich von
seinen Händen leiten und sich von ihm in die Arme nehmen lassen ...

Annecy, 23. Januar 1622 (XX,247-252) an Mutter Chantal: über ihre Reise-
route; (XX,253-255) an Mutter Beaumont: geistliche Weisungen für die neue
Oberin des Klosters in Paris (DA 7,131).
Annecy, 24. Januar 1622 (XX,263) an Angélique Arnauld: das Gutachten der
Theologen-Kommission zu ihrem Gesuch (DA 7,333).
Annecy, 3. Februar 1622 (XX,266) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur, ich erwarte jeden Tag die erforderlichen Dekrete, um
die Kirche von Rumilly den Patres vom Oratorium zu übergeben. Ich bin
sehr in Bedrängnis, weil ich nur mehr 16 Tage Zeit habe, über die vakan-
te Pfarrei zu verfügen, bevor sie der römischen Kurie zufällt, ohne daß
ich noch etwas machen kann. Ohne Zweifel wird es nicht an Bewerbern
fehlen, und es wird dann schwierig sein, den segensreichen Plan Ew.
Hoheit zu verwirklichen.
Wenn Sie mir gestatten, dieser Vorstellung ein Wort über das Heilige
Haus in Thonon beizufügen: Es bedarf nicht weniger als die Kirche von
Rumilly der Ankunft der gleichen Patres vom Oratorium, weil sonst al-
les, was die Kirche Unserer lieben Frau und die Gebäude, die zu ihr

339
gehören, betrifft, zugrundegeht, wie die Abgesandten der Kammer er-
kannt und Ew. Hoheit bestätigt haben. Ich rufe Ihre Umsicht und Fröm-
migkeit in aller Demut an und bin ...

Annecy, 4. März 1622 (XX,279f) an Dom Pierre de Saint Bernard de Flottes:


Hochwürdiger Pater, ich hüte mich, Sie durch meinen Brief in Ihrer
heiligen und fruchtbaren Tätigkeit der Fastenpredigten zu stören, über
deren guten Erfolg man uns hier Großartiges berichtet. Gott sei gelobt!
Unser P. Dom Eustache de Saint Paul bat mich in seinem Brief aus-
drücklich, Ihnen zu schicken, was er von mir wünscht, und ich habe es
durchaus gern getan, weil ich dadurch einen Anlaß habe, Sie zu grüßen.
Ich erkläre aber, daß ich nicht das gleiche von Ihrer Seite erwarte, solan-
ge Sie die Tätigkeit jener ausüben, von denen gesagt wurde: Neminem
per viam salutaveritis.
Unser Herr Abt von Abondance sagte mir, daß Ihnen das beiliegen-
de Bild gefallen wird, wenn ich es Ihnen schicke; hier ist es in dieser
Absicht. Ich bin beruhigt, daß Sie eine kleine Erinnerung an meine Zu-
neigung unter Ihren Werkzeugen der Frömmigkeit haben. Es scheint
mir noch passend, daß ich es heute am Tag der Samariterin für Sie
bestimme, deren Bekehrung die selige Jungfrau Theresia so verehrte,
wie deren kostbares Wort: Domine, da mihi hanc aquam.
Aber wenn ich nicht einhalte in der Erleichterung, mit Ihnen zu spre-
chen, die ich fühle, werde ich ohne Zweifel die Rücksicht verletzen, die
ich auf Ihre heilige Aufgabe zu nehmen erklärt habe. Leben Sie glücklich
und lange in Gesundheit und Heiligkeit, hochwürdiger Pater, und schen-
ken Sie Ihrem sehr demütigen und ergebenen Bruder und Diener stets
Ihr herzliches Wohlwollen.

Annecy, 20. März 1622 (XX,285f) an Prinz Thomas von Savoyen:18


Monseigneur! Se. Hoheit geruhte, der Bruderschaft vom heiligen
Kreuz von Chambéry, auch vom Kruzifix genannt, die Freilassung eines
verurteilten Gefangenen aus Verehrung für den Tod und die Passion Un-
seres Herrn zuzugestehen, den sie jedes Jahr am Gründonnerstag vor-
schlagen darf. Die bedauernswerte Familie eines Mannes der Herrschaft
von Annecy hat erreicht, daß er von der genannten Bruderschaft vorge-
schlagen und durch den Gnadenakt dieses Jahres von der Galeere befreit
wird. Da seine Frau und seine sehr zahlreichen Kinder das Mitleid verdie-
nen, Monseigneur, und da mit der Begnadigung des Vaters der Gnaden-
erweis für die Kinder, die Frau und die ganze Familie verbunden ist, die

340
ohne den bisherigen Beistand dieses armen Mannes nicht leben kann,
füge ich der untertänigsten Bitte, die die Bruderschaft für diesen Unter-
tan an Ew. Hoheit richtet, meine demütigste Empfehlung hinzu ...

Annecy, 23. April 1622 (XX,290-293) an Mutter Chantal: Geleitbrief für die
Schwestern, die zur Gründung in Dijon bestimmt sind (DA 5,365).
Annecy, 25. April 1622 (XX,294) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur, das arme Volk von Rumilly wartet ständig in rechter
Frömmigkeit auf das Kommen der Patres Oratorianer in ihre Stadt, und
ich erwarte die notwendigen Anweisungen Ew. Hoheit, um sie hierher
und nach Thonon kommen zu lassen. Es ist wahr, daß dort nichts als die
Ankunft der Patres den Mißständen abhelfen kann, die dort herrschen,
und der Unordnung in der Verwaltung der Güter. Ew. Hoheit mögen
mir verzeihen, wenn ich Ihnen irgendwie lästig falle, meine Entschuldi-
gung ist einzig Ihr Auftrag, daß ich für diese Dinge zu sorgen habe ...

Über die Gründungen in Dijon, Chambéry und Turin schreibt Franz von Sales an
Mutter Favre (DA 7,56f), Sr. Compain (DA 7,149) und Mutter Chantal (DA
5,366).
Annecy, 2. Mai 1622 (XX,300f) an Prinz Victor-Amédée:
Monseigneur! Es war die Absicht Sr. Hoheit, daß das Heilige Haus
von Thonon jenen als Zuflucht diene, die sich von der Häresie zur heili-
gen katholischen Religion bekehren, und er hat durch ein Schreiben und
auf meine Vermittlung hin noch ausdrücklich angeordnet, daß von den
Einkünften dieses Heiligen Hauses dem Herrn de Corsier 50 Gold-Ecus
jährlich als Rente bezahlt werden. Er ist ein Edelmann von vornehmer
Geburt, der seit seiner Konversion, die er in meine Hände abgelegt hat,
stets sehr tugendhaft als guter Geistlicher gelebt hat. Da er alle seine
Güter verloren hat, wendet er sich an Ew. erlauchte Hoheit, damit Sie
ihn tatsächlich in den Genuß dieser Wohltat zu versetzen geruhen. Das
Heilige Haus leugnet nicht, daß es ihm diese schuldet, es behauptet
aber, nicht zahlen zu können, weil das Geld fehle, das Se. Hoheit für
seine Gründung bestimmt hatte.
Nun, Monseigneur, Herr Gilette hat am Hof das Amt für die Belange
des Heiligen Hauses; ich glaube, wenn Ew. Hoheit ihm ausdrücklich be-
fehlen, diese Pension aufzubringen, kann er das gut machen. Wenn üb-
rigens die Patres vom Oratorium das Heilige Haus übernehmen, wird
man die Gehälter einsparen, die man den Weltpriestern bezahlt, die

341
jetzt dort sind. Von dieser Einsparung wird man diese Pension zahlen
und noch viele andere gute Dinge tun können. Das sind die zwei geeig-
neten Möglichkeiten, die ich gegenwärtig sehe, der schrecklichen Armut
dieses Edelmannes abzuhelfen. Deshalb bitte ich Ew. Hoheit, sie ehe-
stens zu verwirklichen ...

Annecy, 2. Mai 1622 (XX,302) an Prinz-Kardinal Maurice von Savoyen:


Monseigneur, ich wage nicht und darf es auch nicht wagen, an Ew.
Hoheit zu schreiben, außer aus dringenden Anlässen.
Dieser arme adelige Geistliche wünscht, von seiner Notlage gedrängt,
von Ew. Hoheit eine Gnade, wie Ihnen P. Monod erklären wird. Ich will
dem meinerseits nichts hinzufügen, als daß die Armut dieser Persön-
lichkeit wirklich Ihr Erbarmen und seine Frömmigkeit eine milde Unter-
stützung verdient ...

342
C. Die letzten Reisen

Die ersehnte Muße durch die Teilung seines Amtes mit seinem Bruder und
Koadjutor bleibt Franz von Sales versagt. Im Frühjahr 1622 verlangt der Hof
seine Anwesenheit. Er kann dieser Verpflichtung erst nach dem Generalkapitel
der Feuillanten nachkommen, dem er im Auftrag des Papstes in Pignerolo an-
fangs Juni vorzustehen hat; dann ist er bis Ende August in Turin. Im Oktober
besucht er noch einmal Bischof Camus in Belley.
Am 8. November 1622 bricht er zur Reise nach Avignon auf, wo der Prinz-
Kardinal Maurice mit großem Gefolge König Ludwig XIII. huldigt. Auf der Rück-
reise nimmt er bei den Schwestern der Heimsuchung in Lyon Wohnung, erfüllt
trotz seiner zunehmenden Schwäche seine Pflichten bei Hof, empfängt Besuche,
gibt den Schwestern letzte Weisungen, berät mit Johanna Franziska von Chantal
mehrere Stunden Fragen der Heimsuchung, schreibt Briefe, bis ihn ein Schlagan-
fall lähmt, dem er am 28. Dezember 1622 erliegt.

Annecy, 17. Mai 1622 (XX,306f) an Prinz Victor-Amédée:


Monseigneur! Am 28. April habe ich ein Breve Sr. Heiligkeit erhal-
ten, durch das er mich beauftragt, dem Generalkapitel der Feuillanten
beizuwohnen, das in vierzehn Tagen in Pignerolo stattfinden muß. Ich
sehe voraus, daß es mir fast unmöglich sein wird, rechtzeitig von hier
abzureisen, wenn ich Sr. erlauchten Hoheit, Ihnen und Madame meine
Aufwartung mache, bevor ich mich an den genannten Ort begebe. Ich
bin daher gezwungen, die untertänigste Erfüllung dieser Verpflichtung
bis nach der Versammlung zu verschieben. Ich bitte Ew. erlauchte Ho-
heit in aller Demut, dies zu billigen ... (vgl. DA 6,181).

Annecy, 23. Mai 1622 (XX,308f) an Bischof Fenouillet:


Monseigneur! Die Ereignisse, die sich vor einiger Zeit im Languedoc
abspielten, 19 beraubten mich der Möglichkeit, Ihnen so oft zu schreiben,
wie ich wollte und sollte. Obwohl ich daran keine Schuld hatte, fühlte ich
dennoch die Buße, da es mir wahrhaftig ein großer Trost ist, wenn ich
mich bei Ihnen wieder in Erinnerung bringen und Ihnen von neuem das
Angebot meines unverletzlichen Eifers zu Ihrem Dienst bringen kann.

343
Wir haben hier gegenwärtig die Ehre und das Glück der Anwesen-
heit des erlauchten Prinzen Thomas ... Herr de Bellecombe ist einer der
wichtigsten ständigen Gefolgsleute Sr. Hoheit und versieht gegenwärtig
den Dienst als sein Hofmeister ... Er braucht Ihre Gunst in den Angele-
genheiten, über die ich Ihnen ein Memorandum beifüge. Ich bitte Sie
also recht demütig, ihm gern behilflich zu sein, denn er hat erfahren,
daß Ihnen meine Vermittlung willkommen ist und daß ich wahrhaftig
das Glück habe, von Ihnen geliebt zu werden ...

Pignerolo, 11. Juni 1622 (XX,312-314) an Kardinal Ludovisi:


Hochwürdigster, sehr geehrter Herr! Gestern, am 10. d. M., wurde
das Generalkapitel der Feuillanten um 20 Uhr geschlossen und beendet;
um 24 Uhr erhielt ich den Brief, den Ew. Eminenz an mich zu richten
geruhten, in dem Sie mir auf Anordnung Sr. Heiligkeit den Auftrag
geben, einen Italiener zum Prior von San Bernardo in Rom wählen zu
lassen.
Da aber alle Wahlen zwei Tage vorher durchgeführt und alle Kapitu-
lare verabschiedet waren, habe ich heute früh den Pater General und
seine Assistenten gebeten, daß die im Kapitel erfolgte Wahl eines Fran-
zosen widerrufen und auf einen Italiener übertragen werde. Darauf ga-
ben sie mir die Antwort, ihnen seien die Hände gebunden, sie könnten
eine kanonisch erfolgte Wahl nicht umstoßen. Da der Pater General
jedoch im September nach Rom reisen muß, hat man entschieden, daß
der gewählte Prior von San Bernardo sein Amt nicht antritt, bis der
General selbst Ew. Eminenz seine Aufwartung gemacht und von Ihnen
in Ihrer Eigenschaft als Protektor der Feuillanten Weisung erhalten hat.
Sie können, wenn es Ihnen gutdünkt, die im Kapitel getroffene Wahl des
Franzosen auf den Prior von Santa Pudentiana übertragen, der Italiener
ist. Die Kongregation und vor allem ihr General haben keinen sehnli-
cheren Wunsch, als dem Wohlgefallen Sr. Heiligkeit unterworfen zu blei-
ben und dem, was ihnen durch Ew. Eminenz aufgetragen wird. Damit
glaube ich, soweit es mir möglich war, erfüllt zu haben, was Sie mir bei
diesem Anlaß aufgetragen haben ...

Turin, 21. Juni 1622 (XX,315-323) an die Kardinäle Caffarelli-Borghese, Bandini,


Montalto, Ludovisi, Cobelluzzi: in getrennten Briefen Berichte über den guten
Verlauf des Generalkapitels der Feuillanten, die fast einstimmige Wahl des General-
obern, die Eintracht und Liebe der Kapitulare.
Turin, 22. Juni 1622 (XX,324-330) an Papst Gregor XV.: Bericht über das Gene-
ralkapitel der Feuillanten. Vorschlag, das reformbedürftige Offizium der Zister-
zienser durch das monastische Brevier zu ersetzen.

344
Turin, 7. Juli 1622 (XX,334-336) an Mgr. Jean-François de Sales:
Mein Herr Bruder, ich habe Ihnen gestern geschrieben; heute wie-
derhole ich, daß ich in acht oder neun Tagen zu meiner Rückkehr aufzu-
brechen hoffe. Inzwischen versichere ich Ihnen, daß ich keineswegs die
Bitte vergessen habe, die Sie mir bei meiner Abreise aussprachen, einen
Beschluß in der Sache Dumont zu fassen ... Ich bin sehr erleichtert, daß
die Frauen von Sainte Catherine ihre Sache in meiner Abwesenheit ge-
ordnet haben. Bevor ich abreiste, ordnete man von Rom eine allgemeine
Reform an, wie der Prinz vorher beschlossen hatte ...

Turin, Juli/August 1622 (XX,336f) an Mutter Chantal: Abberufung der Mutter


Favre von Montferrand als Oberin in Dijon, um dort Mutter Chantal abzulösen.
Turin, Juli/August 1622 (XX,337) an Mgr. Jean-François de Sales:
... Wie glücklich werde ich sein, wenn ich in einem oder zwei Jahren
mein Amt so mit Ihnen teilen kann, daß ich die Rolle der Magdalena
übernehmen kann, Sie die der Martha! Ich begehre den Teil der Magda-
lena gewiß nicht deswegen, weil er der bessere ist, sondern deswegen,
weil ich glaube, wenn ich ein wenig Ruhe zu Füßen Unseres Herrn fin-
den könnte, würde ich bestimmte Dinge in Angriff nehmen, die ich zum
großen Nutzen der Nachwelt schriftlich hinterlassen könnte, entspre-
chend der Aufforderung so vieler guter Menschen. Aber dann, bekenne
ich, will ich nichts, als in der Gnade und nach dem Willen Gottes leben
und sterben ...

Turin, 8. August 1622 (XX,338-340) an die Herzogin von Modena: Ergebenheits-


schreiben vor der Abreise nach Savoyen und Lob der Infantin Francesca Caterina.
Turin, 17. August 1622 (XX,341f) an Kardinal Ludovisi: Empfehlungsschreiben
für zwei Feuillanten.
... Ich kehre morgen in meine Residenz zurück, wo das Kloster liegt,
wegen dessen Reform die Patres nach Rom kommen ...

Annecy, 24. August 1622 (XX,342-344) an Philippe Sanguin de Roquencourt:


Mein Herr, ich war krank in Piemont, als ich Ihr Schreiben vom 27.
Mai erhielt. Nach der Rückkehr in meine Residenz danke ich Ihnen nun
demütigst, daß Sie sich meiner erinnern. Ich habe umgekehrt meiner
Seele den Respekt eingeprägt, den ich Ihrer Tugend und Frömmigkeit
schulde, die Sie wahrhaftig bewiesen haben durch den Beistand, den Sie
Mme. des Gouffiers gewährten, und durch die Aufnahme der Töchter
Mariens von der Heimsuchung.

345
Deshalb versichere ich Ihnen, mein Herr, ich möchte Ihnen gern bei
jeder Gelegenheit irgend einen nützlichen Dienst leisten, im besonde-
ren aber, um Ihr Fräulein Tochter zufriedenzustellen, sogar auf eine so
hohe und mächtige Empfehlung wie die des erlauchten Herzogs de Ne-
mours, der mir nachdrücklich in Ihrem Sinn geschrieben hat. Trotzdem
(scientibus legem loquor) muß ich mein Wollen auf mein Können be-
schränken, das nicht über meine Diözese hinausreicht, außer in der Form
der Fürsprache. Demgemäß habe ich an die Oberin geschrieben, über
die Sie sich beschwerten, sie möge Ihren Wunsch erfüllen, sofern sich
das vor Gott gut machen läßt, mit Rücksicht auf meinen glühenden
Wunsch, Ihnen einen Dienst zu erweisen. Wenn sich dann noch eine
Schwierigkeit ergibt, wird es der Autorität des hochwürdigsten Kardi-
nals von Paris oder denen zustehen, die von ihm den Auftrag haben, sie
zu lösen.
Im übrigen gibt es in den Konstitutionen des Instituts der hl. Maria
keinerlei geheime Artikel, mein Herr, außer sie wären so heimlich hinzu-
gefügt worden, daß ich davon keine Kenntnis habe. Denn was mich be-
trifft, kann ich in dieser Hinsicht nach dem Beispiel Unseres Herrn sa-
gen: In occulto locutus sum nihil. In allem, was ich gesagt und geschrie-
ben habe, gibt es keine Geheimniskrämerei. Wenn Ihnen irgendwer das
Gegenteil gesagt hat, tut er mir Unrecht ...
Obwohl weiterhin die Übung der Meditation in den Klöstern sehr
wünschenswert ist, bin ich doch stets der Überzeugung gewesen, wenn
sich alle übrigen Eigenschaften in einer Seele finden, genügt es nicht,
daß eine Seele nicht fähig ist, die Meditation zu formen, um sie vom
Kloster auszuschließen. Möglicherweise findet sich also bei Ihrem Fräu-
lein Tochter irgendein anderer Mangel, nicht in den für die einfache
Frömmigkeit wesentlichen Dingen, aber zufällig in dem, was für die Le-
bensweise der Schwestern von der Heimsuchung erforderlich ist, der die
Oberin veranlaßt, anders zu denken. Denn ich kann mir nicht vorstellen,
daß sie ohne Grund, mutwillig und selbstherrlich eine Persönlichkeit
von Ihrem Stand verärgern und das Verbleiben im Kloster einem so
wohlgeborenen Mädchen wie Ihrer Tochter versagen wollte ...

Nach der Abwesenheit von Annecy sind zahlreiche Briefe fällig: an Mutter Chantal
(DA 5,367-371), an Oberinnen und Ordensfrauen (DA 7,123; 129; 203; 214),
die Gräfin Dalet (DA 6,347), Mme. de la Fléchère.
Annecy, 19. September 1622 (XX,366f) an P. Louis de Gerbais de Sonnaz:
Ich habe den Erlaß der Ernennung zugunsten Ihrer Kongregation
für die Kirche von Rumilly und für die Priorate von Chindrien, Aumône,
Vaulx und Sainte Agathe (das ist das Priorat von Rumilly) erhalten, den

346
Se. Hoheit sehr gern unterzeichnet und ausgefertigt hat. Es fehlt nur
noch, daß der Pater General (Bérulle) die Patres schickt, um den Dienst
anzutreten. In einigen Tagen werde ich das Schreiben erhalten, das Se.
Hoheit in dieser Absicht an ihn richtet.
Da der Pater General wünscht, daß Sie vor allem nach Paris kom-
men, billige ich das, sofern einer Ihrer Patres kommen kann, damit die
Erfüllung unserer Hoffnung nicht verzögert wird, Ihre Kongregation in
Rumilly gegründet zu sehen. Ich werde mich an P. Thiersault wenden,
sobald mich das Schreiben Sr. Hoheit an den Pater General erreicht.
Geben Sie ihm bitte inzwischen diese Nachricht, damit er sogleich die
Anordnung vorbereiten kann, die er für diese Sache für geeignet hält.
Sobald die Patres in meinem Namen den Dienst an der Kirche von Rumilly
übernommen haben, muß man von Rom die Vereinigung der Benefizien
erwirken, die Se. Hoheit für Ihre Kongregation bestimmt hat ...
P. S. Man versichert mir, daß der Pater General ein ausgezeichnetes
Buch herausgegeben hat. Wenn es in Lyon zu haben ist, möchte ich
durch Ihre Vermittlung gern ein Exemplar haben.

Annecy, 24. September 1622 (XX,368f) an Prinz Victor-Amédée: Über die Re-
form von Contamine (DA 12,147).

Annecy, 26. September 1622 (XX,371f) an Marc-François de Malarmy de Lauray:


Mein Herr Bruder, ich war drei Monate in Piemont. In der Zeit hat
man hier Ihre Briefe empfangen und aufbewahrt. So ist es nicht verwun-
derlich, daß Sie von mir keine Antwort und keinen Dank erhalten haben,
den ich Ihnen schulde. Wenn ich Ihnen jetzt auch schreibe, so geschieht
es unter solchem Durcheinander, daß ich mich dieser Pflicht nicht rich-
tig zu widmen vermag. Ich bin gestiefelt und im Begriff, das Pferd zu
besteigen, um nach Belley zu reiten, wo mich unser guter hochwürdig-
ster Bischof erwartet, der nach Paris abreisen wird, sobald ich ihn be-
sucht habe.
Mein sehr teurer Bruder, die erste Nachricht vom Tod des Herrn Gra-
fen de Rossillon erhielt ich in Turin, aber so unsicher, daß weder die
Marquise de Saint Damien noch Mlle. de Tournon und der Baron de
Tournon sie mir zu bestätigen wagten. Was soll ich Ihnen darüber sagen,
mein teuerster Bruder, seiner Witwe und unserer lieben Sr. Bonaven-
ture? Gott mag Eure Herzen schon mit seinen heiligen Einsprechungen
getröstet und Euch im Innern heilige Worte seines Trostes gesagt haben.
Ich glaube, es ist überflüssig, Ihnen zu sagen, daß ich an allem Guten
und Bösen teilnehme, das Sie trifft. So sage ich nur, daß wir uns alle

347
vorbereiten, heilig zu sterben angesichts der Ehre, daß wir leben durch
den Tod des großen Gottes, der in seiner Güte unser Leben um den
Preis des seinen gewinnen und uns durch sein Sterben die ganz selige
und ewige Unsterblichkeit erkaufen wollte ... (vgl. DA 6,303f).

Belley, 3. Oktober 1622 (XX,375-377) an Pierre de Bérulle:


Hier ist ein Schreiben Sr. Hoheit, des erlauchten Herzogs von Savoy-
en, in dem er Sie bittet, Ihre Patres zu schicken, um die Kirche von
Rumilly zu übernehmen, die P. Sonnaz bereits als Pfarrer innehat. Der
Ort ist klein aber schön, mitten in Savoyen, in gleicher Entfernung zwi-
schen Chambéry und Genf. Ich habe von Turin die Bestimmung von drei
Prioraten erreicht, von denen zwei in der Stadt selbst sind, das dritte
zwei Meilen entfernt, und jenes, das P. Sonnaz bereits hat. Alle zusam-
men mit der Pfarrei können 700 Ecus jährlich einbringen; aber sie sind
gegenwärtig noch nicht vakant. Man kann trotzdem die Vereinigung er-
reichen, die Se. Hoheit durch Vermittlung seines Gesandten in Rom
fördert, soviel er kann, gemäß einem Brief, den er schon geschrieben hat
und den ich in Händen habe.
Ich füge seinem Ersuchen, das er an Sie richtet, meine demütigste
Bitte bei und verspreche Ihnen allen Beistand und jeden Dienst, den ich
Ihnen zu diesem Vorhaben leisten kann, das ich von ganzem Herzen
begrüße zum Wohl meiner Diözese und aus Verehrung für Ihre Person
und Ihre Kongregation. Wir erwarten also, daß Sie uns ehestens zwei
Patres schicken, um an Ort und Stelle die geeigneten Beschlüsse zur
Durchführung dieses heiligen Werkes zu fassen.
Inzwischen habe ich hier in Belley, von wo ich mit Gottes Hilfe mor-
gen aufbrechen werde, den Anfang Ihres „Discours de l’Etat et des
Grandeurs de Jésus“ erhalten, den mir Herr Crichant von Ihnen ge-
bracht hat ... Ich will es mir sparen, Ihnen meine Gedanken ausführlich
zu sagen, bis ich es ganz gelesen habe ... Sie verpflichten mich gewiß zu
sehr und bezeigen eine Meinung, die in der Tat höher ist, als ich bin,
wenn Sie mich teilhaben lassen an Ihrem Werk, das ich in diesem Anfang
unendlich bewundere, das ich in seinem Erfolg stets mit größerer Liebe
bewundern werde, den ich bei seinem Erscheinen sehen werde ...

Annecy, 7. Oktober 1622 (XX,378f) an Prinz Thomas: Bitte um Erleichterung


für die Stadt Annecy, die durch die Besatzungstruppen ganz erschöpft ist.
Annecy, 15. Oktober 1622 (XX,381f) an Mutter Favre: Ankündigung des Auf-
trags zur Gründung der Heimsuchung in Chambéry (DA 7,17).
Annecy, 17. Oktober 1622 (XX,383f) an Prinz Victor-Amédée: über die Reform
von Contamine (DA 12,147f).

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Annecy, 22. Oktober 1622 (XX,384-386) an Mutter Chantal: Auftrag zur Visita-
tion der Klöster in Montferrand und Saint Etienne (DA 5,371).
Annecy, 1. November 1622 (XX,387) an Jean de Chatillon:
Ich übergebe alle Angelegenheiten der Versammlung, die Prinz Tho-
mas unverzüglich halten muß, um die Differenzen im Heiligen Haus
beizulegen, denn ich muß in den nächsten Tagen in die Provence aufbre-
chen. Ich weiß nicht, wann ich von dort zurückkommen werde, obwohl
ich hoffe, daß es bald sein werde.
Es tut mir leid, bei meiner Abreise Herrn de Blonay krank zurückzu-
lassen, und sage Ihnen nur noch, daß die Patres Barnabiten einen Grund
zu haben glauben, Anspruch auf die Dienste von Contamine zu erheben
wegen der ausdrücklichen Worte „mit allen Ämtern und Ehren“.

Seyssel, 8. November 1622 (XX,389f) an Antoine Favre:


Mein Herr Bruder! Auf der Durchreise hier in Seyssel fühle ich mich
verpflichtet, meinem Cousin, Herrn de Loche, mit meiner untertänig-
sten Bitte an Sie zu Hilfe zu kommen, damit Sie ihn unterstützen in den
Anliegen, die er an die Herren von der Finanzkammer hat. Erweisen Sie
mir bitte diesen Liebesdienst, mein Herr Bruder, indes ich in die Pro-
vence reise, wohin der hochwürdigste Prinz-Kardinal kommen muß, um
seine Aufwartung zu machen.20 Beim Besuch vieler heiliger Orte, die es
dort in großer Zahl gibt, will ich Gott bitten, daß er Sie mit meiner Frau
Schwester erhalte und alles segne, was Sie lieben. Mein Herr Bruder, ich
bin ganz wahrhaftig Ihr sehr demütiger und treuer Bruder und Diener.

Vienne, 11. November 1622 (XX,392f) an Balthazard de Peyzieu:


Mein Herr Bruder, Sie können sich denken, wie sehr ich im Gedrän-
ge bin, da ich nicht wagte, mich einen halben Tag freizumachen, um mir
Zeit zu nehmen, den Erzbischof, meinen Vorgesetzten, zu begrüßen,
noch den Herrn Gouverneur, dem ich sehr verpflichtet bin, und meine
teure Schwester, Mme. de Peyzieu.
Auf dem Rückweg von Avignon, den ich in vierzehn Tagen zu machen
hoffe, werde ich mit Gottes Hilfe alle diese Verpflichtungen erfüllen,
aus dem tausendfachen Verlangen, mir das Wohlwollen derjenigen zu
erhalten, gegen die ich es hege, so vor allem gegen Sie, mein Herr Bru-
der. Hätten Sie es bis dahin nicht besessen, so habe ich es von neuem
geschenkt, als vor acht Tagen unser lieber Jüngster schließlich durch
mich getraut wurde, mit allen Zeichen gegenseitiger Zufriedenheit, die
man sich von beiden Seiten wünschen kann. Da ich mich auf die Reise

349
vorbereitete, die ich jetzt mache, kann ich Ihnen nicht mehr sagen, da ich
nicht Zeit hatte, mehr zu erfahren.
Mein Herr, ich bin von ganzem Herzen Ihr untertänigster Diener.

Lyon, 17. Dezember 1622 (XX,393f) an Mme. de Toulongeon: ein Gruß an die
Tochter der Mutter Chantal nach der Aussprache mit ihr in Lyon (DA 6,336).
Lyon, 19. Dezember 1622 (XX,395) an eine Dame: Gedanken über den Hof und
die Eitelkeit der vergänglichen Dinge (DA 6,362).
Lyon, 19. Dezember 1622 (XX,396) an Mutter de Chastellux: Ermutigung der
neuen Oberin von Moulins (DA 7,128).
Lyon, 24. Dezember 1622 (XX,397) an Roger de Bellegarde:
Mein Herr Sohn! Die gleiche Feierlichkeit der großen Weihnachtsta-
ge, die mich fast der Hoffnung beraubte, Sie zu sehen, gibt mir auch das
Vertrauen, die Ungelegenheit zu bereiten für diesen armen Mann, den
zu fördern die Liebe mich ebenso verpflichtet wie das gute Beispiel, das
er durch seinen Glauben und seine Rechtschaffenheit gegeben hat, so-
lange er sich in der Ballei von Gex aufhielt, wo er trotz seiner Unschuld
Verfolgungen ausgesetzt war. Er erklärt seine Notlage in seiner Bitt-
schrift. Wenn Sie diese nicht geeignet finden, um Erhörung zu finden,
wird er eine andere vorlegen, mein Herr Sohn. Es geht darum, wenn es
Ihrer Güte beliebt, ihm einen Posten im Salzamt oder im Forst, woher er
kommt, oder anderswo in Ihrem Amtsbereich zu geben.
Solche Werke der Barmherzigkeit sind sehr angebracht in diesen Ta-
gen, die der Ehre der erhabenen Barmherzigkeit geweiht sind, die der
Sohn Gottes zu unserem Heil in seiner Geburt geübt hat. Ihn bitte ich
demütigst, Ihnen immer gnädig zu sein, mein Herr, gemäß dem bestän-
digen Wunsch meines Herzens. Ich bin Ihr sehr demütiger und gehorsa-
mer Diener
Franz von Sales, Bischof von Genf.

Lyon, 25. Dezember 1622 (XX,398f) an Mutter de Monthoux: Der letzte überlie-
ferte Brief des Heiligen (DA 7,124).

350
Die Vollendung des Heiligen
Vollendung

Von einer seelischen Entwicklung des Bischofs kann in diesen Jahren wohl nur
noch in dem Sinn gesprochen werden, wie er selbst es in einem Brief an Johanna
Franziska von Chantal ausgedrückt hat: „Über meine Seele kann ich nichts ande-
res berichten, als daß sie immer mehr den heißen Drang verspürt, nichts hochzu-
schätzen als die Liebe unseres gekreuzigten Herrn und daß ich mich den Ge-
schehnissen dieser Welt gegenüber für so immun halte, daß fast nichts an mich
herankommt“ (DA 5,365).
Das bedeutet jedoch nicht, daß er untätig oder den Ereignissen und seinen Mit-
menschen gegenüber gleichgültig wäre. Er ist aber immer tiefer durchdrungen
vom Glauben und von der Liebe, die sein Leben prägen. So gibt er sich seinen
Aufgaben als Bischof, als Ordensgründer und Seelenführer ungeachtet seiner
geschwächten Gesundheit bis zur Erschöpfung hin. Die Erklärung gibt er wieder
selbst: „Wie kann es geschehen, daß ich diese Dinge empfinde, der ich doch, wie
Sie wissen, meine sehr teure Mutter, der liebendste Mensch auf Erden bin? Wahr-
lich, trotzdem empfinde ich sie; aber es ist eigenartig, wie ich das alles in Ein-
klang bringe, denn ich meine, daß ich gar nichts liebe als Gott und alle Seelen um
seinetwillen“ (DA 5,364).
Seine Gottesverbundenheit läßt ihn auch Anfeindungen und leidvolle Erfahrun-