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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Rubik’s Zauberwürfel - eine Einführung 3


2.1 Der Zauberwürfel - Funktionalität und Beschreibung . . . . . . 3
2.2 Grundbegriffe der Gruppentheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

3 Mathematische Grundlagen 9
3.1 Wissenswertes zum Thema Permutationen . . . . . . . . . . . . 9
3.2 Konstruktionen aus der elementaren
Algebra . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13
3.3 Notationsvereinbarungen für den Zauberwürfel . . . . . . . . . . 15

4 Eigenschaften des Zauberwürfels 17


4.1 Positionen, Operationen und Manöver . . . . . . . . . . . . . . 17
4.2 Operationen von Gruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19
4.3 Beschreibung der Manövergruppen . . . . . . . . . . . . . . . . 22

5 Ausflug in die Manöverkunde - Konjugation und Kommuta-


toren 27
5.1 Konjugationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27
5.2 Kommutatoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

6 Weitere Begriffe und Resultate aus der Gruppentheorie 33


6.1 Homomorphismen, Nebenklassen, Faktorgruppen . . . . . . . . 33
6.2 Zyklische Gruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38

7 Die Rubiksche Gruppe 41


7.1 Ein Zugang über die kleine Manövergruppe M . . . . . . . . . . 41
7.2 Die Struktur der Rubikschen Gruppe . . . . . . . . . . . . . . . 46
7.3 Bemerkungen zur Transitivität im
Rubik Cube . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50

i
8 Die Untergruppen des Zauberwürfels 52
8.1 Zyklische Gruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
8.2 Bahnen, Stabilisatoren und der Satz von Sylow . . . . . . . . . 53
8.3 Untergruppen des Zauberwürfels . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56
8.4 Cayley-Graphen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
8.5 Die Mittelscheibengruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
8.6 Untergruppen der Ordnung 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
8.7 Die Kommutatorgruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73

9 Die Lösung des Würfels 76


9.1 Wie und wie schnell man den Würfel lösen kann und warum es
überhaupt so kompliziert ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 76

10 Andere mathematische Spielzeuge 85


10.1 Der Superwürfel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 85
10.2 Der 2 × 2 × 2-Würfel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
10.3 Das magische Domino . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91
10.4 Pyraminx - Die Zauberpyramide . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92

ii
Kapitel 1

Einleitung

In den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts wurde das sogenannte 15-Puzzle, ein
Schiebepuzzle, erfunden. Glaubt man der Legende, so hat eben dieses Puzzle
die Vereinigten Staaten für Wochen in Atem gehalten: Alle waren im Puzzle-
Fieber, Kaufläden wurden nicht geöffnet, Arbeiter gingen nicht zur Arbeit
. . . Der Grund dafür lag letztendlich darin, dass das Schiebepuzzle, so wie es
damals vorgestellt wurde, nicht lösbar war.
Das Spiel besteht aus fünfzehn durchnummerierten quadratischen Scheib-
chen, die sich in einem 4 × 4-Rahmen, der stets ein leeres Feld enthält, ver-
schieben lassen. Dabei wird jeweils eine der neben dem leeren Feld befindlichen
Scheiben in das leere Feld geschoben. Ziel des Spieles war es, durch Schiebe-
manöver die Konstellation, bei der die Scheibchen 14 und 15 vertauscht waren,
in den geordneten Zustand über zu führen (s. Abb. 1.1).

Abbildung 1.1: Das 15-Puzzle in geordnetem Zustand (li.) und mit vertausch-
ten Scheibchen (re.) (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/15-Puzzle)

Um zu verstehen, warum dies nicht möglich sein kann und daher damals
zahlreiche Puzzle-Spieler zur Verzweiflung brachte, bezeichnen wir das leere
Feld mit 16“ und können von nun an jede beliebige Konstellation als Permu-

1
tation von 1, 2, . . . , 16 auffassen. Damit sind alle in dem Spiel erlaubten Züge
Transpositionen: Eine Nummer, die dem leeren Feld benachbart ist, kann in
dieses hineingeschoben werden, sie wird nach unserer neuen Notation mit der
Nummer 16 vertauscht. Das leere Feld, die 16“, wird bei jedem Zug bewegt.

In der Ausgangsstellung ist sie stets rechts unten und im geordneten Zustand
ebenfalls. Die Anzahl der Züge (der Transpositionen), die man dazwischen
tätigt, muss also gerade sein. Dies impliziert, dass die Ausgangskonstellation
nur dann geordnet werden kann, wenn sie einer geraden Permutation entspricht
(C. Krattenthaler, 2004, S. 53 ff.). Da die Permutation (14, 15) offensichtlich
ungerade ist, war das Schiebepuzzle nicht lösbar.
Circa 110 Jahre später verursachte ein kleiner Würfel, Rubik’s Cube ge-
nannt, ein ähnliches Chaos in Mitteleuropa. Ursprünglich unter dem Namen
Zauberwürfel“ auf den Markt gebracht, eroberte er Büros und Klassenräume.

Die mathematische Struktur, die diesem Spielzeug zugrunde liegt, ist um ei-
niges komplexer als die des Schiebepuzzles und fasziniert die Wissenschaft bis
heute, wie folgende, am 5. Juni 2007 erschienene Schlagzeile bezeugt:
Neuer Weltrekord mit Rubiks Würfel
Für die Wissenschaft ist der Zauberwürfel oder Rubik-Würfel mehr als eine
Spielerei. Mathematiker benutzen den Kubus, um ihre Formeln zu erhärten.
Mithilfe einer neuen Theorie und eines Hochleistungsrechners haben sie jetzt
bewiesen: 26 Züge reichen, um den Würfel aus jeder Stellung heraus zu lösen.

(http://www.welt.de/wissenschaft/article922802/NeuerWeltrekordmitRubikswuerfel.html)

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den algebraischen Grundlagen


des Zauberwürfels. Sie bietet gleichzeitig eine Veranschaulichung elementarer
Gruppentheorie anhand dieses und einiger anderer Permutationspuzzles. Au-
ßerdem erfährt der Leser, wie man den Würfel auf legale Art und Weise, d.h.
ohne ihn zu zerlegen, lösen kann.

2
Kapitel 2

Rubik’s Zauberwürfel - eine


Einführung

2.1 Der Zauberwürfel - Funktionalität und Be-


schreibung

2.1.1 Beschreibung des Würfels


Rubik’s Cube, auch Zauberwürfel genannt, ist ein Kunststoffwürfel, der aus
3 × 3 × 3 = 27 Teilwürfeln, den Cubies besteht. Die Cubie-Seitenflächen an der
Oberfläche des Würfels sind so eingefärbt, dass jede der 6 Seiten des großen
Würfels eine andere Farbe besitzt. Der Würfel ist in insgesamt 9 Scheiben
gegliedert (in jeder Hauptachsenrichtung 3), die sich jeweils in ihrer Ebene um
ihren Mittelpunkt beliebig drehen lassen (s. Abb.2.1)

Abbildung 2.1: Mögliche Manipulationen des Zauberwürfels (Quelle: C. Bandelow,


1981, S. 2)

3
2.1.2 Bezeichnung des Würfels
Um eine sinnvolle Bezeichnung der Ecken- und Kantencubies des Würfels fest-
zulegen, ist es notwendig, dass dieser gerade auf dem Tisch liegt, sodass seine
Vorder- und Rückseite sowie alle anderen Seiten eindeutig bestimmt sind. Die
6 Flächen des Würfels werden durch die Cubies im Zentrum, die sogenannten
Flächencubies, repräsentiert. Wir bezeichnen sie gemäß nachstehender Abbil-
dung mit ihren kleinen lateinischen Anfangsbuchstaben (u = unteres Flächen-
cubie, o = oberes Flächencubie, . . . ). Da sich ihre gegenseitige Lage nie ändert,
bestimmen sie die Farben der Würfelseiten und die Position aller anderen Cu-
bies im Ausgangszustand.

Abbildung 2.2: Bezeichnung der Flächen des Zauberwürfels (Quelle: C. Bandelow,


1981, S. 4 )

Die Kanten des Würfels (damit ist jeweils der mittlere der 3 Cubies an
jeder Kante des großen Würfels gemeint) werden mit den Buchstaben der sich
dort treffenden 2 Flächen in beliebiger Reihenfolge bezeichnet, die Ecken (bzw.
Eckcubies) mit den Buchstaben der sich dort treffenden 3 Flächen, wobei diese
nach beliebiger Wahl der ersten Fläche im Uhrzeigersinn gelistet werden sollen
(s. Abbildung 2.3).

Abbildung 2.3: Bezeichnung der Ecken und Kanten des Zauberwürfels (Quelle:
C. Bandelow, 1981, S. 5 )

4
2.1.3 Manipulationen des Würfels
Eine mögliche R-Position ist ein aus dem Ausgangszustand (wohlgeordneter
Würfel) durch Manipulationen des Würfels erreichbares Farbmuster. Dabei
gelten zwei Farbmuster als gleich, wenn sie durch Drehungen des Würfels als
starrer Körper ineinander übergeführt werden können.
Die wichtigste Manipulation des Würfels ist ein Randscheibenzug, die Dre-
hung einer der sechs Randscheiben um 90◦ bzw. 180◦ . Dabei bezeichnet man
die Drehung der betreffenden Scheibe um 90◦ im Uhrzeigersinn von außen be-
trachtet mit dem jeweiligen lateinischen Großbuchstaben V , H, R, L, O, U .
Die inverse Manipulation dazu, d.h. die 90◦ -Drehung im Gegenuhrzeigersinn,
bezeichnen wir mit V 0 , H 0 , R0 , L0 , O0 , U 0 bzw. in Rechnungen mit Exponenten
mit R−1 , L−1 , . . . Eine 180◦ Drehung im Uhrzeigersinn entspricht der Hinterein-
anderausführung von zwei 90◦ -Drehungen und wird daher mit dem Exponenten
2 beschrieben: V 2 , H 2 , . . .
Diese elementare Manipulation würde eigentlich zur Beschreibung des Wür-
fels genügen, es empfiehlt sich allerdings, um die Bezeichnung der Manöver
möglichst kurz zu halten, noch zwei weitere Züge zuzulassen.
Bei einem Mittelscheibenzug wird eine der drei Mittelscheiben des Würfels
um 90◦ bzw. 180◦ gedreht. Wir bezeichnen diesen Zug mit M und dem als Index
gesetzten Symbol des entsprechenden Randscheibenzuges, der Drehrichtung
und -weite angibt, was bedeuten soll, dass statt der betreffenden Randscheibe
die benachbarte Mittelscheibe gedreht wird, z.B. MV , MV0 , MV2 usw. Mit dieser
Bezeichnung hat natürlich jeder Mittelscheibenzug gleich zwei Namen (z.B.
MR = ML0 ).
Ein Bewegungszug beschreibt schließlich die Drehung des ganzen Würfels
um eine der drei Achsen, die die Mittelpunkte gegenüberliegender Würfel-
flächen verbinden. Wir bezeichnen ihn mit dem Buchstaben B und dem als
Index gesetzten Symbol des entsprechenden Randscheibenzuges, wenn statt
der Randscheibe der ganze Würfel gedreht werden soll, z.B. BV , BV0 , BV2 Auch
hier gibt es für jeden Zug zwei gleichwertige Namen (z.B. BR = BL0 ).
Ein Manöver ist nach C. Bandelow (1981) eine endliche Folge von Zügen,
in der weder zwei Scheibenzüge mit derselben Scheibe noch zwei Bewegungszüge
mit derselben Drehachse unmittelbar aufeinanderfolgen. Wir schreiben so eine
Folge von Zügen dann in der Reihenfolge, in der sie ausgeführt werden sol-
len, von links nach rechts nebeneinander. RO bedeutet somit, dass erst R und
dann O ausgeführt wird. Dieselbe Konvention gilt in Folge auch für die Ver-
knüpfung von Permutationen. Auch hier werden aufeinanderfolgende Zyklen
von links nach rechts angeschrieben. Wollen wir einmal von dieser Regel abwei-
chen und, wie es ansonsten bei Funktionen üblich ist, von links multiplizieren,
so verwenden wir für die entsprechende Verknüpfung ◦“.

Am Ende eines Manövers wird im Folgenden oftmals seine Länge, d.h.
die Anzahl seiner Scheibenzüge, in Klammer angegeben, um die Effizienz des

5
Manövers zu bestimmen. Gute Manöver sind schließlich jene, die mit möglichst
wenig Zügen gewünschte Operationen herbeiführen und so zu einer kurzen
und schnellen Lösungsstrategie beitragen. Bewegungszüge werden hierbei nicht
mitgezählt, da sie die R-Position nicht verändern, z.B. ((MR O)4 BR BO0 )3 (24).
Ein Manöver wird rückgängig gemacht, indem man das zu ihm inverse
Manöver anwendet. Man erhält das inverse Manöver m0 eines Manövers m,
indem man m von hinten nach vorn liest und dabei die einzelnen Züge umkehrt.
(C. Bandelow, 1981, S. 8)
Beispiel: (R2 MU0 R2 MU )0 = MU0 R2 MU R2

2.2 Grundbegriffe der Gruppentheorie


Notation Im folgenden wird die zu einer Abbildung x inverse Abbildung wie
bei den Würfelmanövern entweder mit x0 oder mit x−1 betitelt.

2.2.1 Gruppen
In diesem Abschnitt folgen wir im Wesentlichen A. Beutelspacher (2001, Ka-
pitel 9).

Definition einer Gruppe


Eine Gruppe besteht aus einer nichtleeren Menge G zusammen mit einer Ver-
knüpfung · (die je zwei Elementen aus G wieder ein Element aus G zuordnet),
sodass folgende Axiome erfüllt sind:
1. Assoziativität: Die Verknüpfung · ist assoziativ:

(g · h) · k = g · (h · k) für alle g, h, k ∈ G

2. Existenz eines neutralen Elements: Es gibt ein Element aus G, das


wir e nennen, für das gilt:

e · g = g für alle g ∈ G

3. Existenz inverser Elemente: Für jedes g ∈ G gibt es ein Element aus


G, das wir g −1 nennen, für das gilt:

g −1 · g = e, wobei e das neutrale Element ist.

Man sagt, dass G bezüglich der Verknüpfung · eine Gruppe ist und
schreibt (G, ·).
Wenn zusätzlich folgendes Axiom gilt, nennt man eine Gruppe G kom-
mutativ oder abelsch:

6
4. Für je zwei Elemente g, h ∈ G gilt

g · h = h · g.

In einer Gruppe gibt es also nur eine Verknüpfung, die oben mit · bezeich-
net wurde. Will man diese Verknüpfung additiv schreiben (d.h. + statt ·), so
bezeichnet man üblicherweise das neutrale Element mit 0 und das zu g inverse
Element mit −g.
Man kann zeigen, dass sowohl das neutrale Element als auch die inversen
Elemente eindeutig sind und dass g · e = g ∀g ∈ G und g · g −1 = e ∀g ∈ G.

Die Untergruppe
Eine Teilmenge U einer Gruppe (G, ·) heißt eine Untergruppe von G, falls (U, ·)
ebenfalls eine Gruppe ist.

Untergruppenkriterium Sei U eine nichtleere Teilmenge von G. (U, ·) ist


genau dann eine Untergruppe von (G, ·), falls folgende Kriterien erfüllt sind:
• Wenn g ∈ U ist, so ist auch g −1 ∈ U

• Wenn g, h ∈ U sind, so ist auch gh ∈ U.


Beweis: Aufgrund der Assoziativität auf G ist die Verknüpfung · auch auf
U assoziativ. U 6= ∅ - daher gibt es ein Element g ∈ U . Nach der 2. bzw. 3.
Voraussetzung liegen auch g −1 bzw. g · g −1 = e in U . Daher liegt das neutrale
Element von G in U und wirkt auch in U als neutrales Element. q.e.d.
Die Anzahl der Elemente einer endlichen Gruppe G heißt die Ordnung |G|
von G.

Die symmetrische Gruppe


Die Menge aller Permutationen einer Menge X bildet bezüglich der Hinterein-
anderausführung von Abbildungen die symmetrische Gruppe auf X.
Ist X = {1, 2, . . . , n}, so wird die symmetrische Gruppe auf X auch Sn
genannt. Die Anzahl aller Elemente der Sn entspricht der Anzahl der Möglich-
keiten n Objekte wieder genau n Objekten im Bildbereich zuzuordnen. Daher
gilt: |Sn | = n!.

2.2.2 Permutationen
Zyklische Permutationen
Eine Permutation π einer Menge X heißt Zyklus oder zyklische Permutation,
falls ein i ∈ X und eine natürliche Zahl k existiert, sodass gilt:

7
1. π k (i) = i

2. die Elemente i, π(i), π 2 (i), . . . , π k−1 (i) sind paarweise verschieden.

3. jedes Element, das verschieden von i, π(i), π 2 (i), . . . , π k−1 (i), π k (i)(= i)
ist, wird von π fest gelassen.

Die kleinste natürliche Zahl k mit dieser Eigenschaft wird Länge des Zyklus
π genannt. Ein Zyklus der Länge k heißt auch k-Zyklus. Man schreibt dann
π = (i, π(i), π 2 (i), . . . , π k−1 (i)).

Proposition
Jede Permutation π lässt sich als Produkt disjunkter Zyklen (das sind Zyklen,
die paarweise keine Elemente gemeinsam haben) darstellen.
Beweisidee: Man wählt ein beliebiges Element i und schreibt es als Beginn des
ersten Zyklus an. Dann setzt man diesen Zyklus mit π(i), π 2 (i), . . . fort, bis
man das erste Mal eine natürliche Zahl k findet, für die π k (i) = i gilt. Der
erste Zyklus (i, π(i), π 2 (i), . . . , π k−1 (i)). ist somit beendet. Danach wählt man
ein im ersten Zyklus noch nicht enthaltenes Element j und konstruiert damit
den zweiten Zyklus etc. Man fährt so lange fort, bis alle Elemente erfasst sind.

Bemerkungen

• Bei der Zyklendarstellung werden die Zyklen der Länge 1 üblicherweise


nicht angeschrieben.

• Disjunkte Zyklen sind kommutativ.

Definition
Eine Permutation, die nur zwei Elemente vertauscht, heißt Transposition.

Proposition
Jede Permutation lässt sich als Produkt von Transpositionen darstellen.

Beweis: Jeder Zyklus der Länge k lässt sich folgendermaßen als Produkt
von (k − 1) Transpositionen schreiben:

(x1 , x2 , x3 , . . . , xk ) = (xk−1 , xk )(xk−2 , xk−1 ) . . . (x2 , x3 )(x1 , x2 )

q.e.d.

8
Kapitel 3

Mathematische Grundlagen

3.1 Wissenswertes zum Thema Permutationen


In den Grundzügen dieses Abschnitts folgen wir wiederum A. Beutelspacher
(2001, S. 178 ff.).

3.1.1 Definition
Eine Nachbartransposition ist eine Transposition, die zwei aufeinanderfolgende
Elemente vertauscht.

3.1.2 Proposition
Jede Transposition kann als Produkt einer ungeraden Anzahl von Nachbar-
transpositionen geschrieben werden.

Beweis: O.B.d.A. sei i < j. Dann gilt für jede Transposition (i, j):

(i, j) = (j − 1, j)(j − 2, j − 1) . . . (i + 1, i + 2)(i, i + 1)(i + 1, i + 2) . . . (j − 1, j)

Da zu beiden Seiten der Nachbartransposition (i, i + 1) dieselbe Anzahl


von Nachbartranspositionen steht, muss es sich bei der Darstellung insgesamt
um eine ungerade Anzahl von Nachbartranspositionen handeln. Die genaue
Anzahl beträgt 2(j − i − 1) + 1.

3.1.3 Fehlstände von Permutationen


Für eine beliebige Permutation π ∈ Sn nennt man ein Paar (i, j) von Elemen-
ten der Menge X = {1, 2, . . . , n} mit i < j aber π(i) > π(j) einen Fehlstand
oder eine Inversion von π. Ein Fehlstand von π ist also ein Zahlenpaar, dessen
Ordnung durch π verändert wird.

9
Im folgenden bezeichnet f die Anzahl der Fehlstände einer Permutation.

3.1.4 Korollar
Jede Nachbartransposition hat genau einen Fehlstand. Daher hat jede Trans-
position eine ungerade Anzahl von Fehlständen.

3.1.5 Definition
Eine Permutation π heißt gerade (ungerade), wenn die Anzahl f (π) ihrer Fehl-
stände gerade (ungerade) ist. (−1)f (π) bezeichnet das Vorzeichen (Signum) der
Permutation π.
Das Signum (sgn) einer Permutation π auf einer Menge X = {1, 2, . . . , n}
lässt sich auch folgendermaßen definieren:
Y π(i) − π(j)
sgn(π) =
1≤i<j≤n
i−j

Für die Hintereinanderausführung zweier Permutationen π und τ gilt dem-


nach
Y π ◦ τ (i) − π ◦ τ (j)
sgn(π ◦ τ ) =
1≤i<j≤n
i−j
Y τ (i) − τ (j) Y π ◦ τ (i) − π ◦ τ (j)
= =
1≤i<j≤n
i − j 1≤i<j≤n
τ (i) − τ (j)

= sgn(π) · sgn(τ )
Damit ist das Produkt zweier ungerader oder zweier gerader Permutatio-
nen gerade und das Produkt einer geraden mit einer ungeraden Permutation
ungerade.

3.1.6 Satz
Sei π eine Permutation. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent:
(a) π ist eine gerade Permutation.
(b) Jede Darstellung von π als ein Produkt von Nachbartranspositionen
besteht aus einer geraden Anzahl von Nachbartranspositionen.
(c) Es gibt eine Darstellung von π als Produkt einer geraden Anzahl von
Nachbartranspositionen.

10
Beweis:
(a) ⇒ (b) : π sei eine gerade Permutation. Angenommen es gäbe eine Dar-
stellung von π als Produkt einer ungeraden Anzahl von Nachbartranspositio-
nen. Dann hätte π nach Korollar 3.1.4 eine ungerade Anzahl von Fehlständen
und wäre somit eine ungerade Permutation. Widerspruch.
(b) ⇒ (c) : Trivial
(c) ⇒ (a) : Jede Nachbartransposition hat genau einen Fehlstand. Damit
ist die Anzahl der Fehlstände von π gerade, wenn π sich als Produkt einer
geraden Anzahl von Nachbartranspositionen schreiben lässt. Daher ist π eine
gerade Permutation.
q.e.d.

3.1.7 Korollar
Eine beliebige Permutation π ∈ Sn ist genau dann gerade, wenn sie das Pro-
dukt einer geraden Anzahl von Transpositionen ist.

Beweis: Folgt aus vorhergehendem Satz und der Tatsache, dass jede Trans-
position als Produkt einer ungeraden Anzahl von Nachbartranspositionen dar-
gestellt werden kann.

Analog erhält man

3.1.8 Satz
Sei π ∈ Sn eine beliebige Permutation. Dann sind folgende Aussagen gleich-
wertig:
1. π ist eine ungerade Permutation.

2. π ist Produkt einer ungeraden Anzahl von Nachbartranspositionen.

3. π ist Produkt einer ungeraden Anzahl von Transpositionen.


Des weiteren folgt

3.1.9 Satz
π ∈ Sn ist genau dann gerade, wenn π −1 gerade ist.

Beweis: Es bezeichne I die identische Abbildung. Dann gilt I = π · π −1


und I ist gerade. Daher müssen π und π −1 entweder beide gerade oder beide
ungerade sein.

11
3.1.10 Definition
Die Menge aller geraden Permutationen aus der Sn heißt alternierende Gruppe
und wird mit An bezeichnet.

3.1.11 Satz
Sei n eine natürliche Zahl. Dann gilt:
(a) Das Produkt je zweier Permutationen aus An liegt wieder in An . Mit
anderen Worten: An ist bezüglich der Hintereinanderausführung von Permu-
tationen abgeschlossen.
(b) Für jede Permutation π ∈ Sn \An gilt

Sn = An ∪ πAn ,

wobei πAn := {πα|α ∈ An } ist.


(c) Ist n ≥ 2, so gilt für die Mächtigkeit von An
n!
|An | = 2
.

Genau die Hälfte aller Permutationen ist also gerade.

Beweis:
(a) Das Produkt gerader Permutationen ist gerade.
(b) Trivialerweise gilt An ∪ πAn ⊆ Sn . Daher ist nur zu zeigen, dass eine
beliebige ungerade Permutation ψ ∈ Sn in πAn liegt. Mit π ist auch π −1 eine
ungerade Permutation. Daher ist π −1 ψ eine gerade Permutation und liegt somit
in An . Es gibt somit ein α ∈ An mit

π −1 ψ = α

Daraus folgt

ψ = πα ∈ πAn .

(c) Da α → πα bijektiv ist, haben An und πAn gleich viele Elemente.


Die beiden Mengen sind disjunkt, da An aus den geraden und πAn aus den
ungeraden Permutationen besteht. Da nach (b) Sn = An ∪ πAn und |Sn | = n!,
folgt die Behauptung.

12
3.2 Konstruktionen aus der elementaren
Algebra
Die Inhalte dieses Abschnitts beziehen sich auf C. Bandelow (1981, S. 37 ff.).

3.2.1 Definition des Zentrums einer Gruppe


Ist A eine Gruppe, so heißt Z(A) := {a ∈ A|ab = ba für alle b ∈ A} das
Zentrum von A.

3.2.2 Proposition
Z(A) ist stets eine Untergruppe von A.

Beweis: Seien a, b ∈ Z(A). Dann gilt für c ∈ A ac = ca und bc = cb. Daraus


folgt abc = acb = cab und damit ab ∈ Z(A). Weiters gilt a0 c = (ac0 )0 = (c0 a)0 =
ca0 ⇒ a0 ∈ Z(A). Damit ist Z(A) eine Gruppe.

Folgender Satz zeigt, dass Sn in einer extremen Weise nicht abelsch ist:

3.2.3 Über das Zentrum der symmetrischen Gruppe


Für n ≥ 3 enthält Z(Sn ) lediglich das neutrale Element I.

Beweis: Ist f ∈ Sn und f 6= I, so gibt es ein a ∈ {1, . . . , n} mit f (a) =:


b 6= a. Wegen n ≥ 3 gibt es ein von a und b verschiedenes c ∈ {1, . . . , n}.
Es folgt (a, c)(f (a)) = (a, c)(b) = b und f ((a, c)(a)) = f (c) 6= f (a) = b, also
f ◦ (a, c) 6= (a, c) ◦ f .

Bemerkung: Da sich jede Permutation als Produkt von Transpositionen


darstellen lässt, erzeugt die Menge aller Transpositionen die gesamte symme-
trische Gruppe Sn . Da (i, j) = (1, i)(1, j)(1, i) wird diese sogar von der Menge
der Transpositionen der Gestalt (1, i) erzeugt.

13
3.2.4 3-Zyklen erzeugen die alternierende Gruppe
Für n ≥ 3 ist jedes Element der An das Produkt von 3-Zyklen.

Beweis: Jedes Element der An ist das Produkt einer geraden Anzahl von
Transpositionen der Gestalt (1, i). Für je zwei solche Transpositionen gilt

(1, i)(1, j) = (1, i, j)

für i 6= j. Die Identität ist die dritte Potenz jedes 3-Zyklus.

3.2.5 Der Gruppenhomomorphismus


Seien G und H Gruppen. Eine Abbildung π : G → H heißt Homomorphismus,
falls ∀a, b ∈ G : π(ab) = π(a) · π(b).
Ist π bijektiv, so heißt π ein Isomorphismus und G und H heißen zueinander
isomorph, symbolisch A ∼ = B.

Beispiel: Sei A eine Gruppe und a ∈ A beliebig. Die Abbildung π : A →


A, π(b) := aba0 (b ∈ A) ist ein Isomorphismus.

Beweis: Sie ist ein Homomorphismus, da

∀b, c ∈ A : π(bc) = abca0 = aba0 · aca0 = π(b) · π(c).

Sie ist bijektiv, da zu jedem c ∈ A genau ein b ∈ A mit c = π(b) = aba0


existiert, nämlich b = a0 ca.

3.2.6 Normalteiler einer Gruppe


Eine Untergruppe B einer Gruppe A heißt Normalteiler von A, wenn für a ∈ A
und b ∈ B stets aba0 ∈ B gilt. Mit anderen Worten: die Menge aBa0 =
{aba0 |b ∈ B} ist gleich B.

3.2.7 Direktes und semidirektes Produkt mehrerer


Gruppen
Seien A1 , . . . , An Gruppen und B := A1 ×· · ·×An . Mit der komponentenweisen
Verknüpfung (a1 , . . . , an ) · (a1 , . . . , an ) = (a1 a1 , . . . , an an ) heißt B das direkte
Produkt der Gruppen A1 , . . . , An . Falls A1 = A2 = · · · = An = A, schreibt
man kurz B = An .
Beispiel: Sei B = A1 × A2 das direkte Produkt der Gruppen A1 und A2
und seien e1 , e2 bzw. e die neutralen Elemente von A1 , A2 bzw. B. Setzt man

14
A∗1 := {(a1 , e2 )|a1 ∈ A1 } und A∗2 := {(e1 , a2 )|a2 ∈ A2 }, dann ist A∗i eine zu Ai
isomorphe Untergruppe von B (i = 1, 2).
Wie sofort ersichtlich ist, gilt sogar:
1. A∗i ist Normalteiler von B (i = 1, 2).

2. B = A∗1 A∗2 := {a1 a2 |a1 ∈ A∗1 , a2 ∈ A∗2 }

3. A∗1 ∩ A∗2 = {e}.


Gelten die drei eben genannten Punkte für zwei Untergruppen A∗1 und A∗2
einer Gruppe B, so heißt B ebenfalls (indem man A∗i mit Ai identifiziert) das
direkte Produkt von A∗1 und A∗2 und schreibt B = A∗1 × A∗2 . Gilt statt 1. die
Bedingung 1.0 A∗1 ist eine Untergruppe von B und A∗2 ist ein Normalteiler von
B, so nennt man B das semidirekte Produkt von A∗1 mit A∗2 .

3.3 Notationsvereinbarungen für den Zauber-


würfel
Die Wirkung einzelner Manöver besteht in der Änderung der Lage gewisser
Cubies, wobei ein Eckencubie stets wieder in ein Eckencubizil einzieht, ein
Kantencubie in ein Kantencubizil und ein Flächencubie in ein Flächencubizil.

3.3.1 Notation für Operationen


Eine mögliche Operation ist eine durch ein Manöver bewirkbare Änderung der
Lage der Cubies.
Die hier verwendete Notation für Operationen ist an C. Bandelow (1981)
angelehnt und bringt nicht nur zum Ausdruck, welches Cubie in welches Cubizil
einzieht, sondern auch, wie es sich dort einrichtet. (vr, hl, . . .) soll bedeuten,
dass sich das Kantencubie aus vr so in hl niederlässt, dass seine bisherige
v-Seite in h und seine bisherige r-Seite in l liegt. Allgemeiner treffen wir zur
Notation eines beliebigen n-Zyklus, d.h. eines Wohnungsringtausches von n
Cubies, folgende Vereinbarungen:
• Nach der öffnenden runden Klammer ist der Name eines beliebigen am
Ringtausch beteiligten Cubizils zu schreiben.

• Es folgen, durch Kommata voneinander getrennt, die Namen aller an-


deren am Ringtausch beteiligten Cubizile in der durch den Ringtausch
festgelegten Reihenfolge, wobei der erste Buchstabe jeweils diejenige Sei-
te des Würfels bezeichnet, die die erste Seite“ des neu einziehenden

Cubies aufnimmt, d.h. die Cubieseite, die schon im alten Cubizil in der
dort zuerst genannten Seite lag.

15
• Automatisch gilt dann entsprechendes im Falle von Kanten-Zyklen auch
für die zweiten Buchstaben der Cubizil-Namen und im Falle von Ecken-
Zyklen für die zweiten und dritten Buchstaben, wobei hier die bereits
festgelegte Uhrzeigerkonvention wesentlich ist.

Beispiel: O → (ov, ol, oh, or)(ovl, olh, ohr, orv)

In oben beschriebenem Zyklus zieht das letzte Cubie in das an erster Stelle
der Klammer stehende Cubizil um. Allerdings kann es sich dort, je nachdem, ob
es sich um ein Kanten- oder Eckencubie handelt, auf 2 bis 3 Weisen platzieren.
Es kann seine Orientierung beibehalten oder nach links bzw. rechts verdrehen.
Um dies zu beschreiben, wird wieder C. Bandelows Notation verwendet:
Man denke sich das Cubie aus dem in der Zyklusklammer an letzter Stelle
stehenden Cubizil im ersten Cubizil zunächst so platziert, als wäre obenste-
hende Konvention - wie es bei einer Zyklenschreibweise naheliegt - auch für
die Beziehung zwischen dem letzten und dem ersten Zykluselement gültig. Ist
es dann, um der gegebenen Operation zu entsprechen, noch zu verdrehen, so
schreiben wir im Falle eines nach links zu drehenden Eckencubies das Vorzei-
chen - , im Falle eines nach rechts zu drehenden Eckencubies das Vorzeichen
+ und im Falle eines umzudrehenden Kantencubies das Vorzeichen + vor das
betroffene erste Cubizil, d.h. unmittelbar nach der öffnenden Klammer.

Beispiel: HLOL0 O0 H 0 (6) → (−ovl, orv)(+olh, ohr)(ov, ho, ol) Dieses Manö-
ver bewirkt u.a. die Operation (−ovl, orv), bei der das Eckencubie orv nach
links verdreht in das Cubizil ovl wandert.

16
Kapitel 4

Eigenschaften des Zauberwürfels

4.1 Positionen, Operationen und Manöver


4.1.1 Beschreibung der R-Positionen
Im folgenden werden vorerst ausschließlich Randscheibenzüge betrachtet. Die
6 Flächencubies verlassen ihre Plätze nicht und eine R-Position wird über
die Lage der 8 Kanten- und 12 Eckencubies definiert (deren Cubizile man
sich jeweils durchnummeriert vorstellen kann). Hierbei wird der Platz (nicht
die Orientierung) der Eckencubies durch eine Permutation ρ der S8 sowie die
Verteilung der Kantencubies durch eine Permutation σ der S12 beschrieben.
Da sich auch die Orientierung der Cubies in einem Manöver ändern kann,
muss diese ebenfalls erfasst werden. Dazu markieren wir nach einem von C.
Bandelow (1981) erdachten Prinzip an jeder der 8 Ecken bzw. jeder der 12 Kan-
ten des Würfels eine der drei bzw. zwei dort zusammentreffenden Würfelseiten
mit einem Bogen bzw. einem Strich (wie in Abb. 4.1 dargestellt). Die Markie-
rungsstriche seien nicht auf den Cubies, sondern auf einer fiktiven Würfelhülle
angebracht, d.h. sie zeichnen jeweils eine der drei bzw. zwei äußeren Cubizil-
seiten aus. Außerdem nummerieren wir die drei farbigen Seiten eines jeden
Eckencubies im Uhrzeigersinn mit 0, 1 und 2 und die beiden farbigen Seiten
eines jeden Kantencubies mit 0 und 1, wobei im Ausgangszustand des Würfels
die Nullen jeweils unter den Markierungsbögen bzw. -strichen liegen mögen.
Für eine beliebige R-Position kann die Orientierung der Ecken- bzw. Kan-
tencubies nun durch ein 8-tupel x = (x1 , . . . , x8 ) ∈ X := {0, 1, 2}8 und ein
12-tupel y = (y1 , . . . , y12 ) ∈ Y := {0, 1}12 charakterisiert werden, wobei xi bzw.
yj angibt, welche Seite des i-ten Eckencubies bzw. j-ten Kantencubies im Cu-
bizil ρ(i) bzw. σ(j) unter dem Markierungsbogen bzw. -strich liegt. Wir nennen
das Eckencubie Nr. i richtig orientiert, nach links verdreht bzw. nach rechts
verdreht, wenn xi = 0, 1 bzw. 2 ist, und das Kantencubie Nr. j richtig bzw.
falsch orientiert, wenn yj = 0 bzw. 1 ist.

17
Abbildung 4.1: Markierungen, die die Orientierung der Cubies festlegen (Quelle:
C. Bandelow, 1981, S. 44)

4.1.2 Mathematische Definition einer R-Position


Wir definieren eine R-Position als ein 4-tupel (ρ, σ, x, y) mit ρ ∈ S8 , σ ∈
S12 , x = (x1 , . . . , x8 ) ∈ {0, 1, 2}8 und y = (y1 , . . . , y12 ) ∈ {0, 1}12 . P ∗ sei die
Menge aller R-Positionen. (C. Bandelow, 1981, S. 45)

4.1.3 Mathematische Definition einer R-Operation


R-Operationen sind bestimmte bijektive Abbildungen von P ∗ in P ∗ . Eine
mögliche R-Operation ist eine R-Operation, die durch ein R-Manöver bewirkt
werden kann.
Die Menge G der möglichen R-Operationen und die Menge G∗ aller R-
Operationen sind Untergruppen der symmetrischen Gruppe über P ∗ . Wir nen-
nen G die Rubiksche Gruppe (C. Bandelow, 1981, S. 45).

Erklärung: Die symmetrische Gruppe über P ∗ ist die Menge aller bijekti-
ven Abbildungen aller R-Positionen in sich selbst. Ein Element dieser Gruppe
ordnet somit jeder R-Position eine andere R-Position zu. Ein Element aus
G∗ ordnet ebenfalls jeder R-Position eine andere R-Position zu mit der Ein-

18
schränkung, dass mit jeder R-Position das gleiche passiert: Die R-Operation
(+orv)(ov, oh) ordnet z.B. jeder R-Position eine neue R-Position zu, indem sie
das obere rechte vordere Eckencubie nach rechts dreht und die Kantencubies
aus ov und oh in einer bestimmten Weise vertauscht.

4.1.4 Die große Manövergruppe


Sei M die Menge aller Manöver. Sie wird als große Manövergruppe bezeichnet.

4.1.5 Proposition
M ist eine Gruppe.

Beweis: Das neutrale Element bildet IM , das leere Manöver“, das kei-

nen einzigen Zug enthält. Zu jedem m ∈ M gibt es, wie bereits erwähnt,
auch ein inverses Manöver m0 . Die Verknüpfung auf M ist die Hintereinander-
ausführung zweier Manöver, wobei man diese nebeneinander schreibt und alle
unmittelbar aufeinanderfolgenden Scheibenzüge mit derselben Scheibe bzw.
Bewegungszüge mit derselben Drehachse zusammenfasst bzw. kürzt.
Beispiele: R · R2 = R0 , LV R2 · R2 V 0 H = LH

4.1.6 Die kleine Manövergruppe


Die kleine Manövergruppe M ist eine Untergruppe von M und besteht aus
allen R-Manövern, d.h. aus allen m ∈ M , in denen weder Mittelscheiben- noch
Bewegungszüge, also ausschließlich Randscheibenzüge vorkommen. Somit ist
M die von V, H, R, L, O und U (mit R4 = L4 = V 4 = H 4 = O4 = U 4 = I)
erzeugte Gruppe (C. Bandelow, 1981, S. 40).

4.2 Operationen von Gruppen


4.2.1 Die Operation einer Gruppe auf einer Menge
Sei G eine Gruppe und Ω eine Menge. Unter einer Operation von G auf Ω
versteht man eine Funktion µ : G × Ω → Ω sodass ∀ω ∈ Ω, ∀g, h ∈ G gilt

µ(h, µ(g, ω)) = µ(hg, ω)

und ∀ω ∈ Ω

µ(1, ω) = ω,

19
wobei 1 das neutrale Element der Gruppe bezeichnet.
Man schreibt oft ω g statt µ(g, ω) und erhält damit für die Axiome die etwas
einfachere Notation:

(ω g )h = ω hg sowie ω 1 = ω

∀ω ∈ Ω und ∀g, h ∈ G.
Für eine Gruppe von Permutationen G auf einer Menge Ω existiert eine
sogenannte natürliche Operation µ auf Ω, die folgendermaßen definiert ist:

µ(g, ω) := g(ω)

Die Axiome für diese natürliche Operation lauten

h(g(ω)) = hg(ω), 1(ω) = ω.

(Neumann, P.; Stoy, G.; Thompson, E., 1994, S. 30)


D.Joyner (2002, S. 88) liefert eine etwas einfachere Formulierung für die Ope-
ration einer Gruppe:

Sei X eine Menge und G eine Gruppe. Wir nennen X eine G-Menge und
sagen, dass G auf X operiert, wenn die folgenden Bedingungen gelten:

1. Jedes g ∈ G erzeugt eine Funktion

φg : X → X,

2. der Identität I der Gruppe G ist die Identitätsfunktion auf X zugeordnet,

3. wenn g, h zu G gehören, dann gilt für die Komposition

φhg : X → X, dass φhg (x) = φh (φg (x)).

4.2.2 Transitive G-Mengen


Man sagt, dass Ω eine transitive G-Menge ist, oder dass G transitiv auf Ω
operiert, falls Ω 6= ∅ und ∀α, β ∈ Ω ∃g ∈ G : αg = β.

Eine G-Teilmenge einer G-Menge Ω ist eine Teilmenge Ω0 von Ω, für die
gilt: ω ∈ Ω0 ⇒ ω g ∈ Ω0 ∀g ∈ G. Eine transitive G-Teilmenge heißt Bahn
(Neumann, P.; Stoy, G.; Thompson, E., 1994, S. 50).

20
4.2.3 Darstellung einer G-Menge durch ihre Bahnen
Jede G-Menge kann eindeutig als disjunkte Vereinigung von Bahnen dargestellt
werden.
Beweis: Sei Ω eine G-Menge. Darauf wird folgende Äquivalenzrelation de-
finiert:

α ≡ β(modG) ⇔ ∃g ∈ G : αg = β.

Diese Relation ist eine Äquivalenzrelation:


α ≡ α, da α1 = α;
−1
(α ≡ β) ⇒ (β ≡ α), denn aus αg = β folgt β g = α;
((α ≡ β) und (β ≡ γ)) ⇒ (α ≡ γ), denn wenn αg = β und β h = γ, dann
gilt αhg = γ.
Für eine entsprechende Indexmenge I sei (Ωi )i∈I die Familie der Äquiva-
lenzklassen. Es gilt daher
S
Ω= Ωi ; Ωi ∩ Ωj = ∅, falls i 6= j; Ωi 6= ∅ ∀i ∈ I
i∈I

Nun ist jede Äquivalenzklasse Ωi eine transitive G-Teilmenge von Ω, denn


für ω ∈ Ωi und g ∈ G gilt ω g ≡ ω(modG). Daraus folgt ω g ∈ Ωi ; des weiteren
folgt aus α, β ∈ Ωi , dass α ≡ β(modG). ⇒ ∃g : S αg = β.
Um die Eindeutigkeit zu beweisen, sei Ω = Σj , wobei {Σj }j∈J eine Fa-
j∈J
milie paarweise disjunkter, nichtleerer, transitiver G-Teilmengen ist. Aufgrund
der Definition der Transitivität gilt, dass, wenn α, β in ein und derselben G-
Teilmenge Σj liegen, es ein g ∈ G mit αg = β gibt. Daher ist α ≡ β(modG).
Umgekehrt, falls α ≡ β(modG) und α ∈ Σj , dann gilt aufgrund der Tat-
sache, dass β = αg und Σj ein G-Teilraum ist, dass auch β in Σj liegen muss.
Daraus folgt: α ≡ β(modG) ⇔ α, β in derselben Teilmenge Σj für irgend-
ein j ∈ J liegen. Das bedeutet, die Teilmengen Σj sind genau die ≡-klassen
und die Familie {Σj }j∈J ist nichts anderes als {Ωi }i∈I (Neumann, P.; Stoy, G.;
Thompson, E., 1994, S. 51).

21
4.3 Beschreibung der Manövergruppen
4.3.1 Die kleine Manövergruppe
Definition Bezeichne nun Γ die Menge aller Cubies, die durch die kleine
Manövergruppe bewegt werden, d.h. alle Ecken- und Kantencubies. Die Teil-
menge der Eckencubies bezeichnen wir mit Γc , die Teilmenge der Kantencubies
mit Γe .

Proposition

Die kleine Manövergruppe M operiert auf Γ, da jeder Randscheibenzug eine


Permutation der Cubies aus Γ darstellt. Es handelt sich um die natürliche
Operation von M auf Γ.
M operiert intransitiv auf Γ. Sie hat zwei Bahnen, die Menge Γc der 8
Eckencubies und die Menge Γe der 12 Kantencubies (Neumann, P.; Stoy, G.;
Thompson, E., 1994, S. 243).

Beweis: Trivial. Kanten- und Eckencubies können natürlich nicht vertauscht


werden.

Die Abbildung π : M → G, die jedem R-Manöver die von ihm bewirk-


te mögliche R-Operation zuordnet, ist ein Homomorphismus von der kleinen
Manövergruppe auf die Rubiksche Gruppe: π(ma mb ) = π(ma ) · π(mb ), in Wor-
ten, das Produkt von zwei R-Manövern bewirkt die Komposition der von den
beiden R-Manövern bewirkten möglichen R-Operationen. Zwei R-Manöver ma
und mb heißen äquivalent, symbolisch ma ∼
= mb , wenn sie dieselbe R-Operation
bewirken: π(ma ) = π(mb ) (C. Bandelow, 1981, S. 45). Wir bezeichnen die Men-
ge der Äquivalenzklassen von M mit M/ ≈= {m̃i |i ∈ I}.
Mit der Abbildung M × P ∗ → P ∗ , (m, p) → m(p) := (π(m))(p) operiert
die kleine Manövergruppe auf der Menge der R-Positionen. Es gilt:

1. IM (p) = p ∀p ∈ P ∗ und

2. (ma mb )(p) = ma (mb (p)) ∀p ∈ P ∗ ; ma , mb ∈ M .

Diese Operation entspricht der natürlichen Operation von M auf P ∗ .


Genauso wie in der kleinen Manövergruppe kann man auch in der Menge
der R-Positionen eine Äquivalenzrelation definieren:
Für pa , pb ∈ P ∗ gelte pa ∼
= pb ⇔ ∃m ∈ M : pa = m(pb ). Auch hier stellen
die Äquivalenzklassen Bahnen dar.

22
Definition einer möglichen R-Position
Eine R-Position p ∈ P ∗ heißt möglich, wenn sie in derselben Bahn wie der
Ausgangszustand IP = (1, 1, 0, 0) liegt, wenn also ein m ∈ M mit p = m(IP )
existiert. (Hier steht 1 für IS8 undIS12 , 0 für das 8- bzw. 12-tupel (0, . . . , 0).) P
sei die Menge aller möglichen R-Positionen (C. Bandelow, 1981, S. 46).

4.3.2 Die große Manövergruppe


Erinnerung Sie beinhaltet nicht nur Randscheibenzüge, sondern auch Mittel-
scheiben- und Bewegungszüge.
Um hier alle möglichen Manipulationen des Würfels zu erfassen, muss man
in den Begriff der Position die Lage des Würfels auf dem Tisch“ mit einbe-

ziehen. Diese beschreiben wir durch ein Element τ ∈ S6 , eine Permutation der
6 Flächencubies.

Definition einer Position


Eine Position ist ein Quintupel (ρ, σ, τ, x, y) mit ρ ∈ S8 , σ ∈ S12 , τ ∈ S6 , x ∈
{0, 1, 2}8 und y ∈ {0, 1}12 . P ∗ sei die Menge aller Positionen (C. Bandelow,
1981, S. 46).

Proposition
Von den 720 (=6!) Permutationen der 6 Flächencubies treten nur 24 bei mögli-
chen Positionen auf.
Beweis: Die Lage des Würfels wird durch die Wahl einer der 6 Seiten als obere
Seite und einer der dazu 4 senkrechten Seiten als vordere Seite festgelegt. Dies
ergibt 6 · 4 = 24 Möglichkeiten.
(Diese 24 Lagen entsprechen den Elementen der Drehgruppe D des Würfels.)
Alle weiteren Begriffe für die große Manövergruppe werden analog zur kleinen
Manövergruppe definiert.

23
4.3.3 Beschreibung der möglichen Positionen und Ope-
rationen (nach C. Bandelow, 1981, S. 39 ff.)
Bemerkung Nach Satz 3.2.4 wird die alternierende Gruppe An für n ≥ 3 von
den 3-Zyklen der Gestalt (1, i, j) erzeugt. Da (1, i, j) = (1, 2, j)(1, 2, i)(1, 2, j)2
genügen sogar die 3-Zyklen der Gestalt (1, 2, i).

Hauptsatz zum Zauberwürfel


Eine R-Position (ρ, σ, x, y) ist genau dann möglich, wenn die folgenden drei
Bedingungen erfüllt sind:
(a) sgn(ρ) = sgn(σ),
(b) x1 + x2 + . . . + x8 ≡ 0 mod 3,
(c) y1 + y2 + . . . + y12 ≡ 0 mod 2.

Beweis: (1) Wir zeigen, dass die drei Bedingungen für jede mögliche R-
Position gelten, also notwendig sind:
Erstens gelten sie für den Ausgangszustand IP mit ρ = IS8 , σ = IS12 (und
damit sgn(ρ) = sgn(σ) = 1) sowie x1 = x2 = . . . = x8 = y1 = y2 = . . . = y12 =
0. Zweitens bleiben die drei Bedingungen bei jedem der 6 Randscheibenzüge
O, U , R, L, V und H erhalten, denn:
Jedes dieser Manöver bewirkt gleichzeitig einen Ecken-4-Zyklus und einen
Kanten-4-Zyklus und damit jeweils eine ungerade Permutation der Ecken- und
Kantencubies.
Die Komponenten von x ändern sich bei O oder U überhaupt nicht, während
sich bei R, L, V und H jeweils zwei Komponenten um 1 mod 3 erhöhen und
zwei Komponenten um 1 mod 3 erniedrigen. (s. Abbildung 4.1)
Des weiteren ändern sich bei jedem der 6 Züge genau vier Komponenten
von y um 1.
(2) z.z.: Die drei Bedingungen sind hinreichend. Dazu zeigen wir, dass jede
R-Position p = (ρ, σ, x, y), die die drei Bedingungen erfüllt, durch ein geeigne-
tes Manöver m in den Ausgangszustand überführt werden kann, d.h. zu jedem
solchen p ∃m ∈ M mit m(p) = IP :
O.B.d.A. sei sgn(ρ) = sgn(σ) = 1 (Gilt sgn(ρ) = sgn(σ) = −1, so gilt
für pa := (ρa , σa , xa , ya ) := O(p) die Gleichung sgn(ρ) = sgn(σ) = 1, und aus
ma ∈ M mit ma (pa ) = IP folgt (ma ◦ O)(p) = ma (O(p)) = IP ).
Gelingt es uns nun jeweils ein Manöver für die Ecken-3-Zyklen (X1 , X2 , Xi )
(i = 3, . . . , 6) zu finden, so haben wir gezeigt, dass jede gerade Permutation
der Ecken (und nach Voraussetzung enthält unsere betrachtete R-Position eine
solche gerade Permutation ρ ∈ S8 ) mit Hilfe dieser Manöver in den Ausgangs-
zustand IS8 übergeführt werden kann, da nach obiger Bemerkung die sechs
3-Zyklen (X1 , X2 , X3 ), (X1 , X2 , X4 ), . . . , (X1 , X2 , X8 ) die Gruppe aller geraden
Permutationen von {X1 , . . . , X8 } erzeugen.

24
Ein Manöver m, das den 3-Zyklus (X1 , X2 , X3 ) für die Ecken X1 = ovl,
X2 = orv, X3 = ohr bewirkt und die übrigen Ecken (hier mit X4 , . . . , X8 be-
zeichnet) und alle Kanten festhält, ist m = RH 0 RV 2 R0 HRV 2 R2 (9) (s. nach-
folgende Abbildung 4.2).

Abbildung 4.2: (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 23 )

Nun gibt es aber zu jedem i ∈ {4, . . . , 8} ein höchstens zweizügiges Manöver


ki ∈ M , das das Eckencubie aus Xi mit irgendeiner Orientierung nach X3
bringt, ohne die Cubies in X1 und X2 zu verändern. Das Manöver ki mki0 be-
wirkt dann genau den Zyklus (X1 , X2 , Xi ). Daher gibt es ein Manöver mE ∈ M ,
das alle acht Eckencubies in ihr Heimatcubizil bringt.
Analog gibt es einen Kanten-3-Zyklus, von dem ausgehend man ein Manöver
mK finden kann, das alle 12 Kantencubies auf ihren Platz bringt. Ein Beispiel
für einen solchen Zyklus ist das Manöver m = R2 MU0 R2 MU (4) → (vr, hl, rh).
In der neuen Position mK (mE (p)) (= mE (mK (p))) sind bereits alle Ecken-
und Kantencubies im richtigen Cubizil. Da bei allen Randscheibenzügen und
damit bei allen Manövern der kleinen Manövergruppe die Bedingungen (b)
und (c) erhalten bleiben, gelten diese nun auch für die neue Position. D.h. um
den Würfel in den geordneten Zustand zurückzuführen ist eine gerade Anzahl
von Kantencubies umzuorientieren, und die Anzahl der nach rechts zu drehen-
den Eckencubies ist gleich der Anzahl der nach links zu drehenden Eckencubies
mod 3. Wir lösen dieses Problem unter Verwendung zweier Manöver, die un-
seren Ansprüchen Folge leisten. Das eine, LV R0 V 0 L0 O2 RORO0 R2 O2 R(13) →
(+ov)(+or), ändert die Orientierung zweier Kantencubies und erhält damit
Bedingung (b), das andere, R(O2 RV 0 U 2 V R0 )2 R0 (13) → (+orv)(−ovl) dreht
zwei Ecken in entgegengesetzte Richtungen, wie es Bedingung (c) erfordert.
Diese Manöver wendet man auf den von C. Bandelow (s. Abbildung 4.3)
vorgeschlagenen Wegen um den Würfel, die jeweils zwei benachbarte Ecken-
bzw. Kantencubies verbinden und jedes Ecken- bzw. Kantencubie genau einmal
erreichen, an und erreicht so stets die richtige Orientierung aller Cubies. q.e.d.

25
Abbildung 4.3: Wege um den Würfel (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 48 )

Die Anzahl der Farbmuster


Die Anzahl der möglichen R-Positionen ist

|P | = |G| = 1
12
|P ∗ | = 1
12
· 8! · 12! · 38 · 212 = 43252003274489856000

Beweis: Für die 8 Eckencubies gibt es 8!, für die 12 Kantencubies 12! An-
ordnungen. Jedes Eckencubie kann des weiteren 3 Orientierungen und jedes
Kantencubie 2 Orientierungen haben. Daher gilt für die Anzahl aller Positio-
nen

|P ∗ | = 8! · 12! · 38 · 212 .

Da für mögliche Positionen nur gerade Permutationen in Frage kommen,


wird diese Zahl auf die Hälfte reduziert. Wegen x1 + x2 + . . . + x8 = 0 mod
3 kann die Orientierung von 7 Eckencubies beliebig gewählt werden und be-
stimmt dann die Orientierung des 8. Eckencubies - die Zahl der Positionen
wird weiter auf ein Drittel verringert. Für die Kantencubies gilt analog: wegen
y1 +y2 +. . . +y12 = 0 mod 2 kann die Orientierung von 11 Kantencubies belie-
big gewählt werden und bestimmt dann die Orientierung des 12. Kantencubies,
was die Zahl der möglichen Positionen nochmals auf die Hälfte reduziert. Ins-
gesamt finden wir also eine Reduktion auf 21 · 13 · 21 = 12
1
. q.e.d.

26
Kapitel 5

Ausflug in die Manöverkunde -


Konjugation und
Kommutatoren

5.1 Konjugationen
5.1.1 Definition
Sei G eine Gruppe und b ∈ G ein festes Element. Unter der Konjugation unter
b versteht man die Abbildung ϕ : G → G: ϕ(x) = bxb−1
Wie bereits gezeigt ist ϕ ein Isomorphismus. Die Umkehrabbildung ist die
Konjugation unter b−1 (denn

ϕ(ϕ−1 (y)) = b(ϕ−1 (y))b−1 = bb−1 ybb−1 = y).

Für eine abelsche Gruppe ist jede Konjugation die identische Abbildung:
bab = abb−1 = a.
−1

Das Element bab−1 heißt das unter b zu a konjugierte Element. Zwei Ele-
mente a, a∗ einer Gruppe G heißen konjugiert, wenn es ein b ∈ G mit a∗ = bab−1
gibt. Mit dieser Bezeichnung gilt

ba = a∗ b.

Man kann damit die Konjugation unter b als Änderung von a auffassen,
die eintritt, wenn man b von einer Seite auf die andere verschiebt (M. Artin,
1998, S. 53 ff.).

5.1.2 Konjugationen als Manöver


Konjugationen sind ein hilfreiches Instrument beim Lösen des Zauberwürfels.
Als Würfelspezialist kennt man in der Regel einige Manöver auswendig, die

27
sehr spezielle Dinge tun, z.B. ein Manöver, das zwei spezielle Kantencubies
umorientiert ohne etwas anderes am Würfel zu ändern. Sei m → (+ov)(+ol)
ein solches Manöver. Hat man nun bei seinem Würfel die Situation vorliegen,
zwei andere Kantencubies umorientieren zu müssen, benötigt man z.B. die
Operation (+uv)(+uh), so wird man den Würfel einfach umdrehen und zwei
Randscheibenzüge durchführen, um schließlich die Cubies von den Cubizilen
uv und uh nach ov und ol zu bringen. Danach wird man das Manöver m
anwenden und anschließlich die vorbereitenden Randscheibenzüge sowie die
Umdrehung des Würfels wieder rückgängig machen.
Mathematisch gesehen geschieht folgendes: Bezeichnen wir das gesamte
Manöver, das wir anwenden müssen um die zu drehenden Kantencubies an
die für m vorgesehenen Plätze zu schaffen (also Würfel umdrehen und die
zwei Randscheibenzüge), mit p, so bewirkt p−1 die dazu inverse Operation, die
die Cubies, die durch m nicht tangiert wurden, wieder in ihre Heimatcubizile
zurückträgt. Das gesamte Manöver zur Umorientierung der beiden Kantencu-
bies wäre dann pmp−1 , somit das unter p zu m konjugierte Manöver.
Das Prinzip der Konjugation wurde auch im Beweis des Hauptsatzes 4.3.3
verwendet, in dem man das Manöver ki mki0 zur Erstellung des Zyklus
(X1 , X2 , Xi ) nutzte.

5.2 Kommutatoren
5.2.1 Definition
Sind x, y Elemente einer Gruppe, so heißt das Element xyx−1 y −1 , symbolisch
[x, y] ihr Kommutator.
Der Kommutator ist genau dann gleich 1, wenn die Elemente x und y
kommutieren. (xyx−1 y −1 = x(yx−1 )y −1 = x(x−1 y)y −1 = (xx−1 )(yy −1 ) = ee =
e)
Die meisten Manöver der kleinen Manövergruppe kommutieren nicht, man-
che jedoch schon, z.B. U und O, da sie auf ganz unterschiedliche Cubies wirken.
Außerdem kommutiert natürlich jedes Manöver mit sich selbst.
Wenn zwei Permutationen einer Gruppe nicht kommutieren, so ist ihr Kom-
mutator, mit Vorsicht gesprochen, eine Art Gradmesser, wie stark die Nicht-

Kommutativität“ unter ihnen ist. Wenn zwei Permutationen fast“ kommu-

tieren, ist ihr Kommutator relativ einfach; wenn sie von der Kommutativität
dagegen weit entfernt sind, ist er eher komplex.
Beispiel: Sei

a = (1, 2, 3, 4, 5, 6)(7, 8, 9)(10, 11, 12, 13, 14)

und
b = (7, 9)(15, 16, 17, 18, 19, 20).

28
Obwohl beide Permutationen eine Menge an Elementen verschieben, ist ihr
Kommutator nur“ [a, b] = (7, 9, 8). Das kommt daher, dass beide Permuta-

tionen zwar viele Objekte bewegen, jedoch nur wenige davon in gemeinsamen
Zyklen zu finden sind, in diesem Fall gerade 7,8 und 9. Die Permutation a
beinhaltet zwar den Zyklus (1, 2, 3, 4, 5, 6), diese Objekte werden aber von b
nicht weiter verschoben, sodass die inverse Operation a−1 im Kommutator die
Aktion von a auf den 6 Elementen wieder rückgängig macht.
Man kann jedoch nicht sagen, dass zwei Permutationen fast kommutativ
sind, nur weil sie wenige Objekte gemeinsam bewegen. Im nachfolgenden Bei-
spiel wird nur das Objekt 6 von zwei Permutationen bewegt, aber deren Pro-
dukt bringt alle Elemente in einen großen Zyklus zusammen:

(1, 2, 3, 4, 5, 6)(6, 7, 8, 9, 10) = (1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 10, 6)

.
Dagegen können zwei Permutationen auch dann kommutativ sein, wenn sie
beide alle Objekte gemeinsam bewegen, z.B.

[(1, 2)(3, 4)] [(1, 3)(2, 4)] = (1, 4)(2, 3) = [(1, 3)(2, 4)] [(1, 2)(3, 4)]

5.2.2 Kommutatoren als Manöver


Ein Beispiel: Erstellung des Manövers m → (+ov)(+ol).
Dazu suchen wir eine Serie von Zügen, die die oberste der 3 Schichten des
Würfels völlig unangetastet lässt, außer dass ein einziges Kantencubie umori-
entiert wird:
Wir möchten beispielsweise den ov-cubie umorientieren, aber die restlichen
Cubies an der oberen Seite des Würfels fest lassen. Dazu bringen wir die oberen
rechten und linken Cubies mit RL0 aus dem Weg. Dieses Manöver bringt jene
6 Cubies an die Rückseite des Würfels. V 2 bewegt dann den Kantencubie, den
wir umorientieren möchten, in das vu-cubizil, wobei die Seite des Cubies, die
zuvor an der Oberseite des Würfels lag, jetzt nach unten zeigt.
Wir möchten nun die Unterseite des Würfels verdrehen, aber dieses Manöver
würde auch auf einige Cubies, die ursprünglich an der Oberseite lagen, wirken,
also müssen wir diese mit LR0 erst zurück an die Oberseite bringen (die durch
eine Drehung der Unterseite nicht tangiert werden würde).
Die Oberseite des Würfels ist nun wieder korrekt, bis auf den falschen
Cubie in der ov-Position. Der richtige Cubie ist im uv-Cubizil. Um ihn um-
zuorientieren, bevor wir ihn wieder in sein Heimatcubizil schicken, verwenden
wir folgenden Trick: Wir verdrehen die Unterseite mit U 0 und verschieben so
den Cubie nach lu. Dann bringen wir die 6 linken und rechten Cubies der
Oberseite mit RL0 aus dem Weg, damit der nun folgende V -Randscheibenzug

29
sie nicht tangiert, der allerdings unseren nun endlich umorientierten Kanten-
cubie wieder in sein Heimatcubizil ov bewegt. LR0 verschiebt schließlich die 6
Kantencubies von der Hinterseite zurück zu ihrem angestammten Platz an der
Oberseite des Würfels.
Das gesamte Manöver lautet damit m = RL0 V 2 LR0 U 0 RL0 V LR0 .
Wir erhalten damit einen Würfel mit geordneter Oberschicht (bis auf den
umorientierten ov-Cubie), dessen restliche 2 Lagen aber vermutlich ziemlich
zerstört sind. Wie gelangt man nun zu dem gewünschten Ergebnis (+ov)(+ol)?
Nun, man wendet m an, um einen Cubie der Oberseite umzuorientieren, schiebt
ihn dann auf einen anderen Platz (mit O0 ), um ihn zu schützen, bevor man m0
anwendet, mit dem man einen anderen Kantencubie der Oberseite umorientiert
und den Schaden am Rest des Würfels wieder behebt. Letztendlich bringt man
mit O alle Cubies der Oberseite wieder an ihre ursprünglichen Plätze. Ergebnis:
Die Cubies in ov und ol haben ihre Orientierung geändert, und ansonsten ist
nichts passiert.
Die Gesamtabfolge an Manövern lautete damit mO0 m0 O (bzw. ausgeschrie-
ben: RL0 V 2 LR0 U 0 RL0 V LR0 O0 RL0 V 0 LR0 U RL0 V 2 LR0 O) - wie man sieht han-
delt es sich also um einen Kommutator! (Tom Davis, 2006, S. 27)

5.2.3 Satz
Seien X und Y die Randscheibenzüge zweier benachbarter Seiten des Würfels.
Der Kommutator X 0 Y 0 XY bewirkt einen 3-Zyklus auf Γe , der 3 Kantencubies
zyklisch vertauscht und die restlichen 9 Kantencubies festhält. Des weiteren
bewirkt er eine Doppeltransposition auf Γc , indem er zwei Paare von Ecken-
cubies vertauscht und die restlichen 4 Cubies nicht bewegt.
Daraus folgt, dass (X 0 Y 0 XY )2 als ein 3-Zyklus auf Γe operiert, während
die Plätze der Eckencubies sich nicht ändern (die Orientierungen allerdings
schon!!). (X 0 Y 0 XY )3 bewirkt dann wieder eine Doppeltransposition auf Γc ,
während die Kantencubies nicht bewegt werden (Neumann, P.; Stoy, G.;
Thompson, E., 1994, S. 244).

5.2.4 Beispiel: Andere Manöver für 3-Zyklen


Die Strategie, ein Manöver für einen 3-Eckenzyklus zu finden, lautet folgender-
maßen: Man sucht sich eine Abfolge von Zügen, die zwei benachbarte Eckencu-
bies an der Oberseite des Würfels vertauscht, während der Rest der Oberseite
intakt bleibt. Dann verdreht man die Oberseite um 90◦ und macht das zu-
vor verwendete Manöver rückgängig. Dadurch wird einer der zuvor getausch-
ten Eckencubies neuerlich mit einem anderen vertauscht, aber der Rest des
Würfels wird wieder in seinen Ausgangszustand gebracht. Das Endresultat
ist ein 3-Eckenzyklus, da die Permutationsstruktur folgendermaßen aussieht:
(1, 2)(2, 3) = (1, 3, 2).

30
Ein Manöver, das zwei Eckencubies der Oberseite vertauscht und den Rest
davon fest lässt ist LR0 U RU 0 L0 . Die gesamte Permutation, die den 3-Eckenzyklus
verursacht, lautet somit LR0 U RU 0 L0 OLU R0 U 0 RL0 O0 .
Man erhält einen 3-Zyklus auch als Produkt zweier Permutationen mittels
folgender Überlegung:

(ADC) = (ABCD)(ACBD) = (ABCD)(AD)(DCBA)(AD)

.
Das Permutationsprodukt bewirkt die zyklische Vertauschung von 4 Cu-
bies, die Inversion zweier dieser Cubies und die abschließende Invertierung des
4-Zyklus und der Transposition. Um das dazu nötige Manöver zu beschreiben,
verwenden wir der Einfachheit halber auch Mittelscheibenzüge.
ML verursacht (ov, vu, uh, ho). O2 vertauscht danach ov und oh, und ML0
produziert den Zyklus (ov, ho, uh, vu). Ein weiterer Zug O2 bringt alles andere
an seine ursprüngliche Position zurück. Das Produkt ergibt

(ov, vu, uh, ho)(ov, oh)(ov, ho, uh, vu)(ov, oh)

= (ov, vu, uh, ho)(ov, hu, uv, ho) = (ov, oh, uh)
und das gesamte dazu nötige Manöver lautet nun ML O2 ML0 O2 . Dies ist ein
Kommutator, da (O2 )0 = O2 (Tom Davis, 2006, S. 29).

5.2.5 Satz
Sei G die Rubiksche Gruppe. Die Kommutatorgruppe K(G) besteht aus allen
endlichen Produkten von Kommutatoren und ist in diesem Fall die halbe“

Gruppe:

K(G) = {(ρ, σ, x, y) ∈ G| sgn(ρ) = sgn(σ) = 1}

Beweis: Ist g = [g1 , g2 ] = g1 g2 g10 g20 = (ρ, σ, x, y) ein Kommutator mit


g1 = (ρ1 , . . .) und g2 = (ρ2 , . . .), so gilt ρ = ρ1 ρ2 ρ01 ρ02 , also sgn(ρ) = 1 (da
sgn(ρ1 ) = sgn(ρ01 )). Die Bedingung sgn(ρ) = sgn(σ) = 1 gilt damit für alle
Kommutatoren, also auch für alle Produkte von Kommutatoren, d.h. für alle
g ∈ K(G).
Umgekehrt ist jedes g = (ρ, σ, x, y) ∈ G mit sgn(ρ) = sgn(σ) = 1 das
Produkt von Kommutatoren, da es für die zum Lösen des Würfels benötigten
Elementaroperationen Manöver gibt, die die Gestalt eines Kommutators der
kleinen Manövergruppe haben:
Verdrehung zweier Kantencubies:

V OU 0 L2 O2 U 2 R · O · R0 U 2 O2 L2 U O0 V 0 · O0 → (+ov)(+or)

31
Umorientierung zweier Eckencubies:

R0 U RV U V 0 · O0 · V U 0 V 0 R0 U 0 R · O(14) → (+orv)(−ovl)

Ecken-3-Zyklus:

R · HL0 H 0 · R0 · HLH 0 (8) → (ovl, orv, hro)

Kanten-3-Zyklus:

OLU R · V · R0 U 0 L0 O0 · V 0 (10) → (ov, ro, rv)

.
Konjugierte von Kommutatoren sind wieder Kommutatoren, denn

m · ma mb m0a m0b · m0 = (mma m0 )(mmb m0 )(mma m0 )0 (mmb m0 )0 .

Als Bildelement unter dem Homomorphismus π (der jedem R-Manöver


die von ihm bewirkte mögliche R-Operation zuordnet) ist schließlich die von
einem Produkt von Kommutatoren in M bewirkte Operation ein Produkt von
Kommutatoren in G. q.e.d. (C. Bandelow, 1981, S. 54)

32
Kapitel 6

Weitere Begriffe und Resultate


aus der Gruppentheorie

6.1 Homomorphismen, Nebenklassen, Faktor-


gruppen
Wir folgen in 6.1.1 bis 6.1.10 im Wesentlichen A. Beutelspacher (2001, Kapitel
9).

6.1.1 Kern und Bild


Sei f : G → H ein Homomorphismus der Gruppe G in die Gruppe H und e
das neutrale Element von H. Der Kern von f ist definiert als

Kern(f )={g ∈ G|f (g) = e}.

Das Bild von f besteht aus allen Bildern der Elemente von G:

Bild(f )={h ∈ H| es gibt g ∈ G mit f (g) = h} = {f (g)|g ∈ G}.

6.1.2 Satz
Sei f : G → H ein Homomorphismus von Gruppen. Dann ist Kern(f ) ein
Normalteiler von G.
Beweis: (1) Kern(f ) ist eine Untergruppe von G, da die drei Bedingun-
gen des Untergruppenkriterium erfüllt sind: (a) f (eG ) = eH , denn für a ∈ G
beliebig gilt f (a) = f (eG · a) = f (eG ) · f (a) ⇒ f (eG ) = eH .
(b) Wenn g ∈ Kern(f ) ⇒ g −1 ∈ Kern(f ), da aus f (g) = e und e = f (e) =
f (g · g −1 ) = f (g) · f (g −1 ) = e · f (g −1 ) = f (g −1 ) folgt f (g −1 ) = e und damit
g −1 ∈ Kern(f ).

33
(c) Wenn g, h ∈ Kern(f ), so gilt f (g) = e und f (h) = e und f (gh) =
f (g) · f (h) = e · e = e ⇒ gh ∈ Kern(f ).
Des weiteren gilt ∀g ∈ G dass f (g −1 ) = (f (g))−1 , denn e = f (e) = f (g ·
g ) = f (g) · f (g −1 ) ⇒ (f (g))−1 = f (g −1 ).
−1

Sei nun h ∈ Kern(f ), also f (h) = e, und g ∈ G beliebig. Dann ist

f (g −1 hg) = f (g −1 )f (h)f (g) = f (g −1 )ef (g) = f (g −1 )f (g) = f (g)−1 f (g) = e.

Damit gilt g −1 hg ∈ Kern(f ) und dieser ist tatsächlich ein Normalteiler von
G.

6.1.3 Definition einer Nebenklasse


Ist U eine Untergruppe von G und g ∈ G, so nennt man die Menge

gU = {gu|u ∈ U }

eine Nebenklasse von G nach U .

Bemerkung
Um die Notation möglichst einfach zu halten, wollen wir in Zukunft die kleine
Manövergruppe M mit M/ ≈ identifizieren. Das heißt, zwei Manöver sind ge-
nau dann verschieden, wenn sie verschiedene Operationen bewirken. Da die
Menge der möglichen Operationen isomorph zur Menge der möglichen R-
Positionen ist (man denke sich jede Operation auf den geordneten Zustand
angewandt), ist von nun an für uns auch M isomorph zur Rubikschen Gruppe
G und kann daher mit ihr identifiziert werden.

Beispiel
Sei M die Rubiksche Gruppe und H = {1, U, U 2 , U 3 } die Untergruppe von
Zügen der unteren Randscheibe. Sei g ∈ M ein Manöver. Die Menge gH =
{g, gU, gU 2 , gU 3 } ist die Menge der Züge, die denselben Effekt wie g haben,
außer dass eventuell die untere Randscheibe zusätzlich am Ende bewegt wurde.
Sie wird eine linke Nebenklasse von H genannt.
Für die rechte Nebenklasse von H(= Hg = {g, U g, U 2 g, U 3 g}) gilt die
analoge Definition (D. Joyner, 2002, S. 92).

34
6.1.4 Satz über Nebenklassen
Sei U eine Untergruppe der Gruppe G. Es gilt
(a) gU = hU ⇔ h−1 g ∈ U .
(b) Je zwei verschiedene Nebenklassen von U sind disjunkt.
(c) Die Abbildung f : U → gU mit f (u) = gu ist eine Bijektion.
Beweis: (a) Es gilt

gU = hU ⇒ g = ge ∈ hU ⇒ g = hu für ein
u ∈ U ⇒ h−1 g = u ∈ U (⇔ gh−1 = (h−1 g)−1 ∈ U ).

Umgekehrt folgt aus u := h−1 g ∈ U dass g = hu ∈ hU , also gU ⊆ hU . Es


folgt auch , dass h = gu−1 ∈ gU , also hU ⊆ gU , und somit gU = hU .
(b) Sei x ∈ gU ∩ hU . Dann ∃u1 , u2 ∈ U : gu1 = x = hu2 . ⇒ h−1 g =
u2 u−1
1 ∈ U . Daher gilt nach (a) gU = hU .
(c) Trivial.

6.1.5 Definition
Sei G eine endliche Gruppe und U eine Untergruppe von G. Wir nennen die
Anzahl der Nebenklassen von G nach U den Index von U in G, symbolisch
[G : U ].

6.1.6 Satz von Lagrange


Sei G eine endliche Gruppe und U eine Untergruppe von G. Dann gilt

|G| = |U | · [G : U ].

Beweis: Je zwei Nebenklassen sind disjunkt. Da jedes Gruppenelement zu


einer Nebenklasse gehört, ist die Menge der Nebenklassen eine Partition von
G. Da es eine bijektive Abbildung von U nach gU (g ∈ G) gibt, haben je
zwei Nebenklassen die gleiche Mächtigkeit, nämlich |U | (da U = eU selbst eine
Nebenklasse ist!). Damit folgt:

|G| = Anzahl der Nebenklassen · Anzahl der Elemente pro


Nebenklasse=[G : U ] · |U |. q.e.d.

Bemerkung: Aus dem Satz folgt, dass die Ordnung einer jeden Untergruppe
die Gruppenordnung teilen muss.

6.1.7 Definition
Sei N ein Normalteiler von G. Dann heißt G/N = {gN |g ∈ G} die Faktor-
gruppe von G nach N .

35
6.1.8 Satz über die Faktorgruppe
Sei N ein Normalteiler der Gruppe G. Dann ist G/N eine Gruppe mit der
Verknüpfung (gN ) · (hN ) := ghN .
Beweis: Die Verknüpfung ist wohldefiniert, denn: Seien g1 , g2 , h1 , h2 ∈ G
mit g1 N = g2 N und h1 N = h2 N . Zu zeigen ist, dass g1 h1 N = g2 h2 N .
Wegen g1 N = g2 N ist g1−1 g2 = n1 ∈ N . Ebenso ist n2 = h−1
1 h2 ∈ N . Daraus
folgt:
g1 h1 = g2 n−1 −1 −1
1 h2 n2 = g2 h2 n3 n2 mit n3 ∈ N .
Dies gilt, da N ein Normalteiler ist und damit ∀g ∈ G, ∀n ∈ N : ng = gni
mit einem gewissen ni aus N . So unterscheiden sich g1 h1 und g2 h2 nur um
n3 n−1
2 ∈ N . Damit ist g1 h1 N = g2 h2 N und die Multiplikation ist auf G/N
wohldefiniert.
Die restlichen Gruppeneigenschaften ergeben sich trivialerweise.
q.e.d.

6.1.9 Korollar
Sei f : G → H ein Homomorphismus von Gruppen. Dann ist G/Kern(f ) eine
Gruppe.

6.1.10 Homomorphiesatz für Gruppen


Sei f : G → H ein Homomorphismus der Gruppe G in die Gruppe H. Dann
gilt

G/Kern(f ) ∼
= Bild(f ).
Beweis: Sei N := Kern(f ). Wir definieren die Abbildung ϕ : G/N →
Bild(f ) so naheliegend, wie nur möglich, als

ϕ(gN ) := f (g).

ϕ ist wohldefiniert: zz. gN = hN ⇔ f (g) = f (h):


gN = hN ⇔ gh−1 ∈ N (= Kern(f ))⇔ f (gh−1 ) = e ⇔ e = f (gh−1 ) =
f (g)f (h−1 ) = f (g)f (h)−1 ⇔ f (g) = f (h)
ϕ ist ein Homomorphismus: Seien gN und hN zwei beliebige Nebenklassen.
Dann gilt:
ϕ(gN · hN ) = ϕ(ghN ) = f (gh) = f (g) · f (h) = ϕ(gN ) · ϕ(hN ).
ϕ ist surjektiv: folgt aus der Definition
ϕ ist injektiv: Seien gN und hN Nebenklassen. Dann folgt:
ϕ(gN ) = ϕ(hN ) ⇔ f (g) = f (h) ⇔ f (gh−1 ) = f (g)f (h)−1 = e ⇔ gh−1 ∈
Kern(f )(= N ) ⇔ gN = hN .
q.e.d.

36
6.1.11 Der G-Morphismus
Seien Ω und Ω0 zwei G-Mengen. Unter einem G-Morphismus versteht man eine
Abbildung θ : Ω → Ω0 für die gilt θ(ω g ) = (θ(ω))g ∀ω ∈ Ω, ∀g ∈ G (Neumann,
P.; Stoy, G.; Thompson, E., 1994, S. 74).

6.1.12 Die Kongruenz


Die Äquivalenzrelation ρ auf der G-Menge Ω heißt G-invariant (oder invariant),
falls

α ≡ β (mod ρ) ⇒ αg ≡ β g (mod ρ) für jedes g ∈ G.

Eine invariante Äquivalenzrelation heißt Kongruenz auf Ω.


Als disjunkte Vereinigung der Äquivalenzklassen Γi ist ρ eine Partition von
Ω. Die Kongruenzbedingung besagt, dass, wenn α, β in derselben Äquivalenz-
klasse Γi sind, für jedes g ∈ G αg und β g in derselben Äquivalenzklasse Γj
sind. Das bedeutet Γgi = Γj . Folglich permutieren die Elemente von G die
Äquivalenzklassen untereinander. Die Menge {Γi |i ∈ I} von Kongruenzklas-
sen heißt Quotientenraum (oder Faktorraum) Ω/ρ. Schreibt man ρ(ω) für die
Äquivalenzklasse, die ω enthält, dann ist die Operation von G auf Ω/ρ durch
die Regel ρ(ω)g = ρ(ω g ) gegeben. Das zeigt, dass die Abbildung ω → ρ(ω) ein
G-Morphismus von Ω nach Ω/ρ ist (Neumann, P.; Stoy, G.; Thompson, E.,
1994, S. 74).

6.1.13 Definition
Sei Ω eine transitive G-Menge, ρ eine Kongruenz auf Ω. Da die Kongruenz-
klassen untereinander transitiv durch die Operation der Elemente von G per-
mutiert werden, müssen sie alle dieselbe Größe haben. Man spricht von einer
nicht-trivialen Kongruenz, falls die Klassen mehr als ein Element haben (d.h.
falls ρ nicht die Identität ist), und von einer ordentlichen Kongruenz, falls es
mehr als eine Klasse gibt (d.h. falls ρ 6= Ω2 ).
Die G-Menge Ω heißt primitiv (oder man sagt, dass G primitiv auf Ω ope-
riert), wenn sie transitiv und nicht-trivial ist und es keine nicht-triviale ordent-
liche Kongruenz auf Ω gibt (Neumann, P.; Stoy, G.; Thompson, E., 1994, S.
79).

37
6.2 Zyklische Gruppen
6.2.1 Definition
Das Erzeugnis der Elemente g1 , g2 , . . . einer Gruppe G, symbolisch hg1 , g2 , . . .i
ist der Durchschnitt aller Untergruppen von G, die g1 , g2 , . . . enthalten:
T
hg1 , g2 , . . .i = {U |U Untergruppe, die g1 , g2 , . . . enthält}.

hg1 , g2 , . . .i besteht aus allen Produkten der Elemente g1 , g2 , . . . und ihrer


Inversen.
Die von einem Element g ∈ G erzeugte Untergruppe hgi von G besteht aus
allen Potenzen von g:

hgi = {g z |z ∈ Z}.
hgi heißt die von g erzeugte zyklische Untergruppe von G. Eine Gruppe
heißt zyklisch, wenn sie von einem Element erzeugt ist.
Eine additiv geschriebene Gruppe (G, +) ist zyklisch, wenn es ein Element
g ∈ G gibt, derart, dass G gleich der Menge der (ganzzahligen) Vielfachen von
g ist:

G = hgi = {zg|z ∈ Z}.

Beispiel: (Zn , +) ist eine zyklische Gruppe der Ordnung n. Sie wird von
dem Element 1 erzeugt.
Die Ordnung eines Elements g ∈ G ist die Ordnung der von g erzeugten
Untergruppe von G (Beutelspacher, 2001, S. 235 ff.).

6.2.2 Satz
Sei g ein Element einer Gruppe G. Dann ist die Ordnung von g unendlich,
oder die Ordnung ist die kleinste positive ganze Zahl k mit g k = e.
Beweis: Sei die Ordnung von hgi endlich und m die Anzahl der Elemente
von hgi. Weiters sei k die kleinste positive ganze Zahl mit g k = e. zz.: k = m
(1) Wir zeigen: k ≤ m. Das folgt daraus, dass die Elemente

e = g 0 , g 1 , g 2 , . . . , g k−1

verschieden sind (wäre g i = g j mit 0 ≤ i < j < k ⇒ g j−i = g j (g i )−1 = e mit


j − i < k, Widerspruch).
Also hat hgi mindestens k verschiedene Elemente ⇒ k ≤ m.
(2) Wir zeigen: m ≤ k. Das folgt daraus, dass G0 := {g 0 , g 1 , g 2 , . . . , g k−1 }
eine Untergruppe bildet:
Zur Überprüfung wenden wir das Untergruppenkriterium an.

38
• G0 6= ∅.

• Das Inverse eines Elements g i ∈ G0 ist g k−i , denn g i g k−i = g k = e. Aus


0 < k − i < k folgt g k−i ∈ G0 .

• Seien g i , g j ∈ G0 . Zu zeigen: g i g j = g i+j ∈ G0 . Dies ist klar, wenn i+j < k.


0 0
Wenn i + j ≥ k ⇒ i + j = k + i0 mit 0 ≤ i0 < k ⇒ g i+j = g k+i = g k g i =
0 0
eg i = g i ∈ G0 .

G0 ist also eine Untergruppe von G, die g enthält. Damit enthält G0 auch
hgi, und die Anzahl m der Elemente von hgi ist höchsten so groß wie die Anzahl
k der Elemente von G0 . q.e.d. (Beutelspacher, 2001, S. 236 ff.)

6.2.3 Korollar
Wenn G eine endliche zyklische Gruppe der Ordnung m ist, dann gilt

G = {g 0 , g 1 , g 2 , . . . , g m−1 } = {e, g, g 2 , . . . , g m−1 }

für jedes g ∈ G, das G erzeugt. (Beutelspacher, 2001, S. 237)

6.2.4 Satz über die Untergruppen einer zyklischen


Gruppe
Sei G eine zyklische Gruppe der Ordnung n. Ist k ein Teiler von n, so hat G
eine Untergruppe der Ordnung k.
Beweis: Sei G = hgi. Da k|n ⇒ ∃m ∈ N mit km = n.
Wir zeigen: h := g m hat Ordnung k. Aus hk = (g m )k = g mk = g n = e folgt,
dass die Ordnung von h höchstens k ist. Wäre die Ordnung k 0 von h kleiner
0 0 0
als k, so wäre aber auch g mk = (g m )k = hk = e mit mk 0 < mk = n. Damit
hätte g eine Ordnung < n, Widerspruch.
Daher hat die Untergruppe hhi von G Ordnung k. q.e.d. (Beutelspacher,
2001, S. 237 ff.)

6.2.5 Satz
Jede zyklische Gruppe ist isomorph zu Z oder zu Zn .
Beweis: Sei G = hgi eine zyklische Gruppe.
1. Fall: hgi ist unendlich. Dann sind die Elemente g z für z ∈ Z alle verschie-
den und durchlaufen ganz G. ⇒ f : G → Z, f (g z ) := z ist ein Isomorphismus
von G in (Z, +).
2. Fall: hgi ist endlich. Sei n die Ordnung von hgi. Die Abbildung f : G →
Zn , f (g i ) := i ist ein Isomorphismus. q.e.d. (Beutelspacher, 2001, S. 238)

39
6.2.6 Definition des Kranzproduktes
Seien G und H endliche Permutationsgruppen auf den Mengen Γ und ∆.
Das Kranzprodukt G wr H ist die Gruppe von Permutationen t der Menge
Γ × ∆ der Form:
t : (γ, δ) → (gδ (γ), h(δ)), wobei gδ ∈ G und h ∈ H. t wird daher durch ein
Element h ∈ H und eine Funktion ∆ → G bestimmt (Neumann, P.; Stoy, G.;
Thompson, E., 1994, S. 96).
Eine genauere Erklärung bietet die Definition von J.A.Eidswick (1986, S.
159):
Seien G und H Permutationsgruppen, die auf Γ = {1, . . . , n} und ∆ =
{1, . . . , r} operieren. Das Kranzprodukt H wr G ist eine Untergruppe der sym-
metrischen Gruppe Sym(Γ × ∆), die durch Permutationen der folgenden zwei
Arten erzeugt wird:

π(g) : (i, j) → (g(i), j)

für g ∈ G und

δ(h1 , . . . , hn ) : (i, j) → (i, hi (j))

für h1 , . . . , hn ∈ H.
Diese Definition kann man folgendermaßen visualisieren: Angenommen n
Stöße von Spielkarten besetzen die Positionen 1, . . . , n und angenommen jeder
Stoß enthält r Karten, die die Level 1, . . . , r besetzen. Dann permutiert π(g) die
Kartenstöße der Permutation g entsprechend, während es die Reihenfolge der
Spielkarten innerhalb eines Stoßes beibehält, und δ(h1 , . . . , hn ) durchmischt die
einzelnen Kartenstöße in Positionen 1, . . . , n den zuständigen Permutationen
h1 , . . . , hn entsprechend, während es die Positionen der Stöße festhält.
Wir verwenden in weiterer Folge die Notation der 2. Definition (H wr G).
D. Joyner (2002) weist darauf hin, dass Kranzprodukte Verallgemeinerungen
von semidirekten Produkten sind. Man könnte das Kranzprodukt (H wr G)
auch als das semidirekte Produkt (symbolisch o) (G o H r ) anschreiben.
In unseren Anwendungen wird H zyklisch und damit isomorph zu Zr für
ein r > 0 sein. Die auf dieser Gruppe definierte Verknüpfung ist dann additiv.

40
Kapitel 7

Die Rubiksche Gruppe

7.1 Ein Zugang über die kleine Manövergruppe


M
Die Inhalte dieses Abschnitts wurden in Anlehnung an P. Neumann, G. Stoy
und E. Thompson (1994, S. 243 ff.) zusammengestellt.

7.1.1 Definition
Die Gruppe aller Permutationen von Γ, die die Ecken- und Kantencubies je-
weils untereinander permutieren, ist das direkte Produkt der symmetrischen
Gruppe über Γc und über Γe . Wir können sie daher, um die Notation einfach
zu halten, mit S8 × S12 identifizieren. Sei MP die Untergruppe von Permu-
tationen von Γ, die von Elementen der kleinen Manövergruppe M induziert
werden. Dann gilt MP ⊆ S8 × S12 .
Wie wir bereits wissen beinhaltet M nur Permutationen ρ ∈ S8 , σ ∈ S12 :
sgn(ρ) = sgn(σ). Daraus folgt: MP = (S8 × S12 ) ∩ A20 . Das direkte Produkt
besagt, dass man jede Permutation der Ecken mit jeder Permutation der Kan-
ten kombinieren kann, und der Durchschnitt mit allen geraden Permutationen
der insgesamt 20 Ecken- und Kantencubies stellt sicher, dass die gesamte aus
ρ und σ bestehtende Permutation gerade ist, d.h. dass sgn(ρ) = sgn(σ). (Hier
wird S8 × S12 als Teilmenge der S20 aufgefasst. Es ist die Teilmenge aller Per-
mutationen der 20 Cubies, die Ecken- bzw. Kantencubies separat voneinander
permutieren.)
Die Ordnung von MP beträgt 12 · 8! · 12!.
Erklärung: Eine Permutation aus MP ist genau dann gerade, wenn ρ und
σ entweder beide gerade oder beide ungerade sind. Die Anzahl der Permuta-
tionen, bei denen ρ und σ gerade sind, beträgt |A8 | · |A12 | = 21 · 8! · 12 · 12!.
Die Anzahl der Permutationen, bei denen ρ und σ ungerade sind, beträgt
|S8 \A8 |·|S12 \A12 | = 21 ·8!· 12 ·12!. Daraus folgt |MP | = 12 ·8!· 21 ·12!+ 21 ·8!· 12 ·12! =

41
1
2
· 8! · 12!.

Bemerkung
Der Kern der Operation von M auf Γ ist die Gruppe N , bestehend aus allen
Manövern, die jeden Cubie in seinem Heimatcubizil belassen und nur eventuell
seine Orientierung ändern.

7.1.2 Proposition
N ist Normalteiler von M und MP ∼
= M/N .

Erklärung: Für jedes m ∈ M , n ∈ N gilt mnm−1 ∈ N , denn, wenn ich ein


beliebiges Manöver m mit Permutationen ρ ∈ S8 und σ ∈ S12 anwende und
danach ein Manöver n, das die Ecken- und Kantencubies nicht weiter unterein-
ander permutiert, so macht das inverse Manöver m−1 die ersten Permutationen
wieder rückgängig und übrig bleiben nur etwaige Verdrehungen der Ecken und
Kanten, also ein Manöver aus N . Damit (und als Kern von M ohnehin!) ist N
Normalteiler von M .
Das Bild der Operation von M auf Γ besteht aus allen möglichen Permu-
tationen von Γ und entspricht damit der Gruppe MP . Nach dem Homomor-
phiesatz gilt daher MP ∼ = M/N .

7.1.3 Definition
Wir betrachten nun, als neue Referenzmenge Ω die sichtbaren Seitenflächen
aller Cubies, bis auf die zentralen Cubies, die für uns einen Bezugsrahmen
darstellen. Dabei bezeichnen wir mit Ωc die sichtbaren Flächen aller Ecken-
cubies und mit Ωe die sichtbaren Flächen aller Kantencubies. Da jeder der 12
Kantencubies je 2 sichtbare Seitenflächen und jeder der 8 Eckencubies je 3
sichtbare Seitenflächen hat, gilt |Ωc |=|Ωe |=24.
Ähnlich wie bei Γe und Γc können auch die Elemente von Ωe und Ωc nur
untereinander vertauscht werden. Daher gilt:

7.1.4 Folgerung
Die Gruppe M hat zwei Bahnen in Ω, nämlich Ωe und Ωc .

42
7.1.5 Proposition
Die Operationen von M auf Ωe und Ωc sind transitiv, aber nicht primitiv.
Erklärung:

• transitiv: Für zwei beliebige Eckenseiten a, b gibt es ein Manöver aus M ,


das (unter anderem) a dorthin bringt, wo zuvor b war, d.h. a wird durch
M auf b abgebildet.

• nicht primitiv: Die M -Menge Ωc ist zwar transitiv und nicht-trivial, aber
es gibt sehr wohl eine nicht-triviale ordentliche Kongruenz auf Ωc . Wir
betrachten dazu die Äquivalenzrelation, deren Äquivalenzklassen jeweils
aus den Seitenflächen eines bestimmten Cubies bestehen. Diese Äquiva-
lenzrelation ist eine Kongruenz, denn die 3 Seitenflächen eines Eckencu-
bies werden offensichtlich nur als 3er-Pack cubieweise vertauscht. Möchte
man eine Seitenfläche eines Eckencubies mit der eines anderen Eckencu-
bies tauschen, so muss man notgedrungen auch die anderen beiden Sei-
tenflächen des ersten Cubies mit denen des zweiten Eckencubies vertau-
schen. Ein Manöver bewirkt stets das gleiche, egal ob man sich vorstellt,
dass es auf der Menge der Seitenflächen der Cubies oder auf der Menge
der Cubies selbst operiert, nur ist der Kern der Operation von M jeweils
ein anderer. Das heißt, es spielt keine Rolle, ob man sich erst überlegt,
zu welchem Cubie die Seitenfläche gehört und dann das Manöver m an-
wendet oder ob man erst das Manöver durchführt und dann nachsieht,
auf welchem Cubie die Seitenfläche sitzt - wenn die Fläche wandert, muss
der Cubie schließlich mitwandern! Daher sind zwei zueinander äquivalen-
te Seitenflächen nach Anwendung eines beliebigen Manövers noch immer
zueinander äquivalent, was der Kongruenzbedingung entspricht. Außer-
dem entspricht dies der Tatsache, dass die Abbildung f : Ω → Γ, die jeder
Seitenfläche den Cubie zuordnet, dem sie angehört, ein M -Morphismus
ist. Dieser M -Morphismus f besteht aus zwei M -Morphismen transitiver
M -Mengen, fc : Ωc → Γc , fe : Ωe → Γe .

Für die Kantenseiten gilt die analoge Erklärung.

7.1.6 Die illegale“ Würfelgruppe



Sei Q die Gruppe aller (möglichen und unmöglichen) Manöver, die man durch-
führen kann, wenn man den Zauberwürfel einfach in seine Bestandteile zerlegt
und irgendwie wieder zusammensetzt(wobei zwei Manöver als ident angesehen
werden, wenn sie dieselbe Operation bewirken).
Offensichtlich gilt M ⊂ Q und die Anzahl der Elemente von Q entspricht
der Anzahl aller R-Positionen. (Analog zur kleinen Manövergruppe identifizie-
ren wir hier Q mit Q/ ≈!)

43
7.1.7 Lemma
|Q| = 8! · 38 · 12! · 212 . Q ist das direkte Produkt Qc × Qe , wobei |Qc | = 8! · 38
und |Qe | = 12! · 212 .

Erklärung: Klarerweise operiert Qc auf Γc als die volle symmetrische Grup-


pe S8 und der Kern dieser Operation ist das 8-fache direkte Produkt von
Z3 = {0, 1, 2} (da jedes Eckencubie 3 mögliche Orientierungen hat). Wir nen-
nen diesen Kern Kc . Er ist eine abelsche Gruppe, da offensichtlich Manöver,
die nur Umorientierungen der Eckencubies bewirken, vertauschbar sind. Jedes
Element dieser Gruppe, das nicht die Identitätsabbildung ist, hat Ordnung 3,
da jedes dieser Manöver jeden Cubie nach 3-maliger Verdrehung wieder in die
Ausgangsposition übergeführt hat.
Genauso operiert Qe auf Γe als die volle symmetrische Gruppe S12 , und
der Kern Ke dieser Operation ist eine abelsche Gruppe, in der jedes Element
Ordnung 2 hat. Er entspricht einem 12-fachen direkten Produkt von Z2 =
{0, 1} (da jedes Kantencubie 2 mögliche Orientierungen hat).
Qc und Qe sind Kranzprodukte. Das kann man sich z.B. für Qc folgender-
maßen vorstellen: erst werden die Eckencubies untereinander permutiert, und
dann wirken 8 unterschiedliche Abbildungen auf die 8 Cubies, die jedem eine
Ziffer von 0 bis 2, je nach seiner Verdrehung, zuordnen.

7.1.8 Korollar
Die Struktur von Q sieht damit folgendermaßen aus:

Q∼
= (Z3 wrS8 ) × (Z2 wrS12 ).

7.1.9 Lemma
Auch die Gruppe N bestehend aus allen möglichen R-Manövern, die Cubies
nicht vertauschen, sondern nur umorientieren, kann man als direktes Produkt
derjenigen Manöver Nc , die auf die Seitenflächen der Eckencubies und derjeni-
gen Manöver Ne , die auf die Seitenflächen der Kantencubies wirken, anschrei-
ben. Es gilt somit

N = Nc × Ne

Erklärung: Wie wir bereits gesehen haben, gibt es Manöver, die nur die
Verdrehung zweier Kanten, und Manöver, die nur die Umorientierung zweier
Ecken bewirken. Da man zum Lösen des Würfels aus der Gruppe N nur diese
beiden Arten von Manövern benötigt, erzeugen sie die gesamte Gruppe N
(jedes mögliche Manöver aus N kann auch mit einer Kombination dieser beiden
Arten zusammmengestellt werden).

44
Natürlich ist Nc eine Untergruppe von Kc und Ne eine Untergruppe von
Ke .
Wie wir bereits gesehen haben, gilt folgendes

7.1.10 Korollar
Die Gruppe Nc besteht aus denjenigen Elementen von Kc , für die gilt, dass die
Summe der von ihnen bewirkten Umorientierungen der 8 Eckencubies gleich
Null mod 3 ist.

Daraus folgt: Nc hat Index 3 in Kc und |Nc | = 37 .

Erklärung: In der Menge Kc kann man jeden Eckencubie beliebig verdrehen,


in der Gruppe Nc gilt für die von den Manövern erzeugten Positionen die
Bedingung x1 + . . . + x8 = 0 mod 3. Sind die Verdrehungen von x1 , . . . , x7
schon gewählt, so ist der Wert für x8 vorgegeben. Es gibt also 3 Nebenklassen
von Nc in Kc . Die eine ist Nc selbst, und die beiden anderen bestehen aus Nc
verknüpft mit einer in Nc nicht möglichen Verdrehung des letzten Cubies“

(wobei natürlich zu Beginn frei gewählt werden kann, welches das letzte Cubie
ist).
Da |Nc | = |Kc | /[Kc : Nc ] ⇒ |Nc | = 37 .

Analog gilt

7.1.11 Korollar
Die Gruppe Ne besteht aus denjenigen Elementen von Ke , für die gilt, dass
die Summe der von ihnen bewirkten Umorientierungen der 12 Kantencubies
gleich Null mod 2 ist.

Daraus folgt: Ne hat Index 2 in Ke und |Ne | = 211 .

7.1.12 Korollar
Es gilt somit |N | = 37 · 211

Erinnern wir uns an die Gruppe MP aller Permutationen von Γ, die in M


enthalten sind. Wir wissen bereits, dass |MP | = 21 ·8!·12! und dass MP ∼
= M/N .
Die Anzahl der Elemente von M/N (mit anderen Worten der Index von N
in M ) multipliziert mit der Anzahl der Elemente von N ergibt die Anzahl der
Elemente von M . Daher gilt

45
7.1.13 Korollar

1
|M | = 2
· 8! · 37 · 12! · 211 .

Wie erwartet ist die Anzahl an möglichen R-Manövern, die unterschiedli-


che Operationen bewirken, gleich der Anzahl aller möglichen R-Positionen des
Zauberwürfels.
Versteht man M als Untergruppe von Q, so sieht man (wenn man die
Ordnungen beider Gruppen vergleicht), dass [Q : M ] = 12.
Das heißt: Wenn man den Würfel zerlegt und zufällig wieder zusammen-
setzt, so ist die Chance, ihn aus dieser Position auf erlaubtem“ Wege lösen

zu können, gleich 1:12.

7.2 Die Struktur der Rubikschen Gruppe


7.2.1 Rechengesetze und Untergruppen
Zwischen den Äquivalenzklassen in M und der Rubikschen Gruppe G be-
steht,wie bereits erwähnt, der Isomorphismus, der jeder Klasse von R-Manövern
die von ihnen bewirkte Operation zuordnet.
Genauso besteht zwischen G und der Menge P aller möglichen R-Positionen
die natürliche Bijektion G 3 g → g(IP ) ∈ P . Daher kann man jedes Gruppen-
element g mit der Position g(IP ) = (ρ, σ, x, y) ∈ P identifizieren.
Dabei befindet sich das Eckencubie Nr. i im Cubizil ρ(i) und besitzt die
Orientierungskoordinate xi = x(i) (i = 1, . . . , 8). Nach Anwenden eines wei-
teren Gruppenelements g ∗ = (ρ∗ , σ ∗ , x∗ , y ∗ ) ∈ G gelangt das Eckencubie Nr.
i in das Cubizil ρ∗ (ρ(i)) und bekommt die Orientierungskoordinate x(i) +
x∗ (ρ(i)) mod 3. Analoges gilt für die Kantencubies.
Definieren wir die Addition in X = {0, 1, 2}8 und Y = {0, 1}12 komponen-
tenweise mod 3 bzw. 2, so erhalten wir für das Produkt zweier Elemente der
Rubikschen Gruppe G:

(ρ, σ, x, y)(ρ∗ , σ ∗ , x∗ , y ∗ ) = (ρρ∗ , σσ ∗ , x + ρx∗ , y + σy ∗ ),

wobei wir hier x und y wie Permutationen behandeln und dementsprechend


von links nach rechts multiplizieren, sofern sie nicht, wie oben, auf ein konkretes
Cubie angewandt werden.
Weiters definieren wir folgende zwei Teilmengen von G:

G1 := {g = (ρ, σ, x, y) ∈ G|x = 0, y = 0},


G2 := {g = (ρ, σ, x, y) ∈ G|ρ = 1, σ = 1},

46
wobei 0 für das 8- bzw. 12-tupel (0,. . . ., 0) und 1 für IS8 bzw. IS12 steht.
G1 ist also die Menge der möglichen R-Operationen, die die Orientierung
der Cubies erhalten, und damit isomorph zu MP , während G2 als die Menge
aller möglichen R-Operationen, die alle Cubies an ihrem Platz lassen, isomorph
zu N ist.
Daher gilt folgender Satz

7.2.2 Satz
(a) G1 ist eine Untergruppe, G2 ein Normalteiler von G.
(b) G1 ∼
= {(ρ, σ) ∈ S8 × S12 | sgn(ρ) = sgn(σ)}, G2 ∼ = Z73 × Z11 2 .
(c) G ist das semidirekte Produkt von G1 mit G2 .
Beweis: (a) Die Untergruppen-Eigenschaft von G1 und G2 ist trivial.
G2 ist Normalteiler: Für g = (ρ, σ, x, y) ∈ G ist g 0 = (ρ0 , σ 0 , ρ0 (−x), σ 0 (−y)).
Daher gilt für beliebiges g ∗ = (1, 1, x∗ , y ∗ ) ∈ G2 :

gg ∗ g 0 = (ρ, σ, x, y)(1, 1, x∗ , y ∗ )(ρ0 , σ 0 , ρ0 (−x), σ 0 (−y)) =

= (ρ, σ, x + ρx∗ , y + σy ∗ )(ρ0 , σ 0 , ρ0 (−x), σ 0 (−y)) =


= (ρρ0 , σσ 0 , x + ρx∗ + ρρ0 (−x), y + σy ∗ + σσ 0 (−y)) =
= (1, 1, ρx∗ , σy ∗ ) ∈ G2
.
(b)Der erste Teil ist trivial.
Sei nun (1, 1, (x1 , . . . , x8 ), (y1 , . . . , y12 )) ∈ G2 . Die Abbildung f : G2 → Z73 ×
Z11 7 11
2 , f ((1, 1, (x1 , . . . , x8 ), (y1 , . . . , y12 )) = ((x1 , . . . , x7 ), (y1 , . . . , y11 )) ∈ Z3 × Z2
ist ein Isomorphismus.
(c) Wegen (a) bleibt nur noch zu zeigen: G1 ∩ G2 = {IG } und G1 G2 = G.
Letzteres gilt wegen (ρ, σ, x, y) = (ρ, σ, 0, 0)(1, 1, ρ0 x, σ 0 y). q.e.d. (C. Bandelow,
1981, S. 52)

Bemerkung
Genauso wie MP ∼
= M/N ist, gilt wegen oben erwähnter Isomorphismen, dass

G1 = G/G2 .
Der Grad an Nicht-Kommutativität von G ist relativ hoch, wie folgender
Satz bezeugt:

7.2.3 Satz
Das Zentrum Z(G) der Rubikschen Gruppe besteht lediglich aus IG und dem
vom Manöver ((MR O)4 BOLV )3 (24) alle zwölf Kantencubies umorientierenden

47
Superflip (wobei BOLV eine 120◦ Drehung um die Eckenachse olv − uhr be-
deuten soll, die die Seite o nach l, die Seite l nach v und die Seite v nach o
bringt).
Beweis: Sei g = (ρ, σ, x, y) ∈ Z(G). Aus Satz 3.2.3 folgt, dass das Zentrum
der symmetrischen Gruppe Sn für n ≥ 3 trivial ist. Da jedes ρ∗ ∈ S8 als erste
und jedes σ ∗ ∈ S12 als zweite Koordinate eines Elementes von G vorkommt,
folgt ρ = 1 und σ = 1, d.h. g ∈ G2 .
Die Bedingung gg ∗ = g ∗ g ∀g ∗ ∈ G liefert weiters x + x∗ = x∗ + ρ∗ x, also
x = ρ∗ x ∀ρ∗ ∈ S8 und y + y ∗ = y ∗ + σ ∗ y, also y = σ ∗ y ∀σ ∗ ∈ S12 , d.h. x
und y werden durch beliebige Permutationen auf sich selbst abgebildet. Die
Verdrehungen aller Ecken- bzw- Kantencubies
P8 muss somit gleich sein, d.h. x
und y sind konstant. Die Bedingung i=1 xi = 0(mod3) schließt x = 1 und
x = 2 aus. Daher besteht Z(G) nur aus den zwei Elementen IG = (1, 1, 0, 0)
und (1, 1, 0, 1) (Superflip), wobei in letzterem y = 1 bedeutet, dass yi = 1,
i = 1, . . . , 12. q.e.d. (C. Bandelow, 1981, S. 53)

7.2.4 Der Stabilisator


Sei G eine Gruppe, die auf einer Menge X operiert, φ die entsprechende Ope-
ration. Für jedes x ∈ X heißt die Untergruppe

stabG (x) = Gx = {g ∈ G|φ(g, x) = x}

der Stabilisator von x in G (D. Joyner, 2002, S. 91).

Bemerkung
stabM (rov) = hL, U, Hi.

7.2.5 Weitere Eigenschaften möglicher Positionen


Vorbemerkungen

1. Zwischen den R-Operationen g ∈ G∗ und den R-Positionen p ∈ P ∗ be-


steht natürlicherweise die Bijektion G∗ 3 g ↔ p = g(IP ) ∈ P ∗ . Das
heißt, g ist genau dann möglich, wenn p = g(IP ) möglich ist.

2. Die r-te Potenz eines Ecken-r-Zyklus mit Vorzeichen + bzw. - bewirkt ei-
ne Rechts- bzw. Linksdrehung aller r am Zyklus beteiligten Eckencubies.
Die r-te Potenz eines Kanten-r-Zyklus mit Vorzeichen orientiert alle am
Zyklus beteiligten Kantencubies um.
Eckenzyklen mit Vorzeichen +, - oder mit keinem Vorzeichen haben un-
terschiedliche r-te Potenzen (nämlich alle Cubies nach rechts oder links

48
gedreht bzw. die identische Abbildung). Da jedoch zwei verschiedene Zy-
klendarstellungen desselben r-Zyklus dieselbe r-te Potenz haben, muss
das Vorzeichen eines Zyklus unabhängig von dessen Darstellung sein.
Dieselbe Feststellung gilt für Kantenzyklen.
Wir können daher von orientierungstreuen Ecken- bzw. Kantenzyklen,
von rechtsdrehenden und von linksdrehenden Eckenzyklen sowie von um-
orientierenden Kantenzyklen sprechen.

Satz
Eine R-Operation ist genau dann möglich, wenn die folgenden 3 Bedingungen
erfüllt sind:

1. Die Gesamtanzahl der Zyklen gerader Länge (Ecken- und Kantenzy-


klen)ist gerade.

2. Die Anzahl der rechtsdrehenden Eckenzyklen ist gleich der Anzahl der
linksdrehenden Eckenzyklen mod 3.

3. Die Anzahl der umorientierenden Kantenzyklen ist gerade.

Beweis: (1) Wir wissen bereits, dass eine R-Position genau dann möglich ist,
wenn die in der 20-elementigen Menge aller Ecken- und Kantencubies bewirkte
Permutation gerade ist. Ein Zyklus gerader Länge ist ungerade. Um insgesamt
eine gerade Permutation zu erhalten, muss daher die Gesamtanzahl solcher
Zyklen gerade sein.
(2) Diese Bedingung gilt, da ein rechts- bzw. linksdrehender bzw. orientie-
rungstreuer Eckenzyklus die Summe der Orientierungskoordinaten xi der am
Zyklus beteiligten Cubies um -1 bzw. um +1 bzw. um 0 mod 3 ändert.
(3) Es gilt die analoge Feststellung: Ein umorientierender Kantenzyklus
ändert die Summe der Orientierungskoordinaten yj der am Zyklus beteiligten
Cubies um 1 mod 2 (C. Bandelow, 1981, S. 51).

Korollar
Jede Position, die aus einer möglichen Position durch Vertauschen zweier
Eckencubies (beliebige Orientierung), durch Vertauschen zweier Kantencubies
(beliebige Orientierung), durch Verdrehen eines einzelnen Eckencubies oder
durch Umorientieren eines einzelnen Kantencubies entsteht, ist unmöglich (C.
Bandelow, 1981, S. 51).

49
7.3 Bemerkungen zur Transitivität im
Rubik Cube
7.3.1 Definition
Sei G eine Gruppe, die auf einer Menge X operiert. Man nennt diese Operation
φ von G auf X k-tupel-transitiv, wenn es für jedes Paar geordneter k-Tupel
(x1 , x2 , . . . , xk ), (y1 , y2 , . . . ., yk ) von Elementen aus X ein g ∈ G gibt, sodass
yi = φ(g, xi ) = xgi für jedes 1 ≤ i ≤ k (D. Joyner, 2002, S. 139).

Lemma Sei X eine G-Menge. Wenn k ≥ 2, dann ist X genau dann k-


transitiv, wenn für jedes x ∈ X die Menge X − {x}, auf der der Stabilisator
Gx von x operiert, (k − 1)-transitiv ist.
Beweis: Angenommen, X ist k-transitiv. Seien (x1 , . . . , xk−1 ) und (y1 , . . . ,
yk−1 ) (k − 1)-Tupel unterschiedlicher Elemente von X − {x}. Dann gibt es
folglich ein g ∈ G mit g(x) = x (sodass g ∈ Gx ) und g(xi ) = yi ∀i ≥ 1.
Seien umgekehrt (x1 , . . . , xk ) und (y1 , . . . , yk ) zwei k-Tupel unterschiedli-
cher Elemente von X. Nach Voraussetzung gibt es ein g ∈ Gxk mit g(x1 , . . . ,
xk−1 , xk ) = (y1 , . . . , yk−1 , xk ) und es gibt ein h ∈ Gy1 mit

h(y1 , y2 , . . . , yk−1 , xk ) = (y1 , y2 , . . . , yk−1 , yk ).

Daher bildet h◦g ∈ G das Tupel (x1 , . . . , xk ) auf (y1 , . . . , yk ) ab (J. J. Rotman,
1995, S. 250).

Satz Für jedes n operiert die Symmetrische Gruppe Sn n-transitiv auf


{1, 2, . . . , n}, und für jedes n ≥ 3 operiert die Alternierende Gruppe An (n−2)-
transitiv auf X = {1, 2, . . . , n}.
Beweis: Die erste Aussage ist offensichtlich, da die Sn jede Permutation
von X enthält. Die zweite Aussage beweisen wir durch Induktion für n ≥ 3.
Für n = 3 operiert A3 = h(1, 2, 3)i transitiv auf X = {1, 2, 3}. Für n > 3
ist für jedes i mit 1 ≤ i ≤ n der Stabilisator (An )i von i isomorph zu An−1 .
Laut Induktionsvoraussetzung operiert er (n − 3)-transitiv auf X − {i}. Damit
operiert An nach Lemma 7.3.1 (n − 2)-transitiv auf X (J. J. Rotman, 1995, S.
251 ff.).

50
7.3.2 Satz
Sei k > 5 und G eine Gruppe, die k-transitiv auf einer endlichen Menge X
operiert. Dann ist G isomorph zu Sm oder zu An für ein m ≥ k oder ein
n ≥ k + 2.
Beweis: Dieser Satz kann mit Hilfe der Klassifikation der endlichen einfa-
chen Gruppen bewiesen werden, vergleiche die Übersichtsarbeit von P. Came-
ron (1981).
Aus obigem Satz und aus der Tatsache, dass beim Zauberwürfel insgesamt nur
gerade Permutationen der Cubies möglich sind, folgt

7.3.3 Korollar
1. Angenommen c1 , . . . , c6 sind beliebige 6 verschiedene Eckencubies und
c01 , . . . , c06 irgendwelche anderen 6 verschiedenen Eckencubies. Dann gibt
es ein Element der kleinen Manövergruppe M , das alle Kantencubies fix
lässt und ci nach c0i schickt (∀i = 1, . . . , 6). M operiert damit 6-transitiv
auf der Menge der Eckencubies ohne die Kantencubies zu bewegen.

2. Angenommen c1 , . . . , c8 sind 8 verschiedene Eckencubies des Zauberwürfels.


Seien c01 , . . . , c08 8 weitere verschiedene Eckencubies. Dann gibt es ein Ele-
ment der kleinen Manövergruppe M , das ci nach c0i schickt ∀i = 1, . . . , 8
(und dabei eventuell auch Kantencubies bewegt).
M operiert damit 8-transitiv auf der Menge der Eckencubies (wobei hier
bei den Manövern auch Kantencubies bewegt werden dürfen).

3. Ebenso operiert M 10-transitiv auf der Menge der Kantencubies ohne


die Eckencubies dabei zu bewegen, und

4. M operiert 12-transitiv auf der Menge der Kantencubies, wobei nun bei
den Manövern auch Eckencubies bewegt werden dürfen. (D. Joyner, 2002,
S. 139)

51
Kapitel 8

Die Untergruppen des


Zauberwürfels

8.1 Zyklische Gruppen


8.1.1 Einfache Beispiele:
hV i enthält die vier Elemente V, V 2 , V 0 , I. hV 2 i enthält die zwei Elemente V 2 , I.
Die Ordnung der Elemente der Rubikschen Gruppe kann aus der Zyklendar-
stellung abgelesen werden: Sie ist das kleinste gemeinsame Vielfache der mit 3
(drehende Eckenzyklen) bzw. 2 (umorientierende Kantenzyklen) bzw. 1 (orien-
tierungstreue Zyklen) multiplizierten Zyklenlängen. Es treten laut C. Bandelow
(1981, S. 56) genau 73 verschiedene Ordnungen auf, und die maximale Ord-
nung ist 2 · 2 · 3 · 3 · 5 · 7 = 1260.
Als Beispiel für eine R-Operation dieser Ordnung dient das von J.B.Butler
(in C. Bandelow, 1981, S. 56) angegebene Manöver

RO2 U 0 HU 0 (5) →

(−ovl, lho, rvo)(+ohr, vul, uvr, rhu, luh)

(+ov, lh, ur, vr, ol, or, ho)(+ul, rh)(uv, uh).

Da die Ordnung von G endlich ist, erzeugt jedes Element aus G eine (end-
liche) zyklische Untergruppe von G. Das heißt, wenn man auf den geordneten
Würfel ein beliebiges Manöver (und damit eine beliebige Operation) anwendet,
so gelangt man, nach fortwährender Anwendung ein und desselben Manövers
irgendwann wieder in den geordneten Anfangszustand zurück. Dies kann aller-
dings einige Zeit dauern, da selbst das einfache Manöver V R (und ebenso XY ,
wenn X, Y zwei aneinander anstoßende“ Randscheibenzüge sind) die relativ

große Ordnung 105 hat.

52
8.1.2 Bemerkungen
• Konjugation ändert die Ordnung eines Elements nicht, d.h. wenn P die
Ordnung n hat und Q ein beliebiges anderes Manöver ist, dann hat
QP Q−1 ebenfalls die Ordnung n (denn (QP Q−1 )m = QP m Q−1 ∀m ≥ 0).

• Die Ordnung jeder Untergruppe von G (und damit auch die Ordnung
jeder zyklischen Gruppe hma i muss nach dem Satz von Lagrange die
Ordnung von G (= 227 · 314 · 53 · 72 · 11) teilen.

Daher wird man z.B. niemals Manöver finden, deren Ordnung durch 13
teilbar ist (Tom Davis, 2006, S. 34).

8.2 Bahnen, Stabilisatoren und der Satz von


Sylow
Wir folgen in diesem Abschnitt M. Artin (1998, S. 198 ff.).

8.2.1 Definition
Man kann (wie wir bereits wissen) eine Menge X, auf der eine Gruppe G
operiert, in Bahnen zerlegen.
Ist x ein Element von X, dann ist die Bahn Bx von x in X

Bx = {y ∈ X|y = g(x) für ein geeignetes g ∈ G}.

Bemerkung
Wie wir bereits gesehen haben (Satz 4.2.3) sind die Bahnen einer Gruppen-
operation die Äquivalenzklassen der Äquivalenzrelation

x ≡ y ⇔ y = g(x) für ein g ∈ G.

Daher gilt: X ist die Vereinigung disjunkter Bahnen B1 , . . . , Bk und |X| =


|B1 | + |B2 | + . . . + |Bk |.
Die Anzahl der Elemente der Bahn eines Elementes x ∈ X heißt Länge der
Bahn.

8.2.2 Satz
Seien X eine G-Menge und x ∈ X mit Stabilisator H und Bahn Bx . Dann gibt
es eine bijektive Abbildung ϕ : G/H → Bx , ϕ(aH) = a(x).
Für jedes g ∈ G gilt: ϕ(gH) = g(ϕ(H)). Damit ist ϕ mit den Operationen
von G verträglich.

53
Beweis: Zu zeigen ist, dass die Zuordnung gH → g(x) eine Abbildung
definiert. Seien a, b ∈ G mit aH = bH. Zu zeigen: a(x) = b(x).
Es gilt genau dann aH = bH, wenn b = ah für ein geeignetes h ∈ H. Aus
b = ah folgt dann, wie gewünscht, b(x) = ah(x) = a(x), weil h das Element x
festlässt.
ϕ ist surjektiv: Die Bahn von x besteht aus den Elementen g(x) und ϕ
schickt gH nach g(x). Also gibt es für jedes Element der Bahn von x ein ent-
sprechendes Element aus dem Raum der Nebenklassen G/H, das auf ersteres
abgebildet wird.
ϕ ist injektiv: Aus a(x) = b(x) folgt x = a−1 (b(x)), und da H der Stabili-
sator von x ist, gilt a−1 b = h ∈ H. Also ist b = ah und daher aH = bH.
q.e.d.

8.2.3 Bahnformel
Sei X eine G-Menge und Gx der Stabilisator von x. Für jedes x ∈ X gilt:

|G| = |Gx | |Bx |, oder (Ordnung von G)=(Ordnung des Stabilisators)(Länge


der Bahn).

Aus obigem Satz folgt, dass |Bx | = |G/Gx |. Die Bahnformel folgt nun aus
dem Satz von Lagrange.
Die Anzahl der Elemente von G besteht damit aus allen Elementen, die
x auf sich selbst abbilden kombiniert mit allen Elementen, die x auf andere
Elemente aus X abbilden.

Definition

Die Gruppe G operiere auf X und U sei eine Teilmenge von X. Der Stabilisator
von U ist die Menge der Gruppenelemente g mit g(U ) = U .

8.2.4 Satz
Sei H eine Gruppe, die auf einer Menge X operiere, und sei U eine Teilmenge
von X. Die Gruppe H stabilisiert U genau dann, wenn U eine Vereinigung
von H-Bahnen ist.
Beweis: Die H-Bahn eines Elementes u ∈ U besteht aus den Elementen der
Form h(u). Damit H die Menge U stabilisiert, muss U somit aus den H-Bahnen
seiner Elemente bestehen.

54
8.2.5 Satz
Sei U eine endliche Teilmenge einer Gruppe G. Die Ordnung des Stabilisa-
tors Stab(U ) bezüglich der Operation der Linksmultiplikation ist ein Teiler der
Anzahl der Elemente von U .
Beweis: Sei H der Stabilisator von U . Nach obigem Satz ist U eine Vereini-
gung von H-Bahnen. Diese sind die Rechtsnebenklassen Hu. Daher ist U eine
Vereinigung von Rechtsnebenklassen, und die Anzahl der Elemente von U ist
ein Vielfaches von |H|.

8.2.6 Erster Satz von Sylow


Sei G eine Gruppe der Ordnung n und p eine Primzahl, die n teilt. Mit pe
bezeichnen wir die größte Potenz von p, die als Faktor in n vorkommt, sodass
gilt:

n = pe m

für eine natürliche Zahl m, die nicht durch p teilbar ist.


Dann hat die Gruppe G eine Untergruppe der Ordnung pe .

Beweis: Sei X die Menge aller Teilmengen von G, die pe Elemente enthalten.
Eine dieser Teilmengen ist die gesuchte Untergruppe. Wir werden jedoch zei-
gen, dass eine dieser Teilmengen einen Stabilisator der Ordnung pe hat, und da
ein Stabilisator stets eine Gruppe bildet, ist dieser die gesuchte Untergruppe.
Dazu benötigen wir folgendes

Lemma Die Anzahl der Teilmengen der Ordnung pe in einer Menge mit
n = pe m Elementen (wobei m nicht durch p teilbar ist) wird durch den Bino-
mialkoeffizienten

 
n n(n−1)...(n−k)...(n−pe +1)
N= =
pe pe (pe −1)...(pe −k)...1

angegeben. Diese Zahl N ist nicht durch p teilbar.


Beweis: Der erste Teil ist klar. Zu zeigen bleibt, dass N nicht durch p teilbar
ist: Wäre N durch p teilbar, so müsste p im Zähler öfter enthalten sein als im
Nenner. Dies ist aber nicht der Fall. Zähler und Nenner enthalten offensichtlich
gleich viele Faktoren. Teilt p einen Faktor (n − k) des Zählers, so teilt p auch
den entsprechenden Faktor (pe − k) des Nenners, und zwar gleich oft, denn: p
teilt n - daher teilt p (n − k) genau dann, wenn p k teilt. Sei k also von der
Form k = pi l, wobei l nicht durch p teilbar ist. Da k < pe ist, gilt i < e. Also

55
sind (n − k) und (pe − k) beide durch pi teilbar, aber nicht durch pi+1 . Ein
möglicher gemeinsamer Faktor pi kürzt sich daher aus dem gesamten Bruch
stets hinaus, und N ist damit nicht durch p teilbar. q.e.d.
Wir zerlegen nun X in Bahnen für die Operation der Linksmultiplikation
und erhalten damit für die Anzahl N der Elemente von X:
P
N = |X| = BahnenB |B|.
Da p die Zahl N nicht teilt, gibt es eine Bahn, deren Länge nicht durch p
teilbar ist. Sei dies die Bahn der Teilmenge U . Da U ∈ X gilt |U | = pe . Nach
obigem Satz ist damit |Stab(U )| eine Potenz von p.
Die Bahnformel liefert:
|Stab(U )| · |BU | = |G| = pe m.
Da |BU | nicht durch p teilbar ist, folgt |Stab(U )| = pe . Dieser Stabilisator
ist die gesuchte Untergruppe.
q.e.d.

8.2.7 Korollar
Teilt eine Primzahl p die Ordnung einer endlichen Gruppe G, so enthält G ein
Element der Ordnung p.
Beweis: Sei H eine Untergruppe der Ordnung pe und x 6= 1 ein Element
von H. Dann ist nach dem Satz von Lagrange die Ordnung von x ein Teiler
von pe , also gleich pr für ein r mit 0 ≤ r ≤ e. hxi ist zyklisch mit Ordnung pr ,
und da p|pr ∃y ∈ hxi (⊆ H) mit | hyi | = p.

8.3 Untergruppen des Zauberwürfels


8.3.1 Ordnungen in der Rubikschen Gruppe
Da die Ordnung der Rubischen Gruppe 227 · 314 · 53 · 72 · 11 beträgt, wissen
wir, dass es nach Korollar 8.2.7 eine zyklische Untergruppe der Ordnung 11
geben muss. Tom Davis (2006, S. 35) konnte mit seinem Computerprogramm
Rubik“ ein Manöver dieser Ordnung ausmachen, nämlich

R0 O0 V HO0 V 0 U HOU H 0 O0 RRU 0 LLO0 LLU 0 LLO0 RR.

8.3.2 Gruppengeneratoren
Offensichtlich ist die durch die Manöver {V, H, L, R, O, U } erzeugte Gruppe die
gesamte kleine Manövergruppe M . Wegen RL0 V 2 H 2 RL0 ·O·LR0 H 2 V 2 LR0 (13) ∼
=
U (D.J.Benson u.a. in C. Bandelow, 1981, S. 54) wird M bereits von den
Manövern R, L, V , H und O erzeugt und die Rubiksche Gruppe G ebenfalls
bereits von den 5 durch R, L, V , H und O bewirkten Operationen erzeugt.

56
Proposition
Die kleine Manövergruppe M wird nicht von nur 4 elementaren Randschei-
benzügen erzeugt.
Beweis: Stehen die Scheiben, auf die man verzichten möchte, aufeinander
senkrecht, so ist der Kantencubie, den sie begrenzen, unbeweglich. Liegen sie
einander gegenüber, wie z.B. R und L, so können keine Kantencubies umori-
entiert werden. Man kann sich z.B. überlegen, dass das linke Farbplättchen des
Kantencubies lv nie auf die vordere oder hintere Würfelseite gelangen kann.
Jedes R-Manöver, das Kantencubies umorientiert, enthält mindestens drei

90 -Randscheibenzüge, und zwar für jedes der drei Paare gegenüberliegender
Randscheiben einen 90◦ -Zug mit einer der beiden Scheiben. (C. Bandelow,
1981, S. 54 ff.)

Proposition
Die symmetrische Gruppe Sn wird von zwei Elementen erzeugt.
Beweis: Wir wissen, dass die Transpositionen der Form (1,i) (i=2, . . . , n)
Sn erzeugen. Da für 2 ≤ i ≤ n gilt (1, i) = (2, . . . , n)n+1−i (1, 2)(2, . . . , n)i−2 ,
erzeugen bereits die beiden Zyklen (1, 2) und (2, . . . , n) die ganze Gruppe (C.
Bandelow, 1981, S. 55).

Bemerkung
Für die Rubiksche Gruppe G gibt es ebenfalls ein 2-elementiges Erzeugenden-
system:

• OHLOL0 O0 H 0 (7) → (−ovl, ohr)(+olh)(+oh, or)(+ol)

• R2 V LU 0 R0 (5) →

(orv, hur, lvu, luh, lho, lov, vru)(ov, ru, rv, ro, vu, uh, hr, lu, lh, lo, lv).

Das bedeutet, dass diese beiden Manöver genügen müssten, um den Würfel
zu lösen! (C. Bandelow, 1981, S. 55)

8.3.3 Symmetriegruppen
Eine Symmetrieabbildung eines Objekts K ist ein Isomorphismus des Raum-
es bzw. der Ebene, der K in sich überführt. Es handelt sich hierbei um all
diejenigen Permutationen der Punktmenge, die alle geometrisch relevanten Ei-
genschaften erhalten, wie z.B. den Abstand. In der reellen Ebene sind das
Spiegelungen, Drehungen, Verschiebungen und Gleitspiegelungen. Die Menge

57
der Symmetrieabbildungen einer Menge K von Punkten wird mit Sym(K) be-
zeichnet. Sie bildet bezüglich der Hintereinanderausführung von Abbildungen
eine Gruppe.
Sei R ein regelmäßiges n-Eck (n > 2). Dann wird Sym(R) von einer Rota-
tion um 2π/n um den Mittelpunkt des n-Ecks und einer Spiegelung an einer
beliebigen Symmetrieebene, die R in zwei Hälften teilt, erzeugt (Beutelspacher,
2001, S. 231 bzw. D. Joyner, 2002, S. 68).

8.3.4 Die Two Squares“ Gruppe



Es handelt sich um die Gruppe H = hR2 , O2 i, die das hilfreiche Manöver
(R2 O2 )3 (6) → (rv, rh)(ov, oh)
zum Vertauschen zweier Paare von Kantencubies beinhaltet (D. Joyner, 2002,
S. 81).
Wir wollen nun in Anlehnung an T. Davis (2006, S. 35 ff.) folgende Notation
einführen: φ = O2 und ρ = R2 . Klarerweise gilt φ2 = ρ2 = 1 und man findet
leicht heraus, dass die Elemente (φρ) und (ρφ) Ordnung 6 haben, d.h. (φρ)6 =
(ρφ)6 = 1.
Als mögliche Gruppenmitglieder kommen nur die folgenden 18 Möglichkei-
ten in Betracht:
1 (ρφ) (ρφ)2 (ρφ)3 (ρφ)4 (ρφ)5
φ φ(ρφ) φ(ρφ)2 φ(ρφ)3 φ(ρφ)4 φ(ρφ)5
ρ (ρφ)ρ (ρφ)2 ρ (ρφ)3 ρ (ρφ)4 ρ (ρφ)5 ρ
Die ρs und φs müssen alternieren, da man sie sonst zur Identität kürzen
kann. Ebenso kann (ρφ) mit keiner höheren Potenz als 5 vorkommen. Multipli-
ziert man irgendein Element obiger Tabelle mit ρ oder φ von links oder rechts,
entsteht daraus durch Kürzen ein anderes Element der Tabelle.
Das heißt, die Größe der erzeugten Untergruppe ist höchstens 18.
Die Liste besitzt allerdings 6 Duplikate, sodass die tatsächliche Ordnung
der Untergruppe 12 ist:
1. φ(ρφ)2 = (ρφ)3 ρ, da beide Elemente Inverse von (ρφ)3 ρ sind und das
Inverse eines Gruppenelements eindeutig bestimmt ist.
Beweis:

(ρφ)3 ρ · φ(ρφ)2 = (ρφ)6 = 1 sowie


(ρφ)3 ρ · (ρφ)3 ρ = ρφρφρφρρφρφρφρ =
ρφρφρφφρφρφρ = ρφρφρρφρφρ = . . . = ρρ = 1.

2. (ρφ)5 ρ = φ, da beide Elemente Inverse von φ sind, denn:


φ · φ = φ2 = 1 und
(ρφ)5 ρ · φ = (ρφ)6 = 1

58
3. φ(ρφ)5 = ρ, da beide Elemente Inverse von ρ sind (Beweis analog).

4. φ(ρφ)3 = (ρφ)2 ρ, da beide Elemente Inverse von φ(ρφ)3 sind:

(ρφ)2 ρ · φ(ρφ)3 = (ρφ)6 = 1


und

φ(ρφ)3 · φ(ρφ)3 = φ(ρφ)(ρφ)(ρφ)φ(ρφ)(ρφ)(ρφ)


= φ(ρφ)(ρφ)ρ(ρφ)(ρφ)(ρφ)
= φ(ρφ)(ρφ)φ(ρφ)(ρφ) = . . . = 1

5. φ(ρφ) = (ρφ)4 ρ, da beide Elemente Inverse von φ(ρφ) sind:

φ(ρφ) · φ(ρφ) = φρρφ = . . . = 1

und
(ρφ)4 ρ · φ(ρφ) = (ρφ)6 = 1

6. φ(ρφ)4 = (ρφ)ρ (Beweis analog)

Folgende 12 Elemente genügen somit, um die Gruppe zu erzeugen:

1 (ρφ) (ρφ)2 (ρφ)3 (ρφ)4 (ρφ)5


φ φ(ρφ) φ(ρφ)2 φ(ρφ)3 φ(ρφ)4 φ(ρφ)5

Um mehr über die Gruppe herauszufinden, nummerieren wir die Ecken des
Zauberwürfels entsprechend nachfolgender Abbildung 8.1.

59
Abbildung 8.1: Nummerierung der Ecken des Zauberwürfels (Quelle: D.Joyner,
2002, S. 82)

Das Manöver R2 verursacht dann die Permutation (1, 4)(2, 3), während O2
die Transpositionen (4, 5)(3, 6) bewirkt.
Bezeichnen wir nun, wie unten dargestellt (Abb. 8.2) die Ecken eines Sechs-
ecks, dann ist die Permutation (1, 4)(2, 3) einfach die Spiegelung an der Sym-
metriegeraden, die 5 und 6 enthält.

Abbildung 8.2: (Quelle: D.Joyner, 2002, S. 82)

Ebenso ist (4, 5)(3, 6) die Spiegelung an der Symmetriegeraden, die 1 und
2 enthält. Diese beiden Reflexionen erzeugen die Symmetriegruppe des Sechs-
ecks. Somit ist die Two Squares“ Gruppe isomorph zur Symmetriegruppe des

Sechsecks.

60
8.4 Cayley-Graphen
8.4.1 Allgemeine Definitionen
Ein Graph ist ein Paar abzählbarer Mengen (V, E), wobei
• V eine abzählbare Menge alleinstehender Elemente ist, die Ecken (Ver-
tices) genannt werden und
• E eine Teilmenge aller ungeordneten Paare {{v1 , v2 }|v1 , v2 ∈ V, v1 6=
v2 } ist. Die Elemente von E werden Kanten genannt.
Den Graphen zeichnet man, indem man die Ecken, die zur selben Kante
gehören, verbindet.
Ein gerichteter Graph ist ein Paar abzählbarer Mengen (V, E), wobei
• V eine abzählbare Menge von Ecken ist und
• E eine Teilmenge aller geordneten Paare {(v1 , v2 )|v1 , v2 ∈ V, v1 6= v2 },
genannt Kanten ist.
Einen gerichteten Graphen zeichnet man, indem man die Ecken, die zur
selben Kante (v1 , v2 ) gehören, mit einem Pfeil verbindet, der bei v1 beginnt
und nach v2 hin zeigt.
Wenn e = {v1 , v2 } zu E gehört, sagt man, dass e eine Kante von v1 zu
v2 (oder von v2 zu v1 )ist und dass v2 und v1 Nachbarn oder im Graphen
benachbart sind.
Sind v und w Ecken, dann ist ein Pfad von v nach w eine endliche Folge
von Kanten, die bei v beginnen und bei w enden:
e0 = {v, v1 }, e1 = {v1 , v2 }, . . . . ., en = {vn , w}
Gibt es einen Pfad von v nach w, so sagt man, dass v mit w verbunden ist.
Ein Graph (V, E) heißt verbunden, falls jedes Paar von Ecken verbunden
ist.
Die Anzahl von Kanten, die aus einer Ecke v herausführen, heißt Grad
(oder Wertigkeit) von v, symbolisch grad(v).
Sind v und w Ecken, die in dem Graphen (V, E) miteinander verbunden
sind, so definiert man die Distanz zwischen v und w (d(v, w)) als
d(v, w) = min #{Kanten in einem Pfad von v nach w}, wenn v, w ∈ V
verbunden sind.
Wenn v und w nicht verbunden sind, setzt man d(v, w) = ∞.
Der Durchmesser eines Graphen (diam((V, E))) ist die größtmögliche Di-
stanz:
diam((V, E))=maxv,w∈V d(v, w).
(D. Joyner, 2002, S. 115 ff.)

61
8.4.2 Definitionen zu Cayley-Graphen
Sei G = hg1 , g2 , . . . , gn i eine Permutationsgruppe. Der Cayley Graph von G
mit Bezug auf X = {g1 , g2 , . . . , gn } ist der Graph (V, E), dessen Ecken V die
Elemente von G sind und dessen Kanten durch folgende Bedingung bestimmt
sind:
Wenn x und y zu V = G gehören, dann gibt es genau dann eine Kante von
x nach y, wenn y = x · gi oder x = y · gi für ein i ∈ {1, 2, . . . , n}.
Der gerichtete Cayley Graph von G mit Bezug auf X = {g1 , g2 , . . . , gn }
ist der gerichtete Graph (V, E), dessen Ecken V die Elemente von G sind und
dessen Kanten durch folgende Bedingung bestimmt sind:
Wenn x und y zu V = G gehören, dann gibt es genau dann eine Kante von
x nach y, wenn y = x · gi für ein i ∈ {1, 2, . . . , n}.

Lemma
Der Cayley-Graph einer Permutationsgruppe ist verbunden.
Beweis: Seien x, y ∈ G = hg1 , g2 , . . . , gn i. Dann gilt y = x(x−1 ·y). Da x−1 ·y ∈ G
∃a1 , . . . , ak ∈ {g1 , g2 , . . . , gn , g1−1 , g2−1 , . . . , gn−1 }, sodass x−1 · y = ak · . . . · a1 .
Damit gilt y = x · ak · . . . · a1 , und e0 = {x, x · ak } bildet eine Kante, da entweder
ak = gi oder ak = gi−1 für irgendein i ∈ {1, 2, . . . , n} (und die Bedingung, dass
x und y eine Kante bilden, lautet y = x · gi oder y = x · gi−1 ).
Mit Induktion folgt dann, dass auch e1 = {x · ak , x · ak · ak−1 }, . . . , ek−1 =
{x · ak · . . . · a2 , y} Kanten sind, die insgesamt einen Pfad bilden, der x und y
verbindet.
q.e.d. (D. Joyner, 2002, S. 117 ff.)

8.4.3 Lemma
Sei ΓG = (V, E) der Cayley-Graph zur Permutationsgruppe G = hg1 , g2 , . . . , gn i
(wobei o.B.d.A. gi 6= gj für i 6= j gelten soll), und sei

N = {g1 , g2 , . . . , gn , g1−1 , g2−1 , . . . , gn−1 } .


Dann gilt ∀v ∈ V : grad(v)=N .


Beweis: Angenommen nicht. Dann gibt es ein v ∈ V = G mit
(i) grad(v) < N oder
(ii) grad(v) > N .
Aus der Definition eines Cayley-Graphen ergibt sich, dass für jedes h ∈
{g1 , g2 , . . . , gn , g1−1 , g2−1 , . . . , gn−1 } die Menge {v, v · h} eine Kante von ΓG ist.

• Falls r = grad(v) > N , dann gibt es unterschiedliche Elemente v1 , . . . , vr ∈


V mit v = vi · hi ∀1 ≤ i ≤ r, wobei h1 , . . . , hr unterschiedliche Elemente
aus {g1 , g2 , . . . , gn , g1−1 , g2−1 , . . . , gn−1 } sind (wären z.B. die hi s nicht alle

62
unterschiedlich, so würde gelten v = vi · hi und v = vj · hi ⇒ vi = vj und
es handelt sich bei {v, vi } und {v, vj } um dieselbe Kante.).
Es müsste also r > N unterschiedliche Elemente aus einer Menge mit N
Elementen geben, was auf einen Widerspruch führt.

• Falls r = grad(v) < N , gibt es unterschiedliche

hi , hj ∈ {g1 , g2 , . . . , gn , g1−1 , g2−1 , . . . , gn−1 },

sodass v · hi = v · hj , denn: v · hi und v · hj sind beides Gruppenelemente,


die per Definition des Cayley-Graphen mit v eine Kante bilden müssen.
Wenn weniger als N Kanten vorhanden sein sollen, müssen z.B. obige
Kanten zusammenfallen, was nur möglich ist, wenn zwei unterschiedliche
Elemente v · hi und v · hj gleich sind. Widerspruch.

(D. Joyner, 2002, S. 117)

8.4.4 Cayley-Graphen des Rubik Cube


Bei gerichteten Cayley-Graphen wird ein Pfeil von einem Gruppenelement zum
nächsten gezogen, wenn ein Element des Generators der Gruppe von jenem
Gruppenelement zum nächsten führt.

Beispiel 1: Abbildung 8.3 zeigt den Cayley-Graphen der Gruppe hV i.

Abbildung 8.3: Cayley-Graph der Gruppe hV i (Quelle: T. Davis, 2006, S. 37)

63
Beispiel 2: Der Cayley-Graph der oben untersuchten Gruppe hρ, φi ist schon
etwas interessanter: Beginnend bei der Identitätsabbildung 1 kann jedes Ele-
ment aus dem davor erhaltenen Element durch Multiplikation mit ρ oder φ
von links oder rechts erhalten werden. Da ρ2 = φ2 = 1 wird durch solch eine
Multiplikation offensichtlich manchmal ein ρ oder φ wieder eliminiert, aber im
Endeffekt bekommt man auf diese Weise eine komplette Liste aller Gruppen-
mitglieder.
Abbildung 8.4 zeigt den Cayley-Graphen dieser Gruppe. Elemente, die aus-
einander durch die Multiplikation mit ρ erzeugt werden können, sind mit ein-
fachen Pfeilen verbunden, wird stattdessen φ benötigt, so ist dies durch einen
Doppellinienpfeil illustriert.

Abbildung 8.4: Cayley-Graph der Gruppe hρ, φi (Quelle: T. Davis, 2006, S. 37)

Beispiel 3: Sei M = hR, L, O, U, V, Hi die kleine Manövergruppe (identifi-


ziert mit der Rubikschen Gruppe!). Jede Position des Würfels entspricht einem
Element dieser Gruppe (nämlich dem Manöver, das vom Ausgangszustand zu
dieser Position führt). In anderen Worten entspricht jede Position des Würfels
einer Ecke des Cayley-Graphen. Nach obigem Lemma gilt für jede Ecke v, dass
grad(v) = |{R, L, O, U, V, H, R−1 , L−1 , . . . , H −1 }| = 12.
Eine Lösung des Zauberwürfels ist damit einfach ein Pfad im Cayley-
Graphen von der Ecke der derzeitigen Position des Würfels ausgehend zu der
Ecke der Identitätsabbildung, die der geordneten Position entspricht.
Die Anzahl der Züge des kürzest möglichen Lösungsweges ist die Distanz
zwischen der Ecke der derzeitigen Position und der der Ausgangsposition.
Der Durchmesser des Cayley-Graphen ist die Anzahl der 90◦ -Züge des best-
möglichen Lösungsweges von der am meisten ungeordneten“ Position ausge-

hend.

64
8.5 Die Mittelscheibengruppe
8.5.1 Mathematischer Einschub - Die Symmetriegruppe
des Würfels
Die Gruppe aller Symmetrieabbildungen eines Würfels enthält nach Beutel-
spacher (2001, S. 232) folgende 24 Abbildungen:

• die Identität

• drei Drehungen um 90◦ um eine Gerade, die zwei gegenüberliegende Flä-


chenmitten verbindet,

• drei Drehungen um −90◦ um eine Gerade, die zwei gegenüberliegende


Flächenmitten verbindet,

• drei Drehungen um 180◦ um eine Gerade, die zwei gegenüberliegende


Flächenmitten verbindet,

• sechs Drehungen um 180◦ um eine Gerade, die zwei gegenüberliegende


Kantenmitten verbindet,

• vier Drehungen um 120◦ um eine Raumdiagonale,

• vier Drehungen um 240◦ um eine Raumdiagonale.

Proposition Die Gruppe G der Symmetrieabbildungen eines Würfels ist iso-


morph zur S4 .

Beweis: Bei einer Bewegung des Würfels gehen die vier Raumdiagonalen
wieder in die Raumdiagonalen über. Jeder Bewegung ist somit eine Permu-
tation der Raumdiagonalen, nach deren Nummerierung von 1 bis 4 also ein
Element der S4 , zugeordnet. Die Abbildung ist somit injektiv und G isomorph
zu einer Teilmenge der S4 . Da aber |G| = |S4 | = 4! = 24, gilt G ist isomorph
zu S4 . q.e.d. (C. Bandelow, 1981, S. 41)

Proposition Die Gruppe der Symmetrieabbildungen eines Würfels wird be-


reits von den Drehungen um 90◦ um eine Gerade, die zwei gegenüberliegende
Flächenmitten verbindet, erzeugt.
Beweis: Wir nummerieren die Raumdiagonale, die das Eckencubie orv mit
dem Eckencubie uhl verbindet mit 1, die Raumdiagonale, die das Eckencu-
bie hro mit dem Eckencubie ulv verbindet mit 2, die Raumdiagonale, die
das Eckencubie hol mit dem Eckencubie uvr verbindet mit 3 und die Raum-
diagonale, die das Eckencubie ovl mit dem Eckencubie urh verbindet mit

65
4. Es genügt zu zeigen, dass es Bewegungszüge gibt, die die Permutationen
(1, 2), (1, 3), (1, 4) der vier Raumdiagonalen bewirken, da diese Permutationen
bereits die ganze S4 erzeugen. Diese sind

BO BR BO → (1, 2),
BO BO → (1, 3),
BO BV BO → (1, 4).

8.5.2 Beschreibung der Mittelscheibengruppe


Diese Gruppe H = hMR , MV , MO i wird aus den drei Mittelscheibenzügen er-
zeugt. Wir beschreiben sie im folgenden in Anlehnung an D. Joyner (2002, S.
150 ff.). Sei dazu E die Menge der Kantencubies und C die Menge der Cubies
im Zentrum jeder Würfelseite und X = E ∪ C. Dann operiert H auf X. Die
Eckencubies werden von H nicht bewegt.
Es gilt:

• Die Operation von H auf X ist nicht transitiv, da z.B. ein Kantencubie
nicht zu einem Cubizil im Zentrum hinbewegt werden kann.

• Die Operation von H auf C ist transitiv, da jedes Cubie im Zentrum zu


jedem beliebigen Zentrumscubizil durch ein Element aus H hinbewegt
werden kann.

• Die Operation von H auf E ist nicht transitiv, da sich jedes Kantencubie
nur in seiner Scheibe“ bewegen kann. Das ov-Kantencubie kann z.B.

nicht durch einen Mittelscheibenzug ins or-Cubizil gebracht werden.

Bahnen von H bezüglich E


Wir nennen zwei Kantencubies äquivalent, wenn eines mit einem Mittelschei-
benzug ins Cubizil des anderen geschickt werden kann. Es gibt drei disjunkte
Äquivalenzklassen, die jeweils die Cubies einer Mittelscheibe enthalten.
Die Bahnen von H bezüglich E sind daher

• Die Kantencubies der Scheibe MR , genannt ERL ,

• die Kantencubies der Scheibe MV , genannt EV H und

• die Kantencubies der Scheibe MO , genannt EOU .

E ist die disjunkte Vereinigung der Bahnen, die die Operation von H auf
E definiert: E = ERL ∪ EV H ∪ EOU .

66
Jedes Element aus H bestimmt ein Element in SX , der Gruppe aller Per-
mutationen der Elemente aus X. Es gibt daher einen Homomorphismus f :
H → SX , was einfach bedeutet, dass H auf der H-Menge X operiert.
Jeder Mittelscheibenzug M ∈ {MR , MV , MO } ist als Element der SX von
der folgenden Form:

M =(4-Zyklus in SE )(4-Zyklus in SC )

Proposition
Der Homomorphismus f ist eine Einbettung, also injektiv.

Beweis: Mittelscheibenzüge können Kantencubies nur innerhalb der Schei-


be, zu der sie gehören, rotieren. Die Elemente aus H können Kantencubies nur
permutieren, nicht umorientieren. Daher sind sie durch die Elemente der SX
eindeutig bestimmt. q.e.d.
H operiert auf der Bahn ERL , es gibt daher einen Homomorphismus

rRL : H → SERL

und genauso Homomorphismen rOU : H → SEOU und rV H : H → SEV H .


H operiert auf jedem der Sets E und C, also gibt es Homomorphismen
r = rRL × rOU × rV H : H → SERL × SEOU × SEV H ⊂ SE , s : H → SC , welche
man zum injektiven Homomorphismus r × s : H → SERL × SEOU × SEV H × SC
zusammensetzen kann.
Um H zu bestimmen, bestimmen wir das Bild von H in SERL × SEOU ×
SEV H × SC . Offenbar gilt:

• Das Bild von H in SERL ist hMR i ∼


= Z4 ,
• das Bild von H in SEV H ist hMV i ∼
= Z4 und
• das Bild von H in SEOU ist hMO i ∼
= Z4 .

Nun bestimmen wir das Bild von H in SC . Interessiert man sich nur für
die Bewegungen der Cubies im Zentrum, so können die Mittelscheibenzüge
eigentlich auch durch die entsprechenden Rotationen des gesamten Würfels
(um eine Symmetrieachse) ersetzt werden. Daher ist das Bild von H in SC
dasselbe wie das Bild der Gruppe der Symmetrietransformationen des Würfels,
die, wie bereits festgestellt, isomorph zu S4 ist.
Verknüpft man obige Erkenntnisse, so sieht man, dass das Bild von H in
SERL × SEOU × SEV H × SC isomorph zu einer Untergruppe von Z34 × S4 ist. Wir
können daher die Elemente von H als 4-Tupel (h1 , h2 , h3 , h4 ) mit h1 , h2 , h3 ∈ Z4
und h4 ∈ S4 angeben.

67
Nachdem jedes der die Gruppe H erzeugenden Manöver MR , MO und MV
die Bedingung sgn(r(h)) = sgn(s(h)) ∀h ∈ H erfüllt (auf die Kantencubies
und auf die Cubies im Zentrum wird jeweils ein 4-Zyklus angewandt), kann
das Bild von H nicht die ganze Gruppe Z34 × S4 sein.

Proposition
Das Bild von H in Z34 × S4 ist isomorph zum Kern der Abbildung

t : Z34 × S4 → {±1}

(h1 , h2 , h3 , h4 ) → sgn(h1 ) · sgn(h2 ) · sgn(h3 ) · sgn(h4 ),

wobei jedes sgn das Signum der Permutation als Element der SX darstellt.

Bemerkung

|ker(t)| = (43 · 4!)/2 = 768

Erklärung: Der Kern von t besteht aus allen h ∈ H, die auf 1 (das neutrale
Element in {±1}) abgebildet werden. Damit nun sgn(h1 ) · sgn(h2 ) · sgn(h3 ) ·
sgn(h4 ) = 1 gilt, kann man h1 , h2 und h3 beliebig wählen - man hat 43 Möglich-
keiten, dies zu tun. Für die Permutation h4 steht dann fest, ob sie gerade oder
ungerade sein muss. In jedem Fall hat man für die Wahl von h4 4!/2 Möglich-
keiten, da es in der S4 genauso viele gerade wie ungerade Permutationen gibt.

Beweis der Proposition:


Wir haben bereits gezeigt, dass H zu einer Untergruppe von Z34 × S4 iso-
morph ist. Die Mittelscheibenzüge bilden jeder für sich eine gerade Permuta-
tion der Cubies,
Q4 die sie bewegen und gehören daher zum Kern von t (denn
sgn(h) = i=1 sgn(hi ) und für jeden Mittelscheibenzug gilt sgn(h4 ) = −1 und
∃! i ∈ {1, 2, 3} : sgn(hi ) = −1). Also ist H isomorph zu einer Untergruppe
von ker(t) ⊂ Z34 × S4 (da die Kombination mehrerer Mittelscheibenzüge als
Produkt gerader Permutationen wieder gerade ist).
Zu zeigen bleibt, dass jedes Element des Kerns von t zu H gehört. Dazu
betrachten wir den Projektionshomomorphismus

p : H → S4 ,

den man erhält, wenn man oben konstruierten Homomorphismus r × s :


H → Z34 × S4 mit dem Projektionshomomorphismus Z34 × S4 → S4 kombiniert.
p ist surjektiv, da das Bild von H in SC isomorph zu S4 ist.
Bezeichnen wir die Identitätsabbildung in der S4 mit 1, so ist der Kern
von p Kern(p) = {h ∈ H|s(h) = 1}. Die Menge {h ∈ H|s(h) = 1, rRL (h) +

68
rOU (h) + rV H (h) ≡ 0 (mod2)} liegt daher im Kern von p. Unter rRL (h) ver-
stehen wir hier bereits das zugeordnete Element der Z4 , d.h. die Anzahl der
90◦ -Drehungen von MR mod 4. rRL (h) beschreibt die Potenz des 4-Kanten-
Zyklus der Mittelscheibe MR . Da ein 4-Zyklus aus drei Transpositionen besteht
und damit eine ungerade Permutation ist, beschreiben die ungeraden Ziffern
der Z4 , die den Permutationen rRL (h), rOU (h) und rV H (h) zugeordnet werden,
genau die ungeraden Permutationen aus dieser Menge.
Da der Kern von p eine Untergruppe von H ist, gilt

sgn(s(h)) = sgn(r(h)) = sgn(rRL (h)) · sgn(rOU (h)) · sgn(rV H (h)).

Das Signum von r(h) ist genau dann gleich 1, wenn die Permutationen
rRL (h),
rOU (h) und rV H (h) entweder alle gerade sind oder genau zwei davon ungerade
sind. Daher ist die Bedingung sgn(rRL (h))·sgn(rOU (h))·sgn(rV H (h)) = 1 ident
mit der Bedingung rRL (h) + rOU (h) + rV H (h) ≡ 0(mod2).
Daraus folgt

Kern(p) ⊂ {h ∈ H|s(h) = 1, rRL (h) + rOU (h) + rV H (h) ≡ 0 (mod2)}

und insgesamt
Kern(p) = {h ∈ H|s(h) = 1, rRL (h) + rOU (h) + rV H (h) ≡ 0 (mod2)}
Wieviele Elemente hat nun der Kern von p?
Dazu betrachten wir die Bedingung rRL (h) + rOU (h) + rV H (h) ≡ 0 ( mod 2)
mit rRL (h), rOU (h) und rV H (h) aus Z4 . Zwei Elemente, z.B. rRL (h) und rOU (h)
können beliebig gewählt werden - man hat für jede dieser Permutationen vier
Möglichkeiten aus Z4 . Die letzte Permutation, in unserem Fall rV H (h), muss
dann, je nach Wahl der ersten beiden Permutationen, entweder gerade oder
ungerade sein - in jedem Fall hat man noch zwei Möglichkeiten, ein Element
aus Z4 so zuzuordnen, dass obige Bedingung erfüllt ist.
Der Kern von p hat somit 4 · 4 · 2 = 32 Elemente.
Nach dem Homomorphiesatz gilt nun

H/Kern(p) ∼
= Bild(p) = S4 , wobei Bild(p) das Bild von p ist.

Daher ist |H| = |S4 | · |Kern(p)| = 4! · 32 = 768.


Da H, wie bereits gezeigt, isomorph zu einer Untergruppe des Kerns von
t : Z34 × S4 → {±1} ist und der Kern von t ebenfalls 768 Elemente enthält, ist
H ident mit Kern(t). q.e.d.

69
8.6 Untergruppen der Ordnung 2
Aus Abschnitt 7.1 wissen wir: die Rubiksche Gruppe G ist isomorph zum
semidirekten Produkt (symbolisch n) von {(ρ, σ) ∈ S8 ×S12 | sgn(ρ) = sgn(σ)}
und Z73 × Z11 2 .
Anders ausgedrückt ist G isomorph zu den Elementen der Gruppe H =
(Z73 o S8 ) × (Z112 o S12 ) mit sgn(ρ) = sgn(σ) (∀ρ ∈ S8 , σ ∈ S12 ). Ein Element
(x, y, ρ, σ) der Rubikschen Gruppe hat genau dann die Ordnung 2, wenn das
Element (h1 , h2 ) ∈ H mit h1 = (x, ρ) und h2 = (y, σ) Ordnung 2 hat.
Wir interessieren uns hier für die Anzahl der Elemente aus G mit Ordnung
2. Diese lassen sich nach D. Joyner (2002, S. 186 ff.) in 3 disjunkte Untergrup-
pen unterteilen:
(a) Elemente, die nur Eckencubies bewegen,
(b) Elemente, die nur Kantencubies bewegen und
(c) Elemente, die sowohl Kanten-, als auch Eckencubies bewegen.
Wir beschäftigen uns vorerst mit der Teilmenge (a), die aus den geraden
Permutationen der 8 Eckencubies der Ordnung 2 besteht. Nachdem die Permu-
tation gerade sein und Ordnung 2 haben muss, werden entweder zwei oder vier
Paare von Eckencubies vertauscht (Zyklen, die länger als 2 sind, haben eine
höhere Ordnung!). Eckencubies, die nicht bewegt werden, dürfen auch nicht
umorientiert werden, da dabei kein Manöver der Ordnung 2 entstehen kann
(denn 1 + 1 ≡ 2 6≡ 0 (mod3) und 2 + 2 ≡ 4 ≡ 1 6≡ 0 (mod3)). Für jede Trans-
position von Eckencubies gibt es offenbar drei Möglichkeiten die Eckencubies
zu verdrehen, sodass insgesamt ein Manöver der Ordnung 2 dabei entsteht
(Wird das erste Eckencubie z.B. um 1 verdreht, so muss - damit nach zwei-
maliger Anwendung der Transposition die ursprüngliche Orientierung erreicht
wird - das zweite Eckencubie um 2 verdreht werden, etc.).
Elemente der Ordnung 2 in Z73 o S8 sind jene (x, ρ) mit ρ2 = 1 (d.h. Per-
mutationen, die aus disjunkten Transpositionen bestehen), für die außerdem
gilt: x1 + . . . + x8 ≡ 0 (mod3) und xi + xρ−1 (i) = xi + xρ(i) ≡ 0 (mod3). Nicht
alle solchen Elemente entsprechen Manövern bzw. möglichen Positionen des
Zauberwürfels.
Bestimmen wir nun die Anzahl der Elemente der Ordnung 2 in Z73 o S8 :
Die Anzahl der Möglichkeiten aus 8 Elementen
   4 Paare,
 die vertauscht
8 6 4
werden sollen, auszuwählen, beträgt 4!1 .
2 2 2
(Erklärung: Denken wir uns diese Paare der Einfachheit
  halber bereits als
8
Paare von Eckencubies. Für das erste Paar hat man Möglichkeiten, für
2
das zweite Paar stehen  nur noch 6 Eckencubies zur Auswahl zur Verfügung,
6
daher hat man Möglichkeiten, etc. Nachdem es keine Rolle spielt, in
2
welcher Reihenfolge man die 4 Paare auswählt, muss noch durch die Anzahl

70
aller möglichen unterschiedlichen Reihenfolgen, eben durch 4!, dividiert wer-
den.)
Wie oben bemerkt gibt es pro Paar drei Orientierungsmöglichkeiten. Die
Anzahl der Elemente der Ordnung 2 in Z73 oS8 , bei denen vier Transpositionen
von Eckencubies und keine Bewegung der Kantencubies stattfindet ist somit
   
1 8 6 4
34 .
4! 2 2 2

Ebenso bestimmt man die Anzahlen, bei denen drei, zwei bzw. eine Trans-
position von Eckencubies und keine Bewegung der Kantencubies stattfindet.
Man erhält für die Gesamtanzahl der Elemente der Ordnung 2 in Z73 o S8 :

      

1 8 6 1
4 8 4 6 4
3 + 33
4! 2 2 3! 2
2 2 2
    
1 8 6 2 8
+ 3 + 3 = 21819.
2! 2 2 2

Der zweite und letzte Term zählt keine Elemente der Rubikschen Gruppe,
da es sich hier nicht um eine gerade Anzahl von Transpositionen (und damit
nicht um gerade Permutationen) handelt.
Die Anzahl der Elemente (x, ρ) der Ordnung 2 aus Z73 o S8 , bei denen ρ
gerade ist, ist somit
      
1 8 6 4 4 1 8 6
4!
3 + 2! 32 = 10395. (1)
2 2 2 2 2

Die Anzahl der Elemente (x, ρ) der Ordnung 2 aus Z73 o S8 , bei denen ρ
ungerade ist, beträgt
     
1 8 6 4 3 8
3!
3 + 3 = 11424. (2)
2 2 2 2
Bei der Zählung der Manöver der Ordnung 2, die nur Kantencubies bewe-
gen, gehen wir ähnlich vor:
Es können, damit eine gerade Permutation der Ordnung 2 entsteht, nur
2, 4 oder 6 Paare von Kantencubies vertauscht werden. Pro Paar gibt es 2
Möglichkeiten, die Cubies umzuorientieren. Die Kantencubies, die an ihrem
Heimatcubizil verbleiben, können - im Gegensatz zu den Eckencubies - jedoch
beliebig orientiert werden, da es nur zwei Orientierungsmöglichkeiten gibt und
somit jede Verdrehung Ordnung 2 haben muss.
Die Anzahl aller Elemente der Ordnung 2 in (Z11 2 o S12 ) beträgt

71
         
1 12 10 4 1 612 10 4
.... 2 + .... 27
6! 2 2 2 5! 2 2 2
       
1 12 6 8 1 12 8
+ .... 2 + ... 29
4! 2 2 3! 2 2
    
1 12 10 10 12
+ 2 + 211 = 30706368.
2! 2 2 2

Wiederum sind nicht alle Elemente in dieser Aufzählung mögliche Positio-


nen des Zauberwürfels.
Die Anzahl der Elemente (y, σ) der Ordnung 2 aus (Z112 o S12 ), bei denen
σ gerade ist, ist

      
1 12 10 4 6 1 12
... 2 + ...
6! 2 2 2 4! 2
(3)
    
6 8 1 12 10
2 + 210 = 15491520.
2 2! 2 2

Die Anzahl der Elemente (y, σ) der Ordnung 2 aus (Z11


2 o S12 ), bei denen
σ ungerade ist, beträgt

      
1 12 10 4 7 1 12
... 2 + ...
5! 2 2 2 3! 2
(4)
   
8 9 12
2 + 211 = 15214848.
2 2

Da die Elemente (x, y, ρ, σ) der Rubikschen Gruppe G den Elementen der


Gruppe H = (Z73 oS8 )×(Z11 2 oS12 ) mit sgn(ρ) = sgn(σ) entsprechen, kann man
sie in folgende vier Untergruppen bestehend aus (h1 , h2 ) ∈ H mit h1 = (x, ρ)
und h2 = (y, σ) unterteilen (wobei wir uns wiederum nur für die Elemente der
Ordnung 2 interessieren):
(a) h1 6= 1, h2 = 1, h21 = 1, sgn(ρ) = 1,
(b) h1 = 1, h2 6= 1, h22 = 1, sgn(σ) = 1,
(c) h1 6= 1, h2 6= 1, h21 = h22 = 1, sgn(ρ) = sgn(σ) = 1,
(d) h1 6= 1, h2 6= 1, h21 = h22 = 1, sgn(ρ) = sgn(σ) = −1,
Die Anzahl der Elemente in (a) wird in (1) gezählt, die Anzahl der Ele-
mente in (b) in (3). Für (c) kann man alle geraden Permutationen der Ecken

72
und Kanten miteinander kombinieren, die jeweiligen Anzahlen aus (a) und
(b) sind also zu multiplizieren, und im Fall (d) gilt das Analoge - hier wer-
den die Anzahlen der ungeraden Permutationen aus (2) und (4) miteinander
multipliziert.
Summiert man alle Fälle auf, erhält man für die Anzahl der Elemente der
Ordnung 2 aus der Rubikschen Gruppe
10395 + 15491520 + 10395 · 15491520 + 11424 · 15214848 = (3.34..) · 1011 .

8.7 Die Kommutatorgruppe


Diese Untergruppe K(G) der Rubikschen Gruppe besteht aus allen endlichen
Produkten von Kommutatoren und hat, wie wir bereits in Satz 5.2.5 gesehen
haben, Index 2, umfasst also die halbe Rubiksche Gruppe.
D. Singmaster (1981, S. 27) liefert für diese Tatsache eine anschauliche
elementare Erklärung, die als Ergänzung zum Beweis des Satzes 5.2.5 kurz
erwähnt werden soll:
In Satz 4.3.3 haben wir gezeigt, dass ein beliebiger Ecken-3-Zyklus (und ent-
sprechende Konjugationen davon) genügt, um alle geraden Permutationen der
Eckencubies zu erzeugen. Dasselbe gilt für die Kantencubies. Wir haben eben-
so gezeigt, dass man, um alle Cubies richtig zu orientieren, nur ein Manöver
benötigt, das zwei Kantencubies in dieselbe Richtung verdreht und eines, das
zwei Eckencubies in verschiedene Richtungen um je 120◦ verdreht.
Finden wir Produkte von Kommutatoren, die diese Manöver bewirken, so
wissen wir bereits, dass K(G) mindestens die halbe Gruppe ist: Da konjugierte
Kommutatoren wieder Kommutatoren sind, erzeugt K(G) damit alle geraden
Permutationen der Eckencubies sowie alle geraden Permutationen der Kanten-
cubies. Die Gruppe G enthält außerdem noch alle Kombinationen ungerader
Ecken- und Kantenpermutationen. Die Anzahl dieser ist aber genauso groß
wie die Anzahl aller Kombinationen gerader Ecken- und Kantenpermutatio-
nen. Daher umfasst K(G) mindestens die halbe Rubiksche Gruppe.
Die gesuchten Manöver sind:

• Zur richtigen Platzierung der Eckencubies:

[V, R] L0 [R, V ] L → (rvo, vlo, ulv)

(D. Singmaster, 1981, S. 23)

• Zur richtigen Orientierung der Eckencubies:

[R0 , V ] [O, V 0 ] [O0 , R] (12) → (+orv)(−ovl)(ov, ro, vr)

73
(R. Ahrens in C. Bandelow, 1981, S. 117, m11 )
Dieses Manöver bewirkt zwar auch einen Kanten-3-Zyklus, was aber kei-
ne Rolle spielt, wenn man erst die Eckencubies richtig orientiert und sich
dann um die Kantencubies kümmert.

• Zur richtigen Platzierung der Kantencubies:

[R, O0 ] U O0 [O0 , R] OU 0 → (ov, vr, rh)

(C. Bandelow, 1981, S. 124, m532 )

• Zur richtigen Orientierung der Kantencubies:


Erhebt man dieses Manöver

[V, R0 ] [R, O0 ] [O, V 0 ] → (+vlo)(+vor)(+vru)(+vo)(+vr)

(M. Vaughan-Lee in D. Singmaster, 1981, S. 24)


zur dritten Potenz, so erhalten die Eckencubies wieder ihre ursprüngliche
Orientierung, und es verbleibt (+vo)(+vr).

Dass K(G) mit der Rubikschen Gruppe jedoch nicht ident ist, zeigt folgende
Überlegung (D. Singmaster, 1981, S. 27):
Wir definieren die Bewegung“ einer Folge von Zügen als die Summe aller

Exponenten in dieser Folge, z.B. hat V 2 RH −1 L die Bewegung 2+1−1+1 = 3.
Da alle elementaren Randscheibenzüge Ordnung 4 haben, betrachten wir die
Bewegung eines Manövers mod4.
Klarerweise sind die Manöver der Bewegung 0 oder 2 unter Multiplikation
abgeschlossen und bilden damit eine Untergruppe. Es gibt Manöver ungerader
Bewegung, z.B. V . Zu jedem Manöver M ungerader Bewegung ist auch M −1
von ungerader Bewegung, da −3 ≡ 1 (mod4) und −1 ≡ 3 (mod4).
Ist P ein Manöver ungerader Bewegung, dann ist P Q ein Manöver un-
gerader Bewegung für jedes Manöver gerader Bewegung Q. Da aus Q 6= R
⇒ P Q 6= P R und da jedes Manöver ungerader Bewegung R als P Q ge-
schrieben werden kann, wobei Q ein Manöver gerader Bewegung ist, indem
man Q = P −1 R setzt, folgt, dass die Abbildung Q → P Q bijektiv von den
Manövern gerader Bewegung zu den Manövern ungerader Bewegung führt.
Daher gibt es genauso viele Manöver gerader wie ungerader Bewegung,
und die Manöver gerader Bewegung machen genau die Hälfte der Rubikschen
Gruppe aus.
Da jeder Kommutator Bewegung 0 hat, ist K(G) in der Gruppe der Manöver
gerader Bewegung enthalten, und da erstere mindestens genauso groß wie letz-
tere ist, sind die beiden ident.

74
Das bedeutet aber auch, dass die Gruppe der Manöver der Bewegung 0
ident ist mit der Gruppe der Manöver der Bewegung 2. Diese Tatsache wird
ersichtlich, sobald man ein Manöver der Bewegung 2 findet, die der Identität
entspricht, z.B. (RO)105 = I. Jedes andere Manöver der Bewegung 2 kann
man schließlich mit der Identität multiplizieren ohne es zu verändern, wodurch
dennoch ein Manöver der Bewegung 0 entsteht.

75
Kapitel 9

Die Lösung des Würfels

9.1 Wie und wie schnell man den Würfel lösen


kann und warum es überhaupt so kompli-
ziert ist
9.1.1 Die Schwierigkeit beim Lösen des Würfels
Die Größe der Zahl möglicher Positionen des Zauberwürfels (> 43 Trillionen!)
ist nicht die Hauptursache für die Schwierigkeit des Spiels. Es wird beispiels-
weise niemand als Herausforderung ansehen, 21 Karten einer Kundenkartei
alphabetisch zu ordnen, obwohl es für diese 21 Karten 21! = 51, . . . · 1018 (> 51
Trillionen) Reihenfolgen gibt.
Die Schwierigkeiten mit dem Zauberwürfel beruhen dagegen auf der kom-
plizierten Verbundenheit von jeweils 8 bis 9 Cubies, die es erforderlich macht,
die Lösung auf Umwegen anzusteuern. Diese Umwege erscheinen beachtlich,
wenn man bedenkt, dass vor dem letzten Zug notwendigerweise noch 8 Cubies
falsch stehen müssen und unmittelbar vor dem vorletzten Zug sogar noch 12
- 16 Cubies (12 nur im Falle von zwei 180◦ - Mittelscheibenzügen). Ist man
noch weiter vom geordneten Zustand des Würfels entfernt, werden daher in
der Regel mehr als die Hälfte aller Cubies falsch stehen! (C. Bandelow, 1981,
S. 49 ff.)

9.1.2 Eine einfache Strategie - Die Ecken-Kanten-Me-


thode
Bei dieser Methode nach D. Joyner (2002, S. 234 ff.) wird der Würfel in fol-
genden 4 Schritten gelöst:

1. Ordne die Eckencubies, sodass sie zu den Cubies im Zentrum passen,


ohne Rücksicht auf ihre Orientierung.

76
2. Ordne die Kantencubies, sodass sie zu den Cubies im Zentrum passen,
ohne Rücksicht auf ihre Orientierung.

3. Bringe die Orientierung der Eckencubies in Ordnung.

4. Nachdem auch die falsch orientierten Kantencubies richtig gedreht wor-


den sind, ist der Würfel gelöst!

Ordnung der Eckencubies Dies gelingt mit Hilfe einer Methode, die wir
in Anlehnung an D. Joyner (2002) fischen“ nennen wollen. Mathematisch

gesehen handelt es sich dabei um die Anwendung sorgsam ausgesuchter Kom-
mutatoren.
Angenommen, wir wollen das (lvu)-Eckencubie in das (orv)-Cubizil brin-
gen, ohne den Rest des Würfels zu sehr durcheinander zu bringen. Der Zug R0
entspricht beim fischen“ dem Auslegen des Köders, mit dem Zug U beißt der

Fisch an und mit R wird die Angel wieder eingeholt - der Fisch ist gefangen.
U 0 bringt schließlich den Meeresboden“ wieder in Ordnung.

Mit der Methode des Fischens kann man entweder (a) alle Eckencubies
richtig positionieren, (b) alle richtig positionieren, bis auf zwei, die vertauscht
werden müssen, oder (c) alle richtig positionieren, außer drei, die zyklisch per-
mutiert werden müssen.
Um diesen ersten Schritt zu vollenden, brauchen wir daher eine Ecken-
Transposition im Fall (b) und einen Ecken-3-Zyklus im Fall (c).
Im Fall (b) bietet sich folgendes Manöver an:

OV [R, O]3 V 0 → (ohr, ovl)(ov, ol, oh, or).

Sind die Ecken, die man permutieren möchte, nicht in den Positionen (ohr)
und (ovl), dann verwendet man folgenden Trick:
Man dreht den Würfel so, dass einer der zu permutierenden Eckencubies in
der (ohr)-Position ist und bringt den zweiten Eckencubie mit einem passenden
Randscheibenzug (so ködert man ihn!) in das (ovl)-Cubizil. Dann führt man
obiges Manöver aus und anschließend den zum Ködern“ inversen Randschei-

benzug (so holt man den Köder wieder ein).
Im Fall (c) verwendet man beispielsweise

[RU R0 , O] → (hru, orh, olh).

Sind die entsprechenden Eckencubies nicht in den richtigen Positionen, so


muss man wieder den Köder“-Trick verwenden.

77
Ordnung der Kantencubies Um diesen Schritt zu vollenden muss man
einfach den Kanten-3-Zyklus
MR2 O0 MR0 O2 MR O0 MR2 → (ov, ol, or)
in Kombination mit dem bewährten Köder-Trick (mathematisch gesehen
eine simple Konjugation) immer weiter anwenden, bis die Ordnung der Kan-
tencubies vollständig hergestellt ist.
Da 3-Zyklen die alternierende Gruppe erzeugen, funktioniert diese Vorge-
hensweise jedenfalls für gerade Permutationen der Kantencubies. Handelt es
sich bei der Position des Würfels um eine ungerade Permutation der Ecken
und Kanten, so wendet man einfach zusätzlich ein Manöver an, das sowohl
zwei Ecken als auch zwei Kanten vertauscht, z.B.

L0 ORO0 LO2 R0 ORO2 R0 (11) → (orv, ohr)(ov, or)

(M. B. Thistlethwaite in C. Bandelow, 1981, S. 129, m900 ),

RHR0 OH 0 OHO2 RH 0 R0 O(12) → (orv, hol)(ov, or)

(M. B. Thistlethwaite in C. Bandelow, 1981, S. 129, m905 ) oder

OHLOL0 O0 H 0 (7) → (−ovl, ohr)(+olh)(+oh, or)(+ol)

(C. Bandelow, 1981, S. 129, m991 ).

Orientierung der Eckencubies Hierfür genügt ein Manöver, das zwei Ek-
kencubies gegensinnig verdreht, in Kombination mit unserem Köder-Trick. Ein
geeignetes Manöver ist

(R0 U 2 RH 0 O2 H)2 → (+ovr)(−hlu).

Orientierung der Kantencubies Es empfehlen sich folgende zwei Manöver:

(MR O)3 O(MR0 O)3 O → (+ov)(+oh) sowie

(MR O)4 → (+oh)(+ol)(+uv)(+uh).

9.1.3 Die Anzahl der Züge


Wieviele Züge benötigt man im schlimmsten Fall“ mindestens, um den Würfel

zu lösen? Wir wollen uns bei der Betrachtung dieser Frage darauf einigen, dass
es sich bei einem Zug um einen Randscheibenzug um 90◦ im oder gegen den
Uhrzeigersinn handelt.
Anders formuliert möchten wir wissen, aus welcher Position man die mei-
sten Züge benötigt, um den Würfel zu lösen, wenn man die bestmögliche Stra-
tegie verwendet und so mit einer minimalen Anzahl an Zügen auskommt. Die

78
größte auftretende Anzahl dieser Minimalzahl an Zügen wird God’s num-

ber“ genannt. Diese Anzahl entspricht zugleich dem Durchmesser des Cayley-
Graphen.
Eine ungefähre Untergrenze für God’s number erhält man mittels folgender
Überlegung (T. Davis, 2006, S. 31): Von einem geordneten Würfel ausgehend
gibt es höchstens 12 mögliche Positionen nach dem ersten Randscheibenzug (6
Scheiben, im oder gegen den Uhrzeigersinn). Nach zwei Zügen gibt es höchstens
12 · 11 Positionen, nicht 122 , da einer der 12 Züge den ersten rückgängig macht
(und damit zur Startposition zurückführt). Nach 3 Zügen gibt es höchstens
12 · 112 und nach n Zügen schließlich höchstens 12 · 11n−1 mögliche Positio-
nen. Nachdem man genauso viele Züge benötigt, um aus einer bestimmten
Position den Würfel zu lösen, wie man brauchen würde, um aus der Startposi-
tion zu der entsprechenden Position zu gelangen, muss Pn−1n groß genug sein, dass
n
2
1 + 12 + 12 · 11 + 12 · 11 + . . . + 12 · 11n−1
= 1 + 12 · ( k=0 11 ) = 1 + 12 · 1110−1 >
k

4, 32 · 1019 , wobei auf der linken Seite der Ungleichung 1 für die Identität, den
geordneten Würfel, steht und die Zahl auf der rechten Seite der Ungleichung
die Gesamtanzahl möglicher Positionen ist. Löst man diese Gleichung für n,
erhält man eine Untergrenze von 19. Etwas vorsichtigere Kalkulationen schlie-
ßen unnötig komplizierte Züge, wie z.B. V V V , aus. Dadurch hat man auf der
linken Seite ab dem zweiten Zug nicht immer 11 Mögichkeiten, sondern manch-
mal weniger, wodurch sich aus der Gleichung für n letztendlich eine größere
Zahl ergeben muss. Diese Vorsichtsmaßnahmen liefern für die Untergrenze von
God’s number den Wert 21.
Lange Zeit hatte man gedacht, dass God’s number 24 ist, da man (minde-
stens) 24 Züge benötigt, um die Position Superflip“, bei der alle Kantencubies

falsch orientiert sind, in den geordneten Zustand zurückzuführen.
Dann fand Mike Reid ein noch längeres Element der Rubikschen Gruppe,
das zwar nur 21 Randscheibenzüge, aber 26 echte“ 90◦ -Randscheibenzüge

benötigt (D. Joyner, 2002, S. 81):

superflip4spot= O2 U 2 LV 2 O0 U R2 HO0 U 0 RLV 2 ROU 0 R0 LOV 0 H 0 (26).

Mike Reid bewies auch, dass die Anzahl der Züge dieses Manövers minimal
ist, um den Würfel aus der dem Manöver entsprechenden Position in den geord-
neten Zustand überzuführen, was bedeutete, dass God’s number mindestens
26 sein muss.
Im Frühjahr 2007 gelang es D. Kunkle und G. Cooperman zu zeigen, dass
God’s number genau 26 beträgt.

79
9.1.4 Wichtige Manöver
Der Superflip
Der Superflip ist besonders wichtig, da er, wie bereits gezeigt, neben der Iden-
tität das einzige Manöver im Zentrum der Rubikschen Gruppe ist. Seine einzige
Wirkung ist die Umorientierung aller Kantencubies.
Die kürzeste Variante des Superflips stammmt von Mike Reid (in D. Joyner,
2002, S. 80):

R0 O2 HL0 V O0 HU V OU 0 LU 2 V 0 RH 0 U V 0 O0 H 0 OU 0 (24)

Jerry Bryan zeigte in einem eMail vom 19.2.1995 an die cube lover’s email

list“, dass es keine geringere Anzahl von 90◦ -Randscheibenzügen gibt, die den
Superflip bewirken.
(ftp-Archive der cube-lovers“-Liste auf ftp://ftp.ai.mit.edu/pub/cube-lovers/

in D. Joyner, 2002, S. 80)

Drehungen der Eckencubies


Isotwist für die obere Scheibe:

R0 U RV U V 0 (6) → (+orv)(+uvr)(+urh, uhl, ulv)(vr, ul, uv, ru, hu)

(C. Bandelow, 1981, S. 116 m0 )

Abbildung 9.1: R0 U RV U V 0 (6) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 116)

Gegensinnige Verdrehung zweier Eckencubies:

R(O2 RV 0 U 2 V R0 )2 R0 (13) → (+orv)(−ovl)

(C. Bandelow, 1981, S. 117 m5 )

(O2 L0 V BLV )4 (12) → (+orv)(−olh)

(E. Rubik in C. Bandelow, 1981, S. 117 m15 )

80
Abbildung 9.2: R(O2 RV 0 U 2 V R0 )2 R0 (13) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 117 )

Abbildung 9.3: (O2 L0 V BLV )4 (12) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 117 )

Ecken-3-Zyklen
RHL0 H 0 R0 HLH 0 (8) → (ovl, orv, hro)
(C. Bandelow, 1981, S. 119 m101 )
(R2 U L2 U 0 )2 (8) → (ovl, orv, urh)
(C. Bandelow, 1981, S. 120 m110 )

Ecken-Transpositionen
Isoswap für die obere Scheibe:
R0 U V 0 U 2 V U 0 R(7) → (ovl, orv)(uvr, uhl)(uv, uh)(vl, rv)
(C. Bandelow, 1981, S. 121 m300 )

Drehungen der Kantencubies


Isoflip für die obere Scheibe:
RMU R2 MU2 R(5) → (+or)(+vl)(hl, ru)(v, l, h, r),
wobei v, l, h, r die entsprechenden Flächencubies vorne, links, . . . bezeich-
net.
(C. Bandelow, 1981, S. 122 m400 )
(MR O)4 (8) → (+ol)(+oh)(+hu)(+uv)
(C. Bandelow, 1981, S. 122 m431 )

81
Abbildung 9.4: RHL0 H 0 R0 HLH 0 (8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 119)

Abbildung 9.5: (R2 U L2 U 0 )2 (8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 119)

Abbildung 9.6: R0 U V 0 U 2 V U 0 R(7) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 121)

Abbildung 9.7: RMU R2 MU2 R(5) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 122)

82
Kanten-3-Zyklen
R2 MU0 R2 MU (4) → (vr, hl, hr)

(C. Bandelow, 1981, S. 123 m500 )

Abbildung 9.8: R2 MU0 R2 MU (4) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 123)

ROR0 MV0 RO0 R0 MV (8) → (ov, ol, ro)

(C. Bandelow, 1981, S. 123 m511 )

Abbildung 9.9: ROR0 MV0 RO0 R0 MV (8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 123)

Kanten-Transpositionen
(R2 MU2 )2 (4) → (vr, hr)(vl, hl)

(C. Bandelow, 1981, S. 126 m600 )

83
(R2 O2 )3 (6) → (rv, rh)(ov, oh)

(C. Bandelow, 1981, S. 126 m620 )

Abbildung 9.10: (R2 O2 )3 (6) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 126)

V O2 V 0 O0 L0 H 0 O2 HOL(10) → (+ov, oh)(+ol, or)


(C. Bandelow, 1981, S. 127 m710 )

Abbildung 9.11: V O2 V 0 O0 L0 H 0 O2 HOL(10) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 127)

Transpositionen von Ecken- und Kantencubies


L0 ORO0 LO2 R0 ORO2 R0 (11) → (orv, ohr)(ov, or)

(M. B. Thistlethwaite in C. Bandelow, 1981, S. 129, m900 )

84
Kapitel 10

Andere mathematische
Spielzeuge

10.1 Der Superwürfel


10.1.1 Beschreibung des Superwürfels
Beim Superwürfel werden die normalerweise unsichtbaren Drehungen der Flä-
chencubies sichtbar gemacht. Die einfachste Möglichkeit hierfür ist, auf jede der
sechs Würfelseiten einen Strich zu machen, der den Mittelpunkt des Flächen-
cubiefarbplättchens mit dem Mittelpunkt eines Nachbarplättchens verbindet
(s. Abbildung 10.1).

Abbildung 10.1: Der Zauberwürfel mit markierten Mitten (Quelle: C. Bandelow,


1981, S. 92)

Beim Spiel Superwürfel“ muss nun dieser markierte Würfel, nachdem er



durcheinander gebracht wurde, so in den Ausgangszustand zurück geführt wer-
den, dass auch die Strichhälften wieder richtig zusammenpassen. Die Dre-
hungen der Flächencubies müssen in einem mathematischen Modell für den
Superwürfel mit berücksichtigt werden. Wir unterscheiden hierfür wieder be-
wegliche Cubies und Cubizile, die mit einer undurchsichtigen, unbeweglichen
Würfelhülle verbunden sind. Nach Wahl einer beliebigen Nummerierung der 6

85
Flächencubies beschreiben wir ihre Lagen durch ein 6-tupel z = (z1 , . . . , z6 ) ∈
Z := {0, 1, 2, 3}6 , wobei zk angibt, welche der 4 Seiten des k-ten Flächencubies
unter dem Markierungsstrich seines Cubizils liegt (k = 1, . . . , 6).

10.1.2 Definition
Eine R-Position des Superwürfels ist ein 5-tupel (ρ, σ, x, y, z), wobei (ρ, σ, x, y)
eine R-Position des Würfels und z ∈ Z = {0, 1, 2, 3}6 ist. Sie heißt möglich,
wenn sie aus dem Ausgangszustand (1, 1, 0, 0, 0) des Superwürfels durch Rand-
scheibendrehungen erreichbar ist (C. Bandelow, 1981, S. 94).

10.1.3 Satz
Eine R-Position des Superwürfels ist genau dann möglich, wenn die Bedingun-
gen (a), (b) und (c) aus Satz 4.3.3 und die Bedingung
(d) (−1)z1 +...+z6 = sgn(ρ)
erfüllt ist (C. Bandelow, 1981, S. 94).
Beweis:(⇒) Ist (ρ, σ, x, y, z) eine mögliche R-Position des Superwürfels, so
ist (ρ, σ, x, y) eine mögliche R-Position des normalen Würfels, woraus folgt,
dass die Bedingungen (a), (b) und (c) aus Satz 4.3.3 erfüllt sind. Gleichung (d)
gilt für jede mögliche R-Position, weil sie für den Ausgangszustand (1,1,0,0,0)
des Superwürfels erfüllt ist (hier ist z1 = . . . = z6 = 0 und sgn(ρ) = sgn(IS8 ) =
1) und bei jedem 90◦ -Randscheibenzug erhalten bleibt (Jeder der Züge V , H,
R, L, O und U bewirkt einen Ecken-4-Zyklus und verändert so das Vorzeichen
von ρ). Außerdem bewirkt er durch die Drehung des entsprechenden Flächen-
cubies, dass die Summe z1 + . . . + z6 um 1 verändert wird.
(⇐) Zu zeigen bleibt: Wenn eine Position des Superwürfels, bei der sich
Ecken- und Kantencubies bereits im geordneten Zustand befinden, Bedingung
(d) erfüllt, ist sie möglich. Wir können voraussetzen, dass ρ gerade ist, denn
ist für eine Position p ρ ungerade, so betrachten wir analog zu Satz 4.3.3
einfach die Position pa = pO, deren Permutation der Ecken ρa gerade ist und
die ebenfalls Bedingung (d) erfüllt (falls auch p die Bedingung (d) erfüllt),
da O die Koordinate des Flächencubies o um 1 verändert. Ist nun pa mittels
Randscheibenzügen erreichbar, so auch p = pa O0 .
Wir müssen daher zeigen, dass jede Position mit ρ gerade und damit z1 +
. . . + z6 ≡ 0 (mod2) für die Flächencubies auflösbar ist. Das gelingt analog
zu Satz 4.3.3 mit einem geeigneten Weg um den Würfel und/oder mit Hilfe
folgender Manöver, wobei die Vorzeichen +“, −“ bzw. ++“ die Drehung
” ” ”
eines Flächencubies um 90◦ im Uhrzeigersinn, um 90◦ gegen den Uhrzeigersinn
bzw. um 180◦ im Uhrzeigersinn bezeichnen:

(OR)105 (210) → (+o)(+r)

86
Abbildung 10.2: (OR)105 (210)

(ORLO2 R0 L0 )2 (12) → (+ + o)

Abbildung 10.3: (ORLO2 R0 L0 )2 (12) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 93)

MR0 MU0 MR · O0 · MR0 MU MR · O(8) → (+o)(−r)

Abbildung 10.4: MR0 MU0 MR · O0 · MR0 MU MR · O(8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S.


93)

MR0 MU0 MR · O2 · MR0 MU MR · O2 (8) → (+ + o)(+ + r)

MR0 MU2 MR · O0 · MR0 MU2 MR · O(8) → (+o)(−u)

(MR0 MU2 MR · O2 )2 (8) → (+ + o)(+ + u)

87
Abbildung 10.5: MR0 MU0 MR · O2 · MR0 MU MR · O2 (8)(Quelle: C. Bandelow, 1981, S.
93)

Abbildung 10.6: MR0 MU2 MR · O0 · MR0 MU2 MR · O(8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S.
93 )

10.1.4 Satz
Bezeichnet |P | die Anzahl der möglichen R-Positionen des Zauberwürfels, so
gilt:
Es gibt genau

211 · |P | = 88580102706155225088000 = 238 314 53 72 11


(mehr als 88 Trilliarden) mögliche R-Positionen des Superwürfels.
Beweis: Da für jede mögliche R-Position (ρ, σ, x, y, z) des Superwürfels die
Gleichung (−1)z1 +...+z6 = sgn(ρ) gilt, kann man z1 , . . . , z5 beliebig wählen und

Abbildung 10.7: (MR0 MU2 MR · O2 )2 (8) (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 93 )

88
hat dafür 45 Möglichkeiten. z6 muss dann je nach Vorzeichen von ρ entweder
gerade oder ungerade sein - man hat dafür in jedem Fall noch 2 Möglichkeiten.
Daraus folgt: Die Anzahl der R-Positionen des Superwürfels beträgt 45 ·2·|P | =
211 · |P |. q.e.d. (C. Bandelow, 1981, S. 94)

Bemerkung Die minimale Anzahl von Generatoren für die dem Superwürfel
entsprechende Supergruppe ist gleich der Anzahl der Mitten, also gleich 6 (W.
Hintze, 1982, S. 102).

10.2 Der 2 × 2 × 2-Würfel

Abbildung 10.8: (Quelle: W. Hintze, 1982, S. 116)

Er besteht genau aus den Ecken des gewöhnlichen Zauberwürfels, weshalb


der für die Ecken zuständige Teil einer Strategie für den großen Würfel stets ei-
ne Strategie für den kleinen Würfel darstellt. Da keine Mitten vorhanden sind,
um die Farbe einer Seite zu bestimmen, können wir eine beliebige Ecke des
Würfels, z.B. uhl, als fest ansehen. Durch sie wird die Ordnung und der weitere
Aufbau des Würfels festgelegt. Die verbleibenden 7 Ecken können durch die
Züge O, R und V positioniert und orientiert werden. Genauer gesagt können sie
beliebig permutiert werden, da jedes Manöver, das auf dem großen Würfel ei-
ne Ecken-Transposition und irgendeine ungerade Kanten-Permutation erzeugt,
auf dem kleinen Würfel nur noch die Ecken-Transposition bewirkt. Die Orien-
tierungsbedingung bleibt für die 7 bewegbaren Eckencubies (aus den gleichen
Gründen wie beim großen Würfel) bestehen, d.h. x1 + . . . + x7 ≡ 0 (mod3).
Daher gilt

10.2.1 Satz
Der 2 × 2 × 2-Würfel besitzt genau 7! · 36 = 3674160 mögliche Farbmuster (C.
Bandelow, 1981, S.102).

89
Das ist 1/24 der Zahl der reinen Eckenzustände des großen Zauberwürfels,
bei dem sich 8! · 37 ergibt. Der Faktor 1/24 entspricht gerade der Anzahl an
Symmetrieabbildungen des Würfels, d.h. an möglichen Drehungen des Würfels
als Ganzes. Die 8 Ecken des Würfels sind zwar auf 8! Arten permutierbar und
auf 37 Arten orientierbar, aber 24 der so erhaltenen Stellungen unterscheiden
sich nur dadurch, dass der Würfel als Ganzes gedreht ist, ohne die relative Lage
der Cubies zu ändern. (Beim normalen“ Zauberwürfel unterscheiden sich diese

24 Stellungen auch durch die relativ zu den Eckencubies unterschiedliche Lage
der Cubies im Zentrum, die hier einen festen Bezugsrahmen vorgeben.)
In Anlehnung an das Modell von W. Hintze (1985, S. 73) finden wir folgende
Abschätzung für den Durchmesser des 2 × 2 × 2-Würfels:
Da man eine Ecke des Würfels festhalten und alle möglichen Stellungen
mit Manövern erreichen kann, die aus den 90◦ -Zügen von nur 3 Randscheiben
erzeugt werden, erreicht man nach k Zügen maximal

Gk = 1 + 6 + 6 · 5 + 6 · 52 + . . . + 6 · 5k−1 = 1 + 6 · (50 + 51 + 52 + . . . + 5k−1 )


= 1 + 6 · (5k − 1)/4

mögliche Stellungen. (Die Identität ergibt eine Stellung, nach dem ersten
Zug erreicht man mit 3 Randscheiben, bei denen man jeweils zwei mögliche
Züge hat - 90◦ im oder gegen den Uhrzeigersinn - maximal 6 Stellungen, nach
dem zweiten Zug 6 · 5 neue Stellungen - nicht 6 · 6, weil man den ersten Zug
nicht rückgängig machen darf, um neue Stellungen zu erhalten - u.s.w.)
Die Zahl der Züge k gibt uns eine untere Grenze für den Durchmesser an,
wenn die Zahl der erreichten Stellungen Gk größer oder gleich der Anzahl aller
möglichen Positionen des Würfels ist. Es gilt
Gk = 1 + 6 · (5k − 1)/4 ≥ 7! · 36 ⇔ k ≥ 10
Somit ist der Durchmesser mindestens 10, d.h. es gibt eine Stellung, die
mindestens 10 Züge vom Grundzustand entfernt ist. Zählt man auch 180◦ -
Randscheibenzüge als nur einen Zug (und nicht, wie wir bisher, als zwei 90◦ -
Züge), so gibt es eine exakte Bestimmung des Durchmessers durch P.P Weid-
haas (in W. Hintze, 1985, S. 73), die er mit seinem Computerprogramm durch-
geführt hat. Danach beträgt der Durchmesser des 2 × 2 × 2-Würfels 11. Laut
Hintze (1985, S. 74) gibt es 2644 Stellungen mit maximalem Abstand vom
Grundzustand (sog. Antipoden). Weidhaas gibt folgendes Beispiel für einen
Antipoden an:

V OV OV R2 V R0 V R2 O2 .

90
10.3 Das magische Domino

Abbildung 10.9: Das magische Domino: links im Ausgangszustand, rechts ge-


mischt (Quelle: C. Bandelow, 1981, S. 81 )

Im Unterschied zum 2 × 2 × 2-Würfel erfordert es neue strategische Über-


legungen, da nur solche Würfel-Manöver-übetragen werden können, die keine
90◦ -Züge mit senkrechten Scheiben enthalten. Laut C. Bandelow (1981, S. 102)
sind die wichtigsten Manöver für das Domino:

(R2 O2 )3 (6) → (ov, oh),

R2 V 2 OH 2 O0 V 2 OH 2 O0 R2 (10) → (ovl, orv, ohr) und

R2 V 2 OH 2 O0 V 2 OH 2 O0 R2 O(11) → (olh, ohr)(oh, or, ov, ol).

Mit dem letzten Manöver kann unter Zuhilfenahme von Konjugationen je-
de Permutation der 8 Eckencubies erreicht werden. Anschließend lassen sich
die Kantencubies mit dem ersten Manöver beliebig umordnen. Da jedoch Um-
ordnungen, die sich durch eine Drehung des gesamten Dominos um seine senk-
rechte Achse erreichen lassen, nicht erneut gezählt werden dürfen, ergeben sich
für das magische Domino genau

(8!)2 /4 = 406425600

verschiedene mögliche Positionen ( Muster“).



91
Abbildung 10.10: (Quelle: W. Hintze, 1985)

10.4 Pyraminx - Die Zauberpyramide


10.4.1 Funktionsweise und Bezeichnungen
Die Segmentierung des Pyraminx erhält man, indem man einem Tetraeder je-
weis zwei Schnitte im gleichen Abstand parallel zu jeder seiner vier Flächen
zufügt und dadurch jede Fläche in neun gleichgroße gleichseitige Dreiecke zer-
teilt. Es entstehen folgende Bestandteile:

• 4 tetraederförmige Spitzen,

• 4 oktaederförmige Mittelteile,

• 6 tetraederförmige Kanten,

die jeweils in drei Schichten angeordnet sind.


Im Grundzustand ist jede der vier Flächen mit nur einer Farbe belegt. Wir
nummerieren alle 36 Segmentflächen durch, wie es in folgender Grundrisszeich-
nung (Abbildung 10.11) durchgeführt ist.

92
Abbildung 10.11: Grundrisszeichnung des Pyraminx (Quelle: D. Joyner, 2002, S.
54)

Dabei muss man sich die Pyramide so zusammengefaltet vorstellen, dass


die Segmentflächen (1, 2, 3); (13, 28, 27); (22, 36, 23) und (17, 32, 18) jeweils eine
Ecke umschließen. Wir stellen die Pyramide nun so vor uns hin, dass das
mittlere Dreieck im Grundriss unten, das linke vorne, das obere rechts und
das rechte links ist und dass wir gerade auf das vordere Dreieck daraufblicken.
Nun bezeichnen wir die 4 Ecken mit O(ben), R(echts), L(inks) und H(inten).
Für die Basismanöver, die man mit Pyraminx durchführen kann, führen wir
folgende Bezeichnungen ein:
Sei X ∈ {O, R, L, H}. Die Seiten des Pyraminx nennen wir ihrer Lage ent-
sprechend V (orne), R(echts), L(inks) und U (nten). Wir bezeichnen die Dre-
hung der Scheibe, auf der die der Ecke X gegenüberliegende Tetraederseite
F ∈ {V, R, L, U } liegt, um 120◦ im Uhrzeigersinn mit F1 . Die Drehung der
angrenzenden mittleren Scheibe um 120◦ im Uhrzeigersinn bezeichnen wir mit
F2 und die Drehung der Ecke selbst um 120◦ im Uhrzeigersinn, die eigentlich
nur einer Umorientierung der Ecke entspricht, mit F3 .
Diese Drehzüge bewirken folgende Permutationen der Segmentflächen:

• V1 = (2, 32, 27)(8, 31, 26)(7, 30, 12)(19, 29, 11)(18, 28, 3)(1, 17, 13)
(6, 15, 4)(5, 16, 14)

• V2 = (9, 35, 25)(21, 34, 24)(20, 33, 10)

• V3 = (23, 22, 36)

93
• R1 = (3, 36, 17)(11, 34, 16)(10, 35, 6)(24, 31, 5)(23, 32, 1)(2, 22, 18)
(9, 20, 7)(8, 21, 19)
• R2 = (12, 33, 15)(26, 29, 14)(25, 30, 4)
• R3 = (27, 28, 13)
• L1 = (1, 28, 22)(5, 29, 21)(4, 33, 9)(14, 34, 8)(13, 36, 2)(3, 27, 23)
(11, 26, 24)(12, 25, 10)
• L2 = (6, 30, 20)(16, 31, 19)(15, 35, 7)
• L3 = (17, 32, 18)
• U1 = (13, 18, 23)(14, 19, 24)(15, 20, 25)(16, 21, 26)(17, 22, 27)(28, 32, 36)
(29, 31, 34)(30, 35, 33)
• U2 = (4, 7, 10)(5, 8, 11)(6, 9, 12)
• U3 = (1, 2, 3)
Alle möglichen Manöver lassen sich als Kombination dieser Drehzüge erzeu-
gen. Die Gruppe aller möglichen Positionen des Pyraminx, genannt die Pyra-

minx-Gruppe“, wird allerdings schon unter Verwendung von 8 Basismanövern
eingehend beschrieben, für die wir in Anlehnung an D. Joyner (2002, S. 213)
und W. Hintze (1985, S. 12 ff.) folgende Manöver auswählen:
• l beschreibt die Drehung der linken Ecke L um 120◦ im Uhrzeigersinn
(Blickrichtung auf die Ecke),
• L beschreibt die Drehung der linken Ecke L zusammen mit der Mittel-
scheibe, die neben der linken Ecke liegt, um 120◦ im Uhrzeigersinn.
• Die weiteren Basismanöver r, R, o, O, h und H werden analog definiert.
Außerdem legen wir folgende Notation fest:
• Sei E die Menge der Ecken (Spitzen) des Pyraminx,
• K die Menge der Kantenstücke,
• C die Menge der inneren Teile des Tetraeders (damit sind bewegliche
Teile, die nicht in E oder K liegen, gemeint)
• SK die Permutationsgruppe von K und
• AK die alternierende Gruppe von K.
Es soll G = hR, L, O, H, r, l, o, hi die Pyraminx-Gruppe bezeichnen. Jeder
Zug g ∈ G verursacht eine Permutation der Kanten bezeichnet mit σ(g). Man
beachte, dass G die Ecken nicht permutiert!

94
Abbildung 10.12: Die Basismanöver (Quelle: W. Hintze, 1985, S. 13)

10.4.2 Lemma
σ : G → SK ist ein Gruppenhomomorphismus (D. Joyner, 2002, S. 213).

10.4.3 Orientierungen
Die Orientierungskoordinaten werden an einem geordneten Pyraminx festge-
setzt. Wir wählen bei jedem Ecken- bzw. Kantenstück jeweils eine Seite aus,
die wir mit einem imaginären +“ markieren. Angenommen, wir entscheiden

uns für folgende markierte Segmentflächen:

• 4, 6, 10, 15, 20, 25 (Kantenflächen)

• 1, 13, 17, 23 (Eckenflächen)

Für jedes Kantenstück ordnet man einem Zug g ∈ G

95
• 0“ zu, falls diejenige Seite dieses Stücks, die in der geordneten Position

mit +“ markiert war, durch den Zug g zu jener Seite hingeschickt wurde,

die in der gegenwärtigen Position mit +“ markiert ist.

• Andernfalls ordnet man ihm 1“ zu.

Man erhält so ein 6-tupel von Orientierungskoordinaten für die Kanten:
w(g)
~ = (w1 , w2 , . . . , w6 ) mit wi ∈ {0, 1}∀i ∈ {1, . . . , 6}.
Nachfolgend sind die Auswirkungen einiger Basiszüge auf die Kantenorien-
tierungen dargestellt:

X w(X)
~
H (0, 0, 0, 1, 0, 1)
R (0, 0, 1, 0, 1, 0)
L (1, 0, 1, 0, 0, 0)
O (0, 1, 0, 1, 0, 0)
−1 −1
RO R O (1, 1, 0, 0, 0, 0)

Tabelle 10.1: Die Basismanöver (Quelle: D. Joyner, 2002, S. 213)

Für jedes Eckenstück ordnet man einem Zug g ∈ G


• 0“ zu, falls diejenige Seite dieses Stücks, die in der geordneten Position

mit +“ markiert war, durch den Zug g zu jener Seite hingeschickt wurde,

die in der gegenwärtigen Position mit +“ markiert ist.

• 1“ zu, falls diejenige Seite dieses Stücks, die in der geordneten Position

mit +“ markiert war, durch den Zug g zu jener Seite hingeschickt wurde,

die man in der gegenwärtigen Position mit einer 120◦ -Drehung der +“-

Seite im Uhrzeigersinn erreicht.
• Andernfalls ordnet man ihm 2“ zu.

Man erhält so ein 4-tupel von Orientierungskoordinaten für die Ecken:
~v (g) = (v1 , v2 , v3 , v4 ) mit vi ∈ {0, 1, 2}∀i ∈ {1, . . . , 4}.
Nachfolgend sind die Auswirkungen einiger Basiszüge auf die Eckenorien-
tierungen aufgeführt:
X ~v (X)
H (0, 0, 0, 1)
R (0, 0, 1, 0)
L (0, 1, 0, 0)
O (1, 0, 0, 0)

96
Für jedes Basismanöver gilt, dass die Summe der Kantenkoordinaten gera-
de ist. Da sich jedes g ∈ G als Hintereinanderschachtelung von Basismanövern
darstellen lässt und die Summe gerader Zahlen wieder gerade ist, folgt nach
D. Joyner (2002, S. 214)

10.4.4 Proposition
Ist w(g)
~ = (w1 , w2 , . . . , w6 ) der Orientierungskantenvektor eines Zuges g ∈ G,
so gilt
w1 + w2 + . . . + w6 ≡ 0 (mod2)

10.4.5 Definition
Sei H die illegale Pyraminx-Gruppe, die durch G und illegale“ Züge erzeugt

wird (das sind Züge, die man nur machen kann, wenn man die Kantenstücke
entfernt, miteinander beliebig vertauscht und wieder anmontiert). Illegale Züge
der Mittelstücke oder Ecken sind in H nicht erlaubt.
Sei
H ∗ = {(s, v, w)|s ∈ SK , v ∈ Z43 , w ∈ Z62 }.
Analog zur Multiplikation in der Rubikschen Gruppe kann man auch hier
eine Multiplikation ∗ : H ∗ × H ∗ → H ∗ definieren:
(s, v, w) ∗ (s0 , v 0 , w0 ) = (s ∗ s0 , v + v 0 , w + sw0 ) (D. Joyner, 2002, S. 215).
Damit ergibt sich folgender Satz

10.4.6 Satz
• Mit oben definierter Operation ist H ∗ eine Gruppe.
• Da sich die Ecken des Pyraminx beliebig orientieren lassen und die Per-
mutationen und Umorientierungen der Kanten wie beim Würfel durch
ein semidirektes Produkt beschrieben werden können, gilt
H∼
= H∗ ∼
= Z43 × (SK n Z62 ).
• Die Abbildung G → H ∗ , definiert durch g → (σ(g), v(g), w(g)), ist ein
Homomorphismus.
Bei der Lösung des Pyraminx braucht man sich um die Mittelstücke keine
Gedanken machen, denn:
• Die Mittelteile, die zu einer Ecke gehören, können mit keinem Zug auf
eine Mittelscheibe, die neben einer anderen Ecke liegt, gebracht werden.
• Die Mittelteile, die zu einer Ecke gehören, können stets durch Drehung
der Ecke mit dieser farblich abgestimmt werden.

97
10.4.7 Satz
G ist isomorph zu

{(s, v, w) ∈ H ∗ |s ist eine gerade Permutation, w1 + w2 + . . . + w6 ≡ 0


(mod2)}.

Beweis:

1. Wir zeigen: AK = hσ(R), σ(L), σ(O), σ(H)i.


Da bei jedem Basismanöver, R, L, O und H eine zyklische Vertauschung
von jeweils 3 Kanten passiert, also eine gerade Permutation der Kanten,
wissen wir bereits, dass AK ⊇ hσ(R), σ(L), σ(O), σ(H)i.
Die Umkehrung zeigen wir folgendermaßen: Wir benennen die Kanten-
stücke mit den Ziffern 1, . . . , 6 und zwar so, dass sich die Kanten 1 - 3 auf
der Vorderseite von Pyraminx befinden. Die Kante vorne links bezeichnen
wir mit 1, die Kante vorne rechts mit 2 und die Kante vorne unten mit
3. Dann ist das Manöver [R, O−1 ] = R · O−1 · R−1 · O die zyklische
Permutation (1, 3, 2) der Kanten der Vorderseite im Gegenuhrzeigersinn.
(Dieses Manöver bewegt keine Ecken, orientiert jedoch einige Kanten um,
was im Moment keine Rolle spielt, da wir jetzt nur die Permutationen
betrachten.) Da R−1 = R · R und O−1 = O · O gilt, kann man (1, 3, 2) als
Produkt von Elementen der Menge {σ(R), σ(L), σ(O), σ(H)} schreiben.
Wählt man nun i ∈ {4, 5, 6} beliebig und bestimmt s ∈ G so, dass
s die Kante i zur Kante 2 hinbewegt ohne dabei die Kanten 1 oder 3
zu bewegen (ein solches s lässt sich als Kombination von maximal 2
Basiszügen immer finden), dann stellt das Manöver s · [R, O−1 ] · s−1 den
3-Zyklus (1, 3, i) dar. Es lässt alle Ecken und anderen Kanten bis auf
eventuelle Umorientierungen fest.
Nun wissen wir, dass die Permutationen (1, 3, i) (i ∈ {2, 4, 5, 6}) A6 ∼ =
AK erzeugen. Daher gilt ebenfalls AK ⊆ hσ(R), σ(L), σ(O), σ(H)i und
insgesamt AK = hσ(R), σ(L), σ(O), σ(H)i.

2. Mit eben Gezeigtem folgt, dass die Abbildung G → AK , g → σ(g) sur-


jektiv ist.

3. Wir wissen bereits: ∀g ∈ G mit w(g)


~ = (w1 , w2 , . . . , w6 ) gilt: w1 + w2 +
. . . + w6 ≡ 0 (mod2).
Es bleibt zu zeigen, dass die Abbildung G → {(w1 , w2 , . . . , w6 ) ∈ Z62 |w1 +
w2 + . . . + w6 ≡ 0 (mod2)}, g → w(g) ~ surjektiv ist.
Die Gruppe {(w1 , w2 , . . . , w6 ) ∈ Z62 |w1 +w2 +. . .+w6 ≡ 0 ( mod 2)} ∼= Z52
ist ein 5-dimensionaler Vektorraum über Z2 . Er wird vollständig durch

98
die Vektoren w(g),
~ g ∈ G aufgespannt, da die 5 Vektoren, die in Ta-
belle 10.1 aufgelistet sind, linear unabhängig sind und somit eine Basis
bilden. Daraus und aus der Tatsache, dass G eine Gruppe und die Ab-
bildung g → w(g)
~ ein Homomorphismus ist, folgt, dass die Abbildung
auch surjektiv ist.
q.e.d. (D. Joyner, 2002, S. 216)

Bemerkung Eigentlich müsste man bei der Betrachtung der Pyraminx Grup-
pe die Umorientierung der Mittelstücke ebenfalls einbeziehen. Die oben in
Anlehnung an D. Joyner beschriebene Gruppe betrifft daher lediglich das
Ecken- und Kantenproblem. Zieht man die Mittelstücke auch in Betracht, so
kann man für sie analog zu den Ecken und Kanten den Orientierungsvektor ~u
einführen. Da man die vier Mittelstücke unabhängig voneinander auf dreierlei
Arten orientieren kann, ist die illegale Pyraminx-Gruppe eigentlich isomorph
zu H ∗ ∼ = Z43 × Z43 × (SK n Z62 ) und die Pyraminx-Gruppe G isomorph zu
{(s, v, w, u) ∈ H ∗ |s ist eine gerade Permutation, w1 + . . . + w6 ≡ 0 (mod2)}.
Für diese vollständige Pyraminx-Gruppe gilt nach W. Hintze (1985, S. 17):

10.4.8 Satz
5
Das Pyraminx besitzt N0 = 34 34 6!22 = 75582720 mögliche Positionen (Farb-
muster).
Beweis: Jede der vier Spitzen kann unabhängig von den anderen auf drei-
erlei Weise orientiert sein. Das gleiche gilt für die Mittelstücke, was zusammen
bereits 34 · 34 = 81 · 81 = 6561 Stellungen ergibt. Nach obigem Satz können die
sechs Kanten durch alle geraden Permutationen, also auf 6!2 Arten, vertauscht
werden. Weiters muss die Summe der Orientierungskoordinaten der Kanten ge-
rade sein, man kann die Koordinate daher nur für 5 der 6 Kanten frei wählen
und hat dafür 25 Möglichkeiten. Zusammen ergeben diese Überlegungen die
Behauptung.

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