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COVID-19-Impfung für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 17 Jahren

Infoblatt für Kinder- und Jugendärzt:innen und Eltern Stand:


Juni
2021
Worum geht es in der Empfehlung? Bei welchen
Das Wichtigste auf Vorerkrankungen ist
einen Blick die Impfung empfohlen?

Ende Mai wurde der von BioNTech/Pfizer entwi- tet und gibt basierend darauf eine Empfehlung  Adipositas (> 97 Perzentile
Derzeit gibt es keine allgemeine
ckelte mRNA-Impfstoff Comirnaty von der Euro- ab. In den folgenden FAQs werden die Fakten der des BMI)
Impfempfehlung der STIKO für
päischen Arzneimittelbehörde (EMA) auch für wissenschaftlichen Begründung der Empfehlung
Kinder und Jugendliche von 12 - 17  angeborene oder erworbene
Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren als erster aufgeführt, die Eltern und behandelnden Kinder-
Jahren, sondern nur für Kinder und Immundefizienz oder relevante
COVID-19-Impfstoff in dieser Altersklasse zuge- und Jugendärzt:innen bei der Entscheidung für
Jugendliche mit einem besonderen Immunsuppression
lassen. Andere Impfstoffe für Kinder und oder gegen eine Impfung unterstützen soll.
Risiko. Jugendliche verschiedener Altersgruppen befin-  angeborene zyanotische Herz-
Für unter 12-jährige Kinder ist noch kein Impf-
den sich derzeit noch in der klinischen Prüfung. stoff zugelassen. Sollte ein Impfstoff für jüngere fehler (O2-Ruhesättigung < 80%)
Impfungen sind präventiv-medizini-
sche Interventionen an häufig Die STIKO, ein unabhängiges Expert:innen-Gre- Kinder zugelassen werden, wird die STIKO diese  schwere Herzinsuffizienz
gesunden Menschen und bedürfen mium, das die Impfempfehlungen in Deutsch- Daten bewerten und eine weitere Empfehlung
land auf wissenschaftlicher Basis ausspricht, hat aussprechen.  schwere pulmonale Hypertonie
einer eingehenden Risiko-Nut-
zen-Analyse. Zur Sicherheit der die bisher vorliegenden Daten zu Studien an Kin-  chronische Lungenerkrankungen
dern und Jugendlichen ab 12 Jahren ausgewer- mit einer anhaltenden Einschrän-
Impfung bei Kindern gibt es bislang
noch zu wenig Daten und Erfahrun- kung der Lungenfunktion (ausge-
nommen ist ein gut eingestelltes
gen.
Asthma bronchiale)
Wenn sich Kinder und Jugendliche Für welche Kinder und Jugendliche ist die Impfung  chronische Niereninsuffizienz
ohne Vorerkrankungen infizieren, ist empfohlen?  chronische neurologische oder
der COVID-19-Krankheitsverlauf meist neuromuskuläre Erkrankungen
mild oder sogar asymptomatisch.
Hospitalisierungen und intensivmedi- Die STIKO empfiehlt die COVID-19-Impfung mit einem mRNA-Impfstoff Comirnaty  maligne Tumorerkrankungen
zinische Behandlungen sind selten (BioNTech/Pfizer) derzeit nicht für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 - 17  Trisomie 21
und Todesfälle treten nur vereinzelt Jahren, sondern nur für Kinder und Jugendliche:
auf.  syndromale Erkrankungen mit
schwerer Beeinträchtigung
Bei bestimmten Vorerkrankungen ist  Diabetes mellitus (nicht gut
das Risiko für einen schweren Verlauf eingestellt)
einer COVID-19-Erkrankung erhöht.
Für Kinder und Jugendliche mit
diesen Erkrankungen gibt es eine Mehr Informationen unter:
Impfempfehlung. www.rki.de/covid-19-impfen und
corona-schutzimpfung.de/familien
Die STIKO empfiehlt zunächst
stärker gefährdete Personen zu
impfen.
mit bestimmten Im Umfeld von gefährdeten mit arbeitsbedingt erhöh-
Vorerkrankungen Personen, die sich selbst nicht tem Expositionsrisiko
schützen können
Antworten auf häufig
gestellte Fragen

Wie verläuft COVID-19 bei Kindern und systemischen Reaktionen (Schwäche, Wochen bis Monate anhalten. Bei Kindern Kann man die Pandemie effektiv
Jugendlichen? Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und ist die Datenlage noch limitiert, die STIKO bekämpfen, wenn man jetzt nicht alle
Magen-Darm-Beschwerden). Diese traten hat in ihrer wissenschaftlichen Begründung Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren
Im Gegensatz zu Erwachsenen, insbesonde- impft?
insgesamt nach der zweiten Impfdosis häu- jedoch die aktuellen Daten dazu darge-
re älteren Erwachsenen, verlaufen die
figer und heftiger auf. Schwere uner- stellt. Derzeit laufen Studien, um festzustel- Die STIKO unterstreicht, dass man alles tun
SARS-CoV-2-Infektionen bei 12- bis 17-Jähri-
wünschte Ereignisse, die als impfstoffbezo- len, wie hoch das Risiko für Long-COVID bei sollte, um die Pandemie zu bekämpfen.
gen überwiegend mild bis moderat, häufig
gen bewertet wurden, sowie Todesfälle Kindern tatsächlich ist. Auch wenn die Impfstoffe derzeit von der
sogar asymptomatisch. Etwa 1 % der Kinder
traten nicht auf. Alle Impfreaktionen waren In seltenen Fällen kam es nach COVID-19- STIKO nicht allgemein für Kinder empfoh-
und Jugendlichen, die an COVID-19 erkran-
von kurzer Dauer (1 - 3 Tage) und klangen Infektionen bei Kindern und Jugendlichen len sind, kann man einiges tun: Noch immer
ken, muss ins Krankenhaus, etwa 0,001 %
folgenlos ab. zu PIMS (Pediatric Inflammatory Multisys ist ein Großteil der Erwachsenen nicht
verstirbt. Bisher kam es in Deutschland nur
zu sehr wenigen Todesfällen und diese Aktuell werden seltene Fälle von Herzmus- tem Syndrome), einem schweren entzünd- geimpft, auch unter älteren Menschen gibt
traten auch nur bei Kindern mit sehr schwe- kelentzündungen insbesondere nach der lichen Krankheitsbild. Dies kann auch nach es noch Impflücken. Und natürlich können
ren Vorerkrankungen auf. Die Symptomatik Impfung von jungen Männern mit dem mR- einer asymptomatischen SARS-CoV-2-In- und sollten sich erst einmal möglichst
der COVID-19-Erkrankung bei Kindern ohne NA-Impfstoff in Israel und vereinzelt Norwe- fektion auftreten. PIMS ist gut behandelbar alle Personen um das Kind – die Eltern,
Vorerkrankungen beinhaltet Fieber und gen und Deutschland untersucht. Die und die Erkrankung heilt meist folgenlos Großeltern, Betreuer:innen, Lehrer:innen
Husten, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit Ergebnisse aus der Sicherheitsanalyse der aus. In der Altersgruppe 12 - 17 Jahre und Erzieher:innen – impfen lassen.
und Gliederschmerzen sowie Magen- zuständigen Behörden dazu stehen noch hatten schätzungsweise 0,04 % der Wie geht es weiter?
Darm-Beschwerden. Kinder erholen sich aus. SARS-CoV-2-Infektionen ein PIMS zur Folge.
Das RKI, die Zulassungsbehörden und die
davon meist rasch und folgenlos. Da das Wie wirksam ist die COVID-Impfung bei Diese Zahlen sind zurzeit jedoch noch unsi-
STIKO prüfen kontinuierlich die Evidenzla-
Risiko für Kinder und Jugendliche, an Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren? cher, wahrscheinlich tritt PIMS noch selte-
ge, die dieser Empfehlung zugrunde liegt.
COVID-19 schwer zu erkranken, relativ ner auf.
Nach allem, was bisher bekannt ist, ist der Bei Verfügbarkeit neuer Daten oder
gering ist, ist die Risiko-Nutzen-Abwägung Derzeit schätzt die STIKO diese beiden ins-
mRNA-Impfstoff ein sehr wirksamer Impf- Erkenntnisse werden diese innerhalb der
zwischen der Erkrankung und der Impfung gesamt seltenen Risiken einer COVID-19-In-
stoff. Die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen STIKO diskutiert und die Empfehlung wird
eine andere als bei erwachsenen Personen. fektion bei Kindern und Jugendlichen als
COVID-19 bei 12- bis 15-Jährigen, die zwei ggf. angepasst. Der STIKO, in der auch
Bei Kindern und Jugendlichen mit Vorer- niedrig und nicht ausreichend belegt ein,
Impfstoffdosen erhalten haben, lag bei 100 einige Kinderärzte als Experten mitwir-
krankungen verläuft COVID-19 häufiger um eine generelle Impfempfehlung auszu-
%. Es ist davon auszugehen, dass die Imp- ken, ist bewusst, dass die Impfung ihrer
schwer, deshalb gibt es hier eine Impfemp- sprechen.
fung auch bei Kindern und Jugendlichen Kinder für viele Eltern gerade nach der
fehlung der STIKO.
gut vor schweren Verläufen schützt. Was bedeutet die Öffnungsklausel? belastenden Zeit der Pandemie ein wichti-
Wie sicher ist die COVID-Impfung bei Kin- ges und bedeutsames Thema ist. Jedoch
dern und Jugendlichen ab 12 Jahren? Gibt es Long-COVID bei Kindern und Der COVID-19-Impfstoff Comirnaty ist von steht die Sicherheit der Kinder für die
Jugendlichen? Und was ist PIMS? der EMA für den Gebrauch ab dem Alter STIKO an oberster Stelle, weshalb derzeit
Insgesamt ist der mRNA-Impfstoff nach von 12 Jahren zugelassen. Nach Ansicht
allem, was bisher bekannt ist, ein sicherer Die Symptomatik und das Auftreten von nach einer strengen Risiko-Nutzen-Abwä-
Long-COVID sind bei Kindern noch nicht der STIKO kann 12- bis 17-Jährigen auf gung gegen eine generelle Impfempfehlung
Impfstoff. Zur Sicherheit der Impfung bei Wunsch der Eltern bzw. der Sorgeberechtig-
Kindern gibt es bisher nur wenig Daten und eindeutig geklärt. Bekannt sind anhaltende für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren
Erschöpfungszustände, Atembeschwerden, ten und nach ärztlicher Aufklärung eine entschieden wurde.
Erfahrungen. Die Zahl der untersuchten COVID-19-Impfung mit Comirnaty angebo-
Kinder und Jugendlichen ist zu klein, um Konzentrations- und Schlafstörungen,
depressive Verstimmungen und Herzrhyth- ten werden. Dieses Infoblatt soll die Ent-
auch häufigere unerwünschte Ereignisse zu scheidungsfindung und die individuelle
entdecken. Die mRNA-Impfstoffe gelten als musstörungen, wobei nicht gesichert ist, ob
die angegebenen Symptome tatsächlich Risiko-Nutzen-Analyse unterstützen.
reaktogen. Zur den Impfreaktionen gehö-
ren die üblichen Lokalreaktionen (Schmer- auf die COVID-19-Erkrankung zurückzufüh-
zen und Rötung an der Einstichstelle) sowie ren sind. Diese Symptome können über