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Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden

Projektwettbewerb im selektiven Verfahren

Jurybericht
Impressum

Herausgeber
STADT BADEN
Planung und Bau
Roter Turm
Rathausgasse 5
CH-5401 Baden

Inhalt:
Aris Gavriilidis, Planung und Bau, Stadt Baden
Willy Notter, Gianesi + Hofmann AG, Zumikon

Bezugsquelle:
Planung + Bau
www.baden.ch/planung_bau

Baden, 27. April 2012

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 2


Inhalt

1. Einleitung 5

2. Organisation 6
2.1 Auftraggeberin 6
2.2 Externe Unterstützung 6

3. Grundlagen Projektwettbewerb 7
3.1 Ausgangslage 7
3.2 Perimeter 8

4. Aufgabe und Ziele des Projektwettbewerbs 9


4.1 Wettbewerbsziele 9
4.2 Wettbewerbsaufgabe 9

5. Planungsprozess 10
5.1 Art des Verfahrens 10
5.2 Teilnahmeberechtigung 10
5.3 Zusammensetzung Preisgericht 11
5.3.1 Preisgericht 11
5.3.2 Experten 11
5.3.3 Fachliche Begleitung und Vorprüfung 11
5.4 Präqualifikation 11
5.4.1 Vorprüfung Präqualifikation / Kriterien 11
5.4.2 Auswahl Teilnehmende Projektwettbewerb 12
5.5 Fragenbeantwortung 12
5.6 Jurierungssitzungen Projektwettbewerb 13
5.7 Veröffentlichung und Ausstellung 13

6. Nutzungskonzept und Raumprogramm 14


6.1 Nutzungskonzept 14
6.2 Raumprogramm, Anforderungen und Bezüge 14
6.2.1 Wohnflächen 14
6.2.2 Verkaufsflächen 15
6.2.3 Gewerbe- und Dienstleistungsflächen 16
6.2.4 Nebenräume 16

7. Vorprüfung Projektwettbewerb 17
7.1 Formelle Vorprüfung 17

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7.2 Sachliche Vorprüfung 17
7.3 Zulassung zur Beurteilung 17
7.4 Erweiterte Vorprüfung 17

8. Beurteilung 18
8.1 Erste Sitzung Preisgericht am 23. März 2012 18
8.2 Zweite Sitzung Preisgericht am 04. April 2012 18

9. Rangierung 19
9.1 Preis, Ankäufe und Entschädigungen 19
9.2 Rangierung 19

10. Schlussfolgerung / Empfehlung 20

11. Genehmigung 22

12. Projekte 23
12.1 Projektverfassende 23
12.1.1 Verfassende der rangierten Projekte 23
12.1.2 Verfassende der weiteren Projekte 24
12.2 Projekte 26
12.2.1 Rangierte Projekte 26
12.2.2 Weitere Projekte (ohne Rangierung) 26

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 4


Einleitung

1. Einleitung

Einleitung Die Geschäfts- und Gewerbeliegenschaft an der Bahnhofstrasse 7 in der


Badener Vorstadt ist im Eigentum der privaten Stockwerkeigentümerge-
meinschaft Schlossberg. Die Eigentümerin verfügt auf ihrer Parzelle über ein
zeitlich unbeschränktes Überbaurecht im Bereich der städtischen Parzelle.

An städtebaulich ausserordentlich bedeutender Lage gelegen, weist die


bestehende Liegenschaft aus den 60-er Jahren einen hohen Sanierungsbedarf
auf.

Im Zusammenhang mit der umfassenden Verkehrssanierung „Baden Zen-


trum“ tangiert die geplante Busachse Ost das Bauvorhaben an der Bahn-
hofstrasse 7. Auf der Südostseite, angrenzend an den Schlossbergplatz, soll
eine Busanlegekante für zwei Gelenkbusse im Erdgeschoss Platz finden. Die
Liegenschaft wird abgebrochen und auf der Basis eines durchzuführenden
Sondernutzungsplanes massvoll verdichtet.

Liegenschaft Bahnhofstrasse 7 mit Schlossbergplatz und Schlossbergpassage

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 5


Organisation

2. Organisation

Die Stadt Baden, vertreten durch die Abteilung Planung und Bau, hat in
Zusammenarbeit mit der privaten Bauherrschaft ‚‘Schlossberg‘ und externer
Unterstützung einen einstufigen, anonymen Projektwettbewerb im selektiven
Verfahren vorbereitet und durchgeführt.

2.1 Auftraggeberin

Adressen STADT BADEN


Planung und Bau
Roter Turm
Rathausgasse 5
Postfach
CH-5401 Baden

Ansprechpartner: Aris Gavriilidis, Bereichsleiter Bau


Telefonnummer: 056 200 82 75
E-Mail: aris.gavriilidis@baden.ag.ch

In Zusammenarbeit mit der privaten Bauherrschaft ‘Schlossberg‘:

Stockwerkeigentümergemeinschaft Schlossberg
c/o Brauerei H. Müller AG
Dynamostrasse 8
CH-5400 Baden

2.2 Externe Unterstützung

Gianesi + Hofmann AG
Küsnachterstrasse 38
8126 Zumikon

Ansprechpartner: Willy Notter


Telefonnummer: 044 918 77 17
E-Mail: w.notter@gianesi-hofmann.ch

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 6


Grundlagen Projektwettbewerb

3. Grundlagen Projektwettbewerb

Ausgangslage 3.1 Ausgangslage

Einer der Kernpunkte des Schulhausplatzprojektes ist die Durchleitung der


Busse vom Bahnhof stadtauswärts durch die Tunnelgarage. Von dort führt eine
Rampe die Busse auf den Schulhausplatz in Richtung Mellingerstrasse,
während die Busse in Richtung Wettingen den Schulhausplatz unterqueren
und vor der Hochbrücke wieder auf Strassenniveau geführt werden. Mit dieser
geplanten neuen Buslinienführung Ost werden nicht nur die stadtauswärts-
fahrenden Busse dank einer direkt geführten Separattrassierung beschleunigt,
es wird auch die Belastung der Schulhausplatzkreuzung reduziert, was u.a.
mehr Spielraum für die Bevorzugung von stadteinfahrenden Bussen
ermöglicht. Der Schlossbergplatz und die Weite Gasse können vom
Busverkehr befreit und städtebaulich aufgewertet werden.
Aus verschiedenen Gründen ist eine Busführung zwischen dem bestehenden
Gebäude Bahnhofstrasse 7 und der Bahnlinie nicht möglich. Umfangreiche
Abklärungen haben gezeigt, dass sich selbst bei minimalen Anforderungen
eine Haltestelle so nicht realisieren lässt. Zudem sollten Schnelllinien und
haltende Busse entflochten und die Ausfahrt aus der Tunnelgarage in Richtung
Bahnhof sichergestellt werden. Es ist unumgänglich, dass das Gebäude
Bahnhofstrasse 7 abgebrochen und neu erstellt wird.
Die Abteilung Tiefbau der Stadt Baden hat in ihrer Funktion als Co-Pro-
jektleitung Schulhausplatz Anfang 2009 eine Machbarkeitsstudie für den
Umgang mit der Liegenschaft Bahnhofstrasse 7 im Zusammenhang mit der
Realisierung der Bus Achse Ost, in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt eine
Lösung auf, mit der einerseits Busse ohne Halt direkt dem Geleise entlang in
die Tunnelgarage geführt werden können. Für haltende Busse können auf der
Seite des Schlossbergplatzes zwei hintereinander liegende, dank einer
Aussparung des Baukörpers im Erdgeschoss, witterungsgeschützte Anlege-
kanten realisiert werden. Die Haltestelle ist auf dem erhöhten Vorbereich vom
Schlossbergplatz her gut sichtbar und bietet damit hohe soziale Sicherheit.

Im Anschluss an die Studien wurde nun mittels eines Wettbewerbs im selek-


tiven Verfahren das geeignetste Planerteam und der bestmögliche Projekt-
vorschlag ermittelt.
Die private Eigentümerin der Geschäftsliegenschaft Bahnhofstrasse 7 beab-
sichtigt als Ersatzneubau ein Wohn- und Geschäftshaus unter der Berück-
sichtigung des 30%-igen Wohnanteils im 3. und 4. Obergeschoss, der Büro-
und Dienstleistungsnutzung im 2. Obergeschoss und der öffentlichen Nutzung
(Verkauf) im Erd - und 1. Obergeschoss, umzusetzen. Auf der Seite des
Schlossbergplatzes wird die Busbetreiberin RVBW eine Anlegekante für zwei
Gelenkbusse erhalten. Das neu zu erstellende Gebäude passt sich im 1.
Obergeschoss diesen Gegebenheiten an.
Die neue Buslinienführung bedingt einen notwendigen Neubau der öffentlichen
Lift- und Treppenanlage ab der Ebene Bushaltestelle Ruine Stein bis zur
Schlossbergpassage. Dem neuen Erschliessungsbauwerk kommt als
Scharnier zwischen Manor und Neubau Bahnhofstrasse 7 eine grosse
Bedeutung zu. Manor hat grosses Interesse an dieser Vertikalerschliessung,
da die einzelnen Geschosse des Manor bis ins zweite Untergeschoss über
diesen Lift erschlossen werden können. Die Erschliessung stellt einerseits die

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 7


Grundlagen Projektwettbewerb

öffentliche Verbindung zwischen Bushaltestelle Ruine Stein und Schloss-


bergplatz und anderseits eine weitere Erschliessungsmöglichkeit für die
einzelnen Geschosse des Manor dar. Ebenso bietet der Lift die Möglichkeit,
mit dem Einkaufswagen gedeckt vom Manor auf das Niveau Schlossbergplatz,
in die Schlossbergpassage Richtung Parkhaus Gstühl zu gelangen. Dieses
Erschliessungsbauwerk liegt im Wettbewerbsperimeter und war auch Bestand-
teil des Programms für den Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7.
Die bestehende Anlieferung der Manor in der Tunnelgarage wird aufgrund der
Buslinienführung der RVBW und der Postautobusse - mit Ausnahme der
Warenausgabe - vollständig aufgehoben. Die neue Anlieferung für die Manor
erfolgt auf der Ebene Bruggerstrasse in einem dafür notwendigen Anlief-
erungsbauwerk. Die Gestaltung des Anlieferungsbauwerks für den Manor inkl.
dem neuen Zugang zum Manor-Restaurant und die neue Bushaltestelle auf
dem Niveau der Bruggerstrasse waren ebenso Teil der Wettbewerbsaufgabe.

Bestehende Das bestehende Geschäftshaus wurde 1964 erstellt. Die zwei Untergeschosse
Liegenschaft sind in Massivbauweise und die drei Obergeschosse als Stahlskelettbau mit
Betondecken ausgeführt. Das heutige Erdgeschoss wird für Läden, die
Obergeschosse vorwiegend für Büros genutzt. Durch die ausgezeichnete Lage
sind kaum Leerstände zu verzeichnen. Die Liegenschaft, geplant und erstellt
Anfang bis Mitte der 60-er Jahre durch das Badener Architekturbüro Loepfe,
Hänni und Haenggli Architekten SIA, ist in die Jahre gekommen und weist
einen grossen Sanierungsbedarf auf.

3.2 Perimeter

Perimeter  Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7


 Bushaltestelle Ruine Stein, Bruggerstrasse
 Anlieferungsbauwerk Manor an der Bruggerstrasse
 Neuer Zugang zum Manor-Restaurant an der Bruggerstrasse
 Neues öffentliches Erschliessungsbauwerk mit Lift und Treppenanlage zwi-
schen Bushaltestelle Ruine Stein und dem Schlossbergplatz (als Scharnier
zwischen Manor und Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7)

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 8


Aufgabe und Ziele des Projektwettbewerbs

4. Aufgabe und Ziele des Projektwettbewerbs

4.1 Wettbewerbsziele

Ziele  Städtebaulich, architektonisch und aussenräumlich qualitätsvolle und zeit-


gemässe Neubaute.
 Optimale und innovative Wohnungen und flexiblen Dienstleistungsflächen,
die den spezifischen Nutzungsbedürfnissen gerecht werden.
 Wirtschaftlich vorbildliches Projekt, das niedrige Erstellungskosten, kosten-
günstigen Betrieb und Unterhalt gewährleisten.
 Energie- und bautechnisch vorbildliches Projekt, welches den Minergie-
Standard erreicht.

4.2 Wettbewerbsaufgabe

Aufgabe Die Qualität der städtebaulichen Setzung mit der architektonischen Gestaltung
des Ersatzneubaus ist für den prominenten Ort von grosser Wichtigkeit. Die
neue attraktive Bushaltestelle Schlossbergplatz, mit hoher Haltefrequenz, wird
zu einer Stärkung des Bereichs Schlossbergplatz – Obere Altstadt führen.

Das bestehende Geschäftshaus an der Bahnhofstrasse 7 in Baden muss


abgebrochen und gemäss den Rahmenbedingungen (wie dem Schleppkurven-
verlauf der Buslinienführung, sowie den statischen Gegebenheiten) durch ein
neues Wohn- und Geschäftshaus ersetzt werden. Das neu zu erstellende
Gebäude muss hohen statischen Anforderungen gerecht werden. So muss
beispielsweise die bestehende, unter dem neuen Gebäude verlaufende
Abfangkonstruktion (Schlossbergpassage) im neuen Gebäude überspannt
werden. Ebenso musste aufgrund der neuen Buslinienführung und des Gleis-
verkehrs der SBB konzeptionell die Abkopplung des Körperschalls gelöst
werden.

Da durch die vorgesehene schlossbergseitige Buslinienführung in die


Tunnelgarage der öffentliche Personenlift abgebrochen werden muss, kommt
dem neuen Erschliessungsbauwerk mit Lift und Treppenanlage, als Scharnier
zwischen Manor und Bahnhofstrasse 7, eine grosse Bedeutung zu.

Das neue Anlieferungsbauwerk, der neue Zugang zum Manor Restaurant an


der Bruggerstrasse und die neu zu erstellende Bushaltestelle Ruine Stein
müssen als architektonische Einheit gestaltet werden. Die Schleppkurven-
bereiche der Anlieferung und die Lage der Bushaltestelle wurden von der
Abteilung Tiefbau des Kantons vorgegeben.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 9


Planungsprozess

5. Planungsprozess

5.1 Art des Verfahrens

Verfahren Das Konkurrenzverfahren wurde als anonymer, einstufiger Projektwettbewerb


im selektiven Verfahren durchgeführt. Zur Selektion der zugelassenen
Teilnehmer wurde eine Präqualifikation durchgeführt. Ziel des Projektwett-
bewerbs ist die Ermittlung eines städtebaulich-architektonisch vorbildlichen
Projekts.

Verfahrens- Der Wettbewerb unterstand der Interkantonalen Vereinbarung über das


bestimmungen öffentliche Beschaffungswesen (IVöB) sowie dem Submissionsdekret (SubmD)
vom 26. November 1996 des Kantons Aargau. Des Weiteren unterstand der
Projektwettbewerb dem Staatsvertragsbereich gemäss GATT/WTO-Über-
einkommen.

Die Federführung der Projektierung und Ausführung nach Abschluss des


Wettbewerbs und der Sondernutzungsplanung liegt bei der Stockwerk-
eigentümergemeinschaft Schlossberg. Diese Phasen unterstehen nicht dem
öffentlichen Beschaffungswesen. Nach Abschluss des Wettbewerbsverfahrens
wird eine Baukommission gebildet. Diese hat die Aufgabe der Begleitung,
Steuerung und Kontrolle der Projektierungs- und Bauphasen und aller damit
verbundenen Schnittstellen. Die Baukommission wird erst nach Vollendung
des Bauwerkes aufgelöst. Vertreter der privaten Bauherrschaft, der Stadt
Baden und des Kantons nehmen jeweils Einsitz in die Baukommission.

Die Veranstalterin führte das Verfahren in Anlehnung an die SIA Ordnung 142
für Architektur- und Ingenieurwettbewerbe durch (§9 SubmD).

Sprache Die Verfahrenssprache und Sprache der gesamten späteren Geschäfts-


abwicklung ist Deutsch.

5.2 Teilnahmeberechtigung

Teilnahme Die Teilnahmeberechtigung richtete sich nach Art. 9 der Interkantonalen


Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (IvöB) und nach dem
Submissionsdekret des Kantons Aargau (SubmD).

Teams Teilnehmer am Wettbewerb konnten ein Planer oder mehrere Planer sein.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 10


Planungsprozess

5.3 Zusammensetzung Preisgericht

5.3.1 Preisgericht

Jury Fachpreisrichter
 Barbara Neff, Architektin, Neff Neumann Architekten AG (Vorsitz)
 Dr. Klaus Hornberger, Architekt, Hornberger Architekten AG
 Claude Reinhardt, Architekt, Webereinhardt Generalplaner AG
 Wolfgang Schett, Architekt, Prof. ETHZ
 Alain Roserens, Architekt, Baumann Roserens Architekten (Ersatz)

Sachpreisrichter
 Kurt Baumann, Stockwerkeigentümergemeinschaft ‘Schlossberg‘
 Dr. Christian Lenz, Stockwerkeigentümergemeinschaft ‘Schlossberg‘
 Kurt Wiederkehr, ehem. Stadtrat Baden, Ressort Planung/ Bau
 Jarl Olesen, Abteilungsleiter Planung und Bau (Ersatz)

5.3.2 Experten

Experten Fachexperten
 Christian Coppey, Maus Frères SA
 Harry Fehlmann, Bänziger Partner AG
 Peter Keller, Abteilung Tiefbau, Kanton Aargau
 Markus Schneider, Stadtrat Baden, Ressort Planung und Bau
 Peter Schoop, Metron Verkehrsplanung AG
 Christoph Tschannen, ct Bauberatung + Bauökonomie AG

5.3.3 Fachliche Begleitung und Vorprüfung

 Aris Gavriilidis, Planung und Bau, Stadt Baden


 Willy Notter, Gianesi + Hofmann AG, Zumikon

5.4 Präqualifikation

Das vollständige Preisgericht tagte am 01. November 2011. Insgesamt haben


sich 39 Teams fristgerecht beworben und vollständig ihre Bewerbungen einge-
reicht. Die Bewerbungen wurden auf die in den Ausschreibungsunterlagen
aufgeführten Kriterien hin geprüft und bewertet.

5.4.1 Vorprüfung Präqualifikation / Kriterien

Präqualifikation Für die Zulassung der Teilnahmeanträge zur Beurteilung mussten folgende
Kriterien erfüllt sein:

 Termingerechte Einreichung der Unterlagen


 Vollständige Einreichung der Unterlagen
 Rechtsgültig unterzeichnete Verfasserangaben

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 11


Planungsprozess

Die Auswahl der Teilnehmer für den Projektwettbewerb erfolgte unter Beizug
des Preisgerichts aufgrund der eingereichten Bewerbungsunterlagen, durch
Prüfung der Eignungsnachweise sowie der Eignungskriterien.
Das Preisgericht nahm aufgrund der aufgeführten Kriterien eine Gesamt-
wertung vor.

Eignungskriterien Präqualifikation:

 Qualität der Referenzprojekte und Gesamtkonzeption ihrer archi-


tektonischen und städtebaulichen Gestaltung, Raumkonzept,
Konstruktion und Bauweise (Referenzen von vergleichbaren Ob-
jekten).

 Erfahrung und Projektmanagement, Organisationsstruktur und


Kapazität der Architekturbüros, aktuelle Referenzen über die
Planung und/ oder Ausführung von Objekten mit vergleichbarer
Aufgabestellung und Komplexität.
Vorausgesetzt wurde ein qualitätsvolles Projektmanagement, wel-
ches der anstehenden Aufgabe, ein wirtschaftliches Projekt zu
entwickeln und umzusetzen, entspricht.

5.4.2 Auswahl Teilnehmende Projektwettbewerb

Auswahl Teilnehmer Nach der Vorstellung des Vorprüfungsberichtes beschloss das Preisgericht,
alle Bewerber zur Beurteilung zuzulassen. In mehreren Rundgängen wurden
10 Teams (Zusammensetzung siehe Kapitel 12), darunter ein Nachwuchsteam
zur Teilnahme am Projektwettbewerb ausgewählt:

 BDE Architekten GmbH, Winterthur


 Lussi + Halter Partner AG, Luzern
 Fawad Kazi Architekten GmbH, Zürich (Nachwuchs)
 Birchmeier Uhlmann Architekten, Zürich
 pool Architekten, Zürich
 Schneider Studer Primas GmbH, Zürich
 Penzel Valier AG, Zürich
 esch.sintzel, Zürich
 von Ballmoos Krucker Architekten AG, Zürich
 Ernst Niklaus Fausch Architekten GmbH, Zürich

5.5 Fragenbeantwortung

Fragen Innert der gesetzten Frist gingen zahlreiche Fragen ein, deren Beantwortung
vom Preisgericht genehmigt und den Teilnehmern als Bestandteil des
Wettbewerbsprogramms zur Verfügung gestellt wurde.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 12


Planungsprozess

5.6 Jurierungssitzungen Projektwettbewerb

Sitzungen Das vollständige Preisgericht traf sich am 23. März 2012 zur ersten Jury-
sitzung.

Das Preisgericht tagte am 04. April 2012 zur zweiten Jurysitzung. Sach-
preisrichter Kurt Wiederkehr musste sich für diese Sitzung entschuldigen. Jarl
Olesen (Ersatz) übernahm daraufhin die Funktion als stimmberechtigter
Sachpreisrichter.

5.7 Veröffentlichung und Ausstellung

Ausstellung Die Wettbewerbsbeiträge werden unter Namensnennung aller Verfassenden


während 10 Tagen vom 22. Mai bis ca. 1. Juni 2012 in der Halle 37/38 der ABB
an der Bruggerstrasse in Baden öffentlich ausgestellt. Der Bericht des Preis-
gerichts wird den Teilnehmenden sowie der Fach- und Tagespresse nach
Erscheinen zugestellt.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 13


Nutzungskonzept und Raumprogramm

6. Nutzungskonzept und Raumprogramm

Auszug aus dem Wettbewerbsprogramm

6.1 Nutzungskonzept

Nutzung Die private Eigentümerin der Geschäftsliegenschaft Bahnhofstrasse 7 beab-


sichtigt als Ersatzneubau ein Wohn- und Geschäftshaus unter der Berück-
sichtigung des 30%-igen Wohnanteils im 3. und 4. Obergeschoss, der Büro-
und Dienstleistungsnutzung im 2. Obergeschoss und der öffentlichen Nutzung
(Verkauf) im Erd - und 1. Obergeschoss, umzusetzen. Auf der Seite des
Schlossbergplatzes wird die Busbetreiberin RVBW eine Anlegekante für zwei
Gelenkbusse erhalten. Das neu zu erstellende Gebäude passt sich im 1.
Obergeschoss diesen Gegebenheiten an.
Die neue Buslinienführung bedingt einen notwendigen Neubau der öffentlichen
Lift- und Treppenanlage ab der Ebene Bushaltestelle Ruine Stein bis zur
Schlossbergpassage. Dem neuen Erschliessungsbauwerk kommt als Schar-
nier zwischen Manor und Neubau Bahnhofstrasse 7 eine grosse Bedeutung
zu. Manor hat grosses Interesse an dieser Vertikalerschliessung, da die
einzelnen Geschosse des Manor bis ins zweite Untergeschoss über diesen Lift
erschlossen werden können. Die Erschliessung stellt einerseits die öffentliche
Verbindung zwischen Bushaltestelle Ruine Stein und Schlossbergplatz und
anderseits eine weitere Erschliessungsmöglichkeit für die einzelnen
Geschosse des Manor dar. Ebenso bietet der Lift die Möglichkeit, mit dem
Einkaufswagen gedeckt vom Manor auf das Niveau Schlossbergplatz, in die
Schlossbergpassage Richtung Parkhaus Gstühl zu gelangen. Dieses
Erschliessungsbauwerk liegt im Wettbewerbsperimeter und ist auch
Bestandteil des Programms für den Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7.
Die bestehende Anlieferung der Manor in der Tunnelgarage wird aufgrund der
Buslinienführung der RVBW und der Postautobusse - mit Ausnahme der
Warenausgabe - vollständig aufgehoben. Die neue Anlieferung für die Manor
erfolgt auf der Ebene Bruggerstrasse in einem dafür notwendigen Anlief-
erungsbauwerk. Die Gestaltung des Anlieferungsbauwerks für den Manor inkl.
dem neuen Zugang zum Manor-Restaurant und die neue Bushaltestelle auf
dem Niveau der Bruggerstrasse sind ebenso Teil der Wettbewerbsaufgabe.

6.2 Raumprogramm, Anforderungen und Bezüge

6.2.1 Wohnflächen

Raumprogramm Die Innerstädtische Lage hat auf die Wohnungsqualität und -grösse einen
bedeutenden Einfluss. Der für die Zentrumszone Z4 minimale Wohnanteil von
30% ist zwingend umzusetzen. Die Wohnungen sind ausschliesslich im 3. und
4. Obergeschoss anzusiedeln. Damit kann der minimal erforderliche Wohn-
anteil sogar überschritten werden.

Die Bauherrschaft möchte „Townappartments“ für eine eher gutsituierte stadt-


orientierte Klientel realisieren. Folgender Mix soll als Richtwert dienen:

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 14


Nutzungskonzept und Raumprogramm

- 60 m2 HNF (mindestens ein abgeschlossener Schlafraum) 20%


- 90 m2 HNF (mindestens ein abgeschlossener Schlafraum) 50%
- 120 m2 HNF(mindestens zwei abgeschlossene Schlafräume) 30%

Jede Wohnung hat über zwei Nasszellen (Bad/WC/Waschbecken und Du-


sche/WC/ Waschbecken) und einen wohnungsinternen Wirtschaftsraum mit
Waschmaschine und Tumbler zu verfügen. Waschmaschine und Tumbler kön-
nen unter Beachtung der hierfür notwendigen Platzverhältnisse auch innerhalb
der Nasszelle zu liegen kommen. Jede Wohnung hat zudem ein Reduit von
mindestens 4m2 zu enthalten. Küchen können offen, z.B. mit Kochinsel oder
als geschlossener Raum gehalten sein. Maisonetten sind möglich, sofern die
SIA 500:2009 (Hindernisfreie Bauten) eingehalten wird.

Balkone, Loggien, Wintergärten oder Jahreszeitenzimmer haben den Immis-


sionen der zentralen Lage Rechnung zu tragen. Jede Wohnung muss über
einen Aussenraum von mindestens 12 m2 verfügen.

Im ersten Untergeschoss ist für jede Wohnung ein vollwertiger Kellerraum von
10 – 12 m2 Fläche einzuplanen.

Der Eingangsbereich für die Erschliessung der Wohn- und Gewerberäume im


ersten Obergeschoss (Niveau Geleise / Bushaltestelle) ist als repräsentative
Eingangshalle auszubilden. Personenaufzug und Treppenanlage ist vom 1.
Untergeschoss bis in die Obergeschosse einzuplanen.

6.2.2 Verkaufsflächen

Die Verkaufsflächen im Erd- und ersten Obergeschoss (Niveau Schloss-


bergplatz und Geleise / Bushaltestelle) haben die ausserordentliche Verkehrs-
lage zu berücksichtigen. Im Speziellen sind dies die werbewirksame Ausricht-
ung gegen die RVBW-Bushaltestelle und die Bahnhofstrasse aber auch die
eher „unwirtliche“ rückseitige Ausrichtung in Richtung der Gleise. Zur Steiger-
ung der Attraktivität der Lage haben sich die Verkaufsflächen nach aussen zu
orientieren.
Das Erdgeschoss ist bezüglich „natürlicher Belichtung“ auf die Stadtturmstra-
sse (Schlossbergpassage) auszurichten. Eine Nutzungsverbindung zum Lad-
engeschoss Niveau Bushaltestelle ist erwünscht und aufzuzeigen. Die direkte,
niveaugleiche Anbindung des Ladenlokals (Cecil Shop) in Drittbesitz (Parzelle
Kataster Nr. 5961) mit Ausrichtung auf den Schlossbergplatz ist zwingend
nachzuweisen. Ein Personalaufenthaltsraum sowie Personalgarderoben und -
Toilettenanlagen sind nachzuweisen.
Das Ladengeschoss Niveau Bushaltestelle hat neben den erforderlichen
Erschliessungsflächen öffentlich zugänglichen Verkaufsflächen zu dienen. Der
partielle Einbau eines Galeriegeschosses ist auf Grund der grossen Geschoss-
höhe denkbar, jedoch nicht zwingend.
Das Angebot gastronomischer Flächen ist nicht vorgesehen – da solche
bereits auf dem Schlossbergplatz vorhanden sind. Einer bestmöglichen
Verkaufsnutzung der belichtbaren Bereiche des Erdgeschosses (Niveau
Schlossbergplatz/ Schlossbergpassage) wird grosse Bedeutung beigemessen.
Die Attraktivität der Stadtturmstrasse (Schlossbergpassage) soll durch den
Neubau verbessert werden.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 15


Nutzungskonzept und Raumprogramm

6.2.3 Gewerbe- und Dienstleistungsflächen

Das zweite Obergeschoss soll flexibel unterteilbare Flächen im Bereich stilles


Gewerbe/ Dienstleistung enthalten. Mögliche Unterteilungen in maximal 3
Nutzungseinheiten sind aufzuzeigen. Es sind ausreichend vertikale Steigzonen
nachzuweisen. Eine Raumkühlung durch Bauteilaktivierung ist anzustreben.
Die Räume sind zu be- und entlüften. Die WC- Anlagen sind getrennt nach
Geschlecht zentral vorzusehen.
Es ist ein möglicher Einteilungsvorschlag der Büroflächen im 2. OG unter
Berücksichtigung der feuerpolizeilichen Vorgaben nachzuweisen. Dabei sind
sowohl eine Grossraumstruktur wie eine Zellenstruktur denkbar. Als Richt-
grösse haben Einzelbüros eine Fläche von 13 - 15 m2 auszuweisen.

6.2.4 Nebenräume

Das Untergeschoss dient sämtlichen Nebenräumen, den Lagerräumen und


privaten Wohnungskeller sowie den notwendigen technischen Räumen (Heiz-
zentrale 15 m2, Lüftungszentrale 40 m2, Elektrozentrale 10 m2, Hauswartraum
12 m2) des Neubaus. Weiter ist ein zentraler Trockenraum für die Wohnungen
in der Grösse von ca. 20 m2 vorzusehen.
Zudem ist je Wohnung ein privater Abstellraum in der Grösse von 10-12 m2
einzuplanen sowie Lagerräume für Laden- und Büronutzung.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 16


Vorprüfung Projektwettbewerb

7. Vorprüfung Projektwettbewerb

Die eingereichten Projekte wurden in Anlehnung an die SIA-Ordnung 142


bezüglich der Anforderungen des Wettbewerbsprogramms und der Fragenbe-
antwortung geprüft.

7.1 Formelle Vorprüfung

Formelle Vorprüfung Für die Zulassung zur Beurteilung wurden:

- Termingerechtigkeit und Vollständigkeit der eingereichten Unterlagen


- Verletzung der Anonymität

geprüft. Alle 10 Teams haben fristgerecht, vollständig und anonym ihre Unter-
lagen eingereicht.

7.2 Sachliche Vorprüfung

Sachliche Vorprüfung Die Beiträge wurden nach folgenden Kriterien vorgeprüft:

 Einhaltung der baurechtlichen Vorgaben


 Raumprogramm und Raumflächen (Realisierung Raumprogramm und Ein-
haltung betrieblicher Vorgaben)
 Statik
 Verkehrsplanung
 Lärmschutz (Einhaltung der Lärmschutzverordnung)
 Hindernisfreies Bauen (Einhaltung SIA 500)
 Brandschutz
 Ökologie (Gebäudehülle, Versickerung, Gebäudetechnik)

Sämtliche Bereiche wurden vorgeprüft und dem Preisgericht in Form eines


Vorprüfungsberichts vorgelegt.

7.3 Zulassung zur Beurteilung

Zulassung Nach der Genehmigung des Vorprüfungsberichtes beschloss das Preisgericht,


alle Projekte zur Beurteilung zuzulassen.

7.4 Erweiterte Vorprüfung

Erweiterte Vorprüfung Die Projekte der engeren Wahl wurden zwischen der ersten und zweiten Jury-
sitzung auf wirtschaftliche Kriterien (Kostenprognose der Erstellungskosten,
vertiefte Überprüfung der Flächen, Volumina und Kennwerte gemäss SIA 416)

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 17


Beurteilung

8. Beurteilung

8.1 Erste Sitzung Preisgericht am 23. März 2012

Erste Jurysitzung Zu Beginn der Jurierung wurde dem Preisgericht die Ergebnisse der Vorprü-
fung vorgestellt. Die Vorprüfung erläuterte dem Preisgericht die geprüften Kri-
terien und die wesentlichen Erkenntnisse aus der Vorprüfung. Anschliessend
beschloss das Preisgericht, alle 10 eingereichten Projektvorschläge zur Beur-
teilung zuzulassen. Vor den Wertungsrundgängen besichtigte das Preisgericht
das Areal des Wettbewerbsperimeters.

Die Jury analysierte anschliessend in vier Gruppen jeweils 2 resp. 3 Projekte


genauer nach den vorgegebenen Beurteilungskriterien:

 Städtebauliche und architektonische Umsetzung der Aufgabe. Qualität der


Umgebung.
 Funktionalität (Gebrauchswert der entsprechenden Nutzungen, Einhaltung
des Raumprogramms).
 Wirtschaftlichkeit (angemessene Erstellungskosten in Bezug auf die vor-
gesehenen Nutzungen, kostengünstige Betriebs- und Unterhaltskosten).
 Ökologische und soziale Nachhaltigkeit (Bauökologie / Gebäudetechnik-
konzept, Belebung und Qualität der publikumsintensiven Aussenräume

Anschliessend wurden alle Projekte anhand der vorangegangenen Analyse


dem gesamten Preisgericht neutral vorgestellt. Nachdem sich das Preisgericht
einen Überblick über die Projekte verschafft hatte, wurden die Projekte in
einem ersten Rundgang beurteilt. Dabei wurden die Projekte Nr. 2 here comes
the sun und Nr. 4 Balance ausgeschieden.

Im einem zweiten Rundgang und einem Kontrollrundgang wurden Nr. 1 Tavolo,


Nr. 3 Tangram, Nr. 6 Space invader, Nr. 7 Tailored, Nr. 9 Cumulus, Nr. 10
Keystone ausgeschieden. In der engeren Wahl verblieben die Projekte Nr. 5
Janus und Nr. 8 Wolkenbügel.

Das Preisgericht beschloss, die zwei verbliebenen Projekte Nr. 5 Janus und
Nr. 8 Wolkenbügel vertieft zu prüfen. Die Projekte wurden anschliessend den
Fachjuroren zur schriftlichen Projektbeurteilung zugeteilt.

8.2 Zweite Sitzung Preisgericht am 04. April 2012

Zweite Jurysitzung Zuerst wurden alle schriftlichen Projektbeschriebe im Plenum vorgestellt und
die Projekte anlässlich eines Kontrollrundganges nochmals besprochen. Das
Preisgericht stimmte dem Antrag eines Fachpreisrichters zu, das Projekt Nr.
10 Keystone mit einem Ankauf auszuzeichnen.

Die beiden verbliebenen Projekte Nr. 5 Janus und Nr. 8 Wolkenbügel wurden
abschliessend eingehend und vergleichend diskutiert.

Nach einem letzten Kontrollrundgang wurden Rangierung und Preiszuteilung


festgelegt.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 18


Rangierung

9. Rangierung

9.1 Preis, Ankäufe und Entschädigungen

Preise / Ankäufe Für die auftrags-, form- und fristgerecht eingereichten und dem Wettbewerbs-
programm entsprechenden Arbeiten standen dem Preisgericht eine Gesamt-
preissumme (feste Entschädigung, Preise, Ankäufe) von CHF 160‘000.00
(exkl. MwSt.) zur Verfügung. Die Gesamtpreissumme wurde voll ausgerichtet.
Dieser Betrag wurde im Ermessen des Preisgerichts und gemäss Rangierung
an die Teilnehmer ausgerichtet und ist nicht Bestandteil späterer
Honorarbestandteile. Es wurden drei Preise (inklusive Ankauf) vergeben. Allen
10 Teilnehmern wurde zusätzlich eine feste Entschädigung von CHF 10‘000.00
(exkl. MwSt.) ausbezahlt.

9.2 Rangierung

Rangierung Das Preisgericht setzte die folgende Rangierung und Preiszuteilung fest:

Rang 1 I 1. Preis Projekt Nr. 5 Janus CHF 25‘000.-

Rang 2 I 2. Preis Projekt Nr. 8 Wolkenbügel CHF 22‘000.-

Rang 3 I Ankauf Projekt Nr. 10 Keystone CHF 13‘000.-

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 19


Schlussfolgerung / Empfehlung

10. Schlussfolgerung / Empfehlung

Schlussfolgerung Die Rahmenbedingungen für das Wohn- und Geschäftshaus Bahnhofstrasse


7 waren in jeder Hinsicht eng, herausfordernd und äusserst komplex. Auf drei
unterschiedlichen städtischen Niveaus galt es Antworten auf räumliche
Verknüpfungen, verkehrstechnische Anforderungen und stadträumliche
Ansprüche zu geben.

Das Spannungsfeld, in welcher sich die gestellte Wettbewerbsaufgabe


befand, konnte grösser nicht sein: Städtebauliche Prämissen,
Infrastrukturbauten- und Räume, die Lärmexposition, die statischen
Rahmenbedingungen und nicht zuletzt die Wirtschaftlichkeit galt es
angemessen zu berücksichtigen und in ein städtebaulich-architektonisch
kohärentes Projekt mit gut vermietbaren Ladenflächen, spannenden
Townappartements und ansprechenden Büroräumlichkeiten überzuführen.
Das Preisgericht war sich der grösstmöglichen Komplexität der Aufgabe
bewusst und ist über die grosse Vielfalt der gezeigten Lösungsansätze
erfreut. Diese haben es dem Preisgericht ermöglicht, alle oben genannten
Aspekte anhand von unterschiedlichen Entwürfen zu diskutieren und zu
gewichten. Etwas irritierend waren teilweise die vorgeschlagenen statischen
Konzepte und das oft wenig kohärente Zusammenspiel zwischen Architektur
und Statik. Hier hätte sich das Beurteilungsgremium noch mehr spannende
Ansätze erhofft und möchte hiermit die Teams in Zukunft zu noch engerer
Zusammenarbeit ermutigen.

Angesichts der hohen Komplexität der gestellten Aufgabe war das zweistufige
Verfahren angemessen und zielführend. Das Preisgericht bedankt sich bei
allen Teilnehmenden für ihr grosses Engagement und die wertvollen Beiträge.
Mit dem erstrangierten Projekt erhält die Stadt Baden nicht nur ein neues,
attraktives Wohn- und Geschäftshaus, sie bekommt auch eine attraktive
Lösung für die Anbindung der Infrastrukturhaltestellen mit interessanter
räumlicher Verknüpfung der verschiedenen städtischen Ebenen.

Empfehlung Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft und dem Stadtrat Baden
das erstrangierte Projekt Nr. 5 ‚JANUS‘ unter Berücksichtigung der
Projektkritik sowie der detaillierten Resultate der Vorprüfung und der
weiteren Rückmeldung des Preisgerichts zur Weiterbearbeitung.

Die Fassade ist ansprechend, so lange sie auf der expressiven Gebäude-
volumetrie basiert. Im Bereich der ‚flächigen‘ Gebäudeseiten ist sie gesichts-
und charakterlos und vermag den Ansprüchen an die exponierte städte-
bauliche Lage nicht zu genügen.

Es stellt sich die Frage, inwiefern das gewählte Material der vorfabrizierten
Betonelemente seine Entsprechung im architektonischen Ausdruck findet.
Dieser muss zwingend sensibler werden.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 20


Schlussfolgerung / Empfehlung

Die Frage nach dem Verhältnis von Gebäude und Sockel muss auf Niveau
Bahnhofstrasse gelöst werden. In dem Zusammenhang gilt es auch die
unterschiedlichen statischen Elemente hinsichtlich ihrer räumlichen Wirkung
zu überprüfen. Die lange, die Kaskadentreppe begleitende Wandscheibe ist
stadträumlich unattraktiv und muss zu Gunsten einer durchlässigeren Lösung
verändert werden.

Die Nutzbarkeit der Wohnungen, insbesondere der geschossigen Town-


appartements ist zu verbessern, die geringen Raumtiefen sind zu optimieren.

Die Attraktivität der ‚rue interieure‘ ist räumlich darzustellen und zu


überprüfen, ob das Versprechen nach attraktiven, privaten Zugängen
einzulösen ist, oder die Erschliessung auf Grund ihrer ‚toten
Winkel‘ beängstigend wirkt.

Das Wohngeschoss der Maisonette-Wohnungen ist auf ihre Nutzbarkeit zu


optimieren.

Das Preisgericht empfiehlt der Bauherrschaft, für das Projekt eine erste
Projektüberarbeitung einzuleiten und das Resultat ihr und Mitgliedern des
Preisgerichtes, welche als Expertengremium walten, nochmals zur Stellung-
nahme und kritischen Würdigung zu unterbreiten.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 21


Genehmigung

11. Genehmigung

Unterschriften Baden, April 2012, das Preisgericht:

Fachpreisrichter

Barbara Neff (Vorsitz)

Klaus Hornberger

Claude Reinhardt

Wolfgang Schett

Alain Roserens

Sachpreisrichter

Kurt Baumann

Christian Lenz

Kurt Wiederkehr

Jarl Olesen

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 22


Projekte

12. Projekte

Projektverfassende 12.1 Projektverfassende

Rangierte Projekte
12.1.1 Verfassende der rangierten Projekte

1. Rang | 1. Preis Antrag zur Weiterbearbeitung


Projekt Nr. 5 Janus
Architektur: BDE Architekten GmbH
Zürcherstrasse 41, 8400 Winterthur
Verantwortlich: Amadeus Dorsch
Mitarbeit: Oliver Erb
Tanja Galm
Natalia Nogueira
Mindaugus Petrosius
Bauingenieur: SNZ Ingenieure und Planer AG
Dörflistrasse 112, 8050 Zürich
Verkehrsplaner: Ballmer + Partner AG
Distelbergstrasse 22, 5000 Aarau

2. Rang | 2. Preis
Projekt Nr. 8 Wolkenbügel
Architektur: Penzel Valier AG
Grubenstrasse 40, 8045 Zürich
Verantwortlich: Christian Penzel
Mitarbeit: Bence Komlosi
Ivo Piazza
Bauingenieur: Penzel Valier AG
Grubenstrasse 40, 8045 Zürich
Verkehrsplaner: Emch + Berger AG
Schlösslistrasse 23, 3001 Bern

3. Rang | Ankauf
Projekt Nr. 10 KEYSTONE
Architektur: Esch.Sintzel GmbH
Badenerstrasse 156, 8004 Zürich
Verantwortlich: Philipp Esch
Mitarbeit: Nicola Wild
Marco Rickenbacher
Lukas Gruntz
Jana Stratmann
Bauingenieur: Ernst Basler + Partner AG
Mühlebachstrasse 11, 8032 Zürich
Verkehrsplaner: Hans A. Moser AG
Allenmoosstrasse 77, 8057 Zürich

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 23


Projekte

Weitere Projekte 12.1.2 Verfassende der weiteren Projekte

Projekt Nr. 1 TAVOLO


Architektur: von Ballmoos Krucker Architekten AG
Badenerstrasse 156, 8004 Zürich
Verantwortlich: Thomas von Ballmoos, Bruno Krucker
Mitarbeit: Jan Hannes Müller
Valentin Lang
Bauingenieur: Concett Bronzini Gartmann AG
Bahnhofstrasse 3, 7000 Chur
Verkehrsplaner: Concett Bronzini Gartmann AG
Bahnhofstrasse 3, 7000 Chur

Projekt Nr. 2 here comes the sun


Architektur: Fawad Kazi Architekten GmbH
Langstrasse 14, 8004 Zürich
Verantwortlich: Fawad Kazi
Mitarbeit: Stefano Murialdo
Nicole Schönfelder
Bauingenieur: Walt + Galmarini AG
Englischviertelstrasse 24, 8032 Zürich
Verkehrsplaner: Enz & Partner GmbH
Räffelstrasse 29, 8045 Zürich

Projekt Nr. 3 TANGRAM


Architektur: Ernst Niklaus Fausch GmbH
Feldstrasse 133, 8004 Zürich
Verantwortlich: Bertram Ernst
Mitarbeit: Sebastian Fatman
Christine Nubbemeyer
Bauingenieur: Heyer Kaufmann Partner Bauingenieure AG
Kreuzstrasse 82, 8032 Zürich
Verkehrsplaner: MRS Partner AG
Birmensdorferstrasse 55, 8004 Zürich

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 24


Projekte

Projekt Nr. 4 BALANCE


Architektur: Birchmeier Uhlmann Architekten
Hohlstrasse 150, 8004 Zürich
Verantwortlich: Anne Uhlmann, Urs Birchmeier
Mitarbeit: Katharina Löble
Manuel Legier
Leja Führer
Yvonne Meier
Bauingenieur: Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Badenerstrasse 156, 8004 Zürich
Verkehrsplaner: Enz & Partner GmbH
Räffelstrasse 29, 8045 Zürich

Projekt Nr. 6 space invader


Architektur: Schneider Studer Primas GmbH
Hafnerstrasse 60, 8005 Zürich
Verantwortlich: Urs Primas, Ladina Esslinger
Mitarbeit: Matthew Tovstiga
Lisa Zissis
Ivo Hasler
Asal Mohtashami
Bauingenieur: Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Badenerstrasse 156, 8004 Zürich
Verkehrsplaner: Stadt Raum Verkehr Birchler + Wicki
Sihlquai 75, 8005 Zürich

Projekt Nr. 7 TAILORED


Architektur: Lussi + Halter Partner AG
Neustadtstrasse 3, 6003 Luzern
Verantwortlich: Thomas Lussi, Remo Halter
Mitarbeit: Daniel Savi
Albert Garriga
Bauingenieur: BlessHess AG
Steghofweg 2, 6005 Luzern
Verkehrsplaner: Emch + Berger WSB AG
Gütschstrasse 6, 6003 Luzern

Projekt Nr. 9 CUMULUS


Architektur: pool Architekten
Bremgartnerstrasse 7, 8003 Zürich
Verantwortlich: Philipp Hirtler, Matthias Stocker
Mitarbeit: Tina Küng
Nele Schulte
Yael Liebetrau

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 25


Projekte

Tania Carl
Marcus Küster
Andreas Helbling
Bauingenieur: Schnetzer Puskas Ingenieure AG
Badenerstrasse 156, 8004 Zürich
Verkehrsplaner: Zwicker + Schmid
Neptunstrasse 6, 8032 Zürich

Projekte 12.2 Projekte

12.2.1 Rangierte Projekte

1. Rang | 1. Preis Projekt Nr. 5 JANUS 27


2. Rang | 2. Preis Projekt Nr. 8 Wolkenbügel 32
3. Rang | Ankauf Projekt Nr. 10 KEYSTONE 37

12.2.2 Weitere Projekte (ohne Rangierung)

Projekt Nr. 1 TAVOLO 42


Projekt Nr. 2 here comes the sun 47
Projekt Nr. 3 TANGRAM 52
Projekt Nr. 4 BALANCE 57
Projekt Nr. 6 space invader 62
Projekt Nr. 7 TAILORED 67
Projekt Nr. 9 CUMULUS 72

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 26


1. Rang | 1.Preis Antrag zur Weiterbearbeitung
Projekt Nr. 5 Janus

Den Verfassern des Projektbeitrages JANUS gelingt mit deren Beitrag eine
präzise städtebauliche Setzung des vorgeschlagenen Bauvolumens. Der
Baukörper folgt im Wesentlichen den vorgegebenen Baubegrenzungslinien.
Die „Sägeform“ entlang den Bahngeleisen spiegelt dabei die Aussicht- und
Belichtungsqualität der Maisonette-Wohnungen der Obergeschosse 3 & 4.
Der klare, kompakte und schön „geschnittene“ Baukörper erscheint selbst-
verständlich und elegant. Der architektonische Ausdruck der Westfassade
bestätigt die grundrisslichen Qualitäten des Projektvorschlages. Die weiteren
Fassaden – insbesondere die Anbindung ( Ostfassade ) des Hauses auf dem
Niveau Bushof vermögen nicht gleichermassen zu überzeugen bzw. es ist
kein übergeordneter Gestaltungswille erkennbar. Die Verfasser überspielen in
der Fassade bewusst das „duale“ Konstruktionsprinzip von Stahlbau und
Betonkonstruktion - was durchaus legitim ist.
Als problematisch und gestalterisch unklar gelöst erscheint der Lastenabtrag
der Gebäudeauskragung auf Ebene Schlossbergplatz. Die angedeuteten
Stützen und Wandscheiben sind in den Fassaden leider nicht lesbar. Der Vor-
schlag der Treppenverbindung vom Schlossbergplatz zum Niveau Brugger-
strasse, angelehnt an eine teils tragende teils nichttragende Wandscheibe, ist
architektonisch unklar.
Der Projektvorschlag zeigt auf allen Ebenen hohe Funktionalität und gute Ein-
haltung des Raumprogramms. Insbesondere die Präsentation von Maiso-
netten – mit Belichtung und Belüftung über integrierte Dachloggien sowie
spannenden „Aussichtsfenstern“ vermag zu überzeugen. Im Eingangsge-
schoss der Maisonetten sind verordnungsgemäss zusätzliche Toiletten
einzuplanen. Die Platzverhältnisse im Bereich Eingang/Küche sind minimal
ausgelegt. Im Verhältnis von Maisonetten zu Etagenwohnungen wären mehr
Etagenwohnungen wünschenswert. Wie weit der innere Korridor mit vielen
unübersichtlichen „Ecken“ nachts allfällig „Gefühle von Unsicherheit“
auszulösen vermag wäre zu prüfen.
Die Laden und Bürogeschosse versprechen gute Vermietbarkeit mit hoher
Unterteilungsflexibilität. Das vorgeschlagene Konstruktionsprinzip wird als
effizient und kostenoptimiert bewertet. Die Anforderungen an Bauphysik und
Schall werden gut gelöst.
Sowohl die aussenräumlichen Bezüge wie auch die klare Zugänglichkeit der
verschiedenen Nutzungen (Vertikalverbindungen ) werden konsequent gelöst.
Gesamthaft handelt es sich um einen äusserst wertvollen Wettbewerbsbeitrag
mit hoher städtebaulicher und organisatorischer Qualität. Das äussere Er-
scheinungsbild und die Kongruenz von konstruktiven und gestalterischen
Elementen vermögen jedoch nicht restlos zu überzeugen.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 27


Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 28


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 29


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 30


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 31


2. Rang | 2.Preis Projekt Nr. 8 Wolkenbügel

Die Projektverfassenden besetzten die Bauparzelle mit einem differenzierten,


in der Höhe durch leichte Rücksprünge geprägten Baukörper und nehmen
dadurch geschickt Bezug auf die unterschiedlichen Höhen der unmittelbar an
den Neubau angrenzenden Bauten. Das kompakte Volumen wird zwischen
den Hauptbezugsorten der Brugger- und der Bahnhofstrasse entwickelt und
in einer fächerartigen Baustruktur umgesetzt. Über eine klar definierte Lücke
zwischen Manorgebäude und Neubau wird eine grosszügige und übersicht-
liche Treppenverbindung von der Bruggerstrasse zum Schlossbergplatz
geschaffen.
Das durchdachte statische Konzept mit der Schottenstruktur in den beiden
Wohngeschossen, welches über einen als Kastenträger ausgebildeten Er-
schliessungskorridor im Bürogeschoss auf lediglich drei Liftkerne abgetragen
wird, ermöglicht die stützenfreie Auskragung des Gebäudes über der Bus-
haltestelle und eine sehr grosse Transparenz der Raumgestaltung im Erdge-
schoss. Diese klare Offenheit lässt das Haus dezidiert als öffentliches Ge-
bäude in Erscheinung treten, was die Atmosphäre auch auf der Seite der
Geleise für den städtischen Raum positiv beeinflussen vermag.
Dies führt auch dazu, dass die Verkaufsflächen zwischen Bushaltestelle und
Geleise grosszügig konzipiert und dementsprechend gut vermietbar scheinen.
Die Büros und die Wohnungen in den Obergeschossen werden über drei Lift-
kerne erschlossen. Ob es möglich ist, dass nur der Kern an der Bahnhof-
strasse über eine Treppe verfügt, wird hinterfragt. Der durch das statische
Konzept des Kastenträgers definierte Erschliessungskorridor für die Büro-
flächen scheint räumlich etwas eng ausformuliert. Die Büroflächen selber sind
aber durch die lediglich in der Fassadenebene vorhandenen Zugstangen
stützenfrei und daher ehr flexibel nutzbar.
Das räumliche Konzept der Wohnungen ist von der tragenden Schottenstruktur
geprägt und zeichnet sich durch die sehr tiefen, von Fassade zu Fassade
gespannten Wohn- und Essräumen aus. Über die grosszügigen Verglasungen
an den Enden dieser durchgesteckten Räume werden die ungewöhnlichen
Dimensionen in eine spannende Raumkomposition umgesetzt. Über die aufge-
fächerte Grunddisposition der Gebäudestruktur kann Fassadenabwicklung auf
der lärmigen Bahnseite geschickt minimiert werden. Die privaten Aussenräume
sind alle auf den ruhigeren Schlossplatz und die Bahnhofstrasse ausgerichtet.
Das Projekt Wolkenbügel besticht durch das intelligente statische Konzept, die
klare Struktur der Büroräume, der spannenden Stadtwohnungen sowie das
offene Erdgeschoss, welches das Gebäude als elegante und urbane
Ergänzung des Schlossbergplatzes manifestiert.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 32


Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 33


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 34


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 35


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 36


3. Rang | Ankauf Projekt Nr. 1 KEYSTONE

Die Projektverfasser gehen von der These aus, dass in einer städtebaulich kom-
plexen und vielschichtigen Situation nicht mit Anpassung und Unterordnung, sondern
mit einem selbstbewussten Auftreten – mit einer eigenständigen und klar lesbaren
Form – zu reagieren sei. Dies ist zweifellos eine plausible Haltung, an der dann
allerdings die Form auch gemessen werden muss. Ob das gewählte unregelmässige
Sechseck, welches sich in den Geschossen von oben nach unten stetig verändert
und zunehmend komplexer wird, als eindeutige Figur wahrgenommen werden kann
ist eher fraglich. Der entstandene komplexe Baukörper ist formal dennoch von hoher
Qualität, wenn auch aus anderen Gründen: Der plastische, in allen Massstabsebenen
sorgfältig durchgearbeitete Baukörper hat die nötige Kraft und Ausstrahlung, an
diesem städtebaulich exponierten und schwierigen Ort eine gewisse Klärung her-
beizuführen. Nicht ganz verständlich ist die grosse Auskragung in der Nordwestecke
(wo zudem der Abstand zur Bahn unterschritten wird), auch wenn dadurch, wie die
Verfasser argumentieren, der Anschluss des Gebäudes an die Bruggerstrasse ent-
schärft wird. Von hoher räumlicher Qualität ist der zenital belichtete Hauseingang,
der allerdings die Ladenfläche stark beschneidet. Der Treppenaufgang zwischen
Manor und Neubau als quasi in den Hang eingelegte Kaskadentreppe ist gut gelöst.
Die Wohnungen sind über einen Korridor erschlossen, der von zwei der insgesamt
vier Lichthöfe belichtet wird und der über einen Nebeneingang von der Brugger-
strasse her verfügt. Das Konzept der zweigeschossigen Wohnungen mit einem
Tagbereich (Wohnen oder Essen/Kochen) und jeweils einem durch diesen Raum
erschlossenen Individualraum pro Geschoss ist eigenwillig, kann aber durchaus als
Antwort auf die im Programm verlangten „town appartments“ verstanden werden.
Damit sind wohl nicht primär Familienwohnungen im traditionellen Sinn gemeint.
Die Lichthöfe sind mehr als nur Lichtquellen und geben der Wohnung eine zusätz-
liche räumliche Qualität, nur wird aus der Erläuterung der Verfasser nicht klar, wie
die Probleme der gegenseitigen Einsicht zwischen zwei Wohnungen und, vielleicht
noch schwieriger, das Problem des Brandschutzes gelöst werden können. Die
Wohnqualität kann als gut bezeichnet werden, und die besondere Lage zwischen
Schlossberg, Bahnareal und Altstadt wird durch die zweiseitige Orientierung
wirkungsvoll ausgenützt.
Die architektonische Sprache, wie sie in der Volumetrie und im Fassadenbild zum
Ausdruck kommt, ist etwas interpretationsbedürftig, erinnert sie doch vordergründig
an die eher negativ konnotierte Zeit der frühen Siebzigerjahre. Mit einer entspre-
chend sorgfältigen Durcharbeitung in Material und Detail kann daraus aber auch
eine besondere Qualität entstehen. Die in ihrer Farbigkeit differenzierten, plastischen
Fassadenelemente in Betonvorfabrikation sind potentiell ein guter Kompromiss
zwischen ortsbezogener Bildhaftigkeit und einer Abstraktion, wie sie das Konzept der
„eigenständigen Form“ verlangt. Der konstruktive Aufwand wird nicht ganz gering
sein, und die vorgeschlagenen motorisch bewegten Schwenkflügelfenster sind dafür
ein erstes Indiz. Unverständlich und in eigenartigem Widerspruch zur Sorgfalt der
übrigen Projektbearbeitung ist das statische Konzept , welches aus einer wilden
Sammlung von verschiedenen ad-hoc-Lösungen besteht.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 37


Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 38


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 39


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 40


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 41


ohne Rangierung Projekt Nr. 1 TAVOLO

Das Projekt ‚TAVOLO’ leitet sich einerseits aus den Dimensionen und Mass-
stäben der das Grundstück charakterisierenden Bauwerken von Bahn, Strasse
und Unterführung ab, und sieht sich andererseits selbst als Gebäude, welches
in wesentlichen Teilen der Infrastrukturnutzung dient. So zeichnet sich das
städtische Niveau durch eine grosszügige Tischkonstruktion, getragen von weit
gespannten Unterzügen aus, welche ihre Lasten über klar gesetzte, gross-
zügige Stützen ableiten. Die gewählte Positionierung dieser an den Rändern,
lässt ein weiträumiges Passantengeschoss von willkommener Transparenz
entstehen. Gleichzeitig vermag das Gebäude die Platzsituation klar zu fassen
und einen räumlichen Abschluss zu formulieren. Analog zum referenzierten
Bild der Infrastrukturbauten, ist die Lastabtragung bis ins 1. Untergeschoss
einfach und schlüssig und tangiert die bestehende Ladenpassage nicht. Die
Einbindung der Liftanlage in die klare Gebäudevolumetrie wertet das obere
städtische Ankunftsniveau auf, die räumliche Anbindung dieser im Erdge-
schoss ist allerdings zu eng und wenig einladend.
Das Bürogeschoss ist dank seiner einfachen und zweckmässigen Struktur in
mindestens drei Einheiten unterteilbar und gut nutzbar. Die Flexibilität ist auf
Grund der grossen Gebäudetiefe und der einhergehenden Belichtungsproble-
matik eingeschränkt. Die obersten Geschosse werden als Wohngeschosse mit
Maisonettewohnungen vorgeschlagen. Mit einer am Ende belichteten ‚rue
interieure’ werden sämtliche Wohnungen im Zimmergeschoss erschlossen
und erfüllen somit die Anforderungen der behinderten Norm nicht. Bis auf die
Wohnungen im schmaleren Bereich des Baukörpers, welche sich durch einen
durchgehenden Wohn-/Essraum auszeichnen, stapeln sich die Wohneinheiten
und bleiben in Bezug auf Orientierung und Besonnung einseitig. Die Belich-
tung durch die äusserst klein geschnittenen Atrien wird durch die Positionie-
rung der Küche und des Cheminées unnötig eingeschränkt, so dass sich das
räumliche Potenzial nicht entfalten kann. Die Idee der ‚Altstadtzinne’ ist grund-
sätzlich attraktiv, bedingt aber ein aufwändiges Erschliessungsbauwerk, so
dass die Dachaufsicht ihrer gewünschten Gelassenheit beraubt wird und nicht
zu überzeugen vermag.
Der architektonische Ausdruck des Gebäudes ist das kohärente Abbild der
statischen Struktur. So prägen die eingangs erwähnten Unterzüge mit ihren
grossen Spannweiten und statischen Höhen wesentlich das Erscheinungsbild
und treten als grosszügige Basis für die oberen Stockwerke in Erscheinung.
Diese zeichnen sich durch die markanten vertikalen Stützen aus, welche das
Bürogeschoss und die Wohngeschosse zusammenfassen. Die gewählte Archi-
tektursprache schafft eine interessante Ambivalenz zwischen Ensemblebildung
mit dem Manorgebäude und eigenständigem Schlussstein in der Altstadt, nicht
unähnlich der heutigen Situation.
Das Projekt entwickelt seine Stärke aus der konsequenten Umsetzung seiner
anfänglich analysierten und formulierten Themen. So werden die assoziierten
Bilder und die damit verbundenen Dimensionen und Massstäbe in ein sta-
tisches Konzept überführt, welches einerseits den Charakter des Hauses, an-
dererseits aber auch die stadträumlichen Merkmale wesentlich prägt. Leider
sind die Wohnungen strukturell nicht kongruent und vermögen räumlich nicht
zu überzeugen.
Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 42
Situation

Fassadenansichten

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 43


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 44


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 45


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 46


ohne Rangierung Projekt Nr. 2 here comes the sun

Die städtebauliche Situation des Projekts ‚here comes the sun’ wird geprägt von
einem massigen, mehrfach geknickten dreigeschossigen Baukörper, welcher
auf der Ebene der neu geplanten Bushaltestelle auf einem zentralen Erschliess-
ungskern und verschiedenen, räumlich wirksamen Scheiben zu liegen kommt.
Eine übertiefe Auskragung produziert nicht nur einen äusserst unattraktiven
Wartebereich, sie verunklärt gleichzeitig auch die stadträumliche Idee der
Schlossbergpassage. Die räumliche Dynamik des Platzes endet an statischen
Scheiben, Erschliessungskernen und Abstellräumen. Die somit im rückwärtigen,
vom Platz abgewandten Bereich zu liegende Verkaufsfläche ist von den Pas-
santenströmen vollständig abgewandt und ist auf Grund seiner geometrischen
Ausbildung und der riesigen statischen Wandscheiben nicht brauchbar.
Das Bürogeschoss ist, bedingt durch die Erschliessungssituation und die sta-
tisch notwendigen Scheiben in seiner Flexibilität eingeschränkt. Das vorge-
schlagene Layout produziert auf Grund der grossen Gebäudetiefe zahlreiche
innere Flächen, welche nur mit Kunstlicht belichtet werden können. Die vorge-
schlagenen Lichtkörper vermögen zwar die inneren Zonen zu erleuchten, gene-
rieren jedoch gleichzeitig ineffiziente Korridore und schränken die vielfältige
Nutzbarkeit des Geschosses unnötig ein.
Die beiden in den Obergeschossen situierten Wohnebenen werden durch die
beiden Treppenhauskerne effizient erschlossen und von eingestanzten, terras-
sierten Lichthöfen strukturiert. Diese generieren eine grosse Vielfalt an Patio-
wohnungen mit unterschiedlichsten Wohnungslayouts. Durch die intelligente
Positionierung der Atrien können spannende Raumabfolgen generiert und die
Wohnungen schön zoniert werden. Allerdings ist fest zu halten, dass die Wohn-
einheiten im obersten Geschoss deutlich besser funktionieren, auf Grund des
grösseren Lichteinfallswinkels und der Privatheit der Aussenräume. Im unteren
Geschoss kann der Patio lediglich als Belichtungs- und Belüftungshof dienen,
seiner Funktion als Aussenraum wird er wegen der Einsehbarkeit von der
oberen Atriumterrasse beraubt. Die Chance, die Belüftung der zum Lärm ex-
ponierten Schlafräume über die Atrien zu bewerkstelligen wird nicht genutzt.
Stattdessen werden Lüftungsschächte vorgeschlagen, welche aus feuerpoli-
zeilichen und akustischen Überlegungen ungenügend sind.
Der architektonische Ausdruck des Gebäudes wird geprägt von einer Architekur-
sprache, welche auf den ersten Blick an Fassadenbilder aus den vierziger
Jahren erinnert. Die klaren Hierarchien, die Plastizität, gebildet aus Putz und
Kunststein, welche einen solchen Ausdruck normalerweise charakterisieren
werden überspielt und mit einem einheitlich geformten Keramikmodul bis zur
Unkenntlichkeit verfremdet. Gleichzeitig endet die historisierende Fassade
abrupt an der Kante der Auskragung, und das scheinbar klare Bild der
Lastabtragung erweist sich als Farce.
Die Hauptstärke des Entwurfs liegt im anregenden Versuch, auf die Frage nach
möglichen Wohnformen im innerstädtischen Kontext mittels Atriumwohnungen
von unkonventionellem Zuschnitt eine Antwort zu geben. Die städtebaulichen
Fragen, welche dieser Aufgabe allerdings zu Grunde liegen, werden
unbefriedigend gelöst.
Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 47
Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 48


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 49


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 50


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 51


ohne Rangierung Projekt Nr. 3 TANGRAM

Das Projekt Tangram entwickelt über dem Stadtturmplatz einen Baukörper, der
auf alle Seiten spezifisch zu reagieren versucht. Die entstehende Geometrie
nimmt die Flucht des Manorgebäudes und der Bahnhofstrasse auf, die langen
Seitenflächen sind leicht geknickt. Das entstehende Tangram wirkt geometrisch
noch etwas zufällig und kann im städtebaulichen Umfeld nur wenig Spannung
entwickeln.
Eine vorgehängte Glasfassade verläuft über alle Geschosse und Nutzungen,
ein Raster aus Aluminiumprofilen überzieht den Baukörper und führt zu einer
gewissen Abstraktion des Volumens und seiner Nutzung. Einerseits ergibt sich
über die Glasfassade eine nicht gewünschte Materialeinheit zum Manorge-
bäude und andererseits wirkt die gezeigte Visualisierung der Fassade mit
mehrfarbigen Vorhängen und Sonnenstoren sehr kleinteilig und unruhig.
Im Bereich der Stadtturmpassage werden Ladenflächen angeboten die mit dem
ersten Obergeschoss verbunden sind. Der wichtige Treppenaufgang, vor allem
aber der Lift, ist im EG schlecht auffindbar die soziale Sicherheit ist in diesem
Bereich nicht gegeben. Die Treppenläufe scheinen in den oberen Etagen nicht
ganz aufzugehen.
Die wichtigen Verkehrsabläufe im ersten Obergeschoss sind funktional ausge-
bildet; die Bushaltestelle mit Einfahrt über die Bahnhofstrasse ist machbar. In
der anschliessenden, dreieckigen Ladenfläche ist auch die Statik und Vertikal-
erschliessung integriert, die grosse Auskragung Richtung Bahnhofstrasse /
Stadtturmplatz wird allerdings ohne zusätzliche Abstützung nicht stehen
können.
In den drei folgenden Obergeschossen wird das Hauptvolumen des Neubaus
realisiert, im 2. Obergeschoss Büros im 3. und 4. Obergeschoss Wohnungen.
Ein zentrales Treppenhaus erschliesst zwei frei unterteilbare Bürozonen und
pro Geschoss je 6 Loft-Wohnungen. Der Bewohner kommt aus dem innen
liegenden Treppenhaus, links oder rechts, jeweils in einen innen liegenden
Vorraum für drei Wohnungen und von dort in den zumeist langen Gang seiner
Wohnung. Die bescheidene räumliche Qualität der Lofts korrespondiert mit der
unattraktiven und komplizierten Erschliessung. Die direkte Belüftung der
Wohnungen auf die lärmorientierte Nordwest Seite ist nicht möglich.
Bezüglich Nachhaltigkeit im Bereich Materialisierung, Dämmung, Wärme- und
Kälteerzeugung sollte der Minergiestandard erreicht werden können.
Das Projekt Tangram kann städtebaulich und architektonisch nur beschränkt
überzeugen und hat bezüglich der Wohnungsgrundrisse und Ihrer
Erschliessung kein brauchbares Konzept entwickeln können.

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 52


Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 53


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 54


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 55


Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 56


ohne Rangierung Projekt Nr. 4 BALANCE

Der komplexe Baukörper versucht auf allen Seiten die Geometrie des umge-
benden Stadtraumes aufzunehmen, daraus ergibt sich eine städtebauliche
Setzung des Volumens, welche eine lesbare räumliche Verankerung im Stadt-
gefüge bewirkt. Die Aussenräume sollen als Aufenthaltsorte gestärkt werden;
unter diesem Titel wird insbesondere die Bushaltestelle über dem Schlossberg-
platz von der Ost- auf die Westseite verlegt, mit Blick auf Gleisfeld und Bahnhof.
Dies brächte zwar einerseits eine mögliche Steigerung der Aufenthaltsqualität im
Bereich der Brücke über dem Schlossbergplatz, ergibt aber andererseits grosse
Nachteile für die Bushaltestelle auf der lärmigen und unwirtlichen Westseite;
sichere Zugänge zur Haltestelle und deren Auffindbarkeit sind nicht, respektive
nur beschränkt gegeben.
Im Zwischenraum zum Manor erfolgt der Aufgang zum Bus an der Brugger-
strasse mit Treppe und Lift, der Einstieg im EG ist, vor allem für den Lift, ver-
winkelt und schlecht auffindbar.
Zusammen mit der Architektur der Fassade ist auch das Thema Statik und Trag-
werk zu behandeln. Vorgeschlagen wird eine tragende und fugenlose Fassade
in gestrahltem Kalksandsteinbeton, die den gesamten Baukörper umspannt. Mit
der monolithischen Ortbetonstruktur sollen grosse Spannweiten ermöglicht wer-
den und damit ein offenes und transparentes 1.Obergeschoss entstehen. Die
Überprüfung des statischen Konzeptes kommt zu einem sehr kritischen Erge-
bnis. Der Beschrieb des statischen Systems ist rudimentär und nicht verständ-
lich. Erklärende Darstellungen resp. Vordimensionierung sind nicht vorhanden,
es handelt sich jedenfalls um eine sehr aufwendige und heikle Konstruktion.
Die Plastizität der Fassade mit breiten und tiefen Betonrahmen erscheint trotz
der hellen Farbe sehr mächtig und schwer, der architektonische Ausdruck des
Gebäudes wirkt in der städtischen Umgebung fremd.
Das generelle Nutzungskonzept hingegen ist intelligent auf die lärmtechnisch
schwierige Situation abgestimmt. Das Haupttreppenhaus liegt direkt an der
Bahnhofstrasse, von dort wird der zweigeschossige Laden im EG und 1. OG
erschlossen, weiter auch die darüberliegenden Büros und Wohnungen. Die gut
organisierten Büros besetzen im 2. und 3. OG die lärmempfindlichen Bereiche.
Die Wohnungen hingegen sind lärmabgewandt über drei Geschosse auf die
Bahnhofstrasse orientiert; im 4. OG werden weitere 5 Wohnungen über eine
offene „rue interieur“ erschlossen, welche den Blick auf Burg und Schlossberg
freigibt. Der Zugang und die innere Belichtung erfolgt für jede Wohnung über
einen kleinen Innenhof.
Bezüglich der Wirtschaftlichkeit bleibt die vorgeschlagene spezielle Statik ein
Risikofaktor der in der Erstellung wie auch im Unterhalt schlecht abschätzbar ist.
Der Minergiestandard soll gemäss Verfasser erreicht werden, wobei die innen-
liegende Dämmung aufwendig sein wird. Der Wärmebedarf wie auch die Warm-
wasseraufbereitung erfolgt über eine Sole-Wasser Wärmepumpe. Mit dem ge-
neigten Aluminiumblechdach ist eine Versickerung oder Retention nicht möglich.
Das Projekt Balance entwickelt ein interessantes Nutzungskonzept über alle Ge-
schosse, die statische Konzeption und die damit verbundene Architektur kann
allerdings nicht überzeugen.
Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 57
Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 58


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 59


Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

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Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 61


ohne Rangierung Projekt Nr. 6 space invader

Den Verfassern des Projektes „space invader“ gelingt es, ein Bauvolumen
mit klaren einfachen Umfassungswänden zu präsentieren. „space invader“
positioniert sich damit städtebaulich präzise und konsequent. Das architek-
tonische Erscheinungsbild gliedert sich stark in zwei Sockelgeschosse mit
grossflächigen Verglasungen und drei Obergeschosse mit durchlaufenden
Brüstungs- und Fensterbändern. Die Absicht der Verfasser, die Ebenen
Bruggerstrasse und Schlossbergplatz publikumsfreundlich zu verbinden
wird erkannt und gewürdigt. Dennoch erscheinen die dazu notwendigen
Treppenanlagen und Gebäudedurchbrüche als zu dominant und der Ge-
samtsituation nicht angepasst. Die damit einhergehende „Unruhe“ zeigt
sich insbesondere in der Ostfassade zum Schlossbergplatz. Die zu
erwartenden Schallimmissionen durch den Gebäudesockel auf den
Schlossbergplatz sind nicht erwünscht.
Als wirtschaftlich uninteressant erweist sich das mit Kernen und Treppen-
anlagen weitgehend verstellte Obergeschoss auf Niveau Bushof. Der
gewünschte Publikumscharakter von Bushaltestelle und offener Laden-
nutzung kann kaum erreicht werden.
Die zahlreichen und unterschiedlichen Maisonetten der Geschosse 3 und 4
spielen mit der wechselnden Ost-West Ausrichtungen und den introvertierten
Dach-Loggien. Sie versprechen interessante Raumbeziehungen, wenn auch
die Erschliessungen über zwei Hauptkerne aufwändig sind. Einzelne Woh-
nungen verfügen über sehr lange Korridorsysteme. Die flexible Unterteil-
barkeit des Bürogeschosses ist gegeben.

Das vorgeschlagene Konstruktionsprinzip wird als wenig kosteneffizient be-


urteilt. Insbesondere der Lastenabtrag im Zusammenhang mit den teilweise
grossen Auskragungen ist nicht plausibel dargestellt. Die Bauphysikalischen
Anforderungen werden erfüllt.
Insgesamt handelt es sich um einen interessanten Beitrag zur visuellen und
publikumsbezogenen Verbindung der verschiedenen Verkehrsebenen. Die
daraus resultierenden architektonischen und betrieblichen Einschränkungen
sind jedoch erheblich.

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Situation

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1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

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Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

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Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 66


ohne Rangierung Projekt Nr. 7 TAILORED

Ziel des Projektes Tailored ist die architektonische Zusammenführung des


neuen Gebäudes mit dem bestehenden Warenhauses Manor. Neben der
fragwürdigen Angleichung des Ausdruckes in der Gebäudehülle wird bei der
Bruggerstrasse der Schlossbergplatz winkelartig verbunden, was den städte-
baulichen Raum eindeutig abschliesst und die erwünschte Verbindung der
verschiedenen Haltestellenbereiche des öffentlichen Verkehrs verhindert.
Durch das Zusammenschliessen der beiden Volumen entsteht eine
Konstellation, die sich eindeutig negativ auf das sensible städtebauliche
Gleichgewicht des Schlossbergplatzes auswirkt.
Ein an sich interessantes statisches Konzept mit einem tragenden räumlichen
Fachwerkträger im obersten Wohngeschoss, welcher über wenige Druck-
stützen abgetragen wird, schafft zwei sehr grossflächige und flexibel einteil-
bare Bürogeschosse und ein fast stützenfreier Erdgeschossgrundriss mit
Haltestellenbereich und Ladenfläche.
Die lediglich auf dem obersten Geschoss angeordneten Wohnungen werden
über einen gegen die lärmige Geleise orientierten, teilweise über Dachöff-
nungen belüfteten Hof erschlossen. Die Projektverfassenden nehmen dabei
in Kauf, dass bei einigen Wohnungen Individualzimmer auf diesen öffentlichen
Erschliessungshof ausgerichtet und dadurch in der Nutzung stark einges-
chränkt werden. Überhaupt ist in der Konzeption der Wohnungstypologien
keine einheitliche Typologie oder ein übergeordnetes Entwurfskonzept er-
kennbar. Die Wohnungsgrössen und Anordnungsprinzipien der einzelnen
Räume der Wohneinheiten werden situativ vorgenommen und wirken daher
zufällig.
Der Versuch, mit dem Zusammenführen der Baukörper von Manor und Neu-
bau eine einheitliche städtebauliche Situation zu schaffen, führt im Fall des
Projektes Tailored eindeutig zu einer unerwünschten Trennwirkung der beiden
Stadträume. Trotz des spannenden Ansatz des statischen Konzeptes kann die
innere Struktur der Wohnungen mit dem vorgeschlagenen Erschliessungs-
prinzip und den Wohnungstypologien nicht überzeugen.

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Situation

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1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

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Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

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Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 71


ohne Rangierung Projekt Nr. 9 CUMULUS

Die Struktur des Neubaus wird durch zwei unterschiedliche Konzepte geprägt: Im
Grundriss sorgt eine einfache und eindeutig erkennbare polygonale Form für eine
Klärung der unterschiedlichen Stadträume. Der Schlossbergplatz, die Bahnhof-
strasse und der offene Raum zum Gleisfeld erhalten alle eine klare Front und eine
gute räumliche Definition. Im Schnitt hingegen wird die komplexe Situation mit den
drei verschiedenen Ebenen Schlossbergplatz, Bahnhofstrasse und Bruggerstrasse
nicht mit einer geschlossenen Volumetrie, sondern mit der offenen Figur eines
„Tisches“ beantwortet. Das Erdgeschoss (Ebene Bahnhofstrasse) ist als Pilotis-Ge-
schoss offen und transparent, die Tischplatte selber wird als Bauteil kräftig artikuliert.
Je für sich sind diese Massnahmen verständlich und ihrem Kontext angemessen,
wenn auch vielleicht etwas plakativ. Ganz kompatibel sind sie aber untereinander
nicht und es entsteht ein eher uneinheitliches Bild. Konzeptionell vollends wider-
sprüchlich ist die Perforation der massiven Tischplatte mit einem zentralen Hof, der
zur Erschliessung des Gebäudes und zur Belichtung des tiefen Grundrisses dient.
Die der Manor zugewandte Hauskante wird so weit nach Nordosten verschoben,
dass eine Sichtverbindung zwischen Schlossbergplatz und Schlossberg entsteht.
Diese möglicherweise interessante Option wird aber mit dem offenen Treppenauf-
gang zur Bruggerstrasse unbefriedigend umgesetzt.
Die verbleibende Fläche des Erdgeschosses (Ebene Bahnhofstrasse) wird effizient
als Laden genutzt, der intern mit der Ladenfläche Schlossbergpassage verbunden
ist. Die Büros und Wohnungen sind nicht vertikal getrennt, sondern über die drei
Obergeschosse verteilt, wobei die Büros jeweils als Schicht auf der Nordwestseite
zusammengefasst sind. Die vier Wohnungen pro Geschoss sind nach Südosten zum
Schlossbergplatz hin orientiert, die Kopftypen zusätzlich zur Bruggerstrasse respek-
tive zur Bahnhofstrasse. Ganz verständlich ist diese räumliche Aufteilung zwischen
Wohnen und Arbeiten nicht, verlieren doch die Wohnungen die zwar lärmbelastete,
räumlich aber schöne und spannende Ausrichtung zur Bahn und zum Schlossberg-
platz. Sie wirken dadurch etwas eindimensional und den Grundrissen mangelt es
generell an spezifischen, irgendwie auf den Ort bezogenen räumlichen Qualitäten.
Die zum Schlossbergplatz hin ausgerichteten privaten Aussenräume sind der inner-
städtischen Öffentlichkeit dieses wichtigen Platzes nicht angemessen. Durch ihre
einseitige Orientierung stark benachteiligt sind die zwei innenliegenden Wohnungen,
die nicht ganz unproblematische zusätzliche Belichtung über den mit den Büros
gemeinsam genutzten Erschliessungshof ist dafür keine genügende Kompensation.
Die Fassadentypologie mit sich abzeichnenden Deckenstirnen und dazwischen ge-
spannten flächigen Elementen aus transparentem und opakem Glas ist bezogen auf
die Struktur und die Volumetrie des Gebäudes konsequent gedacht. Die abstrakte
Wirkung der Struktur und des Materials ist einem innerstädtischen Gebäude mit ge-
mischter Nutzung an sich angemessen, wird aber bei den offenen Loggien, wo das
Private der Wohnungen sichtbar wird, etwas in Frage gestellt. Dem Thema der Leich-
tigkeit widerspricht hingegen die überaus massive und plastische Ausbildung des
Tisches. Die ebenfalls plastisch ausgeformten Pilotis stehen einmal im Freien, ein-
mal innerhalb des verglasten Erdgeschosses, was der räumlichen Lesbarkeit dieses
Geschosses eher abträglich ist.
Den teilweise guten strukturellen und städtebaulichen Ansätzen fehlt letztlich die
nötige innere Kohärenz, was zu einem uneinheitlichen und in sich etwas
widersprüchlichen Resultat geführt hat.
Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 72
Situation

Situation

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 73


1. Obergeschoss – Niveau Bushaltestelle

Fassadenansicht

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Grundriss Wohngeschoss

Querschnitt

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Möblierung

Ersatzneubau Bahnhofstrasse 7 Baden, Jurybericht 76

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