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§ 10

§ 10 Nominalisierung – Verbalisierung
I Nominalstil – Verbalstil
II Nominalisierung verbaler Ausdrücke
III Verbalisierung nominaler Ausdrücke

I Nominalstil – Verbalstil
(1) Der Bachelor-Studiengang ist modular aufgebaut, man studiert entweder ein
Haupt- und ein Nebenfach oder zwei Hauptfächer.
(2) Der modulare Aufbau des Bachelor-Studiengangs beinhaltet das Studium
entweder eines Haupt- und eines Nebenfachs oder zweier Hauptfächer.
Im Verbalstil sind Verben und Nomen angemessen verteilt, die Verben haben eine
starke Eigenbedeutung (1).
Im Nominalstil überwiegen nominale Ausdrücke, d. h. Nomen, oft mit Attributen oder
als Zusammensetzungen. Hier sind die Nomen die Bedeutungsträger, während die Verben
wenig Eigenbedeutung haben (2).
Der Verbalstil wirkt lebendiger und ist einfacher zu verstehen, während der Nominalstil
abstrakter ist. Er wird oft in der Fach- und Wissenschaftssprache verwendet.

Verbalstil ← Transformation → Nominalstil


Das Semester beginnt. Subjekt → Genitivattribut der Beginn des Semesters
Man begrüßt die Akkusativergänzung im die Begrüßung der
Studierenden. Aktivsatz / Studierenden
Die Studierenden werden Subjekt im Passivsatz
begrüßt. → Genitivattribut

Der Rektor begrüßt die Subjekt = Agens des die Begrüßung der
Studierenden. Aktivsatzes Studierenden durch den
→ durch + A Rektor
→ von + D

Studierende bewerben sich. Nominativ ohne Artikel die Bewerbung von


Sie fertigen Hausarbeiten → von + D Studierenden
an. die Anfertigung von
Hausarbeiten
Der Rektor berichtet dem Dativergänzung der Bericht des Rektors an
Kultusministerium. → Präpositionalattribut das Kultusministerium
Die Studierenden nehmen Präpositionalergänzung die Teilnahme der
an Seminaren teil. → Präpositionalattribut Studierenden an Seminaren

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§ 10 Nominalisierung – Verbalisierung

Der Rektor fordert mehr Akkusativergänzung wird bei die Forderung des Rektors
Geld. einigen Verben nach mehr Geld
→ Präpositionalattribut

Er weist auf Probleme hin. Personalpronomen sein Hinweis auf Probleme


→ Possessivartikel

Die Vorlesung beginnt Adverb → Adjektiv der pünktliche Beginn der


pünktlich. Vorlesung
Die Studierenden sind sehr sein + Adjektiv → Nomen die hohe Motivation der
motiviert. Studierenden
Vor dem Institut darf nicht Modalverben → Nomen mit Parkverbot vor dem Institut
geparkt werden. modaler Bedeutung
Während er einen Vortrag Feste Verb-Nomen-Verbindung während seines Vortrags
hält, … → das zugehörige Verb entfällt

Das Semester beginnt. Nomen + Verb → Nomen + der Beginn des Semesters /
Nomen / zusammengesetztes der Semesterbeginn
im Ausland studieren Nomen ein Studium im Ausland /
(Das ist aber nicht immer ein Auslandsstudium
möglich.)

Ü1 Aufnahmen vom Körper: Die Computertomografie


Lesen Sie die beiden Texte genau. Welche stilistischen Unterschiede können Sie erkennen?
a) Eine Ärztin schreibt Folgendes in einer Fachzeitschrift:

Bei der Computertomo- terbasierte Zusammenfügung der Daten


grafie (CT) handelt es zu einem zwei- oder dreidimensionalen
sich um die Bestrahlung 10 Bild. Das Verfahren erlaubt die wirkungs-
von Gewebeabschnitten volle Untersuchung von z. B. Tumoren, Kno-
5 des Körpers mithilfe von chenbrüchen oder Blutungen. Allerdings
Röntgenstrahlen und die ist die hohe Strahlenbelastung von Nach-
anschließende compu- teil.

b) Eine Ärztin erklärt ihrem Patienten in einem Aufklärungsgespräch Folgendes:

„Bei der Computertomografie wird der menschliche Körper mithilfe von Röntgenstrahlen
untersucht. Aber im Unterschied zum Röntgengerät kann der Computertomograf den Körper
mehrschichtig darstellen, denn er kann zwei- oder dreidimensionale Bilder erzeugen. Mithilfe
dieser Technik können z. B. Tumoren, Blutungen oder Knochenbrüche genauer als beim
Röntgen untersucht werden. Ein Nachteil ist, dass bei diesem Verfahren der Körper stark
mit Strahlen belastet wird.“

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Nominalisierung – Verbalisierung § 10

II Nominalisierung verbaler Ausdrücke


Ü2 Hochschulbetrieb (1)
Formulieren Sie nominale Ausdrücke.
Tutoren führen die Studienanfänger in ihr Fach ein.
die Einführung der Studienanfänger in ihr Fach durch Tutoren
1. Studierende suchen Wohnungen. 5. Die Studierenden kritisieren das
2. Studierende müssen sich versichern. Zulassungsverfahren.
3. Das Semester wird feierlich eröffnet. 6. Sie fordern bessere Studienbedingungen.
4. Die Zulassung für bestimmte Studienfächer 7. Alte Universitätsstädte sind beliebt.
ist beschränkt.

Nominalisierung und Attribuierung


(1) Der Wohlstand wächst.
→ das Wachstum des Wohlstands
→ der wachsende Wohlstand

(2) Die Wirtschaftslage ist stabil.


→ die Stabilität der Wirtschaftslage
→ die stabile Wirtschaftslage

(3) Die Prognosen treffen zu.


→ die zutreffenden Prognosen

(4) Die Arbeitslosenquote ist niedrig.


→ die niedrige Arbeitslosenquote

Manche Verben und Adjektive kann man nominalisieren oder als Attribut in Form
eines Partizips bzw. Adjektivs vor ein Nomen stellen (1) (2).
Bei manchen Verben und Adjektiven gibt es nur die zweite Möglichkeit (3) (4).

Ü3 Aus dem Wirtschaftsleben


Nominalisieren bzw. attribuieren Sie die Sätze. Prüfen Sie Variationsmöglichkeiten.
Die Produktion steigt.
die steigende Produktion / der Anstieg der Produktion
1. Die Preise werden spürbar gesenkt.
2. Die Wirtschaftspolitik ist erfolgreich.
3. Der Wirtschaftsminister ist einflussreich.
4. Eine Zinserhöhung steht bevor.
5. Die Zinspolitik ist fragwürdig.
6. Die Investitionsbereitschaft ist groß.
7. Eine Steigerung des Sozialprodukts wird erwartet. (eine → die)
8. Die Arbeitslosigkeit geht zurück.
9. Der Optimismus ist verständlich.

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§ 10 Nominalisierung – Verbalisierung

Ü4 Umfrage unter Jugendlichen: Wogegen würden Sie mal demonstrieren?


Nominalisieren Sie die verbalen Ausdrücke.
1. Michael Schmidt (17 Jahre):
„Dagegen, dass die Steuern erhöht werden und dass Jugendliche nach
der Ausbildung arbeitslos sind.“
Die Jugendlichen wollen demonstrieren …
gegen die Erhöhung von Steuern / gegen Steuerhöhungen und …
2. Benjamin Becker (18 Jahre):
„Dagegen, dass große Autos sehr viel Kraftstoff verbrauchen.“ (viel → hoch)
3. Sophie Koch (13 Jahre)
„Dagegen, dass Tiere gequält werden und dass Tierversuche gemacht werden.“
4. Eva Möller (20 Jahre):
„Dagegen, dass die Ausbildungsbedingungen schlecht sind und dass das
Lehrpersonal häufig nicht gut ausgebildet ist.“

Ü5 Und wogegen würden Sie demonstrieren?


Sagen Sie es im Nominalstil.

∏ Ich würde demonstrieren …


… gegen die Bürokratisierung des Alltags …

Ü6 Der Bürger im Staat


Vervollständigen Sie die Sätze mit einem nominalen Ausdruck.
Die Bürger möchten gesichert und geschützt leben. Der ... ist verständlich.
Der Wunsch der Bürger nach Sicherheit und Schutz ist verständlich.
1. Die Bürger können nur bei Wahlen Einfluss auf politische Prozesse nehmen.
Die Bürger haben nur bei Wahlen die ...
2. Politiker und Journalisten informieren die Bürger oft unzureichend.
Die ... ist oft unzureichend.
3. Die Bürger empören sich über die Verschwendung von Steuergeldern.
Der Staat sollte die ... ernst nehmen.
4. Die Opposition fordert eine gründliche Überprüfung. Die ... ist begrüßenswert.
5. Alleinerziehende Mütter wünschen sich mehr Unterstützung. Der ... ist berechtigt.
6. Die Sozialleistungen können nicht mehr in dem bisherigen Umfang finanziert werden.
Die ... ist nicht länger möglich.
7. Sozial Schwache müssen aber unterstützt werden. Ein Sozialstaat hat aber die ... zu
gewährleisten.

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Nominalisierung – Verbalisierung § 10

III Verbalisierung nominaler Ausdrücke


(1) die Bewerbung vieler Abiturienten um einen Studienplatz in Heidelberg
→ Viele Abiturienten bewerben sich um einen Studienplatz in Heidelberg.

(2) die Beliebtheit Heidelbergs bei den Studierenden


→ Heidelberg ist bei den Studierenden beliebt.

Die Verbalisierung ist die Umkehrung der Nominalisierung: Ein nominaler Ausdruck wird in
einen verbalen Ausdruck umgeformt, wobei das sinntragende Nomen zum Verb (1) bzw. zu
einer Verbindung von Adjektiv + sein wird (2).

Ü7 Hochschulbetrieb (2)
Berichten Sie in Aktiv- bzw. Passivsätzen im Präsens.
das rechtzeitige Eintreffen der Studierenden am Studienort
Die Studierenden treffen rechtzeitig am Studienort ein.
1. Zimmervermittlung durch das Studierendenwerk
2. die Hoffnung vieler Studierender auf ein Stipendium
3. die Begabtenförderung durch verschiedene Stiftungen
4. der Wunsch vieler Studierender nach einem Auslandsstudium
5. der Dank des Rektors an die Studierendenvertreter für ihre Mitarbeit
6. der Wunsch der Studierenden nach noch stärkerer Mitbestimmung in
den Hochschulgremien
7. die Hochschulfinanzierung durch die einzelnen Bundesländer

Ü8 Was sich die UNO auf ihre Fahnen geschrieben hat


Bilden Sie Passivsätze mit sollen.
Bekämpfung von Armut und Hunger
Armut und Hunger sollen bekämpft werden.
1. Gleichstellung der Geschlechter
2. stärkere Bildungsbeteiligung von Mädchen in den Entwicklungsländern
3. Senkung der Kindersterblichkeit
4. Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Mütter
5. Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen Krankheiten
6. Sicherung der Versorgung mit hygienisch einwandfreiem Trinkwasser
7. Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung

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