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Polarographie 6.10.

2021

3. Arbeitsanleitung

A) Pipettierübung
zur Bestimmung des effektiven Pipettenvolumens der 100 µL-Pipette
Da die größte Fehlerquelle das Pipettieren mit Kolbenhubpipetten sowie ungenaue
Pipetten darstellt, soll das Volumen der Kolbenhubpipetten mitberücksichtigt werden.
Aus dem Mittelwerten und der Standardabweichung soll die persönlich bessere
Pipettiermethode herausgefunden werden!
Richtige Spitze verwenden!

Direktes Pipettieren (insbesondere für teure Reagenzien, z.B. Enzymlösungen):


• Kolben bis zum ersten Widerstand niederdrücken
• Spitze der Kunststoffspitze wenig in die Lösung tauchen und langsam aufsaugen
• bis zum ersten Widerstand langsam abfließen lassen
• 3 Sekunden warten und dann ganz durchdrücken
• Spitze abstreifen, es darf keine Flüssigkeit in der Spitze zurückbleiben

Indirektes Pipettieren (insbesondere für viskose Flüssigkeiten, z.B. Öle)


• Kolben bis zum zweiten Widerstand ganz niederdrücken
• Spitze der Kunststoffspitze wenig in die Lösung tauchen und langsam aufsaugen
• bis zum ersten Widerstand langsam abfließen lassen und Spitze abstreifen
• Restliche Flüssigkeit verwerfen

Bestimmung des Pipettenvolumens – Wägemethode mit Deionat:


• 100 µL Deionat in ein möglichst leichtes (warum?) Gefäß pipettieren
• mindestens 7 Messwerte
• Dichte Wasser bei 20 °C (ρ=0,9982 g/ml)
• Daten in Excel Datei eintragen, Abweichung vom Sollwert, absolute und rel.
Standardabweichung mittels Excel-Formeln ermitteln (in leerer Zelle
=STABW(Zellenmarkieren) und enter)
• bessere Pipettiermethode herausfinden
• Ablesen der Toleranz der 20 mL-Pipette

Bei beiden Methoden müssen die Einzelwerte innerhalb von < 1%


relativer Abweichung liegen, sonst ist die Pipettiertechnik falsch!

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B) Polarographische Bestimmung von Metallen


Die erhaltene Probe wird im 100 mL Messkolben mit der 1 M KCl-Lösung
aufgefüllt!

Aufgabenstellung:
• qualitative und quantitative Bestimmung von Kupfer (momentan nicht
quantifizierbar) , Blei, Cadmium und Zink am hängenden Quecksilbertropfen
(HMDE)
• Die Quantifizierung soll nach der Additionsmethode (known addition method)
mit konzentrierten Standardlösungen erfolgen.

Reagenzien:
• KCI-Lösung: c = 1 mol/L für die Probelösung:
74,5 g KCI werden in 1 L deion. Wasser gelöst.
• Standards mit je ß = 1 g/L: Cu2+, Pb2+, Cd2+, Zn2+
Bereitung der Schwermetallstandards mit ß = 1 g/L:
entsprechende Salzmenge (Nitrate oder Acetate) nach stöchiometrischer
Berechnung für 100 mL Lösung einwägen, in deion. Wasser lösen,
100 µL HNO3 (w = 65%) zusetzen und auf 100 mL auffüllen.
• KCl-Lösung: c = 3 mol/L für das Elektrolytgefäß der Bezugselektrode

Vorbereitung:
1. Überprüfung des Gasanschlusses (N2 oder He kann angeschlossen sein)
• Vordruck beim Polarographen (Wandventil) soll mit Reduzierventil auf
ca. 1 bar eingestellt sein (falls nicht: Betreuer fragen!).

Manometer

Reduzierventil

Ventil öffnen

Über die Mittagspause


hier abdrehen!!

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2. Reinigung und Trocknung


• Alle 3 Elektroden abspülen, an den Elektroden hängende Wassertropfen
entfernen. Messgefäßunterteil reinigen und mit Küchenrolle trocknen.

3. Kontrolle der Bezugselektrode


• Sie besteht aus der eigentlichen Bezugselektrode und einem Elektrolytgefäß
(Stromschlüssel). Die eigentliche Bezugselektrode muss unbedingt in die
Fülllösung (3 mol/L KCl) des Elektrolytgefäßes eintauchen und es dürfen
keine Luftblasen vorhanden sein.

4. 20 mL Probelösung in das Messgefäß pipettieren und Geräteoberteil


herunterklappen

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5. Einstellungen am VA-Stand
Einstellungen 663
am VA-Stand

Rührgeschwindigkeit

Tropfengrösse

Betriebsart Hg-Tropfelektrode

Manuelle Tropfenbildung

Entgasungsventil

stirrer/RDE 0
drop size 2
HMDE/0/DME/SMDE HMDE
Deaeration 0
6. Einstellungen am Polarecord 626

Bedienungs- Funktion Einstellung


element
1 Netzschalter 1
2 standby/measure/record stand-by
3 off/hold/sweep off
4 Papiervorschub 100 mV/cm
7 Spannungsanzeige (6) für UStart oder wie
UStop einstellen benötigt
5 UStart 0,0 V
8 UStop -1,2 V
9 Messmethode DP 50
10 Spannungsänderungsgeschwindigkeit -5 mV/s
11 tdrop/s meas.period/s 1,0 s
13 Ablenkfaktorbereich ΔI/ΔL nA/mm
12 Ablenkfaktor 1 (nA/mm)
15 Dämpfung 1

• Papier mit dem Handrad 16 so weit zurückziehen, bis man es gerade noch 1-2
cm sieht. Eine Rolle Papier kostet 30 €!!

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Messserie
1. 20 mL mit KCl aufgefüllte Probe ins gereinigte und trockene Gefäß überführen
2. 10 min entgasen: Kippschalter Deaeration
3. Neuen Tropfen bilden
• Tastschalter „HMDE/man” am VA-Stand kurz in Richtung „man” betätigen
und visuell die Ausbildung eines hängenden Tropfens überprüfen.
Der Tropfen ist sehr klein und darf während der Bestimmung nicht
abfallen!
• Ein einziger Tropfen wird für die gesamte Messserie verwendet
Probe und Probe+Standard mit demselben Tropfen!

4. Einstellen auf ein konstantes Signal (Grundlinie)


• Wippschalter  vorsichtig auf Mittelstellung „hold“ stellen,
Wippschalter  vorsichtig auf "measure" stellen,
=> jetzt sollte sich der Schreiber bewegen.
• Fixierung (kleiner Hebel) des Potentiometers 14 „Icomp” lösen und das
Potentiometer solange drehen, bis der Schreiber nahe dem linken Skalenrand
auf etwa 10-20% eingestellt ist (ca. 2-4 cm vom linken Rand).
• Wippschalter  vorsichtig auf „off“ hinaufklappen,
Wippschalter  vorsichtig auf "standby" stellen,
=> der Schreiber stellt sich wieder auf Mittelstellung

5. Aufnahme der Probe ohne Stift


• 10 min entgasen
• Polarogramm aufnehmen: Auf measure und anschließend auf sweep stellen
• Mittels Potentiometer 14 kann die Basislinie optimiert werden.
• Um eine Auswertung durchführen zu können, muss das Signal immer zw.
0% und 100% sein (nie ganz an einem der beiden Ränder).
• Sollte das Signal trotz Optimierung nicht hineinpassen, wird der
Ablenkfaktor 12 von 1 auf 2 gesetzt (Signal wird halbiert).
• Wippschalter auf off und standby

6. Aufnahmen der Probe mit Stift


• Papier wieder mit Handrad in die Ausgangsstellung bringen
• Stift einsetzten
• Polarogramm aufnehmen: Wippschalter auf measure und sweep
• Papier wieder mit Handrad in die Ausgangsstellung bringen, dabei Papier an
der Hinterseite mit der Hand aufrollen (sonst Papierstau!).
Aber jetzt Startpunkt zur besseren Zuordnung um ca. 1 cm nach hinten
verschieben und ein weiteres Polarogramm aufnehmen.
• Die Höhe von jedem Peak darf sich zwischen den beiden Messungen nicht
mehr als 20% unterscheiden, sonst 3. Messung (jetzt 2 cm nach der 1.
Messung)
• Nach Beendigung jeder Messung Wippschalter  auf "off"

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7. Aufnahme der Probe + Standards (Addition, Aufstockung)


• über die Schlifföffnung werden 100 µL Standard (ßMetall = 1000 ppm) der in
der Probe befindlichen Metalle bei aufgedrehter Entgasung zur Probe
hinzugefügt; direktes Pipettieren knapp oberhalb der Flüssigkeit!
• 1 min entgasen (= mischen und Sauerstoff entfernen)
• neuen Hg-Tropfen bilden
• Ablenkfaktorschalter 12 auf 2 nA/mm einstellen
=> Peaks nur halb so hoch
• Polarogramm aufnehmen
• Papier wieder mit Handrad in die Ausgangsstellung bringen, dabei Papier an
der Hinterseite mit der Hand aufrollen (sonst Papierstau!).
Aber jetzt Startpunkt zur besseren Zuordnung um ca. 1 cm nach hinten
verschieben und ein weiteres Polarogramm aufnehmen.
• Die Höhe von jedem Peak darf sich zwischen den beiden Messungen nicht
mehr als 20% unterscheiden, sonst 3. Messung (jetzt 2 cm nach der 1.
Messung)

8. Doppelbestimmung
• Eine weitere Messserie (Punkt 1-5 durchführen)
• Wenn sich die Ergebnisse mehr als 20% unterscheiden, sonst 3. Messserie!
mit Betreuer besprechen!

O2- Peaks: Aufnahme von 2 Grundlinien


in Abstimmung mit dem Betreuer:
1) ohne Entgasung
• 20 mL KCl (1 mol/L) ins gereinigte Gefäß überführen und das Polarogramm
ohne Entgasung mit Wippschalter  vorsichtig auf "measure" stellen,
Wippschalter  starten (auf "sweep")
• Nach der Messung: Wippschalter  auf "off"
2) mit Entgasung
• Die 20 mL KCl-Lösung werden mittels Schalter „Deaeration“ 10 min
entgast
• Das Schreiberpapier mit dem Handrad 16 wieder auf den alten Startpunkt
bringen, dabei Papier an der Hinterseite mit der Hand aufrollen (sonst
Papierstau!)
• Nach der Messung: Wippschalter  auf "off"

Außerbetriebnahme des Polarographen

• Hauptventil der Gasflasche (N2)schließen


• Schalter "HMDE/0/DME/SMDE" auf 0 stellen.
• Netzschalter am Polarographen auf „0“ stellen (= ausschalten)
• Messgefäßunterteil entleeren und Hg-Tropfen vorsichtig in das Schliffgefäß
für Hg-Abfälle überführen.
• Elektroden abspülen und Messgefäß gründlich mit Wasser reinigen.
• 60 mL deion. Wasser in des Messgefäß einfüllen und in den VA-Stand
einsetzen.
• Elektroden müssen eintauchen!!!!

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Musterpolarogramm

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Auswertung der Polarogramme

1. Qualitative Auswertung: (Bestimmung der Abscheidespannung)


• Zunächst beschriftet man Anfang und Ende des Polarogramms mit den ent-
sprechenden Daten für UStart und UStop
• Durch Kalibration zwischen diesen beiden Punkten werden die
Abscheidespannungen für Kupfer, Blei, Cadmium und Zink bestimmt.
Maßgebend ist die Normale auf die x-Achse, welche durch das Peakmaximum
geht (Siehe Musterpolarogramm).

Das Polarogramm ist sorgfältig zu beschriften und auszuwerten!

2. Quantitative Auswertung: (rechnerisch und graphisch)


• Für jeden Peak wird durch Verbinden des Peakanfangs und des Peakendes eine
Grundlinie (= Basislinie, siehe Abb. oben) definiert.
• Als Peakhöhe wird nun der Abstand zwischen Grundlinie und Peakmaximum
ausgemessen. (Man verwendet dabei die Normale durch das Peakmaximum,
welche bei der qualitativen Auswertung eingezeichnet wurde!!)
Unterschiedliche Ablenkfaktoren berücksichtigen!!!!
• Die Ergebnisse sind tabellarisch im Ergebnisblatt zusammenzufassen
• Das genaue Volumen der Pipette aus der Pipettierübung verwenden
• Aufstockfaktor ∆ß:

Durch die Zugabe einer bestimmten Menge (100 µL) eines hochkonzentrierten
Standards (ßStd = 1000 mg/L = 1 mg/mL) zu einem bestimmten Volumen (20
mL) wird die Konzentration des einen Ions um den Betrag ∆ß erhöht und damit
„aufgestockt“ nach der Formel:

V(Standard) V(Standard)
∆ß = ßStd . f = ßStd . f= …. Verdünnungsfaktor
V(Gesamt) V(Gesamt)

0,102 m𝐿
Ƨ (Cu2+) = 1000 mg/L . 1 malige 102 mL -Zugabe einer
20,102 mL
Standards

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Bei Zugabe (jeweils 100 µL, ßStd=1000 mg/L) zweier verschiedener Standards
(z.B. Cu2+ und Pb2+) wird das Gesamtvolumen verändert, die Konzentration
ergibt sich aus
0,102𝑚𝐿
Ƨ (Cu2+) = Ƨ (Pb2+) = 1000 mg/L .
20,𝟐04mL

∆ß beträgt in unserem Fall knapp unter 5 mg/L. Die genauen Werte ergeben sich
aus der Kalibration der 100 µL-Pipette, deren Durchschnittsvolumen zur
Berechnung herangezogen werden sollen und der Anzahl an zugesetzten
Standardlösungen. Für die 20 mL Pipette das Volumen aus der Vorübung
verwenden.

a) Rechnerische Auswertung:
h(Probe)  mg 
β(Probe) = Δβ   L 
h(Probe + Standard ) − h(Probe)

ß(Probe) [mg/L] .....................Probenkonzentration


h(Probe) [mm] .......................Peakhöhe
h(Probe+Standard) [mm] .........Peakhöhe nach der Addition, mit Ablenkfaktor
multipliziert (berücksichtigt)
ß [mg/L] .............................Aufstockfaktor

b) Graphische Auswertung:
x-Achse: Hier wird die jeweilige Konzentrationszugabe in ppm (= mg/L)
aufgetragen (also der Aufstockfaktor Ƨ) .
Die Probe hat selbst den Wert „0“ - die Konzentration wurde ja nicht erhöht.
Die Achse soll von -10 ppm bis + 5 ppm reichen.
y-Achse: Hier wird die Peakhöhe, multipliziert mit dem jeweiligen Ablenkfaktor
eingetragen

Für jedes Metall werden die beiden Messpunkte eingetragen, mit denen man eine
Gerade erstellen kann, wobei auf der x-Achse der Aufstockfaktor Ƨ und auf der y-
Achse die um den Ablenkfaktor korrigierte Messsignalhöhe (proportional zur
Stromstärke, deswegen in mm) aufgetragen wird. Es sollen alle Elemente in einem
einzigen Diagramm dargestellt werden.

Der Schnittpunkt mit der x-Achse entspricht der gesuchten Konzentration. Man
nimmt einfach den Betrag des negativen Werts. Aus der Geradengleichung (im
Excel-Diagramm einblenden lassen) lässt sich dieser leicht berechnen.
z.B.:

Aufstockfaktor Messsignal
Messsignal
(Stromstärke)
∆ß Ablenkfaktor Stromstärke
effektiv
(mg/L) (mm)
[mm]
0,0 1 50,5 50,5
4,97 2 49,0 98,0

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Ergebnis: ß(Cu) = 5,2 ppm

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