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Zwischenbericht zur Anti-Propaganda-Kampagne

© Christof Wahner 2009

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Wichtiger Hinweis: Dieser Text ist eine Parodie auf all jene Friedensbewegungen, die derart friedlich
agieren und derart zwanglos für die Freiheit kämpfen, dass daraus Diktatur und Terrorismus entsteht.
Hiermit sollen keineswegs die Ideale Frieden und Freiheit durch den Kakao gezogen werden, sondern
die leicht missverständlichen Ansätze, die immer wieder praktiziert werden, um Ideale zu verwirklichen.
Dass viele Formulierungen aus Adolf Hitler's Rede vor dem Reichstag vom 4. Mai 1941 stammen, ist
lediglich als Stilmittel zu verstehen und widerspricht nicht der demokratischen Gesinnung des Autors.
Besonders zu betonende Wörter sind fett geschrieben.
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Genossen! Kameraden! Ein herzliches Shalom!


Jahrein jahraus ermahnt unsere Bewegung die Welt zum Frieden, d.h. zur bedingungslosen Abkehr
gegen jede Art von Manipulation einschließlich Werbung. Doch jeder Ansatz einer freundschaftlichen
Verständigung wurde bisher als Zeichen von Schwäche abgetan, geradezu so, als ob wir zu feige
wären, unsere Kräfte auf den Schauplätzen der Zeitgeschichte zu messen. All unsere gut gemeinten
Warnungen wurden mit ebenso törichter wie unverschämter Anmaßung in den Wind geschlagen.
Unsere selbstlosen und aufrichtigen Bemühungen stießen allseits auf entrüstete Ablehnung, so dass
wir den skandalösen Eindruck erhalten mussten, dass unsere Widersacher nichts besseres zu tun
haben als jede geringste Aussicht auf ein friedliches Miteinander unerbittlich im Keim zu ersticken.
Die Propagandisten versuchten sogar in ihrer ganzen volkswirtschaftlichen Beschränktheit, der Be-
völkerung die Meinung aufzuoktroyieren, dass wir alle ehrenamtlichen Anti-Propaganda-Aktivitäten
mit Schwindelpapieren finanzieren und so am Ende daraus noch in rauen Mengen Profit schlagen.
Zudem bemühten sie sämtliche Tricks, um uns die Schuld für ihre eigene Misswirtschaft anzudichten.
Schon vor geraumer Zeit wies ich pflichtgemäß vor der ganzen Welt darauf hin, dass es nicht länger
angehen kann, dass sich diese Verbrecher ob solcher Schamlosigkeiten noch öffentlich rühmen dürfen.
Daher sollte sich niemand wundern, dass wir als friedliebende Weltbürger, die von Natur aus niemals
nachtragend und erst recht nicht streitsüchtig sind, nun aber gezwungenermaßen unserer Verpflichtung
nachkamen diesem wahnsinnigen Treiben ein baldiges Ende zu setzen, so dass wir dann die nötigen
Schritte eingeleitet haben, um den aberwitzigen Machenschaften dieser kapitalistischen Kriegshetzer
mit der gebotenen Nachhaltigkeit entgegen zu treten. Nach einer langen Zeit geduldiger und aufmerk-
samer Beobachtung rangen wir uns schweren Herzens zu dem Entschluss durch, nun auch mit
brutalsten Mitteln einen kompromissloseren Frieden anzustiften als man ihn sich je vorstellen konnte.
Erst recht durften wir unter keinen Umständen zulassen, dass unsere bisherigen Beiträge zum Welt-
frieden durch irgendwelche geisteskranken Elemente ungestraft in Schutt und Asche getreten werden.
So haben wir nicht 10 und nicht 20, nicht 30, sondern stolze 42 Anti-Propaganda-Divisionen an die
feindlichen Fronten entsendet, um dort mit bewährten Mitteln für geregelte Verhältnisse zu sorgen.
Von diesen 42 mobilisierten Divisionen kehrten schon nach wenigen Wochen 65 Divisionen zurück –
und zwar zum großen Teil unter anderen Flaggen, die uns teilweise noch nicht einmal bekannt waren.
Dies aber ist wegen unserer ungeahnt weitgreifenden Eroberungen gar nicht so sehr verwunderlich.
Unsere Feldzüge aber verfolgten das Ziel, die Herzen der breiten Masse rücksichtslos zu erobern und
auf diese Weise jeden erdenklichen Widerstand zu brechen – dies jedoch nur, um die Bevölkerung
vor jeder Art von Manipulation zu schützen und sie im weiteren Verlauf dauerhaft zu immunisieren.
Lassen Sie mich nun die Ergebnisse unserer bisherigen Missionen mit ein paar Zahlen darlegen:
> Wir machten 130.418 Gefangene, darunter Marketing- und Vertriebsleiter, Programmverantwortliche
in Medienkonzernen, Callcenter-Mitarbeiter, Kundenberater, Webseiten-Betreiber, Zeitungsausträger,
Pressesprecher, Politiker, Redner, Rechtsanwälte, Großaktionäre und selbstständige Unternehmer.
> 186 Rundfunk- und Fernseh-Stationen wurden planmäßig demontiert bzw. zu Umerziehungslagern
umgerüstet, zumal sich die vorhandene Kommunikationstechnologie bestens für diesen Zweck eignet.
> Wir ließen bereits 286.490 Webseiten mit manipulativen Inhalten fristlos aus dem Verkehr ziehen.
> Mehr als 27 Millionen Werbeplakate und Werbeartikel werden zur Zeit dem Recycling zugeführt.
> Bereits über 36 Millionen Objekte aller Art wurden von Markensymbolen und Werbetexten befreit.
> 16.420 Workshops zur Förderung von Individualität, pluralistischem Gesellschaftsverständnis und
Toleranz wurden mit bestem Erfolg durchgeführt. Dabei gab es glücklicherweise nur wenige hundert
Festnahmen wegen versuchter ideologischer Unterwanderung. Wer sich nicht aus eigenen Stücken
rückhaltlos zur pluralistischen Gesellschaft bekennen will, wird unverzüglich gleichgeschaltet, weil
man Toleranz unter keinen Umständen dem Zufall oder gar der persönlichen Willkür überlassen darf.
Leider fielen dabei manchmal im Eifer des Gefechts Eigentore, indem irrtümlicherweise einige unserer
Funktionäre aus den eigenen Reihen gestört, bedroht und teilweise sogar festgenommen wurden,
während sie für unsere Kampagne warben und in diesem Zusammenhang Gehirnwäsche betrieben.
> In unseren Reihen verzeichneten wir 8.215 Verletzte sowie 908 Tote. Im großen Ganzen aber sind
diese Verluste so gering, dass sie die durchgeführten Maßnahmen im höchsten Ausmaß rechtfertigen.
Natürlich ist dies alles nur der Anfang unserer beispiellosen weltweiten Anti-Propaganda-Feldzüge.
Wir wollen und werden immer wieder unsere grandiosen Leistungen um ein Vielfaches übertreffen
und uns im Namen von Gerechtigkeit und erbarmungsloser Toleranz für den Weltfrieden aufopfern.
Unsere gemeinsame Aufgabe und Ehre besteht nun darin, (1) mit höchstem Todesmut und grenzen-
loser Opferbereitschaft bis zum allerletzten Atemzug für individuelle Selbstbestimmung und gegen
jede Art von Manipulation zu kämpfen, (2) gegenüber den feindlichen Allianzen unerbittlichen Wider-
stand zu demonstrieren, indem wir immer mehr genau das tun und lassen was wir gerade wollen,
(3) die feindlichen Fronten aufzubrechen, um die geistesgestörten Gauner mit ihren plumpen Wolken
von abgeschmackten Schwindeleien, unsachgemäßen Übertreibungen und windigen Behauptungen
im antipropagandistischen Bombenhagel restlos in Trümmer zu schlagen und die uns von Natur aus
zustehenden propagandafreien Lebensräume zu erweitern, (4) an einem einzigen Strang zu ziehen,
und zwar in jede erdenkliche Richtung, so wie es die pluralistische Gesellschaftsordnung vorschreibt
und (5) immer fanatischer daran zu glauben, dass unsere Entschlusskraft weder durch Waffengewalt
noch durch sonstige Manipulation auch nur ansatzweise gebeugt oder gar gebrochen werden kann.
So will ich nun mit gutem Beispiel vorangehen und bis zum Endsieg meine Beine fest in den Boden
der nackten Tatsachen hinein stemmen, um dem Ansturm propagandistischer Vergeltungsschläge zu
trotzen und allen größenwahnsinnigen Allüren strengen Einhalt zu gebieten. Dabei muss ich gestehen,
dass ich nur ungern einen tapferen Feind verachte. Es erscheint mir aber notwendig, in aller Öffentlich-
keit die lahmen Flunkereien und dummdreisten Sprüche jener paralytisch erkrankten Taugenichtse
deutlich zu benennen, die es noch wagen uns zum Narren zu halten, indem sie in ihrer chronischen
Schwatzhaftigkeit immer wieder irgendeinen Schund aus ihrer moderigen Anekdotenkiste heraus-
fischen und zum Besten geben, nur damit dies dann früher oder später von ihren hirnlosen Mitläufern
und gewissenlosen Komplizen zur Wahrheit umgelogen wird. Unter diesen Umständen aber bleibt uns
kein besserer Ausweg als diesen schauderhaften Skurrilitäten in wildester Entschlossenheit mit dem
Trommelfeuer der totalen Humor-Offensive entgegen zu treten. Ja, von dieser zutiefst ergreifenden
Stunde des inneren Friedens an lautet unsere Parole: "Nun, Witz komm raus und lach dich tot!"