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Atom-U-Boote für Australien

Eine schon fast brutale Lehrstunde in Geopolitik


Europa wird nicht mehr ernst genommen. Das zeigt der Deal über Atom-U-Boote für Australien. Eine
Analyse. 
GERD APPENZELLER

Auf diesem von der U.S. Navy zur Verfügung gestellten Foto durchquert das französische U-Boot FNS Amethyste (S605)
Thames River...FOTO: CHIEF PETTY OFFICER JOSHUA KARST/US NAVY OFFICE OF INFORMATION VIA AP/DPA

Es war eine schon fast brutale Lehrstunde in Geopolitik, die in erster Linie Frankreich, aber in
der Folge auch der Europäischen Union gerade verpasst worden ist. In einem geheimen Deal
zwischen Australien, den Vereinigten Staaten und Großbritannien wurde eine geplante
französische Lieferung konventionell angetriebener U-Boote an Canberra gestrichen und
durch ein ähnliches Geschäft ersetzt, nun allerdings mit atomar getriebenen U-Booten aus der
Waffentechnologie der USA und Britanniens.
Australien sieht sich unter dem wachsenden Druck der aggressiven chinesischen Außen-,
Wirtschafts- und Militärpolitik gezwungen, eine klare Frontstellung zu beziehen. Dies kann
nur an der Seite der Vereinigten Staaten geschehen, jener pazifistischen Macht, die unter
Präsident Joe Biden unbedingt Präsenz im pazifischen Raum zeigen muss. Nach
dem überstürzt wirkenden Abzug aus Afghanistan darf auf keinen Fall der Eindruck
entstehen, die USA würden in einer Fortsetzung der Trumpschen „America First“-Politik nun
auch im Pazifik ihre globale Rolle negieren wollen.

Die Bewaffnung kommt direkt aus den USA

Konventionell angetriebene U-Boote, wie sie Frankreich liefern konnte, sind wegen ihrer
geringeren Reichweite nicht in der Lage, eine wesentliche Rolle bei der Überwachung des
maritimen Raumes zu spielen. Was nun gebraucht wird, kann nur Großbritannien liefern. Die
Briten verfügen seit 60 Jahren über die ursprünglich von den USA zur Verfügung gestellte
und mit ihnen ständig weiter entwickelte nukleare Antriebstechnologie. Die Bewaffnung mit
Tomahawk-Raketen kommt direkt aus den USA. Beide Staaten sind traditionell engste
Verbündete. Das Ausmaß des Vertrauens zueinander zeigt sich auch in der
Geheimdienstkooperation, die beide Länder seit dem Kampf gegen Nazi-Deutschland
zusammen mit Australien, Neuseeland und Kanada pflegen.

Im Gegensatz zu Großbritannien fehlt Frankreich militärisch die globale Machtoption. Die


Europäische Union ist weit davon entfernt, in einer Sicherheitspartnerschaft über den eigenen
Kontinent hinaus ernst genommen zu werden. Man kann durchaus der Meinung sein, dass
dies kein anstrebenswertes Ziel sei. Aber dann darf man sich auch nicht beklagen, wenn
globale Politik aus westlicher Perspektive an der EU vorbei gestaltet wird.

6 Kommentare – Diskutieren Sie mit

1. Korrekturfahne
17.09.2021, 19:16 Uhr
Die Europäische Union ist weit davon entfernt, in einer Sicherheitspartnerschaft über den
eigenen Kontinent hinaus ernst genommen zu werden.

Und daran wird sich auch so schnell nichts mehr ändern, egal ob Frau von der Leyen die
wievielte Vision einer Europaarmee entwickelt und zum Besten gibt. In ihrem Heimatland feiern
sich Schulvertreter regelmäßig dafür, den Angehörigen der eigenen Parlamentsarmee als
Berufs-werber den Zutritt zu verweigern, muss ein Bundespräsident zurücktreten, weil er es
wagt, die Frage nach Durchsetzung deutscher Geopolitik auch mit militärischen Mitteln zu stellen
und betrachten Politiker vornehmlich des linken Lagers es als unter ihrer Würde, Gelöbnisfeiern
von Bundeswehrrekruten auch nur beizuwohnen. Woher soll europäische hard power kommen,
wenn man die notwendigen Voraussetzungen dafür schon mit Verachtung straft? Aber es bleibt
ja Trost: Europa will erster klimaneutraler Kontinent werden. Das wird die säbelrasselnden
Großmächte westlich und östlich des Kontinents sicherlich brutal in die Schranken weisen und
der Welt ein leuchtendes Beispiel geben, wie man auch mit Operettenarmeen seine Interessen
durchsetzt und Führungsmacht bleibt.

2. Arthur1337
17.09.2021, 17:26 Uhr
Da sind bestimmt wieder die Linken dran schuld, mit ihrer skeptischen Haltung zur Nato ;)