Sie sind auf Seite 1von 3

Evangelium in Kurzfassung

„Zuverlässig ist das Wort und wert, dass alle es annehmen: »Christus Jesus ist in
die Welt gekommen, um Sünder zu retten«, unter denen ich der erste (der
schlimmste) bin.“ (1. Timotheus 1,15)
Zusammenfassungen, Kurzfassungen sind heute überaus beliebt. Man spart Zeit (wofür
eigentlich?) und kommt gleich zum Wesentlichen. 1. Timotheus 1,15 bietet eine wunder-
bare, göttlich präzise Zusammenfassung des Evangeliums von Jesus Christus. In
wenigen Worten werden entscheidende Akzente gesetzt.
Jeder Zuhörer kann sich heute morgen an diesen Worten selbst prüfen, ob er sie be-
reits als sein persönliches Bekenntnis sprechen kann oder nicht und ob sie in den
Kernaussagen sein missionarisches Zeugnis wiedergeben oder nicht. In jedem Fall bietet
uns dieser Vers, wenn wir ihn recht bedenken, Anlass zu Lob, Dank und Anbetung für
Jesu Erlösungswerk, an das wir uns heute in der Mahlfeier wieder besonders erinnern
wollen.

1. „Zuverlässig ist das Wort und wert, dass alle es


annehmen..
Der Ausdruck „zuverlässig“ oder „glaubwürdig ist das Wort“, der nur fünfmal in den Pasto-
ralbriefen vorkommt (3,1; 4,9; 2. Timotheus 2,11; Titus 3,8), dient an jeder Stelle als Si-
gnalwort dafür, dass es hier um Kernthemen der christlichen Lehre geht. Dies setzt
voraus, dass zur Zeit der Abfassung der Pastoralbriefe (62 bis 67 n.Chr.) schon eine aus-
formulierte christliche Lehre existierte.
Gott, der nicht lügt (4. Mose 23,19), wirbt um unser Vertrauen. Gott, der nicht in die Irre
führt, lässt den permanent in die Irre Laufenden sagen (Jesaja 53,6), dass sie sich doch
ihm und seinem Wort anvertrauen mögen, um gewiss ans Ziel zu kommen.
Unsere angeborene, hinzugewonnene, erlernte, erlittene tiefe Skepsis lässt uns zu un-
serem Unglück Gottes Wort ebenso ansehen und beurteilen, wie alle innerweltlichen Ver-
sprechungen und Verheißungen. Die ganze Verdorbenheit des Menschen zeigt sich dar-
in, dass wir viel leichter dem, was nicht vertrauenswürdig ist glauben, als dem in alle
Ewigkeit vertrauenswürdigen Wort Gottes. (Ps. 19,8-12)
Das hängt mit unserem von Natur aus bösen, auf das Falsche ausgerichteten Herzen
zusammen (Markus 7,20-23). Unser falscher Stolz verführt uns dazu, zu meinen, alles
besser zu wissen als Gott. Ein solches Herz kümmert sich deshalb nicht wirklich, d.h.
andauernd, fortwährend, Tag für Tag um seine Weisungen, sondern läuft immer weiter in
die Irre und in sein Verderben. (Jeremia 17,5-8)
„Zuverlässig ist das Wort und wert, dass alle es annehmen ..“ Lass diese Eigenschaft
des Wortes Gottes dein Denken, Fühlen und Wollen bestimmen. Achte die Bibel deshalb
höher als deine oder anderer Leute Zweifel, Behauptungen oder Mutmaßungen. Studiere
die Bibel eifrig und vor allem regelmäßig und nimm was sie sagt dir zu Herzen und lass
sie so zur Richtschnur deines Lebens werden, nicht nur theoretisch, sondern praktisch. -
Glaube dem Wort. Bekenne deine Sünde und wende dich im Vertauen auf Jesus davon
ab!

2. ..Christus Jesus ist in die Welt gekommen..


„Christus“ ist der Hoheitstitel des gesalbten Königs, der aus der Herrlichkeit auf diese
Erde kam und bei seiner Fleischwerdung zu dem irdischen „Jesus“ wurde. Nach Auferste-
hung und Himmelfahrt stellten die Schreiber der neutestamentlichen Schriften dann meist
den Christustitel voran, um so schon durch die Wortwahl die Vormachtstellung, die Chris-
tus jetzt innehat, zu betonen. Wir rühmen heute Christus Jesus als den Herrn aller Her-
ren!
Christi Kommen in diese Welt war ein erstaunliches „Herabkommen“. (Philipper 2,6-8)
Er verließ den himmlischen Thron, nicht zu einer pompösen Auslandsreise, sondern um
auf dieser Erde zu „dienen“ und zu „geben“. Das sind die beiden entscheidenden Stich-
worte, die den ZWECK seines Herabkommens beschrieben (Markus 10,45). Das sollte
uns immer wieder zu echter Anbetung treiben. Zu ihr sind wir jedoch nur dann wirklich in
der Lage, wenn wir seinem Beispiel folgen, seinen Weg gehen und tun, was er tat:
Dienen – Geben – Jünger machen.
Wenn ich in den Spiegel, oder um mich herumschaue, nehme ich jedoch häufig wahr,
dass es Christen keineswegs leicht fällt, unsere oft nur eingebildeten „Throne“ zu
verlassen, um zu „dienen“ und zu „geben“. Da lassen wir nur zu gern den anderen den
„Vortritt“, auch wenn wir merken, dass niemand daran denkt, herabzusteigen und
wichtiges Tun wahrscheinlich ungetan bleibt. Solch ein vom „Thron“ unserer Ichverehrung
Herabsteigen, zu dienen und zu geben, das wäre ein Stück echten und überzeugenden
Gotteslobes.
Er diente und gab bis zum Äußersten, ja bis zum Tod am Kreuz. Nur so konnte er uns
mit dem Vater versöhnen. Er hat uns ein so deutliches Vorbild hinterlassen, dass sich
kein Christ jemals mehr einbilden kann, je zu viel dienen und geben zu können. Damit
dies jedoch auch in meinem und deinem Leben Wirklichkeit wird, sind wir vollständig auf
den Heiligen Geist und seine Wirkungen, Gaben und Früchte angewiesen. Jesus möchte
durch seinen Geist jedem seiner Nachfolger diesen Wunsch seine Lebensprioritäten
„Dienen“ und „Geben“ auszuleben schenken. (z.B. im Jüngermachen) - Das ist die ge-
wisse, frohe Hoffnung des Evangeliums!

3. ..um Sünder zu retten..


Der Grund warum Christus in diese gefallene Welt kam war ein einziger: „um Sünder zu
retten“. Das ZIEL all seines Dienens und Gebens war die Rettung von Sündern (Markus
10,45b). Vor seiner Geburt sagte der Engel zu Josef: „Denn er wird sein Volk erretten von
seinen Sünden“ (Matthäus 1,21).
Und das ist sein Hauptanliegen bis heute. Wohl schenkt er auch Lebenssinn, Friede,
Freude und Erfolg, gelingende Beziehungen und Zufriedenheit, wohl macht er heute noch
Menschen gesund und frei von Bindungen, - aber vor allem und stets zuerst hat er einen
Wunsch: Menschen von ihren Sünden zu befreien. Dich und mich von unseren Sünden zu
erretten! - Hast du dies schon bei dir geschehen lassen? Hast du ihm dafür schon ge-
dankt?
Er kann niemanden retten, der sich noch nicht als Sünder erkannt hat, denn er rettet
keinen Menschen gegen seinen Willen. Er kann niemandem helfen als nur dem, der weiß,
dass er dringend Hilfe benötigt. Denn nur solche werden begierig nach einem Retter Aus-
schau halten und ihn dankbar willkommen heißen. Retten heißt, von Sünde, Tod, Gericht,
Hölle und ewiger Finsternis zu befreien. Weißt du dich davon schon befreit? Kannst du
das fröhlich rühmen?
Im Himmel werden einmal nur begnadigte Sünder sein. Kein einziger Gerechter, keiner,
der in seinen Augen Gutes getan hat, keiner, der Gott suchte. Nur solche mit geschenkter
Gerechtigkeit, durch die Gott selbst Gutes wirken konnte, die ihm dafür alle Ehre gaben
und die sich von Gott suchen und finden ließen. Kommt dir auch nur irgend ein Gedanke,
was dich vor Gott empfehlen könnte, außer der Tatsache, dass du ein Sünder bist, dann
bist die in ernsthaften Schwierigkeiten. Und alle die, welche sich vorgenommen haben
einmal zu sagen: „Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch
deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke ge-
tan?“ (Matthäus 7,22) werden aus Jesu Mund hören: „Ich habe euch nie gekannt. Weicht
von mir, ihr Übeltäter!“ (Matthäus 7,23) Weshalb werden sie das hören? Nicht weil es
schlecht ist zu weissagen oder Dämonen auszutreiben, sondern weil Jesus nur Sünder
rettet und niemand durch Hinweise auf sein Tun vor ihm bestehen kann.
Deshalb muss Sünde aufgezeigt werden, sonst weiß niemand, wie lebensgefährlich
krank er ist. Ist es nicht traurig, - vor der Vogelgrippe fürchten sich immer mehr Men-
schen, sie kaufen sich sogar schon Medikamente und schlucken sie, obwohl Experten
sagen, dass es noch gar keine echte Gefahr gibt? - Aber der Sünde gegenüber, dieser
echten und 100% tödlichen Gefahr, bleiben die meisten Menschen gleichgültig. So
verwirrt, so verdorben, so dumm ist der Mensch. - Weißt du, dass du einen Retter, einen
Heiland brauchst?

4. ..unter denen ich der erste (der schlimmste) bin!“


Dieser Abschluss des Verses mag uns eigenartig vorkommen. Ist das nicht etwas über-
trieben? In unserer Zeit würden sich viele beeilen, Paulus‘ Selbsteinschätzung zu korri-
gieren und sein Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Aber dies war eine gesunde Selbst-
einschätzung, weil sie richtig war. Paulus konnte sich nicht vorstellen, dass ein Mensch
etwas Schlimmeres als ein Gotteslästerer und Verfolger der Gemeinde sein könnte. Diese
Sicht von sich half Paulus außerdem, eine demütige und dankbare Einstellung Jesus
gegenüber zu bewahren.
„Aber gerade deshalb ist mir Barmherzigkeit widerfahren, weil Christus Jesus an mir als
dem ersten die ganze Fülle seiner Langmut erweisen wollte, um an mir vorbildlich darzu-
stellen, was für Menschen künftighin durch den Glauben an ihn zum ewigen Leben ge-
langen würden.“ (1. Timotheus 1,16) Paulus macht deutlich, dass Gott ihn nicht nur ge-
rettet hatte, um ihn vor der Hölle zu bewahren und in den Himmel zu bringen, noch nicht
einmal um das Evangelium zu verkünden und die Briefe zu verfassen; Gott hätte auch
andere damit beauftragen können. Das ENDZIEL der Errettung von Sündern war und ist
der, Gottes Gnade, Macht und Geduld zu demonstrieren. Alles dient zuerst zu seiner
Ehre; unser Nutzen ist ein zweitrangiger Nebeneffekt.
Indem er Paulus errettete, konnte Jesus Christus am deutlichsten seine ganze Geduld,
die er mit Menschen hat zeigen. Paulus bringt damit zum Ausdruck, wenn der Herr mit
mir, dem größten aller Sünder geduldig ist, dann befindet sich kein Mensch außerhalb der
Reichweite der Gnade Gottes. Paulus war also der lebende Beweis dafür, dass Gott jeden
Sünder retten kann.
Siehst du dich bereits als Sünder an? Leidest du darunter? Willst du die Last deiner
Sünden los werden? Dann kehre um, wende dich an Jesus und bekenne sie ihm! Er wird
auch dich zu einem Gotteskind machen und dir seinen Heiligen Geist schenken!

Manfred Herold
30.10.2005