Sie sind auf Seite 1von 44

Musikzeitung

Mitteilungsblatt der Gesellschaft für Deutsche Musikkultur im Südöstlichen Europa e.V.


München, Dezember 2008 (Heft 6) www.suedost-musik.de
HT TH T

Viel Raum für gute Musik Blicken wir in unsere Heimatregionen südostwerts,
nach Siebenbürgen, in das Banat, in die Batschka oder
Zwei Jahre sind seit der letzten Nummer unserer
nach Ungarn, so erkennt man recht leicht, dass sich
MUSIKZEITUNG vergangen, eine besonders arbeits- was tut. Rumänien gehört nun zur Europäischen Union
und erlebnisreiche Zeit, die ihre Spuren auch in den – obzwar die meisten rumänischen Politiker und Bür-
Reihen unserer GDMSE hinterlassen hat. Horst Ge- ger diesen Schritt für viel zu früh werten – und so
hann, unser langjähriger Vorsitzender, Freund und manche Musikprojekte könn(t)en jetzt leichter durchge-
Förderer der deutschen südosteuropäischen Musik ist führt werden. So konnten in diesem Jahr zwei neue
im Sommer 2007 von uns gegangen; Robert Rohr, ein Orgeln eingeweiht werden, die von einheimischen Or-
begeisterter donauschwäbischer gelbauer erbaut wurden: in der Buka-
Musikforscher ist im Januar 2008 in rester Musikhochschule und in einer
München verschieden; Gerda Türk, Arader Kirche. Auch Werke deut-
die uns bei vielen Löwensteiner Mu- scher Komponisten dieses Kultur-
sikwochen mit Begeisterung unter- raums werden in Siebenbürgen und
stützt hat, erlag im Sommer 2008 im Banat aufgeführt – natürlich be-
ihrer schweren Krankheit; der Kom- dingt und ermöglicht durch begeis-
ponist Walter Michael Klepper, der terte Landsleute vor Ort. Wo diese
noch in den letzten Wochen mit der fehlen – und dies ist leider der Nor-
Herausgabe seiner letzten Werke malfall – bleiben die Orgeln stumm
beschäftigt war, wurde im Septem- und die Schöpfungen bedeutender
ber 2008 am Lugoscher Friedhof auf Komponisten bleiben (wenn über-
seinem letzten Weg begleitet. Ihrer haupt) als Archivmaterial längst ver-
aller wollen wir in diesem Heft ge- gangener Zeiten in dunklen Archiv-
denken. kellern liegen. So z.B. mit der Würdi-
Dass unsere Musik trotzdem wei- gung des bedeutenden Temeswarer
terlebt, konnten wir besonders bei Komponisten Franz Limmer (geb.
unseren letzten beiden Musikwo- 1808 in Wien, gest. 1857 in Temes-
chen 2007 und 2008 in Löwenstein war), für den die dortige Philharmo-
erfahren: immer mehr Jugendliche aus Deutschland nie und die lokale Musikszene bisher keinen Platz ge-
und aus der alten Heimat zeigen ein lebhaftes Interesse
funden hat und kein Interesse zeigt. „Aus den Augen,
an unserer Arbeit, nehmen zahlreich an unseren Veran-
aus dem Sinn…“ – heißt es in einem Gedicht. Doch
staltungen teil und lassen uns zuversichtlich nach vorne
schauen. Selbst Musikinteressierte, die von unserer nur fünfzig Kilometer nördlich von Temeswar, in Arad,
Arbeit erfahren haben, suchen den Kontakt zu uns und zeigte man Interesse für die Missa Solemnis von Franz
lesen mit Begeisterung unsere Publikationen. Wenn Hybl aus dem Jahre 1836 (gewidmet der königlichen
auch die Arbeitsbedingungen durch unsere über das Freistadt Arad) und ließ sie festlich und feierlich mit
ganze Bundesgebiet zerstreuten Wohnorte nicht ein- dem dortigen großen Schülerchor des Kunstlyzeums
fach sind, so stellt unsere gemeinsame Musikkultur erklingen.
durch ihre geschichtliche Entwicklung, durch ihre ge- Eine ganz andere Entwicklung der deutschen Musik-
meinsame Aufführung und Erforschung ein verbin- traditionen ist in Ungarn zu beobachten, wo es über 40
dendes Band dar, die auch nach unserer kurzen irdi- deutsche Kirchenchöre gibt – Tendenz steigend. Hier
schen Existenz weiter erklingen wird. konnte sich in den letzten Jahren in einzelnen Dörfern
In diesem Jahr begehen wir den 125. Geburtstag des und Städten die deutsche Musikkultur frei entfalten.
Dirigenten und Komponisten Hermann Klee (siehe Diese Entwicklung ist natürlich bedingt durch die sozi-
Foto), der aus Hamburg stammte, in Siebenbürgen und alen und ethnischen Strukturen, die sich nach 1990
im Banat tätig war und dessen Biographie und Lieder nicht so drastisch wie in Rumänien durch den Weggang
zur Zeit veröffentlicht werden. Grund genug für das des Großteils der Deutschen verändert haben.
Rumänische Kulturinstitut Titu Maiorescu in Berlin, Über all diese historischen und zeitgenössischen
ihm einen festlichen Abend zu widmen. Auch unsere Komplexe wurde in den letzten beiden Jahren in mu-
Gesellschaft war daran beteiligt. sikwissenschaftlichen Symposien in München, Leipzig,

1
Wien, Bukarest, Lugosch, Ljubljana/Leibach und Bu- Fotomaterial, Autographe, Manuskripte, Drucke) zu-
dapest diskutiert. Ob es was gebracht hat für die Mu- kommen. All diese Unterlagen fanden im Südosteuro-
sikforschung? Kann ich schwer behaupten. Unsere päischen Musikarchiv, München, einen würdigen und
musikalischen Nachlässe, Archive und Sammlungen sicheren Platz.
liegen in vielen Fällen noch immer unangetastet und Sie werden in dieser MUSIKZEITUNG auch einige
warten auf ihre Entdeckung durch junge Forscher. Nur (gekürzte) Arbeiten von Musikwissenschaftlern aus
diese jungen Musikwissenschaftler in den südosteuro- Rumänien, Ungarn, der Ukraine und aus Serbien fin-
päischen Ländern kennen immer weniger die deutsche den, die u.a. auch einen Bezug zur deutschen Musikkul-
Sprache und die Existenz der ehemaligen deutschen tur aufweisen. Diese sind besonders lesenswert, da man
Musikkulturen geriet dadurch immer mehr in Verges- diese Bereiche in Deutschland kaum kennt. Die restli-
senheit. Also: allerhöchste Zeit auch seitens der deut- chen Kurzberichte und Ankündigungen wurden aus
schen (und österreichischen…) Politik zu handeln… deutschsprachigen Zeitungen Ungarns und Rumäniens
wären da nicht wichtigere Probleme wie z.B. die Fi- entnommen, wofür den dortigen Redaktionen gedankt
nanzkrise. Und wieder mal kommt die Kultur zu kurz. sei. Auch diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Aber dieses Lied ist uns ja schon bekannt. ist erwähnenswert und hilft uns die Kontakte zu unse-
Glücklicherweise konnten in den vergangenen Mona- ren gemeinsamen Lesern und Musikfreunden aufrecht
ten einige wichtige Nachlässe und Sammlungen gesi- zu erhalten.
chert werden, wie jene der Komponisten Franz Wa- Mit dem Dank an Sie, werte Leser und Mitglieder, die
schek, Otto Sykora, Josef Willer, Hermann Klee u.a. Sie Interesse an unserer Arbeit zeigen, wünsche ich
Dadurch wurden Grundlagen für die zukünftigen Re- Ihnen eine besinnliche Adventszeit und – bleiben Sie
cherchen gelegt, ohne die die Existenz weiterer Berei- uns treu.
che dieser deutschen Musikkulturen Südosteuropas für Dr. Franz Metz
immer verschwunden wären. Die Nachkommen dieser Vorsitzender der GDMSE
Musiker meldeten sich bei uns und ließen uns die mu-
sikalischen Nachlässe und Dokumentationen (Noten,

Musikwoche der GDMSE in Löwenstein 2008

Ich hab mein Herz in Löwenstein verloren


Die Löwensteiner Musikwoche 2008 war ein voller Erfolg / von Johannes Killyen

Ein neuer Teilnehmerrekord, mehr als 50 Prozent selbst sich besonders intensiv dem mit großem Strei-
Kinder und Jugendliche - und das vielleicht beste Ab- cher- und vollem Bläsersatz ausgestatteten Orchester
schlusskonzert in 23 Jahren: Diese Schlaglichter genü- widmete, wurde der Chor von den Dirigenten Xaver
gen bereits, um deutlich zu machen, dass die Musikwo- Detzel und Christian Turck auf das Konzert vorberei-
che Löwenstein der Gesellschaft für deutsche Musik- tet: eine sinnvolle Arbeitsteilung, die sich in einer
kultur im südöstlichen Europa (GDMSE) auch in ei- höchst gelungenen Aufführung niederschlug. Da gab es
nem knappen Vierteljahrhundert kein bisschen alt ge- reichlich Applaus von den über 200 Zuhörern.
worden ist. Vom 24. bis 30. März fand sie nahe Heil-
bronn zum 23. Mal statt.
Weil das traditionelle Dozentenkonzert aus organisa-
torischen Gründen diesmal nicht eingeplant war, erhielt
das Abschlusskonzert am 29. März in der Weinsberger
Johanneskirche von selbst mehr Gewicht. Doch nicht
nur deshalb: Erstmals (und glücklicherweise nicht zum
letzten Mal) lag die Gesamtleitung von Chor und Or-
chester in den Händen von Prof. Heinz Acker. Er stu-
dierte mit den Ensembles der Musikwoche die Pfingst-
kantate des Kronstädter Komponisten Johann Lukas
Hedwig (1802-1849) ein und den ersten Teil seiner
eigenen Variationen über das Lied „Ich hab’ mein Herz
in Heidelberg verloren“.
Acker, der das renommierte Jugendsinfonieorchester Der Jugendchor in Aktion
Bruchsal gegründet und viele Jahre lang geleitet hat,
nahm mit seinem ruhigen, bestimmten und zugleich Zu dem Erfolg trug die kompositorische Qualität der
mitreißenden Stil die Sänger und Instrumentalisten beiden Hauptwerke maßgeblich bei. Die musikantisch,
schon bei der ersten Probe für sich ein. Während er ähnlich dem Stile Joseph Haydns gearbeitete Pfingst-
2
kantate von Johann Lukas Hedwig, hatte Heinz Acker, mehr zu bieten: einen hervorragend eingestellten, 40-
der emeritierte Professor für Musiktheorie an der Mu- köpfigen Jugendchor, mit dem Gertraud Winter-Sailer
sikhochschule Heidelberg, nicht unwesentlich bearbei- stimmungsvolle A-cappella-Sätze einstudiert hatte. Und
tet. Satzfehler, unschlüssige Harmonien hatte er korri- ein strahlendes barockes Trio für zwei Trompeten und
giert und manche Passagen sogar neu komponiert. Das Orgel mit Oliver Christian, Corinna Wanko (Trompe-
Ergebnis wurde vom Musikverleger Frieder Latzina ten) und Liane Christian (Orgel).
editiert und konnte sich hören lassen. Im internen Ablauf wurde erneut die große Integrati-
Übrigens war die Aufführung von Hedwigs Pfingst- onskraft der Musikwoche deutlich, in der sich Kinder
kantate in der Weinsberger Johanneskirche wohl eine und Jugendliche ebenso aufgehoben fühlen konnten
Uraufführung: Der Komponist hatte mit gleicher Mu- wie Erwachsene - Profis wie Laien, Anfänger wie Fort-
sik, aber anderem Text zwar eine Festkantate zur Ein- geschrittene: alles in allem 124 Personen. Das Spekt-
weihung der Kronstädter Buchholz-Orgel im Jahr 1839 rum der Darbietungen bewegte sich bei den vier Teil-
geschrieben. Eine komplette Interpretation des Werkes nehmerkonzerten zwischen ersten Tönen begeisterter
mit seinem groß besetzten Anfangs- und Schlusschor Instrumentalanfänger auf der einen und konzertreifen
ist zu Lebzeiten Hedwigs jedoch nicht belegt und un- Beiträgen von Fast-Profis auf der anderen Seite.
wahrscheinlich. Eine große Bereicherung waren drei junge Musiker
Favorit des Ensembles waren freilich Heinz Ackers aus dem rumänischen Reschitza, die gemeinsam mit
eigene Variationen über Fred Raymonds unvergängli- einer Lehrerin - durch Vermittlung des GDMSE-
che Melodie „Ich hab’ mein Herz in Heidelberg verlo- Vorsitzenden Dr. Franz Metz - an der Musikwoche
ren“: die inoffizielle Hymne Heidelbergs, die deren Bild teilnahmen. Bewährt und zum kleinen Teil erneuert war
als Stadt romantischer Liebe weiter trug. Der doppel- das Dozententeam mit Harald Christian (Violine), Jörg
deutige Titel „ungehaltene Liebeserklärungen von Bach Meschendörfer (Cello), Liane Christian (Klavier), Jo-
bis Mussorgsky“ lässt erkennen, dass es sich um Stilva- hanna Boehme (Gesang), Christian Turck (Klavier,
riationen handelt: Wie hätte es geklungen, wenn Bach, Chor), Xaver Detzel (Chor), Bärbel Tirler (Holzbläser),
Mozart oder andere „alte Meister“ der Stadt Heidelberg Hanna König (Blockflöten), Aurel Manciu (Blechblä-
eine Liebeserklärung gemacht hätten? Allerdings ist die ser), Gertraud Winter-Sailer (Jugendchor und musikali-
Art und Weise der stilistischen Einkleidung eine be- sche Früherziehung) und Bettina Meltzer (Tanz). Die
sondere: In kontrapunktischer Schichtung werden das Organisation lag in Händen von Wolfgang Meschen-
Original (etwa Schumanns Lieder „Er, der Herrlichste dörfer und Johannes Killyen.
von allen“ oder „Wenn ich ein hübscher kleiner Vogel Ebenfalls ein Garant für den Erfolg der Musikwoche:
wär’“ aus den Brahms’schen Liebeslieder-Walzern) und Die Unterstützung durch das baden-württembergische
die Heidelberg-Melodie so übereinander geschichtet, Innenministerium, das Kulturreferat für Südosteuropa
dass daraus etwas ganz Neues entsteht. im Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm, die
Alle Mitwirkenden war bei den Variationen voll ge- HOG Kronstadt, die HD Hermannstadt, die Evangeli-
fordert: Der Chor hatte sich in Heinrich Isaaks „Inns- sche Tagungsstätte Löwenstein und die Johannesge-
bruck“-Lied ebenso zurecht zu finden wie in einer meinde Weinsberg.
ausgewachsenen Fuge, die Bach selbst geschrieben In der Mitgliederversammlung der GDMSE wurde
haben könnte. Das Orchester musste einen romanti- unter anderem des Todes der beiden Ehrenmitglieder
schen Tuttiklang ebenso gestalten wie ein durchsichti- Horst Gehann und Robert Rohr gedacht. Neu in den
ges Mozart-Andante. Und die Solisten (lyrisch und Vorstand aufgenommen wurde Prof. Heinz Acker, die
glanzvoll: Johanna Boehme, Sopran, und Hans Beatus Aufgabe des Kassenwartes übernahm – als Nachfolger
Straub, Tenor) verwandelten sich in wenigen Augenbli- von Hans Günther Seiwerth - Richard Witsch. Die
cken vom Bach-Evangelisten in einen Mozart-Tenor, anwesenden Mitglieder beschlossen zudem einstimmig,
von Glucks Eurydike in Schumanns Clara. Hans Straub die geplante Aufnahme der Matthäuspassion des Klau-
setzte dem Werk mit köstlichen Erläuterungen ein senburger Komponisten Hans Peter Türk mit einer
Sahnehäubchen auf. Summe von 1.500 Euro zu unterstützen.
Doch das Abschlusskonzert – ein schöner Quer- Weitere Infos: www.suedost-musik.de
HT TH

schnitt durch die Arbeit der Musikwoche – hatte noch

+ PERSONEN + BIOGRAPHIEN +
Schöpfer eines vielgestaltigen und reichhaltigen Werkes
Nachruf auf den Komponisten, Dirigenten, Organisten und Verleger Horst Gehann
von Johannes Killyen und Karl Teutsch
1981 selbst ins Leben gerufen hatte. Es war ein Kraft-
Mit Robert Schumanns Requiem hatte Horst Gehann akt, ein Aufbäumen gegen seine Krebserkrankung, bei
im November 2006 Abschied von der Bühne genom- dem er seine Frau, die Kinder, die Familie und viele
men und von seinem Darmstädter Bachchor, den er Freunde an seiner Seite wusste. Dieses Konzert muss
3
ihm ungeheuer wichtig gewesen sein. Am 21. Juni 2007 wohin die Familie übersiedelte, ging er zur Schule.
ist Horst Gehann in seinem Wohnort Kludenbach Gleichzeitig besuchte er die örtliche Musikschule,
gestorben. Und so vielfältig wie sein Betätigungsfeld als nahm dort Klavier- und Theorieunterricht. 1937 kam er
Musiker war, so groß ist nun auch die Lücke, die er mit seinen Eltern nach Hermannstadt.
hinterlässt. Mit Eintritt in das dortige Brukenthal-Gymnasium
Der Musikwissenschaftler Karl Teutsch hat Gehann wurde er Mitglied des vielfach gerühmten Brukenthal-
in einer Laudatio zum 70. Geburtstag – das war 1998 – Chors und Privatschüler des in Siebenbürgen renom-
zu Recht „als einen der letzten vielseitig begabten und mierten Hermannstädter Stadtkantors, Organisten und
universal agierenden Musiker“ Straube-Schülers Franz Xaver
bezeichnet. Das Pensum, das er Dressler. Bei ihm lernte Gehann
sich selbst – und gewiss mit Theorie, Harmonielehre, Kont-
Freude – auferlegte, ist Schwin- rapunkt, Klavier, Orgel, Cemba-
del erregend: Er war, alles mit lo und Dirigieren. Dressler präg-
ganzem Herzen, Dirigent, Kom- te den jungen angehenden Musi-
ponist, Konzertorganist, Cemba- ker nachhaltig. Bleibende Ein-
list und Musikverleger. „Obwohl drücke erfuhr er durch die Auf-
er nie eine Hochschule besucht führungen des Hermannstädter
hat, obwohl er sich privat und Bach-Chors und durch die Kon-
zum Teil autodidaktisch bildete, zerte des Philharmonischen
trat Gehann von Anfang an in Orchesters. Oft wirkte er als
jeder von ihm besetzten Sparte Organist und Cembalist selbst
als Künstler und Fachmann vor mit. Seine ersten Kompositionen
die Öffentlichkeit, der nach lagen längst vor: Lieder für Sing-
gründlicher Qualifizierung und stimme und Klavier auf Gedich-
nach Professionalität strebte, der te von Brentano, Tieck oder
sich an den aktuellen künstleri- Morgenstern, ebenso Chorkom-
schen Ansprüchen und Prinzi- positionen; gelegentlich führte er
pien orientierte und sich selbst sie in Hauskonzerten vor.
hohe ästhetische und technische Parallel zu einer theologischen
Maßstäbe setzte“, schreibt Karl Ausbildung in Bukarest nahm
Teutsch. Gehann 1948 und 1949 in Kron-
Von besonderer Nachhaltigkeit stadt Unterricht bei Victor Bi-
war Gehanns Tätigkeit als Verleger ab 1987, denn nie- ckerich, der als Kantor, Organist, Dirigent und Lehrer
mand zuvor hatte sich so intensiv der Musik und Mu- eine der geistigen Autoritäten Siebenbürgens war. Zwi-
sikgeschichte der Siebenbürger Sachsen und der Deut- schen 1948 und 1954 eignete sich Gehann unter mo-
schen in Südosteuropa gewidmet. Zahllose Werke, die dernen, aktuellen Vorzeichen das kompositorische
zuvor oft nur Archivforschern bekannt gewesen waren, Rüstzeug beim prominenten Bukarester Musikhoch-
gab Gehann heraus und bereitet ihnen einen Weg in die schullehrer und Komponisten Mihail Jora an. 1955
Öffentlichkeit. Die zahlreichen gelben Buchbände – legte er das Solistenexamen ab, sein Debüt als Kon-
viele von ihnen Standardwerke – wurden zum Marken- zertorganist gab er mit beeindruckendem Erfolg 1956
zeichen des Gehann-Musik-Verlags. Was darin etwa im zentralen Bukarester Konzertsaal, dem Athenäum.
über Waldemar von Baußnern, über siebenbürgische Es folgten zahlreiche Konzertauftritte in Bukarest,
Orgeln oder die Musikstadt Kronstadt von verschiede- im Rundfunk und Fernsehen, aber auch in den sieben-
nen Autoren geschrieben wird, ist heute aus dem Be- bürgischen Städten. Ab 1966 unternahm er Tourneen
wusstsein der Forschungsgemeinde nicht mehr wegzu- in Europa und in außereuropäische Ländern, spielte
denken. Orgelwerke für Rundfunk und Schallplatte ein, darun-
Gehanns Leben begann mit einer an sich kuriosen ter an den historischen Orgeln in Rosenau, Zeiden,
Koinzidenz, denn er kam am 27. November 1928 wäh- Keisd, Schäßburg und Mediasch. Gehanns Aufnahme
rend eines Auslandsaufenthaltes seiner siebenbürgi- der Händelschen Orgelkonzerte in Keisd rief gerade
schen Eltern ausgerechnet in Frankfurt am Main auf bei Organisten damals Erstaunen hervor, nicht nur weil
die Welt. Also gar nicht weit entfernt vom hessischen es sich um die wahrscheinlich erst dritte Orgelschall-
Darmstadt, in dem er sich Jahrzehnte später selbst platte Rumäniens handelte: Die Klarheit, Strenge und
niederlassen sollte. Horst Gehann erfuhr eine betont Mäßigung, mit der er die barocke Musik interpretierte,
christliche Erziehung und genoss ein musisch orientier- waren neu in ihrer Zeit und ließen bereits die Histori-
tes Leben in der Familie. Mit fünf Jahren begann er sche Aufführungspraxis erahnen, der sich Gehann
beim Vater den Musikunterricht: Notenschrift, die später aber auch nicht sklavisch unterwarf. Er hatte
ersten theoretischen Grundlagen, Violin- und Mandoli- seinen ganz eigenen Stil.
nenspiel. Bald spielte er in den vom Vater geleiteten Gleichzeitig unterrichtete er am Theologischen Se-
Laienorchestern und im Familienquartett mit. In Rei- minar in Bukarest, hielt Vorträge im In- und Ausland
chenberg, der späteren Hauptstadt des Sudetenlandes, über historische Orgeln in Siebenbürgen, trieb musik-
4
geschichtliche Studien. Die Leipziger Thomaner sangen Doch nicht nur als Dirigent und Spiritus Rector,
die Uraufführung seiner zwei Choralmotetten, in Neu- sondern auch als konzertierender Organist, Cembalist
markt am Mieresch (Târgu Mureş) wurde sein Orgel- und Kammermusiker setzte Gehann sein interpretato-
konzert uraufgeführt, seine „10 Choralvorspiele“ nahm risches Wirken fort. Die Fülle von anerkennenden und
der Bayerische Rundfunk auf. Als Solist und Vortra- lobenden Rezensionen ist groß – wobei regelmäßig
gender war Gehann Gast der Funkhäuser in Berlin, Gehanns zupackender Impetus und künstlerischer Elan
München, Frankfurt, Köln, Hamburg, Stuttgart, Baden- besonders betont wurden.
Baden, Wien, Bern, Lausanne, Warschau und Wilnius. Eine Anregung aus dem Arbeitskreis für Südostdeut-
1967 gründete er in Bukarest ein vokal- sche Musik aufgreifend, gründete Gehann 1987 wie
instrumentales Ensemble, das er „Pro Musica“ nannte erwähnt seinen Musikverlag, in dem zuerst die wegwei-
und in Aufführungen – vor allem mit Werken Johann sende und von Konrad Scheierling herausgegebene
Sebastian Bachs - dem Publikum vorstellte; Konzertrei- sechsbändige Sammlung von geistlichen Liedern der
sen, Rundfunk- und Fernsehaufnahmen folgen. Vorü- Deutschen aus Südosteuropa erschien. Leitende Funk-
bergehend war Gehann Pianist der Staatphilharmonie tionen hatte Gehann unter anderem beim Arbeitskreis
in Ploeişti. Während der Ceauşescu-Diktatur sah er sich Südost des Instituts für Deutsche Musik im Osten und
aus politischen Gründen Diskriminierungen und Ver- später bei der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im
folgungen ausgesetzt, musste mehrere Jahre lang ohne südöstlichen Europa (GDMSE), bei der Baußnern-
Amt und Stellung auskommen. Er entschloss sich – wie Gesellschaft und in Gremien der Landsmannschaft der
viele andere, die das gleiche Schicksal zu erleiden hatten Siebenbürger Sachsen. Er war – auch als Dozent –
–, nach Deutschland auszuwandern. Die Ausreisege- oftmals Gast der Musikwoche Löwenstein und blieb
nehmigung aber wurde ihm erst 1972 erteilt, als Folge ihr als Stellvertretender Vorsitzender der GDMSE,
einer Intervention des damaligen deutschen Bundes- später als Ehrenmitglied, bis zuletzt eng verbunden.
präsidenten Gustav Heinemann. Das kompositorische Werk Gehanns ist nach Inhalt,
Nach seiner Aussiedlung wählte Gehann Darmstadt Ausdruck, Form, Genre und Spielbesetzung vielgestal-
zur Wirkungsstätte. Hier gründete er zunächst das tig und reichhaltig. Es umfasst Werke für Orchester,
„Kammerorchester Marienhöhe“, unterrichtete Kir- Kammermusik, Orgel- und Klavierwerke, geistliche
chenmusik. 1980 rief er in Darmstadt in Anlehnung an Kompositionen für Chor, Soli und Instrumente (bzw.
sein Bukarester Ensemble das Kammerorchester „Pro Orchester oder Orgel), Werke für Chor a cappella und
Musica“ und 1981 den Bach-Chor ins Leben. Mit die- für Chor mit Instrumenten, Lieder. Zu betonen wäre
sen Klangkörpern begann er bald das ehrgeizige und an dieser Stelle, dass wir in seinem Oeuvre, neben den
beachtenswerte Unternehmen des „Bach-Werke- anspruchsvoll-diffizilen Werken, zahlreiche auch für
Zyklus“, das die Aufführung des Gesamtwerkes von Laienmusiker und Liebhaber- oder Schülerensembles
Johann Sebastian Bach vorsah. Die oratorischen und geeignete, musikantische, dabei ästhetisch nicht minder
symphonischen Großwerke von Haydn, Mozart, Beet- schätzenswerte Kompositionen finden: Dazu gehören
hoven, Schubert, Mendelssohn, Brahms, Bruckner Stücke für Klavier, Blockflöte, Gesang, kleinere ge-
wurden aber ebenso miteinbezogen. mischte Chöre, Kinderchöre, Kanons, Volksliedbear-
Weit über 100 Konzerte mit dem Bachchor, Kon- beitungen. In Kompositionsstil und -technik ging Ge-
zertreisen nach Frankreich, Italien, Spanien, Ungarn, hann von spätromantischen Vorstellungen aus, kam
gar Indien und Ägypten, die Teilnahme an ausländi- über erweiterte Tonalität und Polytonalität zur Atonali-
schen Musikfesten, die Zusammenarbeit mit deutschen, tät, kehrt aber über eine freitonale Periode wieder zu
ungarischen und rumänischen Sinfonieorchestern und einer eher tonal orientierten Schreibweise zurück.
Staatsphilharmonien markierten ebenso auch die inter- In Struktur und Form versuchte er eine Synthese
nationale Ausrichtung dieser Konzertgesellschaft. Die zwischen heutigen und historischen Prinzipien. Er
Leitung des Bachchors und des „Pro Musica“- schrieb: „Ich sehe meine künstlerische Arbeit als Bei-
Orchesters gab Gehann dann 2006 an seine Tochter trag zur Bewahrung geistiger Werte und zur Neuorien-
Angela Gehann-Dernbach weiter. Zu erwähnen auch tierung fernab von bloßen Modeerscheinungen.“ Was
die von Gehann 1987 gegründeten und geleiteten keineswegs bedeutet, dass Horst Gehann sich der Rea-
„Hunsrücker Musiktage“ in Kirchberg, wie auch der lität der alltäglichen Anforderungen verweigerte. Im
1991 von ihm im Rahmen dieses Musikfestivals initiier- Gegenteil: Wie sonst hätte er so viel auch als Organisa-
te Internationale Musikwettbewerb „Waldemar von tor und Geschäftsmann leisten können. Er war ein
Baußnern“. Künstler – der mitten im Leben stand.

UND SEINE MUSIK LEBT FORT


Zum Tode des Banater Komponisten Walter Michael Klepper (1929-2008)
von Dr. Franz Metz
ren war er der Autor zahlreicher Sendungen, die vom
Am 9. August 2008 verloren die Banater Schwaben Reschitzaer Rundfunkstudio aufgezeichnet und ausge-
einen ihrer bedeutendsten zeitgenössischen Komponis- strahlt wurden. Er war in der letzten Zeit auch Gast
ten: Walter Michael Klepper. Noch in den letzten Jah- einiger philharmonischer Orchester wie auch Chöre,

5
um seine eigenen Kompositionen zu dirigieren. Sein positionen durften aber zum Glück doch noch in Kon-
Leben war bis in seine letzten Tage mit Musik gefüllt. zertsälen gespielt und vom Fernsehen und Rundfunk
Ohne Unterlass stand diese in Mittelpunkt seiner kom- ausgestrahlt werden.
positorischen oder pädagogischen Tätigkeit. Klepper selbst bezeichnete seine erste große Sym-
Walter Michael Klepper wurde am 27. Juli 1929 in phonie als sein wichtigstes Werk. Sie wurde auch 1965
Lugosch geboren, wo er auch das Gymnasium besuch- in Bukarest veröffentlicht. Er selbst nannte dieses drei-
te. Wegen den Kriegsfolgen und der Auflösung der teilige Werk als Den großen Schwabenzug: „Die ersten
deutschen Sektion begann er eine Lehre als Eisendre- den Tod“, „Die zweiten die Not“, „Die Dritten das
her in Reschitza. Hier in dieser südbanater Industrie- Brot“. Im Jahre 1959 entstand die Kantate für Alt,
metropole, umgeben von Hochöfen, Rauch und Kohle, gemischten Chor und großes Orchester Die Gesänge
beginnt Klepper das Geigenstudium bei Kapellmeister Hiroshimas nach einem Text Klaus Kesslers. Tief mit
Eduard Pawelka, danach das Klavierstudium an der seiner Jugendzeit verwurzelt ist das symphonische
dortigen Kunstschule. Bis 1952 war Klepper als Ingeni- Triptychon Reschitza Impressionen, das auch auf
eur an den Hochöfen der Reschitzaer Hütte tätig. Der Schallplatte eingespielt wurde. Sein Divertimento für
Drang zur Musik war aber doch größer als die Anzie- Streicher und Pauken, op. 4, entstand 1963 und wurde
hungskraft des brennenden Eisenerzes. Und so kam von der Hermannstädter Philharmonie uraufgeführt.
Klepper 1952 an die Bukarester Musikhochschule. Die Dieses Werk wurde u.a. vom Banater Kammerorches-
musikalische Fachwelt der rumänischen Hauptstadt ter unter der Leitung des Autors dieser Zeilen bei ei-
wurde recht früh auf den jungen Komponisten auf- nem Schwabentreffen in Ulm aufgeführt.
merksam. Zu seinen Professoren zählten berühmte In seinen autobiographischen Aufzeichnungen be-
Namen, wie Martian Negrea, Paul Constantinescu, zieht sich Klepper auch auf seinen Kompositionsstil:
George Breazul und Chirescu. Bereits 1955 bekam „... Was die Sprache meiner Kompositionen anbelangt,
Klepper einen ersten Preis im Rahmen eines Komposi-
so hat sich diese von anfänglichen Hindemith-
tionswettbewerbs, 1957 folgte der große George Enes-
cu-Preis für eine Symphonie. Im Jahre 1958 legte er das Einflüssen immer mehr zu den melodisch-
Staatsexamen im Fach Komposition ab. rhythmischen Stilelementen der rumänischen Volks-
Es folgte eine besonders fruchtbare Tätigkeit als musik und schließlich zu einer Verbundenheit mit der
Komponist, 1958-1962 war er in Bukarest als künstleri- Musik des großen rumänischen Komponisten George
scher Produktionsleiter des Symphonischen Filmor- Enescu verlagert. Die Symbiose zwischen rumänischer
chesters angestellt. Es folgten Tätigkeiten als Dozent Musiksprache und deutschem Musikdenken, die mir ein
an der Bukarester Musikhochschule, als stellvertreten- großes Anliegen ist, habe ich in vielen meiner Kam-
der Intendant der Bukarester Rumänischen Staatsoper mermusikwerken verwirklicht“.
(1972-1973), dann als freischaffender Komponist, Pri- Neben zahlreichen weiteren symphonischen und
vatlehrer und Chorleiter in Lugosch und Pucioasa. Im Kammermusikwerken, komponierte Klepper zahlreiche
Jahre 1977 wurde Klepper der große Preis des Rumäni- Chorwerke nach Texten von Nikolaus Lenau, Mihai
schen Komponistenverbandes für seine 2. Symphonie Eminescu, Ana Blandiana, Ioan Alexandru, Hans
verliehen. Diplich, u.v.a. Und gerade in diesen Werken zeigt sich
Klepper als ein unübertrefflicher Meister. Heute wer-
den seine Vokalwerke von vielen Chören sowohl in
Deutschland als auch in Rumänien gerne gesungen.
Seine Drei Orgelstücke, op. 8, komponierte Klepper
1966. Kurz vor seinem Tod sind diese kleinen Orgel-
werke im Sammelband Orgelmusik aus Rumänien in
München erschienen (Edition Musik Südost, 2008).
Walter Michael Klepper setzte sich viele Jahre enga-
giert auch für die Erhaltung unserer Banater Chortradi-
tion hier in Deutschland ein. Bereits kurze Zeit nach
der Gründung des Arbeitskreises für Musik (1991) lud
er Banater Chorleiter zu sich nach Trebur zu einem
Chorseminar ein. Als 1997 das Banater Chorbuch in
Im Jahre 1983 übersiedelte Walter Michael Klepper München veröffentlicht wurde, zählte er zu den wich-
nach Deutschland und war seit dann im Raum Mainz- tigsten Mitarbeitern und Autoren: gleich sieben seiner
Darmstadt als Chorleiter und Komponist tätig. Die Chöre wurden in diese Sammlung aufgenommen.
letzten zehn Jahre die er in Rumänien verbracht hat, Schon die Sammlung mit deutschen Chorwerken aus
haben aber in der Gesundheit des Musikers tiefe Spu- dem Banat, aus Siebenbürgen und Sathmar, die Andre-
ren hinterlassen. Wegen seiner kritischen Haltung ge- as Porfetye um 1972 in Bukarest veröffentlich hat,
genüber dem indoktrinierten totalitären kommunisti- enthält einige weltliche Chorwerke von Klepper. Das
schen System im damaligen Rumänien bekam er Lehr- Divertimento für Streicher und Pauken wurde in Augs-
amtsverbot und musste so mit nur geringen Einnah- burg und Ulm vom Banater Kammerorchester aufge-
men durch seine Tantiemen auskommen. Seine Kom-
6
führt, der Franz Schubert-Chor hat in seinem Reper- preten und Musiker, die in der alten Heimat durch ihr
toire ebenfalls einige seiner Chorwerke. Talent und Fleiß ein großes Ansehen erlangen konnten,
Klepper war einer der besten Kenner der Banater wie Andreas Porfetye, Richard Bartzer, Richard Wal-
Chormusiktraditionen. Im Jahre 2005 nahm er regen demar Oschanitzky, Franz Stürmer, Josef Gerste-
Anteil an einer Diskussionsrunde im alten Lugoscher nengst, Gottfried und Herbert Habenicht, u.v.a.
Theater, anlässlich des internationalen musikwissen- Durch sein Wirken ist unsere Banater Musikkultur –
schaftlichen Symposiums. Als ein guter Kenner sowohl und nicht nur diese – um Vieles reicher und vielfältiger
der deutschen als auch rumänischen Chorkulturen geworden und wir aber haben nun die Aufgabe, dieses
Europas, konnte er mit einzelnen konkreten und prak- Ouvre zu pflegen und bekannt zu machen. Der Name
tischen Beispielen auch über die Unterschiede spre- Walter Michael Kleppers ist schon längst in die zeitge-
chen. In den letzten Jahren hat er immer wieder viele nössische Musikgeschichte eingegangen. Schon aus
Volkslieder für gemischten Chor bearbeitet, welche diesem Grunde sind wir ihm zu tiefem Dank verpflich-
auch bei mehreren Banater Chortreffen in Gersthofen tet.
aufgeführt wurden.
Walter Michael Klepper zählte zu einer sehr erfolg-
reichen Generation von Banater Komponisten,
Interpreten und Musiker, die in der alten Heimat durch

Der Himmel auf Erden


Zum Ableben von Gerda Türk / von Dr. Ursula Philippi

Als junge Rentnerin begann sie, im Institut Francais von Klausenburg Französisch zu lernen. Eine Reise nach Paris
stand in Aussicht und sie wollte nicht als tumbe Touristin durch die Stadt an der Seine spazieren. Im Jahr darauf bat
man sie, doch weiterzumachen: die Sprachgruppe brauchte ihre Anwesenheit und Gründlichkeit, ihre Energie. Gerda
Türk erzählte spätabends im Bus, sie habe als Hausaufgabe ein Aufsatzthema bekommen: „das Paradies auf Erden“.
Worüber werde sie schreiben? Über Sommerferien in Rothberg, Jahr für Jahr. Natur und Musik beieinander, Freunde,
Gespräche, der Hund – ein Paradies auf Erden.
Als waschechte Klausenburgerin, zu der sie seit ihrem 13. Labensjahr geworden war, beherrschte Gerda Türk
Deutsch, Rumänisch und Ungarisch gleichermaßen perfekt. Wenn es um Nuancen der Übersetzung ging, war sie die
höchste Instanz. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten in einer dieser Sprachen passierten ihre kritischen Augen, bevor
sie an die Öffentlichkeit drangen. Dazu kam ein untrügliches Gespür für Poesie als Erbteil ihrer Großmutter, der Dich-
terin Gerda Mieß. Als eine der ganz, ganz wenigen konnte sie sich in Klausenburg aber auch in einem reinen Heltauer
sächsisch unterhalten. Siebenbürgen war ihre Heimat, und Wanderungen um den 1. Mai gehörten zum schönsten, was
sie erlebte: man zog zu Fuß von Dorf zu Dorf, von Kirchenburg zu Kirchenburg. Übernachtet wurde in leerstehenden
Pfarrhäusern. Schönes paarte sich hier mit Traurigem und alles hat Gerda Türk in sich aufgenommen und bewahrt wie
einen Schatz.
Bis wenige Monate vor ihrem Tod hat Gerda Türk unterrichtet. Als Klavierpädagogin blickte sie auf eine vierzigjähri-
ge Erfahrung zurück. Alle ersten Preisträgerinnen des Klausenburger Mozart-Wettbewerbes kamen aus ihrer Schule.
Der Klavierunterricht hatte in ihrem Leben absoluten Vorrang, selbst eigene Geburtstagsgäste mussten zu Hause war-
ten, bis in der Musikschule alles getan war. Sie stellte hohe Anforderungen, konnte über Kinder, die nur ab und zu am
Klavier schnupperten, in Verzweiflung und Wut geraten.
Ihr eigener Werdegang als Musikerin, von stetiger Arbeit und auch von Verzicht geprägt, ließ keinen Hauch von Ver-
ständnis für verwöhnte und bequeme Kinder übrig. Dafür war, wer es ernst meinte und Begabung mitbrachte, bei ihr
wunderbar aufgehoben. Gerda Türks Schüler spielten und spielen auf allen Bühnen des Landes, einigen ist eine interna-
tionale Karriere gelungen. Die ihr selbst versagt blieb. In der kalten Luft der Bühnen, wo Sensibilität ohne ein eisernes
Nervenkostüm nicht zum Tragen kommt, hat sie sich nur manchmal durchsetzen können. Gerda Türk hat sich
schwersten Aufgaben gestellt, wie Bachs Goldbergvariationen oder Mozarts sämtlichen Klaviersonaten, die sie in Klau-
senburg und Hermannstadt aufführte. Ihre große Liebe galt der Liedbegleitung, einem Gebiet, auf dem Musikalität und
Sinn für Poesie hohe Glücksmomente erzeugen.
Hat die schwere Krankheit sie besiegt? Der Körper musste sich beugen, wenn sie der schlimmen Entwicklung ihrer
Krankheit auch mit aller Energie entgegentrat. Zunächst verschwand die kleine Kaffeetasse vom Notenpult am Flügel,
dann wurden Lebensmittel immer strenger auf ihre Naturbelassenheit geprüft. Gerda Türk konnte klaglos die härtesten
Therapien und Kuren über ihren Körper ergehen lassen, dabei lächelnd dem Frühstücksgast das Essen servieren, das
sie selbst nicht berührte.
Über Jahre hinweg gehörten Krankenhauaufenthalte zu ihrem Lebensrhythmus. Sie kehrte wieder in ihren Alltag zu-
rück, zu Schule, Familie und Garten. Ihrem Geist konnten weder Schmerzen noch physische Schwäche etwas anhaben.
Wenige Wochen vor ihrem Ende empfing sie den Besuch des Hermannstädter Pfarrers, dessen Gemeindekind sie war.
Von all ihren Lieben hat sie sich schließlich verabschiedet, sie getröstet und ermutigt.
Gerda Türk ist am 8. Juni in ihrem Haus in Klausenburg verstorben. Der Jasmin am Toreingang hatte seine Blüten
abgeworfen. Es war Rosenzeit.
7
Die Komponistin Berta Bock (1857-1945)
Von Karl Teutsch
Stadtkantor, Organist, Chorleiter, Dirigent, Komponist
Am 15. März 2007 jährte sich zum 150. Mal der Ge- und musikalischer Direktor des Musikvereins, erkannte
burtstag der Hermannstädter Komponistin Berta Bock. Bertas Talent und förderte sie. Berta sang im Musikver-
Sie ist in der siebenbürgischen Musikgeschichte als einschor, nahm, gesanglich und pianistisch begabt,
schöpferische Musikerin eine absolute Einzelerschei- ausgestattet mit dem absoluten Gehör und einem un-
nung. Während ihres Lebens gingen zwar im großen gewöhnlichen musikalischen Gedächtnis, Klavier- und
europäischen wie im siebenbürgischen Musikgeschehen Gesangsunterricht (bei Viktor von Heldenberg, Albert
die Zeiten, in denen Komponistinnen und Frauen, die Geiger und Rosa Pfaff), lernte mit ihrer Freundin Lotte
es gerne geworden wären, gegängelt, abgedrängt oder Seiverth, einer der späteren Sopransolistinnen des Mu-
sogar unterdrückt wurden – wie auch in prominenten sikvereins, die Solopartien aus den jeweils dargebote-
Musikerfamilien Deutschlands –, ihrem Ende entgegen, nen Opern und Oratorien, studierte, angeleitet von
und Berta Bock wurde im öffentlichen Musikleben zu Wilhelm Weiß, musiktheoretische Abhandlungen und
einer bekannten und geschätzten Komponistin. Doch Lehrbücher der Komposition. So machte sie früh Be-
es ist überliefert, dass die junge Berta sich wünschte, kanntschaft auch mit Opern Wagners und Vokalwer-
ein „Bub zu sein, dem jedes Studium erlaubt war“. ken von Brahms. Ihre ersten Kompositionen waren
Offenbar stellten sich ihr für ein Kompositionsstudium Lieder.
Hindernisse in den Weg. Auch waren Nachklänge der Als ausübende Musikerin trat sie als Pianistin auf,
Frauenverachtung auf diesem Gebiet allenfalls noch zu insbesondere als Begleiterin. Sie gab Gesang- und Kla-
spüren: Als es der Komponistin darum ging, Lieder im vierunterricht. Gelegentlich übernahm sie Gesangspar-
Verlag Fritz Schuberth in Leipzig herauszubringen, tien in Aufführungen des Musikvereins. Ansonsten war
musste sie ihren Vornamen mit B. abkürzen, damit sie Hausfrau und Mutter dreier Söhne. Geheiratet hatte
man nicht merke, dass es sich um eine komponierende sie 1881 den Direktor der Hermannstädter Bodenkre-
Frau handelt. Die Rezensionen, die darauf folgten spra- ditanstalt Karl Ernst Bock, der die musikalischen Akti-
chen auch prompt von „talentvollen Leistungen eines vitäten seiner Frau voll unterstützte. Nach dem Vorbild
jungen Musikers“ und in einer Berliner Anzeige war zu der Musikabende im Hause des Bischofs Teutsch, an
lesen: „Österreichischer Komponist, lebt in Hermann- die sie schöne Erinnerungen hegte, versammelte sie
stadt.“ Die siebenbürgisch-sächsische Presse benennt jeden Mittwoch in ihrem Haus in der Kreuzgasse 22
sie natürlich als Frau, hinkt jedoch in Beurteilung und einen Kreis von Musikern und Musikliebhabern zu
Anerkennung hinterher. erlesenem Musizieren um sich. Seit 1936 war sie Witwe.
Während die bedeutenden siebenbürgischen Inter- Sie bezog eine Wohnung bei ihrem ältesten Sohn, dem
pretinnen – nur wenig jünger als Berta Bock –, Sänge- Rechtsanwalt Karl Bock, in der Heltauergasse. Ihre
rinnen, Pianistinnen und Geigerinnen wie Mathilde von jüngere Schwester gehörte seit Jahren mit zu ihrem
Larcher, Adele Reissenberger-Umling, Ella Gmeiner, Haushalt. Bis ins hohe Alter ließ sie sich am Klavier
Lula Mysz-Gmeiner, Helene Greger-Honigberger, Lui- hören, unterrichtete und komponierte, obwohl ihre
se Gmeiner, Selma Erler-Honigberger, Olga Coulin(- abnehmende Sehkraft sie behinderte. Aus Anlass ihres
Fogarascher) oder Irene von Brennerberg in Deutsch- 80. Geburtstags wurden in Hermannstadt Konzerte
land, Wien oder Budapest ihr Musikfach studierten, hat und Feiern veranstaltet. Sie starb im Alter von 88 Jah-
sich Berta Spech, so ihr Geburtsname, autodidaktisch ren am 4. April 1945.
zur Musikerin emporgearbeitet. Aber die Musik wurde Berta Bock komponierte ihre rund 100 Lieder für
in der Familie seit Generationen mit der Muttermilch Singstimme und Klavier vornehmlich zusammengefasst
eingesogen. Eine Urgroßmutter Bertas pflegte den in Zyklen. 25 Lieder, op. 5 bis 10, erschienen bei Fritz
Oratoriengesang, der Großvater, Magistratsobernotar Schuberth jun. in Leipzig in Einzelheften zwischen
(später Hof- und Ministerialrat) Wilhelm Conrad Baron 1905 und 1915 und 5 Lieder, op. 9 a, verlegte Ries &
von Konradsheim, Mitbegründer und erster Vorsitzen- Erler in Berlin 1909. Etwa 75 Lieder blieben Manu-
der des Hermannstädter Musikvereins, spielte Klavier, skript. Textdichter sind Siebenbürger (Michael Albert,
Violine und Cello, die Mutter, Berta Amalie geborene Friedrich Wilhelm Schuster, Otto Piringer, Karl Römer,
Baronin von Konradsheim, hatte, wie sich Berta erin- Anna Schuller-Schullerus, Friedrich Teutsch) und
nert, „eine herrliche Stimme“ und sang „einzig schön“ Dichter der Universalliteratur (Nikolaus Lenau, Detlev
bevorzugt alte italienische Arien. von Liliencron, Franz Karl Ginzkey, Reinhold Volker
Das künstlerische Leben der „Musikstadt“ Hermann- u.a.). Die Formen- und Ausdrucksvielfalt ihrer Lieder
stadt bot der gelehrigen Berta mannigfaltige Möglich- ist beachtlich. Gelobt wurde in der Presse vor allem
keiten des Einsteigens in die Welt der Tonkunst. Das Poesie und Lyrik der melodischen Gestaltung und „die
öffentliche Konzertwesen stand in Blüte, die Musik- reizvolle Harmonik“. Besonders beliebt waren und sind
und Gesangsvereine führten Oratorien, Opern und Lieder wie „Über den Bergen“, „Die alte Linde“,
sinfonische Werke auf, in den Kirchen erklangen die „Märzsturm“, „Mailied“, „Im Sommer“, „Begegnung“,
großen geistlichen Werke, Kammer- und Hausmusik „Vor der Schmiede“, „Noch bin ich jung“, „Sonnen-
regten sich, an den Schulen wurde eifrig musiziert. wende“, „Fächerlied“, „Rote Rosen“, „Nelken“, „Wie-
Hermann Bönicke, der verdienstvolle Hermannstädter
8
genlied“, „Erwartung“, „Leid“, „Meditation“, „Va- auf einen Text von Anna Schuller-Schullerus
gantenliedchen“. (W.Krafft, Hermannstadt 1927) hatte bei der Urauffüh-
Die Komponistin stand in freundschaftlich-fachlicher rung und weiteren Aufführungen großen und nachhal-
Verbindung zu den renommierten rumänischen Künst- tigen Erfolg. Die Uraufführung fand 1927 in Hermann-
lerinnen, der Pianistin Aurelia Cionca und den Sänge- stadt unter Arthur Stubbe statt, die weibliche Hauptrol-
rinnen Veturia Triteanu und Lucia Cosma, die Berta le sang Mimi Jikeli-Hübner. Die Partitur zur Pfingst-
Bocks Lieder auch im Ausland darboten. Unter den krone ist leider verschollen.
siebenbürgischen Sängerinnen sind als Interpretinnen Musikwissenschaft und Musikgeschichte haben sich
der Lieder vor allem Mathilde von Larcher, Adele Reis- kaum mit Berta Bock befasst. Das ist zu bedauern und
senberger-Umling, Berta Binder-Martinowska, Margit müsste nachgeholt werden. Den Sängern seien ihre
von Kedves-Andrae und Brunhild Möckesch (vereh. Lieder ans Herz gelegt, den Chören ihre Chorkomposi-
Greiner) hervorzuheben. Letztere machte Bocks Lieder tionen.
in Deutschland bekannt. Zu Beginn der dreißiger Jahre Berta Bocks Name ist verzeichnet im Deutschen
waren einige in deutschen Rundfunksendern zu hören. Musiker-Lexikon von Erich Müller (Dresden 1929), im
Am meisten schätzte Bock die Interpretationen des Kurzgefassten Tonkünstler-Lexikon 1936, im Interna-
Hermannstädter Sängers Wilhelm Orendt. In Berlin tional Encyclopedia of Women Composers von Aaron
widmete sich die Gesangsprofessorin Marie Hedmondt I. Cohen (New York/London 1981) und im Lexikon
dem Liedschaffen Berta Bocks. der Siebenbürger Sachsen (Thaur bei Innsbruck 1993).
An Bühnenwerken schrieb Bock zunächst die zwei
Ballette "Klein Elschens Traum" (UA 1905) und "Das
erste Veilchen" (UA 1906) auf Texte von Emil Sigerus.
Ihre „Volksoper in drei Aufzügen“ Die Pfingstkrone

Zum 80. Geburtstag des Konzert- und Kirchenorganisten, Kantors, Chordi-


rigenten, Komponisten und Kirchenmusikdirektors Helmut Plattner
Von Karl Teutsch

Helmut Plattner gehört jener Generation siebenbür- Rechtsanwalts Dr. Fritz Plattner und der aus Lechnitz
gischer Musiker an, die in ihrer Kindheit und frühen im Nösnerland (Nordsiebenbürgen) stammenden Me-
Jugend noch das siebenbürgisch-sächsische Musikleben litta geb. Fabritius in Hermannstadt geboren. Unter den
kennengelernt haben, die in dieses hineinwuchsen, von Vorfahren treffen wir so bedeutende Namen wie Mi-
ihm getragen wurden und ihre erste musikalische Aus- chael Freiherr von Melas, Friedrich Müller und Johann
bildung in seinem Rahmen erfuhren. Dieser Generation Plattner. Die Eltern förderten von Anfang an die musi-
blieb es dann aber nach dem Zweiten Weltkrieg im kalische Erziehung Helmuts, insbesondere seit sein
kommunistischen Rumänien verwehrt, zum Studium Talent mit dazugehörigem absolutem Gehör und einem
ins westliche Ausland zu gehen, wie es bis dahin fast verblüffenden musikalischen Gedächtnis von einer
alle angehenden Musiker Siebenbürgens getan hatten. Tante, der Klavierlehrerin Elsa Reschner, bestätigt
Doch Plattners Musikergeneration gelang es, sich nach wurde. Mit zwölf Jahren begann er den Unterricht in
dem Musikstudium in Bukarest oder Klausenburg in Orgel, Musiktheorie, Harmonielehre und Kontrapunkt
das nach Zwangsauflösung, Verbot oder Neuorganisa- beim Hermannstädter Organisten, Kantor, Dirigenten
tion der siebenbürgisch-deutschen Klangkörper und und Komponisten Franz Xaver Dressler (einem Karl-
musikalischen Einrichtungen einsetzende, vom Staat in Straube-Schüler), mit vierzehn kam das Cellospiel bei
einigen Bereichen großzügig geförderte „sozialistisch“ Richard Weißkircher hinzu. Der Achtjährige trat in
rumänische Musikleben einzubringen und sich – zum größerem Rahmen in einem Wohltätigkeitskonzert im
Teil und zunächst – erfolgreich zu etablieren. In zahl- Gewerbevereinssaal in Hermannstadt mit einer Kla-
reichen Fällen aber wurden dann Berufsausübung und viersonate von Mozart vor die Öffentlichkeit. Seit sei-
künstlerische Aktivitäten zunehmend erschwert und nem zehnten Lebensjahr war er Chorknabe in Dress-
eingeengt, es setzten politisch motivierte Drangsalie- lers Brukenthal-Chor, seit 1941 dort Chorpräfekt, als
rungen und Verfolgungen bis hin zu Inhaftierungen welchem ihm Proben und bestimmte Dirigate übertra-
ein, so dass sich die meisten – in bereits fortgeschritte- gen wurden. Seit 1940 ließ ihn Dressler in seinen Auf-
nem Alter – gezwungen sahen, das Risiko der be- führungen der Oratorien und Passionen von Bach und
schwerlichen Aussiedlung oder gar der gefährlichen der Oratorien von Händel den Orgelpart spielen. In
Flucht einzugehen und sich in der Bundesrepublik Sendungen des Bukarester Rundfunks spielte er 1943
Deutschland niederzulassen. Ein Leben und Wirken in live Klavierwerke von Bach, Beethoven und Liszt, 1944
Freiheit schloss sich hier an und trug bemerkenswerte Orgelstücke von Frescobaldi und Bach und wieder
Frucht. Beethoven (Sonata appassionata). Die Konzerte, die
So gesehen, stellen sich Bildungsgang, Lebensweg Willi Hülser und Wilhelm Kempff in Hermannstadt
und künstlerisches Wirken Plattners als typisch dar. Er und Bukarest gaben, beeindruckten den jungen Plattner
wurde am 31. März 1927 als Sohn des Hermannstädter
9
ganz besonders. Letzterem durfte er auch vorspielen. mit Unterbrechungen und Behinderungen ausübte.
Das Abitur legte er 1945 ab. Vorher schon war ein Erst von 1965 an, als das politische Klima etwas milder
Studium an der Hochschule für Musik in Berlin ge- wurde, konnte er an dieser Kirche einer geregelten
plant, das er aber aus den bekannten Gründen nicht Tätigkeit nachgehen. 1958 erspielte sich Plattner den 2.
antreten konnte. Preis beim renommierten Internationalen Orgelwett-
So war Plattner also gewissermaßen genötigt, in Bu- bewerb in Prag. Er gab dann nicht nur ungezählte Or-
karest zu studieren, und zwar Klavier, denn das ange- gelrecitals in Siebenbürgen und Rumänien, Konzertrei-
strebte Orgelfach gab es damals an den rumänischen sen führten ihn auch in die Länder des so genannten
Musikhochschulen noch nicht, geschweige denn das Ostblocks. Mit großer Mühe und unter Zwängen ge-
Fach Kirchenmusik. So begann er 1946 sein Studium lang es ihm, 1966 eine kleine Konzerttournee nach
im Hauptfach Klavier, fand aber in Florica Muzicescu Otterberg und Düsseldorf zu erwirken.
und Silvia Serbescu Hochschullehrerinnen und Künst- Schon gleich nach Plattners Aussiedlung 1973
lerpersönlichkeiten von hohen Graden und internatio- nahm ihn die Neue Pauluskirche in Essen als Organist
nalem Rang. Orgel lernte Plattner weiter bei Dressler in und Kantor unter Vertrag. Hier leitete er den Heinrich-
Hermannstadt und gelegentlich bei Jiri Reinberger in Schütz-Chor und mit ihm auch Oratorienaufführungen.
Prag. Er beendete das Klavierstudium mit Staatsex- Die Essener Gesamthochschule übertrug ihm ein Un-
amen 1953. Die Möglichkeit, eine „Konzertprüfung“ terrichtsdeputat. Gleichzeitig begann Plattners Konzer-
im Fach Orgel abzulegen, ergab sich 1955. Erst 1966 tätigkeit als gastierender Organist in Deutschland und
war es soweit, die Staatsprüfung in Orgel zu machen. Westeuropa. 1976 berief ihn Bayreuth als Bezirkskantor
Und zur Staatlichen A-Prüfung für Kirchenmusiker und Organisten an die Stadtkirche. Daneben wirkte er
kam es vollends erst 1977 in Düsseldorf nach seiner als Dozent für künstlerisches und liturgisches Orgel-
Aussiedlung. spiel an der Bayreuther Fachakademie für Evangelische
Plattners erste entscheidende öffentliche Auftritte als Kirchenmusik (Landeskirchenmusikschule für Bayern).
„fertiger“ Künstler fanden im Januar und April 1954 im Als Leiter des während der Bayreuther Festspiele statt-
zentralen hauptstädtischen Konzertsaal, dem Rumäni- findenden Orgelzyklus´ und des von ihm 1979 gegrün-
schen Athenäum, statt. Damit leitete er gleichzeitig in deten Bayreuther Orgelmonats (im September, Okto-
Fortsetzung und Verstärkung der konzertierenden ber oder November) bestritt er eigene Konzerte, ver-
Tätigkeiten von Franz Xaver Dressler und Kurt Mild, pflichtete aber auch zahlreiche deutsche und ausländi-
gefolgt von zwei weiteren Schülern des Hermannstäd- sche Organisten. 1980 gründete Plattner den Bayreut-
ter Organisten, Horst Gehann und Joseph Gerste- her Kantatenkreis (Kammerchor und Kammerorches-
nengst, eine Pflege der Orgelmusik in Rumänien ein, in ter), mit dem er die von sich reden machende „Bach-
deren Verlauf sich sowohl unter den Rumäniendeut- Kantaten-Reihe“ darbrachte, sinnvoll ergänzt durch
schen als auch besonders unter den Rumänen ein zahl- Kantaten und kantatenähnliche Werke von Schütz,
reiches, begeistertes, treues Orgelpublikum bildete. Die Buxtehude, Händel, Mendelssohn, Liszt oder Distler.
zwei großen Konzertsäle Bukarests, das Athenäum und Selbstverständlich unternahm das Ensemble Konzert-
der Studiosaal des Rundfunkhauses, verfügten zwar fahrten durch Deutschland und in europäische Städte.
über je eine große Orgel – im Athenäum steht eine Der Titel eines Kirchenmusikdirektors wurde Plattner
Walcker-Orgel von 1939 und der Rundfunk ließ 1960 1990 verliehen. Seit 1992 lebt er im Ruhestand.
von der Firma Rieger die größte Konzertorgel des Plattner hat nicht nur zahllose Orgelkonzerte in Sie-
Landes bauen – doch Orgelspiel und Orgelmusik selbst benbürgen, Rumänien, Deutschland und Europa gege-
hatten, vor allem in Bukarest, großen Nachholbedarf. ben, sondern er ragte hervor auch als Kammermusiker,
So wurden die Orgelabende ungewöhnlich lebhaft Liedbegleiter und Leiter von Aufführungen geistlicher
besucht, die Säle waren zum Brechen voll, der Beifall Werke, wozu mehrere Uraufführungen zu zählen sind.
war enorm. Die Orgelkonzerte in den Kirchen Sieben- Er bestritt oft Einführungen in einzelne Werke und
bürgens (die hervorragende, z.T. historische Instru- hielt Vorträge über Orgelmusik. Das Werk Johann
mente besaßen), zunächst vom politischen Regime Sebastian Bachs stand zwar im Mittelpunkt – zwischen
mehr oder weniger geduldet, entwickelten sich zu ei- September 1978 und Februar 1979 schon hat Plattner
nem festen Bestandteil des Musiklebens. All das ist in in Bayreuth in 15 Konzerten das gesamte Orgelwerk
mehrfacher Hinsicht ein Verdienst Plattners. Bachs aufgeführt, und Bach fehlt in keinem seiner
Nach seinem Debüt im Athenäum erhielt Plattner ei- Konzertprogramme –, doch seine Aufmerksamkeit gilt
ne Anstellung als Pianist und Organist an der Bukares- auch der Musik von Händel (dessen 16 Orgelkonzerte
ter Staatsphilharmonie. Gleichzeitig (1954) stellte ihn er zwischen 1981 und 1984 in Zyklen im Markgräfli-
die dortige Musikhochschule als erste Lehrkraft für chen Opernhaus spielte) , den anderen Barockkompo-
Orgel ein, zuerst als so genannten Assistenten, dann als nisten, außerdem Haydn, Mozart, Mendelssohn, Liszt,
Lektor. Mit Schwierigkeiten belastet war seine Tätigkeit César Franck, Reger, Poulenc, Widor, David, Hinde-
als Kantor und Organist an der evangelischen Kirche – mith, Messiaen oder Genzmer, wie auch siebenbürgi-
sie hieß im Volksmund auch „deutsche Kirche“ – in schen, banater, donauschwäbischen und zeitgenössi-
Bukarest: Staatlich angestellte Musiker durften nicht schen deutschen Komponisten. Man kann behaupten,
auch in kirchlichen Diensten stehen, so dass Plattner es gibt kaum ein Werk der Orgelliteratur, das Plattner
diese Arbeit, mit allen Risiken behaftet, inoffiziell und
10
nicht beherrscht. Im Verband Evangelischer Kirchen- gefeiert. Im Athenäum hielt er Meisterkurse speziell zur
musiker ist Plattner aktives Mitglied. Interpretation Bachscher Werke. Als sich die Einrich-
Lobende Konzertkritiken über Plattners Spiel, über tung des Orgellehrstuhls an der Bukarester Musikhoch-
seine „musikalischen, technischen und gestalterischen schule zum 50. Mal jährte, wurde, hauptsächlich zu
Qualitäten“ gibt es seit den 1950-er Jahren zuhauf. Oft Ehren Plattners als erstem Inhaber, ein „Internationales
wiederkehrende Begriffe und Formulierungen versu- Orgelfestival“ veranstaltet, in dessen Rahmen an füh-
chen seinen Interpretationsstil zu charakterisieren: render Stelle Plattner mit vier eigenen Konzerten auf-
„Disziplin, Konzentration und ausgewogene Gestal- trat, aber auch andere siebenbürgische, rumänische und
tung“ (Breslau), „hohes technisches Niveau“, „unge- ausländische Organisten mitwirkten.
wöhnliche musikalische Feinfühligkeit“, „Organist von In seinem schöpferischen Wirken konzentriert sich
Weltklasse“ (Prag), „Schlichtheit in der Wiedergabe, Plattner hauptsächlich auf das Orgel- und Kirchenmu-
jeder Effekthascherei bar“, „stürmisch gesteigerte, sikgenre. Seine ersten Kompositionen aus den 1940-er
aufwühlende Wiedergabe (Brünn), „plastisch und Jahren sind allerdings „weltliche“ Chor- und Instru-
klanglich differenziert“, „suggestive Kraft“ (Budapest), mentalstücke. Für den gottesdienstlichen Gebrauch
„Wissen und strenge Logik“, „dichterische Ausdrucks- schrieb er seit den 1970-er Jahren über 50 Choralvor-
kraft“ (Bukarest), „entfaltet die innere Logik der Musik spiele, für den Konzertgebrauch sieben Kadenzen zu
auf vollkommene Weise (Riga), „Absolut sicher in Orgelkonzerten von Händel. Zu erwähnen sind noch
Spiel, Technik und Formwiedergabe“, „zwingender die Werke für Orgel Einführung, Choral und Schreit-
Ernst“ (Düsseldorf), „mit großer Einfühlung“, „bis ins tanz über „Schmücke dich, o liebe Seele für Orgel
letzte ausgefeilt“ (Essen), „ungewöhnliche musikalische (1987) und Improvisation, Fuge und Tokkata (2004),
Stilsicherheit“ (Schwäbisch-Gmünd), „Klares, durch- das Cembalostück Fantasie über ein eigenes Thema
sichtiges und ausdrucksvolles Spiel“ (Wesel), „Eleganz (Meditation-Passacaglia-Choral, 1992) sowie die Kan-
der Technik, unerhört reicher, sensibler Klangsinn“, taten Am Kreuz erblasst (1988), Ich will rühmen Got-
„wunderbar gezügelte Kraft und Konzentration“ (Vel- tes Wort (1990) und Verleih uns Frieden gnädiglich
bert), „Verinnerlichte Geistigkeit“ (Bad Oeynhausen), (1992) für Solostimmen, Chor und Orchester.
„Organist von hohem Rang“, „ungemein überlegt, Mehrere Rundfunkaufnahmen (Bukarest, Brünn,
beherrscht und doch zugleich vital und unkonventio- WDR, HR) und einige Schallplatten künden von Platt-
nell (Hamburg), „technisch makellos und klanglich ners Interpretationskunst.
überzeugend“, „meisterliche Beherrschung des Instru- Wir wünschen von dieser Stelle dem Jubilar Freude
ments“ (Berlin). Immer wieder wird auch bewundernd und Wohlergehen im Kreise seiner Familie und im
festgestellt, dass der Organist alles „völlig“ und „voll- beglückenden Rückblick auf sein reiches, tätiges, ver-
kommen“ auswendig und ohne Registranten musiziert. dienstvolles Leben. Da er noch konzertiert und in
Seit der politischen Wende in Rumänien ist Plattner manchen Gottesdiensten die Orgel bedient, sei ihm
auch wieder als Konzertierender in Bukarest und den weiterhin die nötige Arbeitskraft gewünscht.
siebenbürgischen Städten anzutreffen. Sowohl das
„Wiedersehen“ als auch sein Spiel werden wie einst

Zum 100. Geburtstag des siebenbürgischen Geigers Willy Teutsch


Von Karl Teutsch

Herausragende einheimische solistische Begabungen auf dem Gebiet des Violinspiels traten in Siebenbürgen selten in
Erscheinung. Noch seltener begegnen wir international agierenden siebenbürgischen Geigern. Willy Teutsch, ein unge-
wöhnliches geigerisches Talent, hätte wie die wenigen anderen bedeutenden siebenbürgischen Geigerinnen und Geiger
Fähigkeiten und Möglichkeiten gehabt, eine überregionale Karriere aufzubauen, doch sein Wirken blieb auf Siebenbür-
gen und auch hier fast ausschließlich auf Kronstadt beschränkt. Er lässt sich aber auf alle Fälle neben Irene von Bren-
nerberg, Olga Coulin-Fogarascher, Rudolf Malcher, Ernst Süssmann und Alexander Dietrich in die Reihe der namhaf-
ten siebenbürgischen Violinisten stellen.
Willy Teutsch wurde als uneheliches Kind der Katharina Teutsch am 22. Mai 1907 in Tartlau bei Kronstadt geboren.
Der Vater mit Namen Markowitsch, als Kellner in Kronstadt tätig, ging bald außer Landes. Willy wuchs vaterlos und in
ärmlichen Verhältnissen auf. Die Mutter heiratete in Kronstadt einen Schuster und städtischen Bediensteten namens
Rheindt. Einige Kronstädter Bürger und Mitglieder der Philharmonischen Gesellschaft nahmen sich des talentierten
Knaben an und förderten seine musikalische Ausbildung. Er erhielt Violinunterricht bei Franz Kroupa, dem Konzert-
meister der Kronstädter Stadtkapelle, und trat schon bald solistisch auf. Als Fünfzehnjähriger wurde er nach Wien ge-
schickt, um am dortigen renommierten Konservatorium weiter zu lernen.

11
Im Gründungsjahr des Kronstädter Konservatoriums ASTRA,1928, finden wir Teutsch als Lehrer an dieser Anstalt
und als Konzertierenden. Um seiner Kunst einen letzten Schliff hinzuzufügen, begab er sich von 1930 bis 1932 nach
Budapest in die akademische Meisterklasse des bedeutenden und weltbekannten ungarndeutschen Violinvirtuosen Jenö
Hubay (Eugen Huber), Lehrer zahlreicher namhafter Geiger. Zwischendurch konzertierte Teutsch in Siebenbürgen.
Nach 1932 wird er in Kronstadt als Konzertmeister genannt. Sein Name erscheint als Solist in mehreren Konzertpro-
grammen Kronstädter Klangkörper. Teutsch übernahm auch solistische Violinparts in kirchenmusikalischen Auffüh-
rungen des Kronstädter Kantors, Organisten und Kirchenmusikdirektors Victor Bickerich und beteiligte sich an den
seit 1932 stattfindenden bekannten „Musik-Abenden im Hause Bickerich“. Der Kammermusik wandte er sich als Pri-
marius wechselnder Streichquartette und anderer Ensembles zu. Über Aufenthalte in Österreich ist nichts Näheres
bekannt.
Mit seinen solistischen Auftritten unter Begleitung des Kronstädter Philharmonischen Orchesters und der Stadtkapel-
le in den 1930-er Jahren stand er gewissermaßen in der Nachfolge von Irene von Brennerberg und Rudolf Malcher, die
um die Jahrhundertwende bzw. im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, aus Paris und Berlin bzw. Wien kommend,
in Kronstadt konzertiert hatten. Angelpunkt von Teutschs solistischem Wirken waren die Violinkonzerte von Beetho-
ven, Mendelssohn, Brahms und Tschaikowsky, doch er widmete sich auch den solistischen Werken von Bach, Haydn
und Mozart und der virtuosen Violinliteratur. Teutsch galt in diesen Jahren als "bedeutendster heimischer Violinkünst-
ler", hervorgehoben wurde die „Meisterschaft, mit der er sein Instrument beherrscht“, seine "blendende Technik",
"hinreißende Virtuosität" und „hohe Musikalität“ (Kronstädter Zeitung, 21. und 22. Oktober 1932). Auch wird sein
Spiel als „wunderbar klar, rein und von reifer Auffassung“ (Margarete Martin) beschrieben. Als Lehrer erhielt er großes
Lob wegen seines hochprofessionellen, akribischen, profunden, umsichtigen und einfühlsamen Unterrichtsstils. Der
Mensch wird als liebenswürdig und bescheiden bezeichnet.
Nach dem Krieg erhielt Teutsch eine Stelle als Erster Geiger in der neugegründeten Kronstädter Staatsphilharmonie,
danach im Musiktheater. Eine fortschreitende Geisteskrakheit stand einem weiteren Ausbau seiner solistischen Karriere
im Wege und hinderte ihn zunehmend auch am Ausüben seiner kammermusikalischen Tätigkeit. Schließlich musste er
sogar die Orchesterarbeit aufgeben. Seine ungarische Frau stand ihm anfangs aufopferungsbereit zur Seite, musste ihn
jedoch wegen seiner Krankheit mit dem Kind dann doch verlassen. Teutsch starb vereinsamt, gebrochen und krank am
5. Januar 1975 in Kronstadt.

GYÖRGY KURTÁG wurde in seiner Heimatstadt Lugosch geehrt


Von Constantin Tufan Stan

Der Komponist, Pianist und Lehrer György Kurtág Auszeichnungen, wurde ihm im November 2005 der
dominiert das zeitgenössische internationale Musikle- Preis „Grawemeyer” für Komposition der Universität
ben und durch die Vielfältigkeit und die Originalität aus Louisville, für Concertante op. 42, für Violine,
seiner klingenden Botschaft definiert er die grundle- Viola und Orchester anerkannt. Im Jahre 2006 hat ihm
genden Koordinaten der Musik der Avantgarde. Beweis seine Heimatstadt den Titel „Ehrenbürger der Stadt
dafür stehen die Lorbeeren, die ihm im Laufe seiner Lugosch” und die Nationale Musikuniveristät aus Bu-
langen künstlerischen Laufbahn, im Rahmen bedeuten- karest den Doctor Honoris Causa verliehen.
der Wettbewerbe für Komposition, aber auch von Als Ehrenmitglied des Vereins der Komponisten und
Staaten, Regierungen, Institutionen und Stiftungen Musikologen aus Rumänien, hat sich György Kurtág
zuerkannt wurden. Aus einer umfassenden Liste zählen der Anerkennung großer europäischer Anstalten er-
wir nur die bedeutendsten auf: der Ehrenpreis „Erkel” freut, die ihn als Mitglied aufnahmen: die Akademie der
(1954, 1956 und 1969), der Preis „Kossuth” (1973 und Schönen Künste aus München, die Kunstakademie aus
1996), beide vom ungarischen Staat verliehen, den Titel Berlin-West (beide 1987) und die Amerikanische Aka-
„Offizier der Kunst und Literatur” von der französi- demie für Kunst und Literatur (Ehrenmitglied 2001).
schen Regierung verliehen (1985), der Preis der Stiftung György Kurtág wurde am 19. Februar 1926 in Lugoj
„Fürst Pierre de Monaco” für Grabstein für Stephan, geboren. Studierte Musik am Lugoscher Konservatori-
op. 15, und Opus 27, Nummer 2 („Double concerto”), um, Klavier mit Clara Peia-Vojkicza und Musiktheorie
den „Herderpreis” und „Feltrinelli” der Akademie „Dei mit Filaret Barbu. Seine gewesene Klavierlehrerin
Lincei” aus Rom (1993), den Preis „Denis de Rouge- schrieb, in Erinnerung an seine Persönlichkeit, zum 30.
mont” des Verbandes der Europäischen Festspiele und Jubiläum des Konservatoriums im Kleinstädtchen des
den Staatspreis Österreichs für europäische Komponis- Banats: „[...] Gheorghe Kurtág talentierter, ruhmvoller
ten (1994), den Preis „Ernst von Siemens” (München, Klavierspieler. Er wurde Komponist und erhielt viele
1998), den Verdienstorden für Wissenschaften und Preise bei internationalen Wettbewerben mit seinen
Kunst (Berlin, 1999). Im Jahre 2000 wurde ihm der Kammermusikwerken. [...].”
Preis „John Cage” New York verliehen, im nachfol- Im Text einer veröffentlichten Chronik in der Lugo-
gendem Jahr wurde ihm von der Universität aus Tü- scher „Krassó-Szörény Lapok” sind uns unbekannte
bingen (Deutschland) der „Hölderinpreis” vergeben. Einzelheiten der künstlerischen Laufbahn von György
Als ein Korolarium dieser bedeutenden Preise und Kurtág in Lugosch angegeben. Der Autor detailliert
12
Aspekte aus dem Konzert der Klasse von Clara Peia- bezeugt. Es stellten sich 14 Schüler vor, und nebst dem
Vojkicza im Festsaal des Lugoscher Konservatoriums generellen Eindruck über die guten Resultate, haben
vom 28. Mai 1933. Unter den 14 Klavierschülern be- sich einige von ihnen durch die sichere Interpretation
fand sich auch Gyuri Kurtág, aus dem zweiten Studien- und durch ihre Musikalität ausgezeichnet. [...] Zwi-
jahr; diese war anscheinend die erste Chronik des künf- schen den Schülern des 2. Jahrganges, hat Gyuri Kurtág
tigen großen Musikers in einem öffentlichen Konzert,
die Kunst der pädagogischen Arbeit seiner außerorden-
welches dem Lugoscher Publikum gewidmet war: „Im
tilchen Lehrerin bezeugt. Die Manigfaltigkeit des Pro-
Rahmen eines sehr gelungenen kleines Konzertes hat,
gramms, seine sorgfälltige Aufstellung und die Leis-
im großen Saal der Städtischen Musikschule, am Sonn-
tungen der Schüler bescheinigen ihre wertvolle pädago-
tag Nachmittag die außerordentliche Klavierlehrerin
gische Tätigkeit.”
Clara Peia-Vojkicza den Fortschritt ihrer Privatschüler

Ein beispielgebender Fall


T T

Christiane Neubert aus Chemnitz prägt seit Jahren das musikalische Leben in Fogarasch
T

Von Dieter Drotleff


T T

Kirchenmusiker wurden nach der Wende immer rarer hannes Klein, der kurze Zeit zuvor die Pfarrstelle von
in den evangelischen Kirchengemeinden der Sieben- Fogarasch übernommen hatte, traf Christiane Neubert
bürger Sachsen. Daher sind Aushilfskräfte, die aus dem in der Stadt am Fuße des Fogarascher Gebirges ein.
Ausland kommen, herzlich willkommen und werden in „Unterstützt wurde ich dabei auch von der Landeskir-
der jeweiligen Gemeinde bestens aufgenommen. Wenn che Sachsens, wobei mein Auftrag ursprünglich auf
die Person auch noch Initiative zeigt und sich nicht nur zwei Jahre begrenzt wurde“, betont heute die Organis-
auf das Orgelspiel konzentriert, sondern auch sonst tin. Als Kirchenmusikerin sollte sie den Kirchenchor
aktiv in der Kirchengemeinde mitarbeitet, ist das ein und Kinderchöre leiten und Nachwuchs an der Orgel
großer Gewinn für unsere immer kleiner werdenden für den Gottesdienst ausbilden. In Fogarasch eingetrof-
evangelischen Kirchengemeinden A.B. Ein solcher fen, lernte sie auch die zum Pfarramt gehörenden Di-
glücklicher Fall, in gewissem Maße auch Ausnahmefall, asporagemeinden und die dort lebenden Menschen
ist in Fogarasch/Fãgãras zu verzeichnen. kennen. Damals gehörte auch Scharosch/Soars, noch
Christiane Neubert befindet sich seit Dezember 2000 dazu. Infolge der massiven Auswanderung sind in die-
in dieser Stadt und wirkt als aktive Kirchenmusikerin sen Ortschaften kaum noch Kirchenglieder zurück-
mit, bringt sich aber auch in die Jugendbewegung ein geblieben. Die einzige Orgel in diesen Gemeinden, die
und leitet den Kirchenchor, studiert Musicals mit Ju- noch bespielbar ist, ist die in der Kirche von Selig-
gendlichen ein, die dann zur Aufführung kommen. stadt/Selistat. In Bekokten/Bãrcut und Rohr-
Auch leitet sie die Sommerkonzertreihe in der Kirche bach/Rodbav werden keine Gottesdienste mehr ab-
und spielt selbst mehrere Instrumente. Sie ist nicht nur gehalten, sodass eine Renovierung der Orgeln kaum in
im Fogarascher Gebiet, den Diasporagemeinden, die Frage kommt.
zum Pfarramt von Fogarasch gehören, bekannt gewor- Christiane Neubert arbeitet sehr viel mit Kindern und
den, sondern, man kann ruhig sagen, in ganz Sieben- Jugendlichen, die meistens aus rumänischen Familien,
bürgen. aus dem orthodoxen Bereich kommen. Doch all diese
Christiane Neubert stammt aus Chemnitz. Während sind der deutschen Sprache mächtig und lernen für
ihres Musikstudiums in Dresden kam sie 1999 für ein gewöhnlich an der deutschen Abteilung des Doamna
Praktikum nach Hermannstadt. Hier lernte sie Ursula Stanca-Kollegs, das unmittelbar neben der evangeli-
und Kurt Philippi kennen, vervollständigte bei ihnen schen Kirche in Fogarasch liegt. Wöchentlich arbeitet
ihre Kenntnisse. Die Empfehlung kam von Prof. Dr. sie mit rund 70 Kindern zusammen, die den Kinder-
Dr. h. c. Christfried Brödl. Hier traf sie auch ihre Stu- chören angehören, den Klavier- oder Blockflötenunter-
dienkollegin Edit Toth aus Mediasch an. Zehn Jahre richt besuchen. Für die Kirchengemeinde ist das sehr
vorher war sie schon einmal auf Besuch in Rumänien bereichernd, da die Musicals in der Kirche oder bei
gewesen. 1992 weilte sie dann wieder für kurze Zeit Gemeindefesten aufgeführt werden und Kulturpro-
hier, konnte mehrere Personen sprechen und war be- gramme vielseitig gestaltet werden können. Ohne den
geistert von dem Aufenthalt. Das Land, seine Land- Beitrag der Kinder wären diese Veranstaltungen vor
schaften und Menschen hatten es ihr angetan. Eine allem nicht so lebendig.
freie Stelle gab es nach dem Studium nicht, auch war Die Musikerin wirkt auch in der Jugendbewegung mit,
die Entlohnung nicht gesichert. sie war auch im Vorstand des Deutschen Jugendvereins
Somit hat Christiane Neubert begonnen, sich in Siebenbürgen. Natürlich widmet sie sich auch den Se-
Deutschland für eine freie Stelle zu bewerben. Und nioren viel und leitet den Kirchenchor. Zu ihrem
siehe da, als sie die Bewerbung in den Postkasten ge- Dienstauftrag gehört ebenso die Koordinierung der
worfen hatte, traf auch ein Fax aus Fogarasch ein, in Sommerkonzertreihe in Fogarasch, die seit Jahren von
dem ihr mitgeteilt wurde, dass es eine freie Stelle gibt. Mai bis September eine traditionelle Veranstaltung ist.
Nach einem telefonischen Gespräch mit Pfarrer Jo- Gefördert wird diese nicht nur von der Kirchenge-
13
meinde. Interpreten und Ensembles aus dem ganzen Begriff. Dieses auch durch die Ausfahrten mit den
Land, aber auch aus dem Ausland, geben im Rahmen Kindergruppen bei der Aufführung von Musicals,
dieser musikalischen Veranstaltungsreihe Konzerte in durch die Beteiligung an Musikveranstaltungen in ver-
der Fogarascher Kirche, die von zahlreichen Musik- schiedenen Gemeinden und Städten. Fogarasch war
freunden unterschiedlicher Konfessionen besucht wer- vor einigen Jahren auch einmal Gastgeber des Treffens
den. der evangelischen Kirchenchöre. Natürlich wäre all
Von großem Nutzen ist zudem der kürzlich im Pfarr- dieses nicht möglich ohne die Unterstützung von Pfar-
haus eingerichtete Keller, der die Arbeit erleichtert. rer Dr. Johannes Klein, dessen Gattin, Dr. Renate
Dieser wurde entsprechend renoviert, in diesem finden Klein, von Kirchenkurator Karl Michael Balthes und
die Proben mit den vier Kindersinggruppen statt. Auch dem Presbyterium.
Bibelstunden und die Tätigkeit des Handarbeitskreises Bezüglich der Frage, ob die Kulturtätigkeit bei einer
wurden her verlegt, es werden gemeinsame Feste gefei- immer kleiner werdenden Gemeinschaft Perspektiven
ert. Hinzu kommt das Begegnungszentrum, das im hat, ist Christiane Neubert optimistisch. „Mindestens in
Pfarrhaus von Seligstadt eingerichtet wurde. Die hier der Fogarascher Gemeinde ist der Wunsch nach Kul-
stattfindenden Probezeiten werden zu einem bleiben- turtätigkeit immer größer. Und obwohl die Kirchen-
den Erlebnis für Kinder und Jugendliche. Die in diesen glieder nicht jünger und auch nicht mehr werden, ist ihr
Jahren angeeigneten Kenntnisse der rumänischen Spra- diesbezügliches Interesse immer reger“, kommt die
che erleichtern der vielseitigen Musikerin die Verstän- Antwort. Die Fogarascher hoffen nur, dass Christiane
digung in dem rumänischen Umfeld, in dem sie seit so Neubert noch lange in ihrer Mitte weilen wird. „Vor-
langer Zeit aktiv ist. läufig bleibe ich noch“, betont sie.
Christiane Neubert ist in der Zwischenzeit in vielen
Ortschaften und Kirchengemeinden Siebenbürgens ein

VERÖFFENTLICHUNGEN

„Kut, mer sängen int“


Heinz Acker gibt Georg Meyndts Lieder neu heraus
Von Karl Teutsch

Nach in den letzten Jahrzehnten in Deutschland er- (1872-1953), selbst Autor volkstümlicher Lieder.
schienenen Publikationen mit siebenbürgischen Volks- Meyndt war ein echter Volkssänger, der seine Lieder
liedern, volkstümlichen Liedern, Kunstliedern, Chorlie- nach eigenen Texten, der Noten unkundig, improvisie-
dern und Chorkompositionen – „Siebenbürgen, Land rend zur Laute sang. Reich, zuerst Lehrer, dann Pfarrer
des Segens“, hg. von Erich Phleps im Wort-und-Welt- in der Gemeinde Reichesdorf (bei Schäß-
Verlag Innsbruck (vier Auflagen), „De Astern uch an- burg/Sighisoara, heute Richis), wo Meyndt als Notar
der Liedcher“, „Der Owend kit erun uch ander Lied- lebte, hat die Lieder Meyndts – sie waren in Familien-
cher“ und „Wat u menjem Wiej gebläht“ mit Liedern und Freundeskreisen und darüber hinaus schon be-
von Grete Lienert-Zultner, GIMA-Musikverlag Stadtal- kannt – wohl nach Gehör und aus dem Gedächtnis
1899 niedergeschrieben. Zu den ursprünglich 19 von
lendorf bzw. Selbstverlag, „Frühe Lieder“, „100 Ka-
Reich zweistimmig notierten Liedern kamen 11 von
nons“ und „Zehn schlichte Gesänge“ von Horst Ge- anonymen Schreibern hinzu. Reich veröffentlichte alle
hann, „Kinderlieder“ von Anneliese Barthmes, Ge- 30 Lieder 1914 in Hermannstadt unter dem Titel „Kut,
hann-Musik-Verlag Kludenbach, „Siebenbürgisches mer sängen int vun den Liedern des Georg Meyndt“
Chorbuch“ (Wort-und-Welt-Verlag) und „Lieder sie- (Kommt, wir singen eines von den Liedern des Georg
benbürgischer Komponisten“ (drei Bände, Gehann- Meyndt). Die Ausgabe Reichs ist längst vergriffen. Die
Musik-Verlag) hg. von Karl Teutsch oder „Golden anthologischen Liederbücher einer späteren Zeit ent-
flimmernde Tage“ mit Liedern von Rosa Kraus, Ge- halten nur wenige Lieder von Meyndt: In „Siebenbür-
hann-Musik-Verlag – ist jüngst im Johannis-Reeg- gen, Land des Segens“ (1951, 1973, 1986) sind es im-
Verlag in Heilbronn ein Buch mit Liedern von Georg merhin noch neun, in „Lieder der Heimat“ (Hg. Nor-
Meyndt (1852-1903) erschienen, herausgegeben und in bert Petri, Kronstadt, o.J.) und im Siebenbürgischen
der Bearbeitung von Heinz Acker.
Chorbuch (1983) nur noch je zwei, in „Deutsches Lied-
Das Liederbuch schließt in mehrfacher Hinsicht Lü-
gut“ (Hg. Andreas Porfetye, Bukarest 1972) findet sich
cken in der Meyndt-Lieder-Rezeption. Zum einen kann
nur eins. So macht also die Neuausgabe Ackers wieder
man diese Ausgabe als vollständige Publikation der
alle Meyndt-Lieder zugänglich und bietet Möglichkeiten
Lieder von Meyndt betrachten, es sind keine weiteren
der Auswahl für den eigenen Gebrauch oder für Dar-
Lieder von ihm überliefert. Gesammelt und aufge-
bietungen.
schrieben wurde ein Großteil dieser im Volkston er-
fundenen Mundartlieder ursprünglich von Carl Reich
14
Eine weitere Lücke wird dadurch geschlossen, dass ins Hochdeutsche bringt. So wird es der jüngeren Ge-
Acker es nicht bei der einstimmigen oder der traditio- neration der Siebenbürger Sachsen, in der die Mundart
nell zweistimmigen Wiedergabe der Lieder belässt, nur noch selten gesprochen wird, künftigen Generatio-
sondern verschiedene Sätze anbietet. Etwa ein Drittel nen, bei denen der siebenbürgisch-sächsische Dialekt
der Lieder präsentieren sich in zwei unterschiedlichen wohl ganz verschwunden sein wird oder anderen
Bearbeitungen: als vom Klavier begleitete Sololieder deutschsprachigen Menschen möglich sein, diese Lie-
und als Chorsätze. 18 Lieder erscheinen nur in der der zu singen.
Bearbeitung für Gesang und Klavier. Das begleitende Georg Meyndt (1852-1903) und seine Lieder markie-
Klavier beginnt allein mit einem zwei- bis sechstaktigen ren den Beginn einer intensiven Lied- und Singbewe-
Vorspiel, worauf die Melodie Meyndts als Solostimme gung, die seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
hinzukommt, am Ende schließt sich ein kurzes Nach- ganz Siebenbürgen und alle sächsischen Bevölkerungs-
spiel des Klaviers an. Der Klaviersatz zeigt Einfüh- schichten erfasste und bis in die jüngste Vergangenheit
lungsvermögen in die Liederwelt Meyndts, gleichzeitig hineinwirkte, auch außerhalb von Siebenbürgen über-
auch kunstmusikalischen Anspruch in Anlehnung an allhin, wo Siebenbürger Sachsen leben. Meyndt und
die Musik des 19. Jahrhunderts, aus der Meyndt selbst Hermann Kirchner (1861-1928) waren die ersten, die
manche Elemente der melodischen Gestaltung über- volkstümliche Lieder in der Mundart schufen, gefolgt
nahm. Die für gemischten Chor eingerichteten Lieder von Rudolf Lassel, Heinrich Bretz, Anna Schuller-
sind zum Großteil vierstimmig, nur zwei sind drei- Schullerus, Carl Reich, Andreas Nikolaus, Hans Mild,
stimmig gesetzt. Zwei Lieder (Der Fieldschätz/Der Fritz Schuller, Grete Lienert-Zultner, um nur die Be-
Feldschütze [Wächter] und Ech hun dech läw/Ich hab deutendsten zu nennen, deren Lieder in kurzer Zeit
dich lieb) bearbeitet Acker als Duett mit Klavierbeglei- und anhaltend zu wahren Volksliedern wurden. Der
tung, das Broktlied (Brautlied) als Chorlied mit Sopran- von Meyndt begründete Liedstil, der sich seinerseits auf
solo und Klavier. Acker notiert genaue Tempovor- das tradierte deutsche Volkslied und das klassich-
schriften (Metronomangaben) und Angaben zur Cha- romantische Kunstlied stützt, entwickelte sich in Aus-
raktergestaltung in siebenbürgisch-sächsischer Mundart drucksweise, Gefühlsgehalt und Melodiestruktur zu
am Beginn jeder Partitur. Im laufenden Notentext einem in mancher Hinsicht charakteristischen, „sieben-
bestimmen minuziös eingetragene Vortragsbezeich- bürgisch“ geprägten und unverwechselbaren volkstüm-
nungen die Wiedergabe. Als Manko könnte vielleicht lichen Genre. Ob in ihrem Ausgang intuitiv erspürt
gelten, dass einfache Akkordangaben für Gitarren- oder oder bewusst gestaltet, nehmen wir die kleinen, schlich-
Lautenbegleitungen, wie sie in Liederbüchern auch ten, eingängigen Lieder Meyndts als formvollendete,
üblich sind, fehlen. Aber Acker ging es vornehmlich organisch gewachsene, kunstvolle und urwüchsige Ge-
darum, aus der rein volksmäßigen Singpraxis herauszu- bilde wahr.
treten. Ihm gelingt es mit dieser Ausgabe vor allem, Dass dieses verdienstvolle Liederbuch im DIN-A-4-
einen Mittelweg zwischen kunst- und volksmäßigem Format auch mit einem vorbildlich klaren und schönen
Musizieren zu finden und aufzuzeigen, dass sich beides Notensatz, ansprechenden Scherenschnittillustrationen
gegenseitig nicht auszuschließen braucht. Die Solovari- von Sieglinde Bottesch und buchtechnisch gediegener
anten und insbesondere die Bearbeitungen für Chor Aufmachung aufwartet, soll zum Schluss nicht uner-
sind für die aktuelle Liedpflege besonders wertvoll, da wähnt bleiben. Der Johannis-Reeg-Verlag hat es sich
auch Volkslieder heute fast ausschließlich in und von auch diesmal nicht nehmen lassen, hervorragende Qua-
Chören oder als begleiteter Sologesang aus dem so lität zu liefern.
genannten zweiten Dasein des Liedguts gesungen und
rezipiert werden. Somit stellt diese Bearbeitungsweise Heinz Acker, Georg Meyndt. Lieder
ein Angebot dar, wovon nicht nur Laien, Liebhaber des 117 Seiten
Volkslieds oder Jugendliche, sondern durchaus auch Johannis-Reeg-Verlag, Heilbronn 2008
professionelle Musiker Gebrauch machen können. ISBN 978-3-937320-35-9
Acker schließt mit dieser Ausgabe der Meyndt-Lieder www.johannis-reeg-verlag.de
eine Lücke für das heutige Singen auch indem er am
Ende des Bandes eine Übertragung der Mundarttexte

Bruckner, Gestalten und Archetypen seiner Musik


Ein Buch von Rudolf Reschika
Von Karl Teutsch

Als letzte Buchpublikation im Gehann-Musik-Verlag unter weltweit rund 100 Arbeiten über Bruckners O-
vor dem Ableben des Inhabers, des Organisten, Diri- Euvre die jüngste Veröffentlichung zum Werk des
genten, Komponisten, Organisators und Verlegers großen österreichischen Komponisten (*1824, +1896),
Horst Gehann, erschien im vorigen Jahr eine analyti- einem Werk, das, so gering es an Umfang im Vergleich
sche Monographie über das Werk Anton Bruckners zu jenem anderer großer Meister der Tonkunst sein
von Rudolf Franz Reschika. Dieses Buch ist gleichzeitig mag, für musikanalytische, geistige, religiöse, emotiona-

15
le, psychologische, hermeneutische, esoterische und lebendig gebliebene Elemente und geht bis in den Be-
rezeptionsästhetische Auslotungen, Deutungen und reich der Archetypen zurück.
Darlegungen immer noch Stoff genug hergibt, ja uner- Reschikas Buch hilft uns erkennen, dass Bruckner in
schöpflich zu sein scheint. Dennoch muss ein Musik- vielerlei Hinsicht als großer, in die Zukunft weisender
wissenschaftler oder Musikschriftsteller über ein gewis- Neuerer und Weiterführender zu sehen ist, keinesfalls
ses Maß an Mut, Mitteilungsvermögen und werkanalyti- als Rückwärtsgewandter, als der er oft apostrophiert
scher Befähigung und Kompetenz verfügen sowie eine wird, auch wenn seine Wurzeln in der Tradition, der
unmissverständliche Berufung spüren, um einen Bei- Mystik und der Urwesenheiten liegen. Er war ein Un-
trag zu diesem immensen Themenkreis leisten zu kön- zeitgemäßer, der Überzeitliches geschaffen hat. Wir
nen oder gar Neues, Unbekanntes mitzuteilen, das zu sehen in seiner Musik eine in höchster geistig-seelischer
erkennen er das Glück gehabt hat. Verdichtung und gleichzeitig in der Realität stehende
In diese glückliche Konstellation ist Rudolf Reschika philosophische und religiöse Kunst, die aber rein musi-
zu stellen. Seine Arbeit vermittelt Einsichten und Er- kalisch von jedem aufgeschlossenen Menschen zu emp-
kenntnisse, die noch nicht oder noch nicht in dieser fangen ist. Gleichzeitig werden wir gewahr, wie wichtig
Deutlichkeit und Eindringlichkeit artikuliert wurden. das analytische Verstehen, Deuten, Erklären und Be-
Das Buch muss Resultat einer jahrzehntelangen wahl- schreiben ist.
verwandtschaftlichen Hinwendung und Beschäftigung Etwa den vierten Teil von Reschikas Buch nehmen
mit Bruckner und seinem Werk sein. Notenbeispiele ein, denen auch eine „Liste der Noten-
Zwar wendet sich Reschika, wie der Untertitel seines beispiele“ vorangestellt ist. So kann der Leser viele
einfach „Bruckner“ betitelten Buchs, nämlich „Gestal- Erörterungen nachvollziehen und prüfen. Natürlich
ten und Archetypen seiner Musik“ zu Bedenken geben muss man die Werke Bruckners auch im Konzert oder
will, einem begrenzten Fragenkomplex zu, doch be- in Aufnahmen hören.
leuchtet er in umfassender Herangehensweise, direkt Da im Text relativ viele Fachausdrücke und spezifi-
oder indirekt, den ganzen Kosmos der Musik Bruck- sche Fremdwörter verwendet werden, und da dieses
ners. Reschika zieht alle Register der Analyse und des Buch nicht nur von Musikwissenschaftlern und Musi-
Eindringens in die Substanz und die Eigenheiten dieser kern gelesen werden soll, hat der Autor ein „Glossar“
Musik, berücksichtigt akribisch, detailliert und fundiert angefügt, in dem diese Begriffe erklärt werden. Das
Parameter der musikalischen Konzeption und Darstel- Buch verfügt außerdem über ein Literaturverzeichnis,
lungsweise, untersucht Ausdrucksgestalten, Ausdrucks- ein Namenregister und ein Sachregister. Jedem Kapitel
charaktere und Ausdruckswerte der Musik Bruckners, ist ein ausführliches Quellenverzeichnis angeschlossen.
ihren Reichtum an Ideen, durchdringt schöpferische, Der Musiker Reschika, der uns hier als Musikwissen-
strukturelle, formgebende, stilistische und philologische schaftler beeindruckt, ist 1929 in Zeiden (heute Codlea)
Fragen, nennt die geistigen Grundlagen, behandelt bei Kronstadt (heute Brasov) in Siebenbür-
theologische, metaphysische und spirituelle Aspekte, gen/Rumänien geboren. Er studierte Musikpädagogik,
wobei er immer wiederkehrend auf das bei Bruckner so Horn und Dirigieren an der Staatlichen Musikhoch-
ausgeprägte Numinose in besonderer Weise eingeht, schule in Klausenburg (Cluj, Siebenbürgen). Seine un-
erörtert semantische und symbolische Eigenschaften, gewöhnliche dirigentische Begabung konnte nicht zur
dringt in tiefenpsychologische Bereiche vor, die sich bei Entfaltung gelangen, da er sieben Jahre – wie andere
Bruckner dringend anbieten, zieht charakterologische rumänische und deutsche Studenten, Intellektuelle,
und sogar graphologische Untersuchungen heran, kurz: Geistliche, Schriftsteller und Musiker – in menschen-
er zeigt auf, um es frei nach Goethe zu sagen, „was die verachtender politischer Haft und in mörderischen
Welt“ der Symphonien Bruckners „im Innersten zu- kommunistischen Zwangs- und Arbeitslagern verbrin-
sammen hält“. gen musste. Danach war er als Orchestermusiker, Solist
Bei all dem bewegt sich Reschika nicht im isolierten und Musikpädagoge in Kronstadt tätig. Nach seiner
Raum eines Wolkenkuckucksheims, sondern er umgibt Aussiedlung 1970 in die Bundesrepublik Deutschland
seine Gedanken und Darstellungen mit kultur-, kunst- nahm er ein ergänzendes Studium in Freiburg i.Br. auf.
und literaturgeschichtlicher, ästhetischer, philosophi- Seine Tätigkeitsbereiche waren sodann Schulmusik,
scher und den Fall Bruckner thematisierender Literatur, Dirigieren, Publizistik und Musikwissenschaft.
um sie zu zitieren und zu kommentieren, um seine
Gedanken zu bestätigen oder zu ergänzen. Überdies Rudolf Franz Reschika, Bruckner, Gestalten und Ar-
stellt er Bruckner in die historische Entwicklung und in chetypen seiner Musik,
einen allgemeinen Zusammenhang, arbeitet mit verglei- 352 Seiten
chenden Methoden, streift musikästhetische Einzel- Gehann-Musik-Verlag, D-Kludenbach 2007
themen, berührt einige seit der griechischen Antike ISBN 3-927293-30-X

16
Beitrag zu einem „musisch-kreativen Nachklingen“
Peter Szaunig veröffentlicht Monographie über Carl Filtsch
Von Karl Teutsch

Wir sind schnell dabei, herausragende siebenbür- Carl-Filtsch-Festival – erschien 2005 im Johannis-Reeg-
gisch-sächsische Künstler als international bekannte, Verlag Heilbronn.)
weltberühmte oder gar geniale Begabungen zu bezeich- Vor allem zur Dokumentation und Information im
nen, eine peinliche Unsitte, der auch rumänische Histo- Zusammenhang mit diesem Wettbewerb und den ihn
riker und Kommentatoren erliegen. Dem im sieben- umrahmenden Konzerten ist die jüngst im Johannis-
bürgischen Mühlbach geborenen Carl Filtsch (1830- Reeg-Verlag Heilbronn in Zusammenarbeit mit der
1845), den fünfzehnjährig der Tod aus einer glänzen- Hermannstädter Honterus-Druckerei erschienene drei-
den internationalen pianistischen und kompositori- sprachige Publikation (deutsch-rumänisch-englisch)
schen Laufbahn riss, steht als einzigem siebenbürgi- von Peter Szaunig, Carl Filtsch (1830-1845), gedacht.
schen Musiker das Attribut genial jedoch zweifellos Auf knapp 24 Seiten entwirft Szaunig ein ausführliches
und ohne Einschränkung zu. Schon die renommierte und anschauliches Bild des kurzen Lebenswandels und
und kompetente Neue Zeitschrift für Musik in Leipzig des künstlerischen Wirkens von Carl Filtsch. Auf-
schrieb 1843, dass sich vorläufig nichts anderes sagen schlussreich sind die bisher unbekannten Briefe und
ließe, als dass er (Filtsch) „ein Genie“ sei, „und seine Zeitzeugnisse sowie Briefe und die „Memoiren“ des
Begabung im Komponieren und Phantasieren, seine zwölfjährigen Filtsch, die der Autor in den Text einar-
Auffassung Beethovenscher und Bachscher Musik, sein beitet. Sieben Seiten sind der Vorstellung und Analyse
Vortrag der ihm vorgelegten mannigfaltigsten Tonwer- von Filtschs Kompositionen gewidmet, darunter auch
ke“ der Art seien, „dass die einfachste wahrhafte Schil- derjenigen, die als verschollen galten bzw. von deren
derung davon wie Übertreibung erscheinen würde“. Existenz man gar nichts wusste, und die kürzlich aufge-
Erst seit etwa drei Jahrzehnten aber weiß man in sie- funden wurden. Anmerkungen zu Filtschs Nachleben
benbürgischen und rumänischen Künstlerkreisen etwas schließen sich an. Separat folgen die rumänische und
– in der deutschen kulturellen Öffentlichkeit noch viel die englische Übersetzung. Ein Quellennachweis und
zu wenig – mit dem Namen Filtsch anzufangen. Zu bibliographische Angaben sind besonders zu begrüßen,
verdanken ist dessen Wiederentdeckung und Propagie- da damit manche – leider nicht alle – der auch im
rung zum Großteil dem Pianisten Peter Szaunig Filtsch-Büchlein von Ernst Irtel wiedergegebenen Zita-
(*1933), der sich seit den 1960-er Jahren mit dem Phä- te und Textstellen aus Literatur und Presseveröffentli-
nomen Filtsch befasst. Szaunig versuchte zu Beginn der chungen mit Quelle und Zeitangabe dokumentiert
1970-er Jahre, nachdem er eine erfolgreiche Tätigkeit werden. Ein schön aufgemachter, unter Mitwirkung des
als Solist der Hermannstädter Staatsphilharmonie, als Photographen und Kunsthistorikers Konrad Klein
Musikinspektor an den Schulen der Stadt und als Mu- (Hermannstadt/München) zustandegekommener Bild-
sikjournalist aufgenommen hatte, einen internationalen teil beschließt diese sehr zu schätzende Broschüre.
Klavierwettbewerb zu Ehren von Carl Filtsch ins Le- Es soll an dieser Stelle nicht versäumt werden, auch
ben zu rufen. Er scheiterte am Widerstand der damali- noch einmal auf die Publikation von Ernst Irtel hinzu-
gen politischen Machthaber. Erst 1995, fünf Jahre nach weisen: Der junge siebenbürgische Musiker Carl
dem Sturz des kommunistischen Ceausescu-Regimes, Filtsch, ein Lebensbild, erschienen 1993 in München,
gelang es Szaunig, der inzwischen (1973) in die Bundes- herausgegeben vom Kulturreferat der Landsmann-
republik Deutschland ausgesiedelt war, im Verein mit schaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland (heute
dem in München ansässig gewordenen Mühlbacher Verband der Siebenbürger Sachsen). Das Taschenbuch
Pianisten Walter Krafft (*1936) und mit Unterstützung Irtels ist nach wie vor, besonders auch sprachlich, le-
durch das damalige Institut für ostdeutsche Musik in senswert und reich an biographischen Informationen.
Bergisch Gladbach, die Siebenbürgisch-Sächsische Stif- Irtel und Szaunig ergänzen sich gegenseitig. Wer sich
tung, das Haus des Deutschen Ostens in München, das vollständig und umfassend über Filtsch und dessen
Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien, pianistisches Wirken und kompositorisches Schaffen
die Hermannstädter Philharmonie und andere rumäni- informieren will, wer sich für einen Aspekt der sieben-
sche Stellen das erste „Internationale Klavier- und bürgischen und europäischen Kulturgeschichte interes-
Kompositions-Wettbewerb-Festival Carl Filtsch“ (wie siert, muss zu b e i d e n Büchern greifen.
Szaunig es nennt) in Hermannstadt durchzuführen, ein
Interpretations- und Kompositionswettbewerb für Peter Szaunig: Carl Filtsch (1830-1845)
Kinder und Jugendliche, begleitet von Symposien und Johannis Reeg Verlag, Heilbronn 2008
Konzerten mit allgemeiner Thematik. Seither findet ISBN 978-3-937320-36-6
diese Veranstaltung unter Leitung von Szaunig und Preis: 13 Euro
Krafft jährlich Ende August oder Anfang September
statt. (Eine von Szaunig verfasste, reich bebilderte, 100
Seiten umfassende Dokumentation zum zehnjährigen
Jubiläum des Hermannstädter Festivals – Zehn Jahre
17
Die Lieder aus dem „Rosengarten“ in Hermannstadt
Von Georg Hienz

Der „Rosengarten“ in Hermannstadt in der Berggasse war in den 1920-40er Jahren ein kleines, wenig bekanntes Lo-
kal in dem vorwiegend eine bestimmte Gesellschaft *) junger Leute verkehrte. Eigentlich war es eher eine Art Vereins-
lokal oder Clubhaus dieser etwas ungewöhnlichen Gruppe. Sie waren unkonventionell, mehr oder weniger künstlerisch,
mit einem leichten Hang zur Boheme und möglicherweise auch ein wenig skurril im positiven Sinne eines Christian
Morgenstern oder Joachim Ringelnatz. Die meisten jungen Männer waren Heimkehrer aus dem verlorenen Krieg in
den sie vor noch wenigen Jahren – freiwillig, mit jugendlichem Enthusiasmus, wie mein Vater, – gezogen waren. Sie
hatten viel Schlimmes erlebt und ihre Heimat Siebenbürgen wurde nach Auflösung der österreich-ungarischen Monar-
chie dem wenig geschätzten Nachbarland Rumänien zugesprochen. Aber Hermannstadt war scheinbar das alte geblie-
ben, man war wieder zu hause unter sich, man wollte vergessen und sich des jungen Lebens erfreuen.
Der „Rosengarten“, hatte eine Gaststube, einen schönen Garten mit mehreren Tischen, Rosen und einer Kegelbahn.
Das Fräulein Mitzi, die Inhaberin und einzige Bedienung kümmerte sich liebevoll um ihre Gäste. Es gab immer einen
sauren Unterwälder Wein vom „Fronius“ und im Mai die sehr geschätzte Waldmeisterbowle, dazu konnte man sich ein
Butterbrot oder „Tolleranz-Brot“ - eine Mischung aus Szekler Käse, Butter und Paprika - oder andere einfache Speisen
bestellen. Aber man ging in den „Rosengarten“ ja nicht zum Essen sondern um Freunde zu treffen, um sich zu unter-
halten und zu singen. Da es kein Telefon gab, konnte man sich nicht absprechen und so ging man jeden Abend einfach
hin.
Radio oder andere künstlichen Musikerzeuger gab es auch nicht, darum wurde viel gesungen, meistens mit Gitarre-
oder Lautebegleitung. In der Regel wurden dabei die einzelnen Lieder von Fritz Gierlich, Dolf Hienz, Pua Kristyn oder
Gottlieb Brantsch zunächst vorgetragen und wenn man sie gelernt hatte oder schon kannte, wurde mitgesungen. Fritz
Gierlich, mein erster Gitarrelehrer, war ein begnadeter Laienmusiker und obwohl er selbst nie eine eigenes Instrument
besaß, auch ein ausgezeichneter Gitarrenspieler. Die Begleitungen der Lieder dieses Heftes stammen größtenteils von
ihm. Wenn er mit seiner Baßstimme „Im tiefen Keller ...“ vortrug, war ihm ein großer Applaus sicher. Auf die Stimme
meines Vaters Dolf kann ich mich nicht mehr erinnern, man sagt er hatte einen sehr warmen Bariton und er begleitete
sich gekonnt auf seiner wertvollen Laute. Fest steht, daß er sehr beliebt war und seine Auftritte, nicht nur im „Rosen-
garten“, immer viel Zuspruch auslösten. Das Lied „Es macht, es hat die Nachtigall ...“ von Hermann Löns scheint eines
seiner Bravourstücke gewesen zu sein. Pua Kristyn soll vorwiegend Studentenlieder vorgetragen haben und Gottlieb
Brantsch war ein anerkannter Sammler siebenbürgischer Volkslieder und Komponist. Von ihm stammt das Lied auf
Seite 5 dieses Heftes „Als ich dich kaum gesehen ...“.
Die jungen, lebenslustigen Gäste von Fräulein Mitzi weilen größtenteils nicht mehr unter uns und der zu Beginn der
„Rosengarten“-Zeit begonnene Verlust unserer Heimat ist heute abgeschlossen - auch Erinnerungen an den „Rosengar-
ten“ und Erzählungen über einzelne Begebenheiten dieser Zeit verblassen langsam. Nur die Lieder, dies war auch einer
der Anlässe für die vorliegende Zusammenstellung, sollten weiter gesungen und gespielt werden. Sie sind die Brücke
zwischen damals und heute.
Der Umfang dieses Heftes entspricht nur einem kleinen Bruchteil dessen was im „Rosengarten“ gesungen wurde. An
dieser Stelle möchte ich dem lieben Gen Kristyn für die vielen Anregungen und Erzählungen vom „Rosengarten“ so-
wie dem Komponisten Alfred Girgnhuber für dessen Hilfe beim Computersatz der Noten herzlichst danken.

Neue Notenveröffentlichung bei EDITION MUSIK SÜDOST


Franz Metz gibt Orgelwerke heraus
Von Karl Teutsch

Organisten, Freunde der Plattner, Andreas Porfetye, Achim Stoia, Daniel Sucea-
Orgelmusik und Engagier- va, Zeno Vancea. Die bunte „multiethnische“ Zusam-
te in der Musik Südosteu- menstellung ist aus einem bestimmten Konzeptionsge-
ropas werden sich über danken entstanden. Diese als erster Band konzipierte
eine neue Veröffentli- Veröffentlichung präsentiert Werke aus der Bukarester
chung des Münchener Orgeltradition, der auch siebenbürgische und banater
Verlags Edition Musik Komponisten und Interpreten wie Plattner, Klepper,
Südost mit Orgelwerken Porfetye, Oschanitzky und Metz angehören. Ein vorge-
aus Rumänien freuen. sehener zweiter Band wird sich Orgelkompositionen
Vertreten sind die Kom- aus Siebenbürgen und dem Banat widmen.
ponisten Tudor Ciortea, Der Herausgeber Franz Metz, Organist, Chordiri-
George Enescu, Gheorghe gent, Musikwissenschaftler und Komponist, schreibt
Firca, Scarlat Fotino, Va- im Vorwort: „Hiermit wird zum ersten Mal eine Samm-
lentin Gheorghiu, Walter Michael Klepper, Alfred lung von Orgelwerken vorgestellt, die im 20. Jahrhun-
Mendelsohn, Franz Metz, Richard Waldemar Oscha- dert in Rumänien entstanden sind. Sämtliche Komposi-
nitzky, Alexandru Pascanu, Josef Paschill, Helmut
18
tionen haben einen Bezug zur Bukarester Orgeltraditi- biographien der Komponisten und Angaben zu den
on – eine der jüngsten Europas.“ veröffentlichten Werken.
Metz schickt dem Notenteil eine kurze Geschichte Alles in allem haben wir es hier mit einer musikalisch,
des Orgelbaus auf dem Gebiet des heutigen Rumänien, musikhistorisch und ästhetisch vortrefflichen, lobens-
und zwar in Siebenbürgen und im Banat voraus und und empfehlenswerten Publikation zu tun.
beschreibt die zwei großen Bukarester Orgeln in den
zentralen Konzertsälen sowie die Orgel der katholi- Franz Metz, Orgelmusik aus Rumänien
schen Kathedrale und die der evangelisch-deutschen Edition Musik Südost, München 2008
Kirche in Bukarest (sämtlich gebaut von Firmen in ISBN 978-3-939041-12-2
Deutschland, im Banat und in Siebenbürgen). Es folgen Telefon: 089/45011762
einige Anmerkungen zur Orgelklasse der Bukarester www.edition-musik-suedost.de
HT TH

Musikhochschule, deren erster Orgellehrer bekanntlich 208 Seiten, Preis: 24,50 Euro
Helmut Plattner war. Der Band schließt mit den Kurz-

NEUE BUCHVERÖFFENTLICHUNG.
Franz Metz
DAS KIRCHENLIED DER DONAUSCHWABEN
Eine Dokumentation des Kirchenliedes der deutschen Katholiken Südosteuropas.
EDITION MUSIK SÜDOST, München, ISBN 978 3 939041 13 9 / 670 Seiten, Kataloge, zahlreiche Abbildun-
gen (erscheint Dezember 2008)

Vorwort von Dr. Robert Zollitsch, Erzbischof von


Freiburg und Vorsitzender der Deutschen Bi-
schofskonferenz

Musik, gerade Kirchenlieder, sind klangvolle Beglei-


ter vieler unserer Erinnerungen. Sie prägen unser gan-
zes Leben. Sie versetzen uns zurück in die Kirchenbank
der Kindheit; sie lassen uns die Fronleichnamsprozes-
sion im Heimatdorf noch einmal miterleben; sie sind
gesungener Glaube. Wie gern horche ich auf, wenn ich
eine bekannte Melodie höre; wenn ein fast schon ver-
gessener Hymnus erklingt!
Die Gesänge und Lieder der donauschwäbischen
Heimat haben viele von uns ihr Leben lang begleitet.
Den Schatz dieser musikalischen Tradition zu doku-
mentieren und zu bewahren, zumal wir Donauschwa-
ben heute in unterschiedlichen Ländern und Gebieten
wohnen, ist eine große Aufgabe. Dr. Franz Metz hat
uns die musikalische Kirchengeschichte der südosteu-
ropäischen deutschen Gemeinden geschrieben. Verwo-
ben mit Biographien von Musikern, Komponisten,
Kulturschaffenden des Banats ist ein interessantes,
detailliertes und gut zu lesendes Werk, ja ein Kompen-
dium des donauschwäbischen Liedgutes, entstanden.
Eine Fülle an originalen Quellen, die akribische Doku-
mentation der gesungenen Kirchenlieder und viele
Bilder halten die Erinnerung an die Menschen, die Zeit
und die Musik wach und tradieren sie für zukünftige Diese Stimme dürfen wir einbringen, um in der Erinne-
Traditionen. Dafür sei Dr. Franz Metz sehr herzlich rung an unsere Heimat, unsere Gesänge und unsere
gedankt – Vergelt’s Gott! Kultur unser Lebenszeugnis einzubringen in die Gestal-
Das „Kirchenlied der Donauschwaben“ macht – be- tung eines geeinten Europa!
sonders in Zeiten eines wachsenden Europa – ein- + Dr. Robert Zollitsch
drucksvoll deutlich: Wir Donaudeutschen haben im Erzbischof von Freiburg
europäischen Chor immer schon eine Stimme gehabt.

19
+ KLAVIER + ORGEL +
13. Auflage des Internationalen CARL FILTSCH-Wettbewerb-Festivals,
Hermannstadt, Juli 2008
Von Peter Szaunig

Als die von Bürgermeister Klaus Werner Johannis – Tamás/Ungarn und Catuna Ioana/Rumänien geteilt.
Schirmherr dieser Veranstaltung – im Grußwort des Auch vergab die Jury zwei Filtsch-Preise in der Gruppe
diesjährigen Programmheftes deren 13. Auflage opti- B (Cibotaru Jonut und Streche Gabriela), und zwei in
mistisch als ein im Zeichen besonderen Glücks prog- der Gruppe C ( Maseev Dimitry und Catuna Ioana). Da
nostizierte, sollte sich dies gleich aus mehrfacher Sicht sich diesmal Kandidaten mit Eigenkompositionen lei-
bewahrheiten und als ein denkwürdiges Ereignis in die der nur auf dem Papier ankündigten und nicht teilneh-
Geschichte dieses Wettbewerb-Festivals eingehen. men konnten, wurde kein Kompositionspreis vergeben.
Als eine Weltneuheit wurde innerhalb der Eröff-
nungsfeier im Thaliasaal vor dem Eröffnungskonzert
die gerade durch die Hermannstädter Honterusdrucke-
rei fertiggestellte – im Johannis-Reeg-Verlag erschiene-
ne dreisprachige Carl Filtsch Monographie von Peter
Szaunig - vorgestellt. Sie beinhaltet eine umfassende
Synthese sämtlicher künstlerisch-schöpferischer Bege-
benheiten und theoretischer Forschungsergebnisse von
und über Carl Filtsch bis zum jetzigen Zeitpunkt, und
schließt auch die letzten Entdeckungen des amerikani-
schen Musikwissenschaftlers und Pianisten Ferdinand
Gajewski bezüglich der fünf für verschollen gegoltenen
Werke ein, wobei neben der Ouvertüre und dem Kla-
vierkonzert weitere drei Kompositionen zukünftig die
Auswahlliste Filtschischer Pflichtstücke aller drei Alter-
stufen den Wettbewerb bereichern werden.
Wenn bei Anmeldeschluss sich die Zahl von 43 ein- Einen weiteren tönenden Höhepunkte des diesjähri-
geschriebenen Anwärtern nicht um ganze neun Kandi- gen Wettbewerb-Festivals enthielt das Sinfoniekonzert
daten verringert hätte, hätte diese Auflage die bisher von Freitag Abend, den 11.Juli im Thalia-Saal. Als hei-
höchste Teilnehmerzahl aus neun Ländern verzeichnen matliche Ur-und Erstaufführung erklang die Ouvertüre
können. Grund hierfür war die leider noch nicht über- für großes Orchester in D-Dur, sowie das Konzert-
brückbaren Hindernisse einiger Staaten, Anwärtern aus stück für Klavier und Orchester in h-moll von Carl
Russland, Litauen, Weißrussland und der Republik Filtsch. In einer fulminanten Interpretation durch den
Moldau ein gültiges Ausreisevisum auszustellen. jungen Bukarester Dirigenten Leonard Boga und dem
Erfreulich trotzdem das von der internationalen Jury Hermannstädter Philharmonischen Orchester, erblühte
erfahrungsgemäß erwartete hohe technisch- förmlich aus der Feder von Carl Filtschs genialer Musi-
interpretative Niveau der Kandidaten, diesmal vor al- kerpersönlichkeit eine völlig neue, unerwartete Dimen-
lem in der kleinen und mittleren Altersgruppe bis 16 sion eines überragenden Meisters orchestral-
Jahre. So erspielten sich bei den bis 12-Jährigen drei instrumentalen Geschehens. In formvollendeter Archi-
Teilnehmer aus Rumänien die Preise eins bis drei: Bu- tektur einer klassischen Sonatenform, prägten tief-
secan Anca; Ropota Daniel; Jancu Teodor Sorin, wäh- schürfende emotionale Ideen-und Gefühlsregungen
rend weiteren drei Kandidaten aus Bulgarien und Ru- zweier kontrastierender Themengruppen den musikali-
mänien: Ivanova Tosheva, Stefan-Mihai Andrei und schen Dialog, der innerhalb der Durchführung einer
Surdu Andrei Mihai, je eine Lobende Anerkennung und temperamentvollen von jugendlichem Elan geprägten
je eine vom Johannis-Reeg Verlag gestiftete Carl geradezu Opernhaften Dramaturgie, die Zuhörer nach-
Filtsch-Monographie erhielten. In der Altersgruppe B haltig faszinierte.
(zwischen 12 und 16 Jahren) gab es einen überragenden In gleichem Maße beeindruckte das Konzertstück für
I. Preisträger, den jungen 13-jährigen Rumänen Cibota- Klavier und Orchester in h-moll das begeisterte Publi-
riu Jonut, während zwei II. Preise an Riedler Pallas kum, welches durch die sensible Ausdeutung des jun-
Catenella aus Ungarn/USA und Chihaia Laura aus gen 15-jährigen rumänischen Nachwuchspianisten und
Rumänien gingen. Einen III. Preis teilten sich ebenso vorjährigen Filtsch-Preisträgers Nicolae Mihaila, eine
Nachev Vasil und Chakov Krasimir aus Bulgarien. Von an den lyrischen Zauber Chopin’scher Romantik erin-
den neun Teilnehmern der C-Gruppe (ab 17 Jahren) nernden konzertanten Klavierstil angepasste, brillant-
wurde kein erster Preis vergeben, dafür teilten sich virtuose Interpretation erhielt. Einen absoluten Höhe-
Masleev Dimitry/Russland und Szöke Diána/Ungarn punkt eines voll ausgereiften eigenst-schöpferischen
den II. Preis, der III. Preis wurde ebenso an Rostás
20
Bekenntnisses Carl Filtschs, bildete die abschließende tin Gheorghiu, dessen Präsenz als Jurymitglied der
Kadenz, worin der Komponist sich erstmals einer po- Veranstaltung ein besonderes Gewicht verlieh.
lyphonen Schreibweise zuwendet und in genialer kont- Am 12.Juli fand dann auf Einladung des Mühlbacher
rapunktischer Manier, beide Themen in Form eines Bürgermeisteramtes das bereits zur Tradition geworde-
vollendeten Fugato ausklingen lässt. Ein durchschla- ne „kleine“ Preisträgerkonzert in der evangelischen
gender Beweis, dass Carl Filtsch, im Zenit seines kur- Kirche statt, welches immer zahlreichere Zuhörer
zen Daseins, ohne Frage, seinen großen Vorgängern an anlockte und zugleich Auftakt war, zu dem am Sonntag
die Seite gestellt werden kann, die sich ebenso in ihren Abend den 13. Juli im Thalia-Saal stattgefundenen
letzten Aussagen vorrangig für polyphone Satzweisen „großen“ Preisträgerkonzert mit Preisverleihung, wo
entschieden. acht der neunzehn preisgekrönten Teilnehmer ihr au-
Auch brachte eine glückliche Fügung es mit sich, ßergewöhnliches pianistisches Können einem großen
dass Kultusminister Adrian Iorgulescu dem Wettbe- Publikum beeindruckend unter Beweis stellten. Auch
werb-Festival einen kurzen Besuch abstattete und be- diesmal sorgte das Generalkonsulat der Bundesrepublik
eindruckt von dem Konzert und der Qualität der Wer- Deutschland in Hermannstadt im Foyer des Theaters
tungsspiele, innerhalb einer Pressekonferenz sich posi- für ein reichhaltiges Büffet, zu welchem Generalkonsul
tiv über eine zukünftige unterstützungswürdige Ent- Dr. Jean Pierre Rollin persönlich die zahlreich erschie-
wicklung äußerte. Nicht minder beeindruckt zeigte sich nene Prominenz aus Kultur, Politik und Gesellschaft
auch der Grandsenior der rumänischen Pianistik Valen- aufs herzlichste begrüßte und zu einem harmonischen
Ausklang einlud.

DIE DOMORGEL FEIERT GEBURTSTAG


Zum 100. Geburtstag der Temeswarer Domorgel
von Dr. Franz Metz

Hundert Jahre sind eigentlich kein besonderes Alter


für eine Orgel, stehen doch im Banat auch noch In-
strumente aus dem 18. Jahrhundert, also mit einem
Alter von über 200 Jahren. Doch verdient die Orgel der
Temeswarer Domkirche eine besondere Würdigung,
nicht nur des Standortes wegen – in einer Bischofskir-
che – sondern auch wegen ihrer handwerklichen Quali-
tät und ihrer spannenden Geschichte. Wenn auch die
größten Orgeln Siebenbürgens aus ausländischen
Werkstätten kamen, so können wir uns doch im Falle
unserer Temeswarer Domorgel von einem Höhepunkt
Banater und südosteuropäischer Orgelbaukunst spre-
chen. Dieses Instrument wurde vor genau 100 Jahren
vom Temeswarer Orgelbauer Carl Leopold Wegenstein
errichtet und erklingt seit dann ununterbrochen zum
Lobe Gottes und zur Freude der Menschen. Also
Grund genug, um dieses Ereignis zu würdigen.

Die Orgelbauerfamilie Wegenstein

Die modernste Orgelbauwerkstatt des Banats war die


der Firma Carl Leopold Wegenstein. Er war der letzte
bedeutende Orgelbauer dieses Landstriches. Instru-
mente dieser Werkstatt stehen nicht nur im Banat son-
dern auch in anderen Teilen der ehemals österreich-
ungarischen Monarchie.
Carl Leopold Wegenstein kam 1858 in Klein-
Hadersdorf (Niederösterreich) zur Welt und starb am Richard, Josef und Viktor seine Nachfolger im Orgel-
10. März 1937 in Temeswar. Er erlernte seinen Beruf bau.
als Orgelbauer in Wien. Um 1880 ließ er sich in Te- Die erste Werkstatt hat er 1888 im Hause Hromadka
meswar nieder, heiratete die Tochter des Orgelbauers eingerichtet, sie wurde aber bald zu klein für die Bewäl-
Josef Hromadka und begann hier Orgeln zu bauen. In tigung der Aufträge, so dass er eine größere, modernere
der Mehrzahl sind es Instrumente von guter Qualität, in der Elisabethstadt errichtete. Hier arbeitete er auch
die späteren Fabriksorgeln seiner Nachfahren sind aber mit Dampfmaschinen und später mit elektrischen Ma-
von geringerer Güte. Von seinen acht Kindern wurden schinen. Seit 1921 hieß die Firma Leopold Wegenstein

21
und Söhne, Leiter blieb er jedoch bis zum 10. März
1937. Die Planung der neuen Domorgel
Seine erste große Orgel ist die in der Innerstädtischen
Pfarrkirche, die 1896 bei der Weltausstellung in Buda- Die Pläne der Prospektgestaltung für die Orgel des
pest einen ersten Preis erhielt. Sie wurde danach von Temeswarer Doms und der Wallfahrtskirche zu Maria-
den Stadtvätern Temeswars angekauft und führt des- Radna sind aus dem Monumentalentwurf für die Orgel
halb auch das Stadtwappen in der Stirnkartusche. Wei- der St. Peter-Basilika in Rom entnommen, der von
tere große Wegenstein-Orgeln stehen in der Temeswa- Airstide Cavaille-Coll (Paris) stammt. Dieser bedeu-
rer Innerstädtischen Synagoge, Maria-Radna, St. Jo- tendste französische Orgelbauer des 19. Jahrhunderts –
sephskathedrale (Bukarest), in der Millenniumskirche seine Instrumente stehen in den größten Kathedralen
der Fabrikstadt (Temeswar), sowie im Temeswarer Frankreichs – wurde bereits um 1866 veröffentlicht.
Dom als Opus 100. Dabei handelt es sich um einen Entwurf für die zu
erbauende größte Orgel der Welt, für die Peterskirche
in Rom. Dies beweisen die Eintragungen auf der Skiz-
ze, die Carl Leopold Wegenstein 1905 gefertigt hat.
Viele Einzelheiten der Prospektgestaltung hat We-
genstein daraus für seine Maria-Radnaer-Orgel und für
die Temeswarer Domorgel entnommen. Diese beiden
Instrumente Wegensteins weisen viele Gemeinsamkei-
ten auf, wenn sie auch in Größe und Qualität verschie-
den sind.
Ausschlaggebend für den Orgelneubau in der Te-
meswarer Domkirche vor 1908 war der disolate Zu-
stand der alten Orgel. Diese stammte noch etwa aus
dem Jahre 1762 und wurde vom Wiener Orgelbauer
Leopold Wegenstein ist in der Bauweise seiner Or- Johann Hencke als erste große Domorgel errichtet.
geln dem Charakteristikum der Romantik verpflichtet, Ihre kleine, provisorische Vorgängerin (ein kleines
was auch seine Lehrjahre bei folgenden namhaften Positiv mit 4 Registern) konnte 1990 auf der Empore
Orgelbauer beweisen: Walker (Ludwigsburg), Jähmlich der Temeswarer Barmherzigenkirche entdeckt werden.
(Dresden), Dinze (Berlin), Weigle (Stuttgart), Hick- Doch davon sind nur einige Teile erhalten geblieben
mann (Dachwig bei Erfurt), Goll (Luzern), Kaufmann wie das Spundbrett mit dem Namenszug ihres Erbau-
(Dresden), Giesecke (Göttingen) und Laukhuff (Wei- ers.
kersheim). Die erste Domorgel fügte sich harmonisch in die Ar-
Richard Wegenstein (*10. Juni 1886, +24. März 1970 chitektur der Domkirche: das Licht strahlte vom hinte-
Temeswar) war schon zum Beginn des 20. Jahrhun- ren Kirchenfenster hell in den etwas dunklen Raum, die
derts Mitinhaber der Orgelbaufirma seines Vaters Leo- Dommusik hatte hinter und seitlich der Orgel genü-
pold. Er hat die Domorgel 1936 renoviert und die Dis- gend Platz und an der Wand hang ein altes Ölgemälde
position teilweise im Sinne der damaligen Orgelbewe- mit der Heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenmu-
gung verändert. Auch die anderen beiden Söhne C. L. sik. An dieser Domorgel wirkten bereits im 18. und 19.
Wegensteins waren als Orgelbauer tätig: Josef We- Jahrhundert bedeutende Musiker, wie Joseph Kratoch-
genstein (*4. März 1894, +14. Juni 1930 Temeswar) will, Franz Limmer, Wilhelm Franz Speer, Martin No-
und Viktor Wegenstein (*9. Juni 1901, +23. Okt. 1964 vacek, Franz Seraphin Vilhar und nicht zuletzt Deside-
Temeswar). Der letzte Nachkomme dieser Orgelbauer- rius Jarosy. Diesem ist es auch zu verdanken, dass der
familie ist Josef Wegenstein jun. der z.Z. in Weikers- Orgelneubau 1908 zustande kommen konnte. Bischof
heim lebt und viele Jahre bei der Orgelbaufirma Lauk- Alexander von Dessewffy finanzierte fast vollständig
huff wirkte. diesen Bau, sein Wappen befindet sich noch heute
Bereits im Jahre 1913 erschien in Temeswar zum sichtbar am Prospekt der heutigen Domorgel. Jarosy
zwanzigjährigen Firmenjubiläum eine Broschüre mit war nicht nur als Domkapellmeister, sondern auch
den bis dahin 122 Orgeln von Leopold Wegenstein. Herausgeber mehrerer Kirchenmusikzeitschriften tätig,
Das Heft beinhaltet auch kritische Berichte von Lajos unterrichtete an der Budapester Musikhochschule und
Schmidthauer und Franz Kersch, zwei der bedeutends- konzertierte als Organist. Er galt in seiner Zeit als einer
ten Organisten Ungarns. Bis zum Jahre 1945 verließen der bedeutendsten Musikwissenschaftler Ungarns. In
über 300 Instrumente die Temeswarer Orgelbauwerk- seinen Orgelkonzerten erklangen regelmäßig die neues-
statt. Durch den Krieg und die danach folgende Ver- ten Werke zeitgenössischer Orgelmusik. Dem entspre-
staatlichung aller Betriebe musste man die Produktion chend wurde auch die Disposition der Domorgel (d.h.
von Orgeln einstellen. Damit endete eine fast 250 Jahre die Zusammenstellung der Register und Klangfarben)
dauernde Tradition des Banater Orgelbaus. Zu den dem Geschmack seiner Zeit angepasst.
letzten Orgeln Wegensteins zählen jene in der Elisa- Wegenstein war damals nicht der einzige Orgelbauer
bethstadt (1939) und in Heltau (bei Hermannstadt, des Banats. Um das Jahr 1900 wirkten in dieser Region
Siebenbürgen). der k.u.k. priv. Hof-Orgelbauer Johann Dangl (Arad),
22
August Hromadka, Georg Joseffi (Orgel- und Drehor- der Diözese wie auch für die Firma selbst. Die Orgel
gelbauer), Anton Petrof (Harmoniummacher), Franz hatte 46 Register, verteilt auf 4 Werken. Gegen Ende
Renner. Dazu kam noch die Konkurrenz durch die des Ersten Weltkriegs wurden alle Zinnpfeifen der
Orgelbaufirma Josef Angster in Pécs / Fünfkirchen Orgeln wie auch die meisten Kirchenglocken für
und Otto Rieger aus Budapest. Doch kann man fest- Kriegszwecke requiriert. Nur die Temeswarer Domor-
stellen, dass sich Wegenstein nicht nur im Banat son- gel blieb davon verschont, da es sich um ein künstle-
dern auch in vielen Teilen Siebenbürgens, Ungarns und risch wichtiges und wertvolles Instrument handelt. In
später auch Rumäniens behaupten konnte. der Zwischenkriegszeit wirkte an dieser Orgel u.a. auch
Wegenstein nannte damals seine Firma: Erste südun- der Organist und Chorleiter Franz Waschek. Bevor er
garische pneumatische Orgelbauanstalt. Wegenstein nach Amerika auswandern wollte, machte er an den
damals drei größten Orgeln Temeswars (Innenstadt,
selbst baute nicht nur Orgeln, sondern verrichtete auch
Fabrikstadt, Dom) jeweils ein Foto, es ist das älteste
andere Aufgaben, wie es in einer Werbung aus dem
uns erhaltene Bild der Domorgel.
Jahre 1893 hieß: In meiner Orgelbau-Werkstätte wer-
den alle in das Orgelbaufach einschlagenden Arbeiten Beifall aus Wien
auf das Rascheste effektuirt. Insbesondere empfehle ich
mich zur Anfertigung von Kirchenorgeln in allen Am 25. Oktober 1909 gab Domorganist Desiderius
Dimensionen, Drehorgeln, Drehharmonikas u. Har- Jarosy ein Orgelkonzert an der neu erbauten Orgel. In
moniums, sowie alle Gattungen Clavierarbeiten und der Wiener Zeitschrift für Instrumentenbau erschien
Clavierreparaturen. Clavierstimmungen werden auf ein euphorischer Artikel über dieses neue Instrument.
Wunsch sofort durch mich vorgenommen und leiste Daraus ist ersichtlich, dass Wegenstein als Orgelbauer
damals weit und breit einen guten Namen genossen hat
ich für all meine Arbeiten Garantie. (…) Kirchenor- und dass sich sein pneumatisches System mit all den
geln und Harmoniums werden nach Angabe in allen patentierten Neuerungen erfolgreich war. In diesem
Dimensionen angefertigt. Artikel heißt es u.a.:
Zum vollen Gelingen trug natürlich auch die präch-
tige Orgel bei. Dieselbe wurde im Frühjahr 1908 von
der Orgelbauanstalt Wegenstein & Sohn in Temesvár
erstellt, als drittes dreimanualiges Werk genannter
Firma für das verhältnismäßig kleine Temesvár. Die
Orgel enthält auf drei Manualen verteilt 46 klingende
Register. Der Spieltisch, in vornehmer Einfachheit
weist in übersichtlicher, praktischer Anordnung sämt-
liche Neuerungen des modernen Orgelbaus auf, wie
dreifache freie Kombinationen (dieselbe Einrichtung
fand ich auch bei den meisten zweimanualigen Orgeln
der Firma, wie in Budapest, wo in der dortigen Herz-
Jesu-Kirche ein wahres Prachtwerk der Firma steht. So
auch in Maria-Radna, Großwardein, Szegedin, überall
Ein „kreditwürdiges“ Unternehmen
die dreifache freie Kombination). (…)
Die sinnreiche Verbindung des Spieltischdeckels mit
Durch die Folgen des Zweiten Weltkriegs, der Ver-
dem Ausschalter des Elektro-Ventilators dürfte auch
staatlichung der gesamten Wirtschaft Rumäniens wie
ziemlich vereinzelt dastehen. Schließt man den Spiel-
auch wegen der Situation der Kirche musste die Tätig-
schrank, stellt sich auch selbsttätig der Motor ab. Ein
keit der Orgelbaufirma Wegenstein eingestellt werden.
Pollrich-Ventilator versorgt das Werk mit dem reichen
Schon in den letzten Kriegsjahren mussten anstatt Or-
Quantum Luft, und die sachgemäß verständige An-
gelbau- nur noch Tischlereiarbeiten ausgeführt werden.
ordnung von vier großen Regulatoren gestattet, den
Die ganzen Firmenunterlagen gingen dabei verloren
Registern und tiefen Oktaven Wind von verschiede-
oder wurden beschlagnahmt. Um so wichtiger sind
nen Stärken zu geben, wobei ich aber bemerke, daß als
daher die Unterlagen, die sich heute bei der Firma
Winddruckmaximum 90 mm Wassersäule nicht über-
Laukhuff in Weikersheim befinden und deren Bezie-
schritten werden. (Also keine Nebelhörner und Kano-
hungen zu Wegenstein ab etwa 1890 bestätigen. Diese
nenschüsse.) Die Intonation ist großartig, und die
Unterlagen beruhen meist aus Recherchen der Aus-
schöne orchestrale Disposition des Werkes gab den
kunftei W. Schimmelpfeng in Budapest. Darin kann
Erbauern Gelegenheit, ihr frei musikalisches Ver-
man das stätige Wachsen dieses Betriebs beobachten,
ständnis ins siegreiche Treffen zu senden.
bis zu der Feststellung, dass es sich um ein ernstes und
Es würde zu weit führen, wollte ich die ganze Palette
kreditwürdiges Unternehmen handele, das in der Zwi-
von musikalischen Farbtönen zergliedern. Dass Regis-
schenkriegszeit bis zu 30 Angestellte zählte.
ter für Register gut gelungen ist steht außer Zweifel.
Überraschend wirkt auch die präzise scharf rhythmi-
Die Disposition der Domorgel
sche An- und Abschlag bei voller Orgel; da gibt es kein
Schmieren und Wischen bei 1/16 Pedalpassagen. Klar
Die Temeswarer Domorgel hat die Opuszahl 100 er-
und deutlich wie Perlen reiht sich Ton an Ton, und ich
halten, schon deren Bedeutung wegen für die Tschana-
23
möchte Herrn Rupp nur einmal empfehlen, zu uns funden. Natürlich kann man diesem pneumatischen
nach Temesvár zu kommen und die von ihm so sehr System viele Schwachstellen zusprechen, doch die Te-
verlästerte Pneumatik eingehend zu prüfen. Es ist nur meswarer Domorgel hat es bewiesen, dass auch diese
schade, dass bei uns solche Orgelkonzerte als Aus- Traktur die Zeiten überstehen kann. Das große Prob-
nahmszustand gelten: an guten Orgeln fehlt es nicht. lem liegt aber in der Wartung dieser Orgeln, da die
Abgesehen von dem hohen musikalisch-ethischen Wert heutigen Orgelbauer mit dieser Bauweise nicht mehr
wirken sie auch indirekt zur Hebung, Anspornung vertraut sind. Und die Temeswarer Domorgel würde
und Verfeinerung der Orgelbaukunst. (Franz Moll) dringend nach 100 Jahren eine Gesamtrenovierung
benötigen.
Und doch lebt die Pneumatik Was ist so besonders an dieser Orgel? Erstens deren
Klang, der früher durch die vielen verschiedenen 8-
Die pneumatische Traktur der Temeswarer Orgel hat Fuß-Register noch interessanter war. Trotz der pneu-
ihrer eigenartigen Bauweise wegen 100 Jahre überlebt. matischen Traktur, kann man – bei einer guten Funkti-
Bereits seit der Zwischenkriegszeit hat man sich von onsweise – auch technisch schwierige Passagen prob-
der pneumatischen Traktur im Orgelbau verabschiedet lemlos bewältigen. Wegenstein war einer der letzten
und nur noch Orgeln mit mechanischer und elektri- großen Meister der Pneumatik und die Temeswarer
scher Traktur erbaut. Die Zerstörungen während des Domorgel kann als sein Meisterwerk betrachtet wer-
Zweiten Weltkriegs und die Neubauten in Deutschland den. Hoffen wir, dass in der nahen Zukunft diese be-
nach 1945 führten zu einem Aussterben selbst histo- deutendste Orgel des gesamten Banats wieder in ihrer
risch wichtiger pneumatischer Orgelwerke. Die pneu- vollen Pracht erklingen wird: Zum Lob Gottes und zur
matischen Orgeln wurden als gänzlich untauglich emp- Freude der Menschen.

Ensembles

Der Chor aller musikbegeisterten Kronstädter. Ein Rückblick auf Höhen


und Tiefen in den 75 Jahren seit Bestehen des Bachchors
Von Thealinde Reich (ADZ, 24.10.2008)

Kronstadt steht in diesen Tagen unter dem Zeichen Oratorien problemlos hätte bewältigen können. Dafür
des Musikfestivals „Musica Coronensis“, das insbeson- fehlte es einerseits an ausreichendem musikalischen
dere auch auf die Werte der siebenbürgischen Musik Können, aber auch an der Bereitschaft, sich dieser
aufmerksam machen will. Gleichzeitig ist es Ausdruck Musik zu widmen. Den musikalischen Teil der Gottes-
der lebendigen und vielfältigen Musikpflege in dieser dienste sowie die Hochfeste bestritt der Schülerkir-
Stadt, zu der ein Ensemble in besonderer Weise bei- chenchor mit mehrstimmigen Liedersätzen meist ro-
trägt: Es ist der Kronstädter Bachchor. An seine Grün- mantischen Charakters. Der Kronstädter Männerge-
dung vor 75 Jahren wurde bereits durch Veranstaltun- sangverein, der trotz des irreführenden Namens auch
gen erinnert, aber das Jubiläum bietet bestimmt auch über einen gemischten Chor verfügte, führte außer
Anlass, um einen eingehenderen Rückblick auf ein Liedertafelchören zwar auch Werke größeren Ausma-
Dreivierteljahrhundert musikalischen Wirkens zu wer- ßes aber lieber Ausschnitte aus Opern oder Operetten
fen. auf.
Nach seinem Tod im Jahr 1750 gerieten die vokal- Die Zeit war also reif für die Gründung des Bach-
instrumentalen Werke Johann Sebastian Bachs in Ver- chors. In der Urkunde, die selbige 1933 belegt, werden
gessenheit und erst die denkwürdige Wiederaufführung 25 Gründungsmitglieder erwähnt, und als Inventar ein
der Matthäus-Passion unter der Leitung von Felix Cembalo, zwei Bach-Trompeten sowie verschiedene
Mendelssohn-Bartholdy im Jahr 1829 führte zur Be- Notensammlungen. Sehr schnell eroberte der Chor
gründung der heute so selbstverständlichen Bach- einen festen Platz im Kronstädter Musikleben, was
Tradition. In Siebenbürgen sollte es noch etwa 100 sicherlich der ausgezeichneten musikalischen Qualität
Jahre länger dauern, bevor das Publikum mit den Wer- der Sänger und Sänge-rinnen, aber auch Bickerichs
ken des Meisters in Berührung kam. Es bedurfte der mitreißender Dirigentenpersönlichkeit zu verdanken
Anwesenheit eines Zugewanderten, um die Siebenbür- war. Für die folgenden Jahre kam es zur festen Abfolge
ger mit viel Geduld an die Bachsche Musik heranzu- dieser Werke: Weihnachtsoratorium zu Weihnachten,
führen: Victor Bickerich, ab 1922 Kantor der Honte- Matthäus- oder Johannes-Passion zu Ostern, und zum
rus-Gemeinde, während vierer Jahrzehnte die prägende Totensonntag das Mozart-Requiem.
Gestalt im Kronstädter Musikleben, verfasste Artikel, Der Ruhm des Chors drang über Siebenbürgen hin-
hielt Vorträge, um die Zuhörer auf die damals als aus bis nach Bukarest, so dass der in der Hauptstadt
schwer zugänglich empfundenen Werke einzustimmen. stationierte rumänische Rundfunksender mehrere Kon-
Zur Zeit seines Dienstantritts in Kronstadt verfügte zerte aufnahm und sendete. Es kam zu wiederholten
Bickerich über keinen Klangkörper, der die großen Einladungen nach Bukarest, wo der Chor 1935 zum
24
ersten Mal im Athenäum sang. Sogar die rumänische men auftreten. Die Securitate beobachtete Bickerichs
Königin beehrte die Aufführenden mit ihrer Anwesen- Tätigkeiten. 1952 folgten in Kronstadt Evakuierung
heit, und der Musikchronist der Zeitung „Vremea“ war und 1958 der Schwarze-Kirche-Prozess, bei dem der
stolz, „dass das Ausland aus Rumänien ein wahrhaft Stadtpfarrer Konrad Möckel und andere Gemeinde-
westeuropäisches Konzert hörte“. So kam dem Bach- mitglieder verhaftet wurden, was auch unter den
chor und seinem Leiter eine bedeutende Rolle als Ver- Chormitgliedern Angst säte. Natürlich wirkten sich
mittler deutscher Musik im südosteuropäischen Raum diese Umstände auch auf das Repertoire des Chores
zu. aus, so dass einige Jahre leichtere und kürzere Werke
Die Anfänge des Bachchors waren in gewissem Sinne erklangen, wie z.B. eine Passion von Schütz in der ro-
auch seine Glanzzeit. In die dreißiger Jahre fiel außer mantischen Bearbeitung Karl Riedels.
den Bukarester Konzerten auch ein groß angelegtes Der verehrte Meister Victor Bickerich übergab 1962
Siebenbürgisches Bachfest, das zur 250. Wiederkehr sein Amt an Walter Schlandt und seither liegt es in den
des Geburtstages von J. S. Bach veranstaltet wurde und Händen dieser Familie. Walter Schlandt leitete den
an dem der Bachchor mit der Matthäus-Passion und Bachchor von 1962 bis 1965, es folgte sein Sohn E-
der Kantate „Also hat Gott die Welt geliebt“ beteiligt ckart, der das Schicksal des Chors 39 Jahre lang be-
war. stimmte und seit 2004 ist wiederum dessen Sohn Stef-
1937 unternahm der Chor aus Anlass der fünften Ta- fen Schlandt begeisterter Kantor und Chorleiter. Das
gung der Auslandsdeutschen eine denkwürdige „Tauwetter“ der sechziger Jahre führte zu einer Art
Deutschlandreise, während der auch Werke siebenbür- „Normalität“, auch innerhalb des Bachchors.
gischer Komponisten, wie die „Trauerkantate“ von Bald waren die Aufführungen der großen Oratorien
Paul Richter oder „Gelübde“ von Rudolf Lassel zu wieder möglich. Eckart Schlandt hatte sich auch die
Gehör gebracht wurden. Einstudierung neuer Werke zum Ziel gesetzt, und so
Durch die politischen Ereignisse der Folgezeit erlitt erlebte der Chor in der langen Zeit seiner Tätigkeit eine
natürlich auch der Bachchor tiefe Einschnitte. Wäh- deutliche Repertoire-Erweiterung. Der „Messias“ von
rend des Krieges fielen die Proben des Chors teilweise Händel, „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am
aus, weil der Probenraum für Lazarettzwecke genutzt Kreuz“ und „Die Schöpfung“ von Haydn, mehrere
wurde. Junge Männer wurden an die Front eingezogen, Bachmotetten, Schütz’ „Musicalische Exequien“ oder
der langjährige Christus-Darsteller Alfred Witting kam Brahms’ „Deutsches Requiem“ sind nur einige Beispie-
bei einem Bombenangriff der Alliierten ums Leben. le. Das größte Problem, mit dem der Chor(leiter) zu
Die Zeit von 1944 bis 1946 verbrachte Bickerich in kämpfen hatte, war ab den 70er Jahren die Auswande-
einem Arbeitslager. Zahlreiche Chorsänger wurden rung und 1990 der Massenexodus der Siebenbürger
nach Russland deportiert und es ist ein Wunder, dass Sachsen, was natürlich auch unter den Chorsängern
im April 1946 immerhin 39 Sänger und 14 Zuhörer in gelichtete Reihen zurückließ. Kaum hatte man die Ein-
einem Kronstädter Privathaus zusammenkamen, um studierung eines Werks abgeschlossen, verließen die
die Matthäus-Passion zu singen und in ihr Trost zu Chorsänger das Land und mit den nächsten musste
finden. man wieder von vorn anfangen. Um den Bachchor zu
Bickerich kehrte im Mai 1946 nach Kronstadt zu- „regenerieren“, wurde 1993 der Baby-Bachchor ge-
rück, nahm seine Tätigkeit wieder auf, und auch der gründet, eine Gruppe aus 14- bis 16-jährigen Sängern,
Bachchor studierte bald wieder neue Werke ein. Aller- die einerseits den Bachchor tatkräftig unterstützte und
dings bestand er jetzt vor allen Dingen aus alten Sän- andererseits auch ein eigenständiges Repertoire einstu-
gern, die nicht nach Russland deportiert worden waren; dierte.
bald erhielt er aber Zulauf von Schülern und Studenten, Heute hat sich die Zusammensetzung des Chors ge-
so dass der „Junge Bachchor“ gebildet werden konnte. wandelt. Mitglieder sind nicht mehr nur diejenigen der
Die erschwerten Bedingungen trübten den Enthusias- Honterus-Gemeinde, sondern musikbegeisterte Kron-
mus der Sänger wenig, z.B. unternahmen sie, wie früher städter aller Bevölkerungsgruppen. Der Baby-
der Schülerkirchenchor, „Sendfahrten“ in die umlie- Bachchor, inzwischen Jugendbachchor umbenannt, hat
genden Dorfgemeinden des Burzenlandes, um dort im sich als bedeutende Stütze des großen Chors bewährt,
Gottesdienst zu singen und die Dorfbewohner in einer tritt außerdem bei Festivals für Alte Musik auf und
Zeit seelischer Bedrängnis zu unterstützen. unternimmt Tourneen ins Ausland. In seinem jungen
Bickerich hatte mit verschiedenen Problemen zu Leiter Steffen Markus Schlandt hat der Bachchor einen
kämpfen, z.B. hatte er nach der Zerschlagung der Phil- neuen Meister gefunden, der das Werk seiner Vorgän-
harmonischen Gesellschaft kein Orchester mehr zur ger respektiert und voller Elan weiterführt. Es wird ihm
Verfügung, so dass er sich eins heranziehen musste, sicherlich gelingen, in den – so wünschen wir es ihm –
indem er musikalisch begabte Schüler dazu aufforderte, langen Jahren seiner Amtszeit mit dem Bachchor noch
auch seltenere Instrumente zu erlernen. Ab 1949 konn- so manche Klippe zu umschiffen.
te der Bachchor nur noch im gottesdienstlichen Rah-

25
Freude am Gesang führt Menschen zusammen
Elftes Bundestreffen der Banater Chöre und Singgruppen
Von Walter Wolf

Das von unserer Landsmannschaft seit über zehn wirkenden, an die Sänger und Chorleiter und an die
Jahren veranstaltete Chortreffen hat längst seinen fes- Kreisverbände und Heimatortsgemeinschaften, die
ten Platz im Veranstaltungskalender der Banater Chöre durch ihre Unterstützung den Erhalt der Chöre und
und Singgruppen eingenommen. Seit mehreren Jahren Singgruppen ermöglichen. Einen besonderen Dank
ist nun schon Gersthofen bei Augsburg der Treffpunkt sprach er Dr. Swantje Volkmann aus, der Kulturrefe-
der sangesfreudigen Banater geworden. Die moderne rentin für Südosteuropa, für die finanzielle Förderung
Stadthalle bietet ausgezeichnete Bedingungen für das des Chortreffens. Mit diesen nun schon seit mehr als
große Chorkonzert, auf das sich Interpreten und Zu- zehn Jahren regelmäßig stattfindenden Konzerten ist es
schauer gleichermaßen freuen. Für die Chöre ist die gelungen, ein Stück Banater Kulturtradition nicht nur
Teilnahme am Treffen kein „Kräftemessen“ und auch zu erhalten, sondern auch in die neue Heimat zu ver-
kein Wettbewerb. Dennoch ermöglicht bei solchen pflanzen und zu beleben. Die Unterstützung des Kul-
Anlässen ein kritischer Blick auf die anderen und sich turreferates war dafür entscheidend.
selbst Vergleiche und eine bessere Einschätzung der Der Bundesvorsitzende äußerte sich zuversichtlich
eigenen Leistungen. Zu sehen, wie es „die anderen“ hinsichtlich der Zukunft des Banater Chorgesangs und
machen – manchmal etwas besser und manchmal auch unterstrich die Bereitschaft des Bundesvorstandes,
nicht – hilft, Schwierigkeiten zu überwinden und Lö- diese Form der kulturellen und sozialen Vereinstätigkeit
sungen für Probleme zu finden. Anregungen zur Ges- auch künftig zu fördern. Auch gab er bereits den Ter-
taltung des Repertoires, der Proben und Aufführungen min für das nächste Chortreffen bekannt: Es ist der 11.
bis hin zu Fachgesprächen zwischen den Chorleitern Oktober 2009.
gehören ebenfalls zu der „Ernte“ dieses Herbsttreffens Peter-Dietmar Leber, Bundesgeschäftsführer der
der Chöre. Landsmannschaft und Vorsitzender des Landesverban-
des Bayern, der auch in diesem Jahr durch das Pro-
gramm führte, konnte insgesamt zehn Chöre vorstellen.
Die Namen der Chöre in der Reihenfolge ihres Auf-
tritts: der Banater Chor aus Karlsruhe (Leitung: Hanne-
lore Slavik), der Darowaer Kirchenchor Spaichingen
(Erich Meixner), der Chor des Kreisverbandes Stuttgart
(Hildegard Mojem), der Banater Chor aus Würzburg
(Anni Loch), der Männerchor aus Karlsruhe (Helmut
Meinhardt), der Chor der Banater Senioren aus Ingol-
stadt (Nikolaus Huss), der Banater Chor aus Traunreut
(Susanne Ballmann), der Banater Chor aus Rastatt
(Walter Berberich), der Banater Chor Reutlingen (Hans
Neu) und der Chor der Donaudeutschen Landsmann-
schaft Frankenthal (Katharina Eicher-Müller). Auch
Der Darowaer Kirchenchor, Spaichingen,
diesmal haben die einzelnen Chöre mit ihren Darbie-
geleitet von Erich Meixner tungen ein abwechslungsreiches Konzert gestaltet. Die
Tatsache, dass beim diesjährigen Sängertreffen weniger
Ein Grußwort an die Teilnehmer der Großveranstal- Chöre als sonst dabei waren, hatte auch eine positive
tung richtete Karl Heinz Wagner, der zweite Bürger- Seite. Den einzelnen Singgemeinschaften stand so
meister der Stadt Gersthofen. Er gab seiner Freude mehr Zeit zur Verfügung, und jeder Chor konnte vier
Ausdruck, dass von den insgesamt elf Banater Chor- Stücke zu Gehör
treffen sieben in Gersthofen stattgefunden haben und Bringen, bislang waren es nur drei. Was den Zuhö-
würdigte das Bemühen um die Pflege des heimatlichen rern in dem dreistündigen Konzert dann geboten wur-
Liedgutes. Der Ehrengast wünschte den Sängern viel de, das war schon beachtlich. Neben vielen schönen
Erfolg und sprach eine Einladung für das Chortreffen Volksliedern erklang so manche Weise, die man noch
im nächsten Jahr aus. aus dem Banat kannte, wie auch anspruchsvolle Stücke
Der Bundesvorsitzende Bernhard Krastl begrüßte aus der klassischen deutschen und internationalen
ebenfalls alle Teilnehmer des Treffens und wies auf den Chorliteratur und nicht zuletzt auch einige kirchenmu-
hohen Stellenwert hin, den der Chorgesang im kulturel- sikalische Werke. Hervorzuheben ist das Bemühen der
len Geschehen der Landsmannschaft einnimmt und auf einzelnen Chorleiter, das vorhandene Stimmpotential
die Impulse, die von dieser Großveranstaltung ausge- voll auszuschöpfen und für eine gefällige Präsentation
hen. Der Bundesvorsitzende richtete seinen Dank an zu sorgen. Dazu gehören auch der Einsatz von Begleit-
alle Mit- instrumenten und der Auftritt von Solisten. Für ihre
Soloeinlagen ernteten besonders die Chöre aus Karls-

26
ruhe, Würzburg, Traunreut, Rastatt und Frankenthal Das dankbare Publikum – es war auch diesmal be-
viel Applaus. sonders zahlreich erschienen – wusste die Leistung der
Die Banater Chöre haben sich im Laufe der Jahre ein Sänger auf der Bühne zu schätzen und geizte nicht mit
reichhaltiges Repertoire erarbeitet und sind zu unver- Beifall. Das schönste Kompliment jedoch, das die Chö-
zichtbaren Begleitern der kulturellen Vereinsarbeit vor re erhielten, war das Einstimmen des Saals in den Ge-
Ort geworden. Sie treten auf bei verschiedenen lands- sang. Einige Male sprang der Funke der Begeisterung
mannschaftlichen Feiern, nehmen an Wallfahrten teil über, und die Zuschauerränge verwandelten sich in
und sind Mitgestalter von Gottesdiensten; entspre- einen Riesenchor. Die Freude an der Musik prägte den
chend breit gefächert ist auch ihr Repertoire. Was allen schönen Herbstnachmittag in Gersthofen und ließ die
Chören Sorge bereitet, ist der Nachwuchs. Mit jedem Zeit wie im Fluge vergehen.
Jahr, das vergeht, wird das Durchschnittsalter der Sän- Voraussetzung für eine gelungene Veranstaltung ist
ger höher. Die Zahl der Neuzugänge ist gering. Für die eine gute Organisation. Und dafür sorgte neben der
Freude am Gesang gibt es hingegen keine Altersgrenze. Bundesgeschäftsstelle der Landsmannschaft auch
Das bestätigen die Banater Chöre immer wieder. Die diesmal wieder vor Ort ein Team beherzter Landsleute,
Freude am Mitmachen und die gemeinsame Leistung die sich um die Betreuung der Chöre und den reibungs-
ist es, worauf es ankommt. losen Ablauf der Veranstaltung bemühten.

Musikwissenschaft

Kulturelle Interferenzen. Zum Beitrag deutscher und österreichischer Mu-


siker zur Entwicklung der rumänischen Chormusik während der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts
von Ozana Alexandrescu (Bukarest)

Aus historischer Perspektive hat Rumänien während Herausbildung einer neuen Schicht im Abendland
der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts geschulter Intellektueller, den Anwuchs des Lehrstoffes
entscheidende Umgestaltungen erfahren, die die sowie durch eine beträchtliche Erweiterung der
politischen und sozialen Ausgangsbedingungen Zugangsmöglichkeiten zu kulturellen Aktivitäten. Auch
elementar neudefinierten. Zu dieser Entwicklung haben auf dem Gebiet der Musik manifestierte sich eine
nicht zuletzt die europäischen Revolutionsbewegungen kulturelle Neuorientierung auf mehrfache Weise.
von 1848 beigetragen, deren Ideale die rumänischen Außerhalb der siebenbürgischen Grenzen hatte in
Erneuerer teilten. Durch die Vereinigung der beiden den rumänischen Ländern die professionelle
Fürstentümer Walachei und Moldau im Jahre 1859 Musikausbildung größtenteils auf orientalischen
verwirklichte sich der Wille der dort ansässigen Traditionen beruht, so dass eine Neuausrichtung der
rumänischen Bevölkerung. Im neuen historischen Musik nach europäischem Vorbild die Präsenz
Kontext führte der Fürst Alexandru Ioan Cuza ausländischer Professioneller zur Bedingung hatte. Die
Reformen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens Musiker aus den Gebieten des Habsburger Reiches, die
durch, mit dem Ziel die rumänischen Länder in die sich nun hier niederließen und leitende Funktionen
Gegenwart Europas einzuleiten. Diese Politik der übernahmen, waren folglich herzlich willkommen, sei
Angleichung des jungen Staates, der zuvor es, dass sie als Instrumentalisten, Arrangeure,
Jahrhunderte lang unter osmanischer Vorherrschaft Komponisten, als Orchesterdirigenten von
gestanden war, an das europäische Abendland setzte Fanfarenzügen, Theatergruppen oder von öffentlichen
Cuzas Nachfolger, der deutsche Prinz Karl von Konzerten, als Lehrer oder Musikwissenschaftler
Hohenzollern Sigmaringen, fort. Seine Regierungszeit, wirkten. Die ausländischen Musiker engagierten sich
die von 1866 bis 1914 reicht, ist die längste in der für die Bildung von Institutionen des
Geschichte Rumäniens. Innerhalb dieser Spanne kam Musikhochschulwesens und für die Formung des
es unter anderem 1877 zum russisch-türkischen Krieg, Kunstsinns der Öffentlichkeit durch Konzertaktivitäten
in dem Rumänien – als Alliierter Russlands – die und Kompositionen, die in unterschiedlichen Sparten
Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich gewann, der Kunstmusik ein Repertoire bereiteten, das im
sowie 1881 zur Proklamation des Königreichs Vergleich zu den autochthonen Kreationen völlig neu
Rumäniens. In einigen Jahrzehnten veränderten sich war. Ein Großteil der Kompositionen dieser Künstler
also die historischen Ausgangsbedingungen radikal – ist speziell als Kammermusik geschrieben – für Klavier,
Veränderungen, die sich in allen Bereichen und für Geige und Klavier oder für Singstimme und
selbstverständlich auch in denen des kulturellen Lebens Klavier: diverse typische Besetzungen, die von einem
spürbar machten. Die Umwandlungserscheinungen in kleineren Kreis von Kammermusikern gespielt werden
speziell dieser Sparte wurden begünstigt durch die konnten. Einige Instrumentalisten, die gleichzeitig

27
pädagogische Aufgaben innehatten, komponierten des Herzogs von Nassau und nahm anschließend, als er
didaktische Stücke, die zum Lehren notwendig waren. nach Rumänien gekommen war, am rumänischen
Eines bemerkenswerten Interesses erfreute sich das Unabhängigkeitskrieg gegen die Türken teil. Dessen
Vaudeville des Musiktheaters, die Gattung mit der Heldentaten inspirierten ihn zu den Märschen
größten Zielgruppe, da es großen Teilen der "Trecerea Dunării" (Die Überquerung der Donau) und
Stadtbevölkerung zugänglich geworden war. Einen dem von Karl dem Ersten sehr geschätzten "Marşul
hohen Anteil hatten auch Stücke für Fanfarenzüge, da Plevnei" (Plewenischer Marsch), der wöchentlich vor
diese Blasorchester sowohl Musik für offizielle Anlässe dem Königspalast in Bukarest exerziert wurde.
als auch Unterhaltungsmusik auf öffentlichen Der 1831 in Graz geborene Wilhelm Humpel
Konzerten spielten. Stücke, die in dieser Zeit für studierte in seiner Heimatstadt und wirkte später im
Symphonieorchester geschrieben wurden, beschränken siebenbürgischen Kronstadt als Flötenspieler und
sich auf Ouvertüren, einige Konzerte und einige wenige Dirigent des Männergesangvereins. Am
Versuche für gesangssymphonische Arbeiten. Konservatorium von Jassy lehrte er zwischen 1876 und
Von größter Bedeutung ist meiner Meinung nach das 1899 Flöte und Chorensemble. Er komponierte für
reichhaltige Chorwerk. Eine Tatsache die sich nicht gemischten Chor "Iată ziua triumfală" (Sieh, welch
zuletzt dadurch erklären lässt, dass Musik, die per triumphaler Tag), ein Stück für festliche Anlässe, sowie
Definition an den literarischen Text gebunden ist, die das der Nationalflagge gewidmete "Tricolorul"
konzentrierteste Form von Kunstmusik darstellt und (Trikolore).
den Zuhörern äußerst leicht zugänglich ist. Die der Die "Hora Unirii", ein der Vereinigung der beiden
autochthonen Tradition fremde Chormusik Fürstentümer gewidmeter Reigen, der jahrzehntelang
repräsentierte auch die adäquateste Methode, um das im rumänischen Bewusstsein verblieb, ist einem
rumänische Publikum im Geiste der europäischen deutschen Musiker zu verdanken, der diesmal in
Musik zu bilden. Dieses Publikum war – um dies zu Rumänien geboren wurde, nämlich 1823 in Jassy. Adolf
präzisieren – homophone Musik gewöhnt gewesen, Carol Flechtenmacher studierte in Wien und Paris
denn auf einer einzigen melodischen Linie beruhten und war Violinist am Wiener Kärtnerthortheater. Er
sowohl die echt rumänische Volksmusik als auch die wird zurecht als einer der Gründerväter professioneller
liturgische Musik byzantinischen Ursprungs, die über Musik in Rumänien angesehen und war der erste
Jahrhunderte hinweg die einzige Art von Kunstmusik Direktor des 1864 eröffneten Bukarester
auf rumänischem Gebiet darstellte. Somit konnten sich Konservatoriums, wo er Harmonielehre und Violine
über die Chormusik, die von ihr vermittelte lehrte. Da das Musiktheater die primäre
Mehrstimmigkeit bzw. Polyphonie und die klassische Unterhaltungsform darstellte, führte Flechtenmacher
Harmonielehre durchsetzen. Dazu trug auch ein
das Vaudeville in Rumänien ein. Seine Werke erfreuten
Gesetzeserlass bei, der zum Ziel hatte, den Einfluss des
sich eines außerordentlichen Erfolges und lösten
orientalischen Musikerbes einzuschränken. Im Jahre
allmählich ausländische Produktionen aus Frankreich
1865 erließ der Fürst Cuza ein Dekret, das vorsah, im
und Italien ab. 1866 fand das erste Symphoniekonzert
Gottesdienst die Musik byzantinischer Tradition,
in Bukarest statt – auf dem Programm standen Haydn,
genannt psaltică, durch Chorgesang zu ersetzen. Mozart und Beethoven – das zur Gründung der
Folglich musste ein Chorrepertoire zusammengestellt Philharmonischen Gesellschaft zwei Jahre später
werden, das allen Anforderungen der Liturgie gerecht führte, die für das Orchester sorgte und den Bau des
wurde – eine Aufgabe, die die deutschen und rumänischen Athenäums in Auftrag gab, das 1888
österreichischen Musiker, die sich in Rumänien eingeweiht wurde und bis heute als kulturelles
niedergelassen hatten, augenblicklich angingen, Wahrzeichen der Hauptstadt Rumäniens einsteht.
obgleich sie nicht orthodoxer Konfession waren. Sie Eines der Chorwerke Flechtenmachers ist somit
konzentrierten sich sowohl auf weltliche als auch auf
verständlicherweise als "Imnul Ateneului", als
liturgische Chormusik und bewiesen dadurch, dass sie
Athäneumshymne betitelt. Erwähnenswert ist auch die
verstanden hatten, an welchem Wendepunkt sich die
große Anzahl an für den liturgischen Gottesdienst
rumänische Musikkultur befand. Erwähnenswert ist
geschriebenen Gesängen, unter denen sich auch zwölf
auch ihr Mut zu einem literarischen Text in der
rumänischen Fremdsprache zu komponieren; einige im Jahre 1886 herausgegebene Axione befinden. Diese
gingen dabei aber noch weiter und gaben zur Lobeshymnen des orthodoxen Gottesdienstes waren
Sammlung von Volksliedern den Anstoß, deren Texte alle jeweils für einen anderen Feiertag bestimmt.
sie teilweise für ihre Musik verwendeten. Den 1833 im ungarischen Bitse-Trenchin geborenen
Natürlich haben die verschiedenen deutschen und Eduard Hübsch führte sein Studium nach Prag und
österreichischen Musiker einen unterschiedlichen Wien. Beschäftigung fand er darauf an den
Beitrag zur Entwicklung der rumänischen Chormusik Opernorchestern der Stadt Hamburg und des Wiener
geleistet: einige komponierten z.B. nur wenige Stücke, Hofes. Nach seiner Ankunft in Rumänien wirkte er (in
die größere Beliebtheit erlangen konnten. Als erstes der Zeit von 1859-1861) als Dirigent des
Beispiel ist Johann Jalowitski zu nennen, der, in Nationaltheaters in Jassy und unterhielt (in den Jahren
Zolkiew (ukrainisch Schowkwa) geboren, in Wien und 1868-1894) eine Stelle als Konzertmeister in der
Prag studierte. Er gehörte in Österreich zum Regiment Rumänischen Philharmonischen Gesellschaft. Zu den

28
Versen eines berühmten Poeten seiner Zeit unterrichtete Harmonielehre. Gleichzeitig fungierte er
komponierte er 1861 die Nationalhymne für Männer- (in den Jahren 1868-1903) als Dirigent und Direktor
und gemischten Chor. Unter dem Pseudonym Carmen des Symphonieorchesters der Rumänischen
Sylva lieferte später die Königin Elisabeth den Text zu Philharmonischen Gesellschaft in Bukarest und (von
einer Komposition für Männerchor, die Hübsch 1878 1891 bis 1908) als Direktor des Kirchenchors
unter dem Titel "Paza Dunării" (Der Schutz der "Domniţa Bălaşa". Sein Chorwerk deckt eine breite
Donau) fertig stellte. Zu Ehren des in Rumänien stilistische Palette ab. Dies veranschaulichen z.B. die
ausgerufenen Königreichs schuf er schließlich 1881 Stücke für vierstimmigen Männerchor "La Gondole
eine triumphale Kantate für gemischten Chor und noire" (1862), "Noaptea e lină" (Die Nacht ist sanft),
Orchester. "Luna doarme" (Der Mond schläft), "Pe lac" (Auf dem
Anton Kratochwil junior wurde 1854 in Brünn See), "Imnul vânătorilor" (Jägerhymne), "Cântec
geboren, studierte am Konservatorium in Prag und war soldăţesc" (Soldatenlied) und "Imnul studenţesc"
Hauptverantwortlicher für Militärmusik in Bukarest. (Studentenhymne). Er verfasste auch viel liturgische
Sein Marsch "Hoch Hohenzollern" wurde mit der Musik – von einzelnen Gesängen wie den Troparions
rumänischen Medaille "Bene Merenti" ausgezeichnet. der Auferstehung ("Troparele Învierii") oder einzelnen
Neben Fanfarenstücken komponierte Kratochwil auch Axionen für verschiedene Feiertage, bis zu kompletten
Chormusik wie z.B. den patriotischen Marsch Liturgien, von denen zwei zweistimmige, eine
"Avântul ţării" (Der Aufwind des Landes). vierstimmige sowie mehrere Varianten der Liturgie des
Karl Rudolf Karras, der 1846 in Böhmen in Heiligien Johannes Chrisosthomos ("Liturghia
Hochgetsch geboren wurde, ließ sich in Temeschwar
Sântului Ioan Chrisostom") mit unterschiedlichen
nieder, wo er von 1871 bis 1889 Direktor des Chors
Stimmenaufteilungen überliefert sind. Eduard
der Philharmonischen Gesellschaft war. Außerdem
Wachmann, der verstanden zu haben schien, dass die
dirigierte er auch den rumänischen Gesangchor, so dass
weitere Entwicklung der nationalen Musikkreation sich
er sowohl zu deutschen als auch rumänischen Texten
auf volkstümliche Quellen stützen würde, stellte zudem
Chormusik komponierte, wie dies z.B. das Werk "Am auch zwei Melodiesammlungen rumänischer
Grabe" (für Männerchor) auf der einen Seite und Volksmusik zusammen.
"Steaua României" (Der Stern Rumäniens), "Imn" Ludwig Anton Wiest, der 1819 in Wien geboren
(Hymne) und "Vals românesc" (Rumänischer Walz) auf wurde, studierte am Wiener Konservatorium für Musik.
der anderen Seite beweisen. In Bukarest hatte er Zeit seines Wirkens mehrere
Eine äußerst bedeutende Rolle spielten in der Ämter inne: zwei Jahrzehnte lang war er
rumänischen Musikgeschichte die beiden Wachmanns, Konzertmeister und Dirigent des Nationaltheaters, von
Vater und Sohn. Johann Andreas Wachmann wurde 1868 bis 1877 Konzertmeister der Rumänischen
1807 in Böhmen geboren und ließ sich in Bukarest Philharmonischen Gesellschaft und von 1864 bis 1888
nieder, wo er als Dirigent einer Theatergruppe und als Lehrer für Geige am Konservatorium. Wiests
Lehrer an der Instrumenten- und Gesangsschule Chorwerke – "Imn de aniversare" (Jubiläumshymne)
wirkte. Er verfasste drei orthodoxe Liturgien: eine für und "Hora ostaşilor" (Soldatenreigen) – gesellen sich
vierstimmigen Männer- und zwei für gleichstimmigen zu einem massiven Korpus an Lehrliteratur, szenischer
Chor. Obgleich eine davon den Titel "d'après les Musik und Stücken für halbsymphonische bzw.
Psaltique" trägt, handelt es sich um klassisch Fanfarenorchester.
abendländische Musik. Ein Musiker, dessen Aktivität bis ins 20. Jahrhundert
Eine Liturgie "dupre ritu orientale" (nach reicht, ist Hermann Kirchner. Er wurde 1861 in
orientalischem Ritus) für Männerchor schrieb auch ein Wölfis bei Gotha geboren und studierte an der
anderer Musiker deutscher Ethnie, der allerdings in Königlichen Hochschule für Musik in Berlin. Nachdem
Hermannstadt geboren wurde (im Jahre 1801). Sein er sich in Siebenbürgen niedergelassen hatte, arbeitete
Name lautete Carl Theodor Wagner und er war er (von 1893 bis 1900) als Dirigent des Mediascher
Musikdirektor des Hermannstädter Musikvereins und Musikvereins und des Hermannstädter
anschließend Dirigent des Nationaltheaters in Craiova. Männergesangvereins (von 1900 bis 1906). Er stellte
In einer Sammlung, die 1886 herausgegeben wurde, drei Sammlungen siebenbürgisch-sächsischer
findet sich auch eine Auswahl, die der Künstler "Din Volkslieder zusammen: der erste Band für Männerchor,
hymnurile Sântei Liturghii" (Aus den Hymnen der der zweite für gemischten Chor und der dritte, 1899,
Heiligen Liturgie) betitelte. "für die Schulen". In den als "Doine româneşti"
Eduard Wachmann, Jahrgang 1836, begann sein (Rumänische Doinen) betitelten Stücken für
Musikstudium bei seinem Vater und setzte es in Wien, Singstimme und Klavier verwendete Kirchner
Dresden und München fort. In Paris studierte er rumänische Folklorequellen, innerhalb denen die
Komposition zusammen mit Gioacchino Rossini. Doina – eine lyrische Gattung etwa einer Ballade
Zurück in Bukarest arbeitete er als Pianist, Arrangeur vergleichbar – von hoher Bedeutung ist.
und Dirigent einer Theatergruppe. Am neugegründeten 1865 in Chotobor in Böhmen geboren, gehörte
Konservatorium löste er Flechtenmacher als Leiter für Anton Sequens, der an der Schola Cantorum in Prag
eine lange Zeit ab (von 1869 bis 1903) und studierte, der gleichen Generation wie Kirchner an. In
29
Rumänien wirkte er als Dirigent der Rumänischen größtenteils für die 1881 in Czernowitz gegründete
Vereinigung für Musik und Gesang in Karansebesch. Gesellschaft "Armonia" schrieb. Unter den zahlreichen
Er sammelte rumänische Volksmusik, komponierte Melodien für Kinder befinden sich neben jenen, die zu
weltliche Chormusik – zum Teil sogar sechsstimmig – rumänischem komponiert sind, auch 74 zu deutschem
sowie fünf Liturgien, von denen die erste auf 1892 Text. Zu den Versen eines bekannten Dichters seiner
datiert und den Zusatz "nach traditionellen Zeit verfasste Mandicevski Lieder für Singstimme und
Kirchenmelodien" trägt. Klavier, von denen es auch nach der Übersetzung von
Den bedeutendsten Beitrag zur Entwicklung der Josef Wiedmann eine Version in deutscher Sprache
rumänischen Chormusik leistete in den letzten gab. Für A-cappella-Chor beziehungsweise Chor und
Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts Eusebius Klavier bearbeitete er Volksmusik deutscher,
Mandicevski, ein Musiker, der beispielhaft die andere ukrainischer und ungarischer, vor allem aber
Seite des Phänomens kultureller Interferenzen rumänischer Herkunft, hier nämlich 200 Volkslieder,
illustriert, wie es in der kosmopolitischen Atmosphäre deren Quelle eine von Alexandru Voevidca
auftrat, die damals Zentral- und Südosteuropa zusammengestellte rumänische Folkloresammlung
kennzeichnete. Der orthodoxe Rumäne Eusebius darstellt. Dieses bedeutende Werk auf volkskundlicher
Mandicevski lebte die ganze Zeit seiner reichhaltigen Grundlage beruhender Chormusik eröffnete in
Arbeit als Komponist, Dirigent, Professor und bemerkenswerter Weise im Bereich des autochthonen
Musikwissenschaftler in Wien. Mandicevski, der sich Schaffens eine neue Richtung, obgleich Mandicevski
dem deutschsprachigen Raum in dem Maße angepasst sich stilistisch im Rahmen der strengen Regeln des
hatte, dass er sogar seinen Brüdern auf deutsch schrieb, Kontrapunktes und der tonalen Harmonie bewegt.
stand zwischen der rumänischen und deutsch- Außerdem schrieb er auch zwölf Liturgien, von denen
österreichischen Musikkultur ähnlich wie George die erste für gemischten vier- und fünfstimmigen Chor
Enescu – der Initiator der rumänischen Schule – auf auf 1880 datiert und den Zusatz "in alten
den später die französische Musikkultur Anspruch Kirchentonleitern" trägt.
erhob. 1857 in Czernowitz als Sohn eines orthodoxen Parallel zu seiner Tätigkeit als Komponist arbeitete
Priesters geboren, unternahm Mandicevski in der Zeit Mandicevski als Musikwissenschaftler und Professor.
des Gymnasiums erste Versuche als Komponist und Ab 1887 unterhielt er eine Stelle als Archivar und
dirigierte eine selbstgeschriebene Kantate in der Bibliothekar bei der Gesellschaft der Musikfreunde, bis
Philharmonischen Gesellschaft von Czernowitz. 1875 er 1896 zum Professor an jenem Konservatorium
schrieb er sich an der Wiener Universität in den ernannt wurde, das ab 1908 Staatsakademie für Musik
Fächern Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und darstellende Kunst hieß. Innerhalb der universellen
und Musikwissenschaft ein, entschloss sich letztlich Musikgeschichte hat Mandicevskis Arbeit als
aber ausschließlich für ein Musikstudium, wobei zu Herausgeber immer noch Referenzcharakter. Er
seinen Professoren unter anderem Eduard Hanslick editierte Bachs Brandenburgische Konzerte, Joseph
und Gustav Nottebohm zählten. Für seine Karriere Haydns Gesamtausgabe, Arbeiten von Antonio Caldara
ausschlaggebend war allerdings sein Treffen mit und – in Fortsetzung des von seinem Professor
Johannes Brahms im Jahre 1879, nach dem der Meister Nottebohm begonnen Projekts – die Zweite
ihn für ein Stipendium mit folgender Begründung Beethoveniana. Für seine Gesamtausgabe der Werke
vorschlug: Franz Schuberts verlieh die Universität Leipzig
Weitaus am meisten zu loben erachte ich Mandicevski den Titel "Doctor sine examine". Die
Mandyczewski, dessen Vorlagen ernstlich erfreulich äußerste Sorgfalt, mit der er dieser Tätigkeit nachging,
sind. Sie zeigen nicht nur in allem, was zu lernen ist, bezeugt auch sein Briefwechsel mit Brahms, dem er an
einen bedeutenden, ruhigen und sicheren Fortschritt; einer Stelle z.B. folgendes berichtet:
sie geben auch Zeugnis von einer Entwicklung seines Heute habe ich mir lange Zeit den Kopf darüber
Talents, die man immerhin nicht berechtigt war zu zerbrochen, ob ich drei Vorspiele, die ich insgesamt für
erwarten. unecht halte, einfach streichen, oder beibehalten soll.
Mit einer reichhaltigen Erfahrung als Dirigent, die er Ich kann nämlich nicht nachweisen, dass sie unecht
als Leiter der Wiener Singakademie, des Faber-Chors, sind; aber mein Gefühl sagt mir`s. Es blieb mir endlich
Hornbostel-Chors, Miksch-Chors, Kupelwieser-Chors nichts, als die billige Ausflucht des Kleinstechens übrig.
und seines eigenen gleichstimmigen Chors, in dem Und was mir die Dichter für Arbeit machen, ist gar
seine Frau mitsang, sammelte, komponierte nicht zu erzählen. Z.B. Schubert sagt, ein "Wiegenlied"
Mandicevski verschiedene Formen von Chormusik. sei von Claudius. Niemand kann das Stückchen dem
Von Kantaten für Chor, Solisten und Orchester, wie
Claudius nachweisen und Nottebohm meint auch es sei
z.B. "Die Gewalt der Harmonie" oder "Im
nicht von ihm, Schubert müsse sich geirrt haben. Aber
Buchenland", über Miniaturen für Kinder und
ist es möglich, daß sich ein Componist wie Schubert,
gleichstimmige Chorwerke für die Schülerinnen des
Mädchengymnasiums in Czernowitz, wo seine der so sorgfältig und so klug für sich die Texte sucht,
Schwester Ecaterina Musik unterrichtete, bis zu und findet gerade was er braucht, dass so Einer sich
Stücken für Männer- und gemischten Chor, die er darin irre? Ich glaube nicht. Solcher und ähnlicher

30
Dinge gibt es hundert. Und erst die musikalischen beispielhaft für die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts
Kleinigkeiten! Das hat kein Ende. vorgestellt habe, wiederholte sich in der zweiten Hälfte
Aus diesen Zeilen geht wie auch aus dem gesamten des 20. Jahrhunderts in umgekehrter Richtung:
Briefwechsel, der bis 1897 anhielt, die tiefe Verbindung Deutsche, aber auch zahlreiche rumänische Musiker,
hervor, die zwischen Schüler und Meister bestand, als die alle in der Musiktradition rumänischer Schule
auch die Hochachtung derer sich Mandicevski seitens ausgebildet worden waren, entschieden sich dafür, den
Brahms erfreute, zumal dieser sonst dafür bekannt war, kommunistischen rumänischen Staat zu verlassen und
seine Zeitgenossen im Allgemeinen nicht besonders im deutschsprachigen Raum zu arbeiten. Durch ihre
hochzuschätzen. Folglich erscheint es nur solide professionelle Ausbildung als auch durch ihre
selbstverständlich, dass Mandicevski die ganz eigene Note rumänischer Originalität bereicherten
Gesamtausgabe Brahms' besorgte. All diese sie das deutsche und österreichische Musikleben und
bedeutenden Leistungen räumten dem rumänischen erfüllten auf diese Weise die moralische Pflicht zur
Musiker einen wohlverdienten Platz neben den Dankbarkeit gegenüber den ausländischen Kollegen,
berühmtesten Namen ein, die für das kulturelle die ein Jahrhundert zuvor zur Entwicklung der
Markenzeichen Wiens als "Hochburg der Musik" rumänischen Musik beigetragen hatten. Man kann nur
einstanden. hoffen, dass dieses Modell des kulturellen
Das Phänomen interkultureller Interferenzen Zusammenlebens im vereinten Europa des 21.
zwischen der deutsch-österreichischen Musiktradition Jahrhunderts Schule macht.
und der rumänischen Kulturumgebung, das ich als

Ein besonderer musikalischer Nachlass


Die Komponisten Wilhelm und Emmerich Schwach
von Dr. Franz Metz

Es war eine merkwürdige Begegnung. Nach meinem


1999 in Bonn gehaltenen Vortrag über Johann Strauss
und seine Konzerte im Banat, stellte sich mir ein älterer
Herr vor: er stammt aus Lugosch und hätte mir interes-
sante Musikdokumente aus dem Nachlass seines Stief-
vaters, Emmerich Schwach, anzubieten. Natürlich
kannte ich den Namen der Lugoscher Musikerfamilie
Schwach, doch hätte ich nie ahnen können, dass ich
gerade in Bonn einen wichtigen Teil Lugoscher Musik-
geschichte vorfinden werde. Kurz und gut: nach einiger
Zeit konnte dieser musikalische Nachlass angekauft
werden, der ansonsten – wie das Schicksal so vieler
anderer Sammlungen bisher – für die Banater Musik-
forschung verloren gegangen wäre. Dieser Nachlass
besteht aus einem Stappel von Manuskripten, Fotos,
einem alten Dirigentenstab und einem besonderen
historischen in Holz geschnitzten Notenpults mit den
Initialen „WS“ und der eingravierten Widmung „Die
wirkenden Mitglieder des Lugoser Gesang- und Musik-
vereins ihrem Chormeister Herrn Wilhelm Schwach
28. Mai 1883“. Grund genug, weitere Forschungen
über die Tätigkeit der beiden Musiker Wilhelm und
Emmerich Schwach einzuleiten. handelt sich dabei um ein kleines Meisterwerk dieser
Wilhelm Schwach (1850-1921) war bis 1877 zweiter Gattung, das gleich nach der Entstehung in vielen Kir-
Kapellmeister des Temeswarer Franz-Josef-Theaters, chen der Banater Diözese in der Fassung mit Orgelbe-
zwischen 1877-1892 leitete er in Lugosch den Gesang- gleitung gesungen wurde. Außerdem komponierte er
und Musikverein und das Symphonieorchester. 1894 eine Festmesse anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des
übernahm er die musikalische Leitung des Lugoscher Lugoscher Minoritenquardians Miksa Pataky, eine Mes-
Gewerbegesangvereins. Er wirkte auch als Pädagoge se, die von seinem Sohn Emmerich Schwach mehrmals
und hinterließ einige Kompositionen. Seine bedeu- bearbeitet wurde. Besonders beliebt war auch sein Va-
tendste Komposition ist das Ave Maria für zwei Solo- ter unser für Bass-Solo, Chor und Orgel. In Budapest
stimmen, Violine und Orgel, entstanden 1909 in Lu- ist in einem Musikverlag sein Walzer für Klavier Edel-
gosch und der Hofrätin Sidonie Burda gewidmet. Es weiss erschienen. Wir wissen außerdem, dass Wilhelm
31
Schwach in der Zeit als Chorleiter des Lugoscher Ge- die Ihnen auch noch in später Zukunft dankbare Erin-
sang- und Musikvereins mehrere kleinere Kompositio- nerung aller Vereins-Mitglieder sichern.
nen geschrieben hat, die bei Konzerten, Serenaden und Sie haben sich auf dem Gebiete des Gesanges und
Chorfesten aufgeführt wurden. Als er starb, befand sich um die Ausbildung unserer Sängerschaft hervorragende
sein Sohn bereits beim Militär in Szeged, wohin man Verdienste erworben, indem Sie den Verein auf jenes
am 28. April 1914 seitens des Lugoscher Gewerbeg- Niveau der Ausbildung und Leistungsfähigkeit gehoben
sangvereins folgendes Beileidstelegramm entsendet hat: haben, dass derselbe für einen der tüchtigsten und
„Aus Anlass des Ablebens Ihres geliebten Vaters, unse- bestgeschulten Gewerbe-Gesangvereine des Landes
res verdienstreichen Ehrenchormeisters, unser tiefes gehalten wird.
Beileid. Wir werden dem Verstorbenen würdige seiner Der phönomenale Erfolg, der der Lugoser Gewerbe-
Verdienste ehren. Gott mit ihm. Lugoscher Gewerbe Liederkranz beim Szegeder Preissingen durch die ein-
Liederkranz. Awender.“ stimmige Zuerkennung des I.ten Siegespreises errungen
Wilhelm Schwach wirkte in jener Zeit als Lugoscher hat, ist ein Beweis dafür, dass unsere brave Sänger-
Chorleiter, als der namhafte Komponist, Pädagoge und schaft vermöge ihrer guten Schulung sich im edlem
Gründer des Gesang- und Musikvereins, Konrad Paul Wettbewerb auch mit den ältesten Vereinen messen
Wusching, als Vorstandsmitglied die Geschicke dieses kann, was unserer Vaterstadt zur stolzen Freude und
Vereins mitbestimmt hat. Schwach war aber nicht nur dem Gewerbestande zur Ehre gereicht.
in deutschen und ungarischen Kreisen der Stadt be- Als genialer Tonkünstler haben Sie in unserem Ver-
liebt, sondern wurde auch von den rumänischen Ein- eine auch die Pflege des Kirchengesanges eingeführt,
wohnern sehr geschätzt. So hat man ihn zeitweise 1881 mehrere seelenerhebend schöne Gesangsmessen kom-
zum Ersatzchormeister des Lugoscher Rumänischen poniert, zur Verherrlichung des Gottesdienstes Ihr
Gesang- und Musikvereins ernannt, als sich Ioan Vidu reiches Können in den erhabenen Dienst der Kirche
für einige Monate in Jassy bei Gravriil Muzicescu für gestellt und hiedurch den edelsten aller Zwecke erfüllt,
eine Fortbildung befand. Schwach führte in dieser Zeit wofür Ihnen fromme Herzen der Gläubigen dankbar
entgegenschlagen.
als Lugoscher Premiere die rumänische Operette Crai
Die General-Versammlung hat daher in Dankbarer
Nou von Ciprian Porumbescu auf. Würdigung Ihrer unverwelklichen Verdienste, die Sie
sich um den Verein erworben haben, Sie einstimmig
und unter begeisterten Eljen-Rufen zum
EHREN-CHORMEISTER
des Lugoser Gewerbe-Liederkranzes erwählt, zu
welch´ wohlverdienter Auszeichnung wir Sie hiemit
herzlichst beglückwünschen mit dem Bemerkung, dass
das hier auf bezügliche Ehren-Diplom Ihnen dem-
nächst feierlichst überreicht werden wird.
Aus der zu Lugos am 1.ten Märcz 1914 abgehaltenen
General-Versammlung.
Mit besonderer Achtung,
Arpád v. Tóth , Präses
Emmerich Schwach mit seinem Symphonieorchester, Johann Palicska, Sekretär
Petroschen, um 1935
Man kann also behaupten, dass Wilhelm Schwach
Für seine außerordentlichen Verdienste wurde Wil- nach Konrad Paul Wusching der letzte große Lugo-
helm Schwach am 1. März 1914, nur wenige Jahre vor scher Musikpädagoge, Chorleiter und Komponist des
seinem Tode, zum Ehrenchormeister des Gewerbege- 19. Jahrhunderts war. Sein Sohn Emmerich kam 1880
sangvereins ernannt. Aus diesem protokollarischen in Lugosch zur Welt und hatte die Gelegenheit, am
Schreiben ist ersichtlich, dass er auch zum Ehrenmit- Wiener Konservatorium seine Studien fortzusetzen. Er
glied der Temeswarer Gewerbe-Harmonia ernannt war ein begnadeter Geiger, trat schon als Wunderkind
wurde. Wir erfahren daraus auch so manche andere vor dem Lugoscher Publikum auf und wurde in seinen
Einzelheiten für seine Tätigkeit in Lugosch, weshalb Konzerten mit Ovationen umjubelt. Im Jahre 1903
hier dieser Brief in voller Länge wiedergegeben wird: dirigierte er beim großen Landeschortreffen in Temes-
Sehr geehrter Herr! war sein eigenes Lugoscher Orchester, das dabei einen
Wenn Sie auch, sehr geehrter Herr, nicht mehr in un- großen Erfolg erlangt hat. Wie dieses Orchester zu-
serer Mitte weilen und Ihren bewährten Dirigentenstab stande gekommen ist, erfahren wir in einem Zeugnis
altershalber einer jüngeren Kraft und zwar Ihrem ge- aus dem Jahre 1903, unterschrieben vom Orchesterdi-
nialen Herrn Sohn abzutreten für gut befunden haben, rektor Dr. Manó Neumann und von Präses Aurel Isse-
so sind Sie deshalb in unserem Vereine keinesfalls der kutz:
Vergessenheit anheimgefallen, weil Sie hier unver- Zeugniss
wischbare Spuren Ihrer langjährigen, ersprießlichen Emmerich Schwach, Musiker, 24 Jahre alt, römisch-
und erfolgreichen Wirksamkeit zurückgelassen haben, katholisch, lugoser Insasse, organisierte im Dezember
32
1902 aus den Musikinstrumente spielenden Mitgliedern heit des Tones zu Gehör, wie man es sonst nur von
des „Lugoser ungarischen Gesang- und Musikvereins“ weltberühmten Konzertlöwen zu hören bekommt. (...)“
ein aus Streich- und Blasinstrumenten bestehendes / Schwach konzertierte auch gemeinsam mit dem Te-
französisches / Orchester, welches seine Thätigkeit am meswarer Kapellmeister Wenzel Josef Heller und des-
Sylvesterabend 1902 begann. sen Sohn, gab Konzerte in Szeged, Esseg (Ossijek,
Der unterfertigte Präsident und Orchesterdirektor Kroatien), Temeswar und in vielen anderen Städten.
des Lugoser ungarischen Gesang- und Musikvereins Als Musikfeldwebel spielte er 1906 in Esseg als Solist
beurkundet wahrhaftsgemäß: des Violinkonzertes von Beethoven und die Slavoni-
Den hervorragenden musikalischen Fähigkeiten, dem sche Presse vom 26. September 1906 schrieb mit größ-
ausdauernden Pflichteifer und der gewissenhaft und ter Begeisterung über dieses Ereignis: „Bei dem am
strengen Lehrmethode des Emmerich Schwach ist es
Sonntag im Hotel Rajal abgehaltenen Konzerte der
zu verdanken, daß das Vereinsorchester mit seltener
Tacktfestigkeit, präzisem und feinnouanciertem Vor- Kapelle des 78. Inf.-Regmts. trat der neuangagierte
trage nach ganz kurzer Zeit seines Bestehens, mehrmals Violinspieler - absolvierter Konservatorist Musikfeld-
in selbständigen Concerten, zuletzt am Bekanntschafts- webel Schwach zu erstenmale vor das Esseger Publi-
abend des am 20ten August l. J. in Temesvár abgehal- kum, indem er das Beethoven´sche E-moll-Konzert
tenen Landessängerfeste öffentlich auftrat, bei welchen spielte, und nach dem rauschenden, nicht endenwol-
Gelegenheiten das Orchester sowohl klassische als lenden Applause für seine wirklich bravouröse Leis-
auch alle andere Musikgenres, zur vollkommenster tung, eine Zugabe mit vollendeter Künstlerschaft spiel-
Zufriedenheit des musikalischen Publikums zum Vor- te. Den Besuchern des Konzertes wurde tatsächlich ein
trage brachte. Kunstgenuss geboten. Wir beglückwünschen aufrichtig
Urkund dessen vorstehendes Zeugniss ausgefertigt die Musikleitung zu dieser hervorragenden Aquisition,
wurde. durch welche unsere Militärkonzerte unendlich viel
Lugos am 26ten August 1903.
gewinnen werden.“ Bei der Silvesterfeier des Esseger
Dr. Manó Neumann, Orchesterdirektor
Musikvereins trat Schwach mit seinem Streichorchester
Aurel Issekutz, Präses
auf: „Unter Leitung des Herrn Schwach brachte das
In einem Zeugnis aus dem Jahre 1911 dankt ihm der Streichorchester des 78. Infanterieregimentes mehrere
Lugoscher Gewerbegesangverein für seine besonderen Piecen in vollendeter Weise zum Vortrag. Herr
Verdienste anlässlich des Sängerfestes in Szeged, wo Schwach erwies sich hiebei als äußerst gewandter und
der Lugoscher Chor einen riesigen Erfolg ernten konn- temperamentvoller Dirigent.“
te. Emmerich Schwach vermerkte eigenhändig einige Nach dem ersten Weltkrieg schien es mit der Musik-
Jahre später auf diesem Dokument: „Bei diesem Chor kultur in Lugosch nicht mehr so gut zu stehen wie in
arbeitete ich bis ich im Jahre 1914 zum ersten Welt- den Jahren davor und Emmerich Schwach übernahm
krieg einberufen wurde, zum 5. Honvéd-Rgt. Lugoj, die Dirigentenstelle des Karansebescher Philharmoni-
von dort nach Begra (?), zum 8. Honvéd-Rgt.“ schen Vereins. Die Banater Zeitung vom 3. Juni 1926
Wie gut die Kritik über die Konzerte des jungen ta- schrieb darüber: „Donnerstag den 27. Mai versammelte
lentierten Geigers Emmerich Schwach geurteilt hat, sich die Sängerschar mit der Vereinsleitung des Lugo-
lesen wir auch in einem Zeitungsbericht der um 1900 scher Schubertbundes im Deutschen Heim zu einem
verfasst wurde: „Es folgte nun die Wieniawski´sche gemütlichen Abend, um den Chormeister Emmerich
„Faust-Phantasie“, ein bekanntes Hauptstück des klassi- Schwach anläßlich seiner Ünbersiedlung nach Karan-
schen Virtuosen-Repertoire, gespielt von einem neuen sebesch zu verabschieden. In Abwesebheit des Vorstan-
Prim-Geiger der Kapelle, dem absolvirten Wiener des Herrn Robert Schwertner, der in tiefe Trauer ver-
Konservatoristen Emerich Schwach, einem Sohne des setzt ist, hielt Vorstand-Stellvertreter Heinrich An-
Lugoser Chordirektors Herrn Wilhelm Schwach. Das wender an den scheidenden Chormeister eine gut-
Debut des jungen Geigers gestaltete sich in mancher durchdacht Ansprache, ihm in seinem neuen Arbeits-
Beziehung sensationell, denn er packte das Interesse des felde viel Glück wünschend. Herr Schwach erwiderte,
Auditoriums schon mit den ersten Bogenstrichen durch es tue ihm leid, seine Vaterstadt verlassen zu müssen,
die Fülle und Breite des Tones, durch das weiche und doch die durch den Krieg total zerrütteten musikali-
schmelzvolle Timbre des Gesanges, welchen er seinem schen Verhältnisse und nicht zuletzt die Gleichgültig-
prächtigen Instrumente entlockt. Dann aber imponirte keit, die in Lugosch herrscht, zwangen ihn, seine Tä-
er durch die Kraft, durch das Feuer und durch die E- tigkeit dorthin zu verlegen, wo der Musik- und Ge-
nergie, wie nicht minder durch die Beweise dessen, daß sangskultur ein größeres Terrain sich eröffnet und wo
er den Geist und die Feinheiten der Komposition be- man seine künstlerischen Fähigkeiten besser einzu-
greift und dass sein musikalisches Verständniss durch- schätzen weiß, wie es in seiner Vaterstadt der Fall ist.“
aus auf der Höhe der technischen Aufgabe steht. Die In Karansebesch war damals der aus Lugosch stam-
Flageolets im Walzermotiv brachte er mit einer Rein- mende Fritz Pauck Bürgermeister und gleichzeitig Prä-
sident des Philharmonischen Vereins. Er war auch ein

33
begnadeter Musiker und Organisator und in seiner Zeit men und nur schwer konnte man sich entschließen,
erlebte diese Stadt wahre musikalische Sternstunden den intimen Kreis echt deutscher Geselligkeit zu verlas-
ihrer Geschichte. Wie der Empfang des neuen Dirigen- sen.“ In Karansebesch schrieb er seine Komposition
ten vor sich ging, lesen wir im gleichen bericht der Csárdás nach altungarischen Volksliedern, Pro Patria!
Banater Zeitung: „Im Rahmen einer erhebenden Feier “Tricolorul”, Mars Triumfal Român (Corpului ofiteresc
wurde am Samstag den 29. Mai der neue Chormeister al Glorioasei Armate Române, 1927), Banater Klänge
des Karansebescher Philharmonischen Vereines Herr (Marsch. Meiner edlen Gemahlin geborene Marie Eh-
Emmerich Schwach eingesetzt. Schon um 8 Uhr ver- ling in Liebe gewidmet), Sechs jüdische Lieder für Chor
sammelten sich die Mitglieder mit ihren Familienan- und Orchester, u.v.a.
gehörigen, das Orchester, der Damen- und der Män- Irgendwie waren ihm aber die künstlerischen Mög-
nerchor, mit Bürgermeister-Präsident Fritz Pauck an lichkeiten in Karansebesch zu beschränkt. Er musste
der Spitze, im Festsaal des Philharmonischen Vereines. gleichzeitig auch die Kirchenmusikerstelle übernehmen,
Als der neue Chormeister in Begleitung seiner Gemah- eine Tätigkeit, die ihm anscheinend nicht so lag. So
wurde Kantor Emmerich Schwach in der Kirchenrat-
lin und zweier Ausschußmitglieder das Lokal betrat,
sitzung vom 23. Januar 1927 „zur Erfüllung seiner
intonierte das Vereinsorchester unter der Leitung Fritz Pflichten“ aufgefordert, und am 6. Februar beschloss
Pauck´s den reizenden Marsch „Alte Kameraden“. man, ihn als Kirchenmusiker zu entlassen. Vermutlich
Kaum als die letzten Akkorde verrauscht waren, bewarb er sich schon davor um eine ganz andere Stelle:
durchzogen tosende Hochrufe auf Herrn Schwach den die eines Militärkapellmeisters im Altreich. Die Zeitung
Saal. Nachdem sich der Sturm gelegt hatte, sang der berichtete darüber: „Emmerich Schwach - Militärka-
gemischte Chor mit pellmeister. Der
Orchesterbegleitung bekannte Musiker
„Die Ehre Gottes des Banates Emme-
aus der Natur“ von rich Schwach, der
Beethoven. Es folgte viele Jahre hindurch
nun der feierliche als Musikprofessor
Akt der Einsetzung, und Chormeister in
welche Bürgermeis- Lugos wirkte, zu-
ter Fritz Pauck, in letzt in Caransebes
seiner Eigenschaft als Regenschori der
als Vereinspräsident, röm.-kath. Kir-
in Form einer meis- chengemeinde en-
terhaften und gagiert war, wurde
schwungvoll gehal- vom 1. Gendarme-
tenen Rede vor- rieregiment als
nahm. Die Rede Musikchef engagiert
war eine warme und hat dieser tüch-
Begrüßung an den neuen Chormeister und ein herzin- tiger Musiker bereits die Stelle angetreten. Das Re-
niger Willkommensgruß an den, der da gekommen sei, giment domiziliert in Dragasani im Altreich.“
sein musikalisches Wissen in den Dienst des Vereins zu Damit begann er eine besonders interessante Tätige-
stellen und den Karansebescher Philharmonischen keit auszuüben, die ihm viel Freude bereiten wird. Ir-
Verein zur weiteren Entwicklung zu bringen. Nach gendwann übernahm er die Leitung der Bergwerkska-
Absingung des Vereinsmottos überreichte Redner pelle in Petroseni. Mit seinen Musikern gab er sowohl
Herrn Emmerich Schwach den Dirigentenstab, mit Blaskonzerte aus auch Konzerte mit klassischer Musik,
welchem auch dieser das Motto dirigierte. Herr alle Musiker konnten mehrere Instrumente spielen. Der
Schwach dankte nun sichtlich gerührt für den überaus von ihm stammende Nachlass enthält viele eigene
Kompositionen und Berabeitungen, die in Petrosani
warmen Empfang und für das in ihn gesetzte Vertrau-
entstanden sind: Klänge aus dem Jiul-Tale (Rasunete
en. Er versprach, das begonnene Werk seines genailen din Valea Jiului), Potpourri mit rumänischen Motiven,
Vorgängers fortzusetzen und seine ganze Kraft in den Zwei Märsche für Militärmusik, u.a.
Dienst der ihm anvertrauten Sache zu stellen. Er bittet Nach dem zweiten Weltkrieg verbrachte Emmerich
die ausübenden Mitglieder, ihn in seinem künstleri- Schwach seine letzten Jahre in Perjamosch. Hier
schen Bestreben mit derselben Liebe und Anhänglich- schrieb er auf Wunsch der damaligen Politik viele neue
keit zu unterstützen, wie sie es bei seinem Vorgänger Kompositionen, wie die Kantate der Kinder für Stalin,
getan.“ Dass dieser Festakt auch einen geselligen Cha- eine Pottpourri russischer Lieder, Rumänische Lieder,
rakter hatte, entnehmen wir aus dem Schluss dieses Arbeitermarsch, mehrere Chöre wie z.B. Banateanca
Berichtes, in dem es heißt: „Die Gesellschaft blieb in (komponiert 1954 als Leiter des Chores des Kultur-
heiterer Stimmung bis in die Morgenstunden beisam- heims Perjamosch und der Ferma Warjasch). Schwach
34
starb 1959, seine letzte Ruhestätte fand er am Friedhof musikalischen Schöpfungen Banater Musik, das in den
der Temeswarer Josefstadt. letzten Jahren auch in Deutschland mehrmals aufge-
Die Biographie Emmerich Schwachs zeigt uns den führt wurde. Und die Wiege dieser Klänge war die Mu-
Weg eines talentierten Lugoscher Musikers, der seine sikstadt Lugosch, aus deren Gegend im Jahre 1955 ein
Karriere im kaiserlichen Wien begonnen hat, als Vio- weiterer Banater Schwabe bestimmt wurde, die Militär-
linvirtuose, Komponist und Chorleiter in Lugosch und kapelle der Gruben in Petroschan als Kapellmeister zu
Karansebesch gefeiert wurde und von der Banater Mu- leiten: Martin Metz. In seiner Kapelle wirkten diesmal
siktradition vieles als Militärkapellmeister in das „Alt- auch viele Musikanten aus dem Banat und aus Sieben-
reich“ verpflanzt hat. Weshalb er sich am Ende seines bürgen.
Lebens, in den fünfziger Jahren, in Perjamosch mit Das Foto auf der vorherigen Seite stammt aus Per-
Widmungen an Stalin und Arbeitermärschen beschäf- jamosch im Banat, etwa Herbst 1944, also nach dem
tigt hat, können wir heute nicht beurteilen. Zu groß war Einmarsch der Sowjettruppen. Emmerich Schwach
damals die Not in den Banater Heidedörfern, bedingt sitzt mit seinem Akkordeon und muss für die nötige
durch die Folgen des Krieges, durch Deportation und Stimmung sorgen. Der Absender dieses Fotos, dessen
durch den politischen Druck auf die Banater Schwa- Vater in der zweiten Reihe steht, schrieb mir, dass vor
ben. Sein musikalisches Testament besteht aus deut- diesem „Fototermin“ man sich im Weinkeller gestärkt
schen, ungarischen, rumänischen und jüdischen Chö- aufgehalten hat. Ein Bild, das wohl keine Beschreibung
ren, katholischer Kirchenmusik, er sammelte im Banat nötig hat. Selbst die jungen Soldaten mit Maschinen-
rumänische und ungarische Volkslieder und arbeitete pistolen und den requirierten Fahrräder wirken sympa-
diese in seine Orchesterwerke ein. Das Ave Maria sei- tisch.
nes Vaters Wilhelm Schwach gehört zu den schönsten

Das Klavierspiel als bürgerliche Lebensweise


Beitrag zur Musikgeschichte Novi Sads / Neusatz des 19. Jahrhunderts
von Marijana Kokanović (Novi Sad / Neusatz, Serbien)

Die Spuren von Salonmusik gehen bei den reicheren den Häusern wohlhabender Bürgerfamilien eine bevor-
Serben in der Habsburgermonarchie (heutige Wojvodi- zugte Art der Unterhaltung dar.
na) bis in die letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts Das Verfügen über ein Klavier, über einen privaten
zurück. Im gedruckten Katalog der Buchhandlung
Emanuel Janković in Novi Sad / Neusatz aus dem Jahr
1790 sind neben Büchern auch Notenausgaben aufge-
listet, die dort käuflich erwerbbar waren, was ein deutli-
cher Hinweis auf das Bestehen von Spinetten, Klavie-
ren und Streichinstrumenten in den Häusern der rei-
cheren Bewohner Novi Sads gegen Ende des 18. Jahr-
hunderts ist.
Dass zum Beispiel Marija Bižić (ge-
borene Dragojević) bis zu ihrem Tod
1823 Klavier gespielt hat, oder dass
fünf Jahre später der „clavirchordi
confector“ Lorenz Motzak die Er- Musiklehrers sowie über eine Hausbibliothek mit edier-
laubnis für eine Niederlassung in No- ten Notenausgaben gab Auskunft über den gesell-
vi Sad erlangte, sind Angaben, die auf schaftlichen Status. Anfangs hielten den Klavierunter-
eine Kultur des Klavierspiels im serbi- richt beinahe ausschließlich Fremde, die europäische
schen Athen hinweisen. Serbische kulturelle Werte in ihre neue Heimat mitbrachten. Die
Schriftsteller haben in ihren Werken ebenso auf die meisten Musiklehrer waren tschechischer oder deut-
Bedeutung des Klavierunterrichts bei der Jugend, ins- scher Herkunft. So wurde zum Beispiel in Novi Sad der
besondere bei Mädchen, hingewiesen. Jovan Sterija allgemeine Unterricht sowie der Musikunterricht für
Popović erwähnt in seinem 1830 in Vršac/Werschetz Mädchen aus angesehenen Familien der Stadt Aleksan-
erschienenen Werk „Pokondirenu tikvu“ (dt.: Der dar Morfidis-Nisis (1803 – 1878) anvertraut, der 1838
hochmütig gewordene Kürbis), dass das Fortepiano von Wien nach Novi Sad kam. Er arbeitete als Musik-
bereits „seit langem in Mode“ sei und dass es für ein lehrer am Gymnasium Novi Sad, wo er sogleich nach
Mädchen aus angesehener Familie eine Schande sei, seiner Ankunft eine Musikschule gründete, in welcher
wenn es keine Virtuosin auf dem Klavier wäre, und er Klavier unterrichtete. Die Eltern erwarteten von
Stevan Sremac kommentierte in seiner Komödie „Pop Morfidis, dass er die größte Beachtung dem
Ćira i pop Spira“ auf geistreiche Weise, dass die Haupt- Klavierunterricht und sodann dem Erlernen der
tugenden der Mädchen „Klavier, Häckelei, Walzer und deutschen und französischen Sprache schenke.
Deutsch“ wären! Das häusliche Musizieren stellte in Außerdem war Ästhetik zu lernen - nach Ch. Oesers
35
Briefe an eine Jungfrau über die Hauptgegenstände der erzogen, was damals auch in anderen serbischen Bür-
Aesthetik, (VIII Ausgabe, Leipzig 1864). Unter den gerhäusern in Novi Sad üblich war.
Schülerinnen Morfidis´ befand sich auch Julija Velisavl- Mit seinen Schülern veranstaltete Nisis in Novi Sad
jević, die „gemäß der Kalkbrennerschen Schule für oft Konzerte, auf denen auch seine Kompositionen zur
Klavier sowie der Schule nach Hummel für Fortepiano Aufführung gebracht wurden. Im pianistischen Reper-
unterrichtet wurde, und im Zuge ihres Unterrichts aus toire dominierten damals moderne Formen wie Varia-
dem Wohltemperierten Klavier von Johann Sebastian tionen, Paraphrasen, Potpourries oder Fantasien auf
Bach in der Ausgabe von Breitkopf und Härtel, Leipzig Themen populärer Volkslieder oder städtischer Lieder,
1838, gespielt hat“. Sie beherrschte ausgezeichnet die sodann internationale Salontänze, Bearbeitungen von
deutsche Sprache und wurde nach deutschem Vorbild Volksmelodien und –tänzen, außerdem Stücke mit
Programmtiteln in der Art von Klavierminiaturen sowie
Marschmusik.

Erlebte Musikgeschichte: Josef Willer (1884-1972)


von Dr. Franz Metz

Dr. Josef Willer stammte aus Kecskemét (Ungarn) Schülerkonzerte. Für diese Veranstaltungen mietete er
wo er im Jahre 1884 das Licht der Welt erblickte. Ob er einen Saal (auf dem Platz der ehmaligen „9. Mai“-
in einer Verwandschaft zu Dr. phil. Josef Willer stand, Fabrik, Bucegi-Str.) in welchem sein Leipziger „Feu-
ist nicht erwiesen. Auf dem Grabstein von Dr. Josef rig“-Flügel stand. Auf seine Initiative hin sind auch
Willer, im Lugoscher Friedhof ist als Vater „Dr. (phil.) bedeutende Musiker nach Lugosch gekommen, u.a.
Willer Josef“ angegeben. Dieser wurde am 3.3.1851 in Béla Bartók, Hubermann und George Enescu.
Karansebesch geboren und starb am 28.2.1890 in In der Zwischenkriegszeit hat Willer sich auch als
Kecskemét. Er studierte 1869-72 in Temeswar Theolo- Politiker einen Namen gemacht. 1926 wirkte er neben-
gie und zwischen 1872-74 Staats- und Rechtswissen- bei auch als Musiker in Kronstadt, wo er Dirigent eini-
schaft und Philosophie in Pest. Danach war er als O- ger Chöre und Orchester war. Nähere Einzelheiten
berrealschullehrer in Pantschowa (1874-80) und als darüber sind uns nicht bekannt. Einige Jahre später
Lehrer in Kecskemét (1889-90) tätig. Im Jahre 1889 leitete er des öfteren auch den Lugoscher Kirchenchor,
promovierte er zum Dr. phil. Andor Arató, damals Kantor, spielte die Orgel oder
Über das Studium von Dr. Josef Willer konnte man sang Tenor-Solo.
bisher keine genauen Daten vorfinden. Seine bemer- Von Willer sind uns zwei bedeutende musikwissen-
kenswerten musikalischen Kenntnisse hatte er sich schaftliche Arbeiten erhalten geblieben. Die erste wur-
vermutlich in Budapest aneignen können. Er be- de in der Zeitschrift „Muzica“ zum Todestag George
herrschte sowohl das Klavierspiel als auch die Violine Enescus veröffentlicht, die zweite erschien in der Reihe
und kannte sich auch in der Gesangskunst gut aus. „Studii muzicologice“ (Bukarest, 1956). Beide Arbeiten
Darüberhinaus war er ein guter Kenner der Harmonie- erschienen in rumänischer Sprache. Willer selbst be-
lehre und des Kontrapunktes und komponierte selbst herrschte kaum das Rumänische, vermutlich wurden
einige Werke. Auch als Dirigent machte er sich in Lu- diese beiden Arbeiten von seinem Schüler Zeno Van-
gosch einen Namen. Vermutlich in Budapest promo- cea, der damals schon in Bukarest zu den wichtigsten
vierte er zum Doktor der Rechtswissenschaften. Musikwissenschaftlern zählte, überarbeitet. Willer
Eine kurze Zeit war Willer als Dirigent am Kecske- schildert im Enescu-Artikel einige Begebenheiten über
méter Theater tätig, 1908 ließ er sich in Lugosch nieder. den Aufenthalt der beiden Musiker Enescu und Bartók
Hier war er nebenbei Dirigent des „Lugoscher Musik- in Lugosch. Bekanntlich sind beide auch auf Einladung
und Gesangvereins“. Im Jahre 1912 erlangte er anläss- Willers nach Lugosch gekommen und haben hier kon-
lich eines Chorwettbewerbes in Budapest mit seinem zertiert. Viel bedeutender ist der Beitrag aus der Reihe
Lugoscher Chor den ersten Platz und die Goldmedaille. „Studii muzicologice“ in welchem er einen kurzen Ü-
Einen wichtigen kulturellen Beitrag für die Stadt leistete berblick über das Lugoscher Musikleben bringt. Auch
auch der Lugoscher Philharmonischer Verein, dessen hier ist die Feder Zeno Vanceas bemerkbar. Der Arti-
Orchester einige Jahre von Dr. Willer geleitet wurde. kel bringt äußerst viele (bereits bekannte) Daten über
Auch als Geigenspieler trat er in mehreren Kammer- Ion Vidu und dessen Chor, erst am Ende erscheint ein
musikabenden auf, im Quartett spielte er gewöhnlich Bericht über die „Musik der Deutschen und Ungarn“.
die erste Violine. Bis zum Jahre 1925 war Dr. Josef Von den Kompositionen Willers sind nur einige er-
Willer als städtischer Hauptnotar in Lugosch tätig. In halten geblieben: „Ave Maria“ für Tenor, Bariton und
dieser Zeit gab er auch Klavier- und Geigenunterricht. Orgel, „Salve Regina“ für Solisten und Chor, „Vater
Zu seinen ersten Schülern zählten Filaret Barbu, Zeno unser“ für Chor (auch in rumänischer Sprache vorhan-
Vancea und Clara Peia (geb. Voikitza). Bereits in dieser den) und ein „Präludium“ für die Orgel. Das einzige
Zeit widmete sich Willer dem Kulturleben dieser klei- Werk daß auch in Druck erschienen ist und vom Ru-
nen Banater Stadt an der Temesch. Regelmäßig organi- mänischen Komponistenverband veröffentlicht wurde,
sierte er Hauskonzerte, Kammermusikabende und
36
besteht aus einer Sammlung von Duetten für 2 Violi- alten Möbel, die riesige Bibliothek, die Beethovenbüste,
nen, also ein pädagogisches Werk. das alte Radio und die antiken Gegenstände trugen zur
Seine Werke sind von der ungarischen Romantik Stimmung bei sondern auch der Cigarrenrauch an den
beeinflußt: es kommen oft volkstümliche Themen vor, sich seine Schüler gewöhnen mußten. Bereits nach dem
es sind etwa niedergeschriebene Improvisationen, meist Eintritt in den Hof fühlte man sich in einem anderen
an verträumte Romanzen erinnernd. Trotzdem besitzen Jahrhundert: unter dem Schatten eines alten Nußbau-
alle Werke eine einfache Form mit einem soliden har- mes gelangte man auf eine breite offene Terasse und
monischen Aufbau. Auf eine erweiterte Aufarbeitung von da an hörte man auch schon die letzten Musiktöne
der Themen wird verzichtet, trotzdem ist eine gewisse seines Kollegen der, erleichtert von dem Ende des
Dramatik hörbar die den Hörer fasziniert. Die Buda- Unterrichts, gleich auf und davon war. Der Weg führte
pester Schule ist in seinen Werken deutlich erkennbar: dann in ein langes Vorzimmer, entlang den Bildnissen
bemerkenswerte Kenntnisse in Harmonie und Kompo- Haydns, Mozarts, Beethovens, Schubert, Schumanns
sition wie auch starke Beeinflussung durch Béla Bartók, und Verdis und einigen alten Hutkoffern, die schon seit
Kodály und anderen Zeitgenossen. eh und je da lagen, vorbei in das Tageszimmer.
Viele von seinen Schülern sind selbst Musiker ge- Das alte "Feurich"-Klavier (heute im Besitz der Jo-
worden und leben heute zerstreut in der ganzen Welt sephstädter Pfarrkirche in Temeswar) auf dem bereits
oder sind bereits verstorben. Deshalb ist es auch nicht George Enescu und Béla Bartók spielten, mußte so
leicht eine vollkommene Liste seiner Schüler zusam- manches mitmachen. Und der Schüler auch! So man-
menzustellen. Nach einer Umfrage konnte folgende cher spürt heute noch das Gewicht des schweren gol-
Namen festgehalten werden: Filaret Barbu (1903-1984, denen Ringes an der rechten Hand des Meisters als
Komponist und Chorleiter), Prof. Zeno Vancea (1900- dieser mit einem langen "Giiiis" seine Hand in Rich-
1980?, Musikwissenschaftler und Komponist), Prof. tung Kopf des Schülers bewegte. Aber noch schmerzli-
Clara Peia, geb. Voikitza (Klavierpädagogin in Lugosch, cher war es für die junge Seele, als er klagend unter der
jetzt Temeswar), Marika Schwartz (geb. Salinsky, Kla- Beethovenbüste, die "musiklose und nichtsnützige"
vierlehrerin), Blanka Weißgerber (die Mutter des be- Zukunft des Schülers profezeite. Weniger schmerzlich
kannten ungarischen Komponisten György Kurtág), waren die witzigen Bestrafungen wie "Wutzili-Wutzili"
Gyuri Dobo, Loncy Nemes, Gheorghe Schwartz (ehm. und "Huszárkapucs".
Botschaftsrat in Bonn), Martin Metz sen. (Kantor und Und wie war das mit den langen Briefen an die "lie-
Chorleiter in Lugosch), Ing. Egon Popper, Georg Coje- ben (armen) Eltern": schon wieder hat er nichts geübt,
rean, Walter Andreas, Walter Schönborn, Florin Paul aus dem wird niemals etwas, der ist ein Faulpelz, ein
(bekannter Violinist, Preisträger mehrerer internationa- Schlampian, ein Trottel und ein Nichtsnutz! Aber auf
ler Wettbewerbe, Konzertmeister des Hamburger Ra- dem Heimweg gab es ein herrliches, großes, einladen-
dio-Symphonieorchesters), Dana Giovanninetti (geb. des Kellerfenster mit einem Gitter durch das man im
Paul, Pianistin in Paris), Adrian Micsa (ehm. Leiter der Sommer das Brennholz für den Winter herunterwarf ...
Musikschule in Reschitza, jetzt Chorleiter in Deutsch- und so manche Briefe an die "lieben (armen) Eltern"
land), Alexander Doroghi (Lehrer in Lugosch), Ger- landeten auch da unten.
hard Merle (Klavierlehrer und Chorleiter in Worblin- Nach seinem Tode ging der Großteil seiner wertvol-
gen), Peter Kindlein, Mihaela Preda, Anca Dabiciu, len Bibliothek verloren. Auch die in seinem Besitz be-
Nuti Jarcau, Delia Cosariu, Mihaela Marculescu, Du- findlichen Briefe George Enescus und Béla Bartóks
mitru Ponoran, der Autor selbst, u.v.a. sind damit (vermutlich endgültig) verschwunden. An
Dr. Josef Willer unterrichtete Klavier, Violine und Dr. Josef Willer erinnert in Lugosch nur noch sein
Gesang. Seine Hauskonzerte welche meist im Monat Grabstein und ein Foto im „Haus der Musik“ (Casa
Juni, also am Ende des jeweiligen Schuljahres stattfan- Muzicii). Viel zu wenig für einen so bedeutenden Leh-
den, waren von den Lugoscher sehr begehrt. Um so rer und Erzieher.
spannender waren diese öffentlichen Vorspiele für die (Siehe die beiden Photos: Nr. 1. Dr. Josef Willer mit
Schüler, jeder mußte wenigstens zwei Stücke bieten seinen Schülern nach dem Hauskonzert, Lugosch 1965;
und das Repertoire umfasste Werke von Bach über die Nr. 2. Dr. Josef Willer und der Autor am Klavier, Lu-
Wiener Klassiker bis Bartók, Enescu und Brediceanu. gosch 1965.
Der Unterricht hatte in den letzten 30 Jahren in sei-
ner Wohnung stattgefunden: nicht nur die wertvollen

Ukrainische Kontakte von Eusebius Mandyczewski


Von Dr.Luba Kyyanovska (Lviv/Lemberg, Ukraine)

Dieser Jubiläumsartikel ist zum Andenken an Orest Jackiv (1942–2005) geschrieben. Orest Jackiv war unermüdlicher
Forscher ukrainischer Spure von Eusebius Mandyczewski, nach welchen er binnen mehreren Jahren in verschiedensten
Archiven und Presseäußerungen suchte. Umfangreiche Materials aus seinem privaten Archiv zu diesem Thema über-
reichte der Autorin seine Witwe und wurde dem vorgelegten Artikel zugrunde gelegt.

37
In den zahlreichen Quellen, dem österreichischen Zweitens. Der Lehrer.
Komponisten und Musikwissenschaftlern Eusebius Es ist bekannt, dass Mandyczewski während seiner
Mandyczewski gewidmet, erwähnt man selten an seine Studien am Csernowitzer Gymnasium Musik bei Sydir
ukrainische Herkunft und Kontakte zu ukrainischer (Isydor) Worobkewycz (1836–1903) studierte. Worob-
Literatur und Musikkultur, welche im Laufe seines kewycz selbst gehörte zu den prominentesten ukraini-
ganzen Lebens dauerten. Doch diese Beziehungen schen Kulturträger, Dichter, Dramatiker und Kompo-
scheinen für das Verständnis seiner Weltanschauung nisten nicht nur in Bukowina, sondern im allukraini-
wichtig zu sein. Leider beschäftigten sich gründlich schen Maßstab seinerzeit. Er war ein flammender uk-
ukrainische Musikwissenschaftler und Historiker weder rainischer Patriot – bis heute lernt man an den Grund-
mit seiner wissenschaftlichen Forschungen und Tätig- schulen sein Gedicht „Muttersprache“ und singt man
keit, noch mit dem Mandyczewski´s Schaffen. Gewisse seine patriotische Lieder. Zuerst studierte er am Cser-
Ausnahme bilden unzahlreiche Veröffentlichungen, nowitzer Gymnasium, dann – am Priesterseminar, wel-
welche noch in 60er und 70er Jahren des 20. Jhs. sich ches 1861 beendete. Musikbildung erreichte Worobke-
erschienen. Darum stand seine ukrainische Herkunft, wycz privat bei F. Krenn, Professor am Musikkonser-
wie auch die Rolle in der ukrainischen Musikkultur, die vatorium in Wien, danach 1868 legte die Abschlussprü-
Werke zu den Wörtern ukrainischer Dichter, im Schat- fungen am Wiener Konservatorium als Musiklehrer
ten anderer seinen mannigfaltigen schöpferischen und und Chorregent ab. Von 1867 unterrichtete Worobke-
wissenschaftlichen Leistungen. wycz Gesang am Priesterseminar, von 1875 bis 1901 –
Im allgemeinen könnten uk- man der theologischen Fakultät Csernowitzer Universi-
rainische Beziehungen und tät.
schöpferische Reflexionen Man- Mehrere Züge seiner Weltanschauung, stilistischen
dyczewskis, mit dieser nationalen Prioritäten, Interessen verdankt Mandyczewski seinem
Kultur verbunden, auf dreierlei ersten Lehrer. Worobkewycz zeigte eine ausgesproche-
Art berücksichtigt sein. ne Vorliebe für die Lieder und Chorgattungen, was
Erstens. Der Familienkreis. auch für Mandyczewski eigen ist. In der Kompositi-
Sein Vater, Wassyl Mandyc- onsmaniere der Chorwerke und Lieder Mandyczewskis,
zewski, griechisch-katholischer besonders in diesen, welche er zu den Wörtern ukraini-
(uniatischer) Priester stammte scher Dichter geschrieben hat, sind die Einflusse von
aus Galizien. Nach dem Umzug Worobkewycz und seine Betrachtung ukrainischer
nach Bukowina wohnte er mit seiner Familie im Dorf Volksliedquellen, klar zu bemerken.
Molodia, doch die Kinder (die Söhne) studierten am Drittens. Die Werke.
Csernovitzer Gymnasium. Kuz´ma Demotschko be- Mandyczewski unterhielt Beziehungen mit ukraini-
tonte, dass Wassyl Mandyczewski „ein aktiver Teil- schen Kollegen in Csernowitz und vor allem – mit
nehmer ukrainisches gesellschaftliches Lebens in Bu- seinem Pädagoge Worobkewycz bis ans Lebensende,
kovina wurde, gehörte zur Verwaltung der ersten ortli- interessierte sich auch für die ukrainische Poesie. In
chen kulturaufklärischen Gesellschaft „Ruska besida“ seinem Schaffen findet man die ganze Reihe von
(Ruthenische Unterredung)“. Unter den acht Kindern Kompositionen zu den Gedichten ukrainischer Auto-
von Wassyl Mandyczewski wirkte besonders aktiv in ren; man soll vor allem 2 Chöre zu den Texten von
den ukrainischen aufklärischen Kreisen seine Schwester Taras Schewtschenko erwähnen: dreistimmiger Kanon
Kateryna Mandyczewska. Sie unterrichtete Musik am „Der Tag kommt, die Nacht kommt“ (I den´ ide, i
Frauenlyzeum in Csernowitz, übersetzte in Ukrainisch nitsch ide), „O, Hain“ (Oj dibrovo) und den Chor
die Werke rumänischer Schriftsteller. „Der Mond, der Fürst“ (Misjacju, knjazju) zum Text
Eusebius Mandyczewski wurde nach seinem Enkel von Ivan Franko. Außerdem komponierte Mandyc-
von der Mutterseite, des Professors für allgemeine zewski die Chöre zu den Gedichten von Jurij
Geschichte Eusebius (ukrainisch transkribiert – Owsij) Fed´kowycz. Fed´kowycz (1834 – 1888), welchen die
Popowycz genannt. Der Familiennahme „Popowycz“ Kritik die „Bukowiner Nachtigall“ nannte, wurde mit
ist in der Ukraine sehr verbreitet und übersetzt man dem 2 Jahre jüngeren Worobkewycz zum Begründer
buchstäblich: ein Sohn des orthodoxen Priesters. Es ist der ukrainsichen Literatur in Bukowina, seine Gedichte
schwer eindeutig zu beurteilen, war die Familie seiner waren besonders oft vertont. Mandyczewski wälhte
Mutter tatsächlich ukrainisch, oder, wie behaupten nicht nur populäre lyrische Gedichte, wie „Das Ku-
mehrere rumänische Kollegen, rumänisch. Aber von ckuckchen“ (Zozulka), sondern auch patriotische Tex-
der Hypothese seiner ukrainischen Herkunft zeugen te, wie „Auferstehe, Bojan“ (Woskresny, Bojan). Man
mittelbar folgende zwei Argumente: erstens, gerade könnte in diesem Kontext die Chorbearbeitungen uk-
Eusebius Popowycz ratete den Eltern des Jungen, bei rainischer Volkslieder und 12 Liturgien, welche teilwei-
ukrainischem Musiker Sydir Worobkewycz Musikunter- se auf die kirchenslawischen Texte geschrieben sind.
richt zu nehmen, obwohl in Csernowitz damals auch Mandyczewski´s Vokalwerke zu den ukrainischen
mehrere hochprofessionele Musiker anderer nationalen Texten waren in Bukovina anerkannt und oft aufge-
Herkunft wirkten, und zweitens, zu Popowyczes Ge- führt, sowohl durch die professionellen, als auch durch
dichten in der ukrainischen Sprache wurden manche die liebhaberischen Chöre und Sänger. Auch heute
Lieder von Worobkewycz geschrieben. befinden sie im Repertoire der Bukowinaer Chöre.
38
Also, schon in diesen kurzen Skizzen könnte man ukrainischen Biographen geschätzt. So, z.B. im Artikel
bestätigen, dass die ukrainische Kultur und Tradition zum 75. Todestag von Mandyczewski besteht man,
waren dem Mandyczewski gar nicht fremd und inspi- dass er als Komponist und Theoretiker kaum einen
rierten gewisse Leistungen in seiner Tätigkeit und dem relevanten Spur in der deutschen Musikgeschichte ließ,
Schaffen. Man braucht diese Seite seiner Biographie obwohl gründliche Erudition, Pünktlichkeit, „philologi-
tiefer recherchieren. schen Kenntnisse und seine Akribie in der Quellendeu-
Weitere Wiener Periode des Lebens und Wirkens tung“ ihm lassen muss. Als
von Mandyczewski ist schon wesentlich geforscht und Objekt musikhistorischer
gut bekannt, doch sollte man auch wichtigste Richtli- Forschung wählt man „die
nien seines schöpferischen Erben im allgemeinen dar- in jeder Hinsicht folgen-
stellen – auch unter dem Gesichtswinkel ukrainischer schwere Freundschaft mit
Forscher. In allen oben zitierten Forschungen beginnt Brahms, der vor allem das
man die Reihe wichtigster Leistungen Mandyczewskis Archiv der Wiener Gesell-
von der erfolgreichen Aufführung in der Heimatstadt schaft der Musikfreunde viel
seiner Kantate „Kraft der Harmonie“ für den Chor, verdankt, ist das einzige
Orchester und Solisten, welche er im Alter 16 Jahre Feld, das bislang für die
geschrieben hat. Die Kantate des jungen Komponisten Forschung von Interesse
wurde am Musikwettbewerb in Leipzig ausgezeichnet. gewesen ist“.
1873 begann er die Studien an der Wiener Universität, Besonders bemerkenswert
bei Martin Gustav Nottebohm (Musiktheorie), Eduard scheint die Schlussfolgerung zitiertes Artikels: „Seine
Hanslick (Musikwissenschaft) und Robert Fuchs Kompositionen, seine Dirigate und seine pädagogische
(Kontrapunkt). Demotschko fügte noch hinzu, daß Tätigkeit sind ebenfalls keine lauten, Aufsehen erre-
wegen seiner schwierigen materiellen Lage der Student genden Aktivitäten gewesen. Er war kein polemischer
aus Bukowina private Musikunterricht in den reichen Kanzel-Prediger wie Hanslick, kein Dirigententyrann
Wiener Familien erteilen musste. wie Hans von Bülow und auch kein ruhmsüchtiger
Als bedeutendstes Ereignis im Leben des jungen Mu- Tonsetzer. Wer möchte da nicht mehr über ihn erfah-
sikers erwähnt man seine Begegnung mit Johannes ren?“
Brahms (1879). Von dieser Zeit wurde Mandyczewski Ukrainische Forscher sprechen mit größerem Re-
mit dem berühmten Komponist eng verbunden: dank spekt vom anerkannten seinerseits Wissenschaftler und
der tiefen Begeisterung für Brahms´ Genie dezidierte er Editor. Sein kompositorischer Nachlass ist meistens
sich völlig der Musik widmen. dank der zahlreichen Bearbeitungen ukrainischer, mol-
Seine professionelle Karriere in der Musikstadt Wien dauischer, rumänischer, deutscher, ungarischer, italieni-
war recht glänzend – nicht ohne Anteil von Brahms, scher Lieder erwähnt, seine eigene Solo- und Chorlie-
welcher ihn wohlwollend im Blick hatte. Mit 22 Jahre der sind als „romantische“, „hochprofessionelle“, „in-
leitete er den Chor der Wiener Singakademie und haltsreiche“ charakterisiert. Man betont, er flößte Ach-
gleichzeitig – Archivar der Gesellschaft der Musik- tung solcher berühmten Persönlichkeiten, wie P.
freunde. In wenige Jahre (1896) bekleidete er den Lehr- Tschajkowski, F. Liszt, A. Bruckner u.a. ein. Man be-
stuhl für Musikgeschichte am Wiener Konservatorium. dauert nur, dass sein umfangreiches Erbe – entweder
Aber nicht nur pädagogische Tätigkeit stand im Zent- kompositorisches, oder theoretisches, nicht genügend
rum seiner Interessen. Er wurde vor allem als Editor durch die ukrainischen Musikwissenschaftler geforscht
mehrerer Gesamtausgaben berühmtester, mit Wien sind und meistens unbekannt bleibt. Denn trotz den
verbundenen Komponisten: Beethoven, Schubert, bitteren Wörtern aus dem österreichischen Artikel sind
Haydn und Brahms bekannt. die Früchte mehrjähriger fleißiger Tätigkeit von Euse-
Seine theoretischen und kompositorischen Leistun- bius Mandyczewski beachtenswert?
gen sind verschiedenartig von den österreichischen und

Hermann-Klee-Abend in Berlin
Von Ernst Meinhardt

Er wurde in Rendsburg bei Kiel geboren, absolvierte Hermann-Klee-Abend an den bedeutenden Musiker zu
das Konservatorium in Hamburg und gehörte so nam- erinnern. (…)
haften Klangkörpern wie den Berliner Philharmonikern Über all dies berichtete auf dem Hermann-Klee-
an. Seine größten Erfolge feierte er aber in Siebenbür- Abend im Rumänischen Kulturinstitut in Berlin der
gen und im Banat: Der Komponist und Dirigent Her- Münchener Organist, Dirigent und Musikwissenschaft-
mann Klee. ler Franz Metz. Seinen Vortrag lockerte er mit vielen
Am 8. September 2008 wäre er 125 Jahre alt gewor- bisher unveröffentlichten Fotos auf, die er aus Privat-
den. Die Banater Schwaben in Berlin und den neuen archiven zusammengetragen hat.
Bundesländern nahmen dies zum Anlass, mit einem Einen Ausschnitt aus dem Liedschaffen Klees bekam
das Publikum im zweiten Teil des Abends zu hören.

39
Begleitet von der rumänischen Pianistin Roxana Buga In seiner Zusammenfassung bedauerte der Referent
sangen Renate Dasch (Sopran) und Hans-Beatus Straub Franz Metz, dass Hermann Klee heute kaum noch auf
(Tenor) Lieder, die Hermann Klee zum Teil noch „in den Konzertspielplänen steht. Seine beiden Opern
seiner deutschen Zeit“ geschrieben hatte. haben dem Musikwissenschaftler zufolge wohl keine
Im dritten Teil des Chance, im deutschen
Abends brachten wir Sprachraum aufge-
Konzertausschnitte führt zu werden.
zu Gehör. Sie sind Wohl aber seine Lie-
zum Teil an der der. Sich dafür einzu-
Temeswarer, zum setzen, dass sie einem
Teil an der Klausen- breiteren Publikum
burger Oper ent- bekannt werden, hält
standen. Eine CD Metz für eine der
stelle uns die deut- wichtigen Aufgaben
sche Abteilung von vor allem der Banater
Radio Temeswar Schwaben und der
kostenlos zur Verfü- Siebenbürger Sach-
gung, wofür wir sehr sen.
dankbar sind. Die Einen ersten klei-
übrigen Aufnahmen nen Erfolg in dieser
stammten aus dem Richtung gibt es
Privatbesitz von schon zu vermelden.
Wanda Klee. Dabei Die beiden Solisten
handelte es sich um Tonbandaufnahmen, die Hermann des Abends, Renate Dasch, eine Berlinerin, und Hans-
Klee vor mehr als 40 Jahren an der Temeswarer Oper Beatus Straub, ein Berliner aus München, wollen künf-
selbst gemacht hatte. Die Bänder wurden seither nie tig in ihren Konzerten verstärkt Lieder von Hermann
wieder abgespielt. Wie viel Zeit und Mühe es kostete, Klee singen.
sie für diese Veranstaltung hörbar zu machen, dies zu
schildern wäre abendfüllend und würde zu weit führen. (Auf dem Foto v.l.n.r.: Roxana Buga, Wanda Klee,
Wer besitzt heute noch ein Tonbandgerät, das funktio- Renate Dasch, Hans-Beatus Straub.)
niert und auf dem sich obendrein die passende Ge-
schwindigkeit einstellen lässt?

Ein Hamburger in Temeswar


Zum 125. Geburtstag des Dirigenten und Komponisten Hermann Klee
Von Dr. Franz Metz

Das Standardwerk des deutschen Musikschrifttums den seine ersten Kompositionen. Bei der Abschluss-
ist das Große Musiklexikon von Hugo Riemann (1849- prüfung begleitete er seine eigenen Lieder am Klavier.
1919), das schon im Jahre 1916 in der achten Auflage Zur gleichen Zeit (1904) war Klee auch Dirigent der
veröffentlicht wurde. Alfred Einstein (1880-1952) Gutenberg-Liedertafel in Hamburg-Altona. Außer
erweiterte dann dieses umfangreiche Werk und aktuali- Liedern entstand 1903 die Musik zu dem Festspiel
sierte es, um dann 1959 von Willibald Gurlitt schon in Frühlingserwachen (Text Hermann Pohl), und ein Jahr
der 12. Auflage, nochmals erweitert, zu er- später trat er als Orchesterdirigent auf und erarbeitete
scheinen. Beim Durchblättern des ersten Bandes fin- seine ersten Operettenarrangements. Sein Hauptin-
den wir auch den Namen Hermann Klee mit einigen strument war aber Kontrabass, und so spielte er als 21-
unvollständigen biographischen Angaben. Außerdem jähriger im Orchester der Dresdner Philharmonie. Bei
veröffentlichten in der Neuen Banater Zeitung Joseph Prof. Felix Draeseke setzte er dann sein Studium fort,
Brandeisz und Luzian Geier Artikel über das Leben um 1905 im Berliner Philharmonischen Orchester auf-
und Schaffen Klees. In Temeswar eröffnete man sogar genommen zu werden. Zeitweilig wirkte er auch an der
eine Ausstellung mit Musikalien und Handschriften Oper, wo Beziehungen zu namhaften Komponisten
sowie Plakate über Hermann Klee (Museographin Ro- und Dirigenten entstanden: Gustav Mahler, Arthur
dica Giurgiu trug das Material zusammen), und die Nikisch, Richard Strauss, Ferruccio Busoni, Siegfried
Temeswarer Oper ehrte den Komponisten und ihren Ochs, Leo Blech und Max Eschke. Er vertiefte seine
Chorleiter und Dirigenten mit einem Hermann-Klee- Kenntnisse vor allem in Kontrapunkt, Komposition
Abend. und Canto.
Hermann Klee wurde am 8. September 1883 in Aufgrund einer Zeitungsannonce bewarb sich Her-
Rendsburg bei Hamburg geboren. Schon zur Zeit sei- mann Klee 1909 in Bistritz (Siebenbürgen) um die
nes Studiums am Hamburger Konservatorium entstan- Stelle des Chormeisters, Musiklehrers und Organisten.

40
Hier wirkte er dann bis 1919, das Jahr, in dem Klee Beziehungen zu Tiberiu Brediceanu, dem damaligen
dann nach Klausenburg umgezogen ist, um hier als Generaldirektor der Oper, Dimitrie Popovici-Bayreuth
Dirigent des Opernchores tätig zu sein. Tiberiu Bredi- sowie zu Sabin Drăgoi, Wilhelm Siorban, zu seinem
Librettisten Dr. Ion Dan, der Sängerin Lya Pop-
Popovici and anderen. Viele Rezensionen aus deut-
schen, ungarischen und rumänischen Zeitungen jener
Zeit lobten Hermann Klees Arbeit mit dem Klausen-
burger Opernchor und würdigten sein kompositori-
sches Schaffen: so die Deutsche Allgemeine Zeitung,
Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Musik, Ostland,
Hermannstädter Tagblatt, Siebenbürgisch Deutsches
Tagblatt, Deutscher Bote, Uj Kelet, Keleti Ujság, Nati-
unea, Cuvantul, Aurora, Patria, u. a.
Aus einem Brief aus dem Jahre 1929 an Sabin Drăgoi
ist ersichtlich, dass Klee bereit gewesen wäre, nach
Temeswar als Chorleiter zu kommen. Dies kommt aber
erst mit der Umsiedlung der Klausenburger Oper nach
Temeswar zustande, 1940. Sechs Jahre später berief die
Direktorin Aca de Barbu Klee als Chormeister an die
neu gegründete Staatsoper in Temeswar. 25 Jahre ver-
brachte Hermann Klee in der Banater Metropole, bis er
kurz vor seinem 87. Geburtstag, am 22. August 1970,
verstarb.
Am 27. April 1947 wurde die erste Spielzeit der Te-
meswarer Staatsoper mit Verdis Aida eröffnet. In den
Anfangsjahren gelang es Hermann Klee, aus dem zu-
sammengewürfelten Opernchor einen homogenen
Klangkörper zu machen. Unter der musikalischen Lei-
tung Klees wurden ferner Cavalleria rusticana, Bo-
heme, Carmen, Eugen Onegin, Figaros Hochzeit, Rigo-
letto, Faust, Don Pasquale, Ana Lugojana, Das Drei-
ceanu, ein aus Lugosch stammender bedeuten-
der Komponist und Folklorist, war damals der Leiter mädelhaus auf die Bühne gebracht. In Temeswar ent-
der Klausenburger Oper und Hermann Klee kannte stand das vokal-symphonische Poem Es geht ein Lied-
von der Bistritzer Zeit her dessen kompositorisches chen im Volke nach Versen von Anna Ritter, und in
Schaffen. Dessen Komposition La şezătoare wurde Zusammenarbeit mit Mercedes Pavelici das Ballett Der
vom Bistritzer Chor 1913 unter Hermann Klee urauf- goldene Apfel, das in Russe (Bulgarien) uraufgeführt
geführt. Hier in Klausenburg entstanden in den Jahren und 1960 in Kronstadt ins Repertoire aufgenommen
1919-1946 seine bedeutendsten Werke: die Märchen- wurde. Dirigiert von Norbert Petri wurde es am 24.
oper Făt frumos (Uraufführung 1924) und Es tagt September 1961 vom Fernsehen ausgestrahlt. Ebenfalls
(1926). Die zweite Oper wurde aber erst 1956 von den in Temeswar schuf er die Kammermusikstücke Aus der
Temeswarer Philharmonikern als Konzert unter der Puppenstube (für Klavier) und Reverie (für Harfe). Der
Stabführung von Mircea Popa aufgeführt. Es entstan- rumänische Rundfunk hat Mitte der dreißiger Jahre die
den auch die Gesänge Zarathustra und Venedig nach ersten Klee-Lieder gesendet. Auch Chöre nach Texten
Friedrich Nietzsche, das symphonische Poem Lancelot, von Eichendorff, Goethe, Karl Stieler, Storm, Hesse
die Ballade, die Sinfonietta in C-Dur und die Suite und Theodor Fontane entstanden in dieser Zeit.
Dorfleben, außerdem viele deutsche und rumänische In Temeswar heiratete Hermann Klee Rosalia Lo-
Lieder und Chöre, Klavierstücke sowie zahlreiche Be- renz, Sängerin im Opernchor. Seine Familie lebt heute
arbeitungen. Allein die Märchenoper Făt frumos wurde in Deutschland. Die meisten seiner Werke sind nur in
zwischen 1924 und 1940 über vierzigmal aufgeführt, wenigen Handschriften erhalten geblieben. Noch vor
und in Temeswar wurde die gleiche Oper 1957 als dem Zweiten Weltkrieg druckte Pregler in Temeswar
Neuinszenierung siebenmal aufgeführt. sechs seiner Lieder nach Texten rumänischer Dichter.
Im Jahre 1920 wurde dann Klee zum Professor für Eine wichtige Rolle in der Verbreitung und
Theorie, Kontrapunkt, Harmonie und Komposition an Aufführung von Hermann Klees Liedern spielte die
das Klausenburger Konservatorium berufen. Seine langjährige Pianistin der Temeswarer Staatsoper, Wally
Schüler waren unter anderen die späteren bedeutenden Tarjányi, die schon 1957 „…zum guten Gelingen der
Komponisten Sabin Drăgoi, Zeno Vancea, Eugen Cu- Premiere Făt frumos“ (so der Komponist selbst in
teanu, der Sänger Traian Grozavescu und andere. In einer Widmung) viel beigetragen hat und sich noch bis
diesen Jahren entstanden dauerhafte freundschaftliche zu ihrem Tode um die Verbreitung seines Liedschaf-
fens bemühte.
41
Wolfgang Meschendörfer verabschiedete sich von Coesfeld mit einem
Konzert
Unser stellvertretender Vorsitzender und Leiter der Löwensteiner Musikwoche geht in den wohlverdienten Ruhestand

Es ist schon eine Zeit her, seit dem sich Wolfgang Meschendörfer von Coesfeld verabschiedet hat. Nun kann er mit
seiner Familie in Dessau gemeinsam seinen wohlverdienten Ruhestand verbringen. Wir wünschen ihm dabei viel Freu-
de und noch die nötige Gesundheit dazu, um noch viele Jahre unserer GDMSE treu zu bleiben. Ohne ihn gäbe es viel-
leicht gar nicht mehr die Löwensteiner Musikwoche. Im April 2008 lud er seine Freunde mit folgendem Schreiben zu
seinem Abschiedskonzert nach Coesfeld ein:

Ich verabschiede mich von einem treuen und begeis- Es folgt dann, wie auch im November, ein Werk von
terten Publikum zusammen mit Rudolf Innig mit einem Beethoven, diesmal eine Serenade, die Beethoven in
Konzert am Dienstag, dem 22. April 2008 um 19.30 einer ersten Fassung als Op. 8 für ein Trio aus Flöte,
Uhr im WBK Coesfeld, (Osterwickerstr. 29), Violine und Viola schrieb und die er später zu einem
zu welchem ich Sie herzlich einladen möchte. Nicht Werk für Flöte und Klavier umschrieb und dem Werk
zufällig haben wir dieses Datum gewählt: am 22. April auch die neue Opuszahl 41 gab, ein Hinweis, dass ihm
1980, also vor genau 28 Jahren, hatten wir auf Initiative das Werk wichtig war. Diese Serenade, mit ihren sieben
unseres väterlichen Freundes Hubert Westendorf unse- Sätzen beinhaltet 20 Minuten unterhaltsamer und stark
ren ersten gemeinsamen Konzertauftritt, nur einige kontrastierender Musik mit einem fulminanten Ende.
Wochen nach Beginn meiner Tätigkeit an der hiesigen Die Musik meiner Heimat Siebenbürgen war mir ein
Musikschule. wichtiges Anliegen, es gibt eine ganze Reihe sehr guter
Inzwischen sind ca. 320 Schülerinnen und Schüler und völlig unbekannter Musik, die ich in meinen Kon-
„durch meine Hände gegangen“, ca. 100 von ihnen zerten bekannt machen wollte. Auch in Rumänien
haben es über 5 Jahre bei mir ausgehalten und sind wurde diese Musik wenig gespielt und im Jahr 1996
nicht unwesentlich von mir geprägt worden. Sie und reiste ich als deutscher Siebenbürger nach Rumänien,
ihre Eltern waren auch in erster Linie mein stets begeis- um die dortige rumänische Musik aufzuführen.
tertes Publikum bei den Konzerten. Cornel Tzăranu war zur Zeit meines Musikstudiums
Während ich beim Konzert im November einfach in Klausenburg ein junger, begabter Komponist, Meis-
Werke auswählte, die ich gerne noch einmal spielen terschüler unseres Rektors Sigismund Todutza, seine
wollte, so erinnert das Konzertprogramm dieses „Jubi- Flötensonate schrieb er 1960 noch als Student und ich
läums-Konzertes“ an einige Schwerpunkte in dem Re- glaube, sie ist auch sein bestes und ausdrucksstärkstes
pertoire der ca. 150 öffentlichen Auftritte in 28 Jahren Werk geblieben. Diese Sonate verrät sein damaliges
Konzerttätigkeit. Wir hatten zu Beginn der 80-ger Jahre großes Vorbild: Bela Bartok, der ungarische Kompo-
mit einem Zyklus mit sämtlichen Händel- und Bach nist, der die reiche Volksmusik der Balkanländer nicht
Flötensonaten begonnen. Auf diesen Zyklus beziehen nur zitierte, sondern auch neue Melodien und Rhyth-
sich die ersten beiden Werke des diesmaligen Konzert- men im Stile der Volksmusik erfand.
abends: die Händel-Sonate in G-Dur Op.1 Nr. 5, ein Auch in dieser Sonate gibt es im ersten Satz typisch
nicht zu langes, 5-sätziges Stück mit einer langsamen klagende rumänische Melodiemotive, die sich zu mit-
Einleitung, einem virtuosen Mittelsatz und zwei kurzen, reißenden Gefühlsausbrüchen steigern, im zweiten Satz
abschließenden Tanzsätzen, und die Bach-Sonate in hämmert ein wild rasender unregelmäßiger Rhythmus
E-Dur BWV 1035, die mir besonders am Herzen liegt bis an die Grenzen des musikalischen Ausdrucks.
mit ihrem ersten, von Bach selbst reich verzierten Ein- Ja, und am Schluss unseres Programms schmettert
leitungssatz, und zwei schnellen Sätzen mit beeindru- die „Schwarze Amsel“ ihr unverwechselbares Lied,
ckenden Spannungsbogen. Dazwischen liegt noch ein dem der Komponist Olivier Messiaen so einfühlsam
eigentümlicher Satz im fast depressiven cis-Moll aber zuhörte und meisterhaft zu Papier brachte, - eine letzte
einem tänzelnden Siciliano-Rhythmus. große Herausforderung für unser gemeinsames Musi-
zieren.

Kurz notiert…
Kongress in Leipzig
23.09. bis 3.10.2008 fanf in der Leipzig der internationale Kongress der Gesellschaft für Musikforschung statt. Thema:
Musik – Stadt. Traditionen und Perspektiven urbaner Musikkulturen. Leiter: Prof. Dr. Helmut Loos und Prof. Dr.
Sebastian Klotz von dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig. Zu den zahlreichen Referenten aus
dem In- und Ausland zählten auch Dr. Ferenc Laszlo, Klausenburg, der über die multiethnischen Traditionen im Be-
reich des Klausenburger Musiklebens sprach, Dr. Valentina Sandu-Dediu, Bukarest, die über das Musikleben der rumä-
nischen Hauptstadt um 1900 referierte und Dr. Franz Metz, München, mit dem Thema Von der königlichen Freistadt
Temeswar zum Musikkulturzentrum Neurumäniens. Die Musikkulturen der Stadt Temeswar in den ersten Jahrzehn-

42
ten des 20. Jahrunderts. Weitere Referenten: Dr. Tibor Tallian aus Budapest, Dr. Jana Lengová aus Bratisla-
va/Preßburg, Dr. Jitka Bajgarova aus Prag, Dr. Marijana Kokanovic aus Novi Sad/Neusatz, Dr. Luba Kyyanovska aus
Lemberg, Dr. Hartmut Krones aus Wien, Dr. Peter Andraschke aus Freiburg u.a.

Symposium in Budapest
Samstag, 14. Juni 2008, fand in Budapest, Haus der Ungarndeutschen, ein musikwissenschaftliches Symposium zum
Thema Das Kirchenlied der Donauschwaben. Zum Gedenken an Dr. Franz Galambos-Göller statt. Veranstalter: St.
Gerhards-Werk e.V., Stuttgart, in Zusammenarbeit mit dem Landesrat der ungarndeutschen Chöre, Kapellen und
Tanzgruppen, Budapest. Referaten: Dr. Franz Metz, München (Gesangbücher und Kirchenlieder der Donauschwaben
– Eine Bestandaufnahme nach 300 Jahren donauschwäbischer Geschichte), Agnes Watzatka, Franz-Liszt-
Musikhochschule, Budapest (Ungarische oder deutsche Kirchenlieder? Das Kirchenliederbuch von Zsasskovszky als
kulturhistorisches Dokument), Dr. Wendelin Hambuch, Budapest (Ein Leben für das ungarndeutsche Gesangbuch.
Zum Leben und Wirken von Pfarrer Dr. Franz Galambos-Göller), Dr. Maria Mirk, Franz Neubrandt, Pilisszentiván /
Sanktiwan (Die Kirchenlieder von Sanktiwan bei Ofen und Umgebung (Pilisszentiván és környéke német egyházi
énekei), Michael Frühwirth, Vecsés / Wetschesch (Zur Dokumentation des katholischen Kirchenliedes der Ungarn-
deutschen in Wetschesch).

Symposium über Josef Willer


Am 17. Mai 2008 fand in Lugosch ein Symposium über den Politiker und Musiker Dr. Josef Willer (1884-1972) statt.
Dieser wirkte viele Jahrzehnte als Musiker und Musikpädagoge in der Banater Musikstadt Lugosch und war Lehrer u.a.
von Traian Grosavescu, Filaret Barbu, Zeno Vancea, Klara Peia, Florin Paul, Franz Metz, u.a. Referenten dieses Sym-
posiums waren u.a. Miklós Bakk, János Szekernyés, Laszló Udvardy, Franz Metz. Am Abend des gleichen Tages fand in
der katholischen Pfarrkirche ein Orgelkonzert statt, bei dem u.a. Werke Lugoscher Komponisten aufgeführt wurden.
Interpreten: Franz Metz aus München (Orgel), Gabriel Banat aus New York, Gabriel Popa aus Temeswar (Violine),
Nicoleta Colceiar, Solistin der Temeswarer Oper (Sopran).

Internationales musikwissenschaftliches Symposium in München


Am 18.-19. April 2008, fand im Haus des Deutschen Ostens, München, folgendes Symposium statt: Musik als interkul-
tureller Dialog. Zur Rezeptionsgeschichte deutscher Musikkulturen Südosteuropas. Referenten: Dr. Victor Neumann
(Temeswar), Dr. Ozana Alexandrescu (Bukarest), Karl Teutsch (Weissach), Prof. Dr. Klaus-Peter Koch (Bergisch-
Gladbach), Dr. Franz Metz (München), Dr. Ivana Perkovic-Radac (Belgrad), Constantin Stan (Lugosch), Agnes Wat-
zatka (Budapest), Peter Szaunig (Bad Wörishofen), Daniel Suceava (Bukarest), Dr. Andreas Wehrmeyer (Regensburg),
Dr. Ferenc Laszlo (Klausenburg), Vesna Ivkov (Novi Sad), Dr. Maria Bodo (Temeswar), Dr. Richard Witsch (Bergisch-
Gladbach), Dr. Jana Lengová (Bratislava). Diese internationale Veranstaltung wurde vom Staatsministerium für Sozial-
ordnung, Bayern, und dem Haus des Deutschen Ostens gefördert.

Konzert mit vielen deutschen Erstaufführungen


Sonntag, 8. Juni 2008 fand in der alten Wallfahrtskirche Maria Ramersdorf, München, ein Konzert mit dem Ensemble
Capella Bavarica statt. Solisten: Roswitha Schmelzl (Sopran), Annette Kramny (Alt), Adrian Sandu (Tenor), Tobias
Neumann (Bass), Leitung Franz Metz. Im Programm werke von Vaclav (Wenzel) Pichl, Franz Novotny, Franz Lim-
mer, Johann Georg Lickl, Anton Leopold Herrmann, Johann Michael Haydn, Wilhelm Schwach, Mozart.

Der Geiger Gabriel Banat besuchte seine Heimatstadt Temeswar


Geboren 1926 in Temeswar, wurde er bald als ein musikalisches Wunderkind gefeiert. Nach seinem Studium in Buda-
pest wurde er von George Enescu gefördert. 1946 verließ er Rumänien und ließ sich in New York nieder. Hier wirkte
er im berühmten Orchester der Philharmoniker und konzertierte in der ganzen Welt. Im Mai 2008 besuchte er auf Ein-
ladung von Dr. Franz Metz seine Heimatstadt und wurde zum Ehrenbürger ernannt. BBC hat ihm eine eigene Sendung
gewidmet.

E D I T I O N M U S I K S Ü D O S T (München)
www.edition-musik-suedost.de
MusikNoten-Verlag Latzina (Karlsruhe)
www.musiknotenverlag.de
43
Die Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V.

Die Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V. (GDMSE) wurde 1997 gegründet und setzt die Tätigkeit
des ehemaligen Arbeitskreises Südost, gegründet 1984, fort. Laut § 2 der Satzung verfolgt der Verein folgende Ziele: Sammlung von
Musikdokumenten, Pflege, musikpraktische und wissenschaftliche Aufarbeitung historischer sowie zeitgenössischer Musikkultur
der Deutschen aus Südosteuropa in ihrem integralen regionalen Zusammenhang mit der Musikkultur benachbarter Völker.
Diese Aufgaben der Gesellschaft werden erfüllt durch: Sammlung, Sicherung und Aufarbeitung von Musikdokumenten; Förde-
rung wissenschaftlicher Arbeiten und Durchführung von Forschungsvorhaben; Herausgabe von Noten, Schriften, Tonträgern und
sonstigem Arbeitsmaterial; Planung und Durchführung von Studien- und Arbeitstagungen; Musikbezogene Projekte und Veran-
staltungen im In- und Ausland, auch unter dem Aspekt der Identitätsfindung und Integration von Spätaussiedlern mittels musik-
kultureller Aktivitäten sowie der Förderung des internationalen künstlerischen und wissenschaftlichen Austausches im Musikbe-
reich; Zusammenarbeit mit anderen Vereinen und Institutionen mit ähnlichen Aufgaben im In- und Ausland.
Unsere Gesellschaft befasst sich mit der Musikkultur folgender Regionen: Banat, Batschka, Bessarabien, Buchenland, Branau,
Dobrudscha, Galizien, Gottschee, Hauerland, Heideboden, Ofener Bergland, Sathmar, Schomodei, Siebenbürgen, Slawonien,
Syrmien, Tolnau, Zips. Heute gehören diese mit deutschen Kolonisten besiedelten historischen Siedlungsgebiete zu folgenden
Staaten: Rumänien, Ungarn, Serbien und Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Slowenien, Slowakei, Ukraine.
Für die Erfüllung unserer Aufgaben und Ziele wurde dem Verein vom Finanzamt Balingen die Gemeinnützigkeit für wissen-
schaftliche Zwecke zuerkannt. Der Verein wurde vom Amtsgericht Hechingen in das Vereinsregister eingetragen. Für die Durch-
führung seiner Aufgaben kann unsere Gesellschaft für einzelne Projekte öffentliche Mitteln beantragen.
Oberstes Organ der Gesellschaft ist die Mitgliederversammlung. Sie legt die Richtlinien für die Arbeit fest und wählt den Vor-
stand, der die Verwaltungsgeschäfte leitet. Alljährlich findet in der Woche nach Ostern die bereits zur Tradition gewordene Mu-
sikwoche statt.

An die
Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V.
Hugo-Weiss-Str. 5, D-81827 München

Beitrittserklärung

Hiermit möchte ich ordentliches Mitglied der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V.
werden.

Vor- und Nachname:…………………………………………………………..

Geburtsdatum und Ort:………………………………………………………...

Anschrift:………………………………………………………………………

Der Jahresbeitrag von 30,- € (ermäßigt 20,-, Familien 40,-) soll von meinem/unserem Konto abgebucht werden.

Meine Bankverbindung:

Datum:…………………………….. Unterschrift……………………………..

Impressum:
MUSIKZEITUNG: Mitteilungsblatt der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V.
Herausgeber: GDMSE e.V., München
Redaktion, Anschrift der Gesellschaft für deutsche Musikkultur im südöstlichen Europa e.V.:
Hugo-Weiss-Str. 5
D-81827 München
Tel/Fax: 089-45011762
Weitere Informationen unter: www.suedost-musik.de
Preis dieses Heftes: 4,- € incl. Versand
Bankverbindung: Sparkasse Zollernalb, BLZ 653 512 60, Konto 25078127

44

Das könnte Ihnen auch gefallen