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COVID-19-Impfungen:

Anwendungsempfehlungen des
Nationalen Impfgremiums
Version 6.0, Stand: 04.11.2021
Impressum

Medieninhaber:innen und Herausgeber:innen:


Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK)
Stubenring 1, 1010 Wien

Verlags- und Herstellungsort: Wien


Autor:innen: Katja Fischer, Heidemarie Holzmann, Ursula Karnthaler, Sigrid Kiermayr,
Jean-Paul Klein, Daniela Kohlfürst, Herwig Kollaritsch, Michael Kundi, Georg Palmisano,
Maria Paulke-Korinek, Daniela Philadelphy, Albrecht Prieler, Monika Redlberger-Fritz, Ka-
tharina Reich, Marton Széll, Barbara Tucek, Ursula Wiedermann-Schmidt, Karl Zwiauer.
Wien, 04.11.2021

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vorgreifen.

Seite 2 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Inhalt

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums ......... 4


Vorbemerkung........................................................................................................................ 4
Neuerungen/Änderungen im Vergleich zur Vorversion......................................................... 6
Kostenfreie Impfung ............................................................................................................... 6
Einsatz von Impfstoffen .......................................................................................................... 6
Aufklärung und Indikationsstellung zur Impfung ................................................................... 7
Gegenanzeigen ....................................................................................................................... 7
Impfschema ............................................................................................................................ 8
Versäumte Impfungen .......................................................................................................... 10
Impfschema für Verabreichung der dritten Impfung ........................................................... 11
Impfung nach PCR-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und bei Genesenen ......................... 15
Personen mit chronischen Erkrankungen, beeinträchtigtem Immunsystem oder
immunsuppressiver Behandlung .......................................................................................... 17
Vorgehen nach Impfung bei Hochrisikopersonen, Non-Responder .................................... 18
Fertilität ................................................................................................................................ 21
Schwangerschaft .................................................................................................................. 21
Stillzeit .................................................................................................................................. 22
Kinder und Jugendliche ........................................................................................................ 23
Intervall zu anderen Impfungen und Operationen .............................................................. 24
Antikörper- und Titerbestimmungen auf SARS-CoV-2 vor Impfung .................................... 25
Überprüfung des Impferfolgs ............................................................................................... 25
Impfreaktionen, Nebenwirkungen und Hintergrundmorbidität .......................................... 26
Allergien................................................................................................................................ 29
Thrombosen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung .......................................... 30
Screening- und Testprogramme ........................................................................................... 32
Kontaktpersonenmanagement von geimpften Personen, die Kontakt mit Personen mit
nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion hatten .................................................................... 33
Virus-Varianten und deren Auswirkung auf die Effektivität von Impfstoffen ..................... 34
Vorgehen nach Impfung mit nicht durch die Europäische Kommission zugelassenen
Impfstoffen ........................................................................................................................... 36
Praktische Hinweise ............................................................................................................. 37
Überblick über verfügbare Impfstoffe in Österreich............................................................ 38

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COVID-19-Impfungen:
Anwendungsempfehlungen des
Nationalen Impfgremiums

Vorbemerkung

Es handelt sich hier um Richtlinien/Empfehlungen für die Umsetzung der COVID-19-Imp-


fungen in Österreich. Die Empfehlungen werden entsprechend den jeweils vorliegenden
Daten und dem aktuellen Wissensstand regelmäßig adaptiert und ergänzt. Neuerungen
zur jeweils letzten Fassung werden rot hervorgehoben. Die Wirksamkeit in der Verminde-
rung von SARS-CoV-2-Infektionen und symptomatischen COVID-19-Erkrankungen durch
die in der EU zugelassenen COVID-19-Impfstoffe ist exzellent dokumentiert. Darüber hin-
aus sind Personen mit einer vollständigen ersten Impfserie weniger ansteckend als nicht
geimpfte Personen1,2,3,4,5,6,7,8,9,10,11.

1 Levine-Tiefenbrun, M. et al. Initial report of decreased SARS-CoV-2 viral load after inoculation with the BNT162b2 vac-
cine – Nature Medicine, VOL 27, May 2021, 790-792; https://doi.org/10.1038/s41591-021-01316-7
2 Ke, R. et al. Longitudinal analysis of SARS-CoV-2 vaccine breakthrough infections reveal limited infectious virus shed-
ding and restricted tissue distribution – Sep 2021; https://doi.org/10.1101/2021.08.30.21262701
3 Regev-Yochay, G. et al. Decreased infectivity following BNT162b2 vaccination: A prospective cohort study in Israel –
The Lancet Regional Health – Europe 7 (2021) 100150
4 Bergwerk M et al. Covid-19 Breakthrough Infections in Vaccinated Health Care Workers – NEJM 2021; 385:1474-1484
5 Harris JR. et. al. Effect of Vaccination on Household Transmission of SARS-CoV-2 in England, Corresp, NEJM 2021:385;8.
6 Shah SVA et al. Effect of Vaccination on Transmission of SARS-CoV-2, Corresp, NEJM 2021,DOI:10.1056/NEJMc2106757
7 Petter E, et al. Initial real world evidence for lower viral load of individuals who have been vaccinated by BNT162b2.;
https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.02.08.21251329v1
8 Thompson MG, et al. Prevention and Attenuation of Covid-19 with the BNT162b2 and mRNA-1273 Vaccines. N Engl J
Med. 2021;385(4):320-9.; https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/nejmoa2107058
9 McEllistrem MC, et al. Single dose of a mRNA SARS-CoV-2 vaccine is associated with lower nasopharyngeal viral load
among nursing home residents with asymptomatic COVID-19. CID 2021; 73(6) e1365–e1367
10 Abu-Raddad LJ, et al. Effect of vaccination and of prior infection on infectiousness of vaccine breakthrough infections
and reinfections.; https://www.medrxiv.org/content/10.1101/2021.07.28.21261086v1
11 de Gier B, et al. Vaccine effectiveness against SARS-CoV-2 transmission and infections among household and other
close contacts of confirmed cases, the Netherlands, February to May 2021. Euro Surveill. 2021;26(31).; https://www.eu-
rosurveillance.org/content/10.2807/1560-7917.ES.2021.26.31.2100640

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Auf individueller Ebene bedeutet die Impfung, dass das Risiko, schwer an COVID-19 zu er-
kranken oder zu versterben, minimiert wird. Kommt es in Ausnahmefällen trotz Impfung
zu einer COVID-19-Erkrankung, so verläuft diese im Normalfall deutlich milder und werden
Komplikationen und Todesfälle weitgehend vermieden. Auf gesellschaftlicher Ebene führt
die Impfung zu einer Verminderung der Transmission und damit zu einer Eindämmung des
Infektionsgeschehens in der Bevölkerung1,2,3,4,5,6. Schutzmaßnahmen wie das Tragen von
Masken müssen dennoch so lange aufrechterhalten werden, bis ausreichend viele Men-
schen geimpft sind.

Wichtigstes Ziel der Bekämpfung der Pandemie ist nach wie vor das Erreichen
einer möglichst hohen Durchimpfungsrate in der österreichischen Bevölkerung,
d.h. eine Erhöhung des Anteils an Personen mit einer ersten Impfserie bestehend
aus 2 Dosen. Daher sind weiterhin alle Maßnahmen voranzutreiben, um noch
nicht geimpfte Personen zu erreichen. Vor dem Hintergrund der über die Zeit
nachlassenden Wirksamkeit gewinnt die 3. Impfung für bereits geimpfte Personen
jedoch an Bedeutung, insbesondere für Risikogruppen.

Ein sorgsamer Umgang mit Impfstoffen ist geboten, von den abrufenden Stellen sollten
nur Impfstoffe bestellt werden, die tatsächlich auch verimpft werden können. Impfter-
mine sollen derartig gelegt werden, dass es möglich ist, die Mehrdosenbehältnisse inner-
halb der gegebenen Fristen aufzubrauchen, um Impfstoff-Verwurf zu vermeiden. So ist es
möglich, dass nicht benötigte Impfstoffe an anderen Stellen eingesetzt werden können, an
denen sie dringend benötigt werden und dazu beitragen, Menschenleben zu retten.

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Neuerungen/Änderungen im Vergleich zur Vorversion

Tabelle 1: Änderungen wurden in folgenden Kapiteln vorgenommen

Kapitel Änderung

Impfschema Zulassung 3. Impfung Spikevax, Alterseinschränkung


der Spikevax-Anwendung: empfohlen ab Alter ≥30
Jahren

Impfschema für Verabreichung der 3. Imp- Neues Kapitel, Ergänzungen Empfehlung Spikevax plus
fung Tabelle. Impfung, 3. Impfung während der Schwanger-
schaft

Vorgehen nach Impfung bei Hochrisikoperso- Erläuterungen Impfungen bei schwer immunsuppri-
nen, Non-Responder mierten Personen plus Tabelle

Impfung nach PCR-bestätigter SARS-CoV-2- Neues Kapitel plus neue Tabelle


Infektion und bei Genesenen

Antikörper- und Titerbestimmungen auf Ergänzende Hinweise


SARS-CoV-2 vor Impfung

Vorgehen nach Impfung mit nicht durch die Empfehlung für mit WHO-EUL gelisteten, nicht EU-
Europäische Kommission zugelassenen Impf- weit zugelassenen Impfstoffen geimpfte Personen
stoffen

Kostenfreie Impfung

Die Impfung gegen COVID-19 wird in Österreich kostenfrei angeboten.

Einsatz von Impfstoffen

Derzeit sind in Österreich zwei mRNA-Impfstoffe ab dem vollendeten 12. Lebensjahr


(Comirnaty von BioNTech/Pfizer und Spikevax von Moderna) sowie zwei Vektorimpfstoffe
ab dem vollendeten 18. Lebensjahr (Vaxzevria von AstraZeneca und COVID-19 Vaccine
Janssen von Janssen) zugelassen. Für die beiden mRNA-Impfstoffe liegt mittlerweile eine
Zulassung für eine 3. Impfung 6 Monate nach der 2. Impfung vor. Die Impfstoffe können
laut Empfehlung in allen Personengruppen unter Berücksichtigung der Fachinformation
eingesetzt werden.

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Aufklärung und Indikationsstellung zur Impfung

Der Beurteilung der Impftauglichkeit sollte im Rahmen von COVID-19-Impfungen besonde-


res Augenmerk geschenkt werden. Lässt der Allgemeinzustand der zu impfenden Person
Zweifel an einem günstigen Nutzen-/Risikoverhältnis der Impfung aufkommen, kann
durchaus ein vorübergehendes oder dauerhaftes Zurückstellen von der Impfung erwogen
werden. Innerhalb von 3 Tagen nach der Impfung wird körperliche Schonung empfohlen,
Leistungssport sollte in dieser Zeit vermieden werden.

Es sollte in die Überlegungen auch einbezogen werden, dass Impfreaktionen bei den
mRNA-Impfstoffen nach der zweiten Impfung oft etwas stärker ausfallen, was bei der Prü-
fung der Impftauglichkeit zur zweiten Impfung anhand der Reaktion auf die erste berück-
sichtigt werden soll. Bei dem Vektorimpfstoff von AstraZeneca waren die berichteten
Impfreaktionen nach der zweiten Impfung milder und seltener im Vergleich zu jenen nach
der ersten Impfung. Demnach ergibt sich bei einem heterologen Impfschema mit 1. Imp-
fung Vektorimpfstoff von AstraZeneca und 2. Impfung mRNA-Impfstoff für beide Dosen
eine vergleichbare bis höhere Rate an Impfreaktionen.
Personen, welche mit einem COVID-19-Impfstoff geimpft werden (insbesondere Vaxzevria
von AstraZeneca oder dem Impfstoff COVID-19 Vaccine von Janssen), sollen auf ein mögli-
ches Risiko für thromboembolische Ereignisse (Blutgerinnsel)/Thrombopenie (Verminde-
rung von Blutplättchen) hingewiesen werden (siehe dazu auch Impfreaktionen, Nebenwir-
kungen und Hintergrundmorbidität und Thrombosen im Zusammenhang mit einer
COVID-19-Impfung).

Weder eine Neigung noch eine Vorgeschichte zu Thromboembolien ist ein Ausschluss-
grund für eine Impfung. Es gibt keinen Grund, aus Sorge vor Nebenwirkungen COVID-19-
Impfungen abzusagen oder aufzuschieben oder wegen der Impfung gegen COVID-19 ge-
rinnungshemmende Medikamente einzusetzen. Eine vorbestehende Gerinnungsmedika-
tion soll aber nicht abgesetzt werden.

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile des Impfstoffes stel-
len eine Gegenanzeige dar. Personen, die schon einmal ein Kapillarlecksyndrom (Capillary

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Leak Syndrom, CLS) hatten, dürfen nicht mit Vektorimpfstoffen geimpft werden. Perso-
nen, bei denen nach der Impfung mit Vaxzevria das Thrombose-mit-Thrombozytopenie-
Syndrom (TTS) aufgetreten ist, dürfen nicht mit Vaxzevria geimpft werden.

Weitere Details sind der jeweils aktuellen Version der Fachinformation zu entnehmen.

Darüber hinaus gibt es Zustandsbilder, die ein vorübergehendes oder dauerhaftes Auf-
schieben von Impfungen erforderlich machen können, siehe auch Kapitel „Kontraindikati-
onen“ im Impfplan Österreich und Kapitel zu Immunsuppression (Personen mit chroni-
schen Erkrankungen, beeinträchtigtem Immunsystem oder immun-suppressiver Behand-
lung) weiter unten sowie die jeweils aktuelle Version der Fachinformation. Hier handelt es
sich letztendlich um ärztliche Einzelfall-Evaluierungen.

Impfschema

Für einen vollständigen, initialen Impfschutz muss eine Impfserie mit dem Impfstoff been-
det werden, mit dem sie begonnen wurde. Die Verwendung unterschiedlicher Impfstoffe
bei Impfung 1 und 2 ist – bei Impfstoffen, die im 2-Dosen-Schema zugelassen sind – im
Rahmen der ersten Impfserie bestehend aus 2 Dosen eine off-label-Anwendung. Studien-
daten zu heterologen Impfschemata zeigen eine sehr gute Immunantwort. Sind nach einer
1. Impfung schwere Nebenwirkungen aufgetreten, die einen Impfstoff-Wechsel rechtferti-
gen, bei Nebenwirkungen, welche eine medizinische Kontraindikation für eine zweite Imp-
fung mit dem gleichen Impfstoff darstellen oder wenn dies aus Sicht der zu impfenden
Person dringend wünschenswert ist, so soll ein Impfstoffwechsel angeboten werden
(off-label Anwendung).
Bei Eintreten einer Schwangerschaft nach der 1. Impfung mit dem 2-teiligen Vektorimpf-
stoff, soll ein heterologes Impfschema in Erwägung gezogen werden. Wird ein heterologes
Impfschema angewandt, wird den verantwortlichen Ärztinnen und Ärzten empfohlen, die
diesbezügliche Aufklärung inkl. der ausdrücklichen Begründung sowie Zustimmung der zu
impfenden Person explizit zu dokumentieren.

Comirnaty von BioNTech/Pfizer wird laut Fachinformation in 2 Dosen in einem Intervall


von 21 Tagen mit einem möglichen Intervall von 19-42 Tagen verabreicht, der Impfstoff ist
hierfür ab einem Alter von 12 Jahren zugelassen. Mittlerweile kann gemäß Zulassung au-
ßerdem eine dritte Impfung für stark immunsupprimierten Personen ab 12 Jahren– frü-
hestens 28 Tage nach Erhalt der 2. Impfung erfolgen. Details siehe Kapitel „Vorgehen nach

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Impfung bei Hochrisikopersonen, Non-Responder“. Zudem liegt eine Zulassung für eine
3. Impfung für Personen ab 18 Jahren - frühestens 6 Monate nach Erhalt der 2. Impfung -
vor, Details siehe Kapitel „Impfschema für Verabreichung der 3. Impfung“. Personen, die
eine erste Impfung mit Comirnaty erhalten haben, sollen auch für alle weiteren Dosen Co-
mirnaty erhalten. Die Austauschbarkeit von Comirnaty mit anderen COVID-19-Impfstoffen
zur Vervollständigung der primären Impfserie oder der 3. Impfung ist nicht erwiesen. Per-
sonen, die nur eine Impfung Comirnaty erhalten haben, sollten Comirnaty für die 2. Imp-
fung zum Abschluss der ersten Impfserie erhalten sowie für alle weiteren Dosen.

Spikevax von Moderna wird laut Fachinformation in 2 Dosen in einem Intervall von 28 Ta-
gen mit einem möglichen Intervall von 21-42 Tagen verabreicht. Der Impfstoff ist ab dem
Alter von 12 Jahren zugelassen. Personen, die eine erste Impfung mit Spikevax erhalten
haben, sollen eine zweite Impfung mit Spikevax erhalten, um die Impfserie abzuschließen.
Gemäß Zulassung kann außerdem bei schwerwiegend immungeschwächten Personen ab
12 Jahren eine dritte Impfung Spikevax (0,5 mL; 100µg), die mindestens 28 Tage nach der
zweiten Impfung verabreicht wird, in Betracht gezogen werden. Details siehe Kapitel „Vor-
gehen nach Impfung bei Hochrisikopersonen, Non-Responder“. Außerdem liegt eine Zulas-
sung für eine 3. Impfung für Personen ab 18 Jahren - frühestens 6 Monate nach Erhalt der
2. Impfung - vor, dabei wird die halbe Menge, nämlich 0,25 mL (50 µg) der für die erste
und zweite Dosis verwendeten Menge von 0,5 mL (100 µg), verabreicht. Details siehe Ka-
pitel „Impfschema für Verabreichung der 3. Impfung“. Auf Grund von internationalen Si-
cherheitsberichten zu einem erhöhten Auftreten von Myokarditis und Perikarditis vorwie-
gend bei jüngeren Personen werden Impfungen mit Spikevax derzeit vorsichtshalber erst
ab einem Alter von 30 Jahren empfohlen (Ausnahme Personen mit beeinträchtigtem Im-
munsystem wie z.B. Immunsupprimierte etc.) 12,13,14,15.

12
Singer ME, Taub IB, Kaelber DC. Risk of Myocarditis from COVID-19 Infection in People Under Age 20: A
Population-Based Analysis. preprint 27. Juli 2021 https://www.medrxiv.org/con-
tent/10.1101/2021.07.23.21260998v1,
13
Barda N, Dagan N, Ben-Shlomo Y, Kepten E, Waxman J, Ohana R, et al. Safety of the BNT162b2 mRNA
Covid-19 Vaccine in a Nationwide Setting. N Engl J Med. 2021;385(12):1078-90.
14
Ontario Agency for Health Protection and Promotion (Public Health Ontario). Myocarditis and pericarditis
following vaccination with COVID-19 mRNA vaccines in Ontario: December 13, 2020 to August 7, 2021.
Toronto, ON: Queen’s Printer for Ontario; online verfügbar unter https://www.publichealthontario.ca/-/me-
dia/documents/ncov/vaccines/2021/06/covid-19-mrna-vaccines-myocarditis-pericarditis.pdf?la=en
15
European Medical Agency (EMA) Comirnaty and Spikevax: possible link to very rare cases of myocarditis
and pericarditis. 09/07/2021 Online verfügbar unter https://www.ema.europa.eu/en/news/comirnaty-
spikevax-possible-link-very-rare-cases-myocarditis-pericarditis

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Vaxzevria von AstraZeneca wird laut Fachinformation in 2 Dosen verabreicht, der Impf-
stoff ist ab einem Alter von 18 Jahren zugelassen. Bereits 3 Wochen nach der ersten Imp-
fung beginnt die Schutzwirkung. Für einen anhaltenden und vollständigen ersten Impf-
schutz ist die 2. Impfung notwendig. Die 2. Impfung kann laut Fachinformation in einem
Zeitintervall von 4 Wochen bis 12 Wochen (28 bis 84 Tagen) verabreicht werden. Wegen
der derzeitigen epidemiologischen Situation und der gut dokumentierten nachlassenden
Wirksamkeit wird eine 3. Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nach 6 Monaten empfohlen.
Details siehe Kapitel „Impfschema für Verabreichung der 3. Impfung“.

COVID-19 Vaccine Janssen von Janssen wird als Einzeldosis verabreicht und ist ab einem
Alter von 18 Jahren zugelassen.
Analysen der Daten aus Österreich haben gezeigt, dass die Schutzrate vor Infektionen bei
einmalig geimpften Personen deutlich niedriger ist als bei Personen nach 2 Dosen16. Analy-
sen der Impfeffektivität in Österreich haben zudem gezeigt, dass nach nur einer Impfung
die Effektivität der Impfung zur Verhütung symptomatischer SARS-CoV-2 Infektionen in
der Phase der Zirkulation der Delta-Variante deutlich geringer ist als nach zwei Dosen17.
Deshalb sollen Personen, die mit COVID-19-Vaccine Janssen einmalig geimpft wurden,
eine weitere Impfung im Mindestabstand von 28 Tagen erhalten (off-label), dabei soll
vorzugsweise ein mRNA-Impfstoff verwendet werden, kann jedoch auch erneut COVID-
19-Vaccine Janssen verwendet werden. Man geht davon aus, dass, wie bei allen anderen
Impfstoffen auch, eine weitere Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nach 6 Monaten erfor-
derlich sein wird. Details siehe Kapitel „Impfschema für Verabreichung der 3. Impfung“.

Versäumte Impfungen

Bei Überschreiten der maximal empfohlenen Impfintervalle von 42 Tagen (mRNA-Impf-


stoffe) bzw. 12 Wochen (Vaxzevria von AstraZeneca) soll die 2. Impfung ehestmöglich
nachgeholt werden. Ein Neubeginn der Impfserie ist nicht notwendig und wird nicht emp-
fohlen. Diese off-label-Anwendung außerhalb des zugelassenen Intervalls erfordert die In-
formation der geimpften Person. Es gibt keinen Hinweis, dass eine derartige Verlängerung
des Impf-Intervalls zu einem eingeschränkten Impfschutz nach der 2. Impfung führt.

16 http://www.dexhelpp.at/de/modellvalidierung-auf-basis-immunitatsbezogener-positiver-testzahlen/
17
https://www.ages.at/wissen-aktuell/publikationen/impfeffektivitaet-in-bezug-auf-sars-cov-2-infektion-
der-in-oesterreich-eingesetzten-covid19-impfstoffe/

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Impfschema für Verabreichung der 3. Impfung

In Österreich herrscht derzeit eine starke Virusaktivität. Daten aus Israel, England und den
USA zeigen, dass bei Personen höheren Alters und bei Personen mit bestimmten Vorer-
krankungen/Immunsuppression die Schutzwirkung gegen die Delta-Variante nicht in allen
Fällen 9 Monate lang in vollem Ausmaß gegeben ist18. Gleichzeitig zeigen Daten aus Israel
und England, dass durch Drittimpfungen Infektionen, Impfdurchbrüche und damit assozi-
ierte Krankenhausaufenthalte reduziert werden können, und es liegt für mRNA-Impfstoffe
bereits eine Zulassung für diese 3. Impfung vor. Die nachfolgenden Empfehlungen zur Ver-
abreichung einer weiteren Impfung berücksichtigen, dass derzeit hauptsächlich die Delta-
Variante zirkuliert.

Für die dritte Impfung sind prinzipiell mRNA-Impfstoffe einzusetzen. Dabei soll grundsätz-
lich bevorzugt der gleiche Impfstoff wie für die vorhergehenden Immunisierungen einge-
setzt werden (homologes Impfschema). Auf Grund der vorläufigen Unsicherheit in Bezug
auf ein erhöhtes Risiko einer Myokarditis oder Perikarditis nach Spikevax-Impfung (Details
siehe Impfschema) soll bei Personen unter 30 Jahren Comirnaty eingesetzt werden (falls
heterologes Impfschema, off-label), bei Personen ≥30 Jahren ist auch ein Spikevax-Einsatz
möglich.

Eine weitere, dritte Impfung mit mRNA-Impfstoffen ist für Personen ab 18 Jahren ab 6
Monate nach der 2. Impfung (nach einer homologen Impfserie) mittlerweile zugelassen.
Dabei wird bei Comirnaty von BioNTech/Pfizer eine Impfung von 0,3 mL, wie bei den ers-
ten beiden Impfungen, verabreicht. Bei Spikevax von Moderna wird bei der 3. Impfung bei
immunkompetenten Personen nach 6 Monaten die halbe Menge, nämlich 0,25 mL (50 µg)
der für die erste und zweite Impfung verwendeten Menge von 0,5 mL (100 µg) eingesetzt.
Details siehe Tabelle 2. Die Verwendung eines anderen Impfstoffes bzw. auch Drittimp-
fungen bei heterolog geimpften Personen sind weiterhin eine off-label-Anwendung, wo-
rüber inkl. Dokumentation aufgeklärt werden sollte.

18 Nanduri, S et al. (2021). Effectiveness of Pfizer-BioNTech and Moderna Vaccines in Preventing SARS-CoV-2 Infection
Among Nursing Home Residents Before and During Widespread Circulation of the SARS-CoV-2 B.1.617.2 (Delta) Variant
— National Healthcare Safety Network, March 1–August 1, 2021. MMWR 2021: 70.

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Eine detaillierte Empfehlung für die Fortführung der COVID-19-Impfungen bei immun-
supprimierten Hochrisikopersonen findet sich gesondert im Kapitel Vorgehen nach Imp-
fung bei Hochrisikopersonen, Non-Responder.

Tabelle 2: Übersicht Impfschemata für immunkompetente Personen

Impfstoff Alter in Intervall 1. und Dosierung Intervall 2. und 3. Impfung


Jahren 2. Impfung 3. Impfung
(möglich)

BioNTech/ 12-17 21 Tage Comirnaty Derzeit keine Empfehlung, Ausnahme


Pfizer (19-42 Tage) 0,3 mL Gesundheits- und Kinderbetreuungsper-
Comirnaty sonal ab 16 Jahren* möglich, Risikokinder
ab 12 Jahren* gem. Tabelle 5

≥18 ≥ 6 Monate -Comirnaty 0,3 mL


-Alter ≥30 Jahre auch
Spikevax* 0,25 mL

Moderna 12-17+ 28 Tage Spikevax Derzeit keine Empfehlung, Ausnahme Risi-


Spikevax (21-42 Tage) 0,5 mL kokinder ab 12 Jahren* gem. Tabelle 5

18-29+ ≥ 6 Monate -Comirnaty* 0,3 mL

≥30 -Spikevax 0,25 mL


-Comirnaty* 0,3 mL

Astra- ≥18 4-12 Wochen Vaxzevria ≥ 6 Monate -Comirnaty* 0,3 mL;


Zeneca (28-84 Tage) 0,5 mL -Alter ≥30 Jahre auch
Vaxzevria Spikevax* 0,25 mL

COVID-19 ≥18 ≥4 Wochen -Comirnaty* ≥ 6 Monate -Comirnaty* 0,3 mL;


Vaccine bevorzugt 0,3 mL; -Alter ≥30 Jahre auch
Janssen mRNA-Impf- -Alter ≥30 Spikevax* 0,25 mL
stoffe* Jahre auch
Spikevax* 0,5
mL;
-COVID-19-
Vaccine Jans-
sen* 0,5 mL
(* off-label-Anwendung; + Vorläufig nicht mehr zur Erstimpfung in dieser Altersgruppe empfohlen. Wurde
bereits eine Dosis verabreicht, sollte jede weitere Impfung mit Comirnaty erfolgen)

Wie bereits oben angeführt, sollen Personen, die mit COVID-19-Vaccine Janssen einmalig
geimpft wurden, eine weitere Impfung im Mindestabstand von 28 Tagen erhalten (off-la-
bel), dabei soll vorzugsweise Comirnaty (bei Alter ≥30 Jahre auch Spikevax) verwendet

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werden; es kann jedoch auch erneut COVID-19-Vaccine Janssen verwendet werden. Man
geht davon aus, dass, wie bei allen anderen Impfstoffen auch, eine weitere Impfung mit
einem mRNA-Impfstoff nach 6 Monaten erforderlich sein wird.

Folgenden Personengruppen wird eine 3. Impfung 6 Monate nach der 2. Impfung drin-
gend empfohlen (teils off-label, Details siehe Tabelle 2: Übersicht Impfschemata für im-
munkompetente Personen):

1. Risikogruppen/Indikationsgruppen

• Bewohner:innen von Alten-, Pflege- und Seniorenwohnheimen


• Personen ab 65 Jahren
• Personen, welche 2 Dosen Vaxzevria erhalten haben
• Personen mit Vorerkrankungen und Risiken für einen schweren Verlauf von
COVID-19 lt. Tabelle 3 (ab 18 Jahren unabhängig vom Alter; 12-17 Jahre individuelle
Entscheidung nach Rücksprache mit behandelnder Ärztin/behandelndem Arzt).

2. Personengruppen mit erhöhtem Expositionsrisiko

• Personal in Alten-, Pflege- und Seniorenwohnheimen


• Personal im Gesundheitsbereich
• Personal in der mobilen Pflege, Betreuung, Krankenpflege und 24-h-Pflege sowie
pflegende Angehörige
• Personal in pädagogischen Einrichtungen (Kinderbetreuung, Schule, Universität
etc.)

Allen anderen Personen ab 18 Jahren soll ab 6 Monaten nach der 2. Impfung eine 3. Imp-
fung angeboten werden (Schema siehe Tabelle 2: Übersicht Impfschemata für immunkom-
petente Personen).

Sollte eine weitere Impfung gemäß dieser Empfehlung in die Zeit der Schwangerschaft fal-
len, wird die Durchführung bevorzugt im 3. Trimenon empfohlen, dabei soll wie für alle
COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft Comirnaty eingesetzt werden (off-label).

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Tabelle 3: Vorerkrankungen und Risiken für einen schweren Verlauf von COVID-19

• Vorerkrankungen und Risiken für einen schweren Verlauf von COVID-19

− Trisomie 21
− Personen mit Demenz, intellektuellen oder körperlichen Behinderungen in und außerhalb
von Betreuungseinrichtungen, Personen mit körperlichen Behinderungen mit erhöhtem
Risiko für schweren COVID-19-Verlauf
− Adipositas (BMI ≥30)
− Funktionelle oder strukturelle Lungenerkrankungen, die eine dauerhafte tägliche medika-
mentöse Therapie benötigen wie z.B. COPD, Asthma bronchiale, Mukoviszidose etc.
− Funktionelle oder strukturelle Herzerkrankungen, die eine dauerhafte tägliche medikamen-
töse Therapie benötigen wie z.B. Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, koronare Herzkrankheit,
arterielle Hypertonie etc.
− Krebserkrankung
− Immundefizienz oder Erkrankung, die mit einer dauerhaften und relevanten Immunsuppres-
sion behandelt werden muss wie z.B. mit Cyclosporin, Tacrolimus, Mycophenolat,
Azathioprin, Methotrexat, Tyrosinkinaseinhibitoren, laufender Biologikatherapie (bei nicht
onkologischer Diagnose) oder Knochenmarkstransplantation innerhalb der letzten 2 Jahre
− Organtransplantation innerhalb des letzten Jahres oder geplante Organtransplantation (auf
Warteliste gelistet) oder bei Graft vs. Host-Disease
− HIV-Infektion
− Chronische Nierenerkrankungen mit Einschränkung der Nierenfunktion
− Chronische Lebererkrankungen mit Einschränkung der Leberfunktion
− Diabetes mellitus
− Zerebrovaskuläre Erkrankungen/Apoplex und andere chronische neurologische Erkrankun-
gen
− Chronische entzündliche Darmerkrankungen, Autoimmunerkrankungen und rheumatische
Erkrankungen
− Psychiatrische Erkrankungen (z.B. bipolare Störung, Schizophrenie und schwere Depression)
− Sonstige Erkrankungen mit funktionellen oder körperlichen Einschränkungen, die einen
ebenso schweren Krankheitsverlauf von COVID-19 wie bei den hier gelisteten Krankheitsbil-
dern annehmen lassen

Eine Unterschreitung des empfohlenen Impfintervalls von 6 Monaten ist in begründeten


Ausnahmefällen (etwa vor Antritt einer längeren Reise, bei besonders hohem Expositions-
risiko, wenn erste 2 Impfungen mit Vaxzevria etc.) sinnvoll und kann nach entsprechender
Aufklärung und Dokumentation erfolgen (off-label). Im Zusammenhang wird darauf hinge-
wiesen, dass laut Maßnahmenverordnung eine Unterschreitung des Intervalls unter 120
Tagen nicht als 3. Impfung gewertet wird. Impfwilligen Personen soll ab einem Intervall
von 6 Monaten bzw. in vorher erwähnten Ausnahmen auch früher eine 3. Impfung nicht
vorenthalten werden.

Dieses Vorgehen zur 3. Impfung kann auch in Ausbruchssituationen (z.B. in Alten- und
Pflegeheimen, Gemeinschaftseinrichtungen etc.) angewendet werden: Personen können

Seite 14 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


und sollen entsprechend dieser Vorgaben so rasch wie möglich geimpft werden, auch ge-
sunde Kontaktpersonen. In Ausbruchssituation sind nicht-pharmazeutische Interventionen
dennoch umgehend, konsequent und lückenlos einzuhalten.

Aus immunologischen Überlegungen und Erfahrungen mit anderen Impfstoffen kann nach
der 3. Impfung mit einer Schutzdauer von mindestens 9-12 Monaten gerechnet werden.
Entsprechend wird auch von einer geringeren epidemiologischen Gefahr ausgegangen,
wenngleich hier noch direkte Evidenz fehlt, um dies zu belegen.

Es wird darauf hingewiesen, dass etwaige Entwicklungen mit neuen Varianten und neue
wissenschaftliche Erkenntnisse eine Änderung der auf theoretischen Überlegungen fußen-
den Schutzdauer sowohl nach oben als auch nach unten erfordern können, und dass
dadurch die Empfehlungen adaptiert werden müssen.

Darüber hinaus sollte der COVID-19-Impftermin auch zur Aufklärung bzw. Verabreichung
der diesjährigen Influenza-Impfung (detaillierte Empfehlung siehe www.sozialministe-
rium.at/influenza) genutzt werden.

Impfung nach PCR-bestätigter SARS-CoV-2-Infektion und bei


Genesenen

Genesung und danach Impfung, siehe auch Tabelle 4:

Bei Personen, bei denen eine Infektion durch PCR oder neutralisierende Antikörper (vor
einer ersten Impfung) gegen SARS-CoV-2 gesichert wurde (Neutralisationstests/entspre-
chende NT-Korrelate), ist eine einmalige Impfung ausreichend (off-label). Nach labordiag-
nostisch gesicherter SARS-CoV-2-Infektion (Nachweis mittels PCR-Test) ist eine Impfung
ab ca. 4 Wochen nach Infektion oder Erkrankung empfohlen (nach Genesung).

Unabhängig von der medizinischen/immunologischen Einschätzung können im internatio-


nalen Reiseverkehr 2 Dosen zur Einreise vorgeschrieben sein. In solchen Fällen kann bzw.
soll eine 2. Impfung aus formalen Gründen gegeben werden, was auch der Zulassung ent-
spricht und darf nicht vorenthalten werden. Bei einer zweimaligen Impfung kann eine er-
höhte Rate an Impfreaktionen bei Genesenen nicht ausgeschlossen werden.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 15


Genesene, die eine Impfung erhalten haben, sollen wie Personen mit 2 Impfungen angese-
hen werden und eine weitere Impfung ab 6 Monaten nach der Impfung erhalten, dies gilt
auch nach COVID-19-Vaccine Janssen.

Wenn genesene Personen, unabhängig vom Impfstoff, bereits 2 Impfungen erhalten ha-
ben (Genesen und danach 2 Impfungen), ist derzeit bis auf weiteres keine weitere Imp-
fung gegen COVID-19 notwendig.

Wenn es im Intervall zwischen 1. und 2. Impfung zu einer SARS-CoV-2-Infektion (PCR-


Test) kam, sollte ab 4 Wochen nach Genesung die 2. Impfung erfolgen (off-label). Eine
weitere, 3. Impfung wird ab 6 Monaten nach der 2. Impfung zur Aufrechterhaltung eines
Impfschutzes empfohlen.

Impfung und danach Genesung, siehe auch Tabelle 4:

Kommt es nach vollständiger erster Impfserie (2 Impfungen) zu einem Impfdurchbruch


(symptomatische SARS-CoV-2 Infektion) oder einer asymptomatischen Infektion wird
derzeit keine weitere Impfung empfohlen. Bei Risikopersonen/chronisch kranken Perso-
nen kann eine Antikörpertestung frühestens 1 Monat nach Genesung durchgeführt wer-
den.

Tabelle 4: Übersicht Impfschemata nach SARS-CoV-2-Infektion bzw. bei Genesenen

Ereignis Ereignis Ereignis Empfehlungen für


weitere Vorgehens-
weise

SARS-CoV-2-Infek- Impfung ab ca. 4 Wochen Zweite Impfung ≥6 Derzeit keine weiteren


tion bestätigt durch nach PCR/Genesung Monate nach erster Impfungen empfohlen
PCR/neutralisie- empfohlen Impfung empfohlen
rende Antikörper (Abstand off-label),
kann aber auch früher
erfolgen (z.B. internati-
onale Reisetätigkeit)

Erste Impfung Infektion im Intervall Zweite Impfung ab 4 Dritte Impfung ≥6 Mo-


zwischen 1. und 2. Imp- Wochen nach Gene- nate nach 2. Impfung
fung, bestätigt mittels sung empfohlen empfohlen
PCR

Seite 16 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Erste Impfung Zweite Impfung Infektion bestätigt mit- Derzeit keine weiteren
tels PCR (symptoma- Impfungen empfoh-
tisch oder asymptoma- len*
tisch)
* Bei Risikopersonen/chronisch kranken Personen kann eine Antikörpertestung frühestens 1 Monat nach
Genesung durchgeführt werden.

Personen mit chronischen Erkrankungen, beeinträchtigtem


Immunsystem oder immunsuppressiver Behandlung

Die bisher verfügbaren Impfstoffe gegen COVID-19 sind nur teilweise bei Personen mit be-
einträchtigtem Immunsystem und/oder unter immunmodulierender oder immunsuppres-
siver Behandlung untersucht. Je nach Produkt liegen Daten zu Personen mit HIV (unter
Therapie und mit CD4>500), stabilen Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankungen (ohne
laufende oder kürzliche Chemotherapie), Diabetes mellitus, kardiovaskulären und chroni-
schen pulmonalen Erkrankungen vor, die keine Auffälligkeiten bezüglich Wirksamkeit und
Verträglichkeit ergeben haben. Zu allen übrigen Krankheitsbildern gibt es laufend neue
Daten und Erkenntnisse, die ein unterschiedliches Angehen der COVID-19-Impfungen be-
leuchten.

Alle vier zugelassenen COVID-19-Impfstoffe sind wie inaktivierte Impfstoffe zu beurtei-


len. Darum gelten zunächst die Grundregeln für die Verwendung von inaktivierten Impf-
stoffen bei den jeweiligen Personengruppen und Medikationen. Auch bei den zugelasse-
nen Vektorimpfstoffen kann sich das Trägervirus nicht vermehren. Darum sind die Eigen-
schaften solcher Impfstoffe bei immunsupprimierten oder chronisch kranken Personen
vergleichbar mit inaktivierten Vakzinen zu bewerten, d.h. es geht von ihnen auch bei Im-
munsuppression keine Gefahr, wie sie z.B. bei Lebendimpfstoffen möglich wäre, für die
geimpfte Person aus. Obwohl es sich um DNA-Trägerviren handelt, ist ein Einbau in das
menschliche Genom mit Sicherheit auszuschließen, da die Virus-DNA nur extrachromoso-
mal abgelesen wird.

Antimikrobielle Therapie (Antibiotika), Verabreichung niedriger Dosen von Kortikosteroi-


den oder lokale Anwendung steroidhaltiger Präparate (unbehandelte Injektionsstelle wäh-
len) sind keine Kontraindikationen für eine Impfung gegen COVID-19.

Details zur Impfung bei Immunsuppression siehe unter: https://link.springer.com/ar-


ticle/10.1007/s00103-019-02905-1.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 17


Prinzipiell gilt, dass eine immunmodulierende Therapie nicht zugunsten einer Impfung un-
terbrochen werden sollte. Im Falle eines therapeutischen Fensters sollte dieses unter Be-
folgung der Regeln für die jeweilige Medikation (siehe unter obigem Link) genutzt werden.

Bei Impfung von Personen mit Grundkrankheiten sollten im Einzelnen noch folgende
Punkte im ärztlichen Gespräch abgehandelt werden und so im Konsens eine individuelle
Impfentscheidung getroffen werden:

• Besteht für die betroffene Person auf Grund der gegenwärtigen Lebenssituation
überhaupt ein signifikantes Ansteckungsrisiko mit COVID-19?
• Bestehen für die betroffene Person sehr gute Möglichkeiten, durch die Einhaltung
von nicht-pharmazeutischen Interventionen, eine Infektion mit hoher Wahrschein-
lichkeit zu vermeiden?
• Wäre auf Grund der Grundkrankheit/Medikation damit zu rechnen, dass im Infekti-
onsfall mit COVID-19 ein schwerer, ev. lebensbedrohlicher Verlauf mit höherer
Wahrscheinlichkeit eintritt?
• Ist die Erkrankung derzeit stabil oder finden sich Zeichen einer signifikanten Pro-
gression, die momentan nicht unter Kontrolle ist?
• Ist kürzlich ein Erkrankungsschub aufgetreten? (Wartefrist 4 Wochen)
• Lässt der Grad der Immunsuppression erwarten, dass kein Impferfolg eintritt?

Jedenfalls ist eine intensivierte Aufklärung der Patientin und des Patienten nötig, da in den
meisten Fällen die Impfung unter „off-label“-Kriterien durchgeführt wird!

Vorgehen nach Impfung bei Hochrisikopersonen, Non-Responder

Hochrisikopersonen (siehe Priorisierungsliste NIG) haben eine hohe Wahrscheinlichkeit,


schwer an COVID-19 zu erkranken, gleichzeitig ist aber oft das immunologische Anspre-
chen auf die Impfung nicht optimal ausgeprägt. So kann es in seltenen Fällen zu
Impfdurchbrüchen kommen. Vereinzelt wurden trotz Impfung schwere Krankheitsverläufe
oder Todesfälle an COVID-19 beobachtet, insbesondere bei Personen mit eingeschränkter
Immunkompetenz.

Bei Personen, bei denen nicht sicher ist, ob sie auf eine Impfung ansprechen oder die we-
gen einer Grundkrankheit vorübergehend oder dauerhaft nicht erfolgreich geimpft wer-

Seite 18 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


den können, hat die konsequente und lückenlose Impfung des Umfelds besondere Bedeu-
tung. Auch die Verwendung von FFP2-Masken bei Kontakt mit anderen Personen ist sinn-
voll. Andere Schutzmaßnahmen wie erweiterte Hygienemaßnahmen (Händehygiene etc.)
sind bei diesen Personen weiterhin dringend empfohlen.

Bei schwerwiegend immungeschwächten bzw. stark immunsupprimierten Personen kön-


nen beide mRNA-Impfstoffe für alle zugelassenen Altersgruppen eingesetzt werden. Bei
schwerwiegend immungeschwächten bzw. stark immunsupprimierten Personen Perso-
nen, bei denen ein erhöhtes Infektions-/Erkrankungsrisiko und ein hohes Risiko für
schwere Verläufe von COVID-19 besteht (z.B. Erkrankung, die mit einer vorrübergehen-
den, therapeutisch induzierten oder dauerhaften und relevanten Immunsuppression ein-
hergeht wie Transplantierte, Personen unter Biologika-Therapie und onkologische und hä-
matologische Patientinnen und Patienten), wird grundsätzlich ein Drei-Dosen-Impf-
schema, wie in der Tabelle 5: Übersicht Impfschemata für schwerwiegend immunge-
schwächte bzw. stark immunsupprimierte Personen“ beschrieben, empfohlen. Danach soll
– im Gegensatz zu immunkompetenten Personen - eine Antikörperkontrolle (neutralisie-
rende AK) frühestens 4 Wochen nach der 3. Impfung (!) durchgeführt werden, um fest-
stellen zu können, ob die Impfungen eine Immunantwort ausgelöst haben. Darauf basie-
rend wird das weitere individuelle Vorgehen mit der behandelnden Ärztin/dem behan-
delnden Arzt festgelegt.

• Positiver Neutralisationstest (NT) oder positives Testergebnis bei einem NT-Korre-


lat bestätigt, dass eine Immunreaktion nach Impfung stattgefunden hat. Gerade bei
immunsupprimierten Personen ist aber nicht klar, für wie lange und in welchem
Ausmaß dadurch ein Schutz entwickelt wird. Die für die Verhütung schwerer CO-
VID-19 Verläufe wichtige zelluläre Immunität kann nicht routinemäßig gemessen
werden. Darüber hinaus kann es unter Umständen bei Personen mit eingeschränk-
ter Immunkompetenz und Vorerkrankungen trotz nachgewiesenen neutralisieren-
den Antikörpern zu Infektionen (im Sinne eines Impfdurchbruchs) mit erhöhtem Ri-
siko für schwere Krankheitsverläufe kommen.
• Ein negativer Neutralisationstest oder ein negatives Testergebnis bei einem NT-
Korrelat bedeutet, dass die Schutzwirkung der Impfung zweifelhaft ist (Non-Res-
ponder). Sind nach der 3. Impfung keine neutralisierenden Antikörper nachweisbar,
wird zeitnah (Abstand frühestens 4 Wochen zur 3. Impfung) eine 4. Impfung emp-
fohlen. Der Einsatz einer 4. Impfung ist eine off-label-Anwendung.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 19


Tabelle 5: Übersicht Impfschemata für schwerwiegend immungeschwächte bzw. stark
immunsupprimierte Personen

Produkt Alter Dosierung Anzahl/ Zusatz- Intervall Letzt- Weitere Impfung


Intervall impfungen impfung zu weite- zum Abschluss der
zwischen (z.B. bei rer Impfung zum Grundimmunisie-
den ersten Immunsup- Abschluss der rung mit mRNA-
beiden pression) Grundimmunisie- Impfstoff
Impfungen rung

BioNTech/ 12-17 0,3 mL 2/21d 1/>28d Individuelle Derzeit keine


Pfizer Entscheidung nach Empfehlung
Comirnaty Rücksprache mit
Ärztin/Arzt

≥18 ≥ 6 Monate Comirnaty 0,3 mL

Moderna 12-17 0,5 mL 2/28d 1/>28d Individuelle Derzeit keine


Spikevax Entscheidung nach Empfehlung
Rücksprache mit
Ärztin/Arzt

≥18 ≥ 6 Monate Spikevax* 0,5 mL

Astra- ≥18 0,5 mL 2/28d 1/>28d* mit ≥ 6 Monate, Comirnaty* 0,3 mL


Zeneca (bis 12 mRNA- Unterschreitung oder Spikevax* 0,5
Vaxzevria Wochen) Impfstoff der 6 Monate in mL
begründeten
Ausnahmefällen
sinnvoll (s.o.)

COVID-19- ≥18 0,5 mL 2/28d 1/>28d mit ≥ 6 Monat Comirnaty* 0,3 mL


Vaccine (2. Impfung mRNA- oder Spikevax* 0,5
Janssen mRNA- Impfstoff* mL
Impfstoff*)
(* off-label-Anwendung)

Fraglich ist das Ansprechen einer 3. Impfung und weiteren Impfungen bei immun-inkom-
petenten Personen mit schweren B- oder T-Zell-Suppressionen: Eine Anti-CD20-Therapie
geht mit einem Verlust von B-Zellen einher und es können daher keine Antikörper gebildet
werden (die Impfung kann aber möglicherweise eine SARS-CoV-2-spezifische zelluläre Im-
munität anregen). Bei organtransplantierten Personen (bes. Nieren-TX), die unter dauer-
hafter Immunsuppression (z.B. mit Cellcept, Tacrolimus) stehen, kann das Angehen der
Impfung durch einen weitgehenden Verlust der T-Zellen (CD4, CD8) unterbunden sein. Da
auch bei erneuten Impfungen von geringem bis keinem Impferfolg auszugehen ist, ist die

Seite 20 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


entsprechende Aufklärung hinsichtlich Einhaltung der Hygienemaßnahmen (Abstandre-
geln, Masken) sowie die Durchführung der Umgebungsimpfungen im familiären und be-
ruflichen Umfeld bei diesen Personen besonders wichtig.

Fertilität

Tierexperimentelle Studien und die bisherigen Erfahrungen beim Menschen lassen nicht
auf direkte oder indirekte schädliche Wirkungen in Bezug auf die Reproduktion, embryo-
nale/fötale Entwicklung, Schwangerschaft, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen.
Die zugelassenen COVID-19-Impfstoffe verändern nicht das Erbgut und haben keine Aus-
wirkung auf die Fertilität. Es gibt also keine Hinweise, dass COVID-19-Impfstoffe die
Fruchtbarkeit bei Männern oder Frauen beeinträchtigen. Bei Kinderwunsch ist sowohl für
Männer als auch Frauen eine COVID-19-Impfung ausdrücklich empfohlen. Es ist kein Inter-
vall vor der Empfängnis einzuhalten.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft besteht bei COVID-19 ein erhöhtes Risiko, intensivpflichtig zu wer-
den, für die Notwendigkeit einer invasiven Beatmung (Intubation), ein erhöhtes Risiko, an
eine ECMO angeschlossen zu werden und das Risiko einer Frühgeburt.

Alle bisher vorliegenden Daten aus großen Registerstudien zeigen keine nachteiligen Ef-
fekte oder Auffälligkeiten bei der Anwendung von COVID-19-Impfstoffen bei Schwange-
ren. Zahlreiche internationale Fachgesellschaften (CDC, ACOG, RCOG, STIKO u.a.) empfeh-
len daher die COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft19,20,21. Demnach soll die Imp-
fung (1. und 2. Impfung) gegen COVID-19 im 2. oder 3. Trimenon mit einem mRNA-Impf-
stoff bei Schwangeren vorgenommen werden. Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wur-
den mittlerweile Daten publiziert22. Hier soll bevorzugt Comirnaty verwendet werden,

19 https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/vaccines/recommendations/pregnancy.html
20 https://www.acog.org/-/media/project/acog/acogorg/files/pdfs/clinical-guidance/practice-advisory/covid19vaccine-
conversationguide-121520-v2.pdf?la=en&hash=439FFEC1991B7DD3925352A5308C7C42
21 https://www.rcog.org.uk/en/guidelines-research-services/coronavirus-covid-19-pregnancy-and-womens-
health/covid-19-vaccines-and-pregnancy/covid-19-vaccines-pregnancy-and-breastfeeding/
22 Shimabukuro TT et al. Preliminary Findings of mRNA Covid-19 Vaccine Safety in Pregnant Persons. N Engl J Med. Apr
2021. doi: 10.1056/NEJMoa2104983

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 21


weil hier die umfangreichsten Daten vorliegen, es kann jedoch auch Spikevax verwendet
werden. Es handelt sich bei der Impfung in der Schwangerschaft noch um eine off-label-
Anwendung, auf die dokumentierter Maßen hingewiesen werden sollte.

Sollte der Zeitpunkt für eine 3. Impfung gemäß den Empfehlungen für weitere Impfungen
in die Zeit der Schwangerschaft fallen, wird die Durchführung bevorzugt im 3. Trimenon
empfohlen, dabei soll wie für alle COVID-19-Impfungen in der Schwangerschaft Comirnaty
eingesetzt werden (off-label).

Ist während der Schwangerschaft keine COVID-19 Impfung erfolgt, wird empfohlen, diese
ehestmöglich im Wochenbett nachzuholen.

Ein routinemäßiger Schwangerschaftstest ist vor einer Impfung nicht notwendig. Wichti-
ger Hinweis: Es handelt sich bei diesen Vorgaben um reine Vorsichtsmaßnahmen. Das be-
deutet, dass im Falle einer ungewollt eintretenden Schwangerschaft KEINE Indikation für
einen Schwangerschaftsabbruch besteht und die Schwangerschaft auch nicht als Risiko-
gravidität einzustufen ist!

Stillzeit

Sind Mütter noch ungeimpft, so ist die Impfung auch in der Stillzeit ausdrücklich empfoh-
len. Es gibt keine Hinweise, dass mRNA-Impfstoffe oder Bestandteile desselben in die Mut-
termilch übertreten und sich daraus irgendein theoretisches Risiko ableiten ließe (off-la-
bel). Dies ist auch bei Vektorimpfstoffen nicht zu erwarten (off-label). Im Gegenteil wurde
gezeigt, dass SARS-CoV2-Antikörper in der Muttermilch nachgewiesen werden können, die
einen positiven Effekt auf den Schutz des Kindes haben können23. Es sollte daher im zeitli-
chen Kontext mit der Impfung auch nicht abgestillt werden.

23 SARS-CoV-2 Antibodies in Breast Milk After Vaccination; Dolores Sabina Romero Ramírez, Pediatrics DOI:
10.1542/peds.2021-052286

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Kinder und Jugendliche

Zulassungsstudien der mRNA-Impfstoffe Comirnaty und Spikevax bei Kindern und Jugend-
lichen ab 12 Jahren haben gezeigt, dass die Impfstoffe in der Prävention von symptomati-
schen, im Labor bestätigten COVID-19 Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen ab 12
Jahren sicher und hoch effektiv sind. Wie bei Erwachsenen können auch bei Personen die-
ser Altersgruppe nach einer COVID-19-Impfung Impfreaktionen auftreten, die gewöhnlich
nur wenige Tage anhalten.

Sicherheit und Wirksamkeit der Impfungen werden bei Kindern und Erwachsenen weiter
nicht nur im Rahmen des europäischen Pharmakovigilanzsystems, sondern auch weltweit
genau beobachtet. Comirnaty und Spikevax wurden in der Altersgruppe der 12-15-Jähri-
gen in den USA und Kanada bereits mehrere Millionen Mal angewendet. Auf Grund von
internationalen Sicherheitsberichten zu einem erhöhten Auftreten von Myokarditis und
Perikarditis vorwiegend bei jüngeren Personen werden Impfungen mit Spikevax von Mo-
derna derzeit vorsichtshalber erst ab einem Alter von 30 Jahren empfohlen.

Kinder und Jugendliche erkranken im Vergleich zu Erwachsenen zwar selten schwer an CO-
VID-19, dennoch sind schwere Krankheitsverläufe wie ein Multisystem-Inflammationssyn-
drom (Hyperinflammationssyndrom) auch in Österreich mit einer Häufigkeit von 1:500-
1:1000 infizierten Kindern und Jugendlichen beschrieben worden24, das jedenfalls zu einer
Krankenhausaufnahme führt, oft sogar eine Behandlung auf der Intensivstation erfordert.
Zudem mehren sich Hinweise, dass auch Kinder und Jugendliche nach milden und asymp-
tomatischen Verläufen langfristig unter den Folgen einer COVID-19-Erkrankung („Long CO-
VID“) leiden können. Ein weiterer Faktor ist, dass durch Impfung einschränkende Maßnah-
men vermieden werden können.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass Kinder nicht nur selbst erkranken können, sondern
auch zum allgemeinen Infektionsgeschehen beitragen. Die Impfung wird in Österreich in
der Altersgruppe der 12-15-Jährigen daher derzeit mit Comirnaty von BioNTech/Pfizer
empfohlen.

Eine Impfung von Kindern, die jünger als 12 Jahre sind, wird erst nach Prüfung und Zulas-
sung durch die EMA empfohlen. Bis COVID-19-Impfungen für jüngere Kinder zugelassen

24 Strenger V, Medizinische Universität Graz, persönliche Kommunikation Mai 2021

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 23


und verfügbar sind, sind weiter nicht-pharmakologische Schutzmaßnahmen zu treffen. Bis
Impfstoffe für Kinder mit erhöhtem Krankheitsrisiko zur Verfügung stehen, muss auch
dem Schutz des Umfelds besonders hohe Wichtigkeit und Vorrang hinsichtlich einer CO-
VID-19-Impfung eingeräumt werden (siehe auch „COVID-19-Impfungen: Priorisierung des
Nationalen Impfgremiums“).

Die COVID-19-Impfstoffe Vaxzevria von AstraZeneca, und COVID-19 Vaccine Janssen sind
derzeit für Personen unter 18 Jahren nicht zugelassen.

Einverständnis zur Impfung bei Kindern: Bei unmündigen Minderjährigen (Kinder vor Voll-
endung des 14. Lebensjahres) ist die Einwilligung eines Elternteiles oder der Person, die
mit der Pflege und Erziehung betraut ist, einzuholen. Mündige Minderjährige (Jugendliche
ab dem vollendeten 14. Lebensjahr) müssen selbst einwilligen, wenn sie die erforderliche
Entscheidungsfähigkeit besitzen. Auch wenn ein Elternteil in dieser Situation eine Impfung
ablehnen würde, kann sich die mündige minderjährige Person selbst für eine Impfung ent-
scheiden. Die Begleitung der zu impfenden Person in dieser Altersgruppe ist rechtlich ge-
sehen nicht erforderlich.

Impfärztinnen und Impfärzte sind aufgefordert die mündliche Aufklärung für Personen
dieser Altersgruppe verstärkt anzubieten, um Fragen alters- und entwicklungsgerecht be-
antworten zu können.

Intervall zu anderen Impfungen und Operationen

Bei den derzeit zugelassenen COVID-19-Impfstoffen handelt es sich um Impfstoffe, die wie
Totimpfstoffe einzuordnen sind. Darum ist es basierend auf theoretischen Überlegungen
und Erfahrungen mit Totimpfstoffen nicht notwendig, ein Intervall zu anderen Impfungen
einzuhalten. Die gleichzeitige Verabreichung von COVID-19-Impfstoffen mit anderen Le-
bend- oder Totimpfstoffen (inkl. Influenza-Impfstoffen) ist möglich und sinnvoll (unter-
schiedliche Impfstelle).

Vor und nach (planbaren) Operationen soll ein Mindestabstand von 14 Tagen zur Impfung
eingehalten werden. Bei dringender Indikation kann ein operativer Eingriff jederzeit
durchgeführt werden.

Seite 24 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Antikörper- und Titerbestimmungen auf SARS-CoV-2 vor Impfung

Eine Antikörperbestimmung zur Verifizierung des Serostatus soll nicht als Entschei-
dungsgrundlage für eine COVID-19-Impfung durchgeführt werden.

In groß angelegten Zulassungsstudien wurden sowohl seropositive als auch seronegative


Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer eingeschlossen. Es wird nach den bisheri-
gen Ergebnissen davon ausgegangen, dass der vorbestehende Serostatus keinen Unter-
schied bezüglich der Sicherheit der Impfung macht. Eine Antikörpertestung ist vor einer
Impfung nicht erforderlich und nicht empfohlen. Es konnte noch kein Schutzkorrelat defi-
niert werden. Wenn basierend auf dem Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2
fälschlicher Weise und entgegen der medizinischen Empfehlungen von einer Impfung ge-
gen COVID-19 abgeraten wird und die Person, der von einer Impfung abgeraten wurde, an
COVID-19 erkrankt, so kann dies auch haftungsrechtliche Konsequenzen haben, weil es
klar im Gegensatz zur ausdrücklichen medizinischen Empfehlung steht.

Überprüfung des Impferfolgs

Antikörperbestimmungen zur Bestätigung eines durch die Impfung induzierten Schutzes


erscheinen derzeit nicht zielführend. Nach wie vor ist für COVID-19-Impfungen kein
Schutzkorrelat etabliert und auch die maßgeblich zum Schutz beitragende zelluläre Immu-
nität ist mit einfachen Methoden nicht messbar. Von der routinemäßigen Bestimmung
von Antikörpern zur Impferfolgskontrolle wird daher bei immunologisch kompetenten
Personen abgeraten. In Einzelfällen (z.B. bei unklarer immunologischer Reaktionsfähigkeit
auf eine Impfung) kann (frühestens) 4 Wochen nach der Impfung eine Antikörperbestim-
mung mit einem validierten Antikörpertest (Neutralisationstest (NT) oder NT-Korrelate)
durchgeführt werden, die eine Hilfestellung bei der Interpretation des Impferfolges gibt
(siehe auch Kapitel „Personen mit chronischen Erkrankungen, beeinträchtigtem Immun-
system oder immun-suppressiver Behandlung, beeinträchtigtem Immunsystem oder im-
munsuppressiver Behandlung“ und Kapitel „Vorgehen nach Impfung bei Hochrisikoperso-
nen, Non-Responder“).

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 25


Impfreaktionen, Nebenwirkungen und Hintergrundmorbidität

Nach der Impfung gegen COVID-19 treten oft erwartbare Reaktionen auf den Impfstoff
auf, die gewöhnlich innerhalb weniger Tage von selbst wieder enden.

Details sind der jeweils aktuellen Version der Fachinformation zu entnehmen.

Nach Impfungen mit mRNA-Impfstoffen wurden sehr häufig an der Impfstelle Schmerzen,
Rötung und Schwellung beobachtet. Darüber hinaus kann es sehr häufig zu Müdigkeit,
Kopf-, Muskel- oder Gelenksschmerzen, Lymphknotenschwellung, Übelkeit/Erbrechen,
Frösteln oder Fieber kommen. Sehr häufig bedeutet, dass mehr als 1 von 10 geimpften
Personen betroffen sind. Nach mRNA-Impfstoffen treten nach der 2. Impfung vermehrt
Impfreaktionen auf. Das Nebenwirkungsprofil der 3. Impfung von mRNA-Impfstoffen lag in
etwa im Bereich der Impfreaktionen und Nebenwirkungen nach der 2. Impfung. Fälle von
Myokarditis und Perikarditis wurden in sehr seltenen Fällen hauptsächlich innerhalb von
14 Tagen nach der Impfung mit den COVID-19 mRNA-Impfstoffen Comirnaty und Spikevax
beobachtet, und zwar häufiger nach der zweiten Impfung und bei jüngeren Männern. Auf
Grund von internationalen Sicherheitsberichten zu einem erhöhten Auftreten von Myo-
karditis und Perikarditis vorwiegend bei jüngeren Personen werden Impfungen mit
Spikevax derzeit vorsichtshalber erst ab einem Alter von 30 Jahren empfohlen (Ausnahme
Personen mit beeinträchtigtem Immunsystem wie z.B. Immunsupprimierte etc.) 25,26,27,28.
Sicherheitsdaten zu den Vektorimpfstoffen zeigen ebenfalls ein sehr gutes Sicherheitspro-
fil, die Mehrzahl der Nebenwirkungen waren leicht bis moderat und gingen binnen weni-
ger Tage nach Impfung vollständig zurück. Impfreaktionen nach Impfung mit Vektorimpf-
stoffen waren u.a. Schmerzen an der Impfstelle, systemisch wurden vorwiegend Kopf-
schmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Unwohlsein, Pyrexie (einschließlich erhöhte

25
Singer ME, Taub IB, Kaelber DC. Risk of Myocarditis from COVID-19 Infection in People Under Age 20: A
Population-Based Analysis. Als preprint vom 27. Juli 2021 online verfügbar unter https://www.medr-
xiv.org/content/10.1101/2021.07.23.21260998v1, 2021.
26
Barda N, Dagan N, Ben-Shlomo Y, Kepten E, Waxman J, Ohana R, et al. Safety of the BNT162b2 mRNA
Covid-19 Vaccine in a Nationwide Setting. N Engl J Med. 2021;385(12):1078-90.
27
Ontario Agency for Health Protection and Promotion (Public Health Ontario). Myocarditis and pericarditis
following vaccination with COVID-19 mRNA vaccines in Ontario: December 13, 2020 to August 7, 2021.
Toronto, ON: Queen’s Printer for Ontario; online verfügbar unter https://www.publichealthontario.ca/-/me-
dia/documents/ncov/vaccines/2021/06/covid-19-mrna-vaccines-myocarditis-pericarditis.pdf?la=en (zuletzt
aufgesucht am 18.10.2021). 2021.
28
European Medical Agency (EMA) Comirnaty and Spikevax: possible link to very rare cases of myocarditis
and pericarditis. 09/07/2021 Online verfügbar unter https://www.ema.europa.eu/en/news/comirnaty-
spikevax-possible-link-very-rare-cases-myocarditis-pericarditis (zuletzt aufgesucht am 21.10.2021) 2021

Seite 26 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Temperatur und Fieber), Schüttelfrost, Arthralgie und Übelkeit beobachtet. Die Reaktio-
nen waren nach Impfung mit Vaxzevria von AstraZeneca nach der 2. Impfung milder und
wurden weniger häufig beobachtet. Zu Thrombosen im Zusammenhang mit einer COVID-
19-Impfung siehe unten. In Zusammenhang mit Vektorimpfstoffen wurde sehr selten in
den ersten Tagen nach der Impfung über das Auftreten eines Kapillarlecksyndroms
(„capillary-leak-syndrome“, CLS) berichtet. Ein bekanntes CLS in der Vorgeschichte stellt
eine Gegenanzeige für diese Impfstoffe dar. Ebenso wurde sehr selten ein Auftreten eines
Guillain-Barré-Syndroms nach Impfung beobachtet.

Bereits bei der Impfaufklärung zur COVID-19-Impfung sollte auf die möglicherweise etwas
stärker auftretenden Impfreaktionen deutlich hingewiesen werden, ebenso auf den mög-
lichen Einsatz einer prophylaktischen Einnahme von Paracetamol (unter Berücksichtigung
allgemeiner Kontraindikationen) etwa 6 Stunden nach der Impfung und gegebenenfalls ei-
ner Fortführung der Gabe 6-stündlich für 24-48 Stunden. Dies führt zur Abschwächung von
auftretenden Impfreaktionen. Es ist davon auszugehen, dass dabei die Wirkung der Imp-
fung nicht beeinträchtigt wird.

Bei Erschöpfung, Müdigkeit oder Fieber innerhalb von 3 Wochen nach der Impfung soll
körperliche Anstrengung und Leistungssport vermieden werden.

Bei Einsatz in Betrieben wird empfohlen, nicht alle Mitarbeiter:innen gleichzeitig zu imp-
fen, sondern etappenweise, um sicherzustellen, dass der Betrieb aufrechterhalten werden
kann, sollte es bei einem gewissen Prozentsatz der Personen zu Impfreaktionen kommen.

Per Definition im Arzneimittelgesetz bedeutet eine Nebenwirkung eine Reaktion auf ein
Arzneimittel, die schädlich und unbeabsichtigt ist. In Zusammenhang mit der Meldung ver-
muteter Nebenwirkungen darf festgehalten werden, dass daher grundsätzlich zwischen
einer zu erwartenden Impfreaktion und einer Impfnebenwirkung unterschieden werden
soll:

• Unter einer Impfreaktion versteht man harmlose Beschwerden, die im Rahmen der
Immunantwort auf eine Impfung prinzipiell und erwartbar auftreten können. Übli-
cherweise treten derartige Impfreaktionen bereits kurz nach der Impfung auf
(meist am selben Tag oder tags darauf) und halten für 1-2 Tage an. Dies können Lo-
kalreaktionen wie Brennen, Schmerzen, Verhärtung und Rötung an der Einstich-
stelle oder Allgemeinreaktionen wie (leichtes) Fieber, Abgeschlagenheit, grippear-
tige Beschwerden, Kopf-, Gelenks- und Gliederschmerzen u.a. sein.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 27


• Kommt es zu schädlichen und unerwarteten Reaktionen auf die Impfung, so spricht
man von einer Impfnebenwirkung. Diese ist, sowie auch das Ausbleiben der erwar-
teten Wirksamkeit, also Impfdurchbrüche, meldepflichtig.

Für Gesundheitsberufe besteht in Österreich eine gesetzliche Meldepflicht für vermutete


Nebenwirkungen sowie für das Ausbleiben der erwünschten Wirkung eines Arzneimittels,
was im Falle von COVID-19-Impfstoffen Impfdurchbrüche sind. Das Auftreten von COVID-
19 soll aus pragmatischen Gründen bei den Impfstoffen Comirnaty von BioNTech/Pfizer,
Vaxzevria von AstraZeneca und Spikevax von Moderna ab dem Tag 7 nach der 2. Impfung
und beim Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen ab 28 Tage nach der Einzeldosis als vermu-
teter Impfdurchbruch gemeldet werden.

Eine asymptomatische Infektion mit SARS-CoV-2 ist nicht als Impfdurchbruch zu werten
und deshalb laut Arzneimittelgesetz nicht als Nebenwirkung meldepflichtig, sehr wohl je-
doch als Infektion laut Epidemiegesetz.

Auch Geimpfte und deren Angehörige können vermutete Nebenwirkungen melden.

Vermutete Nebenwirkungen sollen gemeldet werden unter:


https://www.basg.gv.at oder 0800 555 621.

Entsprechend der Gesetzeslage hat aber keine Meldung zu erfolgen, wenn ein Ereignis
zwar in zeitlicher Nähe mit der Impfung auftritt, jedoch von der:die zuständigen Mitarbei-
ter:in im Gesundheitswesen kein Zusammenhang mit der Impfung festgestellt wird, z.B.
auf der Basis einer bekannten Grunderkrankung der Patientin oder des Patienten. Im
Zweifelsfall sollte eine Meldung erfolgen, denn jeder Meldung, die im Zusammenhang mit
einer Impfung steht, wird seitens der zuständigen Behörde, der AGES MEA, nachgegan-
gen.

Zudem wurde eine Arbeitsgruppe „Safety Board“ im Nationalen Impfgremium nominiert.


Diese Arbeitsgruppe befasst sich mit außergewöhnlichen Impfreaktionen/Nebenwirkun-
gen, bei denen ein kausaler Zusammenhang mit der Impfung im Raum steht.

Es gibt gesundheitliche Ereignisse, wie etwa Autoimmunerkrankungen, Krebserkrankun-


gen oder sogar Tod, welche in jeder Bevölkerung auftreten, auch ohne Impfungen. So
muss man davon ausgehen, dass es, wenn eine große Anzahl von Personen geimpft wird,

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auch bei geimpften Personen zu derartigen gesundheitlichen Ereignissen in zeitlichem Zu-
sammenhang kommt, ohne dass diese jedoch in ursächlichem Zusammenhang mit einer
zuvor verabreichten Impfung stehen.

Allergien

Vor der 1. Impfung


1. Personen mit bekannten Allergien beispielsweise gegen Aeroallergene wie Pollen
oder Hausstaub können und sollen ungeachtet dieser Vorgeschichte geimpft werden.
Im Aufklärungsgespräch mit der Ärztin oder dem Arzt sollen etwaige Allergien adres-
siert werden und der Allergie-Ausweis mitgebracht werden, die Information zu mögli-
chen Allergenen enthält die Fachinformation (Zusammensetzung) des entsprechenden
Impfstoffes. Bei Impfung von Allergiker:innen soll die Nachbeobachtungszeit auf 30
Minuten verlängert werden.
2. Bei Anaphylaxie (allergischer Schock) in der Anamnese kann eine Prämedikation
mind. 60 Minuten vor der Impfung mit einem Antihistaminikum in Erwägung gezogen
werden. Nachbeobachtungszeit für 30 Minuten entsprechend den Standardempfeh-
lungen des Impfplans Österreich. Die Bereithaltung von Notfallmedikamenten darf als
selbstverständlich gesehen werden.
3. Personen mit schwerer ASS-Intoleranz/NSAR Intoleranz oder chronischer Urtikaria;
können unter erhöhter Observanz geimpft werden (30 Minuten Nachbeobachtung).

Bei dem Auftreten von allergischen Reaktionen in den Stunden nach der Impfung emp-
fiehlt es sich, sofort ärztliche Versorgung aufzusuchen oder die Rettung zu verständigen29.

Vorgehen bei Auftreten von allergischen Symptomen nach der 1. Impfung


1. Allergische, nicht anaphylaktische Reaktion nach 1. Impfung:
Ist nach der 1. Impfung eine allergische Sofortreaktion (innerhalb der ersten zwei
Stunden), jedoch nicht anaphylaktische Reaktion aufgetreten, die mit Antihistaminika
und Cortison gut beherrschbar waren, so wird folgendes Vorgehen empfohlen:

29 Empfehlung zu Coronaimpfungen für Allergikerinnen und Allergiker, Mitteilung des Paul-Ehrlich-Instituts vom
23.12.2020

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 29


Hier ist nicht auszuschließen, dass eine erneute Exposition zu stärkeren allergischen
Reaktionen führen kann. Darum sollte in derartigen Fällen nach individueller Nutzen-
Risiko-Abwägung eine Impfung nur unter intensivierter Beobachtung in klinischen Ein-
richtungen durchgeführt werden.
2. Anaphylaktische Reaktion/allergischer Schock nach 1. Impfung:
keine 2. Impfung
3. Isolierte Urtikaria 6 Stunden oder mehr nach 1. Impfung (keine allergische Reaktion
vom Soforttyp):
Tritt eine isolierte Urtikaria/Angioödem mehrere Stunden nach der Impfung auf
(anaphylaktoide Reaktion), so kann eine zweite Impfung unter Prämedikation und Ob-
servanz für 30 Minuten durchgeführt werden, eine entsprechende Notfallversorgung
muss gewährleistet sein.

Thrombosen im Zusammenhang mit einer COVID-19-Impfung

Eine Kombination von Thrombose und Thrombozytopenie, auch bezeichnet als Throm-
bose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) oder Virus/Vaccine Induced Immune Throm-
botic Thrombocytopenia (VITT), in einigen Fällen einhergehend mit Blutungen, wurde sehr
selten nach einer Impfung mit Vaxzevria, der COVID-19-Impfung von AstraZeneca sowie
ebenfalls sehr selten nach Impfung mit dem Impfstoff von Janssen, beobachtet, worauf im
Rahmen der Aufklärung und beim Einholen des Einverständnisses zur Impfung hingewie-
sen werden soll (Details siehe Fachinformation). Dies schließt schwere Fälle ein, die sich
meist als venöse Thrombose präsentierten, einschließlich des Auftretens in ungewöhnli-
chen Bereichen, wie zum Beispiel zerebrale Sinusvenenthrombose, Mesenterial-
venenthrombose sowie arterielle Thrombose, bei gleichzeitiger Thrombozytopenie.

Die Europäischen Arzneimittelagentur EMA hat die dazu vorliegenden Daten aus der EU,
Großbritannien und den USA zu thromboembolischen Ereignissen/Blutgerinnungsstörun-
gen nach COVID-19-Impfungen evaluiert und sieht einen möglichen Zusammenhang zwi-
schen den sehr seltenen und speziellen thromboembolischen Ereignissen/ Thrombopenie
und der COVID-19-Impfung Vaxzevria von AstraZeneca und der COVID-19-Impfung von
Janssen.

Die meisten dieser Fälle traten innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen nach der Imp-
fung und bei Frauen unter 60 Jahren auf, was möglicherweise auf die verstärkte Anwen-
dung des Impfstoffs in dieser Bevölkerungsgruppe zurückzuführen ist. Einige Fälle hatten

Seite 30 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


einen tödlichen Ausgang. Es konnten keine spezifischen Risikofaktoren identifiziert wer-
den, welche die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten derartiger Ereignisse erhöhen.

Ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis beider Adenovirus-Vektor-basierten


Impfstoffe wurde in allen Altersgruppen und bei Personen jeden Geschlechts
bestätigt.

Die Impfstoffe sind nicht mit einem Anstieg des Gesamtrisikos für Blutgerinnsel (thrombo-
embolische Ereignisse) verbunden. Vom vorbeugenden Einsatz gerinnungshemmender
Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure, niedermolekulares Heparin, etc.) wegen einer CO-
VID-19-Impfung wird ausdrücklich abgeraten30. Bestehende gerinnungshemmende Medi-
kation sollte selbstverständlich beibehalten werden.

Die aufgetretenen Ereignisse wurden mittlerweile gut charakterisiert und Kriterien zur
frühzeitigen Diagnose und Therapie wurden erstellt. Geimpfte Personen sollten darauf
hingewiesen werden, nach COVID-19-Impfungen ihren Gesundheitszustand zu beobach-
ten. Bei Nebenwirkungen, die mehr als 3 Tage nach erfolgter Impfung anhalten oder neu
auftreten (z.B. Schwindel, schwere und anhaltende Kopfschmerzen, Sehstörungen, Übel-
keit/Erbrechen, Luftnot, akute Schmerzen in Brustkorb, Abdomen oder Extremitäten,
Beinschwellungen, kleine Blutflecken unter der Haut), sollte sicherheitshalber eine wei-
tere ärztliche Diagnostik zur Abklärung thromboembolischer Ereignisse (Blutgerinn-
sel)/Thrombopenie (Verminderung von Blutplättchen) erfolgen, Details siehe Fachinfor-
mation.

Bei neu aufgetretenen Symptomen nach der Impfung sind wichtige Untersuchungen, ins-
besondere Blutbild mit Bestimmung der Thrombozytenzahl, Blutausstrich, D-Dimere (für
VITT laborchemische Leitbefunde: Thrombozytopenie (< 150 G/l), hohes D-Dimer (u.U.
vermindertes Fibrinogen)) und ggf. eine weiterführende bildgebende Diagnostik (z.B.
cMRT, Ultraschall, CT Thorax/Abdomen), sowie Bestimmung von Antikörpern gegen Plätt-
chenfaktor 4 (PF4)/Heparinkomplexe mittels Enzymimmunoassay. Fällt dieser positiv aus,
besteht hochgradiger Verdacht auf VITT (DD: (autoimmun-) HIT).

30 https://www.who.int/publications/i/item/WHO-2019-nCoV-TTS-2021.1

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 31


Die Therapie besteht in einer Antikoagulation mit einem zu Heparinen alternativen Antiko-
agulans31. Das Risiko von Thrombosen bzw. Blutungsneigung muss bei der Entscheidung
über therapeutische bzw. prophylaktische Antikoagulation sorgfältig abgewogen werden.
Wenn thrombotische Manifestationen im Vordergrund stehen, wird der sofortige Beginn
einer therapeutischen Antikoagulation (trotz Thrombozytopenie) empfohlen.

Zudem ist zur Therapie der VITT eine hochdosierte Immunglobulingabe (1g/kg/KG jeweils,
an 2 Tagen) empfohlen. Zur detaillierten Vorgangsweise wird auf das Statement von Ge-
rinnungsexpertinnen und -experten zur Diagnostik und Therapie bei Gerinnungsstörun-
gen/Thrombosen im Zusammenhang mit einer COVID-19 – Impfung verwiesen, welches
auf folgender Website verfügbar ist: https://www.oegho.at/aktuelles/aktuelles/news-de-
tail/empfehlungen-zur-diagnostik-und-therapie-astra-zeneca-impfung-209/

Screening- und Testprogramme

Ob eine Person geimpft ist oder nicht, hat keine Auswirkung auf ein Antigen- oder PCR-
Testergebnis, es kommt dadurch nicht zu falsch-positiven Testergebnissen.

In vulnerablen Bereichen wie Alten- und Pflegeheimen oder Krankenanstalten, sollten


auch vollständig geimpfte Personen aus medizinischer Sicht derzeit 1-mal pro Woche ge-
testet werden (optimaler Weise mittels PCR, weil höhere Sensitivität), dies gilt für alle Per-
sonen, welche sich in der jeweiligen Einrichtung aufhalten (Bewohner:innen, Patientinnen
und Patienten, sowie Mitarbeiter:innen).

Antikörperbestimmungen zur Bestätigung eines durch die Impfung induzierten Schutzes


etwa des Personals, um dafür auf regelmäßige, wöchentliche Testungen zu verzichten,
sind nicht zielführend, weil kein Schutzkorrelat etabliert ist und auch die maßgeblich zum
Schutz beitragende zelluläre Immunität so nicht messbar ist. Da Antikörper-Positivität
nicht gleichzusetzen ist mit Immunität und es trotz Impfung, zwar verkürzt aber doch, zu
einer Infektion und damit zur Weitergabe des Virus kommen kann und gerade in sensiblen
Bereichen davon auszugehen ist, dass zahlreiche Personen nicht oder nicht ausreichend

31 Eichinger et al. Auftreten von Thrombosen im Zusammenhang mit einer COVID-19 -Impfung Virus/Vaccine Induced
Prothrombotic Immune Thrombocytopenia (VIPIT) - Empfehlungen zur Diagnostik und Therapie, 07.04.2021, verfügbar
unter https://www.oegho.at/aktuelles/aktuelles/news-detail/empfehlungen-zur-diagnostik-und-therapie-astra-zeneca-
impfung-209/.

Seite 32 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


auf eine Impfung ansprechen oder gar nicht geimpft werden können, ist es in vulnerablen
Bereichen wie Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen unabhängig von gegebenen-
falls nachgewiesenen (neutralisierenden) Antikörpern (was wie oben beschrieben ohnehin
nicht sinnvoll ist) in der derzeitigen epidemiologischen Situation weiterhin notwendig, re-
gelmäßige Virus-Screening-Untersuchungen durchzuführen und die jeweils vorgeschriebe-
nen Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Routinemäßig, etwa in Handel oder Schulen, ist es nicht notwendig, regelrecht und voll-
ständig geimpfte, gesunde Personen (also asymptomatische Personen) im Alltag zu testen.
Dies ist dadurch begründbar, dass von dieser Personengruppe (vollständig geimpfte,
asymptomatische Personen) keine relevante epidemiologische Gefahr ausgeht. Sympto-
matische Personen müssen, auch wenn sie bereits eine COVID-19-Impfung erhalten ha-
ben, weiterhin getestet werden und entsprechende Schutzmaßnahmen einhalten. Bei po-
sitiver PCR-Testung zunächst Absonderung und Vorgehen wie bei ungeimpften Personen.
Bei vollständig geimpften Personen wird bei pos. PCR eine erneute Testung nach 48 Stun-
den empfohlen. Wenn diese Testung einen CT-Wert > 30 ergibt oder neg. ausfällt, kann
die Absonderung beendet werden.

Kontaktpersonenmanagement von geimpften Personen, die Kontakt


mit Personen mit nachgewiesener SARS-CoV-2-Infektion hatten

Die Impfung bietet nach derzeitigem Wissensstand einen Individualschutz, zudem haben
COVID-19-Impfungen in zahlreichen Untersuchungen einen transmissionsreduzierenden
Effekt und bei Personen mit Impfdurchbrüchen eine reduzierte Viruslast erkennen las-
sen32,33,34,35. Dieser Effekt ist zwar deutlich (Größenordnung zwischen 70 % und 85 % ab

32 Voysey et al. Single-dose administration and the influence of the timing of the booster dose on immunogenicity and
efficacy of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) vaccine: a pooled analysis of four randomised trials. Lancet 2021; 397: 881–91
33 Dagan et al. BNT162b2 mRNA Covid-19 Vaccine in a Nationwide Mass Vaccination Setting. The New England Journal of
Medicine, 2021.
34 Levine-Tiefenbrun et al. Decreased SARS-CoV-2 viral load following vaccination. medRxiv preprint doi:
https://doi.org/10.1101/2021.02.06.21251283
35 Petter et al. Initial real world evidence for lower viral load of individuals who have been vaccinated by BNT162b2.
medRxiv preprint doi: https://doi.org/10.1101/2021.02.08.21251329

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 33


vollständiger Immunisierung), aber noch nicht letztgültig quantifizierbar und dürfte auch
vom Impfstoff, sowie von der SARS-CoV-2-Variante abhängig sein36,37.

Demgegenüber steht, dass Personen, die eine symptomatische SARS-CoV2-Infektion


durchgemacht haben, ebenfalls zwar re-infizierbar sein können (dies könnte insbesondere
für diverse Virusvarianten von SARS-CoV-2 zutreffen), jedoch auch hier davon ausgegan-
gen wird, dass sie in der epidemiologischen Infektionskette keine wesentliche Rolle spie-
len.

Personen, die mit einem zugelassenen COVID-19-Impfstoff entsprechend diesen Emp-


fehlungen ordnungsgemäß versorgt wurden, sind in Bezug auf ihre Wertigkeit zur Ver-
breitung von SARS-CoV-2 daher jenen Personen gleichzustellen, die innerhalb der letz-
ten 6 Monate eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben. Details dazu siehe „Be-
hördliche Vorgangsweise bei SARS-CoV-2 Kontaktpersonen: Kontaktpersonennachverfol-
gung“.

Virus-Varianten und deren Auswirkung auf die Effektivität von


Impfstoffen

Virus-Varianten, die sich durch spontane Mutationen bilden, sind nichts Außergewöhnli-
ches, sondern ein natürlicher Prozess, der in einem gewissen Ausmaß in nahezu allen Vi-
ren abläuft. Wichtig ist zu beobachten, wo im Virus diese Mutationen stattfinden und wel-
che Auswirkungen diese haben. Die zirkulierenden Viren werden derzeit genauestens
überwacht und analysiert.

Die derzeit verfügbaren Impfstoffe bewirken im menschlichen Körper die Produktion einer
Vielzahl an neutralisierenden Antikörpern. Man geht davon aus, dass die Abwehr auch ge-
gen Virusvarianten umso effektiver ist, je höher die Antikörper-Titer sind.

36 PHE: COVID-19 vaccine surveillance week 20:


https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwiy-NGmOn-
wAhXBA2MBHTCHAa0QFjAAegQIBBAD&url=https%3A%2F%2Fassets.publishing.service.gov.uk%2Fgovern-
ment%2Fuploads%2Fsystem%2Fuploads%2Fattachment_data%2Ffile%2F988193%2FVaccine_surveillance_re-
port__week_20.pdf&usg=AOvVaw1ZF0Ngh7_I26gGxvF7GrSU
37 Harder T, et al. Wie gut schützt die COVID-19-Impfung vor SARS-CoV-2-Infektionen und SARS-CoV-2-Transmission? –
Systematischer Review und Evidenzsynthese. Epid Bull 2021;19:13 -23 | DOI 10.25646/8442

Seite 34 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Untersuchungen mit den verfügbaren mRNA-Impfstoffen und Vektorimpfstoffen haben
gezeigt, dass die Bindung von neutralisierenden Antikörpern an das Spike Protein bzw. die
Wirksamkeit der Impfungen (sofern Daten verfügbar) teilweise etwas geringer sein kann
im Vergleich zum Ursprungsstamm. Bzgl. der Varianten aus Südafrika (Beta, B.1.351) und
Brasilien (Gamma, B.1.1.248) gibt es Hinweise auf eine geringere Effektivität (in Form von
Bindung neutralisierender Antikörper an das Spike-Protein).

Die Delta-Variante (B.1.617.2), dürfte um circa 60 % ansteckender sein als frühere Varian-
ten, die Hinweise mehren sich, dass Erkrankungen schwerer verlaufen können. Daten aus
Großbritannien zeigen eine ausreichende Schutzwirkung nach 2 Dosen Comirnaty bzw. 2
Dosen Vaxzevria, diese ist jedoch nach nur 1 Impfung bei den EU-weit zugelassenen Impf-
stoffen noch nicht ausreichend. Dies unterstreicht die Wichtigkeit der 2. Impfung. Um
diese ausreichende Schutzwirkung schnell und bestmöglich zu erreichen, wird empfoh-
len das Intervall zwischen den einzelnen Dosen auf 21 Tage (Comirnaty von
BioNtech/Pfizer) bzw. 28 Tage (Spikevax von Moderna) bzw. 4-8 Wochen (Vaxzevria von
AstraZeneca) zu legen. Personen, die mit COVID-19-Vaccine Janssen einmalig geimpft
wurden, sollen eine weitere Impfung im Mindestabstand von 28 Tagen erhalten (bevor-
zugt mRNA, sonst COVID-19-Vaccine Janssen, off-label).

Die Impfung ist eine wichtige und alternativlose Maßnahme um Erkrankungen, Hospitali-
sierungen und Todesfälle zu vermeiden. Es kann angenommen werden, dass Personen, die
ausnahmsweise trotz Impfung an COVID-19 erkranken, auch in diesen Fällen einen milde-
ren Krankheitsverlauf durchmachen und Komplikationen sowie Todesfälle vermieden wer-
den können.

Wenn es in einzelnen Regionen zu Ausbrüchen mit Varianten kommt, bei welchen zu be-
fürchten ist, dass es zu einer geringeren Wirksamkeit von Impfstoffen kommen könnte, so
ist es essentiell, dass in derartigen Regionen strikt und konsequent Maßnahmen zur Ein-
dämmung der Varianten unternommen werden, dies bedeutet rasche diagnostische Ab-
klärung von Verdachts-/Kontaktfällen, lückenloses Kontaktpersonenmanagement, strikte
Vermeidung von Menschenansammlungen und konsequentes Einhalten sämtlicher nicht-
pharmazeutischer Interventionen.

Zusätzlich und längerfristig ist es zielführender, alle verfügbaren Impfstoffe rasch und breit
anzuwenden um der Entstehung von neuen Mutationen entgegenzuwirken und eine voll-
ständige Durchimpfung einer möglichst hohen Zahl an Personen zu erreichen.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 35


Vorgehen nach Impfung mit nicht durch die Europäische
Kommission zugelassenen Impfstoffen

Für Impfstoffe, welche derzeit nicht durch die Europäische Kommission zugelassen sind,
liegen unzureichend Daten vor und es wurde noch kein europaweit einheitliches Vorgehen
definiert, wie mit Personen umzugehen ist, welche mit diesen Impfstoffen geimpft wur-
den. Die Praxis hat gezeigt, dass dennoch entsprechende Empfehlungen notwendig sind,
um auch für diese Personengruppen einen entsprechenden Schutz zu ermöglichen. Bis
eine gemeinsame, europäische Empfehlung vorliegt, wird basierend auf theoretischen
Überlegungen folgendes Vorgehen für Personen, welche mit Impfstoffen, die das WHO-
Verfahren zur Listung auf der WHO-Emergency Use List (https://www.who.int/teams/re-
gulation-prequalification/eul/covid-19) finalisiert haben, geimpft wurden, empfohlen (es
handelt sich dabei um den Einsatz der Impfstoffe außerhalb der Zulassung/off-label):

Vollständig und entsprechend den Vorgaben der WHO mit zwei Impfdosen geimpften, im-
munkompetenten Personen unter 65 Jahren wird zumindest eine Impfung eines mRNA-
Impfstoffs empfohlen (unter 30 Jahren Comirnaty, ab einem Alter von 30 Jahren Comirn-
aty oder Spikevax). Der Mindestabstand zur vorangegangenen COVID-19-Impfung soll da-
bei ein Monat betragen. Es wird darauf hingewiesen, dass für den Nachweis einer gerin-
gen epidemiologischen Gefahr hier im Zusammenhang mit der Maßnahmenverordnung
vorher ein positiver Antikörpernachweis erforderlich ist. Wenn gewünscht, ist auch eine
Verabreichung der mRNA-Impfstoffe gemäß üblichem Impfschema bestehend aus 2 Imp-
fungen möglich, eine erhöhte Nebenwirkungsrate kann dabei nicht ausgeschlossen wer-
den.

Für Personen ab 65 Jahren und Personen mit Vorerkrankungen bzw. Risiken für einen
schweren Verlauf von COVID-19 (siehe Tabelle 3: Vorerkrankungen und Risiken für einen
schweren Verlauf von COVID-19) gelten die grundsätzlichen Impfempfehlungen gemäß
dieser Anwendungsempfehlung, diese sollten also wie oben beschrieben mit 2 Impfungen
im oben beschriebenen Intervall geimpft werden.

Seite 36 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


Praktische Hinweise

Die Handhabung (Rekonstituierung, Verabreichung etc.) des jeweiligen Impfstoffes soll


entsprechend den Vorgaben der Fachinformation und des Herstellers erfolgen.

Bei allen Impfungen ist die korrekte Handhabung, Durchführung und Dosierung der Imp-
fung wichtig, ganz besonders jedoch bei der COVID-19-Impfung, dabei soll die korrekte
Menge entsprechend der Fachinformation bzw. Tabelle 2 und Tabelle 5 appliziert wer-
den.

Die Entnahme einer weiteren Dosis aus einem Mehrdosenbehältnis über die in der Fachin-
formation angegebene Anzahl an Dosen hinaus ist möglich, wenn sichergestellt ist, dass
die verimpften Dosen allesamt die ausreichende Impfstoffmenge beinhalten. Die korrekte
Dosierung ist essentiell für die Wirkung der Impfung und sollte unbedingt eingehalten
werden. Da es sich bei der Entnahme einer weiteren Dosis jedoch um eine Entnahme han-
delt, die nicht von der jeweils gültigen Fachinformation gedeckt ist, erfolgt die Entnahme
und Verimpfung im Wege des "off-label-use". Dieser ist per se nicht verboten, bedarf je-
doch erhöhter Sorgfalts- und besonderer Aufklärungspflichten (off-label). Die Verantwor-
tung dafür trägt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.

Die Verwendung von Handschuhen während des Impf-Vorgangs ist dann notwendig, wenn
Kontakt mit infektiösem Material zustande kommt.

COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021 Seite 37


Überblick über verfügbare Impfstoffe in Österreich

Tabelle 6 Überblick über verfügbare Impfstoffe in Österreich

Impfstoff Dosen pro Empfohlenes Intervall mL pro Impfung Rekonstitution


Vial (mögliches Intervall)

Comirnaty 6 3 Wochen für erste 0,3 mL 1,8 mL NaCl


BioNTech/Pfizer Impfserie aus 2 Dosen (0,9%)/Vial
mRNA-Impfstoff (19-42 Tage)

Spikevax 10 4 Wochen 0,5 mL Keine


Moderna (21-42 Tage) 3. Impfung 0,25 mL,
mRNA-Impfstoff Ausnahme Immunkom-
primierte: 0,50 mL
siehe oben Tabelle 2
und Tabelle 5

Vaxzevria 10 4-8 Wochen 0,5 mL Keine


AstraZeneca (28 bis 84 Tage)
Vektorimpfstoff

COVID-19 Vaccine 5 1 Impfung (Zulassung) 0,5 mL Keine


Janssen 2. Impfung bevorzugt
Vektorimpfstoff mit mRNA, sonst
COVID-19-Vaccine
Janssen, Mindestabstand
von 28 Tagen, off-label

Seite 38 COVID-19-Impfungen: Anwendungsempfehlungen des Nationalen Impfgremiums, Version 6.0, 4.11.2021


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