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Rechtsmedizin

1. Thanatologie

• Begriffsdefinitionen
o Klinischer Tod (klinisch äußerer Anschein des Todes)
o Hirntod (Erlöschen der Hirnfunktion)
o Individualtod (irreversibles Sistieren der Atmung, Herz-Kreislauf + Hirntod)
o Biologischer Tod (Absterben der letzten Zelle)

• Todeszeichen
o Unsichere Todeszeichen
ƒ Hautblässe, Pulslosigkeit, Atemstillstand, Areflexie, Vertrocknung der Haut
o Sichere Todeszeichen
ƒ Totenflecken, Totenstarre, Fäulnis
o Scheintod
ƒ Pulslosigkeit, scheinbarer Atemstillstand, Areflexie, Abkühlung, Blässe
ƒ „AEIOU-Regel“: Anämia, epilepsie, injury, opiate, urämia, unterkühlung

• Vitalreaktionen
o Hinweise, dass Person während schädigender Einwirkung gelebt hat
o Kreislauf
ƒ Verblutungszeichen, Einflussstauung, Stauungsblutung, Embolien
o Stoffwechsel
ƒ Giftmetabolismus (Nachweis im Urin)
o Atmung
ƒ Aspiration (Russ, Mageninhalt, Blut), Einatmen von giftigen Gasen, kollabierte
Lunge bei Pneu, Hautemphysem bei Thoraxverletzungen
o ZNS
ƒ Verschlucken / Aushusten von Blut, Krähenfüsse bei Verbrennungen
o Cave: agonale Verletzungen (während des Todeseintritts) mit nur diskreten Vitalzeichen

• Supravitale Reaktionen
o Reaktionen post mortem zur Einschätzung der Todeszeit
o Bis 8h: idiomuskulärer Wulst
o Bis 17h: Pupillenreaktion auf Mydriatika
o Bis 80h: bewegliche Spermien

• Abkühlung: ca. 1°C / h (Messung mindestens 8cm ab ano)

• Totenflecken (Livores)
o Auftreten nach 20-30 min.
o Wegdrückbarkeit
ƒ bis 4h p.m.: wegstreichbar (leichter Druck)
ƒ bis 30h p.m: wegdrückbar (starker Druck).
o Umlagerbarkeit
ƒ Bis 6h: vollständig
ƒ Bis 12h: partiell
ƒ > 12h: nicht umlagerbar
o Farbe:
ƒ Livide: normal
ƒ Hellrot: CO-Intoxikation, Cyanid, Kälte
ƒ Blassrosa: Blutverlust, Anämie
ƒ Braunrot: Methämoglobin-Bildner (Nitrit, Anilin)
ƒ Grünrot: Fäulnis

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• Totenstarre (Rigor mortis)
o Ursache: ATP-Mangel (stark temperaturabhängig)
o Ausbildung bei Wärme schneller als bei Kälte!
o Nysten-Regel: Beginn an Kiefer-, Hals-, Nackenmuskulatur; dann abwärts
o Mögliche Phänomene: Totenlaut bei Umlagerung, Schielen, langsame Starre-Systole
o Beginn: 2-4h p.m.
o 6-12h: vollständige Starre
o Innerhalb der ersten 8h: Wiederauftreten nach erster Brechung
o 2-3d: Lösen der Totenstarre durch Autolyse

• Späte Leichenveränderungen
o Fäulnis
ƒ Durchschlagen des Venennetzes, Grünverfärbung, Fäulnisblasen,
Wiederanstieg der Leichentemperatur (durch Bakterienwachstum)
ƒ Caspar-Regel: Fäulniszustand 1 Wo Luft = 2 Wo Wasser = 8 Wo Erdgrab
o Autolyse
ƒ Durch körpereigene Enzyme; sehr früh bei Pancreas, Magen, NNM
o Tierfraß
o Mumifizierung
ƒ Bei trockener Wärme und Luftzug
o Fettwachsbildung (Adipocire)
ƒ In feuchtem Milieu (Wasserleichen, Moorleichen) durch Saponifikation

• Leichenschau
o Ländergesetzgebung
o Leichenschaupflicht: jeder niedergelassene und Krankenhaus-Arzt

• Sektionen
o Nicht-erzwingbar
ƒ Klinische Obduktion, Versicherungsobduktion
o Erzwingbar
ƒ Gerichtliche Sektion, Feuerbestattung bei unklarer Todesursache, Seuchen

2. Forensische Traumatologie

• Schnittverletzung
o Glattrandig, spitzer Winkel, länger als tief, keine Gewebsbrücken

• Stichverletzung
o Einsticköffnung, Stichkanal, ggf. Aussticköffnung; häufig Schwalbenschwanzform
o Einstich tiefer als breit
o Einstich kann durch Weichteilkompression tiefer sein als Stichwerkzeug lang

• DD Schnitt- / Stichverletzungen vs. Stumpfe Gewalt

Schnittverletzung Stichverletzung Stumpfe Gewalt


Länge > Tiefe Tiefe > Länge
Glatte Wundränder Glatte Wundränder Unregelmäßige Wundränder
Spitze Wundwinkel Spitze Wundwinkel Wundrand unterblutet
Schwalbenschwanzform Schürfsaum (Exkoriation)
Keine Gewebebrücken Keine Gewebebrücken Gewebebrücken

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• DD Mord-Selbstmord bei Schnitt- / Stichverletzungen
o Selbstmord: oberflächliche, parallele Probierschnitte, Entkleidung der Einstichstelle,
Schnittverlauf (Rechtshänder von links oben nach rechts unten)
o Mord: tiefe Wunden, Abwehrverletzungen

• Gewalteinwirkung
o Scharfe Gewalt: Verblutung, Infektion, Luftembolie, Schock, Herzbeuteltamponade
o Stumpfe Gewalt: Exkoriation (Abschürfung), Suffusion (Hautblutung), RQW
o Stockhiebe: helle Ausspaarung zwischen parallel laufenden Streifen
o Platzwunden: an Haut ohne schützenden Fettpolstern (Kopf)

• Kopfverletzungen
o Hutkrempen-Regel (bei Stürzen auf ebene Erde)
ƒ Verletzungen oberhalb der Hutkrempe: Fremdbeibringung
ƒ Verletzungen unterhalb der Hutkrempe: Sturz
o Puppe-Regel: neu entstehende Fx-Linien enden an bereits bestehenden
o Querdruck: Querbrüche (Sturz auf Hinterkopf); Längsdruck: Längsbrüche

• Unfälle im Straßenverkehr
o Messerer-Bruch: keilförmige Tibia-Fx beim Erfassen von Fußgängern
o Decollement: Ablederung der Unterhaut-FG bei Überrollen
o Dashbord-injury: Knieanprall am Armaturenbrett, oft mit Hüftverletzung

• Tod durch Ersticken


o Äußere Erstickung: Verlegung der Atemwege, verminderter O2-Gehalt der Luft,
Strangulation, fehlende Atembewegung
o Innere Erstickung: CO-Vergiftung, Cyanid-Vergiftung

Asphyktisch Hypoxisch Histotoxisch


Keine O2-Aufnahme Keine O2-Aufnahme Behinderung des O2-Transports
Keine CO2-Abgabe Normale CO2-Abgabe oder der Gewebeatmung
Fremdkörper Höhentod Zyanidvergiftung

o Stadien der Erstickung


ƒ I (60sec): CO2-Anstieg, Dyspnoe, Tachykardie
ƒ II (90sec): O2-Abfall, Bewusstseinsverlust, Bradykardie, RR-Anstieg, Urinabgang
ƒ III (120sec): Apnoe, Wiederanstieg der Pulsfrequenz durch Vaguslähmung
ƒ IV (150sec): terminale Schnappatmung, HRST
o Erstickungszeichen
ƒ Petechien (Konjunktiven), Tardieu-Flecken (Pleurablutungen),
dunkelviolette Totenflecken

• Erhängen
o Typisches Erhängen
ƒ Aufhängepunkt dorsal in Nackenmitte, symmetrisch aufsteigend
ƒ Sofortige Unterbindung des venösen und arteriellen Blutflusses
ƒ Befunde: keine Zyanose, keine Petechien, Totenflecken distal an Armen / Beinen
o Atypisches Erhängen
ƒ Aufhängepunkt seitlich oder vorne, Körper hat Bodenkontakt
ƒ Unterbrechung des venösen, bei erhaltenem arteriellen Blutfluss
ƒ Befunde: Zyanose, Petechien, Stauungszeichen
o Todesursache: O2-Mangel (typisch), Erstickung (atypisch), plötzlicher Herztod,
sehr selten Genickbruch
o Leichenbefunde beim Tod durch Erhängen
ƒ Simon-Blutung (LWS), Zwischenkammblutung, erhöhter Phosphatidspiegel

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• Erdrosseln
o Strangulation durch das Zuziehen einer Schlinge mit der Hand
o Sehr deutliche Stauungszeichen, Einblutungen
o Horizontale Drosselmarke; Kehlkopf-Fx

• Erwürgen
o Kompression des Halses durch die Hand (Suizid unmöglich)
o Deutliche Stauungszeichen, Kehlkopf-Fx, Zungenbein-Fx, Petechien

• Autoerotische Unfälle
o Durch Versuch, sexuelle Erregung durch O2-Mangel zu steigern

• Ertrinken
o Befunde: Schaumpilz, Blähung der Lungen, trockene Lungenschnitte, Einflussstauung,
Paltauf-Flecken, Sehrt’sche Magenschleimhautrisse, Erstickungszeichen
o Süßwasser-Ertrinken
• Trockene Lunge, Emphysema aquosum
o Salzwasser-Ertrinken
• Lungenödem, Ödema aquosum
o Badetod
• Ursache: Kälte, Vagusreizung, Kreislaufkollaps
• Meist keine oder nur geringe Ertrinkungszeichen
o Postmortale Veränderungen an Wasserleichen
• Abschürfungen an Zehen, Knie, Hände, Stirn (Bauchlage)
• Tierfraß, Schiffsschrauben, Waschhautbildung

• Schussverletzungen
o Einschuss
• Kleiner als Ausschuss, Wundränder nicht adaptierbar
• Abstreifring (Schmauch-/Schmutzring), Schürf-/Vertrocknungssaum
• Kontusionshof / Dehnungsring, Pulverschmauch, Stanzmarke
o Ausschuss
• Fehlen von Einschusszeichen, größer als Einschuss, Wundränder adaptierbar
• Kontusionsring möglich, herausragende Gewebeteile
o Absoluter Nahschuss
• Aufgesetzte Waffenmündung; evtl. erhöhtes CO-Hb
• Schmauchhöhle, Platzwunde, Stanzfigur, Schwärzung des Schusskanals
o Relativer Nahschuss
• Schussentfernung < 1m
• Pulvereinsprengung, Pulverschmauch auf Haut, Nachweis von Zündsubstanz
o Fernschuss
• Schussentfernung > 1m
• Keine Nahschusszeichen
o Spezielle Schussformen
• Ringel-/Konturschuss: Projektil folgt Knochenform
• Geller-/Prellschuss: Projektil durchdringt die Haut nicht
• Krönlein-Schuss: Schädelsprengung durch Geschosswirkung
• Steckschuss: Projektil bleibt im Körper (Pb-Vergiftung möglich)

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Mord Selbstmord Unfall
Verstreute Einschüsse Einzeltreffer Äußere Umstände mit
Entblöste Einschussstelle wirtschaftlicher und
Rechtshänder: rechte Schläfe psychologischer Situation des
Fernschüsse (absoluter) Nahschuss Toten
Waffe in der Hand des Toten Pistole nicht in der Hand,
sondern in nächster Umgebung
Schmauch an der Schusshand

• Verbennung
o Hautverbrennung
ƒ °I: Erythem
ƒ °II: Blasenbildung (IIa ohne Narben-, IIb mit Narbenbildung)
ƒ °III: Gewebsnekrosen
ƒ °IV: Verkohlung
o Neunerregel: 9%: Kopf, 1 Arm, 1 Bein; 18%: eine Seite des Rumpfes
o Tödliche Verbrennung: Erwachsene (>70%), Kinder (> 15%)
o Brandleichen
ƒ Fechterstellung, aufgesprengte Gliedmaßen, epidurales Brandhämatom,
blasenförmige Hautabhebungen (DD: Fäulnis, Barbiturate)
ƒ Vitalzeichen: Krähenfüße, Rußaspiration und in Magen, CO-Hb > 50%

• Kälte
o Ähnliche Hautveränderungen wie bei der Verbrennung
ƒ °I Erythem
ƒ °II Blasenbildung („Frostbeulen)
ƒ °III Gewebsnekrosen
o Körpertemperatur < 30°C: Bewusstlosigkeit; < 25°C: Tod
o Befunde: hellrote Totenflecken, entkleidete Leichen („paradoxes Wärmegefühl“),
Wischnewski-Flecken (hämorrhagische Magenerosionen)
o Niemals schnelle Amputation, da Veränderungen meist progredient und ansonsten meist
Nachamputationen nötig sind!

• Elektrischer Strom
o Kleinspannung < 65V (harmlos), Niederspannung < 1000V (Kammerflimmern)
Hochspannung > 1000V (immer lebensgefährlich)
o Am gefährlichsten ist Wechselstrom (Kammerflimmern)
o Strommarken: häufig an Fingern, Fußsohlen, Porzellanwall mit zentraler Eindellung,
auch postmortale Entstehung möglich!
o Blitzschlag: farnkrautähnliche Blitzfiguren auf der Haut, Kleidung zerfetzt
Metallisation (Schmelzung von Gürtelschnallen, etc.)

3. Spurensicherung

• Alle Spuren zur Asservierung trocknen lassen

• Herkunftsnachweis von Blut


o Neugeborene: HbF
o Geburtsblut: positiver SS-Test
o Menstruationsblut: Glycogen-haltige Zellen
o Abortblut: Lanugohaare, Vernix, Chorionepithel

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• Spermaspuren
o Bei Vergewaltigung Abstriche aus hinterem Scheidengewölbe + Mikroskopie

• DNA-Profil
o Analyse nicht-codierender DNA-Abschnitte
o Short-Tandem-Repeats sind individuell unterschiedlich

4. Kindstötung, Kindesmisshandlung

• Tot- / Fehlgeburt
o Lebendgeburt
ƒ Lebenszeichen vorhanden, auch dann wenn Tot kurz nach Geburt eintritt
o Tote Leibesfrucht
ƒ < 500g Fehlgeburt
ƒ > 500g Totgeburt (standesamtliche Beurkundung)

• Schwimmproben
o Lungenschwimmprobe
ƒ Nachweis des Gelebt-Habens eines Neugeborenen
ƒ Falsch positiv (schwimmende Probe ohne vorangegangene Atmung)
• Fäulnis, gefrorene Leichen, Reanimationsversuch
ƒ Falsch negativ (keine schwimmende Lunge trotz Atmung und Lebendgeburt)
• Flüssigkeitsaspiration, Tötung durch weiche Bedeckung (burking)
o Magen-Darm-Schwimmprobe
ƒ Minuten: Luft in Magen und oberem Dünndarm
ƒ 6h: Luft im gesamten Dünndarm
ƒ 12h: Luft im gesamten Dickdarm

• Kindesmisshandlung
o § 223 StGB: Quälen, Misshandlung, Schaden durch mangelnde Pflege
o Psychische Misshandlung (schwer fassbar), Vernachlässigung (Perzentilen), Körperliche
Misshandlung (alte Hämatome, Fx), Sexuelle Übergriffe, Münchhausen-by-proxy-
Syndrom
o Verletzungslokalisation
ƒ Unverdächtig: Knie, Ellenbogen, Hände, Vorderseite der US
ƒ Verdächtig: Wangen, Ohren, oberhalb Hutkrempe, Rücken, Po, Beinrückseite
o Schütteltrauma
ƒ Brückenvenenzerreißung (Subduralhämatom), Netzhautblutung (beweisend)
o Münchhausen-by-proxy-Syndrom
ƒ Vortäuschung von Krankheiten an Kindern durch die Eltern durch Manipulation
oder Verabreichung von Medikamenten
o Prozedere: genaue Dokumentation, frühere Hospitalisationen,
fakultative Schweigepflicht-Durchbrechung

5. Forensische Toxikologie

• Kohlenmonoxid (CO-) Vergiftung


o Farb- und geruchslos; Suizid- / Badewannentod (Propangasofen)
o 200-300fach höhere Affinität zu Hämoglobin als O2
o Vergiftung auch bei geringer Konzentration (0,3 Vol% nach 2h tödlich)
o Th: Beatmung mit O2
o Ab 20% Vergiftungssymptome, ab 50% Bewusslosigkeit, ab 60% tödlich
o Befunde: hellrote Totenflecken (nur teilweise hellrot spricht gegen CO-Vergiftung)
o Cave: sofortiges Fensteröffnen bei Leichenschau bei V.a. CO-Vergiftung

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• Parathion (E 605)
o Lauchähnlicher Geruch, blaue Warnfarbe
o Klinik: Miosis, Speichelfluss, Bradykardie, Diarrhoe

• Zyanide, Blausäure (HCN) und ihre Salze (KCN, NaCN)


o Bittermandelgeruch, hellrote Totenflecken
o Klinik (schnell): Krämpfe, Atemnot (tödlich ab 1mg/ kg KG)

• Methanol
o Vergiftung durch Metaboliten Ameisensäure und Formaldehyd (Maximum nach 2d)
o Klinik: Sehstörung, Azidose, ZNS
o Th: Ethanol, Folsäure, Hämodialyse (NaHCO3)

• Barbiturate
o Befunde: Holzner’sche Blasen (v.a. an Auflagestellen; Inhalt: Barbiturate)

• α -Amantidin
o Kurz nach Pilzaufnahme GI-Symptome; nach 10-20h Leberatrophie
o Keine gesicherte Therapie bekannt

• Charakteristische Gerüche
o Parathion: Knoblauch, Lauch
o Schwefelwasserstoff: faule Eier
o Nitrobenzol: Lösungsmittel
o Blausäure: Bittermandeln
o Kein Geruch: Arsen, CO, Thallium, Barbiturate, Strychnin

6. Verkehrsmedizin

• Bei krankheitsbedingter Fahruntauglichkeit muss Arzt den Patienten darüber aufklären


bei Nichteinhaltung: fakultative Durchbrechung der Schweigepflicht

• Alkohol
o Nachtrunk: erneute Alkoholaufnahme nach einer Straftat
o Restalkohol: noch vorhandene Alkoholmenge nach der Nachtruhe
o Resorptionsdefizit: 10% des aufgenommenen Alkohols werden nicht resorbiert
o Nachweismethoden
ƒ Widmark-Verfahren: genau, aber unspezifisch (cave: Ketone)
ƒ ADH-Verfahren: spezifisch für Alkohol, aber nicht für Ethanol
ƒ Gaschromatographie: ethanolspezifisch
o Blutalkoholkonzentration
ƒ Alkoholabbau: linear mit 0,1 %o /h
Menge( g )
o Widmark-Formel Alkohol − Konzentration(%o) =
KG (kg ) ⋅ 0,7
o Bestimmung der Alkoholkonzentration bei Leichen
ƒ Immer aus V. femoralis (Gefahr der Diffusion von Mageninhalt in Herzblut)

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7. Forensische Psychopathologie

• §20 StGB Schuldunfähigkeit


o Krankhafte seelische Störung
ƒ Psychosen (Schizophrenie, exogen), Alkoholintoxikation, senile Demenz
o Tiefgreifende Bewusstseinsstörung
ƒ Erschöpfung, schwere Affekte, Hypnose
o Schwachsinn
ƒ Angeborene schwere Intelligenzverminderung
o Andere schwere seelische Abartigkeit
ƒ Psychopathen, sexuelle Triebstörungen, Neurose

• §21 StGB Verminderte Schuldfähigkeit


o Unfähigkeit zur Tateinsicht oder nach dieser Einsicht zu handeln
o Oder Gründe aus §20 StGB

• Rechtsbegriffe
o Deliktsfähigkeit: Forderung nach Schadensersatz möglich
o Testierfähigkeit: Fähigkeit des Aufsetzens eines rechtsgültigen Testaments
o Rechtsfähigkeit: Fähigkeit, z.B. ein Erbe zu erhalten

Strafrecht Zivilrecht
Geburt Rechtsfähigkeit
7. LJ Bedingte Geschäftsfähigkeit
Bedingte Deliktsfähigkeit
14. LJ Bedingte Strafmündigkeit
16. LJ Testierfähigkeit
18. LJ Volle Strafmündigkeit Volle Geschäftsfähigkeit
(Jugenstrafrecht möglich) Volle Deliktsfähigkeit
21. LJ Volle Strafmündigkeit
(immer Erwachsenenstrafrecht)

8. Ärztliche Rechts- und Berufskunde

• Approbation
o Erteilung und Widerruf durch die zuständige Verwaltungsbehörde

• Berufsgericht
o Unabhängig von Straf- und Zivilgerichten
o Verhängt Strafen bei Verfehlung gegen Berufs- / Standespflichten
o Mögliche Strafen: Rügen, Geldbußen, Wahlrechtsentzug zur Ärztekammer
o Nicht möglich: Freiheitsstrafen, Berufsverbot, Entziehung der Approbation (StGB)

• Aufklärung
o Typisches Risiko: ab Häufigkeit 1:1000
o Patient hat ein Aufklärungsverweigerungsrecht
o Je dringender der Eingriff, desto kürzere Aufklärung ist möglich
o Nichtstrafbare Eingriffe nach Aufklärung
ƒ Gegebene Indikation, Aufklärung / Einwilligung, nicht sittenwidrig

• Erzwingbare Eingriffe
o Geschlechtskrankheiten, Seuchen, Blutproben (StPO), Vaterschaftsnachweis,
Unterbringung

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• Zwangsunterbringung
o StGB: Straftätern nach §20, 21; Straftäter unter Alkohol, Drogen
o Ländergesetze: Selbst- oder Fremdgefährdung
ƒ Bis spätestens 24h des Folgetages muss richterliche Prüfung erfolgen

• Schweigepflicht
o Schweigepflicht auch nach Tod des Patienten (StGB)
o Entbindung von der Schweigepflicht
ƒ Jederzeit Widerruf möglich
ƒ Zeugnisverweigerungsrecht vor Gericht
ƒ Zeugnispflicht bei Entbindung von Schweigepflicht, Ladung als Sachverständiger
o Durchbrechung der Schweigepflicht
ƒ Fakultativ: Gefährdung der Allgemeinheit
ƒ Obligat: Mord, Totschlag, Völkermord, Meldepflichtige Erkrankungen, Geburt,
Todesfall, Berufskrankheiten, Vernachlässigung minderjähriger Behinderter,
V.a. unnatürlichen Tod

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