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Deutscher Bundestag Drucksache 17/6256

17. Wahlperiode 22. 06. 2011

Gesetzentwurf
der Bundesregierung

Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern
und Jugendlichen (Bundeskinderschutzgesetz – BKiSchG)

A. Problem und Ziel


Der Kinderschutz in Deutschland hat in den letzten Jahren auf Grund der ver-
besserten Rechtsgrundlagen im Achten Buch Sozialgesetzbuch – Kinder- und
Jugendhilfe – sowie im Kindschaftsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB),
den Aktivitäten der Länder im Rahmen von Kinderschutzgesetzen und Modell-
programmen, vor allem aber der konsequenten und nachhaltigen Qualifizierung
der örtlichen Praxis in den Jugendämtern und bei den freien Trägern ein hohes
Niveau erreicht. Dennoch zeigt die Auswertung der Erfahrungen der Praxis,
dass in verschiedenen
Feldern des präventiven und des intervenierenden Kinderschutzes gesetzgebe-
rischer Handlungsbedarf besteht.
So haben die verschiedenen Modellprogramme des Bundes und der Länder die
Bedeutung Früher Hilfen während der Schwangerschaft und in den ersten
Lebensjahren des Kindes für das frühzeitige Erkennen von Risiken und Belas-
tungen und damit für eine gesunde Entwicklung des Kindes bestätigt. Zur Über-
führung in die Regelpraxis bedarf es einer Verbesserung der Rechtsgrundlagen
in der Kinder- und Jugendhilfe und im Bereich der Schnittstelle zum Gesund-
heitssystem. Ihr Potential kann aber nur dann optimal zum Einsatz kommen,
wenn ihr Angebot bei den Adressaten bekannt ist und die beteiligten Institu-
tionen und Leistungssysteme auf der örtlichen Ebene strukturell vernetzt sind.
Verbesserungsbedürftig ist darüber hinaus auch die Kooperation im Einzelfall.
Dazu bedarf es einer bundeseinheitlichen Rechtsgrundlage insbesondere für
Angehörige der Gesundheitsberufe, wonach sie befugt sind, das Jugendamt bei
akuter Kindeswohlgefährdung zu informieren. Sowohl im Koalitionsvertrag als
auch in den Verhandlungen am Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“
wird zudem die (Weiter-)Entwicklung fachlicher Handlungsleitlinien und Qua-
litätskriterien für die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe – im Besonderen im
Hinblick auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in
Einrichtungen – als dringlich erachtet. Dazu zählt auch der Einsatz erweiterter
Führungszeugnisse für Personen, die in engem Kontakt mit Kindern und Jugend-
lichen stehen.
Das Instrument der Gefährdungseinschätzung bei Anhaltspunkten für eine
Kindeswohlgefährdung darf nicht auf das System der Kinder- und Jugendhilfe
beschränkt bleiben, sondern muss auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche mit
einer körperlichen oder geistigen Behinderung zum Einsatz kommen.
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B. Lösung
Der Gesetzentwurf beinhaltet daher
● die Einrichtung von Netzwerken im Kinderschutz auf der örtlichen Ebene,
● den Ausbau von Hilfen zur Stärkung der elterlichen Erziehungskompetenz
während der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des Kindes
(Frühe Hilfen), der durch eine zeitlich befristete Bundesinitiative zum Aus-
und Aufbau des Einsatzes von Familienhebammen unterstützt wird,
● eine weitere Qualifizierung des Schutzauftrags des Jugendamts bei Kindes-
wohlgefährdung,
● die Verbesserung der Zusammenarbeit der Jugendämter zum Schutz von
Kindern, deren Eltern sich durch Wohnungswechsel der Kontaktaufnahme
entziehen wollen (sog. Jugendamts-Hopping),
● eine bundeseinheitliche Regelung der Befugnis kinder- und jugendnaher Be-
rufsgeheimnisträger zur Weitergabe von Informationen an das Jugendamt,
● die Verpflichtung der Träger der öffentlichen Jugendhilfe zur Qualitätsent-
wicklung sowie zum Abschluss entsprechender Vereinbarungen mit der
freien Jugendhilfe als Grundlage für die Finanzierung,
● die Verpflichtung zur Vorlage erweiterter Führungszeugnisse für alle in der
Jugendhilfe beschäftigten Personen sowie das Personal in den erlaubnis-
pflichtigen Einrichtungen,
● die Verpflichtung der Träger der öffentlichen Jugendhilfe, mit den Trägern
der freien Jugendhilfe Vereinbarungen über die Tätigkeiten zu treffen, bei
denen die Vorlage erweiterter Führungszeugnisse auch durch ehrenamtlich
tätige Personen notwendig ist.

C. Alternativen
Keine.

D. Finanzielle Auswirkungen auf die öffentlichen Haushalte


Für den Bund entstehen 2012 bis 2015 jährliche Kosten in Höhe von 30 Mio.
Euro. Diese werden aus dem Einzelplan 17 kompensiert.
Für die Länder entstehen
● einmalige Umstellungs-/Aufbaukosten in Höhe von 25,08 Mio. Euro im Jahr
2012 sowie 25 Mio. Euro im Jahr 2013,
● jährliche Mehrkosten in Höhe von 64,03 Mio. Euro.
Durch Änderung der Bundesstatistik werden dem Statistischen Bundesamt zum
einen Umstellungskosten in Höhe von einmalig 65 175 Euro entstehen. Zum
anderen entstehen dauerhaft Mehrausgaben in Höhe von 22 780 Euro jährlich.
Eine Kompensation der einmaligen Kosten erfolgt aus Einzelplan 17 des Bun-
deshaushalts durch einmalige Umschichtung in den Einzelplan 06 für das
Haushaltsjahr 2012. Eine Kompensation der dauerhaften Kosten erfolgt durch
eine dauerhafte Umschichtung aus Einzelplan 17 in den Einzelplan 06 mit Wir-
kung ab dem Haushaltsjahr 2012.

E. Sonstige Kosten
Die Ausführung des Gesetzes wird keine Auswirkungen auf Einzelpreise oder
das allgemeine Preisniveau haben.
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Zusätzliche sonstige Kosten bei Wirtschaftsunternehmen, insbesondere für mit-


telständische Unternehmen, entstehen nicht.

F. Bürokratiekosten
Mit dem Entwurf werden für den Bereich der Verwaltung vier Informations-
pflichten eingeführt oder verändert. Für den Bereich der Wirtschaft werden eine
Informationspflicht eingeführt sowie eine bestehende Informationspflicht
modifiziert. Dieses führt für den Bereich der Wirtschaft zu marginalen Büro-
kratiekosten. Für Bürgerinnen und Bürger wird mittelbar eine Informations-
pflicht eingeführt.
Der Nationale Normenkontrollrat hat im Rahmen seines gesetzlichen Prüfauf-
trags keine Bedenken gegen das Regelungsvorhaben.
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Anlage 1

Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes von Kindern
und Jugendlichen (Bundeskinderschutzgesetz – BKiSchG)
Vom …

Der Bundestag hat mit Zustimmung des Bundesrates das §2


folgende Gesetz beschlossen: Information der Eltern über Unterstützungsangebote
in Fragen der Kindesentwicklung
Inhaltsübersicht
(1) Eltern sowie werdende Mütter und Väter sollen über
Artikel 1 Gesetz zur Kooperation und Information im Kin- Leistungsangebote im örtlichen Einzugsbereich zur Bera-
derschutz tung und Hilfe in Fragen der Schwangerschaft, Geburt und
Artikel 2 Änderung des Achten Buches Sozialgesetzbuch der Entwicklung des Kindes in den ersten Lebensjahren in-
formiert werden.
Artikel 3 Änderungen anderer Gesetze
(2) Zu diesem Zweck sind die nach Landesrecht für die
Artikel 4 Neufassung des Achten Buches Sozialgesetzbuch Information der Eltern nach Absatz 1 zuständigen Stellen
befugt, den Eltern ein persönliches Gespräch anzubieten.
Artikel 5 Inkrafttreten Dieses kann auf Wunsch der Eltern in ihrer Wohnung statt-
finden. Sofern Landesrecht keine andere Regelung trifft, be-
zieht sich die in Satz 1 geregelte Befugnis auf die örtlichen
Artikel 1 Träger der Jugendhilfe.
Gesetz zur Kooperation und Information
im Kinderschutz (KKG) §3
Rahmenbedingungen für verbindliche
Netzwerkstrukturen im Kinderschutz
§1
Kinderschutz und staatliche Mitverantwortung (1) In den Ländern werden insbesondere im Bereich
Früher Hilfen flächendeckend verbindliche Strukturen der
(1) Ziel des Gesetzes ist es, das Wohl von Kindern und Zusammenarbeit der zuständigen Leistungsträger und Insti-
Jugendlichen zu schützen und ihre körperliche, geistige und tutionen im Kinderschutz mit dem Ziel aufgebaut und wei-
seelische Entwicklung zu fördern. terentwickelt, sich gegenseitig über das jeweilige Angebots-
(2) Pflege und Erziehung der Kinder und Jugendlichen und Aufgabenspektrum zu informieren, strukturelle Fragen
sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ih- der Angebotsgestaltung und -entwicklung zu klären sowie
nen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die Verfahren im Kinderschutz aufeinander abzustimmen.
staatliche Gemeinschaft. (2) In das Netzwerk sollen insbesondere Einrichtungen
und Dienste der öffentlichen und freien Jugendhilfe, Einrich-
(3) Aufgabe der staatlichen Gemeinschaft ist es, soweit
tungen und Dienste, mit denen Verträge nach § 75 Absatz 3
erforderlich, Eltern bei der Wahrnehmung ihres Erziehungs-
des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch bestehen, Gesund-
rechts und ihrer Erziehungsverantwortung zu unterstützen,
heitsämter, Sozialämter, Gemeinsame Servicestellen, Schu-
damit
len, Polizei- und Ordnungsbehörden, Agenturen für Arbeit,
1. sie im Einzelfall dieser Verantwortung besser gerecht Krankenhäuser, Sozialpädiatrische Zentren, interdisziplinäre
werden können, Frühförderstellen, Schwangerschafts- und Beratungsstellen
für soziale Problemlagen, Einrichtungen und Dienste zur
2. im Einzelfall Risiken für die Entwicklung von Kindern Müttergenesung sowie zum Schutz gegen Gewalt in engen
und Jugendlichen frühzeitig erkannt werden und sozialen Beziehungen, Familienbildungsstätten, Familienge-
3. im Einzelfall eine Gefährdung des Wohls eines Kindes richte und Angehörige der Heilberufe einbezogen werden.
oder Jugendlichen vermieden oder, falls dies im Einzel- Einer der beteiligten Institutionen soll die Planung und Steu-
fall nicht mehr möglich ist, eine weitere Gefährdung erung des Netzwerks übertragen werden. Die Beteiligten
oder Schädigung abgewendet werden kann. sollen die Grundsätze für eine verbindliche Zusammenarbeit
in Vereinbarungen festlegen.
(4) Zu diesem Zweck umfasst die Unterstützung der El-
(3) Sofern Landesrecht keine andere Regelung trifft, soll
tern bei der Wahrnehmung ihres Erziehungsrechts und ihrer
die verbindliche Zusammenarbeit im Kinderschutz als Netz-
Erziehungsverantwortung durch die staatliche Gemein-
werk auf der Ebene der örtlichen Träger der Jugendhilfe or-
schaft insbesondere auch Information, Beratung und Hilfe.
ganisiert werden. Auf vorhandene Strukturen soll zurückge-
Kern ist die Vorhaltung eines möglichst frühzeitigen, koor-
griffen werden.
dinierten und multiprofessionellen Angebots im Hinblick
auf die Entwicklung von Kindern vor allem in den ersten (4) Dieses Netzwerk soll zur Beförderung Früher Hilfen
Lebensjahren für Mütter und Väter sowie schwangere durch den Einsatz von Familienhebammen gestärkt werden.
Frauen und werdende Väter (Frühe Hilfen). Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
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Jugend unterstützt den Aus- und Aufbau des Einsatzes von Artikel 2
Familienhebammen durch eine zeitlich befristete Bundes- Änderung des Achten Buches Sozialgesetzbuch
initiative.
Das Achte Buch Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugend-
hilfe – in der Fassung der Bekanntmachung vom …
§4 (BGBl. I S. …), zuletzt geändert durch …, wird wie folgt
Beratung und Übermittlung von Informationen geändert:
durch Geheimnisträger bei Kindeswohlgefährdung
1. Die Inhaltsübersicht wird wie folgt geändert:
(1) Werden a) Nach der Angabe zu § 8a wird folgende Angabe ein-
1. Ärztinnen oder Ärzten, Hebammen oder Entbindungs- gefügt:
pflegern oder Angehörigen eines anderen Heilberufes, „§ 8b Fachliche Beratung und Begleitung zum
der für die Berufsausübung oder die Führung der Berufs- Schutz von Kindern und Jugendlichen“.
bezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung erfor- b) Die Angabe zum Fünften Abschnitt wird wie folgt
dert, gefasst:
2. Berufspsychologinnen oder -psychologen mit staatlich „Fünfter Abschnitt
anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung, Beurkundung, vollstreckbare Urkunden“.
3. Ehe-, Familien-, Erziehungs- oder Jugendberaterinnen c) Die Angabe zu § 59 wird wie folgt gefasst:
oder -beratern sowie „§ 59 Beurkundung“.
4. Beraterinnen oder Beratern für Suchtfragen in einer Be- d) Die Angabe zu § 72a wird wie folgt gefasst:
ratungsstelle, die von einer Behörde oder Körperschaft, „§ 72a Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter
Anstalt oder Stiftung des öffentlichen Rechts anerkannt Personen“.
ist,
e) Nach der Angabe zu § 79 wird folgende Angabe ein-
5. Mitgliedern oder Beauftragten einer anerkannten Bera- gefügt:
tungsstelle nach den §§ 3 und 8 des Schwangerschafts- „§ 79a Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Ju-
konfliktgesetzes, gendhilfe“.
6. staatlich anerkannten Sozialarbeiterinnen oder -arbeitern f) Die Angabe zu § 81 wird wie folgt gefasst:
oder staatlich anerkannten Sozialpädagoginnen oder „§ 81 Strukturelle Zusammenarbeit mit anderen
-pädagogen oder Stellen und öffentlichen Einrichtungen“.
7. Lehrerinnen oder Lehrern an öffentlichen Schulen g) Die Angabe zu § 86c wird wie folgt gefasst:
㤠86c Fortdauernde Leistungsverpflichtung und
in Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit gewichtige Anhalts- Fallübergabe bei Zuständigkeitswechsel“.
punkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder
eines Jugendlichen bekannt, so sollen sie mit dem Kind oder 2. In § 2 Absatz 3 Nummer 12 werden die Wörter „und Be-
Jugendlichen und den Personensorgeberechtigten die Situa- glaubigung“ gestrichen.
tion erörtern und, soweit erforderlich, bei den Personensorge- 3. § 8 Absatz 3 wird wie folgt gefasst:
berechtigten auf die Inanspruchnahme von Hilfen hinwir-
„(3) Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Be-
ken, soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes oder
ratung ohne Kenntnis des Personensorgeberechtigten,
des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.
wenn die Beratung auf Grund einer Not- und Konfliktlage
(2) Die Personen nach Absatz 1 haben zur Einschätzung erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an den
der Kindeswohlgefährdung gegenüber dem Träger der öf- Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt
fentlichen Jugendhilfe Anspruch auf Beratung durch eine würde. § 36 des Ersten Buches bleibt unberührt.“
insoweit erfahrene Fachkraft. Sie sind zu diesem Zweck be- 4. § 8a wird wie folgt geändert:
fugt, dieser Person die dafür erforderlichen Daten zu über-
mitteln; vor einer Übermittlung der Daten sind diese zu a) Absatz 1 wird wie folgt geändert:
pseudonymisieren. aa) In Satz 1 wird das Wort „abzuschätzen“ durch
das Wort „einzuschätzen“ ersetzt.
(3) Scheidet eine Abwendung der Gefährdung nach Ab-
satz 1 aus oder ist ein Vorgehen nach Absatz 1 erfolglos und bb) Satz 2 wird wie folgt gefasst:
halten die in Absatz 1 genannten Personen ein Tätigwerden „Soweit der wirksame Schutz dieses Kindes oder
des Jugendamtes für erforderlich, um eine Gefährdung des dieses Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird,
Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen abzuwenden, hat das Jugendamt die Erziehungsberechtigten
so sind sie befugt, das Jugendamt zu informieren; hierauf sowie das Kind oder den Jugendlichen in die Ge-
sind die Betroffenen vorab hinzuweisen, es sei denn, dass fährdungseinschätzung einzubeziehen und, so-
damit der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugend- fern dies nach fachlicher Einschätzung erforder-
lichen in Frage gestellt wird. Zu diesem Zweck sind die Per- lich ist, sich dabei einen unmittelbaren Eindruck
sonen nach Satz 1 befugt, dem Jugendamt die erforderlichen von dem Kind und von seiner persönlichen Um-
Daten mitzuteilen. gebung zu verschaffen.“
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b) Der bisherige Absatz 2 wird Absatz 4 und wie folgt 1. zur Sicherung des Kindeswohls und zum Schutz
gefasst: vor Gewalt sowie
„(4) In Vereinbarungen mit den Trägern von Ein- 2. zu Verfahren der Beteiligung von Kindern und Ju-
richtungen und Diensten, die Leistungen nach diesem gendlichen an strukturellen Entscheidungen in der
Buch erbringen, ist sicherzustellen, dass Einrichtung sowie zu Beschwerdeverfahren in per-
1. deren Fachkräfte bei Bekanntwerden gewichtiger sönlichen Angelegenheiten.
Anhaltspunkte für die Gefährdung eines von ih- 6. In § 10 Absatz 3 Satz 2 wird die Angabe „§§ 14
nen betreuten Kindes oder Jugendlichen eine Ge- bis 16“ durch die Wörter „den §§ 14 bis 16g“ ersetzt.
fährdungseinschätzung vornehmen, 7. § 16 wird wie folgt geändert:
2. bei der Gefährdungseinschätzung eine insoweit a) Nach Absatz 2 wird folgender Absatz 3 eingefügt:
erfahrene Fachkraft beratend hinzugezogen wird
sowie „(3) Müttern und Vätern sowie schwangeren
Frauen und werdenden Vätern sollen Beratung und
3. die Erziehungsberechtigten sowie das Kind oder Hilfe in Fragen der Partnerschaft und des Aufbaus
der Jugendliche in die Gefährdungseinschätzung elterlicher Erziehungs- und Beziehungskompeten-
einbezogen werden, soweit hierdurch der wirk- zen angeboten werden.“
same Schutz des Kindes oder Jugendlichen nicht
in Frage gestellt wird. b) Die bisherigen Absätze 3 und 4 werden die Ab-
sätze 4 und 5.
In die Vereinbarung ist neben den Kriterien für die
Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden Fach- 8. In § 17 Absatz 3 werden die Wörter „(§ 622 Abs. 2
kraft insbesondere die Verpflichtung aufzunehmen, Satz 1 der Zivilprozessordnung)“ gestrichen und das
dass die Fachkräfte bei den Personensorgeberechtig- Wort „Parteien“ durch die Wörter „beteiligte Eheleute
ten oder den Erziehungsberechtigten auf die Inan- und Kinder“ ersetzt.
spruchnahme von Hilfen hinwirken, wenn sie diese 9. § 37 wird wie folgt geändert:
für erforderlich halten, und das Jugendamt informie-
a) Absatz 2 wird wie folgt gefasst:
ren, falls die Gefährdung nicht anders abgewendet
werden kann.“ „(2) Die Pflegeperson hat vor der Aufnahme des
Kindes oder Jugendlichen und während der Dauer
c) Die bisherigen Absätze 3 und 4 werden die Absätze 2
des Pflegeverhältnisses Anspruch auf Beratung und
und 3.
Unterstützung; dies gilt auch in den Fällen, in de-
d) Nach Absatz 4 wird folgender Absatz 5 angefügt: nen für das Kind oder den Jugendlichen weder
„(5) Werden einem örtlichen Träger gewichtige Hilfe zur Erziehung noch Eingliederungshilfe ge-
Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines währt wird oder die Pflegeperson nicht der Erlaub-
Kindes oder eines Jugendlichen bekannt, so sind dem nis zur Vollzeitpflege nach § 44 bedarf. Lebt das
für die Gewährung von Leistungen zuständigen ört- Kind oder der Jugendliche bei einer Pflegeperson
lichen Träger die Daten mitzuteilen, deren Kenntnis außerhalb des Bereichs des zuständigen Trägers der
zur Wahrnehmung des Schutzauftrags bei Kindes- öffentlichen Jugendhilfe, so sind ortsnahe Beratung
wohlgefährdung nach § 8a erforderlich ist. Die Mit- und Unterstützung sicherzustellen. Der zuständige
teilung soll im Rahmen eines Gespräches zwischen Träger der öffentlichen Jugendhilfe hat die aufge-
den Fachkräften der beiden örtlichen Träger erfolgen, wendeten Kosten einschließlich der Verwaltungs-
an dem die Personensorgeberechtigten sowie das kosten auch in den Fällen zu erstatten, in denen die
Kind oder der Jugendliche beteiligt werden sollen, Beratung und Unterstützung im Wege der Amts-
soweit hierdurch der wirksame Schutz des Kindes hilfe geleistet wird. § 23 Absatz 4 Satz 3 gilt ent-
oder des Jugendlichen nicht in Frage gestellt wird.“ sprechend.“
5. Nach § 8a wird folgender § 8b eingefügt: b) Nach Absatz 2 wird folgender Absatz 2a eingefügt:
„§ 8b „(2a) Die Art und Weise der Zusammenarbeit so-
Fachliche Beratung und Begleitung zum Schutz wie die damit im Einzelfall verbundenen Ziele sind
von Kindern und Jugendlichen im Hilfeplan zu dokumentieren. Bei Hilfen nach den
§§ 33 und 35a Absatz 2 Nummer 3 zählen dazu auch
(1) Personen, die beruflich in Kontakt mit Kindern der vereinbarte Umfang der Beratung der Pflegeper-
oder Jugendlichen stehen, haben bei der Einschätzung son sowie die Höhe der laufenden Leistungen zum
einer Kindeswohlgefährdung im Einzelfall gegenüber Unterhalt des Kindes oder Jugendlichen. Eine Ab-
dem örtlichen Träger der Jugendhilfe Anspruch auf Be- weichung von den dort getroffenen Feststellungen
ratung durch eine insoweit erfahrene Fachkraft. ist nur bei einer Änderung des Hilfebedarfs und ent-
(2) Träger von Einrichtungen, in denen sich Kinder sprechender Änderung des Hilfeplans zulässig.“
oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages 10. In § 42 Absatz 2 Satz 3 wird der Punkt am Ende durch
aufhalten oder in denen sie Unterkunft erhalten, und die die Wörter „; § 39 Absatz 4 Satz 2 gilt entsprechend.“
zuständigen Leistungsträger, haben gegenüber dem über- ersetzt.
örtlichen Träger der Jugendhilfe Anspruch auf Beratung
bei der Entwicklung und Anwendung fachlicher Hand- 11. Dem § 43 Absatz 2 wird folgender Satz angefügt:
lungsleitlinien „§ 72a Absatz 1 und 5 gilt entsprechend.“
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12. Dem § 44 Absatz 2 wird folgender Satz angefügt: anderen Behörde abzustimmen. Sie hat den Träger der
„§ 72a Absatz 1 und 5 gilt entsprechend.“ Einrichtung rechtzeitig auf weitergehende Anforderun-
gen nach anderen Rechtsvorschriften hinzuweisen.
13. § 45 wird wie folgt gefasst:
(6) Sind in einer Einrichtung Mängel festgestellt
„§ 45 worden, so soll die zuständige Behörde zunächst den
Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung Träger der Einrichtung über die Möglichkeiten zur Be-
(1) Der Träger einer Einrichtung, in der Kinder oder seitigung der Mängel beraten. Wenn sich die Beseiti-
Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages gung der Mängel auf Entgelte oder Vergütungen nach
betreut werden oder Unterkunft erhalten, bedarf für § 75 des Zwölften Buches auswirken kann, so ist der
den Betrieb der Einrichtung der Erlaubnis. Einer Er- Träger der Sozialhilfe an der Beratung zu beteiligen,
laubnis bedarf nicht, wer mit dem Vereinbarungen nach dieser Vorschrift beste-
hen. Werden festgestellte Mängel nicht behoben, so
1. eine Jugendfreizeiteinrichtung, eine Jugendbil- können dem Träger der Einrichtung Auflagen erteilt
dungseinrichtung, eine Jugendherberge oder ein werden, die zur Beseitigung einer eingetretenen oder
Schullandheim betreibt, Abwendung einer drohenden Beeinträchtigung oder
2. ein Schülerheim betreibt, das landesgesetzlich der Gefährdung des Wohls der Kinder oder Jugendlichen
Schulaufsicht untersteht, erforderlich sind. Wenn sich eine Auflage auf Entgelte
oder Vergütungen nach § 75 des Zwölften Buches aus-
3. eine Einrichtung betreibt, die außerhalb der Jugend- wirkt, so entscheidet die zuständige Behörde nach An-
hilfe liegende Aufgaben für Kinder oder Jugend- hörung des Trägers der Sozialhilfe, mit dem Vereinba-
liche wahrnimmt, wenn für sie eine entsprechende rungen nach dieser Vorschrift bestehen, über die Ertei-
gesetzliche Aufsicht besteht oder im Rahmen des lung der Auflage. Die Auflage ist nach Möglichkeit in
Hotel- und Gaststättengewerbes der Aufnahme von Übereinstimmung mit Vereinbarungen nach den §§ 75
Kindern oder Jugendlichen dient. bis 80 des Zwölften Buches auszugestalten.
(2) Die Erlaubnis ist zu erteilen, wenn das Wohl der (7) Die Erlaubnis ist zurückzunehmen oder zu
Kinder und Jugendlichen in der Einrichtung gewähr- widerrufen, wenn das Wohl der Kinder oder der Ju-
leistet ist. Dies ist in der Regel anzunehmen, wenn gendlichen in der Einrichtung gefährdet und der Träger
1. die dem Zweck und der Konzeption der Einrichtung der Einrichtung nicht bereit oder nicht in der Lage ist,
entsprechenden räumlichen, fachlichen, wirtschaft- die Gefährdung abzuwenden. Widerspruch und An-
lichen und personellen Voraussetzungen für den fechtungsklage gegen die Rücknahme oder den Wider-
Betrieb erfüllt sind, ruf der Erlaubnis haben keine aufschiebende Wir-
kung.“
2. die gesellschaftliche und sprachliche Integration in
der Einrichtung unterstützt wird sowie die gesund- 14. § 47 Satz 1 wird wie folgt gefasst:
heitliche Vorsorge und die medizinische Betreuung „Der Träger einer erlaubnispflichtigen Einrichtung hat
der Kinder und Jugendlichen gesichert sind sowie der zuständigen Behörde unverzüglich
3. zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugend- 1. die Betriebsaufnahme unter Angabe von Name und
lichen in der Einrichtung geeignete Verfahren der Be- Anschrift des Trägers, Art und Standort der Ein-
teiligung sowie der Möglichkeit der Beschwerde in richtung, der Zahl der verfügbaren Plätze sowie der
persönlichen Angelegenheiten Anwendung finden. Namen und der beruflichen Ausbildung des Leiters
(3) Zur Prüfung der Voraussetzungen hat der Träger und der Betreuungskräfte,
der Einrichtung mit dem Antrag 2. Ereignisse oder Entwicklungen, die geeignet sind,
1. die Konzeption der Einrichtung vorzulegen, die das Wohl der Kinder und Jugendlichen zu beein-
auch Auskunft über Maßnahmen zur Qualitätsent- trächtigen, sowie
wicklung und -sicherung gibt, sowie 3. die bevorstehende Schließung der Einrichtung
2. im Hinblick auf die Eignung des Personals einen anzuzeigen.“
Nachweis über die Vorlage und Prüfung von auf- 15. Die Überschrift des Fünften Abschnitts des Dritten Ka-
gabenspezifischen Ausbildungsnachweisen sowie pitels wird wie folgt gefasst:
von Führungszeugnissen nach § 30 Absatz 5 und
§ 30a Absatz 1 des Bundeszentralregistergesetzes zu „Fünfter Abschnitt
erbringen; Führungszeugnisse sind von dem Träger Beurkundung, vollstreckbare Urkunden“.
der Einrichtung in regelmäßigen Abständen erneut 16. § 59 wird wie folgt geändert:
anzufordern und zu prüfen.
a) Die Überschrift wird wie folgt gefasst:
(4) Die Erlaubnis kann mit Nebenbestimmungen
versehen werden. Zur Sicherung des Wohls der Kinder 㤠59
und der Jugendlichen können auch nachträgliche Auf- Beurkundung“.
lagen erteilt werden. b) Absatz 1 wird wie folgt geändert:
(5) Besteht für eine erlaubnispflichtige Einrichtung aa) In Satz 1 Nummer 9 werden die Wörter „§ 648
eine Aufsicht nach anderen Rechtsvorschriften, so hat der Zivilprozessordnung“ durch die Wörter
die zuständige Behörde ihr Tätigwerden zuvor mit der „§ 252 des Gesetzes über das Verfahren in
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Familiensachen und in den Angelegenheiten nen Daten nur den Umstand, dass Einsicht in ein Füh-
der freiwilligen Gerichtsbarkeit“ ersetzt. rungszeugnis genommen wurde, das Datum des Füh-
rungszeugnisses und die Information erheben, ob die das
bb) In Satz 2 werden die Wörter „und Beglaubi-
Führungszeugnis betreffende Person wegen einer Straf-
gungen“ gestrichen.
tat nach Absatz 1 Satz 1 rechtskräftig verurteilt worden
17. In § 65 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 werden die Wörter ist. Die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe
„dem Vormundschafts- oder“ gestrichen. dürfen diese erhobenen Daten nur speichern, verändern
18. § 72a wird wie folgt gefasst: und nutzen, soweit dies zum Ausschluss der Personen
von der Tätigkeit, die Anlass zu der Einsichtnahme in
„§ 72a das Führungszeugnis gewesen ist, erforderlich ist. Die
Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Daten sind vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. Sie
Personen sind unverzüglich zu löschen, wenn im Anschluss an
(1) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe dürfen die Einsichtnahme keine Tätigkeit nach Absatz 3 Satz 2
für die Wahrnehmung der Aufgaben in der Kinder- und oder Absatz 4 Satz 2 wahrgenommen wird. Andernfalls
Jugendhilfe keine Person beschäftigen oder vermitteln, sind die Daten spätestens drei Monate nach der Beendi-
die rechtskräftig wegen einer Straftat nach den §§ 171, gung einer solchen Tätigkeit zu löschen.“
174 bis 174c, 176 bis 180a, 181a, 182 bis 184f, 225, 19. § 74 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 wird wie folgt gefasst:
232 bis 233a, 234, 235 oder 236 des Strafgesetzbuchs
verurteilt worden ist. Zu diesem Zweck sollen sie sich „1. die fachlichen Voraussetzungen für die geplante
bei der Einstellung oder Vermittlung und in regelmäßi- Maßnahme erfüllt und eine Vereinbarung nach
gen Abständen von den betroffenen Personen ein Füh- § 79a Absatz 2 abgeschlossen hat,“.
rungszeugnis nach § 30 Absatz 5 und § 30a Absatz 1 20. § 79 Absatz 2 wird wie folgt gefasst:
des Bundeszentralregistergesetzes vorlegen lassen. „(2) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen
(2) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen gewährleisten, dass zur Erfüllung der Aufgaben nach
durch Vereinbarungen mit den Trägern der freien Ju- diesem Buch
gendhilfe sicherstellen, dass diese keine Person, die 1. die erforderlichen und geeigneten Einrichtungen,
wegen einer Straftat nach Absatz 1 Satz 1 rechtskräftig Dienste und Veranstaltungen den verschiedenen
verurteilt worden ist, beschäftigen. Grundrichtungen der Erziehung entsprechend
(3) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen rechtzeitig und ausreichend zur Verfügung stehen;
sicherstellen, dass unter ihrer Verantwortung keine ne- hierzu zählen insbesondere auch Pfleger, Vormün-
ben- oder ehrenamtlich tätige Person, die wegen einer der und Pflegepersonen;
Straftat nach Absatz 1 Satz 1 rechtskräftig verurteilt 2. eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung nach Maß-
worden ist, in Wahrnehmung von Aufgaben der Kin- gabe von § 79a erfolgt.
der- und Jugendhilfe Kinder oder Jugendliche beauf-
sichtigt, betreut, erzieht oder ausbildet oder einen ver- Von den für die Jugendhilfe bereitgestellten Mitteln ha-
gleichbaren Kontakt hat. Hierzu sollen die Träger der ben sie einen angemessenen Anteil für die Jugendar-
öffentlichen Jugendhilfe über die Tätigkeiten entschei- beit zu verwenden.“
den, die von den in Satz 1 genannten Personen auf 21. Nach § 79 wird folgender § 79a eingefügt:
Grund von Art, Intensität und Dauer des Kontakts die-
ser Personen mit Kindern und Jugendlichen nur nach 㤠79a
Einsichtnahme in das Führungszeugnis nach Absatz 1 Qualitätsentwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe
Satz 2 wahrgenommen werden dürfen. (1) Um die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe
nach § 2 zu erfüllen, haben die Träger der öffentlichen
(4) Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe sollen
Jugendhilfe Grundsätze und Maßstäbe für die Bewer-
durch Vereinbarungen mit den Trägern der freien Ju-
tung der Qualität sowie geeignete Maßnahmen zu ihrer
gendhilfe sowie mit Vereinen im Sinne des § 54 sicher-
Gewährleistung für
stellen, dass unter deren Verantwortung keine neben-
oder ehrenamtlich tätige Person, die wegen einer Straf- 1. die Gewährung und Erbringung von Leistungen,
tat nach Absatz 1 Satz 1 rechtskräftig verurteilt worden 2. die Erfüllung anderer Aufgaben,
ist, in Wahrnehmung von Aufgaben der Kinder- und
Jugendhilfe Kinder oder Jugendliche beaufsichtigt, be- 3. den Prozess der Gefährdungseinschätzung nach
treut, erzieht oder ausbildet oder einen vergleichbaren § 8a,
Kontakt hat. Hierzu sollen die Träger der öffentlichen 4. die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen
Jugendhilfe mit den Trägern der freien Jugendhilfe
Vereinbarungen über die Tätigkeiten schließen, die von zu entwickeln, anzuwenden und regelmäßig zu über-
den in Satz 1 genannten Personen auf Grund von Art, prüfen.
Intensität und Dauer des Kontakts dieser Personen mit Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe orientieren
Kindern und Jugendlichen nur nach Einsichtnahme in sich dabei an den fachlichen Empfehlungen der nach
das Führungszeugnis nach Absatz 1 Satz 2 wahrge- § 85 Absatz 2 zuständigen Behörden.
nommen werden dürfen.
(2) Die örtlichen Träger der öffentlichen Jugendhilfe
(5) Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe haben mit den Trägern der freien Jugendhilfe Verein-
dürfen von den nach den Absätzen 3 und 4 eingesehe- barungen über Grundsätze und Maßstäbe für die Be-
Drucksache 17/6256 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

wertung der Qualität der Leistungsangebote sowie über 24. § 86c wird wie folgt gefasst:
geeignete Maßnahmen zu ihrer Gewährleistung zu tref-
㤠86c
fen, soweit nicht Vereinbarungen nach § 78b abzu-
Fortdauernde Leistungsverpflichtung und Fallübergabe
schließen sind. Dazu zählen auch Qualitätsmerkmale
bei Zuständigkeitswechsel
für die Sicherung der Rechte von Kindern und Jugend-
lichen in Einrichtungen und ihren Schutz vor Gewalt. (1) Wechselt die örtliche Zuständigkeit für eine
Die kommunalen Spitzenverbände auf Landesebene Leistung, so bleibt der bisher zuständige örtliche Trä-
sollen mit den Verbänden der freien Jugendhilfe und ger so lange zur Gewährung der Leistung verpflichtet,
den Vereinigungen sonstiger Leistungserbringer auf bis der nunmehr zuständige örtliche Träger die Leis-
Landesebene Rahmenverträge über die Gegenstände tung fortsetzt. Dieser hat dafür Sorge zu tragen, dass
und Inhalte der Vereinbarungen nach Satz 1 abschlie- der Hilfeprozess und die im Rahmen der Hilfeplanung
ßen. Die für die Wahrnehmung der Aufgaben nach vereinbarten Hilfeziele durch den Zuständigkeitswech-
§ 85 Absatz 2 zuständigen Behörden sind zu beteili- sel nicht gefährdet werden.
gen. Die von diesen entwickelten fachlichen Empfeh-
lungen sind verbindliche Grundlage der nach Satz 3 (2) Der örtliche Träger, der von den Umständen
abzuschließenden Rahmenverträge.“ Kenntnis erhält, die den Wechsel der Zuständigkeit be-
gründen, hat den anderen davon unverzüglich zu unter-
22. § 81 wird wie folgt gefasst: richten. Der bisher zuständige örtliche Träger hat dem
nunmehr zuständigen örtlichen Träger unverzüglich
„§ 81 die für die Hilfegewährung sowie den Zuständigkeits-
Strukturelle Zusammenarbeit mit anderen Stellen wechsel maßgeblichen Sozialdaten zu übermitteln. Bei
und öffentlichen Einrichtungen der Fortsetzung von Leistungen, die der Hilfeplanung
nach § 36 Absatz 2 unterliegen, ist die Fallverantwor-
Die Träger der öffentlichen Jugendhilfe haben mit
tung im Rahmen eines Gespräches zu übergeben. Die
anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen, deren
Personensorgeberechtigten und das Kind oder der
Tätigkeit sich auf die Lebenssituation junger Men-
Jugendliche sowie der junge Volljährige oder der
schen und ihrer Familien auswirkt, insbesondere mit
Leistungsberechtigte nach § 19 sind an der Übergabe
1. den Trägern von Sozialleistungen nach dem Zwei- angemessen zu beteiligen.“
ten, Dritten, Vierten, Fünften, Sechsten und dem 25. In § 89a Absatz 2 werden die Wörter „oder wird“ ge-
Zwölften Buch sowie Trägern von Leistungen strichen.
nach dem Bundesversorgungsgesetz,
26. § 98 Absatz 1 wird wie folgt geändert:
2. den Familien- und Jugendgerichten sowie den Jus-
tizvollzugsbehörden, a) Nummer 3 wird wie folgt gefasst:

3. Schulen und Stellen der Schulverwaltung, „3. Personen, die mit öffentlichen Mitteln geför-
derte Kindertagespflege gemeinsam oder auf
4. Einrichtungen und Stellen des öffentlichen Ge- Grund einer Erlaubnis nach § 43 Absatz 3
sundheitsdienstes, den Schwangerschaftsbera- Satz 3 in Pflegestellen durchführen, und die von
tungsstellen und sonstigen Einrichtungen und diesen betreuten Kinder,“.
Diensten des Gesundheitswesens, b) Nummer 9 wird wie folgt gefasst:
5. Einrichtungen und Diensten zum Schutz gegen „9. Maßnahmen des Familiengerichts,“.
Gewalt in engen sozialen Beziehungen,
c) Nach Nummer 12 wird folgende Nummer 13 einge-
6. den Stellen der Bundesagentur für Arbeit, fügt:
7. Einrichtungen und Stellen der beruflichen Aus- „13. Gefährdungseinschätzungen nach § 8a“.
und Weiterbildung,
27. § 99 wird wie folgt geändert:
8. den Polizei- und Ordnungsbehörden, a) Absatz 1 Nummer 1 wird wie folgt geändert:
9. der Gewerbeaufsicht und aa) Bei Buchstabe i werden nach dem Wort „Hilfe“
ein Komma eingefügt und das Wort „sowie“
10. Einrichtungen der Ausbildung für Fachkräfte, der
gestrichen.
Weiterbildung und der Forschung
bb) Nach Buchstabe i wird folgender Buchstabe j
im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse zusam- eingefügt:
menzuarbeiten.“
„j) vorangegangene Gefährdungseinschät-
23. § 86 Absatz 6 wird wie folgt gefasst: zung nach § 8a Absatz 1 sowie“.
„(6) Ist vor dem 1. Januar 2012 die Zuständigkeit b) In Absatz 2 Nummer 1 werden nach den Wörtern
des örtlichen Trägers nach dem gewöhnlichen Aufent- „Zeitpunkt des Beginns und Dauer der Maß-
halt der Pflegeperson begründet worden, so richtet sich nahme,“ die Wörter „Durchführung auf Grund ei-
die örtliche Zuständigkeit auch weiterhin nach dem ge- ner vorangegangenen Gefährdungseinschätzung
wöhnlichen Aufenthalt der Pflegeperson.“ nach § 8a Absatz 1,“ eingefügt.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/6256

c) Absatz 6 wird wie folgt gefasst: f) Absatz 7b wird wie folgt gefasst:
„(6) Erhebungsmerkmale bei der Erhebung zum „(7b) Erhebungsmerkmale bei den Erhebungen
Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung nach § 8a über Personen, die mit öffentlichen Mitteln geför-
sind Kinder und Jugendliche, bei denen eine Ge- derte Kindertagespflege gemeinsam oder auf Grund
fährdungseinschätzung nach Absatz 1 vorgenom- einer Erlaubnis nach § 43 Absatz 3 Satz 3 durch-
men worden ist, gegliedert führen und die von diesen betreuten Kinder sind die
Zahl der Tagespflegepersonen und die Zahl der von
1. nach der Art des Trägers, bei dem der Fall be- diesen betreuten Kinder jeweils gegliedert nach
kannt geworden ist, der die Gefährdungsein- Pflegestellen.“
schätzung anregenden Institution oder Person,
der Art der Kindeswohlgefährdung sowie dem 28. § 101 wird wie folgt geändert:
Ergebnis der Gefährdungseinschätzung a) Dem Absatz 1 wird folgender Satz angefügt:
2. bei Kindern und Jugendlichen zusätzlich zu den „Die Erhebung nach § 99 Absatz 8 wird für das
in Nummer 1 genannten Merkmalen nach Ge- Jahr 2012 ausgesetzt.“
schlecht, Alter und Aufenthaltsort des Kindes
oder Jugendlichen zum Zeitpunkt der Meldung b) Absatz 2 wird wie folgt geändert:
sowie dem Alter der Eltern und der Inanspruch- aa) In Nummer 8 wird die Angabe „6,“ gestrichen
nahme einer Leistung gemäß den §§ 16 bis 21 und nach der Angabe „6a“ wird die Angabe
sowie 27 bis 35a.“ „,6b“ eingefügt.
d) Nach Absatz 6a wird folgender Absatz 6b einge- bb) In Nummer 10 werden nach dem Wort „März“
fügt: ein Komma und danach folgende Nummer 11
„(6b) Erhebungsmerkmal bei den Erhebungen angefügt:
über Maßnahmen des Familiengerichts ist die Zahl „11. § 99 Absatz 6 sind zum Zeitpunkt des Ab-
der Kinder und Jugendlichen, bei denen wegen ei- schlusses der Gefährdungseinschätzung“.
ner Gefährdung ihres Wohls das familiengerichtli-
che Verfahren auf Grund einer Anrufung durch das 29. Dem § 103 wird folgender Absatz 3 angefügt:
Jugendamt nach § 8a Absatz 2 Satz 1 oder § 42 Ab- „(3) Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendhilfesta-
satz 3 Satz 2 Nummer 2 oder auf andere Weise ein- tistiken gemäß den §§ 98 und 99 dürfen auf der Ebene
geleitet worden ist und der einzelnen Gemeinde oder des einzelnen Jugend-
amtsbezirkes veröffentlicht werden.“
1. den Personensorgeberechtigten auferlegt wor-
den ist, Leistungen nach diesem Buch in An-
spruch zu nehmen,
Artikel 3
2. andere Gebote oder Verbote gegenüber den Per- Änderung anderer Gesetze
sonensorgeberechtigten oder Dritten ausgespro-
chen worden sind, (1) § 21 Absatz 1 des Neunten Buches Sozialgesetzbuch
– Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen – vom
3. Erklärungen der Personensorgeberechtigten er- 9. Juni 2001, das zuletzt durch … geändert worden ist, wird
setzt worden sind, wie folgt geändert:
4. die elterliche Sorge ganz oder teilweise entzo- 1. In Nummer 6 wird der Punkt durch ein Komma ersetzt.
gen und auf das Jugendamt oder einen Dritten
als Vormund oder Pfleger übertragen worden ist, 2. Nach Nummer 6 wird folgende Nummer 7 angefügt:

gegliedert nach Geschlecht, Alter und zusätzlich „7. das Angebot, Beratung durch den Träger der öffent-
bei Nummer 4 nach dem Umfang der übertragenen lichen Jugendhilfe bei gewichtigen Anhaltspunkten
Angelegenheit.“ für eine Kindeswohlgefährdung in Anspruch zu neh-
men.“
e) Absatz 7 wird wie folgt geändert:
(2) Das Schwangerschaftskonfliktgesetz vom 27. Juli 1992
aa) In Nummer 1 Buchstabe c werden vor dem (BGBl. I S. 1398), das zuletzt durch das Gesetz vom …
Wort „Anzahl“ die Wörter „Art und“ eingefügt. (BGBl. I S. …) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
bb) Nummer 3 wird wie folgt geändert: 1. In § 2 Absatz 1 werden nach dem Wort „Beratungs-
stelle“ die Wörter „auf Wunsch anonym“ eingefügt.
aaa) In Buchstabe c wird das Wort „tägliche“
gestrichen. 2. § 4 wird wie folgt geändert:

bbb) In Buchstabe d wird der Punkt am Ende a) Nach Absatz 1 wird folgender Absatz 2 eingefügt:
durch ein Komma ersetzt. „(2) Zur Information über die Leistungsangebote
ccc) Nach Buchstabe d wird folgender Buch- im örtlichen Einzugsbereich und zur Sicherstellung
stabe e angefügt: einer umfassenden Beratung wirken die Beratungs-
stellen in den Netzwerken nach § 3 des Gesetzes zur
„e) Gruppenzugehörigkeit.“ Kooperation und Information im Kinderschutz mit.“
Drucksache 17/6256 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

b) Die bisherigen Absätze 2 und 3 werden die Ab-


sätze 3 und 4.

Artikel 4
Bekanntmachungserlaubnis
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend kann den Wortlaut des Achten Buches Sozial-
gesetzbuch in der vom … [einsetzen: Datum des Inkrafttre-
tens nach Artikel 5] an geltenden Fassung im Bundesgesetz-
blatt bekannt machen.

Artikel 5
Inkrafttreten
Dieses Gesetz tritt am 1. Januar 2012 in Kraft.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/6256

Begründung

A. Allgemeiner Teil Hilfen, dass die Grenzen und Nachteile der einzelnen Leis-
tungssysteme durch örtliche und regionale Netzwerke über-
Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gefahren für wunden werden.
ihr Wohl gehört zu den zentralen Aufgaben des Staates. Er
hat seine Grundlage einerseits im Staatlichen Wächteramt In vielen Bundesländern sind in den vergangenen Jahren
(Artikel 6 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes – GG), ande- Kinderschutzgesetze mit dem Ziel beschlossen worden, die
rerseits aber auch in der staatlichen Schutzpflicht für die Per- verschiedenen Akteure, die mit der Förderung der Entwick-
sönlichkeitsentfaltung und -entwicklung von Kindern und lung und dem Schutz von Kindern befasst sind, besser mit-
Jugendlichen, die aus Artikel 2 Absatz 1 i. V. m. Artikel 1 einander zu vernetzen. Viele kommunale Gebietskörper-
Absatz 1 GG hergeleitet wird. Im Hinblick auf die primäre schaften haben – z. T. im Rahmen von Modellprojekten des
Erziehungsverantwortung der Eltern haben dabei alle Maß- Aktionsprogramms des Bundes Frühe Hilfen – Konzepte
nahmen Vorrang, die den Schutz des Kindes oder Jugendli- entwickelt und Strukturen geschaffen, um Eltern bereits in
chen durch Unterstützung der Eltern zu erreichen suchen. der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren des
Dabei ist es die Aufgabe des Staates, Beratung und Unter- Kindes über das Leistungsspektrum zu informieren und Hil-
stützung bereits im Vorfeld von Beeinträchtigungen für das fen anzubieten.
Kindeswohl anzubieten, um damit zu verhindern, dass es zu
einer Gefährdung oder gar Schädigung des Kindeswohls Aber auch ein optimales Angebot familienunterstützender
kommt. Diese Verantwortung des Staates ergibt sich nicht Hilfen und die beste Gesundheitsförderung wird künftig
nur aus der nationalen Rechtsordnung, sondern auch aus völ- demnach nicht verhindern können, dass Kinder und Jugend-
kerrechtlichen Verpflichtungen, wie insbesondere aus Arti- liche – wie alle Menschen – Gefahren und Risiken ausge-
kel 3 oder 18 des Übereinkommens der Vereinten Nationen setzt sind, die nicht erkennbar und beherrschbar sind. Des-
über die Rechte des Kindes. Nach Artikel 3 Absatz 2 ver- halb ist auch künftig ein qualifiziertes Gefährdungsmanage-
pflichtet sich der Staat, für das Kind den Schutz und die Für- ment in den Jugendämtern, aber auch in den Einrichtungen
sorge zu gewährleisten, die zu seinem Wohlergehen notwen- und Diensten freier Träger und anderer Leistungserbringer,
dig sind; Artikel 18 Absatz 2 verpflichtet zur angemessenen die etwa als Rehabilitationsträger Kinder und Jugendliche
Unterstützung der Eltern in ihrer Aufgabe, das Kind zu erzie- mit Behinderungen betreuen, unverzichtbar. Auch deren
hen. Aufgabe ist es zunächst, alle Möglichkeiten auszuloten, wie
eine Gefährdung des Kindeswohls zusammen mit den El-
Seinem Schutzauftrag kommt der Staat vermittels eines tern abgewendet werden kann. Auf der kommunalen Ebene
breiten Spektrums von Hilfen zur Stärkung der Erziehungs- sind auf der Grundlage der gesetzlichen Änderungen (Ein-
kompetenz der Eltern und zur Unterstützung bei der Wahr- führung des Verfahrens zur Gefährdungseinschätzung nach
nehmung der Erziehungsverantwortung in schwierigen Er- § 8a) und der weiterentwickelten Empfehlungen der Kom-
ziehungssituationen nach. Präventive Wirkung entfalten zu- munalen Spitzenverbände, des Deutschen Vereins für öf-
dem staatliche oder öffentlich geförderte Leistungen, die fentliche und private Fürsorge und der Arbeitsgemeinschaft
primär anderen Zwecken, etwa der Armutsbekämpfung für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) die Prozesse der Gefähr-
oder der Gesundheitsvorsorge dienen.
dungseinschätzung weiter qualifiziert worden. In den Ver-
Versteht man Kinderschutz in diesem weiten Sinn, dann einbarungen nach § 8a Absatz 2 des Achten Buches Sozial-
geht es in erster Linie darum, von Anfang an die Potentiale gesetzbuch (SGB VIII) wurden die Schutzpflichten der
und Kompetenzen von Eltern, aber auch die ihrer Kinder zu freien Träger aufgrund des privatrechtlichen Betreuungsver-
stärken. Diese Aufgabe obliegt zum einen der Kinder- und trages mit den Aufgaben des Jugendamtes verknüpft.
Jugendhilfe, geht aber weit darüber hinaus und richtet sich
zum anderen an die Institutionen der Gesundheitshilfe. Des- In der vergangenen Legislaturperiode hat die Bundesregie-
halb setzt der Entwurf einen Schwerpunkt auf die Frühen rung einen Gesetzentwurf mit dem Ziel vorgelegt, zur Ver-
Hilfen – also in der Phase der Schwangerschaft und der frü- besserung des Kinderschutzes eine bundeseinheitliche
hen Kindheit. Damit sollen werdende und junge Eltern er- Rechtsgrundlage für die Befugnis von Berufsgeheimnisträ-
mutigt werden, in einer für die Kindesentwicklung zentralen gern zur Weitergabe von Informationen an das Jugendamt
Phase Hilfen zur Stärkung ihrer Erziehungskompetenz und zu schaffen sowie den Schutzauftrag des Jugendamts zur
zum Aufbau einer gelingenden Eltern-Kind-Beziehung in Abwendung einer Kindeswohlgefährdung weiter zu qualifi-
Anspruch zu nehmen. Das Aktionsprogramm des Bundes zieren (Bundestagsdrucksache 16/12429). Dieser Gesetz-
„Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarn- entwurf verfiel der Diskontinuität.
systeme“ und die in diesem Zusammenhang in den Ländern
Im Koalitionsvertrag zwischen der CDU, CSU und FDP
entwickelten und erprobten Konzepte zeigen, dass eine er-
vom 11. November 2009 haben sich die neuen Koalitions-
folgreiche Arbeit mit den jungen Familien Vertrauen vor-
partner darauf verständigt, ein Kinderschutzgesetz unter Be-
aussetzt, das durch Kontrollstrategien, denen ein General-
rücksichtigung eines wirksamen Schutzauftrages und insbe-
verdacht zu Grunde liegt, nicht aufgebaut werden kann.
sondere präventiver Maßnahmen (z. B. Elternbildung, Fami-
Der Hilfebedarf der Eltern kann nicht von den Angeboten lienhebammen, Kinderschwestern und sonstiger niedrig-
der einzelnen Leistungssysteme, sondern nur von der indivi- schwelliger Angebote) auch im Bereich der Schnittstelle
duellen Lebenssituation her definiert werden. Umso wichti- zum Gesundheitssystem unter Klarstellung der ärztlichen
ger ist daher für die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit Früher Schweigepflicht auf den Weg zu bringen.
Drucksache 17/6256 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Dieser Auftrag soll im Rahmen dieses Gesetzes umgesetzt in Kindertagespflege geführt wurde. Qualitätsentwicklung
werden. und Qualitätssicherung, die bereits bisher Gegenstand der
Die Verbesserung des Kinderschutzes – vor allem der Verträge nach § 78a ff. SGB VIII sind, werden künftig zum
Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt Thema der Gesamtverantwortung der Träger öffentlichen
in Institutionen – ist auch Gegenstand der Beratungen des Jugendhilfe (§ 79 SGB VIII) und erhalten damit rechtliche
Runden Tisches gegen Sexuelle Gewalt (Sexueller Kindes- Relevanz für alle Aufgabenbereiche der Kinder- und
missbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in Jugendhilfe. Für die Tätigkeit der Träger der öffentlichen
privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Jugendhilfe gelten die gesetzlichen Vorgaben unmittelbar,
Bereich), dessen Einrichtung das Bundeskabinett am für die der freien Träger wird die Qualitätsentwicklung zum
24. März 2010 beschlossen hat. Auch wenn dessen Beratun- Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen mit der öffent-
gen bzw. der dazu gebildeten Untergruppen noch andauern, licher Jugendhilfe (§ 79a Absatz 2 SGB VIII). Der Ab-
so sind dort bereits jetzt Lücken in den Rechtsvorschriften schluss der Vereinbarungen wird gleichzeitig zur Vorausset-
identifiziert worden, die im Interesse der betroffenen Kinder zung für eine Förderung aus öffentlichen Mitteln (§ 74 SGB
und Jugendlichen im Rahmen dieses Gesetzes geschlossen VIII) sowie für die Erteilung der Betriebserlaubnis (§ 45
werden, soweit sie dem Aufgabenspektrum der Kinder- und SGB VIII).
Jugendhilfe zuzurechnen sind. Dies gilt vor allem für die Die Gesetzgebungskompetenz des Bundes beruht auf Arti-
Diskussion von Ergebnissen in der Arbeitsgruppe „Präven- kel 74 Absatz 1 Nummer 7 GG. Die vorgeschlagenen Rege-
tion – Intervention – Information“ die unter der Leitung der lungen enthalten eine Konkretisierung und Ergänzung der
Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder tagt. staatlichen Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche,
In dem Gesetz finden auch Empfehlungen Berücksichti- wie sie insbesondere im Achten Buch Sozialgesetzbuch ent-
gung, die der Runde Tisch „Heimerziehung in den 50er und halten sind.
60er Jahren“ in seinem Abschlussbericht vom Dezember Die Regelungen sind zur Wahrung der Rechtseinheit im
2010 für den Bereich der Prävention und Zukunftsgestal- Bundesgebiet erforderlich (Artikel 72 Absatz 2 GG). Eine
tung zur Heimaufsicht und dem Schutz von Kindern und Ju- Gesetzesvielfalt auf Länderebene würde hier zu einer
gendlichen in Einrichtungen ausgesprochen hat. Rechtszersplitterung mit problematischen Folgen für den
Dazu zählt in erster Linie die Verbesserung der gesetzlichen Schutz von Kindern und Jugendlichen führen. Eine unter-
Grundlagen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen schiedliche rechtliche Behandlung desselben Lebenssach-
vor Gefahren für ihr Wohl in Einrichtungen (§ 45 ff. verhalts in den Ländern würde insbesondere bei der häufig
SGB VIII). Der Schutzbereich geht dabei weit über Einrich- auch länderüberschreitenden Kooperation in Kinderschutz-
tungen der Jugendhilfe hinaus und erfasst auch Internate, fällen von Jugendämtern, Gerichten und Angehörigen von
soweit diese nicht den landesrechtlichen Regelungen der Berufen, die in Kontakt zu Kindern stehen, zu erheblichen
Schulaufsicht unterliegen (§ 45 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 Rechtsunsicherheiten führen. So kommt es gerade in den
SGB VIII). Künftig wird die Installation von Beteiligungs- Grenzregionen, besonders im Umland der Stadtstaaten, häu-
und Beschwerdeverfahren für Kinder und Jugendliche in fig vor, dass Erkenntnisse über eine Kindeswohlgefährdung
Einrichtungen eine Mindestvoraussetzung für die Erteilung bei Personen und Einrichtungen vorliegen, die sich nicht am
einer Betriebserlaubnis sein. Zudem werden die Träger der Wohnort der Eltern befinden, sondern in dem benachbarten
Einrichtungen verpflichtet, von allen Fachkräften die Vor- Land. Hier dürfen nicht unterschiedliche Verfahrensvor-
lage erweiterter Führungszeugnisse zu verlangen. gaben zu Unsicherheiten und damit zu einer Schwächung
des Schutzes von Kindern und Jugendlichen führen. Da-
Ein wichtiges Instrument zum Schutz von Kindern und Ju- rüber hinaus dürfen nicht durch unterschiedliches Recht An-
gendlichen in Einrichtungen ist auch eine kontinuierliche reize für Eltern geschaffen werden, sich ihrer Verantwor-
Qualitätsentwicklung. Dazu zählen insbesondere auch die tung durch einen Umzug von Bundesland zu Bundesland zu
Entwicklung, Umsetzung und Prüfung von Qualitätsmerk- entziehen. Vor diesem Hintergrund sind unterschiedliche
malen im Hinblick auf die Sicherung des Kindeswohls und Regelungen in den einzelnen Bundesländern im Hinblick
den Schutz vor Gewalt in Einrichtungen und Diensten. Sol- auf den Schutz der Kinder vor Gefährdungen nicht hin-
che Verfahren haben in den letzten Jahren in Einrichtungen nehmbar. Eine erhebliche Rechtsunsicherheit im Kinder-
vor allem in Umsetzung von Vereinbarungen über Leistungs- schutz kann sowohl im Interesse des Bundes als auch der
angebote, Entgelte und Qualitätsentwicklung nach § 78b Länder nicht hingenommen werden (vgl. BVerfGE 106, 62,
SGB VIII Anwendung gefunden und dazu geführt, dass 148 f).
zentrale fachliche Standards zum Einsatz gekommen sind.
Ziel ist es jedoch, über den Anwendungsbereich des § 78a ff. Die Ausführung des Gesetzes wird keine Auswirkungen auf
SGB VIII hinaus das Instrument der Qualitätsentwicklung in Einzelpreise oder das allgemeine Preisniveau haben.
der Kinder- und Jugendhilfe und in allen erlaubnispflichti- Zusätzliche sonstige Kosten bei Wirtschaftsunternehmen,
gen Einrichtungen nach § 45 SGB VIII allgemein verbind- insbesondere für mittelständische Unternehmen, entstehen
lich vorzuschreiben. nicht.
Der Gesetzentwurf greift eine entsprechende Forderung des Im Hinblick auf die Auswirkungen auf die nachhaltige Ent-
Runden Tisches zur Entwicklung und Anwendung fach- wicklung steht das Vorhaben in Einklang mit der Zielrich-
licher Standards auf, stellt sie jedoch in den Zusammenhang tung der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Neuregelun-
der allgemeinen Qualitätsdebatte in der Kinder- und Ju- gen zur Steigerung der Funktionsfähigkeit des sozialen Si-
gendhilfe, wie sie in den letzten Jahren auch in anderen cherungssystems, insbesondere des SGB VIII, verbessern
fachlich politischen Kontexten, etwa bei der Weiterentwick- den Schutz von Kindern vor Vernachlässigung und Gewalt.
lung der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen und Die Indikatoren der Nachhaltigkeitsstrategie sind nicht ein-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/6256

schlägig. Insbesondere sind Fragen der Vereinbarkeit von Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern bestmöglich zu
Familie und Beruf und Beschäftigung nicht Gegenstand des fördern, Risiken für ihr Wohl möglichst früh wahrzunehmen
Gesetzes. Ziel und einziger Regelungsinhalt ist es, Kinder und Gefährdungen systematisch abzuwenden. Indem Frühe
vor Gefahren in ihrem sozialen Umfeld zu schützen. Hilfen so auch dazu dienen, insbesondere in belastenden
Lebenslagen (z. B. auf Grund der psychischen Erkrankung
eines Elternteils, persönlicher Gewalterfahrung der Eltern,
B. Besonderer Teil Verschuldung oder der chronischen Erkrankung des Kindes)
und bei geschwächten familiären Bewältigungsressourcen
Zu Artikel 1 (Gesetz zur Kooperation und Informa- Vernachlässigung und Misshandlung präventiv und wirk-
tion im Kinderschutz – KKG) sam vorzubeugen, sind sie Bestandteil eines weiten und um-
fassenden Verständnisses von Kinderschutz. Zielgruppe
Zu § 1 (Kinderschutz und staatliche Mitverantwor- Früher Hilfen sind Kinder bereits während der Schwanger-
tung) schaft bis zum Alter von circa drei Jahren und damit
Zu Absatz 1 Schwangere und werdende Väter sowie junge Mütter und
Väter.
Die Vorschrift betont die Zielrichtung des Gesetzes mit
Blick auf die rechtliche Stellung von Kindern und Jugend- Grundlegend sind Angebote, die sich an alle (werdenden)
lichen als Grundrechtsträger (Artikel 1, 2 GG). Eltern mit ihren Kindern im Sinne der Gesundheitsförde-
rung richten (universelle/primäre Prävention). Darüber hin-
Zu Absatz 2 aus wenden sich Frühe Hilfen insbesondere an Familien in
Die Vorschrift verweist auf die verfassungsrechtlichen Vor- Problemlagen (selektive/sekundäre Prävention). Frühe Hil-
gaben in Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 GG (elterliches Erzie- fen tragen in der Arbeit mit den Familien dazu bei, dass
hungsrecht und elterliche Erziehungsverantwortung) und Risiken für das Wohl und die Entwicklung des Kindes früh-
Artikel 6 Absatz 2 Satz 2 GG (Staatliches Wächteramt) als zeitig wahrgenommen und reduziert werden. Wenn die Hil-
Ausgangspunkte für die Ausgestaltung des staatlichen fen nicht ausreichen, eine Gefährdung des Kindeswohls ab-
Schutzauftrags. zuwenden, sorgen Frühe Hilfen dafür, dass weitere Maßnah-
men zum Schutz des Kindes ergriffen werden (vgl. Defini-
Zu Absatz 3 tion „Frühe Hilfen“ des Wissenschaftlichen Beirates des
Die Vorschrift beschreibt das staatliche Wächteramt in sei- Nationalen Zentrums Frühe Hilfen).
ner Ausprägung als Gefahrenvorsorge und Gefahrenabwehr Die Erfahrungen im Aktionsprogramm des Bundes „Frühe
unter Bindung an die Grundsätze der Subsidiarität und der Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“
Verhältnismäßigkeit. Das staatliche Wächteramt umfasst von 2006 bis 2010 haben gezeigt, dass es gelingen kann,
allgemeine Maßnahmen zur Verbesserung der elterlichen auch auf Familien in belastenden Lebenssituationen früh zu-
Erziehungskompetenz, sowie spezifische Hilfen für Fami- gehen und sie wirksam zu stärken. Dafür ist eine intensive
lien und Kinder in spezifischen Risikolagen und rechtfertigt Zusammenarbeit verschiedener Institutionen erforderlich.
staatliche Maßnahmen zur Abwendung einer (bereits einge- Diese notwendige Vernetzung der Strukturen im Sinne von
tretenen) Gefährdung des Kindeswohls. Auch an dieser Ge- Netzwerken Früher Hilfen kann wirksam nur vor Ort orga-
fährdungsschwelle genießen unterstützende Maßnahmen nisiert werden und hat in den allermeisten Kommunen be-
Vorrang vor eingreifenden Maßnahmen, die das Elternrecht reits sehr erfolgreich begonnen. Mit dem im Rahmen des
beschneiden, soweit hierdurch die (weitere) Gefährdung des Aktionsprogramms neu eingerichteten „Nationalen Zentrum
Kindes oder Jugendlichen wirkungsvoll abgewendet werden Frühe Hilfen“ bietet der Bund eine Plattform für den geziel-
kann. ten Wissensaustausch zum Thema. Kommunen und Einrich-
Der Begriff der Gefährdung des Kindeswohls hat in diesem tungsträger können durch das Nationale Zentrum Frühe Hil-
Gesetz die gleiche Bedeutung wie in § 1666 BGB und § 8a fen beim Aus- und Aufbau von Netzwerken Früher Hilfen
SGB VIII. Es wurde von einer Konkretisierung des Begriffs unterstützt werden.
Kindeswohlgefährdung im Hinblick auf delinquente Kinder
und Jugendliche abgesehen. Wiederholte schwerwiegende Zu § 2 (Information der Eltern über Unterstützungs-
Verstöße gegen Strafgesetze oder Anzeichen einer Betäu- angebote in Fragen der Kindesentwicklung)
bungsmittelabhängigkeit sind auch ohne ausdrückliche ge-
Eine wesentliche Voraussetzung für die Inanspruchnahme
setzliche Klarstellung Hinweise auf eine Kindeswohlgefähr-
präventiver Leistungen zur Förderung der Entwicklung des
dung. Schwerwiegende Straftaten können insbesondere
Kindes und damit zur Vermeidung von Nachteilen, die
Ausdruck einer drohenden Verwahrlosung des Kindes sein
einen schädigenden Einfluss auf die Entwicklung von Kin-
(vgl. BVerfGE 107, 104, 118). Dem ist der Gesetzgeber in
dern und Jugendlichen entfalten können, ist die Kenntnis
der Neufassung des § 1666 BGB mit dem Gesetz zur Er-
des örtlich verfügbaren Angebotsspektrums, das von den
leichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefähr-
Trägern der öffentlichen und der freien Jugendhilfe, von
dung des Kindeswohls gefolgt.
Einrichtungen und Diensten des Gesundheitswesens, der
Zu Absatz 4 Schwangerenkonfliktberatung, des Müttergenesungswerks
und anderen Organisationen vorgehalten wird.
Die Vorschrift beschreibt Frühe Hilfen als ein wesentliches
Unterstützungselement für Eltern bei der Wahrnehmung ih- Da nicht alle Eltern auf Grund von Belastungen und Vorbe-
res Erziehungsrechts und ihrer Erziehungsverantwortung halten gegenüber Behörden und staatlichen Einrichtungen
durch die staatliche Gemeinschaft. Frühe Hilfen verfolgen selbst aktiv werden, ist es die Aufgabe der staatlichen Ge-
das Ziel, Elternkompetenzen von Anfang an zu stärken, um meinschaft, (werdende) Eltern über dieses Angebot zu in-
Drucksache 17/6256 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

formieren und für die Inanspruchnahme der Leistungen im hende Netzwerkstrukturen für einen effektiven Kinder-
Interesse und zum Wohl des Kindes zu werben. Im Rahmen schutz verstetigt und weiterentwickelt werden sowie diese
verschiedener Projekte unter der Bezeichnung „Frühe Hil- aufgebaut werden, sofern sie noch nicht bestehen. Der Vor-
fen“ haben die kommunalen Gebietskörperschaften – zum schrift liegt die Intention zugrunde, dass möglichst alle
Teil unterstützt durch die Länder – unterschiedliche Kon- Eltern frühzeitig mit allgemeinen Informationen über Erzie-
zepte und Strukturen entwickelt, um dieses Ziel zu errei- hung und Entwicklung des Kindes erreicht werden (§ 2) und
chen (z. B. Dormagener Modell). insbesondere Eltern in spezifischen Risikosituationen Hilfe-
angebote erhalten, bevor es zu einer akuten Kindeswohlge-
Zu Absatz 1
fährdung kommt, die den Schutzauftrag des Jugendamtes
Die Vorschrift knüpft hinsichtlich der Information der (wer- nach § 8a SGB VIII auslöst. Die Verpflichtung zur Schaf-
denden) Eltern über Leistungsangebote im örtlichen Ein- fung von Netzwerkstrukturen stellt keine Ermächtigung zur
zugsbereich an geltende bundes- und landesrechtliche Übermittlung von Daten dar.
Rechtsgrundlagen an, wie sie insbesondere das Achte Buch
Sozialgesetzbuch – Kinder- und Jugendhilfe –, das Zu Absatz 2
Schwangerschaftskonfliktberatungsgesetz, sowie die Lan- Die Vorschrift umschreibt den Kreis der am Netzwerk zu
desgesetze zum Kinderschutz und zum öffentlichen Ge- beteiligenden Institutionen. Die Aufzählung ist nicht ab-
sundheitsdienst enthalten. schließend und erlaubt landesspezifische Ergänzungen. Eine
Zu Absatz 2 Verpflichtung für die genannten Institutionen zur Koopera-
tion und Beteiligung am Netzwerk ergibt sich aus der Vor-
Anknüpfend an Modellprojekte und Initiativen einzelner schrift nicht.
Kreise und Städte befugt die Vorschrift die nach Landes-
recht zuständigen Stellen, z. B. den öffentlichen Gesund- Wenn im Rahmen der Netzwerkarbeit Daten zusätzlich er-
heitsdienst oder das Jugendamt, mit (werdenden) Eltern hoben, gespeichert oder übermittelt werden sollen, so ist
Kontakt aufzunehmen und ein persönliches Gespräch anzu- diesbezüglich eine gesetzliche Regelung zumindest hin-
bieten, um diese über die örtlichen Unterstützungsangebote sichtlich der Rahmenbedingungen erforderlich.
zu informieren und zu beraten. Landesrecht kann die Be-
stimmung der für die Information der (werdenden) Eltern Zu Absatz 3
zuständigen Stellen auch den kommunalen Gebietskörper- Um eine möglichst enge und reibungsfreie Zusammenarbeit
schaften überlassen. Trifft Landesrecht allerdings keine Re- mit dem Jugendamt sicherzustellen, verpflichtet die Vor-
gelung, befugt die Vorschrift den örtlichen Träger der Ju- schrift, Netzwerke im Kinderschutz auf der Ebene der ört-
gendhilfe zur Kontaktaufnahme mit den (werdenden) El- lichen Träger der Jugendhilfe einzurichten, wie sie in ein-
tern. Die Entwicklung von Konzepten sowie die Schaffung zelnen Bundesländern bereits existieren (z. B. Koordinie-
und Ausgestaltung von Strukturen, die gewährleisten, dass rungsstellen Kinderschutz in Bayern, Lokale Netzwerke
Eltern über das Angebot an Beratungs- und Unterstützungs- Kinderschutz in Schleswig-Holstein), sofern das Landes-
leistungen im örtlichen Einzugsbereich informiert werden, recht nichts anderes vorsieht.
bleibt damit den Ländern und Kommunen überlassen. Klar-
stellend wird lediglich geregelt, dass die Information der Satz 2 stellt ausdrücklich klar, dass Gesetzeszweck nicht die
(werdenden) Eltern auf deren Wunsch auch im Rahmen ei- Schaffung neuer Parallelstrukturen ist, sondern sich auf die
nes sog. Willkommensbesuchs erfolgen kann. Verfestigung und Verknüpfung bestehender Strukturen be-
zieht.
Wenn zur Sicherstellung der Information der Eltern über das
bestehende Leistungsangebot von Beratungs- und Unter- Zu Absatz 4
stützungsleistungen Daten zusätzlich erhoben, gespeichert
oder übermittelt werden sollen, so ist diesbezüglich eine ge- Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen
setzliche Regelung zumindest hinsichtlich der Rahmenbe- mit einer landesrechtlich geregelten Zusatzqualifikation
dingungen erforderlich. (Fortbildung). Ihnen kommt aufgrund ihres spezifischen
Aufgabenprofils im Bereich Früher Hilfen eine Schlüssel-
rolle zu. Sie tragen bei Müttern und Vätern in belastenden
Zu § 3 (Rahmenbedingungen für verbindliche Netz-
Lebenslagen sowohl einem medizinischen als auch psycho-
werkstrukturen im Kinderschutz)
sozialen Unterstützungsbedarf Rechnung und haben einen
Zu Absatz 1 unmittelbaren Zugang zu diesen Familien im Kontext Frü-
her Hilfen. Im Rahmen von regionalen Netzwerken Früher
Die Vorschrift sieht zur Ausgestaltung der strukturellen Zu-
Hilfen sind sie eine zentrale Unterstützung und haben eine
sammenarbeit im Kinderschutz den Auf- bzw. Ausbau eines
wichtige Lotsenfunktion. Sie sind im Hinblick auf die För-
„Netzwerks“ vor. Dieses „Netzwerk“ ist die Kooperations-
derung einer gesunden Entwicklung des Kindes, und auch
beziehung der Fachstellen und Akteure im Kinderschutz zur
unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten als Alternative zu oft
bestmöglichen Realisierung eines präventiven und interve-
teureren Hilfeformen mehrfach erprobt. Dies gilt auch für
nierenden Kinderschutzes.
Kinderkranken- oder -gesundheitsschwestern/-gesundheits-
Erkenntnisse aus dem Aktionsprogramm des Bundes zu den pfleger (Kinderschwestern/-pfleger), die ausgehend von
„Frühen Hilfen“ zeigen, dass die allermeisten Kommunen einem gesundheitsorientierten Grundberuf hinsichtlich
bereits über gute Ansätze zu Netzwerken vor allem im Be- eines psychosozialen Unterstützungsbedarfs von Familien,
reich Früher Hilfen verfügen. In Anlehnung an einzelne der kindlichen Entwicklung und der Eltern-Kind-Interaktion
Landesgesetze soll mit der Regelung der Rahmen dafür ge- fortgebildet sind und einen niedrigschwelligen und vertrau-
schaffen werden, dass bundesweit flächendeckend beste- ensvollen Zugang zu jungen Familie haben.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/6256

Wie die Frühen Hilfen insgesamt, so stellen auch die Unter- Im Hinblick auf die vorrangige elterliche Erziehungsverant-
stützungsleistungen von Familienhebammen keine Hilfe wortung und den Primat der elterlichen Gefahrenabwendung
dar, die einseitig der Jugendhilfe zuzuordnen ist, zumal die verpflichtet die Vorschrift kind- und jugendnah beschäftigte
medizinischen Leistungsanteile als Hebammenleistung über Berufsgeheimnisträger zur Beratung der (personensorgebe-
die Hebammenvergütungsvereinbarung i. V. m. § 134a rechtigten) Eltern und zur Motivation für die Inanspruch-
SGB V gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung nahme geeigneter Hilfen (Absatz 1 und 2 – erste Stufe) und
(GKV) grundsätzlich bis zur achten Woche nach der Geburt bestimmt im Interesse eines aktiven Kinderschutzes auch
abzurechnen sind. Von der Hebammenhilfe als Leistung der die Voraussetzungen, unter denen die Adressaten befugt
GKV sind die besonderen Unterstützungsleistungen einer sind, Informationen an das Jugendamt weiterzugeben (Ab-
Familienhebamme zu trennen, insbesondere soweit es um satz 3 – zweite Stufe).
die psychosoziale Begleitung der Eltern in den ersten Le- Zu Absatz 1
bensmonaten und -jahren des Kindes im Interesse des Kin-
deswohls geht; diese gehören daher nicht zu den Leistungen Die in Absatz 1 statuierte Pflicht zur Information der Eltern
der GKV. bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlge-
fährdung stellt keinen Eingriff in das Elternrecht dar, son-
Im Hinblick auf die Funktion der Familienhebammen als dern ist Bestandteil der Aufklärungspflicht der näher spezi-
Lotsen im Netzwerk Früher Hilfen, die Hilfeanteile der im fizierten Berufsgruppen gegenüber den Eltern und zugleich
präventiven Kinderschutz zentralen Systeme „Gesundheits- die Voraussetzung dafür, dass die Eltern selbst in die Lage
wesen“ und „Kinder- und Jugendhilfe“ in sich vereint und versetzt werden, im Rahmen ihrer Elternverantwortung
zusammenführt, erscheint eine Regelung im Kontext der wirksame Maßnahmen zur Abwehr einer Kindeswohlge-
Vorgaben zur strukturellen Zusammenarbeit im Rahmen des fährdung zu ergreifen.
Gesetzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz
(KKG) sachgerecht. Der Anwendungsbereich wird auf solche Berufsgeheimnis-
träger begrenzt, die von ihrer beruflichen Tätigkeit her in ei-
Der Handlungsauftrag im Hinblick auf den Aufbau bzw. die nem unmittelbaren Kontakt zu Kindern und Jugendlichen
Weiterentwicklung von Netzwerken vor allem auch im Be- stehen oder stehen können und von ihrer Ausbildung her zur
reich Früher Hilfen richtet sich an die Länder. Mit der „Bun- Erörterung der einschlägigen Problemlagen mit den Eltern
desinitiative Familienhebammen“ wird der Bund diese befähigt sind, also in erster Linie auf Ärzte, Psychologen,
Netzwerke deutlich stärken und verschiedene Modelle der Psychotherapeuten und Sozialpädagogen/Sozialarbeiter. Eine
Einbindung von Familienhebammen (und vergleichbar qua- noch weitergehende Differenzierung der Berufsgruppen er-
lifizierten Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen so- scheint nicht sachgerecht und würde die gerade für einen
wie Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger) in die Netz- wirksamen Kinderschutz notwendige Rechtssicherheit und
werkstrukturen erproben. Dazu stellt er ab 2012 jährlich Rechtsklarheit gefährden.
30 Mio. Euro für eine Zeit von vier Jahren zur Verfügung
und initiiert und verbessert damit den Einsatz von Familien- Zu Absatz 2
hebammen in Deutschland für einen präventiven Kinder- Da die Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung im Ein-
schutz. zelfall sehr schwierig und komplex sein kann und zudem
Im Rahmen des zeitlich begrenzten Modellprojektes sollen nicht immer zu den typischen Aufgaben der unter die Norm
insbesondere Erkenntnisse hinsichtlich der Funktion von fallenden Berufsgruppen zählt, räumt die Vorschrift den in
Familienhebammen in Netzwerken Früher Hilfe vor allem Absatz 1 benannten Berufsgruppen das Recht ein, eine im
mit Blick auf die Notwendigkeit und Ausgestaltung gesetz- Kinderschutz erfahrene Fachkraft (z. B. aus einer Bera-
geberischer Regelungen oder die Überprüfung von beste- tungsstelle oder einem Kinderschutzzentrum) hinzuzuzie-
henden Gesetzen gewonnen werden. hen. Es ist Aufgabe der Träger der öffentlichen Jugendhilfe
im Rahmen ihrer Gesamtverantwortung dafür zu sorgen,
Für die Laufzeit der Bundesinitiative wird eine Koope- dass in der jeweiligen Region ein Pool kompetenter Perso-
rationsvereinbarung zwischen dem Bund und den Ländern nen zur Verfügung steht. Zu diesem Zweck dürfen der Fach-
abgeschlossen, die einen Zwischenbericht nach zwei Jahren kraft auch Daten in pseudonymisierter Form übermittelt
und im dritten Jahr Gespräche zwischen Bund, Ländern und werden. Sinn dieser Übermittlung ist die Einbeziehung
Kommunen über die Nachhaltigkeit der Bundesinitiative fachlicher Expertise zur Gefährdungseinschätzung im Ein-
vorsieht. zelfall, nicht hingegen der Austausch von Daten unter Be-
Mit Aufnahme dieser Formulierung in den Gesetzestext ist rufsgeheimnisträgern zur Sammlung von Verdachtsmomen-
ausdrücklich keine gesetzliche Finanzierung von Familien- ten.
hebammen durch den Bund verbunden. Die Bundesinitia- Zu Absatz 3
tive ist auf vier Jahre befristet. Dies bedeutet auch, dass die
Initiative ein Modellprojekt und keine Dauerleistung ist. Die Vorschrift regelt die Voraussetzungen für die Weitergabe
von Informationen an das Jugendamt zur Abwendung einer
Kindeswohlgefährdung. Grundlage für die Befugnis zur In-
Zu § 4 (Beratung und Übermittlung von Informa-
formation des Jugendamtes ist eine Gefährdungseinschät-
tionen durch Geheimnisträger bei Kindes-
zung, die zu dem Ergebnis kommt, dass eine Kindeswohlge-
wohlgefährdung)
fährdung vorliegt, die nicht anders abgewendet werden
Die Vorschrift enthält eine bundeseinheitliche Regelung zur kann. Durch das abgestufte Verfahren nach den Absätzen 1
Beratung und Weitergabe von Informationen bei Kindes- und 2 wird sichergestellt, dass zunächst das Abwenden der
wohlgefährdung durch bestimmte Geheimnisträger an das Kindeswohlgefährdung durch helfende, unterstützende, auf
Jugendamt und sieht dabei ein mehrstufiges Verfahren vor. Herstellung oder Wiederherstellung eines verantwortlichen
Drucksache 17/6256 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Verhaltens der Eltern gerichtete Maßnahmen erreicht werden Satz 2 i. V. m. den Artikeln 1 und 2 GG. Zwar haben Eltern
soll. Sind diese Maßnahmen erfolglos, so ist die Beeinträch- auf Grund der ihnen obliegenden Erziehungsverantwortung
tigung des Elternrechts nach Artikel 6 Absatz 2 Satz 1 durch grundsätzlich das Recht, über die Inanspruchnahme von ge-
das staatliche Wächteramt (Artikel 6 Absatz 2 Satz 2 GG) setzlich geregelten Leistungen für ihr Kind zu entscheiden
gerechtfertigt. bzw. Ergebnisse einer vom Staat angebotenen Beratung des
Die Befugnisnorm knüpft an der strafbewehrten Schweige- Kindes oder Jugendlichen zu erfahren, sofern nicht auf
pflicht von Berufsgeheimnisträgern (§ 203 des Strafgesetz- Grund des Alters und der Einsichtsfähigkeit das Persönlich-
buchs – StGB) an. Mit Strafe bedroht ist nach dieser Vor- keitsrecht des Kindes den Vorrang genießt. Da aber solchen
schrift die unbefugte Offenbarung von Privatgeheimnissen Konfliktfällen, deren Bewältigung die Beratung nach Ab-
durch Angehörige verschiedener Berufsgruppen. Dazu zählt satz 2 dienen soll, häufig ein Konflikt zwischen Eltern und
u. a. die Weitergabe von Ergebnissen einer ärztlichen Unter- Kind bzw. Jugendlichen zugrunde liegt, und andererseits
suchung ohne Einwilligung des Patienten bzw. dessen ge- das Kindeswohl Ziel und Grenze des Elternrechts bildet,
setzlichen Vertreters (an das Jugendamt). Die Weitergabe ist muss das Elternrecht so weit und solange hinter dem
jedoch nicht rechtswidrig, wenn bei einer gegenwärtigen, Schutzauftrag des Staates zurücktreten, als dies zu einem
nicht anders abwendbaren Gefahr für Leib oder Leben der wirksamen Schutz des Kindes geboten ist.
Schutz des Kindes das Interesse an der Geheimhaltung der
Zu Nummer 4 (§ 8a)
Informationen wesentlich überwiegt (§ 34 StGB). So han-
delt etwa der Arzt nicht rechtswidrig, wenn er in einer aku- Die Einfügung von § 8a SGB VIII im Rahmen des Kinder-
ten Gefährdungssituation das Jugendamt informiert. Die und Jugendhilfeweiterentwicklungsgesetzes (KICK) im
Rechtmäßigkeit der Weitergabe von Informationen ergibt Jahr 2005 hat nach Erkenntnissen aus der Praxis zusammen
sich damit u. a. erst aus einer Interessenabwägung, die eine mit der Entwicklung von Instrumenten zur Gefährdungsein-
Durchbrechung der Schweigepflicht rechtfertigt. Diese schätzung zu einer deutlichen Qualifizierung der Arbeit in
Konstruktion führt in der Praxis zu Anwendungsschwierig- den Jugendämtern geführt. Die bekannt gewordenen Einzel-
keiten und Unsicherheiten. Hinzu kommt, dass in verschie- fälle schwerwiegender Kindeswohlgefährdung und ihre
denen Landesgesetzen zum Kinderschutz inzwischen unter- Aufarbeitung weisen jedoch auf Unsicherheiten bei der Um-
schiedliche Befugnisnormen in Kraft gesetzt worden sind, setzung der Regelung sowie bei der Vernetzung mit anderen
die die Rechtsanwendung und damit die Sicherung eines ak- Diensten und Systemen für einen erfolgreichen Kinder-
tiven Kinderschutzes weiter erschweren. schutz hin. Insbesondere das Verfahren zur Einschätzung
der Kindeswohlgefährdung und die dazu erforderlichen
Um der Praxis für die Weitergabe von Informationen an das
Schritte (wie zum Beispiel Hausbesuche, Erkundigungen)
Jugendamt größere Handlungssicherheit zu vermitteln, wird
sind bisher nur ansatzweise gesetzlich geregelt, so dass
deshalb eine bundeseinheitliche Norm geschaffen. Die in
diesbezüglich Unsicherheiten bestehen.
Absatz 1 benannten Berufsgeheimnisträger, die von dieser
Norm Gebrauch machen, handeln nicht mehr unbefugt im Darüber hinaus bestehen in der Praxis Unsicherheiten im
Sinne des § 203 Absatz 1 StGB. In diesen Fällen ist ein Hinblick auf die Aufgabenverteilung zwischen den Jugend-
Rückgriff auf die allgemeinen strafrechtlichen Rechtferti- ämtern (Absatz 1) und den Leistungserbringern (Absatz 2).
gungs- und Entschuldigungsgründe entbehrlich. Außerhalb Durch die Formulierung, die Leistungserbringer vertraglich
des Anwendungsbereiches der Befugnisnorm bleibt die dazu zu verpflichten, den Schutzauftrag (des Jugendamtes)
Rechtslage unberührt. „in entsprechender Weise“ wahrzunehmen, wird der Ein-
druck erweckt, die Leistungserbringer sollten hoheitliche
Zu Artikel 2 (Änderung des Achten Buches Sozial- Aufgaben übernehmen und z. B. Hausbesuche machen bzw.
gesetzbuch) Informationen bei dritten Personen einholen. Durch die Än-
derungen der Vorschrift wird klargestellt, dass die Aufgabe
Zu Nummer 2 (§ 2) der Gefährdungseinschätzung durch den Träger der freien
Da das Jugendamt keine Beglaubigungen mehr vornimmt Jugendhilfe nicht vom Träger der öffentlichen Jugendhilfe
(§ 59), ist die Aufzählung in § 2 Absatz 3 entsprechend an- abgeleitet ist, sondern sich originär aus dem Betreuungsver-
zupassen. hältnis zum Kind oder Jugendlichen ergibt. Dabei werden
die Aufgaben des Jugendamtes im Einzelfall im Zusammen-
hang geregelt (Absatz 1 bis 3) und anschließend die Ver-
Zu Nummer 3 (§ 8)
pflichtung zur Vereinbarung mit den Leistungserbringern
Anknüpfend an die Diskussion am Runden Tisch „Sexueller (Absatz 4). Wegen des Sachzusammenhangs wird auch die
Kindesmissbrauch“, Kindern und Jugendlichen einen eige- Pflicht zur Information des zuständigen Jugendamtes über
nen Anspruch auf Beratung in Krisen- und Konfliktsituatio- bekannt gewordene Anhaltspunkte für eine Kindeswohlge-
nen einzuräumen, wird Absatz 3 entsprechend gefasst. Da- fährdung, die im Gesetzentwurf der letzten Legislaturperi-
mit erlangt die bereits heute in Literatur und Praxis so aus- ode in § 86c eingestellt worden war (Bundestagsdrucksache
gelegte Befugnisnorm eine höhere Verbindlichkeit und 16/12429, S. 5), in § 8a einbezogen (Absatz 5).
stärkere Wirkung. Auch entspricht die Verankerung eines
Rechtsanspruchs der völkerrechtlichen Vorgabe aus Arti- Zu Buchstabe a (Absatz 1)
kel 12 des Übereinkommens über die Rechte des Kindes, In Satz 2 wird klargestellt, dass sich das Jugendamt im Rah-
der das Recht des Kindes, gehört zu werden, verankert. men der Gefährdungseinschätzung nach Maßgabe seiner
Wie die bisher als Befugnis ausgestattete Regelung, so fachlichen Einschätzung einen unmittelbaren Eindruck von
stützt sich auch die Ausgestaltung als Anspruch des Kindes dem Kind (§ 7 Absatz 1 Nummer 1: bis zur Vollendung des
auf den staatlichen Schutzauftrag nach Artikel 6 Absatz 2 14. Lebensjahres) und von dessen persönlicher Umgebung
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/6256

zu verschaffen hat. Die Frage der Erforderlichkeit stellt sich zisiert Satz 2 die Voraussetzungen für die Information des
in besonderem Maße im Hinblick auf die Einschätzung der Jugendamtes.
Gefährdung bei Säuglingen und Kleinkindern.
Durch die Erweiterung von Satz 2 wird sichergestellt, dass Zu Buchstabe c (Absatz 2 und 3)
das Jugendamt in den Fällen, in denen gewichtige Anhalts- Die Absätze 2 und 3 entsprechen den Absätzen 3 und 4 a. F.
punkte für eine Kindeswohlgefährdung festgestellt worden
sind, nicht nur die Personensorgeberechtigten und das Kind Zu Buchstabe d (Absatz 5)
oder den Jugendlichen in die weitere Gefährdungseinschät-
zung einbezieht, sondern sich tatsächlich mittels eines Die Vorschrift verpflichtet zur Übermittlung gewichtiger
Hausbesuches einen unmittelbaren Eindruck von dem be- Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung an den nach
treffenden Kind und seiner persönlichen Umgebung ver- zuständigen örtlichen Träger. Insbesondere ein Wohnorts-
schafft, wenn dies nach fachlicher Einschätzung im Einzel- und/oder Zuständigkeitswechsel darf nicht dazu führen,
fall erforderlich ist. Dazu zählt insbesondere die Einschät- dass die vorhandenen Kenntnisse über die Gefährdungs-
zung des körperlichen und geistigen Entwicklungsstandes situation eines Kindes verloren gehen und auf diese Weise
des Kindes. Unter „persönlicher Umgebung“ werden so- ein rechtzeitiges Tätigwerden zu seinem Schutz verhindert
wohl die Wohnverhältnisse des Kindes als auch das Verhal- wird.
ten des Kindes in der ihm vertrauten Umgebung verstanden. Die Weitergabe von Daten ist über die in § 86c Absatz 2 ge-
Die Auswertung bekannter Einzelfälle von Kindeswohlge- nannten Fälle des Zuständigkeitswechsels hinaus auch und
fährdung hat gezeigt, dass sich Fachkräfte in kritischen vor allem in den Fällen erforderlich, in denen einem ört-
Konstellationen auf die Aussagen der Eltern verlassen ha- lichen Träger Anhaltspunkte für die Gefährdung eines
ben oder Angehörigen die Einschätzung vom Ausmaß der Kindes oder Jugendlichen bekannt sind, der nicht für die
Kindeswohlgefährdung abverlangt haben, ohne das betrof- Gewährung von Leistungen nach § 86 ff. zuständig ist.
fene Kind und seine persönliche Umgebung in den Blick zu Wenngleich für die Wahrnehmung des Schutzauftrags bei
nehmen. Kindeswohlgefährdung keine eigene örtliche Zuständigkeit
Eine Befugnis zur Durchsuchung oder zu Eingriffen und geregelt ist, da grundsätzlich derjenige Träger zum Handeln
Beschränkungen des Grundrechts auf Unverletzlichkeit der verpflichtet ist, dem die gewichtigen Anhaltspunkte für eine
Wohnung (Artikel 13 GG) ergibt sich aus dieser Vorschrift Kindeswohlgefährdung bekannt werden, so kann der erfor-
nicht. Der Hausbesuch setzt deshalb auf der Seite des Woh- derliche Kontakt mit der Familie nur in räumlicher Nähe zu
nungsinhabers die Bereitschaft voraus, den Zutritt zu ge- ihr hergestellt werden. Aus diesem Grund sind dem für die
währen. Bei Gefahr für Leib oder Leben des Kindes oder Leistungsgewährung zuständigen örtlichen Träger der Ju-
Jugendlichen ist (zusätzlich) die Polizei einzuschalten (Ab- gendhilfe die gewichtigen Anhaltspunkte einer Kindeswohl-
satz 4). gefährdung mitzuteilen, damit dieser den Schutzauftrag bei
Kindeswohlgefährdung nach Absatz 1 wahrnehmen kann.
Zu Buchstabe b (Absatz 4) Damit vermieden werden kann, dass bei der schriftlichen
Übermittlung Informationen verloren gehen und eventuelle
Nach der geltenden Fassung von Absatz 2 ist Gegenstand Missverständnisse bei der Rezeption der schriftlichen Infor-
der Vereinbarung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe mationen geklärt werden können, regelt Satz 2 die Pflicht zur
mit den Trägern von Einrichtungen und Diensten, den zeitnahen Mitteilung der relevanten Sozialdaten – auch – in
Schutzauftrag „in entsprechender Weise“ wahrzunehmen. einem Übergabegespräch. Dieses ist grundsätzlich zwischen
Ziel der Regelung war es, die sich aus den privatrechtlichen der bisher und der zukünftig fallzuständigen Fachkraft zu
Vereinbarungen mit den Eltern ergebenden Schutzpflichten führen. Satz 3 betont das Transparenzgebot bei der Daten-
zu konkretisieren und – sofern der freie Träger sein Hilfe- übermittlung.
potential ausgeschöpft hat – mit dem Schutzauftrag des
Jugendamtes zu verknüpfen. Die durch die Formulierung Die Regelung dient dem wirksamen Schutz des Kindes-
„Wahrnehmung des Schutzauftrags in entsprechender wohls und stützt sich auf den staatlichen Schutzauftrag nach
Weise“ bereits eingetretenen Unsicherheiten im Hinblick Artikel 6 Absatz 2 Satz 2 GG. Durch die regelhafte Einbe-
auf die Wahrnehmung des Schutzauftrags in den Einrichtun- ziehung der personensorgeberechtigten Eltern trägt sie ent-
gen und Diensten würden angesichts der neu geregelten sprechend dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit dafür
Verpflichtung des öffentlichen Trägers zum Hausbesuch Sorge, dass Eltern über die Anhaltspunkte für die Kindes-
nach fachlicher Einschätzung im Einzelfall weiter ver- wohlgefährdung informiert und von Anfang an in den wei-
schärft. teren Prozess der Gefährdungseinschätzung einbezogen
werden.
Mit der Neuformulierung wird die Bezugnahme auf die Art
und Weise der Wahrnehmung des Schutzauftrags in Ab-
Zu Nummer 5 (§ 8b – neu)
satz 1 aufgegeben und stattdessen der spezifische Schutz-
auftrag der Einrichtungen und Dienste in Absatz 4 eigen- Anknüpfend an die Diskussion am Runden Tisch „Sexueller
ständig geregelt. Die Gegenstände der Vereinbarung werden Kindesmissbrauch“ enthält die Vorschrift Regelungen zur
in Satz 1 aufgelistet. In der Vereinbarung müssen auch Kri- weiteren Qualifizierung des Kinderschutzes. Sie betreffen
terien für die Qualifikation der beratend hinzuzuziehenden die fachliche Beratung und Begleitung von kinder- und ju-
Fachkraft geregelt werden (Satz 2). Ziel der Regelung ist es, gendnahen Berufsgruppen in Fragen der Gefährdungsein-
dass freie Träger eine auf ihren Aufgabenbereich abge- schätzung im konkreten Einzelfall (Absatz 1) sowie die Be-
stimmte spezifische und qualifizierte Beratung durch eine ratung von Trägern von Einrichtungen bei der Entwicklung
insoweit erfahrene Fachkraft erhalten. Darüber hinaus prä- und Anwendung fachlicher Leitlinien zur Sicherung des
Drucksache 17/6256 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Kindeswohls und zum Schutz vor Gewalt (Absatz 2). Damit im SGB II erweitert und systematisch neu geordnet (Bun-
bezieht sich Absatz 1 auf die Qualifizierung der Interven- destagsdrucksache 16/10810, S. 46 ff.). Die Anpassung der
tion im Kinderschutz, während Absatz 2 die Entwicklung Verweisung in Absatz 3 ist versehentlich unterblieben und
und Anwendung fachlicher Standards zur Qualifizierung wird nun nachgeholt.
des präventiven Kinderschutzes in Einrichtungen in den
Blick nimmt. Zu Nummer 7 (§ 16)
Zu Absatz 1 Die Leistungen der allgemeinen Förderung der Erziehung in
Im Kinderschutz erfahrene Fachkräfte sollen in einem Sys- der Familie haben im Zusammenhang mit der Verbesserung
tem des kooperativen Kinderschutzes eine erweiterte Auf- des aktiven Kinderschutzes noch größere Bedeutung erlangt.
gabenstellung erhalten. Sie übernehmen nicht nur beratende Das in Absatz 2 genannte Leistungsspektrum deckt einen
und prozessbegleitende Aufgaben gegenüber Fachkräften in Teil der Hilfen als allgemeines Angebot ab, die in verschie-
den Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugend- denen Modellprojekten als „Frühe Hilfen“ zum Einsatz
hilfe (§ 8a Absatz 4), sondern auch gegenüber außerhalb des kommen. Diese Hilfen sollen die Erziehungskompetenz der
Systems der Kinder- und Jugendhilfe tätigen Berufsgrup- (werdenden) Eltern verbessern und damit einen wesent-
pen, die im Kontakt mit Kindern und Jugendlichen stehen. lichen Beitrag zu einem präventiven Kinderschutz leisten.
Hinzukommen weitere Unterstützungsleistungen gegenüber Durch die Einfügung von Absatz 3 soll zum Ausdruck ge-
den Schulen nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts. bracht werden, dass Hilfen während der Schwangerschaft
und in den ersten Lebensjahren des Kindes zum unverzicht-
Diesen Berufsgruppen räumt die Vorschrift einen Rechtsan- baren Basisangebot jedes Jugendamtes gehören.
spruch auf Beratung gegenüber dem örtlichen Träger der
öffentlichen Jugendhilfe ein, der im Rahmen seiner Gesamt- Die Bildung systemübergreifender örtlicher Netzwerke wird
verantwortung zur Vorhaltung eines entsprechenden Pools in § 3 des Gesetzes über die Kooperation und Information
an Fachkräften verpflichtet ist. im Kinderschutz geregelt (Artikel 1).
Zu Absatz 2
Zu Nummer 8 (§ 17)
Auf Anregung des Runden Tisches „Sexueller Kindesmiss-
brauch“ wird den Trägern von Einrichtungen, in denen sich Anpassung an die durch das Gesetz über das Verfahren in
Kinder regelmäßig für einen Teil des Tages oder über Tag Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilli-
und Nacht aufhalten (Anwendungsbereich des Erlaubnis- gen Gerichtsbarkeit (FamFG) geänderte Terminologie.
vorbehalts nach § 45), und den zuständigen Leistungsträ-
gern ein Anspruch auf Beratung bei der Entwicklung und Zu Nummer 9 (§ 37)
Anwendung von Leitlinien zur Sicherung des Kindeswohls Zu Buchstabe a (Absatz 2)
und zum Schutz vor Gewalt gegenüber dem überörtlichen
Träger der Jugendhilfe eingeräumt. Darüber hinaus bezieht Mit der Streichung der Sonderzuständigkeit am Ort der
sich der Beratungsanspruch auch auf fachliche Leitlinien im Pflegestelle für Neufälle (§ 86 Absatz 6) bleibt künftig der
Hinblick auf die Entwicklung und Anwendung von Verfah- gewöhnliche Aufenthalt der Eltern auch bei Pflegeverhält-
ren der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an struk- nissen primärer Anknüpfungspunkt für die örtliche Zustän-
turellen Entscheidungen in der Einrichtung sowie Be- digkeit. Dies kann im Einzelfall dazu führen, dass die Pfle-
schwerdeverfahren in persönlichen Angelegenheiten. Damit geperson weit entfernt vom zuständigen Jugendamt wohnt
wird insbesondere auch einem zentralen Vorschlag des Run- und ihr Anspruch auf Beratung und Unterstützung nach Ab-
den Tisches „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ satz 2 in diesem Fall nicht angemessen von Fachkräften des
Rechnung getragen. In Einrichtungen, in denen sich Kinder örtlich zuständigen Jugendamts erfüllt werden kann. Der
regelmäßig für einen Teil des Tages oder über Tag und Grund dafür kann
Nacht aufhalten, besteht ein besonders hohes Abhängig- ● ein Umzug der Eltern oder des maßgeblichen Elternteils
keitsverhältnis der Kinder und Jugendlichen. Die Aufde- und damit ein Wechsel der örtlichen Zuständigkeit oder
ckung einer im Einrichtungskontext begangenen sexuellen
Grenzverletzung durch Betreuungspersonen und deren
● ein Umzug der Pflegepersonen (ohne Wechsel der örtli-
Offenbarung in der Einrichtung gefährdet potenziell den ge- chen Zuständigkeit) sein.
samten Lebensraum und unterbleibt deshalb häufig oder Gleiches gilt, wenn die Vermittlung direkt in eine weit ent-
wird erst bei hohem Leidensdruck geäußert. Deshalb sind fernt gelegene Pflegestelle erfolgt.
an solche Einrichtungen besonders hohe Anforderungen an
In diesen Fällen wird das Jugendamt künftig verpflichtet,
die Ausgestaltung von Regeln und die Entwicklung einer
die erforderliche Beratung und Unterstützung ortsnah si-
positiven Aufmerksamkeitskultur zu stellen.
cherzustellen. Zur Erfüllung dieses Zwecks muss sich das
Die Vorschrift konkretisiert die Verpflichtung der überörtli- zuständige Jugendamt gegebenenfalls der Unterstützung ei-
chen Träger zur Beratung der Träger von Einrichtungen nes Trägers der freien Jugendhilfe oder des Jugendamts vor
während der Planung und Betriebsführung nach § 85 Ab- Ort bedienen (Absatz 2 Satz 2).
satz 1 Nummer 7.
Findet sich ortsnah kein geeigneter Träger der freien Ju-
gendhilfe als Leistungserbringer, kann für das Jugendamt
Zu Nummer 6 (§ 10) am Ort der Pflegestelle eine Pflicht zur Amtshilfe bestehen,
Durch das Gesetz zur Neuausrichtung der arbeitsmarktpoli- die entsprechenden Dienste zu erbringen (§ 3 ff. SGB X).
tischen Instrumente vom 21. Dezember 2008 (BGBl. I Dies hätte jedoch grundsätzlich zur Konsequenz, dass eine
S. 2917) wurden die Leistungen zur Eingliederung in Arbeit Verwaltungsgebühr nicht erhoben würde (§ 7 SGB X) und
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/6256

der öffentliche Träger vor Ort keinen finanziellen Ausgleich leben mit anderen Kindern und Jugendlichen sowie dem
für seine Dienste erhielte, die möglicherweise fortwährend Fachpersonal eine besondere Nähe und bietet die Gefahr für
und über längere Dauer zu erbringen und mit erheblichem Machtmissbrauch und die Entstehung von Abhängigkeits-
personellen Aufwand verbunden sind. Deshalb wird mit der verhältnissen.
Regelung in Satz 3 sichergestellt, dass auch der Träger der Die Qualität des Erlaubnisvorbehalts als präventivem In-
öffentlichen Jugendhilfe, der für seine Dienste der Beratung strument der Gefahrenabwehr ermöglicht es einerseits be-
und Unterstützung im Wege der Amtshilfe in Anspruch ge- reits vor der Betriebsaufnahme die Erziehungsbedingungen
nommen wird, in jedem Fall Anspruch auf eine Erstattung in der Einrichtung zu prüfen. Anderseits sind die zuständi-
seiner Kosten hat. Die Verwaltungskosten im Sinne des gen Behörden aber auf die Vorlage von Konzepten und Qua-
§ 109 SGB X sind ausdrücklich mit erfasst. lifikationsnachweisen angewiesen, deren tatsächliche Rele-
Die Verweisung in Satz 4 wird an den durch das Tagesbe- vanz sich erst im Alltagsbetrieb erweist. Die Erkenntnis-
treuungsausbaugesetz (TAG) geänderten § 23 Absatz 4 an- und Prüfmöglichkeiten der Behörde sind daher in diesem
gepasst. Stadium begrenzt und partiell eine Sache des Vertrauens auf
die Realisierung der eingereichten Konzepte. Gleichzeitig
Zu Buchstabe b (Absatz 2a – neu) fordert die Rechtsprechung eine intensivere Prüfung der Vo-
raussetzungen (OVG NW vom 27. November 2007 – 12 A
Zur Sicherung der Hilfekontinuität in Vollzeitpflegeverhält- 4697/06).
nissen sollen zentrale Leistungsinhalte künftig im Hilfeplan
dokumentiert werden. Damit wird auch für den Fall eines Der Erlaubnisvorbehalt beschränkt sich nicht auf Einrich-
späteren Zuständigkeitswechsels im Hinblick auf den Hilfe- tungen, in denen Kinder und Jugendliche über das Jugend-
bedarf die notwendige Transparenz im Einzelfall geschaf- amt untergebracht werden; somit erstreckt sich die
fen. Durch die Regelung in Satz 3 wird sichergestellt, dass Schutzwirkung auch auf Internate, soweit diese nicht der
Änderungen im Leistungsinhalt nur bei einer Änderung des Schulaufsicht unterliegen.
Hilfebedarfs zulässig sind und nicht allein durch den Zu- Die Voraussetzungen für die Erteilung der Erlaubnis (Ab-
ständigkeitswechsel legitimiert werden. satz 2) werden neu gefasst.
Gleichzeitig wird die Vorschrift systematisch bereinigt.
Zu Nummer 10 (§ 42)
Zu Absatz 1
In Absatz 2 Satz 3 wird durch den Verweis auf § 39 klarge- Der Anwendungsbereich entspricht Absatz 1 a. F.
stellt, dass die laufenden Leistungen auch die Erstattung
nachgewiesener Beiträge zur Unfallversicherung und (hälf- Zu Absatz 2
tig) zur Altersversicherung umfassen. Diese Regelung hat Die Voraussetzungen für die Erlaubniserteilung werden
besondere Bedeutung für die Unterbringungsform der Be- weiterentwickelt und konkretisiert. Dabei werden auch die
reitschaftspflege als Sonderform der Vollzeitpflege wie sie Erkenntnisse aus der Arbeit des Runden Tisches „Sexueller
insbesondere im Rahmen der Inobhutnahme zum Einsatz Kindesmissbrauch“ aufgegriffen. Der Erlaubnistatbestand
kommt. wird positiv formuliert. Damit kommt – entsprechend der
bisherigen Auslegung – klarer zum Ausdruck, dass ein
Zu den Nummern 11 und 12 (§§ 43, 44) Rechtsanspruch auf Erteilung besteht, wenn bestimmte
Mindestvoraussetzungen zum Zeitpunkt der Erteilung der
Die Regelungen dienen dem Ausschluss einschlägig vorbe-
Erlaubnis vorliegen.
strafter und damit ungeeigneter Personen von einer Tätig-
keit im Rahmen der Kindertagespflege (§ 43) und der Voll- Als Mindestvoraussetzung neu eingeführt wird der wichtige
zeitpflege (§ 44) durch eine Versagung der Erlaubnis, so- Aspekt der Partizipation von Kindern und Jugendlichen
weit diese nicht bereits durch das Verbot der Vermittlung (Nummer 3). Hiermit wird auch eine Forderung des Ab-
nach § 72a Absatz 1 erfasst werden. Dieser Ausschluss soll schlussberichts des Runden Tisches „Heimerziehung in den
mittels einer Einsichtnahme in ein Führungszeugnis nach 50er und 60er Jahren“ umgesetzt. Der Bericht weist auf die
§ 30 Absatz 5 und § 30a Absatz 1 des Bundeszentralregis- elementare Bedeutung der Beteiligung von Kindern und
tergesetzes sichergestellt werden. Im Hinblick auf die Da- Jugendlichen hin und fordert Beschwerde- bzw. Partizipa-
tenerhebung, -verarbeitung und -nutzung im Zusammen- tionsmöglichkeiten. Verfahren zu installieren und zu imple-
hang mit dem vor Erlaubniserteilung in Einsicht genomme- mentieren, durch die Kinder und Jugendliche als Experten
nen Führungszeugnis finden die datenschutzrechtlichen Re- in eigener Sache dort beteiligt werden, wo sie betroffen
gelungen nach § 72a Absatz 5 entsprechend Anwendung. sind, muss ein wesentlicher Schritt bei der Entwicklung von
Einrichtungskonzeptionen sein, gerade weil eine aktive Be-
Zu Nummer 13 (§ 45) teiligung für die Entwicklung der in der Einrichtung betreu-
ten bzw. untergebrachten Kinder und Jugendlichen von zen-
Der Erlaubnisvorbehalt für den Betrieb von Einrichtungen traler Bedeutung ist. Die Regelung ist darüber hinaus auch
ist ein wichtiges Instrument der Gefahrenabwehr und trägt als wichtiger Beitrag zur Umsetzung des Rechts auf Berück-
der besonderen Schutzbedürftigkeit von Kindern und Ju- sichtigung des Kindeswillens (Artikel 12 der Kinderrechts-
gendlichen in Einrichtungen Rechnung. Dies gilt in beson- konvention) und der Empfehlungen des VN-Ausschusses
derer Weise für solche Einrichtungen, in denen Kinder und für die Rechte des Kindes zu verstehen.
Jugendliche über Tag und Nacht und nicht selten in größerer
Entfernung vom Elternhaus untergebracht und damit der Zu Absatz 3
Wahrnehmung elterlicher Erziehungsverantwortung weitge- Künftig wird die Erlaubniserteilung von der Anwendung
hend entzogen sind. Gleichzeitig schafft das Zusammen- von Instrumenten zur Qualitätsentwicklung und -sicherung
Drucksache 17/6256 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

abhängig gemacht (Nummer 1), die abgestimmt auf den hält, ist die Überschrift zum Fünften Abschnitt entspre-
Aufenthalt und die Betreuung von Kindern und Jugendli- chend anzupassen.
chen im jeweiligen Einrichtungstyp entwickelt werden müs-
sen. Dazu zählen auch Instrumente zur Sicherung der Zu Nummer 16 (§ 59)
Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und
ihren Schutz vor Gewalt; insbesondere auch für die Präven- Zu Buchstabe a (Überschrift)
tion von Machtmissbrauch in Einrichtungen und Diensten Seit Inkrafttreten des Kindschaftsrechtsreformgesetzes und
sowie für die Intervention bei Verdacht auf Grenzverletzun- des Kindesunterhaltsgesetzes am 1. Juli 1998 enthält der
gen. Damit wird eine Forderung des Runden Tisches „Sexu- Aufgabenkatalog der Urkundsperson beim Jugendamt keine
eller Kindesmissbrauch“ aufgegriffen. Damit die Erlaubnis- Beglaubigungstatbestände mehr. Die Überschrift von § 59
behörde diese Faktoren bereits vor Erteilung der Erlaubnis ist daher entsprechend anzupassen.
prüfen kann, verlangt die Vorschrift entsprechende Aussa-
gen über Maßnahmen zur Qualitätsentwicklung und -siche- Zu Buchstabe b (Absatz 1)
rung in der vorzulegenden Konzeption.
Zu Doppelbuchstabe aa
Schließlich setzt die Erteilung der Erlaubnis im Hinblick auf
das Personal künftig auch einen Nachweis über die Vorlage § 648 der Zivilprozessordnung (ZPO) wurde mit Inkrafttre-
aufgabenspezifischer Ausbildungsnachweise sowie erwei- ten des FGG-Reformgesetzes aufgehoben. An dessen Stelle
terter Führungszeugnisse voraus. Letztere sind in regelmä- ist § 252 des Gesetzes über das Verfahren in Familiensachen
ßigen Abständen erneut anzufordern (Nummer 2). Damit und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit
wird auch der Forderung des Runden Tisches „Heimerzie- (FamFG) getreten. Der Verweis in Absatz 1 Satz 1 Nummer 9
hung in den 50er und 60er Jahren“ nach einer bundesweit ist daher entsprechend anzupassen.
einheitlichen Handhabung der Prüfung des Personals hin-
sichtlich seiner fachlichen und persönlichen Eignung Rech- Zu Doppelbuchstabe bb
nung getragen. Seit Inkrafttreten des Kindschaftsrechtsreformgesetzes und
Zu Absatz 4 des Kindesunterhaltsgesetzes am 1. Juli 1998 enthält der
Aufgabenkatalog der Urkundsperson beim Jugendamt keine
Die Regelungen entsprechen Absatz 2 Satz 1 und 6 a. F. und Beglaubigungstatbestände mehr. Die Formulierung von Ab-
werden aus systematischen Gründen in einem eigenen Ab- satz 1 Satz 2 ist daher entsprechend anzupassen.
satz zusammengefasst.
Zu Absatz 5 Zu Nummer 17 (§ 65)
Die Regelung entspricht Absatz 4 a. F. Folgeänderung zur Abschaffung des Vormundschaftsge-
Zu Absatz 6 richts und der Einführung des großen Familiengerichts im
Rahmen der FGG-Reform.
Die Vorschrift entspricht Absatz 3 a. F.
Zu Absatz 7 Zu Nummer 18 (§ 72a)
Die Regelung entspricht Absatz 2 Satz 5 und 7 a. F. Die Änderungen in § 72a tragen dem besonderen Schutzbe-
dürfnis von Kindern und Jugendlichen gerade mit Blick auf
Zu Nummer 14 (§ 47) Sexualstraftaten Rechnung, die wegen der Art, Dauer und
Intensität des Kontakts ein besonderes Vertrauensverhältnis
Dem Schutz von Kindern und Jugendlichen in Einrichtun-
zu Personen außerhalb der Familie aufbauen. Dies eröffnet
gen dienen neben dem Erlaubnisvorbehalt auch örtliche
möglichen Tätern „Zugänge“ außerhalb des unmittelbaren
Prüfungen (§ 46) und Meldepflichten (§ 47). Damit soll die
elterlichen Einflussbereichs. Der Auftrag des Staates zum
zuständige Behörde in die Lage versetzt werden, über Ver-
Schutz von Minderjährigen wird durch die Tatsache ver-
änderungen rechtzeitig Kenntnis zu erhalten, um die geeig-
stärkt, dass die Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugend-
neten und notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Melde-
lichen im Kontext der Erbringung staatlicher Aufgaben und
pflichten beziehen sich bisher auf Betriebsaufnahme und
Leistungen erfolgt. In Umsetzung dieser besonderen staat-
Betriebsschließung sowie Änderungen im Platzangebot und
lichen Schutzpflicht liegt der Regelung die Intention zu-
beim Personal.
grunde, über die Vorlage von erweiterten Führungszeugnis-
Zur Verbesserung des Kinderschutzes wird der Katalog der sen einschlägig vorbestrafte und damit ungeeignete Perso-
Meldepflichten analog zur Situation in der Vollzeitpflege nen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe von der Beauf-
(§ 44 Absatz 4) auf die Meldung von aktuellen Ereignissen sichtigung, Betreuung, Erziehung oder Ausbildung von
und Entwicklungen, erweitert, die geeignet sind, das Wohl Kindern und Jugendlichen auszuschließen.
der Kinder und Jugendlichen zu beeinträchtigen. Damit
Im Sinne eines wirksamen Kinder- und Jugendschutzes ist es
wird die zuständige Behörde in die Lage versetzt, auch auf
für die Frage des Ausschlusses einschlägig vorbestrafter Per-
negative Entwicklungsprozesse in der Einrichtung rechtzei-
sonen unerheblich, in welcher Funktion diese die benannten
tig zu reagieren.
Tätigkeiten ausüben (hauptberuflich, nebenberuflich oder
ehrenamtlich). Die Erfahrung hat gezeigt, dass Menschen mit
Zu Nummer 15 (Überschrift des Fünften Abschnitts des pädophilen Neigungen („Präferenzstörungen“) kinder- und
Dritten Kapitels) jugendnahe Tätigkeiten mit intensiven Kontakten gezielt su-
Da der Aufgabenkatalog des § 59 für die Urkundsperson chen. Die seinerzeitige Begründung zur Einführung der Vor-
beim Jugendamt keine Beglaubigungstatbestände mehr ent- schrift des § 72a SGB VIII durch das Tagesbetreuungsausbau-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/6256

gesetz (Bundestagsdrucksache 15/3676, S. 39) lautet: „Ihr – über die Tätigkeiten, für deren Wahrnehmung durch
liegt der Gedanke zugrunde, dass bestimmte Personen auf- eine unter der Verantwortung des freien Trägers ne-
grund ihres bisherigen Verhaltens als nicht geeignet gelten, ben- oder ehrenamtlich tätige Person die Einsicht-
Aufgaben in der Kinder- und Jugendhilfe wahrzunehmen. nahme in ein erweitertes Führungszeugnis erforder-
Praxisfälle belegen, dass beispielsweise Personen mit sog. lich ist (§ 72a Absatz 4).
pädophilen Neigungen sich ganz bewusst und zielgerichtet
Ehrenamtliche und nebenamtliche Tätigkeiten werden folg-
solche Arbeitsfelder suchen, die ihnen die Möglichkeit der
lich nur insoweit einbezogen, als Aufgaben der Kinder- und
Kontaktaufnahme zu Kindern und Jugendlichen verschaffen
Jugendhilfe unter der Verantwortung des Trägers der öffent-
(vgl. Enders, Ursula, „Das geplante Verbrechen – Sexuelle
lichen (§ 72a Absatz 3) oder eines Trägers der freien (§ 72 a
Ausbeutung durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus In-
Absatz 4) Jugendhilfe wahrgenommen werden. Unter Be-
stitutionen“, Köln 2002).“
rücksichtigung der Vielgestaltigkeit von neben- und ehren-
Die Gefährdungslage für das Kind besteht unabhängig da- amtlichen Tätigkeiten bleibt dabei die Entscheidung, bei
von, ob diese Personen dem Kinde hauptberuflich, neben- welchen Tätigkeiten eine nicht hauptberuflich beschäftigte
oder ehrenamtlich gegenübertreten. Gefahrsteigernd für das Personen vor deren Aufnahme ein erweitertes Führungs-
Kind wirken sich alle Tätigkeiten aus, die es ermöglichen, zeugnissen vorlegen muss, den Trägern der Jugendhilfe vor
ein besonderes Vertrauensverhältnis zu dem Kind oder Ju- Ort vorbehalten. Die Entscheidung, ob eine Tätigkeit den
gendlichen aufzubauen. Hierzu sind ehrenamtliche wie be- Grad der Kinder- und Jugendnähe erreicht hat, der ggf. die
rufliche Tätigkeiten gleichermaßen geeignet. Der tatsächli- Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses erforderlich
che Zugang zu Tätigkeiten mit Kindern und Jugendlichen macht, hängt davon ab, wie im Einzelfall der tatsächliche
über das Neben- oder Ehrenamt ist nicht schwerer als über Kontakt der Person zu Kindern und Jugendlichen ausgestal-
eine hauptamtliche Beschäftigung, die zunächst eine beruf- tet ist. Ein Vorlageerfordernis ist dann gegeben, wenn die
liche Qualifikation voraussetzt. Kontakte von einer gewissen Intensität, Art und Dauer sind.
Dies sind solche Kontakte, die grundsätzlich geeignet sind,
Angesichts der unterschiedlichen Formen und Einsatzmög- ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Kindern und Ju-
lichkeiten neben- und ehrenamtlichen Engagements wird gendlichen aufzubauen.
von einer generellen Regelung abgesehen und einer konkre-
Zur Vorlage eines Führungszeugnisses auffordern können
ten Betrachtungsweise der Vorzug gegeben, die auf Art, In-
grundsätzlich nach § 72 a Absatz 1 und 3 die Träger der
tensität und Dauer des Kontakts mit Kindern und Jugendli-
öffentlichen Jugendhilfe sowie die Träger der freien Jugend-
chen abstellt und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit
hilfe aufgrund der nach § 72a Absatz 2 und Absatz 4 mit
entspricht. Damit wird dem Schutzbedürfnis von Kindern
dem öffentlichen Träger abzuschließenden Vereinbarung.
und Jugendlichen Rechnung getragen und gleichzeitig die
begrenzte Schutzwirkung erweiterter Führungszeugnisse Die Vorlage bzw. Einsichtnahme der erweiterten Führungs-
berücksichtigt. Notwendig ist darüber hinaus die Anwen- zeugnisse ist nur zulässig zur Sicherstellung des Ausschlus-
dung fachlicher Leitlinien insbesondere zur Sicherung des ses einschlägig vorbestrafter Personen von der Betreuung,
Kindeswohls und zum Schutz vor Gewalt, wie fachliche Beaufsichtigung, Erziehung und Ausbildung von Kindern
Leitlinien künftig auch Gegenstand der finanziellen Förde- oder Jugendlichen oder von Tätigkeiten mit vergleichbarem
rung sind (§ 74). Kontakt zu Kindern und Jugendlichen.
Um dem Auftrag des Staates im Sinne eines umfassenden Zur Überschrift
Kinder- und Jugendschutzes gerecht zu werden und um der Die geänderte Überschrift verdeutlicht besser als die alte
Vielgestaltigkeit der Ehrenamts Rechnung zu tragen, sehen Überschrift, dass § 72 a eine besondere Form der Eignungs-
die Regelungen zur Vorlage von erweiterten Führungszeug- prüfung regelt. Anders als die alte Überschrift vermuten
nissen in § 72 a eine Verpflichtung des öffentlichen Trägers ließ, enthält Sie jedoch keine Voraussetzungen für die per-
in drei Fallgruppen vor: sönliche Eignung einer oder eines in der Kinder- und Ju-
gendhilfe Beschäftigten insgesamt.
● Eine Überprüfungspflicht anhand von erweiterten Füh-
rungszeugnissen durch den öffentlichen Träger ist aus- Zu Absatz 1
schließlich im Hinblick auf die Feststellung der persönli- Die zuletzt durch das Kinderförderungsgesetz vom
chen Eignung für eine Beschäftigung und Vermittlung 10. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2403) geänderte Vorschrift
im Rahmen eines Hauptamtes nach § 72a Absatz 1 vor- enthält die notwendigen Folgeänderungen im Hinblick auf
gesehen. die zwischenzeitliche Änderung des Bundeszentralregister-
● Eine Verpflichtung des öffentlichen Trägers zur Ent- gesetzes (Einführung des erweiterten Führungszeugnisses
scheidung über die Tätigkeiten, für deren Wahrnehmung nach § 30a BZRG). Aus systematischen Gründen wurde der
durch eine unter seiner Verantwortung neben- oder eh- Regelungsinhalt des § 72 a. F. auf zwei Absätze aufgeteilt.
renamtlich tätige Person die Einsichtnahme in ein erwei- Zu Absatz 2
tertes Führungszeugnis erforderlich ist (§ 72a Absatz 3).
Die Regelung entspricht Satz 3 der alten Fassung.
● Eine Verpflichtung des öffentlichen Trägers zum Ab- Zu Absatz 3
schluss von Vereinbarungen mit dem freien Träger
Die Vorschrift verlangt vom öffentlichen Träger sicherzu-
– zur Sicherstellung der persönlichen Eignung der stellen, dass unter seiner Verantwortung keine neben- oder
beim freien Träger hauptberuflich Beschäftigten ehrenamtlich tätigen Personen zum Einsatz kommen, die
(§ 72a Absatz 2) sowie einschlägig vorbestraft sind. Die Einsichtnahme in ein ein-
Drucksache 17/6256 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

faches oder erweitertes Führungszeugnisses soll aber nicht Personen ausgehen, die für das Aufwachsen und den Schutz
pauschal hinsichtlich sämtlicher neben- oder ehrenamtlicher von Kindern in förderlichen Beziehungen in besonderer
Mitarbeiter verlangt werden, die Aufgaben der Kinder- und Weise Sorge und Verantwortung tragen. Sie können sowohl
Jugendhilfe wahrnehmen. Vielmehr soll der öffentliche Trä- dem familiären Nah- und Fernbereich als auch dem profes-
ger vor Ort anhand einer aufgabenspezifischen Beurteilung sionellen und ehrenamtlichen Umfeld angehören.“ (Band II,
entscheiden, für welche Tätigkeiten unter Berücksichtigung S. 6). Die bisherigen Erkenntnisse des Runden Tisches
von Art, Intensität und Dauer des Kontakts zu Kindern und rechtfertigen dementsprechend die Einbeziehung des Ehren-
Jugendlichen die Einsichtnahme in ein erweitertes Füh- amtes im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
rungszeugnis erforderlich ist. Hierunter fallen beispiels-
Durch die Absätze 3 und 4 wird zudem sichergestellt, dass
weise Aushilfen für Kinderbetreuung in Kindertageseinrich-
in der Kinder- und Jugendhilfe neben- oder ehrenamtlich tä-
tungen in öffentlicher Trägerschaft, die im Hinblick auf Re-
tige Personen den gleichen Anforderungen unterliegen un-
gelmäßigkeit und Dauer vergleichbar einer hauptberuflich
abhängig davon, ob sie unter der Verantwortung eines öf-
beschäftigten Person zum Einsatz kommen.
fentlichen oder freien Trägers zum Einsatz kommen.
Zu Absatz 4
Zu Absatz 5
Für den Einsatz neben- oder ehrenamtlich tätiger Personen
bei Trägern der freien Jugendhilfe sieht Absatz 4 Vereinba- Die Vorschrift regelt die Datenerhebung, -verarbeitung und
rungen zwischen dem Träger der öffentlichen Jugendhilfe -nutzung im Zusammenhang mit dem nach den Absätzen 3
und dem Träger der freien Jugendhilfe vor, unter dessen und 4 in Einsicht genommenen Führungszeugnis und knüpft
Verantwortung die Personen tätig werden. Sie beziehen sich die Zulässigkeit der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung
nur auf die Erbringung von Leistungen der Kinder- und Ju- an die Erforderlichkeit für die Sicherstellung des Ausschlus-
gendhilfe (§ 3 Absatz 2 Satz 1) oder auf die Beteiligung an ses einschlägig vorbestrafter Personen von der Betreuung,
der Erfüllung anderer Aufgaben seitens des Trägers der Beaufsichtigung, Erziehung und Ausbildung von Kindern
öffentlichen Jugendhilfe (§§ 42, 43, 50 bis 52a und 53 Ab- oder Jugendlichen oder von Tätigkeiten mit vergleichbarem
satz 2 und § 76 Absatz 1). Erfasst werden hierbei nur dieje- Kontakt zu Kindern und Jugendlichen. Es darf nur der Um-
nigen Leistungen, die auch von der öffentlichen Jugendhilfe stand, dass Einsicht in ein Führungszeugnis genommen
finanziert werden. wurde, das Datum des Führungszeugnisses und die Infor-
mation, ob die das Führungszeugnis betreffende Person we-
Das Gesetz erfasst ferner nur diejenigen Tätigkeiten, die in gen einer Straftat nach Absatz 1 Satz 1 rechtskräftig verur-
einem pädagogischen Kontext erbracht werden und wegen teilt worden ist, erhoben werden. Die Daten dürfen nicht
der Art, Dauer und Intensität des Kontakts den Aufbau eines übermittelt werden. Eine Übermittlung personenbezogener
besonderen Vertrauensverhältnisses ermöglichen. Hierunter Daten ist nur zulässig, wenn der Betroffene eingewilligt hat
fallen beispielsweise Aushilfen für Kinderbetreuung, die im oder eine Rechtsvorschrift dies vorsieht. Absatz 5 enthält
Hinblick auf Regelmäßigkeit und Dauer vergleichbar einer keine neue Befugnis zur Übermittlung der „Führungszeug-
hauptberuflich beschäftigten Person zum Einsatz kommen, nis-Daten“ an andere Träger.
oder für dauerhafte und regelmäßige Essensausgabe in Kin-
dertageseinrichtungen in freier Trägerschaft, die unmittelba- Die Daten sind vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. Sie
ren Kontakt mit Kindern und Jugendlichen haben, Jugend- sind im Falle der Nichtbeschäftigung der Bewerberin oder
gruppenleiter, die mit Kindern und Jugendlichen zusam- des Bewerbers unverzüglich und im Falle der Beschäftigung
menarbeiten, oder Familienpaten. der Bewerberin oder des Bewerbers spätestens nach drei
Monaten nach der Beendigung der Tätigkeit zu löschen.
Es fallen zum Beispiel nicht hierunter Eltern, die punktuell
und vereinzelt die Essensausgabe in Kindertagesstätten un- Verstöße gegen Absatz 5 sind nach § 85 Absatz 2 Nummer 1
terstützen, Eltern, die gelegentlich Kinder und Jugendliche des SGB I (sofern die Daten von einem öffentlichen Träger
bei Ausflügen begleiten oder Elternvereine/Elternvorstände erhoben wurden) bzw. § 43 Absatz 2 Nummer 1 des Bun-
in Kindertagesstätten. Entsprechend dem Anwendungsbe- desdatenschutzgesetzes (sofern die Daten von einem freien
reich des SGB VIII ist mit den Tätigkeiten der Kinder- und Träger erhoben wurden) bußgeldbewehrt.
Jugendhilfe nur ein ganz bestimmter Bereich des Ehrenam-
tes oder der nebenberuflichen Tätigkeit betroffen. Die übri- Zu Nummer 19 (§ 74)
gen Bereiche fallen nicht hierunter, wie z. B. die Tätigkeiten Der Katalog der Fördervoraussetzungen wird um den Ab-
der Freiwilligen Feuerwehr, der Kirchenchorleiter oder die schluss von Vereinbarungen über Maßnahmen zur Qualität-
„klassischen“ Sportvereine außerhalb der Jugendarbeit. sentwicklung nach § 79a Absatz 2 erweitert. Damit gewinnt
Mit den Absätzen 3 und 4 wird auch der Diskussion in den der Qualitätsaspekt, der bei der Entgeltfinanzierung nach
Arbeitsgruppen zur Vorbereitung des Neuentwurfs des Kin- § 78a ff. bereits Berücksichtigung findet, auch bei der
derschutzgesetzes und im Rahmen der „AG Prävention“ des Finanzierungsform der Förderung in Form von Zuwendun-
Runden Tisches Missbrauch Rechnung getragen. Dort be- gen an Bedeutung.
stand weitgehende Einigkeit, dass ehrenamtliche ebenso
wie hauptamtliche Personen für Kinder und Jugendliche Zu den Nummern 20 und 21 (§§ 79, 79a –neu)
Verantwortung tragen und deshalb auch für diese Tätigkei-
Zu § 79 Absatz 2
ten in bestimmten Bereichen vergleichbare Regelungen zum
Schutz von Kindern geschaffen werden müssen. Hierzu Die aktuelle Diskussion über die Verbesserung des Kinder-
heißt es im Zwischenbericht des Runden Tisches „Sämtli- schutzes, aber auch die Diskussion über die weitere Qualifi-
che Formen des Machtmissbrauchs und der (sexuellen) Ge- zierung der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen
walt gegenüber Kindern und Jugendlichen können von allen und in Kindertagespflege sowie die Ergebnisse des Modell-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 27 – Drucksache 17/6256

projekts „Wirkungsorientierte Jugendhilfe“ machen die ihrer Leistungsangebote. Einen ersten Schritt hat der Ge-
große Bedeutung der Qualitätsentwicklung in der Kinder- setzgeber bereits bei der Einführung des § 78a ff. im Rah-
und Jugendhilfe deutlich. Dies gilt insbesondere deshalb, men des zweiten SGB-XI-Änderungsgesetzes vom 29. Mai
weil Gegenstand des Leistungsspektrums in erster Linie 1998 (BGBl. I S. 1188) getan. So ist Gegenstand der Leis-
personenbezogene soziale Dienstleistungen sind, die im Ge- tungsvereinbarung nach § 78b Absatz 1 Nummer 1 auch die
gensatz zu Geldleistungen gesetzlich nicht abschließend Qualität der Leistungsangebote. Darüber hinaus sind nach
definierbar sind und deren konkreter Inhalt erst im Einzel- § 78b Absatz 1 Nummer 3 Qualitätsentwicklungsvereinba-
fall unter aktiver Beteiligung der Leistungsadressaten be- rungen zur Fortentwicklung der Qualitätsstandards abzu-
stimmt werden kann. Umso wichtiger ist es deshalb, dass schließen.
die Ausgestaltung dieser Leistungen auch den „Regeln der
fachlichen Kunst“ und dem Stand der fachlichen Diskussion Damit wird aber nur ein Teil des Leistungsspektrums der
entspricht. freien Träger und nicht zwangsläufig die Art und Weise der
Zusammenarbeit im sozialrechtlichen Dreieck Leistungsbe-
Anders als etwa das Gesundheitssystem kennt die Kinder- rechtigter-Jugendamt-Leistungserbringer erfasst. Zudem
und Jugendhilfe keine allgemein verbindlichen Grundsätze, gelten die Vorschriften nur für den Bereich der Entgeltfinan-
deren Einhaltung und Weiterentwicklung durch ein fach- zierung, nicht für den Bereich der Subventionsfinanzierung
liches Gremium gesteuert wird. Dies bedeutet, dass es kein (Förderung nach § 74) oder die den Finanzierungsregelun-
geschlossenes Kompendium fachlicher Standards gibt, son- gen der Länder zugewiesene Förderung in Tageseinrichtun-
dern örtlich und regional unterschiedliche Handlungsleit- gen (§ 74a).
linien.
Mit der Verankerung in § 79 und der Verpflichtung zum Ab-
Zudem werden die Aufgaben der Kinder- und Jugendhilfe
schluss von Vereinbarungen in § 79a Absatz 2 wird eine
im Rahmen kommunaler Selbstverwaltung wahrgenommen,
lückenlose Anwendung der Vorschriften über das Qualitäts-
was eine Zurückhaltung des Gesetzgebers hinsichtlich der
management auf alle Träger der freien Jugendhilfe – unab-
Art und Weise des Vollzugs gesetzlicher Vorschriften nahe-
hängig vom Arbeitsfeld und unabhängig von der Art und
legt.
Weise der Finanzierung – erreicht. Als ein zentraler Gegen-
Deshalb wird grundsätzlich davon abgesehen, fachliche stand der Vereinbarungen werden Qualitätsmerkmale für die
Leitlinien per Gesetz zu dekretieren. Stattdessen wird den Sicherung des Kindeswohls und den Schutz von Kindern
Trägern der öffentlichen Jugendhilfe auferlegt, im Rahmen und Jugendlichen vor Gewalt genannt (Absatz 2 Satz 2).
ihrer Gesamtverantwortung für die Erfüllung der eigenen Damit wird einer Forderung der Unterarbeitsgruppe der AG I
Aufgaben Grundsätze und Maßstäbe für die Bewertung der „Prävention – Intervention – Information“ des Runden
Qualität sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung zu ent- Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ Rechnung getragen.
wickeln, anzuwenden und regelmäßig zu überprüfen. Im
Hinblick auf die Tätigkeit der freien Träger erfolgen Quali- Nach dem Muster von § 78f sieht Absatz 3 Satz 2 den Ab-
tätsentwicklung und -sicherung über das Instrument vertrag- schluss von Rahmenverträgen auf Landesebene vor, um
licher Regelungen (§ 79a Absatz 2). grundsätzliche Fragen vorzuklären und damit die örtliche
Ebene zu entlasten. Dies gilt in besonderem Maße für klei-
Zu diesem Zweck wird die Gesamtverantwortung in § 79 in nere freie Träger und (selbstorganisierte) örtliche Jugend-
Absatz 2 auf eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung aus- verbände oder Jugendgruppen. Hier gilt es, die Rahmenver-
gedehnt, deren Durchführung in § 79a geregelt wird. träge auf Landesebene so auszugestalten, dass sie auf ört-
licher Ebene mittels einfacher Bestätigung Anwendung fin-
Zu § 79a (neu) den können.
Die Vorschrift ergänzt und konkretisiert die Vorgaben in Verbindliche Grundlage dieser Rahmenverträge sind die
§ 79 Absatz 2 Nummer 2. von den Landesjugendämtern im Rahmen ihrer Zuständig-
In Absatz 1 wird das Spektrum der Aufgaben und Prozesse keit nach § 85 Absatz 2 Nummer 1 entwickelten fachlichen
näher spezifiziert, die Gegenstand der Qualitätsentwicklung Empfehlungen.
und -sicherung des Trägers der öffentlichen Jugendhilfe
sind. Zu Nummer 22 (§ 81)
Die Instrumente der Qualitätsentwicklung und -sicherung
In die Liste der Kooperationspartner werden im Hinblick auf
sind aber nicht auf den Tätigkeitsbereich der öffentlichen
die Verantwortungsgemeinschaft für den Schutz des Kindes-
Jugendhilfe begrenzt, sondern müssen – ungeachtet der Au-
wohls die Familien- und Jugendgerichte (Nummer 2) sowie
tonomie freier Träger – auch für deren Tätigkeit prägend
im Hinblick auf die stärkere gesetzliche Ausgestaltung der
sein. Dies entspricht zum einen dem Selbstverständnis freier
Frühen Hilfen die Schwangerschaftsberatungsstellen (Num-
Träger und ihrem Anspruch fachlich qualifizierte Arbeit zu
mer 4) und Einrichtungen und Dienste zum Schutz gegen
leisten, zum anderen kann die staatliche Gemeinschaft er-
Gewalt in engen sozialen Bindungen, wie z. B. Frauenhäuser
warten, dass aus öffentlichen Mitteln finanzierte Leistungen
(Nummer 5), aufgenommen. In der Überschrift wird klarge-
fachlichen Anforderungen entsprechen. Deshalb sieht Ab-
stellt, dass Gegenstand der Vorschrift (nur) die strukturelle
satz 2 eine entsprechende Verpflichtung des öffentlichen
Zusammenarbeit zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und
Trägers zum Vertragsabschluss mit den freien Trägern vor.
den im Einzelnen aufgeführten Institutionen ist. Die Zusam-
Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen mit den Trägern menarbeit im Einzelfall richtet sich nach den konkreten ein-
der freien Jugendhilfe sind die Maßstäbe für die Bewertung schlägigen gesetzlichen Vorschriften und den dort einge-
der Qualität sowie Instrumente zur Sicherung der Qualität räumten Befugnissen.
Drucksache 17/6256 – 28 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Zu Nummer 23 (§ 86) für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben gezeigt,
dass ambulante Hilfefälle beim Zuständigkeitswechsel häu-
Mit dem Wechsel der örtlichen Zuständigkeit an den Ort der
fig nicht an den neu zuständigen Träger übergeben werden,
Pflegestelle (§ 86 Absatz 6 a. F.) wollte der Gesetzgeber die
sondern die Hilfe stattdessen eingestellt wird. Die fortdau-
Hilfekontinuität in der Vollzeitpflege sichern. Diese Rege-
ernde Leistungsverpflichtung gilt indes uneingeschränkt für
lung hat sich jedoch in der Praxis nicht bewährt. Vielmehr
ambulante, teilstationäre und vollstationäre Leistungen.
hat sich der Zuständigkeitswechsel an den Ort des gewöhn-
Durch die Umformulierung des Absatzes 1 und die Anfü-
lichen Aufenthalts der Pflegepersonen zu einer der umstrit-
gung des Absatzes 2 wird die Regelung zur Leistungspflicht
tensten Vorgaben im gesamten Kinder- und Jugendhilfe-
bei Zuständigkeitswechseln präzisiert und erweitert. Das
recht entwickelt. Die Regelung knüpft die Zuständigkeit in
SGB VIII enthält bislang keine Regelungen zum Verfahren
Fällen, in denen der Verbleib des Kindes bei der Pflegefami-
bei einer Fallübergabe. Auch in der Praxis existieren keine
lie auf Dauer zu erwarten ist, nach zwei Jahren am
bundeseinheitlichen Standards zur Fallübergabe bei einem
Lebensort der Pflegefamilie an und will damit eine Beglei-
Zuständigkeitswechsel. Deshalb entscheiden die jeweiligen
tung des Pflegeverhältnisses vor Ort sichern. Mit diesem
Träger der öffentlichen Jugendhilfe bislang über die Art und
Zuständigkeitswechsel sind jedoch gleichzeitig strukturelle
Weise der Übergabe in eigener Verantwortung.
Diskontinuitäten verbunden. Die Hilfe wird in vielen Fällen
von einem örtlichen Träger initiiert, für den von Beginn an Der mit dem Zuständigkeitswechsel verbundene Wechsel in
absehbar ist, dass er sie längstens zwei Jahre leisten wird. der Fallsteuerung kann sich auf die Kontinuität des Hilfe-
Der in der Regel ungleich länger zuständige Träger am Ort prozesses und die damit verbundene Zielerreichung auswir-
des gewöhnlichen Aufenthalts der Pflegeperson übernimmt ken und ggf. zu Leistungsverzögerungen oder sogar zum
dagegen regelhaft eine Leistungsbeziehung, auf deren Zu- Leistungsabbruch führen. Dies gilt insbesondere, wenn es
standekommen und Aushandlung er keinen Einfluss hatte. um die Fortsetzung von Leistungen der Hilfe zur Erziehung
(§ 27 ff. SGB VIII) oder der Eingliederungshilfe für see-
Das angestrebte Ziel der Hilfekontinuität wird in der Praxis
lisch behinderte Kinder und Jugendliche (§ 35a SGB VIII
nicht erreicht. Der Sondertatbestand des § 86 Absatz 6 bis-
geht – also um Leistungen bzw. Verfahrensschritte, die eine
heriger Fassung wird in Umsetzung einer Empfehlung der
enge und kontinuierliche Kooperation aller Verfahrensbetei-
Expertengruppe zu dem seitens des Bundesministeriums für
ligten erfordern. Diese Risiken sollen durch eine qualifi-
Familien, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Projekt
zierte Fallübergabe gemindert werden.
„Neuregelung der Vorschriften zur örtlichen Zuständigkeit
und Kostenerstattung in der Kinder- und Jugendhilfe“ auf- Zu Absatz 1
gehoben. Damit entfällt allerdings der ortsnahe Zugang der Satz 1 enthält den Text des bisherigen § 86c Satz 1.
Pflegeperson zum „zuständigen Jugendamt“. Um diesen
Nachteil zu vermeiden, wird durch eine Änderung von § 37 Satz 2 verpflichtet den zuständig gewordenen Träger der
Absatz 2 (Nummer 8) das zuständige Jugendamt am Ort des Kinder- und Jugendhilfe, Belastungen des Hilfeprozesses
gewöhnlichen Aufenthalts der Herkunftseltern verpflichtet, durch den Zuständigkeitswechsel zu vermeiden. Für das
Beratung und Unterstützung ortsnah sicherzustellen. Im neu Kindeswohl ist in der Regel förderlich, dass die Hilfekonti-
in § 37 eingefügten Absatz 2a wird sichergestellt, dass Än- nuität im Sinne einer Beständigkeit nicht nur im Ob, son-
derungen im Leistungsinhalt nur bei einer Änderung des dern auch im Wie einer rechtmäßigen Leistungserbringung
Hilfebedarfs zulässig sind und nicht allein durch den Zu- nicht ohne Not gestört wird, wenn die örtliche Zuständigkeit
ständigkeitswechsel legitimiert werden. wechselt (vgl. BGH 21.10.2004, III ZR 254/03, JAmt 2005,
35, 39). Dies gilt in besonderem Maße für Hilfe zur Erzie-
Infolge der Aufhebung der Sonderzuständigkeit für Dauer- hung in Vollzeitpflege, aber auch für andere Hilfeprozesse.
pflegeverhältnisse nach § 86 Absatz 6 bisheriger Fassung Daher soll nach einem Zuständigkeitswechsel die bisherige
bleibt der gewöhnliche Aufenthalt der Eltern primärer An- Zielrichtung des gemeinsamen Hilfeprozesses nur dann ge-
knüpfungspunkt für die örtliche Zuständigkeit bei einer ändert werden, wenn das Wohl des Kindes oder Jugendli-
Vollzeitpflege, die auf Dauer angelegt ist und mit einem chen dies erfordert.
dauerhaften Verbleib des Kindes in derselben Pflegefamilie
einhergeht. Zu Absatz 2
Um jedoch für Pflegeverhältnisse, bei denen eine Zustän- Der neue Absatz 2 enthält Regelungen zum Verfahrensab-
digkeit nach § 86 Absatz 6 bisheriger Fassung besteht, keine lauf beim Zuständigkeitswechsel. Satz 1 enthält den Wort-
unerwarteten Zuständigkeitsfolgen zu schaffen, ist mit der laut des bisherigen § 86c Abs. 1 Satz 2, der eine Unterrich-
Neufassung der Norm eine Übergangsregelung geschaffen tungspflicht begründet und eine zeitnahe Fallübergabe er-
worden, die bestehende Pflegeverhältnisse in ihrem Ver- möglichen soll.
trauen auf die geltende Zuständigkeit dauerhaft schützt. Satz 2 verpflichtet zur Weitergabe der Informationen, die
für die Gewährung und Erbringung der Leistung sowie für
Zu Nummer 24 (§ 86c) den Wechsel der Zuständigkeit maßgeblich sind. Wie sich
aus einer Umfrage bezogen auf das Jahr 2007 ergibt, wer-
Die Überschrift wurde geändert, um klarzustellen, dass die
den nach Einschätzung der Jugendämter Fallübergaben be-
Vorschrift neben der Verpflichtung zum vorläufigen Tätig-
sonders häufig durch unvollständige Unterlagen verzögert.
werden auch Verfahrensregelungen zum Vorgehen bei Zu-
Die Erfahrungen der Praxis haben gezeigt, dass häufig zwar
ständigkeitswechseln enthält.
die Tatsache des Zuständigkeitswechsels mitgeteilt wird,
Die Ergebnisse aus dem Projekt „Neuregelung der Vor- der nunmehr zuständige Träger aber nicht immer die erfor-
schriften zur örtlichen Zuständigkeit und Kostenerstattung derlichen Informationen zu den Umständen erhält, die die
in der Kinder- und Jugendhilfe“ des Bundesministeriums Grundlage für den Wechsel der Zuständigkeit bilden und
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 29 – Drucksache 17/6256

den Hilfebedarf begründen. Dieses Informationsdefizit soll Zu Buchstabe e (Absatz 7)


nun beseitigt werden.
Im Hinblick auf den Ausbau und die Qualifizierung der Ta-
Satz 3 verpflichtet bei der Fortsetzung von Leistungen, die gesbetreuung für Kinder sind Daten über die Struktur und
der Hilfeplanung nach § 36 Absatz 2 unterliegen, zur Über- die altersmäßige Zusammensetzung von Gruppen in Ein-
gabe der Fallverantwortung im Rahmen eines Gesprächs. richtungen unerlässlich. Entsprechende Erhebungen sind
Damit sollen die mit einer schriftlichen Informationsweiter- gängige Praxis. Allerdings sind Erhebungsmerkmale zu den
gabe häufig verbundenen Missverständnisse und Unklarhei- Gruppenarten in den Einrichtungen und der Gruppenzuge-
ten vermieden werden. Das Gespräch kann im persönlichen hörigkeit der dort geförderten Kinder bislang nicht explizit
Kontakt oder fernmündlich erfolgen. in Absatz 7 geregelt und nur im Wege der Auslegung ableit-
bar. Zur Klarstellung werden die betreffenden Erhebungs-
Durch Satz 4 wird die aktive Einbeziehung und Beteiligung merkmale konkretisiert.
der Leistungsadressaten als zentraler fachlicher Standard
auch beim Zuständigkeitswechsel gesichert. Die konkrete
Ausgestaltung erfolgt nach den Erfordernissen des Einzel- Zu Buchstabe f (Absatz 7b)
falles.
Die Erhebungen über die während der Ausbauphase der
Kindertagesbetreuung bestehenden Versorgungsdefizite
Zu Nummer 25 (§ 89a) werden mangels aussagekräftiger Daten nicht fortgesetzt.
Im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der Großtages-
Bei der Änderung in Absatz 2 handelt es sich um eine Fol- pflege wird die Nummer 7b mit entsprechenden Erhebungs-
geänderung des Wegfalls der Sonderzuständigkeit nach § 86 merkmalen belegt.
Absatz 6 bisheriger Fassung.
Zu Nummer 28 (§ 101)
Zu Nummer 26 (§ 98)
Zu Buchstabe a (Absatz 1)
Durch die Änderungen werden bestehende Erhebungstatbe-
stände präzisiert (Buchstabe a Nummer 3), an die neuen Die Vorschrift regelt die Aussetzung der Erhebung über die
Formulierung der Erhebungsmerkmale angepasst (Buch- Angebote der Jugendarbeit nach § 11, die grundsätzlich alle
stabe b Nummer 9). Durch die Anfügung von Nummer 13 vier Jahre durchzuführen ist und aufgrund der gegebenen
wird ein neuer Erhebungstatbestand zur statistischen Erfas- Periodizität für das Jahr 2012 anstehen würde. Anlass für
sung der Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1 ein- die Aussetzung sind die Schwachstellen der bestehenden
geführt. Für die Beurteilung der Auswirkungen dieser Vor- Erhebungsinstrumente, die zu erheblichen Erfassungslü-
schrift, der eine zentrale Bedeutung für einen wirksamen cken und damit einer weder aussagekräftigen noch tragfähi-
Kinderschutz zukommt, sind aktuelle Daten über die Ein- gen Datenlage im Bereich der Jugendarbeit führen.
schätzungspraxis in den Jugendämtern und die Ergebnisse
der Gefährdungseinschätzung unverzichtbar (Buchstabe c).
Zu Buchstabe b (Absatz 2)

Zu Nummer 27 (§ 99) Die Änderung in Absatz 2 Nummer 8 stellt eine Folgeände-


rung zur Verortung der bisher in § 99 Absatz 6 geregelten
Zu den Buchstaben a und b (Absatz 1, 2) Erhebungsmerkmale zu den Maßnahmen des Familienge-
richts nach § 1666 BGB in § 99 Absatz 6b dar.
Durch eine Änderung der Erhebungsmerkmale wird erfasst,
ob eine Hilfe zur Erziehung (Absatz 1) oder eine Inobhut- Absatz 2 Nummer 11 regelt den Erhebungsmodus für die in
nahme (Absatz 6) die Folge einer Gefährdungseinschätzung § 99 Absatz 6 neu eingeführte Erhebung zum Prozess der
nach § 8a Absatz 1 ist. Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1.

Zu Buchstabe c (Absatz 6) Zu Nummer 29 (§ 103)


In diesem Absatz werden künftig zentrale Daten zum Pro- Die Ergebnisse der Kinder- und Jugendhilfestatistiken sind
zess der Gefährdungseinschätzung nach § 8a Absatz 1 er- insbesondere auf kleinräumiger Ebene von hoher Bedeu-
fasst. So sind etwa Informationen darüber, wer die Gefähr- tung, um die Auswirkungen des SGB VIII detailliert be-
dungseinschätzung anregt (z. B. Kita/Schule, Polizei, Sozia- schreiben zu können. Die Regelung in Absatz 3 soll eine
ler Dienst), von großem fachpolitischen Interesse. Veröffentlichung von Angaben auf der Ebene einer Ge-
meinde oder eines Jugendamtsbezirkes ermöglichen, auch
Zu Buchstabe d (Absatz 6b – neu –) wenn dort weniger als drei Träger der Kinder- und Jugend-
hilfe tätig sind. Die Vorschrift lässt nur in Bezug auf die be-
Die Vorschrift enthält die bisher in Absatz 6 geregelten Er- fragte Gemeinde selbst bzw. die durch einen freien Träger
hebungsmerkmale zu den Maßnahmen des Familiengerichts erbrachten Leistungen eine Ausnahme von der statistischen
nach § 1666 BGB. Dabei wird auch die Konkretisierung des Geheimhaltung zu, nicht aber hinsichtlich der betroffenen
Rechtsfolgenkatalogs in § 1666 Absatz 3 BGB, der neben Leistungsempfängerinnen und -empfänger. Das schutzwür-
der Einschränkung und dem Entzug des Sorgerechts auch dige Interesse der Leistungsempfängerinnen und -empfän-
Ge- und Verbote gegenüber den Eltern enthält, berücksich- ger an der Geheimhaltung der sie betreffenden Daten bleibt
tigt. daher gewahrt.
Drucksache 17/6256 – 30 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Zu Artikel 3 (Änderung anderer Gesetze) Zu Nummer 1 (§ 2 SchKG)

Zu Absatz 1 (§ 21 Absatz 1 Nummer 7 SGB IX) Für einen wirksamen und aktiven Kinderschutz ist es beson-
ders wichtig, die im Fokus der Frühen Hilfen stehenden
In § 21 Absatz 1 Nummer 7 wird explizit klargestellt, dass Zielgruppen möglichst frühzeitig, schon in der Schwanger-
in den zwischen Leistungserbringern und Rehabilitations- schaft zu erreichen. Insbesondere gilt es, Beratungswege
trägern abzuschließenden Verträgen der Sicherung des Kin- auch zu denjenigen Schwangeren in besonders prekären
deswohls Rechnung zu tragen ist. Notlagen und Konfliktsituationen zu finden, die bislang den
Zugang zum öffentlich finanzierten Hilfesystem nicht ge-
Notwendiger Inhalt der Verträge ist damit die Einbindung funden haben. Dazu zählen auch Frauen, die ihre Schwan-
des Jugendamtes zur fachlichen Beratung und zur Sicher- gerschaft verdrängen oder gegenüber ihrem Umfeld ver-
stellung der Wahrnehmung des dem Jugendamt obliegenden heimlichen. Sie sind teilweise besonders sensibel für Stig-
Schutzauftrags nach § 8a SGB VIII. Nummer 7 korrespon- matisierung und Reglementierung und haben Angst vor
diert insofern mit dem in § 8b Absatz 1 SGB VIII geregel- Sanktionen und Abwertung. Sie verdrängen ihre Probleme,
ten Anspruch auf Beratung zum Schutz von Kindern und überschätzen ihre Fähigkeiten, sind zum Teil überfordert
Jugendlichen gegenüber dem örtlichen Träger der Jugend- und bevorzugen als Strategie der Problemlösung den Rück-
hilfe. Die Beratung kann daher auch durch eine bei einem zug. Je größer das Vertrauen ist, das das Klientel der Bera-
freien Träger der Jugendhilfe angesiedelte, im Kinderschutz tungsstelle entgegenbringt, desto leichter wird es sein, die
erfahrene Fachkraft erfolgen. bisher nicht erreichten Zielgruppen für Beratung zu gewin-
nen. Durch die unbedingte Zusage anonymer Beratung kön-
Nummer 7 schließt damit eine Lücke im Kinderschutz, in- nen das Vertrauen gestärkt und Zugangshindernisse abge-
dem Rehabilitationsdienste und -einrichtungen im Rahmen baut werden.
der Wahrnehmung ihrer Aufgaben eine positive Aufmerk- Das geltende Recht garantiert bereits für die nach § 219 des
samkeitskultur im Hinblick auf die Sicherung des Kindes- Strafgesetzbuches notwendige Schwangerschaftskonfliktbe-
wohls der von ihnen betreuten behinderten und von Behin- ratung den Anspruch der Schwangeren auf Anonymität ge-
derung bedrohten Kinder oder Jugendlichen entwickeln und genüber der sie beratenden Person (§ 6 Absatz 2 des Geset-
die fachliche Expertise der Jugendhilfe im Gefährdungskon- zes zur Vermeidung und Bewältigung von Schwanger-
text einbeziehen. schaftskonflikten). Zwar kann auch eine allgemeine
Schwangerschaftsberatung nach § 2 SchKG anonym durch-
geführt werden. Ein Rechtsanspruch auf eine anonyme Be-
Zu Absatz 2 (SchKG) ratung besteht in diesen Fällen jedoch nicht, obwohl gerade
durch die allgemeine Schwangerschaftsberatung ein guter
Schwangerschaftsberatung wird von einem sehr großen Teil Zugang zu den Zielgruppen möglich ist. Ein Rechtsan-
der Frauen in Anspruch genommen. Nicht zuletzt da die spruch auf auch anonyme Beratung ist unverzichtbare Vor-
Schwangerschaftsberatungsstellen die Anträge auf Mittel aussetzung, um Zugangshindernisse zu Beratung abzubauen
der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungebo- und die Möglichkeit einer anonymen Beratung verbindlich
renen Lebens“ und z. T. auch auf Mittel entsprechender anzubieten sowie in der Öffentlichkeit besser bekannt zu
Landesstiftungen bearbeiten, erreichen sie die Zielgruppen, machen.
die im Fokus der Frühen Hilfen stehen, besonders erfolg-
reich. In den Arbeitsgruppen zur Diskussion des Regelungs- Die Anonymitätszusage ist zudem erforderlich, um etwai-
bedarfs für ein neues Kinderschutzgesetz ist daher gefordert gen Befürchtungen der Ratsuchenden entgegenzuwirken,
worden, das Angebot der Schwangerschaftsberatungsstellen die die zukünftige Mitwirkung der Schwangerschaftsbera-
enger mit dem anderer Einrichtungen und Dienste zu ver- tungsstellen im Netzwerk Frühe Hilfen dahingehend auslö-
netzen, die Aufgaben bei Förderung und Entwicklung von sen kann, die Kooperation erstrecke sich nicht nur auf struk-
Kindern in den ersten Lebensjahren wahrnehmen. Eine kor- turelle Fragen, sondern auch auf Einzelfälle. Es gilt, das
respondierende Vorschrift enthält § 81 SGB VIII für die ört- Vertrauen des Klientels in die Beratungsstelle nicht zu ge-
lichen Träger der Jugendhilfe. Darüber hinaus sollen in den fährden. Gerade Frauen und Männer mit besonders schwe-
Ländern nach § 3 KKG flächendeckend verbindliche Struk- ren Problemen sollen nicht aufgrund einer solchen Fehlvor-
turen der Zusammenarbeit vor allem im Bereich Früher Hil- stellung Abstand von der Beratung nehmen. Auch um ei-
fen aufgebaut und weiterentwickelt werden. nem solchen neuen Zugangshindernis vorzubeugen, ist die
Anonymität der Schwangerschaftsberatung in das Gesetz
Im Hinblick auf die Akzeptanz und das Potential der aufzunehmen.
Schwangerschaftsberatungsstellen ist sicherzustellen, dass
diese in die Kooperationsnetzwerke eingebunden sind. Der Zu Nummer 2 (§ 4 SchKG)
Struktur des Schwangerschaftskonfliktgesetzes entspre-
chend soll diese Aufgabe den Ländern übertragen werden Schwangerschaftsberatungsstellen können aufgrund ihres
(§ 3 Absatz 2 – neu). Gegenstand der Zusammenarbeit sind Kontakts zu schwangeren Frauen Gefährdungslagen noch
strukturelle Fragen der Angebotsgestaltung und -entwick- vor der Geburt erkennen und daran ausgerichtete Hilfen be-
lung und der Verzahnung mit den Aufgaben der anderen sonders früh und effektiv anbieten. Das klientinnenorien-
Einrichtungen und Dienste, keinesfalls aber die Zusammen- tierte Beratungsverständnis der Beraterinnen, ihre fach-
arbeit in konkreten Einzelfällen. Diese richtet sich nach den lichen Kompetenzen in psychosozialen, sozialrechtlichen
Vorgaben § 4 KKG, die als Befugnisnorm ausgestaltet und und gesundheitlich-medizinischen Fragen, die Vertraulich-
in keiner Hinsicht die Beratungsstellen zur Kooperation im keit der Beratungsbeziehung sowie die Kenntnis regionaler
Einzelfall verpflichtet. Hilfsangebote und die Unterstützung bei der Geltendma-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 31 – Drucksache 17/6256

chung von Ansprüchen bilden eine gute Grundlage für um- zu Schnittstellen des Sozial-, Bildungs- und Gesundheits-
fassende Hilfe und Beratung. wesens zum Feld der Hilfen zur Erziehung auf 20 Mio. Euro
Schwangerschaftsberatung wird von einem sehr großen Teil jährlich geschätzt. Dabei werden Fallzahlen zugrunde ge-
der Frauen in Anspruch genommen. Nicht zuletzt da die legt, die aus der in der amtlichen Kinder- und Jugend-
Schwangerschaftsberatungsstellen die Anträge auf Mittel hilfestatistik erfassten Anzahl der über die Allgemeinen So-
der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungebo- zialen Dienste Hilfe zur Erziehung anregenden Personen
renen Lebens“ und z. T. auch auf Mittel entsprechender und Institutionen abgeleitet werden. Eine weitere Grundlage
Landesstiftungen bearbeiten, erreichen sie die Zielgruppen, der Kostenschätzung bilden die beim NZFH aus den Erfah-
die im Fokus der Frühen Hilfen stehen, besonders erfolg- rungen von Modellprojekten gewonnenen Erkenntnisse zum
reich. Schwangerschaftsberatungsstellen sind daher durch Beratungsbedarf im Gesundheitsbereich.
den neuen Satz 4 als unverzichtbare Einrichtungen in die
Netzwerke Frühe Hilfen einzubeziehen. Der Struktur des 3. Qualifizierung des Schutzauftrags der öffentlichen
Gesetzes zur Vermeidung von Schwangerschaftskonflikten Jugendhilfe (Artikel 2 Nummer 4 und 5 –
entsprechend soll die Verantwortung für die Mitarbeit der §§ 8a, 8b – neu – Absatz 2 SGB VIII)
Beratungsstellen im Netzwerk Frühe Hilfen den Ländern
übertragen werden. Insbesondere infolge der Einführung der gesetzlichen Rege-
lung des Schutzauftrags des Jugendamtes bei Kindeswohl-
gefährdung in § 8a SGB VIII mit dem Kinder- und Jugend-
Zu Artikel 4 (Bekanntmachungserlaubnis)
hilfeweiterentwicklungsgesetz – KICK – zum 1. Oktober
Die Vorschrift enthält die Erlaubnis zur Neubekanntma- 2005 sind in den letzten Jahren seitens der öffentlichen und
chung des Achten Buches Sozialgesetzbuch – Kinder- und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe bereits erhebliche
Jugendhilfe. Anstrengungen unternommen worden, die Ausübung ihres
Schutzauftrags zu qualifizieren. Die Änderung der Vor-
Zu Artikel 5 (Inkrafttreten) schrift im Hinblick auf die Gefährdungseinschätzung erfor-
dert eine Qualifizierung, insbesondere Fortbildungskosten
Die Vorschrift regelt das Inkrafttreten des Gesetzes. für die Fachkräfte in den Allgemeinen Sozialen Diensten.
Dies gilt umso mehr, als dass gerade in den letzten Jahren
im Kontext der Kinderschutzdebatte die Personalressourcen
C. Finanzieller Teil in den sozialen Diensten z. T. mit jungen, unerfahrenen
I. Allgemeines Fachkräften aufgestockt worden sind. Der hiermit für den
örtlichen Träger der Jugendhilfe verbundene Mehraufwand
Der Schwerpunkt des Gesetzentwurfs liegt im Ausbau Frü- wird auf 1 Mio. Euro jährlich geschätzt. Neben der Qualifi-
her Hilfen und der weiteren Qualifizierung der Kinder- und zierung des individuellen Schutzauftrags hat der Runde
Jugendhilfe im Hinblick auf eine nachhaltige Wirksamkeit Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ auch in Bezug auf den
ihrer Leistungen und einen wirksameren Schutz von Kin- strukturellen Kinderschutz einen Qualifizierungsbedarf fest-
dern und Jugendlichen vor Gefährdungen für ihr Wohl. gestellt, der mit einer Konkretisierung der Verpflichtung des
Vor dem Hintergrund der Entwicklung der öffentlichen überörtlichen Trägers der Jugendhilfe zur Beratung der Ein-
Haushalte in den letzten Jahren und den kontinuierlich stei- richtungsträger während der Planung und Betriebsführung
genden Ausgaben im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe nach § 85 Absatz 2 Nummer 7 SGB VIII umgesetzt wird.
beschränken sich die Änderungen im Übrigen, soweit sie Die Mehrkosten werden auf 1 Mio. Euro jährlich geschätzt.
überhaupt kostenrelevant sind, auf punktuelle Änderungen.
4. Ausbau früher Hilfen im Rahmen der Jugendhilfe
(Artikel 2 Nummer 7 – § 16 SGB VIII)
II. Zu den einzelnen Positionen
Der mit der Änderung der Rechtsgrundlagen in § 16
SGB VIII verbundene Ausbau früher Hilfen wird der Ziel-
1. Verstärkter Einsatz von Familienhebammen (Artikel 1
§ 3 Absatz 4 KKG) setzung entsprechend zu einem Anstieg der Ausgaben füh-
ren. Die Mehrkosten werden auf 30 Mio. Euro jährlich ge-
Für die „Bundesinitiative Familienhebammen“ des Bundes- schätzt.
ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
wendet der Bund insgesamt 120 Mio. Euro, davon jährlich Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Jugendämter – bei al-
30 Mio. Euro in den Jahren 2012 bis 2015, auf. Diese Mehr- len regionalen Unterschieden – bereits damit begonnen ha-
ausgaben werden im Einzelplan 17 kompensiert. ben, ein Angebotsspektrum „Früher Hilfen“ zu installieren.
Fast alle Jugendämter sind im Bereich Früher Hilfe bereits
aktiv geworden, nicht alle verfügen jedoch über eine ad-
2. Anspruch der Gesundheitsberufe und anderer Be- äquate Basisausstattung Früher Hilfen. So plant rund ein
rufsgruppen auf Hinzuziehung der Expertise der Drittel der Jugendämter zusätzliche Angebote im Bereich
Kinder- und Jugendhilfe (Artikel 1 § 4 Absatz 2 KKG, Früher Hilfen (vgl. NZFH, Bestandaufnahme Kommunale
Artikel 2 Nummer 5 – § 8b – neu – Absatz 1 SGB VIII)
Praxis. Frühe Hilfen in Deutschland. Teiluntersuchung 1:
Der dafür erforderliche Personaleinsatz durch die Jugend- Kooperationsformen, Köln 2010). Die gesetzlichen Rege-
ämter bzw. freien Träger der Jugendhilfe wird auf der lungen dienen daher zur Unterstützung der Umsetzung der
Grundlage von Erfahrungen aus Modellprojekten im Kon- Erfahrungen der letzten Jahre aus den Modellprojekten des
text des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) sowie NZFH, um zu einem vergleichbaren Mindeststandard an
Ergebnissen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfestatistik Frühen Hilfen in den Kommunen zu gelangen. Der hierfür
Drucksache 17/6256 – 32 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

erforderliche Mehrbedarf wird auf 25 Mio. Euro jährlich ge- 7. Streichung der Sonderzuständigkeit bei Dauerpflege-
schätzt. verhältnissen (Artikel 2 Nummer 23 und 25 – § 86 Ab-
satz 6, § 89a SGB VIII)
Hinzukommen Mehrkosten in Höhe von 5 Mio. Euro im
Jahr, die infolge zusätzlicher Beratungsangebote für wer- Laut dem Abschlussbericht der Expertengruppe zu dem sei-
dende Eltern entstehen. Grundlage für diese Schätzung sind tens des Bundesministeriums für Familien, Senioren,
Erkenntnisse, die das NZFH aus Modellprojekten zum Be- Frauen und Jugend geförderten Projekt „Neuregelung der
ratungsbedarf werdender Eltern gewonnen hat sowie empi- Vorschriften zur örtlichen Zuständigkeit und Kostenerstat-
rische Hinweise aus der amtlichen Kinder- und Jugendhil- tung in der Kinder- und Jugendhilfe“ führt die Streichung
festatistik zu der Kontakthäufigkeit bei Erziehungs- und Fa- der Sonderzuständigkeit bei Dauerpflegeverhältnissen nach
milienberatungsleistungen für Eltern. § 86 Absatz 6 bisheriger Fassung zu einer Reduzierung der
Kostenerstattungsfälle um zwei Drittel. Deshalb ist mit Ein-
sparungen in Höhe von jährlich 3 Mio. Euro zu rechnen.
5. Prüfung der Eignung ehrenamtlich tätiger Personen
(Artikel 2 Nummer 18 – § 72a SGB VIII) 8. Erweiterung der Kinder- und Jugendhilfestatistik
(Artikel 2 Nummer 26 bis 28 – § 98 ff.)
Für das Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit wird auf
der Basis von Schätzungen zur Zahl der Ehrenamtlichen so- Durch Änderung der Bundesstatistik werden dem Statisti-
wie des mit der Prüfung verbundenen Verwaltungsaufwan- schen Bundesamt zum einen Umstellungskosten in Höhe
des von Mehrkosten pro Jahr in Höhe von 4 Mio. Euro aus- von einmalig 65 175 Euro entstehen. Zum anderen entste-
gegangen. Für die anderen Arbeitsfelder ist von einer deut- hen dauerhaft Mehrausgaben in Höhe von 22 780 Euro jähr-
lich geringeren Zahl von Ehrenamtlichen auszugehen. Für lich. Eine Kompensation der einmaligen Kosten erfolgt aus
diese Bereiche wird von Mehrkosten in Höhe von 1 Mio. Einzelplan 17 des Bundeshaushalts durch einmalige Um-
Euro ausgegangen. schichtung in den Einzelplan 06 für das Haushaltsjahr 2012.
Eine Kompensation der dauerhaften Kosten erfolgt durch
eine dauerhafte Umschichtung aus Einzelplan 17 in den
6. Qualitätsentwicklung und -sicherung (Artikel 2 Num- Einzelplan 06 mit Wirkung ab dem Haushaltsjahr 2012.
mer 20 und 21 – §§ 79, 79a – neu – SGB VIII) Für die Statistischen Landesämter entstehen nach eigener
Fachliche Leitlinien und Qualitätskriterien gehören seit Jah- Kostenschätzung einmalige Umstellungskosten in Höhe von
ren zur „Grundausstattung“ der Arbeit in den Jugendämtern ca. 80 000 Euro sowie jährliche Mehrkosten in Höhe von
und bei freien Trägern. Mit der gesetzlichen Regelung ist ca. 260 000 Euro.
aber eine weitere Qualifizierung insbesondere im Hinblick Die Aussetzung der Statistik nach § 101 Absatz 1 SGB VIII
einen wirksamen Kinderschutz verbunden. (Kinder- und Jugendarbeit) führt bei den Statistischen Lan-
Deshalb werden für die Jahre 2012 und 2013 (Aufbauphase) desämtern zu einmaligen Umstellungskosten in Höhe von
Mehrkosten in Höhe von 50 Mio. Euro angesetzt, in den ca. 1 000 Euro und jährlichen Minderausgaben in Höhe von
Folgejahren von jeweils 10 Mio. Euro. ca. 230 000 Euro.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 33 – Drucksache 17/6256

Übersicht
über die durch das Gesetzgebungsvorhaben entstehenden Mehrkosten
(Finanztableau)
Lfd. Regelung Belastungen (+) bzw. Belastungen (+) bzw. Belastungen (+) bzw. Belastungen (+) bzw.
Nr. Entlastungen (–) der Entlastungen (–) der Entlastungen (–) der Entlastungen (–) der
öffentl. Haushalte öffentl. Haushalte öffentl. Haushalte öffentl. Haushalte
(in Mio. Euro) (in Mio. Euro) (in Mio. Euro) (in Mio. Euro)

im Jahr 2012 im Jahr 2013 im Jahr 2014 im Jahr 2015


1 Verstärkter Einsatz der 30 30 30 30
Familienhebammen
(Artikel 1 – § 3
Absatz 4)
2 Anspruch der Gesund- 20 20 20 20
heitsberufe auf Hinzu-
ziehung der Expertise
der Kinder- und Jugend-
hilfe
(Artikel 1 – § 4 Absatz 2
und Artikel 2 Nummer 5
– § 8b Absatz 1)
3 Qualifizierung des 2 2 2 2
Schutzauftrags der
öffentlichen Jugendhilfe
(Artikel 2 Nummer 4, 5
– § 8a, § 8b Absatz 2)
4 Ausbau früher Hilfen im 30 30 30 30
Rahmen der Jugendhilfe
(Artikel 2 Nummer 7 –
§ 16)
5 Prüfung der Eignung 5 5 5 5
ehrenamtlich tätiger
Personen (Artikel 2
Nummer 18 – § 72a)
6 Qualitätsentwicklung 35 35 10 10
und -sicherung
(Artikel 2 Nummer 20,
21 – §§ 79, 79a)
7 Streichung der Sonder- –3 –3 –3 –3
zuständigkeit bei Dauer-
pflegeverhältnissen
(Artikel 2 Nummer 23,
25 – §§ 86, 89a)
8 Erweiterung der Kinder- 0,2 0,1 0,1 0,1
und Jugendhilfestatistik
(Artikel 2 Nummer 26
bis 28)
Insgesamt 119,2 119,1 94,1 94,1
davon davon davon davon
Bund: Bund: Bund: Bund:
30,08 30,06 30,06 30,06
Länder/Kommunen: Länder/Kommunen: Länder/Kommunen: Länder/Kommunen:
89,08 89,03 64,03 64,03
Drucksache 17/6256 – 34 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

D. Bürokratiekosten hilfe oder die Erfüllung anderer Aufgaben erfolgt; bei


freien Trägern werden dabei nur diejenigen Leistungen
Mit dem Entwurf werden für die Bereiche der Verwaltung erfasst, die von der öffentlichen Jugendhilfe finanziert
und der Wirtschaft insgesamt sechs Informationspflichten werden;
eingeführt oder verändert. Diese resultieren aus der Erwei-
terung der Kinder- und Jugendhilfestatistik in § 98 ff.
● in einem pädagogischen Kontext steht und
SGB VIII sowie aus der Einführung einer Verpflichtung zur ● aufgrund von Art, Intensität und Dauer des Kontakts der
Datenweitergabe für den örtlichen Träger der öffentlichen Person mit Kindern und Jugendlichen die Vorlage eines
Jugendhilfe in § 8a Absatz 5 SGB VIII und in § 86c Absatz 2 erweiterten Führungszeugnisses erfordert. Dies sind sol-
SGB VIII. Mittelbar über den Abschluss von Verträgen er- che Kontakte, die von ihrer Art her grundsätzlich geeig-
geben sich aus der Ergänzung der Vertragsgegenstände in net sind, ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Kindern
§ 21 Absatz 1 SGB IX Informationspflichten für Verwal- und Jugendlichen aufzubauen und im Hinblick auf Re-
tung (vgl. § 21 Absatz 4 SGB IX) und Wirtschaft. Die Er- gelmäßigkeit und Dauer vergleichbar eines hauptamtli-
weiterung des Katalogs der Meldepflichten für Träger er- chen Kontextes stattfinden.
laubnispflichtiger Einrichtungen in § 47 SGB VIII stellt le-
Ergibt sich aufgrund der genannten Voraussetzungen über
diglich eine Modifizierung einer der Wirtschaft obliegenden
eine Einzelfallentscheidung des öffentlichen Trägers oder
Informationspflicht dar.
eine Vereinbarung zwischen öffentlichem und freiem Träger
Für Bürgerinnen und Bürger kann aus der Verpflichtung des eine Verpflichtung des Trägers der Jugendhilfe zur Einsicht-
öffentlichen Trägers zur Entscheidung oder zum Abschluss nahme eines erweiterten Führungszeugnisses einer unter
von Vereinbarungen mit dem freien Träger über die Tätig- seiner Verantwortung ehrenamtlich tätigen Person, besteht
keiten, für deren Wahrnehmung ehrenamtlich tätige Perso- eine damit verbundene Informationspflicht der Bürgerin
nen die Vorlage eines erweiterten Führungszeugnisses erfor- bzw. des Bürgers in der Vorlage eines erweiterten Führungs-
derlich ist (§ 72a Absatz 3 und 4 SGB VIII), mittelbar eine zeugnisses nach § 30a BZRG bei Aufnahme der Tätigkeit
Informationspflicht resultieren. Angesichts der unterschied- bzw. in regelmäßigen Abständen. Unter „regelmäßigen Ab-
lichen Formen und Einsatzmöglichkeiten wird die Entschei- ständen“ sind Zeitabstände zu verstehen, die grundsätzlich
dung über die Notwendigkeit der Einsichtnahme erweiterter nicht unter drei und nicht über fünf Jahren liegen sollten.
Führungszeugnisse von ehrenamtlich tätigen Personen den Über die Kostentragung für das erweiterte Führungszeugnis
Trägern der Jugendhilfe vor Ort vorbehalten. Dabei kom- entscheidet der Träger der öffentlichen Jugendhilfe. Trifft er
men die Einsichtnahme eines erweiterten Führungszeugnis- keine Entscheidung trägt die Person die Kosten, die den An-
ses und damit mittelbar eine Informationspflicht für Bürge- trag auf das Führungszeugnis stellt. Zum Zwecke der Aus-
rinnen und Bürger nur dann in Betracht, wenn ihre Tätigkeit übung einer ehrenamtlichen Tätigkeit kann nach § 12 der
Justizverwaltungskostenordnung (JVKostO) die für den An-
● ehrenamtlich unter der Verantwortung eines Trägers der trag zuständige Behörde die Gebühren ermäßigen oder von
öffentlichen oder der freien Jugendhilfe im Hinblick auf der Erhebung der Kosten absehen, wenn dies geboten er-
die Erbringung von Leistungen der Kinder- und Jugend- scheint.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 35 – Drucksache 17/6256

Anlage 2

Stellungnahme des Nationalen Normenkontrollrates

Der Nationale Normenkontrollrat hat den Entwurf auf Büro-


kratiekosten, die durch Informationspflichten begründet
werden, geprüft.
Mit dem Entwurf wird für die Wirtschaft eine neue Informa-
tionspflicht eingeführt und eine Informationspflicht geän-
dert, wodurch insgesamt allenfalls marginale Mehrkosten
entstehen werden.
Für die Verwaltung werden zur Verbesserung des Kinder-
schutzes vier neue Informationspflichten eingeführt.
Informationspflichten für Bürgerinnen und Bürger werden
durch das Regelungsvorhaben nicht geändert. Allerdings
könnte es mittelbar die Verpflichtung zur Vorlage von quali-
fizierten Führungszeugnissen beeinflussen. Um hier jedoch
eine Ausweitung der vorhandenen Informationspflichten
auszuschließen, hat das Ressort in der Begründung ausge-
führt, unter welchen Voraussetzungen und in welchen zeitli-
chen Abständen die Vorlagepflicht begründet ist. Zudem hat
es darauf hingewiesen, dass die für den Antrag zuständige
Behörde die Gebühren bei Führungszeugnissen zum Zwe-
cke der Ausübung einer ehrenamtlichen Tätigkeit ermäßigen
oder von der Erhebung der Kosten absehen kann (§ 12
JVKostO).
Das Ressort hat dargelegt, dass die neuen Informations-
pflichten notwendig sind, um z. B. in Fällen akuter Kinds-
wohlgefährdung die Kooperation der beteiligten Institutio-
nen zu verbessern und insbesondere eine ausreichende In-
formation des Jugendamtes sicherzustellen. Ob und ggf. in
welchem Umfang daraus für die Verwaltungspraxis ein zu-
sätzlicher Aufwand im Hinblick auf den bestehenden Pflich-
tenkatalog erwächst, kann nicht abschließend beurteilt wer-
den. Insgesamt dürfte das Regelungsvorhaben aber nur zu
einem geringen Bürokratiemehraufwand führen, da einige
Informationspflichten nunmehr lediglich explizit benannt
und konkretisiert werden.
Vor diesem Hintergrund hat der Nationale Normenkontroll-
rat im Rahmen seines Mandats keine Bedenken.
Drucksache 17/6256 – 36 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Anlage 3

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat hat in seiner 883. Sitzung am 27. Mai 2011 verbänden der Krankenkassen abgeschlossene Ver-
beschlossen, zu dem Gesetzentwurf gemäß Artikel 76 Ab- trag über die Versorgung mit Hebammenhilfe enthält
satz 2 des Grundgesetzes wie folgt Stellung zu nehmen: in der als Anlage 1 zu diesem Vertrag beigefügten
Hebammen-Vergütungsvereinbarung Bestimmungen
1. Zum Gesetzentwurf allgemein über die gegenüber der Krankenkasse abrechnungsfä-
higen Leistungen. Ohne eine ärztliche Anordnung
a) Der Bundesrat begrüßt die generelle Zielsetzung des sind innerhalb der ersten zehn Tage maximal 20 Leis-
Regierungsentwurfs für ein Bundeskinderschutzge- tungen (Wochenbettbetreuung und Beratung) abrech-
setz, insbesondere das ausgewogene Verhältnis zwi- nungsfähig, zwischen dem elften Tag nach der Ge-
schen der Stärkung des Schutzauftrags und dem prä- burt bis zum Ablauf von acht Wochen nach der Ge-
ventiven Schutz von Kindern und Jugendlichen. burt sind insgesamt bis zu 16 weitere Leistungen ab-
Gleichzeitig bedauert er jedoch ausdrücklich, dass rechnungsfähig.
der Gesetzentwurf Prävention in diesem Sinne als
alleinige Aufgabe der öffentlichen Jugendhilfe im Da viele gesundheitliche Schwierigkeiten (Wochen-
Rahmen des Achten Buches Sozialgesetzbuch bett-Depressionen, Schreikinder, Fragen der Ernäh-
(SGB VIII) – Kinder- und Jugendhilfe – ausgestaltet. rung des Kindes usw.) erst nach dem zweiten Monat
Der eigenständige rechtliche und politische Stellen- auftreten, ist die Ausweitung der Hebammenleistun-
wert des Gesetzes zur Kooperation und Information gen seit einigen Jahren immer wieder ein Thema in
im Kinderschutz (KKG) als Teil des Bundeskinder- der Fachdiskussion. Eine bei Bedarf mögliche zeitli-
schutzgesetzes begründet sich vor allem dadurch, che Verlängerung der Hebammenleistungen kann ei-
dass „Frühe Hilfen“ gemeinsame Aufgabe sowohl nen wichtigen Beitrag zur Prävention vor gesundheit-
der Kinder- und Jugendhilfe als auch des Gesund- lichen Schäden des Kindes auch durch Vernachlässi-
heitsbereichs sind. gung oder Misshandlung leisten. Die Ausweitung
zielt auf die Förderung des gesunden Aufwachsens
Im Rahmen der „Frühen Hilfen“ spielt die gesunde des Kindes. Sie erspart gesundheitliche Folgekosten
Entwicklung von Kindern eine wesentliche Rolle. In- und ist daher gesundheitspolitisch sinnvoll und gebo-
sofern wäre es konsequent und notwendig, auch die ten. Der Bundesrat fordert daher, die Kostenerstat-
Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens im tung durch die gesetzliche Krankenversicherung nach
Fünften Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) – Gesetzli- dem SGB V für Hebammenleistungen zeitlich auf
che Krankenversicherung – zur frühzeitigen Unter- sechs Monate zu verlängern (ohne die Zahl der 36
stützung von Familien in belasteten Lebenssituatio- abrechenbaren Besuche zu erhöhen).
nen zu verbessern. Hierzu legte eine gemeinsam von
Gesundheitsministerkonferenz (GMK) und Jugend- 2. Zu Artikel 1 (§ 1 Überschrift, Absatz 1 und 4 und § 3
und Familienministerkonferenz (JFMK) eingesetzte Überschrift, Absatz 1 und 4 KKG)
Arbeitsgruppe im Jahr 2009 einen Bericht vor, der
Regelungslücken an der Schnittstelle von SGB V und Artikel 1 ist wie folgt zu ändern:
SGB VIII benennt und entsprechende Änderungsvor- a) § 1 ist wie folgt zu ändern:
schläge aufzeigt. Die Vorschläge wurden im Gesetz-
entwurf größtenteils nicht aufgegriffen, obwohl er aa) Die Überschrift ist wie folgt zu fassen:
selbst die Notwendigkeit der Verbesserung der „Förderung von Kindeswohl und Kindergesund-
Rechtsgrundlagen in der Kinder- und Jugendhilfe heit in staatlicher Mitverantwortung“.
und im Bereich der Schnittstelle zum Gesundheits-
wesen konstatiert. Sie sollten daher weiterverfolgt bb) In Absatz 1 sind nach dem Wort „Entwicklung“
werden. die Wörter „und Gesundheit“ einzufügen.

b) Der Bundesrat unterstützt die Intention des Gesetzes, cc) Absatz 4 ist wie folgt zu fassen:
die lokalen Netzwerke „Früher Hilfen“ durch den „Zu diesem Zweck umfasst die Unterstützung
Einsatz von Hebammen zu stärken. Er teilt die Hal- der Eltern bei der Wahrnehmung ihres Erzie-
tung der Bundesregierung, dass Hebammenleistun- hungsrechts und ihrer Erziehungsverantwortung
gen im Zusammenhang mit der Geburt und unmittel- durch die staatliche Gemeinschaft insbesondere
bar danach für Prävention und Gesundheitsförderung auch Information, Familienbildung, Beratung,
bei dem Neugeborenen und der Mutter wichtig sind. Förderung von Kindergesundheit und Hilfe.
Hebammen können Familien, zu denen sie typischer- Kern ist die Vorhaltung eines möglichst frühzei-
weise einen guten Zugang haben, frühzeitig unter- tigen, koordinierten und multiprofessionellen
stützen; damit können sie eine wichtige Brücken- Angebots im Hinblick auf die Entwicklung von
funktion zur Jugendhilfe erfüllen. Der auf der Kindern und ihrer Gesundheit, vor allem in den
Rechtsgrundlage des § 134a SGB V zwischen den ersten Lebensjahren für Mütter und Väter sowie
Berufsverbänden der Hebammen und den Spitzen- schwangere Frauen und werdende Väter (Frühe
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 37 – Drucksache 17/6256

Hilfen), insbesondere durch Leistungen der Ge- Heilberufe“ (wie z. B. Gesundheits- und (Kinder-)Kran-
burts- und Kinderkliniken, der Hebammen, der kenpfleger und Hebammen) als „Gesundheitsfachbe-
Frauenarzt- und Kinderarztpraxen sowie der rufe“ oder „Medizinalfachberufe“ bezeichnet werden.
Schwangerenberatungsstellen.“ Da in das Netzwerk gerade auch Gesundheits- und (Kin-
b) § 3 ist wie folgt zu ändern: der-)Krankenpfleger und Hebammen als Partner im Ge-
sundheitswesen eingebunden werden sollen, muss dies
aa) Die Überschrift ist wie folgt zu fassen: durch die Einfügung zum Ausdruck gebracht werden.
„Rahmenbedingungen für verbindliche Netz-
werkstrukturen im Kinderschutz und zum Erhalt 4. Zu Artikel 1 (§ 3 Absatz 2 Satz 2 und 3,
von Kindergesundheit“. Absatz 3 Satz 1 und Satz 1a – neu –
KKG)
bb) In § 3 Absatz 1 sind nach den Wörtern „zu klä-
ren“ die Wörter „, primärpräventive Leistungen In Artikel 1 ist § 3 wie folgt zu ändern:
zum Erhalt von Kindergesundheit zu fördern“ a) In Absatz 2 sind Satz 2 und 3 zu streichen.
einzufügen.
b) Absatz 3 ist wie folgt zu ändern:
cc) § 3 Absatz 4 ist zu streichen.
aa) In Satz 1 sind die Wörter „auf der Ebene der“
Begründung durch die Wörter „durch den“ zu ersetzen.
Kinderschutz setzt die Förderung von Kindeswohl und bb) Nach Satz 1 ist folgender Satz einzufügen:
Kindergesundheit voraus. Deshalb sollte dieses Ziel
auch in § 1 KKG benannt werden. Der Entwurf des Ge- „Die Beteiligten sollen die Grundsätze für eine
setzes zur Kooperation und Information im Kinderschutz verbindliche Zusammenarbeit in Vereinbarungen
ist dann sinnvoll, wenn auch andere als die Jugendhilfe festlegen.“
einen Beitrag zur staatlichen Mitverantwortung überneh- <entspricht Artikel 1 § 3 Absatz 2 Satz 3 des Ge-
men – besonders das Gesundheitswesen. Das wird durch setzentwurfs>
die Einfügung des Wortes „Gesundheit“ in Absatz 1 ver- Begründung
deutlicht. In Absatz 4 werden die vorrangigen Akteure
für den Vorhalt der multiprofessionellen Angebote ge- Die Formulierung, dass die verbindliche Zusammenar-
nannt. Die Singularität der „Familienhebammen“ in § 3 beit im Kinderschutz als Netzwerk „auf der Ebene“ der
Absatz 4 kann dann entfallen. Dieser Satz ist auch in § 3 örtlichen Jugendhilfeträger zu organisieren ist, lässt die
nicht zielführend, da die Arbeit der Netzwerke nicht Verantwortlichkeit für die Organisation des Netzwerks
durch Familienhebammen befördert werden kann. Deren völlig offen, sofern Landesrecht keine Regelung trifft.
Aufgabe ist es vielmehr, die Kindergesundheit zu för- Dies ist unzulänglich, weil es im Interesse des Kinder-
dern und bestimmte Angebote zusammenzuführen. schutzes wichtig ist, auf jeden Fall die grundsätzliche
Verantwortlichkeit klar zu regeln.
3. Zu Artikel 1 (§ 3 Absatz 2 Satz 1 KKG) Die Verantwortung für Kinderschutznetzwerke ist Auf-
In Artikel 1 ist § 3 Absatz 2 Satz 1 wie folgt zu ändern: gabe der Jugendhilfe und sollte daher auch eindeutig
a) Die Angabe „Schwangerschafts- und“ ist zu strei- beim örtlichen Jugendhilfeträger liegen. Dieser wäre
chen. dann auch für eine eventuelle Übertragung der Planung
und Steuerung auf eine andere beteiligte Institution zu-
b) Nach dem Wort „Problemlagen,“ sind die Wörter ständig. Bei der derzeitigen Regelung in § 3 Absatz 2
„Beratungsstellen nach den §§ 3 und 8 des Schwan- KKG bleibt unklar, wer für die Planung und Steuerung
gerschaftskonfliktgesetzes,“ einzufügen. von Netzwerken übertragungsbefugt ist.
c) Nach den Wörtern „Angehörige der Heilberufe“ sind Eine andere landesrechtliche Regelung bliebe davon un-
die Wörter „und der Gesundheitsfachberufe“ einzu- berührt.
fügen.
Ob die Organisation der Netzwerke „auf der Ebene“ der
Begründung örtlichen Träger der Jugendhilfe organisiert wird, oder
Um sicherzustellen, dass ausschließlich fachlich qualifi- welche überregionalen Zusammenschlüsse sinnvoll sind,
zierte Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktbera- sollte der Organisationshoheit der örtlichen Träger der
tungsstellen einen Anspruch auf Mitwirkung in den Jugendhilfe überlassen bleiben.
Netzwerken vor Ort geltend machen können, ist ein ex-
pliziter Verweis auf die §§ 3 und 8 des Schwanger- 5. Zu Artikel 1 (§ 4 Absatz 1 Nummer 7 und 8 – neu –
schaftskonfliktgesetzes unerlässlich. Diese Konkretisie- KKG)
rung vereinfacht die Netzwerkbildung vor Ort und si- In Artikel 1 ist § 4 Absatz 1 wie folgt zu ändern:
chert die Mitarbeit der anerkannten Beratungsstellen ab.
Diese Beratungsstellen sind auch sprachlich von Bera- a) In Nummer 7 sind die Wörter „öffentlichen Schulen“
tungsstellen für soziale Problemlagen wie beispielsweise durch die Wörter „öffentlichen und privaten Schulen
Schuldnerberatungsstellen oder Beratungsstellen bei se- oder“ zu ersetzen.
xuellem Missbrauch zu trennen. b) Nach Nummer 7 ist folgende Nummer 8 einzufügen:
Mit der Bezeichnung „Heilberufe“ werden nur die aka- „8. sozialpädagogische und therapeutische Fach-
demischen Heilberufe (Arzt, Zahnarzt, Psychothera- kräfte in Einrichtungen der Jugendhilfe und der
peut, Apotheker) erfasst, während die „nichtärztlichen Eingliederungshilfe“.
Drucksache 17/6256 – 38 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Begründung Nur eine solche Regelung wird dem in der Begründung


Die bisherige Aufzählung der betroffenen Berufsgrup- des Gesetzentwurfs angesprochenen aktiven Kinder-
pen ist unvollständig. Die vorgenommenen Ergänzungen schutz gerecht und schafft die dringend erforderliche
sind im Hinblick auf die in den Nummern 1 bis 7 ausge- Rechtssicherheit. Durch den angefügten Absatz 4 wird
blendeten relevanten Berufsgruppen sachlich unver- klargestellt, dass weitergehendes Landesrecht die ent-
zichtbar. sprechenden bundesrechtlichen Regelungen insoweit er-
gänzen kann.
6. Zu Artikel 1 (§ 4 Absatz 1 KKG),
Artikel 2 Nummer 4 Buchstabe a Doppelbuch- 8. Zu Artikel 2 Nummer 4 Buchstabe b (§ 8a Absatz 4
stabe bb (§ 8a Absatz 1 Satz 2 SGB VIII) und Satz 2 SGB VIII)
Buchstabe b (§ 8a Absatz 4 Nummer 3 SGB VIII) In Artikel 2 Nummer 4 Buchstabe b sind in § 8a Ab-
Der Gesetzentwurf ist wie folgt zu ändern: satz 4 Satz 2 nach dem Wort „hinzuziehenden“ die Wör-
ter „insoweit erfahrenen“ und nach dem Wort „Fach-
a) In Artikel 1 sind in § 4 Absatz 1 jeweils nach dem kräfte“ die Wörter „der Träger“ einzufügen.
Wort „Personensorgeberechtigten“ die Wörter „oder
den Erziehungsberechtigten“ einzufügen. Begründung

b) Artikel 2 Nummer 4 ist wie folgt zu ändern: § 8a Absatz 4 Satz 2 SGB VIII enthält verschiedene Be-
grifflichkeiten, die im Hinblick auf Verantwortlichkeiten
aa) In Buchstabe a Doppelbuchstabe bb sind in § 8a und Aufgaben missverständlich sind. Wenn die „inso-
Absatz 1 Satz 2 nach dem Wort „Erziehungsbe- weit erfahrene Fachkraft“ gemeint ist, sollte sie durch-
rechtigten“ die Wörter „oder die Personensorge- gängig auch so bezeichnet werden.
berechtigten“ einzufügen.
Die Änderung dient der Klarstellung, dass nur eine im
bb) In Buchstabe b sind in § 8a Absatz 4 Nummer 3 Kinderschutz erfahrene Fachkraft als „insoweit erfah-
nach dem Wort „Erziehungsberechtigten“ die ren“ gelten kann, als die insoweit erfahrene Fachkraft in
Wörter „oder Personensorgeberechtigten“ einzu- beratender Funktion tätig ist, und dass das Hinwirken
fügen. auf die Inanspruchnahme von Hilfen bei den Sorgebe-
Begründung rechtigten nicht zu ihren Aufgaben gehört, sondern zu
den Aufgaben der jeweiligen Fachkraft des Trägers von
Im Gesetzentwurf werden die Begriffe „Personensorge- Einrichtungen und Diensten.
berechtigte“ und „Erziehungsberechtigte“ wechselnd
und teilweise synonym verwandt. Personensorgeberech- 9. Zu Artikel 2 Nummer 8 (§ 17 Absatz 2 – neu – und 3
tigte und Erziehungsberechtigte sind aber nicht immer SGB VIII)
identisch. Wer im Kinderschutz in die Erörterung der
Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung einzube- Artikel 2 Nummer 8 ist wie folgt zu fassen:
ziehen ist, hängt von den individuellen Lebensbedingun- ,8. § 17 wird wie folgt geändert:
gen des Minderjährigen ab. So kann z. B. die Einbe-
ziehung des Vormunds als Personensorgeberechtigter a) Absatz 2 wird wie folgt geändert:
nachrangig gegenüber denjenigen Personen sein, die den aa) Nach dem Wort „Sorge“ werden die Wörter
alltäglichen Umgang mit dem Kind und damit tatsäch- „und der elterlichen Verantwortung“ einge-
lichen Einfluss auf die Gefährdungssituation haben. fügt.
Für Geheimnisträger ist in der Praxis nicht selten der Er- bb) Der zweite Halbsatz wird wie folgt gefasst:
ziehungsberechtigte der Kontaktpartner. Es kann von „dieses Konzept kann auch als Grundlage
dem Geheimnisträger nicht erwartet werden, dass er je- für einen Vergleich oder eine gerichtliche
weils klärt, wer für das Kind der Personensorgeberech- Entscheidung im familiengerichtlichen Ver-
tigte ist, um mit diesem entsprechend der gesetzlichen fahren dienen“.
Regelung die Situation zu erörtern und auf die Inan-
b) In Absatz 3 wird … <weiter wie Gesetzentwurf >.‘
spruchnahme von Hilfen hinzuwirken.
Begründung
Es ist daher erforderlich, immer beide Berechtigte zu
nennen. Die Einbeziehung von Personensorgeberechtig- Zu Buchstabe a
ten oder Erziehungsberechtigten entspricht auch den be- Es handelt sich um eine notwendige klarstellende Ergän-
währten Regelungen in § 8a Absatz 2 und 3 SGB VIII. zung vor dem Hintergrund der Änderungen durch das Ge-
setz über das Verfahren in Familiensachen und in den An-
7. Zu Artikel 1 (§ 4 Absatz 4 – neu – KKG) gelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG).
In Artikel 1 ist dem § 4 folgender Absatz 4 anzufügen: Im familiengerichtlichen Verfahren, in dem das Jugend-
„(4) Weitergehendes Landesrecht bleibt unberührt.“ amt mitwirkt, wird auf die Möglichkeiten der Beratung
in der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere zur Ent-
Begründung wicklung eines einvernehmlichen Konzepts für die
In mehreren Ländern existiert bereits eine gesetzliche Wahrnehmung der elterlichen Sorge und der elterlichen
Pflicht, wonach die in § 4 Absatz 1 KKG genannten Per- Verantwortung, hingewiesen (§ 156 FamFG). Ziel ist da-
sonen nicht nur befugt, sondern verpflichtet sind, dem bei, grundsätzlich ein Einvernehmen der Beteiligten zu
Jugendamt entsprechende Anhaltspunkte mitzuteilen. erreichen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 39 – Drucksache 17/6256

Aus diesem Grund ist es erforderlich, § 17 Absatz 2 verantwortlich. Das Personal der Kindertageseinrich-
SGB VIII deckungsgleich zu formulieren. Für be- tungen ist dafür hingegen nicht ausreichend ausgebil-
stimmte Streitfälle über die Wahrnehmung der elterli- det.
chen Verantwortung, z. B. beim vom Sorgerecht unab- Der Bundesrat geht daher davon aus, dass mit der im
hängigen Umgangsrecht, muss eindeutig sein, dass Gesetzentwurf vorgesehenen Formulierung „die ge-
auch hier eine Konzeptentwicklung eingeschlossen ist. sundheitliche Vorsorge und die medizinische Betreu-
Bei Einvernehmen über den Umgang oder die Heraus- ung … gesichert sind“ keine wesentlich veränderte
gabe des Kindes, ist die einvernehmliche Regelung Aufgabenstellung der Kindertageseinrichtungen ver-
nach § 156 Absatz 2 FamFG als Vergleich aufzuneh- bunden ist. Dies ist im weiteren Gesetzgebungsverfah-
men, wenn das Gericht diese billigt. Es kommt daher ren klarzustellen.
nicht immer zu einer gerichtlichen Entscheidung. Der
zweite Halbsatz von § 17 Absatz 2 SGB VIII ist ent- 11. Zu Artikel 2 Nummer 16 Buchstabe b
sprechend zu ergänzen. (§ 59 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 und 4 – neu –, 9 und
Satz 2 SGB VIII)
10. Zu Artikel 2 Nummer 13 (§ 45 Absatz 2 Nummer 2
Artikel 2 Nummer 16 Buchstabe b ist wie folgt zu fas-
SGB VIII)
sen:
Der Bund wird gebeten, im weiteren Gesetzgebungs- ,b) Absatz 1 wird wie folgt geändert:
verfahren klarzustellen, dass Trägern von Kindertages-
einrichtungen durch die in Artikel 2 Nummer 13 (§ 45 aa) Satz 1 wird wie folgt geändert:
Absatz 2 Nummer 2 SGB VIII) für Kinderheime vor- aaa) In Nummer 3 werden nach dem Wort
gesehene Verschärfung der Anforderung zur Sicher- „hat“ die Wörter „; die Befugnis zur Be-
stellung der gesundheitlichen Vorsorge und medizini- urkundung gilt auch für die Zeit nach ei-
schen Betreuung nicht eine originäre Handlungsver- nem gesetzlichen Übergang dieser Unter-
pflichtung auferlegt wird. haltsansprüche auf einen Rechtsnachfol-
Begründung ger fort“ eingefügt.
Der Gesetzentwurf erweitert die Anforderungen für die bbb) In Nummer 4 werden nach dem Wort „be-
Erteilung einer Betriebserlaubnis, die sowohl Kinder- urkunden“ die Wörter „; die Befugnis zur
tageseinrichtungen als auch Heime benötigen. Beurkundung gilt auch für die Zeit nach
einem gesetzlichen Übergang dieser Un-
Die Begründung des Entwurfs verdeutlicht, dass der terhaltsansprüche auf einen Rechtsnach-
Fokus der geplanten Änderung des § 45 SGB VIII auf folger fort“ eingefügt.
dem Schutz derjenigen Kinder und Jugendlichen liegt,
die der elterlichen Erziehungsverantwortung aufgrund ccc) In Nummer 9 … <weiter wie Gesetzent-
räumlicher Distanz oder aus anderen Gründen durch wurf>.
Betreuung „Tag und Nacht“ entzogen sind. Dies trifft bb) In Satz 2 … <weiter wie Gesetzentwurf>.‘
auf die Betreuung in einer Kindertageseinrichtung ge-
rade nicht zu. Nichtsdestotrotz ist von der derzeitigen Begründung
Formulierung des Gesetzentwurfs jede Einrichtung er- Zu Buchstabe b Doppelbuchstabe aa Dreifachbuch-
fasst, für die ein Erlaubnisvorbehalt nach § 45 Absatz 1 stabe aaa und bbb
SGB VIII besteht.
Die vorgeschlagenen Änderungen korrespondieren mit
Im Aufgabenkanon der Kindertageseinrichtungen, den den aktuellen gemeinsamen Bemühungen des Bundes
§§ 22, 22a Absatz 1 SGB VIII, wird deren Förderauf- und der Länder um eine Entbürokratisierung des Un-
trag bundesrechtlich abschließend mit Erziehung, Bil- terhaltsvorschussgesetzes. Sind Unterhaltsansprüche
dung und Betreuung festgelegt. Hierin wird die päd- des Kindes auf den Träger der Unterhaltsvorschussleis-
agogische Grundkonzeption deutlich. Die in § 22 tungen oder anderer Sozialleistungen, etwa nach dem
Absatz 3 Satz 1 SGB VIII genannte Förderung der SGB II, übergegangen, erleichtert die Erweiterung der
körperlichen Entwicklung eines Kindes umfasst dem- Beurkundungsbefugnis der Urkundsperson im Jugend-
entsprechend nicht die Übernahme der medizinischen amt an dieser Stelle die Geltendmachung und Durch-
Verantwortung. setzung der Ansprüche.
Die Sicherstellung der gesundheitlichen Vorsorge und
medizinischen Betreuung durch Kindertageseinrich- 12. Zu Artikel 2 Nummer 19 (§ 74 Absatz 1 Satz 1
tungen ist durch die genannten gesetzlichen Aufgaben Nummer 1 SGB VIII),
nicht erfasst. In Artikel 2 Nummer 13 (§ 45 Absatz 2 Nummer 20 (§ 79 Absatz 2 Satz 1
Nummer 2 SGB VIII) ist darauf zu achten, dass durch Nummer 2 SGB VIII) und
die Voraussetzungen für die Erteilung einer Betriebser- Nummer 21 (§ 79a SGB VIII)
laubnis für Kindertageseinrichtungen die gesetzlichen Artikel 2 ist wie folgt zu ändern:
Aufgaben nicht erweitert und keine neuen Standards
gesetzt werden, die Kindertageseinrichtungen im Rah- a) Nummer 19 ist zu streichen.
men ihres Auftrags nicht erfüllen können. Zudem sind b) In Nummer 20 sind in § 79 Absatz 2 Satz 1 Num-
Dritte – Gesundheitsämter, Ärzte – für die gesundheit- mer 2 die Wörter „nach Maßgabe von § 79a“ zu
liche Vorsorge und die medizinische Betreuung primär streichen.
Drucksache 17/6256 – 40 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

c) Nummer 21 ist zu streichen. ferenzierter Lösungsansätze bedürfen. Erforderlich


sind eine enge Vernetzung und ein abgestimmtes Vor-
Begründung gehen aller am Reaktions- und Interventionsprozess
Um den Kinder- und Jugendschutz zu stärken, ist un- beteiligten Organisationen und Einrichtungen, und
strittig eine weitere Qualitätsentwicklung in der Kin- zwar sowohl für den Bereich des Strafverfahrens als
der- und Jugendhilfe erforderlich. Entsprechend hatte auch für den Bereich der Jugendhilfe, um auf diese
sich beispielsweise schon die Unterarbeitsgruppe der Weise zum Schutz der betroffenen jungen Menschen
AG I „Prävention – Intervention – Information“ des ein weiteres Abgleiten in die Kriminalität zu verhin-
Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ geäu- dern. Eine Zusammenarbeit der Jugendhilfebehörden
ßert und eine Verankerung von Mindeststandards, aus- im Rahmen ihrer Aufgaben und Befugnisse auch mit
drücklich aber nicht von überkomplexen und detailrei- den Staatsanwaltschaften ist hier von grundlegender
chen arbeitsfeldspezifischen Standards gefordert. Die Bedeutung, da gerade durch die Staatsanwaltschaften
Bundesregierung setzt mit dem vorgelegten Gesetzent- im Rahmen des Ermittlungsverfahrens vielfach schon
wurf auf eine staatliche Definition fachlicher Standards die Weichen für den weiteren Verfahrensgang gestellt
und deren Vereinbarung mit den Trägern der freien Ju- werden.
gendhilfe bzw. auf Landesebene auf Rahmenverträge
zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und den 14. Zu Artikel 2 Nummer 22 (§ 81 Nummer 4 und Num-
Wohlfahrtsverbänden sowie sonstigen Vereinigungen mer 4a – neu – SGB VIII)
von Leistungserbringern. In Artikel 2 Nummer 22 ist § 81 wie folgt zu ändern:
Dies erscheint nicht sachgerecht. Insbesondere das Ar- a) In Nummer 4 werden das Komma nach dem Wort
beitsfeld der Kinder- und Jugendarbeit ist so vielgestal- „Gesundheitsdienstes“ und die Wörter „den
tig, dass generelle Vorgaben für alle Arbeitsfelder zu Schwangerschaftsberatungsstellen“ gestrichen.
wenig sinnvollen und praxisnahen Vorgaben führen
würden. Andererseits würden differenzierte, an die Un- b) Nach Nummer 4 ist folgende Nummer 4a einzufü-
terschiede der Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendar- gen:
beit angepasste Vorgaben voraussichtlich sehr detail- „4a. den Beratungsstellen nach den §§ 3 und 8 des
liert und tendenziell überkomplex geraten. Dieses Pro- Schwangerschaftskonfliktgesetzes,“.
blem stellt sich in ähnlicher Form auch in anderen
Leistungs- und Aufgabenbereichen. Der Notwendig- Begründung
keit von Qualitätsentwicklung und insbesondere den Die Beratungsstellen nach den §§ 3 und 8 des Schwan-
Schutzinteressen der Kinder und Jugendlichen kann so gerschaftskonfliktgesetzes sind kein Bestandteil des
nicht angemessen Rechnung getragen werden. Alterna- Gesundheitswesens und deshalb gesondert zu benen-
tiv besteht – ohne dass es dazu gesetzlicher Änderun- nen.
gen bedürfte – die Möglichkeit, sinnvolle einzelfall-
bezogende Vorgaben in Zuwendungsbescheide auf-
15. Zu Artikel 2 Nummer 24a – neu –
zunehmen. Dies wäre eine arbeitsökonomische und
(§ 87c Absatz 2 Satz 1, Absatz 3 Satz 3 und
unbürokratische Möglichkeit, die gebotene Qualitäts-
Satz 3a – neu – SGB VIII)
entwicklung und den Schutz der Kinder und Jugend-
lichen sicherzustellen, zumal eingespielte Prüfverfah- In Artikel 2 ist nach Nummer 24 folgende Nummer 24a
ren die konkrete Umsetzung der Vorgaben begleiten. einzufügen:
Bei kommunaler Trägerschaft kann alles Erforderliche
,24a. § 87c wird wie folgt geändert:
in eigener Verantwortung der Kommunen durchgeführt
werden. Nach allem ist zur Förderung der Qualitätsent- a) Absatz 2 Satz 1 wird wie folgt gefasst:
wicklung und des damit verbundenen Schutzes von
Kindern und Jugendlichen keine gesetzliche Regelung „Sobald im Fall des Absatzes 1 die Mutter
erforderlich. Auf § 79a SGB VIII kann verzichtet wer- oder im Fall des Absatzes 4 die annehmende
den. Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt im
Bereich eines anderen Jugendamtes nimmt,
beantragt das die Amtsvormundschaft füh-
13. Zu Artikel 2 Nummer 22 (§ 81 Nummer 2 SGB VIII) rende Jugendamt bei dem anderen Jugendamt
In Artikel 2 Nummer 22 sind in § 81 Nummer 2 nach die Weiterführung der Amtsvormundschaft,
dem Wort „Jugendgerichten“ die Wörter „, den Staats- sofern das Wohl des Kindes oder Jugend-
anwaltschaften“ einzufügen. lichen dem nicht entgegensteht.“

Begründung b) Absatz 3 wird wie folgt geändert:


aa) Satz 3 wird wie folgt gefasst:
Staatliche Reaktionen auf abweichendes oder delin-
quentes Verhalten junger Menschen sind nach wie vor „Sobald das Kind oder der Jugendliche
vielfach dadurch gekennzeichnet, dass sie mit Verzö- seinen gewöhnlichen Aufenthalt wech-
gerungen und nicht aufeinander abgestimmt erfolgen. selt, stellt das Jugendamt beim Familien-
Dabei wird verkannt, dass die Gründe, warum junge gericht einen Antrag auf Entlassung, so-
Menschen strafrechtlich in Erscheinung treten, sehr fern das Wohl des Kindes oder Jugend-
vielschichtig und komplex sind und entsprechend dif- lichen dem nicht entgegensteht.“
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 41 – Drucksache 17/6256

bb) Nach Satz 3 wird folgender Satz einge- Begründung


fügt: Die Erhebung der wöchentlichen Betreuungszeit der in
„Im Fall des Satzes 2 stellt es den Antrag Tageseinrichtungen und in Kindertagespflege geför-
sobald das Wohl des Kindes oder Ju- derten Kinder ist in Anbetracht der Vielzahl von Be-
gendlichen es erfordert.“‘ treuungszeitmodellen mit unterschiedlichsten wö-
chentlichen Betreuungszeiten (z. B. nur tageweise Be-
Begründung treuung oder Betreuung an sechs Tagen pro Woche) er-
forderlich, um einen umfassenden Überblick über den
Zu Buchstabe a
Betreuungsumfang der einzelnen Kinder zu erhalten.
Nach der geltenden Rechtslage hat bei einem Wechsel
des gewöhnlichen Aufenthaltes der Mutter das bisher 17. Zu Artikel 3 Nummer 01 – neu – (§ 11 Absatz 4 Satz 4
zuständige Jugendamt zwingend die Weiterführung der und § 39 Absatz 1 Satz 3 SGB V) und Nummer 3
Amtsvormundschaft beim Jugendamt des anderen Be- – neu – (§ 3 Nummer 6 – neu – KHEntgG)
reichs zu beantragen. Aufgrund der Änderungen ist Artikel 3 ist wie folgt zu ändern:
dieser Antrag bei der Neubegründung eines gewöhnli-
chen Aufenthaltes in einem anderen Zuständigkeitsbe- a) Der Nummer 1 ist folgende Nummer 01 voranzu-
reich künftig nicht mehr zwingend zu stellen, sondern stellen:
nur dann, wenn das Kindeswohl dem nicht entgegen- ,01. Das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch – Gesetzli-
steht. Der Anwendungsbereich dieser Regelung wird che Krankenversicherung – (Artikel 1 des Ge-
außerdem auf die in Absatz 4 geregelten Vormund- setzes vom 20. Dezember 1988, BGBl. I
schaften, die im Rahmen des Verfahrens zur Annahme S. 2477, 2482), das zuletzt durch … geändert
als Kind eintreten (Adoptionsvormundschaften nach worden ist, wird wie folgt geändert:
§ 1751 Absatz 4 BGB), erstreckt.
aa) In § 11 Absatz 4 Satz 4 werden nach den
Zu Buchstabe b Doppelbuchstabe aa Wörtern „In das Versorgungsmanagement
sind“ die Wörter „die Träger der Leistun-
Nach der geltenden Rechtslage hat bei einem Wechsel gen (Frühe Hilfen) nach § 16 Absatz 3 des
des gewöhnlichen Aufenthaltes des Kindes oder Ju- Achten Buches sowie nach § 1 Absatz 4
gendlichen das bisher zuständige Jugendamt zwingend des Gesetzes zur Kooperation und Infor-
beim Familiengericht einen Antrag auf Entlassung zu mation im Kinderschutz und“ eingefügt.
stellen. Durch die Änderungen ist für den Zuständig-
keitswechsel künftig nicht mehr der Aufenthaltswech- bb) In § 39 Absatz 1 Satz 3 werden nach den
sel, sondern das Kindeswohl maßgebliches Kriterium. Wörtern „die akutstationäre Behandlung
Künftig ist der Entlassungsantrag bei der Neubegrün- umfasst auch die im Einzelfall“ die Wörter
dung eines gewöhnlichen Aufenthaltes in einem ande- „erforderlichen Leistungen zum Erhalt der
ren Zuständigkeitsbereich nur dann zu stellen, wenn Kindergesundheit sowie die“ eingefügt.‘
das Kindeswohl dem nicht entgegensteht. b) Es ist folgende Nummer 3 anzufügen:
Zu Buchstabe b Doppelbuchstabe bb ,3. In § 3 Nummer 5 des Gesetzes über die Entgelte
für voll- und teilstationäre Krankenhausleistun-
Diese Formulierung entspricht inhaltlich der geltenden gen (Krankenhausentgeltgesetz – KHEntgG)
Regelung des § 87c Absatz 3 Satz 3 SGB VIII, nach vom 23. April 2002 (BGBl. I S. 1412, 1422),
der das Jugendamt „im Fall des Satzes 2“ (Kind oder das zuletzt durch … geändert worden ist, wird
Jugendlicher ohne gewöhnlichen Aufenthalt) zwin- der Punkt am Ende durch ein Komma ersetzt
gend einen Entlassungsantrag beim Familiengericht zu und folgende Nummer 6 angefügt:
stellen hat, sobald es das Wohl des Kindes oder Ju-
gendlichen erfordert. „6. Zusatzentgelte für die im Einzelfall erfor-
derlichen Leistungen zum Erhalt der
Kindergesundheit.“‘
16. Zu Artikel 2 Nummer 27 Buchstabe e Doppelbuch-
stabe bb Dreifachbuchstabe aaa und Buchstabe e1 Begründung
– neu – (§ 99 Absatz 7 Nummer 3 Buchstabe c und Die Geburts- und Kinderkliniken sind nach § 3 Absatz 2
Absatz 7a Nummer 2 Buchstabe c SGB VIII) des Entwurfs des Gesetzes zur Kooperation und Infor-
mation im Kinderschutz Teil der verbindlichen Netz-
Artikel 2 Nummer 27 ist wie folgt zu ändern:
werkstruktur im Kinderschutz. Geburts- und Kinder-
a) In Buchstabe e Doppelbuchstabe bb ist in Dreifach- kliniken können die an sie gestellte Erwartung dann er-
buchstabe aaa das Wort „tägliche“ durch das Wort füllen, wenn die dafür notwendig zu erbringenden Leis-
„wöchentliche“ zu ersetzen. tungen zum Erhalt der Kindergesundheit auch finanziert
werden.
b) Nach Buchstabe e ist folgender Buchstabe e1 einzu-
fügen: Von den Geburts- und Kinderkliniken ist zu erwarten,
dass sie künftig stärker Leistungen zum Erhalt der Kin-
,e1) In Absatz 7a Nummer 2 Buchstabe c wird vor dergesundheit erbringen, z. B. bei der Anamnese auf
dem Wort „Betreuungszeit“ das Wort „wöchent- kritische und riskante Lebensverhältnisse zu achten, um
liche“ eingefügt.‘ in der Behandlung Konsequenzen daraus ziehen, die be-
Drucksache 17/6256 – 42 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

troffenen Familien entsprechend zu beraten, weiterge- gesundheit und der Sicherung des Kindeswohls dienen.
hende Unterstützung und Förderung anzunehmen. Wei- In einigen dieser Netzwerke leisten gut geschulte eh-
terhin brauchen sie zeitliche und personelle Ressourcen, renamtlich tätige Personen einen wesentlichen Beitrag
um sich effektiv an der Netzwerkarbeit zu beteiligen. zur Unterstützung und Entlastung von Schwangeren,
Müttern und Familien. Insbesondere der präventive
Damit die Kosten der Krankenhäuser für Leistungen
Hausbesuch in der Lebenswelt des Kindes ist ein sehr
zum Erhalt der Kindergesundheit künftig abgegolten
geeignetes Instrument, um die gesundheitliche Ent-
werden, sind entsprechende Regelungen im Fünften
wicklung von Kindern in den ersten Lebensjahren
Buch Sozialgesetzbuch und im Krankenhausentgeltge-
nachhaltig zu fördern. Durch diesen primärpräventi-
setz erforderlich.
ven, sozial nicht diskriminierenden Ansatz können
auch Kindesgefährdungen vermieden bzw. frühzeitig
18. Zu Artikel 3 Nummer 02 – neu – (§ 20e – neu – erkannt werden.
SGB V)
In Artikel 3 ist der Nummer 1 folgende Nummer 02 Um diese präventiven Leistungen regionaler Netz-
voranzustellen: werke finanziell abzusichern und den Aufbau weiterer
regionaler Netzwerke zur Förderung der Gesundheit
,02. Im Fünften Buch Sozialgesetzbuch – Gesetzliche und des Wohls von Kindern zu ermöglichen, ist eine
Krankenversicherung – (Artikel 1 des Gesetzes gesetzliche Regelung im Fünften Buch Sozialgesetz-
vom 20. Dezember 1988, BGBl. I S. 2477, 2482), buch unerlässlich, welche die Krankenkassen zu einem
das zuletzt durch … geändert worden ist, wird angemessenen Zuschuss zu den von diesen Netzwer-
nach § 20d folgender § 20e eingefügt: ken erbrachten präventiven Leistungen verpflichtet.
㤠20e Durch diesen Zuschuss soll insbesondere die professio-
Primäre Prävention für Kinder durch regionale nelle Gewinnung, Schulung, Koordination und Unter-
Netzwerke stützung der ehrenamtlich tätigen Personen sicherge-
stellt werden.
(1) Die Krankenkassen fördern im Zusammen-
wirken mit den zuständigen Stellen in den Län- Das Bundeskinderschutzgesetz bestätigt die Bedeutung
dern und Kommunen, unbeschadet der Aufgaben „Früher Hilfen“ im präventiven Kinderschutz und für
Anderer, gemeinsam und einheitlich regionale eine gesunde Entwicklung des Kindes während der
Netzwerke nach § 3 des Gesetzes zur Kooperation Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren. Die
und Information im Kinderschutz und die von Überführung entsprechender Netzwerke in die Regel-
dem Netzwerk erbrachten primärpräventiven praxis durch Verbesserung der Rechtsgrundlagen auch
Leistungen zum Erhalt von Kindergesundheit. Zu im Bereich der Schnittstelle zum Gesundheitssystem
den Leistungen dieser Netzwerke können auch wird mit dem Bundeskinderschutzgesetz für erforder-
unterstützende und entlastende Leistungen, die lich gehalten. Damit wird insbesondere anerkannt, dass
von qualifizierten ehrenamtlich tätigen Personen der staatliche Schutzauftrag systemübergreifend auch
zugunsten von Schwangeren, Kindern, Müttern die im Rahmen der von regionalen Netzwerken für
und Familien aufsuchend in der Lebenswelt des Kindergesundheit erbrachten präventiven Leistungen
Kindes erbracht werden, gehören. umfasst. Mithin gehört es zu den primären Aufgaben
der gesetzlichen Krankenversicherung, diesen Teil des
(2) Der Spitzenverband Bund der Krankenkas- Leistungstatbestandes abzusichern, zumal bei den von
sen beschließt gemeinsam und einheitlich unter den Netzwerken auf Grundlage besonderer Qualitäts-
Einbeziehung unabhängigen Sachverstandes anforderungen und -standards angebotenen Leistungen
Grundsätze zu den Inhalten der Förderung von re- gesundheitliche Belange objektiv im Vordergrund ste-
gionalen Netzwerken. § 20 Absatz 1 Satz 3 gilt hen. Diese passgenauen, auf die Befähigung und Moti-
entsprechend. Zur Durchführung der Aufgaben vation zur Aneignung gesundheitlicher Kompetenzen
nach Absatz 1 schließen die Landesverbände der ausgerichteten Hilfen sind geeignet, Entwicklungsauf-
Krankenkassen und die Verbände der Ersatzkas- fälligkeiten und Entwicklungsstörungen nachhaltig zu
sen des Landes gemeinsam und einheitlich Rah- vermeiden oder zumindest weniger wahrscheinlich zu
menvereinbarungen mit den in den Ländern dafür machen.
zuständigen Stellen. Die Ausgaben der Kranken-
kassen und ihrer Verbände für die Wahrnehmung
der Aufgaben nach Absatz 1 sollen insgesamt im 19. Zu Artikel 3 Nummer 03 – neu – (§ 63 Absatz 2
Jahr 2012 für jeden ihrer Versicherten einen Be- SGB V)
trag von 0,25 Euro umfassen; sie sind in den Fol- In Artikel 3 ist der Nummer 1 folgende Nummer 03
gejahren entsprechend der prozentualen Verände- voranzustellen:
rung der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 Ab-
satz 1 SGB IV anzupassen.“‘ ,03. In § 63 Absatz 2 des Fünften Buches Sozialge-
setzbuch – Gesetzliche Krankenversicherung –
Begründung
(Artikel 1 des Gesetzes vom 20. Dezember 1988,
Während der letzten Jahre haben sich in allen Ländern BGBl. I S. 2477, 2482), das zuletzt durch … ge-
regionale Netzwerke gebildet, die mit unterschied- ändert worden ist, werden nach den Wörtern „so-
lichen Schwerpunkten und nicht selten ohne gesicherte wie zur“ die Wörter „Förderung der Kinderge-
finanzielle Absicherung der Verbesserung der Kinder- sundheit und zur“ eingefügt.‘
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 43 – Drucksache 17/6256

Begründung einheitlich in Empfehlungen die Anforderungen


an die Geeignetheit einer Einrichtung fest.“‘
Bei der Implementierung des Projektes „Ausweitung
der Hebammenleistungen“ unter Beteiligung der AOK Begründung
Bayern und der AOK Rheinland-Pfalz hat sich gezeigt,
dass § 63 SGB V eine Regelungslücke enthält. § 63 Seit dem 1. Januar 2007 ist die Vergütungsregelung für
Absatz 2 SGB V soll deshalb entsprechend ergänzt Hebammen auf eine Vertragsregelung umgestellt wor-
werden. den. Nach geltendem Recht können hiernach nur frei-
beruflich tätige Hebammen oder von Hebammen gelei-
tete Einrichtungen in der ambulanten Versorgung der
20. Zu Artikel 3 Nummer 04 – neu – (§ 134a Absatz 1
GKV tätig sein und zu Lasten der Krankenkassen ab-
Satz 1 SGB V)
rechnen, die entweder Mitglied eines Berufsverbandes
In Artikel 3 ist der Nummer 1 folgende Nummer 04 sind oder einem von diesem Berufsverband ausgehan-
voranzustellen: delten Vertrag beigetreten ist. Seit dem 1. August 2007
haben die Hebammenverbände mit den Spitzenverbän-
,04. In § 134a Absatz 1 Satz 1 des § Fünften Buches den der Krankenkassen einen Vertrag über die Versor-
Sozialgesetzbuch – Gesetzliche Krankenversiche- gung mit Hebammenhilfe nach § 134a SGB V abge-
rung – (Artikel 1 des Gesetzes vom 20. Dezember schlossen. Diese Regelung schließt aus, dass andere
1988, BGBl. I S. 2477, 2482), das zuletzt durch … Einrichtungen der ambulanten Versorgung Leistungen
geändert worden ist, werden nach den Wörtern der Hebammenhilfe der bei ihnen angestellten Heb-
„Versorgung mit Hebammenhilfe“ die Wörter amme abrechnen können.
„und deren Dauer“ eingefügt.‘
Im Zuge der fortschreitenden Flexibilisierung der Ver-
Begründung sorgungsstrukturen im Gesundheitssektor sind die Ab-
Die Länder Bayern und Rheinland-Pfalz erproben der- rechnungsmöglichkeiten der Hebamme mit der GKV
zeit gemeinsam mit der AOK Bayern und der AOK in geeigneten Fällen zu erweitern. Berufsübergrei-
Rheinland-Pfalz in den Regionen Mainz, Trier und Un- fende, vernetzte Angebote der Leistungserbringer be-
terfranken (Würzburg), welche Konsequenzen eine kommen zunehmend Bedeutung für eine integrierte
Ausweitung der Hebammenleistungen von acht Wo- und wohnortnahe Versorgung. Mit der Regelung sollen
chen auf sechs Monate für die gesundheitliche Ent- ambulante Versorgungsstrukturen erfasst werden, die
wicklung der Mütter und Kinder hat. Eine Ausweitung auch nicht durch die integrierte Versorgung gemäß
der Hebammenleistung ist grundsätzlich durch eine § 140a ff. SGB V angeboten werden können, z. B. die
entsprechende Regelung in den Mutterschaftsrichtli- sogenannten Familienhebammen, die kombinierte
nien des Gemeinsamen Bundesausschusses und durch Leistungen in karitativen Einrichtungen erbringen und
eine entsprechende vertragliche Vereinbarung über die nicht zu den sonstigen Leistungserbringern des § 140b
Versorgung mit Hebammenhilfe möglich. § 134a Absatz 1 Nummer 4 SGB V gehören.
SGB V soll daher entsprechend ergänzt werden. An der Schnittstelle von Kinder- und Jugendhilfe und
Gesundheitsversorgung kommt der Tätigkeit von Fa-
21. Zu Artikel 3 Nummer 05 – neu – (§ 134a Absatz 2a milienhebammen eine erhebliche gesellschaftspoliti-
– neu – SGB V) sche Bedeutung bei der Förderung der Kindergesund-
In Artikel 3 ist der Nummer 1 folgende Nummer 05 heit zu. Mit ihr wird gravierenden Fehlentwicklungen
voranzustellen: in der frühen Elternzeit vorgebeugt. Familienhebam-
men sind in der Regel bei Jugendhilfeträgern, sozialen
,05. In § 134a des Fünften Buches Sozialgesetzbuch – Einrichtungen oder Jugend- bzw. Gesundheitsämtern
Gesetzliche Krankenversicherung – (Artikel 1 des angestellt und erbringen neben medizinischen auch so-
Gesetzes vom 20. Dezember 1988, BGBl. I zialpädagogische Leistungen. Die Änderung bezweckt
S. 2477, 2482), das zuletzt durch … geändert wor- daher, die Möglichkeit der Abrechnung für ambulante
den ist, wird nach Absatz 2 folgender Absatz 2a Leistungen für eine angestellte Hebamme vorzusehen,
eingefügt: um bei Bedarf das Versorgungsangebot flexibel und
variabel gestalten zu können.
„(2a) Die Landesverbände der Krankenkassen
und die Ersatzkassen haben in entsprechender An- Die Änderung ermöglicht die Vereinbarung eines Ab-
wendung der Vertragsregelungen des Absatzes 1 rechnungsverhältnisses zwischen Krankenkasse und
mit geeigneten Einrichtungen Verträge über die Einrichtungsträger, das seine Rechtsgrundlage in der
Versorgung mit Hebammenhilfe und die Abrech- Leistungsverpflichtung der Krankenkassen gegenüber
nung der Leistungen zu schließen, wenn in der den Versicherten und in entsprechender Anwendung in
Einrichtung angestellte Hebammen Leistungen dem Vertrag nach § 134a Absatz 1 hat. Die privatrecht-
der Hebammenhilfe nach § 196 Reichsversiche- lichen Beziehungen der Hebammen zu den Versicher-
rungsordnung in Verbindung mit § 134a Absatz 1 ten sowie die berufsrechtlichen Bestimmungen bleiben
des Fünften Buches Sozialgesetzbuch im zeit- von der Neuregelung unberührt. Zur Sicherung der
lichen Zusammenhang mit Leistungen der Kin- Qualität und der Standards der Hebammenhilfe sind
der- und Jugendhilfe nach dem Achten Buch So- die Anforderungen an die Geeignetheit einer Einrich-
zialgesetzbuch erbringen. Die Vertragsparteien tung von den Kostenträgern und Interessenverbänden
der Verträge nach Absatz 1 legen gemeinsam und einheitlich zu gestalten. Die Vertragsautonomie der in
Drucksache 17/6256 – 44 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

§ 134a Absatz 1 benannten Parteien wird mit der For- zen. Im Rahmen der Gefährdungsabschätzung kommt
mulierung des letzten Satzes in Absatz 3 bestätigt. dem persönlichen Umfeld des Kindes oder des Jugend-
lichen eine entscheidende Bedeutung zu.
Die vorgesehene Änderung ist als Soll-Regelung wei-
tergehender als die vom Bundesrat beschlossene Kann- Für das Jugendamt können bei der Gefährdungsein-
Regelung zum Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz schätzung Informationen über eventuelle Vorstrafen
– vgl. Bundesratsdrucksache 484/10 (Beschluss) –. von Bezugspersonen des Kindes oder des Jugendlichen
zur Konkretisierung der vorhandenen Anhaltspunkte
22. Zu Artikel 3 Nummer 06 – neu – äußerst wertvoll sein. Deswegen forderte der Bundes-
(§ 294a Absatz 1 Satz 1a – neu – SGB V) rat bereits 2006, Jugendämtern eine unbeschränkte
Auskunft aus dem Zentralregister einzuräumen, wenn
In Artikel 3 ist der Nummer 1 folgende Nummer 06
ihnen gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung
voranzustellen:
des Wohls eines Kindes oder Jugendlichen bekannt
,06. In § 294a Absatz 1 des Fünften Buches Sozialge- werden und soweit sich das Ersuchen auf Personen be-
setzbuch – Gesetzliche Krankenversicherung – zieht, von denen die Gefährdung ausgeht und die mit
(Artikel 1 des Gesetzes vom 20. Dezember 1988, dem Kind oder Jugendlichen in häuslicher Gemein-
BGBl. I S. 2477, 2482), das zuletzt durch … ge- schaft leben, vgl. Bundesratsdrucksache 817/06 (Be-
ändert worden ist, wird nach Satz 1 folgender Satz schluss).
eingefügt: Zwar können Jugendämter bei gewichtigen Anhalts-
„Die Verpflichtung zur Weitergabe der Angaben punkten für eine Kindeswohlgefährdung im Einzelfall
über den möglichen Verursacher entfällt, wenn nach § 31 Absatz 2 BZRG ein erweitertes Behörden-
damit der wirksame Schutz eines Kindes oder ei- führungszeugnis beantragen. Damit haben sich die In-
ner Jugendlichen oder eines Jugendlichen in formationsmöglichkeiten der Jugendämter bereits ver-
Frage gestellt oder die Wahrscheinlichkeit einer bessert. Zur weiteren Stärkung des Schutzes Minder-
Kindeswohlgefährdung erhöht wird.“ ‘ jähriger sind jedoch zusätzliche Verbesserungen der In-
formationsbefugnisse der Jugendämter erforderlich.
Begründung
Die unbeschränkte Auskunft aus dem Bundeszentralre-
In der geltenden Fassung führt die Vorschrift zu einer gister nach § 41 BZRG hat gegenüber einem erweiter-
weitgehenden Nichterfassung von Kindeswohlgefähr- ten Behördenführungszeugnis einen entscheidenden
dungen in medizinischen Statistiken, weil Ärzte ver- Vorteil: Die Frist zur Tilgung von Eintragungen über
hindern wollen, dass die Krankenkassen die übermit- Verurteilungen aus dem Zentralregister (§ 46 BZRG)
telten Daten an die Strafverfolgungsbehörden weiter- ist regelmäßig länger als die Frist zur Nichtaufnahme
geben. Die bisherigen Erkenntnisse des Projekts „Gu- von Verurteilungen in das Führungszeugnis (§ 34
ter Start ins Kinderleben“ haben einen entsprechenden BZRG). Somit ermöglicht eine Auskunft aus dem Zen-
Änderungsbedarf sehr deutlich gemacht. § 294a Ab- tralregister eine umfassendere Information über die
satz 1 SGB V ist daher entsprechend zu ergänzen. strafrechtliche Vorgeschichte von Bezugspersonen, da
erfolgte Verurteilungen dort länger nachvollziehbar
23. Zu Artikel 3 Nummer 4 – neu – sind.
(§ 41 Absatz 1 Nummer 13 und 14 – neu – BZRG) Die unbeschränkte Auskunft aus dem Zentralregister
Dem Artikel 3 ist nach Nummer 3 – neu – folgende berührt das Grundrecht der Bezugsperson auf informa-
Nummer 4 anzufügen: tionelle Selbstbestimmung. Im Rahmen einer Abwä-
gung der kollidierenden Grundrechtspositionen nach
,4. In § 41 Absatz 1 Nummer 13 des Bundeszentral-
dem Verhältnismäßigkeitsprinzip ist unter Berücksich-
registergesetzes in der Fassung der Bekanntma-
tigung aller falltypischen Umstände dem Grundrecht
chung vom 21. September 1984 (BGBl. I S. 1229,
des Minderjährigen auf körperliche und seelische Inte-
1985 I S. 195), das zuletzt durch … geändert wor-
grität jedoch das größere Gewicht beizumessen. Da
den ist, wird der Punkt am Ende durch ein
nach geltendem Recht die für waffenrechtliche Erlaub-
Komma ersetzt und folgende Nummer 14 ange-
nisse, für die Erteilung von Jagdscheinen und für Er-
fügt:
laubnisse zum Halten eines gefährlichen Hundes zu-
„14. den Jugendämtern zur Abschätzung des Ge- ständigen Behörden eine unbeschränkte Auskunft aus
fährdungsrisikos, wenn ihnen gewichtige dem Zentralregister erhalten können, sollte sie erst
Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls recht den Jugendämtern zum Zweck des Schutzes von
eines Kindes oder Jugendlichen bekannt Minderjährigen eingeräumt werden.
werden und soweit sich das Ersuchen auf
Personen bezieht, von denen die Gefährdung 24. Zu Artikel 3 Nummer 5 – neu –
ausgeht und die mit dem Kind oder Jugendli- (§ 2 Absatz 1 Satz 2 – neu – AdWirkG)
chen in häuslicher Gemeinschaft leben.“‘
Dem Artikel 3 ist nach Nummer 4 – neu – folgende
Begründung Nummer 5 anzufügen:
Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für ,5. Dem § 2 Absatz 1 des Adoptionswirkungsgeset-
die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder Jugend- zes vom 5. November 2001 (BGBl. I S. 2950,
lichen bekannt, so hat es nach § 8a des Achten Buches 2953), das zuletzt durch … geändert worden ist,
Sozialgesetzbuch das Gefährdungsrisiko einzuschät- wird folgender Satz angefügt:
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 45 – Drucksache 17/6256

„Voraussetzung hierfür ist der Nachweis, dass 25. Zu Artikel 3 (Änderung anderer Gesetze)
eine nach § 2a Absatz 1 des Gesetzes über die
Vermittlung der Annahme als Kind und über das Der Bundesrat bittet, im weiteren Gesetzgebungsver-
Verbot der Vermittlung von Ersatzmüttern erfor- fahren die Aufnahme von Bestimmungen im Neunten
derliche internationale Adoptionsvermittlung er- Buch Sozialgesetzbuch (SGB IX) zum Schutz behin-
folgreich durchgeführt wurde.“‘ derter Kinder und Jugendlicher, die unter der Verant-
wortung anderer Sozialleistungsträger durch Einrich-
Begründung tungen und Fachdienste außerhalb der Jugendhilfe be-
treut werden, erneut zu prüfen bzw. deren Schutz an
Im Rahmen der Umsetzung des Haager Übereinkom- geeigneter anderer Stelle durch entsprechende Rechts-
mens über den Schutz von Kindern und die Zusam- vorschriften sicherzustellen.
menarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adop-
tion vom 29. Mai 1993 (HAÜ) in das deutsche Recht Begründung
wurde das Adoptionsvermittlungsrecht an die hohen
Qualitätsstandards des HAÜ angepasst. Das gesetzlich Die mit dem Bundeskinderschutzgesetz intendierte
geregelte Vermittlungsverfahren dient vor allem dazu, weitere Stärkung des Schutzes von Kindern und
eine allein am Kindeswohl orientierte Entscheidung zu Jugendlichen durch die staatliche Gemeinschaft muss
gewährleisten und jedem Missbrauch, insbesondere allen jungen Menschen zuteil werden, unabhängig da-
dem Handel mit Kindern, vorzubeugen. Gleichwohl von, ob sie in Einrichtungen und Diensten der Kinder-
bestehen Schutzlücken, da es für Adoptionswillige und Jugendhilfe oder unter Verantwortung anderer So-
auch möglich ist, unter Umgehung der deutschen Ad- zialleistungsträger betreut werden. Dies gebietet der
optionsvorschriften und Standards, die Adoption eines allgemeine Gleichbehandlungsgrundsatz sowie insbe-
Kindes im Ausland zu erwirken. In vielen Fällen findet sondere auch die UN-Kinderrechtskonvention und als
keine Prüfung der Adoptionseignung der Annehmen- zielgruppenspezifische Rahmennorm die UN-Behin-
den sowie der Adoptionsbedürftigkeit des Kindes statt. dertenrechtskonvention.
Oftmals kann nicht nachvollzogen werden, über wel-
Der Bundesrat stellt fest, dass die im Referentenent-
che Kanäle sie zu ihrem Wunschkind kommen und ob
wurf noch enthaltenen Bestrebungen, durch Einfüh-
dafür Geldleistungen an Vermittler fließen. Ebenso
rung eines neuen § 20a SGB IX auch die Rehabilita-
kann nicht ausgeschlossen werden, dass ausländische
tionsträger selbst auf den Schutzauftrag bei Kindes-
Adoptionsbeschlüsse erkauft werden.
wohlgefährdung zu verpflichten, im Kern zurückge-
Die bei einer Auswertung der Verfahren auf Anerken- nommen und in Artikel 3 Nummer 1 durch einen
nungs- und Wirkungsfeststellung bei der Bundeszen- Neuregelungsvorschlag zu § 21 Absatz 1 SGB IX auf
tralstelle für Auslandsadoption in den Jahren 2005 und den Verweis zur möglichen Inanspruchnahme eines
2006 festgestellten „Privatadoptionen“ bzw. „unbeglei- Beratungsangebotes der öffentlichen Jugendhilfe redu-
teten Adoptionen“ sind höchst bedenklich. So waren ziert wurde.
deutsche Adoptionsvermittlungsstellen im Jahr 2005
lediglich in 45 Prozent aller Verfahren beteiligt, im Zum Schutz behinderter Kinder und Jugendlicher in
Jahr 2006 lag diese Beteiligung bei 51 Prozent Einrichtungen und Fachdiensten anderer Sozialleis-
(Schlauß, FamRZ 2007, S. 1699 bis 1702). Neuere tungsträger sind jedoch analog zu den Bestimmungen
Auswertungen hierzu wurden bislang nicht veröffent- für den Geltungsbereich des SGB VIII legislative Maß-
licht. nahmen zum unmittelbaren Schutz dort betreuter Min-
derjähriger erforderlich. Zudem ist analog zu den vor-
Während Artikel 23 HAÜ die Anerkennung von Adop- gesehenen neuen Bestimmungen des § 72a SGB VIII
tionen aus Vertragsstaaten des HAÜ völkerrechtlich auch dort ein Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbe-
festlegt, besteht bei Adoptionen aus Nichtvertragsstaa- strafter Personen sicherzustellen. Zwar besteht für die
ten sowie den nicht vom Anerkennungsautomatismus nach § 85 Absatz 2 Nummer 6 SGB VIII für erlaubnis-
des HAÜ erfassten Fällen Handlungsbedarf. Es ist er- pflichtige Einrichtungen auch außerhalb der Kinder-
forderlich, über die Generalklausel des § 109 Absatz 1 und Jugendhilfe zuständigen Behörden nach dem
Nummer 4 FamFG (ordre public) hinaus, konkret fest- neuen § 45 Absatz 3 Nummer 2 SGB VIII das Recht
zulegen, dass Adoptionen, die im Ausland unter Um- zur Einforderung von Führungszeugnissen nach § 30
gehung von deutschen Gesetzen und Standards erfolgt Absatz 5 und § 30a Absatz 1 BZRG. Dies sichert je-
sind, nicht anerkannt werden. Eine solche Bestimmung doch keinen durchgängigen Tätigkeitsausschluss ein-
dient dem effektiven Schutz von Kindern. schlägig vorbestrafter Personen.
Die Haager Konferenz für Internationales Privatrecht Auch nach den Ergebnissen des „Runden Tisches“ und
hat in ihrem „Guide to good Practice“ („The Imple- anderer fachlichen Erkenntnisse zur Thematik des
mentation and Operation of the 1993 Intercountry Ad- sexuellen Missbrauchs sind gerade auch behinderte
option Convention“, 2008) unter der Nummer 10.1.1.6 junge Menschen in besonderer Weise gefährdet, Opfer
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass „Privatadoptio- von Übergriffen zu werden. Dies erfordert einen durch-
nen“ bzw. „unbegleitete Adoptionen“ aus dem Ausland gängigen, auch rechtlichen Konsens aller Sozialleis-
mit dem HAÜ unvereinbar sind und die darin enthalte- tungsträger, sich an dieser Stelle der Schutzverantwor-
nen Schutzmechanismen unterlaufen. Sie hat die Mit- tung zu stellen. Eine Kompensation dieser Verantwor-
gliedstaaten daher aufgefordert, die Möglichkeit unbe- tung durch die in der Regel erst im Nachgang einge-
gleiteter Adoptionen zu unterbinden. schaltete Kinder- und Jugendhilfe ist nicht möglich.
Drucksache 17/6256 – 46 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Der Bundesrat bittet daher, die aufgezeigten Lücken


zum Schutz behinderter Kinder und Jugendlicher im
Rahmen des Bundeskinderschutzgesetzes zu schließen.

26. Zum Gesetzentwurf allgemein


a) Die Bundesregierung wird aufgefordert, im weite-
ren Gesetzgebungsverfahren die Kostenfolgen des
Gesetzes in nachvollziehbaren Rechenschritten
transparent und vollständig darzulegen.
b) Kostenverursachende Standards, die finanzielle Be-
lastungen der Kommunen bewirken, sind Thema
der von der Bundesregierung eingesetzten Gemein-
definanzkommission. Die Länder fordern seit lan-
gem die Überprüfung bestehender Standards und
sehen die Schaffung entsprechender neuer Regelun-
gen besonders kritisch. Die Vermeidung weiterer
Belastungen der Haushalte von Ländern und kom-
munalen Gebietskörperschaften war auch ein wich-
tiger Grund für die Einsetzung der Föderalismus-
kommission und für die Einfügung einer „Schul-
denbremse“ in das Grundgesetz. Vor dem Hinter-
grund dieser Bemühungen von Bund und Ländern
sind auch wichtige gesellschaftliche Anliegen wie
dem Kinderschutz dienende Gesetzesvorhaben in
besonders kostenträchtigen Punkten auf deren Er-
forderlichkeit zu hinterfragen und auf das unab-
dingbar Notwendige zu beschränken.
c) Der Bundesrat erwartet, dass der Bund die infolge
des Gesetzes zur Stärkung eines aktiven Schutzes
von Kindern und Jugendlichen den Ländern direkt
und indirekt entstehenden finanziellen Mehrbelas-
tungen dauerhaft und vollständig ausgleicht.
Begründung
Die Bundesregierung hat mit dem Gesetzentwurf einen
Finanzierungsteil vorgelegt, der den Anforderungen
einer transparenten Darstellung der durch das Gesetz
verursachten Kostenfolgen nicht gerecht wird.
So schätzt beispielsweise die Bundesregierung die
Kosten des Anspruchs der Gesundheitsberufe und an-
derer Berufsgruppen auf Hinzuziehung der Expertise
der Kinder-/Jugendhilfe (Artikel 1 – § 4 Absatz 2
KKG, Artikel 2 Nummer 5 – § 8b Absatz 1 SGB VIII)
auf 20 Mio. Euro jährlich. Die Bundesregierung beruft
sich dabei auf Erfahrungen aus Modellprojekten und
Ergebnissen der amtlichen Kinder- und Jugendhilfesta-
tistik sowie abgeleiteten Fallzahlen und weiteren Er-
fahrungen aus Modellprojekten, ohne die einzelnen
Annahmen und Rechenschritte offenzulegen. Die Be-
gründungen zu den anderen Kostenpositionen gleichen
diesem Argumentationsmuster.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 47 – Drucksache 17/6256

Anlage 4

Gegenäußerung der Bundesregierung

Die Bundesregierung äußert sich zur Stellungnahme des Zu Nummer 2 (Artikel 1 – §1 Überschrift, Absatz 1 und
Bundesrates wie folgt: 4 und § 3 Überschrift, Absatz 1 und 4
KKG)
Zu Nummer 1 (Gesetzentwurf allgemein) Zu Buchstabe a Doppelbuchstabe aa, bb und cc und zu
Die Bundesregierung begrüßt die zustimmende Grundhal- Buchstabe b Doppelbuchstabe aa und bb
tung der Länder zu dem Gesetzentwurf, insbesondere deren (§ 1 Überschrift, Absatz 1 und 4 und § 3 Überschrift,
positive Bewertung des ausgewogenen Verhältnisses zwi- Absatz 1 und 4 KKG)
schen der Stärkung des Schutzauftrags und dem präventiven
Der Vorschlag wird abgelehnt.
Schutz von Kindern und Jugendlichen im Gesetzentwurf.
Die Bundesregierung teilt die Auffassung des Bundesrates
Entgegen der Auffassung des Bundesrates weist der Gesetz-
insofern, als Wechselwirkungen zwischen Kinderschutz und
entwurf jedoch Prävention in diesem Sinne nicht allein der
Maßnahmen zur Förderung von Kindergesundheit bestehen.
öffentlichen Jugendhilfe zu. Auch die Bundesregierung
Der Gesetzentwurf trägt diesem Ansatz Rechnung. Die zen-
sieht eine Mitverantwortung des Gesundheitswesens für den
trale Zielsetzung des Gesetzentwurfes ist jedoch der Kinder-
Kinderschutz. Der Gesetzentwurf stärkt daher vor allem mit
schutz. Eine Ausdehnung um Aspekte der Förderung der
dem Gesetz zur Kooperation und Information im Kinder-
Kindergesundheit würde zu einer erheblichen Ausweitung
schutz (KKG) alle Akteure im Kinderschutz, insbesondere
der Zielsetzung und einer diesbezüglich hohen Erwartungs-
auch das Gesundheitswesen. So werden in § 3 KKG explizit
haltung führen, die durch das Bundeskinderschutzgesetz
Gesundheitsämter, Krankenhäuser, Sozialpädiatrische Zen-
nicht eingelöst werden können. Im Übrigen kann Erzie-
tren, interdisziplinäre Frühförderstellen und Angehörige der
hungsverantwortung keinesfalls von den genannten Einrich-
Heilberufe in die Netzwerke im Kinderschutz einbezogen.
tungen im Gesundheitswesen übernommen werden. Inso-
Der Bund setzt damit – seinen Kompetenzen entsprechend –
weit ist die vorgeschlagene Ergänzung der Überschrift und
einen verbindlichen Rahmen für die Verknüpfung von Kin-
des Textes abzulehnen.
derschutz und Gesundheitswesen, die die Länder vor allem
im Hinblick auf den Öffentlichen Gesundheitsdienst intensi-
vieren und weiter ausgestalten können. Zu Buchstabe b Doppelbuchstabe cc (§ 3 Absatz 4 KKG)
Im Hinblick auf die Forderung des Bundesrates, die Rah- Der Vorschlag wird abgelehnt.
menbedingungen des Gesundheitswesens im Fünften Buch Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen
Sozialgesetzbuch (SGB V) – Gesetzliche Krankenversiche- mit einer Zusatzqualifikation. Sie begleiten und beraten
rung – zur frühzeitigen Unterstützung von Familien in be- Mütter und Väter mit Säuglingen nicht nur medizinisch
lasteten Lebenssituationen zu verbessern, die auch die zeit- (z. B. zu Pflege und Ernährung des Kindes), sondern
liche Erweiterung des Leistungsrahmens der Hebammen- können auch auf besondere Bedürfnisse von Familien in be-
hilfe umfasst, weist die Bundesregierung allerdings darauf lasteten Lebenslagen eingehen (z. B. psychische Erkrankun-
hin, dass die Aufgabenstellung der gesetzlichen Kranken- gen, Paarkonflikte, Störungen in der Eltern-Kind-Bezie-
versicherung primär morbiditätsorientiert und in diesem hung) bzw. diese erkennen und angemessene Hilfe vermit-
Kontext auch auf die Stärkung der gesundheitlichen Res- teln. Gerade weil Familienhebammen Familien in belasten-
sourcen ausgerichtet ist. Keinesfalls dürfen Aufgaben der den Lebenslagen bis (maximal) zum ersten Lebensjahr des
Kinder- und Jugendhilfe oder anderer Leistungssysteme im Kindes begleiten, sind sie eine sinnvolle Ergänzung zu einer
Kinderschutz auf die gesetzliche Krankenversicherung Hebamme.
(GKV) verlagert werden. So sind von der Hebammenhilfe
als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung die be- Nach Auffassung der Bundesregierung haben Familienheb-
sonderen Unterstützungsleistungen einer Familienhebamme ammen daher für die Frühen Hilfen ein einzigartiges Profil:
zu trennen, insbesondere, soweit es um eine psychosoziale Sie haben als Hebammen bereits in der Schwangerschaft
Begleitung der Eltern in den ersten Lebensmonaten und und direkt nach der Geburt einen selbstverständlichen und
-jahren des Kindes im Interesse des Kindeswohls geht; diese vertrauensvollen Zugang zu jungen Familien. Darüber hin-
gehören nicht zu den Aufgaben und sind daher keine Leis- aus verfügen sie über Kompetenzen im Umgang mit psy-
tungen der GKV. chosozialem Unterstützungsbedarf von Familien, der kind-
lichen Entwicklung und der Eltern-Kind-Beziehung. Im
Rahmen von regionalen Netzwerken Früher Hilfen sind sie
eine zentrale Unterstützung und haben eine wichtige Lot-
senfunktion. Sie sind im Hinblick auf die Förderung einer
gesunden Entwicklung des Kindes, und auch unter Kosten-
Nutzen-Gesichtspunkten als Alternative zu oft teureren Hil-
feformen mehrfach erprobt.
Die Bundesregierung erachtet die Bundesinitiative „Fami-
lienhebammen“ als notwendig, um die Aktivitäten zu Fami-
Drucksache 17/6256 – 48 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

lienhebammen von Ländern und Kommunen, die grundsätz- vom 22. Januar 2008, 4 StRR 194/07; Beulke/Ruhmanseder
lich für deren Einsatz zuständig sind, zu unterstützen und a. a. O), so dass sie auch keine Berufsgeheimnisträger im
dort modellhaft solche anzuregen, wo es noch keine gibt. Sinne von § 203 StGB sind.
Durch die Verankerung im Kontext der Vorgaben zur struk- Eine Ausweitung auf sozialpädagogische und therapeuti-
turellen Zusammenarbeit im Rahmen des Gesetzes zur Ko- sche Fachkräfte ist ebenfalls nicht erforderlich. Sozialpäda-
operation und Information im Kinderschutz (KKG) kann si- gogische Fachkräfte sind bereits von der Befugnisnorm er-
chergestellt werden, dass der Aus- und Aufbau der Arbeit fasst, sofern sie staatlich anerkannt sind. Die anderen Fach-
der Familienhebammen auch im Hinblick auf ihre Funktion kräfte sind wiederum keine Berufsgeheimnisträger im Sinne
in multiprofessionellen Netzwerken Früher Hilfen mit den des § 203 StGB.
verschiedenen zuständigen Leistungsträgern so gestärkt
wird, dass der Kinderschutz langfristig davon profitieren
Zu Nummer 6 (Artikel 1 – § 4 Absatz 1 KKG; Artikel 2
kann. Im Rahmen der Bundesinitiative werden verschiedene
Nummer 4 Buchstabe a Doppelbuch-
Modelle der Einbindung von Familienhebammen in die
stabe bb – § 8a Absatz 1 Satz 2 SGB VIII)
Netzwerkstrukturen erprobt und so eine Basis zum bundes-
weiten Einsatz von Familienhebammen durch Länder und Von dem Begriff des Erziehungsberechtigten sind zwangs-
Kommunen gelegt, um ein bundeseinheitliches Niveau des läufig auch Personensorgeberechtigte umfasst, während der
Schutzes von Kindern zu erreichen. Begriff des Personensorgeberechtigten die Personen aus-
schließt, die lediglich aufgrund einer Vereinbarung mit dem
Zu Nummer 3 (Artikel 1 – § 3 Absatz 2 Satz 1 KKG) Personensorgeberechtigten Aufgaben der Personensorge
wahrnehmen (vgl. § 7 Absatz 1 Nummer 5 und 6
Zu den Buchstaben a und b SGB VIII). Soll der weitere Personenkreis der Erziehungs-
Dem Vorschlag wird zugestimmt. berechtigten einbezogen werden, bedarf es nach Auffassung
Ein expliziter Verweis auf die §§ 3 und 8 des Schwanger- der Bundesregierung nicht der zusätzlichen Nennung der
schaftskonfliktgesetzes stellt eine begrüßenswerte Präzisie- Personensorgeberechtigten. Die Bundesregierung wird die
rung der Gesetzesformulierung dar. einheitliche Verwendung der Begrifflichkeiten nochmals
eingehend unter diesem Gesichtspunkt prüfen.
Zu Buchstabe c
Zu Nummer 7 (Artikel 1 – § 4 Absatz 4 – neu – KKG)
Dem Vorschlag wird nicht zugestimmt.
Dem Vorschlag wird nicht zugestimmt.
Der Begriff des Heilberufs wird umfassend verwendet (s.
auch Artikel 74 Absatz 1 Nummer 19 GG) und erfasst ohne- Im Hinblick auf die Weitergabe von Informationen durch
hin auch die Angehörigen der nichtärztlichen Heilberufe Berufsgeheimnisträger an das Jugendamt ist die gegenwär-
oder sog. Gesundheitsfachberufe. Ein zusätzlicher Hinweis tige Rechtslage in den einzelnen Bundesländern unter-
darauf ist daher nicht erforderlich. schiedlich. Das führt zu Verunsicherungen, insbesondere bei
der Ärzteschaft, zumal viele Kinderschutzfälle auch länder-
übergreifende Auswirkungen haben. Die Bundesregierung
Zu Nummer 4 (Artikel 1 – § 3 Absatz 2 Satz 2 und 3, Ab-
hält daher eine klare bundeseinheitliche Regelung für not-
satz 3 Satz 1 und Satz 1a – neu – KKG)
wendig, um Rechtssicherheit herzustellen. Eine Öffnungs-
Dem Vorschlag wird zugestimmt. klausel für weitergehendes Landesrecht, wie vom Bundesrat
Die Bundesregierung erachtet den Vorschlag des Bundesra- vorgeschlagen, würde diese Intention konterkarieren.
tes als eine im Interesse des Kinderschutzes zielführende Zudem ist für die Bundesregierung der Vertrauensschutz
Klarstellung im Hinblick auf die Zuweisung der grundsätz- zwischen Arzt und Patient im Hinblick auf die Förderung
lichen Verantwortlichkeit für die Organisation von Netzwer- der Kindergesundheit und einen wirksamen Kinderschutz
ken im Kinderschutz. von zentraler Bedeutung. Eine gesetzliche Pflicht, wonach
Berufsgeheimnisträger verpflichtet sind, dem Jugendamt
Zu Nummer 5 (Artikel 1 – § 4 Absatz 1 Nummer 7 und 8 entsprechende Anhaltspunkte mitzuteilen, könnte Eltern da-
– neu – KKG) von abhalten, ihr Kind beim Arzt bzw. bei der Ärztin vorzu-
Dem Vorschlag wird hinsichtlich des Buchstaben a) zum stellen und es untersuchen zu lassen.
Teil (Ergänzung um Lehrerinnen und Lehrer an staatlich an-
erkannten privaten Schulen in Nummer 7) zugestimmt, im Zu Nummer 8 (Artikel 2 Nummer 4 Buchstabe b – § 8a
Übrigen wird der Vorschlag abgelehnt. Absatz 4 Satz 2 SGB VIII)
Auch Lehrerinnen und Lehrer an staatlich anerkannten Pri- Dem Vorschlag wird zugestimmt.
vatschulen werden in der Literatur als Amtsträger nach § 11 Der Formulierungsvorschlag bewirkt eine präzisierende
Absatz 1 Nummer 2 StGB angesehen (vgl. Beulke/Ruh- Klarstellung.
mannseder, HRRS 2008, Seite 322, 326) und fallen dem-
nach über § 203 Absatz 2 Satz 1 Nummer 1 StGB unter die Zu Nummer 9 (Artikel 2 Nummer 8 – § 17
dortige Schweigepflicht. Die Ausweitung des Anwendungs- Absatz 2 – neu – und 3 SGB VIII)
bereichs der Befugnisnorm des § 4 KKG – E auf diese Be-
rufsgruppe soll daher auch für diese Gruppe Rechtssicher- Dem Vorschlag wird zugestimmt.
heit schaffen. Hingegen wird Lehrerinnen und Lehrern an Der Vorschlag sieht notwendige Anpassungen in § 17 Ab-
staatlich nicht anerkannten Privatschulen keine Amtsträger- satz 2 SGB VIII an Änderungen im familiengerichtlichen
eigenschaft beigemessen (vgl. OLG München, Beschluss Verfahren durch das Gesetz über das Verfahren in Familien-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 49 – Drucksache 17/6256

sachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Ge- ebene bzw. entsprechender Vereinbarungen auf örtlicher
richtsbarkeit (FamFG) vor. Ebene Rechnung getragen werden.

Zu Nummer 10 (Artikel 2 Nummer 13 – § 45 Absatz 2 Zu Nummer 13 (Artikel 1 Nummer 22 – § 81 Nummer 2


Nummer 2 SGB VIII) SGB VIII)
Dem Vorschlag wird zugestimmt. Dem Vorschlag wird zugestimmt.
Die Bundesregierung wird prüfen, wie klargestellt werden Auch die Bundesregierung ist der Auffassung, dass eine
kann, dass mit der Anforderung der Sicherstellung der ge- enge strukturelle Zusammenarbeit der Träger der öffentli-
sundheitlichen Vorsorge und medizinischen Betreuung chen Jugendhilfe mit den Staatsanwaltschaften im Rahmen
keine wesentlich veränderte Aufgabenstellung für die Kin- ihrer Aufgaben und Befugnisse zu einem wirksameren
dertageseinrichtungen verbunden ist. Schutz junger Menschen beitragen kann, insbesondere weil
dadurch ein frühzeitig abgestimmtes Vorgehen im Kontext
Zu Nummer 11 (Artikel 2 Nummer 16 Buchstabe b – § 59 von Jugenddelinquenz ermöglicht wird.
Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 und 4 – neu –,
9 und Satz 2 SGB VIII) Zu Nummer 14 (Artikel 2 Nummer 22 – § 81 Nummer 4
Dem Vorschlag wird nicht zugestimmt. und Nummer 4a – neu – SGB VIII)

Die Bundesregierung plant, den Regelungsbedarf aufgrund Dem Vorschlag wird zugestimmt.
des Sachzusammenhangs im Kontext der Änderung des Un- Ein expliziter Verweis auf die §§ 3 und 8 des Schwanger-
terhaltsvorschussgesetzes aufzugreifen. schaftskonfliktgesetzes stellt eine begrüßenswerte Präzisie-
rung der Gesetzesformulierung dar.
Zu Nummer 12 (Artikel 2 Nummer 19 – § 74 Absatz 1 Satz
1 Nummer 1 SGB VIII; Nummer 20 – § 79 Zu Nummer 15 (Artikel 2 Nummer 24a – neu – § 87c Ab-
Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 SGB VIII und satz 2 Satz 1, Absatz 3 Satz 3 und Satz 3a –
Nummer 21 – § 79a SGB VIII) neu – SGB VIII)
Der Vorschlag wird abgelehnt. Dem Vorschlag wird nicht zugestimmt.
Die Bundesregierung hält an den verbindlichen Vorgaben zu Die Bundesregierung teilt die Intention der Länder, die Re-
einer kontinuierlichen Qualitätsentwicklung in der Kinder- gelungen zur örtlichen Zuständigkeit stärker am Kindes-
und Jugendhilfe fest. Diese sind nicht nur vor dem Hinter- wohl auszurichten. Das Bundesministerium für Familie, Se-
grund der Beratungen des Runden Tisches „Sexueller Kin- nioren, Frauen und Jugend hat eine Bund-Länder-Arbeits-
desmissbrauch“ in Bezug auf den Kinderschutz dringend gruppe unter Beteiligung der kommunalen Spitzenverbände
geboten, sondern erscheinen auch angesichts der aktuellen und der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter
Diskussionen über die weitere Qualifizierung der Förderung zur Reform der Vorschriften zur örtlichen Zuständigkeit und
von Kindern in Tageseinrichtungen und in Kindertages- zur Kostenerstattung eingerichtet, in deren Rahmen das An-
pflege und der Ergebnisse des Modellprojekts „Wirkungs- liegen der Länder im Gesamtzusammenhang einer Weiter-
orientierte Jugendhilfe“ bezogen auf die Kinder- und Ju- entwicklung der betreffenden Vorschriften weiter verfolgt
gendhilfe insgesamt notwendig. wird.
Entgegen der Auffassung des Bundesrates setzt der Gesetz-
entwurf nicht auf eine staatliche Definition fachlicher Stan- Zu Nummer 16 (Artikel 2 Nummer 27 Buchstabe e Dop-
dards, sondern auf eine verbindliche Verständigung über pelbuchstabe bb Dreifachbuchstabe aaa
Qualitätsmerkmale, Maßstäbe zur Bewertung von Qualität und Buchstabe e1 – neu – § 99 Absatz 7
und Instrumente zur Sicherung von Qualität im Rahmen ei- Nummer 3 Buchstabe c und Absatz 7a
nes Qualitätsdialogs zwischen öffentlichen und freien Trä- Nummer 2 Buchstabe c SGB VIII)
gern.
Der Vorschlag wird abgelehnt.
Dabei führt der Gesetzentwurf das Instrument der Qualitäts-
Der Gesetzentwurf trägt bereits dem Anliegen der Länder
entwicklung nicht neu in das SGB VIII ein. Vielmehr erwei-
nach einem umfassenden Überblick über den Betreuungs-
tert er lediglich den Anwendungsbereich des bereits mit dem
umfang der in Kindertageseinrichtungen und in Kinderta-
zweiten SGB-XI-Änderungsgesetzes vom 29. Mai 1998
gespflege geförderten Kinder Rechnung, weil die darin vor-
(BGBl. I S. 1188) nur für einen Teil des Leistungsspektrums
gesehene Formulierung die statistische Erfassung des Stun-
und beschränkt auf den Bereich der Entgeltfinanzierung ein-
denumfangs pro Woche, der Zahl der betreuten Tage pro
geführten Qualitätsmanagements (§ 78b Absatz 1 Nummer 1
Woche, einer Betreuung am Wochenende und einer Betreu-
und Nummer 3 SGB VIII) auf alle Träger der freien Jugend-
ung am Vor- und Nachmittag (mit Unterbrechung am Mit-
hilfe – unabhängig vom Arbeitsfeld und unabhängig von der
tag) ermöglicht. Bei Umsetzung des Vorschlags der Länder
Art und Weise der Finanzierung.
müsste hingegen die Erfassung der Zahl der betreuten Tage
Der von den Ländern angesprochenen Vielgestaltigkeit der pro Woche sowie der Wochenendbetreuung und der Betreu-
Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit und anderer ung mit Unterbrechung am Mittag entfallen. Zudem wäre
Leistungs- und Aufgabenbereiche in der Kinder- und Ju- die geplante Harmonisierung zur Statistik über Kinder in
gendhilfe kann durch eine dem betreffenden Bereich ange- Kindertagespflege nicht möglich, deren Betreuungsumfang
messene Ausgestaltung der Rahmenverträge auf Landes- bereits umfassend erfasst wird.
Drucksache 17/6256 – 50 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

Zu Nummer 17 (Artikel 3 Nummer 01 – neu – § 11 Ab- Zu Nummer 21 (Artikel 3 Nummer 05 – neu – § 134a Ab-
satz 4 Satz 4 und § 39 Absatz 1 Satz 3 satz 2a – neu – SGB V)
SGB V und Nummer 3 – neu – § 3 Num-
Der Vorschlag wird abgelehnt.
mer 5 – neu – KHEntgG)
Der Vorschlag wird abgelehnt. Mit dem durch das Zweite Fallpauschalenänderungsgesetz
vom 15. Dezember 2004 eingeführten § 134a SGB V wurde
Eine Ausweitung des Kreises der Berufsgruppen, die beim die Vergütung von Hebammenleistungen auf eine neue
Versorgungsmanagement besonders zu berücksichtigen rechtliche Grundlage gestellt und die Hebammenhilfe-Ge-
sind, ist nicht vorgesehen. bührenverordnung (HebGV) durch eine Vertragsregelung
Die vorgesehene Ergänzung der Regelung zur Kranken- abgelöst. Gegenstand des auf dieser Grundlage geschlosse-
hausbehandlung in § 39 Absatz 1 Satz 3 SGB V wird abge- nen Vertrages ist die Versorgung mit Leistungen der Heb-
lehnt. Der Behandlungsanspruch ist bereits umfassend for- ammenhilfe durch freiberuflich tätige Hebammen und durch
muliert, so dass die besondere Erwähnung von Leistungen von Hebammen geleitete Einrichtungen. Für angestellte Fa-
zum Erhalt der Kindesgesundheit nicht erforderlich ist. Den milienhebammen z. B. beim Jugendamt bedeutet dies, dass
Kliniken hierbei entstehender Aufwand kann durch Teil- sie zur Leistungserbringung in der GKV nicht zugelassen
nahme an der auf Ist-Kosten- und -Leistungen basierenden sind und die von ihnen erbrachten Leistungen nicht zu Las-
Kalkulation des pauschalierenden Entgeltsystems nach ten der GKV abgerechnet werden können. Auch die HebGV
§ 17b KHG grundsätzlich sachgerecht berücksichtigt wer- sah eine Abrechnung der von angestellten Hebammen er-
den. Die geforderte Erweiterung der stationären Finanzie- brachten Leistungen zu Lasten der GKV nicht vor, da sie
rungselemente, die § 3 KHEntgG aufführt, ist nicht erfor- nur für freiberuflich tätige Hebammen galt.
derlich. Die mit der Änderung bezweckte Flexibilisierung des Ver-
sorgungsangebotes im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe
Zu Nummer 18 (Artikel 3 Nummer 02 – neu – § 20e kann auch dadurch erreicht werden, dass Leistungen der
– neu – SGB V) Hebammenhilfe dort auf der Grundlage einer Kooperation
Der Vorschlag wird abgelehnt. mit freiberuflich tätigen Familienhebammen erbracht wer-
den. In diesem Fall können die zum Leistungskatalog der
Die finanzielle Absicherung von Netzwerken, die die allge- GKV gehörenden Leistungen von der Hebamme selbst mit
meine Gesundheitsvorsorge und soziale Fürsorge zum Ziel den Krankenkassen abgerechnet werden. Für die Erbrin-
haben, ist keine Aufgabe der gesetzlichen Krankenversiche- gung darüber hinaus gehender Tätigkeiten der Familienheb-
rung, die im Rahmen des SGB V versichertenbezogene amme – u. a. psychosoziale Beratung, Betreuung von Risi-
Leistungen der medizinischen und präventiven Versorgung kogruppen, interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen
erbringt. In diesem Kontext erhalten die Versicherten eben- Institutionen – müssten der Träger, z. B. das Jugendamt, mit
falls Leistungen der Gesundheitsförderung in Settings. All- den freiberuflich tätigen Familienhebammen eigenständige
gemeine Gesundheitsvorsorge der Bevölkerung und soziale Vereinbarungen zur Vergütung treffen.
Fürsorge sind Aufgaben in originärer Zuständigkeit der
Länder und Kommunen. Eine Verschiebung – auch von Tei- Zu Nummer 22 (Artikel 3 Nummer 06 – neu – § 294a Ab-
len – der Finanzierungslast auf die Krankenversicherung ist satz 1 Satz 1a – neu – SGB V)
abzulehnen.
Gegen den Vorschlag bestehen Bedenken.
Zu Nummer 19 (Artikel 3 Nummer 03 – neu – § 63 Absatz 2 Regelungszweck des § 294a Absatz 1 SGB V ist es, den
– SGB V) Krankenkassen zu ermöglichen, bei Anhaltspunkten für
Der Vorschlag wird abgelehnt. drittverursachte Gesundheitsschäden mögliche Schadenser-
satzansprüche gegen den Verursacher oder andere Kosten-
§ 63 Absatz 2 SGB V ermöglicht im Rahmen von Modell-
träger dieser Gesundheitsschäden zu prüfen und ggf. gel-
vorhaben weitgehende Abweichungen von den Vorschriften
tend zu machen. Damit soll sichergestellt werden, dass die
des Fünften Buches Sozialgesetzbuch. Dies gilt auch für
Solidargemeinschaft nicht für die finanziellen Folgen auf-
Maßnahmen, die im Zusammenhang mit Kindergesundheit
kommen muss, die eigentlich der Verursacher des Schadens
stehen. Allerdings müssen die Vorhaben weiterhin der Ver-
oder ein anderer Kostenträger zu tragen hat.
hütung oder Früherkennung von Krankheiten oder der
Krankenbehandlung dienen. Eine Änderung dieses Grund- Die Umsetzung dieses Vorschlags würde dazu führen, dass
satzes kann nicht in Aussicht gestellt werden. Damit wäre Ärztinnen und Ärzte bei einer möglichen Kindeswohlge-
ein Präzedenzfall für die Erprobung GKV-fremder Regelun- fährdung nur von der Pflicht, Angaben zum möglichen Ver-
gen geschaffen. ursacher zu übermitteln, freigestellt würden. Die übrigen
Daten – einschließlich der Angaben über Ursachen – müss-
Zu Nummer 20 (Artikel 3 Nummer 04 – neu – § 134a Ab- ten weiterhin versichertenbezogen an die Krankenkasse
satz 1 Satz 1 SGB V) übermittelt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass die
Krankenkasse dann die näheren Umstände z. B. durch Be-
Der Vorschlag wird abgelehnt. fragung der Familie zu ermitteln versucht, um ihrer Pflicht
Unabhängig von der Zielrichtung der vorgesehenen Ände- nachzukommen, etwaige Schadensersatzansprüche zu prü-
rung wird diese als nicht erforderlich angesehen, weil be- fen. Dies könnte ebenfalls Vorbehalte bei den behandelnden
reits nach der geltenden Fassung des § 134a SGB V vertrag- Ärztinnen und Ärzten auslösen, wie sie in der Begründung
liche Regelungen zur Dauer des Leistungsanspruchs auf des Vorschlags im Hinblick auf die Weitergabe der Daten an
Hebammenleistungen getroffen werden können. die Strafverfolgungsbehörden angesprochen werden. Um
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 51 – Drucksache 17/6256

mögliche Vorbehalte der Ärztinnen und Ärzte auszuschlie- Bei der Durchführung einer internationalen Adoption
ßen, wäre es konsequent, die Verpflichtung zur Meldung kommt es entscheidend auf die Wahrung des Kindeswohls
von personenbezogenen Daten an die Krankenkassen in Fäl- an. Deshalb sind sogenannte unbegleitete Adoptionen uner-
len, in denen ein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung be- wünscht, an denen keine deutsche Auslandsvermittlungs-
steht, komplett aufzuheben. stelle z. B. zur Prüfung der fachlichen Eignung der Adop-
tionsbewerber beteiligt ist. In diesen Fällen ist nämlich nicht
Zu Nummer 23 (Artikel 3 Nummer 4 – neu – § 41 Absatz 2 sichergestellt, dass in jedem Falle das Kindeswohl den ge-
Nummer 13 und 14 – neu – BZRG) bührenden Vorrang hat.
Der Vorschlag wird abgelehnt. Unbegleitete Adoptionen kommen gleichwohl aus sehr un-
terschiedlichen Gründen sowohl im Verhältnis zu Vertrags-
Unbeschränkte Auskünfte aus dem Zentralregister erhalten staaten nach dem Haager Übereinkommen über den Schutz
nur die in § 41 Absatz 1 des Bundeszentralregistergesetzes von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der
(BZRG) abschließend genannten Behörden für die dort be- internationalen Adoption vom 29. Mai 1993 (HAÜ) als
schriebenen Zwecke. Der Gesetzgeber hat bei der Auswahl auch im Verhältnis zu Nichtvertragsstaaten vor.
der auskunftsberechtigten Stellen sowie der Bestimmung
der Auskunftszwecke eine Abwägung zwischen dem infor- Mit diesem Problem beschäftigt sich deshalb seit längerer
mationellen Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen und Zeit die interministerielle Arbeitsgruppe Adoption, in der
ihrem Interesse an ihrer Eingliederung in Gesellschaft und neben den betroffenen Bundesministerien (Auswärtiges
Beruf einerseits sowie dem Interesse der Allgemeinheit an Amt, Bundesministerium der Justiz, Bundesministerium für
der ordnungsgemäßen Wahrnehmung behördlicher Aufga- Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium
ben sowie dem Schutz vor der Begehung weiterer Straftaten des Innern) auch die Bundeszentrale für Auslandsadoption
andererseits vorgenommen. Diese öffentlichen Interessen (BZAA) sowie Vertreter der Bundesarbeitsgemeinschaft der
erfordern aber nur ausnahmsweise auf bestimmten, über den Landesjugendämter (BAGLJÄ), der freien Träger in der
justiziellen Bereich hinausgehenden Gebieten die vollstän- Adoptionsvermittlung sowie andere Fachleute vertreten
dige Kenntnis des kriminellen Vorlebens von Straffälligen. sind.
Im Regelfall wird der Inhalt eines Führungszeugnisses für Die Arbeitsgruppe hat auf ihrer letzten Sitzung im Dezem-
ausreichend erachtet. Eine Ausweitung des Empfängerkrei- ber 2010 eine Unterbindung der unbegleiteten Adoptionen
ses für unbeschränkte Auskünfte bedarf einer tragfähigen allgemein befürwortet, wenn zugleich die Akzeptanz und
Begründung für den damit verbundenen erheblichen Ein- Abwicklung von begleiteten Adoptionen vor allem dadurch
griff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. erhöht wird, dass die Vermittlungstätigkeit in Deutschland
Eine solche ist in dem Vorschlag des Bundesrates nicht er- effektiver ausgestaltet und, soweit möglich und zulässig,
sichtlich, da nicht dargelegt wird, weshalb die bisherige In- geographisch ausgedehnt wird. Diese Verbindung zwischen
formationsmöglichkeit nach § 31 BZRG (Auskunftsertei- Untersagung unbegleiteter Adoptionen und Schaffung ver-
lung an Behörden) für die Einschätzung der Zuverlässigkeit besserter Vermittlungsstrukturen wird als zwingend angese-
der Bezugspersonen nicht ausreichend ist (vgl. auch Bun- hen.
destagsdrucksache 16/4199).
Ein Verbot unbegleiteter Adoptionen muss nämlich, damit
Für Jugendämter hat der Gesetzgeber 2009 zur Verbesse- die Adoptionsbewerber sich auch freiwillig daran halten
rung des Schutzes Minderjähriger die Möglichkeit geschaf- und es nicht unterlaufen, flankiert werden von Maßnahmen,
fen, ein erweitertes Führungszeugnis zu erhalten. Dieses die sicherstellen, dass sie mit ihrem Adoptionswunsch mög-
Führungszeugnis enthält alle einschlägigen Verurteilungen, lichst umfassend, effektiv, zeitnah und Kosten angemessen
die im Zusammenhang mit der Verletzung von Kindesinte- bedient werden, wenn sie sich an eine Auslandsvermitt-
ressen und Sexualdelikten stehen, und zwar unabhängig von lungsstelle wenden. Die Vermittlungsstruktur weist noch
der Höhe der verhängten Strafe und – bei einer Verurteilung verschiedene Defizite auf, die eine möglichst optimale Aus-
zu einer Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr – über ei- landsvermittlung derzeit nicht sichern. Die Arbeitsgruppe
nen Zeitraum von 10 Jahren. hat sie benannt und schon verschiedene Verbesserungsmög-
lichkeiten diskutiert, aber noch keine Lösung gefunden. Die
Im Übrigen sind nach Nummer 35 der Anordnung über Mit- Diskussion soll auf der nächsten Sitzung (29. Juni 2011)
teilungen in Strafsachen die Gerichte und Staatsanwalt- fortgesetzt und wenn möglich mit Vorschlägen beendet wer-
schaften schon jetzt verpflichtet, die Jugendämter über für den. Überlegt wird z. B., wie die Adoptionsvermittlung un-
den Minderjährigenschutz relevante Straftaten zu unterrich- ter Wahrung aller notwendigen Kautelen geographisch auf
ten. weitere Staaten ausgedehnt werden kann und ob es Sonder-
regelungen zur Verkürzung von Verfahren bei Stiefkindad-
Zu Nummer 24 (Artikel 3 Nummer 5 – neu – § 2 Absatz 1 optionen geben soll.
Satz 2– neu – AdWirkG)
In diesem Sinne ist auch die Kinderkommission des Deut-
Der Vorschlag wird abgelehnt, weil er isoliert auf das Ver- schen Bundestages am 6. April 2011 informiert worden, die
bot unbegleiteter Auslandsadoptionen abzielt und im Hin- die Arbeiten der Arbeitsgruppe aufmerksam verfolgt.
blick auf eine erforderliche Gesamtlösung zu kurz greift.
Der Vorschlag entspricht deshalb nicht dem Stand der fach- Der Vorschlag ist rechtlich problematisch, wie der nachfol-
lichen Diskussion im internationalen Adoptionsrecht und gende Beispielsfall zeigt.
schafft mit dem Verbot an anderer Stelle des internationalen Wenn keine Sonderregelung für sog. „bescheinigte“ Adop-
Adoptionsprozesses erhebliche und ungelöste rechtliche tionen nach dem HAÜ vorgesehen wird, verstößt er gegen
und praktische Probleme. die automatische Anerkennung von Auslandsadoptionen,
Drucksache 17/6256 – 52 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode

die in dem Übereinkommen verankert ist. Nach Artikel 23 Anzahl von Fällen damit zu rechnen, dass keine erfolgrei-
HAÜ sind Auslandsadoptionen, für die eine Bescheinigung che Adoptionsvermittlung durchgeführt worden ist, damit
nach diesem Artikel vorgelegt wird, automatisch in einem die Anerkennung ausscheidet, die Kinder nicht mit den Ad-
anderen Staat anzuerkennen. Sie müssen grundsätzlich kein optivkindern verwandt sind und ein Sorgeberechtigter fehlt.
Anerkennungsverfahren durchlaufen. Ein Anerkennungs- bzw. nicht erreichbar ist. Möglicherweise muss zusätzlich
verfahren kann aber beschritten werden, wenn die automati- auch noch ein Verfahrenspfleger hinzugezogen werden.
sche Anerkennung trotz Bescheinigung angezweifelt wird.
Hinzu kommt, dass die Jugendämter kaum begründen kön-
Dann ist aber nicht die erfolgreiche Adoptionsvermittlung,
nen, dass sie das Adoptivkind als Pflegekind oder auf ande-
die der Vorschlag verlangt, Streitgegenstand, sondern die
rer Rechtsgrundlage vorerst in der Obhut der Personen las-
Echtheit und Reichweite der Bescheinigung bzw. die Ent-
sen, die es im Ausland adoptiert haben. Diese Personen ha-
scheidung, die die BZAA nach § 9 des Gesetzes zur Aus-
ben sich durch ihr gesetzlich verbotenes Verhalten, das dem
führung des Haager Übereinkommens vom 29. Mai 1993
Kindeswohl zuwider läuft, disqualifiziert. Dann müssten
über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf
aber andere Pflegeeltern gefunden oder die Kinder in ein
dem Gebiet der internationalen Adoption (AdÜbAG) ge-
Heim verbracht werden.
troffen hat.
Der Vorschlag führt auch zu praktischen Schwierigkeiten. Zu Nummer 25 (Artikel 3 – Änderung anderer Gesetze)
Der Prüfungsmaßstab für die Anerkennung ist im Vorschlag
Der Vorschlag wird abgelehnt. Dem Schutz behinderter
nicht klar formuliert und wird zu Anwendungsproblemen
Kinder und Jugendlicher, die unter der Verantwortung der
führen. Die Auslandsadoption kann anerkannt werden,
Rehabilitationsdienste und -einrichtungen betreut werden,
wenn eine „erforderliche internationale Adoptionsvermitt-
wird durch die vorgesehene neue Regelung des § 21 Absatz 1
lung erfolgreich durchgeführt wurde.“ Sowohl bei der Ein-
Nummer 7 SGB IX Rechnung getragen.
schätzung, wann eine Auslandsvermittlung erforderlich ist,
als auch bei der Beurteilung, ob sie erfolgreich ist, sind
schwierige Prüfungsschritte vorzunehmen. Legt man bei- Zu Nummer 26 (Gesetzentwurf allgemein)
spielsweise die Anforderungen des HAÜ zugrunde, muss Die Kostenschätzung zum Gesetzentwurf basiert auf fun-
im Rahmen einer erfolgreichen Adoptionsvermittlung so- dierten Grundlagen, wie der amtlichen Kinder- und Jugend-
wohl die Adoptionsfähigkeit des Kindes als auch eine Eig- hilfestatistik, und plausiblen Herleitungen, etwa aus Er-
nungsprüfung der Adoptionsbewerber vorgenommen wor- kenntnissen, die im Rahmen von Modellprojekten gewon-
den sein, außerdem ein erfolgreiches Matching zwischen nen wurden. Da die jeweiligen Ausgangslagen in den ein-
Eltern und Kind erfolgt und der Fortgang der Adoption zelnen Bundesländern oder sogar in den einzelnen
durch die zuständigen staatlichen Stellen im Ursprungs- und Kommunen, z. B. im Hinblick auf den Ausbau Früher Hil-
Empfangsstaat gebilligt worden sein. Wenn auch nur eine fen, sehr unterschiedlich sind, kommt eine konkretere Dar-
dieser Voraussetzungen nicht vollumfänglich erfüllt ist, legung der Kostenfolgen auf Bundesebene nicht in Betracht.
kann nicht von einer erfolgreichen Durchführung gespro-
chen haben. Hinzu kommt, dass die Staaten unterschiedli- Mit Blick auf die Belastungen der Haushalte von Ländern
che Auffassungen darüber haben, wann eine Auslandsadop- und kommunalen Gebietskörperschaften sowie den mit der
tion vorliegt und damit eine Auslandsvermittlung notwen- Gemeindefinanzkommission verfolgten Standardabbau zur
dig ist. Manche Staaten, darunter auch Vertragsstaaten des Entlastung der Kommunen hat die Bundesregierung die Er-
HAÜ, betrachten Adoptionen, an denen als Adoptierender forderlichkeit der Regelung kostenträchtiger Aspekte im
ein Staatsangehöriger beteiligt ist, als Inlandsadoptionen, Gesetzentwurf eingehend geprüft.
auch wenn die Adoptiveltern im Ausland wohnen und mit Ausgehend vom staatlichen Schutzauftrag des Grundgeset-
dem Kind dort leben wollen. zes leitet sich im Hinblick auf die Kosten verursachenden
Es würde eine Vielzahl von Kindern in das Bundesgebiet Regelungen im Gesetzentwurf ein dringender Regelungsbe-
einreisen, deren Adoption erst später als nichtanerken- darf insbesondere aus den Erkenntnissen, die im Rahmen
nungsfähig eingestuft werden muss. Diese Kinder könnten des Aktionsprogramms des Bundes „Frühe Hilfen“ und den
dann kaum in ihren Ursprungsstaat zurückgebracht werden, in diesem Zusammenhang in den Ländern und Kommunen
weil dieser die Adoption regelmäßig als wirksam ansieht. entwickelten und erprobten Konzepten gewonnen worden
sind, aus den bisherigen Ergebnissen des Runden Tisches
Die Regelung würde deshalb absehbar zusätzliche Arbeit
„Sexueller Kindesmissbrauch“ sowie aus den Empfehlun-
und damit auch Kosten für die deutschen Jugendämter mit
gen des Runden Tisches „Heimerziehung in den 50er und
sich bringen. Vorsorglich muss, weil die erfolgreiche
60er Jahren“ ab.
Durchführung einer Adoptionsvermittlung einer grundle-
genden und schwierigen Prüfung bedarf, für sehr viele Kin- Mit seinem Beitrag zu den Familienhebammen leistet der
der spätestens ab Beginn des Anerkennungsverfahrens ein Bund das ihm mögliche. Die Tragung der Kosten des Ge-
Vormund bestellt werden, der ihre Interessen wahrnimmt. setzentwurfs richtet sich insgesamt nach den finanzverfas-
Es ist bei den strengen Voraussetzungen in einer erheblichen sungsrechtlichen Bestimmungen des Grundgesetzes.

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ISSN 0722-8333