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GU PFLANZENPRAXIS

JOHANN KASTNER

Schritt für Schritt zum Bonsaiprofi

BONSAI
ziehen, gestalten und pflegen
❯ Inhalt

1 Planung 6
2 Bonsaipraxis 48

Inspiration aus der Natur 8 Grundtechniken der


Wichtige Hinweise für Bonsai-Einsteiger 10 Gestaltung 50
Bedeutende Stilformen der Bonsai-Kunst 12 Lernen Sie, harmonische Wuchsformen
Der Aufbau eines Baumes 16 zu erkennen 52
Die Wachstumsgesetze 18 Start mit älteren Pflanzen: die Reduktions-
Die Wahl des besten Ausgangsmaterials 20 methode 54
Die Schale als passende Ergänzung des Bonsais 22 Start mit Jungpflanzen: die Aufbaumethode 56
So setzen Sie Ihre Bonsais angemessen in Szene 24 So bringen Sie Äste und Zweige in die
richtige Lage 58
Die Kunst des Formens: Drahten wie ein Profi 60
Pflegeprogramm für Bonsais 26 Der Formschnitt 62
❯ Das nötige Bonsai-Werkzeug 28 Der Erhaltungsschnitt 64
In Bestform: Scharfe Klingen und Sägeblätter 30 Das fachgerechte Ein- und Umtopfen von
Der artgerechte Standort 32 Bonsais 66
Die Bonsaikultur im Haus 34
Wassermanagement: Bonsais richtig gießen 36 Weiterführende Techniken 70
Eine gute Basis: Substrate und Nährstoffe 38
Eine Lösung für viele Probleme: Abmoosen 72
Gesunde Bonsais und Erste Hilfe bei Problemen 40
Einen Ast durch Anplatten einfügen 74
❯ Diagnosetafel: Schädlinge und Pilzkrankheiten 42
Durch Bohrpfropfen einen Ast einfügen 76
So kommen Ihre Bonsais gut über den Winter 44
Die Förderung des Dickenwachstums 78
❯ Expertentipps rund um die Planung 46

4
3 Porträts 112

Wunden behandeln und Narben entfernen 80 Die beliebtesten Gehölze für


Mehr Charakter: Setzen Sie Totholz in Szene 82
Bonsai 114
Erstgestaltung – Beispiel 1 84
Erstgestaltung – Beispiel 2 86 Porträts der besten Arten 114
Erstgestaltung – Beispiel 3 88
Erstgestaltung – Beispiel 4 90 Anhang
Arten- und Sachregister 122
Beispiele für die Entwicklung 92 Adressen, Literatur 126
Beispiel Fächer-Ahorn 94 Impressum 128
Beispiel Zwergmispel 96
Beispiel Weißdorn 98
Beispiel Birken-Feige 100
Beispiel Kletter-Feige 102
Beispiel Europäische Lärche 104
Beispiel Zierapfel 106
Beispiel Granatapfel 108
Beispiel Sibirische Ulme 110

5
1 P la n un g

Inspiration aus der Natur


Manche Bäume sprechen uns tief in unserer Seele an. So erstaunt es nicht,
dass der Mensch sich diese fast mythischen Wesen zu sich nach Hause holt.
Mit der Gestaltung eines Bonsais schafft man sich sein Miniatur-Wunschbild
der Natur, das aber nur im »Zwiegespräch« mit der Pflanze entstehen kann.

sich ein Stück Natur nach kommen wollen (➝ Seite


Hause holt. Sie zu betrachten 20/21). Ist dann aus einem
und sich damit zu beschäftigen Gehölz ein Bonsai geworden,
ist Erholung pur! ehrt man ihn mit einer auf ihn
abgestimmten Schale (➝ Seite
22/23) und der angemessenen
Bonsai-Pate werden Präsentation (➝ Seite 24/25).
Gehölze sind besondere Wesen,
die extrem anpassungsfähig
sein können. Einen Fächer- Glücksmomente
Ahorn in einen Bonsai zu ver- Seien Sie sich dessen bewusst,
wandeln, erfordert jedoch dass ein Bonsai mehr Kennt-
S i ch e r ke n n e n Sie das: Sie planvolles Vorgehen. Man nisse und Geduld von Ihnen
sind draußen unterwegs, plötz- muss sich darüber im Klaren fordert als andere Topfgewäch-
lich sehen Sie einen Baum, der sein, welche Stilform (➝ Seite se. Doch er wird es Ihnen dan-
aufgrund seiner Größe und 12) für ihn infrage kommt, wie ken! Mit der Zeit entwickeln
Gestalt eine Saite in Ihrem er aufgebaut ist (➝ Seite 16/17) Sie ein Verhältnis zu Ihrem
Inneren zum Schwingen und wie man die Wachstums- Bäumchen, das es Ihnen leich-
bringt. Im Schatten seiner gesetze (➝ Seite 18/19) so ter macht, seine Eigenarten zu
Krone möchten Sie ruhen und nutzt, dass er die gewünschte verstehen. Schon die kleinen
neue Kraft tanken. Oder Sie Form annimmt. Weiterhin Erfolge werden Ihnen Glücks-
staunen über den unbändigen spielt es eine Rolle, ob Sie die momente bescheren. Und eines
Überlebenswillen, mit dem Geduld haben, Ihren Bonsai Tages steht ein Prachtexemplar
sich ein sichtlich betagter aus einem Sämling zu ziehen, vor Ihnen, auf das Sie richtig
Wacholder an eine Felswand oder ob Sie schneller zum Ziel stolz sein können!
krallt. Diese Faszination ist ein
Grund dafür, dass Menschen
sich seit Jahrhunderten mit
Bonsai auseinandersetzen. Diese beiden Gehölze an ihrem Naturstandort eignen sich mit
Ebenso wichtig ist, dass man ihren guten Proportionen hervorragend als Vorbild für Bonsais.

8
❯ Inspiration aus der Natur
1 P la n un g

DAS SCHERENSORTIMENT ALLES FÜRS UMTOPFEN ❯


Eine kräftige Schere (1) eignet sich für gröbere Arbeiten an 1+2 Stamm und Wurzelansatz reinigt
Ästen bzw. Wurzeln bis 6 mm Durchmesser. Feinere Scheren man mit der Messingbürste (1), Astgabeln
(3) werden dagegen für den Blattschnitt eingesetzt. und Astansätze mit der Rundbürste (2).
Die Profischere (2), die eher einer Gartenschere ähnelt, dient
3+4 Die kleine Wurzelkralle (3) ist zum
dem allgemeinen Ast- und Wurzelschnitt.
Auskämmen der Wurzeln nötig, die große
Lange Scheren (4+5) erleichtern das Arbeiten an Ästen, die
(4) zum Ausräumen des alten Substrats.
innerhalb der Krone wachsen. Die kurze Schere (6) braucht
man für den Feinschnitt an Ästen und Blättern. 5 Die Einzelkralle lockert das Wurzelwerk.
6 Ein Winkelmesser hilft dabei, den Wur-
1 zelballen aus der Schale freizuschneiden.
4
5 7 Sicheln lösen Wurzelballen aus der
Schale.
2 8 Eine Erdschütte erleichtert das Einfüllen
des Pflanzsubstrats in die Schale.
6
3

Das nötige Bonsai-Werkzeug

❯ ZANGEN UND SÄGEN

Knospenzangen (1+2) benötigt man für


Äste mit Durchmessern ab 6 mm. Ihre
gerundete, oben sitzende Schneide
erlaubt den frontalen Ast- oder Wurzel-
schnitt direkt am Stamm. Konkav-
1 zangen haben die Schneide seitlich.
Beide Zangen erzeugen nach innen
gewölbte Wunden, die besser über-
wallt werden können, ohne dass sich
2 hässliche Wülste bilden. Rundkonkav-
3 zangen (3) kombinieren die Vorteile
von Knospen- und Konkavzange. Die
5 feine Astsäge (4) kommt zum Einsatz,
wenn ein genauer Schnitt gefordert ist.
Mit der großen Säge (5) erledigen Sie
4 gröbere Ast- und Wurzelschnitte.
7
3

1 2

6
8 5

Es gibt keine gärtnerische Kultur, bei der Schnitt und Formgebung eine so
zentrale Rolle spielen wie beim Bonsai. Für die verschiedenen Techniken gibt es
eine Vielzahl an speziellen Werkzeugen und Hilfsmitteln.


WERKZEUG UND DRAHT ZUR FORMGEBUNG WICHTIG: WUNDVERSCHLUSSMITTEL

Mit der Drahtschere (1) schneiden Sie die Drähte in Alle Schnitte mit einem Durchmesser größer
der benötigten Länge zurecht. Die Jin-Zange (2) als 3–5 mm sollten mit einem Wundver-
braucht man zum Entrinden und zum Drahten. Zwin- schlussmittel bestrichen werden. Dadurch
gen (3) formen Äste und Stamm. Kupfer- und Alumi- schützen Sie die Schnittstelle vor Austrock-
niumdraht (4) in verschiedenen Dicken ist ein wichti- nung und vor dem Eindringen von Schader-
ges Hilfsmittel zur Formgebung. Biegewerkzeug (5) regern. Dafür können Sie grundsätzlich
wird für das Formen dicker Äste eingesetzt. jedes dafür angebotene Produkt im Handel
verwenden, vorausgesetzt, es lässt sich
leicht und rückstandslos wieder entfernen,
wenn man es erneuern will
oder die Wunde verheilt ist.
4

3 5
1
2
2

Bonsai-
praxis
Grundtechniken der Gestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 50
Weiterführende Techniken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 70
Erstgestaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 84
Beispiele für die Entwicklung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . S. 92

49
2 B o nsa i p ra xis

❯ PRAXIS Jahr 1: Die Basis schaffen


Nehmen Sie diese Arbeiten im
Frühjahr vor dem Austrieb vor.
Start mit Jungpflanzen: ■ Kämmen Sie mit der Wurzel-

kralle die Erde von den Wur-


zeln. Schneiden Sie stark ent-
die Aufbaumethode wickelte Wurzeln mehr zurück
als schwächere, damit die Wur-
zel sich näher am Stamm fein
verzweigt. Reduzieren Sie die
Wenn ein Gehölz von klein auf für einen Bonsai Wurzel um ca. 30–50%.
bestimmt ist, lässt es sich leicht in jede beliebige ■ Setzen Sie die Pflanze in

Stilrichtung formen. Diese sanfte Methode hinter- einen Anzuchttopf, der die
Wurzeln gerade aufnimmt. In
lässt keine Narben, benötigt jedoch ihre Zeit. zu großen Töpfen bleibt das
Substrat lange nass und damit
kalt. Wurzeln, die bei engerem
D e r R ü cks ch n i t t bereits der Wuchsrichtung erforder- Platz mit anderen konkurrie-
älterer Pflanzen bringt Bonsais lich ist, wenn Korrekturen der ren müssen, sind zudem viel
von eher gröberem Charakter Form anstehen oder wenn die vitaler und gesünder.
hervor. Was nicht schlecht sein Höhe des Bonsais zurückge- ■ Die Wurzeln sollen von

muss! Einen Bonsai aus jungen nommen werden muss. Anfang an so wachsen, dass sie
Pflanzen heranzuziehen, er- später gut aussehen und keine
fordert vergleichsweise sehr Korrekturen benötigen. Dafür
viel mehr Zeit. Doch diese Auf- Aufbaumethode platzieren Sie beim Eintopfen
baumethode ermöglicht es, Schritt für Schritt unterhalb des Stammes einen
eine besonders schöne und ele- Auch bei dieser Technik möch- runden, sogenannten Anker-
gante Form herauszuarbeiten. te man möglichst bald einen stein. Darüber breiten Sie die
dicken Stamm erreichen. Ein Wurzeln strahlenförmig, leicht
größerer Durchmesser entsteht schräg nach unten aus.
Formen von Anfang an nur durch guten Zuwachs. ■ Schneiden Sie zum Abschluss

Für die Aufbaumethode eignen Kräftiger Wuchs geht jedoch noch den Stamm zurück
sich zwei- bis sechsjährige auf Kosten der Verzweigung. In (➝ Abb. 1). Letzteres erfolgt,
Sämlinge oder vier- bis sechs- den ersten Jahren sollten Sie indem man ihn einmal auf
jährige Jungpflanzen am besten zunächst Wert auf die Stamm- einen links und einmal auf
(➝ Seite 20/21). Diese können dicke legen, und erst später die einen rechts des Stammes ent-
Sie mit sanften Mitteln zu jeder Verzweigung fördern. Um hier springenden Seitenast zurück-
beliebigen Stilform erziehen. die Balance zu halten, emp- schneidet. Dadurch entsteht
fehle ich bei der Aufbauarbeit ein kurzer, sich verjüngender
Das Ziel stets vor Augen einen Dreijahresrhythmus. Er Stamm. Die kleinen Eingriffe
Bei der Entwicklung eines verläuft für Laub- und Nadel- lassen keine Narben zurück.
Bonsais aus einer Jungpflanze gehölze genau gleich.
arbeiten Sie in kleinen Schrit- Setzen Sie die Pflanzen in die- Jahr 2: In Form schneiden
ten und in kurzen Abständen, ser Startphase in größere Ende Mai bis Mitte Juni des
aber über einen langen Zeit- Anzuchttöpfe mit durchlässi- zweiten Jahres setzen Sie die
raum. Dabei greifen Sie immer gem, bis zu 70 % organischem, Pflanze in einen etwas tieferen
dann ein, wenn eine Änderung stets gut gedüngtem Substrat. und 2–3 cm größeren Topf.

56
❯ Grundtechniken der Gestaltung

Die Wurzeln werden nicht be-


arbeitet. Dafür schneiden Sie
die inzwischen verzweigten
Leitäste auf zwei bis drei Blät-
ter zurück, sobald die Triebe
1
Den Stamm einkürzen
Dieser ein- bis zweijährige
Sämling soll eine locker auf-
rechte Stilform erhalten.
ausgehärtet sind. Dadurch Kürzen Sie den Stamm durch
treibt die Pflanze neu durch, Rückschnitt auf einen Seiten-
was auch der Wurzelbildung ast. Dieser soll von nun an
zugutekommt. Verstärkt wird den Stamm fortführen.
dieser Effekt durch kräftiges
Düngen und den sogenannten
Johannistrieb, den um diese
Zeit bei Gehölzen üblichen,
zweiten Austrieb eines Jahres.

Jahr 3: Zyklus vollenden


Dieser Schritt erfolgt wieder
im Frühjahr. Kämmen und
schneiden Sie die Wurzeln wie
2
Den Stamm verjüngen
Im dritten Jahr setzen Sie
den Stamm schräg, wie es
die locker aufrechte Stilform
erfordert. Durch den Rück-
im ersten Jahr und setzen Sie
schnitt auf den rechten
die Pflanze in einen etwas
Seitenast fördern Sie die
größeren Topf auf einen Stein.
Verjüngung des Stammes.
Achten Sie dabei auf die Wur-
zelverteilung. Manche Stil-
richtungen (➝ Seite 12–15),
wie die locker aufrechte, die
geneigte oder die Kaskaden-
bzw. Halbkaskadenform, er-
fordern einen mehr oder weni-
ger geneigten Stamm. Wenn
der Bonsai eine dieser Formen
haben soll, topfen Sie die
Pflanze jetzt im entsprechen-
den Winkel ein (➝ Abb. 2).
3
Den Stammverlauf ändern
Ein Rückschnitt im siebten
Jahr ändert den Stammver-
lauf erneut. Die gewünschte
Höhe ist fast erreicht. För-
Dem passen sich Äste im Lauf dern Sie ab jetzt die Feinver-
der Zeit durch ihren natürli- zweigung durch Formschnitt.
chen Wuchs an.

Wiederholung der Zyklen


Wiederholen Sie diesen Drei-
jahreszyklus über zehn bis Das vorläufige Endergebnis
zwölf Jahre (➝ Abb. 4). Dann Nach zwölf Jahren sind
ist die Pflanze soweit vorberei- gewünschte Höhe und Stil-
tet, dass Sie sie durch Drahten form erreicht. Ab jetzt wird

4
(➝ Seite 60/61) und Schnitt seine Verzweigung ständig
(➝ Seite 62/63) in die endgül- verfeinert. Dadurch ver-
tige Form bringen können. kleinert sich auch das Laub.
2 B o nsa i p ra xis

Beispiel Fächer-Ahorn

FÄCHER-AHORN
Acer palmatum
1 2
AUSGANGSMATERIAL:
abgemooste Baumschulware
STILFORM:
Doppelstamm

Japanische Bildbände weckten in mir


den Wunsch nach einem Doppel-
stamm. Das Ausgangsmaterial dazu
fand ich in einer Gärtnerei. Bei einem
Treffen des Bonsai-Arbeitskreises
ALTER: ALTER:
demonstrierte ich daran, wie das
4 Jahre 6 Jahre
Abmoosen zur Verkürzung des
Unterhalb einer V-förmigen Durch häufiges Umsetzen in
Stamms funktioniert. Beim nächsten
Verzweigung verkürzte ich verschiedene Bonsai-Schalen
Treffen, nur vier Wochen später, hatte den Stamm des ca. 30 cm ho- entwickelte sich ein attrakti-
der Fächer-Ahorn so gut bewurzelt, hen, reich verzweigten Fächer- ver Wurzelansatz. Das ging
dass ich ihn bereits eingetopft präsen- Ahorns durch Abmoosung allerdings auf Kosten des so
tieren konnte. Das hätte ich selbst (➝ Seite 72/73). Beim Ein- wichtigen Dickenwachstums:
topfen setzte ich die Wurzeln Stamm und Äste verzeichnen
nicht für möglich gehalten, und es ist
auf einen Stein (➝ Seite 56) zu wenig Zuwachs. Der linke
mir seither auch nie wieder gelungen, und breitete sie für einen Stamm wies eine Drahtspur
einen Baum in einem derart kurzen schönen Wurzelansatz strah- auf, die bereits nach acht
Zeitraum abzumoosen. lenförmig aus. Die Pflanze Wochen in der feinen Rinde
kam in einen Topf mit einem entstand. Die Narbe wird
doppelt so großen Durchmes- noch lang zu sehen sein.
ser wie der des Wurzelballens, Daher verzichtete ich weit-
aber nur halber Höhe: Sie soll- gehend auf Draht und korri-
te bald in eine flache Schale gierte die Astwinkel in der
umziehen. Den Topf füllte ich Folge durch Abspreizen und
mit humosem Substrat auf. Abspannen (➝ Seite 58/59).

94
❯ Beispiele für die Entwicklung

In einer Baumschule stieß ich auf einen jungen Fächer-Ahorn, der sich für den
Aufbau zum Doppelstamm anbot. Trotz (unnötig) langer Entwicklungszeit kann
ich stolz darauf sein, denn er hat heute einen perfekten Wurzelansatz.

3 4 5

ALTER: ALTER: ALTER:


10 Jahre 20 Jahre 26 Jahre
Drei Jahre lang stand der Die gute Wasserversorgung Langsam wächst der ca. 60 cm
Bonsai in einer Schale. des strukturstabilen Akada- hohe Bonsai nun doch in die
Die Umstellung auf reines masubstrats und die verstärk- gewünschte Form. Nur den
Akadama (➝ Seite 38) und te Düngung zeigten Wirkung. Kronenaufbau finde ich immer
gute Düngung erzeugten Die Proportionen des Baum- noch nicht locker und flach
einen Wachstumsschub. aufbaus erschienen allmählich genug. Das korrigiere ich durch
Der Wurzelansatz ent- harmonischer: Der Stamm- häufiges Pinzieren (➝ Seite
wickelte sich positiv, doch durchmesser hatte sich fast 64/65). Auch die bereits recht
das Dickenwachstum ließ verdoppelt, und die Krone zufriedenstellende Feinver-
noch zu wünschen übrig. verzeichnete eine gute Ver- zweigung ist soweit voran-
Es wäre besser gewesen, zweigung. Allerdings war der geschritten, dass ich den
mit dem Einsetzen in die obere Kronenbereich noch zu Zuwachs nur noch pinzieren
Schale noch fünf Jahre zu dicht und schwer. Hier hätte muss. Von dieser Entwicklungs-
warten. Die Stämme setzte ich rechtzeitig etwas stärker geschichte hat vor allem der
ich häufig auf schwächere zurückschneiden müssen. Das Wurzelansatz profitiert: Viele
Seitenäste ab. Dadurch korrigierte ich dann durch Besucher glauben, er sei in
zeigten sie nun eine konsequentes Auslichten und Japan gestaltet worden – ein
attraktive, bewegte Form. Absetzen auf dünnere Äste. schönes Kompliment für mich!

95
3 Po r t r ä t s

Birken-Feige Kletter-Feige Chinesischer Wacholder


Ficus benjamina Ficus pumila Juniperus chinensis

GRUPPE: Laubgehölz GRUPPE: Laubgehölz GRUPPE: Nadelgehölz


TYP: für Einsteiger TYP: für Fortgeschrittene TYP: für Einsteiger bis Profis
immergrüner Zimmerschmuck lianenartiger Kletterer perfekt für Totholzinszenierung

Herkunft: Asien Herkunft: Asien Herkunft: Asien


Merkmale: immergrün; längliche, Merkmale: immergrün; kleine, herz- Merkmale: immergrün; schuppenför-
leicht ledrige Blätter; feigenförmige förmige Blätter mit glatten Rändern miges Laub, im Winter braunviolett,
Blüten/Früchte, je nach Standort Substrat, Dünger: durchlässiges, bei einigen Sorten (‘Itoigawa’) extrem
ganzjährig oder während der Haupt- humoses/mineralisches Substrat klein; Blüten unscheinbar im März/
wachstumsphase, rot abreifend (1:1); ganzjährig mit Flüssigdünger April; weibliche reifen bis zu zwei Jahre
Substrat, Dünger: durchlässiges, versorgen zu bläulichen, kugeligen Zapfen
humoses/mineralisches Substrat Pflege: mäßig gießen; trockene Blät- Substrat, Dünger: durchlässiges, mine-
(1:1); ganzjährig mit Flüssigdünger ter im Kroneninneren immer entfer- ralisches Substrat; ganzjährig reichlich
versorgen, im Winter nur alle vier nen; öfter drehen; Überwinterung im mit Flüssigdünger versorgen
Wochen Zimmer bei 20 °C an einem hellen Pflege: reichlich gießen; öfter drehen;
Pflege: mäßig gießen, Wurzel immer Fenster häufig auf Spinnmilben, Napf- oder Kom-
feucht halten; öfter drehen; vor allem Wuchs: flachwachsend; lianenartige maschildläuse kontrollieren und zügig
im Zimmer auf Blattläuse, Schildläuse Triebe bildend; klettert gern bekämpfen, da sonst das Laub fahl wird;
und Spinnmilben achten; Überwinte- Stilform: Felspflanzungen, locker auf- einige Sorten werden vom Birnengitter-
rung im Zimmer bei 20 °C an einem rechte Stilform rost befallen; Überwinterung im Freien
hellen Fenster Schnitt & Form: Schnitt und Formen mit Sonnen-, Wind- und Wurzelschutz
Wuchs: aufrecht mit nach oben stre- das ganze Jahr über möglich und Wuchs: buschig bis aufrecht; dominan-
benden Ästen; im Alter eine flache nötig, austretenden Milchsaft mit te Gipfeltriebe
Krone und Luftwurzeln bildend einem feuchten Küchentuch abtupfen; Stilform: alle Stilformen möglich;
Stilform: alle Stilformen möglich lianenartige Triebe immer wieder ent- Totholzinszenierung
Schnitt & Form: Schnitt das ganze wirren; Triebe werden erst nach Jah- Schnitt & Form: Zurückzupfen der
Jahr über möglich, austretenden ren so stabil, dass sie die gewünschte Langtriebe das ganze Jahr über mög-
Milchsaft mit einem feuchten Küchen- Form halten lich; starker Form- und Rückschnitt Mit-
tuch abtupfen Tipp: Triebe sehr lange wachsen las- te Juni bis ins alte Holz; drahten das
Tipp: nach komplettem Blatt- und sen, dann erst schneiden ganze Jahr über möglich
leichtem Rückschnitt ab Mitte Mai im Tipp: sobald Endform erreicht ist,
Freien in die volle Sonne stellen, das wöchentlich die Langtriebe wieder in
härtet ab für die Überwinterung Form zurückzupfen

116 Sonne Halbschatten Schatten Blütenschmuck


❯ Die beliebtesten Gehölze für Bonsais

Europäische Lärche Zierapfel ‘Evereste’ Orangenraute


Larix decidua Malus ‘Evereste’ Murraya paniculata

GRUPPE: Nadelgehölz GRUPPE: Laubgehölz GRUPPE: Laubgehölz


TYP: für Einsteiger TYP: für Einsteiger TYP: für Fortgeschrittene
leuchtende Herbstfärbung großartiger Blüher und Fruchter mit stark duftenden Blüten

Herkunft: Europa Herkunft: Europa Herkunft: Asien


Merkmale: immergrün; feine, schlan- Merkmale: schmale herzförmige Blät- Merkmale: immergrün; Blätter un-
ke, in Büscheln entspringende ter, gelbe Herbstfärbung; weiße Blüte paarig gefiedert, ca. 5–7 cm lang; Blü-
Nadeln, die im Winter abfallen; hän- mit roten Streifen ab Mai; Früchte ab tenstände von Juni bis Oktober, weiß,
gende, gelbe männliche Blütenstände Juni/Juli, Miniaturen der Tafelsorten bei Temperaturen ab 20 °C stark nach
von März bis Mai; stehende, rote Substrat, Dünger: durchlässiges, Jasmin duftend; Früchte ab Oktober,
weibliche Blüten, die im September/ humoses/mineralisches Substrat teils gleichzeitig mit der Blüte, ähneln
November zu braunen Zapfen reifen (1:1); ganzjährig mit Flüssigdünger kleinen Kirschen
Substrat, Dünger: durchlässiges, versorgen; nach der Blüte zusätzliche Substrat, Dünger: durchlässiges, hu-
mineralisches Substrat; von April bis Düngergaben zur Fruchtbildung moses/mineralisches Substrat (1:1);
September Flüssigdünger geben Pflege: kräftig gießen; öfter drehen; ganzjährig Flüssigdünger geben
Pflege: mäßig gießen, Wurzel immer im Frühjahr auf Blattläuse achten; Pflege: reichlich gießen; öfter drehen;
feucht halten; öfter drehen; Lärchen- Überwinterung im Freien mit Sonnen-, im Zimmer häufig auf Spinnmilbenbe-
blattlaus lässt die Nadeln einknicken; Wind- und Wurzelschutz fall kontrollieren; Überwinterung ab
vorbeugend Winter- und Austriebs- Wuchs: aufrecht bis buschförmig; Ende September in einem hellen, war-
spritzung; Überwinterung im Freien meist auf Wurzelunterlagen veredelt men Zimmer oder kühl und hell, dann
mit Sonnen-, Wind- und Wurzelschutz Stilform: locker aufrecht, Besenform die Wurzeln trockener halten
Wuchs: aufrecht; leicht hängende Äste Schnitt & Form: in den ersten Jahren Wuchs: aufrecht mit nach oben stre-
Stilform: alle Stilformen möglich, im größeren Anzuchtgefäß halten, um benden Ästen
Schirmform weniger geeignet Zuwachs zu fördern; Langtriebe erst Stilform: locker aufrecht, Besenform
Schnitt & Form: am Anfang auf attrak- Anfang Juli zurückschneiden; Neuaus- Schnitt & Form: nach der Blüte kräftig
tiven Wurzelansatz achten; Triebe erst trieb unberührt lassen, weil sich da- zurückschneiden; falls erforderlich
schneiden, wenn man die Endknos- ran die Blütenknospen bilden auch ins alte Holz, dann blüht der
pen an den Langtrieben erkennen Tipp: starker Fruchtbehang schwächt Baum allerdings erst im Folgejahr
kann; Neuaustrieb nicht einkürzen den Baum, sodass er im Folgejahr fast wieder, da sich die Blütenknospen an
Tipp: weibliche Blüten (Zapfen) nur keine Früchte bildet (Alternanz); Langtrieben bilden
an den kräftigsten Ästen in geringer daher die Früchte im Juni so ausdün- Tipp: Schnitt zugunsten der Blüten- und
Zahl stehen lassen, alle anderen nen, dass nur an kräftigen Ästen eini- Fruchtbildung nur sehr moderat; dafür
sofort entfernen ge wenige verbleiben alle drei Jahre kräftig zurückschneiden

Laubschmuck Fruchtschmuck nicht oder bedingt frosthart giftig 117


Bonsai ziehen, gestalten und pflegen
Die Miniaturbäume bilden die Natur im Kleinen nach. Mit der
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jährige Entwicklung von Bonsais, verdeutlichen die Wirkung der einzelnen
Techniken und unterstützen Sie beim Formieren eigener Bonsais.
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ISBN 978-3-8338-3452-3

PEFC/04-32-0928

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