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Werkstoffkunde I – Zusammenfassung

1. Physikalische Eigenschaften
Gleichgewichtsabstand:
▪ Atome nehmen Minimum an potenzieller Energie (Bindungsenergie) ein
▪ Abstoßung der Atomhüllen, Anziehung der Atomkerne
𝑘𝑎𝑛 𝑘𝑎𝑏
𝑈𝐿𝐽 = − 6 + 12
𝑥 𝑥
Elastizität:
▪ Fähigkeit zur reversiblen Formänderung → Anstreben des Zustands geringster Energie

Plastizität:
▪ Fähigkeit zur irreversiblen Formänderung

Wärmedehnung 𝜶:
▪ Ausdehnung unter Wärmezufuhr durch größere Atomschwingungen bei höheren Temperaturen
▪ Erhöhung des mittleren Atomabstandes durch Erhöhung der inneren Energie

Wärmeleitfähigkeit 𝝀:
▪ Ausgleich von Temperaturdifferenzen durch Wärmetransport ohne Materie
▪ Metallisch gebunden: durch Bewegung von freien Elektronen
▪ Nichtleiter/Isolatoren: Transport durch Phononen
➔ gekoppelte Schwingungen der Atome um Gleichgewichtslage nach DEBYE-Modell, mittleres
GGW wird größer

Spezifische Wärmekapazität c:
▪ Wärmemenge, um Temperatur um ∆T zu erhöhen (Energie für 1kg um 1°C)

Elektrische Leitfähigkeit 𝝈:
▪ Anzahl der beweglichen freien Ladungsträger
▪ Elektr. Widerstand durch Gitterschwingungen (Temperaturabhängig), Fremdatome und Geometrische
Verzerrung → Matthiessen’sche Regel: athermischer und thermischer Anteil
▪ Supraleiter: kein Restwiderstand bei niedrigen Temperaturen (keine Verunreinigungen)
▪ Halbleiter: Leitfähigkeit durch Verunreinigungen beeinflusst
➔ n-Dotierung: durch Elektronendonatoren, überzählige Elektronen
➔ p-Dotierung: durch Elektronenakzeptoren, Elektronenfehlstellen

Optische Eigenschaften:
▪ Absorption: Freie Elektronen besetzen im Bändermodell diskrete Energiezustände, Energiequanten
nehmen durch Absorption höheren Zustand ein
➔ Energie der Quanten muss Energiedifferent zweier Leistungsbänder entsprechen
➔ Absorption erfolgt innerhalb sehr dünner Oberflächenschicht (100 Atomlagen)
▪ Reflexion: Energieabgabe durch Zurückfallen des Elektrons in Form von Licht (Wellenlänge des Quants
bestimmt Farbe)
2. Mechanische Kennwerte
▪ Isotropie: Richtungsunabhängigkeit physikalischer Eigenschaften (Gegenteil: Anisotropie)
▪ Festigkeit: Widerstand gegenüber Verformung
▪ Härte: Widerstand gegenüber Eindringen anderer Körper
▪ Duktilität: Fähigkeit zur plastischen Verformung vor Versagen (Gegenteil: Spröde)
▪ Zähigkeit: plastische Verformbarkeit bei Anwesenheit von Kerben

Zugversuch:
▪ Zerstörendes Prüfverfahren unter einachsiger Beanspruchung
▪ Bereich 1: Elastische Dehnung der Probe (Hook’sche Gerade: Steigung entspricht E-Modul)
▪ Bereich 2: Elastizitätsgrenze überschritten, plastische Verformung: Querdehnung (Verringerung des
Querschnitts) und Längung
▪ Bereich 3: Einschnürdehnung, technische Spannung fällt ab, da Querschnittsfläche bis Bruch sinkt
𝐹 Δl 𝜎
𝜎= 𝜀= 𝐸=
𝐴 𝑙0 𝜑 = ln⁡(𝜀 + 1) 𝜀
Festigkeitskennwerte:
𝐹
▪ Zugfestigkeit 𝑅𝑚 : Maximum der technischen Spannungs-Dehnungs Kurve, 𝑅𝑚 = 𝑚𝑎𝑥
𝐴0
▪ Streckgrenze 𝑅𝑒 : Abrupter Übergang von elastischem zu plastischem Verhalten
➔ Bei Fließbeginn mit Spannungsabfall: obere und untere Streckgrenze
▪ Dehngrenze 𝑅𝑝 : Kontinuierlicher Übergang von elastischem zu plastischem Verhalten
➔ 𝑅𝑝0,2: nach Entlastung bleibt eine plastische Verformung von 0,2%

Verformungskennwerte:
𝐿 −𝐿
▪ Bruchdehnung A: Maximal erreichbare Dehnung einer Probe 𝐴 = 𝑢 0
𝐿0
➔ Bei Einschnürung ist Dehnung verstärkt im Bereich der Einschnürung
▪ Fließgrenze steigt mit sinkender Temperatur
𝐴 −𝐴
▪ Brucheinschnürung Z: größte bleibende Querschnittsänderung nach Bruch, 𝑍 = 0 𝑢
𝐴0

𝐴𝐿 : 𝐿ü𝑑𝑒𝑟𝑠𝑑𝑒ℎ𝑛𝑢𝑛𝑔
𝐴𝑔 : 𝐺𝑙𝑒𝑖𝑐ℎ𝑚𝑎ß𝑑𝑒ℎ𝑛𝑢𝑛𝑔
𝐴: 𝐵𝑟𝑢𝑐ℎ𝑑𝑒ℎ𝑛𝑢𝑛𝑔
𝐴𝑡 : 𝐺𝑒𝑠𝑎𝑚𝑡𝑒⁡𝐷𝑒ℎ𝑛𝑢𝑛𝑔

Härteprüfung:
▪ Zerstörungsarmes Prüfverfahren, ermitteln des Widerstands gegen plastische Verformung einer
oberflächennahen Zone durch genormte Eindringkörper
➔ Festigkeit ist in der Regel proportional zur Härte
▪ Keine Aussage über Streckgrenze, da Rückstand im plastischen Bereich liegt

Brinell Rockwell Vickers


Eindringkörper Hartmetallkugel Diamantkegel (HRC), Stahlkugel Quadratische
(HRB) Diamantpyramide
Messwert Eindringoberfläche aus Durchmesser Eindringtiefe Mittelwert der
des Eindrucks und der Kugel Eindringdiagonalen
Einwirkdauer 10s-15s 4s +/- 2s
Angabe <Härte>HBW<D>/<F>/<t>
Anmerkungen Blechdicke 10-mal größer als Eindring- 1. Prüfvorkraft
tiefe, damit keine Beule entsteht 2. Prüfzusatzkraft
Große Kugeln: präziser, können sich 3. bleibende Eindringtiefe nach
aber schnell durch Material drücken Rücknahme der Prüfzusatzkraft
Kerbschlagbiegeversuch:
▪ Liefert Verhalten in Folge von Kerben bei hoher Beanspruchungsgeschwindigkeit
➔ Kerben verursachen mehrachsigen Spannungszustand, verhindern von plastischer
Verformung, Neigung zum Sprödbruch
▪ Kerbschlagarbeit 𝐴𝑣 : Verbrauchte Arbeit zum Durchschlagen oder Umformen der gekerbten Probe
➔ Berechnung aus Energiedifferenz: 𝐴𝑣 = 𝑔(ℎ − ℎ′ )𝑚
▪ Kerb befindet sich auf der dem Hammer abgewandten Seite
▪ Abfall der Kerbschlagarbeit bei abnehmender Temperatur
▪ krz oder hexagonale Struktur: bei zunehmender Temperatur Spröd-Duktil Übergang
▪ kfz Struktur: geringe Temperaturabhängigkeit, Duktilbruch und hohe 𝐴𝑣 -Kennwerte

▪ Duktilbruch: hoher Energieverbrauch, plastische Formänderung bewirkt Hohlraumbildung


▪ Sprödbruch: Versagen nach Spaltung der Gefügekörner (transkristalliner Bruch), geringer
Energieverbrauch
▪ Mischbruch: Unterschiedliche Anteile von Spröd- und Verfomungsbruch

Kriechversuch/Retardationsversuch:
▪ Kriechen: irreversible Formänderung mit deutlicher Zeitabhängigkeit der Verformung bei konstanter
Belastung
▪ Probenverlängerung als Funktion der Zeit
➔ Elastischer und zeitabhängiger plastischer Anteil
▪ Oberhalb 0,3𝑇𝑀 kann Werkstoff aufgrund von Kriechvorgängen versagen
▪ Kriechbruch durch Schädigung des Gefüges durch Mikroporen auf Korngrenzen (interkristalliner Bruch)
▪ Kriechfeste Werkstoffe: niedrige Stapelfehlerenergie, hohe Schmelztemperatur

▪ Bereich 1: Plastische Verformung


▪ Bereich 2: Dehnungszunahme, Kriechrate am geringsten
▪ Bereich 3: Drastischer Anstieg der Kriechrate, Entfestigungsmechanismen

Ralaxationsversuch:
▪ Relaxation: Zeitabhängiger Abbau der Spannung, die zur Aufrechterhaltung einer Ausgangsdehnung
notwendig ist
▪ Ermittlung der allmählichen Abnahme der Beanspruchung bei aufgezwungener Ausgangsverformung
➔ Kriechprozesse bewirken, dass Bauteile nach einer gewissen Zeit ihre Vorspannung verlieren
3. Anordnung der Atome im Festkörper
Ionenbindung:
▪ Metallatome geben lose Valenzelektronen vollständig ab, Edelgaskonfiguration erreicht
➔ Metall wird zum positiv geladenen Ion (Kation), aufnehmende Atom zum negativ geladenen
Ion (Anion)
➔ Coulomb’sche Anziehung
▪ Sehr hohe Bindungskräfte zwischen Metall und Nichtmetall
▪ Geringe elektrische Leitfähigkeit und Verformbarkeit der Werkstoffe

Kovalente Bindung:
▪ Bildung gemeinsamer Elektronenpaare zwischen elektronegativen Atomen
➔ Elektronegativ: Atom hat starkes Verlangen zur Elektronenaufnahme
▪ Zwei Nichtmetalle teilen sich Elektronen → Entstehung eines Bindungsorbitals
➔ Bei zwei gleichen Bindungspartnern ist Ladungsverteilung gleich (unpolar)
➔ Bei verschiedenen Bindungspartnern verschieben sich Ladungspaare in Richtung des
elektronegativeren Partners (polar)
➔ elektronegativerer Partner trägt Partialladung → Dipolbildung, gerichtet
▪ Hohe Bindungskraft, geringe Leitfähigkeit und Verformbarkeit
▪ Hybridisierung von Kohlenstoffverbindungen: es stehen vier Elektronen zur Bindung zur Verfügung

Metallische Bindung:
▪ Wechselwirkung zwischen positiven Atomrümpfen und frei beweglichen Elektronen
▪ Atomrümpfe ordnen sich regelmäßig im Kristallgitter
▪ Elektronen bewegen sich nahezu frei im Kristallgitter
▪ Mittelstarke Bindung mit hoher Leitfähigkeit und guter Verformbarkeit
▪ Räumlich dichteste Kugelpackung

Sekundäre Bindung:
▪ Zwischenmolekulare Kräfte bewirken Zusammenhalt der beteiligten Moleküle
▪ Van-der-Waals Kräfte: Bindung zwischen schwach polarisierten Bindungspartnern, Ungleiche
Ladungsverteilung führt zur Anziehung und Dipolbildung (gerichtet)
▪ H-Brücken: Starke Dipol-Bindungen zwischen positiv polarisiertem H-Atom und stark elektronegativem
Bindungspartner

Räumliche Anordnung:
▪ Kristalliner Zustand: regelmäßige Anordnung, hohe Stabilität (Gitter)
▪ Amorpher Zustand: Nahordnung im Bereich der nächsten Nachbaratome, instabil

Einteilung der Werkstoffgruppen:


▪ Keramik: kovalent und ionisch gebunden, zwischen Metall und Nichtmetall, Fernordnung
▪ Gläser: kovalent und ionisch gebunden, Einbringen von Metall-Oxiden, Nahordnung (ungeordneter
Aufbau)
▪ Polymere: Kovalente Bindungen zwischen Kohlenstoffatomen führen zu Makromolekülen (lange
Ketten), zwischen Ketten wirken v.d.W. Kräfte
➔ Thermoplaste: verzweigte Kettenmoleküle, beliebig oft formbar/schmelzbar
➔ Elaste: Schwach vernetzt, elastische Dehnungen ohne Verformung, unschmelzbar
➔ Duroplaste: Stark vernetzt, gute Festigkeit und sprödes Verhalten, nur einmal formbar

Gitterpunkte:
▪ 𝑟⃗ = 𝜆𝑎⃗ + 𝜇𝑏⃗⃗ + 𝜐𝑐⃗ → Angabe über Zahlentripel: 𝜆𝜇𝜐, [[𝜆𝜇𝜐]]
Gittergerade:
▪ Gitterrichtung: 𝑟⃗ = 𝑣̃𝑎⃗ + 𝑣̃𝑏⃗⃗ + 𝑤
̃𝑐⃗
➔ Miller’sche Indizes: [𝑢𝑣𝑤] → ganzzahlig, teilerfremd
➔ Richtungsfamilie: 〈𝑢𝑣𝑤〉 → Menge aller gleichwertigen Richtungen
z.B. 〈100〉, 〈010〉, 〈001〉, 〈1̅00〉, 〈01̅0〉, 〈001̅〉
3!⋅23
▪ Anzahl Einzelrichtungen: 𝑛 = → a: Anz. Gleicher Zahlen, b: Anz. 0en
𝑎!⋅2𝑏
Gitterebenen:
▪ Miller-Indizes beschreiben genau eine Schar paralleler Ebenen: (ℎ𝑘𝑙)⁡
→ Flächenfamilie: {ℎ𝑘𝑙}
▪ Netzebenenabstand 𝑑𝑘ℎ𝑙 : Abstand unmittelbar benachbarter paralleler Gitterebenen
▪ Im kubischen System gilt: [ℎ𝑘𝑙] ⊥ (ℎ𝑘𝑙)
▪ Vorgehen: 1.) Achsenabschnitte 𝛼, 𝛽, 𝛾
1 1 1
2.) Kehrwerte bilden: , .
𝛼 𝛽 𝛾
3.) Gemeinsamen Nenner bilden
4.) Nenner weglassen ergibt Miller-indizes

Beschreibung eines Hexagonalen Systems:


▪ 3 in einer Ebene liegende Achsen (𝑎1 , 𝑎2 , 𝑎3 ) im 120° Winkel, Achse c orthogonal auf Basisebene
1 1 1 1
▪ Miller-Bravais-Indizes (hkil): → ℎ, → 𝑘, → 𝑖⁡, 𝑙 = → ℎ + 𝑘 + 𝑖 = 0
𝑎1 𝑎2 𝑎3 𝑐

Gitteraufbau:
1 1
▪ Anzahl Atome je Elementarzelle N: Atome an Ecke , Atome auf Fläche
8 2
▪ Koordinationszahl KZ: Anzahl der nächsten Nachbaratome eines Atoms
▪ Raumerfüllung RE: Anteil des vom Atom eingenommenen Volumens der Elementarzelle
𝑉
➔ 𝑅𝐸 = 𝑁 ⋅ 𝐴
𝑉𝐸𝑍

Kubisch primitiv Krz-Gitter Kfz-Gitter


Dichtest gepackte 〈100〉 〈111〉 〈100〉
Gitterrichtung Würfelkante Raumdiagonale Ebenendiagonale
Dichtest gepackte {100} {110} {111}
Gitterebene Alle Würfelflächen
Koordinationszahl 6 8 12
1 1 1 1
Atome je Elementarzelle 8⋅ =1 8⋅ +1=2 8⋅ +6⋅ = 4
8 8 8 2
Größe der Elementarzelle 2𝑟 = 𝑎 4𝑟 = √3𝑎 4𝑟 = √2𝑎
Atome auf Raumdiagonale Atome auf Ebenendiagonale
Stapelfolge AA ABAB ABCABC

Analyse der Kristallstruktur:


▪ Bestimmung der Kristallstruktur durch Beugung elektromagnetischer Wellen
𝑎
▪ Netzebenenabstand in vergleichbarer Größe zur Wellenlänge 𝜆: 𝑑ℎ𝑘𝑙 = 2 2
√ℎ +𝑘 +𝑙2
▪ Zusätzliche Atome des kfz und krz Gitters bilden Netzebenen. Diese bewirken die Auslöschung der
interferierenden Wellen (nicht im kubisch primitiven Gitter)
➔ Krz: ist ℎ + 𝑘 + 𝑙 = 𝑔𝑒𝑟𝑎𝑑𝑒 treten Reflexe auf
➔ Kfz: sind alle Indizes gerade oder alle ungerade treten Reflexe auf
▪ BRAGG-Gleichung: 2 ⋅ 𝑑ℎ𝑘𝑙 ⋅ sin(𝜃) = 𝑛 ⋅ 𝜆 (konstruktive Interferenz ist ganzzahliges Vielfaches der
Wellenlänge)
➔ Beugungswinkel klein → Netzebenenabstand groß

Gitterlücken:
▪ Kfz: Oktaederlücke im Zentrum, ¼ Oktaederlücke an jeder der 12 Kanten → 4 OL = 8 TL
▪ Krz: ½ Oktaederlücke an jeder Seite, ¼ Oktaederlücke an jeder Kante → 6 OL = 12 TL
▪ Anzahl an Lücken bewirkt geringere Raumfüllung
➔ Kfz-Eisen (Austenit) kann mehr Kohlenstoff aufnehmen, als krz-Eisen (Ferrit)

Struktur von Kristallen:


▪ Atom umgibt sich mit so vielen Nachbarn, wie zur Bildung einer aufgefüllten Elektronenschale (8
Elektronen) nötig sind
➔ 𝐾𝑍 = 8 − 𝑊 , W: Anzahl Elektronen in der äußersten Schale
➔ Je größer die Abweichung von 4, desto ionischer die Bindung
▪ Tetraederlücke (kfz): 𝐾𝑍 = 4, 𝑉 ≈ 0,225
▪ Oktaederlücke (kfz): 𝐾𝑍 = 6, 𝑉 ≈ 0,414
▪ zentrale Lücke (kubisch primitiv): 𝐾𝑍 = 8, 𝑉 ≈ 0,732
4. Kristallplastizität und Gitterbaufehler
▪ Plastische Verformung: lokale Scherung in Richtung der dichtest gepackten Richtung (geringste Energie
wird benötigt)
▪ Gleitsystem: dichtest gepackte Ebene (hkl) wird in die dichtest gepackte Gleitrichtung [uvw]
verschoben (geringster Energieaufwand)
➔ ℎ𝑢 + 𝑘𝑣 + 𝑙𝑤 = 0⁡(𝑅𝑖𝑐ℎ𝑡𝑢𝑛𝑔⁡ ⊥ 𝐸𝑏𝑒𝑛𝑒)
▪ kfz: 12 Gleitsysteme mit gleichgroßer Packungsdichte
➔ bessere plastische Verformbarkeit als krz und hdp
▪ 𝐺𝑙𝑒𝑖𝑡𝑠𝑦𝑠𝑡𝑒𝑚𝑒 = 𝐾𝑜𝑚𝑏𝑖𝑛𝑎𝑡𝑖𝑜𝑛𝑒𝑛⁡𝑑𝑖𝑐ℎ𝑡𝑒𝑠𝑡𝑒𝑟⁡𝐸𝑏𝑒𝑛𝑒⁡ ⋅ 𝑑𝑖𝑐ℎ𝑡𝑒𝑠𝑡⁡𝑔𝑒𝑝𝑎𝑐𝑘𝑡𝑒⁡𝑅𝑖𝑐ℎ𝑡𝑢𝑛𝑔𝑒𝑛⁡𝑖𝑛⁡𝐸𝑏𝑒𝑛𝑒
Normal- und Schubspannung:
▪ Schmid’sches Schubspannungsgesetz: 𝜏 = 𝜎 cos(𝜆) sin⁡(𝜒)
▪ Schmid-Faktor: 𝑚 = cos(𝜆) cos⁡(𝜒) ,0 < 𝑚 < 0,5,
➔ 𝜆: 𝐾𝑟𝑎𝑓𝑡⁡𝑧𝑢⁡𝐺𝑙𝑒𝑖𝑡𝑟𝑖𝑐ℎ𝑡𝑢𝑛𝑔, 𝜒: 𝐾𝑟𝑎𝑓𝑡⁡𝑧𝑢⁡𝐺𝑙𝑒𝑖𝑡𝑒𝑏𝑒𝑛𝑒
➔ Winkelbeziehung zwischen Belastungsrichtung und Gleitsystem
▪ Es werden Gleitsysteme mit größtem Schmid-Faktor aktiviert
▪ Vorgehen: 1.) Alle Permutationen der Ebenen und Richtungen aufstellen ((110) ∥ (1̅1̅0))
𝐹⋅(𝐸𝑏𝑒𝑛𝑒)
2.) Winkel Kraft/Ebene: cos(𝜒) = |𝐹|⋅|(𝐸𝑏𝑒𝑛𝑒)|
𝐹⋅[𝑅𝑖𝑐ℎ𝑡𝑢𝑛𝑔]
3.) Winkel Kraft/Gleitrichtung: cos(𝜆) = |𝐹|⋅|[𝑅𝑖𝑐ℎ𝑡𝑢𝑛𝑔]|
▪ Theoretische Schubfestigkeit: notwendige Spannung zur plastischen Verformung eines Festkörpers
𝑏
▪ Bis zu einer Verschiebung von kann sich Deformation nach Entlastung zurückbilden⁡
2

Punktfehler (nulldimensional):
▪ Leerstellen, Zwischengitteratome, Fremdatome

Linienhafte Fehler (eindimensional):


▪ Versetzungen im Kristall in Richtung des Burgersvektors 𝑏⃗⃗
▪ Kristall wird entlang Gleitebene eingeschnitten und getrennte Teile um den Vektor 𝑏⃗⃗ verschoben
➔ Entlang der Schnittlinie (Versetzungslinie 𝑠⃗) bleibt ein gestörter Gitterbereich
▪ Stufenversetzung ⊥: eingeschnittene Kristallhälfte wird zur Versetzungslinie verschoben → 𝑠⃗ ⊥ 𝑏⃗⃗
▪ Schraubenversetzung $: Kristallhälfte wird in Richtung Versetzungslinie verschoben → 𝑠⃗ ∥ 𝑏⃗⃗
2
➔ 𝐸$ ≈ 𝐸⊥
3

▪ Burgersvektor einer vollständigen Versetzung verbindet Atome der dichtest gepackten Richtung
▪ Burgersvektor unvollständiger Versetzungen endet nicht an einem Gitterpunkt
▪ Peach-Koehler Kraft: wirkt auf eine in Gleitebene liegende Versetzung Schubspannung aus → 𝐹⃗ ⊥ 𝑠⃗
▪ Gleiten: konservative Bewegung, Versetzung verlässt nicht ihr Gleitsystem
▪ Klettern: Versetzungslinie wird bei Stufenversetzungen durch thermische Aktivierung angehoben,
Atome in Gleitebene diffundieren zu Leerstelle
▪ Quergleiten: Wechsel der Gleitebene bei Schraubenversetzungen beim Stoßen auf ein Hindernis
▪ Orowan-Spannung: Spannung, die auf eine gekrümmte Versetzungslinie wirkt

▪ Versetzungen streben Zustand kleinster Energie an


▪ Es kann zu Auslöschung von Versetzungen kommen
▪ Versetzungen erhöhen Festigkeit des Materials
▪ Unvollständige Versetzungen: Burgersvektoren von Partialversetzungen spannen Ebene auf
➔ Quergleiten durch Kombination in vollständige Versetzung (Stapelfehlereinschnürung)
▪ Lomer-Lock: Durch Reaktion (Vektoraddition) vollständiger Versetzungen wird nicht gleitfähige
Versetzung gebildet (Burgersvektor nicht mehr in Gleitebene)
➔ Zwei aufgespaltene Versetzungen treffen geneigt zueinander, neuer Burgersvektor liegt nicht
mehr in Gleitebene
➔ Weitere auflaufende Versetzungen werden am Weitergleiten gehindert
(Flächenhafte Fehler (zweidimensional):
▪ Korngrenzen: Aufeinandertreffen von Kristallen mit unterschiedlichen Orientierungen
➔ Bereiche hoher Energie, Verringerung der Korngrenzfläche bei hohen Temperaturen
➔ Barriere für Versetzungsbewegungen, je mehr Korngrenzen, desto höher die Festigkeit
▪ Phasengrenzflächen: Trennung zweier Struktureller Bereiche
➔ Je ähnlicher beide Phasen (desto kohärenter), desto geringer aufzubringende Energie
▪ Stapelfehler: Störung in der Stapelfolge
➔ Shockley-Partialversetung: ABCABC -> ABCABABC (ABAB hexagonale Stapelfolge)
▪ Zwillingsgrenzen: Bewegte Korngrenzen treffen auf Stapelfehler

Räumliche Fehler (dreidimensional):


▪ Ausscheidungen: Teile einer zweiten Phase, die innerhalb eines Korns der anderen Phase liegen
▪ Hohlräume (Lunker, Poren), Gasbläschen, Einschluss von Fremdpartikeln (Oxide tragen zur Härte des
Werkstoffs bei)

5. Festkörperthermodynamik

▪ Phase: Physikalisch und chemisch homogener Bereich


▪ Treibkraft: Änderung des Potentials gegenüber chemischer Zusammensetzung, Ort und Temperatur
➔ Gleichgewicht und Stabilität: Treibkraft = 0
▪ Aktivierungsenergie: Zugeführte Energie, um von metastabil zu stabil zu wechseln
▪ Entropie: Maß für Unordnung, Unordnung steigt mit zunehmender Temperatur
Konzentrationsmaße:
𝑚 𝑥𝐴 ⋅𝑀𝐹𝑒
▪ Masseprozent: 𝑐𝐴 = 𝐴 =
𝑚𝑔𝑒𝑠 𝑥𝐵 ⋅𝑀𝐶 +𝑥𝐹𝑒 ⋅𝑀𝐹𝑒
𝑛𝐴
▪ Atomprozent: 𝑥𝐴 = → 𝑛𝐴 = 𝑛𝑔𝑒𝑠 ⋅ 𝑥𝐴
𝑛𝑔𝑒𝑠

Zustandsdiagramme:
▪ Haltepunkt: waagerechter Verlauf, vollständiger Phasenübergang von schmelzflüssig in festen Zustand
▪ Konstante Abkühlkurve bei Reinen Stoffen, Mischung zeigt Erstarrungsbereich mit Knickpunkten
➔ Abkühlung läuft verzögert ab
➔ Knickpunkte markieren Koexistenzbereiche (beide Phasen existieren)
▪ Liquiduslinie: obere Kurve, Grenze zwischen Einphasengebiet der Schmelze (oberhalb) und
Koexistenzbereich von Schmelze und Festkörperphase (unterhab)
▪ Soliduslinie: untere Kurve, unterhalb befinden sich nur feste Phasen
▪ Freie Mischungsenthalpie Δ𝐺𝑀 : Freie Enthalpie, die Aufgrund des Mischens entsteht
▪ Zustand mit kleinster Enthalpie ist stabil
▪ Kann man eine Tangente an α und S skizzieren, liegen beide Phasen zwischen den Berührpunkten
gemischt vor
▪ Konstruktion: 1.) Haltepunkte und Knickpunkte übertragen
2.) Randlöslichkeit eintragen
3.) Punkte verbinden
▪ Gibbs’sche Phasenregel: 𝐹 + 𝑃 = 𝐾 + 2 → F: Freiheitsgrade, P: Anz Phasen, K: Anz Komponenten

Zweistoffsysteme:
▪ Bereich mit beiden Phasen s und f zwischen Liquiduslinie und Soliduslinie
▪ Eutektisches System: vollständige Mischbarkeit im Flüssigen und vollständige Unmischbarkeit im
festen Zustand
➔ Eutektischer Punkt: Dreiphasengleichgewicht, eutektische Zusammensetzung erreicht
➔ Eutektische Phasenumwandlung: 𝑆 → 𝛼 + 𝛽
➔ Unterhalb eutektischer Temperatur (𝑇𝐸 = 1147°𝐶) liegen A und B im festen Zustand vor
▪ Eutektoide Reaktion: Entmischungsreaktion in festen, homogenen Mischkristall (ohne Schmelze)
➔ Eutektoider Punkt: x=0,8 M-%
➔ Eutektoide Temperatur: 𝑇𝐸𝐷 = 723°𝐶
➔ 𝛾 →𝛼+𝛽
▪ Peritektisches System: Vollständige Mischbarkeit im flüssigen Zustand, begrenzte Mischbarkeit im
festen Zustand
➔ 𝑆+𝛽 →𝛼
➔ Unerwünschte langsame Reaktion

Hebelgesetz:
𝑐𝑦 −𝑐𝑙𝑒𝑔
▪ 𝑚𝑆 = 𝑚𝑔𝑒𝑠
𝑐𝑦 −𝑐𝑥

Eisen-Kohlenstoffdiagramm:
▪ Stahl: Kohlenstoffgehalt > 2,05%
▪ Gusseisen: Kohlenstoffgehalt 2,05% < %C < 6,67
▪ Ferrit: α-Eisen, krz-Struktur
➔ Hohe Diffusionsgeschwindigkeit aufgrund
niedrigerer Packungsdichte des krz Gitters
▪ Austenit: Mischphase, γ-Eisen, kfz-Struktur
➔ Dichteste Packung, beste Verformbarkeit,
größte Gitterlücken
➔ löst am Meisten Kohlenstoff
▪ Perlit: Phasengemisch, α+𝐹𝑒3 𝐶
▪ Primärzementit (𝐹𝑒3 𝐶): Direkt aus Schmelze
entstanden
▪ Sekundärzementit: Aus Austenit entstanden
6. Kinetik (Diffusion)
Thermisch aktivierte Vorgänge:
▪ Diffusion: Vorgang des Stoff-, bzw. Materialtransports, welcher mit Wanderung von Atomen und
Ionen in Gasen, Flüssigkeiten und Festkörpern verbunden ist
▪ Atome führen Wärmeschwingungen um Gitterplätze aus, ist Aktivierungsenergie Q erreicht, sind
Atome fähig, ihren Platz zu verlassen
➔ Bewirkt Konzentrationsausgleich, Phasenumwandlung, Härten, Wärmebehandlung, Korrosion
➔ Steigende Temperaturen und abnehmende Ordnung begünstigen Diffusion
▪ Thermodiffusion: Ausgleich der kinetischen Energie durch Platzwechsel
▪ Selbstdiffusion: Thermodiffusion mit nur einer Art Atome
▪ Fremddiffusion: Konzentrationsausgleich zweier unregelmäßig verteilter Komponenten

Diffusionsmechanismen:
▪ Leerstellenmechanismus: Atom verlässt Gitterplatz und besetzt Leerstelle (v.a. Selbstdiffusion)
▪ Zwischengittermechanismus: Thermisch aktivierter Platzwechsel von Fremdatomen auf benachbarte
Zwischengitterplätze (Fremdatome mit kleineren Radien)
▪ Austauschmechanismus: Austausch von zwei Atomen gleicher Art (Selbstdiffusion) oder verschiedener
Atome (Fremddiffusion)
Diffusionswege:
▪ Gitter-, Volumendiffusion: Platzwechselvorgänge erfolgen entlang oder zwischen 0-dimensionalen
Atompositionen des Kristallgitters
▪ Versetzungs-, Schlauchdiffusion: Gitterstörung entlang einer 1-dimensionalen Versetzungslinie
ergeben weitere Gitterabstände, Fremdatome können hier schneller diffundieren
▪ Grenzflächendiffusion: Korngrenzen und freie Oberflächen (2-dimensional)

Mathematische Beschreibung der Diffusion:


▪ 1. Fick’sches Gesetz: Stationäre Diffusionsbedingung (Konzentrationsunterschied zeitlich unverändert)
𝑑𝑛 1 ∆𝑐
𝑗(𝑥) = = −𝐷 𝐵
𝑑𝑡 𝐴 ∆𝑥
▪ Positiver Teilchenstrom j(x) ist proportional zum negativen konzentrationsunterschied
➔ Diffusion verläuft in Richtung abnehmender Konzentration
▪ 2. Fick’sches Gesetz: Ist Konzentrationsunterschied zeitlich veränderlich, ist Teilchenstrom ins Medium
größer als aus dem Medium
𝛿𝑐 𝛿2𝑐
=𝐷
𝛿𝑡 𝛿𝑥 2
2 𝑦 −𝜆2 𝑥
▪ Lösung ist Gauss’sche Fehlerfunktion: erf⁡(𝑦) = ∫ 𝑒 𝑑𝜆 mit 𝑦 =
√𝜋 0 2√𝐷𝑡
➔ erf(0) = 0, erf(∞) = 1, erf(−∞) = −1
erf(𝑦1 )−erf(𝑦𝑢 )
➔ Erhalte Zwischenwerte durch Interpolation: 𝑦𝑔𝑒𝑠 = 𝑦𝑢 + (𝑦𝑜 − 𝑦𝑢 ) ⋅ )−erf(𝑦 )
erf(𝑦0 𝑢
𝑄
▪ Diffusionskoeffizient: 𝐷 = 𝐷0 exp⁡(− )
𝑅𝑇
▪ Sprungfrequenz 𝜐: Häufigkeit, mit welcher die Atome ihren Platz verlassen
𝐺
➔ 𝜐 = 𝜐0 exp (− 𝑤) → 𝜐0 : Debye-Frequenz 𝜐0 = 1013 𝐻𝑧
𝑅𝑇
▪ Aktivierungsenergie nimmt in der Reihenfolge Oberflächendiffusion, Korngrenzen, Gitter-
/Volumendiffusion zu

Anwendungsbeispiele:
▪ Wärmebehandlung: 𝑐(𝑥, 𝑡) = 𝑐0 + (𝑐1 − 𝑐0 )(1 − erf(𝑦))
➔ C-Atome diffundieren in der Randschicht, Stähle werden mit geringem C-Gehalt aufgekohlt
𝑐 −𝑐
▪ Interdiffusion von zwei Elementen: 𝑐(𝑥, 𝑡) = 𝑐0 + 1 0 (1 − erf(𝑦))
2
➔ Randbedingung: 𝑐(𝑧 = 0, 𝑡) = 𝑐1 ⁡
➔ Anfangsbedingung: 𝑐(𝑧 > 0, 𝑡 = 0) = 𝑐0
▪ 𝑐(𝑥, 𝑡) − 𝑐0 beschreibt aktuellen, 𝑐1 − 𝑐0 beschreibt anfänglichen (t=0) Konzentrationsunterschied
▪ Kirkendall-Effekt: Diffusionsgeschwindigkeiten der beiden Komponenten müssen nicht gleich sein
➔ Je höher die Packungsdichte, desto langsamer Diffusionsgeschwindigkeit
➔ Bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten können „Kirkendall-Poren“ entstehen
▪ Rasches Abkühlen verhindert Ausbildung von stabilen Mischkristallen, jedoch kommt es zu
Abweichungen der Gleichgewichtskonzentration
➔ Konzentrationsausgleich durch Wärmebehandlung (Diffusionsglühen)
7. Phasenumwandlung
▪ Diffusionsgesteuerte Phasenumwandlung: Phasenübergänge, die durch diffusionsabhängige Vorgänge
Keimbildung und Keimwachstum realisieren
➔ Neugebildeter Keim ist wachstumsfähiger und stabiler
▪ Diffusionskontrollierte Phasenumwandlung: durchläuft Keimbildung und Keimwachstum

Homogene Keimbildung:
▪ Partikel werden aus einer Mutterphase ohne Fremdhilfe ausgeschieden
➔ Überwiegend bei hohen Abkühlgeschwindigkeiten
▪ Energiegewinn durch Keimbildung (Volumenterm Δ𝐺𝑣 )
▪ Energieaufwand zur Schaffung der Grenzfläche (Oberflächenterm Δ𝐺𝑠 )
ℎ𝑜𝑚
➔ Δ𝐺𝑔𝑒𝑠 = Δ𝐺𝑣 + Δ𝐺𝑠 = 𝑉𝑘 Δ𝑔𝑣 + 𝑂𝑘 𝛾𝐺𝐹
▪ Sind Dichten der Komponenten unterschiedlich, führt Ausscheidung zu Gitterverzerrungen, zusätzliche
benötigte Energie erschwert Keimbildung
▪ Kritischer Keimradius 𝑟𝑘𝑙𝑟𝑖𝑡 kennzeichnet Mindestgröße eines stabilen Keims der neuen Phase
➔ Keim beginnt zu wachsen, wenn er den krit. Keimradius erreicht hat
➔ Für 𝑟 < 𝑟𝑘𝑟𝑖𝑡 zerfallen gebildete Keime
ℎ𝑜𝑚
𝑑Δ𝐺𝑔𝑒𝑠
➔ Folgt aus = 0⁡
𝑑𝑟
▪ Um Keim mit 𝑟𝑘𝑟𝑖𝑡⁡ zu bilden benötigt es Energie, Keimwachstum senkt Systemenergie
➔ Mit zunehmender Unterkühlung nimmt 𝑟𝑘𝑟𝑖𝑡 ab, da Triebkraft steigt
➔ Je kleiner 𝑟𝑘𝑟𝑖𝑡 , desto leichter können Keime gebildet werden → Keimbildungsrate steigt
➔ Grenzflächenenergie 𝛾𝐺𝐹 temperaturunabhängig, freie Enthalpie Δ𝑔𝑣 temperaturabhängig

Heterogene Keimbildung:
▪ Ausscheidung einer Phase β aus einer Phase α durch injizierte Partikel, an denen sich Keime bilden
▪ Bevorzugte Stellen sind Gitterdefekte
➔ Kann Defekte beseitigen, Keimbildungsenergie reduziert sich um Δ𝐺𝐷
▪ Stellt Δ𝑔𝑣 nicht genügend Energie für eine homogene Keimbildung bereit, gibt es die heterogene
▪ Es können mehr stabile Keime gebildet werden, da kritisches Keimvolumen und Keimbildungsarbeit
geringere Werte haben

Keimwachstum:
▪ Keimbildungsrate 𝑛̇ : Pro Zeiteinheit gebildete Anzahl n von stabilen Keimen bei N Atomen
➔ Sinkt mit abnehmender Temperatur
▪ Bei hohen Temperaturen ist Treibkraft zu klein, bei zu kleiner Temperatur ist Diffusion zu klein
▪ Ist Keimbildung abgeschlossen, wächst neu gebildete Phase durch Anlagerung weiterer Atome aus
flüssigen, bzw. festen Phasen
▪ Umwandlungsrate: Anzahl der Keime kritischer Größe, die eine Volumenzunahme erfahren

Diffusionslose Phasenumwandlung:
▪ Nur im festen Zustand, Bewegungen von einzelnen Atomen über Entfernungen, die geringer sind, als
die Atomabstände des Kristallgitters
▪ Voraussetzung ist rasche Temperaturänderung, sodass Diffusion nicht auftreten kann

Martensitische Umwandlung im Stahl:


▪ Diffusionslose Umwandlung von Austenit zu Martensit erfolgt bei sehr hoher Abkühlgeschwindigkeit
➔ Behinderung der Phasenumwandlung von Austenit (kfz, γ-Eisen) zu Ferrit (krz, α-Eisen) und
der Umlagerung der in Lücken gelösten C-Atome
▪ Da Austenit mehr C-Atome einlagern kann, liegt nach Abkühlung übersättigter Ferrit vor
➔ Verzerrung des krz α-Eisens in eine tetragonal raumzentrierte Elementarzelle
➔ Entstehung von Martensit (trz, α‘-Eisen)
▪ Verzerrung ist mit Spannungsfeldern verbunden, welche Versetzungsbewegungen verhindern
➔ Festigkeitssteigerung
▪ Mit zunehmendem C-Gehalt wird notwendige Temperatur zur Martensitbildung kleiner und die
Festigkeit nimmt zu
ZTU-Schaubilder:
▪ Kontinuierliche ZTU-Schaubilder: Festlegung der Wärmebehandlung und Bestimmung der Härte bei
kontinuierlicher Abkühlung
▪ Isotherme ZTU-Schaubilder: Werkstoff rasch aus Einphasengebiet auf gewünschte Temperatur
abgekühlt, Bestimmung von Umwandlungszeiten
𝑡 −𝑡
▪ Abkühlparameter: 𝜆 = 500°𝐶 800°𝐶
100𝑠

8. Festigkeitssteigerung
Mischkristallhärtung (0-dim.):
▪ Erhöhung der Streckgrenze durch Einbringen von Fremdatomen in Wirtsgitter
▪ Mischbarkeit: Fähigkeit andere Atome ohne Änderung der Kristallstruktur aufzunehmen
▪ Substitutionsmischkristalle: Atome ersetzen auf zufälliger Weise Atome des Wirtskristalls
➔ Atomradien annähernd gleich groß (10-15% rel. Unterschied), chem. Affinität zwischen
Komponenten
➔ Lösichkeit nimmt mit zunehmender Atomradiendifferenz und Wertigkeitsdifferenz ab
▪ Einlagerungsmischkristall: Atome werden in Gitterlücken eingelagert
➔ Atomradius des eingelagerten Elements deutlich kleiner
➔ Erhalt des metallischen Charakters, Löslichkeitsgrenze schon bei geringen Temperaturen
▪ Größeneffekt: Einlagerung von Fremdatomen führt zur Änderung des Gitterparameters 𝑎0
➔ Beschreibt elastische Verzerrung des Gitters, da Atomradien verschieden sind
➔ Gitterkonstante setzt sich additiv aus den Komponenten zusammen
▪ Moduleffekt: Wechselwirkungskräfte zwischen benachbarten Atomen
➔ Änderung des E-Moduls und der Bindungsfestigkeit
▪ Gelöste Atome blockieren Versetzungen und erzeugen zusätzlichen Reibungswiderstand

Versetzungshärtung (Kaltverfestigung, 1-dim.):


▪ Erhöhung der Streckgrenze durch Einbringen von Versetzungen
▪ Versetzungen Multiplizieren sich während der Verformung (Frank-Read-Quelle)
▪ Versetzungen behindern sich gegenseitig, weitere Bewegung nur durchzunehmende Spannung
▪ Einkristallverfestigung: 1.) Versetzungen stauen sich vor gebildeten Hindernissen
2.) Dynamische Erholung: Schubspannung so groß, dass Versetzungen durch
Klettern oder Quergleiten Hindernisse umgehen
→ Quergleiten im kfz leichter als im krz
▪ Vielkristallverfestigung: Verfomung nur dann möglich, wenn jedes Korn zu einer plastischen
Formänderung in der Lage ist
➔ Unter Belastung entstehen Löcher, die durch Versetzungen ausgeglichen werden
▪ Streckgrenzeneffekt: Auftreten einer ausgeprägten Streckgrenze v.a. bei krz-Metallen mit gelösten
Fremdatomen
➔ Beim Erreichen der oberen Streckgrenze reißt sich Versetzung von Fremdatomen los.
Spannung fällt auf 𝑅𝑒𝑙 ab
➔ Bei weiterer Beanspruchung wird Material lokal verfestigt, Losreißprozesse in
Nachbarbereichen → Ausbildung sog. Lüders-Bänder
▪ Bei hohen Temperaturen und hoher Diffusionsgeschwindigkeit können Fremdatome die Versetzung
nicht mehr blockieren

Feinkornhärtung (2-dim.):
▪ Erhöhung der technischen Festigkeitskennwerte durch Einbringen von Korngrenzen
▪ Versetzung kann Korn nicht verlassen, da sich Orientierung der Kristalle an den Korngrenzen ändert
▪ Erhöht Festigkeit, ohne Duktilität zu verringern, jedoch empfindlich gegen hohe Temperaturen durch
Vergröberung (geringere Ausbildung von Korngrenzen)
▪ Hall-Petch Beziehung: Widerstand für Versetzungsgleiten steigt durch kleineren Korndurchmesser

Teilchenhärtung (3-dim.):
▪ Erhöhung der Streckgrenze durch einbringen von Teilchen in die Gefügekörner des Kristalls
▪ Teilchen verkürzen freie Weglänge der Versetzungen und zwingen diese, die Teilchen zu schneiden
oder zu umgehen
▪ Ausscheidungshärtung: Phasenumwandlung im Körper und Behinderung der Versetzungsbewegung
durch harte Teilchen
1.) Aushärtung: Komponenten reichern sich im Mischkristall an und werden als 2. Phase
ausgeschieden
2.) Homogenisierungsglühen: Mischkristalle nehmen einen hohen Anteil von B-Atomen auf
3.) Abschrecken: Legierung wird rasch abgekühlt, metastabiler, übersättigter α-Mischkristall
4.) Auslagern: Durch Wärmezufuhr werden Platzwechselmechanismen über Leerstellen
aktiviert → Entmischung
➔ Mit zunehmender Auslagerungstemperatur nimmt Größe der ausgeschiedenen Teilchen zu
▪ Kohärente Ausscheidung; Atomposition deckungsgleich, nur leicht verschoben
➔ Versetzungen können durchlaufen
▪ Inkohärente Ausscheidung: Ausscheidung hat völlig verschiedenes Gitter
➔ Keine gemeinsamen Netzebenen, kein Schneiden möglich

▪ Zum Umgehen der Teilchen ist hohe Spannung erforderlich, Teilchenschneidung günstiger
➔ Überwindung der Spannung bewirkt Festigkeitsanstieg (Kelly-Fine Mechanismus)
▪ Bei großer Teilchengröße und inkohärentem Gitter wäre schneiden energetisch ungünstig
➔ Umgehen von Teilchen führt zu Festigkeitszuwachs, Versetzungsringe bilden zusätzliches
Hindernis (Orowan-Mechanismus)
▪ Dispersionshärtung: Zweite Phase entsteht durch Legieren, Innere Oxidation
➔ Dispersoide kaum löslich, Thermische Stabilität Orowan Mechanismus
▪ Überalterung: Teilchenvergröberung, kleiner Teilchen aufgelöst, größere Teilchen wachsen
➔ Festigkeitsverlust
▪ Härten: Losglühen + Abschrecken
▪ Vergüten: Losglühen + Abschrecken + Anlassen

9. Wärmebehandlung
Entfestigung:
▪ Kristallerholung: Abbau von 0-dim Gitterfehlern und Umordnen von Versetzungen bei 0,4⁡𝑇𝑀
➔ Ausheilen von Punktdefekten
➔ Auslöschen von Versetzungen: Elastische Gitterspannungen führen zur Annäherung von
Versetzungen
➔ Dipolbindung von Versetzungen: Bei Annäherung ordnen sich Versetzungen übereinander an
▪ Rekristallisation: Neubildung und Wachstum von versetzungsarmen Kristallen oberhalb der
Temperatur des Rekristallisationsbeginns
➔ Primäre Rekristallisation: Innere Energie wird durch Reduktion der Korngrenzflächen
reduziert, Körner wachsen weiter oder werden kleiner
➔ Sekundäre Rekristallisation: unerwünschtes Kornwachstum
➔ Es muss mind Verformungsgrad 𝑓𝑘𝑟𝑖𝑡 (Anzahl Störstellen, an denen Rekristallisationskeime
entstehen) vorliegen
▪ Kornwachstum: Kontinuierliches Kornwachstum des vollständig rekristallisierten Gefüges bei 0,7⁡𝑇𝑀
➔ Reduzierung der inneren Energie durch weitere Reduzierung der Korngrenzflächen
▪ Hochglühen: Glühen untereutektoider Stähle bei Temperaturen über eutektischer Temperatur
➔ Grobkörnig, ferritisch-perlitisches Gefüge
▪ Weichglühen: dicht unterhalb eutektoiden Temperatur, lange Haltedauer, erleichtert Formgebung
➔ Ferritisches Grundgefüge mit eingeformten Zementitplatten des Perlits

Homogenisierung:
▪ Schwankungen der chemischen Zusammensetzung (Seigerung) und innere Spannungen werden
ausgeglichen
➔ Mikroseigerung: Entmischung resultiert in lokalen Konzentrationsunterschieden, Bildung von
Zonenmischkristallen
➔ Makroseigerung: Entstehung eines Gussblocks während der Erstarrung durch
unterschiedliche Unterkühlungen
▪ Diffusionsglühen: Glühen bei Temperaturen über 900°C mit langzeitigem Abkühlen, um gleichmäßige
Verteilung zu erzielen
➔ Ausgleich zwischen Schmelze und erstarrten Kristallen: Beseitigung von Zonenmischkristallen
➔ Durch lange Haltezeiten kann es zur Verzunderung (Oxidation der Oberfläche) kommen
➔ Starke Grobkornbildung muss durch anschließendes Normalglühen beseitigt werden
▪ Normalglühen: Eutektoide Phasenumwandlung bei Temperaturen knapp oberhalb der
Phasenumwandlung und anschließender Abkühlung
➔ α+β → Erwärmung uns γ-Gebiet → Abkühlen → α+β (Perlitauflösung)
▪ Spannungsarmglühen: Glühen bei Temperaturen unterhalb eutektoider mit Haltezeit von ca. 4h und
anschließendem langsamen Abkühlen
➔ Verringert innere Spannungen → äußere, kältere Zone will kontrahieren, innerer Teil ist aber
noch warm, äußere Zone unter Zugspannung
➔ Platzwechselvorgänge der Kristallerholung bei niedrigen Temperaturen möglich
▪ Normalisieren: Nach nicht zu langen Haltezeiten unterhalb eutektischer Temperatur erfolgt
kontrolliertes Abkühlen
➔ Gleichmäßiges Gefüge
➔ Auflösung der Perlitlamellen → Feinkörniges Austenitgefüge → feinkörnig perlitisches Gefüge

Verfestigung:
▪ Ausscheidungshärtung: Komponenten im Mischkristall angereichert, dann als zweite Phase
ausgeschieden, führt zu Erhöhung der Festigkeit
▪ Kaltaushärten: Bei Raumtemperatur ist Diffusion mancher Legierungsatome groß genug
➔ Elastische Gitterspannungen durch Cluster-Bildung (Entmischvorgänge)
▪ Warmaushärten: oberhalb der Raumtemperatur, Auslagerungszeiten geringer, da Diffusion schneller
➔ Lange Auslagerungszeiten führen zur Vergröberung und Festigkeitsabfall
▪ Umwandlungshärtung: Kurzzeitiges Halten knapp oberhalb eutektischer Temperatur und Abkühlung
mit einer Geschwindigkeit, bei der überwiegender Martensit
entsteht
➔ Diffusion des Kohlenstoffs wird durch rasches Abkühlen
unterdrückt
➔ Martensit nimmt größeres Volumen ein (bis zu 17%),
Festigkeitszuwachs durch enorme Spannungen
▪ Anlassen: Ausscheiden des im Martensit zwangsgelösten
Kohlenstoff als Eisenkarbid unterhalb der eutektoiden Temperatur
➔ Verlust an Härte und Festigkeit, Gewinn an Zähigkeit und
Duktilität
➔ Abbau der tetragonalen Verzerrung des Martensits
▪ Vergüten: Kombination aus Härten und Anlassen
10. Chemische Beständigkeit
Oxidation:
▪ Chemische Reaktion von Werkstoffoberfläche mit Sauerstoff mit direktem Elektronenaustausch
▪ Verzunderung ist die Oxidation von metallischen Oberflächen bei hohen Temperaturen
➔ Oxidschichtbildung muss mit hoher Enthalpiedifferenz verbunden sein, Edle Metalle setzen
weniger Energie frei
▪ Pilling-Bedworth-Verhältnis dient als Kriterium, um die Haftbarkeit der Oxidschicht zu beurteilen:
𝑉𝑀𝑒𝑥 𝑂𝑦
𝑉𝑅 = → 𝑉𝑅 < 1: Volumen des Oxids kleiner, Rissbildung und Zerstörung der Oxidschicht
𝑉𝑀𝑒
→ 1 ≤ 𝑉𝑅 ≤ 3: Volumina von Metall und Oxid vergleichbar, haftende Oxidschicht
→𝑉𝑅 > 3: Volumen des Oxids deutlich größer, Oxidschicht platzt ab (Verzunderung)
▪ Logarithmisches Wachstum: Bei niedrigen Temperaturen und sehr dünnen Schichten (0,001 − 0,2𝜇𝑚)
▪ Parabolisches Wachstum: Bei mittleren Temperaturen und sehr dünnen Schichten
▪ Lineares Wachstum: Bei sehr hohen Temperaturen und mind. 0,2𝜇𝑚 Dicke
➔ Oxidschicht weist bereits Schäden auf, durch die Gas ungehindert an Metalloberfläche
gelangen kann

Elektrochemische Korrosion:
▪ Zerstörung des Werkstoffs durch chemische Reaktion mit Umgebung

▪ Chemische Korrosion: Rex-Ox Vorgänge ohne eines Elektrolyts, direkter Elektronenaustausch


▪ Elektrochemische Korrosion: In Gegenwart einer leitenden Elektrolyt Phase
▪ Physikalische Korrosion: Diffusionsvorgänge entlang von Korngrenzen von Legierungen, die mit
Flüssigkeiten in Kontakt sind
▪ Elektrolytische Korrosion: Auflösungsvorgänge von Werkstoffen, die mit einem großen
Elektrolytvolumen in Berührung stehen
▪ Elektrochemisches Potential: Maß für die Ionisierbarkeit eines Metalls in einem Elektrolyten
▪ Anode: Oberflächenbereich, von dem die Metallionen in Elektrolyten übergehen
➔ 𝑀𝑒𝑡𝑎𝑙𝑙 𝑛+ → 𝐸𝑙𝑒𝑘𝑡𝑟𝑜𝑙𝑦𝑡
▪ Kathode: Oberflächenbereich, an dem freiwerdende Elektronen im Elektrolyt aufgenommen werden
➔ 𝑒 − → 𝐸𝑙𝑒𝑘𝑡𝑟𝑜𝑙𝑦𝑡
▪ Elektrolyt: Stoff mit elektrischer Leitfähigkeit und beweglichen, elektrisch geladenen Teilchen (Ionen)

▪ Korrosionselemente bilden galvanische Kette, Anode, Kathode und Elektrolyt stehen in Verbindung
➔ 𝑀𝑒𝑡𝑎𝑙𝑙 → 𝑀𝑒𝑡𝑎𝑙𝑙 𝑛+ + 𝑛 ⋅ 𝑒 − (Metallzerstörung am elektronegativeren Potential)
▪ Korrosionselemente treten auf, wenn Metalle mit unterschiedlichem elektrochemischem Potential in
Berührung kommen
▪ Heterogenität führt in Anwesenheit von Feuchtigkeit zur Bildung vieler kleinflächiger
Korrosionselemente
▪ Lineares Wachstum mit steigender Temperatur

Konzentrationszelle:
▪ Verbinden gleicher Elektroden mit einem Elektrolyten unterschiedlicher Zusammensetzung
▪ Treibkraft für Korrosionsangriff ist unterschiedliche Konzentration an Metallionen
➔ Elektronen an Anode freigesetzt, die zur Kathode fließen und dort akzeptiert werden
➔ Anode ist dort, wo Ionenkonzentration geringer
▪ Anode: 𝐹𝑒 → 𝐹𝑒 2+ + 2𝑒 − (Metallauflösung)
▪ Kathode: 𝐹𝑒 2+ + 2𝑒 − → 𝐹𝑒 (Metallabscheidung)

Galvanische Zelle:
▪ Korrosionselement mit unterschiedlichen Elektroden und Elektrolyten gleicher Zusammensetzung
▪ Elektrochemische Spannungsreihe: Gleichgewichtspotential eines Metalls in einer Lösung seiner Ionen
gegenüber der Aktivität einer Normalwasserstoffelektrode
➔ Unedleres Element hat größere Tendenz in Lösung zu gehen (anodische Metallauflösung)
➔ Je unedler, desto stärker die Tendenz zur Oxidation (Elektronenaustauschreaktion)
▪ Bsp.: Zn (unedler), Cu →𝑍𝑛 → 𝑍𝑛2+ + 2𝑒 − (anodische Metallauflösung)
→𝐶𝑢2+ + 2𝑒 − → 𝐶𝑢 (Kathodische Metallabscheidung)
→2𝐻 + + 2𝑒 − → 𝐻2 (Kathodische Wasserstoffentwicklung)
▪ Falsche Materialkombination (ein Material viel unedler als das andere) führt zur Korrosion
▪ Unterschiedliche Konzentrationen verschiedener Phasen, unedlere Phase löst sich auf
▪ Korngrenzen sind unedle Bereiche, werden zur Anode und bevorzugt angegriffen
▪ Unterschiedliche plastische Deformationen führen zu unterschiedlich hohen Konzentrationen von
Gitterdefekten → Bereiche hoher Umformgrade sind unedel

Sauerstoffkonzentrationszelle:
▪ Elektrode im Elektrolyten mitgeringerer Sauerstoffkonzentration geht anodisch in Lösung
➔ 𝐹𝑒 → 𝐹𝑒 2+ + 2𝑒 − (Anodische Metallauflösung)
▪ An Kathode Sauerstoffmoleküle zu Hydroxydionen reduziert
➔ 𝑂2 + 2𝐻2 𝑂 + 4𝑒 − → 4𝑂𝐻 − (Kathodische Sauerstoffreduktion)
▪ Orte für Sauerstoffkonzentrationszellen sind
➔ Rissspitzen: Spitze wird Anode, Riss wächst
➔ verunreinigte Oberflächen: Senkung der Sauerstoffkonzentration durch schlechte Belüftung
des Werkstoffs (Schmutz ist Anode)
➔ Rostbildung: Bereich ist mit Wasser bedeckt, Tropfenmittelpunkt Anode, am Rand des
Tropfens ist Belüftung höher (Kathode)

Kinetik der Metallauflösung:



▪ Faraday-Gesetz: 𝑄 = ∫𝑡 𝐼(𝑡)𝑑𝑡
➔ Menge der an der Korrosionsreaktion beteiligten Elektronen ist proportional der
Ladungsmenge Q
➔ Korrosiver Materialabtrag ist proportional zum Ladungsträgerstrom
𝐴𝑠
➔ 𝑚 ⋅ 𝑧 ⋅ 𝐹 = 𝑀 ⋅ 𝑖 ⋅ 𝑡 , z: Wertigkeit der Metallionen, F: Faraday-Konstante 𝐹 = 96498
𝑚𝑜𝑙

Passivierung:
▪ Passives Metall ist nach elektrochemischer Spannungsreihe eigentlich unedel, korrodiert trotzdem mit
sehr geringer Geschwindigkeit
▪ Passivität ist Zustand einer natürlichen Korrosionsbeständigkeit (Al, Cr, rostbeständige Stähle)
▪ Passivschicht: Schutzschicht, die sich bei bestimmten Umgebungstemperaturen ausbildet und dazu
führt, dass sich Metall wie Edelmetall verhält
➔ Korrosionsschutz meist nicht dauerhaft, da Passivfilm meist mechanisch nicht sehr stabil

Stromdichte-Potential:
▪ In jeder Elektrode stellt sich ein Gleichgewichtspotential ein
▪ Werden Elektronen miteinander verbunden stellt sich ein Mischpotential ein, Summenkurve ist die
Polarisationskurve
▪ Polarisation: Änderung des Potentials einer Elektrode durch einen äußeren Strom
▪ Mit zunehmender Spannung wird Freisetzung von Metallionen auf der Oberfläche des Werkstoffs
provoziert
➔ Aktivbereich: Beschleunigte Auflösung bis zu einer maximalen Passivierungsstromdichte
➔ Anschließend sprunghafter Abfall, wenn Passivierungspotential 𝑈𝑃 überschritten, auf
kleineren Wert und Ausbildung eines edleren Passivfilmes
➔ Wird 𝑈𝑃 wieder unterschritten, wird Passivfilm wieder aufgelöst
▪ Metalle wie Cr und Al bilden bereits unter atmosphärischen Bedingungen stabile Passivschicht aus
Erscheinungsformen der Korrosion:
▪ Ebenmäßige Korrosion: Korrosionsangriff steigt mit zunehmender Rauheit, Querschnittsminderung
konstruktiv zu berücksichtigen
▪ Muldenkorrosion: ungleicher Flächenabtrag
▪ Erosion: Zerstörung der Oberfläche durch mechanische Wirkung
▪ Lochfraßkorrosion: Lokaler Oberflächenangriff mit Grübchenbildung auf inhomogenen Oberflächen
▪ Kontaktkorrosion: An Berührungsstellen zweier Werkstoffe mit unterschiedlichem Potential
▪ Interkristalline Korrosion: Entlang von Korngrenzen ohne sichtbare Korrosionsprodukte
▪ Selektive Korrosion: Herauslösen von bestimmten Gefügebestandteilen
▪ Spannungskorrosion: Verästelter Rissverlauf führt zu Trennbruch und Versagen des Werkstoffs
➔ Selektive und interkristalline Korrosion werden genutzt, um Gefüge (Phasen und
Korngrenzen) sichtbar zu machen

Korrosionsschutz:
▪ Passivieren durch Legierungselemente Al, Cr, Ni
▪ Aufbringen von Schutzschichten, um metallische Oberflächen vom Elektrolyten zu trennen
▪ Trennen ungleicher Elektroden durch Anbringen von Isolationsschichten
▪ Veränderung des elektrochemischen Potentials (Änderung der Zusammensetzung, äußere Ströme)
▪ Schützen durch einen der Auflösung entgegenwirkenden Schutzstrom
▪ Emailieren: Aufbringen glasartiger oder keramischer Überzüge ähnlicher Ausdehnungskoeffizienten
▪ Anstriche und Lackschicht
▪ Auftragsschweißen: Korrosionsbeständiger Stahl mit hohem Cr-Gehalt wird aufgeschweißt
▪ Verzinken/Verzinnen: Aufbringen metallischer Überzüge