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VUE: Islamische Philosophie

Wintersemester 2020/2021

3.Übungsaufgabe
1.Frage
Erläutern Sie die Begriffe des „Notwendig-Seienden“ (wāǧib al-wuǧūd), des
„MöglichSeienden“ (mumkin al-wuǧūd) und des „Unmöglich-Seienden“ (mumtaniʿ al-
wuǧūd) bei den islamischen Philosophen? (4 Punkte)

Wenn alle Dinge, die existieren, für sich betrachtet, nur möglich sind, so müssen wir eine
Ursache finden, die deren Existenz notwendig macht. Diese Ursache muss sich von allen anderen
Teilen der Ursachenkette herauskristallisieren. Der Clou bei der Sache ist folglich jener, dass
diese Ursache nicht auf etwas Anderes angewiesen sein darf, sondern von sich aus existieren
muss. Somit gibt es den Notwendig-Seienden, der alles andere hervorbringt und im religiösen
Jargon mit „Gott“ betitelt wird. (vgl. Urlich, 2013, S. 47)
Beim Möglich-Seienden hingegen ist es so, dass es zwar existieren kann, aber eben nicht
zwangsläufig notwendig ist. Die logische Konsequenz dessen ist natürlich jene, dass die Existenz
dieser Sache eine Ursache benötigt. Avicenna fasst zusammen, dass jedes Möglich-Seiende nur
aufgrund eines Notwendig-Seienden existieren kann. Das Notwendig-Seiende wiederum ist
notwendig wegen seiner selbst. (vgl. Germann, Nadja, 2013, S. 259)
Das Unmöglich Seiende andererseits ist in seinem Wesen die Nicht-Existenz verankert, wie
beim Notwendig Seiendem die Existenz. (vgl. ebd. S. 259 f.)
Summa summarum kann man das Kausalitätsverständnis von Avicenna in der Thematik der
Notwendigkeit auf zwei Unterscheidungen herunterbrechen. So verdankt sich etwa das
Notwendig-Seiende ihre Existenz respektive Notwendigkeit sich selbst, sie ist „bi datiha“ (durch
sich selbst). Auf der anderen Seite hingegen erlangte das Möglich-Seiende ihre Existenz durch
eine andere Ursache, sie ist „bi-gayrihi“ (durch ein anderes). (vgl. ebd. S. 260)

2. Frage
Welche der beiden Aussagen kommt Ibn Sīnās Standpunkt am nächsten? Argumentieren
und erklären auf Basis seiner eigenen Beweisführung.
- Die Welt ist ein zeitlich gebundenes Seiende.
- Die materielle Welt muss, wie ihrem Schöpfer, ewig sein. (4 Punkte)
Die Neoplatoniker waren der Ansicht, dass aus dem reinen Sein von Gott der reine Intellekt
entsteht. Über weitere Stufen gelangen wir letzten Endes zur materiellen Welt. Avicenna setzt
hier voraus, dass jedes Ding in sich das Potential besitzen muss, zu existieren, oder es ist
unmöglich. (vgl., Hendrich, Geert, 2005, S. 81)
Für Ibn Sina ist Gott, als der Notwendig Seiende, auch im Stofflichen verankert. Er stellt die
nötige Verbindung zwischen Stoff und Form her. Und da das Universum aus diesen stofflichen
Verbindungen besteht, gelangt Ibn Sina zum Conclusio, dass die materielle Welt, wie ihr
Schöpfer, ewig sein muss. (vgl. ebd. S. 81 f.)

Literaturverzeichnis:
1. Rudolph, Ulrich. Islamische Philosophie: von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Vol. 2352. CH Beck, 2013. (S. 42-55).
2. Hendrich, Geert. Arabisch-islamische Philosophie: Geschichte und Gegenwart.
Campus Verlag, 2005. (S. 75-85).

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