Sie sind auf Seite 1von 5

lOMoARcPSD|7428983

Bürgerliches Recht VO 1

Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts (STEOP) (Universität Salzburg)

StuDocu wird von keiner Universität gesponsert oder unterstützt.


Heruntergeladen durch Small MIN MIN (qaiselyaser1998@gmail.com)
lOMoARcPSD|7428983

Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts

Recht und Privatrecht


Was ist Recht?

a) Recht im objektiven Sinn (objektives Recht):


Regeln (Normen) für das menschliche Zusammenleben, die mit Hilfe staatlichen Zwangs
durchgesetzt werden können. z.B.: Verkehrsregeln oder Strafgesetzbuch

Sitten und Gebräuche und Moralische Regeln gelten nicht. z.B. Brautentführung
Ethische und religiöse Grundsätze gelten nicht
Gesamt nennt man das : Rechtsordnung

b) Recht im subjektiven Sinn (subjektives Recht):


Rechtliche Befugnis einer bestimmten Person.
z.B.: jeder österreichische Staatsbürger ab 16 Jahren darf wählen
z.B.: Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises, wenn man etwas verkauft

Aus einer Norm des objektiven Rechts kann für eine Einzelperson subjektive Rechte entstehen

Wie entsteht Recht?

a) Entstehung von Rechtsformen (Recht im objektiven Sinn):


- Durch verfassungsrechtlich vorgesehene Rechtssetzungsverfahren.
- Für Bundesgesetze: Nationalrat + Bundesrat (Verlautbarung im Bundesgesetzblatt , erfolgt
elektronisch im Rechtsinformationssystem des Bundes (RIS) www.ris.bka.gv.at
- ( Gewohnheitsrecht )-> ohne staatliches Gesetzgebungsverfahren
- Richterrecht ( Entscheidung von Höchstgerichten) , gelten nicht als Recht im objektiven Sinn ->
Paragraph 12 ABGB , In der Praxis: Höchstgerichtliche Entscheidung sehr hohe Autorität, der
meistens gefolgt wird.

b) Subjektive Rechtspositionen können sich auch aus menschlichem Verhalten ergeben z.B. durch
Vertragsschluss, Kaufvertrag, aus diesem Vertragsabschluss entstehen zw. den beiden Parteien
Rechte im subjektiven Sinn, oder : Verletzung einer anderen Person: durch die Schädigung wächst
dem Geschädigten ein Schadensersatzanspruch, also eine subjektive Rechtsposition.

Einteilung des Rechts

1. Öffentliches Recht & Privatrecht


Öffentliches Recht
Regelung bzgl. Vorgang, an dem ein mit Hoheitsgewalt ausgestattetes
Rechtssubjekt in Ausübung dieser Hoheitsgewalt beteiligt ist. z.B.: Ausstellung einer
Baubewilligung durch die Gemeinde oder Ahndung eines Mordes vor Gericht ,

Privatrecht
Regelungen bzgl. Vorgang, bei dem sich zwei (oder mehrere) Rechtssubjekte
„gleichrangig“ gegenübertreten. z.B.: Abschluss eines Vertrags oder wenn Gemeinde
Büroartikel kauft, weil sie hier nicht als Hoheitsgewalt auftritt, oder der Rechtsübergang des
Verstorbenen auf einen Erben

Ein Sachverhalt kann Rechtsfolgen aus beiden Bereichen auslösen ( BSP: Verkehrsunfall mit
Todesfolge (Verstoß gegen STVO - Verwaltungssstrafe = öffentliches Recht, 2. Strafrechtliche

Heruntergeladen durch Small MIN MIN (qaiselyaser1998@gmail.com)


lOMoARcPSD|7428983

Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts

Verurteilung wegen Fahrlässiger Tötung - Strafrecht, Schadenersatzansprüche der Hinterbliebenen


Personen —> Privatrecht
Einteilung des Privatrechts

a) Allgemeines Privatrecht (= Bürgerliches Recht, Zivilrecht)


Heute traditionellerweise Fünfteilung (Pandektensystem )
1. Allgemeiner Teil
—> Vertragsschlussregeln, Geschäftsfähigkeit, Anfechtung wegen Willensmängeln
2. Schuldrecht -> zu etwas verpflichtet sein,
z.B.: (besonderes) Vertragsrecht, Leistungsstörungen, Schadenersatzrecht, Bereicherungsrecht
3. Sachenrecht (Recht der Güterzuordnung) z.B.: Eigentumsrecht, Privatrecht
4. Familienrecht
5. Erbrecht

b) Sonderprivatrechte
- Arbeitsrecht (Vertragsrecht der Arbeitsverträge)
- Unternehmensrecht —> Gesellschaftsrecht, Wettbewerbsrecht, Immaterialgüterrecht
(z.B.: Patentrecht)
- Versicherungsvertragsrecht
Wenn es keine Sonderregelung gibt, gilt wieder das Allgemeine Privatrecht

Rechtsquellen des allgemeinen Privatrechts

1. Allgemeines Bürgerliches Gesetzbuch (ABGB) von 1811


- Kodifikation (umfassende und systematische Regelung eines Rechtsgebiets)
- Aufbau folgt dem sogenannten Institutionssystem (Gaius) -> Dreiteilung

2. Sondergesetze z.B.:
- Konsumentenschutzgesetz (KSchG)
- EheG/EPG —> für eingetragene Partnerschaften

Europarechtliche Einflüsse
a) Richtlinien (RL):
- Für Mitgliedstaaten hinsichtlich Zielen verbindlich (Nur die Mitlgliedsstaaten sind an die
Richtlinien gebunden, aber nur die Ziele betreffend )
- In nationales Recht umzusetzen (2. Rechtssetzungsakt erforderlich)
b) Verordnungen (VO):
- Gelten unmittelbar (keine Umsetzung)
- Beispiele: Rom I-VO, ROM II VO = Internationales Privatrecht IPR
Internationales Privatrecht (IPR)
- Für Fall mit Bezügen zu mehreren Rechtsordnungen
- IPR bestimmt, welches nationale Recht maßgebend ist. („Kollisionsrecht“)

Rechtsnorm & Anwendung


A. Bestandteile einer Rechtsnorm
Tatbestand -> Bedingung für Rechtsfolge werden festgelegt
Rechtsfolge -> Konsequenz, die aufgrund der Rechtsnorm eintreten soll

Heruntergeladen durch Small MIN MIN (qaiselyaser1998@gmail.com)


lOMoARcPSD|7428983

Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts

Beispiel Paragraph 918 ABS 1 ABGB :


Kumulative TBM (Sie müssen
Tatbestandmerkmale (TBM): beide erfüllt sein, damit
Entgeltlicher Vertrag überhaupt die Rechtsfolge
Von einem (Vertrags) Teil nicht eintreten kann )
- Zur gehörigen Zeit,
- Am gehörigen Ort oder Alternative TBM
- Auf die bedungene Weise erfüllt.
Rechtsfolgen: dann kann der andere:
entweder Erfüllung begehren
oder den Rücktritt vom Vertrag erklären Wahlrecht

B. Anwendung einer Rechtsnorm (Subsumtion )

Vorgang des Abgleichens des Sachverhalts mit der Rechtsnorm bezeichnet man als Subsumtion
(Unterordnen eines Einzelfalls unter einen gesetzlichen Tatbestand )

Verfahren: Syllogismus = Aus 2 Prämissen wird eine logische Schlussfolgerung gezogen

Obersatz: Alle Menschen sind sterblich


Untersatz: Sokrates ist ein Mensch
Schlusssatz: Sokrates wird/muss sterben

Syllogismus für Juristen

Obersatz
Enthält eine allgemeine Aussage:
* einen generell-abstrakten Tatbestand (besteht in der Regel aus mehreren Tatbestandsmerkmalen
TBM)
* die generelle Rechtsfolge des TB

Untersatz:
enthält eine individuelle Aussage —> Informationen aus einem konkreten Sachverhalt (SV)

Schlussatz
Enthält die Rechtsfolge für den konkreten Fall.

Subsumtionsvorgang: Für jedes TBM prüfen, ob dieses im Sachverhalt verwirklicht ist

Heruntergeladen durch Small MIN MIN (qaiselyaser1998@gmail.com)


lOMoARcPSD|7428983

Grundlagen und Methoden des Bürgerlichen Rechts

c. Anspruch und andere subjektive Rechte


Drei Kategorien subjektiver Rechte:

1. Anspruch = Befugnis, von einer anderen Person ein Tun oder Unterlassen zu fordern.
z.B. Erfüllungsanspruch nach Paragraph 918 ABGB

2 . Gestaltungsrecht = Rechtsmacht, durch einseitige Erklärung eine Veränderung bestehender


Rechtsverhältnisse herbeizuführen.
z.B. Rücktrittsrecht nach Paragraph 918 ABGB

3. Herrschaftsrecht = Befugnis, auf ein bestimmtes Objekt unmittelbar einzuwirken und fremde
Einflüsse auszuschließen
z.B: Eigentumsrecht

Für die Fallbearbeitung zentral: Ansprüche


zum Aufschlüsseln/ Zergliedern von Rechtsproblemen
praktisches Hilfsmittel: 4-W Frage:
wer
will was
von wem
woraus ? ( auf welcher rechtlichen Grundlage/Rechtsnorm)

Beispiel:
V hat an K fehlerhafte Fliesen verkauft und geliefert .
Anspruch 1 : K gegen V auf Lieferung mengelfreier Fliesen (Austausch) gemäß § 932 Abs 2 Abgb
Anspruch 2: V gegen K auf Zahlung gemäß § 1062 ABGB

—> Subsumtion bzg. Anspruchsgrundlagen gemäß § 932 / 1062

Heruntergeladen durch Small MIN MIN (qaiselyaser1998@gmail.com)

Das könnte Ihnen auch gefallen