Sie sind auf Seite 1von 2

u t

a
nach Bindung, Anerkennung und Geborgenheit festgestellt.

c h Die Athleten kämpfen nicht für sich, sondern wollen vor allem

es
andere Menschen zufrieden stellen und es ihnen recht ma-
chen.

u fg
ra
In „draufgeschaut“ schreiben Bei Niederlagen entwickeln sie ausgeprägte Scham- und
Fachleute aus dem weiten Feld des Schuldgefühle. Versagensängste sind die unausbleibliche Fol-

d Sports - von Bayern bis in die Welt - sie


berichten, kommentieren und gewähren Ein-
ge.

blicke. Im Training entwickeln Trainingsweltmeister großen Ehrgeiz, da


sie vor allem den Trainer zufrieden stellen wollen. Das Training
ist planbar, die Trainingsgruppe verleiht Sicherheit und Gebor-
Der „Trainingsweltmeister“ - was tun? genheit.

von Prof. Dr. Sigurd Baumann Niederlagen oder schwächere Leistungen können im Training
korrigiert werden. Negative soziale Konsequenzen sind im Trai-
Es gibt Sportarten, bei denen im Jahresverlauf relativ wenig ning nicht zu befürchten.
ernste Wettkämpfe stattfinden. Die Wettkampfsituation stellt
eine Ausnahmesituation dar. Dies ist z.B. bei Turnern oder Bo- Die Wettkampfsituation hingegen ist nur bedingt planbar. Der
xern der Fall. In diesen Sportarten findet man häufig sog. „Trai- Turner ist auf sich allein gestellt. Die Loslösung von seinem un-
ningsweltmeister“. terstützenden sozialen Umfeld des Trainers, des Betreuers, der
Eltern oder der Freunde können unbewusste Ängste und Selbst-
Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass sie nicht in der Lage zweifel auslösen.
sind, ihre guten Trainingsleistungen in den Wettkampf zu über-
tragen. Trainingsweltmeister gibt es aber auch in anderen Ein- Der Wettkampf besitzt für den Trainingsweltmeister keinen Wert
zelsportarten, wie z.B. in der Leichtathletik. Auch die Mitglieder an sich.
von Mannschaftssportarten können davon betroffen sein.
Kurz umrissen kann man den Unterschied zwischen Trainings-
weltmeister und selbstbewusstem Wettkämpfer folgenderma-
ßen darstellen:

Für den „Trainingsweltmeister“ gilt:

• „Der Weg ist das Ziel!“


• Das Training ist der Maßstab, nicht der Wettkampf!
• Der Wettkampf wird zur Bedrohung! Folge: Angst!

Für den Wettkämpfer gilt:

• „Training ist der Weg zum Ziel!“


Für das Phänomen des Trainingsweltmeisters können verschie- • Der Wettkampf ist der Maßstab
dene Ursachen angeführt werden, die samt und sonders im
psychologischen Bereich angesiedelt sind.
Sportler, die darunter leiden, im Wettkampf ihr Leistungspoten-
Ursachen tial nicht voll entfalten zu können, sollten auf folgende Hinweise
achten:
Manchmal werden z.B. Zuschauer angeführt, es entstehen
Ängste vor Blamage und Versagen. Niederlagen werden im
Geiste schon vorweggenommen. Sie schüren Selbstzweifel,
Hemmungen verhindern Zuversicht und offensives Denken.

Ganz allgemein kann man von Befunden ausgehen, die


darauf hinweisen, dass sog. Trainingsweltmeister die Wett-
kampfsituation eher als bedrohlich denn als anregend erle-
ben (Marahrens, L. / Keil, J. 2005)

Der Wettkampf als Bedrohung! Wie ist das zu erklären?

Bei Trainingsweltmeistern hat man eine ausgeprägte Neigung

18 BayernTurner
Ratschläge für den Sportler

- Kämpfe nicht darum, andere Leute zufrieden zu stellen.

- Werde Dir über Deine Motive klar.


Was bedeutet mir der Wettkampf? Welche Gedanken und
Vorstellungen im

- Training und im Wettkampf bedrücken mich oder spornen


mich an?

- Mache Dir Deinen Leistungszustand bewusst.


Erkenne Deine Ängste und werde Dir Deiner Stärken bewusst.
- Schaffe Selbstvertrauen durch offensive Gedankenführung.
- Denke über Dein Verhältnis zu anderen Menschen nach. Formuliere positiv z.B. „Entspanne Dich und konzentriere Dich
Wie wichtig ist ihre Anwesenheit für Dich in der Wettkampfsi- auf Deine Übung!“ „Konzentriere Dich auf die Streckung!“
tuation?
Kannst Du Dich in Gedanken von anderen Menschen lösen? Vermeide Vermeidungshinweise, z.B. „Das darfst Du nicht…!“
„Du bist zu verkrampft!“
- Akzeptiere Niederlagen.
Du verlierst gegen einen sportlichen Gegner, gegen seine - Zeige dem Sportler, dass Niederlagen keine negativen Folgen
Technik oder seine Kraft, aber nicht gegen seine Persönlich- im Hinblick auf Zuwendung, Anerkennung und Akzeptanz ha-
keit. Sei Dir bewusst, dass der sportliche Wettkampf keine per- ben.
sönliche, zwischenmenschliche Auseinandersetzung ist. Vor allem jugendliche Sportler bedürfen in Situationen des
Verlierens oder bei schwachen Leistungen der zuwendenden
Aufmunterung durch den Betreuer.
Kritik und Korrekturen werden zu einem späteren Zeitpunkt vor
genommen.

- Simuliere den Wettkampf. - Das Einmaligkeitstraining.


Auch im Training soll der Turner lernen, dass er nur einen einzi-
gen Versuch für seine Übung hat.
Einmaligkeit kann z.B. dadurch erzwungen werden, dass man
den Versuch an das Ende der Trainingseinheit legt. Bei Misslin-
gen ist z.B. ein Beitrag in die Mannschaftskasse zu zahlen oder
eine Zusatzaufgabe zu leisten. Der Sinn dieser Maßnahme be-
steht darin, die Selbsteinschätzung des Athleten zu verbessern
und die Konzentration auf das einmalige Ereignis zu vertiefen.

Da für Trainingsweltmeister die Wettkampfsituation eine erhöh- Der Autor hat Sport, Chemie, Biologie und Psychologie studiert.
te Belastung bedeutet, bedürfen sie der besonderen Fürsorge Er war zwischen 1965 und 1992 Dozent am Sportzentrum der Uni-
durch den Betreuer. versität Würzburg und leitete von 1993 bis 2003 das Sportzent-
rum der Uni Bamberg. Schwerpunkte der Praxis: Turnen, Skilauf,
Tischtennis.
Ratschläge für den Trainer
Schwerpunkte der psychologischen Arbeit: Pädagogische und
- Schaffe ein Vertrauensverhältnis zum Sportler. psychologische Anforderungen an den Trainer. Psychoregula-
Sportler, die ihrem Trainer vertrauen, nehmen seine Ratschlä- tive Verfahren, mentale Trainingsformen, Motivationspsycholo-
ge bereitwillig auf. gie, handlungspsychologische Grundlagen des Sports, Grup-
pendynamik, Konfliktpsychologie.
- Unterstütze den Sportler emotional.
Ermutige ihn auch in schwierigen Situationen. Höre dem Sport- Als Sportpsychologe mehrere Ver-
ler zu, nimm seine Argumente ernst und gehe auf sie ein. öffentlichungen in Buchform und
in Zeitschriften. Seit vielen Jahren
- Führe mit dem Athleten Gespräche über seine Befürchtungen Referent in der Trainerausbildung
auch außerhalb der Sportsituation. in verschiedenen Fachverbän-
Sportler empfinden es oft als befreiend, einmal außerhalb der den.
Sportsituation über das Thema „Trainingsweltmeister“ reden
und reflektieren zu können. Der Diplompsychologe mit Schwer-
punkt Sportpsychologie ist heute
- Leite den Sportler zu mentalen Übungen an. Professor für Sportpädagogik an
Das Visualisieren z.B. früherer erfolgreicher Aktionen schafft der Universität Bamberg.
Selbstvertrauen.

BayernTurner 19

Das könnte Ihnen auch gefallen