Sie sind auf Seite 1von 16

lOMoARcPSD|757421

Übungsfragen 3. Testat - Teil 1

Anatomie für Zahnmediziner (Universität zu Köln)

StuDocu wird von keiner Universität gesponsert oder unterstützt.


Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)
lOMoARcPSD|757421

3. Testat – Übungsfragen (Teil 1: Retrositus und Becken)

1. Nennen sie die Faszien und Kapseln, die die Niere umgeben!

- dreischichtige Hülle (von außen nach innen):


- Nierenfaszie/Fascia renalis/Gerota-Faszie: straffes kollagenes Bindegewebe; besteht aus
dünnem prärenalem Blatt (teilweise mit Peritoneum parietale verwachsen) und dickem
retrorenalem Blatt (teilweise an dorsaler Rumpfwand mit Fascia tansversalis verwachsen)
- Nierenfettkapsel/Capsula adiposa renalis: lockere Fettkapsel, die Niere und Nebenniere
umschließt
- Nierenkapsel/Capsula fibrosa renalis: straffes kollagenes Bindegewebe; sensibel innerviert ->
bei Schwellung der Niere z.B. durch eine Harnabflussstörung oder Entzündung, kommt es zu
starken Flankenschmerzen
- Nierenfaszie und Niere selber sind atemverschieblich (!)

2. Was versteht man unter einer Wanderniere?

- in ihrem großen, weiten Fasziensack ist die Niere beweglich. Wenn durch Tumorkachexie
(extreme Abmagerung bei Krebspatienten) oder Anorexie das Baufett als letzte Reserve des
Körpers abgebaut wird, schwindet das Corpus adiposum und die Niere bewegt sich in Richtung
Becken (wird auch Senkniere genannt). Die Nierenlängsachse stellt sich parallel zur
Wirbelsäule. Folge: Dehnung des Gefäßstils + Abknicken der Harnleiter -> Abflussbehinderung
mit Rückstau von Harn.
- Was man noch wissen könnte: häufiger rechts und häufiger bei der Frau

3. Beschreiben sie die Beziehung der Niere zu umliegenden Organen und Nerven!

Lagebeziehungen der Nieren

Richtung Linke Niere Rechte Niere

Cranial Nebenniere

Caudal Flexura des Colon transversum

Ventral Magen 
Lobus dexter hepatis
 Milz 
Pars descendens duodeni vor dem
 Pankreasschwanz vor dem Nierenhilum
Nierenhilum
Dorsal M. psoas major, M. transversus abdominis und M. quadratus
lumborum
 N. subcostalis, N. iliohypogastricus und N. ilioinguinalis

Aus: https://amboss.miamed.de, Lernkarte Niere, zuletzt abgerufen: 13.12.16.

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- Hinweis Klinik: Die drei aufgezählten Nerven, die im Kapselfett verlaufen, können bei
entzündlichen Erkrankungen der Niere irritiert werden. Schmerzausstrahlung: Leistengegend,
Genital und Beckenkamm. Zusätzlich wird die sensibel innervierte Kapsel der Niere gedehnt
und löst einen Flankenschmerz aus.

4. Erklären sie das Nierenhilum sowie die Reihenfolge der Gefäße und deren Verlauf. Was ist
in diesem Zusammenhang der „Nussknacker“ (war auch schonmal irgendwo in den Fragen
zum letzten Testat)?

- Lage des Nierenhilums: 2.LWK


- Nierengefäße treten ventral in Sinus renalis ein, Ureter und Nierenbecken dorsal
- Re: A. renalis hinter (!) V. cava inf.; V. renalis zieht direkt zur V. cava inf.
Li: A. renalis zieht direkt zum Nierenhilus; V. renalis verläuft vor (!) der Aorta abdominalis
- Cave: Nierenarterien weisen hinsichtlich Verlauf, Ursprung und Zahl viele Varianten auf! Am
häufigsten: überzählige Arterien, die in der Nähe der Nierenpole ins Parenchym eindringen
(korreliert mit der Einteilung der Niere in Segmente). Untere akzessorische Arterien können
Ursache einer Harnleiterobstruktion sein.
- Nussknacker: linke Nierenvene liegt in einer Gefäßzange der Aorta abdominalis und der A.
mesenterica sup. (quasi Nuss im Nussknacker…hahaha…Anatomenwitze…)
- Folge: bei Anatomischen Varianten (z.B. hoch mündender linker Nierenvene) oder
Pathophysiologien (z.B. verdrängender Pankreastumor)  Vene wird zwischen den beiden
Arterien eingeklemmt  Blut kann nicht abfließen  Rückstau in V. testicularis bzw. V. ovarica
 Varikozele (s. Frage 20)

5. Beschreiben Sie den Verlauf des Ureters. Welche Folgen können sich daraus ergeben?
Welche Formen des Nierenbeckens kennen sie?

- Anatomische Einteilung: Lageabhängig in 3 Abschnitte


- Pars abdominalis: Verlauf vom Nierenbecken in einem Bogen nach kaudal bis zur Linea
terminalis des Beckens
- Pars pelvica: Von der Linea terminalis des Beckens bis zur Mündung von dorsal in die
Harnblasenwand
- Pars intramuralis: In den Muskelschichten der Harnblase
- Klinische Einteilung: Organabhängig in 3 Abschnitte:
Renales, lumbales und vesikales Uretersegment
- Verlauf: Austritt aus dem Nierenhilum dorsal der Nierengefäße -> Verlauf im Spatium
retroperitoneale auf Psoasfaszie -> durchzieht Muskelschichten der Harnblase -> Mündung
dorsal als Ostium ureteris
- Kreuzungsstellen: drunter – drüber – drunter: Unter A. und V. testicularis/ovarica (1.
Engstelle), über A. und V. iliaca communis (2. Engstelle), unter Ductus deferens/A. uterina
(KEINE Engstelle). 0.Engstelle: Nierenbeckenabgang 90° Austritt medio-kaudal, 3. Engstelle:
intramuraler Verlauf in der Harnblase
- enge retroperitoneale Lagebeziehung zum N. genitofemoralis auf der Psoasfaszie!
- Nierenbeckenformen: dendritischer Typ (baumartig), ampullärer Typ (weites Nierenbecken),
Mischtyp

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

6. Beschreiben sie die Blutversorgung der Nebennieren! Welche Funktion haben sie?

- arteriell: A. suprarenalis superior aus der A. phrenica inferior, A. suprarenalis media direkt aus
der Aorta, A. suprarenalis inferior aus der A. renalis
- venös: rechte V. suprarenalis direkt in die V. cava inferior, die linke in die V. renalis sinistra
- Funktion als endokrine Drüse, bildet lebenswichtige Hormone:
-> Rinde - Steroidhormone: Cortisol (Stresshormon), Aldosteron (Regulation Salz – und
Wasserhaushalt), Androgene
-> Mark - Katecholamine: Adrenalin, Noradrenalin

7. Was wissen Sie zur Nierentrans-


plantation?

- meistens Lebendspende; Im-


plantation in Fossa iliaca
(heterotop); Vorteil: einfacherer
Anschluss ans Gefäßsystem,
kürzerer Weg des Harnleiters,
einfacher für Untersuchungen
zugänglich wie Tasten oder
Ultraschall

8. Erläutern Sie die Entwicklung der Niere.

- Intermediäres Mesoderm im dorsalen Abschnitt der Leibeshöhle; regionales craniocaudales


Fortschreiten der Keimentwicklung -> drei sich zeitlich überlappende Nierensysteme
- Vorniere (Pronephros): Bildet sich ohne Funktionstätigkeit zurück; Ende der 3. Woche; Lage:
Halsbereich
- Urniere (Mesonephros): Bedeutung: Nimmt zunächst harnbildende Funktion auf, bildet sich
aber dann bis auf den Urnierengang/ Ductus mesonephricus/ Wolff-Gang und
die Urnierenkanälchen zurück; Zeitraum: 4.–6. Woche; Lage: Thorakal- und Lumbalbereich
(Entstehende Strukturen: Wolff-Gang: Nebenhoden, Samenleiter, Bläschendrüsen;
Urnierenkanälchen: Bilden die Hodenausführungsgänge (= Ductuli efferentes))
- Nachniere (Metanephros): Bedeutung: Bildung der funktionstüchtigen Niere; Beginn: Ab der
5. Embryonalwoche; Lage: Abdominal- und Pelvisbereich
- Ureterknospe: entstammt Urnierengang und induziert Nephronbildung
Das Sammelrohr wird von einer Blastemkappe bedeckt
- die Niere aszendiert von ihrem Entwicklungsort im unteren Abdominalraum zur finalen Lage
unter dem Zwerchfell durch Verminderung der Körperkrümmung und verstärktes Wachstum
im Lumbosakralbereich
- Nebenniere: unterschiedliche Funktion auch embryonal begründet; Nebennierenrinde
stammt vom Mesoderm ab, das Mark kommt aus dem Ektoderm der Neuralleiste

9. Erläutere die Peritonealverhältnisse des Uterus sowie seine Bänder mit hindurchziehenden
Gefäßen! Was ist der Douglasraum?

- Fundus und Corpus uteri sind von Peritoneum urogenitale überzogen, die Cervix nur dorsal,
nach caudal zur Vagina hin ist die Portio bauchfellfrei

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- als Umschlagfalten bilden sich vor dem Uterus zur Blase hin die Excavatio vesicouterina und
nach hinten vor dem Rectum die Excavatio rectouterina, letztere wird auch als Douglasraum
bezeichnet und hat große klinische Bedeutung als tiefster Punkt der Peritonealhöhle bei der
Frau: Zum einen sammeln sich hier im Stehen eventuelle Flüssigkeiten in der Bauchhöhle, zum
anderen kann der Douglasraum aus dem Fornix vaginae punktiert werden (Douglas-Punktion
zum Beispiel zur Keimbestimmung bei Peritonitis) oder sogar eine
Douglasoskopie/Kuldoskopie durchgeführt werden, also die Einführung eines Endoskops um
die Organe des kleinen Beckens einsehen zu können
- bei den Bändern ist das Lig. latum natürlich das wichtigste, es handelt sich einfach nur um eine
Peritonealduplikatur (also erwartet da kein festes Bindegewebe). Die sehr dünne Fettschicht
zwischen den beiden Peritonealblättern bezeichnet man als Parametrium. Einteilen lässt sich
das Lig. latum außerdem in ein Mesometrium (zum Uterus selbst), Mesosalpinx (zur Tube) und
Mesovarium (zum Ovar). Das Lig. latum zieht von der seitlichen Beckenwand zum Uterus und
enthält die A. uterina sowie die Ureteren, die die A. uterina innerhalb des Bandes unterkreuzen
- außerdem gibt es das Lig. cardinale (querverlaufend zwischen Cervix und Beckenwand) und
das Lig. teres uteri (Tubenwinkel  Leistenkanal  Labia majora, embryonales Relikt des
Gubernaculum ovarii)
- Für das Ovar gibt es dann noch das Lig. ovarii prorium und das Lig. suspensorium ovarii mit den
Vasa ovarica

10. Welche Abschnitte des Uterus werden unterschieden? Was meint man mit Versio, Flexio und
Positio? Was ist die physiologisch häufigste Position?

- Man unterscheidet zunächst einmal Fundus (oben quasi das Dach zwischen den
Tubeneinmündungen), Corpus und Cervix (nach unten der dünnere Teil zur Vagina hin)
- zwischen Corpus und Cervix bildet sich der Isthmus uteri mit dem Ostium anatomicum uteri
internum, nach außen an der Portio vaginalis das Ostium uteri externum
- Versio meint anatomisch den Winkel zwischen senkrechter Körperachse und Längsachse der
Cervix uteri, die Kliniker nehmen auch gerne den Winkel zwischen den Längsachsen von Vagina
und Cervix
- Flexio meint den Winkel innerhalb des Uterus zwischen Cervix und Corpus
- Positio meint die Stellung der Portio vaginalis im Becken
- physiologisch ist eine Anteversio und Anteflexio sowie eine mittige Positio auf Höhe der
Interspinallinie
- auch andere Positionen des Uterus können vorkommen und sind zunächst einmal ohne
Krankheitswert. Dennoch kann aber zum Beispiel ein retrovertierter Uterus bei der
Schwangerschaft zu Problemen führen („Hängenbleiben“ unter dem Promontorium) und
prädisponiert für eine Uterussenkung (Beckenbodenschwäche als Hauptrisikofaktor) bis hin
zum Extremfall, dem Uterusprolaps

11. Erkläre die Blutversorgung von Uterus und Adnexen!

- die zwei wichtigen Gefäße sind hier die A. uterina aus der A. iliaca interna und die A. ovarica
direkt aus der Aorta abdominalis
- die A. uterina durchzieht das Lig. latum und gibt dann einen R. vaginalis zur Vagina ab, Rr.
helicini zum Corpus uteri und schließlich einen R. ovaricus (läuft im Lig. ovarii proprium) zum
Ovar sowie einen R. tubarius zur Tuba uterina
- die A. ovarica durchzieht das Lig. suspensorium ovarii und zweigt sich danach in einen R.
ovaricus und tubarius auf, die mit den entsprechenden Ästen der A. uterina anastomosieren

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- theoretisch ist die A. ligamenti teretis uteri auch an der Versorgung beteiligt, allerdings einfach
aufgrund ihrer geringen Größe nur sehr unwesentlich

12. Welche Abschnitte der Tuba uterina unterscheidet man, was ist eine Tubargravidität, was
eine Bauchhöhlenschwangerschaft?

- Einteilung in Infundibulum, Ampulla (hier findet die Befruchtung statt), Isthmus und Pars
uterina
- eine Tubargravidität meint die zu frühe Einnistung der Blastozyste bereits in uterusnahen
Abschnitten der Tuba uterina anstatt im Uterus (beispielsweise durch Verklebungen der Tube,
die das Weiterwandern behindern),
Bauchhöhlenschwangerschaft meint
eine Einnistung innerhalb der
Peritonealhöhle (sehr viel seltener)
- bei der Tubargravidität besteht keine
Überlebenschance für den Embryo, der
operative Abbruch der
Schwangerschaft dient der Rettung der
Mutter (lebensbedrohliche Gefahr
durch mögliche Eileiterruptur mit
starken Blutungen - das Bild zeigt als
OP-Präparat einen normalen Eileiter im
Vergleich zur Eilleiterschwangerschaft
mit Einblutungen). Bei der
Bauchhöhlenschwangerschaft gibt es
wohl ganz ganz seltene Fälle, bei denen
das Kind ausgetragen und dann per Operation gesund geboren wurde, meist stirbt der Embryo
allerdings durch die schlechtere Versorgung bereits früh während der
Bauchhöhlenschwangerschaft (die Plazenta verwächst ja jetzt mit dem Peritoneum, dass dafür
absolut nicht ausgelegt ist, oft wird die Bauchhöhlenschwangerschaft auch daher gar nicht
bemerkt) bzw. man entschließt sich aufgrund des Risikos für die Mutter für einen
Schwangerschaftsabbruch
- apropos Embryo, Frühentwicklung bis zur Gastrulation steht ja ausdrücklich mit in den
Vorgaben fürs Testat, ich will das jetzt hier nicht nochmal in epischer Breite ausführen, aber je
nach Prüfer sollten euch so Sachen wie Befruchtungsvorgang, Akrosomreaktion,
Morulastadium, Blastozyste, Nidation, Gastrulation und Neurulation möglichst zumindest mal
entfernt bekannt vorkommen

13. Welche Beckenmaße sind bei der Frau für die Geburt wichtig, was sind die Unterschiede
zwischen männlichem und weiblichem Becken? (hätte wahrscheinlich schon ins letzte Testat
gehört die Frage)

- prinzipiell haben die Beckenmaße natürlich alle irgendwie eine Bedeutung für die Geburt, ich
halte ja die Diameter conjugata vera (11cm zwischen Promontorium und Hinterrand der
Symphyse) und Diameter sagittalis/Conjugata recta (9+2 cm zwischen Symphyse und
Steißbeinspitze, +2cm deswegen, weil das Steißbein unter der Geburt noch biegbar ist) für die
beiden Wichtigsten
- ein zu schmales weibliches Becken kann Indikation für einen Kaiserschnitt sein

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- und das männliche Becken ist natürlich insgesamt deutlich schmaler, steiler, das
Promontorium springt stärker hervor und der Schambeinwinkel ist sehr viel spitzer ( nur 70°
gegenüber 100° bei der Frau)

14. Nach dieser wunderschönen Überleitung zum Mann: Welche Zonen der Prostata
unterscheidet man, wo liegt die klinische Relevanz? Welche Strukturen münden am
Colliculus seminalis?

- man unterteilt die Prostata in eine anteriore Zone, dann darunter, aber noch vor der Urethra
eine Transitionszone, dann eine periurethrale Zone, eine zentrale Zone (hinten-oben) und eine
periphere Zone (hinten-unten)
- klinisch wichtig ist das Ganze deswegen, weil die benigne Prostatahyperplasie vor allem in der
periurethralen Zone auftritt (ist zwar gutartig, kann aber trotzdem zur Einengung der Urethra
und damit zum Harnverhalt führen, sehr häufig bei älteren Männern), das bösartige
Prostatakarzinom dagegen vor allem in der peripheren Zone. Vorteil: Da sich die periphere
Zone in direkter Nachbarschaft zum Rectum befindet, hat man als Arzt eine Chance das
Karzinom rektal zu ertasten (als Verhärtung), ist aber nie hunterprozentig sicher die
Tastuntersuchung
- das Prostatakarzinom ist
übrigens das häufigste
Karzinom des Mannes,
allerdings total
altersabhängig: Während
sich bei unter 40-Jährigen
fast nie ein Prostatkarzinom
findet, geht man davon aus,
dass ca. 80% aller 70-
Jährigen und fast alle
Männer über 90 ein
Prostatakarzinom haben;
nur sterben sie dann häufig
vorher schon an etwas
Anderem
- am Colliculus seminalis
münden die Ductus
ejaculatorii sowie der
Utriculus prostaticus, ein
Rudiment des Müller-Gangs

15. Erläutere den Aufbau des Penis!

- also erstmal die Verankerung über die Crura penis sowie das Lig. suspensorium penis
- den weiteren Aufbau macht man sich am Besten im Querschnitt klar: ganz außen unter der
Haut erstmal die Fascia penis superficialis und darunter die paarige V. dorsalis penis
superficialis
- dann unter der Fascia penis profunda mittig eine unpaare V. penis profunda und dann zu
beiden Seiten wieder paarig erst die A. und dann ganz außen der N. dorsalis penis
- darunter folgen bereits die Corpora cavernosa mit ihrer Tunica albuginea und jeweils der
zentralen A. profunda penis

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- an der ventralen Seite (also der Unterseite) liegt dann noch das Corpus spongiosum penis mit
der Urethra und der A. urethralis, das Corpus Spongiosum geht dann in die Glans penis über

16. Erläutere den Mechanismus der Erektion!

- also zunächst gibt es verschiedene Afferenzen für die – wie der Prometheus wunderschön
formuliert – „taktilen, visuellen, olfaktorischen, akustischen und psychogenen Reize“, die
allesamt eine Erektion auslösen können, nachdem sie ins Sakralmark bzw. von dort zu den
höheren Zentren im Gehirn geleitet wurden. Die efferenten parasympathischen Fasern aus
dem Sakralmark leiten das Signal dann zum Penis, die Schwellkörperarterien werden dilatiert,
die abführenden Venen durch ihren schrägen Verlauf durch die Tunica albuginea aufgrund des
steigenden Drucks komprimiert. Es kommt also zu maximaler Blutfüllung bei gedrosseltem
Blutabfluss. Zusätzlich kontrahieren in den Corpora cavernosa noch glatte Muskelzellen, es
wird so das 10-fache (!) des normalen systolischen Blutdrucks erreicht (das erklärt auch,
warum die Tunica albuginea so derb und stabil sein muss)
- im Corpus spongiosum ist der Druck übrigens sehr viel geringer, derselbe Druck wie in den
Corpora cavernosa würde ja die Urethra sonst komplett komprimieren, sie wäre nicht mehr
für das Ejakulat durchlässig und das wäre fortpflanzungstechnisch sehr ungünstig
- bei der Erschlaffung kommt es dann umgekehrt wieder zu einer Konstriktion der zuführenden
Arterien. Funktioniert dieser Mechanismus nicht, kommt es zur schmerzhaften Dauererektion,
dem Priapismus (benannt nach Priapos, dem Sohn von Aphrodite und Dionysos – der Gott der
Fruchtbarkeit, ich will euch die Statuetten nicht vorenthalten)

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

17. Erläutere den Mechanismus der Ejakulation! Wie setzt sich das Ejakulat zusammen und
welche Drüsen sind beteiligt?

- die Ejakulation wird sympathisch gesteuert: Zunächst werden die Signale bei zunehmender
Reizung der Glans penis ins Ejakulationszentrum im Rückenmark geleitet und dann auf
efferente sympathische Fasern umgeschaltet (Nn. hypogastrici) und bewirken eine
rhythmische Kontraktion der glatten Muskulatur von Nebenhoden, Ductus deferens, Prostata
und Glandula vesiculosa sowie der Schwellkörpermuskulatur und sorgen damit für die
Austreibung des Ejakulats
- da wären wir dann auch schon bei den beteiligten Drüsen und der Zusammensetzung des
Spermas: Nur 3-5% des Ejakulats stammen aus Hoden und Nebenhoden, also besteht auch nur
ein kleiner Anteil überhaupt aus Samenzellen (sind aber immernoch ca. 40 Millionen pro
Ejakulation)!
- der Großteil der 2-6ml Ejakulat stammt aus der Bläschendrüse/Glandula vesiculosa (65-75%).
Ihr Sekret enthält Fruktose zur Energieversorgung der Spermien und ist alkalisch. Das ist
wichtig, weil die Spermien ein alkalisches Milieu für ihre Bewegung benötigen, die Vagina
allerdings zum Schutz vor Bakterien ein saures Milieu aufweist
- den übrigen Anteil liefert die Prostata mit ihrem leicht sauren Sekret, dass allerdings von dem
Sekret der Bläschendrüse neutralisiert wird
- bereits vor der Ejakulation allein bei Erregung geben die Cowper-Drüsen (Glandulae
bulbourethrales) - parasympathisch innerviert - eine kleine Menge sog. Präejakulat ab
(„Lusttropfen“), es dient vermutlich der Neutralisierung von Harnresten in der Urethra und
auch als physiologisches Gleitmittel

18. Erkläre die verschiedenen Hodenhüllen und ihre Entsprechungen an der Bauchwand!

- der Leistenkanal ist durch den Descensus testis eine Ausstülpung der Bauchwand, daher findet
sich für jede Hodenhülle eine Entsprechung an der Bauchwand, von außen nach innen:
- Skrotalhaut mit Tunica dartos (Myofibroblasten erlauben das Zusammenziehen, z.B. bei Kälte),
entspricht der Bauchhaut
- Fascia spermatica externa entspricht der oberflächlichen Körperfaszie
- M. cremaster mit seiner Fascia cremasterica entspricht dem M. obliquus internus abdominis
mit seiner Faszie
- die Fascia spermatica interna entspricht der Fascia transversalis
- die Tunica vaginalis testis mit ihrer Lamina viszeralis (Epiorchium) und Lamina parietalis
(Periorchium) entspricht dem Peritoneum
- darunter folgt dann bereits die Tunica albuginea
- macht euch auch nochmal den Inhalt des Leistenkanals klar, den kann man potentiell jetzt auch
nochmal fragen als Prüfer, war ja in den Übungsfragen zum ersten Testat
- Klinik: Es kann zum Maldescensus des Hodens kommen, wenn dieser nicht am Gubernaculum
testis bis in den Hoden gelangt. Dieser Hodenhochstand muss beim Neugeborenen schnell
erkannt und operativ behoben werden, oft passiert der Descensus zwar noch von selbst
(gerade bei Frühgeborenen ist der Hodenhochstand zunächst sehr häufig), nach einem Jahr
ohne Descensus und ohne Behandlung wird der betroffenen Hoden allerdings durch die für
die Spermatogenese zu hohe Körpertemperatur unfruchtbar und neigt auch im weiteren
Verlauf des Lebens zur malignen Entartung

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

19. Wozu dient der M. cremaster? Was ist der Cremasterreflex, über welche Nerven läuft sein
Reflexbogen?

- der M. cremaster zieht bei Kontraktion den Hoden näher an den Körper, daraus ergeben sich
drei funktionelle Zusammenhänge:
- zunächst der eigentliche Cremasterreflex: Bei einer Reizung der Haut an der Innenseite des
Oberschenkels im Versorgungsbereich des R. femoralis des N. genitofemoralis läuft das Signal
über die Rückenmarkssegmente L1/L2 und den R. genitalis des N. genitofemoralis zum M.
cremaster und führt zu dessen Kontraktion
- den Sinn der Sache muss man sich mal wieder etwas entwicklungsgeschichtlich vorstellen:
Wenn man so als einer unserer weit entfernten männlichen Vorfahren mehr oder weniger
unbekleidet durch die Buschlandschaft vor irgendeinem Raubtier wegläuft, ist es in Sachen
Familienplanung schlecht, wenn man mit kritischen Körperteilen im Dornbusch hängen bleibt.
Da ist man nämlich dann auch gleich raus aus dem Genpool für die nächste Generation, selbst
wenn man dem Raubtier entkommen ist. Wer durch den Cremasterreflex noch den
entscheidenden Zentimeter zwischen seinen Hoden und den Dornbusch bringen konnte war
klar im Vorteil, deswegen hat sich die Sache durchgesetzt, auch wenn der Reflex im Zeitalter
der Jeans jetzt nicht mehr so brandaktuell ist. Evolution ist doch was Schönes…
- zweitens zieht der M. cremaster den Hoden bei nahendem Orgasmus und auch während des
Orgasmus näher zum Körper
- und drittens diskutiert man, ob der M. cremaster auch der Thermoregulation des Hodens
dient, also bei Kälte den Hoden durch Kontraktion näher zum wärmenden Körper zieht und bei
Wärme durch Entspannung weiter weg vom Körper hält

20. Wieso tritt eine Varikozele links viel häufiger auf als rechts (75%-90% der Fälle)? Bzw.
erstmal was ist überhaupt eine Varikozele?

- eine Varikozele meint die krampfaderartige Erweiterung der Venen des Plexus pampiniformis,
also des venösen Abflusses des Hodens
- der Grund für die Seitenunterschiede liegt im Verlauf der V. testicularis, die aus dem Plexus
pampiniformis entsteht: Während sie rechts in einem spitzen Winkel direkt in die V. cava
mündet, mündet sie links in einem 90°-Winkel in die V. renalis sinistra. Dieser rechte Winkel
ist natürlich hämodynamisch absolut suboptimal und führt daher so häufig zu venösem
Rückstau auf der linken Seite
- dazu kommt noch der Nussknacker (s.oben), auch der begünstigt die Varikozele auf der linken
Seite

21. Welche Besonderheit im lymphatischen Abfluss der Geschlechtsorgane gibt es?

- sowohl der Hoden als auch der Ovar drainieren in Lymphknoten die an den Orten liegen, an
denen sie ursprünglich entstanden sind, nämlich in beiden Fällen die Nll. lumbales.
Insbesondere beim Hoden ist das durch den Descensus ein recht weiter Weg, was bei der
Suche nach eventuellen Metastasen eines Hodentumors zu beachten ist
- das äußere Genitale drainiert dagegen jeweils bei beiden Geschlechtern in die Nll. inguinales
superficiales und profundi, beim Mann ist noch zu beachten, dass durch Anastomosen am
Penisrücken zwischen den beiden Seiten auch zum Beispiel ein maligner Tumor auf der rechten
Seite des Penis in die linken Lymphknoten metastasieren kann und umgekehrt (das wird aber
hoffentlich kein Prüfer abfragen, vergesst es also schnell wieder)

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

22. Erläutere und Vergleiche die embryologische Entwicklung der Geschlechtsorgane bei Mann
und Frau!

- bei beiden Geschlechtern entwickeln sich um die Kloakenmembran (Anus bzw. Rectum und
Sinus urogenitalis sind noch nicht voneinander getrennt, aber nach außen gemeinsam durch
die Kloakenmembran verschlossen) als indifferente Anlagen der äußeren Geschlechtsorgane
der Genitalhöcker, die Genitalfalten, die Genitalwülste sowie die Analfalten
- der Genitalhöcker wird beim Mann zu den Corpora cavernosa penis, bei der Frau zur Clitoris
- die Genitalfalten werden zu Corpus spongiosum penis + Glans penis (Glans und Clitoris
entsprechen sich also embryologisch nicht!) bzw. bei der Frau zu den Labia minora und zum
Bulbus vestibuli
- die Genitalwülste werden zum Scrotum bzw. zu den großen Schamlippen
- die Analfalten bilden bei beiden Geschlechtern die Raphe perinei
- bei den inneren Geschlechtsorganen gibt’s es bei beiden Geschlechtern zunächst einmal eine
paarige Genitalleiste an der dorsalen Wand der Leibeshöhle des Embryos. Sie enthält zunächst
noch keine Keimzellen, diese wandern erst in der 6. Embryonalwoche aus der Wand des
Dottersacks ein. Beim Mann entwickelt sich die indifferente Gonade zum Hoden inklusive
Tubuli seminiferi und Rete testis, bei der Frau zum Ovar
- ansonsten ist noch wichtig, dass bei beiden Geschlechtern aus dem Wolff-Gang der Ureter
sowie die Sammelrohre der Niere entstehen, beim Mann zusätzlich Ductus epididymidis,
deferens, ejaculatorius und Gl. vesiculosa.
- aus dem Müller Gang entstehen bei der Frau Tuba uterina, Uterus und Teile der Vagina
- die sämtlichen Residuen ohne Funktion lass ich jetzt hier mal weg, da muss man als Prüfer aber
auch schon einen sehr schlechten Tag haben um die abzufragen

23. Wie kann man vom Ort einer (hämatogenen) Metastase eines Rectumkarzinoms auf die Lage
des Primärtumors innerhalb des Rectums schließen?

- es hängt natürlich an der unterschiedlichen Blutversorgung der verschiedenen


Rectumabschnitte:
- arteriell wird der obere Teil des Rectums aus der A. rectalis superior (Ast der mesenterica
inferior), der mittlere aus der A. rectalis media (aus der A. iliaca interna) und der untere aus
der A. rectalis inferior (Ast der A. pudenda interna, die ihrerseits wiederum aus der A. iliaca
interna entspringt) versorgt
- venös läuft die Sache genau analog, die Vv. rectales mediae (direkt) und Vv. rectales inferiores
(über die V. pudenda interna) drainieren in die V. iliaca interna und dann über die V. iliaca
communis in die V. cava inferior. Die V. rectalis superior drainiert dagegen in den
Pfortaderkreislauf (V. mesenterica inferior  V. splenica  V. portae hepatis) !!
- das erklärt dann auch die unterschiedliche hämatogene Metastasierung von
Rectumkarzinomen auf unterschiedlichen Höhen: während sie in den unteren Anteilen meist
in die Lunge streuen (nächstes Kapillarbett), bleiben die Krebszellen aus Rectumkarzinomen
im Bereich der V. rectalis superior meist in dem Kapillarbett der Leber hängen und bilden so
Lebermetastasen!

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

24. Was ist die Kohlrauschfalte, warum ist sie klinisch relevant?

- im Rectum finden sich drei Plicae transversae recti (superior, media + inferior), die sich an den
Seitenwänden anordnen und immer nur an einer Seite zu finden sind, nämlich links – rechts –
links
- die mittlere von den Dreien (also die einzige, die rechts liegt) nennt man klinisch die
Kohlrauschfalte. Sie ist der tiefste Punkt, der bei der digital-rectalen Untersuchung noch mit
dem tastenden Finger zu erreichen ist. Sämtliche möglichen Rectumkarzinome oral der
Kohlrauschfalte sind also nicht mehr zu tasten!

25. Welche Abschnitte und welche Flexuren des Rectums werden unterschieden?

- zunächst gibt es den oberen Teil des Rectums vom Übergang aus dem Colon sigmoideum bis
zur Kohlrauschfalte, danach folgt das Anorectum, das sich wiederum an der Junctio anorectalis
in eine Ampulla recti (oral der Puborektalschlinge) und einen Canalis analis (aboral der
Puborektalschlinge) unterteilt
- die Junctio anorectalis ist auch embryologisch bedeutsam, nur der von hier aus orale Teil
entsteht aus dem endodermalen Hinterdarm, der aborale Teil bereits aus der ektodermalen
Analbucht
- an Krümmungen in der Sagittalebene unterscheidet man die sekundär retroperitoneale
Flexura sacralis (auf dem Os sacrum aufliegend, also nach vorne konkav) und die bereits
extraperitoneale Flexura perinealis (vor dem Os coccygis wieder nach unten), die Krümmungen
in der Frontalebene entsprechen den Plicae

26. Nenne die Bestandteile des Kontinenzapparates!

- zunächst fallen einem natürlich die muskulären Verschlussmechanismen ein: M. sphincter ani
externus und der M. puborectalis als Teil des Levator ani sind somatomotorisch innerviert und
damit willkürlich steuerbar, der M. sphincter ani internus (ca. 70% der Kontinenzleistung) ist
nur viszeromotorisch innerviert
- dazu kommt als vaskulärer Verschluss das Corpus cavernosum recti als submuköser
Schwellkörper, der insbesondere für die Feinkontinenz auch bei flüssigem oder gasförmigem
Darminhalt entscheidend ist
- die muskulären sowie der vaskuläre Mechanismus dienen beide der Einstellung eines
konstitutiv engen Segmentes im Bereich des Canalis analis
- dazu kommt noch die Bedeutung der eben beschriebenen Flexura sacralis, durch sie liegt die
Stuhlsäule nicht direkt senkrecht dem Anorektum auf, was die Verschlussmechanismen im
Bereich des Canalis analis entlastet
- und auch das Rectum selbst mit seinen Dehnungsrezeptoren und der dehnbaren Haut im
Bereich des Canalis analis werden zum Kontinenzapparat gezählt
- die Innervation erfolgt viszeral über die Nn. splanchnici pelvici und den Plexus rectalis sowie
für das somatische Nervensystem über den N. pudendus (afferent und efferent)

27. Erläutere den Mechanismus der Defäkation! Was sind Hämorrhoiden?

- zunächst ist wichtig, dass die Ampulla recti normalerweise nicht als Stuhlreservoir dient,
sondern weitgehend frei von Stuhl ist. Tritt nun allerdings bei bereits größerer Füllung der
vorangehenden Darmabschnitte ein Stuhlbolus in die Rectumampulle ein, wird dies über

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

Mechanosensoren registriert und die Information über viszerale Afferenzen zum sensorischen
Cortex gesendet und dort als Stuhldrang wahrgenommen
- der M. sphincter ani internus erschlafft bei steigendem intrarektalem Druck bereits von
alleine, M. sphincter ani externus und M. puborectalis müssen allerdings willkürlich entspannt
werden, daher ist der Zeitpunkt der Defäkation überhaupt erst in gewissen Maßen steuerbar
- bei Erschlaffung des M. puborectalis wird auch der anorektale Winkel aufgehoben und die
Stuhlsäule kommt über dem Analkanal zu liegen
- die Austreibung der Stuhlsäule ist nun ein komplexes Zusammenspiel von Druckerhöhung im
Rectum selbst und Bauchpresse (also Anspannung von Bauchmuskeln, Beckenboden,
Zwerchfell + Stimmritzenschluss). Hierbei wird das Corpus cavernosum recti ausgepresst
- das hochsensible Anoderm nimmt den Stuhl in Bezug auf Volumen und Konsistenz wahr und
signalisiert dann das Ende der Defäkation mit Kontraktion der Sphinkteren und
Wiederauffüllung des Corpus cavernosum recti
- der hämorrhoidale Plexus der Corpus cavernosum recti ist auch der Ausgangspunkt für
Hämorrhoiden als eine der häufigsten proktologischen Erkrankungen: Zunächst kann eine
bloße Vergrößerung (Hyperplasie) noch symptomlos bleiben, oft führt sie allerdings im
weiteren Verlauf zu hellroten ( weil ja arteriellen!) Blutungen und Schleimhautvorfällen mit
Jucken und Schmerzen. Ursache sind häufig vermehrtes Pressen während der Defäkation im
Rahmen einer chronischen Obstipation oder Störungen des venösen Blutabflusses aus dem
hämorrhoidalen Plexus
- davon abzugrenzen sind Varizen (Krampfadern) im Bereich des Anus, wie man sie bei Patienten
mit Pfortaderhochdruck findet (portocavale Anastomose (!): Vena portae  V. splenica  V.
mesenterica inferior  V. rectalis superior  Vv. rectales mediae  V. iliaca interna  V.
iliaca communis  V. cava inferior), diese werden nicht (!) als Hämorrhoiden bezeichnet

28. Nenne die Äste der A. iliaca interna!

- ist leider stumpfes Auswendiglernen, muss aber fürs Testat sitzen:


- 5 parietale Äste zur Beckenwand: A. iliolumbalis, A. sacralis lateralis, A. obturatoria, A. glutea
superior, A. glutea inferior
- 5 (bzw. 6 bei der Frau) viszerale Äste zu den Beckenorganen: A. umbilicalis (pars patens, daraus
A. vesicalis superior), A. vesicalis inferior, A. uterina (beim Mann A. ductus deferentis, die dann
allerdings meist aus der A. umbilicalis und nicht direkt aus der Iliaca interna), A. vaginalis (kann
auch mal aus der A. vesicalis inferior oder A. uterina entspringen, keine Entsprechung beim
Mann), A. rectalis media, A. pudenda interna

29. Welche Nerven entspringen dem Plexus lumbalis, welche dem Plexus sacralis? (war ja
schonmal in den Übungsfragen zum ersten Testat, ist aber diesmal noch deutlich aktueller,
ich copy-paste euch mal das Wichtigste nochmal hier rein)

- dem Plexus lumbalis entspringen von cranial nach caudal der N. iliohypogastricus (Th12-L1),
ilioinguinalis (L1), genitofemoralis (L1-2), cutaneus femoris lateralis (L2-3), femoralis L2-4),
obturatorius (L2-4)
- der überragend tiefgründige Merkspruch dazu lautet: In Indien gibt’s kein frisches Obst
- die Segmente der einzelnen Nerven auswendig zu lernen ist meiner Meinung nach nicht so
entscheidend, der ganze Plexus geht von Th12-L4, dann kann man ungefähr zuordnen, wenn
man die Reihenfolge kennt
- aus dem Plexus sacralis entspringen von cranial nach caudal: N. gluteus superior (L4-S1), N.
gluteus inferior (L5-S2), N. cutaneus femoris posterior (S1-3), N. ischiadicus (L4-S3), N.
pudendus (S1-4)

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- Hier gibt’s gleich mehrere Merkspruchklassiker: Göttlicher George Clooney intubiert


Patientinnen, Gutes Geld kommt ins Portemonnaie oder auch der nicht ganz jugendfreie
Favorit von meinem Vorpräparanden letztes Jahr, den ich euch nicht vorenthalten will: Geile
Girlies können immer poppen (dann kann man sich auch gleich merken wofür der Pudendus
wichtig ist)
- apropos Pudendus, manche Prüfer fragen die Pudendusanästhesie als klinischen Bezug, auch
wenn das Ganze mittlerweile mehr oder weniger durch die Periduralanästhesie überholt ist.
Idee hinter dem Pudendusblock ist jedenfalls, von der Spina ischiadica ausgehend mit einer
ziemlich langen Kanüle an mehreren Stellen im Verlauf des N. pudendus Schmerzmittel zu
injizieren um die Schmerzen unter der Geburt zu lindern, insbesondere dann, wenn ein
Dammschnitt notwendig wird

30. Welche Etagen des Beckenbodens werden unterschieden, was ist der Alcock-Kanal?

- am oberflächlichsten folgt unter dem subkutanen Dammraum das Spatium superficiale perinei
mit den Schließ- und Schwellkörpern des Urogenitaltraktes (Mm. bulbospongiosus,
ischiocavernosus, sphincter urethrae und sphincter ani externus)
- dann folgt das Spatium profundum perinei (Diaphragma urogenitale) mit dem M. transversus
perinei profundus und seinen Faszien (die obere wird dann als Fascia diaphragmatis
urogenitalis superior, die untere als Fascia diaphragmatis urogenitalis inferior bezeichnet). Der
M. transversus perinei superficialis spielt eine eher untergeordnete Rolle
- darüber dann zwischen Diaphragma pelvis und Diaphragma urogenitale die wahrscheinlich
testatrelevanteste Etage, die Fossa ischioanalis (infralevatorischer Raum). Hier verläuft
nämlich der Alcock-Kanal, eine Faszienduplikatur des M. obturatorius internus (der begrenzt
die Fossa nach lateral), und enthält den N. pudendus sowie die A. + V. pudenda interna
- oberhalb des Diaphragma pelvis (gebildet vom M. levator ani und seinen Faszien [Fascia
diaphragmatis pelvis superior und inferior]) folgt dann noch der supralevatorische Raum mit
den unteren Teilen der Ureteren, der A.+V. iliaca interna + Äste sowie dem Plexus sacralis und
hypogastricus inferior

31. Welche Anteile des M. levator ani werden unterschieden, welche physiologischen
Öffnungen im Levator Ani gibt es, welche Strukturen ziehen hindurch?

- M. puborectalis (von beidseits der Symphyse zur Junctio anorectalis/zum Sphincter ani
externus)
- M. pubococcygeus (vom Schambein zum Steißbein bzw. zum Lig anococcygeum)
- M iliococcygeus (vom Arcus tendineus musculi levatoris ani, also dem Sehnenbogen der
Obturatorius internus – Faszie, zum Steißbein bzw. zur Raphe zwischen den beiden Mm.
iliococcygei selbst)
- der V-förmig verlaufende M. levator ani begrenzt hinter der Symphyse dreieckig das sog.
Levatortor (Hiatus levatorius), das dann wiederum durch prärektale Fasern in ein Hiatus
urogenitalis (vorne) und ein Hiatus ani (hinten) unterteilt wird
durch den Hiatus urogenitalis verläuft bei beiden Geschlechtern die Urethra und bei der Frau
zusätzlich die Vagina, durch den Hiatus analis nur das Rectum

32. Erläutern Sie die Entwicklung der Harnblase unter besonderer Berücksichtigung der
makroskopisch sichtbaren Relikte!

- Entwicklung ab 5. Bis 10. Woche aus der Kloake (gemeinsames Ausscheidungsorgan)

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

- Sinus urogenitalis: cranialer Anteil Harnblase, caudaler Anteil  Harnröhre


- Septum urorectale wächst von cranial zwischen Sinus urogenitalis und Anorektalkanal
(Endabschnitt Verdauungsapparat) bis es die Kloakenmembran (verschließt Kloake ventral)
erreicht hat
- im Inneren der Blase ist das Trigonum vesicae mesodermalen, der Rest der Blaseninnenfläche
endodermalen Ursprungs

33. Welche Bänder halten die Harnblase in ihrer Position?

- Die Harnblase muss sich verschiedenen Füllungszuständen anpassen, deshalb ist sie nur im
Bereich der Cervix und des Fundus vesicae unverschieblich befestigt!
Befestigung durch:
o Bindegewebe des Spatium subperitoneale, beim Mann zusätzlich über
Fixierungsbänder der Prostata
o Im Bereich des Levatorspalts ist der Blasenhals fest mit den Levatorfasern verbunden
o das Lig pubovesicale verbindet den Blasenhals mit dem Schambein beidseits der
Symphyse (eher funktionell wichtig bei der Miktion als bedeutender Teil des
Halteapparates)
o Lig rectovesicale und Lig vesicosacrale nach lateral und posterior

34. Was ist der Retziusraum?

- Synonyme: Spatium retropubicum, Spatium praevesicale


- Raum mit lockerem Bindegewebe (Paracysticum) gefüllt, der Verschieblichkeit bei Füllung der
Blase erlaubt
- zwischen Beckenwand und Blase; erstreckt sich vom Nabel bis zum Blasenhals
- Begrenzung: ventral: Fascia transversalis, dorsal: Fascia vesicalis; caudal: Fascia diaphragmatis
pelvis superior; lateral: Plicae umbilicales mediales

35. Beschreiben Sie den Verlauf der männlichen und der weiblichen Urethra? Welche Folgen
haben die Unterschiede zwischen den Geschlechtern?

- Frau: Pars intramuralis urethrae, Pars membranacea urethrae


- Mann: Pars intramuralis urethrae, Pars prostatica, Pars membranacea urethrae, Pars
spongiosa
- Engstellen: Ostium urthrae internum, Durchtritt durch den Beckenboden in der Pars
membranacea (am engsten!), Ostium urethrae externum
- Weiten: Pars prostatica, Ampulla urethrae, Fossa navicularis
- klinische Folge: Frauen leiden aufgrund der kürzeren Urethra häufiger an Harnwegsinfekten,
allerdings fällt auch die Katheterisierung bei Frauen leichter

36. Erklären Sie die Miktion und die Kontinenz mit den dazugehörigen Muskeln.

- Kontinenz = Fähigkeit, den Harn halten zu können, sofern nicht willentlich Wasser gelassen
werden soll -> koordiniertes Zusammenspiel aus Kontraktion und Relaxation der beteiligten
Muskulatur mit dem anatomischen Halteapparat.

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)


lOMoARcPSD|757421

Blasenverschluss und Kontinenzerhaltung

Beteiligte Strukturen Beschreibung Kontinenzerhaltende Funktion

M. sphincter vesicae  Definition: Innerer Ringmuskel der Harnröhre  Kontraktion (unwillkürlich)


internus ("Internus")  Lage: Innerhalb der Harnblase
 Innervation: Sympathische Innervation (nicht
willkürlich)
M. sphincter urethrae  Definition: Äußerer Ringmuskel der Harnröhre  Kontraktion (v.a. willkürlich)
externus ("Externus")  Lage: Am äußeren Harnröhrenausgang auf Höhe
des Beckenbodens (Pars membranacea)
 Anteile und Innervation
 M. sphincter urethrae transversostriatus:
Äußerer, quergestreifter Anteil
mit willkürlicher Innervation (N. pudendus)
 M. sphincter urethrae glaber: Innerer,
ringförmiger, glattmuskulärer Anteil mit
autonomer Innervation
M. detrusor vesicae  Dreischichtige  Relaxation
Harnblasenmuskulatur (siehe
"Mikroskopische Anatomie der Harnblase")

Anteile  Schicht aus Muskeln und Bindegewebe, die als  Kontraktion (unwillkürlich bei
des Beckenbodens Begrenzung und für den Halt des Beckenausgangs intraabdomineller
sorgt (siehe auch "Beckenboden") Druckerhöhung)
 Kontinenzerhaltende Anteile: Insb. M.
pubococcygeus, Levatorplatte und longitudinaler
Analmuskel
Tabelle aus https://amboss.miamed.d; Lernkarte Harnblase, zuletzt abgerufen 14.12.16.

Ablauf der Blasenentleerung (= Miktion)


1. Aktivierung von Dehnungsrezeptoren durch Füllung der Harnblase
2. Afferenzen ziehen in sakrales Miktionszentrum (S2-3) und in das pontine Miktionszentrum
3. Efferenzen ziehen zur Harnblase und bewirken eine
Kontraktion des M. detrusor vesicae → Erhöhung des Blaseninnendrucks
Kontraktion der Muskulatur des Trigonum vesicae → Verschluss der Harnleiteröffnungen
Erschlaffung des M. sphincter vesicae internus und Kontraktion des M. dilatator urethrae und
Mm. pubovesicalis → Erweiterung der Harnröhrenöffnung
4. Willkürlich: Erschlaffung des M. sphinkter urethrae externus
5. Miktion

Wie immer haben die Fragen keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder hundertprozentige Richtigkeit.
Irgendwo ist bestimmt was schiefgegangen, hinterfragt im Zweifelsfall erstmal alles. Die Beinfragen
kommen in Teil 2 auf jeden Fall noch vor dem Wochenende, bis dahin schonmal viel Erfolg (und
vielleicht auch ein wenig Spaß) beim Durcharbeiten der Fragen!

Kristina und Matthieu

Heruntergeladen durch Ilan Malinsky (ilanmalinsky@gmail.com)