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Romantik

Kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis 19. Jahrhundert hinein dauerte und
sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst (1790-1840), der Literatur (1795-1848) und der
Musik (1820-1850) äußerte.

Die romantische Revolution


- geistiges Phänomen, das von 1797 bis 1830 alle Gebiete der Kunst und des Lebens erfasste
- Deutschland, ganz Europa, Nordamerika

„Romantik“ → kommt vom „romanze“ (romanische Volkssprache)


17. Jahrhundert → romantisch = phantastische Abenteuerroman (fantastico romanzo d’avventura)
Heute → romantisch = für gefühlvolle, sentimentale Stimmung → oberflächlich für den Epochenstil
„Romantik“

Romantiker → am Anfang begeisterten sich die Französische Revolution → als sie mit Robespierre zum
Terror wurde, lehnten sie sie ab
Warum Romantik entstand in Deutschland?
- Protestantismus und Pietismus eine besondere Neigung zur persönlichen Religiosität, Innigkeit und
Introspektion gefördert hatten
- Sturm und Drang einen neuen Kult des Gefühls eingeführt hatte
- Land, in dem Fichte und Schelling die romantische Lebensauffassung entscheidend prägt durch Kants
Philosophie

In Italien kommt später die romantische Bewegung → klassische Kultur hier tiefer verwurzelt war
Romantiker:
- hatten eine besondere Tendenz zur „Unendlichkeit“ und Universalität
- versuchten, Literatur, Philosophie, Kunst, Musik, Religion, Politik und Wissenschaft in ihrem universalen
Streben zu verschmelzen
Wichtiges Merkmal der Romantik ist die durch die blaue Blume symbolisierte Sehnsucht nach der
Unendlichkeit.
Orient und Italien → Traumorte der Romantiker (Mittelalter die ideale Zeit, wonach sie sich sehnen)
Friedrich Schlegel → die romantische Poesie soll eine „progressive Universalpoesie“ sein, die alle bis jetzt
getrennte Gattungen vereinigt: „Poesie und Prosa“, „Kunstpoesie und Naturpoesie“
Idee der Universalpoesie → Anregung zur Erforschung und Wiederentdeckung alter deutscher Werke und
zu zahlreichen Übersetzungen aus alten und fremden Sprachen (Dante, Petrarca, Tasso, Shakespeare, …)

Romantiker wie Klassiker: sie wollten die Harmonie der Vernunft der Aufklärung mit dem Gefühl des Sturm
und Drang, aber Phantasie spielt eine wichtige Rolle → entdecken sie Sphären, die unbekannt waren (z.B.
Traum und das Un- und Unterbewusste)

Romantischer Konzeption → Nacht: positive Rolle (Ort des Schlafes und des Traumes)
Christlichen Tradition → Nacht assoziierte mit der Sünde und der teuflischen Versuchung

Romantiker → liebten Ursprünglichkeit und Natürlichkeit und fanden sie in der Phase der Kindheit
verwirklicht → Einfluss Rousseaus → Kind = perfektes Wesen (idealisierten Kinderzeit als „das goldene
Zeitalter“ (Novalis) und „die alte schöne Zeit“ (Eichendorff)
→ Bewunderung der Romantiker für das Mittelalter
Mittelalter = ideale Zeit, in der religiöse und politische Einheit herrschte, und in der man noch Kontakt zur
Natur hatte
Als Reaktion auf die napoleonische Herrschaft entstanden in der Zeit der Romantik:
- starkes Nationalgefühl
- besonderes Interesse für das Volkstum und für vergangene Epoche der deutschen Geschichte
Romantiker begeisterten sich für:
- alten Märchen
- Sagen
- Volkslieder
Nationale Erhebung (1813) → distanzierte die Romantik von dem Kosmopolitismus und näherte sie einem
leidenschaftlichen Nationalismus an

Romantischer Welt → beseelte Welt von Geistern, Feen, Hexen, Elfen und Nixen, in der Menschen und
Tiere miteinander sprechen können → Mensch und Natur wieder eins geworden sind
Romantischen Dichter sehr religiös → katholischen Kirche fanden sie die religiöse Einheit wieder
Romantische Sprache → sehr musikalisch und liebt das Geheimnisvolle und Unbestimmte

Klassik → Substantiv bevorzugt


Romantik → Verben und Adjektive

Reim → Assonanzen und Alliterationen


Verschiedene Sinneseindrücke vermischen sich in der romantischen Lyrik (Synästhesie)

Bevorzugte Gattungen
Roman → beliebteste Gattung der Romantik → er fasst alle Forme der Poesie zusammen: Märchen, Lieder,
Novellen oder theoretische Gespräche
Märchen → Übergang von der Realität in die Welt der Magie und des Traumes
Volksmärchen = einfache Erzählung, die aus der mündlichen Überlieferung kommt:
- deren Autor unbekannt ist
- Zeit und Ort sind immer unbestimmt
- Figuren sind nicht psychologisch charakterisiert
→ basiert auf der naiven Gut-Böse-Teilung
→ folgt einem präzisen Handlungsschema: der Held muss bestimmte Aufgaben lösen; er findet viele
Hindernisse auf seinem Weg, die er oft mit der Hilfe von übernatürlichen Mächten beseitigt
Kunstmärchen <> Volksmärchen
Kunstmärchen = Produkt eines Autors (nicht des Volkes wie für Volksmärchen)
- psychologische Analyse der Figuren

Wichtig in der frühromantischen Lyrik ist die feierliche Hymne (Novalis Hymnen an die Nacht).
Spätromantiker → Interesse für das Volkslied und die Ballade, in denen sie die Volksseele suchten
Das Märchen

- Prosatexte
- zählen zu einer bedeutsamen und sehr alten Textgattung in der mündlichen Überlieferung
- treten in allen Kulturkreisen auf
- mündlich überlieferten und anonymen Volksmärchen vs. Kunstmärchens (Autor bekannt ist)

Unterschied zur Sage und Legende:


- sind frei erfunden
- ihre Handlung ist weder zeitlich noch örtlich festgelegt

Charakteristisch für Märchen:


- Erscheinen phantastischer Elemente in Form von sprechenden Tieren und Zaubereien (magia) mit Hilfe
von Hexen (streghe) oder Zauberern (maghi) sowie Riesen (giganti)

Deutschland → wurde der Begriff des Märchens durch die Brüder Grimm geprägt (die Autoren von den
Kinder- und Hausmärchen)

Jakob und Willhelm Grimm


- 1785 und 1786 in Hanau geboren
- Begründer der deutschen und germanischen Philologie (Willhelm → Märchen- und Sagenforschung /
Jakob → deutschen Mythologie und Sprachgeschichte)
- 1838 begannen gemeinsam an dem Deutschen Wörterbuch zu arbeiten
- berühmtestes Werk → Sammlung Kinder- und Hausmärchen (1812-1815)

Sie haben in Hanau die ersten Lebensjahre vor der Schulzeit verbracht.
In Hanau beginnt die Deutsche Märchenstrasse.
Sie wohnten als Kinder im Steinauer Amtshaus.
Sie haben in Marburg die Zahl der Treppen auf den Straßen sehr beeindruckt.
Sie arbeiten in Kassel:
- an der Deutschen Grammatik
- am Deutschen Wörterbuch
- an den Kinder- und Hausmärchen
Brüder Grimm und mehrere andere Professoren protestierten gegen einen Verfassungsbruch des Königs
von Hannover. Diese Gruppe mutiger Professoren wurde als die Göttinger Sieben berühmt.
Wir können heute einen Teil der Privatbibliothek der Brüder Grimm in der Universitätsbibliothek der
Humboldt-Universität

Merkmale des Volksmärchens (Brunnen, kleine Städte, Fachwerkhaus, Schloss, Kirche, Straßen, Natur, Wald)
Märchen = kurze Prosaerzählung, die sich in einer phantastischen, magischen Welt abspielt und in der es
keine Zeit- und Ortsangaben gibt → sie spielen sich in einer erfundenen Welt ab, in der Mensch und Natur
in Harmonie leben → diese harmonische Welt ist ständig von bösen Mächten bedroht, die das
Gleichgewicht zu zerstören versuchen
Personen nicht individuell charakterisiert, sie teilen sich in zwei Gruppe:
- die Armen (gut und schön)
- die Reichen (schlecht und hässlich)
Hauptperson (oft ein Kind oder ein Heranwachsender ist) wird einen Konflikt verwickelt und muss
Schwierigkeiten überwinden, um die Harmonie wiederherzustellen.
Oft „drei“ → magische Zahl der Aufgaben, die dem Helden gestellt werden
Helden → um Hindernisse zu überwinden → Schlauheit (astuzia) und Klugheit (intelligenza) oder eine
äußere Hilfe
Gute und Böse werden meist von magischen Geschöpfen verkörpert (Feen, Hexen, Zwergen, Riesen,
Zauberern)
„Happy end“ → das Gute siegt immer über das Böse und wird belohnt, während das Böse besiegt und
bestraft wird
Natur → keine reale Landschaft, sondern eine fiktive, stilisierte
Sprache → einfach und mit wenigen Verknüpfungen