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Heft 599

DEUTSCHER AUSSCHUSS FÜR STAHLBETON

Bewehren nach Eurocode 2

von
Josef Hegger
Martin Empelmann
Jürgen Schnell
Jörg Moersch
Christian Albrecht
Guido Bertram
Norbert Brauer
Thomas Sippel
Marco Wichers
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Budapester Straße 31
10787 Berlin
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ISSN 0171-7197
ISBN 978-3-410-65248-9
Heft 599

DEUTSCHER AUSSCHUSS FÜR STAHLBETON

Bewehren nach Eurocode 2

von
Prof. Dr.-Ing. Josef Hegger
Prof. Dr.-Ing. Martin Empelmann
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Schnell
Dr.-Ing. Jörg Moersch
Dipl.-Ing. Christian Albrecht
Dr.-Ing. Guido Bertram
Dr.-Ing. Norbert Brauer
Dr.-Ing. Thomas Sippel
Dr.-Ing. Marco Wichers
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1. Auflage 2013

Herausgeber:
Deutscher Ausschuss für Stahlbeton e. V. – DAfStb

Beuth Verlag GmbH · Berlin · Wien · Zürich


Vorwort
Das DAfStb-Heft 599 „Bewehren nach Eurocode 2“ stellt den Nachfolger des 1993 erschienenen Heftes 399
dar und ist eine Ergänzung zum Heft 600. Es wurde von einem Autorenkollektiv bestehend aus Mitarbeitern
des Instituts für Massivbau der RWTH Aachen, des Instituts für Massivbau der TU Braunschweig und des
Instituts für Massivbau der TU Kaiserslautern sowie des Instituts für Stahlbetonbewehrung e. V. (ISB), des
Vereins zur Förderung und Entwicklung der Befestigungs-, Bewehrungs- und Fassadentechnik e.V (VBBF)
und des Ingenieurbüros Dr. Brauer (Dormagen) erstellt.

Die Bearbeitung des Heftes wurde durch den Technischen Ausschuss „Bemessung und Konstruktion“ des
DAfStb begleitet und abschließend nach Prüfung in normenähnlicher Weise durch diesen zur Veröffentli-
chung freigegeben. Insbesondere den Herren Dr.-Ing. Fingerloos, Dr.-Ing. Furche, Dr.-Ing. Grzeschkowitz,
Prof. Dr.-Ing. Reineck, Dipl.-Ing. Tillman und Prof. Dr.-Ing. habil. Dr.-Ing. E.h. Zilch sei für die kritische
Durchsicht einzelner Kapitel und der Beispiele gedankt.

Das Heft enthält Erläuterungen und Beispiele zur Bemessung und Konstruktion von in der Hochbaupraxis
häufig vorkommenden Stahlbeton- und Spannbetonbauteilen auf Basis von DIN EN 1992-1-1 und Nationa-
lem Anhang. Diese sollen den Tragwerksplanern und Konstrukteuren in der Praxis die Anwendung des
Eurocode 2 erleichtern.

Die einzelnen Bauteile werden jeweils in separaten Kapiteln behandelt. Hierbei werden zunächst das prinzi-
pielle Tragverhalten, mögliche Bemessungsansätze und Konstruktionsregeln erläutert. Abschließend werden
anhand von Beispielen die Anwendung der Bemessungsansätze sowie die bauliche und konstruktive Durch-
bildung gezeigt. Für weitergehende Erläuterungen und wissenschaftliche Hintergründe wird auf das Heft 600
des DAfStb zu DIN EN 1992-1-1+NA verwiesen.

Allen Autoren und Mitarbeitern sei an dieser Stelle ausdrücklich für die geleistete Arbeit gedankt. Wir hoffen,
dass das vorliegende Heft den Tragwerksplanern und Konstrukteuren eine wertvolle Hilfe bei der Anwen-
dung des Eurocode 2 in der Praxis ist.

Univ.-Prof. Dr.-Ing. Josef Hegger


Obmann Technischer Ausschuss Bemessung und Konstruktion
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Inhalt

1 EINLEITUNG ......................................................................................................................... 6

2 BEWEHRUNGSZEICHNUNGEN UND STAHLLISTEN ....................................................... 7


2.1 Allgemeines ........................................................................................................................... 7
2.2 Anforderungen an Bewehrungszeichnungen ........................................................................ 7
2.3 Anforderungen an Stahllisten ................................................................................................ 9
2.4 Toleranzen für die Weiterverarbeitung von Betonstahl und den Einbau der Bewehrung ... 11

3 QUERKRAFTBEWEHRUNG UND ZUGKRAFTDECKUNG .............................................. 13


3.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 13
3.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 13
3.3 Bemessung .......................................................................................................................... 15
3.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 17
3.5 Beispiel ................................................................................................................................ 23

4 BALKEN MIT ÖFFNUNGEN ............................................................................................... 37


4.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 37
4.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 37
4.3 Bemessung .......................................................................................................................... 38
4.4 Beispiele mit konstruktiver Durchbildung ............................................................................. 41

5 AUSGEKLINKTE TRÄGERENDEN ................................................................................... 50


5.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 50
5.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 50
5.3 Bemessung .......................................................................................................................... 51
5.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 52
5.5 Beispiel ................................................................................................................................ 52
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6 PLATTENTRAGWERKE..................................................................................................... 57
6.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 57
6.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 57
6.3 Bemessung .......................................................................................................................... 57
6.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 58
6.5 Beispiel ................................................................................................................................ 64

7 VERBUNDBEWEHRUNG ................................................................................................... 68
7.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 68
7.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 68
7.3 Bemessung .......................................................................................................................... 69
7.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 71
7.5 Beispiel ................................................................................................................................ 73

3
8 DURCHSTANZBEWEHRUNG ............................................................................................ 77
8.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 77
8.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 77
8.3 Bemessung .......................................................................................................................... 78
8.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 78
8.5 Spezielle Bewehrungstechnik .............................................................................................. 81
8.6 Beispiel ................................................................................................................................ 83

9 SCHEIBENWIRKUNG VON ORTBETON- UND FERTIGTEILDECKEN ........................... 88


9.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 88
9.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 88
9.3 Bemessung .......................................................................................................................... 88
9.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 89

10 STÜTZEN ............................................................................................................................ 93
10.1 Allgemeines ......................................................................................................................... 93
10.2 Tragverhalten....................................................................................................................... 93
10.3 Bemessung .......................................................................................................................... 95
10.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................... 95
10.5 Fertigteilstützen ................................................................................................................. 101
10.6 Beispiel .............................................................................................................................. 103

11 KONSOLEN ...................................................................................................................... 107


11.1 Allgemeines ....................................................................................................................... 107
11.2 Tragverhalten..................................................................................................................... 107
11.3 Bemessung ........................................................................................................................ 108
11.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................. 110
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11.5 Beispiele ............................................................................................................................ 111

12 RAHMENKNOTEN ............................................................................................................ 119


12.1 Allgemeines ....................................................................................................................... 119
12.2 Tragverhalten..................................................................................................................... 119
12.3 Beispiele mit konstruktiver Durchbildung........................................................................... 122

13 WANDARTIGE TRÄGER .................................................................................................. 134


13.1 Allgemeines ....................................................................................................................... 134
13.2 Tragverhalten..................................................................................................................... 135
13.3 Bemessung ........................................................................................................................ 136
13.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................. 140
13.5 Beispiel .............................................................................................................................. 142

4
14 EINZELFUNDAMENTE ..................................................................................................... 149
14.1 Allgemeines ....................................................................................................................... 149
14.2 Tragverhalten..................................................................................................................... 150
14.3 Bemessung ........................................................................................................................ 152
14.4 Konstruktive Durchbildung ................................................................................................. 155
14.5 Beispiel .............................................................................................................................. 155

15 SPANNKRAFTEINLEITUNG UND ENDVERANKERUNG BEI VORSPANNUNG MIT


SOFORTIGEM VERBUND ................................................................................................ 166
15.1 Allgemeines ....................................................................................................................... 166
15.2 Tragverhalten..................................................................................................................... 166
15.3 Bemessung ........................................................................................................................ 169
15.4 Beispiel .............................................................................................................................. 172

16 SCHWEIßEN VON BETONSTAHL................................................................................... 176


16.1 Schweißeignung der Betonstähle ...................................................................................... 176
16.2 Zulässige Schweißverfahren ............................................................................................. 176
16.3 Schweißverbindungen ....................................................................................................... 177
16.4 Bemessung ........................................................................................................................ 180
16.5 Allgemeine Bewehrungsregeln .......................................................................................... 181
16.6 Bauausführung .................................................................................................................. 184

LITERATURVERZEICHNIS ................................................................................................................ 185


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5
1 Einleitung
Mit der Einführung der zehn Eurocodes mit den jeweiligen Nationalen Anhängen wird ein wesentlicher Mei-
lenstein im europäischen Harmonisierungsprozess für die Bemessung und Konstruktion von Tragwerken
erreicht. In Deutschland erfolgte die allgemeine bauaufsichtliche Einführung im Wesentlichen zum Stichtag
1. Juli 2012. Der Eurocode 2 (DIN EN 1992-1-1:2011-01) in Verbindung mit dem Nationalen Anhang
DIN EN 1992-1-1:NA:2013-04 /1.1/ für den Beton-, Stahlbeton- und Spannbetonbau (in den folgenden
Abschnitten kurz EC2) ersetzt die entsprechenden nationalen Normen DIN 1045-1:2008-08 /1.2/, DIN-
Fachbericht 102 /1.3/ und DIN 4102-4 /1.4/ (teilweise).
Konzeptionell hat sich dabei wenig geändert. Bereits die Neufassung der DIN 1045-1:2001-07 /1.5/ enthielt
die z. T. grundlegend neuen Nachweisformate, sodass die Umstellung auf den EC2 ohne Übergangszeit-
raum mit Parallelgeltung beider Normen möglich war.
Traditionell begleitet der Deutsche Ausschuss für Stahlbeton e. V. (DAfStb) die Einführung neuer Normen-
generationen im Stahlbeton- und Spannbetonbau durch die Herausgabe spezieller Hefte mit Erläuterungen
und Hintergrundinformationen in seiner Schriftenreihe. Diese sind Heft 300: Hinweise zu DIN 1045, Ausgabe
Dezember 1978 /1.6/, Heft 400: Erläuterungen zu DIN 1045, Ausgabe 07.88 /1.7/, Heft 525: Erläuterungen
zu DIN 1045-1 /1.8/ sowie Heft 600: Erläuterungen zu DIN EN 1992-1-1 und DIN EN 1992-1-1/NA
(Eurocode 2) /1.9/.
Detaillierte Erläuterungen und Beispiele zur Bemessung und Konstruktion der Bewehrung in Stahlbetonbau-
teilen sind 1992 im Heft 399 /1.10/ auf der Basis von DIN 1045:1988-07 /1.11/ für ausgewählte Bauteile
veröffentlicht worden. Seitdem hat es keine weitere Ausarbeitung mit vergleichbarem Stellenwert zu diesem
Thema mehr gegeben, obwohl sich im Zuge der europäischen Harmonisierung die Bewehrungs- und
Konstruktionsregeln weiterentwickelt haben.
Der DAfStb hat deshalb gemeinsam mit dem Institut für Stahlbetonbewehrung e. V. (ISB) und dem Verein
zur Förderung und Entwicklung der Befestigungs-, Bewehrungs- und Fassadentechnik e. V. (VBBF) eine
Autorengruppe beauftragt, in einem neuen Band der DAfStb-Schriftenreihe ausführliche Hinweise zu einer
einerseits normgerechten und andererseits wirtschaftlich sinnvollen Bewehrungsführung zu geben.
Den Kern des vorliegenden Heftes 599 bilden die nach Bauteilen unterschiedenen Bewehrungsempfehlun-
gen, die sich aus dem jeweiligen Tragverhalten unter Verwendung der aktuell gültigen Bemessungsmodelle
dann ergeben, wenn der Fokus auf der praktikablen konstruktiven Durchbildung der Bewehrungsgeflechte
liegt und moderne Bewehrungstechnik berücksichtigt wird.

Dabei wird zum Verständnis für alle wesentlichen Bauteile das Tragverhalten weitestgehend durch Trajekto-
rien- bzw. Hauptspannungsbilder für den Zustand I und/oder mittels Riss- und Bruchbildern für den Zu-
stand II veranschaulicht oder der Kraftfluss wird durch Fachwerk- und Stabwerkmodelle verdeutlicht. Der
Einfluss der wesentlichen Parameter auf das Gebrauchs- und Bruchverhalten ist im Abschnitt Bemessung
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jeweils erläutert. Davon ausgehend sind für ausgewählte Bauteile Beispiele für die Bemessung und Kon-
struktion der Bewehrung gerechnet worden. Die dabei gewählten Abmessungen und Lastkombinationen sind
i. d. R. so gewählt, dass sich zwar große aber immer noch praxisnahe Bewehrungsmengen ergeben. Das
jeweilige Bewehrungsgeflecht ist dann abhängig von der Komplexität in zwei- oder dreidimensionalen Dar-
stellungen veranschaulicht, wobei alle Konstruktionsbeispiele von Praktikern auf Ausführbarkeit geprüft
worden sind. Das Heft 599 wird vervollständigt mit den Kapiteln „Bewehrungszeichnungen und Stahllisten“
und „Schweißen von Betonstahl“.
Insgesamt wird dem Tragwerksplaner und Konstrukteur mit diesem Heft eine grundlegende Arbeitshilfe an
die Hand gegeben, die den aktuellen Stand der Technik in allen für die Qualität der Bewehrung relevanten
Planungsbereichen abbildet. Gleichwohl stellen die Beispiele Empfehlungen des Autorenkollektives für
ausgewählte Planungssituationen dar. Diese Beispiele können als Grundlage für angepasste konstruktive
Durchbildungen in ähnlichen Fällen dienen.
Dank sagen möchten die Autoren auch den Herren Dr. Kämpfe, Pitscheider, Oberndorfer, Krebs und Till-
mann als Vertreter der Betonstahlhersteller und Biegebetriebe, die mit ihrer Unterstützung und ihrem Sach-
verstand dafür Sorge getragen haben, dass die Beispiele die Praxis abbilden und hoffentlich zu einer weite-
ren Verbesserung der Bewehrungsplanung in der Zukunft beitragen.

6
2 Bewehrungszeichnungen und Stahllisten
2.1 Allgemeines
Unter Bewehrungszeichnungen versteht man Darstellungen des konstruierten Bewehrungsgeflechtes im
Bauteil sowie Einzeldarstellungen verschiedener Bewehrungspositionen. Sie stellen die Verbindung zwi-
schen dem planenden Ingenieurbüro und dem Einbau der Bewehrung auf der Baustelle in Form von techni-
schen Zeichnungen her und dienen somit als „Einbauanleitung“ ohne jedoch eine Einbaureihenfolge vorzu-
geben. Da das Bewehrungsgeflecht aus Einzelteilen zusammengesetzt werden muss, die in der Regel im
Biegebetrieb oder aber auf der Baustelle hergestellt werden, sind jedes Einzelteil und jede Bewehrungsposi-
tion aus den Bewehrungszeichnungen „herauszuziehen“ und detailliert in Stahllisten zu vermaßen. Nach
DIN EN ISO 3766 /2.1/ werden dabei Formenlisten, Biegelisten, Mattenlisten sowie kombinierte Listen unter-
schieden.

Neben guten Kenntnissen über die richtige zeichnerische Darstellung setzt die zielführende Anfertigung von
Bewehrungszeichnungen vor allem Erfahrung über die konstruktiven, betonstahlspezifischen und ausfüh-
rungsbezogenen Bedingungen voraus /2.2/. Nur so können gleichermaßen Standsicherheit, Gebrauchstaug-
lichkeit, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit der Stahlbeton- und Spannbetonbauweise sichergestellt
werden.

2.2 Anforderungen an Bewehrungszeichnungen


Die Bewehrung aller Bauteile muss eindeutig in maßstäblichen Grundrissen, Ansichten und Schnitten darge-
stellt sein. Die Darstellungen müssen mit den Bezeichnungen in den statischen Berechnungen übereinstim-
men und sollten alle Größen beinhalten, die für die Konstruktion der Bauteile, die Nachprüfung der Maße
und die Kontrolle von Toleranzen gemäß DAfStb-Richtlinie /2.3/ (siehe Abschnitt 2.4) notwendig sind. Auf
zugehörige Zeichnungen muss verwiesen sein. Falls Zeichnungen später geändert werden, müssen alle
betroffenen Zeichnungen entsprechend gekennzeichnet werden. Die Hauptabmessungen sind den Rohbau-
zeichnungen oder Schalplänen zu entnehmen.

Detaillierte Anforderungen an Bewehrungszeichnungen sind in EC2 /1.1/, Abschnitt NA.2.8, DIN 1045-3
/2.4/, DIN EN 13670 /2.5/ und DIN EN ISO 3766 enthalten. DIN EN ISO 3766 legt darüber hinaus in Tabel-
le 1 die Darstellungsregeln (Zeichnungsvereinbarungen) für Bewehrungen und in Kapitel 5 die Form der
Kennzeichnung der Bewehrungspositionen fest.

Auf den Bewehrungszeichnungen sind folgende Merkmale und Lageinformationen für alle zu verlegenden
Bewehrungspositionen anzugeben (siehe auch /2.3/):

 der Maßstab;
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 die geforderte Betonfestigkeitsklasse, die Expositionsklasse und die Feuchtigkeitsklasse, gegebenenfalls


weitere Betoneigenschaften, wie z. B. der Größtkorndurchmesser, WU-Beton, E-Modul etc.;
 die Sorte des Betonstahls gemäß den Referenznormen;
 die Duktilitätsklasse des Betonstahls;
 die Positionsnummern oder die Formnummern nach DIN EN ISO 3766;
 die Anzahl, die Stabdurchmesser, die Form und die Lage von Bewehrungsstäben;
 der Abstand zwischen den Stäben;
 die Mindest- oder Maximalabstände;
 die Art und Anordnung und Ausbildung von Stößen;
 der Abstand der Stäbe im Bereich von Stößen und die Übergreifungslängen;
 die Verankerungslängen;
 der Biegerollendurchmesser für gebogene Bewehrung;
 die Mattentypen für seriell gefertigte Betonstahlmatten;
 der Mattenaufbau bei Zeichnungsmatten;
 das Verlegemaß cv der Bewehrung;
 das Vorhaltemaß cdev der Betondeckung;

7
 gegebenenfalls der Zuschlag zum Vorhaltemaß cdev für nicht ebene Flächen;
 die Art, Anzahl und Anordnung der Abstandhalter für die Bewehrung;
 die Anordnung, Maße und Ausführung der Unterstützungen der oberen Bewehrungslage;
 die für den Einbau erforderliche Montagebewehrung und konstruktive Bewehrung;
 die Anordnung, Maße und Ausbildung von Schweißstellen, gegebenenfalls mit Angabe der Schweiß-
zusatzwerkstoffe;
 der Typ und die Lage der mechanischen Verbindungselemente; bei Bewehrungsanschlüssen sind dazu
immer die Außenmaße anzugeben;
 die Angaben zum Typ und zur Lage von Einbauteilen (Einbauteile sind entweder den Schalplänen und
zugehörigen Fachplanerplänen oder den Rohbauzeichnungen zu entnehmen);
 die Lage und Breite von Rüttelgassen;
 die Lage von Betonieröffnungen;
 Bewegungsfugen (Arbeitsfugen sind gegebenenfalls durch den Ausführenden vor Ausführung auf den
Bewehrungsplänen zu ergänzen);
 das Verlegeschema mit Darstellung der Lagen für mehrlagige Bewehrung; die Zählrichtung der Lagen ist
auszuweisen (z. B. von der Schalungsaußenseite beginnend);
 gegebenenfalls die Hinweise auf besondere Maßnahmen zur Qualitätssicherung;
 bei Änderungen: Art der Änderung mit Datum.

Bei der Verwendung von Fertigteilen sind ferner anzugeben:

 die Art der Fertigteile;


 Typ- oder Positionsnummer, Volumen und Eigengewicht der Fertigteile;
 die Mindestdruckfestigkeit des Betons beim Transport und bei der Montage;
 Art, Lage und zulässige Einwirkungsrichtung der für den Transport und die Montage erforderlichen An-
schlagmittel (z. B. Transportanker), Abstützpunkte und Lagerungen;
 gegebenenfalls zusätzliche konstruktive Maßnahmen zur Sicherung gegen Stoßbeanspruchung;
 die auf der Baustelle zusätzlich zu verlegende Bewehrung in gesonderter Darstellung.
ANMERKUNG Hinweise für das Erstellen von Fertigteilzeichnungen können dem Merkblatt Nr. 5 „Checkliste für das
Zeichnen von Betonfertigteilen“ der Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau e. V. /2.6/ entnommen werden.
Bei der Verwendung von Bewehrungselementen und mechanischen Verbindungen sind i. d. R. allgemeine
bauaufsichtliche Zulassungen zu beachten. Auf diese ist hinzuweisen.
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Bei der Konstruktion der Bewehrung ist insbesondere darauf zu achten, dass Betonstabstahl und Beton-
stahlmatten zwar als Linien in Bewehrungszeichnungen dargestellt werden dürfen, aber in der Realität
dreidimensionale Bauprodukte sind, deren Außenabmessungen bei Nichtberücksichtigung erhebliche Kon-
sequenzen für die Bauausführung und letztlich auch für die Qualität des Bauteils haben können. Häufig wird
die Paketbildung bei der Übergreifung von Betonstahlmatten unterschätzt. Sie ist aber im Hinblick auf die
Einhaltung der Betondeckung und des inneren Hebelarmes zu berücksichtigen. Ein üblicher Zwei-Ebenen-
Stoß einer Q524A erreicht eine Aufbauhöhe von rund 40 mm, die sich mit jeder weiteren Lage um rund
20 mm erhöht. Ähnliches gilt für Betonstahlstäbe. Hier wird die Auswirkung des Außendurchmessers häufig
nicht erkannt. Eine Gegenüberstellung der Nenn- zu Außendurchmesser enthält Tabelle 2-1.

Tabelle 2-1: Außendurchmesser und Nenndurchmesser (A ≈ 1,15 · N)


Nenndurchmesser [mm] 6,0 8,0 10,0 12,0 14,0 16,0 20,0 25,0 28,0 32,0 40,0
Außendurchmesser [mm] 6,9 9,2 11,5 13,8 16,1 18,4 23,0 28,8 32,2 36,8 46,0

Augenmerk sollte der Planer grundsätzlich auf Biegestellen insbesondere bei spitzwinkeligen Bauteilen
legen. Hier besteht die Gefahr, dass die geplante Lage der Bewehrung aufgrund der Mindestbiegerollen-
durchmesser nicht eingehalten werden kann. Ferner sollte der Planer seine Bewehrungskonstruktion dahin-
gehend auf Plausibilität prüfen, ob bei Ausnutzung der Toleranzen nach DAfStb-Richtlinie /2.3/ (siehe
Abschnitt 2.4) bei der Weiterverarbeitung von Betonstahl und beim Einbau der Bewehrung seine Konstrukti-
on ohne zusätzliche Maßnahmen umgesetzt werden kann.

8
Die Konstruktion des Bewehrungsgeflechtes bestimmt signifikant die Wirtschaftlichkeit sowohl bei der Erstel-
lung der Bewehrungszeichnung als auch insbesondere beim Einbau der Bewehrung. Erfahrungswerte aus
/2.7/ legen nahe, dass die Einbauzeit mit der Anzahl der Positionen je Tonne deutlich ansteigt (siehe Tabel-
le 2-2). Ebenso wirkt sich die Wahl der Durchmesser aus. Mit abnehmendem mittleren Stabdurchmesser
erhöht sich die Einbauzeit in Stunden/Tonne wesentlich (siehe Tabelle 2-3).

Tabelle 2-2: Zuordnung der Anzahl der Positionen und Aufbauzeitfaktor nach /2.3/
Anzahl der Positionen je Tonne Aufbauzeitfaktor
80 4x
50 3x
20 2x
10 1x

Tabelle 2-3: Zuordnung von mittlerem Stabdurchmesser und Aufbauzeit nach /2.3/
Mittlerer Stabdurchmesser in mm Aufbauzeit in h/t
6 40
8 30
10 22
12 16
14 13
16 10
20 8
25 6
28 5
32 4

2.3 Anforderungen an Stahllisten


2.3.1 Stabformen, Formschlüssel, Kennzeichnung
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DIN EN ISO 3766 legt die Art der Bemaßung von geraden und gebogenen Bewehrungsstäben (Stabformen)
in Stahllisten über die Definition von Formschlüsseln (siehe Bild 2-1) fest. Dabei gilt, dass keines der Maße
Null sein darf. Durchmesser und Radien sind Innenmaße, alle anderen Maße sind Außenmaße.

Bild 2-1: Maßangaben für eine Biegeform – Formschlüsselnummer 26 nach DIN EN ISO 3766, Bild 2
Optional offeriert DIN EN ISO 3766 auch ein Kennzeichnungssystem für Stabformen, bei dem über eine
zweistellige Formschlüsselnummer festgelegt wird, wie viele Biegestellen bzw. Windungen oder Kreisab-
schnitte in welche Richtung gebogen werden.

9
2.3.2 Formenlisten, Biegelisten, kombinierte Listen und Mattenlisten
Formenlisten, Biegelisten und kombinierte Listen nach DIN EN ISO 3766 enthalten die folgenden Informatio-
nen zu allen Typen von Stabstahlbewehrung in der angegebenen Reihenfolge:

a) Bauteil (Angabe des Bauteils, dem der Bewehrungsstab zugeordnet ist);


b) Positionsnummer (Formnummer), (eindeutige Referenz des Stabes);
c) Betonstahlsorte (Bezeichnung bzw. Kurzzeichen nach Referenznormen oder anderen Regeln; die Stab-
qualität und das Profil können durch einen einzelnen Buchstaben ausgewiesen werden);
d) Stabdurchmesser (Nenndurchmesser) in mm;
e) Stablänge in mm oder m (Schnittlänge);
f) Anzahl der Bauteile bzw. Anzahl der Baugruppen;
g) Anzahl der Stäbe in jedem Bauteil bzw. in jeder Baugruppe;
h) Gesamtzahl der Stäbe f) x g);
i) Gesamtlänge e) x h) in mm oder m;
j) Stabform (Formschlüsselnummer).

Für Formenlisten sind anzugeben:


k) Endhakendefinition;
l) Stabformparameter (Teillängen), in mm.
Für Biegelisten sind anzugeben:
m) bemaßte, unmaßstäbliche Skizze der Biegeform;
n) Änderungsindex des Bauteiles (ein Buchstabe beginnend mit A, B, C usw. ist einzutragen, wenn eine
Zeile oder mehrere Zeilen geändert wurden und die Liste neu ausgegeben wird).

Kombinationen aus Formenliste und Biegeliste sind möglich. Bei Bedarf kann auch eine Gewichtsliste erstellt
werden oder eine Spalte mit Gewichtsangaben in die Formen- oder Biegeliste eingefügt werden.

Bei der Stablänge (Unterpunkt e) stellt sich für den Planer die Frage, ob er Außen- oder Achsmaße angeben
soll. Nach DIN EN ISO 3766 ist grundsätzlich beides zulässig. Allerdings ist immer in den Stahllisten anzu-
geben, welche Berechnungsart verwendet wurde. Im Hinblick auf die maschinelle Herstellung der Biegefor-
men und deren anschließende Anwendung im Stahlbetonbau ist eindeutig das Außenmaß zweckmäßiger.

Bei dreidimensional zu biegenden Bewehrungsstäben sollte bei einer ebenen Darstellung in der Biegeliste
entweder eine zweite Ansicht erstellt werden oder zumindest ein separater Hinweis auf die Räumlichkeit
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(z. B. für Stehbügel etc.) enthalten sein. Bei mechanischen Betonstahlverbindungen (Muffenverbindungen)
ist zwingend anzugeben, ob die Muffe bei der Bemaßung der Stablänge enthalten ist.

Mattenlisten müssen neben den o. g. Angaben a) bis c) noch enthalten:

d) Mattentyp (z. B. bei Lagermatten Q524A);


e) Durchmesser und Abstand der Längs- und Querbewehrung;
f) Mattenabmessung längs und quer;
g) Anzahl der Positionen;
h) bemaßte Mattenskizze.

Eine Liste der Unterstützungen, die zwischen den Bewehrungslagen einzubauen sind, vervollständigt die
notwendigen Angaben.

10
2.3.3 Schriftfeld
Das Schriftfeld sollte nach DIN EN ISO 3766 mindestens folgende Informationen enthalten:

a) Projektname;
b) Name des Auftraggebers;
c) Name des Verfassers;
d) Bearbeitungsdatum, Name des Bearbeiters;
e) Zeichnungsnummer;
f) Listennummer;
g) Änderungsindex und Datum der letzten Änderung;
h) Nennung der Norm DIN EN ISO 3766 als Grundlage der Listenfestlegung.

Die Zeichnungsnummer und die Listennummer müssen übereinstimmen.

2.4 Toleranzen für die Weiterverarbeitung von Betonstahl und den Einbau der
Bewehrung
Mit der Erstellung der DAfStb-Richtlinie /2.3/ in 2010 sind erstmalig in Deutschland in einem Regelwerk
Anforderungen an die Ausführungsqualität bei der Weiterverarbeitung des Betonstahls (siehe Tabellen 2-4
und 2-5) und beim Einbau der Bewehrung (siehe Tabelle 2-6) formuliert worden. Die gestellten Anforderun-
gen sind aber nur zu erfüllen, wenn die oben beschriebene Planungsqualität eingehalten ist. Dies ist zudem
für Qualitätssicherungsmaßnahmen zwingend erforderlich, da bei der Überprüfung auf Einhaltung der Tole-
ranzen die Sollmaße in den Stahllisten und Bewehrungszeichnungen dokumentiert sein müssen.

Tabelle 2-4: Grenzabweichungen von Längen- und Passmaßen (Angaben in mm) nach /2.3/

Ablängen Längenangaben in HIER:


Biegeformen a) Toleranzen der
zugehörigen Bügel l
beachten!
Grenzabweichung l
l (mm) l l l

Stablänge l Stabdurchmesser  Stabdurchmesser  Stabdurchmesser 

≤ 5,0 m > 5,0 m ≤ 14 mm > 14 mm ≤ 14 mm > 14 mm ≤ 10 mm > 10 mm


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+0 +0 +0 +0 +0 +0
allgemein ±15 ±20
-15 -25 -10 -20 -10 -15

+0 +0 +0 +0 +0 +0 +0 +0
bei Passmaßen
-5 -10 -10 -15 -10 -20 -5 -10

a)
L-förmige Biegeformen können der Spalte 2 oder der Spalte 3 zugeordnet werden.

11
Tabelle 2-5: Grenzabweichungen für Biegerollendurchmesser, Abstände von Bügelschenkeln und Eben-
heit von Biegeformen nach /2.3/

Biegerollendurchmesser Abstand der Bügelschenkel Ebenheit


dbr-T sla E
1)
dbr-T = Dmin + 1   ≤ 12 mm: sla ≤ 4  8 mm ≤  ≤ 16 mm: E ≤10°
 > 12 mm: sla ≤ 2 
Dabei ist:  > 16 mm: E ≤ 5°
dbr-T: Biegerollendurchmesser mit Grenz-
abweichung
Dmin: Biegerollendurchmesser nach EC2
/1.1/

1)
Größere Biegeradien können nach DIN EN ISO 3766 über den Bogenstich beurteilt werden.

Tabelle 2-6: Grenzabweichungen für den Einbau der Bewehrung nach /2.3/

Bereich Anforderungen/ Toleranzen


Verlegemaß cv Mindestbetondeckung cmin ,
Überschreitung von cv:
für h ≤ 150 mm: c(plus) = + 5 mm
für h = 400 mm: c(plus) = + 10 mm
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für h ≥ 2500 mm: c(plus) = + 20 mm


Verlegeabstände sv sv = ± 20 mm 1)
(Stab- bzw. Bügelabstände) Anzahl der erforderlichen Stäbe und Bügel je lfd. Meter

Längenmaße lv lv ≤ 5 m: lv = ± 15 mm 1)
lv > 5 m: lv = ± 20 mm 1)
Übergreifungslängen l0 Mindestlängen 2)
Verankerungslängen lbd Mindestlängen
Lichter Abstand gestoßener Stäbe sla höchstens 43)
1)
Bauteilbezogen können andere Grenzabweichungen für Verlegeabstände vereinbart werden
(z. B. bei gekrümmten Bauteilen, Zulagebewehrung über eine Stütze, etc.).
2)
Am fertigen Bauteil gelten die zulässigen Abweichungen nach DIN EN 13670
(l0 maximal -0,06 l0). Bauteilbezogen können andere Grenzabweichungen für das Verlegen verein-
bart werden.
3)
Nach EC2 darf der lichte Abstand zwischen gestoßenen Stäben größer sein: Ist der lichte Abstand
der gestoßenen Stäbe größer als 4, so muss die Übergreifungslänge um die Differenz zwischen
dem vorhandenen lichten Stababstand und 4 vergrößert werden.

12
3 Querkraftbewehrung und Zugkraftdeckung
3.1 Allgemeines
In biegebeanspruchten Bauteilen treten neben Biegemomenten und gegebenenfalls vorhandenen Längs-
normalkräften auch Querkräfte auf. Die Querschnittsbemessung erfolgt jedoch im Allgemeinen getrennt für
die Biege- und die Querkraftbeanspruchungen ohne Berücksichtigung der mechanischen Interaktion. Im
Rahmen der konstruktiven Durchbildung der Bauteile sind die Zusammenhänge der unterschiedlichen Trag-
mechanismen jedoch zu berücksichtigen.

3.2 Tragverhalten
3.2.1 Grundlagen
In einem biegebeanspruchten Bauteil stellen sich im ungerissenen Zustand I in Abhängigkeit von den
Randbedingungen Hauptdruck- und Hauptzugspannungen ein, die in Größe und Ausrichtung über die
Bauteillänge veränderlich sind (siehe Bild 3-1).

Bild 3-1: Hauptspannungen in einem durch Gleichlast belasteten Einfeldträger

Mit der Überschreitung der Biegezugfestigkeit des Betons stellen sich Biegerisse ein, die von dem gezoge-
nen Querschnittsrand aus in das Bauteil hinein verlaufen. Bei weiterer Laststeigerung bilden sich in den
auflagernahen Bereichen schräg verlaufende Risse, die beim Vorliegen einer geeigneten Längsbewehrung
zu einem Lastabtrag über ein Bogen-Zugband-System führen. Bei höheren Belastungszuständen kommt es
dann zu einer verstärkten Rissbildung, sodass sich schließlich kein auf dem Bogen-Zugband-System basie-
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rendes Gleichgewichtsmodell mehr einstellen kann. Bild 3-2 zeigt das typische Bruchbild beim Querkraftver-
sagen eines Stahlbetonbalkens ohne Querkraftbewehrung.

Bild 3-2: Querkraftversagen eines Stahlbetonbalkens ohne Querkraftbewehrung

13
Bei Bauteilen mit Querkraftbewehrung kann der Querkraftabtrag mit einem Fachwerkmodell beschrieben
werden (Bild 3-3). Dabei bilden die Betondruckkraft am überdrückten Querschnittsrand den Obergurt, die
Biegezugbewehrung den Untergurt, die annähernd in Richtung der Hauptdruckspannungen II verlaufenden
Druckkräfte die Druckstreben und die Querkraftbewehrung die zum Gleichgewicht notwendigen Zugpfosten.

Bei der klassischen Fachwerkanalogie nach Mörsch wird eine Druckstrebenneigung von  = 45° angenom-
men /3.1/. Allerdings führt die Bemessung auf der Basis der Mörsch´en Fachwerkanalogie mit einer
Druckstrebenneigung von  = 45° zu unwirtschaftlichen Ergebnissen, da die Querkrafttraganteile der Biege-
druckzone, der Rissverzahnung zwischen den Biegeschubrissen und der Dübelwirkung der Längsbeweh-
rung vernachlässigt werden. Nach /1.1/ ist die Ermittlung des Querkraftwiderstands daher mit einem variabel
angepassten Winkel  möglich.

Bild 3-3: Fachwerkmodell mit variabler Druck- und Zugstrebenneigung und Versatzmaß al

3.2.2 Versatzmaß
Der rechnerische Abtrag der Querkraft durch Fachwerkmodelle führt zu einem Versatz zwischen Druckgurt-
und Zuggurtkräften. Im verschmiert gedachten Fachwerk ergibt sich in jedem Querschnitt eine Vergrößerung
der Zuggurtkraft, die sich an einer zum Auflager hin horizontal versetzten M/z-Linie ablesen lässt /3.1/.

Das Versatzmaß ergibt sich bei variabler Druckstrebenneigung zu:


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z
al  0,5  x  z  cot    cot   cot   (3.1)
2

Es entspricht dem senkrechten Abstand zwischen dem Schnitt durch einen Fachwerkknoten und dem Mittel-
punkt des dem Fachwerkknoten gegenüber liegenden Zuggurtes.

Die Größe des Versatzmaßes al von parallelgurtigen Bauteilen hängt bei konstantem innerem Hebelarm
rechnerisch nur von den Neigungswinkeln der Zug- und Druckstreben im Steg ab. Werden die Winkel  und
 gleich groß gewählt, so nimmt al den Wert Null an. Der innere Hebelarm für Bauteile ohne Längsdruckkraft
darf vereinfachend zu z = 0,9·d angenommen werden.

Wie in Bild 3-3 ersichtlich, wird das Versatzmaß al bei abnehmender Druckstreben- sowie bei zunehmender
Zugstrebenneigung größer. Dieser Zusammenhang wird in Bild 3-4 zusätzlich verdeutlicht.

Infolge des Versatzmaßes entsteht eine Verknüpfung der ansonsten im Querschnitt unabhängig voneinan-
der zu führenden Nachweise unter Biegung und Querkraft.

14
Bild 3-4: Einfluss des Druck- und Zugstrebenneigungswinkels auf das Versatzmaß

3.3 Bemessung
3.3.1 Querkraftbewehrung
Die in /1.1/ enthaltenen Bemessungsansätze zum Querkrafttragverhalten unterscheiden in „Bauteile ohne
rechnerisch erforderliche Querkraftbewehrung“ und „Bauteile mit rechnerisch erforderlicher Querkraft-
bewehrung“.

Für Bauteile ohne rechnerisch erforderliche Querkraftbewehrung wird zur Ermittlung des Querkrafttragwider-
stands ein halb-empirischer Ansatz genutzt (/1.1/, Gleichung (6.2a)). Zusätzlich kann ein Mindestwert des
Tragwiderstands nach /1.1/, Gleichung (6.2b), angenommen werden. Bei diesen Ansätzen werden die Be-
tondruckfestigkeit, die Bauteilhöhe und der Einfluss der Dübelwirkung der Längsbewehrung sowie eine ggf.
vorhandene Normalkraft berücksichtigt. Zur Definition der im Nachweis der Querkrafttragfähigkeit anzuset-
zenden Längsbewehrung sind die Angaben in Bild 3-5 zu beachten.
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Bild 3-5: Definition der anzusetzenden Längsbewehrung /1.1/

Für Bauteile mit rechnerisch erforderlicher Querkraftbewehrung sind die Tragfähigkeit der Zugstrebe VRd,s
und der Tragwiderstand der Druckstrebe VRd,max nachzuweisen. Bestimmende Eingangswerte sind hierbei
die Neigung der vorgesehenen Bewehrung  sowie der Druckstrebenwinkel .

Bei einer Bemessung mit dem erweiterten Fachwerkmodell darf bei „reiner Biegung“ näherungsweise mit
einem Druckstrebenwinkel von cot  = 1,2 ( = 40°) gerechnet werden. Die detaillierte Ermittlung des Druck-
strebenwinkels  ist nach /1.1/, Abschnitt 6.2.3, möglich. Der Winkel  ist abhängig von der Größe der
Einwirkung und kann Werte zwischen  = 18,4° und  = 60° annehmen.

Im Regelfall ist die ermittelte Querkraftbewehrung entlang der Bauteillängsachse so anzuordnen, dass an
jeder Stelle die Bemessungsquerkraft abgedeckt ist. Allerdings konnte die Querkraftdeckungslinie nach
DIN 1045-1:2008-08 /1.2/ bei Bauteilen des üblichen Hochbaus bei der Verteilung der Querkraftbewehrung
entlang der Bauteillängsachse entsprechend Bild 3-6 eingeschnitten werden. Ein derartiges Einschneiden
der Querkraftdeckungslinie ist in EC2 /1.1/ nicht vorgesehen. Es bestehen jedoch keine Bedenken, bei
Tragwerken des üblichen Hochbaus von einer Staffelung der Querkraftbewehrung entsprechend den
Regelungen der DIN 1045-1:2008-08 /1.2/ Gebrauch zu machen. Dies liegt gegenüber /1.1/, 6.2.3 (5), auf

15
der sicheren Seite und führt zu einer engeren Abtreppung. Bei unten angehängter Last darf nicht
eingeschnitten werden, es sei denn, die Aufhängebewehrung wird zusätzlich addiert.

Bild 3-6: Zulässiges Einschneiden der Querkraftdeckungslinie bei Tragwerken des üblichen Hochbaus
/1.2/

3.3.2 Zugkraftdeckung
Die entlang der Bauteilachse durch die Längsbewehrung abzudeckende Zugkraftlinie geht aus der
MEd/z-Linie durch Vergrößerung mit dem Versatzmaß al hervor. Die Zugkraft vergrößert sich im
verschmierten Fachwerk in jedem Schnitt um das Maß Ftd=MEd/z (vgl. Abschnitt 3.4.7). Die Zugkraftlinie
muss von der aufnehmbaren Zugkraft FRs der vorhandenen Bewehrung ohne Einschnitte abgedeckt werden.
Die Zugkraftlinie der vorhandenen Bewehrung wird als Zugkraftdeckungslinie bezeichnet (/1.1/, 9.2.1.3).

Die Zugkraftdeckung ist grundsätzlich im Grenzzustand der Tragfähigkeit (GZT) und im Grenzzustand der
Gebrauchstauglichkeit (GZG) nachzuweisen. Die Überprüfung im Gebrauchszustand wird aber nur dann
erforderlich, wenn im GZT eine nichtlineare Schnittgrößenermittlung zu erheblichen Verschiebungen der
Momentennullpunkte im Vergleich zum GZG führt. Bei linear-elastischer Schnittgrößenermittlung darf der
Nachweis im GZG entfallen, wenn nicht mehr als 15 % der Biegemomente umgelagert werden. Das
Versatzmaß auf der Zugseite darf nie kleiner als mit dem Wert Null angesetzt werden.
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Bild 3-7: Querkraftbewehrung aus lotrechten Bügeln

16
3.4 Konstruktive Durchbildung
3.4.1 Bügel
Bügel (siehe Bild 3-7) stellen das am häufigsten verwendete Querkraftbewehrungselement dar. Sie werden
im Allgemeinen lotrecht ausgeführt und bilden bemessungstechnisch die vertikalen Zugpfosten des Fach-
werkmodells.

Mindestens 50 % der erforderlichen Bügelbewehrung muss nach /1.1/, NDP zu 9.2.2 (4), die untere Biege-
zugbewehrung umschließen, um Zugkräfte in Querrichtung, die durch die sich im Untergurt abstützende
Betondruckstrebe hervorgerufen werden, aufzunehmen. Außerdem ist in jeder Bügelecke in der Zugzone ein
Längsstab anzuordnen, um die Kraftübertragung der schrägen Druckstreben auf die Zugstreben sicherzu-
stellen.

Zur vollständigen Aktivierung der Bügel, die die Zugpfosten des Fachwerksystems nach Bild 3-3 bilden,
müssen diese kraftschlüssig in der Betondruckzone verankert sein. Hierzu muss die Verankerung in der
Druckzone zwischen dem Schwerpunkt der Druckzonenfläche und dem Druckrand erfolgen. Werden Bügel
in der Betondruckzone des Querschnitts geschlossen (Bild 3-8 a)), ist ein Schloss mit den Verankerungs-
elementen nach Bild 3-9 a) oder b) ausreichend.

l0
l0

Bild 3-8: a) Schließen von Bügeln in der Betondruckzone, b) Schließen von Bügeln in der Zugzone

Nach /1.1/, NCl zu 9.3.2 (1), ist bei Vollplatten mit aufgebogener Längsbewehrung eine Mindestdicke von
160 mm und bei Platten mit einer Querkraftbewehrung aus Bügeln eine Mindestdicke von 200 mm einzuhal-
ten, um eine ausreichende Wirksamkeit der Querkraftbewehrung sicherzustellen.

Sollen Bügel in der Zugzone verankert und geschlossen werden, müssen diese durch einen Übergreifungs-
stoß mit der Länge l0 für die volle Zugkraft des Bügelquerschnittes geschlossen werden, siehe Bild 3-8 b). In
der Zugzone müssen die Verankerungselemente bei Einhaltung der Mindestbetondeckung möglichst nahe
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am Zugrand angeordnet werden.

Als Verankerungselemente für Bügel können neben Haken und Winkelhaken auch angeschweißte Querstä-
be zur Anwendung kommen, siehe Bild 3-9. Die Verankerungselemente c) und d) nach Bild 3-9 werden
vorwiegend bei im Querschnittsinneren angeordneten Bügelleitern verwendet. Dabei ist in der Regel für die
Verankerungselemente c) und d) eine seitliche Betondeckung von mindestens 3 oder 50 mm einzuhalten,
um ein Ausbrechen der Querschnittsecken im Verankerungsbereich zu vermeiden /3.2/, siehe Bild 3-10.

Bild 3-9: Verankerung von Bügeln in der Druckzone /1.1/

17
Bild 3-10: Auswirkung zu geringer Betondeckung bei der Verankerung gerader Stabenden mit
Verankerungselementen nach Bild 3-9 c) und d)

Bei Plattenbalkenquerschnitten dürfen die Bügel alternativ zu Bild 3-8 auch durch die obere Bewehrung der
Platte geschlossen werden, wenn der Bemessungswert der Querkraft VEd ≤ 2/3 · VRd,max ist (Bild 3-11).
Alternativ ist es bei Plattenbalkenquerschnitten auch möglich, die „Haken“ nach Bild 3-9 a) und b) nach
außen abzubiegen, was den Einbau der Stegbewehrung erleichtert. In diesem Fall werden die von den
Abbiegungen ausgehenden und nach außen gerichteten Umlenkkräfte durch die untere Querbewehrung der
anschließenden Platten aufgenommen. Die Querbewehrung ist dazu in den Stegen ausreichend zu veran-
kern (Bild 3-11). Falls dies nicht möglich ist, sollte die Bewehrung durchgeführt oder mit einem Zulagestab
kraftschlüssig gestoßen werden (Bild 3-15).

Bild 3-11: Schließen der Bügel bei Plattenbalkenquerschnitten


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Um die Wirkung des Tragsystems nach Bild 3-3 sicherzustellen, sind die Abstände der Querkraftbewehrung
nicht nur in Längs-, sondern auch in Querrichtung zu begrenzen. Gemäß EC2 /1.1/ wird der maximale
Abstand sl,max aufeinanderfolgender Bügel in Längsrichtung vom Wert VRd,max (Tragfähigkeit der
Betondruckstrebe) und der Betonfestigkeitsklasse abhängig gemacht (Tabelle 3-1).

Tabelle 3-1: Größter Längsabstand sl,max für Bügel und Querkraftzulagen nach /1.1/

Festigkeitsklasse des Betons


Querkraftausnutzung
 C50/60 > C50/60
VEd  0,3VRd,max 0,7h bzw. 300 mm 0,7h bzw. 200 mm
0,3VRd,max < VEd  0,6VRd,max 0,5h bzw. 300 mm 0,5h bzw. 200 mm
VEd > 0,6VRd,max 0,25h bzw. 200 mm
VRd,max darf hier vereinfacht mit  = 40° (cot = 1,2) ermittelt werden.

Für den größten Querabstand st,max der Bügel gelten die Regelungen in Tabelle 3-2.

18
Tabelle 3-2: Größter Querabstand st,max für Bügel, Querkraftzulagen und aufgebogene Bewehrung
nach /1.1/

Festigkeitsklasse des Betons


Querkraftausnutzung
 C50/60 > C50/60
VEd  0,3VRd,max h bzw. 800 mm h bzw. 600 mm
0,3VRd,max < VEd  VRd,max h bzw. 600 mm h bzw. 400 mm
VRd,max darf hier vereinfacht mit  = 40° (cot = 1,2) ermittelt werden.

Der größte Querabstand von Bügeln, Querkraftzulagen und aufgebogenen Stäben darf bei Platten smax = h
nicht überschreiten.

3.4.2 Schrägaufbiegungen
Bei Schrägaufbiegungen wird ein Teil der Feldbewehrung zur Querkraftdeckung (siehe Bild 3-12) aufgebo-
gen. Diese Ausführung der Querkraftbewehrung wurde bei stabförmigen Biegeträgern bis in die 60er Jahre
des vergangenen Jahrhunderts regelmäßig genutzt; sie kommt heute bei Balken jedoch nur noch selten zur
Anwendung. Schrägaufbiegungen werden aktuell vorwiegend bei Fundamenten genutzt.
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Bild 3-12: Schrägaufbiegungen

Nach /1.1/, Abschnitt 9.2.1.3 (4), muss die Verankerungslänge der aufgebogenen Querkraftbewehrung in der
Zugzone mindestens 1,3·lbd und in der Druckzone mindestens 0,7·lbd betragen. Die Verankerungslänge wird
dabei vom Schnittpunkt der Achse des aufgebogenen Stabes mit der Längsbewehrung gemessen.

Schrägaufbiegungen verlaufen auf Höhe der Schwerachse ungefähr in Richtung der Hauptzugspannungen
und weisen damit rechnerisch eine hohe Wirksamkeit auf. Die Aufbiegungen müssen dem Verlauf der abzu-
deckenden Querkräfte längs der Balkenachse angepasst werden und sollten im Schwerpunkt des von ihnen
zu übertragenden Querkraftanteils angeordnet werden. Im unteren Krümmungsbereich wird, verstärkt durch
die sich dort abstützende Druckdiagonale, eine sehr hohe Umlenkpressung erzeugt. Die daraus resultieren-
den Querzugspannungen müssen wiederum durch geschlossene Bügel aufgenommen werden. Aus diesem
Grunde darf höchstens 50 % der abzudeckenden Querkraft durch Schrägaufbiegungen aufgenommen

19
werden (Ausnahme: Platten mit VEd ≤ 1/3 · VRd,max). Trotzdem kann es unter ungünstigen Bedingungen, z. B.
bei schmalen Balkenstegen, zu Spaltrissen im Bereich der Krümmungen kommen /3.3/ (Bild 3-13). Eine
derartige Spaltrissbildung schränkt die Wirksamkeit der Schrägaufbiegung ein. Außerdem erfordern diese
Aufbiegungen eine sehr große Biegegenauigkeit, was gerade bei dickeren Bewehrungsstäben zu Einbau-
schwierigkeiten führen kann. Aus diesen Gründen werden derartige Bewehrungsformen in Balken nur noch
in Ausnahmefällen eingesetzt.

Bild 3-13: Mögliche Spaltrissbildung im Krümmungsbereich von Schrägaufbiegungen

Hinsichtlich des Längsabstandes bei aufgebogenen Stäben darf nach /1.1/ der Grenzwert

sb,max  0,5  h  ( 1  cot ) (3.2)

nicht überschritten werden, für den Querabstand gelten die Angaben in Tabelle 3-2.

Bei Platten beträgt der größte zulässige Längs- und Querabstand von Schrägstäben smax = h.

3.4.3 Bügelmatten
Besonders bei kleinem Querkraftbewehrungsgrad und dünnen Stabdurchmessern können Mattenkörbe
wirtschaftlich eingesetzt werden. Sie werden dann meist aus R-Matten hergestellt. Zur besseren Anpassung
an die Bewehrungserfordernisse, speziell bei in großer Stückzahl hergestellten Stahlbetonfertigteilen, kön-
nen Mattenkörbe aber auch aus Listenmatten gebogen werden.

Durch die Verwendung von Bügelmatten reduziert sich der relativ hohe Verlegeaufwand für die Bügel. Zur
Reduzierung des Transportvolumens werden Mattenkörbe meist als oben offene Bewehrungskörbe mit nach
außen gebogenen Endhaken ausgeführt. Diese Körbe werden vorzugsweise in Plattenbalkenquerschnitten
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eingesetzt, da die Körbe so, analog Bild 3-11, mit der Querbewehrung der Platte geschlossen werden
können. Es ist zu beachten, dass der Biegerollenradius Dmin ≥ 4·s beträgt und keine Schweißpunkte im
Eckbereich liegen dürfen. Beispiele für Bügelmatten sind in Bild 3-14 gegeben.

Bild 3-14: Beispiele für Bügelmatten

3.4.4 Querkraftzulagen
Bei hoher Querkraftbeanspruchung kann es, um z. B. zu große Bügelquerschnitte zu vermeiden, erforderlich
werden, Bügel mehrschnittig im Querschnitt anzuordnen. Die Innenbügel können nach den Regeln für
Außenbügel ausgebildet werden (Umschließen der Biegezugbewehrung und Verankerung in der Druck- bzw.
Zugzone). Wenn jedoch der Anteil der Innenbügel < 50 % des Gesamtbügelquerschnittes beträgt, ist es
ausreichend, diesen Anteil als Querkraftzulagen in Form von Körben, Leitern usw., welche die Längs-
bewehrung nicht umschließen, anzuordnen (siehe Bild 3-15). Diese Bewehrungselemente sind jedoch

20
ausreichend in der Druck- und Zugzone zu verankern (siehe Bild 3-15 mit Verankerungselementen z. B.
nach Bild 3-9 b) bis d)).

Bild 3-15: Beispiele für Querkraftbewehrungen aus einer Kombination von Bügeln und Querkraftzulagen

3.4.5 Doppelkopfanker als Querkraftbewehrung


Der Einsatz von Doppelkopfankern als Querkraftbewehrung ist auf Basis allgemeiner bauaufsichtlicher
Zulassungen in Platten und Balken möglich. Aufgrund des im Vergleich zu Bügeln geringen Schlupfes ist
das aufwändige Umschließen der Längsbewehrung hierbei nicht erforderlich. Die obere und untere Lage der
Längsbewehrung kann ohne Behinderung durch Bügel verlegt werden. Hierdurch können die Verlegezeiten
deutlich reduziert werden.

Vorteile bietet diese Querkraftbewehrung auch bei Trägern mit I-Querschnitt und schmalen Stegen, bei
denen die Doppelkopfanker als einreihige Querkraftbewehrung bis zu einem Durchmesser von 25 mm
eingesetzt werden dürfen. Auf eine zusätzliche Querkraftbewehrung darf hierbei verzichtet werden, wenn
keine Torsionsbeanspruchungen vorliegen. Eine zusätzliche Querkraftbewehrung in Form von Bügeln ist nur
im Bereich des Zug- bzw. Druckgurts erforderlich.

Beispiele für den Einsatz von Doppelkopfankern als Querkraftbewehrung in Platten und Balken zeigt
Bild 3-16. Infolge der guten Verankerung der Doppelkopfanker sind zulassungsabhängig abweichend von
den Vorgaben in /1.1/ rechnerisch flachere Druckstrebenneigungen ansetzbar. Die erläuterten Grundlagen
zur Bestimmung des Versatzmaßes gelten jedoch auch für Bauteile mit Doppelkopfankern als Querkraftbe-
wehrung.
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Bild 3-16: Beispiele für Doppelkopfanker als Querkraftbewehrung in Platten und Balken /3.4/

21
3.4.6 Staffelung der Längsbewehrung
Der Nachweis der erforderlichen Biegezugbewehrung von Stahlbetonbauteilen erfolgt in der Regel nur in
den höchstbeanspruchten Querschnitten. Eine Staffelung der Bewehrung ist aber zulässig und es ist unter
Berücksichtigung der Zugkraftdeckung im Einzelfall zu prüfen, ob dies unter wirtschaftlichen Gesichtspunk-
ten sinnvoll ist.

Abweichend zu den Regelungen der DIN 1045-1 darf die Tragfähigkeit der Stäbe nach EC2 auch innerhalb
ihrer Verankerungslänge berücksichtigt werden, indem dort ein linearer Kraftverlauf von der vollen Stabkraft
am Beginn der Verankerungslänge bis auf den Wert Null am Stabende angenommen wird. Diese Regelung
stellt stark erhöhte Anforderungen an die Verlegegenauigkeit der Längsbewehrung auf der Baustelle.

Wird bei Plattenbalken ein Teil der Biegezugbewehrung in die Platte ausgelagert, so muss das Versatzmaß
al der einzelnen Stäbe jeweils um ihren Abstand ∆x vom Steganschnitt erhöht werden.

Bild 3-17: Plattenbalken mit ausgelagerter Biegezugbewehrung

3.4.7 Verankerung der Längsbewehrung am Endauflager


Infolge des Versatzmaßes vergrößert sich die Stahlzugkraft in jedem Querschnitt außer den Querkraftnull-
punkten zu:

M Ed M Ed
FEd   (3.3)
z z

Die am Endauflager A (MEd = 0) zu verankernde Zugkraft ergibt sich zu:

M Ed
FEd,A  (3.4)
z
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Da die Querkraft VEd der Steigung der Momentenlinie entspricht, kann geschrieben werden:

M Ed
VEd,A  (3.5)
al

und es ergibt sich schließlich:

VEd  al
FEd,A  (3.6)
z

Am Endauflager gilt im GZT für Bauteile ohne Längskraft deshalb nach /3.3/:

VEd  al VEd
FEd   (3.7)
z 2

Die Verankerung erfolgt ab der Auflagervorderkante. Die am Endauflager zu verankernde Zuggurtkraft FEd
infolge einer auflagernahen Einzellast wird in der Regel vereinfacht mit der gesamten Querkraft VEd im
Auflager ermittelt. Ein Ansatz des Bemessungswertes VEd im Abstand d vom Auflagerrand für die zu
verankernde Längskraft FEd ist unbegründet.

22
Durch die Wahl zusätzlicher Querkraftbewehrung kann die mögliche Druckstrebenneigung gesteigert wer-
den. Dies ermöglicht ein kleineres Versatzmaß und damit eine kleinere zu verankernde Zugkraft FEd. Tat-
sächlich beschreibt das am parallelgurtigen Fachwerk hergeleitete Versatzmaß den Lastabtrag am Auflager
nur unzutreffend. Deshalb wird durch die Festlegung eines Mindestwertes FEd ≥ VEd/2 eine Beschränkung
des größtmöglich ansetzbaren Druckstrebenneigungswinkels θA am Auflager auf max θA = 63,4° vorgenom-
men (s. Bild 3-18). Bei Berechnung der Endzugkraft über das Versatzmaß entspricht dies bei senkrechten
Bügeln einem Druckstrebenneigungswinkel θ von 45° (s. Bild 3-4).

Bild 3-18: Stabwerk am Endauflager

Treten im GZT Längskräfte auf, so sind diese wie folgt zu berücksichtigen:

VEd  al V
FEd   NEd  Ed (3.8)
z 2

(Druckkraft NEd > 0, Zugkraft NEd < 0)

Bei großen Zugkräften ist zu beachten, dass dabei das Versatzmoment, das aus dem Abstand von Quer-
schnittsachse und Zugbewehrung entsteht, auf der unsicheren Seite liegend vernachlässigt wird.

3.5 Beispiel
(1) Bemessungsgrundlagen
Zugkraftdeckungslinie Zweifeldträger. Querkraftbewehrung: a) Bügel mit Querkraftzulagen, b) Verwendung
von aufgebogener Bewehrung

Aufgabenstellung
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Zu bemessen ist ein Stahlbetonplattenbalken, der als Zweifeldträger mit direkten Auflagern ausgebildet ist.

Für die Betondeckung maßgebende Expositionsklasse: XC4

Baustoffe:

Beton C30/37

Betonstabstahl B500B

Vorwiegend ruhende Einwirkungen aus Linienlasten

Auflager: Beton

23
(2) Statisches System
System

Bild 3-19: Statisches System

Effektive Stützweite:
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Bild 3-20: Ermittlung ai nach EC2 /1.1/, Abschnitt 5.3.2.2

Die effektive Stützweite darf nach EC2 bestimmt werden zu


leff = ln + a1 +a2 → leff = 7,75 + 0,15 + 0,10 = 8,00 m

mit ln = 7,75 m
1 65 cm
a1  min 
2 30 cm
1 65cm
a2  min 
2 20cm

24
(3) Querschnitt
Betondeckung wegen Expositionsklasse XC4

cmin,dur = 25 mm

cdev = 15 mm

cnom = cmin,dur + cdev = 40 mm

Betondeckung zur Sicherstellung des Verbundes


Bild 3-21: Querschnitt
cmin,b ≥ Stabdurchmesser

Längsbewehrung Ø25 cmin,b = 25 mm cdev = 10 mm cnom = 35 mm


Bügel Ø10 cmin,b = 10 mm cdev = 10 mm cnom = 20 mm

Daraus ergibt sich das Verlegemaß der Bewehrung:


Bügel Ø10 = 40 mm = cnom
Längsbewehrung cv,l = cv,Bü + Bü = 40 + 10 = 50 mm > cnom

Abschätzen des Schwerpunkts der Bewehrungslage:


d1  d 2  5  2  7 cm
d  h  d1  65  7  58 cm

Für den Schwerpunkt der Stahlbewehrung werden pauschal 2 cm von d abgezogen.

(4) Schnittgrößen
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Bild 3-22: Grundkombination – Umhüllende MEd EK 1-6

Bild 3-23: Grundkombination – Umhüllende Querkraft VEd EK 1-6

25
(5) Biegebemessung
Die Mindestbewehrung für ein duktiles Bauteilverhalten wird nicht maßgebend.

Bemessung für das maximale Feldmoment

d cm 58
MEd  975kNm  kd    1,857
MEds kNm / beff m 975 / 1

MEds kNm 975


 ks  2,549  As1  ks   2,542   42,8 cm2
d cm 58

  0,234  x  0,234  0,58  0,136m  0,2m  Nulllinie liegt in der Platte

gewählt:

Variante

Lage 1: 4Ø28 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. ) Lage 2: 6Ø20 (Pos. )

 As,vorh = 24,6 + 25,1 = 49,7 cm2 > 42,8 cm2 = As,erf

Variante

Lage 1: 4Ø28 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. )

Lage 2: 2Ø20 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. )

 As,vorh = 24,6 + 25,1 = 49,7 cm2 > 42,8 cm2 = As,erf

Auflager A und C – Mindestmoment in Folge teilweiser Einspannung (9.2.1.2, NDP)

Bei Annahme einer gelenkigen Lagerung ist nach 9.2.1.2. bei monolithisch hergestellten Balken ein Min-
destmoment in Folge ungewollter Einspannung in Höhe des 0,25-fachen des benachbarten Feldmoments zu
berücksichtigen.

d cm 58
MEd = 0,25  975 = 243,75 kNm  kd = = = 2,35
MEds kNm / beff m 243,75 / 0,4
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243,75
 ks = 2,442  As2 = 2,442  = 10,3 cm2
58

gewählt:

Variante

4Ø20 (Pos. )  As,vorh = 12,6 cm2 > 10,3 cm2 = As,erf

Variante

Die Bewehrung ist mindestens über die 0,25-fache Länge des Endfeldes einzulegen.

Mindestbewehrung am Endauflager (9.2.1.3, NDP) und am Zwischenauflager (9.2.1.5)

Es sind mindestens 25 % der Feldbewehrung zum End- und Zwischenauflager zu führen und hier zu veran-
kern.

As,Endauflager = 0,25 · 42,8 = 10,7 cm²

4Ø28 (Pos. )  As,vorh = 24,6 cm2 > 10,7 cm2 = As,erf

26
Bemessung für das Stützmoment am Auflagerrand

Bei einer monolithischen Verbindung zwischen Balken und Auflager darf der Bemessungswert des Stütz-
moments am Auflagerrand ermittelt werden (5.3.2.2):

d cm 58
MEd  1222kNm  kd    1,049
MEds kNm / b m 1222 / 0,4
→ Druckbewehrung (Beschränkung der Druckzonenhöhe auf  = 0,45

 ks1  2,670 ks2  1,103  d 2 / d  0,07 / 0,58  0,12


 1  1,02 2  1,06
MEds kNm 1222
 As1  1  ks1   1,02  2,67   57,4cm2
d cm 58
MEds kNm 1222
 As2  2  k s2   1,06  1,10   24,6cm2
d cm 58
gewählt:

Variante

4Ø20 (Pos. ) + 4Ø20 (Pos. ) + 6Ø28 (Pos. )

 As,vorh = 62,1 cm2 > 57,4 cm2 = As1,erf

Variante

4Ø20 (Pos. ) + 2Ø25 (Pos. ) + 4Ø20 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. )

2Ø20 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. ) + 2Ø20 (Pos. )

 As,vorh = 60,1 cm2 > 57,4 cm2 = As1,erf

(6) Querkraftbemessung
Mindestquerkraftbewehrung (9.2.2, NDP)

 w,min  0,16  fctm / fyk  0,16  2,9 / 500  0,093 %


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Asw,min /s = 0,093  40 = 3,7 cm2 /m

Querkraftbemessung am Endauflager

Bei gleichmäßig verteilter Belastung darf die Bemessungsquerkraft im Abstand d vom Auflagerrand nachge-
wiesen werden. Der Nachweis der Betondruckstrebe VRd,max ist mit der vollen Querkraft zu führen (6.2.1).

VEd,A = 563,50 kN

VEd,red = 444,61 kN

Berechnung des Druckstrebenneigungswinkels:

Der Hebelarm der inneren Kräfte darf vereinfacht zu z = 0,9d angenommen werden, jedoch nicht größer als
z = max {d - cv,l – 30 mm; d – 2cv,l}.

z = 0,9 · d = 0,9 · 58 = 52,2 cm

Annahme: cv,l = cv,Bü + Bü = 40 + 10 = 50 mm

z = max {d - cv,l – 30 mm; d – 2cv,l} = max {58 – 5 – 3 = 50; 58 – 10 = 48} = 50 cm (maßgebend)

27
1/3 
 cp  1/3
VRd,cc  0,24  fck   1  1,2    bw  z  0,24  30  0,4  0,5  0,14 MN
 fcd 

1,2  1,4   cp fcd 1,2


cot     1,805  29,0 
1  VRd,cc VEd 1  149 kN 444,61 kN

Erforderliche Querkraftbewehrung:
4
VEd 0, 445  10 2
Asw,erf / s    11,3 cm /m
fyd  z  cot  435  0,5  1,805

Bemessungswert der maximalen Querkrafttragfähigkeit:

bw  z  0,75  fcd 0, 4  0,5  0,75  17


VRd,max    1,081MN  0,564 MN  VEd,A
cot   tan  1,805  1/ 1,805

VEd,red /VRd,max = 0, 445/1,081 = 0, 412  sl,max = 30 cm und st,max = 60 cm

gewählt:

Variante (Bügel)

Ø10/12,5, zweischnittig (Pos.④)  As,vorh = 12,56 cm2/m > 11,3 cm2/m = As,erf

Variante (Bügel und Aufbiegungen)

Es dürfen maximal 50 % der Querkraftbewehrung mit Aufbiegungen abgedeckt werden (9.2.2 NDP).

Maximaler Abstand für die Aufbiegungen:

sb,max  0,5  h  (1  cot  )  0,5  0,65  (1  cot 45)  0, 65 m

Zwei Aufbiegungen mit 2 x Ø20 im Abstand 0,65m:


2
As,vorh = (2 · 6,28)/(0,65 · 2) = 9,67 cm / m

Bügel Ø10/25 (Pos.)


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 As,vorh = 6,28 cm2/m (Bügel) + 9,67 cm2/m (Aufbiegungen) = 15,95 cm2/m > 11,3 cm2/m = As,erf

Tragfähigkeit der Bügel und Aufbiegungen:

VRd,s  6, 28  43,5  0,50  1,805  9, 67  43,5  0,50  (1,805  cot(45))  sin 45

VRd,s  246,54  417,16  663,71kN  VEd,red  445 kN

Querkraftbemessung am Zwischenauflager

Bei gleichmäßig verteilter Einwirkung und direkter Lagerung darf die Bemessungsquerkraft im Abstand d
vom Auflagerrand nachgewiesen werden. Der Nachweis der Betondruckstrebe VRd,max ist mit der vollen
Querkraft zu führen (6.2.1).

VEd,B = 814,1 kN

VEd,red = 703,4 kN

28
Berechnung des Druckstrebenneigungswinkels:
VR

bw
z
0
,
2
4

1
1
,
2

0
,
2
4
3
0
0
,
4
0
,
5
0
,
1
4
9
M
N
  

c
p
1c
3

1
3
fc
           
d
,
c
c

d
 

1,2  1,4   cp fcd 1,2


cot     1,523 33,3
1  VRd,cc VEd 1  149 kN 703,4 kN

Erforderliche Querkraftbewehrung:

VEd 0,703  104


As,erf s    21,2 cm2 /m
fyd  z  cot  435  0,5  1,523

Bemessungswert der maximalen Querkrafttragfähigkeit:

bw  z  0,75  fcd 0, 4  0,5  0,75  17


VRd,max    1,170 MN  0,814 MN  VEd,B
cot   tan  1,523  1 / 1,523

VEd,red /VRd,max = 0,703/1,170 = 0,601  sl,max = 30 cm und st,max = 60 cm

Variante (Bügel und Schubzulagen)

Ø10/12,5, zweischnittig (Pos.) + leiterartige Schubzulage Ø10/12,5, zweischnittig (Pos.)

 As,vorh = 25,12 cm2/m > 21,2 cm2/m = As,erf

Variante (Bügel und Aufbiegungen)

Maximaler Abstand für die Aufbiegungen

sb,max  0,5  h  (1  cot  )  0,5  0,65  (1  cot 45)  0,65m

Vier Aufbiegungen mit 2x Ø20 im Abstand von 50 cm

As,vorh = (4 · 6,28) / (0,5 · 4) = 12,56 cm²/m

Bügel Ø10/12,5 (Pos.)


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 As,vorh = 12,56 cm2/m (Bügel) + 12,56 cm2/m (Aufbiegungen) = 25,12 cm2/m > 21,2 cm2/m = As,erf

Tragfähigkeit der Bügel und Aufbiegungen:

VRd,s  a sw,Bü  f ywd  z  cot   a sw,S  f ywd  z  (cot   cot  )  sin 

VRd,s  12,56  43,5  0,5  1,523  12,56  43,5  0,5  (1,523  cot 45)  sin 45

VRd,s  416,05  487,36  903 kN  VEd,red  703 kN

29
(7) Konstruktive Durchbildung
Verankerung der Längsbewehrung am Endauflager (9.2.1.4)

Die zu verankernde Zugkraft darf ermittelt werden zu:

VEd
FEd  VEd  al / z 
2

mit VEd = 563,5 kN

Versatzmaß

al  z / 2  (cot   cot  )
z  50 cm (siehe Querkraftbemessung)
cot   1,805 (siehe Querkraftbemessung)
al  50 / 2  1,805  45 cm

FEd  VEd  al / z  563,5  45 / 50  507,15kN  563,5 / 2  281,75  VEd / 2

Hieraus folgt die am Endauflager erforderliche Bewehrung:


4 2
As,erf  FEd / fyd  0,507  10 / 435  11, 66 cm

lb,rqd = ( / 4)( sd / fbd )  (2,8 / 4)  (435 / 3,04)  (11,66 / 24,6)  47,48cm


0
,
7

Das Stabende wird als Haken ausgebildet   


1

l bd  1   2   3   4   5  l b,rqd  lb,min

mit 1 = 0,7 Einflussfaktor „Stabform“


 2 = 1,0 Einflussfaktor „Betondeckung“
 3 = 1,0 Einflussfaktor „nicht an die Hauptbewehrung angeschweißte Querbeweh-
rung“
 4 = 1,0 Einflussfaktor „angeschweißte Querbewehrung“
5 = 2 / 3 Einflussfaktor „Querdruck“
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lbd  0,7  1,0  1,0  1,0  2 / 3  47,48  22,16cm

0,3  0,7  1,0  l b,rqd  0,3  0,7  47,48  9,97 cm


l b,min  max 
6,7    6,7  2,8  18,76 cm

lbd = 22,16 cm > lb,min = 18,76 cm

Verankerungslänge, gemessen ab Auflagervorderkante

lbd = 22,16 cm < lb,vorh = 30 – 4 = 26 cm

Verankerung der Längsbewehrung im Feld (8.4.4)

Die Feldbewehrung wird mit geraden Stabenden verankert.

Die Verankerungslängen werden mit voller Stahlspannung ermittelt.

30
Ø20

Guter Verbund (untere Bewehrung)

lb,rqd  ( / 4)( sd / fbd )  (2,0 / 4)  (435 / 3,04)  71,5 cm

Mäßiger Verbund (obere Bewehrung)

l b,rqd  ( / 4)  ( sd / fbd )  (2,0 / 4)  (435 /(3,04  0,7))  102, 2 cm

Ø25

Mäßiger Verbund (obere Bewehrung)

lb,rqd  ( / 4)  ( sd / fbd )  (2,5 / 4)  (435 /(3,04  0,7))  127,8cm

Ø28

Mäßiger Verbund (obere Bewehrung)

lb,rqd  ( / 4)( sd / fbd )  (2,8 / 4)  (435 /(3,04  0,7))  143,1 cm

Anschluss der Plattengurte (EC2 6.2.4)

Da ein Teil der Gurtkräfte von den Plattenflanschen ausgelagert aufgenommen wird, müssen Gurt und
Flansche schubfest angeschlossen werden.

Die zu übertragende Längskraft wird abschnittsweise ermittelt. Die maximale Abschnittsgröße x ist die
Hälfte des Abstands zwischen Momentennullpunkt und Momentenmaximum. Bei Einzellasten sollten die
gewählten Abschnitte nicht über die Querkraftsprünge hinausreichen.

Zur Ermittlung der Längskraftdifferenz darf das Bemessungsmoment abschnittsweise linearisiert werden.

Anschluss des Druckgurtes

Die Längskraftdifferenz Fd ergibt sich näherungsweise zu:

M Ed ba
VEd  Fd  
z beff
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mit ba = Breite eines abliegenden Druckflansches

beff = mitwirkende Breite

Momentennullpunkt x = 6,95 m

Momentenmaximum x = 3,48 m

734 0,3
x1 0 m – 1,74 m Fd    440,4 kN maßgebend
0,5 1

975  734 0,3


x2 1,74 m – 3,48 m Fd    144,6 kN
0,5 1

975  724 0,3


x3 3,48 m – 5,22 m Fd    150,6 kN
0,5 1

724 0,3
x4 5,22 m – 6,95 m Fd    434,4 kN
0,5 1

31
Nachweis:

cot = 1,2 (vereinfacht)

bw = hf = 0,2 m

0,75  fcd  hf  x 0,75  17  0,2  1,74


VRd,max    2,182 MN  0,440 MN  VEd
tan  cot  1,2  1/1,2

VEd 0,440
asw    4,8 cm2 /m
fyd  x  cot  435  1,74  1,2

gewählt: Feldbereich Bügel Ø12/30 (Pos. ) As,vorh = 7,5 cm2/m > As,erf = 4,8 cm2/m

Anschluss des Zuggurtes – Stützbereich

M Ed Asa
VEd  Fd  
z As

mit Asa = Fläche der in einem Flansch ausgelagerten Bewehrung


As = Gesamtfläche der Zugbewehrung

Ausgelagerte Bewehrung:

Bewehrung in einem Flansch 3Ø28 und 1Ø20 Asa = 21,6 cm2

Gesamtbewehrung As = 62,1 cm2

Momentennullpunkt x = 6,0m

Momentenmaximum x = 8,0m

570 21,6
x1 6,0 m – 7,0 m Fd    396,5 kN
0,50 62,1

1222  570 21,6


x2 7,0 m – 8,0m Fd    453,6 kN maßgebend
0,50 62,1
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Nachweis:

cot = 1,0 (vereinfacht)

bw = hf = 0,2 m

0,75  fcd  hf  x 0,75  17  0,2  1,0


VRd,max    1,275MN  0,454MN  VEd
tan  cot  1,0  1/1,0

VEd 0,454
asw    10,4cm2 / m
fyd  x  cot  435  1,0  1,0

gewählt: Stützbereich Bügel Ø12/20 (Pos. ) As,vorh = 11,3 cm2/m > As,erf = 10,4 cm2/m

Versatzmaß für die ausgelagerte Bewehrung

Bei der in den Gurtbereich ausgelagerten Bewehrung ist das aus dem Fachwerkmodell (Schubanschluss)
resultierende Versatzmaß zu berücksichtigen. Es wurde vereinfacht mit cot  = 1,0 also einem  von 45°
gerechnet. Hieraus folgt, dass die Bewehrung um den Abstand zum Steg zu verlängern ist (zusätzlich zum
Versatzmaß al).

32
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Bild 3-24:
Zugkraftdeckungslinie Variante

33
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Bild 3-25:
Zugkraftdeckungslinie Variante

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Bild 3-26:

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Querkraftdeckungslinie und Bewehrungsskizze Variante
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Bild 3-27:

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Querkraftdeckungslinie und Bewehrungsskizze Variante
4 Balken mit Öffnungen
4.1 Allgemeines
Stegöffnungen in Balken werden in der Regel für die technische Gebäudeausstattung benötigt. Sie
beeinflussen das Tragverhalten eines Balkens in erster Linie in Abhängigkeit der Öffnungsgröße und -lage
sowie des Momenten-Querkraft-Verhältnisses. Eine Kombination aus Querkraft und Moment stellt den in der
Praxis üblichen Fall dar. Normalkräfte treten vorwiegend bei vorgespannten Bauteilen auf. Das lokale
Tragverhalten an der Öffnung ist bei der Bemessung und der konstruktiven Durchbildung gesondert zu
betrachten. In EC2 /1.1/ und dem Nationalen Anhang sind keine Bemessungsansätze oder konstruktive
Regeln speziell für Träger mit Öffnungen enthalten. Grundsätzlich kann allerdings die Bemessung von
Diskontinuitätsbereichen mit Stabwerkmodellen gemäß Abschnitt 6.5 des EC2 erfolgen. Drei grundlegende
Tragmodelle für Balken mit Stegöffnungen werden in /1.10/, /4.1/ und /4.2/ erläutert. Empfehlungen für die
Anordnung von kleinen Öffnungen abhängig vom Tragsystem und ein Bemessungsbeispiel für eine große
Aussparung befinden sich in /4.2/. In /4.3/ wird die Modellierung des Stabwerksystems bei kleinen Öffnungen
gezeigt. Weitere Untersuchungen, insbesondere zu großen Öffnungen mit verschiedenen Momenten-
Querkraft-Verhältnissen, sind in /4.4/ und /4.5/ beschrieben.

4.2 Tragverhalten
Es wird grundsätzlich zwischen kleinen und großen Stegöffnungen unterschieden (Bild 4-1). Wenn kein
durchgehendes Fachwerkmodell wie in Bild 4-1 d) mit dem Abstand z zwischen Druck- und Zuggurt möglich
ist, sondern im Bereich der Öffnung Teilsysteme mit reduziertem inneren Hebelarm wie in den Bildern 4-1 c)
und e) erforderlich sind, liegt eine große Öffnung vor. Dann geht das Balkentragverhalten in ein Rahmen-
oder Vierendeel-Tragverhalten über. Aus der Rahmentragwirkung entstehen in den Gurten lokale Biege-
momente, die sich mit den globalen Momenten des Balkens überlagern. Die lokale Biegebeanspruchung der
Gurte vergrößert sich mit abnehmendem inneren Hebelarm zOG bzw. zUG oder zunehmender Öffnungslänge
(Schlankheit der Gurte). Während bei einem gedrungenen Druckgurt das lokale Biegemoment in der Regel
durch die globale Biegedruckkraft überdrückt wird, können bei einem schlanken Druckgurt Biegezugkräfte
und entsprechende Biegerisse sogar an der Trägeroberseite entstehen (Bild 4-1 a)). Auf der gegenüber-
liegenden Seite der Öffnung können sie aufgrund der entgegengesetzten lokalen Biegebeanspruchung an
der Unterseite auftreten.

VEd VEd
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a) Rissbild bei einer großen Öffnung b) Rissbild bei kleinen Öffnungen


Fcd,l Fcd,r Fcd,l Fcd,r
zOG
VEd z VEd
VEd VEd
zUG
Fsd,l Fsd,r Fsd,l Fsd,r
c) Stabwerkmodell bei großen Öffnungen d) Fachwerkmodell bei kleinen Öffnungen
Fcd,l Fcd,r
zOG Fcd,o
VEd
VEd NEd

Fcd,u
Fsd,l Fsd,r
e) Stabwerkmodell bei tiefliegenden Öffnungen f) Stabwerkmodell bei Normalkräften

Bild 4-1: Rissbilder und Stabwerkmodelle

37
Neben der Geometrie sind die Höhe der Beanspruchung und das Verhältnis zwischen Querkraft und
Biegemoment bzw. zwischen Querkraft und Gurtkräften infolge Biegebeanspruchung entscheidend.
Während die Biegerissbildung im Druckgurt infolge einer Biegedruckkraft erheblich vermindert wird, stellen
sich im Zuggurt in der Regel Trennrisse nach Bild 4-1 a) ein, wodurch die lokale Biegesteifigkeit deutlich
abnimmt. Da sich die Querkräfte aufgrund der Verträglichkeitsbedingung steifigkeitsabhängig auf Druck- und
Zuggurt aufteilen, werden die Querkräfte vorwiegend über den Druckgurt abgetragen. Bei kleinen
Zuggurtquerschnitten ohne nennenswerte Eigenbiegesteifigkeit übernimmt der Druckgurt die gesamte
Querkraft (Bild 4-1 e)). Bei Bauteilen mit einem vorgespannten Zuggurt kann sich dieser Effekt umkehren.
Zudem wird durch Öffnungen der Verlauf von Spaltzugkräften beeinflusst. Bei einer zentrischen
Normalkraftbeanspruchung entstehen zusätzliche Umlenkkräfte nach Bild 4-1 f). Befindet sich die
Normalkraft am Bauteilrand wie bei einer Vorspannung, ist das Modell entsprechend anzupassen.
Biegemomente werden nahezu unbeeinflusst übertragen, wenn das Zugband und die Druckzone vollständig
ober- und unterhalb der Öffnung erhalten bleiben. Wird die Druckzone jedoch durch die Öffnung
eingeschnürt, entstehen zusätzliche Umlenkkräfte /1.10/.

Die prinzipielle Bewehrungsführung ist in Bild 4-2 dargestellt. Beim Bauteil in Bild 4-2 a), das nicht
vorgespannt ist, wird der größere Anteil der Querkraft über den Obergurt abgetragen. Bei großen Öffnungen
werden die vertikalen Zugpfosten vor und hinter der Öffnung in der Regel durch mehrere geschlossene
Bügel gebildet. Die Gurte ober- und unterhalb der Öffnung sind nach den Bemessungs- und Konstruktions-
regeln für Querkraft enger verbügelt als der ungestörte Bereich des Balkens (Kapitel 3 dieses Heftes). Die
lokale Biegebeanspruchung wird von horizontalen Zulagen an den Öffnungsrändern sowie an der Ober- und
Unterseite des Trägers bzw. der Hauptbiegezugbewehrung aufgenommen. Trotz wechselseitiger Biege-
beanspruchung (linker und rechter Gurtanschnitt) werden diese Zulagen in der Regel symmetrisch
angeordnet, um Fehler beim Einbau zu vermeiden. Bei kleinen Öffnungen reicht oft das Auswechseln der
Bügelbewehrung nach Bild 4-2 b) aus. Grundsätzlich muss sich allerdings noch ein vollständiges Fachwerk
ausbilden können /4.3/. Werden die Bügelabstände zu groß, sind schräge Zulagen oder Bügel zu ergänzen.
Die Schrägstäbe beschränken zudem sehr wirksam die Risse, die von den Öffnungsrändern ausgehen.
Aufhängebewehrung Optional Querkraftbewehrung

Fsd,l Fsd,r
Biegezugbewehrung Biegezugbewehrung
a) große Öffnungen b) kleine Öffnungen (vgl. Bild 4-1 b) und d))
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Bild 4-2: Prinzipielle Bewehrungsführung bei Stegöffnungen

4.3 Bemessung
Die grundlegenden Bemessungsmodelle von Leonhardt /4.1/, Schlaich und Schäfer /4.2/ sowie Eligehausen
und Gerster /1.10/ sind in Bild 4-3 dargestellt. Die wesentlichen Unterschiede der Modelle und insbesondere
die jeweils erforderliche Aufhängebewehrung werden in /1.10/ anhand eines Beispiels mit langer Recht-
ecköffnung gegenübergestellt. In /4.1/ wird vorgeschlagen, 80-90 % der Querkraft dem Druckgurt zuzuwei-
sen und entsprechend 10-20 % dem Zuggurt. Vor der Öffnung soll eine Aufhängebewehrung für etwa 80 %
der Querkraft und hinter der Öffnung ein bis drei Bügel angeordnet werden. Bei großen Öffnungen soll zur
Beschränkung der Rissbreite zusätzlich eine Schrägbewehrung an den Ecken vorgesehen werden. Die
Querzugkräfte infolge Verankerung der Biegezugbewehrung an den Öffnungsrändern werden konstruktiv
abgedeckt. Für die Bemessung der Gurtquerschnitte wird angenommen, dass die lokalen Biegemomente in
der Mitte der Öffnung zu Null werden. Durch Freischneiden in der Öffnungsmitte nach Bild 4-3 a) ergeben
sich die jeweiligen lokalen Anschnittsmomente nach den Gleichungen (4.1) und (4.2). Zur Bemessung der
Gurte für Biegung mit Normalkraft werden die Biegedruckkraft Fcd und die Biegezugkraft Fsd vereinfachend
im Schwerpunkt der Gurte angenommen. Dadurch verringert sich nach /4.1/ der innere Hebelarm z.
l
Obergurt: MEd,o  VEd,o a (4.1)
2
l
Untergurt: MEd,u  VEd,u a (4.2)
2

38
In Bild 4-3 b) ist ein Stabwerkmodell nach /4.2/ für große Öffnungen dargestellt. Im Beispiel ergibt sich
aufgrund der großen Öffnungslänge eine starke Biegezugbewehrung des Obergurtes mit einer
entsprechenden lotrechten Querzugkraft, die aus der Verankerung der Zugkraft herrührt. Die nach /4.2/
ermittelte lotrechte Bewehrung aus Aufhänge- und Querzugbewehrung entspricht im Beispiel der 2,1-fachen
Querkraft, was allerdings teilweise auf die gewählte Druckstrebenneigung für die Ausbreitung der
Verankerungskräfte zurückzuführen ist. Durch eine Verlängerung der Biegezugbewehrung könnte die
erforderliche Aufhängebewehrung vermindert werden. Unmittelbar hinter der Öffnung besitzt das vorgeschla-
gene Stabwerkmodell keinen Zugpfosten, allerdings ist am ersten Zugpfosten des anschließenden
Balkenfachwerks die 1,5-fache Querkraft abzudecken. Dies wird wiederum durch die dort gewählten
Druckstrebenwinkel beeinflusst. Ein teilweises Überdrücken des Obergurtes wird hier vorausgesetzt.

Hinweis: Bei Anforderungen an den konstruktiven Brandschutz ist Eurocode 2 Teil 1-2, Abschnitt 5.6.1,
Absatz (7) hinsichtlich der Mindestabmessungen der Zugzone zu beachten.

Fcd
VEd,o zo
NEd z 1,5V
VEd,u zu 2,1V V
Fsd,l Fsd
la/2 la
a) Teilschnittgrößen nach Leonhardt /4.1/ b) Stabwerkmodell nach Schlaich und Schäfer /4.2/, Beispiel
sc sc
0,4·ho 0,4·x
x ho
Fcd

z~0,85d
MEd ZEd,M h ZEd,V+DM,o VEd,o
ha
Fsd hu
sc sc ~d
ho
30°
NEd NEd ZEd,V+DM,u
h ha ZEd,N VEd,u
VEd,u
hu
la
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c) Stabwerkmodell für Momente, Normalkräfte und Querkräfte nach Eligehausen und Gerster /1.10/

Bild 4-3: Bemessungsmodelle für Träger mit großen Öffnungen

In /1.10/ werden Stabwerkmodelle getrennt für Momente, Normalkräfte und Querkräfte nach Bild 4-3 c)
vorgeschlagen und die Bewehrungsmengen durch Superposition bestimmt. Eine Querzugkraft infolge
Biegung nach Gleichung (4.3) ergibt sich lediglich, wenn die Druckzone nach Biegetheorie größer ist als die
Druckgurthöhe ho. Die Lage der Biegedruckkraft wird dabei vereinfacht bei 0,4·x bzw. 0,4·ho angenommen.
Wirken Normalkräfte über den Gesamtquerschnitt verteilt, sind die Anteile im Bereich der Öffnung
umzulenken. Unter Annahme der Umlenkwinkel von 30° (sin 30° = 0,5) folgt die Umlenkkraft nach Glei-
chung (4.4). Die Modelle zur Übertragung der Querkraft sind getrennt für den Ober- und Untergurt entwickelt
und können kombiniert werden. Die lotrechten Aufhänge- und Querzugkräfte infolge Querkraft und dem
zugehörigen Differenzmoment können näherungsweise nach den Gleichungen (4.5) und (4.6) bestimmt
werden. Eine Vergleichsrechnung in /1.10/ zum Beispiel aus /4.2/ ergab die 2,0-fache Aufhängebewehrung
vor und die 0,5-fache hinter der Öffnung.

39
x  ho
Infolge Moment: ZEd,M  0,4  Fcd (4.3)
d
h
Infolge Normalkraft: ZEd,N  0,25  NEd a (4.4)
h
 l l 
Infolge Querkraft im Obergurt: ZEd, V  M,o  VEd,o  1  0,1  a  a  (4.5)
 d 3  ho 
 l l 
Infolge Querkraft im Untergurt: ZEd, V  M,u  VEd,u  1  0,1  a  a  (4.6)
 d 3  hu 
Um die Querkräfte auf die Teilquerschnitte aufzuteilen, lassen sich nach Eligehausen die effektiven
Gurtsteifigkeiten unter Berücksichtigung der Rissbildung in Abhängigkeit der Normalkraft nach einem
Verfahren aus Heft 240 /4.6/ ermitteln. In Tabelle 4-1 sind die Beiwerte  für die Gurte eines Plattenbalkens
zusammengefasst. Hierbei wird angenommen, dass zugbeanspruchte Querschnitte mit hohem
Bewehrungsgrad entsprechend hoch beansprucht sind und bereits unter Gebrauchslasten in den Zustand II
übergehen. Drucknormalkräfte hingegen wirken einer Rissbildung und Steifigkeitsverlusten entgegen. Die
Gurtnormalkräfte nach Gleichungen (4.7) und (4.8) werden daher zur Ermittlung der Abminderungsfaktoren
 nach Tabelle 4-1 verwendet, die dann in die Gleichungen (4.9) und (4.10) eingesetzt werden. Bei nahezu
zentrischem Zug werden beide Bewehrungslagen eines Teilquerschnitts in die Berechnung der effektiven
Steifigkeit einbezogen. Abweichend von /4.1/ wird die Lage der Biegezugkraft nicht im Schwerpunkt des
Zuggurtes sondern im Schwerpunkt der Biegezugbewehrung nach Biegetheorie des Balkens ohne Öffnung
angenommen, was zu größeren Werten z und zu in den Gleichungen (4.7) und (4.8) führt.

zu MEd
Druckkraft im Obergurt: NEd, o  NEd   (4.7)
z z
zo MEd
Zugkraft im Untergurt: NEd,u  NEd   (4.8)
z z
 o  Ec  Io  o  Io
Querkraftanteil im Obergurt: VEd,o  VEd   VEd  (4.9)
 o  E c  I o   u  E c  Iu  o  I o   u  Iu
 u  E c  Iu  u  Iu
Querkraftanteil im Untergurt: VEd,u  VEd   VEd  (4.10)
 o  E c  I o   u  E c  Iu  o  I o   u  Iu

Tabelle 4-1: Beiwerte zur Bestimmung der effektiven Gurtsteifigkeiten in Abhängigkeit der bezogenen
Normalkraft  und des Bewehrungsgrades l nach Heft 240 /4.6/
b EI eff
Bezogene i  [-],
NEd,o Bewehrungs-
do  o 
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ho As2,o hf Normalkraft Ec I
As1,o
b·hf  bw  d o  hf   fcd
 [-]
grad l [%]
i = o, u
h ha NEd,u
u 
As2,u d u  bw  fcd  < -0,15 alle l 1,0
hu du
As1,u
l ≤ 0,6 1,0
bw   0,15
As1,o A A A l > 0,6 0,65
 l1,o  ;  l1,u  s1,u ;  l2,o  s2,o ;  l2,u  s2,u
do  b d u  bw d o  bw d u  bw  > 0,15 alle l 0,2 + 6(l1 + l2)

Unabhängig von der vereinfachten Annahme des inneren Hebelarms und der Lage der Biegedruck- und
zugkräfte erzeugen diese Normalkräfte bei der Bemessung der Teilquerschnitte kein lokales Moment infolge
Ausmitte im Teilquerschnitt, da diese Kräfte mit dem globalen Moment bereits im Gleichgewicht stehen
(Bild 4-4 a)). Bei der Bemessung des Druckgurtes für Biegung mit Normalkraft darf Fcd daher im Schwer-
punkt des Teilquerschnitts angenommen werden. Dadurch wird die Verteilung der Betondruckspannungen
infolge des globalen Moments nach Bild 4-4 b) vernachlässigt und als gleichmäßig verteilt angenommen wie
in Bild 4-4 c). Wird die für das lokale Moment ermittelte Biegezugbewehrung symmetrisch angeordnet, dient
sie gleichzeitig als Druckbewehrung für das lokale Moment und die vereinfachte Annahme der
Spannungsverteilung führt zu keiner bemessungsrelevanten Erhöhung der Betonrandspannungen c im
Bereich der Gurtanschnitte.

40
a) c für reine Biegung b) c für Biegung und Querkraft c)  für Biegung und Querkraft

Bild 4-4: Spannungsverlauf infolge des globalen und lokalen Moments sowie vereinfachte Annahme der
Dehnungen für die Bemessung der Druckgurtanschnitte

Im Zuggurt wirkt in der Regel eine große Zugkraft mit geringer Ausmitte, sodass hier die Bemessung mit
Hilfe von Hebelgesetzen erfolgen kann. Das lokale Moment erzeugt dann die gleiche Biegezugbewehrung
an Ober- und Unterseite des Zuggurtes. Die Gesamtbewehrung ergibt sich als Summe aus der
Hauptbewehrung und der Bewehrung aus der lokalen Momentenbeanspruchung. Die Bemessung wird an
den Beispielen in Kapitel 4.4 gezeigt.

4.4 Beispiele mit konstruktiver Durchbildung


4.4.1 Allgemeines
Die konstruktive Durchbildung wird an zwei Beispielen mit großen Öffnungen erläutert, deren Momenten-
Querkraft-Verhältnis bei gleichem Querschnitt des Balkens variiert wird. Als Beispiel dient ein 75 cm hoher
und 40 cm breiter Plattenbalkenquerschnitt mit einer 20 cm dicken Platte aus Ortbeton. Die mitwirkende
Plattenbreite des Trägers mit 8 m Spannweite beträgt im ersten Beispiel 3,60 m. Im Bereich der Öffnung wird
allerdings zur Bestimmung der Gurtsteifigkeiten eine Breite beff ≤ 2·0,2·la + bw = 72 cm angenommen. Da die
Öffnung mit der Unterkante Decke abschließt (Bild 4-6), wird der Obergurt als Rechteckquerschnitt mit der
Breite b = 72 cm bemessen. Im zweiten Beispiel wird ein Durchlaufsystem gewählt und die Öffnung befindet
sich im Bereich des Stützmomentes. Die obere Querbewehrung der Platte wird mit 12/10 angenommen, die
untere mit 12/15. Die Linienlasten oberhalb der Öffnung bewirken ebenfalls lokale Biegemomente, die hier
allerdings nicht nennenswert sind (Asl ≈ 0,7 cm²) und konstruktiv abgedeckt werden. Die verwendeten
Bezeichnungen und Geometrien sind in allgemeingültiger Form für Plattenbalken in Bild 4-5 dargestellt.
b
VEd,o
hf N zs2,o so As2,o do1
ho MEd,o Ed,o zs1,o
MEd zN,o do2
s As1,o
NEd
ha z d
VEd NEd MEd
su
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VEd,u
zN,u As2,u
MEd,u zs2,u
hu zs1,u du2 du1
NEd,u As1,u
la la/2 bw
Bild 4-5: Bezeichnungen und Geometrien

4.4.2 Beispiel 1: Große Öffnung im positiven Momentenbereich


(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C30/37, B500A
Expositionsklasse: XC1, cnom = 2,0 cm
g = 40 kN/m, q = 20 kN/m
Vgk(2,0 m) = 80 kN, Vqk(2,0 m) = 40 kN
Mgk(2,0 m) = 240 kNm, Mqk(2,0 m) = 120 kNm
Die Bauteilabmessungen sind in Bild 4-6 und die konstruktive Durchbildung in den Bildern 4-7 und 4-8
dargestellt.
Die mitwirkende Plattenbreite des Trägers beff beträgt 3,60 m.

41
Bild 4-6: Bauteilabmessungen [m]

(2) Querschnittswerte
d = h – cnom – Bü – s,u/2 = 75 – 2 – 0,8 – 2,5/2 = 71,0 cm
do1 = ho – cnom – Bü – s,o/2 = 20 – 2 – 0,8 – 1,2/2 = 16,6 cm
do2 = ho – cnom – Querbewehrung – s,o/2 = 20 – 2 – 1,2 – 1,2/2 = 16,2 cm
du1 = hu – cnom – Bü – s,u1/2 = 40 – 2 – 1 – 2,5/2 = 35,8 cm
du2 = hu – cnom – Bü – s,u2/2 = 40 – 2 – 0,8 – 1,2/2 = 36,6 cm
Ao = b·ho = 72·20 = 1440 cm²
Au = hu·bw = 40·40 = 1600 cm²
so = ho/2 = 20,0 cm / 2 = 10,0 cm
su = ho + ha + hu/2 = 20 + 15 + 40/2 = 55,0 cm
Io = b·ho³/12 = 72·20³/12 = 48000 cm4
Iu = bw·hu³/12 = 40·40³/12 = 213333 cm4
(3) Schnittgrößen in den Teilquerschnitten
Eds = MEds/(beff·d²·fcd) = (1,35·0,24 + 1,5·0,12)/(3,60·0,71²·17) = 0,016 ⇨ x = 2,7 cm, z = 70,0
⇨ Druckzone liegt vollständig in der Platte ⇨ keine Umlenkkräfte infolge MEd
Lokale Normalkräfte:
NEd,o = NEd·zN,u/z – MEd/z = 0 – 504/0,70 = -720 kN
NEd,u = NEd·zN,o/z + MEd/z = 0 + 504/0,70 = 720 kN
Bezogene Normalkräfte:
o = NEd,o/(b·do1·fcd) = -0,720/(0,72·0,166·17) = -0,35
u = NEd,u/(bw·du1·fcd) = 0,720/(0,40·0,358·17) = 0,30
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Lokale Querkräfte:
VEd = 1,35·80 + 1,5·40 = 168 kN
VEd,o = VEd·o·Io/(o·Io + u·Iu) = 74,5 kN
VEd,u = VEd·u·Iu/(o·Io + u·Iu) = 93,5 kN
mit l1,o = 0,2 % < 0,6 %; o < -0,15; o = 1,00 (Bewehrung geschätzt)
l2,u = 1,4 % > 0,6 %; u > 0,15; u = 0,28 (Bewehrung geschätzt)
Lokale Momente:
MEd,o = VEd,o·la/2 = 74,5·0,80/2 = 29,8 kNm
MEd,u = VEd,u·la/2 = 93,5·0,80/2 = 37,4 kNm
(4) Bemessung
Biegung mit Normalkraft im Obergurt (rechter Anschnitt, untere Bewehrung):
zs1,o = do1 – so = 16,6 – 10,0 = 6,6 cm
MEds,o = MEd,o – NEd,o/zs1,o = 29,8 – (-720)·0,066 = 77,3 kNm
Eds,o = MEds,o/(b·do1²·fcd) = 0,077/(0,72·0,166²·17) = 0,228 ⇨zOG,re = 16,3 cm
As1,o,erf = (MEds,o/zOG,re + NEd,o)/fyd = -4,2 cm² < 0 ⇨ Querschnitt überdrückt
gewählt: 2 12 konstruktiv

42
Biegung mit Normalkraft im Obergurt (linker Anschnitt, obere Bewehrung):
Die Bemessung ergibt ebenfalls keine erforderliche Bewehrung.
gewählt: 2 12 konstruktiv
Querkraft im Obergurt:
VRd,cc = c·0,48·fck1/3·(1 - 1,2·cp/fcd)·b·zOG,li = 0,5·0,48·301/3·(1 - 1,2·5,0/17)·0,72·0,16 = 55,6 kN
cot = (1,2 + 1,4·5,0/17)/(1 – 55,6/74,5) = 6,35 ⇨ cot = 3,0;  = 90°
asw,erf = 74,5/(43,5·0,14·3,0) = 4,1 cm²/m ≤ asw,min = 6,7 cm²/m
VRd,max = c·fcd·b·zOG,li/(cot + tan) = 0,75·17·0,72·0,16/(3,0 + 1/3,0)·10³ = 441 kN
VEd/VRd,max = 0,17 ⇨ smax,längs = 14 cm; smax,quer = 20 cm
gewählt: 8/12,5 vierschnittig (16,1 cm²/m)
Zugkraft mit geringer Ausmitte im Untergurt (rechter Anschnitt, untere Bewehrung):
zs1,u + zs2,u = zUG = du1 + du2 – hu = 35,8 + 36,6 – 40 = 32,4 cm
As1,u,erf = (MEd,u/zUG + NEd,u)/fyd = (37,4/0,324 + 720)/43,5 = 19,2 cm²
gewählt: 4 25 (19,6 cm²)
Zugkraft mit geringer Ausmitte im Untergurt (linker Anschnitt, obere Bewehrung):
As2,u,erf = (MEd,u/zUG)/fyd = (37,4/0,324)/43,5 = 2,7 cm²
Aufgrund des hier nicht aufgeführten Nachweises der Rissbreitenbegrenzung werden 4 12 (4,5 cm²)
vorgesehen und beidseitig verankert.
Querkraft im Untergurt:
cot = 1,0 (Zug);  = 90°
asw,erf = 93,5/(43,5·0,324·1,0) = 6,6 cm²/m ≥ asw,min = 3,7 cm²/m
VRd,max = c·fcd·bw·zUG,li/(cot + tan) = 0,75·17·0,40·0,324/(1,0 + 1/1,0)·10³ = 825 kN
VEd/VRd,max = 0,11 ⇨sl,max = 28 cm; st,max = 40 cm
gewählt: 8/25 vierschnittig (8,0 cm²/m)
(5) Aufhängebewehrung rechts
ZEd,N = 0,25·NEd·ha/h = 0 kN
ZEd,M = 0 kN
ZEd,V+M,o = VEd,o·(1 + 0,1·la/d + 0,33·la/ho = 74,5·(1 + 0,1·80/71,0 + 0,33·80/20) = 181 kN
Asv,re,erf = ZEd,V+M,o/fyd = 181/43,5 = 4,2 cm²
gewählt: 2Bü10 vierschnittig (6,3 cm²)
(6) Aufhängebewehrung links
ZEd,V+M,u = VEd,u·(1 + 0,1·la/d + 0,33·la/hu = 93,5·(1 + 0,1·80/71,0 + 0,33·80/40) = 166 kN
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Asv,li,erf = ZEd,V+M,u/fyd = 166/43,5 = 3,8 cm²


gewählt: 2Bü10 vierschnittig (6,3 cm²)
(7) Verankerung der Pos. ② (obere Bewehrung des Untergurtes)
Auf eine Verminderung der Verankerungslänge wird hier verzichtet und die vorhandene
Stahlquerschnittsfläche wird vollständig verankert. 95
  1,2 435 62,5 > 62
l b,rqd   sd    62 cm
4 fbd 4 2,1
mit fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  0,7  1,0  2,0 / 1,5  2,1 N/mm² 45°
1  0,7 für gute Verbundbedingungen
32,5

2:1
 2  1,0
l bd  1   2   3   4   5  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,0  62  62 cm  l b,min  19 cm 32,5

mit l b,min  max[0,3   1   4  l b,rqd  18,6 cm; 10  12,0 cm]


Die Neigung der Druckstrebe zwischen Verankerung und lotrechter Bewehrung hinter der Öffnung
beträgt etwa 2:1 (Bild 4-3 c)). Daraus folgt ein Überstand der geraden Stabenden über die lotrechten
Bügel von 62/2 + 2·32,5 = 96 cm. 62/2 cm entspricht der halben Verankerungslänge, also dem
Schwerpunkt der Verankerungskraft im Modellknoten. Der Überstand sollte allerdings mindestens so
groß gewählt werden, dass die Druckstreben nicht steiler als 45° verlaufen (62 cm + zUG = 95 cm).

43
(8) Verankerung der Pos. ③ (untere Bewehrung des Obergurtes)
  sd 1,2 435
l b,rqd      62 cm
4 fbd 4 2,1
mit fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  0,7  1,0  2,0 / 1,5  2,1 N/mm²
l bd   1   2   3   4   5  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,0  62  62 cm  l b,min  19 cm
mit l b,min  max[0,3   1   4  l b,rqd  19 cm; 10  12 cm]
Der Überstand vor der Öffnung beträgt entsprechend der Vorgehensweise bei Pos. ② dem größeren
Wert aus 62/2 + 2·14,4 = 60 cm und 62 cm + 14,4 = 76 cm.
(9) Schließen der Bügel Pos. ⑨ und ⑩ mit einem Übergreifungsstoß
  sd 1,0 435
l b,rqd      36 cm
4 fbd 4 3,0
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  1,4  36  36 cm  l 0,min  20 cm
Die vorhandene Stoßlänge von Pos. ⑩ beträgt 36 cm, die von Pos. ⑨ beträgt 50 cm (vgl. /1.1/,
Bild 8.5DE Fall g).
(10) Schließen der Bügel Pos. ⑤⑥ und⑦ mit einem Übergreifungsstoß
  sd 0,8 435
l b,rqd      29 cm
4 fbd 4 3,0
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  1,0  29  20 cm  l 0,min  20 cm
Da die vorhandenen Stababstände s ≥ 8 und die Betondeckung in der Stoßebene c1 ≥ 4 betragen,
wird 6 = 1,0 angesetzt. Die vorhandenen Übergreifungslängen betragen mindestens 20 cm.
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Bild 4-7: 3D-Darstellung der Bewehrung im Bereich der Öffnung

44
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15

Bild 4-8:

45
Konstruktive Durchbildung eines Balkens mit großer Stegöffnung
4.4.3 Beispiel 2: Große Öffnung im negativen Momentenbereich
(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C30/37, B500A
Expositionsklasse: XC1, cnom = 2,0 cm
g = 40 kN/m, q = 20 kN/m
Vgk(1,0 m) = 120 kN, Vqk(1,0 m) = 60 kN
Mgk(1,0 m) = -140 kNm, Mqk(1,0 m) = -70 kNm
Die Bauteilabmessungen sind in Bild 4-9 dargestellt, die konstruktive Durchbildung in den Bildern 4-10
und 4-11.

Bild 4-9: Bauteilabmessungen [m]

(2) Querschnittswerte (Ao, Au, so, su, lo, lu wie erstes Beispiel)
d = h – cnom – Bü – s,u/2 = 75 – 2 – 0,8 – 1,6/2 = 71,4 cm
do1 = ho – cnom – Bü – s,o/2 = 20 – 2 – 0,8 – 1,2/2 = 16,6 cm
do2 = ho – cnom – Bü – s,o/2 = 20 – 2 – 1,2 – 1,6/2 = 16,0 cm (Bewehrung Platte 12)
du1 = hu – cnom – Bü – s,u1/2 = 40 – 2 – 1 – 1,2/2 = 36,4 cm
du2 = hu – cnom – Bü – s,u2/2 = 40 – 2 – 0,8 – 1,2/2 = 36,6 cm
(3) Schnittgrößen in den Teilquerschnitten
Eds = MEds/(bw·d²·fcd) = (1,35·0,14 + 1,5·0,07)/(0,40·0,714²·17) = 0,085 ⇨ x = 8,0 cm, z = 68,1
⇨ Druckzone liegt vollständig im Restquerschnitt ⇨ keine Umlenkkräfte infolge MEd
Lokale Normalkräfte:
NEd,o = NEd·zN,u/z – MEd/z = 0 – 294/0,68 = 432 kN
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NEd,u = NEd·zN,o/z + MEd/z = 0 + 294/0,68 = -432 kN


Bezogene Normalkräfte:
o = NEd,o/((b·hf + bw·(do1 – hf))·fcd) = 0,430/(0,72·0,2 + 0,40·(0,166 – 0,2))·17) = 0,19
u = NEd,u/(bw·du1·fcd) = -0,430/(0,40·0,364·17) = -0,17
Lokale Querkräfte:
VEd = 1,35·120 + 1,5·60 = 252 kN
VEd,o = VEd·o·Io/(o·Io + u·Iu) = 11,4 kN
VEd,u = VEd·u·Iu/(o·Io + u·Iu) = 240,6 kN
mit l2,o = 0,2 % < 0,6 %; o > 0,15; o = 0,21 (Bewehrung geschätzt)
l1,u = 0,2 % < 0,6 %; u < -0,15; u = 1,00 (Bewehrung geschätzt)
Lokale Momente:
MEd,o = VEd,o·la/2 = 11,4·0,80/2 = 4,6 kNm
MEd,u = VEd,u·la/2 = 240,6·0,80/2 = 96,2 kNm
(4) Bemessung
Zugkraft mit geringer Ausmitte im Obergurt (rechter Anschnitt, untere Bewehrung):
zs1,o + zs2,o = zOG = do1 + do2 – ho = 16,6 + 16,0 – 20 = 12,6 cm
As1,o,erf = (MEd,o/zOG)/fyd = (4,6/0,126)/43,5 = 0,8 cm²

46
Aufgrund des hier nicht aufgeführten Nachweises der Rissbreitenbegrenzung werden 4 12 (4,5 cm²)
vorgesehen und beidseitig verankert.
Zugkraft mit geringer Ausmitte im Obergurt (linker Anschnitt, obere Bewehrung):
As2,o,erf = (MEd,o/zOG + NEd,o)/fyd = (4,6/0,126 + 430)/43,5 = 10,7 cm²
gewählt: 6 16 (12,1 cm²)
Querkraft im Obergurt:
cot = 1,0 (Zug);  = 90°
asw,erf = 11,4/(43,5·0,126·1,0) = 2,1 cm²/m ≤ asw,min = 3,7 cm²/m
VRd,max = c·fcd·b·zOG,li/(cot + tan) = 0,75·17·0,72·0,126/(1,0 + 1/1,0)·10³ = 578 kN
VEd/VRd,max = 0,02 ⇨ smax,längs = 14 cm; smax,quer = 20 cm
gewählt: 8/12,5 vierschnittig (16,1 cm²/m)
Biegung mit Normalkraft im Untergurt (rechter Anschnitt, untere Bewehrung):
zs1,u = du1 – su + ho + ha = 36,4 – 55,0 + 20 + 15 = 16,4 cm
MEds,u = MEd,u – NEd,u/zs1,u = 96,2 – (-430)·0,164 = 166,8 kNm
Eds,u = MEds,u/(b·du1²·fcd) = 0,167/(0,40·0,364²·17) = 0,185 ⇨zUG,re = 32,7 cm
As1,u,erf = (MEds,u/zUG,re + NEd,u)/fyd = 1,9 cm²
gewählt: 4 20 (12,6 cm², Feldbewehrung)
Biegung mit Normalkraft im Untergurt (linker Anschnitt, obere Bewehrung):
zs2,u = du2 – h + su = 36,6 – 75 + 55,0 = 16,6 cm
MEds,u = MEd,u – NEd,u/zs2,u = 96,2 – (-430)·0,166 = 167,7 kNm
Eds,u = MEds,u/(bw·du2²·fcd) = 0,168/(0,40·0,366²·17) = 0,184 ⇨zUG,li = 32,8 cm
As2,u,erf = (MEds,u/zUG,li + NEd,u)/fyd = 1,8 cm²
gewählt: 4 12 (4,6 cm²)
Querkraft im Untergurt:
VRd,cc = c·0,48·1·fck1/3·(1 - 1,2·cp/fcd)·bw·zOG,li = 0,5·0,48·1·301/3·(1 - 1,2·2,69/17)·0,40·0,33 = 79,7 kN
cot = (1,2 + 1,4·2,69/17)/(1 – 79,7/240,6) = 2,13;  = 90°
asw,erf = 240,6/(43,5·0,328·2,13) = 7,9 cm²/m ≥ asw,min = 3,7 cm²/m
VRd,max = c·fcd·bw·zUG,li/(cot + tan) = 0,75·17·0,40·0,328/(2,13 + 1/2,13)·10³ = 644 kN
VEd/VRd,max = 0,375 ⇨ smax,längs = 20 cm; smax,quer = 20 cm
gewählt: 8/12,5 vierschnittig (16,1 cm²/m)
(5) Aufhängebewehrung rechts
ZEd,N = 0,25·NEd·ha/h = 0 kN
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ZEd,M = 0 kN
ZEd,V+M,o = VEd,o·(1 + 0,1·la/d + 0,33·la/ho = 11,4·(1 + 0,1·80/71,4 + 0,33·80/20) = 27,7 kN
Asv,re,erf = ZEd,V+M,o/fyd = 27,7/43,5 = 0,6 cm²
gewählt: 1Bü10 zweischnittig (1,6 cm²)
(6) Aufhängebewehrung links
ZEd,V+M,u = VEd,u·(1 + 0,1·la/d + 0,33·la/hu = 240,6·(1 + 0,1·80/71,4 + 0,33·80/40) = 426 kN
Asv,li,erf = ZEd,V+M,u/fyd = 426/43,5 = 9,8 cm²
gewählt: 4Bü10 vierschnittig (12,6 cm²)
(7) Verankerung der Pos. ② (obere Bewehrung des Untergurtes)
Auf eine Verminderung der Verankerungslänge wird hier verzichtet und die vorhandene
Stahlquerschnittsfläche wird vollständig verankert. 95
  1,2 435 62 > 62
l b,rqd   sd    62 cm
4 fbd 4 2,1
mit fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  0,7  1,0  2,0 / 1,5  2,1 N/mm² 45°
2:1
1  0,7 für gute Verbundbedingungen
33

 2  1,0
33

47
l bd  1   2   3   4   5  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,0  62  62 cm  l b,min  19 cm
mit l b,min  max[0,3  1   4  l b,rqd  186 mm; 10  120 mm]
Die Neigung der Druckstrebe zwischen Verankerung und lotrechter Bewehrung hinter der Öffnung
beträgt etwa 2:1 (Bild 4-3 c)). Daraus folgt ein Überstand der geraden Stabenden über die lotrechten
Bügel von 62/2 + 2·33 = 97 cm. 62/2 cm entspricht der halben Verankerungslänge, also dem
Schwerpunkt der Verankerungskraft im Modellknoten. Der Überstand sollte allerdings mindestens so
groß gewählt werden, dass die Druckstreben nicht steiler als 45° verlaufen (62 cm + zUG = 95 cm).
(8) Verankerung der Pos. ③ (untere Bewehrung des Obergurtes)
  sd 1,2 435
l b,rqd      62 cm
4 fbd 4 2,1
l bd  1   2   3   4   5  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,0  62  62 cm  l b,min  19 cm
Der Überstand vor der Öffnung beträgt entsprechend der Vorgehensweise bei Pos. ② dem größeren
Wert aus 62/2 + 2·zOG = 57 cm und 62 cm + zOG,re = 75 cm.
(9) Schließen der Bügel Pos. ⑨ und ⑩ mit einem Übergreifungsstoß
  sd 1,0 435
l b,rqd      36 cm
4 fbd 4 3,0
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  1,4  36  36 cm  l 0,min  20 cm
Die vorhandene Stoßlänge von Pos. ⑩ beträgt 36 cm, die von Pos. ⑨ beträgt 50 cm (vgl. /1.1/,
Bild 8.5DE Fall g).
(10) Schließen der Bügel Pos. ⑤, ⑥ und ⑦ mit einem Übergreifungsstoß
  sd 0,8 435
l b,rqd      29 cm
4 fbd 4 3,0
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  1,0  29  20 cm  l 0,min  20 cm
Da die vorhandenen Stababstände s ≥ 8 und die Betondeckung in der Stoßebene c1 ≥ 4 betragen,
wird 6 = 1,0 angesetzt. Die vorhandenen Übergreifungslängen betragen mindestens 20 cm.
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Bild 4-10: 3D-Darstellung der Bewehrung im Bereich der Öffnung

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15

Bild 4-11:

49
Konstruktive Durchbildung eines Balken mit großer Stegöffnung
5 Ausgeklinkte Trägerenden
5.1 Allgemeines
Ausgeklinkte Trägerenden finden vorwiegend in Fertigteilkonstruktionen in Kombination mit Konsolen An-
wendung. Die Bemessung erfolgt mit Stabwerkmodellen nach EC2 /1.1/, Kapitel 6.5 und Kapitel 10.9.4.6.
Dort werden zwei alternative Tragmodelle vorgestellt. Konstruktive Regeln zur Lagerausbildung befinden
sich in /1.1/, Abschnitt 10.9.5. Weitere Erläuterungen zum Tragverhalten und zur konstruktiven Durchbildung
sind in Heft 399 des DAfStb /1.10/, Steinle und Rostásy /5.1/, Steinle und Hahn /5.2/ sowie Leonhardt /5.3/
enthalten. Details zur konstruktiven Durchbildung bei hohen Beanspruchungen sind in /5.1/ und /5.2/ zu
finden. Weitere Tragmodelle wurden von Bachmann, Steinle und Hahn /5.7/, Schlaich und Schäfer /5.4/,
Reineck /5.5/ sowie Fingerloos und Stenzel /5.6/ entwickelt.

5.2 Tragverhalten
Grundsätzlich muss die Bewehrungsführung am ausgeklinkten Trägerende dem angenommenen Tragmodell
folgen. Andererseits kann durch die Bewehrungswahl auch das Tragverhalten beeinflusst werden, sodass
mehrere Stabwerkmodelle möglich sind. Hierbei sind nicht nur die Zugstreben und Druckstreben sondern
insbesondere die Verankerung der Bewehrung in den Zugstreben und die Knotentragfähigkeit zu beachten.
Bei ausgeklinkten Trägerenden hängen der Kraftfluss und das Rissbild zudem von der relativen Höhe der
Konsole und der Schlankheit ab (Bilder 5-1 a) bis d)). Nach /5.1/ werden die von der einspringenden Ecke
ausgehenden Risse flacher mit abnehmendem Verhältnis hk/h (Bild 5-1 a) und b)). Die für die Auflagerkraft A
bemessene Aufhängebewehrung in Bild 5-2 b) und c) wurde in den Versuchen nicht ausgenutzt, was auf
einen direkten Lastfluss in Abhängigkeit der Konsolhöhe zurückgeführt wurde. In /5.4/ wird darauf hingewie-
sen, dass die Lastausbreitung infolge Verankerung der Konsolbewehrung zusätzliche Bügel erfordert. Eine
nach oben gerichtete Druckstrebe, wie in Bild 5-1 c), kreuzt allerdings die Risse, sodass das Modell nach
Bild 5-1 e) vorgeschlagen wurde, bei dem die Auflagerkraft A zweimal hochgehängt wird. Dadurch ergibt sich
dort eine größere Bügelbewehrungsmenge.

h Fcwd Fcwd
h k= zk
2
~45° Fsd,a Fsd,a

H Fsd,v H Fsd,v
A A A

ac
a a
a) Rissbild nach /5.1/ c) Stabwerkmodell 1 nach /5.1/ e) Stabwerkmodell nach /5.4/
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h
3 zk Fcwd
~20°
A
H
A
a
ac
a
b) Rissbild nach /5.1/ d) Stabwerkmodell 2 nach /5.1/

Bild 5-1: Rissbilder und unterschiedliche Vorschläge für Stabwerkmodelle

In den Modellen mit vertikaler Aufhängung wird die Querkraft des Balkens im Abstand a vom Auflager auf
der Aufhängebewehrung abgesetzt (Bilder 5-1 c) und 5-1 e)). Die Feldbewehrung ist daher innerhalb der
Aufhängebewehrung zu verankern. Die Aufhängung kann auch aus einer um  geneigten Aufbiegung
(Bild 5-1 d)) oder aus einer Kombination aus Schrägaufbiegung und Bügeln bestehen. Da das Stabwerkmo-
dell nach Bild 5-1 d) keine Horizontallasten aufnehmen kann, wird bei Verwendung einer Schrägbewehrung
immer eine Kombination aus beiden Teilmodellen angewendet. Die geometrischen Parameter a und zk
ergeben sich aus dem für die Bemessung zugrunde gelegten Tragmodell und der Bewehrung.

50
Die angenommene Lage der Stabwerkkräfte muss mit der gewählten Bewehrung übereinstimmen, auch bei
mehrlagiger Bewehrung wie sie häufig bei der lotrechten Aufhängebewehrung oder der horizontalen Haupt-
bewehrung der Konsole erforderlich wird. Insbesondere bei kleinen Abmessungen können von der Beweh-
rung abweichende Modellannahmen zu einer erheblichen Vergrößerung der Stahlzugkräfte führen.

zk zk zk

H III H III H
A A A
II II II

a a a
I IV

I Verankerung der Feldbewehrung am indirekten Auflager


II Verankerung der Hauptbewehrung der Konsole am direkten Auflager
III Verankerung der Hauptbewehrung der Konsole im Bauteil
IV Übergreifungsstoß der Feldbewehrung mit den Schlaufen
a) vertikale Aufhängung b) schräge + vertikale Aufhängung c) schräge Aufhängung mit Voute
Bild 5-2: Bewehrungsführung bei ausgeklinkten Auflagern mit unterschiedlichen Tragmodellen

Bei einer lotrechten Aufhängebewehrung sind große Stabdurchmesser bzw. eine sehr kleine Verteilungsbrei-
te der Aufhängebewehrung nicht zielführend. Der geringe Abstand a verringert die rechnerische Kraft Fsd,a,
gleichzeitig verkürzt sich die zur Verfügung stehende Verankerungslänge der Feldbewehrung. Die Vertei-
lungsbreite der lotrechten Bügel sollte nach /5.3/ dennoch nicht größer als hk/2 ≤ 2ac gewählt werden, da
sonst die ersten an der Ausklinkung angeordneten Bügel frühzeitig deutlich höher beansprucht werden und
große Rissbreiten als Folge entstehen. Weiterhin ist am oberen Bügelende eine kurze Verankerungslänge
sinnvoll, da sie die Lage des oberen Fachwerkknotens beeinflusst. Wie die Versuche in /5.1/ belegen, sind
schräge Aufhängungen effizienter, allerdings entstehen bei einer Schrägaufbiegung der unteren Träger-
längsbewehrung Spaltzugkräfte an der unteren Umlenkung und im Bereich der Endverankerung, welche
durch Querbewehrung aufzunehmen sind. Die größte Tragfähigkeit wird daher mit einer Kombination aus
lotrechter und schräger Aufhängebewehrung erzielt.

Die Hauptbewehrung der Konsole ist einerseits am Auflager zu verankern, andererseits muss die Stahlkraft
im Bauteil in das Balkentragmodell überführt werden. Hier ist die Verankerung ab der ersten Druckstrebe zu
empfehlen (Bild 5-2, III). Für unplanmäßige horizontale Lagerkräfte wird in /1.10/ empfohlen, eine „Reibkraft“
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von 20 % der Vertikallast anzusetzen.

Eurocode 2 – Teil 1-2 Tragwerksbemessung für den Brandfall enthält keine Regelungen für abgesetzte
Auflager und Konsolen. Daher wird hinsichtlich der konstruktiven Durchbildung bei Brandschutzanforderun-
gen auf DIN 4102 Teil 4, Abschnitt 3.2.4.7 und 3.2.5, verwiesen.

5.3 Bemessung
Die Bemessung von ausgeklinkten Trägerenden wird hier analog zu Konsolen gemäß EC2, Abschnitt 6.5,
mit einem Stabwerkmodell vorgenommen. Dabei ist der innere Hebelarm zu begrenzen, sodass die ins
Auflager verlaufende Druckstrebenkraft von den vertikalen Bügeln umschlossen wird. Der innere Hebelarm
wird daher in den Gleichungen (5.1) bis (5.3) um cnom und Bügel reduziert. Die Versuche in /5.1/ haben ge-
zeigt, dass die lotrechte Aufhängebewehrung nicht die volle Auflagerkraft A aufnehmen muss, da ein Anteil
aus dem Druckgurt des Balkenfachwerks direkt ins Auflager geleitet wird. Andererseits ist aus der Veranke-
rung der Zugkraft Fsd,a die Vertikalkomponente der Druckstrebe Fcwd von der lotrechten Bewehrung aufzu-
nehmen. Daher sollte Fsd,v für die volle Auflagerkraft AEd ausgelegt werden. Ein Bemessungsansatz für
Schrägaufbiegungen ist in /5.3/ zu finden.

51
av
ac2 as1
(1) Nachweis mit einem Stabwerk
Fcwd xc
Bestimmung der Knotenabmessungen (Nachweis der Druckstrebe):
d zk
x c  (d  c nom  Bügel )  (d  cnom  Bügel )2  2·av ·as1 (5.1) Fsd,a
d1 aH
Fsd,v
mit as1  H
b   Rd,max A Fsd,v
H
av  ac  ac2  as1 / 2  ac mit a c  ·aH ac
A
 xc 
 für fck  50 N/mm² 
 0,8 
xc
Kontrolle: x   für fck  50 N/mm²   0,4·(d  cnom  Bügel ) (5.2)
 fck  
 1   
 250  
(2) Bestimmung der Zugkraft Fsd,a
zk  ( d  cnom  Bügel )  x c / 2 (5.3)
av
Fsd,a  A  H (5.4)
zk
Beim Nachweis nach EC2 ist bei Druck-Zug-Knoten die Bemessungsdruckfestigkeit auf Rd,max = k2·‘·fcd zu
begrenzen (mit k2 = 0,75 und ‘ = 1,0 bis C55/67). Für Betonfestigkeitsklassen ≥ C55/67 ist ‘ zusätzlich mit
2 = (1,1 – fck/500) zu multiplizieren. Da im Druckknoten von ausgeklinkten Trägerenden eine Spaltzugbean-
spruchung vorliegt, ist die anrechenbare Betondruckfestigkeit, wie bei Druck-Zug-Knoten, zu reduzieren. In
der Konsole entstehen Querzugkräfte, die analog zu Kapitel 11 dieses Heftes durch vertikale und horizontale
Bügel aufgenommen werden müssen.

Alternativ kann das Verfahren aus Heft 600 /1.9/ für Konsolen angewendet werden, wobei der innere Hebel-
arm d um cnom und Bügel zu reduzieren ist und der Hebelarm av bis zur Schwereachse der Hochhängebeweh-
rung zu verlängern ist.

5.4 Konstruktive Durchbildung


Die konstruktive Durchbildung eines ausgeklinkten Trägerendes wird maßgeblich bestimmt durch die Höhe
der Beanspruchung, die Bauteilabmessungen und die gewählten Stabdurchmesser. Aus der Balkenbemes-
sung ergeben sich zusätzliche für die Bemessung des Auflagers relevante Randbedingungen.
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5.5 Beispiel
Für das folgende Beispiel wurde die Betondeckung des äußersten Bewehrungsstabes jeweils zu cnom ge-
wählt. Die weiteren Stablagen ergeben sich aus den Stabdurchmessern zuzüglich der Differenz zwischen
Nenndurchmesser und Außendurchmesser. Der Außendurchmesser schließt die Rippung ein und kann
überschläglich zu 1,15· angenommen werden. Hier wurden Außendurchmesser von 12 mm für einen 10,
16 mm für einen 14 und 30 mm für einen 25 angenommen.
30 30 12 14

Fcwd
28 40 zk
6 15 9 Fsd,a
aH = 12
H Fsd,v H
vorh. a1 = 15 20 A A
40
vorh. a2 +Da2 = 6 15 21,5
vorh. a3 +Da3 = 6 e
3 12 [cm]
av = 16,5+Dac+12=31
a) Bauteilabmessungen b) Stabwerkmodell c) Lage der Hauptbewehrung
Bild 5-3: Bauteilabmessungen, Annahmen zum Stabwerkmodell, zugehörige Lage der Hauptbewehrung

52
(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C40/50, B500A, C = 1,5
Expositionsklasse: XC1, cnom = 2,0 cm
Spannweite: 10 m
Asl,Feld,erf: 30 cm²
Asl,vorh: 4 25 (19,6 cm²) werden bis zum indirekten Auflager geführt
Belastung: A = VEd = 250 kN
Querkraftbemessung: cot = 3,0, asw,erf = 2,8 cm², z = 0,69 m,
Versatzmaß al = z/2 · (cot- cot) = 0,69/2 · (3,0-0) = 1,04 m

(2) Mindestabmessungen des Lagers


Die Auflagerachse befindet sich planmäßig e = 16,5 cm von der einspringenden Ecke entfernt (Bild 5-3).
Nach EC2, Abschnitt 10.9.5, sind Mindestwerte für die Auflagertiefe a1, die Randabstände a2 und a3
sowie die Grenzabweichungen a2 und a3 zu berücksichtigen (Gleichung (5.5)). Die Werte sind nach
EC2, Tabellen 10.2 bis 10.5, abhängig von der Lagerpressung (hier: Ed/fcd = 0,250/(0,15·0,20)/22,7
= 0,37 ≤ 0,4), der Art des Lagers und der Baustoffe der Bauteile zu bestimmen. Die Grenzabweichun-
gen sind nach EC2, Abschnitt 10.9.5.1, bei der Bemessung und der konstruktiven Durchbildung zu be-
rücksichtigen.
a  a1  a2  a3  a22  a32  150  60  60  10 2  4 2  281 mm (5.5)
mit a1 = 150 mm Grundwert der Auflagertiefe (Mindestwert 110 mm)
a2 = 60 mm Randabstand des unterstützenden Bauteils (Mindestwert 15 mm)
a3 = 60 mm Randabstand des gestützten Bauteils (Mindestwert 20 mm)
a2 = 10 mm Grenzabweichung für den Abstand der unterstützenden Fertigteile
a3 = ln/2500 = 10000/2500 = 4 mm Grenzabweichung für die Trägerlänge
Für die Ermittlung der Stabkräfte werden eine statische Nutzhöhe d = 33 cm und av = 29,5 cm (inklusive
Grenzabweichung) angenommen und müssen nach der Bewehrungswahl überprüft werden (Bild 5-3).
Bei dem gewählten Abstand av zwischen der Auflagerkraft A und der Aufhängekraft Fsd,v bzw. einem
Abstand der Aufhängekraft Fsd,v zur Ausklinkung von 12 cm kann die lotrechte Aufhängebewehrung auf
etwa 14 cm verteilt werden. Für die horizontalen Schlaufen der Konsole werden zwei Lagen angenom-
men.

(3) Bestimmung der Knotenabmessungen (Nachweis der Druckstrebe)


d  cnom  Bügel  33  2  1  30 cm
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x c  0,30  0,30 2  2  0,305  0,049  0,055 m


mit as1  A /( b   c )  0,250 /( 0,3  17,0 )  0,049 m
40
 c  0,75  fcd  0,75  0,85  17,0 N/mm²
1,5
av  ac  ac2  as1 / 2  aH  H / A  0,165  0,05  0,14 / 2  0,12  0,2  0,31 m
xc 0,055
Kontrolle: x   0,069 m  0,4  d  0,132 m
0,8 0,8
Mit einer gewählten Lagerdicke tLager = 3 cm und einer geschätzten zweilagigen Bewehrung mit
d1 = 7 cm ergab sich der Abstand aH = 12 cm, der in der Berechnung von a berücksichtigt wurde. H wird
hier an der Oberkante des Lagers wirkend angesetzt.

(4) Bestimmung der Zugkraft Fsd,a


zk  0,30  0,055 / 2  0,273
av 0,31
Fsd,a  A   H  0,250   0,2  0,250  334 kN
zk 0,273
As,erf = Fsd / fyd = 334 / 43,5 = 7,68 cm² ⇨ gewählt: 4 Schlaufen 14 (12,3 cm²)

53
(5) Horizontale Bügelbewehrung
Asw,3,erf  0,3  As  0,3  8,1  2,4 cm² ⇨ gewählt: 3 Bügel 8 im Bereich der Spaltzugkräfte und ein
konstruktiver Bügel 8 im Randbereich ( = 4,0 cm²)
(6) Aufhängebewehrung
250
As,a,erf   5,7 cm² ⇨ gewählt: 4 Bügel 10 (6,3 cm²)
43,5
Die Aufhängebewehrung ist zu schließen und darf in der Druckzone mit einem Bügelschloss ausgeführt
werden.

(7) Verankerung der Konsolhauptbewehrung Pos. ① und ② oberhalb der Lagerplatte


Die Betondeckung der unteren Schlaufen wird zu 3 = 4,2 cm gewählt:
  1,4 272
l b,rqd   sd    25,4 cm
4 f bd 4 3,75
mit fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd = 2,25 · 1,0 ·1,0 · 2,5 / 1,5 = 3,75 N/mm²
2 = 1,0 gute Verbundbedingungen
As,erf 7,7
 sd  f yd   435   272 N/mm² (Bemessungsspannung)
As,vorh 12,3
lbd = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · lb,rqd = 0,7 · 1,0 · 1,0 · 1,0 · (2/3) · 25,4 = 11,9 cm ≥ lb,min = 9,4 cm
mit lb,min ≥ max [0,3 · 1 · lb,rqd = 8,5 cm; 6,7 = 9,4 cm]
Die vorhandene Verankerungslänge der inneren Schlaufe bis zur hinteren Lagerkante beträgt
20 – cnom – 1,4 – 2,0 – a3 = 20 – 2,0 – 1,4 – 2,0 – 0,4 = 14,2 cm ≥ 11,9 cm. Die Verankerungslänge der
äußeren Schlaufe ist bei gleichem Stabdurchmesser größer. ⇨ Nachweis erfüllt

Überprüfung des Biegerollendurchmessers Dvorh = 14,5 cm nach EC2, Abschnitt 8.3:


Innerhalb der Vorverankerungslänge 14,2 – 14,5/2 = 7,0 cm wird ein Teil der Stahlzugkraft übertragen
(7,0 cm ·  ·  · 1,5 · 0,375 kN/cm² = 17,3 kN mit 50 % höheren Verbundspannungen aufgrund des Quer-
drucks), sodass zu Beginn der Abbiegung noch eine Stahlzugkraft Fbt =  · ²/4 · 28,3 kN/cm² – 17,3 kN
= 43,6 kN – 17,3 kN = 26,3 kN vorhanden ist.

Fbt  1   1  26,3  1   1 
Dmin  ·      ·    6,5 cm  14,5 cm
fcd  ab   2  2,267  4,2  0,7   2·1,4 
⇨ Der vorhandene Biegerollendurchmesser ist ausreichend.

(8) Verankerung der Konsolhauptbewehrung 14 Pos. ① und ② im Balken


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  sd1,4 272
l b,rqd      25,4 cm
4 f bd 4 3,75
Die für eine beidseitige Verankerung am Auflager und im Bereich der ersten Druckstrebe erforderliche
Schlaufenlänge beträgt lk – cnom + cot·(z – zk) + lbd /2= 30 – 2 + 3,0·(69 – 26) + 25,4/2 = 170 cm.

(9) Verankerung der Feldbewehrung Pos. ③ am indirekten Auflager innerhalb der Bügel ⑪
Aus dem Versatzmaß und der Aufhängekraft Fsd,v = 250 kN ergibt sich die am Ende zu verankernde
Kraft zu Fsd = VEd/2·(cot- cot) = 250/2·3,0 = 375 kN und die zu verankernde Stahlquerschnittsfläche
zu As,erf = 8,6 cm². Da die Verankerung mit geraden Stabenden hier nicht ausreichend ist, wird die Ver-
ankerung mit Schlaufen 10 sichergestellt.

Verankerung mit 6 Schlaufen 10 (9,4 cm²), Pos. ④ und ⑧:


  1,0 398
l b,rqd   sd    26,5 cm
4 fbd 4 3,75
As, erf 8,6
 sd  f yd   435   398 N/mm² (Bemessungsspannung)
As, vorh 9,4

54
lbd = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · lb,rqd = 0,5 · 1,0 · 1,0 · 1,0 · 1,0 · 26,5 = 13,2 cm ≥ lb,min = 10 cm
(Dmin ≥ 15 => 1 = 0,5)
mit l b,min  max[0,3   1   4  l b,rqd  4,4 cm; 10  10,0 cm]
19 – 2 = 17 cm ≥ 15 cm ⇨ Nachweis erfüllt

(10) Übergreifungsstoß der Pos. ③ und ④ bzw. ⑧

Erforderliche Stoßlänge für 10 Pos. ④ bzw. ⑧


l0 = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · lb,rqd = 1,0 · 1,0 · 1,0 · 1,0 · 1,4 · 26,5 = 37,1 cm ≥ l0,min = 20 cm
mit l 0,min  max[0,3   1   6·l b,rqd  12,2 cm; 15  15,0 cm; 20,0 cm]

Erforderliche Stoßlänge für 25 Pos. ③


  sd 2,5 190
l b,rqd      32 cm
4 fbd 4 3,75
As,erf 8,6
 sd  f yd   435   191 N/mm² (Bemessungsspannung)
As,vorh 19,6
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  (1,4  2,0) / 2  32  54 cm  l 0,min  37,5 cm
mit l 0,min  max[0,3   1   6·l b,rqd  37,0 cm; 15  37,5 cm; 20,0 cm]

Da der lichte Abstand zwischen der obersten Schlaufe und Pos. ③ (ca. 8 cm) mehr als 4 beträgt,
ergibt sich die erforderliche Schlaufenlänge zu 54 + (8 – 4·1,0) = 58 cm.
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Bild 5-4: 3D-Darstellung der Bewehrung im Bereich der Ausklinkung

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Bild 5-5: Konstruktive Durchbildung eines ausgeklinkten Trägerendes mit lotrechter Aufhängebewehrung

56
6 Plattentragwerke
6.1 Allgemeines
Dieses Kapitel bezieht sich auf Vollplatten nach EC2 /1.1/, Abschnitt 9.3, mit einer Mindestdicke von 70 mm.

6.2 Tragverhalten
Üblicherweise werden die Schnittgrößen von Platten nach der Elastizitätstheorie ermittelt. Dabei wird ein
isotropes Verhalten des Baustoffes unterstellt. Bild 6-1 zeigt den Hauptmomentenverlauf eines Innenfeldes
bei zweiachsiger Spannrichtung im ungerissenen Zustand.

Bild 6-1: Richtung und Größe der Hauptmomente einer zweiachsig gelagerten Platte (Ränder voll ein-
gespannt)

Sobald Risse auftreten, weicht das tatsächliche Verhalten vom Berechnungsergebnis mehr oder weniger
deutlich ab, da dann die Steifigkeit von Richtung und Menge der eingelegten Bewehrung abhängt. Demzu-
folge ist ein genaues Staffeln der Bewehrung anhand der berechneten Schnittgrößenverläufe nicht sachge-
recht. Andererseits weisen mehrseitig gelagerte Platten als innerlich statisch unbestimmte Systeme vielfälti-
ge Umlagerungsmöglichkeiten auf.

Bestehen Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer sind durch die Bewehrungsführung für den Brand-
fall wegen temperaturbedingter Abnahme der Steifigkeit im Feld Schnittgrößenumlagerungen hin zu den
Stützmomenten zu ermöglichen.

6.3 Bemessung
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6.3.1 Effektive Stützweiten


Die effektive Stützweite leff setzt sich aus der lichten Stützweite ln und den rechnerischen Auflagertiefen a1
und a2 zusammen (vergleiche /1.1/, Abschnitt 5.3.2.2):

l eff  ln  a1  a2 (6.1)

Als rechnerische Auflagertiefe ist mindestens der kleinere Wert aus halber Plattendicke und halber tatsächli-
cher Auflagertiefe zu wählen. Bei Innenauflagern ist es aber sinnvoll, immer die halbe tatsächliche Auflager-
tiefe anzusetzen. Bei Kragplatten, die in steife Bauteile einbinden, darf a1 zu Null gesetzt werden.

6.3.2 Mittragende Breite bei konzentrierten Lasten


Für einachsig gespannte Platten, die durch Punkt-, Linien- oder Rechtecklasten belastet werden, kann nach
dem in /6.1/, Abschnitt 2.2.2, beschriebenen Verfahren die mittragende Breite bm ermittelt werden, sofern
kein genauerer Nachweis geführt wird.

Als Eingangswert für die in /6.1/ aufgeführte Tafel 2.1 ist die Lasteintragsbreite zu t = b0 + 2h1 + h für die
Bestimmung der mittragenden Breite bm anzunehmen (vgl. Bild 6-2).

57
Bild 6-2: Lastverteilungsbreite t

Die resultierenden Schnittgrößen infolge konzentrierter Lasten werden auf die zugehörige mittragende Breite
bm verteilt und dann zu den Schnittgrößen infolge Flächenlasten addiert.

Bei Lasten im Bereich von Öffnungen und Rändern kann nur eine reduzierte mitwirkende Breite bm,red ange-
setzt werden (Bild 6-3).

Bild 6-3: Reduzierte mitwirkende Breite bei Lasten in Randnähe

6.4 Konstruktive Durchbildung


6.4.1 Stababstände
Der größtzulässige Abstand zwischen den Bewehrungsstäben smax,slabs ist abhängig von der Plattendicke h
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/1.1/, Abschnitt 9.3.1.1 (3):

- für die Haupt- bzw. Zugbewehrung:

smax,slabs = 250 mm für Plattendicken h ≥ 250 mm


smax,slabs = h für Plattendicken 150 mm < h < 250 mm
smax,slabs = 150 mm für Plattendicken h ≤ 150 mm

- für die Querbewehrung oder die weniger beanspruchte Richtung:

smax,slabs ≤ 250 mm.

6.4.2 Biegebewehrung
Zur Sicherstellung eines duktilen Bauteilverhaltens ist in Hauptspannrichtung eine Mindestbewehrung nach
/1.1/, Abschnitt 9.2.1.1 (1), einzulegen.

Nach /1.1/, Abschnitt 9.3.1.1 (1), darf die Summe der Querschnittsfläche von Zug- und Druckbewehrung aus
Gründen der Betonierbarkeit As,max = 0,08 · Ac nicht überschreiten. Dies gilt auch im Bereich von Über-
greifungsstößen. Dabei ist Ac die Betonquerschnittsfläche.

In einachsig gespannten Platten ist eine Querbewehrung anzuordnen, die mindestens 20 % der Hauptbe-
wehrung beträgt. Hiermit werden die Zugspannungen infolge Querdehnung sowie andere unberücksichtigte

58
Einflüsse wie die Lastverteilung von in Flächenlasten enthaltenen Einzel- und Linienlasten abgedeckt. Nach
/1.1/, Abschnitt 10.9.8 (2), darf bei Vollplatten aus Fertigteilen mit einer Breite b ≤ 1,20 m die Querbewehrung
entfallen. Auch bei zweiachsig gespannten Platten muss die Bewehrung in der weniger beanspruchten
Richtung mindesten 20 % der in der höher beanspruchten Richtung betragen. Bei der Verwendung von
Betonstahlmatten ist ein Mindestdurchmesser quer = 5 mm einzuhalten.

Werden Streckenlasten bei der Schnittgrößenermittlung berücksichtigt, ist zur Querverteilung am unteren
Plattenrand eine zusätzliche Querbewehrung einzulegen. Der Querschnitt der Querbewehrung soll je lau-
fendem Meter der Streckenlast mindestens 60 % des durch die Streckenlast bedingten Anteils der Hauptbe-
wehrung betragen, sofern kein genauerer Nachweis geführt wird. Diese Bewehrung ist außerhalb des Last-
ausbreitungsbereiches t (Bild 6-2) zu verankern. Bei Einzellasten ist analog vorzugehen.

Bei einer nicht berücksichtigten Stützung mit der Breite t parallel zur Haupttragrichtung ist eine Abreißbeweh-
rung (oben) mit as,erf,St ≥ 0,6 · as,max,F auf einer Länge ≥ 0,25 l + t/2 je Seite anzuordnen (Bild 6-4).

Verformungsfigur:

Abreißbewehrung:

Bild 6-4: Verformungsfigur und Anordnung von Abreißbewehrung as,erf,St bei unberücksichtigter Stützung
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Unabhängig von der Art der Lagerung ist mindestens die Hälfte der erforderlichen Feldbewehrung über das
Auflager zu führen und dort zu verankern (/1.1/, Abschnitt 9.3.1.2 (1)).

Bei teilweiser Einspannung einer Plattenseite (z. B. infolge Wandauflast oder Anschluss in einen Stahlbe-
tonbalken), die bei der Berechnung nicht berücksichtigt wurde, ist eine obere Stützbewehrung anzuordnen
und zu verankern, um Momente aus ungewollter Einspannung aufnehmen zu können. Diese Bewehrung soll
im Grenzzustand der Tragfähigkeit mindestens 25 % des benachbarten Feldmomentes aufnehmen können
und ab Auflagerrand mindestens die 0,25-fache Länge des Endfeldes aufweisen.

6.4.3 Querkraftbewehrung
Bei Platten ohne rechnerisch erforderliche Querkraftbewehrung (VEd ≤ VRd,c) ist keine Mindestquerkraftbe-
wehrung erforderlich. Neben den Regelungen aus /1.1/, Abschnitt 9.2.2, zur Ausbildung der Querkraftbeweh-
rung bei Balken gelten für Platten nachfolgend genannte Regeln (/1.1/, Abschnitt 9.3.2).

Im Übergangsbereich vom Balken zur Platte (5 ≥ b/h ≥ 4), ergibt sich der Wert der Mindestbewehrung für
Platten ohne rechnerisch erforderliche Querkraftbewehrung durch Interpolation zwischen dem nullfachen
und dem einfachen Wert der Mindestbewehrung von Balken. Bei einer rechnerisch erforderlichen Querkraft-
bewehrung (VEd > VRd,c) wird die erforderliche Mindestbewehrung durch Interpolation zwischen dem
0,6-fachen und dem einfachen Wert ermittelt. Bauteile mit b/h < 4 sind als Balken zu behandeln.

59
Bei Platten mit geringer Querkraftausnutzung (VEd ≤ 1/3VRd,max) darf die Querkraftbewehrung vollständig aus
Schrägstäben oder Querkraftzulagen bestehen (/1.1/, Abschnitt 9.3.2 (3)).

Der maximale Längsabstand von Bügeln smax beträgt nach /1.1/, Abschnitt 9.3.2 (4):

für VEd ≤ 0,3VRd,max smax = 0,7 h


für 0,3VRd,max < VEd ≤ 0,6VRd,max smax = 0,5 h
für VEd > 0,6VRd,max smax = 0,25 h

Der maximale Querabstand von Bügeln beträgt smax = h. Aufgebogene Stäbe dürfen mit einem maximalen
Längsabstand smax = h angeordnet werden.

Querkraftbewehrungen dürfen in Platten auch als ein- oder zweischnittige Bügel mit Haken verankert wer-
den. Bei Platten mit Anforderungen an die Feuerwiderstandsdauer dürfen 90°-Winkelhaken auch auf der
beflammten Bauteilseite angeordnet werden.

6.4.4 Bewehrung im Bereich von unterbrochenen Stützungen


Falls linienförmige Unterstützungen von Platten nur auf begrenzter Länge unterbrochen sind, darf die ge-
genüber der durchgehenden Unterstützung geänderte Tragwirkung der Platte näherungsweise erfasst
werden. Werden im Bereich der fehlenden Stützungen verstärkte Tragstreifen angeordnet, ist zu berücksich-
tigen, dass die Steifigkeit der Tragstreifen geringer ist, als die einer Unterstützung. Dies bedingt eine Verän-
derung des Schnittgrößenverlaufes in beiden Achsrichtungen.

Bei Tür- und Fensteröffnungen mit ln/h ≤ 7 und üblichen Belastungen genügen konstruktive Bewehrungszu-
lagen ohne rechnerischen Nachweis. Bei Auflagerunterbrechungen mit 7 < ln/h ≤ 15 und unter der Annahme
von vorwiegend ruhenden Belastungen kann der Tragstreifen auch nach dem in /6.1/, Abschnitt 2.4, be-
schriebenen Verfahren nachgewiesen werden.

Ist die linienförmige Auflagerung der Platte in einem größeren Bereich (ln/h > 15) unterbrochen, beeinflussen
die Auflagerbedingungen die Plattenschnittgrößen so erheblich, dass ihre Ermittlung nach der Plattentheorie
vorzunehmen ist.

Bedingt durch die hohen Querkräfte an den Wandenden kann Durchstanzbewehrung erforderlich werden.

6.4.5 Öffnungen in Platten


Bei kleinen Öffnungen, bei denen die größte Abmessung kleiner 2h ist oder den doppelten Stababstand
nicht überschreitet, ist ein „Auswechseln“ der durchtrennten Bewehrung ausreichend. Die entfallene Beweh-
rung ist parallel zum Öffnungsrand zuzulegen und mit der durchtrennten Bewehrung unter Berücksichtigung
des Stababstandes nach /1.1/, 8.7.2 (3), zu stoßen. Die freien Ränder der Aussparung sind mit Steckbügeln
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einzufassen (Bild 6-5). Bei innenliegenden Bauteilen kann analog zu /1.1/, Abschnitt 9.3.1.4 (NA.3), auf eine
solche Bewehrung verzichtet werden.

Bild 6-5: Auswechslung von Bewehrung an kleinen Öffnungen

60
Die Bewehrung darf auch bei mittelgroßen Öffnungen, bei denen die größte Abmessung kleiner 1/5 der
Plattenspannweite ist, ausgewechselt werden /6.2/. Jedoch ist der tatsächliche Kraftfluss zu berücksichtigen.
Der Spannungsverlauf darf bei getrennter Betrachtung der Plattenober- und Plattenunterseite im einachsi-
gen Spannungszustand anhand von Stabwerkmodellen erfasst werden. Quer zur Spannrichtung ist danach
eine Querbewehrung anzuordnen, die sich, je nachdem ob Druck- oder Zugspannungen umgeleitet werden,
in unterschiedlichem Abstand zum Öffnungsrand ergibt (Bild 6-6).

Bild 6-6: Stabwerkmodelle zur Erfassung des Kraftflusses um eine Öffnung in Druck- und Zugzone

An den Ecken auftretende Spannungsspitzen sind vorteilhaft durch Schrägzulagen aufzunehmen.

Große Plattenöffnungen, bei denen die größte Abmessung größer als 1/5 der Plattenspannweite ist, müssen
bei der Schnittgrößenermittlung berücksichtigt werden.

6.4.6 Drillbewehrung
6.4.6.1 Vollplatten
Bei vierseitig gelagerten Platten werden die Schnittgrößen wesentlich durch die Lagerungsbedingungen im
Eckbereich beeinflusst.

Falls durch die bauliche Durchbildung oder Auflast das Abheben der Plattenecken verhindert wird, so ist dort
eine Drillbewehrung anzuordnen (/1.1/, Abschnitt 9.3.1.3). Sofern die Schnittgrößen für eine drillsteife Platte
bemessen wurden, ist die Bewehrung in den Plattenecken unter Berücksichtigung des Drillmomentes auszu-
legen und ein Abheben der Plattenecken zu verhindern.

Bei vierseitiger Lagerung ergibt sich an der Plattenunterseite ein typisches Rissbild (Bild 6-7), das durch die
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Verwendung von vorgefertigten Elementdecken nicht merklich beeinflusst wird /6.2/.

61
Bild 6-7: Rissbild einer vierseitig gelenkig gelagerten Platte, ein Quadrant der Plattenuntersicht /6.2/

In der unteren Lage ist in den Ecken eine diagonale Bewehrung, in der oberen Lage eine auf die Ecken ge-
richtete Bewehrung am effektivsten. Beide Bewehrungen sind für das Drillmoment mxy zu bemessen. Nach
/1.1/, Abschnitt 9.3.1.3, darf diese Drillbewehrung bei vierseitig linienförmig gelagerten Platten durch eine
parallel zu den Seiten verlaufende obere und untere Netzbewehrung in den Plattenecken ersetzt werden, die
in jeder Richtung die gleiche Querschnittsfläche wie die Feldbewehrung (as,drill = as,max,Feld) und eine Länge
von mindestens 0,3·min leff hat (Bild 6-8). Die Drillbewehrung ist am Plattenrand zu verankern.
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Bild 6-8: Drillbewehrung bei Platten mit allseitig gelenkig gelagerten Plattenrändern

Andere Auflagerbedingungen wie zum Beispiel dreiseitige Lagerung können zu größeren Drillmomenten
führen /1.7/. Öffnungen in Plattenecken können dagegen eine Abnahme der Drillsteifigkeit bewirken.

In Plattenecken, in denen ein frei aufliegender und ein eingespannter Rand zusammenstoßen, stellen sich
senkrecht zum gelenkig gelagerten Rand verminderte Drillmomente ein. Nach /1.1/, Abschnitt 9.3.1.3, sollte
zu ihrer Abdeckung die Hälfte der Bewehrung (as,drill = 0,5·as,max,Feld) rechtwinklig zum freien Rand eingelegt
werden (Bild 6-9).

62
Bild 6-9: Drillbewehrung an Plattenober- und Plattenunterseite bei unterschiedlicher Lagerung der Plat-
tenränder

Bei vierseitig gelagerten Platten, deren Schnittgrößen als einachsig gespannt oder unter Vernachlässigung
der Drillsteifigkeit ermittelt werden, sollte zur Begrenzung der Rissbildung in den Ecken ebenfalls eine Be-
wehrung nach /1.1/, Abschnitt 9.3.1.3, angeordnet werden, sofern das Abheben der Plattenecken behindert
ist. Ist die Platte dagegen mit Randbalken oder benachbarten Deckenfeldern biegesteif verbunden, entste-
hen keine Drillmomente und es muss keine Drillbewehrung angeordnet werden.

In /6.3/ und /6.4/ wurde anhand von Versuchen gezeigt, dass die obere Drillbewehrung im Grenzzustand der
Tragfähigkeit bei vierseitig gelenkig gelagerten, quadratischen Platten nur unwesentlich zur Tragfähigkeits-
steigerung beiträgt. Vielmehr stellt sich mit zunehmender Plattendurchbiegung im gerissenen Zustand ein
Membranzustand ein, der die obere Drillbewehrung stark entlastet. Zur Begrenzung der Rissbreiten im
Gebrauchszustand und wegen bisher nicht ausreichender Absicherung des Membranmodells ist der Einbau
der oben beschriebenen Drillbewehrung dennoch erforderlich.

6.4.6.2 Platten aus mit Ortbeton ergänzten Elementplatten


Nach /1.1/, Abschnitt 10.9.3 (NA.15), ist das Ansetzen der vollen Drillsteifigkeit der Platte bei mit Ortbeton
ergänzten Fertigteilen auch dann erlaubt, wenn vertikale Elementfugen im Drillbereich angeordnet sind. Die
die Elementfuge kreuzende obere und untere Drillbewehrung ist im Aufbeton zu verlegen und unter Berück-
sichtigung der verringerten statischen Höhe zu bemessen. Die Tragwirkung muss durch zusätzliche Gitter-
träger auf beiden Seiten parallel zur Fuge mit einem maximalen Randabstand von 100 mm sichergestellt
werden. Durch die zusätzlich eingebauten Gitterträger wird ein Aufklaffen der horizontalen Verbundfuge
infolge Torsionsmomenten, wie es in /6.3/ beobachtet wurde, verhindert. Ohne und mit Elementfuge ergibt
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sich ein gleichartiges Rissbild, das unter anderem die Wirkung der Drillmomente an der Plattenunterseite
erkennen lässt.

6.4.7 Mindestbewehrung zur Sicherstellung eines duktilen Bauteilverhaltens


Ein Bauteil gilt als ausreichend robust, wenn die Rissschnittgröße beim Übergang in den gerissenen Zustand
(Zustand II) von der Bewehrung aufgenommen werden kann. Bei überwiegend biegebeanspruchten Platten
wird das Rissmoment wie bei Balken nach Gleichung (6.2) berechnet:

M cr  fctm  Wc (6.2)

mit fctm: Mittelwert der Zugfestigkeit des Betons


Wc: Widerstandsmoment des Brutto-Betonquerschnittes
Die Mindestbewehrung As,min ist gleichmäßig über die Breite sowie anteilmäßig über die Höhe der Zugzone
zu verteilen. Die im Feld erforderliche untere Mindestbewehrung muss unabhängig von den Regelungen zur
Zugkraftdeckung zwischen den Auflagern durchlaufen. Über Innenauflagern ist die obere Mindestbewehrung
in beiden anschließenden Feldern über eine Länge von mindestens je einem Viertel der Stützweite einzule-
gen. Bei Kragarmen muss sie über die gesamte Kragarmlänge durchlaufen. Die Mindestbewehrung ist am
Endauflager und am Innenauflager mit der Mindestlänge zu verankern. Stöße sind für die volle Zugkraft
auszubilden.

63
6.5 Beispiel
In einem Beispiel wird nachfolgend die Bewehrungsführung am Beispiel einer drillsteifen Hochbaudecke
(Grundriss siehe Bild 6-12) veranschaulicht. Bild 6-10 zeigt die Verformungsfigur sowie den Verlauf der
Hauptmomente, die durch die unterbrochenen Stützlinien wesentlich beeinflusst werden.

Verformungsfigur: Hauptmomente:

Bild 6-10: Verformungsfigur und Verlauf der Hauptmomente der Deckenplatte

Bilder 6-11 bis 6-14 zeigen eine mögliche Bewehrungsführung in der Deckenplatte. Dargestellt sind unter
anderem die Bewehrungsführung an freien Plattenrändern und Aussparungen im Bereich unterbrochener
Unterstützung und in Plattenecken.
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Bild 6-11: 3D-Darstellung der Bewehrung in einer Deckenplatte

64
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Beton C25/30
d = 18 cm,
cnom = 20 mm

Bild 6-12: Bewehrungsführung in einer Deckenplatte (untere Bewehrung)

65
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Beton C25/30
d = 18 cm,
cnom = 20 mm
Bild 6-13: Bewehrungsführung in einer Deckenplatte (obere Bewehrung)

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Bild 6-14:

67
Bewehrungsführung in einer Deckenplatte (Schnitte)
7 Verbundbewehrung
7.1 Allgemeines
Betonbauteile können aus ausführungs- und fertigungstechnischen Gründen nicht immer in einem
Betoniervorgang hergestellt werden. Die dadurch entstehenden Fugen können sowohl horizontal als auch
vertikal angeordnet sein. Charakteristische Beispiele im Neubau für derartige Fugen sind z. B. Halbfertigteile
mit nachträglich aufgebrachter Ortbetonschicht (Elementdecken, Pi-Platten, Spannbeton- bzw.
Stahlbetonverbundträger) oder auch im Bestand vorhandene Stahlbetonquerschnitte, die durch eine
Ortbetonschicht nachträglich verstärkt werden.

In den Fugen treten, je nach deren Anordnung zur Beanspruchungsrichtung, Biegeschub- oder
Längsschubbeanspruchungen auf. Diese einwirkenden Schubspannungen bzw. Schubkräfte müssen bei
Ansatz einer monolithischen Tragwirkung in den Fugen übertragen werden. Der Tragfähigkeitsnachweis für
die Fuge muss sowohl die Beschaffenheit und den lokalen Spannungszustand in der Fuge sowie den
Einfluss der die Fuge kreuzenden Bewehrung berücksichtigen.

Werden Fertigteile mit einer mindestens 40 mm dicken und statisch mitwirkenden Ortbetonergänzung
ausgebildet, dürfen diese nach EC2 /1.1/ als Verbundbauteile bemessen werden, wenn die Aufnahme der
Schubkraft zwischen Ortbeton und Fertigteil sichergestellt ist.

7.2 Tragverhalten
Das Tragverhalten einer parallel zur Systemachse angeordneten Verbundfuge unter Längsschub-
beanspruchung (z. B. Fertigteilplatte mit Ortbetonergänzung) ist in Bild 7-1 modellhaft dargestellt. Der
Tragmechanismus einer solchen Verbundfuge setzt sich dabei aus drei Anteilen zusammen:

vRd,c Traganteil aus Adhäsion zwischen den beiden Betonteilen, der im Wesentlichen von der
Oberflächenbeschaffenheit und Rauigkeit der Fuge abhängt,

vRd,r Reibungsanteil bei äußeren Druckspannungen N senkrecht zur Fuge,

vRd,s Traganteil aus der Verbundbewehrung.


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Bild 7-1: Tragverhalten einer Verbundfuge (nach Fingerloos /7.1/)

Der Adhäsionstraganteil vRd,c ergibt sich aus den chemischen und mechanischen Bindungskräften, die
zwischen den einzelnen Bestandteilen des Betongefüges vorhanden sind. Die Adhäsion ist wirksam,
solange keine bzw. nur sehr kleine gegenseitige Verschiebungen u in der Grenzfläche auftreten (Bild 7-2 a)).
Sobald der Adhäsionswiderstand überwunden wird und eine Relativverschiebung eintritt, nimmt der
Adhäsionsanteil an der Gesamttragfähigkeit sehr schnell ab. Wenn die Fuge dann eine gewisse Rauigkeit
aufweist oder eine die Fuge kreuzende Bewehrung bzw. entsprechende Verbundmittel vorhanden sind,
werden die Traganteile aus der Fugenbewehrung vRd,s und aus der Reibung in der Verbundfuge vRd,r aktiviert
(Bild 7-2 b)). Dieses Tragmodell liegt auch den Bemessungsmodellen in /1.1/ zu Grunde. Weiterführende
Angaben zum Tragverhalten von Verbundfugen und den Hintergründen der Festlegungen finden sich z. B. in
/7.1/ bis /7.6/ und /1.9/.

68
a) ungerissene und gerissene Fuge b) Traganteile in Abhängigkeit von u

Bild 7-2: Traganteile einer Verbundfuge mit kreuzender Bewehrung

7.3 Bemessung
7.3.1 Traganteile der Verbundfuge
Der Bemessungswert der Schubtragfähigkeit in einer Verbundfuge setzt sich gemäß /1.1/ aus den oben
beschriebenen Traganteilen zusammen:

Adhäsionsanteil: vRdi,c = c · fctd (7.1)

Reibungsanteil: vRdi,r =  · n (7.2)

Verbundbewehrung: vRdi,s =  · fyd · (1,2 · · sin + cos) (7.3)

Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Adhäsionstraganteil bei dynamischer Belastung oder
Ermüdungsbeanspruchung nicht berücksichtigt werden darf. Des Weiteren hat der Reibungsanteil bei
horizontalen Fugen und Bauteilen des normalen Hochbaus aufgrund der geringen Auflast im Allgemeinen
nur eine unwesentliche Größenordnung. Der Traganteil der Verbundbewehrung setzt sich aufgrund der
Fugenverschiebung in gerissenen Fugen (Bild 7-2 a)) aus einer horizontalen und einer vertikalen
Komponente zusammen, wobei aufgrund vorliegender guter Erfahrungen der vertikale Anteil infolge der
Schubreibung in Deutschland um den Faktor 1,2 erhöht werden darf.

Damit ergibt sich der Bemessungswert vRdi des Schubkraftwiderstandes in der Fuge zu:

vRdi = c · fctd + ·n +  · fyd · (1,2 ·  · sin + cos) ≤ 0,5 ·  · fcd (7.4)
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mit fctd: Bemessungswert der Betonzugfestigkeit, siehe /1.1/, 3.1.6 (2)P

c,  Beiwerte in Abhängigkeit von der Fugenrauigkeit, siehe Abschnitt 7.3.2

n: Spannung infolge der kleinsten Normalkraft rechtwinklig zur Fuge, die gleichzeitig
mit der Bemessungsquerkraft wirkt (n < 0,6·fcd; für Druck positiv); ist n eine
Zugspannung, so ist in der Regel auch c·fctd zu Null anzusetzen.

  Bewehrungsgrad  = As/Ai

As: Querschnittsfläche des Betonstahls, der durch die Fuge verläuft, einschließlich
normaler Querkraftbewehrung (falls vorhanden), mit ausreichender Verankerung
an beiden Seiten der Fuge.

Ai: Fläche der Fuge

 Winkel der Bewehrung zur Verbundfuge nach Bild 7-1. Der Winkel ist in der Regel
auf 45° ≤  ≤ 90° zu begrenzen.

  Festigkeitsabminderungsbeiwert unter Querbeanspruchung in Abhängigkeit von


der Fugenrauigkeit. Zur Definition der Fugenrauigkeit siehe Kapitel 7.3.2.

69
7.3.2 Fugenbeschaffenheit
Die Fugenbeschaffenheit bestimmt maßgeblich die Anteile der unterschiedlichen Tragmechanismen sowie
die absolute Höhe der übertragbaren Schubkräfte. Zur Erzielung der geplanten Fugentragfähigkeit ist eine
gewissenhafte Herstellung des Verbundbauteils erforderlich. Hierbei ist stets auf saubere, vorgenässte
Oberflächen sowie die sorgfältige Verdichtung des Frischbetons zu achten.

Die Oberflächen einer Verbundfuge können nach /1.1/ in vier verschiedene Kategorien unterteilt werden. Zur
Ermittlung der Fugenrauigkeit kann das im Heft 600 /1.9/ beschriebene Sandflächenverfahren herangezogen
werden:

(1) sehr glatt ( = 0, c = 0 und μ = 0,50), wenn die Oberfläche gegen ein glattes Material betoniert wird,
z. B. Stahl, Kunststoff, speziell geglättete Holzschalungen oder wenn der erste Betonierabschnitt mit ei-
ner Konsistenz ≥ F5 betoniert wurde. Werte c > 0 für sehr glatte Fugen müssen durch entsprechende
Nachweise begründet werden. Insgesamt darf der Reibungsanteil nach Gleichung (7.2) nur bis zur
Grenze ·n = 0,1 · fcd ausgenutzt werden.

(2) glatt ( = 0,20, c = 0,20 und μ = 0,60), wenn die Oberfläche abgezogen oder im Gleit- bzw. Extruder-
verfahren hergestellt wird oder nach dem Verdichten ohne weitere Behandlung bleibt (siehe Bild 7-3 a)).

(3) rau ( = 0,50, c = 0,40 und μ = 0,70), eine Oberfläche mit mindestens 3 mm Rauigkeit und ungefähr
40 mm Abstand, die entweder durch Rechen, Freilegen der Gesteinskörnung oder andere äquivalente
Methoden erzeugt wurde (mittlere Rautiefe, bestimmt mit dem Sandflächenverfahren nach Kaufmann
Rt ≥ 1,5 mm), (siehe Bild 7-3 b)).

(4) verzahnt ( = 0,70, c = 0,50 und μ = 0,9), eine verzahnte Oberfläche (Rt ≥ 3,0 mm) als geschalte Fuge
gemäß Bild 7-4 oder infolge einer Oberflächenbehandlung gemäß Bild 7-3 c). Dabei muss für die ge-
schalte Fuge 0,8 ≤ h1/h2 ≤ 1,25 eingehalten werden.

a) glatte Fuge b) raue Fuge c) Oberflächenbehandlung


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Bild 7-3: a) Fuge mit glatter Oberfläche, b) Fuge mit rauer Oberfläche, c) verzahnte Oberfläche, herge-
stellt durch Oberflächenbehandlung nach /1.9/

geschalte Fuge

Bild 7-4: Ausbildung einer verzahnten Fuge (/1.1/, 6.2.5), mit 0,8 ≤ h1/h2 ≤ 1,25 nach /1.9/

70
Zur Veranschaulichung zeigt Bild 7-5 drei Oberflächen unterschiedlicher Rauigkeit.

Bild 7-5: Oberflächen unterschiedlicher Rauigkeit – sehr glatt (links), rau (mittig), rau (rechts)

7.4 Konstruktive Durchbildung


7.4.1 Bewehrungsausbildung
Im Gegensatz zur Ausbildung der Querkraftbewehrung, wo beispielsweise die Bügel die Zugbewehrung
umschließen und bis in die Betondruckzone des Bauteiles reichen sollen, sind bei Bauteilen mit reiner Ver-
bundbewehrung in /1.1/ keine vollständigen Angaben zur konstruktiven Durchbildung enthalten. Vorgaben
zur Bauteilmindestdicke, wie sie z. B. für Platten mit Bügel- oder Durchstanzbewehrung vorhanden sind
(min h = 200 mm), bestehen nicht. Allerdings muss eine Verbundbewehrung gemäß Bild 7-4 kraftschlüssig
beidseitig der Fuge verankert werden, sodass bei Fugen mit Verbundbewehrung durch die wirksame Veran-
kerung von Bewehrungselementen in einer nachträglich aufgebrachten Betonschicht eine gewisse Bauteildi-
cke erforderlich wird. Hierbei sollten die für die Verankerung von Bügeln und Abbiegungen geltenden Kriteri-
en sinngemäß beachtet werden.

Für die Verbundbewehrung bei Ortbetonergänzung in Platten ohne rechnerische Querkraftbewehrung sind
die maximalen Abstände in Spannrichtung von 2,5 · h ≤ 300 mm und quer zur Spannrichtung von
5 · h ≤ 750 mm (375 mm zum Rand) einzuhalten. Wird die Verbundbewehrung als rechnerisch erforderliche
Querkraftbewehrung angesetzt, gelten die Konstruktionsregeln für Querkraftbewehrung. Für aufgebogene
Längsstäbe mit angeschweißter Verankerung in Platten mit h ≤ 200 mm darf jedoch als Abstand in Längs-
richtung (cot + cot) · z ≤ 200 mm gewählt werden. In Decken mit Dicken bis 400 mm und erforderlicher
Querkraftbewehrung beträgt der maximale Abstand quer zur Spannrichtung 400 mm, bei größeren Decken-
dicken gelten die Grenzwerte der Bügelabstände nach /1.1/, NCI zu 9.3.2 (4).
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7.4.2 Verbundsicherung durch Gitterträger bei Elementdecken


Bei nachträglich durch eine Ortbetonschicht ergänzten Fertigteilplatten wird der Verbund oft durch Gitterträ-
ger sichergestellt, siehe Bild 7-6. Diese Gitterträger sind zwei- oder dreidimensionale vorgefertigte Beweh-
rungselemente, die normalerweise aus einem Obergurt, Untergurt und Diagonalen bestehen. Diese verbin-
den die untere Fertigteilplatte mit der nachträglich aufgebrachten Ortbetonschicht.

Bild 7-6: Gitterträger als Verbundbewehrung für Deckenplatten - Gitterträger (links), Fertigteilplatte mit
Gitterträgern und „rauer“ Oberfläche (rechts)

Werden diese Gitterträger zur Verbundsicherung eingesetzt, dann ergibt sich der Traganteil aus der Ver-
bundbewehrung je nach Ausführung der Gitterträger entweder ausschließlich über die richtungsgebundenen

71
Diagonalen oder über die richtungsgebundenen Diagonalen und die Vertikalpfosten. Dabei ist die Zulassung
des jeweiligen Gitterträgers zu beachten.

7.4.3 Verbundsicherung durch Bügel bei balkenartigen Bauteilen


Bei balkenartigen Bauteilen wird die Querkraftbewehrung oft gleichzeitig als Verbundbewehrung eingesetzt,
siehe Bild 7-7. Gegebenenfalls können bei gegliederten Querschnitten auch Zulagen, z. B. in anschließen-
den Plattenbalkenbereichen, erforderlich werden.

a) Prinzipskizze Plattenbalken b) Einbau von Halbfertigteil-Brückenträgern

Bild 7-7: Plattenbalkenbrücke mit nachträglich ergänzter Ortbetonplatte

Zur Ausführung der Verbundsicherung stehen unterschiedliche konstruktive Durchbildungen zur Verfügung,
wie z. B. offene und geschlossene Bügel, aufgebogene Einzelstäbe, Stäbe mit angeschweißten Querstäben,
Körbe oder Leitern. Bild 7-8 zeigt exemplarisch die Ausführung für einen mit Halbfertigteilen erstellten Plat-
tenbalken.
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Bild 7-8: Unterzug aus Halbfertigteilbalken und –deckenplatten mit nachträglich ergänzter Ortbeton-
schicht

7.4.4 Staffelung der Verbundbewehrung


Der Bemessungswert der Schubkraft in der Fuge vEdi ergibt sich aus dem Bemessungswert der Querkraft
VEd. Somit folgt auch der Verlauf der Schubkraft dem Querkraftverlauf. Die erforderliche Verbundbewehrung
darf, wie in Bild 7-9 dargestellt, entsprechend dem Schubkraftverlauf gestaffelt werden. Im begrenzten Maße
darf bei der Anordnung in Längsrichtung auch in das Schubkraftdiagramm eingeschnitten werden.

72
Bild 7-9: Querkraft-Diagramm mit schematischer Darstellung der erforderlichen Verbundbewehrung

Werden als Verbundbewehrung geneigte Stäbe oder Gitterträger genutzt, so dürfen für den Traganteil der
Bewehrung vRdi,s nur die diagonalen Einzelstäbe mit 45° ≤  ≤ 135° angesetzt werden, die in Schubrichtung
geneigt sind.

7.5 Beispiel
(1) Bemessungsgrundlagen

Der dargestellte Plattenbalken besteht aus einem Halbfertigteil-Unterzug, Elementplatten sowie der Ortbe-
tonschicht. Die Verbundfuge zwischen dem Halbfertigteil-Unterzug und der Ortbetonschicht ist rau ausge-
führt und soll für die Querkraft an der maßgebenden Stelle am Auflagerrand nachgewiesen werden. Der
Nachweis wird im Rahmen des Beispiels nur für den Endzustand geführt.
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Bild 7-10: Plattenbalken aus Halbfertigteil-Unterzug, Elementplatten und Ortbetonschicht

Querschnitt: Betondeckung Längsstäbe cv,l = 50 mm


Betondeckung Bügel cv,b = 30 mm
statische Höhe d = 0,50 m,
Breite der Kontaktfuge bi = 0,42 m

Baustoffe: Beton C20/25 (Ortbeton) bzw. C30/37 (Fertigteile), Betonstabstahl B 500B

Einwirkung: Bemessungsquerkraft an theoretischer Auflagerlinie VEd,0 = 290 kN


Bemessungsquerkraft im Abstand di vom Lagerrand VEd = 260 kN

73
(2) Aufzunehmende Bemessungsschubkraft

VEd
v Ed 
z  bi

Der innere Hebelarm z wird in Abhängigkeit von der Betondeckung der Längsbewehrung begrenzt
(EC2-1-1/NA 6.2.3, vgl. auch Bemessung der Querkraftbewehrung):

z = 0,9 · d = 0,9 · 0,5 = 0,45 m

 d  2cv,l  0,50  2  0,05  0,40 m


z  max 
d  cv,l  30 mm  0,50  0,05  0,03  0,42 m

0,260
v Ed   1,47 MN/m 2
0,42  0,42

0,290
v Ed,0   1,64 MN/m 2
0,42  0,42

(3) Nachweis der Druckstrebe

vRdi,max = 0,5 ·  · fcd

Beiwert zur Bestimmung der Druckstrebentragfähigkeit:

 = 0,5 (raue Fuge)


Bemessungswert der Betondruckfestigkeit (maßgebend ist hier die Ortbetonschicht):

f ck 0,85  20
f cd   cc    11,33 MN/m²
C 1,5

v Rdi,max  0,5  0,5  11,33  2,83 MN/m 2  v Ed,0  1,64 MN/m 2

(4) Nachweis der Verbundbewehrung

Bemessungswert der aufnehmbaren Schubkraft bei Verzicht auf Verbundbewehrung:

v Rdi,c r  c  fctd     n
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Rauigkeitsbeiwerte:

c  0,4 ;   0,7 (raue Fuge)

Normalkraft senkrecht zur Fuge:

n  0

Bemessungswert der Betonzugfestigkeit (maßgebend ist hier die Ortbetonschicht):

fctk;0,05 1,5
fctd   ct   0,85   0,85 MN/m 2
C 1,5

v Rdi,c  0,4  0,85  0,34 MN/m 2  v Ed, j  1,47 MN/m 2

Es ist Verbundbewehrung erforderlich.

74
(5) Bemessungswert der aufnehmbaren Schubkraft einer Verbundbewehrung

vRdi,s = As / Ai · fyd · (1,2 ·  · sin  + cos )

Rauigkeitsbeiwerte und Neigung der Verbundbewehrung:

  0,7 (raue Fuge)

  90 (Verbundbewehrung kreuzt Fuge rechtwinklig)

v Ed,i  v Rdi,c 1,47  0,34


as   bi   0,42  10 4  12,99 cm²/m
f yd  ( 1,2    sin   cos  ) 435  1,2  0,7  1,0 

Verbundbewehrung gewählt: lotrechter 4-schnittiger Bügel Ø10/15

as,vorh = 20,94 cm2/m > 12,99 cm2/m = as,erf

(6) Verankerung der Verbundbewehrung

Grundwert der Verankerungslänge für eine Stahlspannung von sd = fyd:

lb,rqd = (/4) · (fyd/fbd)

mit fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd = 2,25 · 1,0 · 1,0 ·1,0 = 2,25 N/mm²

fctd = ct · fctk;0,05/c = 1,0 · 1,5/1,50 = 1,0 N/mm²

1 = 1,0 für gute Verbundbedingungen

2 = 1,0 für  ≤ 32 mm

fctk;0,05 = 1,50 N/mm² für C20/25 (maßgebend ist hier die Ortbetonschicht)

ct = 1,0 Dauerstandsbeiwert, nur bei der Ermittlung der Verbundspannung fbd
(/1.1/, NDP zu 3.1.6 (2))

C = 1,50 Teilsicherheitsbeiwert Beton

lb,rqd = 10/4·435/2,25 = 483 mm

Bemessungswert der Verankerungslänge:


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lbd = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · lb,rqd · as,erf/as,vorh ≥ lb,min

mit 1 = 0,7 Einflussfaktor „Stabform“ für Stäbe mit Haken unter Zug

2 = 1,0 Einflussfaktor „Betondeckung“, in der Regel mit 1,0 anzusetzen

3 = 1,0 Einflussfaktor „nicht an die Hauptbewehrung angeschweißte Quer-


bewehrung“

4 = 1,0 Einflussfaktor „angeschweißte Querbewehrung“

5 = 2/3 Einflussfaktor „Querdruck“ (sinngemäß wie für Längsbewehrung),


Abminderung entsprechend /1.1/, NCI zu 8.4.4 (2), Tabelle 8.2
aufgrund der allseitig durch Bewehrung gesicherten Betondeckung

lbd = 0,7 · 1,0 · 1,0 · 1,0 · 2/3 · 483 · 12,99/20,94 = 140 mm

lb,min = max {0,3 · 1 · 4 · lb,rqd; 6,7 · )


= max {0,3 · 0,7 · 1,0 · 483 = 101 mm; 6,7 · 10 = 67 mm) = 101 mm

lb,vorh = hOrtbeton – cv,b = 180 – 30 = 150 mm ≥ 140 mm

75
Reicht die vorhandene Verankerungslänge nicht aus, so besteht die Möglichkeit der Verringerung des
verwendeten Stabdurchmessers sowie der Erhöhung der Dicke und / oder der Druckfestigkeitsklasse
der Ortbetonschicht und der Bewehrungsfläche.

(7) Abstände

Im vorliegenden Fall werden die Bügel als Verbund- und Querkraftbewehrung genutzt, daher sind die
Konstruktionsregeln für Querkraftbewehrung anzuwenden.

Größter Längsabstand (Querkraftnachweise hier nicht gezeigt):

smax,l = 0,5 · h = 0,5 · 580 = 290 mm für 0,30 · VRd,max ≤ VEd ≤ 0,60 · VRd,max

smax,l,vorh = 150 mm < 290 mm

Größter Querabstand

smax,q = h = 580 = 580 mm

smax,q,vorh ≈ 150 mm < 580 mm

(8) Darstellung der Bewehrung


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Bild 7-11: Bewehrung des Plattenbalkens

76
8 Durchstanzbewehrung
8.1 Allgemeines
Insbesondere im Bereich der Decken-Stützenverbindungen entstehen bei Flachdecken hohe Momenten-
und Querkraftbeanspruchungen, die sowohl ein Biegeversagen als auch ein lokales Querkraftversagen
verursachen können. Das lokale Querkraftversagen wird in der Literatur als Durchstanzen bezeichnet. Mit
steigender Belastung entstehen erst radiale und danach tangentiale Biegerisse, die sich in der Platte als
zum Stützenanschnitt geneigte Risse fortsetzen. Durch das Risswachstum erfolgt der Lastabtrag verstärkt
über einen Druckring am unteren Stützenanschluss, bis eine weitere Kraftaufnahme nicht mehr möglich ist
und die Stütze in die Platte eindringt. Der Bruch tritt mit zunehmender Verformung ohne eine ausgeprägte
Vorankündigung ein. Dem lokalen Durchstanzen folgt ein progressiver Kollaps des Deckenfeldes, wenn
keine Notfallbewehrung (über den Stützen verlaufende, durchgehende Feldbewehrung) vorgesehen wird.

Beim Durchstanznachweis ergeben sich aufgrund der mehraxialen Beanspruchung des Betons vor der
Stütze (Druckring) höhere Querkrafttragfähigkeiten als beim einaxialen Lastabtrag. Ist der Durchstanz-
widerstand der Platte ohne Querkraftbewehrung nicht ausreichend, lässt er sich mit einer Durchstanz-
bewehrung deutlich steigern. Allerdings ist die Verankerung der Durchstanzbewehrung in Flachdecken
wegen der im Vergleich zu Balken geringen Bauteildicke besonders sorgsam zu planen und auszuführen. Im
Durchstanzbereich dürfen daher nur Bewehrungsformen vorgesehen werden, die keinen oder nur geringen
Verankerungsschlupf zulassen oder es ist eine reduzierte Stahlspannung anzusetzen. Durch beide Maß-
nahmen lässt sich das Wachstum der Schubrisse vermindern.

Die Bemessung gegen Durchstanzen ist in DIN EN 1992-1-1, Abschnitt 6.4, geregelt /1.1/. Für eine Anwen-
dung in Deutschland wurden die Regelungen aus EC2 überprüft und die erforderlichen Änderungen im
Nationalen Anhang für Deutschland, EC2/NA:DE angegeben. Weitere Erläuterungen zum
Durchstanztragverhalten und zur konstruktiven Durchbildung sind in Heft 600 gegeben /1.9/. Die nach
EC2/NA:DE zulässigen Bewehrungsformen und die konstruktive Durchbildung für eine robuste Ausführung
des Durchstanzbereichs werden in den folgenden Abschnitten vorgestellt.

8.2 Tragverhalten
Aufgrund der hohen Schlankheit von Flachdecken ergeben sich im Bruchzustand flache Rissneigungen
(Bild 8-1). Für Flachdecken wird nach EC2 der rechnerische Nachweisschnitt u1 im Abstand von 2,0d zum
Rand der Lasteinleitung festgelegt (d = statische Nutzhöhe).
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a) ohne Durchstanzbewehrung b) mit Durchstanzbewehrung


Bild 8-1: Rissbild im Sägeschnitt von Versuchen ohne und mit Durchstanzbewehrung aus /8.1/
Bei Einzelfundamenten und Bodenplatten sind bedingt durch die geringere Schubschlankheit und den dem
Durchstanzen entgegengerichteten Sohldruck deutlich steilere Rissneigungen zu beobachten /8.2/, /8.3/.
(Bild 8-2). Da das Tragverhalten entscheidend von der Rissneigung beeinflusst wird, ist der Durchstanz-
widerstand zusätzlich von der Schubschlankheit und Größe des Sohldrucks abhängig. Aus diesem Grund ist
der Abstand vom Stützenrand zum kritischen Rundschnitt (acrit) nicht von vorneherein bekannt.

77
al/d = 1,25 al/d = 2,00
al

Bild 8-2: Sägeschnitt und Versagensriss aus Durchstanzversuchen an Einzelfundamenten aus /8.4/

8.3 Bemessung
Die Bestimmungsgleichung für den Durchstanzwiderstand in EC2, Gleichung (6.47), entspricht formal der in
DIN 1045-1, Gleichung (105). Unterschiede bestehen in den beiden Vorfaktoren CRd,c = 0,18/C für den
Betontraganteil und k1 = 0,10 für den Traglast steigernden Einfluss des Normalspannungsanteils aus Druck-
spannung. Beide Vorfaktoren sind in EC2 kleiner als in DIN 1045-1. Durch den in EC2 größeren Abstand
zum kritischen Rundschnitt und der daraus resultierenden größeren Länge (EC2 im Abstand 2,0d (Bild 8-3),
DIN 1045-1 im Abstand 1,5d) ergeben sich jedoch etwa gleich große Widerstände:

vRd,c = CRd,c · k · (100 · l · fck)1/3 + k1 · cp ≥ vmin + k1 · cp (8.1)


Der Durchstanzwiderstand von Fundamenten wird mit der durch den zusätzlichen Faktor (2d/a) modifizierten
Bemessungsgleichung für Platten (Gleichung (8.1)) bestimmt, mit d der statischen Nutzhöhe und a = acrit
dem Abstand des Stützenanschnittes zum maßgebenden Rundschnitt. Bei zunehmendem Abstand des
kritischen Rundschnitts von der Stütze wird das Verhältnis (2d/a) kleiner und die durch den Beton
aufnehmbare Schubspannung wird reduziert. Die Fläche innerhalb des kritischen Rundschnitts und damit die
Summe des entlastenden Sohldrucks wird jedoch größer. Aufgrund dieser beiden gegenläufigen Einflüsse
ist eine iterative Bestimmung der Lage des kritischen Rundschnitts erforderlich. Der maßgebende Abstand
a = acrit ergibt sich für die kleinste aufnehmbare Durchstanzlast (Bild 8-3).
VEd

acrit al

u1 b d
ucrit
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d
c 2d b = iterativ
b = 26,6°
VEd sgd
Bild 8-3: kritischer Rundschnitt bei Flachdecken im Abstand 2d (links) und bei gedrungenen
Fundamenten (rechts)
Mit einer Durchstanzbewehrung lässt sich der Durchstanzwiderstand von Flachdecken und Fundamenten
deutlich steigern. Durch Bügel oder Schrägstäbe ist nach EC2/NA:DE /1.1/, Gleichung (NA.6.53.1), eine
Erhöhung des Durchstanzwiderstands gegenüber Platten ohne Querkraftbewehrung von bis zu 40 % mög-
lich /8.9/, /8.10/.
vRd,max = 1,4 · vRd,c (8.2)
mit vRd,c der Tragfähigkeit der nicht durchstanzbewehrten Platte.

8.4 Konstruktive Durchbildung


8.4.1 Bewehrungstechnik
Nach EC2 sind nur Bügel und Schrägstäbe als Durchstanzbewehrung zulässig. Schubzulagen, Leiterkörbe
oder Unterstützungen sind als Durchstanzbewehrung nicht erlaubt. Andere Durchstanzbewehrungsformen

78
wie zum Beispiel Doppelkopfanker oder Gitterträger dürfen unter Beachtung der deutschen oder europäi-
schen Zulassungen eingesetzt werden.

Besonders in dünneren Platten ist die Verankerung der Durchstanzbewehrung sorgfältig zu planen und
auszuführen. Bei einer Bügelbewehrung ist darauf zu achten, dass in jeder Bügelecke ein Stab der Längs-
bewehrung angeordnet wird. Dabei ist das Umfassen der Stäbe einer Verlegerichtung ausreichend, sofern
diese mindestens 50 % der erforderlichen Summe der Bewehrung aus beiden Richtungen entspricht. Wer-
den die äußeren Lagen der Längsbewehrung durch die Bügel umfasst, ist die zulässige Betondeckung an
den Bügeln zu überprüfen. Das Bügelschloss bzw. die Öffnungen bei hutförmigen Bügeln sind in der Druck-
zone anzuordnen. Für das Schließen der Bügel gilt EC2/NA:DE, Bild 8.5DE. Neben der ausnutzbaren Stahl-
spannung der Bügel fywd,ef in Abhängigkeit der statischen Nutzhöhe ist bei Bügeln der Stabdurchmesser auf
s ≤ 0,05d zu begrenzen, um eine ausreichende Verankerung sicherzustellen (Bild 8-4).
In der Ausführungsplanung ist es erforderlich, die Lage der Bügel im Grundriss zu vermaßen und eine Ein-
baureihenfolge festzulegen. Wird im Durchstanzbereich einmal die Biegebewehrung in y- und einmal in
z-Richtung umfasst (Bügelausrichtung um 90° gedreht), ist die Schenkellänge der Bügel anzupassen. Unter-
schiedliche Stabdurchmesser der Längsbewehrung in der oberen und unteren umfassten Lage führen bei
gedrehter Ausrichtung der Bügel zu verschiedenen Längen der vertikalen Bügelschenkel. Sind die Bügel
nicht auf die Längsbewehrung abgestimmt und daher zu lang, ist eine schlupfarme Verankerung nicht si-
chergestellt.

Innerhalb des Rundschnittes u1 darf der tangentiale Abstand zweier lotrechter Bügelschenkel nicht größer
als 1,5d sein. Für die Bügel außerhalb des Bereiches 2,0d vom Stützenrand gilt ein maximaler tangentialer
Abstand von 2,0d (Bild 8-4). Durch die orthogonal verlegte Längsbewehrung sind baupraktische Lagetole-
ranzen einzelner Bügelschenkel in den Kreissegmenten erforderlich. Lotrechte Bügelschenkel dürfen zu
einer Bewehrungsreihe gerechnet werden, sofern diese in radialer Richtung maximal 0,2d vom Rundschnitt
abweichen und die tangentialen Abstände eingehalten werden /1.9/.
≥0,3d ≤0,75d Schnitt A-A
≤0,5d fs≤0,05d ≤0,5d
45° ≤ a ≤ 60° fs≤0,08d

a
d lbd d

≤1,5d 1,5d
Schnitt B-B ≤0,5d

lbd a
≤2
,0d
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fs≤0,05d ≤1,5d
d

Druckzone A A
>2,0

d
,2
≤0

≤1,5d

≤0,25d
≤2,0d
fs≤0,05d

B B
Druckzone >0,3d ≤0,75d ≤0,75d ≤0,75d
≤0,5d Schrägstäbe versetzt anordnen

Bild 8-4: Bügel und Schrägstäbe als Durchstanzbewehrung in Flachdecken


Werden Schrägstäbe als Durchstanzbewehrung vorgesehen, ist bei der Planung besonders im Knotenbe-
reich auf eine gute Betonierbarkeit zu achten. Um zu große Bewehrungskonzentrationen zu vermeiden,
dürfen die Schrägstäbe um bis zu 0,25d neben den Rand der Lasteinleitungsfläche ausgelagert werden.
Aufgrund der im Vergleich zu lotrechten Bügeln besseren Verankerung der horizontalen Abbiegungen dürfen
für Schrägstäbe Stabdurchmesser bis s ≤ 0,08d verwendet werden. Es darf eine Reihe Schrägstäbe, mit
einem maximalen Abstand von 1,5d am Fußpunkt bis zum Stützenrand, angeordnet werden. Zur besseren
Betonierbarkeit dürfen die Schrägstäbe abwechselnd versetzt angeordnet werden (Bild 8-4).

Für Schrägstäbe gelten die Regeln zur baulichen Durchbildung nach Bild 8-4. Die Neigung der Schrägstäbe
zur Mittelebene der Platte muss zwischen 45° und 60° betragen. Die horizontalen Abbiegungen müssen in

79
mindestens eine Bewehrungslage einbinden und sind mit dem Grundmaß der Verankerungslänge lbd zu
verankern. Sollen die Schrägstäbe auf die Notfallbewehrung angerechnet werden, ist mit der Feldbewehrung
ein Übergreifungsstoß auszubilden.

Aufgrund der steileren Rissneigung in Fundamenten besteht die Gefahr, dass die Durchstanzbewehrung
nicht im erforderlichen Umfang aktiviert wird. Daher sind die Abstände der Durchstanzbewehrungsreihen auf
0,3d für die erste Reihe zur Stütze hin und auf 0,5d für die weiteren Reihen untereinander zu verringern
/8.11/. Die engere Anordnung stellt sicher, dass jeder Schubriss von mindestens zwei vertikalen Bügel-
schenkeln gekreuzt und das Risswachstum wirksam begrenzt wird. Da zur Bestimmung der
Durchstanzbewehrung in Fundamenten auf einen Betontraganteil verzichtet wird, kann die
Durchstanzbewehrung vereinfacht als Aufhängefachwerk ermittelt werden. Als Aufhängebewehrung dürfen
die lotrechten Bügelschenkel in einem Bereich von 0,3d bis 0,8d vom Rand der Stütze angerechnet werden.
Sind außerhalb von 0,8d weitere Reihen Durchstanzbewehrung erforderlich, darf bei schlanken Fundamen-
ten der Abstand der Bügelschenkel in radialer Richtung auf 0,75d erhöht werden (Bild 8-5). Bei gedrungenen
Fundamenten ist der Abstand höchstens 0,5d. Ein Fundament wird als schlank eingestuft, wenn a/d > 2,0
gilt. Bei Einzelfundamenten ist a der Abstand zwischen Stützenanschnitt und Fundamentrand, bei Boden-
platten darf der kleinste Abstand zum Nullpunkt der radialen Plattenbiegemomente angenommen werden.

Für die Durchbildung von Bügeln und Schrägstäben als Durchstanzbewehrung in Fundamenten gelten die
gleichen Bestimmungen wie für Flachdecken.

≤0,3·d al/d ≤ 2,0 ≤0,3·d al/d > 2,0


al
0,5·d 0,5·d
0,5·d ≤0,75·d

Bild 8-5: Bügelabstände bei gedrungenen (links) und schlanken (rechts) Fundamenten
Als Durchstanzbewehrung können auch Schrägstäbe und Bügel kombiniert werden (Bild 8-6). Dazu ist
entlang der Nachweisschnitte eine ausreichende Durchstanztragfähigkeit sicherzustellen, indem die einwir-
kende Querkraft über Lasteinzugsflächen zugeordnet wird. Der Plattenbereich ist vom Stützenmittelpunkt
ausgehend in 12 bis 16 Querkraftsektoren (i = 22,5° bis 30°) einzuteilen /8.6/. Die resultierende Querkraft
VEd,i wird über die Summe der Belastung auf die Fläche außerhalb des kritischen Rundschnittes u1 bis zu
den Lastscheiden bestimmt. Der Durchstanznachweis ist erbracht, wenn die Schubspannung
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vEd,i = VEd,i/(uid) in allen Sektoren kleiner als der nach EC2 zulässige Widerstand vRd ist. Ist in einem Sektor
Durchstanzbewehrung erforderlich, ist in den anderen Sektoren wenigstens die Mindestdurchstanz-
bewehrung anzuordnen. Auf den Ansatz des Lasterhöhungsbeiwertes  darf bei Verwendung des
Sektormodells verzichtet werden (/1.9/, /8.1/, /8.4/).

Lastscheide
VEd,i
≤0,75·d

d Dui
Lastscheide

≤1,5·d ≤0,5·d 1,5·d

Dji

Bild 8-6: Abstände bei einer Kombination von Schrägstäben mit Bügeln sowie Nachweis der
Tragfähigkeit mit dem Sektormodell

80
Dem Durchstanzen eines Decken-Stützen-Knotens folgt in der Regel ein progressiver Kollaps des gesamten
Deckenfeldes. Zur Vermeidung eines fortschreitenden Versagens von punktförmig gestützten Platten ist
daher ein durchgehendes Zugband in der Platte auszubilden, indem ein Teil der Feldbewehrung über die
Lasteinleitungsfläche hinweggeführt bzw. dort verankert wird. Diese Längsbewehrung muss mindestens die
Querschnittsfläche As = VEd/fyk aufweisen. Dabei ist VEd der Bemessungswert der Querkraft mit F = 1,0.
Beim Durchstanzen von elastisch gebetteten Gründungskörpern darf wegen der Boden-Bauwerk-Interaktion
auf diese Notfallbewehrung verzichtet werden.

8.4.2 Besondere Aspekte der Bauausführung


Bei Flachdecken beträgt die Bewehrungsmenge der oberen Biegezugbewehrung im Durchstanzbereich in
der Regel ein Mehrfaches der unteren Feldbewehrung. Während über der Stütze oft 20-28 mm inselartig
angeordnet werden, besteht die Feldbewehrung aus einer durchgehend verlegten Stabstahlbewehrung mit
8-12 mm. Im stützennahen Bereich sind in der Regel daher im Vergleich zu den Feldbereichen Unterstüt-
zungen mit geringeren Bauhöhen erforderlich, um die Lage der oberen Bewehrung und die Betondeckung
sicherzustellen. Gleichzeitig ergibt sich im Vergleich zum Feldbereich eine geringere statische Nutzhöhe.

Wird zur Steigerung des Durchstanzwiderstandes eine Durchstanzbewehrung vorgesehen, sind die Anord-
nung der Biegebewehrung und der Durchstanzbewehrung aufeinander abzustimmen, um ein Herausschnei-
den einzelner Stäbe der Biegebewehrung bei der Montage zu vermeiden. Ist dies zum Einbau der
Durchstanzbewehrung dennoch erforderlich, ist der Durchstanznachweis mit einem reduzierten Längsbe-
wehrungsgrad erneut zu führen.

8.5 Spezielle Bewehrungstechnik


8.5.1 Allgemeines
Für andere Durchstanzbewehrungsformen wie Doppelkopfanker, Gitterträger oder Stahleinbauteile sind
bauaufsichtliche Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik oder Europäische Zulassungen (ETA:
European Technical Approval) erforderlich. Sie regeln den Einsatz der Systeme im Durchstanzbereich von
Flachdecken und Fundamenten. Im Zulassungsverfahren wird experimentell die Leistungsfähigkeit des
Produktes im geplanten Anwendungsbereich nachgewiesen und ein Bemessungskonzept festgelegt. In den
letzten Jahren wurden die bauaufsichtlichen Zulassungen auf Grundlage von DIN 1045-1 erteilt und werden
zurzeit auf EC2 umgestellt. Im Folgenden werden die Regelungen nach DIN 1045-1 für übliche Systeme
vorgestellt /8.7/, /8.8/.

8.5.2 Doppelkopfanker
Durch die an den Enden aufgestauchten Köpfe mit dem zumeist dreifachen Schaftdurchmesser (K = 3A)
wird im Vergleich zu Bügeln eine deutlich schlupfärmere Verankerung erzielt. Dies führt besonders in dün-
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nen Platten zu einer Traglaststeigerung gegenüber Bügeln, da mit der besseren Verankerung geringere
Schubrissbreiten verbunden sind /8.9/. Doppelkopfanker werden in Deutschland mehrheitlich aus gerippten
Betonstahl hergestellt (Bild 8-7).

fK

fA
hA

Bild 8-7: Doppelkopfanker und Systemelemente mit Montageleiste


Um eine möglichst hohe Verlegegenauigkeit zu erreichen, werden die Doppelkopfanker als Systemelement
mit zwei oder mehreren Ankern vorgefertigt und ausgeliefert (Bild 8-7). Dabei wird die Montageleiste mit

81
einem Überstand ausgeführt, der dem Abstand des ersten Ankers zur Stütze und bei Kombination zweier
Systemelemente auch der Anker untereinander entspricht. Der Einbau kann je nach Ausbildung der Monta-
gehilfen nachträglich von oben oder vor dem Verlegen der unteren Biegebewehrung sowohl in Elementplat-
ten als auch in Ortbetonplatten erfolgen. Die Länge der Doppelkopfanker hA ist so zu wählen, dass die
Ankerköpfe mindestens bis zu den Außenkanten der äußeren Bewehrungslagen reichen. Die Mindestanfor-
derungen der Betondeckung gelten für die Ankerköpfe, da in der Regel die Montageleiste keine statische
Relevanz besitzt.

Neben der höheren Durchstanztragfähigkeit von 90 % gegenüber einer Platte ohne Durchstanzbewehrung
nach DIN 1045-1 hat insbesondere der deutlich einfachere und schnellere Einbau der Doppelkopfanker zu
einer weiten Verbreitung geführt. Zusätzlich zu den gerippten Doppelkopfankern aus Betonstahl B 500 gibt
es weitere Varianten mit glattem Schaft (für Platten mit statischer Nutzhöhe bis 300 mm), geringerer Streck-
grenze oder kleinerem Verhältnis von Kopf- zu Schaftdurchmesser. Die Bemessung wird ebenfalls über
bauaufsichtliche Zulassungen geregelt.

8.5.3 Gitterträger
Gitterträger wurden ursprünglich als Verbund-, Transport- und Montagebewehrung für den Einsatz in Ele-
mentdecken entwickelt. Inzwischen können Gitterträger je nach Ausführung als Verbund-, Querkraft- und
Durchstanzbewehrung in Fertigteilen oder Ortbeton eingesetzt werden. Sie bestehen üblicherweise aus
einem Obergurtstab und zwei Untergurtstäben, zwischen denen geformte Betonstähle verlaufen. Je nach
Ausführung und Hersteller bilden diese abwechselnd ansteigende und fallende Diagonalen oder abwech-
selnd Vertikal- und Diagonalstäbe, die mit den Gurten kraftschlüssig verschweißt sind.

Für den Einsatz im Durchstanzbereich sind nur Gitterträger zugelassen, die aus einer Vertikal-/Diagonalstab
Kombination bestehen. Beim Einbau sind die Gitterträger mit zum Auflager hin ansteigenden Diagonalen
anzuordnen, damit der Winkel zwischen dem geneigten Durchstanzriss und dem Diagonalstab möglichst
groß ist. Ein Einbau der Gitterträger parallel zum Auflagerrand ist ebenfalls möglich, wobei allerdings nach
den aktuellen Zulassungen die parallel zum Auflagerrand angeordneten Diagonalstäbe für den Lastabtrag
nicht angesetzt werden dürfen. Abhängig von der Ausbildung der Gitterträger darf nach der bauaufsichtli-
chen Zulassung die obere Bewehrungslage ganz oder teilweise auf den Gitterträgerobergurten gestapelt
werden. Mit Gitterträgern sind Traglaststeigerungen zwischen 25 % und 70 % gegenüber einer Platte ohne
Durchstanzbewehrung nach DIN 1045-1 möglich.

8.5.4 Stahleinbauteile
Kann mit herkömmlichen Durchstanzbewehrungsformen aus Betonstahl der geforderte Tragwiderstand nicht
erreicht werden, können Konstruktionen aus Baustahl den erforderlichen Traglastzuwachs erzielen
(Bild 8-8). Die Stahleinbauteile wirken wie eine Stützenkopfverstärkung, die den kritischen Durchstanzkegel
nach außen verlagert und somit die Durchstanztragfähigkeit deutlich erhöht. Bei einer ausreichenden Steifig-
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keit der Stahleinbauteile tritt dabei das Versagen außerhalb des Einbauteiles auf. Soll die Durchstanz-
tragfähigkeit weiter gesteigert werden, ist der Einsatz einer Durchstanzbewehrung außerhalb der Stahlein-
bauteile denkbar. Allerdings fehlen zurzeit noch die entsprechenden Regelungen in den Zulassungen.

Bild 8-8: Stahleinbauteile im Durchstanzbereich


Aufgrund der höheren Herstellkosten der Stahleinbauteile ist der Einsatz auf Spezialanwendungen begrenzt.
Hauptsächlich werden Stahleinbauteile in Verbindung mit Verbundstützen eingesetzt. Durch die vergleichs-
weise kleinen Stützendurchmesser der Stahlverbundstützen ist der Nachweis mit anderen Durchstanz-
bewehrungsformen häufig nicht möglich. Der maximale Durchstanzwiderstand von Stahleinbauteilen wird im
Wesentlichen durch die Steifigkeit und Größe des Einbauteils bestimmt.

82
8.6 Beispiel
Gegeben ist eine Flachdecke aus C30/37 mit h/d = 30/25 cm und regelmäßigem Stützenraster
(Lx/Ly = 6,50/6,00 m). Aus der statischen Berechnung ergibt sich im Bereich der Innenstütze die erforderliche
Bewehrung:

Obere Lage:

Längsbewehrung über der Stütze, innerer Gurtstreifen (0,1·L): As,y,erf = 19,7 cm²; As,z,erf = 16,0 cm²
Längsbewehrung über der Stütze, äußerer Gurtstreifen (0,1·L): As,y,erf = 12,2 cm²; As,z,erf = 10,1 cm²
Längsbewehrung über der Stütze, Feldstreifen: As,y,erf = 5,0 cm²; As,z,erf = 5,0 cm²

Untere Lage:

im Bereich der Stütze: konstruktiv


als Notfallbewehrung: VEd = 0,576 MN (mit γF = 1,0)
As,erf = VEd/fyk = 0,576/500 = 11,5 cm²

Durchstanzbewehrung:

(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C30/37, B500A, c = 1,50, s = 1,15
Statische Nutzhöhe: dy = 0,24 cm, dz = 0,26 cm  dm = 0,25 cm
Stützenabmessungen: c = c1 = c2 = 0,30 m
Belastung: VEd = 0,806 MN
(2) Kritischer Rundschnitt
Rundschnitt Lasteinleitung:
u 0  4  0,30  1,20 m  u 0 / d  1,20 / 0,25  4,80  12  geschlossener kritischer Rundschnitt u1

Kritischer Rundschnitt:
u1  2  (2  c    2,00  d )  2  (2  0,30    2,00  0,25)  4,34 m

(3) Maximal aufzunehmende Schubspannung: Gleichung (6.38)


v Ed  (   VEd ) /(u i  d )
mit VEd  0,806 MN
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 = 1,10 (Innenstütze, ausgesteiftes System l1/l2 ≤ 1,25)


v Ed  (1,10  0,806 ) /( 4,34  0,25 )  0,817 MN/m²

(4) Querkrafttragfähigkeit ohne Durchstanzbewehrung: Gleichung (6.47)

v Rd,c  CRd,c  k  (100   l  fck )1/ 3  0,10   cp  (v min  0,10   cp )


mit CRd,c  0,18 /  C  0,18 / 1,50  0,12 für u 0 / d  4,80  4

k  1  200 / d  1  200 / 250  1,89  2,00


l :
Annahme: Die letzte Bewehrungsreihe befindet sich im Abstand 2,0d vom Stützenanschnitt
b = 2 · (2,00 + 3,00) · d + c = (2 · (2,00 + 3,00) · 0,25 + 0,30 = 2,80 m
 l,y  As,y,b280 /(b  d y )  ((12  1,6 2  13  2,0 2 )   / 4) /(280  26)  0,0089
 l,z  As,z,b280 /(b  d z )  ((10  1,6 2  11 2,0 2 )   / 4) /(280  24)  0,0081
 l   l,y   l,z  0,0089  0,0081  0,0085  0,02  0,5  fcd / f yd  0,5  17 / 435  0,02
 cp  0

83
1/ 2
v min  0,0525 /  c  k 3 / 2  f ck  0,0525 / 1,50  1,89 3 / 2  30 1/ 2  0,498 MN/m²

v Rd,c  0,12  1,89  (100  0,0085  30)1/ 3  0,668 MN/m²  0,498 MN/m²  v min  vRd,c ist maßgebend!
v Rd,c  0,668 MN/m²  0,817 MN/m²  v Ed  Durchstanzbewehrung ist erforderlich!

(5) Tragfähigkeit der Betondruckstreben: Gleichung (NA 6.53.1)


v Rd,max  1,40  v Rd,c  1,40  0,668  0,935 MN/m²  0,817 MN/m²  v Ed
 vEd kann mit Durchstanzbewehrung aufgenommen werden!
(6) Abgrenzung des durchstanzbewehrten Bereiches: Gleichung (6.54)
Querkrafttragfähigkeit außerhalb des durchstanzbewehrten Bereiches:
v Rd,c,out  0,15 / 1,50  1,89  (100  0,0079  30)1/ 3  0,543 MN/m²

mit  l,y,out  ((100 / 10  1)  1,6 2   / 4) /(100  26)  0,0085


 l,z,out  ((100 / 13  1)  1,6 2   / 4) /(100  24)  0,0073

 l,out   l,y,out   l,z,out  0,0085  0,0073  0,0079  0,02  0,5  fcd / f yd  0,5  17 / 435  0,02

Erforderliche Länge des äußeren Rundschnitts:


u out  (   VEd ) /(v Rd,c,out  d )  (1,10  0,806) /(0,543  0,25)  6,53 m

Abstand äußerer Rundschnitt von ALoad:


u out  u 0  2  aout
 aout  (u out  u 0 ) / 2  (6,53  1,20 ) / 2  0,85 m  3,40d
 l w  (3,28  1,50 )d  1,78d (Bereich mit Durchstanzbewehrung)
mit lw: Länge zwischen Stützenanschnitt und letzter Bewehrungsreihe
 3 Reihen Durchstanzbewehrung erforderlich (Bügelbewehrung 90°)
(7) Gewählte Bügelbewehrung 90°
Gewählte Reihenabstände vom Stützenanschnitt:
 1. Bewehrungsreihe 0,50d
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 2. Bewehrungsreihe 1,25d (sr = 0,75d)


 3. Bewehrungsreihe 2,00d (sr = 0,75d)
(8) Grundbewehrungsmenge je Reihe: Gleichung (6.52)
v Rd,s  0,75  v Rd,c  1,5  d / sr  ( Asw  f ywd,ef  sin ) /(u1  d )
mit f ywd,ef  250  0,25  d  250  0,25  0,25  10 3  312,5 MN/m²  435 MN/m²  f ywd
sin   sin(90 )  1,0

 Asw  ((v Ed  0,75  v Rd,c )  u1  d ) /(1,5  (d / sr )  f ywd,ef )


 ((0,806  0,75  0,668 )  4,34  0,25 ) /(1,5  (1/ 0,75 )  312,5)  5,3 cm²

(9) Erforderliche Bewehrungsmenge je Reihe


1. Bewehrungsreihe im Abstand 0,50d = 12 cm: Asw,1,erf   sw,1  Asw  2,5  5,3  13,3 cm²
2. Bewehrungsreihe im Abstand 1,25d = 31 cm: Asw,2,erf   sw,2  Asw  1,4  5,3  7,4 cm²
3. Bewehrungsreihe im Abstand 2,00d = 50 cm: Asw,3,erf   sw,3  Asw  1,0  5,3  5,3 cm²

84
(10) Konstruktionsregeln der Durchstanzbewehrung nach 9.4.3
Maximaler Stabdurchmesser:
max  sw  0,05d  0,05  250  12,5 mm  gewählt:  sw  10 mm

Maximaler tangentialer Abstand der Bügelschenkel:


- innerhalb des kritischen Rundschnitts: s t  1,50  d  1,50  0,25  0,38 m
- außerhalb des kritischen Rundschnitts: s t  2,00  d  2,00  0,25  0,50 m

Mindestbewehrung:
1. Bewehrungsreihe im Abstand 0,50d = 12 cm:
uAsw,1  2  (2  0,30    0,50  0,25)  1,99 m
Asw,1,min  0,08 / 1,5  fck / fyd  sr  st  0,08 / 1,5  30 / 500  0,75  0,25  1,99  104  2,2 cm²
 nicht maßgebend!

2. Bewehrungsreihe im Abstand 1,25d = 31 cm:


uAsw,2  2  (2  0,30    1,25  0,25)  3,16 m
Asw,2,min  0,08 / 1,5  fck / fyd  sr  st  0,08 / 1,5  30 / 500  0,75  0,25  3,16  10 4  3,5 cm²
 nicht maßgebend!

3. Bewehrungsreihe im Abstand 2,0d = 50 cm:


uAsw,3  2  (2  0,30    2,00  0,25)  4,34 m
Asw,3,min  0,08 / 1,5  fck / fyd  sr  st  0,08 / 1,5  30 / 500  0,75  0,25  4,34  104  4,8 cm²
 nicht maßgebend!
(11) Gewählte Durchstanzbewehrung
1. Bewehrungsreihe im Abstand 0,50d = 12 cm: 18 Schenkel 10 mit Asw,1,vorh = 14,1 cm²
2. Bewehrungsreihe im Abstand 1,25d = 31 cm: 18 Schenkel 10 mit Asw,2,vorh = 14,1 cm²
3. Bewehrungsreihe im Abstand 2,00d = 50 cm: 18 Schenkel 10 mit Asw,3,vorh = 14,1 cm²
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85
Durchstanzbewehrung und Durchstanzbewehrung und konstruktive
Biegezugbewehrung (obere Lage) Längsbewehrung (untere Lage)

3 5

15 15 15 15 15 15 15 15 15 15 15
B B

14 16 13 14
34

A A
5
37
≤3
7

7
≤3

3
9 11 14 16 13 13 16 14 11 9
Bügelanordnung im Querschnitt
A-A 2 B-B 2 4 19
10 1 f 10
30 24 2 f 20, l = 5,00 m
3 f 16, l = 5,00 m
cnom 1 5 4 1 5 4 43
cnom 4 Bügel f 10
= 25 mm = 25 mm fbr = 40 mm
30 30 5 4f14, l = 2,00 m

Bild 8-9: Bewehrungsausbildung an der Innenstütze mit Hutbügeln als Durchstanzbewehrung

Alternativ wird eine Durchstanzbewehrung aus Doppelkopfankern dargestellt.


Doppelkopfanker als Durchstanzbewehrung und Biegezugbewehrung (obere Lage)

Anordnung Doppelkopfanker im Querschnitt


101010101010 6 14 12 6 111010 9 1110

A-A 2

30
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cnom 1 5
A A
= 25 mm
30
25,5

f14

9,5 19 19 9,5

13 13 13 13 14 12 13 13 13 13 13
Bild 8-10: Bewehrungsausbildung der Innenstütze mit Doppelkopfankern als Durchstanzbewehrung

86
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Bild 8-11: Ausschnitt aus Bewehrungsplan der oberen Bewehrung einer Flachdecke im Bereich der
Innenstütze

87
9 Scheibenwirkung von Ortbeton- und Fertigteildecken
9.1 Allgemeines
Die räumliche Stabilisierung eines Bauwerks erfordert in der Regel die Ausbildung der Decken als horizontal
aussteifende Tragelemente (Scheiben). Horizontalkräfte aus Wind und Schiefstellung von Stützen und
Wänden sowie gegebenenfalls aus Erddruck und Erdbeben werden über die Deckenscheiben zu den verti-
kal aussteifenden Tragelementen weitergeleitet. Die Scheibe muss Teil eines wirklichkeitsnahen Trag-
werksmodells sein, das die Verträglichkeit der Verformungen der aussteifenden Bauteile berücksichtigt. Die
Auswirkungen der resultierenden horizontalen Verschiebungen auf alle Teile des Tragwerkes sind zu be-
rücksichtigen.

9.2 Tragverhalten
In den Deckenscheiben kommt es zu einem Lastabtrag, der analog zu wandartigen Trägern (vergleiche
Kapitel 13) durch ein Bogen-Zugbandmodell oder ein Fachwerkmodell beschrieben werden kann (Bild 9-1).

Bild 9-1: Lastabtrag in Deckenscheiben

9.3 Bemessung
Die Ermittlung der Druck- und Zugkräfte kann je nach Abmessung mithilfe der Balkentheorie
(bei leff/h ≥ 3 /1.1/) oder unter Anwendung von Stabwerkmodellen erfolgen. Regeln zur Modellfindung sind in
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/9.1/ enthalten. Die Bemessung der Druckstreben, Zugstreben und Knoten muss nach /1.1/, Abschnitt 6.5,
(Stabwerkmodelle) erfolgen. Die Bewehrung ist entsprechend der im Tragwerksmodell auftretenden Zugkräf-
te anzuordnen.

Bauwerke, die nicht für außergewöhnliche Ereignisse bemessen sind, müssen nach /1.1/, Abschnitt 9.10, ein
geeignetes Zuggliedsystem aufweisen, um alternative Lastpfade bei einer örtlichen Schädigung zu ermögli-
chen. Hieraus ergeben sich Mindestanforderungen für Ringanker und innere Zuganker (s. Abschnitt 9.4.4).

Bei Decken aus Fertigteilen muss außerdem nach /1.1/, Abschnitt 6.2.5, nachgewiesen werden, dass die
Druckkräfte der Druckstreben des Fachwerkmodells von einem Deckenelement auf das benachbarte De-
ckenelement durch Schubkräfte übertragen werden können (Bild 9-2). Bei rauen, glatten und sehr glatten
Fugen muss die Schubtragfähigkeit nach /1.1/, Abschnitt 10.9.3 (12), eingeschränkt werden.

88
Bild 9-2: Schubkräfte zwischen benachbarten Fertigteilen

9.4 Konstruktive Durchbildung


9.4.1 Ortbeton-Vollplatten
Bei einer Ortbetonkonstruktion muss die Wirkung als Deckenscheibe durch die eingelegte Bewehrung si-
chergestellt werden. Zugbänder sind analog zu den Regeln für Zugbänder von wandartigen Trägern /9.2/
anzuordnen und zu verankern.

An freien (ungestützten) Rändern (Ausnahme Innenbauteile) ist nach Bild 9-3 eine Randverbügelung anzu-
ordnen.

Bild 9-3: Randverbügelung von freien Plattenrändern nach /1.1/, Abschnitt 9.3.1.4

Die Randverbügelung darf auch in der 2. Bewehrungslage angeordnet werden (Bild 9-4).
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Bild 9-4: Randverbügelung von freien Rändern in 2. Bewehrungslage

9.4.2 Fertigteildecken mit Aufbeton


Deckenscheiben, die aus Fertigteilplatten mit nachträglicher Ortbetonergänzung bestehen und bei denen die
Verbundwirkung nachgewiesen wurde, können hinsichtlich der Scheibenwirkung grundsätzlich wie Vollplat-
ten behandelt werden.

Freie Ränder sind wie bei Vollplatten zu verbügeln (Bild 9-5 a)). Sofern eine Verbundbewehrung nach /1.1/,
Abschnitt 6.2.5, oder bauaufsichtlich zugelassene Gitterträger zur Sicherung der Verbundwirkung zwischen
Fertigteilplatte und nachträglicher Ortbetonergänzung angeordnet werden, darf der Steckbügel bei ausrei-
chender Bauteilhöhe auch auf die Fertigteilplatte aufgelegt werden (Bild 9-5 b)).

89
a) Steckbügel (Standard) b) Steckbügel auf der Fertigteilplatte bei
vollflächiger Verbundbewehrung
Bild 9-5: Randverbügelung von freien Plattenrändern bei Fertigteilen mit Aufbeton

9.4.3 Fertigteildecken ohne Aufbeton


Die Scheibenwirkung bei einer Decke aus Fertigteilelementen ohne Aufbeton muss über die kraftschlüssige
Verbindung von Zugpfosten und Ringanker und den Verguss der Fugen sichergestellt werden. Hierzu muss
die Fugenbewehrung am Randglied ausreichend verankert sein (Bild 9-6). Die Fuge muss ausreichend Platz
für die Fugenbewehrung auch im Stoßbereich bieten und das Verdichten des Fugenmörtels ermöglichen.
Zur Sicherstellung eines ausreichenden Verbundes und des Korrosionsschutzes ist bei der Wahl des maxi-
malen Stabdurchmessers das geforderte Nennmaß der Betonüberdeckung cnom zu berücksichtigen. Es sind
geeignete Abstandhalter zu verwenden. Sollte aufgrund der Fugengeometrie die Verwendung von Abstand-
haltern nicht möglich sein, ist von mäßigen Verbundbedingungen nach /1.1/, Abschnitt 8.4, auszugehen.

Bild 9-6: Einbindung der Fugenbewehrung in das Zugband


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In der Regel wird das gesamte Zugband aus der Scheibenbemessung über ein Zugglied am Rand aufge-
nommen. Gegebenenfalls kann die Zugkraft bei Deckensystemen aus mehreren Fertigteilelementen auch
auf mehrere Fugen verteilt werden.

Die zur Übertragung der in Fugenlängsrichtung wirkenden Kräfte erforderliche Bewehrung quer zur Fuge
darf in den Querfugen konzentriert werden.

9.4.4 Ring- und Zuganker zur Schadensbegrenzung bei außergewöhnlichen Ereignissen


Durch die Einhaltung nachfolgender Regeln erfüllt eine Deckenscheibe die Anforderungen nach /1.1/, Ab-
schnitt 9.10, die ein Versagen des Gesamtsystems ohne Vorankündigung verhindern sollen. Die nach /1.1/
bemessenen Ring- und Zuganker sind als Mindestbewehrung und nicht als zusätzliche Bewehrung vorgese-
hen. Für Ring- und Zuganker dürfen grundsätzlich die Bewehrungen in Fertigteildecke und Aufbeton ange-
setzt werden.

Der Betonstahl darf bei außergewöhnlichen Ereignissen bis zu seiner charakteristischen Streckgrenze
ausgenutzt werden (siehe Gleichung (9.1)).
F
As,erf  (9.1)
fyk

mit fyk: charakteristischer Wert der Streckgrenze des Betonstahls

90
Bild 9-7: Ring- und Zuganker für außergewöhnliche Ereignisse nach /1.1/, Abschnitt 9.10.2.3

Die Ringanker A sind innerhalb eines Randabstandes von 1,2 m durchlaufend anzuordnen. Die Plattenbe-
wehrung in diesem Bereich darf hierzu angerechnet werden (Bild 9-8). Der Ringanker darf Bewehrung
einschließen, der Teil der inneren Zuganker ist. Der Ringanker muss die Zugkraft nach Gleichung (9.2)
aufnehmen können.

Ftie,per = li · 10 kN/m ≥ 70 kN (9.2)

mit Ftie,per: Zugkraft des Ringankers


li: Spannweite des Endfeldes rechtwinklig zum Ringanker
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Bild 9-8: Für einen Ringanker anrechenbare Plattenbewehrung

Um die Umlaufwirkung des Ringankers sicherzustellen, kann er nach /1.1/, Abschnitt 9.10.2.2 (2), mit
l0 = 2·lb,rqd (lb,rqd mit fyd) gestoßen werden. Die Verbindung des Ringankers darf auch durch geeignete mecha-
nische Verbindungen oder durch Verschweißen ausgeführt werden.

91
Mehrlagige Ringanker sind an Plattenecken nach Bild 9-9 oder Bild 9-10 auszubilden. Die hierbei erforderli-
chen Biegerollendurchmesser Dmin richten sich gemäß /1.1/, Tabelle 8.1DE, nach den jeweiligen örtlichen
Randbedingungen. Durch Stützen oder Wände eingetragener Druck senkrecht zur Scheibenebene ersetzt
dabei eine große Betondeckung.

Bild 9-9: Ringanker Eckausbildung Bild 9-10: Ringanker Eckausbildung


(analog Ringbalken)

Innen liegende Zuganker B sollen in zwei zueinander ungefähr rechtwinkligen Richtungen angeordnet
werden. Sie müssen über ihre Länge wirksam durchlaufend sein und an jedem Ende in den Ringankern
verankert werden, sofern sie nicht als horizontale Zuganker zu Stützen oder Wänden fortgesetzt werden. Die
innen liegenden Zuganker dürfen entweder insgesamt in den Deckenscheiben liegen oder ganz oder teilwei-
se in anschließenden Balken oder Wänden angeordnet werden. In Wänden sind sie in der Regel nicht mehr
als 0,5 m über oder unter den Deckenplatten einzulegen.

Bei Ortbetonvollplatten und Fertigteildecken mit Aufbeton müssen die Zuganker in jeder Richtung in der
Lage sein, folgenden Bemessungswert der Zugkraft aufnehmen zu können:

Ftie,per = 20 kN/m nach /1.1/ (≙ 0,4 cm² je Meter Plattenbreite)

Bei Fertigteildecken ohne Aufbeton können die Zuganker nicht flächig in der Spannrichtung und rechtwinklig
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dazu verteilt werden. Vielmehr ist eine Bewehrung in der Fuge zwischen den einzelnen Deckenelementen
anzuordnen und im Ringanker zu verankern. Diese ist für die Mindestkraft nach Gleichung (9.3) zu bemes-
sen:

Ftie = 20 kN/m · (l1 + l2) ≥ 70 kN (9.3)

mit Ftie: Kraft des Ringankers (Zug)


l1, l2: Spannweite der benachbarten Deckenplatten rechtwinklig zur Fuge (Bild 9-7)

Randstützen und Außenwände sind horizontal in den Deckenscheiben in der Regel mit Bewehrung C zu
verankern, um ein robustes Tragwerksverhalten z. B. im Falle eines auftretenden Explosionsdruckes sicher-
zustellen. Die einzuleitenden Kräfte sind kraftschlüssig in die Deckenscheiben zu übertragen. Die Bemes-
sung der Anschlussrichtung richtet sich nach den Regeln in /1.1/, Abschnitt 9.10.2.4.

92
10 Stützen
10.1 Allgemeines
Stützen sind stabförmige Druckglieder, die überwiegend durch Normalkräfte beansprucht werden. In der
Praxis werden meist rechteckige und runde Querschnitte genutzt. Bei Stützen mit rechteckiger Querschnitts-
form darf die Querschnittshöhe h maximal das Vierfache der Querschnittsbreite b (h ≤ 4b) betragen, in
anderen Fällen ist das Bauteil als Wand anzusehen. Stützen weisen im Allgemeinen hohe Auslastungen bei
gleichzeitig geringen Umlagerungsmöglichkeiten auf. In allen Fasern des Querschnitts, auch in der Betonde-
ckung, liegen dabei hohe Beanspruchungen vor. Zur Gewährleistung einer ausreichenden Trag- und
Gebrauchstauglichkeit ist daher eine geeignete konstruktive Durchbildung und sorgfältige Herstellung
erforderlich. Hierbei sind insbesondere die Durchdringungs- und Anschlussstellen an Decken, Unterzüge
und Fundamente zu beachten.

10.2 Tragverhalten
Zur Abschätzung, ob es sich bei einem Bauteil unter Normalkraftbeanspruchung um ein Druckglied handelt,
kann die bezogene Exzentrizität betrachtet werden. Das Bauteil ist nach /1.1/, NA.1.5.2.18, als Druckglied zu
behandeln, wenn die bezogene Ausmitte ed/h < 3,5 (ed = MEd/NEd, Querschnittshöhe h) ist.

In Abhängigkeit der Bauteilschlankheit  erfolgt die Unterscheidung in gedrungene und schlanke Druckglie-
der. Bei gedrungenen Druckgliedern treten im Grenzzustand der Tragfähigkeit nur geringe Tragwerksverfor-
mungen auf, sodass sich hieraus keine relevanten Vergrößerungen der Schnittgrößen nach Theorie
I. Ordnung ergeben. Die Tragfähigkeit gedrungener Stützen wird üblicherweise durch die ertragbaren
Druckspannungen des Betons und Betonstahls bestimmt, es handelt sich um ein Spannungsproblem nach
Theorie I. Ordnung (Bild 10-1, Fall 1).

Die Abgrenzung zwischen gedrungenen und schlanken Druckgliedern erfolgt nach EC2 /1.1/, Abschnitt 5.8.2
und 5.8.3, in Abhängigkeit der dimensionslosen Normalkraft n = NEd/(Ac·fcd) mittels der Grenzschlankheit lim:

lim = 25 für |n| ≥ 0,41 (10.1)

lim = 16/ n für |n| < 0,41 (10.2)

Bei schlanken Druckgliedern ( > lim) können die Effekte aus der Theorie II. Ordnung bei der Bemessung
nicht mehr vernachlässigt werden. In diesem Fall sind bei Nachweisen neben der planmäßigen Ausmitte
e0 = MEd / NEd auch die ungewollte Ausmitte ei infolge von Imperfektionen und die zusätzliche Ausmitte e2
infolge von Auswirkungen nach Theorie II. Ordnung zu berücksichtigen. Die Tragfähigkeit dieser Stützen
wird bei mäßiger Schlankheit durch das Materialversagen des Betons bzw. Betonstahls bestimmt (Span-
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nungsproblem Theorie II. Ordnung). Hierbei können sowohl Druck- als auch Zugspannungsüberschreitungen
maßgebend werden (Bild 10-1, Fall 2). Druckglieder mit sehr hohen Schlankheiten versagen durch Stabili-
tätsverlust (Bild 10-1, Fall 3).

Bild 10-1: Versagenszustände von Druckgliedern unterschiedlicher Schlankheiten (nach /10.1/)

93
Die Abtragung der einwirkenden Normalkraft NE erfolgt bei Stahlbetonstützen durch die Traganteile des
Betons Nc und der Bewehrung Ns. Aufgrund des zeitabhängigen Materialverhaltens des Betons (Kriechen
und Schwinden) kommt es in bewehrten Druckgliedern zu einer Spannungs- bzw. Kraftumlagerung vom
Beton auf den Betonstahl. Diese führt dazu, dass die Beanspruchung der Bewehrung auch bei üblichen
Stützenausbildungen mit zunehmendem Bauteilalter deutlich ansteigt. Die zeitabhängige Höhe der Span-
nungen im Beton c(t) und in der Bewehrung s(t) können bei zentrisch beanspruchten Stützen in
Abhängigkeit von der Kriechzahl (t) und der Gesamtschwinddehnung cs(t) unter Vernachlässigung der
Relaxation wie folgt abgeschätzt werden:

NE
Zeitabhängige Betonspannung:  c t     c,cs t  (10.3)
Ai t 

NE
Zeitabhängige Stahlspannung:  s t   n t     s,cs t  (10.4)
Ai t 

Es Es
Verhältnis Elastizitätsmoduli: n t    (10.5)
Ec t  Ec0m
1   t 

Ideelle Querschnittsfläche: Ai t   Ac  n t   As (10.6)

Spannungsänderung im Beton As
 c,cs  t    cs  t   Es
infolge Schwinden: Ai  t  (10.7)

Spannungsänderung im Stahl  A 
 s,cs  t    cs  t   E s   1  n  t   s 
infolge Schwinden: 
 Ai  t   (10.8)

Bild 10-2 zeigt eine exemplarische Auswertung der zeitabhängigen Traganteile des Betons Nc und der
Bewehrung Ns für eine typische Hochbau-Innenstütze.
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Bild 10-2: Kraftumlagerung infolge des zeitabhängigen Betonverhaltens in Stahlbetonstützen

Im Grenzzustand der Tragfähigkeit können die Materialwiderstände von Beton und Betonstahl unabhängig
von den zeitabhängigen Spannungsumlagerungen unter Gebrauchslasten ohne Abminderung angesetzt
werden. Bei schlanken, exzentrisch beanspruchten Druckgliedern führt das Kriechen des Betons zu einer
Vergrößerung der Verformungen. Diese sind in der Bemessung mittels einer zusätzlichen Kriechexzentrizität
e zu berücksichtigen (/1.1/, Abschnitt 5.8.4).

Neben der Längsbewehrung bestimmt auch die Querbewehrung das Tragverhalten von Stützen maßgeblich.
Die Querbewehrung dient allgemein der Aussteifung der Längsbewehrung gegen Ausknicken. Durch
Querdehnungen werden in der Querbewehrung zusätzliche Umschnürungsspannungen geweckt, die in den
Kernbereichen des Stützenquerschnitts zur Ausbildung eines dreiaxialen Spannungszustands führen.

94
Hierdurch wird in diesen Bereichen eine deutliche Steigerung der ertragbaren Spannungen und
Stauchungen des druckbeanspruchten Betons erzielt (siehe Bild 10-3). Die Höhe der wirksamen
Umschnürungsspannung hängt wesentlich von der konstruktiven Durchbildung ab (Bewehrungstyp, Längs-
und Querabstände der Quer- und Längsbewehrung).

Bild 10-3: Umschnürte Kernbetonbereiche bei unterschiedlichen Stützenquerschnitten und Auswirkung


der Umschnürungsspannung auf die ertragbare Druckspannung und zugehörigen Bruchdeh-
nungen

10.3 Bemessung
Zur querschnittsbezogenen Bemessung von Druckgliedern (Rechteck- und Kreisquerschnitt) eignen sich
M-N-Interaktionsdiagramme, siehe z. B. /10.2/. Bei Stützen mit komplexeren Querschnittsformen ist eine
EDV-gestützte Bemessung zweckmäßig. Bei geringen Abweichungen vom Rechteck- oder Kreisquerschnitt
kann auch ein auf der sicheren Seite liegender Ersatzquerschnitt gewählt werden. Bei schlanken Bauteilen
sind die Bemessungsschnittgrößen unter Berücksichtigung der Effekte nach Theorie II. Ordnung durch
Iteration zu bestimmen. In diesem Fall können ebenfalls die schlankheitsabhängigen --Nomogramme
(z. B. in /10.2/) genutzt werden, in denen der Effekt aus Theorie II. Ordnung direkt berücksichtigt ist.

10.4 Konstruktive Durchbildung


10.4.1 Mindestabmessungen
Gemäß den Angaben in /1.1/, NCI zu 9.5.1 (1), dürfen stehend hergestellte Stützen eine Mindestdicke von
200 mm nicht unterschreiten. Für waagerecht betonierte Fertigteilstützen kann die Mindestquerschnitts-
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abmessung entsprechend /1.1/, Abschnitt 10.9.8 (4), auf 120 mm reduziert werden. Die gleichen Grenzwerte
sollten auch für die Wandstärken von Stützen mit Hohlquerschnitt eingehalten werden. Bei Schleuder-
betonstützen, deren Herstellung durch allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen geregelt wird, sind
geringere Wandstärken von ca. 1/3 des Durchmessers möglich.

Die Mindestabmessungen von Stützen dienen der Sicherstellung einer sachgemäßen Bauausführung
(Betonierbarkeit), der Beschränkung von übermäßigen Verformungen und berücksichtigen die Anforde-
rungen des Brandschutzes und der Dauerhaftigkeit.

10.4.2 Längsbewehrung
10.4.2.1 Bewehrungsgrad, Durchmesser und Abstände der Längsbewehrung
Als Mindestbewehrung von Stahlbetonstützen ist nach /1.1/, NDP zu 9.5.2 (2), eine Bewehrung anzuordnen,
mit der im Grenzzustand der Tragfähigkeit mindestens 15 % der Längsdruckkraft aufgenommen werden
kann:

As,min = 0,15·|NEd|/fyd (10.9)

mit NEd: Bemessungswert der aufzunehmenden Längskraft

fyd: Bemessungswert der Festigkeit des Betonstahls an der Streckgrenze

Ac: Gesamtfläche des Betonquerschnitts

95
Nach /1.1/, NDP zu 9.5.2 (3), darf die maximale Bewehrungsfläche, auch im Bereich von Stößen, 9 % des
Betonquerschnitts Ac nicht überschreiten, d. h.

As,max = 0,09·Ac (10.10)

Die Begrenzung des Längsbewehrungsanteils dient der Sicherstellung der Betonierbarkeit. Überschreitet der
Bewehrungsgehalt im Stoßbereich den angegebenen Maximalwert von 9 %, so muss der Übergreifungsstoß
versetzt ausgeführt werden.

Der Durchmesser der Längsstäbe l darf nach /1.1/, NDP zu 9.5.2 (1), l,min = 12 mm nicht unterschreiten.
Nach NDP zu 9.5.2 (4) darf der Abstand der Längsstäbe maximal 300 mm betragen (Bild 10-4). Bei recht-
eckigen Stützen mit Querschnittsabmessungen von b ≤ 400 mm und h ≤ b braucht nur je ein Bewehrungs-
stab in den Querschnittsecken angeordnet zu werden. Im Falle einer größeren Anzahl von Längsstäben auf
einer Querschnittsseite wird ggf. die Sicherung durch zusätzliche Querbewehrungen erforderlich, siehe
Abschnitt 10.4.2.2. In Stützen mit Kreisquerschnitt sind mindestens 6 Längsbewehrungsstäbe vorzusehen.

Stützen des allgemeinen Hochbaus sollten im Allgemeinen immer symmetrisch bewehrt werden, da hier
meist wechselnde Endmomente gleicher Größenordnung vorliegen. Bei symmetrischer Bewehrungs-
ausbildung werden zudem Fehler beim Einbau der Bewehrung vermieden. Eine unsymmetrische Bewehrung
ist bei Kragstützen sinnvoll, wenn hohe, richtungstreue Momentenbeanspruchungen, z. B. aus Windlasten
und / oder Kranstoß, vorliegen.

Bild 10-4: Anforderungen an Stützen mit Eckbewehrung und gleichmäßig verteilter Bewehrung

10.4.2.2 Stoß der Längsbewehrung


Die im Stoßbereich von Stützenlängsbewehrungen auftretenden Lagetoleranzen der Bewehrungsstäbe
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führen oft dazu, dass es insbesondere bei vorgefertigten Bewehrungskörben zu Behinderungen beim Einbau
kommt. Bei einer Längsbewehrung aus Stäben mit einem Durchmesser größer als 14 mm ist es bei
auftretenden Unplanmäßigkeiten im Übergreifungsbereich auf der Baustelle meist nicht mehr möglich, die zu
stoßende Bewehrung durch manuelles Biegen und Verschieben in eine parallele Lage zu bringen. Zur
Vermeidung dieser Probleme sollten Längsbewehrungsstäbe ab l = 16 mm mit Kröpfungen im
Übergreifungsbereich ausgeführt werden. Hierbei werden die Stabenden im Bereich des Stützenkopfes
jeweils nach innen abgebogen. Die Anschluss-Längsstäbe können dann an der Stützenaußenseite
angeordnet und von Bügeln umfasst werden, siehe Bild 10-5. Die Kröpfungslänge und der -versatz müssen
in Abhängigkeit vom Durchmesser der Längsbewehrung ausreichend bemessen werden, siehe hierzu die
Empfehlungen in Bild 10-5. Die Anordnung der ersten Längsstababbiegung (Biegung nach innen) erfolgt in
der Regel unterhalb der Decke bzw. des Unterzugs. Die zweite Abbiegung der Längsstäbe in die parallele
Stablage sollte im Allgemeinen im Bereich der Decke bzw. des Unterzugs liegen, da die bei einer
Zugbeanspruchung der Längsbewehrung infolge der Abbiegung auftretenden Umlenkkräfte hier sicher
aufgenommen werden können. Bei stets überdrückten Stützen erfolgt die Anordnung der Kröpfung
zweckmäßig so, dass die erste Abbiegung innerhalb des angeschlossenen Bauteils liegt. Die Aufnahme der
Umlenkkräfte braucht nach /1.1/, 9.5.3 (5), nicht rechnerisch nachgewiesen zu werden, solange die
Richtungsänderung ≤ 1/12 ist. Bei Stützen mit geringen Querschnittsabmessungen sollten aus konstruktiven
Gesichtspunkten Längsstäbe mit Stabdurchmessern von maximal 14 mm gewählt werden, die ohne
Kröpfungsausbildung gestoßen werden können. Aufgrund der geringen Querschnittsabmessungen würde

96
sich die Kernfläche innerhalb der Bügel im Bereich eines Vollstoßes mit gekröpften Stäben stark reduzieren,
sodass Verdichtungsprobleme auftreten könnten.

Bild 10-5: Konstruktionsregeln für Stützen mit Vollstoß und Empfehlungen für die Kröpfungsausbildung

10.4.3 Querbewehrung
10.4.3.1 Querbewehrungsdurchmesser und -abstände
Um ein Ausknicken der Längsbewehrung zu verhindern, ist diese durch Querbewehrungen zu sichern. In
Abhängigkeit der Ausbildung der Querbewehrung werden bügelbewehrte und wendelbewehrte Stützen
unterschieden. Bild 10-6 zeigt einen ausgeknickten Bewehrungsstab im Mittenbereich einer gedrungenen
Stütze. In den Lasteinleitungsbereichen am Kopf und Fuß konnte ein Ausknicken der Längsbewehrung
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durch engere Bügelabstände verhindert werden.

97
a) Detail b) Versuchsstütze c) Bewehrung

Bild 10-6: Ausknicken der Längsbewehrung im Mittenbereich einer gedrungenen Versuchsstütze

Bei der Wahl des Querbewehrungsdurchmessers ist der Mindestdurchmesser w nach Gleichung (10.11)
einzuhalten, siehe /1.1/, Abschnitt 9.5.3 (1).

max l 4  6 mm Stabstahlbewehrung
 w,min   (10.11)
 5 mm Bewehrungs matten

mit w: Stabdurchmesser der Querbewehrung

max l: größter Durchmesser der Längsbewehrung

Bei der Verwendung von Stabbündeln mit Vergleichsdurchmessern n > 28 mm (nach /1.1/, 8.9.1) und
Stäben mit  > 32 mm als Druckbewehrung ist der Mindeststabdurchmesser für Einzelbügel und für Wendeln
nach /1.1/, NCl zu 9.5.3 (1), auf 12 mm zu erhöhen.

Der Abstand der Querbewehrung scl,tmax entlang der Stützenachse darf nach /1.1/, NDP zu 9.5.3 (3), den
kleinsten der folgenden Abstände nicht unterschreiten:

 12  min l
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scl,tmax  min  min h
300 mm  (10.12)

mit min l: kleinster Durchmesser der Längsbewehrung

min h: kleinste Seitenlänge (Rechteckquerschnitt) oder Durchmesser (Kreisquer-


schnitt) der Stütze

Bei Berücksichtigung des Maximalabstands können nach /1.1/, NCI zu 9.5.3 (6), in einer Querschnittsecke
5 Längsstäbe durch die Querbewehrung gesichert werden. Der Abstand der Längsstäbe vom Eckbereich
darf jedoch den 15-fachen Bügeldurchmesser nicht überschreiten (Bild 10-4 und Bild 10-7). Weitere Längs-
stäbe sind nach /1.1/, NDP zu 9.5.3 (3), durch zusätzliche Zwischenquerbewehrungen zu sichern. Deren
Abstand entlang der Stützenachse darf den doppelten Wert des Maximalabstands scl,tmax betragen.

98
Bild 10-7: Anordnung der Längs- und Querbewehrung bei Stützen

Die Querbewehrungsabstände sind in Stützenbereichen mit erhöhten Querzugkräften nach /1.1/, 9.5.3 (4),
um den Faktor 0,6 zu vermindern (siehe Bild 10-5). Die Bereiche mit verstärkter Querbewehrung sind wie
folgt definiert:

- Krafteinleitungsbereiche unmittelbar über und unter Balken und Platten über eine Höhe, die der größeren
Abmessung des Stützenquerschnitts entspricht,
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- Bereiche mit Übergreifungsstößen der Längsstäbe, wenn deren größter Durchmesser mehr als 14 mm
beträgt. Auf der Stoßlänge sind mindestens drei gleichmäßig angeordnete Bügel erforderlich.

Bei Richtungsänderungen der Längsstäbe (z. B. bei Veränderungen des Stützenquerschnittes oder im
Bereich von Kröpfungen) sind die Abstände der Querbewehrungen in der Regel auf Basis der quer angrei-
fenden Kräfte zu berechnen. Querzugkräfte infolge von Richtungsänderungen dürfen vernachlässigt werden,
falls die Richtungsänderung ≤ 1/12 ist oder eine Kröpfung der Längsbewehrung im Deckenbereich erfolgt
(/1.1/, 9.5.3 (5)).

10.4.3.2 Schließen der Querbewehrung


Querbewehrungen sind nach /1.1/, NCl zu 9.5.3 (2), mit 150°-Haken nach Bild 10-8 zu schließen. Dabei
sollten die Schlösser entlang der Stützenachse versetzt werden.

99
Bild 10-8: Verankerungselemente für Querbewehrung in Stützen, Hakenarten (aus /1.1/, Bild 8.5DE)

Wenn der Widerstand der Betondeckung gegen Abplatzen durch besondere Maßnahmen erhöht wird, kann
die Querbewehrung auch mit 90°-Haken nach Bild 10-8 b) ausgeführt werden. Um eine
Feuerwiderstandsklasse ≥ R90 zu erreichen, ist mindestens eine der folgenden Maßnahmen anzuwenden,
siehe /1.1/, NCl zu 9.5.3 (2):

- Vergrößerung des Bügeldurchmessers um mindestens 2 mm gegenüber Gleichung (10.11);

- Halbierung der Bügelabstände nach Abschnitt 10.4.2.2;

- Anschweißen von Querstäben (Bügelmatten);

- Vergrößerung der Winkelhakenlänge nach Bild 10-8 b) von 10 auf ≥ 15

Die Verankerungsstellen sollten entlang der Stützenachse versetzt werden, um das vollständige Versagen
der Querbewehrung im Falle des Abplatzens der Betondeckung zu verhindern (Ausnahme:
Bügelmatten). Bei geringen Querschnittsabmessungen sind 90°-Haken zweckmäßiger, da die Betonier-
barkeit durch 150°-Haken eingeschränkt wird (Bild 10-9).
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Bild 10-9: Bewehrungsbeispiele für eine 20 cm breite Stütze,


schlechte Betonierbarkeit bei Ausführung mit nach innen gebogenen Haken (links),
gute Betonierbarkeit bei Ausführung mit 90°-Haken (rechts)

10.4.4 Stützen mit Kreisquerschnitt


Bei kreisförmigem Stützenquerschnitt sind die Längsbewehrungsstäbe gleichmäßig über den Umfang verteilt
anzuordnen. Dabei ist eine Mindestanzahl von 6 Stäben einzuhalten (Abschnitt 10.4.2). Für die Abstände
und das Schließen der Querbewehrung gelten die Regelungen nach Abschnitt 10.4.3. Beim Stoß der Längs-
bewehrung durch Übergreifung können die Bewehrungsstäbe nebeneinander angeordnet werden. Die
Kröpfung der Stäbe wie bei Stützen mit Rechteckquerschnitt ist in der Regel nicht erforderlich.

Bild 10-10: Bewehrungsanordnung bei wendelbewehrten Stützen mit Kreisquerschnitt

100
Soll durch eine entsprechend dimensionierte Wendelbewehrung ein Umschnürungseffekt zur Traglaststeige-
rung erzeugt werden, so ist der Stoß der Bewehrung gesondert zu sichern. In diesem Fall ist ein
Übergreifungsstoß nach /1.1/, Abschnitt 8.7.3, auszuführen. Zusätzlich wird empfohlen, an den Stoßenden
nach innen gebogene Winkelhaken nach Bild 10-8 b) anzuordnen. Alternativ dazu können die Bewehrungs-
enden verschweißt werden. Die Aktivierung der erhöhten Querbewehrung erfolgt erst in hohen Beanspru-
chungszuständen; unter Gebrauchslasten weisen derartig bewehrte Stützen ein Verhalten entsprechend
konventionell querbewehrter Stützen auf.

10.5 Fertigteilstützen
10.5.1 Allgemeines
Bei Fertigteilstützen ist für eine sichere Kraftübertragung eine sorgfältige konstruktive Ausbildung der
Stützenstöße und -anschlüsse erforderlich. Bei Stützenstößen wird die Längsbewehrung im Allgemeinen
nicht durch den Stoß hindurchgeführt. Daher ist die gesamte Stützenkraft (Beton- und Bewehrungsanteile)
über die Stoßfuge zu übertragen.

Bei Fertigteilstützenstößen werden zwei grundlegende Ausbildungen unterschieden:

a) Reine Druckstöße: Kraftübertragung über

- Mörtelbett,
- Stahlplatten (i. d. R. ebenfalls im Mörtelbett),
- Elastomerlager (bewehrt / unbewehrt).

b) Biegesteife Stützenstöße: Übertragung der Druckkräfte nach a); Übertragung der Zugkräfte in der
Längsbewehrung durch

- Übergreifungsstoß,
- Stoßen der Längsbewehrung mittels Schweißanschluss,
- Schrauben- oder Pressmuffenstoß,
- Stützenschuhe aus Stahl.

Die Ausführung eines biegesteifen Stützenstoßes erfordert im Vergleich zum reinen Druckstoß einen erhöh-
ten Planungs-, Montage- und Überwachungsaufwand. Bei den in der Praxis häufig eingesetzten Stützen-
schuhen bleibt der Mehraufwand begrenzt.

Neben der sicheren Kraftübertragung sind bei der Ausbildung der Stützenstöße weitere Randbedingungen
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wie z. B. brandschutztechnische Anforderungen zu beachten. Weiterführende Angaben zur Ausbildung von


Stützenstößen finden sich in /10.2/ bis /10.7/.

10.5.2 Tragverhalten
Beim Stoß von Fertigteilstützen entstehen in den anschließenden Bauteilen Querzugspannungen, die durch
geeignete Bewehrungen aufzunehmen sind. Die Fugenausbildung hat dabei einen maßgebenden Einfluss
auf die im Bereich des Stützenstoßes auftretenden Spannungszustände (Bild 10-11).

Bild 10-11: Querzugspannungen im Bereich von Druckfugen in Abhängigkeit der Fugenausbildung /10.4/

101
Die Fugenausbildungen werden daher unterteilt in:

a) Weichgebettete Fuge (Bild 10-11 a)):

Elastizitätsmodul des Fugenmaterials EFuge ≤ 70 %·EC (/1.1/, NCI zu 10.9.4.3 (4)),


die Querzugspannungen resultieren vor allem aus hohen Querdehnungen des Fugenmaterials, die
Resultierende der Querzugspannungen liegt nahe der Fuge.

b) Hartgebettete, eingeschnürte Fuge (Bild 10-11 b)):

Elastizitätsmodul des Fugenmaterials EFuge > 70 %·EC (/1.1/, NCI zu 10.9.4.3 (4)),
die Querzugspannungen stellen sich infolge der konzentrierten Krafteinleitung in einem gewissen
Abstand zur Fuge ein.

c) Hartgebettete, vollflächige Fuge (Bild 10-11 c)):

Elastizitätsmodul des Fugenmaterials wie vor, die Querzugspannungen entstehen infolge der Einlei-
tung des Traganteils der Längsbewehrungsstäbe in den Betonquerschnitt, die auftretenden Quer-
zugkräfte werden durch verteilte Quer- und Stirnflächenbewehrungen aufgenommen. Zusätzlich ist
die Ausführung mit einer stirnseitigen Stahlkopfplatte möglich (siehe /10.6/, /10.7/).

10.5.3 Bemessung
Im Falle der weichgebetteten Fuge (Bild 10-11 a)) darf der Bewehrungsquerschnitt zur Aufnahme der Quer-
zugkräfte beim Fehlen genauerer Modelle nach folgender Gleichung ermittelt werden:

As = 0,25 · (t/h) · FEd/fyd (10.13)

mit As: Bewehrungsfläche an der stirnseitigen Oberfläche der Stütze je Achsrichtung

t: Dicke des Fugenmaterials

h: Abmessung des Fugenmaterials in Richtung der Bewehrung

FEd: Bemessungsdruckkraft in der Lagerfuge

Bei hartgebetteten, eingeschnürten Fugen (Bild 10-11 b)) können die zur Abdeckung der auftretenden Quer-
zugkräfte erforderlichen Bewehrungen nach /1.1/, 6.5.3 Gleichung (6.58), bzw. entsprechend Bild 6.25 a)
berechnet und angeordnet werden.

10.5.4 Konstruktion
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Bei einfachen Druckstößen wird oft die hartgebettete, vollflächige Fuge (Bild 10-11 c)) mit Stahlkopfplatten
an jedem Stützenende bevorzugt. Im Allgemeinen erfolgt der Plattenstoß stumpf, ggf. wird aber auch ein
zusätzlicher Zentrierdorn angeordnet. Die Dicke der Stahlplatte an der Stützenstirnfläche sollte aus konstruk-
tiven Gründen mindestens 10 mm betragen und der lichte Abstand zwischen der Stahlplatte und dem Ende
der Längsbewehrung 10 mm nicht überschreiten. Nach dem Einbau können die Platten zusätzlich an zwei
oder vier Seiten verschweißt werden.

Die Herstellung von biegesteifen Stützenstößen erfordert den Einsatz hochwertiger Fugenmörtel und die
Ausbildung eines Bewehrungsstoßes. In Bild 10-12 sind prinzipielle Ausführungen der Stoßausbildung bei
Fertigteilstützen dargestellt. Bei der Variante A wird ein Übergreifungsstoß mit Anschlussbewehrungen, die
in nachträglich ausgegossene Hüllrohre einbinden, ausgebildet. Der Anschluss nach Bild 10-12 Variante B
zeigt die Verschraubung der unteren Stützenbewehrung mithilfe sogenannter Stützenschuhe und Bild 10-13
deren praktische Ausführung. Der Anschluss nach Bild 10-12 Variante C stellt eine stahlbaumäßige Verbin-
dung durch einen verschweißten Winkelrahmen mit nachträglicher Verpressung des Zwischenraumes dar.

102
A) B) C)

Bild 10-12: Biegesteife Stöße von Fertigteilstützen (Beispiele)

Bild 10-13: Biegesteifer Stützenanschluss mit Stützenschuhen

10.6 Beispiel
(1) Bemessungsgrundlagen

Gegeben ist eine mehrgeschossige quadratische Hochbau-Innenstütze mit b/h = 300/300 mm. Die
Stütze bindet in die Unterzüge der Geschossdecken ein. Die Geschosshöhe beträgt 3,75 m. Die
Aussteifung des Gebäudes ist durch Wandscheiben gewährleistet. Die Bemessung der Innenstütze
erfolgt daher an einem beidseitig gelenkig gelagerten Ersatzsystem mit einer Länge von
l0 = ·lcol = 1,0·3,50 = 3,50 m.
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Die rechnerischen Nachweise der Stütze ergeben, dass es sich um ein schlankes Druckglied unter
dominierender Normalkraftbeanspruchung handelt. Die Bemessung ergibt für einen symmetrisch
bewehrten Querschnitt eine erforderliche Längsbewehrung von As,tot,erf = 12,0 cm².

Querschnitt: b/h = 300/300 mm, Ac = 900 cm², As,tot,erf = 12,0 cm²

Baustoffe: Beton C30/37 mit fcd = 17,0 N/mm², Betonstahl B500 B mit fyd = 435 N/mm²

Belastung: NEd = -1.900 kN

(2) Mindest- und Maximalbewehrung, Stabdurchmesser der Längsbewehrung

As,min = 0,15·|NEd|/fyd = 0,15·1,9/435 = 0,000655 m² ≙ 6,55 cm²

Maximalbewehrungsfläche der Längsbewehrung im Regelbereich außerhalb des Stoßes bei Annahme


eines 100 %-igen Übergreifungsstoßes in der Stütze:

As,max = 0,5·0,09·Ac = 0,5·0,09·900 = 40,5 cm²

gewählt: 4Ø20 mm, As,tot = 12,6 cm² ≥ As,tot,erf = 12,0 cm², Anordnung in den Ecken des Querschnitts

103
Kontrolle der Bewehrungsfläche, des Stabdurchmessers und -abstands der Längsbewehrung:

As,min = 6,55 cm² ≤ As,tot = 12,6 cm² ≤ As,max = 40,5 cm²

l = 20 mm ≥ l,min = 12 mm
h = b = 300 mm ≤ 400 mm  es genügt ein Stab je Querschnittsecke

(3) Übergreifung der Längsbewehrung

Grundwert der Verankerungslänge für eine Stahlspannung von sd = fyd:

lb,rqd = (/4)·(fyd/fbd) = 20/4·435/3,0 = 725 mm

mit fbd = 2,25·1·2·fctd = 2,25·1,0·1,0·1,33 = 3,0 N/mm²

fctd = ct·fctk;0,05/c = 1,0·2,0/1,50 = 1,33 N/mm²

1 = 1,0 für gute Verbundbedingungen

2 = 1,0 für  ≤ 32 mm

fctk;0,05 = 2,00 N/mm² für C30/37

ct = 1,0 Dauerstandsbeiwert, nur bei der Ermittlung der Verbundspannung fbd
(/1.1/, NDP zu 3.1.6 (2))

c = 1,50 Teilsicherheitsbeiwert Beton

Die Stäbe der Längsbewehrung werden im Bereich des Stützenfußes in einem 100 %-Stoß durch Über-
greifen gestoßen. Aufgrund der normalkraftdominierten Belastung handelt es sich um einen Druckstoß.

Bemessungswert der Übergreifungslänge (für sd = fyd):

l0 = 1·2·3·5·6·lb,rqd = 1,0·1,0·1,0·1,0·1,0·725 = 725 mm

mit 1 = 1,0 Einflussfaktor „Stabform“ für gerade Stäbe unter Druck

2 = 1,0 Einflussfaktor „Betondeckung“ für gerade Stäbe unter Druck

3 = 1,0 Einflussfaktor „nicht an die Hauptbewehrung angeschweißte Quer-


bewehrung“ für Stäbe unter Druck
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5 = 1,0 Einflussfaktor „Querdruck“ entfällt für Stäbe unter Druck

6 = 1,0 Einflussfaktor „Stoßanteil“ für 100 % Stoßanteil und Stäbe unter


Druck nach /1.1/, Tabelle 8.3DE

l0,min ≥ max (0,3·1·6·lb,rqd ; 15· ; 200 mm) = max (0,3·1,0·1,0·725 = 218 ; 15·20 = 300 ; 200) = 300 mm

l0,erf = l0· As,tot,erf/As,tot = 725·12,0/12,6 = 690 mm > 300 mm

gewählt: l0 = 700 mm > 690 mm

Die Stäbe der Längsbewehrung werden zur Ausführung des Übergreifungsstoßes gekröpft. Als Kröp-
fungslänge werden 600 mm und als Versatz 50 mm gewählt. Die untere Abbiegung wird 50 mm
unterhalb des Unterzugs vorgesehen. Die Länge der Längsbewehrungsstäbe wird so gewählt, dass
diese 700 mm oberhalb der Decke enden.

(4) Art der Querbewehrung, Schlossausführung, Stabdurchmesser und Abstände

Als Querbewehrungsform der Stütze werden Bügel gewählt. Die Bügelschlösser werden zur
Erleichterung des Bewehrungseinbaus bei gekröpften Längsbewehrungsstäben als 135°-Haken
ausgeführt, die Hakenlänge wird mit 10  angesetzt. Die Anordnung erfolgt derart, dass die Schlösser
benachbarter Bügel jeweils um 90° versetzt sind.

104
Mindestdurchmesser:

max l 4  20 4  5 mm
 w,min  max 
6 mm (Stabstahlbewehrung)

w,min = 6 mm

gewählt: w = 8 mm ≥ 6 mm

Länge des 135°-Hakens lHaken = 10·w = 80 mm ≥ 70 mm

Bügelabstände im Regelbereich (Bereich 1):

scl,tmax1 = min (12·l ; min(b; h bzw. d) ; 300 mm) = min (12·20 = 240 ; 300 ; 300 mm) = 240 mm

gewählt: scl,1 = 240 mm ≤ scl,tmax1

Bügelabstände in Krafteinleitungsbereichen (Bereich 2):

scl,tmax2 = 0,6·scl,tmax1 = 0,6·240 = 144 mm

gewählt: scl,2 = 120 mm ≤ scl,tmax2 über die Länge der größten Stützenkantenlänge

Bügelabstände im Bereich von Übergreifungsstößen (Bereich 3):

scl,tmax3 = scl,tmax2 = 144 mm

gewählt: scl,3 = 120 mm ≤ scl,tmax2 über die Übergreifungslänge von l0 = 700 mm

(5) Darstellung der Bewehrung

Innenstütze Detail Decken-Stützen-Knoten


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Bild 10-14: 3D-Darstellung der Stützenbewehrung

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106
Bild 10-15: Konstruktive Durchbildung der Beispielstütze
11 Konsolen
11.1 Allgemeines
Konsolen sind kurze Kragarme, die in Abhängigkeit von ihrer Geometrie als Scheibe oder Kragarm bemes-
sen werden. Das Hauptanwendungsgebiet sind an Fertigteilstützen angeformte Konsolen, die als Auflager
für Kranbahnträger oder andere Fertigteile dienen. Die Bemessung ist im EC2 /1.1/, Abschnitt 5.6.4, 6.2, 6.5,
10.9.4 und Anhang J3, geregelt. Anhang J3 wird allerdings nach Nationalem Anhang mit dem Verweis auf
Heft 600 des DAfStb /1.9/ gestrichen und dort die Bemessung nach Heft 525 des DAfStb /11.2/ fortgeführt.
Erläuterungen zum Tragverhalten und zur konstruktiven Durchbildung sind in Heft 425 /11.1/, Kapitel 3.1,
und in Heft 600 /1.9/ enthalten. Bemessungsvorschläge werden auch in /11.3/ bis /11.6/ entwickelt, die zum
Teil von den hier vorgeschlagenen abweichen, und weitere Grundlagen zur Rissbildung sowie eine Gegen-
überstellung von Bemessungsmodellen sind in /1.10/ zu finden. Versuchsauswertungen befinden sich in
/11.4/, /11.7/, /11.8/ und /11.9/.

11.2 Tragverhalten
Das Tragverhalten einer Konsole wird maßgeblich durch deren Schlankheit (ac/hc) beeinflusst. Bei gedrun-
genen Konsolen mit ac ≤ z0 bzw. av ≤ z (Bild 11-1 a)) stellt sich ein direkter Lastabtrag über eine einzelne
Druckstrebe ein (Scheibentragwirkung). Die Druckspannungen konzentrieren sich unter der Lastplatte und
am Konsolanschnitt (Bild 11-1 b)). Dazwischen breiten sich die Druckspannungen aus und erzeugen Quer-
zugspannungen. Im Modell nach Bild 11-1 b) wird der Querzug über die Kraft Fwd erfasst. Bei orthogonaler
Bewehrungsführung sowie einer steilen Druckstrebe (ac ≤ 0,5·z0) wird Fwd entsprechend Bild 11-1 b) durch
horizontale und bei 0,5·z0 ≤ ac ≤ z0 vorwiegend durch vertikale Bügel aufgenommen. Mit zunehmender
Schlankheit geht die Scheibentragwirkung in eine Balkentragwirkung über und die Bemessung kann als
Kragbalken mit einem Fachwerkmodell (Bild 11-1 c)) vorgenommen werden.
av
Dac = d1·(HEd/FEd) ac £ 0,5·z0 a c > z0
ac
FEd HEd FEd HEd FEd HEd
Fsd d1 Fsd Fsd
aH
q z0 z
Cw z d hc hc hc
xc

ac1 Fwd
FEd FEd

a) Scheibe (av ≤ z bzw. ac ≤ z0) b) Querzug infolge Lastausbreitung c) Kragträger (av > z bzw. ac > z0)
Bild 11-1: Stabwerkmodelle für Konsolen
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Bei Belastung einer gedrungenen Konsole bildet sich bei Überschreiten der Betonzugfestigkeit zuerst ein
Diagonalriss am Konsolenanschnitt (Bild 11-2 a)). Hiermit wird das Hauptzugband der Konsole aktiviert,
dessen Zugkraft Fsd zwischen Anschnitt und Lastplatte nahezu konstant ist (Bild 11-1). Während die Veran-
kerung in der Stütze wie bei Rahmenknoten erfolgen kann, steht unter der Lastplatte in der Regel nur wenig
Raum zur Verfügung, sodass die Erfordernisse einer ausreichenden Verankerung der Bewehrung für die
Wahl der Konsolgeometrie maßgebend werden. Hierfür sind auch die Mindestabmessungen für Lager nach
EC2 /1.1/, Abschnitt 10.9.5, zu beachten. Mit zunehmendem Bewehrungsgrad wird die Druckstreben-
tragfähigkeit maßgebend (Bild 11-2 b) und c)). Während des Versagens kommt es in der Regel zur Ein-
schnürung der Druckzone und zu Abplatzungen am Konsolanschnitt.

107
Stahltragfähigkeit
Lastpressung
Verankerung

Querzug

Druckstreben-
tragfähigkeit

a) Rissbild b) Versagensarten c) Druckstrebenversagen


Bild 11-2: Tragverhalten bei gedrungenen Konsolen

11.3 Bemessung
Die Tragfähigkeit von gedrungenen Konsolen sollte nach /1.1/, Abschnitt 6.5, mit einem Streben-Zugband-
Modell bestimmt werden (Bild 11-1 a) und b)). In /11.2/ wird die Druckstrebentragfähigkeit halbempirisch
nachgewiesen, in /11.3/ durch geometrische Bestimmung der Druckstrebe und einen Spannungsnachweis
und in /11.6/ wird die Mindestkonsolhöhe in Abhängigkeit der Druckstrebe berechnet. Während in /11.3/ die
erforderlichen Knotenabmessungen zur Ermittlung von z bestimmt werden, wird in /11.2/ vereinfacht
z = 0,9 · d angenommen und z = 0,85 · d in /11.6/. Zur Aufnahme von unplanmäßigen Horizontallasten sollte
ausgehend von  = 0,2 mindestens eine horizontale Ersatzkraft HEd = 0,2 · FEd angesetzt werden, wenn
keine Maßnahmen zur Vermeidung dieser Reibkräfte ergriffen werden. In /11.5/ wird empfohlen, den Teil-
sicherheitsbeiwert für Beton auch bei Fertigteilen nicht auf c = 1,35 zu reduzieren (nach /1.1/, 2.4.2.4 und
A.2.3), da Konsolen bei liegender Fertigung oft in ungünstiger Position hergestellt werden. Für die hier
gezeigten Beispielkonsolen wird der Nachweis nach Heft 525 /11.2/ bzw. Heft 600 /1.9/ und alternativ nach
EC2 /1.1/, Abschnitt 6.5, geführt, die mit den hier vorgenommenen Anpassungen zu annähernd gleichen
Bemessungsergebnissen führen.

(1) Nachweis nach Heft 525 /11.2/


Nachweis der Druckstrebe:
VRd,max  0,5   b  z  fck /  C (11.1)
fck
mit   0,7   0,5; fck in N/mm ²  (11.2)
200
z = 0,9 · d (11.3)
In Gleichung (11.1) wurde fcd = fck/C eingesetzt, da die Herleitung in Heft 525 ohne
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Dauerstandsbeiwert cc = 0,85 erfolgte.


Nachweis der Zuggurtkraft Fsd:
ac a  z0
Fsd  FEd   H Ed  H (11.4)
z0 z0
 V 
mit z0  d 1  0,4 Ed  (11.5)
 V 
 Rd,max 
ac / z 0  0,4 (11.6)
Die Zuggurtkraft ergibt sich aus der Gleichgewichtsbedingung M = 0 um den Schnittpunkt der
Druckstrebe mit dem Konsolanschnitt (Bild 11-1 a)) nach Gleichung (11.4). Der Abstand z0 zwi-
schen diesem Schnitt und dem Schwerpunkt der Zugbewehrung ist hierbei eine rein geometri-
sche Größe und entspricht nicht dem inneren Hebelarm z. Die Abschätzung von z0 erfolgt nach
Gleichung (11.5) und die Forderung in Gleichung (11.6) stellt sicher, dass tan ≤ 2,5 ist.

108
(2) Alternativ: Nachweis mit einem Stabwerk gemäß EC2, Abschnitt 6.5
Bestimmung der Knotenabmessungen (Nachweis der Druckstrebe):
(11.7)
x c  d  d 2  2·a v ·a c1
FEd FEd
mit a c1  , b = Breite der Druckstrebe;
b   Rd,max Fsd aH
H Ed zk
a v  ac  ac1 / 2  ac , mit a c  ·aH
FEd
xc

ac1 ac Dac
 xc  av
 für fck  50 N/mm² 
0,8 

Kontrolle: x   xc  0,4·d (11.8)
für fck  50 N/mm² 
 fck  
 1   
  250  

Bestimmung der Zugkraft Fsd:


zk  d  x c / 2 (11.9)
av
Fsd  FEd   H Ed (11.10)
zk

Beim Nachweis nach EC2 ist bei Druck-Zug-Knoten die Bemessungsdruckfestigkeit auf
Rd,max = k2 · ‘ · fcd zu begrenzen (mit k2 = 0,75 und ‘ = 1,0 bis C55/67). Für Betonfestigkeitsklassen
≥ C55/67 ist ‘ zusätzlich mit 2 = (1,1 – fck/500) zu multiplizieren. Da im Druckknoten von Konsolen eine
Spaltzugbeanspruchung vorliegt, ist die anrechenbare Betondruckfestigkeit, wie bei Druck-Zug-Knoten,
zu reduzieren. In /11.5/ wird für eine Stabwerksbemessung vorgeschlagen, die zulässigen Betondruck-
spannungen für ac/hc ≤ 1,0 auf 75 % und für ac/hc > 1,0 auf 95 % zu begrenzen. Hier wird alternativ eine
Abminderung der anrechenbaren Betondruckfestigkeit in Abhängigkeit der Schlankheit mit
 a 
0,65  fcd   Rd,max  fcd   0,55  0,4  c   0,95  fcd (11.11)
 hc 
vorgeschlagen, wenn die Berechnung als Stabwerk nach EC2 durchgeführt wird. Die Auswertung der
vorhandenen Versuchsdatenbank aus /11.9/ in Bild 11-3 zeigt, dass dieser Ansatz ein vergleichbares
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Sicherheitsniveau wie Heft 525 /11.2/ erreicht und die Versuchsergebnisse gut wiedergibt. Die Kreis-
symbole geben zusätzlich das Lastniveau eines Druckstrebenversagens an. Sofern Kreis und Ver-
suchssymbol übereinstimmen, wurde auch rechnerisch ein Druckstrebenversagen maßgebend. Bei der
Datenbank ist anzumerken, dass keine Versuche mit Schlankheiten ac/hc < 0,44 vorliegen. Die untere
Grenze wurde mit 0,65·fcd angenommen, da keine Versuche mit ungünstigeren Ergebnissen enthalten
sind und Schlankheiten ac/hc < 0,25 ohnehin nicht praxisrelevant sind.

109
1800 1800
Heft 525 Stabwerk red. Rd,max
1600 1600

1400 1400
rechnerische Bruchlast VRm [kN]

rechnerische Bruchlast VRm [kN]


unsicher unsicher
1200 1200

1000 1000

800 800
sicher sicher
600 600
/11.10/ /11.10/
400 400
/11.7/ /11.7/
200 /11.8/ 200 /11.8/
Druckstrebenversagen Druckstrebenversagen
0 0
0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800
experimentelle Bruchlast Vu [kN] experimentelle Bruchlast Vu [kN]

a) nach Heft 525 /11.2/ b) mit Stabwerkmodell mit Gleichung (11.11)


Bild 11-3: Vergleich der Bemessungsansätze nach Heft 525 und mit einem Stabwerkmodell mit reduzier-
ter Druckstrebentragfähigkeit

Die Verankerung des Zugbandes und die Mindestabmessungen der Lagerkonstruktion sind nach EC2 /1.1/,
Abschnitt 6.5, 6.6 und 10.9.5, zu bemessen. Die Lastweiterleitung in das anschließende Bauteil ist nachzu-
weisen. Der Anschluss der Konsole an eine durchlaufende Stütze kann dabei wie ein Rahmenendknoten
und bei Konsolen am Stützenkopf wie eine Rahmenecke nach Kapitel 12 behandelt werden.

11.4 Konstruktive Durchbildung


11.4.1 Allgemeines
Die Wahl der Bewehrung muss den Annahmen des Stabwerkmodells entsprechen, da Abweichungen der
Betondeckung oder der Anzahl der Bewehrungslagen bei kleinen Bauteilabmessungen erheblichen Einfluss
auf die angesetzten Hebelarme und damit auf die Größe der ermittelten Stabkräfte haben. Um die Querzug-
kräfte nach Bild 11-1 b) bzw. Bild 11-2 b) aufzunehmen, ist die Druckstrebe insbesondere im Mittelbereich
durch Bügel zu umschließen. Bei steilen Druckstreben (gedrungene Konsolen) eignen sich vorwiegend
horizontale Bügel und bei flacheren Druckstreben (schlanke Konsolen) vertikale Bügel. Nach Heft 425 des
DAfStb /11.1/ sind für ac ≤ 0,5 hc und FEd > 0,3 VRd,max in der Regel geschlossene horizontale Bügel mit
mindestens 50 % der Querschnittsfläche der Hauptbewehrung (Asw,3 ≥ 0,5 As) gleichmäßig über die Höhe zu
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verteilen (Bild 11-4 a)). Für ac > 0,5 hc und FEd > VRd,c sind zusätzlich vertikale geschlossene Bügel für
0,7 FEd (Asw,2 ≥ 0,7 FEd/fyd) anzuordnen (Bild 11-4 b)). Nach /1.1/, 6.2.2 (7), sind Konsolen i. d. R. durch
Stabwerkmodelle zu bemessen, wobei die Querzugkräfte entsprechend der Konsolgeometrie nach /1.1/,
Abschnitt 6.5.3, ermittelt werden können.

As: Schlaufen As: Schlaufen As: Schlaufen


oder Anker oder Anker oder Anker

Bügel Bügel konstr.


Asw,3 Asw,3 Bügel

konstr. Bügel Bügel Asw,2 Querkraftbewehrung

a) ac ≤ 0,5·hc b) ac ≥ 0,5·hc c) Kragträger (ac > hc)


Bild 11-4: Prinzipielle Bewehrungsführung bei Konsolen unterschiedlicher Schlankheit

110
In /11.5/ wird ein alternativer Ansatz zur Ermittlung der Bügelbewehrungsmenge vorgeschlagen (Bild 11-5).
Die von der Hauptbewehrung abhängige Menge der horizontalen Bügel ist entsprechend dem Stabwerkmo-
dell in Bild 11-1 b) im mittleren Bereich von 0,25 · z bis 0,75 · z anzuordnen. Die lotrechte Bügelbewehrung
wird auf die Vertikallast bezogen und sollte zwischen 0,25 · av und 0,75 · av verteilt werden. Die Randberei-
che sind zusätzlich konstruktiv zu verbügeln, wobei ein maximaler Bügelabstand s = 10 cm zu empfehlen ist.
Die Summe der Bügelbewehrungsmenge aus statisch erforderlichen Bügeln nach Bild 11-5 und konstrukti-
ven Bügeln entspricht den gleichwertigen Forderungen aus Heft 425 bzw. Heft 525.

Bügelbewehrung Asw,2/(FEd /fyd)


1,0 1,0
Hauptbewehrung As
Bügelbewehrung Asw,3/As

gedrungen schlank sehr schlank gedrungen schlank sehr schlank


0,5

0,3 horizontale Bügel Asw,3 lotrechte Bügel Asw,2

0 0,5 ac / hc 1,0 1,5 0 0,5 ac / hc 1,0 1,5

a) horizontale Bügel abhängig von As und ac/hc b) lotrechte Bügel abhängig von FEd und ac/hc
Bild 11-5: Anordnung und Bewehrungsmenge der Bügel nach /11.5/

11.4.2 Spezielle Bewehrungstechnik


Spezielle Bewehrungstechniken für (hochbeanspruchte) Konsolen ergeben sich insbesondere durch beson-
dere Verankerungselemente, wie z. B. angeschweißte Ankerplatten oder durch in bauaufsichtlichen Zulas-
sungen geregelte Ankerköpfe. Aktuelle Zulassungen zu Doppelkopfankern beinhalten zudem die Möglichkeit
eines Schraubstoßes für die Konsolbewehrung /11.9/, sodass die Konsole mit einer profilierten Arbeitsfuge
anbetoniert werden kann.

11.5 Beispiele
11.5.1 Beispiel 1: Gedrungene Konsole
Die Abmessungen der gedrungenen Konsole sind in Bild 11-6 und die konstruktive Durchbildung in den
Bildern 11-7 und 11-8 dargestellt. Auf die Verwendung des Teilsicherheitsbeiwertes C = 1,35 für Fertigteile
wird hier verzichtet. Wird C = 1,35 in Ansatz gebracht, ist bei jedem Fertigteil die Festigkeit explizit nachzu-
weisen.
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~28 16,5 30
FEd Stb.-Bauteil
Fsd 3 6 15 9
aH d1 9 15 6
d 40
18 30 vorh. a1 = 15 18
vorh. a2 +Da2 = 7
vorh. a3 +Da3 = 5
30 36 30
[cm] 3
Bild 11-6: Konsol- und Lagerabmessungen mit ac/hc = 16,5/40 = 0,41
(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C40/50, B500A, C = 1,5
Belastung: FEd = 250 kN (HEd = 0,2·FEd = 50 kN)

(2) Mindestabmessungen des Lagers, Lagerpressung


Nach EC2, 10.9.5, sind Mindestwerte für die Auflagertiefe a1, die Randabstände a2 und a3 sowie die
Grenzabweichungen a2 und a3 zu berücksichtigen. Die Werte sind nach EC2, Tabellen 10.2 bis 10.5,

111
abhängig von der Lagerpressung (hier: 0,15 < Ed / fcd = 0,25/(0,15·0,2·22,7) = 0,37 ≤ 0,40), der Art des
Lagers und der Baustoffe der Bauteile zu bestimmen. Werden vertikale Schlaufen zur Endverankerung
herangezogen, ist a3 um den inneren Biegeradius zu vergrößern. Die Grenzabweichungen sind nach
EC2, 10.9.5.1 bei der Bemessung und der konstruktiven Durchbildung zu berücksichtigen. Die Spann-
weite des aufgelagerten Stahlbetonträgers beträgt hier ln = 10 m.

a  a1  a2  a3  a22  a32  110  15  20  10 2  4 2  156 mm (11.12)

mit a1 = 110 mm Mindestlagertiefe (EC2 Tabelle 10.2)


a2 = 15 mm Mindestrandabstand des unterstützenden Bauteils (EC2 Tabelle 10.3)
a3 = 20 mm Mindestrandabstand des gestützten Bauteils (EC2 Tabelle 10.4)
a2 = 10 mm Grenzabweichung für den Abstand der unterstützenden Fertigteile
a3 = ln / 2500 = 10000 / 2500 = 4 mm Grenzabweichung für die Trägerlänge
(3) Nachweis der Druckstrebe nach Heft 525
VRd,max = 0,5·0,5·0,3·0,9·0,35·40/1,5 = 630 kN ≥ 250 kN
Alternativ: Bestimmung der Knotenabmessungen gemäß EC2, Abschnitt 6.5

x c  d  d 2  2  a v  a c1  0,35  0,35 2  2  0,207  0,051  0,032 m

mit ac1  FEd /(b   c )  0,250 /(0,3  16,2)  0,051 m


 a   16,5  40
 c   0,55  0,4  c   f cd   0,55  0,4    0,85   0,715  22,6  16,2 N/mm²
 hc   40  1,5
a v  a c  a c1 / 2  a c  a c  a c1 / 2  aH  H Ed / FEd  0,165  0,026  0,08  0,2  0,207 m
xc 0,032
Kontrolle: x    0,04 m  0,4  d  0,14 m
0,8 0,8
Mit einer gewählten Lagerdicke tLager = 3 cm und einer geschätzten einlagigen Bewehrung mit d1 = 5 cm
ergab sich der Abstand aH = 8 cm, der in der Berechnung von a berücksichtigt wurde. Die statische
Nutzhöhe d ergibt sich zu 35 cm. HEd wird hier an der Oberkante des Lagers wirkend angesetzt.
(4) Nachweis der Zuggurtkraft Fsd nach Heft 525
 
  0,35  1  0,4 250   0,294 m
VEd
z 0  d  1  0,4
 V   630 
 Rd,max 
ac a  z0 0,165 0,08  0,294
Fsd  FEd   H Ed  H  0,250   0,050   140  64  204 kN
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z0 z0 0,294 0,294

As,erf  Fsd / f yd  204/43,5  4,7 cm² ⇨ gewählt: 2 Schlaufen 14 (6,16 cm²)

Alternativ nach EC2, Abschnitt 6.5


z k  d  x c / 2  0,35  0,032 / 2  0,334 m
av 0,207
Fsd  FEd   HEd  0,250   0,050  205 kN
zk 0,333

As,erf  Fsd / f yd  205 / 43,5  4,7 cm² ⇨ gewählt: 2 Schlaufen 14 (6,16 cm²)

(5) Horizontale Bügelbewehrung nach Heft 525

As,Bü,erf  0,5  As  0,5  4,7  2,4 cm² ⇨ gewählt: 3 Bügel 8 (3,0 cm²) einschließlich konstruktiver
Bügel im Randbereich
Alternativ:
Asw,3,erf  0,3  As  0,3  5,0  1,5 cm² ⇨ gewählt: 2 Bügel 8 im Bereich der Spaltzugkräfte und ein
konstruktiver Bügel 8 im Randbereich ( = 3,0 cm²)

112
(6) Verankerung der Konsolhauptbewehrung Pos. ① und ⑥ unterhalb der Lagerplatte
Die Betondeckung der Schlaufen wird zu 3 = 4,2 cm gewählt:
  sd 1,4 332
lb,rqd      31 cm
4 fbd 4 3,75

mit fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  1,0  1,0  2,5 / 1,5  3,75 N/mm²
 2  1,0 gute Verbundbedingungen, da liegende Fertigung
As,erf 4,7
 sd  f yd   435   332 N/mm² (Bemessungsspannung)
As,vorh 6,16

l bd   1   2   3   4   5  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  (2 / 3)  31  14,5 cm  l b,min  9,4 cm

mit lb,min  max[0,3  1  lb,rqd  8,5 cm; 6,7  9,4 cm]

Die vorhandene Verankerungslänge der inneren Schlaufe bis zur hinteren Lagerkante beträgt
(15+6) – cnom – 1,4 – 2,0 – a2 = 21 – 2,0 – 1,4 – 2,0 – 1,0 = 14,6 cm ≥ 14,5 cm. Die Verankerungslänge
der äußeren Schlaufe ist bei gleichem Stabdurchmesser größer. ⇨ Nachweis erfüllt.

Überprüfung des Biegerollendurchmessers Dvorh = 8 cm nach EC2, Abschnitt 8.3:


Innerhalb der Vorverankerungslänge 15,6 – 8,0/2 = 11,6 cm wird ein Teil der Stahlzugkraft übertragen
(11,6 cm ·  ·  · 1,5 · 0,375 kN/cm² = 28,7 kN mit 50 % höheren Verbundspannungen aufgrund des Quer-
drucks), sodass zu Beginn der Abbiegung noch eine Stahlzugkraft Fbt =  · ² / 4 · 35,3 kN/cm² – 28,7 kN
= 54,3 kN – 28,7 kN = 25,6 kN vorhanden ist.
 1   1   1   1 
Dmin  Fbt ·     / fcd  25,6·   / 2,27  6,3 cm  8,0 cm
 ab 2
    4,2  0,7   2·1,4 
⇨ Der vorhandene Biegerollendurchmesser ist ausreichend.

(7) Verankerung der Konsolhauptbewehrung 14 Pos. ① und ⑥ in der Stütze


Die Verankerung der Konsolbewehrung wird analog zu Rahmenendknoten nachgewiesen /11.10/ (vgl.
Kapitel 12.3.4). Der Biegerollendurchmesser wird zu Dmin = 10 = 14 cm gewählt.

(8) Schließen der Bügel

Die Bügel Pos. ③, ④ und ⑤ dürfen in der Druckzone mit einem Bügelschloss geschlossen werden.
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Bild 11-7:

114
Konstruktive Durchbildung einer gedrungenen Konsole
Bild 11-8: 3D-Darstellung der Konsolbewehrung (gedrungene Konsole)

11.5.2 Beispiel 2: Schlanke Konsole

~28 Stb.-
28,5 30
FEd Bauteil
Fsd aH d3 21 15 6 6 15 9
1

d 40
18 30 vorh. a1 = 15 18
vorh. a2 +Da2 = 5
vorh. a3 +Da3 = 5
42 36 42
[cm] 3
Bild 11-9: Konsol- und Lagerabmessungen mit ac/hc = 28,5/40 = 0,71

(1) Bemessungsgrundlagen
Baustoffe: C40/50, B500A, C = 1,5
Belastung: FEd = 250 kN (HEd = 0,2·FEd = 50 kN)
(2) Mindestabmessungen des Lagers, Lagerpressung
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wie im Beispiel 1
(3) Nachweis der Druckstrebe nach Heft 525
Der Randabstand des Schwerpunkts der Bewehrung wird mit d1 = 7 cm angenommen. Die statische
Nutzhöhe d ergibt sich zu 33 cm.
VRd,max = 0,5 · 0,5 · 0,3 · 0,9 · 0,33 · 40/1,5 = 594 kN ≥ 250 kN
Alternativ: Bestimmung der Knotenabmessungen gemäß EC2, Abschnitt 6.5
Da hier die Lagerdicke tLager = 3 cm bekannt ist, wird sie bei der Berechnung von a in aH = 10 cm be-
rücksichtigt. HEd wird an der Oberkante des Lagers wirkend angesetzt.

x c  d  d 2  2  a v  a c1  0,33  0,33 2  2  0,327  0,044  0,047 m

mit ac1  FEd /(b   c )  0,250 /(0,3  18,9)  0,044 m


 a   28,5  40
 c   0,55  0,4  c   f cd   0,55  0,4    0,85   0,835  22,6  18,9 N/mm²
 hc   40  1,5
a v  a c  a c1 / 2  a c  a c  a c1 / 2  aH  H Ed / FEd  0,285  0,022  0,10  0,2  0,327 m
xc 0,047
Kontrolle: x    0,059 m  0,4  d  0,132 m
0,8 0,8

115
(4) Nachweis der Zuggurtkraft Fsd nach Heft 525

 VEd 
z 0  d 1  0,4   0,33  1  0,4 250   0,274 m
 VRd,max   594 

a a  z0 0,285 0,10  0,274
Fsd  FEd  c  H Ed H  250   50  260  68  328 kN
z0 z0 0,274 0,274
As,erf  Ftd / f yd  328 / 43,5  7,5 cm² ⇨ gewählt: 3 Schlaufen 14 (9,2 cm²)

Alternativ nach EC2, Abschnitt 6.5


zk  d  x c / 2  0,33  0,047 / 2  0,31m
av 0,327
Fsd  FEd   H Ed  0,250   0,050  314 kN
zk 0,31
As,erf  Fsd / f yd  314 / 43,5  7,2 cm² ⇨ gewählt: 3 Schlaufen 14 (9,2 cm²)

(5) Horizontale Bügelbewehrung nach Heft 525 ⇨ konstruktiv gewählt: 2 Bügel 8 (2,0 cm²)

Alternativ (Interpolation für ac/hc = 0,71 nach Bild 11-5)


 0,71  0,5 
Asw,3,erf  0,3  1    As  0,174  7,2  1,3 cm² ⇨ gewählt: 2 Bügel 8 (2,0 cm²)
 0,5 
(6) Lotrechte Bügelbewehrung nach Heft 525

As,Bü,erf  0,7  (250 / 43,5)  4,0 cm² ⇨ gewählt: 6 Bügel 8 (6,0 cm²) einschließlich konstruktiver
Bügel im Randbereich
Alternativ (Interpolation für ac/hc = 0,71 nach Bild 11-5)

 0,71  0,5 
Asw,2,erf     As  0,42  7,2  3,0 cm² ⇨ gewählt: 4 Bügel 8 im Bereich der Spaltzugkräfte
 0,5 
und konstruktiv 2 Bügel 8 im Randbereich (6,0 cm²)

(7) Verankerung der Konsolhauptbewehrung Pos. ①, ⑥ und ⑦ unterhalb der Lagerplatte


Die Betondeckung der oberen Schlaufen wird zu 3 = 4,2 cm gewählt:
  1,4 355
l b,rqd   sd    33,1 cm
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4 f bd 4 3,75
A 7,5
mit  sd  fyd  s,erf  fyd   355 N/mm² (Bemessungsspannung)
As,vorh 9,2
l bd   1   2   3   4   5  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  (2 / 3)  33,1  15,4cm  l b,min  9,4 cm
mit lb,min  max[0,3  1  lb,rqd  8,5 cm; 6,7  9,4 cm]
Die vorhandene Verankerungslänge der inneren Schlaufe bis zur hinteren Lagerkante beträgt
21 – cnom – 1,4 – 2,0 – a2 = 21 – 2,0 – 1,4 – 2,0 – 1,0 = 14,6 cm, die der äußeren Schlaufen 19 cm,
sodass die Verankerung sichergestellt ist. ⇨ Nachweis erfüllt

(8) Verankerung der Konsolhauptbewehrung Pos. ①, ⑥ und ⑦ in der Stütze


Die Verankerung der Konsolbewehrung wird analog zu Rahmenendknoten nachgewiesen /11.10/
(vgl. Kapitel 12.3.4). Der Biegerollendurchmesser wird zu Dmin = 10 = 14 cm gewählt.
(9) Schließen der Bügel
Die Bügel Pos. ③, ④ und ⑤ dürfen in der Druckzone mit einem Bügelschloss geschlossen werden.

116
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Bild 11-10: Konstruktive Durchbildung einer schlanken Konsole
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118
Bild 11-11: 3D-Darstellung der Konsolbewehrung (schlanke Konsole)
12 Rahmenknoten
12.1 Allgemeines
Biegesteife Rahmenknoten stellen besondere Anforderungen an die Bewehrungsführung, da hier Stützen
und Unterzüge bzw. Wände und Decken an einer hochbeanspruchten Stelle zusammengefügt werden. Die
Bemessung ist in DIN EN 1992-1-1, Anhang J.2 geregelt. Allerdings wird Anhang J.2 in Deutschland durch
den Nationalen Anhang außer Kraft gesetzt und auf Heft 600 des DAfStb /1.9/ verwiesen. Weitere Erläute-
rungen zum Tragverhalten, zur konstruktiven Durchbildung und Beispiele sind in den Heften 354 /12.1/, 373
/12.2/, 399 /1.10/, 486 /12.3/, 532 /12.4/ und 535 des DAfStb /12.5/ sowie /12.6/ bis /12.8/ zu finden.

12.2 Tragverhalten
Grundsätzlich muss bei Rahmenecken in Rahmenend- und -innenknoten sowie zwischen öffnender und
schließender Momentenbeanspruchung (positives und negatives Moment) unterschieden werden. Neben der
Knotengeometrie hat auch die Beanspruchung maßgebenden Einfluss auf die konstruktive Durchbildung.
Zudem werden in den Knoten Kräfte umgelenkt, sodass die hieraus resultierenden Umlenk- und Spaltzug-
beanspruchungen durch geeignete Bewehrungsführung zu berücksichtigen sind.

12.2.1 Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung (negatives Moment, Zug außen)


Bei einer Rahmenecke mit schließendem Moment tritt die Biegezugbeanspruchung an den Außenseiten auf
(Bild 12-1 a). Folgende charakteristische Versagensarten können unterschieden werden:
 Fließen der Biegebewehrung,
 Betondruckversagen,
 Spaltzugversagen oder Verankerungsbruch.
Die Stahlzugkräfte Fs aus dem Riegel und der Stütze müssen in einem eng begrenzten Bereich umgelenkt
werden und erzeugen daneben auch Querzugspannungen senkrecht zur Umlenkebene, die zu Spaltrissen
entlang der Bewehrung führen können (Bild 12-1 b)). Die Zugbewehrung ist daher mit einem ausreichend
großen Biegedurchmesser auszuführen (Bild 12-1 c)). Da die Biegezugbewehrung häufig oberhalb der
Arbeitsfuge im Bereich des Riegels mit der Übergreifungslänge l0 gestoßen wird, treten weitere Querzug-
spannungen auf, die ebenfalls eine Querbewehrung erfordern. Bei Knoten mit hohen mechanischen Beweh-
rungsgraden  > 0,20 bis 0,25 wird Betondruckversagen an der Innenecke maßgebend.

Spalten Stahltragfähigkeit Spalten c


Fs,Riegel

zR d hR
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Fc,Riegel
Betontragfähigkeit Arbeitsfuge

Fc,Stütze As,Riegel
Fs,Stütze
Werte des Mindestbiegerollendurchmessers Dmin
zS
aus EC2, Tabelle 8.1DE
d
Mindestwert der Betondeckung rechtwinklig zur Biegeebene
hS > 100 mm und > 7·f > 50 mm und > 3·f £ 50 mm oder £ 3·f Dmin
10f 15f 20f
As,Stütze
a) Stabwerkmodell b) Rissbild c) Prinzipskizze zur Bewehrungsführung
Bild 12-1: Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung

119
12.2.2 Rahmenecken mit öffnender Momentenbeanspruchung (positives Moment, Zug innen)
Bei Rahmenecken mit öffnender Momentenbeanspruchung tritt die Biegezugbeanspruchung an den Innen-
seiten auf und folgende vier charakteristische Versagensarten können angegeben werden:
 Fließen der Biegezugbewehrung,
 Betondruckversagen bei gleichzeitigem Querzug,
 Druckzonenversagen durch Abplatzung der Betondeckung,
 Verankerungsbruch durch Rissbildung.
Die Umlenkung der Biegedruckkräfte aus dem Riegel und der Stütze erzeugt im Eckbereich radial gerichtete
Zugspannungen (Bild 12-2 a)), die Spaltrisse und ein Abspalten der Druckzone in der Ecke hervorrufen
können (Bild 12-2 b)). Die Spaltrisse können nach Bild 12-2 b) zudem zum Verankerungsversagen führen.
Um ein Abspalten zu verhindern, sollte die Biegezugbewehrung schlaufenförmig ausgebildet und mit Steck-
bügeln eingefasst werden. Mit einer Bewehrungsführung nach Bild 12-2 c) kann in der Rahmenecke die
Biegetragfähigkeit der anschließenden Bauteile bis zu einem mechanischen Bewehrungsgrad von  = 0,2
erreicht werden /12.4/. Die Wirksamkeit der Bewehrungsformen in Abhängigkeit des Bewehrungsgrades ist
in Bild 12-3 dargestellt. Bei einer schlaufenartigen Bewehrung nach Bild 12-2 c) sollte bei Längsbeweh-
rungsgraden l > 0,4 % die Hauptbewehrung um 50 % vergrößert werden. Hierzu können z. B. Steckbügel
angeordnet werden. Alternativ kann die Tragfähigkeit durch Schrägzulagen erhöht werden. Die Bereiche vor
dem Anschnitt sind sorgfältig zu verbügeln, um ein robustes Bauteilverhalten sowohl am Stützenanschnitt als
auch am Riegelanschnitt sicherzustellen.
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a) Stabwerkmodell b) Rissbild c) Prinzipskizze Bewehrungsführung (/12.3/)


Bild 12-2: Rahmenecke mit öffnender Momentenbeanspruchung
Mu,Versuch
Mu,rechn. 1,25

1,00

0,75

0,50

0,25

0,25 0,50 0,75 1,00 1,25 1,50 1,75 rl [%]


Bild 12-3: Wirksamkeit der Rahmeneckenbewehrung unter öffnender Momentenbeanspruchung /12.1/

120
12.2.3 Rahmenendknoten
Rahmenendknoten sind biegesteife Anschlüsse von durchlaufenden Randstützen an Unterzügen bzw.
Platten. In Rahmenendknoten wechselt häufig das Vorzeichen des Stützenmomentes im Knoten und der
Querkraftverlauf weist daher innerhalb des Knotens zwei Sprünge auf, die aus den horizontal angreifenden
Biegezug- und Biegedruckkräften des Riegels resultieren. Bild 12-4 a) zeigt den prinzipiellen Kräfteverlauf in
einem Rahmenendknoten. Infolge großer Knotenquerkräfte entstehen mit zunehmender Belastung diagona-
le Spaltrisse (Bild 12-4 b)). Die Spaltzugkräfte sind durch Bügel oder Steckbügel aufzunehmen.

Die Stützenlängsbewehrung wird geradlinig durch die Stütze geführt (Bild 12-4 c)). Die Hauptbewehrung des
Riegels geht aus der Biegebemessung hervor. Das Abbiegen der Riegelhauptbewehrung um 90° und Wei-
terführung in die untere Stütze entspricht dem Modell in Bild 12-4 a). Alternativ kann die Riegelhauptbeweh-
rung um 180° gebogen und unten in den Riegel zurückgeführt werden (Bild 12-4 c) rechts). Zur Beschrän-
kung der Kehlrissbreite (Schrägriss) am Riegelanschnitt können horizontale Steckbügel im Riegel und verti-
kale Zulagen in der Stütze angeordnet werden (Bild 12-4 c) rechts). Zudem treten im Knoten Querzugkräfte
infolge Lastausbreitung und Umlenkung der Bewehrung auf, die durch horizontale Steckbügel oder ge-
schlossene Bügel aufgenommen werden können.

a) Stabwerkmodell b) Rissbild c) Prinzipskizzen für zwei Varianten der


Bewehrungsführung
Bild 12-4: Rahmenendknoten
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12.2.4 Rahmeninnenknoten
Rahmeninnenknoten sind biegesteife Kreuzungspunkte von durchlaufenden Stützen und Durchlaufträgern.
Dabei können symmetrische und antimetrische Belastungszustände auftreten, wie die Riegel- und Stützen-
momente in den Bildern 12-5 und 12-6 verdeutlichen. In ausgesteiften Rahmen, bei denen das
Stützweitenverhältnis benachbarter Riegelfelder 0,5 < leff,1 / leff,2 < 2,0 beträgt, können die Riegel wie Durch-
laufträger behandelt werden, da keine nennenswerten Kräfte zwischen Riegel und Stützen umgelenkt wer-
den müssen. Wird der Rahmen zur Aussteifung herangezogen, ist wie auch bei Rahmenendknoten stets das
Gesamtsystem zu untersuchen. Die Rahmeninnenknoten erfahren dann aus den Horizontallasten und aus
feldweiser Verkehrslast antimetrische Momente. Die Druckstrebe im Knoten resultiert im Wesentlichen aus
der Umlenkung der Biegezug- und Biegedruckkräfte zwischen rechtem Riegel und unterer Stütze bzw.
linkem Riegel und oberer Stütze (Bild 12-6 a)).
Bei symmetrischer Beanspruchung wird die Stützen- und Riegelbewehrung durch den Knoten durchgeführt
(Bild 12-5 b)). Bei antimetrischer Beanspruchung muss die Bewehrung innerhalb des Knotens verankert
werden (Bild 12-6 b)). Wenn die Rahmentragwirkung wechselseitig auftritt (Aussteifungslasten), werden
Rahmeninnenknoten zweckmäßigerweise symmetrisch bewehrt.

121
NEd,Stütze,o

QEd,Riegel

MEd,Riegel

NEd,Stütze,u
a) Stabwerkmodell b) Prinzipskizze zur Bewehrungsführung
Bild 12-5: Symmetrisch beanspruchter Rahmeninnenknoten
NEd,Stütze,o
MEd,Stütze,o
QEd,Stütze,o

Verankerung

QEd,Riegel

MEd,Riegel

Verankerung

QEd,Stütze,u
MEd,Stütze,u
NEd,Stütze,u
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a) Stabwerkmodell b) Prinzipskizze zur Bewehrungsführung unter


Berücksichtigung der Durchlaufwirkung
Bild 12-6: Antimetrisch beanspruchter Rahmeninnenknoten

12.3 Beispiele mit konstruktiver Durchbildung


12.3.1 Allgemeines
Die konstruktive Durchbildung eines Rahmenknotens wird maßgeblich bestimmt durch Art und Höhe der
Beanspruchung, die Art und Abmessungen der Bauteile sowie die gewählten Stabdurchmesser. Weiterhin ist
die Bewehrungsführung sorgfältig auf die Betonierfugen und die Schalungstechnik abzustimmen. Für die
folgenden Beispiele wurde die Betondeckung des äußersten Bewehrungsstabes jeweils zu cnom gewählt. Die
weiteren Stablagen ergeben sich aus den Stabdurchmessern zuzüglich der Differenz zwischen Nenndurch-
messer und Außendurchmesser. Zudem wird hier jeweils ein C30/37 mit einheitlichen Verbundspannungen
verwendet:
guter Verbund: fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  1,0  1,0  1,33  3,0 N/mm²
mäßiger Verbund: fbd  2,25  1   2  fctd  2,25  0,7  1,0  1,33  2,1 N/mm²

122
12.3.2 Beispiel für Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung
In Bild 12-7 sind die Geometrie, die statisch erforderliche Biegezugbewehrung des Riegels und der Stütze
sowie die Betondeckung für Expositionsklasse XC1 gegeben. Neben der Biegezugbewehrung ist eine weite-
re konstruktive Bewehrung erforderlich, um die Tragfähigkeit der Hauptbewehrung sicherzustellen. In
Bild 12-8 ist eine mögliche konstruktive Durchbildung dargestellt. Diese ist zusätzlich in Bild 12-9 dreidimen-
sional dargestellt.

60

40

C30/37
50
XC1: erf. cnom = 20 mm
oben: erf. As,Riegel = 10,0 cm²
40 außen: erf. As,Stütze = 12,0 cm²
Stütze: vorh. w = 0,15
Stütze: vorh. rl = 0,006
Bild 12-7: Beispiel einer Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung

Der Übergreifungsstoß der Pos. ① und ② wird mit Haken ausgeführt. Der erforderliche Biegerollendurch-
messer beträgt Dmin = 20 = 40 cm, da hier die seitliche Betondeckung c ≤ 50 mm ist. Der Eckbereich wird
mit Steckbügeln Pos. ⑤ und geschlossenen Bügeln ⑥ eingefasst. Dadurch können die Bügel Pos. ⑥ nach
dem Betonieren der Stütze eingebaut werden. Im weiteren Verlauf des Stoßes besteht die Querbewehrung
aus geschlossenen Bügeln (Pos. ⑥). Sowohl bei Pos. ⑥ als auch ⑦ sind die Bügelschlösser innen anzu-
ordnen (Druckzone). Die horizontalen Steckbügel Pos. ⑤ werden mit der konstruktiven Stegbewehrung des
Riegels gestoßen (Pos. ⑧).

(1) Übergreifungsstoß der Biegezugbewehrung Pos. ① und ②


Bei einem geraden Stabende ergibt sich aufgrund des Stabdurchmessers 20 für den
Übergreifungsstoß ein Bemessungswert der Übergreifungslänge l0 = 1,98 m. Daher wird die
Übergreifungslänge durch Winkelhaken reduziert.
  sd 2,0 415
l b,rqd      99 cm
4 fbd 4 2,1
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As, erf 12,0


mit  sd  f yd   435   415 N/mm² (Bemessungsspannung)
As, vorh 12,6

Variante mit Winkelhaken:


l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  0,7  1,0  1,0  1,0  2,0  99  139 cm  l 0,min  30 cm
mit l 0,min  max[0,3   1   4   6  l b,rqd  0,3  0,7  1,0  104  21,8 cm; 15  30,0 cm; 20,0 cm]
 1 : Beiwert zur Berücksichtigung der Biegeform (für Schlaufen  1 = 0,7 wenn die Beton-
deckung senkrecht zur Schlaufenebene ≥ 3, anderenfalls  1 = 1,0)
 2 : Beiwert zur Berücksichtigung der Mindestbetondeckung; 2 ist nach /1.1/ i. d. R. mit
1,0 anzusetzen.
 3 : Beiwert zur Berücksichtigung der Querbewehrung
 5 : Beiwert zur Berücksichtigung des Querdrucks p senkrecht zur Schlaufenebene
(  5  1  0,04 p ; 0,7   5  1,0 ); 5 = 2/3 bei direkter Lagerung
 6 : Beiwert zur Berücksichtigung des Stoßanteils nach /1.1/, Tabelle 8.3DE
Die gewählte Übergreifungslänge beträgt 9 + 22 +  · 21/4 + 83 + 9 = 139 cm

123
(2) Verankerung der Steckbügel Pos. ⑤
  sd 0,8 435
lb,rqd      41cm
4 fbd 4 2,1

l bd   1   2   3   4   5  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,0  41  41 cm  l b,min  12 cm

mit l b,min  max[0,3   1  l b,rqd  12,3 cm; 10  8,0 cm]


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Bild 12-8: Konstruktive Durchbildung einer Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung

124
Betonierfuge

Bild 12-9: 3D-Darstellung der Bewehrung einer Rahmenecke mit schließender Momentenbeanspruchung

12.3.3 Beispiel für Rahmenecke mit öffnender Momentenbeanspruchung


Zur Darstellung der Bewehrungsführung bei Rahmenecken unter positiver Momentenbeanspruchung werden
die Abmessungen, Baustoffe und Bewehrungsgrade nach Bild 12-10 verwendet. Die Bewehrung soll schlau-
fenartig geführt werden. Aufgrund des hohen Bewehrungsgrades (geometrischer Bewehrungsgrad l = 0,6 %
bzw. mechanischer Bewehrungsgrad  = 0,15) sind neben der innenliegenden Hauptbewehrung entweder
eine weitere Schrägbewehrung in der Kehle oder orthogonale Zulagen von 50 % der jeweiligen Hauptbe-
wehrung erforderlich.
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Bild 12-10: Beispiel einer Rahmenecke mit öffnender Momentenbeanspruchung

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Bild 12-11: Konstruktive Durchbildung einer Rahmenecke mit öffnender Momentenbeanspruchung

126
Die Bewehrung ist in Bild 12-11 und als 3D-Visualisierung in Bild 12-12 dargestellt. In der Stütze und im
Riegel wird die Hauptbewehrung zu 4 20 gewählt (Pos. ① und Pos. ② = 12,5 cm²). Die Zulagen Pos. ⑩
(4 Steckbügel 10 = 6,3 cm² ≥ 0,5·10 cm²) und Pos. ⑪ (6 12 = 6,8 cm² ≥ 0,5·12,5 cm²) entsprechen 50 %
der Hauptbewehrungsmenge. Die Umlenk- und Spaltzugkräfte im Eckbereich werden von den Steckbügeln
Pos. ⑤ und Pos. ⑨ aufgenommen. Um den späteren Einbau der Riegelbewehrung nach dem Betonieren
der Stütze zu erleichtern, wird Pos. ⑪ oben mit einem Kappenbügel Pos. ⑫ geschlossen. Die Bügelschlös-
ser der Pos. ⑥ und ⑦ in der Stütze und im Riegel sind in der außen liegenden Druckzone anzuordnen.

(1) Übergreifungsstoß der Zulagen Pos. ⑩ mit Pos. ② (As,erf = 0,5 · 10,0 = 5,0 cm²)
  sd 2,0 230
Pos. ②: l b,rqd      38 cm
4 fbd 4 3,0

  sd 1,0 230
Pos. ⑩: l b,rqd      19 cm
4 fbd 4 3,0

As, erf 0,5·10


mit  sd  f yd   435   230 N/mm² (4 20 + 2 Bü 10 4-schnittig)
As, vorh 6,3  12,6

1,4  2,0 19  38
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0    48 cm  l 0,min  30 cm
2 2

(2) Übergreifungsstoß der Zulagen Pos. ⑪ mit Pos. ① (erf. As = 0,5 · 12,5 = 6,25 cm²)
  sd 2,0 140
Pos. ①: lb,rqd      23 cm
4 fbd 4 3,0

  sd 1,2 140
Pos. ⑪: lb,rqd      14 cm
4 fbd 4 3,0

erf. As 0,5·12,5
mit  sd  fyd   435   140 N/mm² (4 20 + 6 12)
vorh. As 6,8  12,6

1,4  2,0 14  23
l 0  1   2   3   5   6  lb,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0    45 cm  l0,min  30 cm
2 2

(3) Übergreifungsstoß der Steckbügel Pos. ⑪ mit Pos. ⑫


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  sd 1,2 290
l b,rqd      29 cm
4 fbd 4 3,0

2
mit  sd   f yd  290 N/mm²
3
l 0   1   2   3   5   6  l b,rqd  1,0  1,0  1,0  1,0  1,4  29  41cm  l 0,min  13 cm

(4) Verankerung der Steckbügel Pos. ⑤


  sd 1,0 435
l b,rqd      52 cm
4 fbd 4 2,1

127
Betonierfuge

Bild 12-12: 3D-Darstellung der Bewehrung einer Rahmenecke mit öffnender Momentenbeanspruchung

12.3.4 Beispiel für Rahmenendknoten


Die Abmessungen eines beispielhaften Rahmenendknotens, der Momentenverlauf und die nach Biegetheo-
rie statisch erforderliche Bewehrung sind in Bild 12-13 dargestellt. Das Riegelmoment wird hier jeweils zur
Hälfte auf die obere und untere Stütze geleitet. Um das Beispiel zu vereinfachen, wurde auf den Ansatz von
zusätzlichen Quer- und Normalkräften verzichtet.
erf. As,Riegel = 12,0 cm² oben

C30/37 M erf. As [cm²] V


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XC1: erf. cnom = 20 mm


12,0 VEdcol,o

40 60 10,0 10,0
0,3h
40
b/h = 40/40

Bild 12-13: Beispiel eines Rahmenendknotens, Abmessungen und statisch erforderliche Bewehrung

Die Bemessung des Riegels erfolgt nach /12.2/ und /12.4/ im Abstand 0,3h von der Schwereachse der
Stütze (h = Dicke der Stütze). Zur Bemessung des Rahmenendknotens wird der halbempirische Bemes-
sungsansatz für die Knotenquerkrafttragfähigkeit nach /12.4/ verwendet, wobei Vj,Rd ≥ Vjh nachzuweisen ist.
Dabei wird zwischen der Tragfähigkeit ohne und mit Bügelbewehrung unterschieden. Zur Aufnahme der
Spaltzugkräfte wird im Knoten eine Steckbügelbewehrung As,j angeordnet. Der Nachweis der Betondruck-
strebe wird durch Begrenzung der Knotenquerkrafttragfähigkeit geführt.

128
Einwirkende Querkraft im Knoten:
VEd  Fs,beam  VEd,col,o  12,0  43,5  522 kN
Auf der sicheren Seite liegend wird auf den Abzug von VEd,col,o verzichtet.
Knotentragfähigkeit ohne Bügel:
0,25 0,25
hbeam f  0,60  30 
V j,cd  1,4  (1,2  0,3 )  beff  hcol   ck 
  1,4  (1,2  0,3 )  0,40  0,40     355 kN
hcol c  0,40  1,5 

Knotentragfähigkeit mit Bügel:


Vj,Rd  Vj,cd  0,4  Asj,eff  fyd  341  0,4  10,3  43,5  520 kN  VEd

f ck 30
V j,Rd  2  V j,cd  710 kN und V j,Rd   N  0,25   b eff  hcol  1  0,25   0,4  0,4  800 kN
c 1,5

mit Asj,eff  2    ( 4  0,16  4  0,25)  10,3 cm² (⑦ 4 Bü 8 + ⑨ 4 Bü 10)

Eine mögliche konstruktive Durchbildung ist in den Bildern 12-14 und 12-15 dargestellt. Die Riegelhauptbe-
wehrung, Pos. ① und ④, wird um 180° abgebogen und in die Riegeldruckzone geführt, sodass die Beweh-
rungsführung auf die Betonierabschnitte und Schalungstechnik abgestimmt ist. Für den nach oben geleiteten
Traganteil sind zur Hauptbewehrung die Zulagen Pos. ⑥ und ⑨ anzuordnen. Oberhalb des Stoßes sollte
Pos. ⑤ der Stützenlängsbewehrung gekröpft werden.

(1) Mindestbiegerollendurchmesser von Pos. ① und ④:


D  10  20 cm
(2) Nachweis der Verankerung der Riegelzugbewehrung Pos. ① und ④
  sd 2,0 332
lb,rqd      55 cm
4 fbd 4 3,0
12
mit  sd  435   332 N/mm²
15,7
l b,eq  l b,rqd  55 cm  l b,min  21,8 cm
mit lb,min  max [0,3  lb,rqd  0,3  72,5  21,8 cm; 10  20,0 cm]
Die anrechenbare Verankerungslänge nach /12.4/ beträgt
 2  l 
lb  2  l d  2   40  2  cnom  2  Bü    2  40  4  2  0,8  2  65 cm  55 cm
 2 
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Betonierfuge

Betonierfuge

Bild 12-14: 3D-Darstellung der Bewehrung des Rahmenendknotens mit 180°-Abbiegungen

129
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Bild 12-15: Konstruktive Durchbildung eines Rahmenendknotens

12.3.5 Beispiel für Rahmeninnenknoten


In den Bildern 12-16 und 12-17 ist ein Ausführungsbeispiel eines Rahmeninnenknotens dargestellt. Ein
ausführlicher Nachweis ist in /12.4/ zu finden.

130
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131
Bild 12-16: Konstruktive Durchbildung eines Rahmeninnenknotens
Betonierfuge

Betonierfuge

Bild 12-17: 3D-Darstellung der Bewehrung des Rahmeninnenknotens

12.3.6 Konstruktive Durchbildung bei Sonderformen von Rahmenknoten


Eine mögliche konstruktive Bewehrungsführung für Wand-Deckenanschlüsse und spitze Rahmenecken ist in
Bild 12-18 dargestellt. Bei Wand-Decken-Anschlüssen mit schließendem Moment ist bei einem Längsbeweh-
rungsgrad von l ≤ 0,4 % und  ≤ d/20 (mit d = statische Nutzhöhe) ein Biegerollendurchmesser Dmin gemäß
/1.1/, Tabelle 8.1DE a), Spalten 1 bis 2 ausreichend, wenn in den Abbiegungen eine durchlaufende und
ausreichend dimensionierte Querbewehrung angeordnet wird. Ein Abspalten der seitlichen Bauteilränder
kann wirksam durch Steckbügel verhindert werden.

Hauptbewehrung konstruktive Bewehrung


Steckbügel
Steckbügel
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a) Wand-Deckenanschluss b) spitze Rahmenecke


Bild 12-18: Konstruktive Durchbildung

Bei Rahmenecken unter positivem Moment mit spitzen Knickwinkeln von etwa 135° ist eine schlaufenförmi-
ge Führung der Hauptzugbewehrung mit zusätzlichen Schrägstäben in einer Voute erforderlich, um eine
ausreichende Tragfähigkeit zu erreichen (Bild 12-18 b)). Der äußere Eckbereich ist konstruktiv zu verbügeln.
Beim biegesteifen Anschluss von Treppenläufen an Treppenpodeste handelt es sich um Rahmenecken mit
Laibungswinkeln   45° (Bild 12-19). Der Biegerollendurchmesser der Hauptbewehrung soll Dmin = 10
nicht unterschreiten. Durch die Schlaufen werden die Umlenkkräfte der Druckzone aufgenommen. Für
geometrische Längsbewehrungsgrade l  0,4 % ist eine Schrägbewehrung ass  0,5·asl anzuordnen.

132
Bild 12-19 zeigt die empfohlene konstruktive Durchbildung der Hauptbewehrung für ein Zwischenpodest. Für
so bewehrte Treppenpodeste lässt sich in Versuchen /12.1/ bis zu einem mechanischen Bewehrungsgrad
von   0,15 das rechnerische Bruchmoment erreichen.

³ 3h
asl A

a dbr ³ 10 ds asl Schnitt A-A

lb

lb ass = 0,5·asl für rl > 0,4 %

Bild 12-19: Konstruktive Durchbildung eines Treppenpodestes

12.3.7 Spezielle Bewehrungstechnik


Bei Rahmenecken mit öffnendem Moment (positives Moment, Zug innen) (Bild 12-20 a)) /12.5/ und Endkno-
ten (Bild 12-20 b)) /12.4/ haben Stäbe mit Ankerplatten Vorteile hinsichtlich der Verankerung und des Ein-
baus (Bild 12-20) /12.10/. Hier sind grundsätzlich die entsprechenden Zulassungen zu beachten. Bei Rah-
menecken mit schließendem Moment (negatives Moment, Zug außen) konnte in Versuchen hingegen keine
ausreichende Tragfestigkeit festgestellt werden, da es zu einem vorzeitigen Betonausbruch im Bereich des
Ankerkörpers kommt /12.9/.
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a) Rahmenecke (Zug innen) b) Rahmenendknoten c) 3D-Darstellung der Bewehrung


Bild 12-20: Schematische Bewehrungsführung von Stäben mit Ankerplatten

133
13 Wandartige Träger
13.1 Allgemeines
Wandartige Träger sind in Richtung ihrer Mittelebene belastete ebene Flächentragwerke, deren Querschnitte
unter Belastung nicht mehr eben bleiben. Die Stützung erfolgt - im Gegensatz zu kontinuierlich
aufgelagerten und vorwiegend auf Druck beanspruchten Wänden - nur an diskreten Auflagerpunkten,
sodass wandartige Träger vorwiegend auf Biegung beansprucht werden. Bei der Spannungsermittlung muss
beachtet werden, dass die Ansätze der technischen Biegelehre (Bernoulli-Hypothese) für wandartige Träger
nicht gültig sind. Bild 13-1 zeigt die in wandartigen Trägern bei Bauteilhöhen von h/leff = 0,5; 1,0 und 1,5
auftretenden Längsspannungen σx in der Feldmitte im Zustand I. Kennzeichnend für wandartige Träger ist
auch, dass sich diese Spannungszustände bei Bauteilhöhen h/leff > 1 qualitativ kaum noch verändern.

Die Abgrenzung zwischen wandartigen Trägern und Balken erfolgt anhand des Verhältnisses der Stützweite
leff zur Höhe der Wandscheibe h. In Abhängigkeit von dem statischen System liegt ein wandartiger Träger
nach Heft 240 des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton /13.1/ bei folgenden h/leff - Verhältnissen vor:

Gelenkig gelagerter Einfeldträger: h/leff > 0,5

Endfeld eines Mehrfeldträgers: h/leff > 0,4

Innenfeld eines Mehrfeldträgers: h/leff > 0,3

Kragträger: h/leff > 1,0


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Bild 13-1: Längsspannungsverläufe in der Feldmitte von Wandscheiben bei einem


Seitenverhältnis von h/leff = 0,5; 1,0 und 1,5

Nach EC2 /1.1/, NA 1.5.2.23, werden gelenkig gelagerte, einfeldrige Bauteile mit Seitenverhältnissen bis
h/leff = 0,33 als wandartige Träger bezeichnet, da der Lastabtrag erst bei diesen Bauteilen vollständig durch
ein Balkenfachwerk mit vertikalen Zugstreben beschrieben werden kann /13.2/. Die für das Seitenverhältnis
von h/leff = 0,5 dargestellten Spannungszustände (Bild 13-1 links) verdeutlichen, dass bei dieser Schlankheit
bereits weitgehend der für Balken typische Spannungsverlauf auftritt. Im Nachfolgenden wird daher die
klassische Abgrenzung zwischen wandartigen Trägern und Balken nach /13.1/ verwendet. Gelenkig gelager-
te, einfeldrige Bauteile mit Seitenverhältnissen von h/leff = 0,33 bis 0,5 liegen im Übergangsbereich zwischen
Balken und wandartigen Trägern. Bei der Bestimmung der Längs- und Querbewehrung können diese Bau-
teile als Balken betrachtet werden. Zusätzlich sind die konstruktiven Regeln für wandartige Träger zu beach-
ten.

134
13.2 Tragverhalten
Das Tragverhalten eines wandartigen Trägers wird maßgeblich durch den Ort des Lastangriffs (Belastung
von oben angreifend oder unten angehängt), durch die Lastart (Gleichstrecken- oder Punktlast) und die Art
der Lagerung (unten gestützt oder über die Höhe verteilt an andere Bauteile angeschlossen) beeinflusst. Mit
Hilfe der Scheibentheorie kann die Spannungsverteilung im ungerissenen Zustand I zutreffend beschrieben
werden. Ab einem Seitenverhältnis h/leff = 1 wird eine an der Oberkante einwirkende Belastung quasi durch
den oberen Wandbereich „durchgeleitet“ und Längszugspannungen in x-Richtung entstehen nur in einem
kleinen, unteren Bereich (Bild 13-2 links). Bei Belastung an der Unterkante ergibt sich ein ähnlicher Längs-
spannungsverlauf, wobei jedoch im Einleitungsbereich zusätzlich in Lastrichtung verlaufende Zugspannun-
gen σy entstehen (Bild 13-2 rechts). Die meisten wandartigen Träger gehen allerdings schon auf Gebrauchs-
lastniveau in den gerissenen Zustand II über, sodass der Ansatz eines isotropen Materialverhaltens nicht
mehr zutreffend ist und die sich einstellenden Tragmechanismen von der elastischen Spannungsverteilung
abweichen können. In guter Näherung kann das Tragverhalten dann unter Verwendung einfacher Stab-
werkmodelle beschrieben werden. Diese Stabwerkmodelle werden im Allgemeinen an den Verlauf der
Hauptspannungstrajektorien im ungerissenen Zustand I angelehnt. Sie fassen die wesentlichen Ströme der
gekrümmten, ebenen oder räumlichen „Spannungsfelder“ zu konzentrierten Einzelstäben zusammen („Last-
pfadmethode“ /13.2/). Die Stabwerkmodelle bestehen aus den Betondruckstreben, den Zugstreben (Beweh-
rung) und den verbindenden Knoten. Die Knotenpunkte der Stäbe sind keine idealen Gelenke, sondern
Wandbereiche, in denen innere Kräfte umgelenkt oder verankert werden. Die Wirksamkeit der Knotenpunkte
ist zur Vermeidung eines schlagartigen Versagens von großer Bedeutung.

Bild 13-2 zeigt die Verläufe der Hauptspannungstrajektorien und die daraus entwickelten Stabwerkmodelle
für ein Einfeldsystem mit oben aufgebrachter und unten angehängter Gleichstreckenlast. Dabei kann ent-
sprechend dem Verlauf der Hauptdruckspannungen im Auflagerbereich von einem Winkel zwischen Druck-
und Zugstrebe von θ = 55 ÷ 65° ausgegangen werden. Außerdem ist zu erkennen, dass die Längsspannun-
gen σx am unteren Querschnittsrand zwischen den Auflagerpunkten verlaufen.
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a) Belastung an der Oberkante b) Belastung an der Unterkante

Bild 13-2: Hauptspannungstrajektorien und Stabwerkmodell einer Wandscheibe (h/leff = 1,5)

Bei mehrfeldrigen Wandscheiben kann das Tragverhalten ebenfalls in guter Näherung mit Stabwerkmodellen
beschrieben werden (Bild 13-3).

135
a) Belastung an der Oberkante b) Belastung an der Unterkante
Bild 13-3: Hauptspannungstrajektorien und Stabwerkmodell einer zweifeldrigen Wandscheibe mit
h/leff = 1,5 und einer Belastung an der Oberkante (links) bzw. an der Unterkante (rechts)

Auch bei Einzellasten lässt sich der Lastabtrag in einer Wandscheibe mit einem inneren Stabwerksystem
zutreffend beschreiben (siehe Bild 13-4).
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Bild 13-4: Hauptspannungstrajektorien und Stabwerkmodell einer einfeldrigen Wandscheibe mit punktför-
miger Belastung am oberen Rand (h/leff = 1,5)

Bereits bei der Wahl der Stabwerkmodelle sollten die ausführungstechnischen Randbedingungen der Stahl-
betonbauweise berücksichtigt werden. Grundsätzlich muss die zur Abdeckung der Zugkräfte erforderliche
Bewehrung baupraktisch verlegbar sein, wobei gerade Stäbe mit wenigen Abbiegungen zu bevorzugen sind.
Außerdem muss sich die gewählte Bewehrungsführung für alle auftretenden Lastfälle eignen. Eine reine
Trajektorienbewehrung, die lediglich für einen bestimmten Belastungszustand ausgelegt wird, ist aufgrund
des stark von der Einwirkung abhängigen Zugkraftverlaufs nicht sinnvoll.

13.3 Bemessung
13.3.1 Schnittgrößenermittlung
Für die Schnittgrößenermittlung von wandartigen Trägern werden in der Ingenieurpraxis entweder die oben
beschriebenen Stabwerkmodelle oder das Näherungsverfahren nach Heft 240 des DAfStb /13.1/ angewen-
det. Bei dem Näherungsverfahren werden zunächst die Biegemomente im Feld und über den Stützungen

136
nach der Biegetheorie ermittelt und dann die Zugkräfte unter Ansatz des Hebelarms der inneren Kräfte zF
bzw. zS über ZF = MF/zF bzw. ZS = MS/zS ermittelt. Das Näherungsverfahren gilt für beliebige Laststellungen.

Der Hebelarm z der inneren Kräfte wird in Abhängigkeit vom Verhältnis h/leff definiert und kann ab einer
Bauteilhöhe h/leff >1
 für einfeldrige Wandscheiben zu zF = 0,6 · leff und
 für durchlaufende Wandscheiben zu zF = zS = 0,45 · leff (Endfelder) bzw. zF = zS = 0,4 · leff
(Innenfelder)
angenommen werden.

Bild 13-5 zeigt die Entwicklung der inneren Hebelarme gemäß dem Nährungsverfahren nach Heft 240 des
DAfStb /13.1/ für unterschiedliche statische Systeme.

Innere Hebelarme wandartiger Träger im


Feldbereich zF/leff bzw. Stützbereich zS/leff

A Innenfelder von Durchlaufträgern (zF = zS)

B Zweifeldträger und Endfelder von


Durchlaufträgern (zF = zS)

C Einfeldträger (zF)

D Kragträger (zS)

Bild 13-5: Innere Hebelarme zF bzw. zS bei wandartigen Trägern

13.3.2 Zugstreben
Die aus einem Stabwerkmodell oder dem Näherungsverfahren nach Heft 240 des DAfStb ermittelten
Zugstrebenkräfte im Feld- und Stützbereich von wandartigen Trägern müssen durch eine ausreichende
Bewehrung abgedeckt werden, die im Allgemeinen ungeschwächt von Knoten zu Knoten durchgeführt
werden muss.
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Neben diesen Zugstrebenkräften entstehen an Krafteinleitungsstellen und bei einer Einschnürung von
Druckstreben (z. B. an Knotenpunkten) Querzugkräfte Ftd. Bild 13-6 zeigt schematisch den Bereich, in dem
die Druck-Trajektorien durch die Konzentration auf die Krafteinleitungsstelle gekrümmt verlaufen. Die abzu-
deckende Querzugkraft Ftd ermittelt sich nach EC2 /1.1/, Abschnitt 6.5.3, in Abhängigkeit von der Ausbrei-
tung der Druckspannung:

a) Bereiche mit begrenzter Ausbreitung der Druckspannung bei b ≤ H/2 (Bild 13-6 links):

 a
Ftd  0,25  1    F (13.1)
 b

b) Bereiche mit unbegrenzter Ausbreitung der Druckspannung bei b > H/2 (Bild 13-6 rechts):

 a
Ftd  0,25  1  0,7    F (13.2)
 H

Die zur Abdeckung der Querzugkraft Ftd notwendige Bewehrung ist im Einleitungsbereich zu verteilen.

137
Bild 13-6: Einschnürung des Druckfeldes und Querzugkräfte Ftd bei einem Spannungsfeld mit begrenzter
(links) und mit unbegrenzter Ausbreitung der Druckspannung (rechts) /1.1/

13.3.3 Druckstrebe
Bei der Bemessung von Druckstreben sind die auftretenden Druckspannungen und im Falle von Einschnü-
rungen auch die Querzugkräfte nachzuweisen. Die Bemessungswerte der Betondruckfestigkeit Rd,max sind
für ungerissene Betondruckzonen auf 1,0 · fcd und bei Druckstreben parallel zu Rissen auf 0,75 · fcd zu
begrenzen. Werden Druckstreben von Rissen gekreuzt, ergeben sich noch geringere Werte für Rd,max. In
der Regel wird jedoch im Rahmen des Druckstrebennachweises die Bemessung der Knoten maßgebend.

13.3.4 Knoten / Verankerung der Druckstrebe


An Krafteinleitungsstellen, Bereichen von Mitten- oder Endauflagern sowie Endverankerungsbereichen von
Zugstreben werden große Kräfte in das Bauteil eingeleitet. In diesen Knotenpunkten werden die Kräfte aus
den Zug- und Druckstreben gebündelt und evtl. umgelenkt (siehe Bild 13-2 bis Bild 13-4). Im Allgemeinen
erreichen die Druckspannungen im Bauteil an diesen Knoten ihren Höchstwert und werden ggf. zusätzlich
von Zugspannungen überlagert (z. B. Druck-Zug-Knoten am Endauflager). In wandartigen Trägern mit hohen
Bewehrungsgraden ist das Versagen der Druckstreben und Knoten meist maßgebend für die Traglast des
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gesamten Tragwerks.

Die Geometrie und der Beanspruchungszustand der Knoten in wandartigen Trägern ergeben sich in
Abhängigkeit der angreifenden Strebenkräfte (Richtung und Größe). Hierbei können reine Druckknoten und
Druck-Zugknoten mit Bewehrungsverankerungen oder -umlenkungen unterteilt werden. In Bild 13-7 sind
verschiedene idealisierte Knoten dargestellt, anhand derer die auftretenden Druckspannungen bestimmt und
die Bewehrung der Zugstreben ausgelegt werden können.

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Bild 13-7:

139
Druckknoten (links) und Druck-Zug-Knoten (rechts) (nach /10.4/)
Für die maximal zulässige Betondruckspannung Rd,max in Druckknoten gilt nach EC2 /1.1/, Abschnitt 6.5.4,
für normalfeste Betone bis zur Festigkeitsklasse C50/60:

Rd,max = k1 · ´ · fcd (13.3)

mit ´ = 1,0 und k1 = 1,1

Bei einem Druck-Zug-Knoten sind die folgenden Bedingungen einzuhalten:

Rd,max = k2 · ´ · fcd (13.4)

mit ´ = 1,0 und k2 = 0,75

Bei Betonfestigkeitsklassen ≥ C55/67 ist die Bemessungsdruckspannung zusätzlich mit ´ = (1,1 - fck/500)
abzumindern.

Die Bemessungswerte für die Druckspannungen in Knoten dürfen gegenüber den Bemessungswerten
Rd,max um 10 % erhöht werden, wenn eine der folgenden Bedingungen erfüllt ist:
 Die Ausbildung eines dreiaxialen Druckspannungszustandes ist gewährleistet.
 In einem Druck-Zug-Knoten betragen alle Winkel zwischen den Druck- und Zugstreben ≥ 55°.
 Die an den Auflagern oder durch Einzellasten hervorgerufenen Spannungen sind gleichmäßig
verteilt und der Knoten ist durch Bügel gesichert.
 Die Bewehrung ist in mehreren Lagen angeordnet.
 Die Querdehnung des Knotens wird zuverlässig durch anschließende Bauteile oder auftretende
Reibung behindert.

13.4 Konstruktive Durchbildung


13.4.1 Allgemeine Bewehrungsanforderungen
An den Außenseiten von Wandscheiben ist stets ein rechtwinkliges Bewehrungsnetz in beiden Richtungen
anzuordnen EC2 /1.1/, Abschnitt 9.7. Der Mindestquerschnitt As,dbmin je Seite beträgt dabei:

As,dbmin = 0,75 · 10-3 · Ac bzw. mindestens 1,5 cm²/m (13.5)

mit Ac: Betonquerschnittsfläche

Die Maschenweite des Bewehrungsnetzes darf nicht größer als die doppelte Wanddicke und nicht größer als
300 mm sein. Bei der Anordnung dieser netzartigen Wandbewehrung sollten folgende Konstruktionskriterien
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beachtet werden:
 Bei schlanken wandartigen Trägern (h/leff ≤ 0,7) sollte die vertikale Bewehrung in Anlehnung an die
Anordnung der Schubbewehrung bei Biegeträgern im Allgemeinen außen liegend angeordnet
werden.
 Bei wandartigen Trägern mit überwiegender Lasteintragung von unten kann die auf Zug
beanspruchte Vertikalbewehrung (Aufhängebewehrung) ebenfalls außen liegend angeordnet
werden, da keine Ausknickgefahr vorliegt.
 Bei hohen wandartigen Trägern (h/leff > 1,5), die zudem noch große Vertikalstreckenlasten von oben
aufweisen, sollte - wie bei Druckgliedern - die Vertikalbewehrung innen angeordnet werden.

In Wandbereichen, in denen der Gesamtquerschnitt der vertikalen Bewehrung beider Wandseiten 0,02 · Ac
übersteigt, ist nach /1.1/, 9.6.4 (1), in der Regel eine Querbewehrung mit Bügeln entsprechend den
Vorgaben bei Stützen vorzusehen. Abweichend ist der Querbewehrungsabstand im Anschlussbereich
angrenzender Bauteile auf der vierfachen Wanddicke zu verringern. Sind die Anteile der vertikalen
Bewehrung beider Wandseiten gemeinsam < 0,02 · Ac, so ist eine außen liegende Bewehrung in der Regel
je m2 Wandfläche an mindestens vier versetzt angeordneten Stellen durch Bügelschenkel (z. B. S-Haken) zu
verbinden. Bei Tragstäben mit s ≤ 16 mm können S-Haken entfallen, wenn die Betondeckung der Stäbe
mindestens 2 · s beträgt. Bei dicken Wänden können statt S-Haken auch übergreifende oder in der Wand
verankerte Steckbügel verwendet werden. Bei der Verankerung im Wandinneren muss die
Verankerungslänge der freien Bügelenden 0,5 · lb,rqd (bei Annahme von fyd) betragen.

140
Wie auf Bild 13-2 bis Bild 13-4 dargestellt, verlaufen die Zugspannungen am unteren Querschnittsrand
nahezu konstant über die gesamte Feldlänge durch. Aus diesem Grund muss auch die Feldbewehrung
vollständig auf die Auflager geführt und dort für 100 % der Zugkraft des Feldes verankert werden. Dabei
kann die im Bereich der Höhe cF liegende Oberflächenbewehrung zur Abdeckung der Zugkraft ZF im Feld
angerechnet werden (siehe Bild 13-8). Für den Einflussbereich cF der unteren Zuggurtbewehrung gilt:

cF = min (0,1 · leff; 0,1 · h) (13.6)

Bild 13-8 zeigt den Einflussbereich der Bewehrung, der bei durchlaufenden Wandscheiben mit einem
Seitenverhältnis von h/leff = 0,5 bzw. h/leff > 1 zur Abdeckung der Zugkraft ZS im Stützbereich angesetzt
werden kann. Sofern möglich, kann bei wandartigen Trägern mit h/leff > 1 bei der Abdeckung der Zugkraft Zs
über die angegebene Höhe cS = 0,6 leff eine leichte Konzentration der Bewehrung im unteren Bereich
vorgenommen werden, um dem Spannungsverlauf im Stützbereich besser zu folgen /13.3/.

Bild 13-8: Verteilung der Hauptbewehrung bei Wandscheiben mit h/leff = 0,5 (links) und h/leff > 1 (rechts)
nach /13.1/

Sind wandartige Träger auf Stahlbetonstützen aufgelagert und biegesteif angeschlossen, sollte die
Bewehrung der Stütze bis in die Höhe der Hauptzugbewehrung geführt werden.

An freien Rändern müssen die Eckstäbe durch Steckbügel gesichert werden, wenn die Bewehrung je
Wandseite 0,003 · Ac übersteigt. Werden Betonstahlmatten mit Randeinsparung verwendet, muss die
Bewehrung am Rand ergänzt werden. Auch hier ist eine Randeinfassung mit Steckbügeln erforderlich.

13.4.2 Detailausbildung Aufhängebewehrung


Die am unteren Querschnittsrand angreifenden Lasten (siehe Bild 13-2 und Bild 13-3) müssen wegen der in
diesem Bereich auftretenden vertikalen Zugspannungen mittels einer Aufhängebewehrung bis in das sich in
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der Scheibe ausbildende Druckgewölbe geführt und dort verankert werden /13.3/, siehe auch Bild 13-9. Bei
Abmessungsverhältnissen von h/leff < 1,2 wird empfohlen, die Aufhängebewehrung nicht im Bereich des
eingeschriebenen Druckbogens zu verankern, sondern bügelförmig bis an den oberen Rand durchzuführen.

141
Bild 13-9: Ausführung der vertikalen Aufhängebewehrung bei wandartigen Trägern mit h/leff = 1,0 (links)
und h/leff = 1,5 (rechts)

Bei abschnittsweiser Herstellung von Wandscheiben und großer Bauteilhöhe des wandartigen Trägers kann
es erforderlich werden, die Aufhängebewehrung nach den Regeln für Zugstabübergreifungen zu stoßen.

13.5 Beispiel
(1) Bemessungsgrundlagen
gegeben:
 Zweifeldriger wandartiger Träger, Gesamtbelastung auf effektive Stützweiten aufgeteilt, Auflager-
kräfte aus Stabstatik mit Erhöhung der Endauflagerkräfte nach /13.1/, Strebenverläufe und -kräfte
entsprechend der Lastpfadmethode bestimmt, vereinfachter Strebenverlauf über dem Mittelauflager
nach /10.4/
 Baustoffe C30/37; B500
gesucht:
 Bemessung der Streben und Knoten, Bewehrungsführung
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Höhe, inn. Hebelarm Strebenkräfte


h/leff 0,55 FEtd,1 460 kN
zF = zS 2,03 m FEcd,2 -460 kN
Einwirkungen FEcd,3 -960 kN
(g+q)d,oben 310 kN/m FEcd,4 -1600 kN
(g+q)d,unten 80 kN/m FEtd,5 720 kN
Strebenwinkel Lagerkräfte
1 68° A=C 890 kN
2 52° B 2510 kN

Bild 13-10: Zweifeldriger wandartiger Träger mit Strebenverläufen und -kräften

142
(2) Bemessung der Zug- und Druckstreben

TRd Ftd
AS  
 sd f yd

460  10 3 720  10 3
Strebe 1: AS,S1   1060 mm²  10,6 cm2 Strebe 5: AS,S5   1660 mm²  16,6 cm2
435 435

0,75  10 3  ac 0,75  10 3  100  30  2,25 cm2 /m


Mindestbewehrung: as,min  max   max 
2
 1,50 cm /m  1,50 cm2 /m

Die Maschenweite des Bewehrungsnetzes darf nicht größer als die doppelte Wanddicke (hier
2 · 300 = 600 mm) bzw. nicht größer als 300 mm sein.

gewählt: Grundbewehrung Ø8 mm/200 mm kreuzweise je Seite, as,grund  2,51 cm2 /m

0,1  l eff  0,1  5,50  0,55 m


Strebe 1: Verteilung auf Höhe: hbew,S1  min 
 0,1  h  0,1  3,00  0,30 m

erforderliche Zulage: AS,S1,Zulage  AS,S1hbew,S1  as,grund  10,6  0,30  2  2,51  9,1 cm2

gewählte Zulage: 2  5 Ø12 , vorh AS,S1, Zulage  11,3 cm²  9,1 cm2

Strebe 5: Bereich 1 (oben): 2 3 AS,S5  2 3  16,6  11,1 cm2

Verteilung auf Höhe: hbew,S5,1  0,4  h  0,4  3,00  1,20 m (gemäß Bild 13-8 links)

erforderliche Zulage 1: AS,S5,Zulage1 2 3 AS,S5 hbew,S5,1  as,grund  11,1  1,20  2  2,51  5,1 cm2

gewählte Zulage: 2  3 Ø12 , vorh AS,S5,Zulage1 6,8 cm²  5,1 cm2

Bereich 2 (unten): 1 3 AS,S5  1 3  16,6  5,5 cm 2

Verteilung auf Höhe: hbew, S5,2  hbew, S5,1  0,4  h  1,20 m (gemäß Bild 13-8 links)
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erforderliche Zulage 2: AS,S5, Zulage2  1 3 AS,S5 hbew, S5,1  as, grund  5,5  1,20  2  2,51  0

Es sind zur Grundbewehrung keine zusätzlichen Zulagen erforderlich!

Die Druckstäbe Nr. 3 und 4 werden nicht gesondert nachgewiesen, da sie bei der Bemessung des
Knotens überprüft werden. Ohne Nachweis ist ersichtlich, dass Druckstab 2 nicht maßgebend ist. Die
Querzugkräfte infolge der Spannungsausbreitung in den Druckstreben können im vorliegenden Fall
durch die Mindestbewehrung ohne Nachweis übernommen werden.

(3) Bemessung der Knoten

Knoten 1: Druck-Zug-Knoten am Endauflager

Nachweis Druck-Zug-Knoten 1 am Endauflager (Typ K6-3 aus Bild 13-7):

Bemessungswert der
Betondruckfestigkeit: fcd   cc  fck  C  0,85  30 1,5  17,0 N/mm 2

Bemessungsdruck-
festigkeit im Knoten: Rd,max = k2·´·fcd = 0,75·1,0·17,0 = 12,8 N/mm²
Randabstand: s0 ≈ 40 mm

143
Überstand: sÜberstand ≥ 2 · s0 = 2 · 40 = 80 mm

Abmessung a1: a1 = tA - sÜberstand - cnom = 400 - 80 - 25 = 295 mm

A 0,890
Nachweis (Länge a1):  Ed,1    10,1N/mm²  12,8 N/mm²
a1  b 0,295  0,30

Abstand der
Bewehrungslagen: s = 50 mm (gewählt für die n = 5 Lagen der Zulagen)

Zugstrebenbreite: u = 2·s0 + (n – 1)·s = 2·40 + (5 – 1)·50 = 280 mm < 300 mm

Empfehlung zur Zugstrebenbreite im Knoten vom Typ K6-3 nach /10.4/:

  0,15  h  0,15  3,00  0,45 m



u    0,20  h  0,20  3,00  0,60 m
 0,20  l  0,20  5,50  1,10 m
 eff

Für das Zugband wird eine konstante Höhe über die gesamte Bauteillänge gewählt. Die
vorgesehene Höhe des Zugbands im Knoten liegt im Bereich der Empfehlung nach /13.2/.

 u   280 
Knotenbreite a3: a3   a1    sin  1   295    sin 68  379 mm
 tan  1  tan 68 

FEcd,3 0,960
Nachweis (Länge a3):  Ed,3    8,5 N/mm²  12,8 N/mm²
a3  b 0,379  0,30

Die Bewehrungsstäbe des Zugbands mit s = 12 mm werden am Auflager mit liegenden Schlaufen
ausgebildet. Für die Schlaufen wird ein Biegerollenradius von D ≥ 15·s = 15·12 = 180 mm genutzt.
Dieser ist bei der vorliegenden Wanddicke von 300 mm möglich. Die Betondeckung senkrecht zur
Schlaufenebene beträgt cd ≥ 3s = 3·12 = 36 mm. Die Verankerung der Grundbewehrung erfolgt mit
Steckbügeln am freien Rand.

Grundwert der Verankerungslänge für die Zulagen mit s = 12 mm und die Stahlspannung von sd = fyd:

lb,rqd = (/4) · (fyd/fbd) = 12/4 · 435/3,0 = 435 mm

mit fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd = 2,25 · 1,0 · 1,0 · 1,33 = 3,0 N/mm²
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fctd = ct · fctk;0,05/c = 1,0 · 2,0/1,50 = 1,33 N/mm²

1 = 1,0 für gute Verbundbedingungen

2 = 1,0 für  ≤ 32 mm

fctk;0,05 = 2,00 N/mm² für C30/37

ct = 1,0 Dauerstandsbeiwert, nur bei der Ermittlung der Verbundspannung fbd
(/1.1/, NDP zu 3.1.6 (2))

c = 1,50 Teilsicherheitsbeiwert Beton

Bemessungswert der Verankerungslänge bei direkter Lagerung und Endausbildung mit Schlaufen:

lbd = 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · lb,rqd = 0,5 · 1,0 · 1,0 · 2/3 · 435 = 145 mm

mit 1 = 0,5 Einflussfaktor „Stabform“ für Schlaufen mit cd ≥ 3 = 36 mm und


Biegerollenradien D ≥ 15·s (/1.1/, NCI zu 8.4.4 (2), Tabelle 8.2)

2 = 1,0 Einflussfaktor „Betondeckung“ für gebogene Stäbe unter Zug

144
3 = 1,0 Einflussfaktor „nicht an die Hauptbewehrung angeschweißte Quer-
bewehrung“

4 Einflussfaktor „angeschweißte Querbewehrung“, entfällt

5 = 2/3 Einflussfaktor „Querdruck“, für direkte Lagerung

lb,min ≥ max (0,3 · 1 · 4 · lb,rqd ; 2/3 · 10 · ) = max (0,3 · 0,5 · 1,0 · 435 = 65 ; 2/3 · 10 · 12 = 80) = 80 mm

lbd,erf = lbd · As,tot,erf/As,tot = 145 · 7,8/9,0 = 126 mm > lb,min = 80 mm

lb,vorh = tA – cv + u/2 · cot 1 = 400 – 25 + 280/2 · cot 68° = 432 mm > lbd,erf = 126 mm

Bild 13-11: Druck-Zug-Knoten 1 am Endauflager

Nachweis Druckknoten 2 am Mittelauflager (Typ K4 aus Bild 13-7):

Bemessungsdruck-
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festigkeit im Knoten: Rd,max = k2·´·fcd = 1,1·1,0·17,0 = 18,7 N/mm²


Abmessung a1: a1 = tB = 500 mm

B 2,510
Nachweis (Länge a1):  Ed,1    16,7 N/mm²  18,7 N/mm²
a1  b 0,50  0,30

a1 500
Abmessung a0: a0   tan  2   tan 52  320 mm
2 2

 FEtd,5 0,720
Nachweis (Länge a0):  Ed,0    7,5 N/mm²  18,7 N/mm²
a0  b 0,32  0,30

a a0   500 320 
Abmessung a4: a 4   1    sin  2      sin 52  394 mm
 2 tan  2   2 tan 52 

FEcd,4 1,600
Nachweis (Länge a4):  Ed,4    13,5 N/mm²  18,7 N/mm²
a4  b 0,394  0,30

145
Bild 13-12: Druckknoten 2 am Mittelauflager

(4) Details zur konstruktiven Durchbildung


Es liegt ein schlanker wandartiger Träger vor, bei dem die Biegeeinflüsse dominieren. Daher wird die
vertikale Bewehrung wie auch bei Balken üblich in der äußeren Lage angeordnet. Die Grundbewehrung
Ø8 mm/200 mm wird an den Stirnseiten konstruktiv mit Steckbügeln verankert. Das unten liegende Zug-
band (2·5Ø12 mm) wird bereits im Bereich vor dem Endauflager mit entsprechenden Steckbügeln
gestoßen, um Bewehrungskonzentrationen am Auflager zu vermeiden.

Die Bewehrung der Stützen, auf denen der wandartige Träger aufliegt, wird nach innen gekröpft und in
den Träger geführt. Die außen liegenden Bewehrungsstäbe werden je m² Wandfläche an mindestens
vier versetzt angeordneten Stellen mit S-Haken verbunden, der Abstand über zwei Abstandhalter je m²
Wandfläche gesichert.

Übergreifungslängen für 100 %- bzw. 50 %-Stöße der Stäbe der Grundbewehrung und Zulagen:
s = 8 mm l0,erf = 410 mm
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s = 12 mm l0,erf = 610 mm

Die Hauptbewehrung für die Zugkraft über dem Mittelauflager ist nach /13.1/ zur Hälfte über die
gesamte Stützweite zu führen, der Rest ist beidseitig des Auflagers auf eine Länge von leff/3 vom
Auflagerrand ohne Berücksichtigung zusätzlicher Verankerungslängen vorzusehen.

Beim vorliegenden Beispiel wird die Zugkraft über dem Mittelauflager der Grundbewehrung und
entsprechenden Stabzulagen zugeordnet. Der Empfehlung folgend werden die Zulagen mit einer
Gesamtlänge von 2 · leff/3 + tB = 2 · 5,50/3 + 0,50 ≈ 4,20 m ausgeführt.

Bei der Ausbildung der Bewehrung an der Unterkante des wandartigen Trägers wird berücksichtigt,
dass die Betonage der beidseitig anschließenden Decke vorab erfolgt. Auf die Nachweise der
Schubkraftübertragung in den horizontalen Arbeitsfugen wird im Rahmen dieses Beispiels verzichtet.

146
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(5)
Darstellung der Bewehrung

147
Bild 13-13: Bewehrung des zweifeldrigen wandartigen Trägers
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Bild 13-14: 3D-Darstellung der Bewehrung des zweifeldrigen wandartigen Trägers (oben) und Detail am
Endauflager (unten)

148
14 Einzelfundamente
14.1 Allgemeines
Einzelfundamente werden in der Regel in Ortbeton ausgeführt. Sie können jedoch auch im Fertigteilwerk
vorgefertigt werden. Für den Anschluss der aufgehenden Stützen an das Fundament sind folgende Ausfüh-
rungsvarianten üblich:

a) monolithisches b) Anschluss einer c) Anschluss einer Stüt- d) Anschluss e) Anschluss einer


oder Stütze in einem ze in einem Köcher- einer Stütze Stütze mit Stüt-
angeformtes Blockfundament fundament mit Stumpf- zenschuh
Fundament stoß
Bild 14-1: Ausführungsvarianten Stützenanschluss (schematisch)

Fundamente werden meist relativ gedrungen ausgeführt. Die Dimensionierung erfolgt in der Regel so, dass
eine Durchstanzbewehrung vermieden wird.

Ist die folgende vereinfachende Bedingung aus /1.1/, Abschnitt 12.9.3, eingehalten, darf ein Einzelfundament
auch unbewehrt ausgeführt werden:

hf
2 (14.1)
a
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Bild 14-2: Unbewehrtes Stützenfundament nach /1.1/, Bild 12.2

Für den Fall, dass in ein Einzelfundament Normalkraft und Moment eingeleitet werden, darf die erforderliche
Biegebewehrung für beide Lastanteile getrennt berechnet werden, sofern sich eine geringfügige Überschät-
zung des inneren Hebelarms nicht wesentlich auswirkt. Beide Bewehrungsanteile sind zu addieren. Für den
Abtrag des Biegemomentes darf die rechnerische Breite eines Ersatzbalkens nach Bild 14-3 angesetzt
werden. Bei Fundamenten nach Bild 14-1 a) ist die im Stützenanschnitt benötigte Biegezugbewehrung
rahmenartig in die Stütze zu führen. Die zugehörige Biegezugbewehrung im Fundament kann auf einer
Breite von 0,5 b1 verlegt werden. Bei Ausführungen nach Bild 14-1 b) und c) ist die Biegezugbewehrung
hinter der Aussparung nach oben zu führen, bei solchen nach Bild 14-1 e) dient sie als vertikale Anschluss-
bewehrung zur Verankerung des Stützenschuhs.

149
Bild 14-3: Ersatzkragbalken zur Abtragung des Stützenmomentes nach /1.10/

14.2 Tragverhalten
Bei Einzelfundamenten können folgende Versagensarten auftreten:
 Biegebruch,
 Durchstanzen der Stütze,
 Querkraftversagen bei exzentrisch belasteten Fundamenten,
 Verankerungsbruch.

Das Tragverhalten hängt von verschiedenen Einflussgrößen ab:


 Fundamentschlankheit,
 Bewehrungsgrad,
 Betonfestigkeit,
 Fundamentdicke,
 Betonstahlfestigkeit,
 Verankerung der Biegebewehrung,
 Exzentrizität der Normalkraft,
 Querkraftbewehrung.

Die Abbildungen in Bild 14-4 veranschaulichen den Kraftfluss in Einzelfundamenten mit Hilfe von Stab-
werkmodellen. In beiden Belastungsfällen liegt eine räumliche Tragwirkung vor, was eine zweiachsig ange-
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ordnete Biegezugbewehrung erforderlich macht.

150
a) Zentrische Beanspruchung b) Exzentrische Beanspruchung
Bild 14-4: Tragwirkung von Einzelfundamenten nach /1.10/
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Bild 14-5: Momentenverteilung bei mittig und lotrecht beanspruchten Einzelfundamenten (siehe auch
/14.2/)

151
14.3 Bemessung
Für ausführliche Berechnungsbeispiele wird auf /14.4/ verwiesen.

14.3.1 Biegebemessung
In Stützennähe verlaufen die Hauptmomente in Einzelfundamenten mit rechteckigem Grundriss in der Drauf-
sicht tangential und radial. Es liegt ein rotationssymmetrischer Spannungszustand vor. Für die Bemessung
dürfen näherungsweise die zu den Fundamentkanten parallel verlaufenden Momente Mz und My verwendet
werden, die nach /14.2/ ermittelt werden können.

Für rechteckige Einzelfundamente, die durch eine mittig und lotrecht angreifende Stützenlast beansprucht
sind, wird das größte Gesamtbiegemoment je Richtung unter Annahme gleichmäßig verteilter Bodenpres-
sung im Folgenden für die y-Richtung beschrieben (das Vorgehen in z-Richtung erfolgt analog):
by
My  N  (14.2)
8
Unter Berücksichtigung der Momentenausrundung gilt:

by  cy 
My  N   1   (14.3)
8  by 

und als Anschnittmoment, das für die Bemessung der Biegebewehrung anzusetzen ist, ergibt sich:
2
by  c y 
My  N   1   (14.4)
8  by 
Die Verteilung der Plattenmomente, die rechtwinklig zur betrachteten Richtung wirken, darf näherungsweise
nach Bild 14-5 erfolgen. Für Fundamente mit Momentenbeanspruchung oder exzentrisch angeordneten
Stützen ist das Plattenmoment aus einer trapez- oder dreieckförmig verteilten Bodenpressung zu berechnen.

In /14.3/ wird darauf hingewiesen, dass auf Grund des steilen Abfalls der Momentenlinie in Fundamentmitte
dort große Verbundspannungen vorhanden sind. Diese können zum Abspalten der Biegezugbewehrung
samt Betondeckung führen. Bei vier und mehr Lagen dicker Stäbe werden deshalb Bügelleitern oder vergrö-
ßerte Abstände der Bewehrungslagen bei gleichzeitig reichlicher Betondeckung empfohlen (Bild 14-6).
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Bild 14-6: Sicherung gegen Abspalten der Bewehrungslagen bei hohen Verbundspannungen in Einzel-
fundamenten mit mehreren Bewehrungslagen nach /14.3/

Die Biegezugbewehrung ist ohne Staffelung bis zum Rand zu führen und dort nach /1.1/, Abschnitt 9.8.2.2,
zu verankern.

152
14.3.2 Durchstanzen
(Nachweis gegen Durchstanzen siehe auch Kapitel 8)
Bei Köcherfundamenten wird im Bauzustand der Durchstanznachweis in aller Regel nicht maßgebend.

Bei Blockfundamenten ist ein Durchstanznachweis des Köcherbodens im Bauzustand mit unvergossener
Stütze zu führen (Bild 14-8). Zur Montage der Stütze wird diese in der Regel auf einen Zentrierdorn gestellt,
welcher die Eigenlast der Stütze punktförmig einleitet.

14.3.3 Besonderheiten der verschiedenen Ausführungsvarianten


Im Ortbetonbau stellen Fundamente mit Anschlussbewehrung für die aufgehende Stütze den Standardfall
dar. Bei Fertigteilen können bereits im Werk angeformte flache Fundamente eine wirtschaftliche Lösung
darstellen, sofern nicht Abmessungen und Transportgewicht dem entgegenstehen.

Bei Verwendung von Fertigteilstützen werden wegen des geringen Schalungsaufwandes häufig Blockfun-
damente konstruiert. Nach /1.1/, 10.9.6, sind integrierte Köcher mit profilierter und mit glatter Köcherwan-
dung zugelassen. Bei dieser Ausführungsvariante ist besonderes Augenmerk auf die Einbindung der Fertig-
teilstütze in das Fundament zu legen. Blockfundamente mit nach /1.1/, Bild 6.9, ausgebildeten Profilierungen
von Stützenfuß und Köcherwandung dürfen nach Fugenverguss als monolithische Fundamente betrachtet
werden (Bild 14-7). Hinweise zur Ausbildung der Profilierung enthält auch /1.10/.

Bild 14-7: Verzahnte Fugenausbildung nach /1.1/, Bild 6.9, und erforderliche Betondeckung nach /1.1/,
Absatz 4.4.1.2 (9)

Bei der Vergussfuge zwischen Stütze und Fundament ist es üblich, zunächst die Fuge unter dem Stützenfuß
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zu vergießen, um sicherzustellen, dass der Beton auch unter den Stützenfuß läuft. Die Sicherung, wie z. B.
Keile o. ä., wird erst entfernt, wenn der Verguss erhärtet ist. Nach Entfernen der Keile wird der Verguss
ergänzt. Vor diesem Hintergrund ist auch der Durchstanzkegel im Bauzustand zu betrachten.

Bild 14-8: Blockfundament mit profilierter Fuge

Die im Folgenden dargestellten Stabwerkmodelle zur Bemessung von Blockfundamenten wurden in Anleh-
nung an /14.1/ und /1.10/ erstellt.

153
Bild 14-9: Stabwerkmodell für Blockfundamente unter Normalkraft- und Momentenbeanspruchung

Die im Bild 14-9 dargestellte Zugkraft Fsd,3 ist durch geschlossene Bügel nach /1.1/, Abschnitt 8.5, abzude-
cken. Diese sind gleichmäßig über die Höhe des Köchers zu verteilen.

Bild 14-10: Anschluss der Stützenbewehrung

Die Übergreifungslänge l0 ist um den Betrag a – 4 zu erhöhen, falls a ≥ 4. Die Übergreifungslänge ist für
die Stützenlängsbewehrung und für die vertikale Köcherbewehrung getrennt zu ermitteln, da in der Regel
unterschiedliche Stabdurchmesser und Betonfestigkeiten vorhanden sind. Die größere Übergreifungslänge
ist maßgebend.
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Bild 14-11: Mögliche Bewehrungsführungen

Als Biegerollendurchmesser ist für die Stehbügel nach /1.1/, Tabelle 8.1DE, für gebogene Stäbe
Dmin,SB = 10 zu verwenden. Die Biegerollendurchmesser Dmin,l der Winkelhaken am Stabende sind mit 4
( < 20 mm) und 7 ( ≥ 20 mm) zu wählen.

Fundamente mit aufgesetztem Köcher haben wegen des vergleichsweise hohen Herstellungsaufwandes
gegenüber Blockfundamenten an Bedeutung verloren. Ein Bemessungsbeispiel ist in /14.1/ enthalten. Weite-
re Hinweise finden sich in /1.10/. Die Bemessung von Stumpfstößen erfolgt nach /1.1/, Abschnitt 10.9.4.3.
Die Teilflächenpressung an der Fundamentoberseite ist nachzuweisen.

Die konstruktive Ausbildung von Fundamentankern und Ankerbolzen erfolgt auf Grundlage von allgemeinen
bauaufsichtlichen Zulassungen mit Produkten verschiedener Hersteller. Für die Dimensionierung der Stüt-
zenschuhe sind die entsprechenden Typenprüfungen heranzuziehen. Die Teilflächenpressung an der
Fundamentoberseite ist nachzuweisen.

154
14.4 Konstruktive Durchbildung
14.4.1 Allgemeines zur Bauausführung
Aus baupraktischer Sicht wird empfohlen, eine Mindestdicke der Sauberkeitsschicht von 100 mm nicht zu
unterschreiten. Ein Einbau der Bewehrung auf nicht vorbereitetem Baugrund ist unbedingt zu vermeiden.

Wegen der großen Steifigkeit des Bewehrungskorbes wird davon abgeraten, bei der Ausführung von Fun-
damenten sowohl für den Einbau der unteren Bewehrungslage als auch an der seitlichen Schalung Ab-
standhalter aus Kunststoff zu verwenden.

14.4.2 Allgemeines zum Bewehren von Einzelfundamenten


Die Biegezugbewehrung ist am Fundamentrand nach /1.1/, Abschnitt 9.8.2.2, zu verankern. Eine
Randverbügelung nach /1.1/, Bild 9.8, ist bei Fundamenten grundsätzlich nicht erforderlich.

Bei Fundamenten mit aufgehenden Ortbetonstützen ist der Lagesicherung der Anschlussbewehrung wäh-
rend des Betonierens besondere Beachtung zu schenken, da Lageabweichungen beim Einschalen der
Stütze nicht ausgeglichen werden können. Die Anschlussbewehrung ist an der unteren Bewehrungslage
sowie am oberen Schalungsrand ausreichend zu sichern.

Gemäß /1.9/ wird an der Unterseite von Fundamenten in der Regel keine Robustheitsbewehrung nach /1.1/,
9.2.1.1 (1), verlangt. An der Fundamentoberseite ist nur dann eine Bewehrung anzuordnen, falls unter einer
maßgebenden Einwirkungskombination ein Klaffen der Sohlfuge auftreten kann. Diese Bewehrung muss
nicht größer sein, als sie sich im Grenzzustand der Tragfähigkeit zur Aufnahme des rückdrehenden Momen-
tes aus Fundamenteigenlast und etwaig vorhandener Auflasten aus Bodenverfüllung, aufliegenden Boden-
platten etc. ergibt.

Bei hohem Sohldruck im Grenzzustand der Tragfähigkeit > 5 MN/m² können kleine Fundamente konstruiert
werden, in denen die Ausbreitung der Stützenlast im Fundament die Anordnung von Spaltzugbewehrung
erforderlich werden lässt. Die Spaltzugbewehrung kann mit räumlichen Stabwerkmodellen bemessen wer-
den. Vereinfachte Regeln hierzu enthält /1.1/, Abschnitt 9.8.4.

14.5 Beispiel
(1) Bemessungsgrundlagen
Ein quadratisches Blockfundament für eine Innenstütze, die als Stahlbetonfertigteilstütze hergestellt wird, soll
bemessen werden.
Baustoffe: Fundament: Beton: C30/37
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Betonstabstahl: B500B, l = 14 mm (Längsbewehrung), HB = 10 mm (hori-


zontale Bügel), SB = 12 mm (Stehbügel)
Betondeckung: cnom = 30 mm
Stütze: Beton: C45/55
Betonstahl: B500B, l = 16 mm (Längsbewehrung)
Schnittgrößen (gegeben):
Stütze Oberkante Köcherboden (Bauzustand): NEd = 45,0 kN
Maximal zu verankernde Zugkraft in der Stützenbewehrung (vorhanden: 8 ɸ16 je Seite): Fsd = 521 kN
Bemessungsmoment Fundament (Schnitt I-I) unter Berücksichtigung der Bodenpressung:
Grenzzustand der Tragfähigkeit: MEd,y,GZT = 763 kNm
Grenzzustand der Gebrauchstauglichkeit: MEd,y,GZG = 546 kNm
Die Normalkraft in der Stütze macht keine Durchstanzbewehrung im Fundament erforderlich. Die Sohlfuge
klafft maximal bis zur Schwerachse des Fundamentes.

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Bild 14-12: Abmessungen und Bezeichnungen

14.5.1 Bemessung für Biegung im Grenzzustand der Tragfähigkeit


(1) Ermittlung der erforderlichen unteren Längsbewehrung in x-Richtung (Bewehrungsposition )
Bestimmung der vorhandenen Nutzhöhen:
l 14
d x  h  c nom   l   750  30  14   699 mm
2 2
d y  d x   l  699  14  713 mm

156
Bemessungsquerschnitte (Annahme: dx = dy = 700 mm):
b/h/dx = b/h/dy = 2,60/0,75/0,70 m, d1 = 50 mm

Die Bemessung erfolgt mit dimensionslosen Beiwerten:

M Eds 0,763
μEds    0,04  ω  0,0410
b  d  fcd 2, 60  0,70  17,0
2 2

bd 260  70,0


As,erf  ω   0,0410   29, 2 cm
2

fyd 435
fcd 17

Die erforderliche Biegezugbewehrung wird gemäß Bild 14-5 verteilt:


c 45
  0,2
b 260

8 x 0,325 = 2,60

8% 10 % 14 %
18 %

As,erf = 29,2 cm2

2,3 2,9 4,1 5,3

Gewählte Längsbewehrung in x-Richtung:


As,vorh = 22  14 = 33,9 cm2 > 29,2 cm2 = As,erf
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214 214 314


3,08 3,08 414
4,62
6,16

Vereinfachend wird in x- und y-Richtung die gleiche Bewehrung gewählt, obwohl Biegung nur um eine Achse
angenommen wurde.

(2) Ermittlung der erforderlichen oberen Längsbewehrung in x-Richtung (Bewehrungsposition )


Das Fundament klafft in der maßgebenden Bemessungssituation in der Sohlfuge, sodass eine obere Be-
wehrung erforderlich wird. Die Bemessung (ohne Berücksichtigung einer etwaigen Auflast aus Bodenauf-
schüttung oder Ähnliches ergibt as,erf ≤ 1,0 cm²/m. Gewählt wird konstruktiv as,vorh = 2,5 cm²/m
( 8 / e = 20 cm).

(3) Ermittlung der erforderlichen Mindestbewehrung an der Fundamentunterseite zur Sicherstellung


eines duktilen Bauteilverhaltens
Bei Gründungsbauteilen darf in der Regel auf eine Mindestbewehrung nach /1.1/, 9.2.1.1 (1), verzichtet
werden.

157
(4) Begrenzung der Rissbreiten
Nach /1.1/, 7.3.1 (5) Tab. 7.1DE, ist die Rissbreite auf wmax = 0,3 mm (Expositionsklasse XC2) zu beschrän-
ken. Nach /1.1/, Gleichung 7.4 und 7.9, gilt:

Fcr     Fs  0, 4  Fcr  1   e   eff  


As,erf 
3, 6  fct,eff  E s  w max

 h 0,75
  0,375 m
 2 2
hc,ef  min 
h
 h  75  15  c,ef  3,5  hc,ef  3,5  0,05  0,175 m (Bild 7.1DE)
 d1 5,0 d1

Ac,eff = hc,ef · 2,60 = 0,175 · 2,60 = 0,445 m²


fct,eff = fctm = 2,9 MN/m² < 3,0 MN/m²
Fcr = Ac,eff · fct,eff = 0,455 · 3,0 = 1,365 MN
MEd,y,GZG 0,546
Fs    0,975 MN
0,8  d 0,8  0,70

Es 200000
e    6,06
Ecm 33000
4
As 33,9  10
 eff    0,0075
Ac,eff 0, 455

1,365  0,014   0,975  0,4  1,365  1  6,06  0,0075  


As,erf   104  34,5 cm2
3,6  3,0  200000  0,0003
Diese Anforderung ist durch den Nachweis der Biegetragfähigkeit erfüllt:
As,vorh = 33,9 cm2 ≈ As,erf = 34,5 cm2.

(5) Durchstanzwiderstand des Köcherbodens im Bauzustand


Die Fertigteilstütze wird beim Ausrichten auf einem Zentrierkegel gelagert. Anschließend wird der Köcher mit
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Mörtel vergossen.

Sofern sichergestellt ist, dass die Eigenlast der Stütze bis zum Aushärten des Mörtelbettes durch Hilfsstüt-
zungen abgetragen wird, kann auf den Nachweis des Durchstanzwiderstandes für punktförmige Belastung
verzichtet werden.

158
Bild 14-13: Kritischer Rundschnitt im Bauzustand

Der Nachweis wird mit dem kritischen Rundschnitt im Abstand 2,0 d geführt (s. Bild 14-13). Mit d1 = 65 mm
ergibt sich (Aufstandsfläche Zentrierdorn vernachlässigt):

acrit  2,0  d  2,0   0,175  0,05   0, 25 m

Der Umfang u1 ergibt sich zu:

u1  2    0, 25  1,57 m

Die aufzunehmende Querkraft beträgt:

NEd  45,0 kN  VEd

Trotz rotationssymmetrischer Geometrie wird der Lasterhöhungsbeiwert auf der sicheren Seite liegend mit
β = 1,10 angesetzt:
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  VEd 1,10  0,045 MN


v Ed    0, 252 2
u1  d 1,57  0,125 m

Ohne Durchstanzbewehrung beträgt die Querkrafttragfähigkeit vRd,c


0,15
 k  100 l  fck 
1/3
v Rd,c   v min
C

200 200
k  1  1  2, 26  2,0
d 125

0,0525 0,0525 MN
v min   k 3 / 2  f ck
1/ 2
  2,0 3 / 2  30 1/ 2  0,542 2
c 1,5 m
bcont = 4,0 · d = 4,0 · 0,125 = 0,50 m

9, 24  614 
 lx   ly   0,015
50  12,5

159
 l   lx   ly  0,015  0,015  0,015  0,02

f cd 17,0
 0,50  0,5   0,02
f yd 435

0,15 MN MN
 2,0  100  0,015  30 
1/3
v Rd,c   0,711 2
 0, 252 2
 v Ed
1,50 m m
Der Durchstanznachweis für den Bauzustand ist hiermit erfüllt.

(6) Durchstanztragfähigkeit des Fundaments im Endzustand


Hinsichtlich der Durchstanztragfähigkeit darf das Blockfundament im Endzustand wie ein monolithisch her-
gestelltes Fundament bemessen werden (siehe Abschnitt 6).

14.5.2 Nachweis der Kraftübertragung von der Stütze auf das Blockfundament
Die Bemessung der Bügel erfolgt nach Bild 14-12.
Annahme für die Stütze:
 16
d 1  c nom   Bü   30  10   48 mm
2 2
Der Versatz der Bewehrung beträgt:
 12
a  d 1  t F  c nom   48  75  35   164mm
2 2
Ermittlung des vorhandenen inneren Hebelarms z der Stütze:

z  0,9  d  0,9   h  d1 

z  0,9   450  48 

z  362 mm

Fsd 0,521 4 2
As,erf,S    10  12,0 cm
fyd 435

Die Zugkraft im U-Bügel ergibt sich zu:


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Fsd  z 0,521  362


Fsd2    0,328 MN
az 170  405
Erforderliche U-Bügel:

Fsd2 0,328 4 2
As,erf,z    10  7,5 cm
fyd 435

Erforderliche Horizontalbügel:
Fsd3 = Fsd2 = 0,328 MN
As,erf,x = 7,5cm²
gewählt:
vertikal: parallel zur y-Achse: einschnittige U-Bügel 8 ɸ 12 = 9,1 cm2 > 8,4 cm2 (Bewehrungsposition )
parallel zur x-Achse: einschnittige U-Bügel 3 ɸ 12 konstruktiv (Bewehrungsposition )
horizontal: zweischnittige Umfassungsbügel 6 ɸ 10 = 9,5 cm2 > 7,5 cm2 (Bewehrungsposition )

160
14.5.3 Bewehrungsführung und bauliche Durchbildung
Verankerung der Biegezugbewehrung des Blockfundaments
Sämtliche Stäbe werden bis an die Fundamentränder geführt und dort nach /1.1/, 9.8.2.2, verankert. Für die
Hebelarme nach Bild 9.13 in /1.1/ dürfen ze mit der Annahme e = 0,15 · b (mit b = Stützenbreite) und zi mit
0,9d (mit d = statische Höhe des Fundamentes) bestimmt werden.

ze
Fs  R 
zi

Annahme:
h 0,75
xmin    0,375 m
2 2
Aus der Sohldruckverteilung ergibt sich die Resultierende R innerhalb der Länge xmin zu:

R  0, 254 MN

Nach /1.1/, 9.8.2.2 (3), ist:


e  0,15  b  0,15  0, 45  0,07 m

bFund b xmin 2, 60 0, 45 0,375


ze    e     0,07  0,96 m
2 2 2 2 2 2
Zu verankernde Zugkraft:
0,96
Fs  0, 254   0,387 MN
0,9  0,70
Grundwert der Verankerungslänge:

  sd
l b,rqd  
4 fbd

Bemessungswert der Verbundspannung:


fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd
Für gute Verbundbedingungen gilt: 1  1,0 .
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Für  < 32 mm gilt:  2  1,0 .

fctk;0,05 2,0 N
C30/37: fctd   ct   1,0   1,33 2
C 1,5 mm

fbd = 2,25 · 1,33 = 3,0 N/mm²


14 435
l b,rqd    508 mm
4 3,0

0,3  1   4  lb,rqd  0,3  1,0  508  152 mm


l b,min  max 
10  10  14  140 mm
Fs 387 2
As,erf    8,9 cm
fyd 43,5

161
 As,erf 9,1
1   5  lb,rqd  A  0,7  0, 67  508 
33,9
 64 mm
l bd  max  s,vorh
l
 b,min  152 mm
Erforderlich lbd = 15,2 cm < 37,5 cm – 3,5 cm = xmin - cnom
Demnach ist die konstruktiv gewählte Endverankerung statisch nicht erforderlich.

Verankerung der Stützenlängsbewehrung


Grundwert der Verankerungslänge:

  sd
l b,rqd  
4 fbd

Bemessungswert der Verbundspannung:


fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd
Die Stütze wird liegend gefertigt und mit Außenrüttler verdichtet (siehe /1.1/, Abschnitt 8.4.2 (2)). Deshalb
dürfen gute Verbundbedingungen unterstellt werden. Somit gilt: 1 = 1,0.

Für   32 mm gilt: 2 = 1,0.

fctk;0,05 2,7 N
C45/55: fctd   ct   1,0   1,8 2
C 1,5 mm

fbd = 2,25 · 1,8 = 4,1 N/mm²


16 435
l b,rqd    424 mm
4 4,1

As,erf 12,0
lbd  1  5  lb,rqd   1,0  0,67  424   213 mm
As,vorh 16,1

Grundwert der Verankerungslänge der U-Bügel:

  sd
l b,rqd  
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4 fbd

Bemessungswert der Verbundspannung:

fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd


Für gute Verbundbedingungen gilt: 1 = 1,0.
Für   32 mm gilt:2 = 1,0.

fctk;0,05 2,0 N
C30/37: fctd   ct   1,0   1,33 2
C 1,5 mm

fbd = 2,25 · 1,33 = 3,0 N/mm²


12 435
l b,rqd    435 mm
4 3,0

162
Übergreifung der Biegezugbewehrung im Stützenfuß ( 16) mit den lotrechten U-Bügelschenkeln
( 12):
U-Bügelschenkel (gerade Stabenden):

0,3  1   6  l b,rqd  0,3  1,0  1, 4  435  183 mm



l 0,min  max 15  15  12  180 mm
200 mm

    l  0, 67  7,5  1, 4  435  336 mm
 5 6 b,rqd
l 0  max  9,1
l  200 mm
0,min

Stützenbewehrung (gerade Stabenden):

0,3   1   6  l b,rqd  0,3  1,0  2,0  424  254 mm



l 0,min  max 15  15  16  240 mm
200 mm

 As,erf 0,354 12,0
 5   6  l b,rqd  A  0, 67  2,0  424    288 mm
l 0  max  s,vorh
0,521 16,1
l  254 mm
 0,min
Es ist zu überprüfen, ob der lichte Abstand an (siehe Bild 14-11) größer als 4ɸ bzw. 50 mm ist:

 16  12
Stütze  Stehbügel 16  12 4   56 mm
an  a   170   156 mm >max  2
2 2 50 mm

Da dies der Fall ist, muss die Übergreifungslänge vergrößert werden:


Stehbügel:
l0,min = l0 + (an – 4) = 336 + (156 – 4 · 12) = 444 mm
Maßgebend wird die Stützenbewehrung:
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l0,min = l0 + (an – 4) = 288 + (156 – 4 · 16) = 380 mm


< l0,vorh = t – cnom,col + cnom,F = 575 – (30 + 30) = 515 mm

Übergreifung der waagerechten U-Bügelschenkel ( 12) mit der Biegezugbewehrung der Fundament-
platte ( 14):
Grundwert der Verankerungslänge:
  sd
l b,rqd  
4 fbd

Bemessungswert der Verbundspannung:


fbd = 2,25 · 1 · 2 · fctd
Für gute Verbundbedingungen gilt: 1 = 1,0.
Für   32 mm gilt: 2 = 1,0.

163
fctk;0,05 2,0 N
C30/37: fctd   ct   1,0   1,33 2
C 1,5 mm

fbd = 2,25 · 1,33 = 3,0 N/mm²


12 435
l b,rqd    435 mm
4 3,0

0,3   1   6  l b,rqd  0,3  1,0  1, 4  435  183 mm



l 0,min  max 15  15  12  180 mm
200 mm

 As,erf 7,5
 5   6  l b,rqd  A  1,0  1, 4  435   502 mm
l 0  max  s,vorh
9,1
l  200 mm
 0,min
gewählt: l0,x = 600 mm > 502 mm = l0,erf
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Bild 14-14: 3D-Darstellung der Bewehrung eines Einzelfundaments

164
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Bild 14-15: Bewehrungsplan eines Einzelfundaments

165
15 Spannkrafteinleitung und Endverankerung bei Vorspannung mit sofortigem
Verbund
15.1 Allgemeines
Bei der Vorspannung mit sofortigem Verbund werden Spanndrähte oder -litzen vor dem Betonieren von
festen Widerlagern aus mit hydraulischen Pressen angespannt. Nach dem Erhärten des Betons wird die
Spannkraft abgelassen und über Verbund auf den Betonquerschnitt übertragen. Die grundlegenden Aspekte
hierbei sind die rissefreie Spannkrafteinleitung und die Übertragungslänge. Die Bemessungs- und Konstruk-
tionsregeln befinden sich in EC2 /1.1/, Abschnitt 8.10.1.2 und 8.10.2.2. Angaben zum Vorspannen, zur
Ermittlung von Spannkraftverlusten und zur Berücksichtigung der Vorspannung bei den rechnerischen
Nachweisen sind in /1.1/, Abschnitt 5.10, enthalten. Weitergehende Angaben zu Spannkraftverlusten infolge
Wärmebehandlung werden in /1.1/, Abschnitt 10.3.2 und 10.5.2, gegeben. Die entsprechenden Abschnitte
im Nationalen Anhang sind zu beachten.<