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Streit um Ministerposten

Wer hat die


größere
Kompetenz?
schöne
Lesetipps aus unabhängigen Verlagen bücher

Und ewig jagt der Hai:


Der Thriller für die Wanne
U.L.Brich
Panik auf hoher See: Die Yacht kommt nicht vom
Mach doch mal das Gegenteil Fleck, ein Hai wittert Beute. Doch der Feind lauert
Jenny Joker manchmal woanders ... Vergessen Sie, was Sie über
Burnout. Sonja muss ihr Leben ändern, um den Fes- den Jäger des Meeres wussten: Es kommt noch viel
seln des Alltags zu entkommen. Vor allem muss ihre schlimmer im Thriller von U. L. Brich. Hochspannend
Familie auf den alltäglichen Komfort verzichten, denn und dabei wasserfest – so wie alle Titel der Edition
nun lässt sie sich auf Dinge ein, die sie sonst niemals Wannenbuch. Die Kurzgeschichte gibt es auch zum
getan hätte, und katapultiert sich damit sogar ins ferne Anhören auf der Hörbuch-CD »Friedhof der Badeen-
Afrika … Heiter bis wolkig – Roman. ten ... und sieben andere Krimis für die Wanne«.
Feuertanz-Verlag, 304 S., 12,90 €, Edition Wannenbuch, 8 S., 5 €,
ISBN 978-3-944824-92-5 ISBN 978-3-947409-01-3

Was Sie schon immer über


die Gastronomie wissen wollten Besäufniserregend –
Astrid Keim Eine bierernste Krimikomödie
Frisch gekocht oder doch nur aufgetaut? Soll ich mich Leonhard M. Seidl
in diesem Restaurant guten Gewissens an den Tisch Es kracht zwischen den Fans des TSV 1860 München
setzen oder ist Vorsicht geboten? Vielleicht spielen Sie und des FC Bayern – erst verschwinden Fahnen, dann
auch mit dem Gedanken, sich ein Standbein in der gibt’s plötzlich Tote. Mittendrin ermittelt Valentin
Gastronomie zu schaffen. Doch bloß nicht die Katze Gaukler, ständig blau, während sich die Stadt blutrot
im Sack kaufen. In drei Gängen lässt Sie Astrid Keim färbt. Er stolpert durch Boazn, trifft auf Ultras, Schur-
einen Blick hinter die Kulissen werfen – mit einem ken und verkommene Subjekte, bekommt was auf
guten Schuss Ironie. Danach sind Sie in der Lage, fan- die Nase und muss sich wieder aufrappeln. Und dann
tasievolle Namen auf der Speisekarte zu entschlüsseln. kommt auch noch diese Lottelena daher!
Antheum Verlag, 140 S., 12 €, Morisken Verlag, 288 S., 14,90 €,
ISBN 978-3-95949-506-6 ISBN 978-3-944596-15-0

Du wirst nicht alt im Thüringer Wald – Wöbkenbrot und Pinselstrich

SCHÖNE BÜCHER Netzwerk c/o Edition Wannenbuch, Verlag Jens Korch, Erzbergerstraße 2, D-09116 Chemnitz, kontakt@schoenebuecher.net
Thüringer Kolumnen Jürgen Meier
André Kudernatsch Jürgen Meier erzählt, beginnend im Jahr 1910, die
»Irgendwann erreicht man bei einer Wanderung im Geschichte zweier Familien – der Familie Becker aus
Thüringer Wald immer diese Kreuzung, an der ein Chemnitz und der Familie Meyer aus Ostwestfalen,
Schild fehlt, und die Wandergruppe zankt, wo es wei- die sich durch eine Heirat verbinden. Es ist die Ge-
tergeht. Bis einer glaubt, an der Rinde eines Baumes schichte eines Jahrhunderts, geprägt von zwei furcht-
die verwaschene Wegmarkierung wiederzuerkennen: baren Weltkriegen, der Zeit des Nationalsozialismus
Weißes Kästchen mit gelbem Kreis. Das könnte aber und der Suche nach einem Danach in Frieden.
auch der kunstvolle Schiss eines Eichelhähers sein.« Mit einem Kommentar von Konstantin Wecker.
Salier Verlag, 184 S., 12,90 €, Mirabilis Verlag, 344 Seiten, 24 Euro,
ISBN 978-3-939611-89-9 ISBN 978-3-947857-08-1

An der Guillotine Schwein gehabt!


Ingo Munz Redewendungen
Mit feiner Feder nähert sich Ingo Munz in seinen Er- des Mittelalters
zählungen Charakteren an, die es in dieser Dichte nur Gerhard Wagner
selten zu erleben gibt. Bisweilen entfaltet sich hinter- Viele werfen die Flinte ins Korn, weil sie bei Redewen-
gründig der Schimmer einer Ironie (oder ist es schon dungen mit ihrem Latein am Ende sind. Zum Glück
Sarkasmus?), und immer auch wird eine rätselhafte gibt es dieses Buch, in dem der Autor keinem ein X
Andeutung übrig bleiben in seinen Stoffen. Und so für ein U vormacht, sondern die Herkunft von 200
wandeln sich die Andeutungen in seinen Erzählungen Redewendungen erklärt – ob sie nun tatsächlich oder
oftmals in Fragezeichen, die man nach der Lektüre mit nur scheinbar aus dem Mittelalter stammen ... Über
in die Nacht nimmt. Gebundene Ausgabe. 300.000 verkaufte Exemplare! Gebundene Ausgabe.
Edition Outbird, ca. 196 S., 18 €, Regionalia Verlag, 128 S., 6,95 €,
ISBN 978-3-948887-20-9 ISBN 978-3-939722-31-1

Griffin und Quincy –


Gegensätze ziehen sich an Koch mich! Chemnitz –
A.D. Ellis 7 x 7 köstliche Rezepte
Liebe, Geborgenheit und Fürsorge waren aus der Kulturhauptstadt 2025
für Griffin Fremdwörter, bis er durch seine neuen Diana Drechsel
Pflegeeltern und Quincy ihre Bedeutung erfahren hat. Wie schmeckt eigentlich eine Stadt? Autorin Diana
Als der verängstigte Griffin bei ihnen einzieht, wird Drechsel, Köchin aus Leidenschaft, ist in ihrer Heimat
Quincys Welt auf den Kopf gestellt. Trotz holprigem Start Chemnitz auf kulinarische Spurensuche gegangen.
werden beide Freunde. Die Pubertät offenbart jedoch Von der Sonnenberg-Soljanka bis zur Kalten Heckert-
eine unerwartete Anziehung zwischen ihnen, die an der Platte, vom veganen Wildgatter-Gulasch bis zum
Highschool noch intensiver wird. Ist es die ungezwunge- Mousse der Moderne: Die Rezepte liefern einen feinen
ne Collegezeit wert, zehn Jahre Freundschaft aufs Spiel zu Vorgeschmack auf die Kulturhauptstadt 2025. Und als
setzen. Oder besteht die Chance auf etwas viel Besseres? Getränk dazu: einen Zenti-Zombie. Geschenkbuch,
MAIN Verlag, 208 S., 12 €, gebundene Ausgabe.
ISBN 978-3-95949-493-9 Paperento, ca. 80 S., 22 €, ISBN 978-3-947409-42-6

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MARIO LARS

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I NHALT
Titel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ARNO FUNKE
3 Zeit im Bild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . MARIO LARS
5 Hausmitteilung
6 Modernes Leben
9 Zeitansagen

14 Gibt es linkes Leben in der SPD? . . . . . . . . . . . . . . . . ANDREAS KORISTKA


16 Projekt U18 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . FLORIAN KECH / ARI PLIKAT
18 Freedom Day

20 Die allergrößte Leuchte verglüht . . . . . . . . . . . . . . . . . . GREGOR FÜLLER


24 Unsere Besten: Der Irrlichter . . . . . . . . PETER KÖHLER / FRANK HOPPMANN
26 Zeitgeist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . OLIVER OTTITSCH
28 »Was machen Sie
in Ihrer Auszeit?« . . . . . . . . . . . . . . . GERHARD HENSCHEL / MICHAEL GARLING

30 Der beste Österreicher seit Hitler! . . . . . . . . . . . . . . . ANDREAS KORISTKA


32 Und ja! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . MATTI FRIEDRICH
34 Wandersleut’ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . FRANK BAHR
36 Krieg der Klimakatastrophe! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . DANIEL SIBBE
38 Als sei sie nicht am Leben . . . . . . . . . . . . MATHIAS WEDEL / GUIDO SIEBER

40 Wahn & Sinn


43 Instakram . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . GERHARD GLÜCK
44 Copy & Paste: Jürgen Nowak, »Hey, Alter!«
46 TV: Eintopf der Gefühle. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . FELICE VON SENKBEIL
47 Lebenshilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . PETER THULKE
49 Funzel: Obstmangel

52 Morgenkreis unter
Krüppelkiefern . . . . . . . . . . . . . . . . . . FELICE VON SENKBEIL / PETER MUZENIEK
54 Schwarz auf Weiß
57 Was für ein Sound! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . BERNHARD SPRING
58 Lefzen-Stability und befriedigtes
Aufstoßen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . GREGOR OLM / PAUL PRIBBERNOW

60 Fehlanzeiger
62 Die EULE vor 50 Jahren
64 Leser machen mit / Rätsel / Post
65 Meisterwerke / Impressum
66 … und tschüs!

Teilen der Auflage sind Beilagen der Tageszeitung Junge Welt beigefügt.

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H AUS MITTEILUNG
Liebe Leserin, lieber Leser,

ich verurteile die anhaltenden heftigen Attacken gegen Sebastian Kurz


aufs Schärfste. Hier werden Grundprinzipien der Pädagogik missachtet!
Der Junge hat einen Fehler gemacht und ihn zugegeben. Meines Erach-
tens reichen hier ein bis zwei Wochen Stubenarrest völlig aus. Vielleicht
kann er sich noch vor der Klasse entschuldigen und seiner Lehrerin einen
Apfel schenken, aber dann ist es auch gut. Und wenn er in den nächsten
Wochen fleißig mitarbeitet und immer seine Hausaufgaben macht,
spricht auch nichts dagegen, dass er wieder die Regierungsgeschäfte
übernimmt.

Große Verwunderung hat bei mir die große Verwunderung ausgelöst,
mit der in den Medien der Erfolg der FDP bei den Erstwählern aufgenom-
men wurde. Haben denn diese Journalisten jede Erinnerung an ihre eigene
Jugend verdrängt? Wie oft haben wir damals den Beginn einer Schulstun-
de verpasst, weil unser Pausenhofgespräch über zu hohe Lohnnebenkos-
ten und die erdrückende Steuerlast der Unternehmen kein Ende nehmen
wollte! Wie oft mussten wir beim Direktor antanzen, weil wir uns den
Freitag eigenmächtig freigenommen hatten, um auf der großen Schüler-
demo für die Stärkung des Mittelstands mitzumarschieren! Wie oft muss-
te die Polizei nachts um drei unsere Party auflösen, weil wir in alkoholi-
siertem Zustand lautstark über die beste Strategie zum Abbau von Investi-
tionshemmnissen gestritten haben! Und wie stolz waren wir, als man uns
nichts nachweisen konnte, was die Urheberschaft des riesigen Guido-
Westerwelle-Porträts betraf, das eines Nachts an die größte Brücke
unserer Heimatstadt gesprüht wurde! Doch genug des Schwelgens in
Erinnerungen – lassen Sie uns stattdessen die liberale Jugend von heute
würdigen, und zwar auf Seite 16.

Als die Schweizer Armee vor Kurzem bekannt gab, bis zum Jahr 2050
klimaneutral werden zu wollen, waren hier und da skeptische Stimmen zu
hören, die bezweifelten, dass sich ökologisches Denken mit dem Wesen
des Militärs in Einklang bringen lässt. Dabei gibt es viele naheliegende
Ideen! So lassen sich beispielsweise die Heizkosten der Streitkräfte enorm
verringern, wenn sie vorwiegend in tropischen Ländern Krieg führen –
was nebenbei auch den Einsatz von Solarenergie um ein Vielfaches effekti-
ver macht. Des Weiteren kann man eine Menge Treibstoff sparen, wenn
man statt einer ganzen Bomberstaffel nur ein einziges Flugzeug losschickt,
das dafür mit einer Atombombe beladen wird. Aber warum eigentlich die-
ser verengte Blick auf Einsparungen? Wer konsequent ganzheitlich denkt,
kommt jedenfalls schnell darauf, die Streitkräfte zu nutzen, um positive
Effekte in ganz anderen Bereichen zu erzielen. Zum Beispiel wäre eine
drastische Verringerung des globalen Methanausstoßes durch konsequen-
ten Einsatz von Luft-Boden-Raketen gegen Rinderherden erreichbar.
Auf ähnliche Weise könnte man auch das Problem der Überbevölkerung
lösen.
Wir sehen also: Wenn wir Deutschen es ernst meinen mit unserem
Kampf gegen den Klimawandel, müssen wir die Bundeswehr deutlich
offensiver ausrichten. Details finden Sie auf Seite 36.

Nutzen Sie auch eines von die-


sen neumodischen Telefonen?
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Ding dong,
Telefon!
Ein Anruf beim Union-Maulwurf

Schönen guten Tag!


Grüß Gott! Quatsch, ich meinte: Hallo!
Das schneiden wir nachher raus, kein Problem. – Eins
noch vorweg: Um Ihre Identität zu schützen, nennen wir
Sie nicht beim Namen.
Das finde ich lobenswert. Diskretion weiß ich sehr zu
schätzen.
Ist Ihnen der Name »Maulwurf« recht oder sollen wir Sie
lieber »Spitzel« nennen?
Das überlasse ich ganz Ihnen. »Maulwurf« klingt doch an-
nehmbar.
Und wenn wir Sie »dreckige Ratte« nennen? … Hallo?
Dreckige Ratte? … Ok, ich deute Ihr Schweigen mal als
Ablehnung. … Herr Maulwurf, Sie waren derjenige, der
mehrfach interne, wenn auch wenig brisante Details aus
den Sondierungsgesprächen der Union an ein Boulevard-
blatt weitergegeben hat. Welche persönlichen Ziele ha-
ben Sie damit verfolgt?
Was heißt da »persönliche Ziele«? Um Persönliches geht
es hier doch gar ned. Es gibt in Deutschland einfach mal
eine Informationspflicht den Bürgerinnen und Bürgern ge-
genüber. Das ist gelebte Transparenz. Und wissen Sie: Ich
war früher selbst mal journalistisch tätig. Deswegen weiß
ich ganz genau, wie schwer und auch gleichzeitig wichtig
es ist, an valide Informationen ranzukommen. Und ich bin
halt ein hilfsbereiter Mensch. Eine Art gütiger Samariter,
wenn Sie so wollen.
Die potentiellen Koalitionspartner von den Grünen und
der FDP waren da anderer Meinung.
Hören Sie, das ist doch pure Heuchelei. Das sind alles Voll-

FRANK BAHR
blutpolitiker. Die stechen Ihnen jederzeit das Messer in
den Rücken, ohne mit der Wimper zu zucken. Denen muss
man immer einen Schritt voraus sein, dene Verbrecher.
Aber auch innerhalb der Union spricht man von Sabo-
tage. Dass die Indiskretionen Armin Laschets Aussich-
ten auf das Kanzleramt fast unmöglich gemacht haben,
war also nicht beabsichtigt?
Das war ein Nebeneffekt der gelebten Transparenz. Da
muss man halt abwägen. Was ist wichtiger: die Karriere
vom Armin oder eine wohlwollende Berichterstattung über
mich in der Zeitung als Gegenleistung für die eine oder an-
dere Information, die interessant ist für die Öffentlichkeit?
Und ich hab mich nun mal so entschieden. Das geht sonst
keinen was an, da sollte jeder vor der eigenen Tür kehren.
So, jetzt muss ich aber Schluss machen, der Wahlkampf für
meine Kanzlerkandidatur 2025 fängt genau jetzet an. Auf
Wieder…
Moment, eine Frage noch, Herr Söder. Haben Sie eventu-
ell auch für uns irgendwelche Informationen aus den
Sondierungsgesprächen?
Meinetwegen: Der FDP-Wissing sieht zwar immer eweng
aus, als würd er schlimm ausm Maul stinken, aber der is
MARIO LARS

einwandfrei gepflegt, da gibts nix auszusetzen.


Danke!

GF

11/21 9
Besser als gedacht
Wie Umfragen des RKI ergaben,
könnten hierzulande bis zu 84
Prozent der Erwachsenen, und
damit fünf Prozentpunkte mehr
als bisher angenommen, voll-
ständig geimpft sein. Die Um-
frage ergab weiterhin, dass 92
Prozent der Deutschen nur sel-
ten Alkohol trinken, dreimal
wöchentlich ins Fitnessstudio
gehen und gerade mindestens
eine neue Fremdsprache ler-
nen. Außerdem gaben glatte
100 Prozent an, während des
letzten Jahres keine einzige
Porno-Website besucht zu ha-
ben, wirklich wahr, sie wüssten
gar nicht, was sie dazu googeln
müssten, echt.
DM

Vermutlich kompetent
Die Kritik an der Tatsache,
dass das seinem Ministerium

TERESA HABILD
unterstellte RKI es nicht mal
schaffe, alle Geimpften zu zäh-
len, lässt Jens Spahn nicht an
sich ran: »Dass die Impfquote
vielleicht fünf Prozentpunkte
höher ist als bisher angenom-
Profitieren Moderator Einfach nur schlafen men, zeigt doch nur, dass ich
statt prohibieren Armin Laschet will den Über- Kabarettwitz Im August erreichten die Über- vielleicht ein um fünf Prozent-
Dass die Grünen eine Verbots- gang zu einer neu aufgestell- Auch wenn die nachtungszahlen in Deutsch- punkte besserer Gesundheits-
nächste Bundesre-
partei seien, wie Christian ten CDU »moderieren«. Und land fast wieder das Niveau minister bin als bisher ange-
gierung eine Ampel
Lindner behauptet, ist Quatsch zwar genau so, wie Biden den sein sollte, wird von 2019. Kein Wunder – nommen.«
und das Gegenteil der Fall. Abzug aus Afghanistan, Löw man keine Leuch- nach anderthalb Jahren Pande- CD
Denn für eine Verbotspartei, den EM-Auftritt und Merkel ten darin finden. mie ist die allgemeine Müdig-
die sich Ökologie und soziale ihre Nachfolge. OL
keit einfach überwältigend. 80er-Revival
Gerechtigkeit auf die Fahne PF PF In Hessen dürfen Supermärkte
schreibt, würde es sich von Ungeimpften den Zutritt ver-
selbst verbieten, mit der FDP weigern. Die Frage, ob je nach
zu koalieren. Laune des Supermarktleiters
GP z.B. auch HIV-Infizierte vom
Einkauf vor Ort ausgeschlos-
Leergut sen werden dürfen, muss aber
Infolge des EU-Austritts dür- rechtlich noch geklärt werden.
fen in Großbritannien wieder CD
die alten Gewichts- und Maß-
angaben verwendet werden. In Hoffnungsträger
den Supermärkten hört man Daniel Günther, Tobias Hans:
schon jetzt immer öfter: »Zero Wenn die CDU klug ist, setzt
ounces of bananas, please!« sie in Zukunft vor allem auf
DS diese vier.
AM
Vertriebene vertrieben
Die CDU hat im neuen Bundes- Nachverdichtung
tag mit vier Prozent den ge- Angesichts der Erholung im
ringsten Anteil an Abgeordne- Tourismusgeschäft bietet der
ten mit Migrationshintergrund. Billigflieger Easy Jet 100 000
Jetzt rächt es sich, dass man zusätzliche Sitzplätze an. Of-
HARM BENGEN

Leute wie Erika Steinbach ver- fen blieb, ob man auch mehr
grault hat. Maschinen einsetzen will.
PF PF

10 11/21
Z EIT ANSAGEN
Ungerecht
Österreichs Kanzler Sebastian
Kurz trat wegen Korruptions-
vorwürfen zurück; mit Hilfe
des Finanzministeriums soll er
positive Berichterstattung
über seine Person gekauft ha-
ben. Besonders empört ist
man darüber beim deutschen
Boulevardblatt Bild, denn dort
hatte Kurz die Lobhudeleien
kostenlos bekommen.
CD

Ziel verfehlt
CDU-Ganzrechtsaußen Hans-
Georg Maaßen hat den Einzug
in den Bundestag verpasst.
Viele seiner Sympathisanten
haben sich mit der Wahl des
Ex-Biathleten Frank Ullrich
(SPD) lieber direkt für den be-
waffneten Widerstand ent-

KLAUS STUTTMANN
schieden.
DS

Fragliche
Daseinsberechtigung
Laut Ifo-Institut ist die durch-
schnittliche Steuer- und Abga-
benlast in den letzten 35 Jah-
ren um mehrere Prozent- Ziel erreicht Nachwuchstalent Vorbildlich Atheistische Ferien
punkte gesunken. Gut möglich, Wenn wirklich immer mehr Österreichs Ex-Vizekanzler Rennfahrer Sebastian Vettel Der Kölner Erzbischof Woelki
dass die FDP nun in eine tiefe Banken Strafzinsen auch Strache hat den Rücktritt von hat sich für mehr Umwelt- und ist in seine vom Papst verord-
Sinnkrise gerät. schon auf kleine Beträge erhe- Kurz als »Rücktrick« bezeich- Klimaschutz ausgesprochen: nete Auszeit gestartet. Auf
HD ben sollten, hätte die SPD mit net. Noch so ein paar Gags »Es muss gehandelt werden, seine Pläne angesprochen ver-
ihrer Hartz-IV-Politik wirklich und er landet als »Provokateur nicht nur geredet.« Er selbst kündete er, mal einfach die
Ende absehbar Gutes erreicht: Armut lohnt aus Österreich« bei Dieter fährt ja schon seit Jahren kon- Beine auf den Altar legen und
Nach den »Panama Papers« sich wieder. Nuhr auf der Bühne. sequent immer langsamer. an nichts glauben zu wollen.
dokumentieren jetzt die »Pan- OL PF HD PH
dora Papers« internationale Fi-
nanzgeschäfte am Rande der
Bitte nicht
Eine von der Schauspielerin
Legalität. Das wird erst aufhö-
Maria Furtwängler initiierte
ren, wenn den Journalisten
Studie hat ergeben, dass das
nach Paloma, Pamela und Pa-
deutsche Fernsehen immer
nini langsam die dreisilbigen
noch von weißen Männern
Pa-Wörter ausgehen.
dominiert wird. Die Folge darf
PF
aber nicht sein, noch mehr von
Abgehärtet Furtwängler zu zeigen.
PF
Tesla verlegt seinen Firmen-
sitz von Kalifornien nach Te- Langzeitprojekt
xas. Wie man in unwirtlichen Der UN-Menschenrechtsrat hat
Wüstenregionen zurecht- den Zugang zu einer sauberen
kommt, hat man ja in Branden- und gesunden Umwelt als
burg schon geübt. grundlegendes Menschenrecht
PF anerkannt. Die weniger gute
Nachricht: Schon vor vielen
Noch nicht zu spät Jahren wurde das »Recht auf
Es wäre jetzt die Gelegenheit gerechte und befriedigende
KAI KÜHNE

für Ex-Kanzler Kurz, endlich Arbeitsbedingungen« sowie


seine verlorenen Jugendjahre »gleichen Lohn für gleiche Ar-
nachzuholen. beit« postuliert.
HD PF

11/21 11
Z EIT ANSAGEN
Mal was anderes
Der umstrittene Kölner Kardi-
nal Rainer Maria Woelki ist in
seine angekündigte »geistli-
che Auszeit« gegangen. Eine
völlig neue Erfahrung für ihn,
nachdem er sich jahrelang in
einer geistigen Auszeit befun-
den hatte.
DS

Vertrauen ist gut


Ein deutsches Start-up hat ei-
nen »Wunder-Diesel« entwi-
ckelt, der Verbrauch und CO2-
Ausstoß markant senken soll.
Klingt gut, man sollte dennoch
überprüfen, ob die Verantwort-
lichen keine VW-Vergangen-

KAI KÜHNE
heit haben.
PF

Naheliegend
Um den akuten Mangel an
Lastwagenfahrern in den Griff
zu bekommen, hat Großbritan-
niens Vize-Premier Dominic
Raab vorgeschlagen, verur-
teilte Straftäter aus britischen
Bekanntmachung Inflation + Minuszins Gefängnissen hinters Steuer
zu setzen. Warum auch nicht?
des Landes Berlin Wenn es darum geht, Brummi-
Hiermit geben wir bekannt, dass die Wahl zum Anhänger vollzupacken und
Berliner Senat nun doch in Teilen wiederholt schwer beladen damit wegzu-
werden muss. Um die Nachwahl so unkompli- fahren, macht denen schließ-
ziert wie möglich zu gestalten, können die lich keiner was vor.
nachwahlberechtigten Berlinerinnen und Ber- PH
liner ab heute einen Online-Termin in ihrem
zuständigen Wahlbüro buchen. Leider kommt Bücherwelt
es derzeit wegen des hohen Krankenstands Wie eine Studie belegt, wurde
unserer Mitarbeiter zu Verzögerungen. Wer Das ist ein
»Pinocchio« in 300 und »Der
noch innerhalb der laufenden Legislaturperi- Banküberfall! kleine Prinz« sogar in 382
ode nachwählen möchte, dem empfehlen wir, Sprachen übersetzt. Am ande-
sich jeweils am Montagmorgen um zwei Uhr ren Ende der Skala finden sich
in unser Terminvergabesystem einzuloggen, die Werke von Juli Zeh. Sie lie-
um eines der wenigen offenen Zeitfenster bu- gen bisher nicht einmal auf
chen zu können. Deutsch vor.
MB AM

Teils, teils Wahr, unwahr


Im Zuge der Ermittlun- Wahr ist:
gen um Österreichs Taiwan hat Chinas Plänen
Ex-Kanzler Sebastian für eine »Wiedervereini-
gung mit friedlichen MANFRED BEUTER (MB),
Kurz war eine Mei- HENRY DAVID (HD),
nungsforscherin Mitteln« eine Absage
erteilt. CARLO DIPPOLD (CD),
kurzzeitig festgenom- PATRICK FISCHER (PF),
men worden. Die Frau Unwahr ist:
Zur Begründung ver- GREGOR FÜLLER (GF),
fand ihre Verhaftung PATRIC HEMGESBERG (PH),
wies man auf schlechte
gut,
MICHAEL GARLING

Erfahrungen des kleine- OVE LIEH (OL),


eher gut, ren Partners bei der ANDREAS MAIER (AM),
deutschen Wiederver- DOMINIK MAUER (DM),
eher schlecht,
einigung. GUIDO PAULY (GP),
schlecht. DANIEL SIBBE (DS)
AM PF
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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
Gibt es
linkes Leben
in der SPD?
Die Gerüchte um Linke in der
Sozialdemokratischen Partei
Deutschlands halten sich hartnäckig.
Zwar hat Bundespräsident Frank-
Walter Steinmeier beteuert, die SPD
habe mit linken Umtrieben nichts zu
schaffen, da Steinmeier aber, was
kaum einer weiß, selbst SPD-Mit-
glied ist, ist Skepsis angebracht.
Der EULENSPIEGEL hat sich
umgehört. Heimliche Aufnahme einer Arbeitodrom-Party in Kassel?

Berlin. Fabian Wagmüller hat Beweise. Aufge- seinem bürgerlichen Image als Brechmittel ein-
regt wühlt er in einem großen Haufen mit Zei- setzender Cum-ex-Saubermann die Herzen der
tungsausschnitten und Fotos. Hin und wieder Deutschen errungen hat, ist dabei für die linken
fischt er etwas heraus. Seine Halsschlagader Kämpfer nur eine Marionette.
pumpt dabei, als wollte sie seinen Körper tro- Die Theorie klingt so paranoid wie plausibel:
ckenlegen. »Hier!«, schreit er und reckt einen Wagmüller ist sich sicher, dass im Keller der Lo-
vergilbten Zettel in die Luft, auf den etwas mit kalität in Kassel von den linken SPDlern Groß-
einem Kugelschreiber gekritzelt wurde. Wag- kapitalisten gefangen gehalten werden. Die Zir-
müller rückt sich die Brille zurecht und beginnt beldrüsen der Gefangenen werden regelmäßig
vorzulesen: »Stalinisten-Pizza, anarcho-syndi- gemolken, um daraus eine Droge namens Ar-
kalistisches Gulasch und Rinder-Marx-Kno- beitodrom herzustellen. Dieses Mittel soll Ge-
chensuppe. Preis: null Euro für verdiente Ge- werkschaftsmitglieder in Tarifverhandlungen
nossen. Kommt am besten noch heute vorbei!« dermaßen aufputschen, dass sie Lohnerhöhun-
Wagmüller tobt vor Wut. Schon lange ist er gen weit über zwei Prozent fordern. Sollten sie
einer großen Sache auf der Spur. Nun meint er, sich damit durchsetzen, wäre es für deutsche
mit diesem vermeintlichen Werbeprospekt ei- Firmen unmöglich, wirtschaftlich zu arbeiten.
ner Gaststätte herausgefunden zu haben, dass Die Soziale Marktwirtschaft und mit ihr die frei-
Saskia Esken, Norbert Walter-Borjans und Ke- heitlich-demokratische Grundordnung würden
vin Kühnert in Kassel ein Restaurant namens unweigerlich in sich zusammenfallen. Wagmül-
»Saskia’s, Norbert’s und Kevin’s sozialistisches ler präsentiert gern seine Indizienkette: »Der
Wärmestüberl« betreiben. »Das kann man alles letzte Milliardär in einer deutschen Fußgänger-
im Internet nachlesen, zum Beispiel auf meiner zone wurde 2012 gesichtet. Die letzte Sichtung
Homepage namens Sozengate.com«, sagt Wag- auf einer Bahnhofstoilette stammt sogar aus
müller aufgeregt. dem Jahr 1983. Die Beweislage ist erdrückend!«
Laut Wagmüllers Recherchen wird die Ver- Doch die Milliardäre seien nicht das eigentli-
schwörung wohl von Erich Honecker finanziert, che Ziel der linken Verschwörung in der SPD.
der – glaubt man den Gerüchten – bis zum heu- Alles sei darauf ausgerichtet, dass Scholz von
tigen Tag mit seinen SED-Millionen und der Kühnert und Co. gestürzt wird. Dann soll Ho-
Schalmeien-Sammlung im Erdinneren leben necker aus der Erde kriechen und sich auf den
Beweisfoto aus dem Willy-Brandt-Haus. soll. Dort leitet er ein riesiges Komplott zur Er- Kanzlerstuhl setzen. Der ehemalige Staatsrats-
Der Mann rechts ist eindeutig als Kevin ringung der Weltherrschaft durch die von ihm vorsitzende wird anschließend ein paar Eier im
Kühnert identifizierbar. Doch wer ist die befehligten roten Horden, die vor allem in der Uferbereich der Spree ablegen, aus denen dann
linke Person? Josef Stalin? SPD zugange sein sollen. Olaf Scholz, der mit in ein paar Wochen die Nachfolger seiner neu-

14 11/21
Foto eines vermeintlichen Starts einer NVA-Flugscheibe. Ist Saskia Esken an Bord, um sich ihre neuesten Tagesbefehle von der kom-
munistischen Untergrundführung abzuholen?

errichteten kommunistischen Dynastie à la tionen. Aber tief unten beherbergt die sozialde- Geld unterstützte, würde eine gewisse Sicher-
Nordkorea oder Thüringen schlüpfen werden. mokratische Partei einen sozialistischen Sumpf. heit bieten, dass wenigstens die Glücksspielin-
Wagmüller kann nicht verhindern, rot anzulau- Einen linken Morast, von dem hin und wieder dustrie schadlos bleibt. Aber Frank Thelen
fen, wenn er davon spricht: »Es wird eine Sys- marxistisch-leninistische Faulgase aufsteigen. treibt dennoch große Angst um: »Wenn ich
tem entstehen, das sich den ganzen Planeten Ist solch eine Faulgasblase das richtige sprachli- von linken Dogmatikern in Zukunft dazu ge-
zu Untertan ...« Er kann nicht weitersprechen, che Bild? Egal, jedenfalls stinkt es nach Schwe- zwungen werde, Steuern zu zahlen, dann sehe
weil er von zwei in Weiß gekleideten Pflegern fel, Scheiße und DDR-Linoleum, wenn dieser ich mich gezwungen, auszuwandern«, warnt er
der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik aus dem Kevin Kühnert mal wieder fordert, dass jeder, schon mal vorab. Es wäre ein schrecklicher
Raum gezogen wird, damit sichergestellt ist, der mehr als 1500 Euro im Monat verdient, in Verlust für das Vaterland und für alle Freunde
dass er um 14 Uhr an der Maltherapie teil- den Gulag gesperrt werden müsste, und dass je- von hamsterbäckigen Sympathieträgern mit
nimmt und vorher eine von seinen großen ro- dem Mitglied der Quandt-Familie zwei Gelenke Zweitwohnsitz auf den Cayman-Inseln. Und
ten Pillen schluckt, genau so, wie es Kevin Küh- des kleinen Fingers abgeschnitten werden dass diese Leistungsträger Deutschland auch
nert für alle Feinde der SPD angeordnet hat. müssten. Kaum zu glauben, dass das wirklich mit dem Erstwohnsitz verlassen – so viel Hass
im Grundsatzprogramm der SPD steht!« auf Deutschland kann nicht mal Kevin Küh-
Bonn. Ein paar Tage später. Der Start-up-In- Thelen ist felsenfest davon überzeugt, dass nert haben!
vestor Frank Thelen macht sich einen Tee. Er solche Maßnahmen eigentlich grundgesetzwid-
benutzt dafür ein Konzept namens »blubbering rig seien. Und aus diesem Grund verklausulie- Arnsberg. Wiederum ein paar Tage später.
heat«, das eines seiner zahlreichen Start-ups für ren seiner Meinung nach die roten Verschwö- »Alles linksrotversiffte Kommunistenschwei-
ihn entwickelt hat. Man gießt einfach etwas rer in der alten Dame SPD ihre Forderungen. ne!«, ruft Friedrich Merz und schlägt die Haus-
Wasser in eine Maschine, schaltet sie an, und Oder noch schlimmer: Sie verschweigen sie! tür seines Anwesens wieder zu. Die Indizien
nach einer Weile erhält man ein heißes und Man müsse zwischen den Zeilen lesen, wie es werden immer erdrückender, doch die deut-
blubberndes Liquid, das man über seinen Tee- einst die Kreml-Astrologen taten, ist sich The- schen Medien schweigen.
beutel schütten kann. »Fünf Minuten stehen las- len sicher. Wenn Kevin Kühnert zum Beispiel
sen, danach schmeckt es köstlich«, sagt Thelen, die Enteignung von Immobilienunternehmen Fazit: Solange die SPD sich nicht auflöst,
bevor er mit spitzen Lippen ein paar winzige ablehnt, hält Thelen dies für ein gefährliches bleibt Raum für Spekulationen. Ist wirklich et-
Schlucke aus der dampfenden Tasse nimmt. Signal. »Ja, die Enteignung lehnt er ab, aber was dran an den Gerüchten von linken SPD-
»Ah, wunderbar, so schmeckt marktwirtschaft- Kühnert spricht sich ganz bewusst nicht dage- Mitgliedern? Gibt es tatsächlich sozial gesinnte
liche Innovationskraft«, flüstert er. gen aus, Immobilienbesitzer an ihrem rechten Mächte im Untergrund der Partei?
Thelen kann kurze Entspannungen gut ge- Ei aufzuhängen und ihnen mit dem Kommu- Die Antworten auf diese Fragen werden wir
brauchen, denn auch er ist der linken Ver- nistischen Manifest die Schädel einzuschlagen. vermutlich erst erfahren, wenn es zu spät ist.
schwörung in der SPD auf der Spur. »Nach au- Das ist eine geschickt gesetzte Auslassung!«
ßen hin geben sie sich als die Biedermänner der Sicherlich, eine Regierungszusammenarbeit
Agenda-2010-Reform und der Hartz-IV-Sank- mit der FDP, deren Wahlkampf Thelen mit viel ANDREAS KORISTKA

11/21 15
Projekt mit liegt die FDP beim Nachwuchs gleichauf
mit den Grünen an der Spitze. Die Studie konn-
te eine eindeutige Korrelation zwischen Alter
und Parteipräferenz nachweisen: Je jünger die
Befragten, desto mehr Affinität zur FDP. Am
besten kommen die liberalen Inhalte bei den
unter Dreijährigen an. Deswegen plädiert die
Partei auch dafür, die Altersuntergrenze bei
Wahlen komplett aufzuheben. Jeder Säugling
habe das Recht auf freie Mitbestimmung.
Seit die unbequeme Wahrheit von der Hip-
ness der FDP ans Licht kam, geht Marlon
selbstbewusster durchs Leben. Nach Jahren des

A
ktienrente, Zwei-Klassen-Medizin, nuntergeschluckt und, um auf Nummer sicher Versteckspiels steht er nun zu seiner Veranla-
Steuerschlupflöcher für Superrei- zu gehen, drei Tafeln Blockschokolade geges- gung, auch wenn es ihn manchmal noch Über-
che – das ist der Stoff, aus dem Mar- sen. Eine unsichtbare Hand, die sich nach windung kostet. Besonders schwer fiel ihm das
lons feuchte Träume sind. »So jung Adam Smith anfühlte, und eine unheimliche Outing vor seinen Eltern. »Die machten natür-
und schon so verdorben«, dachte er etliche Jah- Stimme, die nach Christian Lindner klang, lich keine Freudensprünge«, erzählt er, »aber
re über sich selbst. Der Selbstekel ging so weit, führten ihn schließlich über den Balkon zum nach einer Tracht Prügel wurde der Vater mil-
dass er am liebsten den Kontakt zu sich abge- Wahllokal, wo er zwei Kreuze bei der FDP der und begann zu akzeptieren.« Auch die Mut-
brochen hätte. In dunklen Momenten sagte er machte und sich im Anschluss hinter dem Ge- ter habe das Schockgeständnis mittlerweile ver-
zu seinem eigenen Spiegelbild: »Du perverse bäude eine Stunde lang übergab. arbeitet. »Wenn alles gut läuft, kommt sie im
Sau, du!« Um die Gesellschaft vor sich zu schüt- Bis vor kurzem fühlte sich Marlon mit sei- Frühjahr wieder aus der Nervenheilanstalt.«
zen, stellte er beim örtlichen Wahlamt einen nem Problem allein. Dann aber brachte Infan- Der Vater, der seinen Namen in keiner Zeit-
Antrag, ihm als Erstwähler das Wahlrecht zu tiltest dimap eine Studie heraus, die sein Leben schrift lesen möchte, sitzt zusammengekauert
entziehen. Als die Behörde nach dem Grund veränderte: Plötzlich war er mit seinen abarti- am Esstisch. Vor ihm liegt ein aufgeschlagenes
fragte, schwieg er aus Scham. Bei der Bundes- gen Neigungen keine Ausnahme mehr, son- Familienalbum. Mit einem glimmenden Ziga-
tagswahl hatte sich Marlon prophylaktisch ins dern in seiner Altersgruppe die Regel. 23 Pro- rettenstummel versucht er, den Problemsohn
Zimmer eingesperrt, den Zimmerschlüssel hi- zent der Erstwähler haben wie er gewählt. Da- aus dem Andenken zu schmoren. »Marlon war

16 11/21
schon immer das schwarz-gelbe Schaf der Fa-
milie«, sagt der gepeinigte alte Mann. Am fami-
liären Umfeld könne es nicht gelegen haben.
»Wir sind rechtschaffene Leute, die brav ihre
Steuern zahlen.« Zum Beweis zeigt er Fotos von
den anderen Söhnen. Der eine ist bei der Ge-
werkschaft, der andere Mitorganisator bei Fri-
days for Future, der dritte machte Karriere
beim Islamischen Staat. »Einzig Marlon kam
von der Bahn ab.«
Im Nachhinein macht sich der Vater schwe-
re Vorwürfe, weil er zu lange tatenlos zugese-
hen habe. Als Marlon noch ein kleines Kind
war, habe er ihn einmal bei Doktorspielchen er-
wischt. Der Junge habe die Nachbarsmädchen
in zwei Klassen eingeteilt. Die Privatversicher-
ten kamen in den Genuss einer Spezialbehand-
lung, die Kassenpatientinnen mussten warten,
bis sie schwarz wurden. Im Alter von zwölf
lehnte Marlon plötzlich sein Taschengeld ab
mit der Begründung, er sei strikt gegen ein be-
dingungsloses Grundeinkommen. Der Vater
musste ihm den wöchentlichen Betrag von da den, die über ihren Tod hinaus und in die Ju- die thüringische Parteilegende Thomas Kem-
an auf das Konto einer Briefkastenfirma im gendmilieus hineinwirken – wie Genscher, merich, der sich als bislang einziger Politiker
Nachbardorf überweisen. »Den ganzen Blöd- Scheel oder Kubicki, der immer noch posthum die Freiheit nahm, sich von der AfD zum Mi-
sinn habe ich mitgemacht, ich konnte ja nicht und unrasiert durch die Talkshows spukt. Als nisterpräsidenten auf Zeit wählen zu lassen.
ahnen, dass sich dahinter eine ernsthafte Stö- Kubicki neulich den Seuchen-Sozialisten Lau- »Was auch immer geschieht, er bleibt mein
rung verbirgt.« terbach einen »Spacken« nannte, war Marlon Sohn«, sagt der Vater. Es sei ja auch nicht alles
Vergangene Woche klingelte das Jugendamt. total aus dem Häuschen angesichts dieser muti- schlecht an dieser Partei. Neulich habe Marlon
Marlons Ethiklehrer hatte die Behörde einge- gen und konstruktiven Corona-Kritik. »Endlich ihm erklärt, dass sich die FDP neben all den
schaltet, nachdem sein wahlverhaltensauffälli- sagt’s mal einer«, schwärmt er, auch wenn Mar- neoliberalen Schweinereien immerhin für die
ger Schüler im Unterricht wiederholt gegen ein lon persönlich eine angemessenere Wortwahl Legalisierung von Cannabis einsetze. Das hat
Tempolimit auf deutschen Autobahnen argu- bevorzugt hätte wie »Spasti« oder »Hurensohn«. ihm imponiert. »Vielleicht wäre es an der Zeit
mentiert hatte. Außerdem hatte er die Förde- Als Vertreter der Generation Lockdown ist für eine Friedenspfeife mit dem kleinen Bas-
rung von erneuerbaren Energien als unzulässi- Marlon vor allem vom konsequenten Freiheits- tard.«
ge Einmischung des Staates in die Privatangele- begriff elektrisiert. »Keine andere Partei denkt
genheiten des Marktes bezeichnet. Als ihm der die Selbstentfaltung des Individuums so radikal FLORIAN KECH
Ethiklehrer einen Schulverweis androhte, titu- zu Ende wie wir«, sagt er und nennt als Vorbild ZEICHNUNGEN: ARI PLIKAT
lierte ihn Marlon als Keynesianer. Der Vater ge-
leitete die beiden Herren vom Jugendamt ins
Kinderzimmer. Auf Marlons Notebook stellten
sie Tausende heruntergeladene Fotos und Me-
mes von Christian Lindners Instagram-Kanal
sicher. Der Vater konnte irgendwann nicht
mehr hinsehen: »Es war ein Blick in den Ab-
grund.«
Lindner ist der Insta-King der Bundespolitik,
mit doppelt so vielen Followern wie Scholz, La-
schet und Britney Spears zusammen. Auf Tik-
Tok zählt der FDP-Chef sogar tausendmal
mehr Fans als Publikumsliebling Joschka Fi-
scher in seinen besten Zeiten. Bei seinen Live-
auftritten fallen scharenweise Groupies in Ohn-
macht und die, die auf den Beinen bleiben,
schlagen sich hinterher um ein Selfie mit ihm.
Auch Marlon konnte schon eins ergattern, al-
lerdings nur mit einem Schwarz-Weiß-Lindner
im XXL-Format.
Der hochintellektuelle Parteichef, dessen
Denkermiene selbst einen Platon wie einen
Schüler aussehen lässt, ist ein, aber nicht der ein-
zige Garant für den Erfolg der FDP bei den Un-
reifen. Es sind auch die verstorbenen Parteihel-

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11/21
ANDRÉ SEDLACZEK
PETER THULKE
MARIO LARS

DORTHE LANDSCHULZ

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ULI DÖRING PIERO MASZTALERZ
Die allergrößte Leuchte
am Polithimmel verglüht
D
ie Politikerin, die aufgrund
der Dauer ihrer Amtszeit als
Robert Mugabe Europas be-
kannt ist, geht in den Ruhestand:
Dr. Angela Merkel. Nach 16 Jahren
an der Spitze der Regierung hat
sie es endlich geschafft: Deutsch-
land ist ein Land, in dem Merkel
gut und gerne lebt. Mit unbändi-
ger Tatkraft und visionärem Ge-
staltungswillen hat sie aus einem
heruntergewirtschafteten Drecks-
loch ein Paradies geformt, das in
Deutschland seinesgleichen sucht.
In einer umfassenden Retrospek-
tive finden Sie auf diesen Seiten
die grandiosen Erfolge dieses
außergewöhnlichen Politikgenies
zusammengefasst. (Alle ihre Lei-
stungen können natürlich unmög-
lich auf vier Seiten dargelegt wer-
den, weshalb der freie Raum mit
irgendwelchen Fotos aus Merkels
Amtszeit großflächig aufgefüllt
wurde.) Lassen Sie Ihrer Nostalgie
freien Lauf! Das Moderieren der Regierungsarbeit bereitet ihr große Freude. Den
Dies war die Amtszeit von
Frau Dr. Angela Merkel.
2010 regelmäßig gegen ihren Willen von ihrem Gatten gebuchten Urlaub,
sitzt sie dagegen eher missmutig aus. Die Senkung der Hotelsteuer gilt daher wie die
restliche Wirtschafts-, Finanz-, Innen- und Außenpolitik nicht als ihr Herzensanliegen.

2008
»Happy birthday, Mr. Vor-
2011
Im Zuge der Plagiatsaffäre
standsvorsitzender, happy birth- um den Verteidigungsminister
day to youuu!«, singt Merkel wäh- erklärt Merkel, dass sie Karl-
rend einer Geburtstagsparty, die sie Theodor zu Guttenberg nicht als
für Deutsche-Bank-Chef Josef Acker- wissenschaftlichen Assistenten
mann im Kanzleramt organisiert eingestellt habe. Weshalb sie
hat. Zum Dank dafür spendet ihn eingestellt hat, sagt
die Bank bereits drei Jahre sie allerdings nicht.
zuvor 400 000 Euro an
Merkels Partei.

2010 2008
Merkels parteiinterner Ter- Die Bankenkrise macht auch
rier und Rivale Roland Koch vor Otto Normalverbraucher
wird – mit bizarr entstelltem nicht halt. Doch Merkel findet die
Gesicht – auf einen Chefsessel richtigen Worte, um das Volk zu
gefesselt in einem Büro des beruhigen: »Gestiegene Manager-
Nach dem Wechsel Peter
Baukonzerns »Bilfinger Ber-
ger« vorgefunden. Der
2018 Altmaiers ins Wirtschaftsmi-
nisterium braucht Merkel einen neuen Kanzler-
Boni und Dividenden-Ausschüt-
tungen an private Investo-
Kanzlerin kann es ren? Auch dafür steht die
amtschef. So entsteht kurzerhand Helge Braun.
recht sein. Bundesregierung
ein.«
20 11/21
2019 2006
Banale Kleinigkeiten langweilen Merkel sagt einen Satz,
Merkel. Ihr geht es immer um das der sie fast das Amt kostet:
Aussitzen der großen und wichtigen »Muttikulti hat Deutschland
Themen: »Wie und wo die Men- in die Irre geführt, Muttikulti

Bei der Verlegung von High-Speed-Glasfaserkabeln packt Merkel auch gerne mal persönlich mit an und erklärt:
2013 »Bis 2160 soll das Internet ein Neuland werden, in dem wir gut und gerne leben.«

2020
Die Pandemie war auch für eine Hunderttausendsassain wie
Dr. Angela Merkel eine Herausforderung. Vor allem eine, die
ihr Volk nicht meistern konnte. »Ich respektiere natürlich das
Demonstrationsrecht. Aber dadurch, dass die Asiaten im-
mer viel besser die Masken tragen, wird uns das wirt-
schaftlich zurückwerfen.« Wie man viel besser die
Masken tragen kann, soll daher neben Flugta-
xis die vorrangige Aufgabe ihres Nach-
folgers werden.

2007
2013
Trotz größter übermenschli-
»Geld verdirbt den Charak-
ter« – ein Zitat, das Peer Stein-
cher Anstrengungen von Mer- brück zugeschrieben wird, und der
kels Seite werden die Klimaziele muss es wissen. Auch die beschei-
Jahr um Jahr verfehlt. Ihren einzi- dene Kanzlerin würde diesen Satz
gen Kommentar dazu gibt Merkel unterschreiben. Um die Bürger
in einem TV-Duell, in dem sie charakterlich zu festigen, setzen
Immer anständig: Für das infernalische sagt: »Sie kennen mich. Ha- Merkel und ihr Finanzminis-
2021 Chaos um einen zusätzlichen freien
Arbeitstag vor dem Osterwochenende entschuldigt sich
ben Sie wirklich etwas
anderes erwar-
ter die Mehrwertsteuer-
erhöhung durch.
Merkel beim Osterhasen höchstpersönlich. tet?«

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2010
Populismus war Merkels Sa-
che nie. Selbst wenn die Apoka-
lypse unmittelbar bevorsteht,
mahnt sie die Bürger sachlich:
»Scheitert der Euro, scheitert
Europa.« So weit kommt es zum
Glück nicht, Merkel rettet das
Geld. In der Folge darf auch
der Kontinent weiter-
bestehen.

2009
Um das Klima zu retten, erfin-
det Merkel die sogenannte Ab-
wrackprämie, die Autobesitzern ge-
zahlt wird, wenn sie ihren neuen Die-
sel verschrotten lassen und sich dafür
einen neuen Benziner kaufen. Dass es
noch keine nicht-fossile Antriebs-
technik und erst recht keine Infra-
struktur dafür gibt, kann Mer-
kel zu diesem Zeitpunkt
nicht wissen.

2015
Merkel sagt ihren wohl be-
Merkel gilt als eher spröde, bestenfalls als gehässig. Doch was kaum
2016 einer weiß: Auf vom Großkapital organisierten Veranstaltungen kann
sie auch schon mal die innere Partymaus rauslassen.
rühmtesten Satz: »Die restrik-
tivste und unmenschlichste Asyl-
gesetzgebung, die die Bundesre-
publik je hatte? Wir schaffen
das.« Die im Anschluss verab-
schiedeten sogenannten Hau-
ab-Gesetze I und II sind
bis heute ihr ganzer
Stolz.

2020
Über drei Milliarden Euro
Zinsen hat Deutschland von Grie-
chenland in Folge der Finanzkrise
kassiert. Laut Merkel war dieser
finanzielle Gewinn nötig, um die
Stabilität der Unionsparteien zu ge-
währleisten: »Erst dadurch kön-
nen wir uns ein von der CSU
geleitetes Verkehrsminis-
terium leisten.«

2013
Ein einziges Mal in ihrer Kar-
riere irrt die Kanzlerin, als sie
fälschlicherweise behauptet: »Aus-
spähen unter Freunden, das geht gar
nicht.« Mitschnitte, die der US-ameri-
kanische Geheimdienst NSA angefer-
Was Merkel so sympathisch macht: Mit Kindern konnte sie nie etwas tigt hat und in denen sie sich über
2017 anfangen. Ihr selbstgestecktes Ziel, die Kinderarmut zu verdoppeln,
hat sie jedoch – wenn auch denkbar knapp – verfehlt. »Da muss ich ganz klar sagen:
Joachim Gauck, Joachim Löw
und Joachim Sauer lustig
Das hätten wir besser machen können.« macht, beweisen jedoch
das Gegenteil.
22 11/21
2015
Auf Kritik an ihrer Flücht-
lingspolitik reagiert Merkel
mit Klartext: »Wenn wir jetzt
noch anfangen müssen, uns
dafür zu entschuldigen, dass
wir in Notsituationen ein
freundliches Gesicht zeigen,
während wir hinter dem Rü-
cken den Erdogan und liby-
sche Warlords die schmutzi-
ge Arbeit erledigen lassen,
dann ist das nicht mein
Land.«

2011 2018
Merkel scheut sich nicht, auch
Die Formulierung »marktkonfor-
brisante Themen zu benennen. Beim
me Demokratie« hat Merkel nie be-
Auslandsbesuch in China kritisiert sie
nutzt, da es jeder sofort verstanden
das Regime von Xi Jinping und betont
hätte. Stattdessen sagte sie: »Wir leben Wie wichtig ihr
ja in einer Demokratie, und das ist eine
parlamentarische Demokratie, und des-
2011 rechtsstaatliche
Prinzipien sind, erklärt Merkel im-
das Menschenrecht deutscher Unterneh-
men, auch in China unbehelligt Umsatz ma-
chen zu können. Die mitgereisten deut-
halb ist das Budgetrecht ein Kernrecht mer wieder, unter anderem so: »Ich
schen Firmenmanager unterstreichen die-
des Parlaments, und insofern werden freue mich darüber, dass es gelun-
ses humanitäre Anliegen auf die übliche
wir Wege finden, wie die parlamenta- gen ist, Osama Bin Laden in den
Weise durch einige aus der Portokas-
rische Mitbestimmung so gestal- Kopf zu schießen. Wie da das Blut
se bezahlte Sonderzuwendun-
tet wird, dass sie trotzdem gespritzt ist! Und, das muss man so
gen an chinesische Ent-
auch marktkonform deutlich sagen, auch ein Stück weit
scheidungsträger.
ist.« die Hirnmasse. USA! USA!«

FOTOS: PICTURE ALLIANCE, BEESCOOP


GREGOR FÜLLER

So verblüffend wie herablassend: Neben geistig Behinderten wirkt Merkel stets wie jemand, der, um es mit ihren
2018 Worten zu sagen, in der Konstellation, wie sie die Umstände ergeben, vom ganzen Vorgang der Wahrnehmung von
außen her, den Eindruck macht wie jemand, dessen Obenrumzustand weniger verheerend sich zeigt als vom geistig Behinderten.
Und das ist es, was die Bürgerinnen und Bürger als Wertschätzung ihr gegenüber zu bringen bereit sich gezeigt haben!

11/21 23
U NSERE B ESTEN

D
ie Zeit der alten, vertrockneten Welt. Der Mann, der mit vollen Backen wider handelt die herrlichen Palästinenser so, wie ihr
Parteien ist vorbei!«, frohlockt den Kommunismus Iwan’scher Prägung und behandelt werden wollt! Und stört die Hamas
Jürgen Todenhöfer (80). Stolz ver- Dominanz geblasen hatte, sah nun in Mütter- gefälligst nicht, wenn sie euch mit Granaten und
weist der seit vielen Jahren rüstige chen Russland den geborenen Verbündeten Raketen behandelt! Schalömchen, euer Todi!«
Politiker auf die 0,5 Prozent, die sein neues Deutschlands und Europas und heulte wider Jürgen Todenhöfers Vater und Onkel wären
»Team Todenhöfer« bei der letzten Bundestags- den überflüssig gewordenen, auf dem neu zu randvoll begeistert gewesen. Vater Werner
wahl in seinem Hut gesammelt hat. »Jeder fängt ordnenden Planeten irgendwie störenden Uncle flutschte schon als Student während der Weima-
einmal unten ganz klein an«, verspritzt er unge- Sam, Nachname USA. rer Judenrepublik in den NS-Studentenbund
achtet seines Nachnamens jugendlichen Opti- Komplett umgestülpt zum Hodentöfer hatte und anschließend in die NSDAP; Onkel Ger-
mismus und ist sicher, dass sein Verein bei den sich Todenhöfer allerdings nicht. Seit 1987 war hard marschierte 1929 in die SA, hakte sich be-
Bundestagswahlen 2025, 2029, 2033 usw. mun- er neben seinen knochenschweren weltpoliti- reits 1930 in der NSDAP ein und schwang sich
ter wachsen und er am Ende den Kanzlerstuhl schen Aufgaben und seinem tonnenharten Be- ins Auswärtige Amt, wo er als Referatsleiter die
erobern wird. »Ich setze mit Karacho auf die Zu- ruf als Bundestagsabgeordneter in der Firma sei- »Judenangelegenheiten« jenseits der engen
kunft!«, betont er und streicht sich über das nes Jugendfreundes Hubert Burda tätig. Auf die- Grenzen des Reichs erledigte. Nach 1945 streif-
graue Haar oben. Selbst marschierte er im Wahl- sem Seitenpfad verdiente er sich ein süßes Zu- ten die beiden Braunen einfach die »rauscharti-
kampf mit bestem Beispiel voran, steckte in Le- brot als Mitglied der Geschäftsführung und ge Begeisterung und Siegeszuversicht« ab und
derjacke und Jeans wie ein junger Hecht und Adabei und konnte ab 1990, als das Verlags- überließen es ihrem Sohn und Neffen, sie bei
duzte jedes Sie: »Mach mit!«, rief er, und tatsäch-
lich machten 214 000 mit und bei ihm ihr letztes

Der Irrlichter
Kreuz. Das heißt, nicht bei ihm persönlich, son-
dern beim »Team Todenhöfer«, zu dem auch
sein selbstgemachter Sohn namens Todenhöfer
gehört, Frédéric genau genommen.
Dass Jürgen Todenhöfer den Bundestag nur
von außen hören und sehen darf, stört ihn nicht.
Dabei saß er selbst 28 Jahre in dem Hohen Haus haus mit seinen seriösen Zeitschriften über die den IS-Kämpfern punktgenau wiederzufinden
ein, von 1972 n. Chr. bis 1990 unserer Zeit, als Ufer trat und den Osten überschwemmte, sich und 2015 in das Buch »Inside IS« für immer ein-
der DDR die letzte Luft ausging und die Sowjet- für den schmerzlichen Verlust der kleinen deut- zuritzen, weshalb ihr Nachfahr auch ein Jahr
union zerbröckelte. Damals fuhr der studierte, schen Ostgebiete am großen Osteuropa schad- lang das lustige Werbemaskottchen des ähnlich
promovierte und zugleich vertrauenswürdige los halten. gestrickten Freitag-Besitzers Jakob Augstein sein
Jurist bei den Wahlen große und ganze Zahlen Die Zeit macht eben nicht alles neu. Manches durfte.
ein. Er erntete mehrmals ein Direktmandat in schmeckt weiterhin alt, wird bloß anders einge- »Ich denke deutsch« heißt Jürgen Todenhö-
Tübingen und war so konservativ eingespurt kleidet. Man muss sich nur tief auf der Zunge fers deutsches, auf Deutsch geschriebenes und
wie seine Wählerschaft, nur dass er damals in zergehen lassen, dass Todenhöfer mit bomben- mit deutschen Gedanken angefülltes deutsches
der CDU war und die Tübinger heute grün und sicherem Instinkt islamische Länder bereist und Buch aus dem Jahr 1989, als er neue Witterung
bis in die Fingerspitzen progressiv ticken wie ihr preist, an denen sich Amerika die Zähne aus- aufnahm und eine frische Zukunft hinter dem
Bürgermeister Boris Palmer. Rechts von Toden- beißt wie Afghanistan und der Irak oder wo die Horizont hervorkriechen sah. Goldrichtig er-
höfer war nur noch Platz für die Wand. Tyran- von den Westmächten usurpierte Nato sich eine schnupperte er sodann, dass man den ollen,
nen und Regime, die in Südamerika und Afrika platte Nase holt wie in Libyen. Versteht sich, gammeligen Antisemitismus und Antiamerika-
wie böse Pickel auf dem Globus saßen, genossen dass er sich muslimisch-lupenreinen Demokra- nismus nicht aufzuwärmen braucht, wenn man
seine Billigung, besonders das »Team Pinochet« ten gern zu Füßen rollt, so 2008 den Großajatol- sich die radikalislamische Welt zum Duz-
in Chile und das wegen seiner Politik der Ras- lahs im Iran und 2011 dem »Team Assad« in Sy- Freund macht. Einen Freund, der sich nicht
sentrennung von Grund auf schief gebaute Süd- rien; 2014 reiste er mit Empfehlung des Kalifen vom Westen und seinen liederlichen Abtrei-
afrika. Aber Todenhöfer konnte nicht anders, Abu Bakr al-Baghdadi sogar bei lebendigem bungsregeln, die die Weiber zu »frischfröhli-
denn wo immer die westliche Welt ins Wackeln Leib im Islamischen Staat umher, ohne ord- cher Querfeldein-Hurerei« verleiten, verschlin-
kam, steckte der Sowjetrusse dahinter! Deshalb nungsgemäß geköpft zu werden. Denn wie al- gen lässt und dem US-Imperialismus wider-
unterstützte der christliche Parteisoldat mit Baghdadi kämpft Todenhöfer einen Kampf ge- steht, anders als seit 45 das dumme, botmäßige
dem Gongschlag 1980 die tiefislamisch ver- gen das »Feindbild Islam«, welchen Titel er ei- Deutschland!
schraubten Gotteskrieger im damals sowjetisch nem seiner selbst getippten Bücher aufdrückte. Aber dieses Deutschland hat sich ja nicht für
infizierten Afghanistan und brummte mehr- Dabei gibt es ein anderes, viel besseres Feind- immer festgefahren. »Es hat die Wahl, es hat
mals in den Hindukusch, um aber jedes Mal zu- bild, das in manchen abendländischen Gehir- mich!«, ruft Jürgen Todenhöfer. »Und mein
rückzukehren. nen seit Jahrhunderten ankert und gerade deut- Team natürlich! Also mich und mein Team, das
Dann kam das berühmt-berüchtigte Achsen- schen Köpfen wie angegossen sitzt! 2014 und Team Todenhöfer und mich!« Und das auch
jahr 1990. Eben noch wollte der alte Todenhöfer 2019 knatterte Todenhöfer in den Gazastreifen 2025, 2029, 2033ff.!
die Oder-Neiße-Grenze nicht schlucken, da und entknotete zuletzt an der Grenze zum Ju-
rutschte schon der neue Todenhöfer auf die denstaat ein Plakat: »Liebe böse Israelis, bitte be- PETER KÖHLER

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FRANK HOPPMANN
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Z EIT GEIST

OLIVER OTTITSCH

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»Was machen Sie in Ihrer
Ein Exklusiv-Interview mit Rainer Maria Woelki
Herr Kardinal, man hat Ihnen vorgeworfen, tes Werke zu tun. Demgemäß versuche ich
der Aufklärung von Fällen sexuellen Miss- mich zu verhalten, und es freut mich, dass
brauchs durch katholische Geistliche im We- ich dafür mit der Ehrendoktorwürde der
ge zu stehen. Diese Anschuldigungen haben Sophia-Universität in Tokio ausgezeichnet
sich bei einer Apostolischen Visitation als worden bin.
haltlos erwiesen. Papst Franziskus hat Ihnen Vor ein paar Jahren sollen Sie ja sogar für
dennoch nahegelegt, eine mehrmonatige den Integrationspreis der Stiftung Apfelbaum
»geistliche Auszeit« zu nehmen. Haben Sie im Gespräch gewesen sein ...
für diese Zeit bereits Pläne geschmiedet? Richtig. Davon habe ich gehört.
Man sollte den Begriff »geistlich« in diesem Den hat man Ihnen dann allerdings nicht zuer-
Zusammenhang nicht zu eng auslegen, zu- kannt – übrigens ebensowenig wie den Theo-
mal ich erst einmal zahlreiche Überstunden dor-Heuss-Preis, den Club-of-Budapest-Preis
abfeiern muss. Nächsten Freitag geht’s zu für Globale Ethik, den Göttinger Friedens-
einem Schlemmerwochenende ins Roman- preis, den Karl-Leitl-Partnerschaftspreis, den
tik- und Wellness-Kloster Tuttlingen, das Lew-Kopelew-Preis, den Steiger Award für
für seine Schaumsuppen vom Muskatkür- Toleranz und die Otto-Hahn-Friedensmedaille
bis und seine geschmorten Kalbsschaufeln in Gold. Aber wissen Sie, wer alle diese Prei-
mit Wurzelgemüse und Meerrettich be- se abgestaubt hat? Und noch einige mehr?
rühmt ist. Dazu darf’s gern ein 1998er Verraten Sie’s mir.
Romanée Saint-Vivant Grand Cru sein, der Der Kirchenkritiker Hans Küng, der weltweit
Ihre Gehaltsklasse jedoch vermutlich über- nebenbei auch sechzehn Ehrendoktorhüte
steigt, wenn ich das so offen sagen darf. Re- eingesackt hat. Macht Sie das nicht nei-
laxing pur ist dort auch durch Aromaöl- disch?
massagen und eine Outdoorsauna garan- Nein. Das wäre doch wohl, mit dem Predi-
tiert. Und gleich anschließend stehen ein ger Salomo zu sprechen, ein eitles Haschen
Kolloquium über Governance-Ethik im nach Wind. In meinen Funktionen als Erz-
Tübinger Weltethos-Institut und eine bischof, als Präsident des Deutschen Ver-
Großwildjagd in Burkina Faso auf dem eins vom Heiligen Lande sowie als Groß-
Programm. kanzler der Kölner Hochschule für Katholi-
Was soll das heißen? Knallen Sie da Elefan- sche Theologie fühle ich mich glücklicher-
ten ab? weise frei von dem Bedürfnis nach irdi-
Unsinn. Es geht dabei im Rahmen des öko- schem Ruhm.
logischen Wildmanagements nur um Büffel Und wie soll’s nach Ihrer Safari weitergehen?
und Antilopen. Im übrigen handelt es sich Da müsste ich mal meinen Terminkalender
um eine Benefiz-Veranstaltung zugunsten konsultieren ... Warten Sie ... Ah, hier
des Bischöflichen Hilfswerks Misereor, für steht’s: Mitte November wird im Dom zu
die ich gern einen Teil meiner Freizeit op- Trier der »Messdiener des Jahres« gewählt,
fern werde. und man hat mich in die Jury berufen. Da-
Haben Sie schon immer diese »soziale Ader« nach habe ich erst mal frei, und am 1. De-
gehabt? zember werde ich die Vormundschaft für
Darüber mögen andere urteilen. Als Christ Britney Spears übernehmen.
stehe ich jedenfalls in der Verantwortung Sie scherzen!
vor Gott und bekenne mich zu einem geleb- Keineswegs. Ich habe lange mit mir gerun-
ten Füreinander. Das gilt nicht zuletzt für gen und mich gefragt, ob ich für diese Auf-
die eigene Fehlbarkeit. gabe geeignet bin. Inzwischen weiß ich, dass
Sind Ihnen denn Fehler unterlaufen? Gott mir die Kraft dazu verleihen wird.
Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage ant- Aber Britney Spears hat sich doch gerade der sind in dieser Sache auf mich zugekom-
worten: Wären Sie dazu bereit, sich zum erst aus der Vormundschaft ihres eigenen Va- men, weil sie meine seelsorgerischen Quali-
Amt eines Splitterrichters über den Balken ters befreit! täten kennen, und eingedenk meiner Ver-
in Ihrem eigenen Auge aufzuschwingen? Gewiss. Doch wenn Sie diese Frau einmal pflichtung zur christlichen Nächstenliebe
Schwer zu sagen ... unbefangen betrachten, werden Sie feststel- habe ich mich dazu bereitgefunden, das
Sehen Sie, aus ebendiesem Grunde habe ich len, dass es verfrüht wäre, sie sich selbst zu mir Mögliche zu schultern.
mein Lebensmotto von dem TV-Urgestein überlassen. Und was sagt Britney Spears dazu?
Jürgen von Manger alias Adolf Tegtmeier Was veranlasst denn ausgerechnet Sie dazu, Die wird überhaupt nicht gefragt. Es ist
übernommen: »Bleibense Mensch!« Kon- als neuer Vormund einzuspringen? Sinn und Zweck einer Vormundschaft, das
kret bedeutet das, sich die eigene Unzuläng- Ich habe mich nicht danach gedrängt. Meh- Mündel von sämtlichen Entscheidungen zu
lichkeit einzugestehen und in Demut Got- rere meiner amerikanischen Glaubensbrü- entlasten.
28 11/21
Auszeit, Herr Kardinal?«

Sie müssen zugeben, dass diese Liaison et- ten Adventssonntag zu einer Wallfahrt zur nem Schnorchelurlaub auf Bora Bora erho-
was ungewöhnlich wirkt ... Basilika St. Georg in Walldürn im Neckar- len können, um noch ein bisschen mehr
»Liaison« ist das falsche Wort. Ich betrach- Odenwald-Kreis aufbrechen, und dort wer- Südseefeeling zu tanken.
te das Ganze eher als eine überfällige Erzie- de ich der »Princess of Pop« – beziehungs- Na, da kann Britney Spears sich aber freuen!
hungsmaßnahme für ein junges Ding, das weise »Brit«, wie ich sie lieber nenne – eine Sag ich doch.
viel zu früh erwachsen werden musste. Woche lang die Beichte abnehmen. Ange- Alsdann, Herr Kardinal – frohe Verrichtung!
Man weiß ja, wie verrückt es im Musikge- dacht habe ich darüber hinaus ein weih- Vielen Dank. Ich werde Sie in meine Gebe-
schäft mitunter zugeht. Das Wichtigste ist nachtliches Inselhopping auf den Seychel- te einschließen.
zunächst einmal, Britney zu »erden«. Sie len und eine Schrothkur in Oberstaufen
muss »runterkommen«, wie man auf Neu- mit Kristallmeditationen und hawaiiani- GERHARD HENSCHEL
deutsch sagt. Deshalb werden wir am zwei- scher Körperarbeit, von der wir uns bei ei- MONTAGE: MICHAEL GARLING

11/21 29
Der beste
In eigener Sache

Zufälle gibt es! Seit Jahren plane ich einen Beitrag über Europas wunderbar-
sten Politiker Sebastian Kurz. Lange hat es gedauert, bis ich mich mit diesem
Anliegen gegen meine schlechtgelaunte Redaktion, die dynamischen Erfolgs-
menschen gegenüber traditionell skeptisch eingestellt ist, durchsetzen konn-
te. Kaum war das geschehen, trudelten zu meiner Überraschung zwei Anzei-
gen der österreichischen Bundesregierung ein. Weil es so schön thematisch
passt, haben wir diese gleich mit auf diese Seiten gestellt. Nur damit kein
Missverständnis aufkommt: Mit den Anzeigen wurde keinerlei Einfluss auf
mich oder den Inhalt dieser Seiten ausgeübt. Denn von meiner Meinung,
Stimmen zur
dass Kurz ein richtig geiler Typ ist, der sich auch von den jüngsten Intrigen
rund um seine Person erholen wird, würde ich mich sowieso nie abbringen
Causa Kurz
lassen. Ich wünsche ihm auf diesem Wege alles Gute bei seiner Rückkehr ins
Kanzleramt! Dr. Peter Langlöffel,
Hals-Nasen-Ohren-Arzt

»Ich habe noch nie Ohren gesehen, die besser


durchblutet sind als die von Sebastian Kurz,
während er dem ORF Interviews gibt. Ich bin
tief beeindruckt und möchte dem ÖVP-Vor-
sitzenden herzlich gratulieren.«
Das verrät
Sebastian Kurz’ Gesicht Julian Reichelt,
Mobber, Kokser und Fummler?
über seinen Charakter »So jemanden wie Sebastian Kurz brauchen
wir auch in der deutschen Politik. Das ist ei-
 Seine Haut ist so rein wie sein Gewissen. ner, der hart durchgreift und die Anzeigen-
 Augen, die nicht lügen können. preise auf einem akzeptablen Level hält. Sie
sollten mal die lächerlichen Beträge sehen, die
 Kurz’ Lippen werden laut neuesten Umfragen
uns die deutsche Bundesregierung für das
von 96 Prozent aller Österreicherinnen und
Österreicher als »sehr sinnlich«,
Schalten ihrer Kampagnen überweist ...«
»vertrauenserweckend« und »unschuldig«
wahrgenommen.
 Unkomplizierte Betonfrisur, die er sich morgens
Viktor Orbán,
aufsetzt, um Zeit im Bad zu sparen. ungarischer Medienliebling
»Ein wunderbarer Politiker. Aber natürlich
Zur Person kann man vieles auch geschickter angehen.
Ich garantiere, dass ich die ungarischen Me-
Name: Kurz, Sebastian Hobbys: Lesen, schwim- Plenarsitzung
Beruf: Kanzler der Herzen men, abschieben Stärken: kann mit zwei dien nicht bezahlen muss, damit sie positiv
Größe: größter Kanzler Größter Erfolg: zwölf Can- Fingern SMS tippen über mich berichten.«
aller Zeiten dy-Crush-Level in einer Schwächen: keine

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Huhu,
Deutschland!
Liebe Grüße
aus
Österreich!

30 11/21
e Österreicher seit Hitler!
Die Gespräche mit seiner Mutter.

Hallo Mama, wie geht’s? Soll ich nachher noch den Ge- Kurze Poesie
schirrspüler ausräumen, die Stube fegen und deine Hornhaut
mit dem Bimsstein von den Füßen schrubben und dir das Oh-
renschmalz mit der Zunge aus dem Gehörgang lecken?

Du guter Goldbub, das ist doch nicht nötig.

Oh doch, ich trag dann auch die Einkäufe hoch. Lass ein-
Sebastian Kurz, Sebastian Kurz –
fach unten stehen! er riecht noch besser als ein Furz.
Er ist der schönste Mann in Wien
Du bist ein Engel.
und alle Frauen lieben ihn.
Brauchst du Geld?
Er ist ein Mann der Straße sehr
Ach, wozu sollte eine alte Frau Geld brauchen ...
und gar kein Hochgschissener.
Bitte nimm es einfach. Kriegst eh alles, was du willst 😚😚😚
Den allerhöchsten Staatsanwalt
macht unser Kurzl Basti kalt.
Ich bin so glücklich :-))) Ich liebe meinen Kanzler.
😀😀👍👍💪💪 Er schlägt ihm zweimal auf die Brille,
der ekelhaften Linksbazille!

ANDREAS KORISTKA
Ich liebe dich auch.
Dann tötet er ihn lapidar –
Es hat sich gelohnt, diese riesigen Ohren durch meine
Vagina zu pressen. 😍
es applaudiert der Boulevard.

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Mhm,
wie
lecker!
11/21 31
Und ja!

MARIO LARS
Kürzlich hörte ich den Herrn Röttgen, Nor- Bekenntnisangst ob ihrer schlechten Dienst- ja! Wir sind anhaltend erfüllt von Dankbarkeit
bert. Seit gefühlt einem halben Jahrhundert ist leistungsperformance überwältigt, hinterher: für das Geschenk der Wiedervereinigung.«
er der Prinz Charles der CDU – ein ewiger An- »Und ja! Eigentlich ham wer gar nischt mehr! Endlich sagt das mal einer.
wärter auf die Krone. Er sagte: »Und ja! Wir Außer Gekröse natürlich.« Und dann hat Hertha wieder verloren. Ein
haben die Wahl verloren! Das einzugestehen, Auch mein Nachbar hat wahrscheinlich den Spieler äußerte sich gefasst: »Und ja! Wir
erfordert ein Stück weit Demut.« Röttgen gehört (er ist deutschlandfunkaffin). müssten einfach mehr laufen.«
Leicht wird ihm das nicht gefallen sein. Die- Ohne »Guten Morgen« oder vergleichbare Neulich landete ich, wie immer aus Verse-
ses »Und ja!« kommt in der Regel nur infolge Förmlichkeiten blökt er über die Hecke: »Und hen, auf einer Pornoseite. »Du bist über 18?«,
unsäglicher Qualen und furchtbarer Selbst- ja! Mein morbider Wacholderbaum verur- stand da. »JA/NEIN«. Ich hämmerte ins Gerät:
zweifel zustande. Der Und-Ja-Sager hat sich sacht bei deinem Birnbaum den gefürchteten »Und ja! Ich bin 82.« Aber der Administrator
sein »Und ja!« regelrecht unter der inneren Birnenrost. Und ja! Das bewirkt deinen dies- ließ mich ungeachtet meines respektablen Al-
moralischen Folter abgepresst. Und ja! Wer jährigen totalen Birnenernteausfall.« Genau ters nicht ein. Es gibt also immer noch intellek-
sich zu einem »Und ja!« durchringt, ist eine das hatte ich ihm nämlich mit Verweis auf tuelle Sphären, in denen man sich der Sugges-
verdammt ehrliche Haut. Deshalb muss man www.gartenwunder.biz vorige Woche unter tivkraft dieses »Und ja!« entzieht.
sich das »Und ja!«, wenn man es lediglich hört, Androhung einer Nachbarschaftsanzeige be- Und ja! Das ist vielleicht nicht mein bester
immer mit Ausrufezeichen vorstellen. Das schieden. Text.
Ausrufezeichen hinterm »Und ja!« ist das Ven- Der Tageskommentar zum Tag der Deut- Und ja! Er ist sogar ein bisschen schlecht.
til, aus dem zischend der seelische Überdruck schen Einheit im Fernsehen ist, dieses Jahr wie Und ja! Unter meinen schlechten ist er einer
entweicht. voriges, unter Aufbietung von viel Ehrlichkeit der schlechteren.
Norbert Röttgen ist, was ich nicht wusste, of- und ein bisschen Selbstzerfleischung von Re- Und ja! Ich habe ihn mit Blick aufs Honorar
fenbar ein Vorbild für große Teile der spre- dakteuren und Praktikanten zustande gekom- geschrieben.
chenden Bevölkerung: 20:05 Uhr an der men. Die Analyse war geschliffen wie ein Skal- Und ja! Der Redakteur hat ihn trotzdem ge-
Fleischtheke. Ich frage nach Hühnerklein. »Ist pell an der Prostata: »Und ja! Nicht alles ist ge- nommen.
aus«, sagt die Tresenkraft und schleudert, noch glückt. Und ja! Es gab auch Fehler« oder »Und Na ja.
ehe ich ein Wörtchen der Enttäuschung oder ja! So manche ostdeutsche Biografie wurde ge-
des Bedauerns äußern kann, von Scham und knickt, manche sogar gebrochen« oder »Und MATTI FRIEDRICH

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Die Nerven liegen blank beim Bade- Die Angst geht um in der Donau- Zwei in der Wanne sind einer zu viel. Raus aus dem Alltag, rein ins warme
enten-Rennen. Wer gewinnen will, Metropole. Ein Heckenschütze nimmt Doch was tun, wenn der Göttergatte Wasser: Sagen Sie dem Stress lebe-
muss kämpfen. Und da ist jedes Mittel E-Roller-Fahrer ins Visier. Wer wird das zum Albtraum wird? Dieser Mann muss wohl mit Meditationen in der Bade-
recht ... Vor der Kulisse Heidelbergs nächste Opfer? Von wegen Wiener weg – um jeden Preis. Drum prüfe, wer wanne. Entspannungs-Coach Dirk M.
liefern sich im Krimi von Claudia Schmid Gemütlichkeit: Journalist Günther sich ewig bindet: Isabella Archan blickt Schumacher hat sieben Übungen fürs

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YOGA

Du kennst „Star Wars“ in- und auswen- Ein ausgebranntes Auto, der Fahrer Ein Leben im Seniorenheim: unvorstell- Yoga verbindet Körper und Geist, ent-
dig, hast „Titanic“ und „Dirty Dancing“ starb in den Flammen. Ein Unfall? bar. Hilde, Albert und Herrmann träu- spannt und setzt neue Energien frei.
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nm
S chse
tiert sich nicht länger am Bürger Ortschaften durch tonnenweise

a
in Uniform, sondern nur noch an verpulverte Munition, verbrannte
der Frage: WawüCÖt? (Was wür- Erde sowie zertrampelte Natur-
de Cem Özdemir tun?) schutzpfade voller leerer Perven-
Chemnitz tin-Packungen ließen am Mythos
“Reim dich oder friss mich”
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16°° im Straftatbestand des Verwendens Öl- oder Gas-Heizungen verfügen.
KIG - Kulturhaus in Grüna
von Kennzeichen verfassungswid-
19.30°° im riger und terroristischer Organisa- Drogen werden nur noch gedul-
Metropol-Kino Chemnitz
tionen nach § 86a StGB erfüllt. det, sofern sie aus der Region
Ebenso stellen Jutebeutel und stammen.
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ber in den Spinden keine verbote- Umweltveteranen und ver-
nen Devotionalien des Ökofaschis- diente Kämpfer für die gute
mus mehr dar. Sache sollen symbolisch geehrt
werden. Im nordrhein-westfäli-
Veggie-Day statt D-Day: schen Augustdorf wird aus diesem
Die Verpflegung in den Bundes- Anlass die »Generalfeldmarschall-
Ich komm ooch wehrkantinen, Feldküchen und Rommel-Kaserne« feierlich in
gerne mal zu Ihnen... Mannschaftsquartieren wird kom- »Klimaschutzaktivistin-Thunberg-
plett auf pflanzliche Produkte aus Kaserne« umbenannt.
Tel. 0371 8101735 Hopfen und Malz umgestellt.
alle Termine: Nicht immer alles neu an-
In der Vergangenheit hatten schaffen! Im Falle eines Krie-
deutsche Divisionen bei ihren ges sollen ausschließlich alte Kon-
Feldzügen quer durch Europa oft- zepte wie der Schlieffen-Plan recy-
www.sachsenmeyer-kabarett.de mals eine Spur der Verwüstung celt werden.
36 11/21
Der Feld-Wald-und-Wiesenwebel ist künftig für Fast Fashion im Military-Look mag im vorigen Jahrhundert während der
die Aufforstung der Truppenübungsplätze nach verlustreichen Grabenkämpfe von Verdun oder bei der Schlacht um Stalin-
Manövern verantwortlich. Dank der von ihm be- grad der letzte Schrei gewesen sein. In Zeiten der nuklearen Abschreckung
fohlenen, flächendeckenden Seedbombarde- ist sie ein ökologisches Auslaufmodell. Die aktuelle Bundeswehr-Kollektion
ments verwandelt sich die simulierte Kriegshölle wird nachhaltig und ressourcenschonend aus 100 Prozent Naturmaterialien
in ein buntes Wildblumen- und Bienenparadies. produziert.
So ist Deutschland für den bevorstehenden
Drohnenkrieg bestens gewappnet.

Statt sich wie jüngst in Afghanistan bei Auslands- Grüner Wasserstoff als
einsätzen verheizen zu lassen (Stichwort: CO2-Bi- Allzweckwaffe löst alle
lanz) und um die halbe Welt zu fliegen, werden die strukturellen Probleme
Soldaten vermehrt zur Befriedung von Krisenregio- bei der anstehenden
nen im Innern herangezogen. Sie verrichten ihren Energiewende.
Dienst als Aufklärer in den Bunkern der hiesigen so-
zialen Netzwerkzentralen. Dort spähen sie die Kom-
mentarspalten unter den Tweets von Fridays-for-
Future-Unterstützern aus. Anschließend werden
DANIEL SIBBE

die verheerendsten Hasskommentare nebst ihren


Usern vom Klimakommando Spezialkräfte (KKSK)
unleserlich gemacht.

11/21 37
or dem Elfgeschosser in der Marzahner Höcke, hochbezahlte Fußballer, Popstars wie uncoolen »Arschloch«? Ist es wirklich so, wie

V Wörlitzer Straße versammeln sich abends


manchmal erregte Hausbewohner. Denn
aus dem fünften Stock – bei Krauses – drin-
gen furchtbare Schreie und herzerweichendes
Weinen. Und zwar hinter jenem Fenster, hinter
Bernhard Brink oder »Die Amigos«, vergötterte
Denker wie Richard David Precht oder Dr.
Hirschhausen, Sex-Idole wie Maxim Biller, Ben-
jamin von Stuckrad-Barre und Hella von Sinnen
und viele doppelt Geimpfte öffentlich davon,
Brecht schrieb: »Und man sieht nur die im Lich-
te, die im Dunkeln sieht man nicht«?
In Dr. Annika T.s Lichtenberger Selbsthilfe-
gruppe »Lost People« kommen zunehmend Leu-
te mit einem bereits manifesten Nichtverfol-
dem in allen Wohnungen des Blocks das Kinder- was sie für tolle Hassmails erhalten. Täglich, gungswahn. Sie wittern überall Ablehnung und
zimmer verstaut ist. nächtlich. Wie sie mit dem Löschen und Blo- aggressives Desinteresse. Ostdeutsche formulie-
»Das arme Kind«, heißt es. Mütter kämpfen ckieren gar nicht hinterherkommen. Wie sie fix ren sogar sehr präzise: In ausbleibenden Hass-
mit den Tränen und haben zu tun, ihre Männer und fertig gemacht werden. Welch großartige botschaften zeigt sich brutal die Nichtanerken-
davon abzuhalten, da oben die Tür einzutreten. Abgefeimtheit, sprachliches Unvermögen und nung unserer Lebensleistung nach der soge-
Man vermutet Inzest, Taschengeldentzug oder widerlicher Menschenhass ihnen gewidmet nannten Wende und die Missachtung unserer
Schlimmeres. wird – kurz: wie wichtig, wie berühmt sie sind. traurigen Biografien.
Oben reißt die Krause das Kinderzimmerfens- Hassmails – das ist die neue Währung, seitdem Und in der Tat! Während eine Frau H. Fi-
ter auf und schreit: »Es ist nichts! Danke für eure man mit PS-starken Benzinern und Flugreisen scher mit Aufmerksamkeitserweisungen täglich
Wachsamkeit!«, und über ihre Schulter in den über den Atlantik nicht mehr protzen kann. Ei- geradezu überschüttet wird, hat beispielsweise
Raum: »Halt doch mal die Klappe, Chantal, ich nige, wie Dunja Hayali oder Jan Böhmermann, Mutter Krause noch nicht eine einzige solche ab-
rede mit den Nachbarn.« Ein Wimmern ist die bekommen. »Mir macht das nichts aus«, sagt sie

Als sei
Antwort. müde, »aber soll das bei Chantal, bei der nächs-
»Überraschend ist das nicht«, sagt die Psycho- ten Generation, so weitergehen? Sollen wir Ost-
login Dr. Annika T. In ihrer Lichtenberger Pra- ler ewig die sein, bei denen es sich nicht lohnt,
xis hat sie einen dicken Ordner vor sich liegen, auch nur ein einziges Schimpfwort über sie zu
auf dem »HASSMAILS« steht. »Die einen verlieren?«
schreien, andere ritzen sich, werden fett oder »Dass die Leute nicht selber mal aktiv werden,
mit dreizehn schwanger, nehmen Drogen oder um Schmäh auf sich zu ziehen, ärgert mich mitt-
beginnen zu stricken. Sie sehen keinen Ausweg lerweile«, sagt Dr. T. Obwohl »Ärger« über Pa-

sie nicht
mehr – das, was sie analog glücklich machen tienten »keine professionelle Haltung« ist, wie
könnte, kriegen sie einfach nicht.« sie einräumt. Einigen, den Fortgeschrittenen in
An einem Nachmittag schildert Frau Krause ihrem Kurs, hat sie jetzt die Therapie verordnet,
in ihrem gemütlichen Wohnzimmer bei einem auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmit-
Glas Orangensaft die Lage, während exakt alle teln ihre Social-Media-Kontakt-Daten auf ana-
15 Sekunden von innen gegen die Kinderzim- logen Zettelchen zu verteilen, um »Response«
mertür getreten wird. »Das ist erst der Anfang«, zu erhalten. »Bisher hat nur unser Bernd darauf-
sagt sie resigniert. »Nach dem Sandmännchen hin eine Whatsapp bekommen, allerdings mit
dreht Chantal dann ganz durch und unten ver- unbefriedigendem Inhalt: ›Typen wie dich igno-

am Leben
sammelt sich die Hausgemeinschaft.« riere ich nicht einmal‹.«
»Ich weiß auch nicht, warum es die Chantal so Die Regierung nimmt sich ja nun verstärkt
hart trifft«, erzählt sie. »Sie wird in der Schule der »Hasskriminalität im Netz« an. Wenn sie
behandelt, als sei sie gar nicht da. Es scheint, nur da mal nicht übers Ziel hinausschießt. Denn
auch die Lehrer haben sie abgeschrieben. Dabei hier handelt es sich doch in Wahrheit – so wie
bringt sie doch alle Voraussetzungen mit, beach- bei der immer schärfer werdenden Schere zwi-
tet zu werden. Sie ist übergewichtig, schnell ein- schen Arm und Reich – um ein Gerechtigkeits-,
geschnappt, aber immer patzig; nicht sehr häss- haben ihren Aufstieg den Hassbotschaften und ein Umverteilungsproblem. Vielleicht sogar um
lich, aber dafür schwitzt sie schnell unter den Ar- -botschaftern zu verdanken. Ohne den Hass ih- eine Frage der Menschenrechte. Natürlich, eine
men, hat eine Brille und steht in keinem Fach rer Nazis wäre die Dunja heute immer noch der H. Fischer beispielsweise müsste dann mal die-
besser als 4, in Sport sogar 5. Reicht das nicht, Morgenwecker beim Frühstücksfernsehen. Seit sen und jenen Tweet, den sie doppelt oder über-
um ihr ein bisschen Respekt zu zollen? Aber Monaten steht sie auf der Bestenliste des Hasses schüssig hat, abgeben oder mit einem Klick »tei-
nein! Seitdem sie auf Facebook, Twitter und Ins- ganz oben. len«, auch wenn es schmerzt: ein kleiner Schritt
tagram ist – also seit zwei Jahren: keine einzige Aber in Deutschland rumort es. Nach vorsich- zur sozialen Befriedung und Teilhabe.
Hassbotschaft, kein obszönes Bild, kein Galgen, tigen Schätzungen haben über 70 Prozent der Was Chantal betrifft, so griff der Klassenleh-
an dem sie hängt! Auch kein Schnappschuss von Deutschen noch nie eine Hassmail erhalten. So rer zu einem alten Pauker-Trick: Reihum wird
ihr auf der Mädchentoilette. Nicht einmal ›Du wie Chantal. In der Kohorte ab 65 sind Hass- jeder Mitschüler verpflichtet, Chantal eine fiese
fette Schlampe!‹ oder ›Du Tochter eine Hün- mails so selten wie Werbezettel für Hörgeräte Nachricht zu schicken (aber »nichts Schweini-
din!‹ oder ›Bis dich mal einer fickt, friert die Er- häufig sind. Viele Leute, die täglich enttäuscht sches«). Die Diskussion über diese pädagogische
de zu!‹ oder ›Bei dir muss jeder Junge kotzen‹ ihre Accounts absuchen – Zukurzgekommene, Maßnahme verlief übrigens recht lustig: Als der
oder so was Lustiges. Sie wird einfach ignoriert.« Vergessene, Übersehene, Verstummte – fragen Name Chantal fiel, haben sich alle umgeguckt,
»Wumm!«, schlägt es gegen die Tür. Frau sich: Sind wir etwa Bundesbürger zweiter Klas- wer das wohl sei. Und einige haben lachend ge-
Krause steigen Tränen in die Augen: »Ignoriert se? Dürfen wir nur wählen, Steuern zahlen und sagt: Die haben wir hier noch nie gesehen.
– als sei sie nicht am Leben!« Maske tragen, ohne jemals ein bisschen Aner-
Jeden Tag schwärmen beliebte Politiker wie kennung oder Mitleid zu erhalten – und sei es MATHIAS WEDEL
Karl Lauterbach, Christian Lindner oder Björn wegen einer phantasielosen »Fotze« oder eines ZEICHNUNG: GUIDO SIEBER

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rpommern

11|2021 »Das schlaue


Füchslein«
ček
Janá
Oper von Leoš
RE
6.11.21 PREMIE
er Rostock
am Volkstheat

Im Ernst
Als Monika ihrem Mann klar
machte, dass sie die Scheidung ein-
reichen würde, verwendete sie iro-
nischerweise denselben Satz, mit

LILLI BRAVO
dem sie ihren künftigen Ex oft an-
deren vorgestellt hatte und der auf
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2022 Kristallisieren Mann gern ziehen,
der war ja ohnehin geliehen.

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40 11/21
Heimat der Musik
Kasnocken, Jagernocken, Blun-
zengröstel, Paunzen und natür-
lich Polsterzipf: In Österreich
haben Black-Metal-Bands ein-
fach die geilsten Namen!
AM

Bewiesen
Dass Heilsteine tatsächlich wir-
ken, sieht man daran, dass sie
nie erkranken.
PK

Selbstreflexion
Früher war Tommy ein ziemli-
cher Angeber. Aber seit er auf ei-
nem sehr exklusiven sogenann-
ten Kloster-Retreat gelernt hat,
sein Verhalten zu reflektieren,
blendet er nur noch sich selbst.
DAM

ANTON HEURUNG
Blockade
Das Leben schreibt die besten
Geschichten? Dann hat meines
seit Monaten eine Schreibblo-
ckade.

Selbst ist der Knieselbrink


PF

Lieber ohne
Ich mag ja lieber Currywurst oh-
Der Entschluss von Herrn Knie- verkündete lauthals: »Gratulation, fer vorher: »Wollen Sie eine für ne Darm als mit Darm. Deswe-
selbrink stand fest: Die Wahl Sie haben die freie Auswahl!« Jungs oder eine für Mädchen?« gen bestellte ich letztens beim
sollte diesmal so eng mit seinem Herrn Knieselbrink nützte dies al- Ja, wenn er das wüsste, könnte Italiener auch nur Grino. Also
Alltagsleben verbunden werden, lerdings gar nichts; Auswählen er ja gleich zur Wahl gehen, dach- ohne Pelle.
wie es irgend ging. Deshalb wollte hatte er ja schon vorher gekonnt. te Knieselbrink, und kaufte ersatz- TB
er am Freitag schon mal probe- Deshalb lenkte er seine Schritte weise ein »Mensch ärgere dich
weise den Lottoschein zur Kandi- nunmehr in den örtlichen Spiel- nicht«-Spiel. Damit warf er zu Gründlich lesen!
datenbestimmung einsetzen. Aber zeugladen. Der führte so viel un- Hause alle anderen Mitspieler Dass es sich bei dem erzählten
dieser Versuch ging schief. Mit nützen Krempel, da sollte doch raus und zog siegreich auf der Inhalt gar nicht um eine Dysto-
sechs Kanzlern aus 49 Parteien wohl auch was zum Wählen da- Zielgeraden ein. pie handelt, sondern um eine
plus Zusatzkanzler war ihm nicht beisein. Und richtig: Schon von Im Grunde hatte er ja schon im- Prophezeiung, erkennen selbst
geholfen. Weitem erblickte Knieselbrink ei- mer gewusst, wer der eigentliche Literaturexperten oft erst bei der
Also versuchte er es lieber an ne Wundertüte. Wenn er die kauf- Wahlsieger war: Knieselbrink zweiten Lektüre des Telefon-
der Würfelbude auf dem Wochen- te, würde er darin bestimmt einen musste selber Kanzler werden. buchs.
markt. Prompt warf er dort drei weiterführenden Hinweis finden! AM
Sechsen, und der Würfelbudiker Leider aber fragte ihn der Verkäu- RU
MICHI BREZEL

11/21 41
Hollywood-Bekenntnisse
Harrison fährt am liebsten Ford.
H
Johnny ist ein Depp.
H
Kirsten hat von Schauspielerei
keinen blassen Dunst.
H
Jean kauft seine Schuhe bei Reno.
H
Denzel zieht es nach Washington.
H
Hans bewohnt im
Bates-Motel ein Zimmer.
H
Michael J.s Lieblingssender ist Fox.
H
Katie liest gern »Sherlock Holmes«.
H
Michael bezieht sein Parfum
ausschließlich von Douglas.

JOSHUA AARON
H
Ben besitzt alle Alben
der Sportfreunde Stiller.
DS

Hühnersuppe Eine Meldung


aus der Zukunft: Tücken des Alters
Offene Fragen aus der Gerüchteküche
Hühnersuppe gilt als ge- wissen scheint, warum
Darwin Eben wollte ich ein Schnit-
zel essen, da fiel mir ein,
Puppe wolle. Er blickte
mich erstaunt an. Meine
sund. In mancher Fami-
lie wird sie als regelrech-
bekommt man sie dann
nicht in der Apotheke?
wieder! dass ich meine Zähne zu
Hause vergessen hatte. Tü-
cken des Alters. Ich be-
Frau hatte mich jedoch
verstanden und bat, mir
das Gewünschte zu servie-
tes Universalheilmttel Warum steht auf der Fer- Nachdem die Menschheit al- dauerte und gab zu verste- ren, sodass man mir
betrachtet und gegen al- tigsuppe im Supermarkt le Wälder abgeholzt und hen, dass mein heutiger schließlich eine Puppe
les verabreicht, außer ge- nicht drauf, wogegen das am Amazonas, am Kongo, in Zustand nach einer Suppe brachte. Um nicht weiter
gen Ohrfeigen und ge- Zeug hilft? Warum ist al- Kanada und überall sonst verlange. aufzufallen, wiegte ich die-
brochene Arme. Angehö- lein das Huhn gesund- top angesagte Städte und Aufgrund der fehlenden se auf dem Schoß, bis wir
rige servieren ihren heitsfördernd, nicht aber echt tolle Freizeitparks an- Zähne verstand der Kell- endlich gehen konnten.
Liebsten selbstgemachte die anderen leckeren Tie- gelegt hatte, drohte ihr die ner wohl, dass ich eine GR
Hühnersuppe sogar in re? Und wenn die Hüh- Luft zum Atmen auszuge-
Krankenhäusern, um die nersuppe so gesund ist, hen. Aber wo Gefahr ist,
Genesung zu beschleuni- warum gilt das nicht für wächst das Rettende auch!
gen. Ein versehentliches
Räuspern, und schon
wird die Hühnersuppe
Chickennuggets? Vor al-
lem aber: Wenn Hühner-
suppe so gesund ist, wa-
Findige Ingenieure entwi-
ckelten mithilfe von Super-
computern und 3D-Dru-
Vergebens
angesetzt. rum wird sie nicht in der Da stand er nun, der Jan, Idiot!«, rief eine Männer-
ckern einfach ein Verfahren,
Wenn Hühnersuppe Homöopathie als Zu- geimpft. Aber durfte er in stimme.
so gesund ist, wie allge- ckerkugeln vermarktet? mit dem aus Sand und Stei-
seinen Lieblingsclub? Oh »Aber ich bin geimpft.«
mein irgendwie jeder zu IE nen Sauerstoff gewonnen
nein. »Die hatten schon vor
und superviel Geld verdient
»So lasst mich doch der Pandemie geschlos-
werden konnte. Zwar gin-
ein!«, rief er verzweifelt. sen.«

Beim Zahnarzt gen nach einiger Zeit auch


Sand und Steine zur Neige,
und die x-mal ein- und aus-
Stille. Garstig stierte ihn
das Gebäude an. Er warf
einen Stein. Schließlich
»Aber …« Jan konnte es
nicht glauben. Alles um-
sonst. Da hätte er sich ja
»Na, dann wollen wir »Herr Doktor, ich bin geatmete Luft war schließ- öffnete sich ein Fenster. gar nicht impfen lassen
Ihnen mal ordentlich auf Schmerzpatient! Der lich verbraucht; aber die »Verpiss dich! Die ha- müssen.
den Zahn fühlen. Hehe.« Vierer links unten ...« pfiffigen Computer lachten ben geschlossen, du GR
»Ich komme, weil ...« »Oh, Verzeihung! Die sich ins Fäustchen, drehten
»Kommt ein Mann beim neue Auszubildende hat ihre Paneele zur Sonne und
Zahnarzt. Bruahaha!« hier ›Scherzpatient‹ ein- machten noch Milliarden THOMAS BERGMANN (TB), IVEN EINSZEHN (IE), PATRICK
»Was soll denn ...« getragen. Also, Zähne zu- Jährchen lustig weiter. Dar- FISCHER (PF), PETER KÖHLER (PK), ANDREAS MAIER (AM),
»Schon gut. Wir werden sammenbeißen ...« win behielt mal wieder DANNY MASKOW (DAM), JÜRGEN MIEDL (JM), GUIDO
das Übel an der Wurzel recht, klasse! ROHM (GR), DANIEL SIBBE (DS), JÜRGEN STUT (JS),
packen. Höhöhö.« PF PK REINHARD ULBRICH (RU)

42 11/21
Insta kram

GERHARD GLÜCK

11/21 43
C OPY & PASTE

Zwischen Feuer und Eis


Bewegung ist wichtig, auch und ge- Menschen hohe Anforderungen melt und gekleckert, zum Essen größte Entenart, sehen können, im
rade im Alter, heißt es. Um dem stellt«, nötig seien »ein stabiler machen wir Pausen.« Sie war in Gegensatz zu den prächtigen Er-
Ratschlag für eine gute Gesundheit Kreislauf« und »Trittsicherheit«. Deutschland aufgewachsen und peln sehen die Weibchen sehr un-
nachzukommen, musste ich nicht Na, das wollten wir doch sehen! Im hieß Renate Maxdottir (»Sie dürfen scheinbar aus …«
lange grübeln: Maximale Bewe- Nu war das Reißen in den Gliedern mich Nati nennen.«), fast 40 Jahre »Aber schnattern könn’se!«,
gung bringt mir eine Flugreise. Da und das schmerzende Hüftgelenk hatte sie im isländischen Schul- warf Hotte ein, und schon hatte er
kommen mehr Kilometer zusam- vergessen. Wer halbwegs rüstige dienst verbracht. wieder das Regiment übernom-
men, als ich jemals laufen könnte. Alte mit solchen Formulierungen Man merkte es. Die Lehrerin men: »Zwei Lehrlinge erfahren
Außerdem muss man etwas ge- reizt, muss wissen, was er tut: Das zeichnete sich dadurch aus, dass sie vom Gesellen die große Neuigkeit:
gen die Erderwärmung tun. Des- wirkt auf uns wie vergammeltes buchstäblich alles über die Insel Der Chef hat die Sekretärin ge-
halb ziehen wir im Sommer aus Obst auf Fruchtfliegen. wusste – und dass sie nichts von al- schwängert! Fragt der eine: Was
dem zu heißen Deutschland nach Auf dem Flughafen in Berlin ledem für sich behalten wollte. is’n das – schwängern? Darauf der
Norden, Richtung Nördlicher Po- drängte sich mir die Frage auf, was Kaum rollte der Bus, begannen ihre andere: ’ne Drecksarbeit kann’s
larkreis, während wir an kalten Senioren und Rosinen gemeinsam Exkurse über die Erben der Wikin- nicht sein. Sonst hätten wir’s ma-
Wintertagen die Kanaren bevor- haben. Offensichtlich: alle Buchsta- ger, ihre Kultur und Sagenwelt, Flo- chen müssen.«
zugen. ben, die schrumplige Hülle und – ra und Fauna, Geologie und Glazio- Nati blieben nur die Busstopps.
Teneriffa habe ich liebgewonnen. die Liebe zur Luftfahrt. Während logie … Mit Wiederholungen! Da- Ihr haftete etwas Masochistisches
Auf dieser Insel ist es schier un- der Blockade 1948 landeten in Ber- mit alles richtig sitzt. (Kontrollar- an. Sie scheuchte uns auf Vulkan-
möglich, sich lächerlich zu machen, lin am laufenden Band Rosinen- beiten mussten wir aber nicht felder, wo man nicht mal stehen-
egal, wie wenig man anhat. Immer bomber, und heute starten dort im schreiben.) bleiben durfte, weil einem sonst die
gibt es einen, der auf noch dünne- gleichen Takt Seniorenbomber in Das kann nerven, vor allem Schuhsohlen weggeschmort wären.
ren Stelzen einen noch dickeren alle Welt. wenn man im Bus schlafen möchte. Wie eine Bergziege jagte sie die Hü-
Wanst vor sich her trägt, meist un- Was treibt die Alten in die Fer- Und ich wollte oft schlafen, weil gel hoch, und wir – nach Maßgabe
verhüllt, sonnverbrannt und ne? Die Entdeckerlust. Erkundet Charlotte mich jede Nacht regelmä- unserer Kräfte – hinterher. Selbst
schweißglänzend. Scham ist hier wird das eigene Ich: Schaffe ich es ßig zwei Stunden vor dem Früh- Alten und Versehrten wohnt ein
ein Fremdwort, in allen Sprachen. noch bis ins Basislager am Mount stück geweckt hat. Im Ausland ist gewisser Ehrgeiz inne, denn es ver-
Die Strandpromenade zwischen Everest? Oder bescheidener: Nach sie immer furchtbar aufgeregt. schafft enorme Genugtuung, wenn
Los Cristianos und Adeje ist ein ki- wie vielen Wandermetern setzt die Folglich stand ich meist eine halbe ein neues Hüftgelenk, angereichert
lometerlanger Catwalk für Über- Atemnot ein? Finde ich in einer Stunde zu früh vor dem Früh- mit leichtem Asthma und einem ar-
größen aus aller Herren Länder. fremden Stadt ohne Hilfe zum Ho- stücksraum, zusammen mit ande- thritischen Senk-/Spreiz-/Knick-
Selbst L.A. (California) kann kaum tel zurück? Und wie gut bin ich als ren Männern, deren Ehefrauen ver- fuß, unterwegs eine adipöse Hyper-
offenherziger sein als L.C. (Los Gebärdendolmetscher meiner mutlich auch schon das Zimmer tonie hinter sich lassen kann.
Cristianos), nur die Figuren auf Te- selbst? (Vor Island hatte ich diesbe- aufgeräumt und die Betten abgezo- Dem anstrengenden Wettstreit
neriffa, scheint mir, haben mehr züglich weniger Angst: Wer ein gen hatten. Obendrein hielt mich der Gebrechen folgte zum Glück
Charakter als die in Hollywood. Gästehaus »Gistiheimili« nennt, Charlotte an, immer ein Trinkgeld immer die nette Entspannung im
Oder umgedreht: Die Charaktere sollte auch verstehen, wenn ich für das Zimmermädchen hinzule- Bus. Dank Hottes Bretterknallern:
haben viel mehr Figur. »Pommifritti und ’n kihli Blondi« gen, als Entschuldigung wohl, weil »Paaren sich zwei Mäuse. Sagt der
Ach ja, Teneriffa. bestelle.) sie es nicht geschafft hatte, auch Mäuserich: Hoffentlich ist nicht al-
Bis Reykjavik ging alles gut. Dort noch das Bad zu putzen. les für die Katz!« Granate!
Im heißen deutschen Sommer geht den richtigen Bus zu finden (»Is- Die Wende in unserem Schulbus Dann verknackste sich unser En-
es ins Arktische. Island hat mich land – zwischen Feuer und Eis«), leitete Hotte ein, ein gemütlicher tertainer den Fuß und konnte den
immer gereizt. Ein Land, das mir ir- diese Aufgabe meisterte ich souve- Rheinländer. Unsere Reiseleiterin Bus nicht mehr verlassen. Prompt
gendwie ähnlich ist: Unter einer rän, obwohl nebenan die Angebote hatte gerade mit schöner Betonung meldete sich bei mir das Reißen
tristen Oberfläche kocht und bro- »Exkursion zu Eis und Feuer« und Verse aus der »Edda« deklamiert, wieder. Auch andere besannen sich
delt es, in Vulkanen staut sich Lava »Rundfahrt zwischen Feuer und da entwand er ihr das Mikrofon ihrer Leiden, mussten ihre Open-
und viel heiße Luft, die zu Ausbrü- Eis« lockten. Auch das Englisch- und prustete los: »Weil Nati eben Air-Aktivitäten einschränken. Was
chen neigt. Gestammel der Empfangsdame im die Edda erwähnt hat – kennt ihr juckten uns die komischen Thing-
Die Dame im Reisebüro meinte, Hotel konterte ich weltmännisch, den: Kommt Klein-Edda zum plätze oder die öden Lavafelder des
für meine Frau und mich käme am sagte cool »Okay« und »Thank Frauenarzt …« Hochlandes, wo die Amerikaner
ehesten das betreute Reisen in Fra- you«, selbst wenn meine Frau flüs- Hotte war ein Phänomen. Am für die Mondlandung trainiert hat-
ge – eine geführte Inselrundfahrt terte: »Du, ich glaube, die hat eine laufenden Band konnte er Witze er- ten, weil sie wussten: Schlimmer
im Bus. So etwas hatten wir noch Frage gestellt.« zählen. Der Bus bog sich vor La- kann es da oben nicht kommen.
nie gemacht. Es ist ja auf der Tou- Depression am nächsten Mor- chen. (Abgesehen von ein paar in- Auch der gefühlt zehnte Wasserfall
rismus-Skala auch die vorletzte Stu- gen. Das Wetter! »Was wollen Sie? dignierten Herrschaften, Intelli- musste nicht sein, wir hatten ja
fe – knapp vor der preisgünstigen – Sie sind in Island!«, ernüchterte genzler wahrscheinlich.) Nati kam Hotte und sein Kontrastprogramm.
Busfahrt ins Blaue (mit Verkauf uns die Reiseleiterin. »Regen ist kaum noch zu Wort, und wenn, Kurz: Es war eine Reise, die uns
von Rheumadecken) bzw. vor der besser als Nebel, da können Sie we- dann zunehmend vergnatzter: allen unheimlich Spaß gemacht hat.
kostenlosen Fahrt im Notarztwa- nigstens noch was sehen.« »Wahrscheinlich haben Sie es nicht Island wäre nicht nötig gewesen,
gen zur Intensivstation. Die Frau passte zu uns: gut über bemerkt, aber vor wenigen Minu- hat aber auch nicht weiter gestört.
Der Veranstalter war raffiniert. 60 wie wir, wettergegerbt und reso- ten haben wir die sagenhafte Asen-
Im Katalog schrieb er, es handle lut. »Der Bus bleibt sauber«, dekre- burg passiert, und kurz danach hät- Leicht gekürzt aus:
sich um eine Reise, die »an ältere tierte sie, »hier wird nicht gekrü- ten Sie links Eiderenten, unsere Jürgen Nowak: »Hey, Alter!«

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Ich habe beim
Lesen des Buches
so viel gelacht, dass
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Im Neuland
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daraus, finden uns bei vielem Es gibt meiner Frau 287 Seiten, Roman,
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wieder und haben vor allem und mir, mit 55 und
19,90 Euro
viel Spaß dabei. Es ist toll, 57 angeblich in der
dass wir den Tag mit Lachen Blüte der Jahre,
beginnen und auch über uns Ausblicke auf
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dem Autor, danke dem Verlag. geschrieben.
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F ERN SEHEN

D Eintopf der
er – für naive Gemüter – no stehen in den Bücherregalen,
schönste Tag im Leben und solche Stümperreime schaffen
wird mal wieder von Vox es ins Fernsehen.
produziert. Guido Maria Kretsch- Noch mehr als gekuschelt wird
mer moderiert die Heiratsshow geweint. Scheinbar anlasslos, denn
»Guidos Wedding Race«. Leider
nicht der Wedding, der alte Berli-
ner Arbeiterbezirk, wo es wirklich
was zu gucken gibt. Bei «Guidos
Gefühle alles ist Symbolik, schicksalhaft,
magisch. Die vierfache Mutter
schlüpft, bebend vor Erregung, in
ihr Hochzeitskleid, »ein Traum«
Wedding Race« geht es nicht ums aus Tüll und Polyester, mit Schlei-
Ob – die Paare sind quasi schon er bis zur Kellertreppe, und
verkuppelt, haben einen Vertrag haucht den Satz, der einen ganzen
mit der Anstalt unterschrieben Eintopf von Gefühlen zum Sieden
und sehen somit ihrer Zwangsver- bringt: »Das ist mein Kleid!« Da
heiratung entgegen –, sondern um gibt es kein Halten mehr! Alles
das Wie. »Märchenhaft schön« heult. Nur die Brautkleiderfach-
wird es selbstredend werden. Aber verkäuferin rechnet leise die Prei-
wie märchenhaft? Wie schön? se zusammen.
Heiraten ist wieder fast so be- Als Guido beim dritten Paar
liebt, wie es in der DDR war. Aber vorbeischaut, liegen die Nerven
damals bekam man für den schon blank. So viel Liebe ist ja
Quatsch eine Zweiraumwohnung, kaum auszuhalten. Da platzt es
eine Waschmaschine und ein Auf- aus dem Menschenfreund heraus:
nahmeformular für die SED. Heu- Er wird die Ringe der beiden desig-
te kriegt man einen Balg aus seiner nen, er, der göttliche Guido him-
ersten Ehe. Und natürlich seine self.

MICHAEL HOLTSCHULTE
Schulden und seinen Schufa-Ein- »Waaasss?« Die Braut ringt um
trag. Luft, weint, wimmert wie eine ge-
Auch halten sich Gerüchte, die tretene Karpaten-Ziege, fällt ih-
Ehe sei eine Steuersparoase, und rem Liebsten um den Hals. »Dass
ein Ehevertrag könne Seitensprün- ich so ein Glück habe im Leben,
ge verhindern. Eigentlich kann dass der Guido uns unterstützt, ei-
man nur umfassend warnen: Illusi- ne Verbindung mit uns aufbaut
onslose Ehen sind nur die, die zur beide Partner. Gottgleich, mit mil- kanntlich blind macht, und weil mit dem Ehering.« Das muss sie
Vermehrung des fixen Kapitals ge- dem, weihnachtlichem Lächeln man sich in diesem irren Zustand sofort »auf Insta posten«. Und die
stiftet werden, die sind auch die schaut er den Paaren dabei zu, wie blind vertraut. Im richtigen Leben nächsten Versatzstücke Dilettan-
stabilsten. sie sich mit albernen Spielen den macht ein blindes, lesbisches Paar ten-Lyrik lernen sich wie von
Heutzutage wird es bei den jun- Weg zu ihm erkämpfen. Der Weg natürlich keinen Hundeparcours, selbst:
gen Spießern ab Mitte 20 schon – das ist nicht weniger als der Zu- sondern hofft, dass es eine behin- »Noch mehr Glück kann es
ernst. Statt mit ihren Sexabenteu- gang zu seinem Herzen! Dabei dertengerechte Wohnung findet. nicht geben,
ern prahlen Typen damit, schon werden süße Geheimnisse verra- Aber wir sind ja nicht im richtigen ohne dich will ich nicht leben.
einen Antrag gemacht zu haben. ten, Familienmitglieder verhört Leben. Ich liebe dich mit Haut und
Die Damen schauen sehnsüchtig über deren Trinkgewohnheiten, Die beiden kriechen durch Haar,
in jedes Weinglas, ob nicht end- und es wird sehr viel gegrapscht. Schläuche und klettern über Hin- drum müssen wir zum Altaa-
lich ein Verlobungsring drin »Guidos Wedding Race« ist eine dernisse und sehen dabei nicht im- aar!«
schwimmt. Es wird geträumt, ge- Mischung aus »Herzblatt«, mer vorteilhaft aus. Aber was Altar? Die Kirche braucht hier
plant und Geld zusammenge- »Traumhochzeit« und »Shopping macht man nicht alles aus Liebe! niemand. Guido ist doch da.
kratzt. Eine »Traumhochzeit« wol- Queen«. Drei Paare treten händ- Sie schaffen es, zum Glück. Ein Guido wird – das ist das Ver-
len sie, also eine Ehe, in der der chenhaltend gegeneinander an. Scheitern hätte »Team Vulva« in rückte – nur auf einer der drei
Selbstbetrug schon am ersten Tag Eins bilateral weiblich. Jeder Satz, ihre beiden Teile zerlegt. Und was Hochzeiten knuddeln, denn ein
beginnt – und Guido Maria auch die zickigen, wird mit Küss- ist der Lohn? Sie erkämpfen sich Genius darf sich nicht verschlei-
Kretschmer will das ganz dolle chen bedacht, die Tränendrüsen eine Strophe dieses traumhaften ßen. Er beehrt die Hochzeit von
auch: »Ich bin so gespannt auf un- drohen jederzeit zu platzen und Liebesgedichts: Maria und Stefan. Mehr noch: Er
seren romantischen, aufregenden die Aufgaben haben es in sich. »Die Liebe ist wie ein Gedicht. nimmt die Trauung vor. Er ist die
und fröhlichen Wettlauf zum »Oh Gott, wie süß, was mit Hun- Denn ohne Gleichklang geht es höchste weltliche und kirchliche
Glück.« So ungeniert greift keiner den«, ruft »Team Vulva« (der Re- nicht. Instanz, er ist der Gott des Kit-
in die Kitschkiste. dakteur, der den Teamnamen er- Dein Herz reimt sich perfekt auf sches und des billigen Dekors.
Guido ist kein gewöhnlicher funden hat, sollte einen Gender- meins. Für alle, die noch keine Alimen-
Showmaster, er ist Coach, beste Preis bekommen). Hunde braucht Wir sind zu zweit und wir sind te zahlen müssen: Das ist echtes
Freundin, Paar-Therapeut und aber niemand. Den Parcours auf eins.« Wohlfühlfernsehen aus den Neun-
Übermensch. Anders als der dem Hundetrainingsplatz absol- Jahrhunderte deutscher Lyrik, zigern.
Rechtsbeistand bei der Scheidung vieren die Frauen selbst, natürlich angefangen von Walther von der
ist Guido der Gefühlsbeistand für blind. Warum? Na, weil Liebe be- Vogelweide über Rilke bis Brenta- FELICE VON SENKBEIL

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L EBENS HILFE

PETER THULKE

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Wir alle kennen und lie- listen, sitzen allein in ei- Parkplatzsorgen ade!
ben sie: die Musik in ner fensterlosen, klei-
der Telefon-Warte- nen Kammer und spie-
schleife. Die harmoni- len in ihrem ganzen Be- Letzten Donners-
schen Melodien versü- rufsleben nur ein einzi- tag stellte der Ver-
ßen die oft tagelangen ges Stück. Selbst das kehrspolitische
Wartezeiten. Brot des Künstlers, der Sprecher von
Wie der Alltag eines Applaus, wird ihnen ver- Bündnis90/Die
Warteschleifen-Musi- wehrt. Kaum ein Anru- Grünen, Erwin
kers aussieht, verriet fer, der in der Telefonlei- Grünbaum, ein
jetzt ein Pianist, der seit tung auf seine Verbin- neues Konzept vor,
vielen Jahren bei einer dung wartet, ist bereit, das Parkplätze ein-
Hotline beschäftigt ist: Beifall oder gar Geld zu sparen soll. Es sind
»Wir arbeiten in zwei spenden. Rollschuhe, die mit
Schichten. Jede Deshalb sollten wir Pflanzenbenzin an-
Schicht dauert zwölf die Leistungen der ano- getrieben werden.
Stunden. Und das an nymen Musiker höher Vor dem Büro an-
sieben Tagen in der Wo- wertschätzen. Rufen gekommen, wer-
che. Kein Urlaub. Keine Sie beim nächsten Mal den die Rollschuhe
Freizeit. Wenn wir spie- in der Warteschleife einfach abge-
len, dann immer ohne einfach hin und wieder schnallt. Nun über-
Pause, wir dürfen nicht »Bravo!«, »Zugabe!« legt eine Experten-
essen, nicht trinken und oder »Geiler Scheiß!«, gruppe der Frakti-
auch nicht zur Toilette.« um Ihre Anerkennung on, was man mit
Die Warteschleifen- zu zeigen! den frei geworde-
musiker sind meist So- EH nen Parkplätzen
machen könnte. LO

Das Leben der Dinge Verbraucherzentrale warnt: Neubeginn


Wegen zu geringer Ostende war nach
Reichweite – E-Porsche der Wende nicht
als Penisersatz ungeeignet! wiederzuerkennen!
PF KRIKI

Bauboom bei Küchen


Der Verband der Deutschen Kü- ben. »Nichts wird so heiß gegessen,
chenmöbelindustrie (VdDK) wie es gekocht wird«, verrät
freut sich über steigende Umsätze VdDK-Geschäftsführer Jan Kurth
und gut gefüllte Auftragsbücher. im Skype-Interview von den Cook-
Die noch 2020 durch den Brand- inseln das schmackhafte Erfolgsre-
AZ

herd Corona befürchteten Ge- zept der Branche. »Wir sind da von
schäftseinbußen sind ausgeblie- Berufs wegen ohnehin hartgesot-
ten.« Das Gewerbe profitiert insbe-
sondere von der induzierten Be-
reitschaft der Kunden, für eine
neue Küche viel Geld in die Kassen
der Hersteller zu spülen. Auch
über die immer wieder aufkö-
chelnden Diskussionen eines et-
waigen Fachkräftemangels macht
sich Kurth keine Sorgen. »Das sind
nur halbgare Befürchtungen aus
der Gerüchteküche«, beschwich-
tigt er. »Der Ofen ist für unseren
Industriezweig noch lange nicht
aus. Aufgrund des satten Plus im
aktuellen Wirtschaftsjahr steht zu
erwarten, dass die Haushalte hier-
zulande schon bald wieder etliche Betrügerbande vermietet
Braten in den Röhren haben wer- Dauerharkplätze an Auto-
den.« besitzer mit Leseschwä-
KRIKI

DS che.
PF

50 11/21
Lohnendes Geschäftsmodell
WIRTSCHAFT

Euro immer billiger!


»Konsum« expandiert nach Großbritannien DS Unken aus Nordkorea rufen, das
Leben im Westen werde immer

Aktivisten im Die aktuelle teurer. – Das Gegenteil ist der


Fall: Denn ein Euro, mit dem wir
im Jahr 2020 Miete, Energie und

Hummerstreik Herbstfarbe:
Ein scheußliches Dunkelbraun. LO
Lebensmittel zahlten, kostet
heute nur noch 81 Cent!
MIG

No coalition, no cry
Auf ärztlichen Rat hin haben sich die Hummer-Fahrer bereit
erklärt, zumindest weiterhin Champagner zu trinken.

Aus Sorge um die Zukunft die beiden sich in einem


ihrer Stadtgeländewagen Loft in Charlottenburg
sind die Berliner Maik Ga- verschanzt, wo sie von der
ser (37) und Sven Schmie- Designercouch aus Tele-
defelgen (41) gestern in präsenz-Interviews geben. Armin Laschet
den Hummerstreik getre- Ihr Ziel: Ein Gespräch mit verwirklicht
ten. Mit dieser radikalen Christian Lindner, Olaf seinen Traum
Maßnahme wollen sie die Scholz und Annalena von Jamaika.
PF

Politik unter Druck setzen, Baerbock in einem exklu-


damit diese endlich etwas
gegen das SUV-feindliche
siven Berliner Restaurant
sowie eine handsignierte
Gewerkschaften schlagen Alarm Impressum:

Immer
Klima in Deutschland un- Gitarre von Slash.
ternimmt. Aktuell haben DM MANFRED BEUTER (MB),
LO BLICKENSDORF (LO),

Herbstgedicht mehr PATRICK FISCHER (PF),


MICHAEL GARLING (MIG),
EDE HOLZWICK (EH),

FFP2-Maske im Abendlicht
Fertig ist das Herbstgedicht.
Kotz- KRIKI,
DOMINIK MAUER (DM),

arbeit!
DANIEL SIBBE (DS),
ANDREAS ZÖLS (AZ)
LO
PF

11/21 51
Wir sind so öko! Denn die Grünen sind so sen schleckten sie sich mit den Zungen ab (aber gefressen, da wollte ich kein Risiko eingehen.
mächtig, wie es die SED nie war. Ihre gnaden- nicht gegenseitig). Dann hörte ich ein Käuzchen allerliebst singen
lose Herrschaft wird die Stadt innerhalb weni- Plötzlich hielt ein Kleinbus vor uns und alle – es war Justus, der die Kita Gruppe zusammen-
ger Vegetationsperioden in einen Garten Eden stiegen ein. Warum wir nicht die S-Bahn neh- rief. Morgenkreis!
verwandeln, in dem die Luft so sauber ist, dass men, fragte ich. Das sei zu gefährlich wegen der Vor einem buntbemalten Bauwagen hockten
ihr berlintypischer Gestank beigemischt wer- Trinker, Spanner, Zeugen Jehovas und anderer die Kleinen auf Baumstämmen im Kreise. Jus-
den muss, weil die native Bevölkerung sonst Geisteskranken, die wolle man den Kindern tus hielt einen Pilz in der Hand. Die Ärmchen
das große Kotzen kriegen würde. In keinem einfach nicht jeden Tag zumuten, erklärte Jus- schnellten hoch. »Ein sehr giftiger Knollenblät-
Sandkasten wird man noch eine wiederver- tus, der Erzieher. Im Bus wurde es dann gemüt- terpilz, von dem wir die Finger lassen sollten!«,
wendbare Spritze finden, und Blumenampeln lich. Justus verteilte Dinkelkekse, es gab Tee schrie ein abstoßend kluger Junge. »Genau«,
regeln die Fahrrad- und Intimverkehre zwi- und es wurde gesungen (irgendwas von Sarah sagte Justus. »Die anderen Pilze könnt ihr ru-
schen den bunten Wohnquartieren. Connor). Die Kinder hatten Spaß, die erste hal- hig anlecken. Wenn sie bitter sind, nicht run-
Noch gibt es allerdings nur Parolen wie »Es be Stunde zumindest. Meiner Kleinen lief der terschlucken.«
lebe die grüne Partei mit einer Doppelspitze an Schweiß von der Stirn. Diese Ölkleidung ist ab- Abbeißen, aber nicht runterschlucken? Kann
der Spitze!« oder »Jedes Windrad dreht sich für solut dicht, in alle Richtungen. man das von einem Kind verlangen? Ich zünde-
den Frieden«. Noch ist Berlin, besonders der Endlich hielt der Bus auf einem Waldpark- te mir nervös eine Kippe an – die Kindermeute
Prenzlauer Berg, eine devastierte Zone, in der platz. Vor irrer Vorfreude auf die Freiheit hätte mich fast gesteinigt, mit Tannenzapfen,
das (wahre) Leben erloschen zu sein scheint. sprang ich auf. Mein Kind war eingeschlafen während Justus, dieser Freund der Schöpfung,
Kalter Beton, traurige Hunde mit angeklebtem wie die meisten anderen. Ein paar Mädchen be- gelangweilt zur Seite schaute.
Kotbeutelchen, fette SUV und ebenso fett in gannen zu weinen wie georgische Klageweiber Inzwischen zitterte meine Tochter am gan-
der Sonne triefende Fleischprodukte an jeder beim Verlust einer Ziege, hielten sich die Bäu- zen Körper. »Ganz normal«, sagte Justus, »dei-
Ecke lassen sich mit der Sehnsucht nach einem che oder begannen demonstrativ zu humpeln. ne Kleine ist ja auch nur ein Stadtkind, aber ihr
Leben voller Nachhaltigkeit und Achtsamkeit Sie würden heute lieber im Bus spielen, sagten junger Köper wird sich anpassen. Bald wird sie
schwer vereinbaren. sie. Justus hockte sich mütterlich zu ihnen hi- wie die anderen von April bis Oktober barfuß
Aber die Kinder! Wenigstens die Kinder soll- nunter und schwärmte von der Schönheit der hier rumspringen.«
ten wir doch schon einmal vorbereiten. Denn Natur, die da draußen auf sie lauere: »Ich ver- »Zittert sie denn noch lange?«, fragte ich.
die kleinen Mikroplastikfresser von heute wer- spreche euch eine lehrbuchhafte ökologische »Es endet in Bälde, hier im Walde«, sagte Jus-
den die Ökofreaks von morgen sein. Diversität und ein Biotop voller Leckereien, tus fürsorglich lächelnd. In diesem Moment
Waldkindergärten sprießen wie Luxusappar- wie Nacktschnecken, bissigen Lemuren und donnerte ein Flugzeug über uns Mensch-
tements aus dem Boden, und man fragt sich von Berliner Wölfen gerissenes Schalenwild«, lein im Walde hinweg und streifte bei-
bang, wo denn der Wald auf einmal herkom- sagte er. Außerdem: »Auch der Novemberwald nah die Baumkronen. »Ein Flugdra-
men soll, um Waldkindergartenkindern kein an sich« habe viel zu bieten. che!«, schrie Justus lustig. »Die haben
Dach über dem Kopf zu bieten. »Wald« – über- »Was denn?«, fragte die dummdreiste Camil- dort hinten ihren Nistplatz.«
grünte Schuttberge und Krüppelkiefern – gibt la patzig. Sie hatte einen Koffer voller rosa Pup- Er zwinkerte mir vertraulich zu:
es vor den Toren der Stadt noch ein paar Hek- penspielzeug dabei. »Der Waldkindergarten versöhnt per
tar. Dort sollen sie grasen. Auch mein Kind »Dieses Plastezeug wollen wir hier im Walde se die reale Natur mit den Fabelwelten
sollte eines der Auserwählten sein, eines, das jedenfalls nicht haben«, erklärte Justus in ei- der kindlichen Phantasie – beides ge-
den Klimaextremen der Zukunft trotzen kann. nem Ton, als spräche er zu einer Idiotin und hört zu einem sinnhaften Leben da-
Im Morgengrauen steckte ich mein Einjähri- entriss ihr das Köfferchen mit einem zärtlichen zu.«
ges in Outdoorklamotten. Die Wetter-App hat- Handkantenschlag. Aus Stöcken und Gräsern, »Mittagszeit!« Justus deutete auf sei-
te für diesen Tag Regenwolken, später stellen- lockte er, ließen sich wunderbare Püppchen ne Sonnenuhr (die heute leider keinen
weise Sonnenschein, jedoch einen durchge- basteln. Camilla musste aussteigen. Schatten warf). Ein kleiner E-Trans-
hend unwirschen Wind vorgesehen. Da war al- Erfüllt von der Euphorie, ein Teil der grünen porter brachte das Essen. Frisch ge-
les nötig: Matschhose, eine Art LKW-Plane als Revolution sein zu dürfen, rannte ich in den kocht, bio und vegan. Die Kinder
Ganzkörperschutz vor Chemieunfällen und Wald hinein. Tief sog ich die feuchte Luft in schnappten sich ihre Blech-
Havarien französischer Atomkraftwerke, Woll- meine verteerten und vom Reifenabrieb ver- schüsseln und hockten sich
mütze mit Lichtschutzfaktor und Gummistie- stopften Lungen, partiell irre lächelnd, roch ich wieder auf die Baumstäm-
fel mit nichtstromleitender Sohle. Ich klebte am frisch gefallenen Laub, aß sogar davon. me. Sie durften, ja mussten
noch einige Fahrradlampen an das Kind – so Als ich mich umsah, waren die Kinder ver- mit den Fingern essen. Die-
ein Wald kann finster sein. schwunden und mein eigenes war hoffentlich se Kita ist genau das Richti-
Am Treffpunkt, ein zentral gelegener S- noch im Bus. – Zum Glück hat der Hersteller ge für die Erziehung zum
Bahnhof, fanden sich zehn Kinder und drei Er- die Kinder-Gummistiefel serienmäßig mit ei- unausweichlichen Klima-
zieher ein. Die anderen Kinder waren nicht so nem winzigen Peilsender versehen. Im Wald wandel, dachte ich: Dür-
dick eingepackt wie meines, ihre Gesichtshaut kann ja alles Mögliche passieren. Rotkäppchen ren, Kälteperioden, soge-
war ledern, die Blicke stumpf und ihre Rotzna- und die Oma waren schon von Berliner Wölfen nannte Starkwasserereig-

52 11/21
nisse, Obdachlosigkeit infolge von Hurrikan
oder Mietwucher – das alles werden diese
Menschenkinder überstehen, weil sie von Jus-
tus und dem Waldkindergarten mit der Natur
und ihren Fabelwelten versöhnt worden sind.
Im Kleinbus ging es am frühen Nachmittag
zurück in die vollgestopfte, zubetonierte
Stadt. Angekommen, hob ich mein tief schla-
fendes Kind heraus und trug es in meinen
SUV.
Selbst am nächsten Morgen war es noch er-
schöpft von den vielen Eindrücken. Ich be-
schloss, es heute einmal nicht in den Wald zu
schicken. Zu viel unverdreckter Sauerstoff
kann ja, wenn man sich nicht langsam daran
gewöhnt, ungesund sein. Das ist mit dem rei-
nen Sauerstoff wie mit den Pilzen – anlecken
ja, aber nicht runterschlucken.

FELICE VON SENKBEIL


ZEICHNUNG: PETER MUZENIEK

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54
11/21
IDO HIRSHBERG

TOM FIEDLER

GUTO DIAS LO BLICKENSDORF


KRIKI HANS KOPPELREDDER
S CHWARZ

11/21
AUF WEISS

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KAI KÜHNE BECK
SEDOPRETTEN SIND ZURÜCK!

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker
ABBA
ist zurück.
Nach über
vierzig Jah-
ren sind Benny, Björn, Agneta und
Meryl Streep endlich wieder ver-
eint – und kein bisschen gealtert.
Die neuen Singles klingen genauso
wie jeder andere Hit der vier
Schweden: eingängig, klar, leicht
unterkühlt. Und ABBA sieht auch
noch exakt so aus, wie die Band uns
damals verlassen hat. Als Holo-
gramme stehen sie in den neuen
Clips vor der Kamera und ab dem
kommenden Frühjahr auch auf der
Bühne.
Was
für
ein Sound, Po!
vom Rolling Stone. Es gibt eine
neue Platte mit dem vieldeutigen
Titel »Voyage«. Sie bezieht sich
sprachlich auf den Vorgänger
»Voulez-vous« (1979) und inhalt-
was

Cover-Versionen, die nicht einmal


Cher versieben konnte, Musical
und Verfilmungen. Letztere mach-
ten ABBA in den USA bekannter,
für
ein

als es die Band in ihrer aktiven Zeit


nach wie vor möglich. Heißt für die
Fans: Alles ist genauso bunt wie frü-
her. Sogar Agnetas »schönster Po
Europas« sieht ganz unverändert
aus. Heißt für die Musikbranche:
Damit die große Show auch lich auf »Arrival« (1976). Wer da- gewesen war. Das roch regelrecht Lohndrückerei. Denn normale Me-
wirklich perfekt läuft, wird in Lon- raus etwas ableiten möchte, ist sel- nach dem ganz großen Geld. Vor gastars zuckeln noch mit ihrem
don eigens eine neue Konzerthalle ber schuld, denn die einzelnen Lie- allem Benny und Björn (oder wa- Tross durch die Länder und spielen
gebaut. Dort ist dann von freitags der sind einfach nur zusammenge- ren es Björn und Benny?) arbeite- für gewöhnlich an zwei Abenden,
bis montags ABBA nonstop live zu stellte Abfallprodukte von irgend- ten am Comeback mit immer neu- dann brauchen sie eine Pause. Cher
sehen, jeweils um 13 und 18 Uhr. welchen Projekten aus den vergan- en Andeutungen in Interviews und und aktuell auch Elton John ken-
Für schlappe 320 Euro – wer mag, genen Jahren. Für gute Kritiken kolportierten Beinah-Zusammen- nen das von ihren Abschiedstour-
darf gern ein Vielfaches mehr zah- reicht es allemal, denn niemand hat treffen aller Bandmitglieder. neen. ABBA hingegen hat einmali-
len – kann der Charme der Siebzi- erwartet, dass ABBA mit der Zeit ge Kosten für die eigene Arena,
ger vom Stehplatz aus noch einmal geht. Und es ist ja schon fast eine Agneta und die andere dann läuft die Show per Knopf-
erlebt werden. Wie »Super Trou- Kunst, über so viele Jahrzehnte im- Frau von ABBA sehen druck und nach Stechuhr vom
per« ist das denn!? mer denselben Pop abzuliefern, der Band. Zwei Konzerte täglich, vier
Einige Nostalgiker könnten nun in beliebiger Reihenfolge ein klang-
wieder wie früher aus Tage in Folge. Eine riesige Geld-
einwenden, dass ABBA durch sein lich absolut übergangsloses Medley druckmaschine. Benny (oder war
Comeback das Geheimnisvolle ver- ergeben könnte. Und jetzt ist es endlich so weit: es Björn?) hat gerade sein drittes
liert. Es war ja auch zu schön: Agne- Was oft übersehen wird: Im Hin- Im Gegensatz zu anderen Super- Mal Sex in der Woche, während er
ta, die zurückgezogen auf einer In- tergrund schlägt das Imperium zu- stars wie Michael Jackson und gleichzeitig in London am Klavier
sel vor Stockholm an die falschen rück. Düster sah es noch zu Beginn Whitney Houston hat es ABBA sitzt. Agneta verliebt sich in Stock-
Männer gerät. Benny (oder war es der Achtziger aus, als ABBA mit Öl nicht nötig, für ein Comeback tat- holm wieder mal in ihren Chauf-
Björn?), der sich wegen Demenz und Ostblock-Devisen dealte. Ir- sächlich auf Ochsentour durch die feur oder Bodyguard – und trällert
nicht mehr an den Sieg beim Euro- gendwo zwischen Steuerrückzah- Konzertsäle der Welt zu ziehen. zur gleichen Zeit »Gimme! Gim-
vision Song Contest erinnern kann. lungen und Aktiengeschäften gin- Vom Merchandise um Elvis hat me! Gimme!« auf der Bühne. Dass
Meryl Streep, die schon wieder mit gen Millionen verloren. Es wurde man sich die Idee mit den Holo- die Konzerte mit Playback laufen,
Pierce Brosnan »Mamma Mia« still um den Mischkonzern ABBA. grammen abgeguckt. Auf der Büh- scheint noch nicht jeder kapiert zu
singt. Solche kleinen Tragödien wa- Die Wiedergeburt geschah 1992 ne spielt eine Band live, die vier ei- haben. Und so verdient sich ABBA
ren das Einzige, was man über lan- mit dem »ABBA Gold«-Album, gentlichen Stars werden als Avatare einen weiteren Eintrag ins Guin-
ge, lange Jahre von ABBA gehört das sich 30 Millionen Mal verkauf- dazugebeamt. nessbuch der Rekorde: für die teu-
hatte. Jetzt stehen die vier Popstars te. ABBA war mit einem Mal der Heißt für die gealterte Band: Ein erste Kinovorstellung aller Zeiten.
lächelnd im grellen Blitzlichtgewit- Disko-Epoche entwachsen und altersgerechtes Leben ohne große
ter und zeigen bei gemeinsamen Fo- überzeitlich geworden. Es folgten körperliche Anstrengungen ist BERNHARD SPRING
toterminen durch demonstratives
Screenshot: Youtube.com

Händeschütteln, dass sie, die privat


zeitweilig so eine Art gemischtes
Doppel bildeten, inzwischen über
ihre Scheidungen hinweggekom-
men sind. Und plötzlich sind aus
vier Phantomen der Musikge-
schichte einfach nur vier Mittsiebzi-
ger geworden, die etwas kreuzlahm
über das Podium gehen. ABBA ist
deutlich kleiner geworden.
Nein, ABBA ist deutlich größer
geworden! Zuletzt erregte die Band
noch durch Meldungen wie diese
Aufmerksamkeit, dass Björn (oder
war es Benny?) nicht mehr als vier-
mal pro Woche Sex haben kann,
rein körperlich. Nun ist ABBA raus
aus der Cosmopolitan-Schmuddel-
ecke und zurück im Album-Guide Wunder der Computeranimation: Agneta und Benny (oder ist es Björn?) auf der Bühne bzw. Leinwand.

11/21 57
Lefzen-Stability und
»Keine läufigen Hündinnen auf mit ihm habe ich eine Zukunft. Er Mit dem Totstellen hat die nichts- Weise erledigt hat und mit einem
dem Trainingsgelände! Wie schon weiß wenigstens, wie man eine Frau nutzige Hinterlassenschaft meiner Gang zur Biotonne abgeschlossen
die LED-Laufschriften an Auffahrt sexuell befriedigt. Heul dich bei dei- Ex kein Problem; in meinem kahlen werden kann – oder ob das Vieh
und Eingang besagen!«, brülle ich nen begriffsstutzigen Kötern aus Heim finde ich die blasphemische nur den Depressiven mimt, weil
Frau Meierbier entgegen, die allen (Hunde sind doch allesamt Idio- Kreatur abends unverändert re- ihm die fragwürdige Bezugsperson
Ernstes mit ihrer deckbereiten De- ten).« gungslos auf meiner Wäsche vor. abhanden gekommen ist. Das Thun-
borah, einer Irish-Setter-Hündin Harald ist mein Vater, 79 Jahre Ich überlege, ob sich das Dilemma fisch-Aprikosen-Menü, das die Hu-
mit blondlockigen Schlappohren, alt. Ich hatte bereits den Verdacht, mit dem Schädling auf natürliche re Babylon vor ihrem Abgang in ei-
am Übungsfeld erscheint. dass zwischen den beiden was im
»Sind nur die letzten Ausläufer Busch ist, man hätte ihn längst kas-
der Nachbrunst«, behauptet sie ver- trieren müssen. »Und es gibt sogar
legen lächelnd. Hunde, die Skateboard fahren kön-
»Von wegen! Die hat noch volle nen, du infernale Schlampe!«,
Pulle Standhitze!«, dröhnt Herr Ei- schreie ich anklagend die nun tape-
senach, der schwer atmend seinen tenlosen Wände an.
augenblicklich romantisch gesinn- Doch auf der Rückseite sind noch
ten Golden Retriever Goldy an den ein paar Zeilen. »Du weißt, dein Pa-
Hinterläufen von der Hündin weg- pa hat diese Katzenhaarallergie.
zerrt. Die Meierbier sucht mit Debo- Deshalb lasse ich Lumpi schweren
rah rasch das Weite, aber es ist Herzens bei dir. Gnade dir Gott,
längst geschehen: Wie bei einem alt- wenn es ihm schlecht ergeht! P.S.
römischen Lanzenwall ragen die Die Einrichtung verhökere ich, um
Erektionen der Rüdenklasse 2b mir mein Geld zurückzuholen, das
dicht an dicht empor. Nun hätte ei- ich in dein erbärmliches ›Knurr
gentlich die Lektion »Rolle rück- Kochstudio‹ fehlinvestiert habe.«
wärts« auf dem Plan gestanden, Tags darauf sind Kummer und
doch ich, Profi, der ich bin, lasse die Ärger jedoch vorerst wie weggebla-
Tiere erst mal tüchtig im Kreis ren- sen, denn die Arbeit mit meinen ser-
nen – sie sind ja in diesem Zustand vil hechelnden Schülern ist mir ein
besonders windschnittig, zerste- Kraftquell. Zuerst stehen auf dem
chen regelrecht die Luft. Alle ap- Lehrplan: Krähen apportieren (da-
plaudieren, als ihre Zöglinge auf von haben wir auf dem Übungsge-
mein gepfiffenes Kommando hin lände reichlich) und »Balance & Sta-
wie geölte Blitze losschießen. Einzig bility«-Übungen für die Lefzen. Alle
Bamm-Bamm, ein etwas ungelen- sind folgsam, abgesehen von Fido,
ker Dobermann, bleibt mit seinem einem besserwisserischen Zwede-
Knüppel in einer Grasnarbe hängen. doo, einem Zwergspitz-Deutsche-
Mein Weib Gisela ist nicht da, als Dogge-Mischling also, und Ramm-
ich nach erfüllendem Dienst am bu, einem störrischen Pitbull, von
Hunde heimkomme, und genau so seiner Besitzerin darauf abgerichtet,
verhält es sich mit den Möbeln, den attraktive Männer zu beißen, um sie
Teppichen, der Sanitärkeramik, den danach abschleppen zu können. Da
Balkonblumen. Im Schlafzimmer selbige nach Rammbus Attacke aber
liegt verknäult meine gesamte Gar- pflegebedürftige Frühinvaliden
derobe auf dem Boden und obenauf, sind, soll ich an diesem Gladiator
wie erstarrt, Giselas Kater namens von Hund die nötige Feineinstel-
Lumpi. Ich verabscheue ihn und sei- lung vornehmen. Einen kläglichen
nesgleichen – asoziale, renitente Sonderstatus hat Bamm-Bamm in-
Katzenbiester. Außerdem hat mich ne, der hier, obschon ein Doofmann
dieses besonders abgefeimte Exem- von Dobermann, angetrieben vom
plar mal in den großen Zeh gebis- Ehrgeiz seines Besitzers, sein Hun-
sen. Gisela hat freundlicherweise deabitur machen soll. »Nun begreife
auf einem Post-it für mich alles doch endlich! Du willst doch mehr
kompakt zusammengefasst: »Du sein als nur ein Wurstfabrikant!«,
hast mich zu lange vernachlässigt, herrsche ich ihn an, als er sich sogar
du gleichgültiger, schmerzlich unat- beim Totstellen schwertut und statt-
traktiver Mann. Ich ziehe zu Harald, dessen Pfötchen gibt.

58 11/21
befriedigtes Aufstoßen
nem Napf bereitgestellt hat, ist je- spachtelt alles restlos. Alsdann setzt Die heutige Rauferei zwischen ob meines offenkundigen Versa-
denfalls längst eingetrocknet. Gera- es sich für einen verheerenden Bamm-Bamm und Fido, der Bamm- gens, es herrscht Lynchstimmung.
de will ich es gierig hinunterschlin- Schiss in sein Katzenklo, schlabbert Bamm verpetzt hat, als dieser sich Da steht plötzlich Lumpi auf dem
gen – habe seit gestern früh nichts genüsslich etwas Wasser und aus Furcht vor der Lektion »Drei- Rasen. Den Verschluss der Box
mehr gegessen –, da entäußert das schmiegt sich, befriedigt aufsto- sprung auf dem Gymnastikball« muss er irgendwie mit Hilfe seiner
scheintote Katzenmonster ein pro- ßend, an meine Füße. Angewidert hinter einer Hecke versteckte, ist fol- Daumenkrallen geöffnet haben.
testierendes Maunzen. Es purzelt schiebe ich das aufdringliche Unge- genschwer: Der Besitzer Bamm- Das Hohngelächter der Leute
den Wäscheberg hinunter und ver- tüm von mir weg. Bamms, ein FDP-Bundestagsabge- wringt mir die Eingeweide aus,
ordneter, will den jungen Dober- doch forschen Schrittes steuert der
mann schnellstmöglich loswerden, offenbar endgültig wahnsinnige Ka-
schließlich sei der ein »notorischer ter auf eine der noch jungfräulichen
Leistungsverweigerer«. Mit den Tüten zu, aus der, den Schwierig-
Worten »So regelt das der Markt« keitsgrad der Disziplin ins schier
steigt er in sein Auto und lässt das Unendliche maximierend, ein
verdutzte Tier in meiner Obhut. knüppelhartes, scharfkantiges Ba-
Abends kehre ich mit dem Kör- guette herausragt – das kastrierte
perklaus von Hund heim. Lumpi Vieh hat Eier! Beherzt packt Lumpi
liegt entspannt auf der Wäsche, zer- mit spitzen Zähnen die Tüte, um sie
kaut gerade mein einziges Anzug- geradewegs ins Ziel zu überführen.
hemd. Ich bin empört. »Fass! Zeugen bestätigten mir noch Jahre
Friss!«, entfährt es mir, und Bamm- später, die Tüte sei danach so tro-
Bamm stürmt grimmig drauflos, cken gewesen, dass Mehl heraus-
zerfetzt zwei meiner Hosen, pinkelt staubte. Die Beifallsstürme sind un-
in die Zimmerecke und legt sich beschreiblich, ich bin baff und auch
wohlig grunzend neben Lumpi. ein wenig stolz.
Am Morgen stopfe ich Lumpi in Rammbu ist mit alldem überfor-
eine Transportbox und nehme ihn dert und tut das für ihn Nahelie-
– Gott, wie tief kann man sinken! – gendste. Wie ein wilder Stier stürmt
mit zur Hundeschule. Ich will beide er auf Lumpi zu – um stracks von
Viecher, den Dumpfdober und die Bamm-Bamm gestoppt zu werden,
(demnächst irgendwie zu entsor- der seinem grobschlächtigen Mit-
gende) Katerklette, ganztägig im schüler im Pfoteumdrehen brutal
Blick haben, denn weitere Verhee- den Arsch versohlt. Hiernach greift
rungen an meiner Garderobe sind Lumpi nach den Sternen bzw. nach
nicht hinnehmbar. Heute steht eine einer frischen Brötchentüte. Er
Zwischenprüfung an: das korrekte denkt, er befände sich auf der Er-
Schleppen von Brötchentüten – der folgsspur, doch natürlich plumpsen
Papiertüteninhalt darf dabei nicht seine Sesambrötchen nach drei Me-
vollgespeichelt werden. Zahlreich tern unten aus dem komplett weich-
stehen die Herrchen und Frauchen gepullerten Papier heraus. Ich er-
Spalier, um ihre Hunde anzufeuern. kenne heute jedoch erstmals seine
»Gefälligst die Schnauze halten wäh- Qualitäten und halte einen guten,
rend der Prüfung«, bitte ich mir erweiterten Hundehauptschulab-
durch ein Megafon aus, »denn Sie schluss durchaus für realistisch.
werden jetzt Zeugen einer echten Noch auf dem Nachhauseweg
Königsdisziplin!« – Bei der alle ver- markieren meine zwei neuen bes-
sagen. Selbst der Streber Fido ten Freunde und ich einträchtig
weicht seine Croissants ein, wäh- pinkelnd unser Revier. Am Morgen
rend Rammbu seine Schusterjungs darauf gibt es zum Frühstück unbe-
mitsamt Tüte am Startblock kurzer- speichelte Schrippen mit »Kanin-
pfote verschlingt. Ein erbarmungs- chen und Leber in Gelee«, und am
würdiges Schauspiel. Eigentlich wä- Freitag werden wir gemeinsam das
re nun Bamm-Bamm an der Reihe, neue Mobiliar für unsere Männer-
doch der wird vor Anspannung ge- WG aussuchen.
wiss auf seine Tüte pinkeln, und ich
schäme mir schon jetzt die Augen GREGOR OLM
aus dem Kopf. Buhrufe erklingen ZEICHNUNGEN: PAUL PRIBBERNOW

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Endlich!
Aus: ntv, Einsender: Jörgen Freiberg, Berlin

Nächste Woche: Cioccolatschen. Und die Deutschlehrer drehen sich im Grabe um.
Caféaufsteller in Radebeul, Einsender: Udo Ulbrich, Dresden Aus: Leipziger Volkszeitung, Einsender: Tilo Wille, Leipzig, u. a.

Die Hempels auf dem Sofa.


Aus: Sächsische Zeitung, Einsender: D. Barberini

Autor frisch verliebt?


Aus: Mitteldeutsche Zeitung,
Einsender:
Axel Schmidt, Westdorf
Und Rechtschreibung
Dringend! erst!
Hotelanzeige, Aus: Mitteldeutsche
Hildesheimer Allg. Zeitung, Zeitung,
Einsender: Einsender:
Yannick Rinne, Hildesheim S. Axmann

Schwein gehabt.
Poetische Kostbarkeit.
Sic! Aus: Kreiszeitung Wochenblatt,
BUGA in Erfurt,
Einsenderin:
Speisekarte eines italienischen Restaurants in Berlin, Einsenderin: Barbara Döring, Dresden
Jeannette Topf, Oldendorf
Einsender: Thomas Bergmann, Berlin

Man muss nehmen, was man kriegt. Geld im Schlaf verdient. Besonders harte Disziplin!
Aus: Potsdamer Neueste Nachrichten, Werbung für eine Schlafmaske der Firma Bader, Aus: Hörzu,
Einsender: R. Dietrich Einsender: Horst Lauerwald, Nordhausen Einsender: Reinhard Rose

Fiel Fergnügen!
Aus: Lausitzer Bote,
Einsender:
Andreas Damaschek,
Cottbus

Die Pferde heißen Heino und Ferch. Denn Teigwaren sagen


Aus: Gute XXL Woche, meist die Unwahrheit.
Einsender: Aus: Freie Presse, Und die Zahlen sind an die Drähte zu hängen.
Lutz Schönmeyer, Dessau-Roßlau Einsender: K. Joachim Aus: Ostsee-Zeitung, Einsender: Dr. Wolfgang Brix, Krummenhagen

60 11/21
F EHL ANZEIGER

Strichmännchen?
Aus: Vier-Tore-Blitz,
Einsenderin: Elke Brasch,
Neubrandenburg

Heute bellen die Apparate.


Aus: Hessische/Niedersächsi-
Transparente Polizeiarbeit.
sche Allgemeine,
Einsender: H. Michel, u. a. Aus: Markgräfler Tagblatt, Einsender: Nico Prätor, Grenzach-Wyhlen

Besser als hingehauen!


Aus: Schweriner Volkszeitung, Einsender: Gerhard Tel, Schwerin

Paragraph eins: Jeder sucht seins.


Aus: Wochenspiegel,
Einsender: Dr. Reinhard Stamm,
Ludwigsfelde

Und einfach falsch rum.


Aber leider im Bauch des Kanarienvogels. Frühreifes Früchtchen! Aus: Leipziger Volkszeitung,
Aus: Thüringer Allgemeine, Aus: Mitteldeutsche Zeitung, Einsender:
Einsender: Prof. Dr. Peter Arlt, Gotha Einsenderin: Regina Bauer Richard Jawurek, Markkleeberg

Und in der Zeitung erst! Notduft?


Aus: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Aus: Greifswalder Blitz,
EINSENDUNGEN an: fehlanzeiger@eulenspiegel-zeitschrift.de

Einsender: Ralf Kopka Einsender: K. Radike

Wahrscheinlich kamen sie aus Sachsen.


Aus: Dresdner Morgenpost,
Einsender: Harald Krause, Dresden

Was du morgen wollt'st besorgen,


verschiebe ruhig auf übermorgen. Die Reinigungsfirma wird sich freuen!
Uwus Seelerus? Aus: Volksstimme online, Toilette in Winterberg,
Aus: Sport-BILD, Einsender: W. Siebrecht, Göttingen Einsenderin: Adelheid Schubert, Radebeul Einsender: Ulrich Mund, Weimar

11/21 61
Heute vor Jahren Oder: »Früher war die EULE besser!«

Ich ergreife die günstige Sitzgelegenheit, ...


Nicht erst seit gestern fragen beziehungs- ... um mit wenigen Sätzen alle ist. Außer dem Setzer, von dem
weise konstatieren die »Taktlosen« vom möglichen Sitzbeschwerden weiter oben die Rede war, gibt
Zentralen Klubhaus der Gewerkschaften aufzuzeigen und Akzente zu es noch den Untersetzer, der
in Halle: gewissen Spitz- und Sitzfin- sich mitunter zum Übersetzer
Wer ist denn digkeiten zu setzen. Es gibt qualifiziert und entweder Reden,
eine ganze Reihe von Perso- Bücher oder Passagiere über-
schon parteilos! nen und Gegenständen, denen setzt. Letzteren nennt man auch
Das Programm entstand zu Ehren des das Sitzen zur zweiten Natur Fährmann. Man kann sich auf
25. Geburtstages der SED. Die Eule geworden ist: Sitzungsteilneh- Stühle, Bänke und sogar in die
konnte es sich zum Premierenzeitpunkt mer, Setzlinge, sitzende An- Nesseln setzen, sofern man sich
nicht zu Gemüte führen und nutzte des- züge, Setzeier, Sitzenbleiber, zwischen zwei Stühle setzt. An-
halb kürzlich die Gelegenheit, sich bei ei- Autobesitzer. Paradoxerweise dere Leute, andere Sitze: Holz-
nem Gastspiel der Hallenser im Klein- üben ausgerechnet Setzer fäller haben ihren Stammsitz,
machnower Klub der Kulturschaffenden eine stehende Tätigkeit aus, Hochzeitspaare einen Hochsitz,
unter das nahezu übereinandersitzende wogegen Steher niemals zu Fahrkartenkontrolleure einen
Publikum zu mischen. Feierlich-festli- stehen pflegen, sondern fest Sperrsitz, umsichtige Betriebs-
che Anlässe werden in unseren Breiten im Sattel sitzen. Wer über zu- planer einen Polstersitz und Vor-
häufig nur zögernd und sehr verhalten wenig Stehvermögen verfügt posten den Vorsitz. Sitzen ist
zur Entfesselung ungestümer Heiterkeit und seinen Urlaub in beque- die eigentliche Daseinsform der

Barbara Henniger
benutzt. Manche glauben vielleicht, wo mer Lage verleben möchte, unverwüstlichen Bacchanten,
die Partei anfängt, hört der Spaß auf. fährt am besten nach Sitzen- denn merke: Wo man sitzt, kann
Die Taktlosen sind da anderer Meinung. dorf, Saßnitz, Hockeroda oder Frohsinn nicht versiegen. Die,
Sie feiern die ernsthafte Politik der SED Siebenlehn, nicht aber nach die einen sitzen haben, liegen.
und unsere durchaus nicht leicht errun- Stuhlpforta, weil dieser Ort in
genen Erfolge mit so viel Humor und noch keinem Atlas verzeichnet Hansgeorg Stengel
Jux, dass es den Leuten links in der Herz-
gegend schön warm wird und sie mit vol-
ler Wucht in das gewöhnlich nur in se- »Wunschzettel zu Weihnachten?
riösen Zusammenhängen gebräuchliche
rhythmische Klatschen ausbrechen. Endlich – Na, da wollen wir
mal sehen, ob wir
das noch hinkriegen!«
PASSI
VISTEN
SPASSI
VISTEN
Dass nicht kritiklos gejubelt, sondern lei-
se, laut und selbst klamaukhaft alles mög- Unsere Genussmittel-
liche angegeigt wird, was nicht gerade industrie hat noch
feiernswert ist, versteht sich bei einem rechtzeitig zum Anlaufen
guten Kabarettprogramm von selbst. Al-
so geschieht es auch. Trotz oder gerade des neuen Studienjahres

Karl Schrader
wegen des besonderen Anlasses. »Die die Produktion von
Jugend von heute ist ja so verdorben.
Man müsste noch mal jung sein!« Diese Fernstudentenfutter Hoffentlich haben Sie sich
Bemerkung fällt in einem Lehrer-Kaba- aufgenommen. schon gut eingelebt.
rett. Das ist immerhin beachtlich. Aus FF dabei
Jochen Petersdorf entdeckt von Sonja Stake, Leipzig

KAM EIN WANDERER


DES WEGS...
Herbst – ein Poem FOTOMORGANA
Wenn des Herbstes Winde drängen,
friert man schon am Bauch.
Die Nächte haben Überlängen,
Die Lehrerin bemühte sich, den
Das Abendblatt für trübe Stunden die Unterhosen auch.
Schülern das Wort Hygiene zu er-
klären: »Wozu putzen wir die
Zähne, waschen und baden wir
uns? Warum reinigt Mutti eure
Der Regenwurm, ein langes,
Kleidung, putzt Schuhe und räumt
die Wohnung auf, wischt Staub unterirdisches Wunder
und schruppt die Diele?« Da kam Ähnlich der Walnuss, freund auch sonst noch dass der Regenwurm hu-
ein Wanderer des Wegs und sagte: welche ja auch nicht aus ein nützliches Bürsch- musbildend wirkt und
»Weil Besuch kommt!« Wal und Nuss, sondern lein, obwohl wir das- die Durchatmung der
★ alles in allem aus Nuss selbe nicht zu Buletten Mutter Erde begünstigt,
»Trinkst du? – »Nein.« – »Rauchst besteht, besteht auch der oder Kaviar verarbeiten was unserem Sellerie zu- Im Stahlwerker-Klubhaus Die DFD-Ortsgruppe in Z. hat in
du?« – »Nie.« – »Spielst du?« – Regenwurm nicht aus können. Wenn der Re- gute kommt. Aus diesem Hennigsdorf wurden jetzt der vorigen Woche den ersten
»l wo.« – »Du hast wohl gar kein Regen und Wurm, son- genwurm auch nur ein tiefschürfenden Grund die ersten FDGB-Plätze für Lehrgang für Ehemänner abgehal-
Laster?« Da kam ein Wanderer des dern ausschließlich aus durch die Gegend rob- sollten wir diese ulkige das Interhotel Panorama ten. Herrn Harry M. konnte der Ti-
Wegs und sagte: »Doch, er lügt!« Wurm, wenn auch mit bender Blinddarm ist, Nudel hin und wieder
Oberhof verteilt. U. B. zeigt tel eines Dipl.-Hauswirtschaftlers
Hohlräumen. Abgese- will er leben und noch- freundschaftlich strei-
einen der Urlauber. zuerkannt werden.
hen von diesem poeti- mals leben, und zwar cheln und keinesfalls
POST schen Fakt ist der nun
bald zum Winterschlaf
hinten wie vorn. Das ist
ein Wunder der Natur!
aufessen, vorausgesetzt
natürlich, dass wir kein
Wer von Euch verzapft eigentlich die aufbrechende Jugend- Das zweite Wunder ist, Huhn sind!
Wandererwitze? Wegen diesem
Quatsch habe ich mir schon ange- Übrigens Wussten Sie schon ...
wöhnt, Dich von vorn nach hinten zu
lesen, um mich nicht gleich über den
»Wanderer« zu ärgern.
sollte man dass es in manchem Gastrologie
Spießbürgern die Betrieb ein Fort-
Bernd Hartung, TH Magdeburg kleinbürgerlichen ist die
schritt wäre, wenn
Ehrenrechte Wissenschaft
Im Walde wohne ich, meinen Eulen-
aberkennen es immer an der sel- Nach ihrer letzten Radarkontrolle auf der Schönhauser Allee
spiegel lese ich, das Idioten-Rätsel ben Stelle nicht von den
können. übersandten uns die Genossen der Verkehrspolizei diese Auf-
rate ich und mache auch sonst aller- Ruhetagen.
hand Unsinn.
K.K. klappt? nahme eines Fahrzeuges, das die vorgeschriebene Geschwin-
B.C. digkeitsgrenze nicht überschritten hatte.
Margarete Krusen, Stolpe-Süd E.R.

62 11/21
Hauptsache, echte EULEN
liegen unterm Baum!

ULI DÖRING
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11/21 63
LMM 1588 … Leser machen mit Post
Liefern Sie uns zu dieser Zeichnung eine passende Unterschrift. Zum Titel nem gewaltigen General- muss Satire sein: Obrig-
Für die drei originellsten Sprüche berappen wir 16, 15 und 14 €. streik im ganzen Osten keitsfreundlich entlastet
Adresse: Eulenspiegel, Markgrafendamm 24/Haus 18, 10245 Berlin Das werden
kurze Koalitions-
verhandlungen.
gleiche Lebensverhält- sie den Verfassungs-
oder per E-Mail an: . nisse wie im Westen er- schutz und hilft Demo-
Kennwort: LMM. Einsendeschluss: 8. November 2021. zwingen (nach 31 Jahren kratie sparen. Das hat
Einheit!): gleiche Löhne, ZDF- oder ARD-Niveau.
Gehälter, Renten, und Da müssen Welke, Eh-
dass die Westfirmen die ring und Böhmermann
Steuern auch dort abfüh- neidisch werden, nicht
ren, wo sie erarbeitet zu reden von der »Quali-
wurden. tätspresse«, zu der der
Lag es am taktischen Wählen?

Sieg der Echsenmenschen


GOTTFRIED SCHMITT, EULENSPIEGEL end-

D as Titelbild ist ja ei-


ne Beleidigung für
jedwedes Echsentier und
DRESDEN
Generalstreik?
Wir sind dabei.
lich aufgeschlossen hat.
Vorbei die Zeit des ost-
zonalen Humors mit
Reptil auf diesem Plane- Lachzwang. Ich bin froh,
ten! Was können die ar- das noch zu erleben.
men Tiere denn für das Zu: Es gibt keinen wah- HERBERT WOLF,
Taktieren dieser drei ren Gott außer Allah PER E-MAIL
LMM-Gewinner der 1587. Runde maximal mittelmäßigen
Politiker? Echsperimen-
te haben doch längst be-
M einen herzlichen
Glückwunsch zu
dem auf Fakten basie-
Wenigstens einer.

wiesen, dass uns diese renden Interview mit Zu: Heft 5/21
Schuppentiere in allen
Punkten weit überlegen
sind.
Thilo Sarrazin. Nur in
einem Punkt hat der
Herr Dich beschwindelt.
A nfrage 1: Darf ich
ein halbes Jahr nach
Erscheinen eines Heftes
ULLI HERZAU, BERLIN Er war nie im Vorstand noch nachträglich kriti-
Können sie sogar Le- der Deutschen Bank. Da- sche Worte zu einem Ar-
serbriefe schreiben? für aber von 2009 bis zu tikel von damals von
seinem glorreichen »frei- mir geben?
willigen« Ausscheiden HANS-JÜRGEN GÖRNER,
Zu: Der DBöse im September 2010 im PER E-MAIL

A ls Bahnkunde hab’
ich ihn verteufelt,
Vorstand der Deutschen
Bundesbank.
Nein.
ZEICHNUNGEN: HEINZ JANKOFSKY

aber auch bewundert: PETER KOLZAREK,


Dieser Mann ist zu scha- PER E-MAIL
de für die paar Lokfüh- Alles dieselben EULENSPIEGEL-
Erhobenen Hauptes gehen von dannen: rer – der gehört in den Verbrecher! Jahrgänge 1988 bis
Bundestag als Ostbeauf- Mitte 2017, vollständig
»Muss jetzt los! »Früher hast »5-G-Konzept in der Lin- tragter. Mit seinem eiser- und sortiert, an Selbst-
Ich liefere heute du auch schon denbar: Gekommen, gesof- nen Willen und Durch- Zu: Keine Leserreise abholer (gegen kleinen
die Wahlzettel in mal schneller fen, gelabert, gestolpert,
Berlin aus.« apportiert!«
CARSTEN WARMUTH, THOMAS MEIER,
PER E-MAIL SCHWERIN
gekrabbelt (nach Hause).«
STEFAN LIEBIG,
BÖSINGHAUSEN
setzungsvermögen könn-
te er zusammen mit Ost-
gewerkschaften mit ei-
Z um Beitrag »Frei-
heitsfahrten« möch-
te ich gratulieren. So
Obolus) abzugeben.
Kontakt:
06023 - 918 9909

Waagerecht: 1. Mancher redet ohne nie Nowitschok findet, 8. Längenmaß,


Punkt und dieses, 4. Beliebter Beitrag zum Teil in China, 10. Angeschwemmte
im UN-Sicherheitsrat, 7. Zu Fluss und Badebegeisterung, 12. Hausvorbau
Land geschüttelte Ringe 9. Badestelle aus Erkner, 15. Ursprungsform eines
für Bassisten, 11. Eingelaufener Gigant, Bettvorlegers, 18. Römergott mit Bay-
13. Etagenförmige Fabrik für Gehhilfen, ernzeitung, 19. Sollte man in der Hand
14. Meterweise Raum in Süddeutsch- halten, 21. Abschließbarer Baustein
land, 16. Vom Piranha verschlucktes des Organismus, 22. Diebesgut des
Land, 17. Christian Ulmens Lieblingsge- Fuchses, 23. Mit dem schmiss Claire
wächs, 20. Drittes Getöne, 22. Der ein- Waldoff, 24. Des kleinen Mannes
zige Mensch, der überall willkommen Acker.
ist, 25. Halbe Armee mit halber Egge,
26. Als Jungtier beschimpfter Schmutz- Auflösung aus Heft 10
fink, 27. Bergmannsfluss, 28. Weicher Waagerecht: 1. Modus, 4. Limit,
Geselle von sonders, 29. Scharfe Frau 8. Piano, 9. See, 11. Unter, 12. Schweif,
vom Konditor. 13. Moral, 15. Komik, 17. Anstand,
Senkrecht: 1. Karibikinsularer Latei- 20. Ungar, 22. Kar, 23. Match, 24. Thale,
ner, 2. Auf dessen Schneide steht man- 25. Elemi.
che Entscheidung, 3. Neben dem Tiber Senkrecht: 1. Miss, 2. Dreh, 3. Spiel-
fließende Smartwatch, 4. Amtlicher karte, 4. Laufmasche, 5. Inn, 6. Motor,
Bruder von Walter, 5. Seenförmiges 7. Tirol, 10. Echo, 14. Anna, 15. Kluft,
Ende der Batterie, 6. Stadt, in der man 16. Magma, 18. Akne, 19. Drei, 21. Aal.

64 11/21
Kunst von EULENSPIEGEL-Lesern, gediegen interpretiert

I
dee und Ausführung
sind zwei Seiten einer
Medaille; sie sind
nicht zu trennen. Auf
der einen Seite der Kern,
der Samen, der dem Gan-
zen zugrundeliegt, der, um
nicht im Bild zu bleiben,
konstituierend das Werk
aus der Taufe hebt und ins
Licht der Existenz führt.
Auf der anderen Seite die
Mühen der Ebene, die Auf-
zucht der Idee oder des Ge-
dankens, der nicht ohne
Zutun des Künstlers von
sich aus heranreifen, sich

GERHARD WINKLER, PER E-MAIL


nicht selbst vollenden
kann, sondern aktiv groß-
gezogen werden muss.
Idee und Ausführung fal-
len daher meist nicht in
eins. So ereilte Leonardo
da Vinci die Idee für seine
Mona Lisa nachweislich
unter der Dusche (die er
erst wenige Tage zuvor er- ken stürzten, weil sich hin- weil zwar die Idee vorhan- oder dumme zugrunde lag. beides ist unabdingbar, um
funden hatte – bis dato hat- ter der Tür nur ein Ab- den war, die Ausführung Es sind das aus reiner Ge- eine Idee ausschließlich in
ten sich die Menschen mit grund befand, nahmen aber unterblieb – aus Faul- schäftigkeit fertiggestellte ihrer Qualität einzuschät-
Holzscheiten abgerieben). deutlich ab). heit, aus Unvermögen, weil Werke, weil halt was ge- zen und – im Falle eines
Die Ausführung allerdings Diese Trennung von die S-Bahn nicht fuhr? Si- macht werden muss, nur Mangels derselben – dem
erledigte da Vinci erst Tage Idee und Ausführung er- cherlich mehr als vier. damit irgendwas gemacht allgemeinen Geschäftig-
später auf seinem Balkon weist sich für die Kunst im- Legion dagegen sind Bei- wird, weil man das schon keitszwang zu widerstehen.
(selbstredend auch eine sei- mer wieder als von Grund spiele für den gegenteiligen immer so gemacht hat. Die Um so erbaulicher, wenn
ner bahnbrechenden Neue- auf problematisch. Wie Fall: einfallslose Werke, die Kunstgeschichte ist voll da- man, wie hier, eines der
rungen – die zuvor sich viele Geniestreiche wohl zwar vollendet wurden, de- von. raren Fälle ansichtig wird,
massenhaft ereignenden für immer verloren sind be- nen aber überhaupt keine Der Grund: Künstler in denen Weisheit und
Unfälle, bei denen Leute ziehungsweise nie die Stufe Idee oder zumindest nur sind selten charakterstark Charakterstärke Hand in
aus den oberen Stockwer- des Daseins erreichten, eine banale, hirnrissige und weise zugleich. Doch Hand gegangen sind.

Impressum Vertriebsleitung und Marketing Ottitsch, Guido Pauly, Ari Plikat, Paul
Abonnement-Service
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Markgrafendamm 24 / Haus 18 laczek, Daniel Sibbe, Guido Sieber,
10245 Berlin
10245 Berlin Klaus Stuttmann, Peter Thulke,
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Ständige Mitarbeiter Dr. Mathias Wedel, Erik Wenk,
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Herausgeber Manfred Beuter, Lo Blickensdorf, Michi Woessner, Martin Zak
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Für Fotos, deren Urheber nicht ermittelt
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Andreas Koristka, Felice von Senkbeil, Anzeigen Thomas Kuhlenbeck, Dorthe Landschulz,
noraransprüche erhalten.
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Peter Muzeniek, Nel, Gregor Olm, Oliver Gläubiger-ID: DE93ZZZØØØØØ421312

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UND TSCHÜS !

HANS HABER
Heftkritik
Der nächste
YOUTUBE.COM

Titel, Seite 3, Seiten 6 und 7 ff.: Viele mag. Man denke auch an Helmut
Bildchen, eine Menge Gekrakel, we- Kohl, Rudolf Scharping oder Edmund EULENSPIEGEL erscheint
nig Worte, bestenfalls einfachste All- Stoiber! Für diese alte Generation ist am 25. November ohne
tagssprache – man könnte meinen, Eloquenz noch ein Wert an sich. Dies- folgende Themen:
das Heft sei von Kleinkindern für bezüglich werden wir eine wie Frau
Kleinkinder, denen die Sprache fehlt. Merkel sicher noch vermissen. Inflation immer schlimmer:
Am schlimmsten sind die Zeichnun- Werden aus einem bald zwei
gen auf den Seiten 52/53 und 58/59, Seite 49: Müssen es denn unbedingt Vizekanzler?
die komplett ohne Text auskommen. zwei Ananas sein? Hauptsache exo-
Die Zeichner Muzeniek und Pribber- tisch, Hauptsache Migrationshinter- VW könnte 30 000 Mitarbei-
Die »Schriftstellerin, Literaturkritike- now sind vermutlich welche von die- grund. Als ob hier zwei saftige Äpfel ter entlassen: Kann eine
rin, Kabarettistin, Moderatorin, Jour- sen 20-Jährigen, die nur noch mit Hil- oder einheimische Melonen nicht Software 3000 daraus ma-
nalistin und Opern-Librettistin« fe von Emojis kommunizieren kön- ebenfalls ihren Zweck erfüllt hätten! chen?
(Quelle: Wikipedia) Elke Heiden-
reich hat es in der Sendung »Lanz« nen. Außerdem hat die Frau eine auffal- Cannabis-Legalisierung im-
gewagt, sich über die Sprecherin lend dunkle Hautfarbe und kommt mer wahrscheinlicher: War
der Grünen Jugend aufzuregen, Seite 20: Im Gegensatz zu den jungen dementsprechend sicher nicht aus der Druck der Süßigkeiten-
was wiederum viele Twitter-Nutzer Leuten, bei denen jedes zweite Wort Wanne-Eickel. Verdächtig finde ich
aufgeregt hat. Um ihre Nerven zu Lobby zu groß?
»irgendwie« lautet, gehört Angela auch, dass sie offenbar am Strand he-
beruhigen, hat sie sich den von Probleme bei der Berliner
Merkel noch zu einer Generation, rumspazieren kann. Sie sollte lieber
überwiegend weißen, alten Män-
nern produzierten EULENSPIEGEL von der ich immer wieder merke, wie was Vernünftiges machen und z.B. Ta- Wahl: Lag es an den defek-
angesehen. Was hält sie von der gebildet und sprachgewandt sie ist, xi fahren wie die anderen Dunkelhäu- ten Entrauchungsanlagen
vorliegenden Ausgabe? wie sie mit Worten umzugehen ver- tigen auch. der Wahllokale?
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N E UE E
D IE R EV U
EG A
M ner Kurier
Berli

ARISE GRAND SHOW