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Hörverstehen 9.

Klasse
Im Zug
Es ist Winter. Veronika sieht in die Ferne über die Hausdächer hinweg. Grau hängt
der Himmel über der Stadt. „ Kalt“, sagt sie leise und geht auf dem Bahnsteig hin und
her. Der Zug hat Verspätung. „Intercity-express, pünktlich wie immer!“ - zitiert sie
grimmig die Reklame. Veronika sieht auf die Uhr zum zehnten Mal in fünf Minuten.
Endlich hört sie den Lautsprecher knacken. „Bitte Vorsicht auf Gleis 3! Es hat Einfahrt
der verspätete Intercity-Express nach Hannover. Der Zug fährt ein!“

Veronika sieht durch die Fenster. „Zum Glück ist der Zug nicht so voll“, denkt sie
und steigt in einen Wagen der ersten Klasse. Die ersten beiden Abteile sind mit Rentnern
gesetzt. Sie trinken Sekt und lachen. „Um Gottes willen!“, denkt Veronika. Das dritte
Abteil ist fast leer. Ein junger Mann sitzt allein am Fenster. Er schreibt. Veronika setzt
sich ihm gegenüber. Sie sitzt auch gern am Fenster. Der Mann lächelt dazu. Sie lächelt
nicht. Veronika holt den Laptop aus ihrem Aktenkoffer und beginnt zu arbeiten. Der Mann
vor ihr beachtet sie nicht mehr. Er sieht in sein Heft und schreibt weiter. Veronika
schreibt am Computer schnell und genau. Manchmal wirft sie einen kurzen Blick auf ihr
Gegenüber. Seine Haare sind ungekämmt, seine Jeans hat Löcher und das T-Shirt ist
verwaschen. „Ein linker Intellektueller oder so etwas. Schade, hässlich ist er eigentlich
nicht.“

Auch er sieht öfter zu ihr herüber, während sie arbeitet. „Nicht zu fassen“ denkt er “
so eine hübsche Frau und läuft herum wie die Karikatur eines Wall- street Brokers“.
Tatsächlich sieht Veronika in ihrem grauen Kostüm mit den flachen Schuhen wie die
perfekte Geschäftsfrau aus.

Der Zug fährt durch Städte am Rhein entlang, über den Rhein, wieder durch Städte
ohne Anfang und Ende. Keiner der beiden sagt ein Wort, keiner der beiden sieht aus dem
Fenster. Beide scheinen ganz auf ihre Arbeit konzentriert zu sein. Der Mann steht auf und
nimmt etwas aus der großen alten Tasche neben sich. Es ist ein Zeichenblock. Er legt den
Block auf die Knie und beginnt mit einem dicken schwarzen Stift zu zeichnen. Veronika
schreibt weiter, aber sie denkt, was macht er denn jetzt. Sie sieht schnell zu ihm hinüber.
Erst schreibt er, dann zeichnet er. „Ein Künstler oder will er zeigen, dass er ein Künstler
ist?“ Sie kennt solche Typen, die sich nur interessant machen wollen. Veronika misstraut
allen.
Draußen wird es langsam dunkel. Sie ist müde. Sie klappt den Computer zu und steckt
ihn in den Aktenkoffer. Der junge Mann hält den Block auf den Knien Er hat die Augen
geschlossen. „Vielleicht schläft er“, denkt Veronika und nähert sich ihm vorsichtig. In
diesem Moment macht der Mann die Augen auf. „Möchten Sie sehen?“ „Was denn?“ fragt
sie brüsk und wird rot. „Die Zeichnung, das Porträt“ „Ach, ein Porträt? Ja, ich habe sie
gemalt. Wollen sie es nicht sehen?" Sie antwortet nicht. Er nimmt das Blatt und gibt es
ihr. „Aber das“sagt Veronika. Sie ist erstaunt. Die Zeichnung ist wirklich gut getroffen.
„Das bin ja wirklich ich!“ ruft sie aus. Sie hält das Bild in der Hand und sieht es an.

„Möchten Sie‘s nicht behalten?“ fragt Max. „Wie bitte?“ „Es gehört Ihnen, behalten
sie es“. „Wirklich.. ich…nein… das…“ antwortet sie. Soll sie das Bild annehmen? „Der
will doch was von mir“ denkt sie. Aber die Zeichnung ist so schön! Max lässt nicht
locker: “Ich habe es für sie gezeichnet. Nehmen sie es doch bitte an! Das heißt, natürlich,
nur wenn es Ihnen gefällt.“ „Ja, sicher, es gefällt mir sehr.“ Er lächelt. „Die Zeichnung ist
sehr schön“, sagt sie jetzt. „Sie zeichnen wirklich gut.“ „Danke.“ antwortet er. Dann steht
er auf und gibt ihr die Hand. „Ich bin Max“, sagt er mit einem Lächeln. „Ich bin
Veronika“, antwortet sie. Aber sie lächelt nicht. Dann nimmt sie die Zeichnung und steckt
sie in den Aktenkoffer. „Zeichnen sie immer alle Leute, die sie im Zug sehen?“ fragt sie.
„Nein“ erwidert er ernst, „nur sehr schöne Frauen… so wie Sie“.

Das ist ein Kompliment, aber Veronika nimmt es nicht gut auf. Ihre Augen werden
klein, ihre Lippen bilden jetzt eine dünne Linie. Sie nimmt eine Zeitschrift in die Hand
und liest, vielleicht tut sie auch noch so. Bis zum Ende der Zugreise wechseln die beiden
kein Wort mehr. „Da habe ich mich wieder mal dumm angestellt“ denkt er. Als sie in
Hannover ankommen sind, ist es schon dunkel. „Kann ich Sie vielleicht im Auto
mitnehmen?“ fragt Max. „Nein, danke!“ Veronikas Antwort ist kurz. Sie steigt vor ihm
aus. Sie geht schnell den Bahnsteig entlang. Er sieht ihr nach. „Zu dumm!“ denkt er,
„einfach zu dumm“.
Bestätigungen 1-10 (markieren Sie die richtigen Aussagen mit einem (R) und die
falschen mit einem (F).
1. Der Zug hatte 10 Minuten Verspätung.
2. An diesem Tag war es sonnig und warm.
3. Die Rentner, die im Zug waren, tranken Sekt.
4. Veronika sitzt immer gern am Fenster.
5. Der Mann war sehr gut gekleidet.
6. Als sie das Abteil betrat, begrüßte der Mann sie mit einem Lächeln.
7. Er fand ihr graues Kostüm nicht schön.
8. Als es dunkel wurde, schlief er ein.
9. Veronika fand ihr Portrait wirklich gut.
10. Sie unterhielten miteinander, bis sie in Hannover ankamen.
Fragen 11-20 (kreuzen Sie die richtige Aussage A, B, C oder D an).
11. Der verspätete Intercity-Express fuhr auf Gleis…ein.
A. fünf
B. drei
C. zehn
D. eins
12. Der Zug war voll von Menschen, aber im dritten Abteil…
A. waren nicht viele Rentner.
B. war niemand.
C. saß ein Mann.
D. gab es leere Plätze.
13. Der Mann stand auf und nahm aus der Tasche…
A. ein Zeichenblock
B. einen Stift.
C. einen Laptop.
D. ein Buch.
14. Veronika fand den Mann am Fenster nicht interessant, weil …
A. er immer schrieb.
B. er sie nicht beachtete.
C. er hässlich war.
D. seine Jeans Löcher hatte.
15. Der Mann sah Veronika an und dachte, dass …
A. sie sich nicht schön gekleidet ist.
B. eine perfekte Geschäftsfrau ist.
C. ihr graues Kostüm und flache Schuhe teuer sind.
D. sie wie eine Karikatur aussieht.
16. Veronika wollte nicht mehr am Computer arbeiten, weil …
A. sie durch das Fenster sehen wollte.
B. es zu dunkel wurde.
C. sie müde war.
D. schlafen wollte.
17. Nachdem der Mann die Augen geschlossen hatte, wollte Veronika …
A. auch schlafen.
B. die Zeichnung sehen.
C. das Blatt nehmen.
D. näher zu ihm kommen.
18. Als Veronika die Zeichnung sah, war sie erstaunt und sagte:
A. „Aber die Zeichnung ist so schön!“
B. „Sie zeichnen wirklich gut!“
C. „Das bin ja wirklich ich!“
D. "Behalten sie es!"
19 Max bat Veronika diese Zeichnung zu nehmen,...
A. nur wenn sie gut getroffen ist.
B. nur wenn sie ihr gut gefallen hat.
C. weil er das Portrait für sie gezeichnet hat.
D. weil sie ihr Portrait behalten wollte.
20. Max zeichnete immer besonders gern...
A. nur Frauen.
B. alle Leute.
C. Leute im Zug.
D. sehr schöne Frauen.