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Wirtschaftliche Auswirkungen der

Coronakrise auf die österreichische E-


Wirtschaft
Studie

ENDBERICHT

VerfasserInnen: Christoph Dolna-Gruber

Alexander Harrucksteiner

Andreas Hirtl

Karina Knaus

Auftraggeber: Oesterreichs Energie

Datum: Wien, 8. Juni 2020


IMPRESSUM
Herausgeberin: Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency GmbH, FN 413091m
Mariahilfer Straße 136, A-1150 Wien, T. +43 (1) 586 15 24, Fax DW 340
office@energyagency.at | www.energyagency.at
Für den Inhalt verantwortlich: DI Peter Traupmann | Gesamtleitung: Karina Knaus, PhD | Lektorat: Mag. Bao-An Phan Quoc,
BA | Layout: Mag. Bao-An Phan Quoc, BA |
Herstellerin: Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency GmbH | Verlagsort und Herstellungsort: Wien
Nachdruck nur auszugsweise und mit genauer Quellenangabe gestattet. Gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier.

Die Österreichische Energieagentur GmbH hat die Inhalte der vorliegenden Publikation mit größter Sorgfalt recherchiert
und dokumentiert. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der Inhalte können wir jedoch keine Gewähr
übernehmen.
Executive Summary
Das Coronavirus hat weitreichende und schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und das
gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in Österreich.

Die Rezession ist gewiss, ihr Ausmaß noch nicht.

Der Tenor unter Ökonominnen und Ökonomen ist, dass eine wirtschaftliche Rezession eintreten wird. Dies ist
allen Wirtschaftsprognosen gemeinsam. Die Unterschiede resultieren aus divergierenden Annahmen zur Dauer
und Intensität der Krise. Wesentlich dafür sind die Effektivität der Maßnahmen, sowohl punkto
Viruseindämmung als auch Stimulierung der Konjunktur (McKinsey & Company 2020). Der Verlauf der
Rezession wird in Österreich weitgehend von der wirtschaftlichen Entwicklung in anderen Ländern beeinflusst,
insbesondere bei den wichtigen Handelspartnern Deutschland, Italien und den USA.

In einem optimistischen Narrativ erfolgt in allen betroffenen Ländern eine rasche und effektive Eindämmung
des Coronavirus (1) und die Lockerung der Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens
erfolgt innerhalb weniger Wochen. Besonders betroffene Sektoren werden mit wirtschaftlichen Maßnahmen
unterstützt und die Wirtschaft erholt sich rasch auf ein Niveau vor dem Ausbruch der Pandemie („V“-
Rezession). Studien, die diesem Narrativ folgen, rechnen mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums
von -2,0 % bis -4,0 % im Jahr 2020 und mit einer Erholung von knapp 3,0 % im Jahr 2021.

Ein pessimistisches Narrativ geht davon aus, dass die Eindämmung der globalen Pandemie nur kurzfristig
gelingt und dass es durch die Lockerung dieser Maßnahmen zu einem erneuten Anstieg der weltweiten Covid-
19-Fälle kommt (2). Auch wenn eine österreichische umsichtige Handhabung einer zweiten Infektionswelle

III
einen neuerlichen generellen Lockdown vermeiden könnte, geht ein pessimistisches Narrativ jedenfalls von
einer länger anhaltenden „U“-Rezession aus. In diesem Fall kann es zu einem Einbruch des
Bruttoinlandsprodukts (BIP) von -7,5 % kommen (Baumgartner, et al. 2020). Wenn man zusätzlich auch in
Österreich von einem zweiten längeren Lockdown ausgeht, dann wäre im pessimistischen Narrativ mit noch
höheren Einbrüchen im Wirtschaftswachstum zu rechnen. Mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau ist in
diesem Narrativ erst ab 2022 zu rechnen.

Als weniger wahrscheinlich gilt derzeit ein Worst-Case-Szenario, in dem eine nachhaltige Eindämmung des
Coronavirus nicht gelingt (3) und die konjunkturbelebenden Maßnahmen nur begrenzt wirksam werden.
Zusätzlich weitet sich die Pandemie auf Länder aus, die bisher weniger vom Coronavirus betroffen waren. Dies
führt zu einem Überschwappen der Wirtschaftskrise auf den Finanz- und Bankensektor und einer nachhaltigen
„L“-Rezession. In den bis Ende Mai veröffentlichten Studien gibt es für Österreich keine derartigen Worst-Case-
Szenarien.

Angebots- und Nachfrageschock treffen die Volkswirtschaft und somit die E-Wirtschaft
hart.

Ein Novum dieser corona-induzierten Wirtschaftskrise ist das gleichzeitige


Auftreten eines Nachfrage- und Angebotsschocks. Der Angebotsschock
entsteht aufgrund von unterbrochenen (globalen) Lieferketten,
Grenzkontrollen, Produktionsstilllegungen und behördlichen Schließungen.
Nachfragelimitierende Effekte sind auf eine steigende Arbeitslosigkeit und
die somit sinkende Kaufkraft, aber auch auf eine gedämpfte Nachfrage nach
Exportgütern zurückzuführen (WIFO 2020a). Die E-Wirtschaft ist sowohl vom
Nachfrage- als auch vom Angebotsschock betroffen, weil die Nachfrage nach
Elektrizität durch Containment-Maßnahmen stark gesunken ist. Die
Containment-Maßnahmen haben zur Folge, dass der finanzielle Spielraum
von Haushalten und Unternehmen kleiner wird, eventuell
Liquiditätsengpässe auftreten. Die E-Wirtschaft ist als Lieferant von
Elektrizität davon betroffen.

Umsatzeinbrüche entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Durch den mit der Coronakrise einhergehenden Verbrauchsrückgang und Preisverfall sind praktisch die
gesamten Geschäftsbereiche der österreichischen E-Wirtschaft negativ betroffen. Besonders im
Stromgroßhandel beschleunigte sich der bereits im Feber 2020 einsetzende Preisrückgang in den kurzfristigen
Märkten (Day-Ahead-Markt), mit einem unmittelbaren Erlöseffekt auf Stromerzeuger. An den
Endkundenmärkten führt der Absatzrückgang mit steigender Dauer der Einschränkungen zu entsprechenden
wirtschaftlichen Herausforderungen im Vertrieb, aber auch im Netzbereich.

Nach dem Erstrundeneffekt weitere negative wirtschaftliche Folgen

Nach diesen unmittelbar wirksamen Effekten sind weitere negative Auswirkungen zu erwarten, etwa
Zahlungsausfälle und Liquiditätsrisiken bei KundInnen, aber auch Insolvenzen von Geschäftspartnern oder
Finanzierungslücken bei der Ökostromförderung.

Die Coronakrise wird auch in den Bilanzen der Unternehmen sichtbar sein. Die letzte Wirtschafts- und
Finanzkrise hat sich in der E-Wirtschaft mit einem Minus von 12,0 % auf den Jahresüberschuss

IV
1
niedergeschlagen. Im Jahr 2009 mussten einzelne Unternehmen bei ansteigenden Umsatzerlösen sogar einen
negativen Jahresüberschuss hinnehmen. Daher ist davon auszugehen, dass 2020 für die österreichische E-
Wirtschaft wirtschaftlich sehr herausfordernd wird. Sollten pessimistischere Szenarien Realität werden und die
österreichische Volkswirtschaft nur gering und mit starker Zeitverzögerung wachsen, werden auch die Jahre
2021 bzw. 2022 für die österreichische E-Wirtschaft von hohem ökonomischen Druck geprägt sein.

Stromerzeugung: Marktwert sinkt um bis zu 1 Mrd. Euro

Stromerzeuger sehen sich zwischen März und Mai 2020 im Großhandelsmarkt mit drastisch gesunkenen
Preisen konfrontiert. Auch wenn die Höhe der Stromerzeugung in Österreich nicht direkt durch
volkswirtschaftliche Faktoren wie das Wirtschaftswachstum bestimmt wird, sind für 2020 Umsatz- bzw.
Erlösrückgänge aufgrund des Preisverfalls zu erwarten. Das aktuelle Preisniveau im Day-Ahead-Markt von 20
EUR/MWh liegt deutlich unter dem Jahresmittel 2019 von 40 EUR/MWh. Geht man davon aus, dass sich das
Preisniveau für den Rest des Jahres auf einem niedrigen Niveau von 25 EUR/MWh einpendelt, würde der
2
Marktwert oder das Marktvolumen gegenüber 2019 – bei gleichbleibender Menge – erheblich sinken. Die
gefallenen Terminmarktnotierungen haben darüber hinaus für die wirtschaftliche Bewertung des
Erzeugungsportfolios in den Folgejahren eine negative Auswirkung.

In einem optimistischen Szenario sinkt das Marktvolumen der Stromerzeugung gegenüber dem Vorjahr um
500 Mio. Euro (minus 20,0 %), in einem pessimistischen Szenario sogar um 970 Mio. Euro oder minus 38,0 %
gegenüber 2019.

Mögliche Lücke bei Ökostromfinanzierung

Negative Effekte sind auch für den Ökostromförderbeitrag zu erwarten, der für die Finanzierung der Förderung
von Anlagen für die Erzeugung von Strom auf Basis erneuerbarer Energiequellen relevant ist. Er wird jeweils ex-
ante für das Folgejahr auf Basis von Prognosen festgelegt. Da die Prognose angesichts der bisherigen
Entwicklungen des Jahres und der wirtschaftlichen Situation zu optimistisch angelegt ist, wird sich eine
Finanzierungslücke ergeben, welche im Jahr 2021 über einen erhöhten Ökostromförderbeitrag eingehoben
werden muss. Abhängig vom tatsächlichen Marktpreis im Jahr 2020 könnte die Finanzierungslücke bei
86 Mio. Euro (Marktpreis 40 EUR/MWh) bis 269 Mio. Euro (Marktpreis 25 EUR/MWh) liegen.

1
Vgl. Marktbericht der E-Control für die Jahre 2008 und 2009 verfügbar auf https://www.e-control.at/publikationen/marktberichte
(abgerufen am 28.04.2020)
2
Es handelt sich hierbei um eine volkswirtschaftliche Bewertung der Marktgröße und nicht um betriebswirtschaftliche Kennzahlen
einzelner Unternehmen. Mengen und Preise werden entlang der Markterwartungen und Narrative abgeschätzt. Das Ergebnis zeigt somit
mögliche Bandbreiten der zu erwartenden Veränderungen entlang der entwickelten Narrative und ist nicht als Prognose zu verstehen.

V
Stromvertrieb: Absatz um bis zu 600 Mio. Euro geringer

Für den Stromhandel und den Stromvertrieb sind die geänderten Bedingungen an den Großhandelsmärkten
ebenfalls von Relevanz. Das niedrigere Großhandelspreisniveau bedeutet für den Stromvertrieb, dass im
Vorhinein beschaffte, durch den Absatzrückgang überschüssige Mengen nur zu niedrigeren Preisen wieder
verkauft werden können. Ebenfalls relevant für den Stromvertrieb ist das erhöhte Mengenrisiko. In der Finanz-
und Wirtschaftskrise von 2009 sank die Abgabe an Endkunden um 3,6 %. Vor allem bei der Großindustrie war
der Verbrauchsrückgang mit -14,9 % beträchtlich, während die Abgabe an Haushalte mit +1,3 % sogar leicht
3
anstieg . Durch die Ausgangsbeschränkungen zeigen sich bis Ende Mai Verbrauchsrückgänge in der
Größenordnung von rund 10,0 %. Prognosen gehen davon aus, dass sich dies für den Stromverbrauch des
4
gesamten Jahres 2020 bei einem Minus von rund 5,0 % einpendeln könnte. In Kombination mit einem
Preiseffekt im Industriekundensegment verringert sich die Bewertung des Marktwerts oder Marktvolumens
gegenüber dem Vorjahr deutlich. Soweit das Mengenrisiko bei den Lieferanten liegt, schlägt sich
Verbrauchsrückgang immanent und direkt auf die Umsätze des Vertriebs durch.

Anpassungen bei Teilzahlungsbeträgen sowie vermehrte Stromabschaltungen aufgrund der Verletzung


vertraglicher Pflichten könnten im Jahr 2020 bzw. 2021 ebenfalls relevanter werden. Bis 1. Juni 2020 wurde
vereinbart, dass keine Abschaltungen vorgenommen werden.

In einem optimistischen Szenario sinkt das Marktvolumen des Stromvertriebs/-absatzes gegenüber dem
Vorjahr um 300 Mio. Euro (minus 10,0 %), in einem pessimistischen Szenario sogar um 580 Mio. Euro bzw.
sinkt dieser gegenüber 2019 um 19,0 %.

Stromnetze: Erlöse aus Netztarifen sinken

Stromnetze

Der Bereich Stromnetze ist ebenfalls durch einen Rückgang bei Leistung und Arbeit betroffen. Die
Mindereinnahmen werden zwar letztendlich über das Regulierungskonto ausgeglichen, Liquiditätsprobleme
können aber eine Herausforderung für Netzbetreiber darstellen. Darüber hinaus ist bei der bereits lange
diskutierten Reform der Systemnutzungsentgelte mit weiteren Verzögerungen zu rechnen. Netzbetreiber sind
auch von coronabedingten Einschränkungen der Bautätigkeit und von den Unterbrechungen von Lieferketten
betroffen. Dies trifft etwa auch den Smart-Meter-Roll-out.

3
Marktstatistik E-Control verfügbar auf https://www.e-control.at/statistik/strom/marktstatistik (abgerufen am 27.04.2020)
4
Vgl. https://www.energyquantified.com/blog/fast-or-slow-consumption-recovery (abgerufen am 27.04.2020)

VI
Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG 9
2 WIRTSCHAFTLICHES UMFELD 10
2.1 Auswirkungen der Coronakrise 10
2.2 Ausblick 16
3 EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT 18
3.1 Markteffekte – Stromabsatz 18
3.2 Markteffekte – Großhandelsmarkt 22
3.2.1 Day-Ahead-Markt 22
3.2.2 Terminmarkt 24
3.2.3 Preisentwicklung CO2-Zertifikate und fossile Energieträger 27
3.3 Markteffekte – Endkundenmarkt 29
3.4 Sonstige Effekte 30
3.4.1 Effekte durch geänderte Rahmenbedingungen im Ausland 30
3.4.2 Zahlungsausfälle 30
3.4.3 Stromnetze 31
3.4.4 Ökostromfinanzierung 32
4 AUSBLICK UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE E-WIRTSCHAFT 34
5 LITERATUR 37
6 ABBILDUNGSVERZEICHNIS 43
7 TABELLENVERZEICHNIS 45

VII
EINLEITUNG

1 Einleitung
Ausgehend von der Identifikation des neuen Virus SARS-CoV-2 („Coronavirus“) im Jänner 2020 haben sich
innerhalb weniger Monate in vielen Bereichen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens große
Veränderungen eingestellt. Die globale Ausbreitung der durch das Virus verursachten Erkrankung Covid-19
(„Corona“) mit mehr als sechs Millionen nachgewiesenen Fällen bis Ende Mai 2020 zog zur Eindämmung der
Pandemie in vielen Ländern massive Einschränkungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens nach sich – mit
weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft und Österreich. Während erste Prognosen vom 16. März vom
Institut für höhere Studien (IHS) und Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) von einem BIP-
5
Rückgang von „lediglich“ -2,0 % bis -2,5 % ausgehen, zeichnen spätere Studien mit BIP-Einbrüchen von bis zu -
6 7
9,0 % für 2020 (Bank Austria für Österreich) bzw. -20,0 % (ifo für Deutschland) ein pessimistischeres Bild.
Auch die Energiemärkte wurden in den letzten Monaten durch die, nachfolgend als „Coronakrise“
bezeichneten, Umbrüche und Verwerfungen der Covid-19-Pandemie maßgeblich beeinflusst.

So liegen die Verbrauchseinbrüche bei Strom in Europa bei -5,0 bis -20,0 %, wobei insbesondere der
Großkundenbereich betroffen ist. In der chinesischen Provinz Hubei lag der Stromverbrauch im März 2020, also
8
Monate nach Beginn des dortigen Ausbruchs, 30,0 % unter dem Vorjahr. Die Day-Ahead-Strompreise sanken
ausgehend von einem bereits sehr niedrigen Preisniveau im Mai-Mittel auf knapp 18 EUR/MWh (Feber:
29 EUR/MWh), während das Frontmonat am Terminmarkt um über 30,0 % einbrach. Diese Marktsituation stellt
sowohl die Erzeugung, den Vertrieb als auch das Netz vor wirtschaftliche Herausforderungen. Neben dem
Absatzrückgang ist mit sekundären Effekten wie Zahlungsschwierigkeiten zu rechnen. Vor diesem Hintergrund
behandelt die Studie folgende Fragen:

 Welche direkten Effekte auf die Strommärkte (Erzeugung, Handel & Vertrieb, Netze) machen sich
durch die Coronakrise bereits bemerkbar?
 Wie könnten zukünftige Entwicklungen aussehen? Welche wirtschaftliche Folgen und
Herausforderungen ergeben sich daraus?

Methodisch wird dabei aktuell verfügbares Datenmaterial ausgewertet, insbesondere zum Stromverbrauch und
zu den Strompreisen. Hinsichtlich zukünftiger Entwicklungen werden in dieser Studie explizit keine Modelle
oder Prognosen erstellt. Einerseits sind vor allem Preisprognosen aufgrund der derzeitigen großen Unsicherheit
der Begleitumstände mit einem eher eingeschränkten Mehrwert verbunden. Andererseits kann die vorliegende
Studie auf eine Vielzahl existierender volkswirtschaftlicher Untersuchungen und erste Erfahrungen anderer
Länder zurückgreifen. Auf Basis dieser werden Narrative entwickelt, um mögliche Bandbreiten für zukünftige
Preis- und Mengenentwicklungen zu skizzieren. Damit soll die Studie eine grobe Erstabwägung vor dem
Hintergrund der so entwickelten Sensitivitäten ermöglichen und gleichzeitig zeigen, wie groß die
Herausforderungen der E-Wirtschaft durch die Coronakrise sein können.

In Kapitel 2 wird das durch die Coronakrise veränderte wirtschaftliche Umfeld analysiert und in den Narrativen
ein weiterer Ausblick skizziert. Kapitel 3 widmet sich den direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der
Coronakrise auf die E-Wirtschaft. Im zweiten Teil des Kapitels werden zudem Effekte, die das Marktumfeld
betreffen, wie Zahlungsausfälle und Liquidität, diskutiert. Das abschließende Kapitel 4 beleuchtet die
Herausforderungen für die österreichische E-Wirtschaft.

5
Im Vergleich: Der letzte Wirtschaftseinbruch während der Finanzkrise 2009 ließ in Österreich das BIP um 4,9 % schrumpfen.
6
Siehe (Pudschedl, Schwarz und Wolf 2020)
7
Siehe dazu (Dorn, et al. 2020)
8
Siehe beispielsweise https://ember-climate.org/project/coronavirus_electricity_demand/

9
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

2 Wirtschaftliches Umfeld

2.1 Auswirkungen der Coronakrise

Obwohl die Coronakrise in vielerlei Hinsicht einzigartig ist, lautet der einheitliche Tenor unter Ökonominnen
9
und Ökonomen, dass mit einer wirtschaftlichen Rezession zu rechnen ist . Erste negative Effekte auf das BIP-
Wachstum im ersten Quartal 2020 zeigen sich bereits in der WIFO-Quartalsrechnung von Ende Mai. Verglichen
mit dem ersten Quartal 2019 kam es zu einem spürbaren Rückgang des BIP von 2,9 %. Sowohl die
10
Konsumausgaben der privaten Haushalte als auch die Exporte gingen um jeweils 4,3 % und 4,2 % zurück . Auf
Basis eines wöchentlichen BIP-Indikators geht die Österreichische Nationalbank (OeNB) für den Zeitraum
16. März 2020 bis 24. Mai 2020 von einem kumulierten Verlust von knapp 14 Mrd. Euro oder 4,0 % des BIP
11
2019 aus .

Ein Novum dieser corona-induzierten Wirtschaftskrise ist das gleichzeitige Auftreten von Nachfrage- und
Angebotsschocks. Laut Österreichischem Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) entstehen die
Angebotsschocks in dieser Krise aufgrund von unterbrochenen (globalen) Lieferketten, Grenzkontrollen,
Produktionsstilllegungen und behördlichen Schließungen. Nachfragelimitierende Effekte sind auf eine
steigende Arbeitslosigkeit und die somit sinkende Kaufkraft, aber auch auf eine gedämpfte Nachfrage nach
Exportgütern zurückzuführen. Ein zusätzlicher negativer Effekt ist der Wegfall des Inlandskonsums während der
Zeit der Ausgangsbeschränkungen, welcher noch in der Finanzkrise 2008/2009 eine stützende Funktion der
Konjunktur innehatte (WIFO 2020a). Die damalige Situation ist aufgrund der sehr unterschiedlichen Ursachen
und auch Auswirkungen daher nur bedingt mit der Coronakrise zu vergleichen.

Vor dem Einsetzen der Coronakrise wurde für 2020 noch mit einem leichten Wirtschaftswachstum gerechnet.
So prognostizierte die OeNB im Dezember 2019 ein reales BIP-Wachstum von 1,1 %. Mit Bekanntgabe der
Ausgangsbeschränkungen für Österreich änderte sich der wirtschaftliche Ausblick schlagartig. Die
Einschätzungen zum realen BIP-Wachstum in Österreich für 2020 reichen von -2,0 % bis -9,0 % (siehe Tabelle
1). Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist dabei die Dauer der Einschränkungen und die Intensität der
Rezession. Eine Gemeinschaftsstudie von Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien), WIFO, Institut für Höhere
Studien (IHS) und des International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) prognostiziert für das Jahr
2020 beispielsweise einen realen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 4,0 % bei einer
Ausgangsbeschränkung von neun Wochen. Der Rückgang des BIP erhöht sich jedoch auf 6,0 %, sollte die
Ausgangsbeschränkung für 13 Wochen bestehen (IIASA et al. 2020). Die AutorInnen rechnen damit, dass sich
die österreichische Konjunktur erst 2022 vollkommen von der Coronakrise erholt haben wird. Mit einem
besonders starken Wirtschaftseinbruch rechnet die Bank Austria (BIP-Rückgang von 9,0 % im Jahr 2020).
Einerseits wird die Situation am Arbeitsmarkt kritisch gesehen, was auf den Erwerb langlebiger Konsumgüter
einen negativen Effekt hat. Andererseits sieht die Bank Austria einen Rückgang der Investitionstätigkeit
aufgrund des unsicheren internationalen Umfelds und vorhandener Überkapazitäten. Allerdings erwartet die
Bank Austria eine „V“-Rezession und somit einen starken Zuwachs des BIP von 8,0 % im Jahr 2021.

9
Einschätzung IGM Forum vom 14.03.2020 https://voxeu.org/article/economic-impact-pandemic-igm-forum-survey (abgerufen am
17.04.2020).
10
WIFO-Quartalsrechnung vom 29.05.2020 https://www.wifo.ac.at/news/covid-19-pandemie_bip-
rueckgang_im_i_quartal_2020_um_29_gegenueber_dem_vorjahr_ (abgerufen am 02.06.2020)
11
OeNB-BIP-Indikator vom 24.05.2020 (KW 21) verfügbar auf
https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&ved=2ahUKEwixx9-
7kObpAhXnlYsKHQf9Ck0QFjAAegQIAxAB&url=https%3A%2F%2Fwww.oenb.at%2Fdam%2Fjcr%3Aa8afb0c3-6ad9-4a6d-a9a0-
c6128eca9b1b%2Fwoechentlicher_bip-indikator_der_oenb_KW21.pdf&usg=AOvVaw2CGy0tLn8Jae2UcXseEeC0 (abgerufen am
03.06.2020).

10
WIRTSCHAFTLICHES UMFELD

Arbeitsmärkte
In der Realwirtschaft hinterlässt die Coronakrise deutliche Spuren: Erste Anzeichen deuten auf eine sich
anbahnende Rezession. Die Arbeitslosigkeit stieg seit Mitte März stark an und erreichte ihren vorzeitigen
12
Höhepunkt Mitte April mit einer Anzahl von 588.234 (inkl. SchulungsteilnehmerInnen). Seitdem sind die
Arbeitslosenzahlen leicht rückläufig, befinden sich jedoch noch weit über dem Vorjahresniveau. Konkret waren
13
Ende Mai 2020 noch 517.221 (inkl. 43.921 SchulungsteilnehmerInnen) Personen arbeitslos gemeldet. Das
entspricht einer Arbeitslosenquote von 11,5 % (nach nationaler Berechnungsmethode) und einem Zuwachs
gegenüber dem Vorjahresmonat von 69,7 %.

Tabelle 1: Zusammenfassung der prognostizierten BIP-Entwicklung für Österreich

BIP 2020 BIP 2021


Institut Anmerkung Quelle
[real] [real]
OeNB +1,1 % +1,5 % Stand 12.2019, Pre-Corona (Fenz und Schneider 2019)

Optimistische Szenarien: kurzer Lockdown, keine zweite Welle


IHS -2,0 % - Stand 03.2020 (Kocher, et al. 2020)

WIFO(a) -2,5 % - Stand 03.2020 (WIFO 2020a)


Stand 05.2020, Szenario 1: 5 Wochen Lockdown –
OeNB – Szen. 1 -3,2 % - 5 Wochen Lockerungsphase
(OeNB 2020a)

Stand 04.2020, Best-Case-Szenario: Lockdown bis


IIASA – Szen. 1 -4,0 % +2,7 % Mitte Mai
(IIASA et al. 2020)

Pessimistischere Szenarien: längerer Lockdown, ggfs. zweite Infektionswelle


Fiskalrat -4,6 % - Stand 04.2020, 12 Wochen Lockdown (Fiskalrat Austria 2020)
Stand 04.2020, zweite Infektionswelle wird
WIFO(b) – Szen. 1 -5,2 % +3,5 % „smart“ bewältigt
(Baumgartner, et al. 2020)

(Europäische Kommission
EU-Kommission -5,5 % +5,0 % Stand 05.2020
2020)
Stand 04.2020, Worst-Case-Szenario: Lockdown
IIASA – Szen. 2 -6,0 % +3,5 % bis Mitte Juni
(IIASA et al. 2020)

Pessimistische Szenarien: starke wirtschaftliche Auswirkungen der Coronakrise


IWF -7,0 % +4,5 % Stand 04.2020 (IWF 2020)
Stand 04.2020, schwächere Entwicklung
WIFO(b) – Szen. 2 -7,5 % +1,2 % österreichischer Partnerländer in Q3 und Q4 2020
(Baumgartner, et al. 2020)

Stand 05.2020, Szenario 2: 13 Wochen Lockdown –


OeNB – Szen. 2 -8,1 % - 10 Wochen Lockerungsphase
(OeNB 2020a)

Stand 05.2020, Double-Dip-Szenario 3: 5 Wochen


OeNB – Szen. 3 -8,3 % - Lockdown – 5 Wochen Lockerungsphase. Zweite (OeNB 2020a)
Welle Q4 2020

(Pudschedl, Schwarz und


Bank Austria -9,0 % +8,0 % Stand 04.2020
Wolf 2020)

Die Maßnahmen zur Attraktivierung des Kurzarbeitsmodells haben noch stärkere Zuwächse der Arbeitslosigkeit
12
bisher abfedern können. Mit Stand 01. Juni 2020 befanden sich 1.371.338 Menschen in Kurzarbeit. Zum
Vergleich: Während der Finanzkrise waren im Jahr 2009 nur 60.000 Menschen in Kurzarbeit (Pudschedl,
Schwarz und Wolf 2020). Dies unterstreicht, dass die Coronakrise mit der Finanzkrise nicht direkt vergleichbar
ist.

12
BMAFJ https://www.bmafj.gv.at/Services/News/Aktuelle-Arbeitsmarktzahlen.html (abgerufen am 03.06.2020)
13
AMS, aktuelle Monatsdaten https://www.ams.at/arbeitsmarktdaten-und-medien/arbeitsmarkt-daten-und-arbeitsmarkt-
forschung/arbeitsmarktdaten#aktuelle-monatsdaten (abgerufen am 02.06.2020)

11
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Einen Ausblick auf die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen im Jahr 2020 wird in Tabelle 2 geboten. Es handelt
sich bei der Einschätzung der Arbeitslosenquote um einen Jahresdurchschnittswert. Den pessimistischsten
Ausblick gewährt IIASA et al. mit einem Wert von 12,0 % in ihrem Worst-Case-Szenario (IIASA et al. 2020).
Frühere Studien vom März schätzten die Lage noch etwas optimistischer ein mit einer durchschnittlichen
Arbeitslosenquote von 8,4 %. Noch 2019 betrug die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote 7,4 % (4,5 %
nach EU-Methodik). Die Bank Austria erwartet einen Peak der Arbeitslosigkeit in den kommenden Wochen mit
einer Arbeitslosenquote von über 13,0 % (Pudschedl, Schwarz und Wolf 2020).

Tabelle 2: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Österreich

Arbeitslosenquote
Institut 2020 Quelle
AT-Methodik EU-Methodik

EU-Kommission - 5,8 % (Europäische Kommission 2020)

IWF - 5,5 % (IWF 2020)

IHS 8,4 % - (Kocher, et al. 2020)

WIFO(a) 8,4 % - (WIFO 2020a)

WIFO(b) – Szen. 1 8,7 % - (Baumgartner, et al. 2020)

WIFO(b) – Szen. 2 9,1 % - (Baumgartner, et al. 2020)

IIASA – Szen. 1 10,5 % - (IIASA et al. 2020)


(Pudschedl, Schwarz und Wolf
Bank Austria 11,0 % 7,0 %
2020)

IIASA – Szen. 2 12,0 % - (IIASA et al. 2020)

Staatshaushalt
Die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Bundesregierung werden ein gewaltiges Defizit im Budget mit sich
bringen. Einschätzungen zu Budgetdefiziten und der Verschuldung der öffentlichen Hand im Jahr 2020 werden
einerseits über konjunkturstützende bereits beschlossene Maßnahmen und andererseits über indirekte Effekte
wie verminderte Steuereinahmen durch eine rückläufige Konjunktur berechnet (Fiskalrat Austria 2020). Laut
OeNB-Übersicht vom 08.05.2020 haben die angekündigten fiskalischen Covid-19-Maßnahmen ein Volumen von
ca. 45 Mrd. Euro. Das Maßnahmenpaket setzt sich folgend zusammen:
 Kurzarbeitshilfe: 7 Mrd. Euro
 Steuerstundungen: 10 Mrd. Euro
 COVID-19-Krisenbewältigungsfonds: 28 Mrd. Euro
Im COVID-19-Krisenbewältigungsfonds enthalten sind Kreditgarantien, der Härtefallfonds und der Corona-
Hilfsfonds, welcher die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen erhalten soll (OeNB 2020a).
Die Auswirkungen auf den Staatshaushalt sind in Tabelle 3 aufgeführt. Zu beachten ist, dass der Wissensstand
über die fiskalischen Maßnahmen der Bundesregierung zum Erstellzeitpunkt der Studien unterschiedlich war.
Die Bank Austria schätzt die Lage zur öffentlichen Verschuldung mit 86,0 % des BIP am kritischsten ein
(Pudschedl, Schwarz und Wolf 2020). Zum Vergleich: Noch Ende 2019 betrug die Staatsverschuldung nur 70,4 %
des BIP. Das würde eine Steigerung von beinahe 16 Prozentpunkten bedeuten. Weniger kritisch sehen das
IIASA et al., welche von einer Steigerung von ca. 5 Prozentpunkten ausgehen (IIASA et al. 2020).

Inflation
Erste Anzeichen für einen Rückgang der Inflationsrate waren schon im März ersichtlich. Während die Teuerung
im Feber 2020 noch einen Wert von 2,2 % hatte, sank diese einen Monat später auf 1,6 % (OeNB 2020a). Einer
Prognose der Bank Austria zufolge wird die Inflation im Jahr 2020 auf durchschnittlich 0,9 % sinken. Noch im
Vorjahr belief sich die Teuerungsrate bei 1,5 %. Vor allem die niedrigen Ölpreise und der coronabedingte

12
WIRTSCHAFTLICHES UMFELD

Nachfrageausfall werden preisdämpfend auf die Inflationsrate im Jahr 2020 wirken. Ein Tiefstand der Teuerung
wird in den nächsten Monaten erwartet, und zwar bei einem Monatswert von ca. 0,5 % (Pudschedl, Schwarz
und Wolf 2020). Zusätzlich stehen statistische Ämter bei der Bewertung der Inflation vor der Herausforderung,
dass manche Güter im Warenkorb, z. B. Flüge, im Zeitraum März bis Mai nicht oder nur sehr eingeschränkt
14
verfügbar waren .

Tabelle 3: Entwicklung Budgetdefizit und öffentliche Verschuldung

Öffentliche
Budgetdefizit
Verschuldung
Institut 2020 Quelle
2020
[% des BIP] [% des BIP] [Mrd. €]

IHS - 5,0 % - (Kocher, et al. 2020)

IIASA – Szen. 1 75,0 % - - (IIASA et al. 2020)

WIFO(a) 76,0 % 5,5 % 21,5 (WIFO 2020a)

Fiskalrat – Szen. 2* - 6,1 % 23,5 (Fiskalrat Austria 2020)


(Europäische Kommission
EU-Kommission 78,8 % 6,1 % -
2020)
Fiskalrat – Szen. 1* - 6,6 % 25,6 (Fiskalrat Austria 2020)

IWF - 7,1 % - (IWF 2020)

WIFO(b) – Szen. 1 80,2 % 7,4 % - (Baumgartner, et al. 2020)


(Pudschedl, Schwarz und Wolf
Bank Austria 86,0 % 9,6 % 35,0
2020)
WIFO(b) – Szen. 2 84,5 % 10,0 % - (Baumgartner, et al. 2020)

*Keine Unterscheidung in Szenarien bei der BIP-Prognose, jedoch bei öffentlicher Verschuldung;
Szenario 1: mehr Gewicht Nachfrageschock; Szenario 2: gleiche Gewichtung

Tabelle 4: Entwicklung Inflation


Inflation
Institut 2020 Quelle
[%]

IHS 1,3 % (Kocher, et al. 2020)

WIFO(a) 1,3 % (WIFO 2020a)

EU-Kommission 1,1 % (Europäische Kommission 2020)

WIFO(b) – Szen. 1 0,9 % (Baumgartner, et al. 2020)


(Pudschedl, Schwarz und Wolf
Bank Austria 0,9 %
2020)
WIFO(b) – Szen. 2 0,5 % (Baumgartner, et al. 2020)

IWF 0,4 % (IWF 2020)

Zinsniveau
Die in der Vergangenheit verfolgte expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) erweist sich als
günstige Voraussetzung zur Bewältigung der Coronakrise. Der Leitzins im Euroraum (Hauptrefinanzierungssatz)

14
Siehe Pressemitteilung des IHS vom 26. März 2020 verfügbar auf
https://www.ihs.ac.at/fileadmin/public/2016_Files/Documents/2020/Prognose_Maerz/Pressemitteilung_DE_Prognose_maerz_2020.pdf
(abgerufen am 02.06.2020)

13
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

und der Einlagenzinssatz (Einlagenfazilität) wurden auf ihrem niedrigen Niveau, 0,0 % und -0,5 %, belassen
(Baumgartner, et al. 2020). Dadurch werden Unternehmen und Privathaushalte weiterhin von günstigen
Finanzierungskonditionen profitieren. Schon im Dezember 2019 erreichten Unternehmenskredite bis zu
1 Mio. Euro einen historischen Tiefstand von 1,63 %. Profitieren konnten auch private Haushalte, welche im
Jahr 2019 langfristige Wohnbaukredite mit einem Zinssatz von 1,61 % in Anspruch nehmen konnten. Diese
niedrigen Zinssätze setzen gute Rahmenbedingungen für Investitionen in eine Post-Corona-Welt (OeNB 2020a).

Finanzmärkte
Sensibel auf die Coronakrise reagieren auch die Finanzmärkte. Der österreichische Börsenindex ATX erlitt einen
15
Verfall von fast -50,0 % in nur einem Monat. Noch Mitte Feber befand sich der ATX bei einem Wert von rund
3.200 Punkten. Einen Monat später am 18.03.2020 erreicht er seinen Tiefpunkt bei 1.630,84. Auch im
Nachbarland Deutschland verzeichnet der DAX eine Indexreduzierung von -38,7 % (17.02.2020 – 18.03.2020).
Der EURO STOXX 50 verliert 38,0 % im Zeitraum zwischen 12. Feber und 18. März. Mit Stand 02.06.2020
scheint jedoch die Talfahrt der Börsen vorerst beendet zu sein und alle Indizes zeigen wieder positive
Aufwärtssignale. Am 2. Juni befand sich der ATX bei 2.308,79 Punkten. Ob sich dieser positive Trend fortsetzen
16
wird, ist jedoch unklar.
Sektorale Betrachtung
Eine genauere Betrachtung der österreichischen Wirtschaft lässt erkennen, dass alle Sektoren von der
Coronakrise erfasst sind, es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen und Sektoren
gibt. In Tabelle 5 sind die fünf meist betroffenen Branchen der Coronakrise in Österreich laut Österreichischer
Nationalbank (OeNB) aufgeführt (OeNB 2020b). In dieser Ersteinschätzung der OeNB wurden alle Branchen
einer Bewertung für den Zeitraum zwischen Kalenderwoche 11 und Kalenderwoche 15 (09.03.2020 –
17
12.04.2020) unterzogen. Dafür wurden acht Indikatoren zur Hilfe gezogen, welche die Vulnerabilität der
Branchen darstellen soll. Eine höhere Indexzahl bedeutet dabei eine höhere Vulnerabilität.

Tabelle 5: Fünf meist betroffenen Branchen der Coronakrise in Österreich

15
Vergleich 3-Monatshoch zu 3-Monatstief
16
Eigene Auswertung, Finanzmarktdaten von https://www.finanztreff.de/ (abgerufen am 17.04.2020)
17
Indikatoren: Nachfragerückgang, Aufholmöglichkeiten, Anstieg Arbeitslosigkeit, Anteil behördlicher Schließungen, Personalintensität,
Anteil ausländischer Arbeitskräfte, Abhängigkeit importierter Vorleistungen, Eigenkapitalquote, Kreditausfallswahrscheinlichkeit,
Kurzfristige Nettoliquiditätsposition, nicht ausgenutzte Kreditrahmen in Relation zum Bruttoproduktionswertes

14
WIRTSCHAFTLICHES UMFELD

Vor allem Unternehmen im Tourismus-, Unterhaltungs- und persönlichen Dienstleistungsbereich müssen mit
starken Einbußen rechnen. Unternehmen in den oben genannten Branchen haben engen Kundenkontakt und
kaum nennenswerte Aufholeffekte. Am stärksten betroffen ist der Beherbergungs- und Gastronomiesektor,
welcher mit einem Anteil am BIP von 8,4 % sehr relevant für Österreichs Wirtschaft ist (BMNT 2018a). Aufgrund
der erschwerten Einreisebedingungen wird die ausländische Nachfrage im Jahr 2020 sehr stark zurückgehen.
Das WIFO prognostiziert in diesem Sektor einen Bruttowertschöpfungsrückgang von 27,5 % im Jahr 2020
(verglichen mit 2019; (Baumgartner, et al. 2020)). Die Bank Austria prognostiziert sogar einen Rückgang von
30,0 % (Pudschedl, Schwarz und Wolf 2020).
Auch der produzierende Bereich ist wesentlich von der Coronakrise betroffen. Nachdem in der Industrie die
Dynamik bereits 2019 zurückging, wurde der Effekt durch Produktionsausfälle verstärkt. Laut WIFO ist die
Wertschöpfung im Bereich „Bergbau, Herstellung von Waren, Energie- und Wasserversorgung,
Abfallentsorgung“ im 1. Quartal (Jänner, Feber, März) insgesamt bereits um 5,7 % gegenüber dem
Vorjahreszeitraum zurückgegangen (WIFO 2020), obwohl weitreichende Containment-Maßnahmen in
Österreich erst Mitte März ergriffen wurden. Die Bank Austria geht davon aus, dass die Industrieproduktion
2020 (real) im Vergleich zum Vorjahr um 8,0 % zurückgehen wird (UniCredit Bank Austria AG 2020b). Damit
wären die Einbußen der österreichischen Industrie in der Coronakrise geringer als in der Finanzkrise 2009, in
der die Produktion um 12,7 % abnahm (UniCredit Bank Austria AG 2020a).
Die sektorale Betrachtung verdeutlicht auch die Herausforderungen für ein Land wie Österreich, welches im
Vergleich zu anderen Ländern der EU sowohl eine hohe Tourismusintensität wie auch einen hohen Anteil der
produzierenden Industrie am BIP aufweist. Zudem gibt es hinsichtlich des Anteils der beiden Sektoren an der
Wertschöpfung große regionale Unterschiede, sodass lokal und regional gesehen verstärkte negative Effekte
auftreten können.

Wirtschaftliche Lage wichtiger Partnerländer

Eine negative Entwicklung der Wirtschaft bei wichtigen Handelspartnern wirkt sich einem exportorientierten
Land wie Österreich besonders negativ aus. Tabelle 6 zeigt aktuelle Konjunkturprognosen der drei wichtigsten
18
Exportpartner Österreichs: Deutschland, USA und Italien . Besonders stark betroffen von der Covid-19-
Pandemie sowohl aus medizinischer Sicht als auch aus konjunktureller Sicht ist Italien. Der Internationale
Währungsfonds prognostiziert einen realen BIP-Rückgang von 9,1 % im Jahr 2020. Die EU-Kommission erwartet
sogar einen Einbruch des BIP um 9,5 %. Durch die enge Verwicklung der österreichischen Wirtschaft mit der
18
deutschen (ca. 30,0 % des Exports ) sollte ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der deutschen
Wirtschaft geworfen werden. Die Prognosen reichen von -2,8 % bis zu -20,6 %. Eine Auswahl an Studien sind in
Tabelle 6 zusammengefasst.
Die Covid-19-Pandemie wird auch in Osteuropa, welche ebenfalls für die E-Wirtschaft von Relevanz ist,
wirtschaftliche Spuren hinterlassen. Davon am stärksten betroffen ist Kroatien. Durch seinen starken
Tourismussektor, welcher einen Anteil von 25,1 % am BIP hat, ist Kroatien den Folgen der Coronakrise
besonders ausgesetzt und wird Prognosen zufolge einen BIP-Rückgang von 9,0 % verzeichnen. Ein weiterer
problematischer Faktor ist die Verschuldung der öffentlichen Hand, welche in Kroatien, aber auch in Slowenien
19
bei ca. 70,0 % liegt . Durch eine hohe Vorverschuldung könnten die budgetären Möglichkeiten eines
ökonomischen Stimulus-Paketes beeinträchtigt werden.

18
Exportwirtschaftsbericht der WKO https://www.wko.at/service/aussenwirtschaft/exportwirtschaft.pdf (abgerufen am 24.04.2020)
19
Wiiw Covid-19 tracker for Eastern Europe vom 07.04.2020 https://wiiw.ac.at/eastern-europe-coronavirus-tracker-still-a-long-way-to-go-
n-433.html (abgerufen am 24.04.2020)

15
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Tabelle 6: Konjunkturprognosen selektierter Länder

Prognose BIP
Land Institut Anmerkung Quelle
2020

Bei einem zweimonatigem


-7,2 % bis -11,2 %
Lockdown
ifo (Dorn, et al. 2020)
-10,0 %
Bei einem dreimonatigem Lockdown
bis -20,6 %
- 4,5 % Lockdown bis Ende April
ifW Kiel (Kooths und Rauck 2020)
-8,7 % Lockdown bis Ende Juli

Deutschland -2,8 % Basisszenario

Risikoszenario (ausgeprägtes V),


Sach- -5,4 % (Feld, Truger und Wieland
Wachstum 2021 von +4,9 %
verständigenrat 2020)
Risikoszenario (ausgeprägtes U),
-4,5 % langsames Wachstum 2021 mit
+1,0 %
(Europäische Kommission
EU-Kommission -6,5 % -
2020)
S&P Global -5,2 % - (S&P Global 2020)
USA
IWF -5,9 % - (IWF 2020)
(Europäische Kommission
EU-Kommission -9,5 % -
Italien 2020)
IWF -9,1 % - (IWF 2020)

2.2 Ausblick

Allen Wirtschaftsprognosen gemeinsam ist, dass unterschiedliche Annahmen hinsichtlich Dauer und Intensität
der Krise zugrunde liegen, was jeweils in unterschiedlichen Ausprägungen der Auswirkungen resultiert. Grob
können mögliche Narrative und Szenarien hinsichtlich ihrer Effektivität in punkto Viruseindämmung und
Konjunkturmaßnahmen unterschieden werden (McKinsey & Company 2020). Darüber hinaus spielt die
regionale Ausprägung eine wesentliche Rolle. Aktuell ist die Betroffenheit der einzelnen Länder hinsichtlich
Fallzahlen und Eindämmungsmaßnahmen (wie beispielsweise Dauer der Ausgangsbeschränkungen) recht
unterschiedlich. Auch der Spielraum für Konjunkturpakete kann je nach Land und Region stark variieren.
Gerade für ein exportorientiertes Land wie Österreich wird es daher auch entscheidend sein, wie wichtige
Partnerländer mit der Coronakrise umgehen bzw. wie sich die Weltwirtschaft entwickelt.

Abbildung 1 fasst die wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der verschiedenen ökonomischen Narrative


zusammen. Laut McKinsey (2020) sind Szenarien für eine in den meisten Ländern erfolgreiche Eindämmung des
Coronavirus mit zumindest partiell effektiven konjunkturellen Gegenmaßnahmen am wahrscheinlichsten.
Jedoch ist aus der Bandbreite der für Österreich, die EU und relevanten Partnerländer verfügbaren Studien klar,
dass die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung sehr hoch ist. Fasst man die unterschiedlichen
Annahmen in drei Narrativen zusammen, so ergibt sich folgender Ausblick:

In einem optimistischen Narrativ erfolgt in allen betroffenen Ländern eine rasche und effektive Eindämmung
des Coronavirus (1) und die Lockerung der Beschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens
erfolgt innerhalb weniger Wochen. Durch effektive, aber weniger wirtschaftlich einschränkende Maßnahmen
wird die weitere Ausbreitung des Virus bis zur Entwicklung eines Impfstoffes verhindert. Besonders betroffene
Sektoren werden mit entsprechenden wirtschaftlichen Maßnahmen unterstützt und das Wirtschaftswachstum

16
WIRTSCHAFTLICHES UMFELD

erholt sich rasch auf ein Niveau vor dem Ausbruch der Pandemie („V“-Rezession). Dies gilt sowohl für
Österreich als auch für die für Österreich wichtigen wirtschaftlichen Partnerländer. Studien, die diesem Narrativ
folgen, rechnen mit einem Einbruch des Wirtschaftswachstums von -2,0 % bis -4,0 % im Jahr 2020 (siehe auch
Tabelle 1). In einem optimistischen Narrativ erholt sich die Wirtschaft rasch und kehrt spätestens Mitte 2022
auf das Vor-Corona-Niveau zurück.

Ein pessimistisches Narrativ geht davon aus, dass die Eindämmung der globalen Pandemie nur kurzfristig
gelingt und dass es durch die Lockerung der Eindämmungsmaßnahmen zu einem erneuten Anstieg der
weltweiten Covid-19-Fälle kommt (2). Während eine österreichische umsichtige Handhabung einer zweiten
Infektionswelle – also ohne neuerlichem generellen Lockdown – möglich erscheint, geht ein pessimistisches
Narrativ jedenfalls von einer länger anhaltenden „U“-Rezession aus. Ein Hauptrisiko dafür ist für eine
integrierte Volkswirtschaft wie Österreich die weltweite Entwicklung. In diesem Fall kann es zu einem BIP-
Einbruch von -7,5 % kommen (Baumgartner, et al. 2020). Wenn man zusätzlich in Österreich von einem
zweiten längeren Lockdown ausgeht, dann wäre im pessimistischen Narrativ mit noch höheren Einbrüchen im
Wirtschaftswachstum zu rechnen. Zudem ist für die Jahre 2021 und 2022 im Vergleich zum optimistischeren
Narrativ mit einem niedrigeren Wirtschaftswachstum zu rechnen, was zur Folge hat, dass das Vorkrisenniveau
deutlich später wieder erreicht wird.

Als weniger wahrscheinlich gilt derzeit ein Worst-Case-Szenario, in dem eine wenig nachhaltige Eindämmung
des Coronavirus (3) von wenig effektiven konjunkturellen Steuerungsmaßnahmen begleitet wird. Zusätzlich
weitet sich die Pandemie auf Länder aus, die bisher weniger von dem Coronavirus betroffen waren. Dies führt
zu einem Überschwappen der Wirtschaftskrise auf den Finanz- und Bankensektor und einer nachhaltigen „L“-
Rezession. Die Rolle bzw. Stabilität des Banken- und Finanzsektors ist dabei ein zentraler Risikofaktor (WIFO
2020a). In den bis Ende Mai veröffentlichten Studien für Österreich gibt es keine Szenarien, die diesen Worst
Case quantifizieren. Der Worst Case wird daher in weiterer Folge nicht betrachtet.

Abbildung 1: Wesentliche Unterscheidungsmerkmale für mögliche ökonomische Narrative

17
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

3 Effekte auf die österreichische E-


Wirtschaft
Unmittelbar hat die Coronakrise durch den einhergehenden Verbrauchsrückgang und Preisverfall einen Effekt
auf die Strommärkte und somit die gesamte österreichische E-Wirtschaft. Besonders im Stromgroßhandel
beschleunigte die Coronakrise den bereits im Feber 2020 einsetzenden Preisrückgang in den kurzfristigen
Märkten (Day-Ahead-Markt). An den Endkundenmärkten kann der Absatzrückgang, vor allem bei länger
andauernden Einschränkungen, für entsprechende wirtschaftliche Aufgabenstellungen im Vertrieb, aber auch
im Netzbereich sorgen. Generell ist das zu erwartende schwierige wirtschaftliche Umfeld für die
Energieversorgung eine Herausforderung, die mit zusätzlichen Effekten einhergeht wie Zahlungsausfälle und
Liquiditätsrisiko bei KundInnen, aber auch Insolvenzen von Geschäftspartnern.

Im nachfolgenden Kapitel werden die direkten Markteffekte und sonstige Effekte auf die österreichische E-
Wirtschaft beleuchtet. Abschließend gibt das Kapitel einen Ausblick im Sinne der in Kapitel 2.2 vorgestellten
Narrative. Es bildet die Basis für die in Kapitel 4 skizzierten wirtschaftlichen Problemstellungen und Risiken für
die österreichische E-Wirtschaft.

3.1 Markteffekte – Stromabsatz

Die Folgen der Coronakrise und der damit verbundenen Maßnahmen zur Einschränkung der Verbreitung des
Virus ziehen, neben den Strompreisverwerfungen, auch eine Verringerung der Stromnachfrage mit sich. Im
Zeitraum seit Bestehen der Ausgangsbeschränkung vom 16.03.2020 bis zum 31.05.2020 hat sich die
20
österreichische Stromlast, verglichen mit dem Jahr 2019, um durchschnittlich 10,0 % (temperaturbereinigt )
21
reduziert. Abbildung 2 zeigt die Abweichungen im Vergleich zum Vorjahr (2019 = 100) auf Tagesbasis . In
dieser Betrachtungsweise wird deutlich, dass der Beginn der Ausgangsbeschränkungen, vor allem an den
Werktagen, zu einem deutlichen Verbrauchsrückgang geführt hat. An den Sonntagen, insbesondere am 15. und
am 22. März, kam es temperaturbereinigt hingegen zu einem Verbrauchsplus im Vergleich zum Vorjahr von
knapp 7,0 % bzw. 12,0 %. Die Osterwochenenden 2019 und 2020 unterscheiden sich hingegen nicht so
drastisch voneinander. Der Stromlastrückgang am Ostermontag im Vergleich zum Ostermontag 2019 von gut
5,0 % fällt sogar relativ moderat aus. Andere Feiertage sind ebenfalls mit Verbrauchsabweichungen von 30,0 %
deutlich erkennbar.

In Summe bedeutet dies trotzdem im Vergleich zum Referenzzeitraum des Vorjahres einen Absatzrückgang von
1.322 GWh. Im Vertriebs- und Netzbereich führt der geringere Verbrauch zu einem unmittelbaren Rückgang
der Einnahmen in diesem Zeitraum. Während dies nur 2,0 % der Jahresabgabe an Endkunden entspricht, ist
entscheidend, wie sich die Situation im Rest des Jahres weiterentwickelt. Im optimistischen Narrativ würden
sich der Wirtschaftseinbruch und somit auch der Stromverbrauch entsprechend rasch erholen. Im
pessimistischen Narrativ wäre mit einer deutlichen Auswirkung weiter über 2020 hinaus zu rechnen (siehe
auch Ausblick in Abschnitt 4).

20
Temperaturbereinigung mit einem Sensibilitätsfaktor von -0,8 %/K. Daten aus E-Control-Studie 2005 https://www.e-
control.at/documents/1785851/1811528/WP15_TEMPVER_DOKU.pdf/7dab5eaf-4013-429a-bf08-06b744131440?t=1413907614262
(abgerufen am 20.04.2020)
21
Um einen möglichst validen Vergleich zu erhalten, wurden die jeweiligen Wochentage verglichen. Damit die Wochentage synchron
verlaufen, wurde das Jahr 2020 um zwei Tage adjustiert. Dadurch wurde beispielsweise Sonntag, der 03. März 2019, mit Sonntag, dem
01. März 2020, synchronisiert.

18
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Abbildung 2: Relative Stromlast in Österreich im Vergleich zu 2019

Kundensegmente und Branchen


Die Betroffenheit ist auch entlang der Kundensegmente sehr unterschiedlich. Bei den Haushalten wurde durch
erhöhte Präsenz im Eigenheim (Homeoffice, Ausgangsbeschränkung) sogar ein Verbrauchsanstieg verzeichnet.
22
Dadurch kann der Stromverbrauch bis zu einem Drittel pro Tag ansteigen . Im Bereich des Gewerbes und der
Industrie gibt es hingegen Unterschiede in der Betroffenheit der einzelnen Branchen. Dies kann für
Vertriebsunternehmen, die vor allem bestimmte Branchen im Portfolio betreuen, mit einem zusätzlichen Risiko
behaftet sein, vor allem wenn die wirtschaftlich stark betroffenen Bereiche einen hohen Anteil am
Gesamtabsatz haben.

Kombiniert man die wirtschaftliche Betrachtung mit dem Strombedarf der einzelnen Branchen, erhält man
einen Überblick über besonders exponierte Bereiche (Tabelle 7). Konkret kann aus dem jährlichen Strombedarf
23
und dem Vulnerabilitätsindex der OeNB ein Ranking erstellt werden. Ein besonders hohes Absatzrisiko gibt es
im Beherbergungs- und Gastronomiesektor. In der Zeit der Ausgangsbeschränkung besteht für diese Branche
kaum Möglichkeit der wirtschaftlichen Aktivität und somit wirkt sich dies auch auf den Stromverbrauch
drastisch aus. Stark betroffen sind auch der Landverkehr und hier insbesondere der Schienenverkehr. Handel
und Einzelhandel sowie die Herstellung von Nahrungsmitteln, Getränken und Futtermitteln finden sich
ebenfalls in den Top 5. Danach finden sich im Ranking Branchen aus dem produzierenden Bereich:

 Herstellung von Kraftwagen und -teilen


 Herstellung von chemischen Erzeugnissen
 Metallerzeugung und -bearbeitung
 Kokerei und Mineralölverarbeitung
 Herstellung von Glas/-waren, Keramik u.Ä.

Mit der Aufhebung der Ausgangsbeschränkung werden Lieferkettenproblematiken und Langzeitnachfrage-


einbußen, beispielsweise im Tourismussektor, stärker ins Gewicht fallen.

22
Salzburger Nachrichten vom 22.03.2020 https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/energieverbrauch-in-wien-durch-coronakrise-
gesunken-85232155 (abgerufen am 12.05.2020)
23
Grundsätzlich ist dieser von 09.03.2020 bis 12.04.2020 gültig und bietet keine Prognose. Beide Parameter wurden gleich gewichtet.

19
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Tabelle 7: Sektorale Querschnittstabelle von Strombedarf und OeNB-Vulnerabilitätsindex

Entwicklung in Europa
Wagt man einen Blick über die Landesgrenzen, liegt Österreich mit seinen 10,0 % Stromlastrückgang im
europäischen Mittelfeld. In Abbildung 3 wurde genau dieser Vergleich mit einigen ausgewählten Ländern
gemacht. Dafür wurde der Zeitraum für alle Länder seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkungen in
Österreich (16.03.2020) bis zum 31.05.2020 betrachtet. Für den Ländervergleich wurden Länder mit einer
starken Betroffenheit durch die Covid-19-Pandemie gewählt (Spanien und Italien), aber auch Länder mit hoher
Relevanz für die österreichische E-Wirtschaft.

Die größte Stromlastreduzierung ist in Italien zu verzeichnen, dicht gefolgt von Belgien. Italien verzeichnet
einen Lastrückgang von 17,5 % und Belgien einen Lastrückgang von 15,8 %. Frankreich nimmt in diesem
Ranking Platz drei mit 15,0 % Rückgang ein. Am geringsten wirkt sich die Coronakrise auf die Stromlast von der
Schweiz und Deutschland aus. Die Schweiz verzeichnet einen Rückgang von 5,4 %, während es in Deutschland
6,6 % sind.

Abbildung 3: Stromlastrückgang einiger ausgewählter europäischer Länder

20
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Eindeutig lässt sich die Situation für Spanien und Italien beschreiben. Beide Länder wurden sehr früh von der
Coronakrise erfasst. Vor allem anfangs konnte sich der SARS-CoV-2-Virus in diesen beiden Ländern ungehindert
verbreiten, womit die Eindämmung der Covid-19-Krankheit nur noch mit sehr drastischen Maßnahmen wie
Ausgangssperren zu erreichen war. In Italien wurde schon am 10. März 2020 das ganze Land zu einer Sperrzone
24 25
erklärt . Vier Tage später wurde auch in Spanien eine Ausgangssperre ausgerufen . Beide Länder haben sehr
strikte Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronakrise getroffen, was sich auch in der Stromlast erkennbar
macht, da diese nahezu kontinuierlich unter dem Niveau von 2019 befindet (siehe Abbildung 4).

Abbildung 4: Relative Stromlast Südeuropa

Fazit
Sowohl die Situation in Österreich als auch die Entwicklung in anderen Ländern deuten darauf hin, dass 2020
mit einem Absatzrückgang, vor allem im Großkundensegment, zu rechnen ist. Besonders exponiert sind
Vertriebsunternehmen mit einem großen Anteil an Industrie- und Gewerbekunden in den Branchen
Gastronomie- und Beherbergung, elektrifizierter Schienenverkehr (z. B. Straßenbahn), Handel und
Einzelhandel, aber auch der produzierenden Industrie. Auch der Umgang mit der kommenden Skisaison – dies
betrifft sowohl die allgemeine Reisefreiheit wie auch der behördliche Umgang mit Gastronomie, Beherbergung
und Seilbahnen – kann im Alpenraum ein Faktor für Stromversorger sein. In einem optimistischen Narrativ
wäre aufgrund der raschen wirtschaftlichen Erholung mit einer schnellen Rückkehr zum Vorkrisen-
Stromverbrauchsniveau zu rechnen. Auf Basis der Erfahrungen der Finanzkrise 2009 und Prognosen von Energy
26
Quantified kann man davon ausgehen, dass sich die Verbrauchsrückgänge zwischen 4,0 und 5,0 % einpendeln
würden. In einem pessimistischen Narrativ, in dem es (zumindest punktuell oder branchenweise) zu erneuten
Einschränkungen bzw. einer längeren und tiefer greifenden Rezession kommt, wäre mit stärkeren und über
2020 hinausgehenden Absatzrückgängen zu rechnen. Nimmt man für diesen Fall Anlehnungen an die
Prognosen für Spanien und Italien bzw. an die Entwicklungen in den stark betroffenen Ländern, dann könnte in
diesem Fall von Verbrauchsrückgängen von 10,0 % ausgegangen werden.

24
CNBC https://www.cnbc.com/2020/03/10/italy-in-national-lockdown-heres-what-it-means.html (abgerufen am 27.04.2020)
25
BBC https://www.bbc.com/news/world-europe-52380654 (abgerufen am 27.04.2020)
26
Vgl. https://www.energyquantified.com/blog/fast-or-slow-consumption-recovery (abgerufen am 27.04.2020)

21
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

3.2 Markteffekte – Großhandelsmarkt

Im Stromgroßhandel sind die Effekte der Auswirkungen der Coronakrise grundsätzlich direkt ablesbar. Parallel
zu den durch die Coronakrise bedingten Nachfragerückgängen (siehe Abschnitt 3.1) traten jedoch zwischen
März und Mai 2020 auch andere Faktoren ein, die ebenfalls einen Preisrückgang begünstigten. Die
Terminmärkte hingegen spiegeln klar die Erwartungen der Händler eines schwierigen Marktumfeldes in den
nächsten Monaten wider. Der nachfolgende Abschnitt betrachtet zuerst die Entwicklung im Day-Ahead-Markt,
gefolgt von den wichtigsten Terminmarktprodukten. Neben der Entwicklung in Österreich wird auch der CWE-
27
Raum , allen voran die Preisabweichungen zu Deutschland, mitbetrachtet.

3.2.1 Day-Ahead-Markt

An den Day-Ahead-Märkten gab es nach Einsetzen der Ausgangsbeschränkungen in den betroffenen Ländern
einen merklichen Preisverfall. Tabelle 8 zeigt die Entwicklung in den Ländern der lastflussbasierten
Marktkopplung der Central–West-Europe-Region (CWE) sowie den in Kontinentaleuropa von der Coronakrise
besonders stark betroffenen Ländern Italien und Spanien. Dabei zeigt sich im Vergleich zur Woche vor den
Ausgangsbeschränkungen ein Rückgang von knapp 20,0 %. Der Preisrückgang fiel in Belgien am deutlichsten
aus, während in Italien (Central North) die Preise lediglich um knapp 5,0 % sanken. Im Vergleich zur
Vorjahreswoche fielen die Preise beinahe 50,0 %, was auf das deutlich geringere Preisniveau im Jahr 2020
zurückzuführen ist. In Österreich sanken die Day-Ahead-Preise in der KW 12 um gut 4 EUR/MWh bzw. 16,0 %
gegenüber KW 11. In Deutschland lag das resultierende Wochenmittel sogar bei unter 20 EUR/MWh. Aktuell
liegen die Preise im CWE-Raum zwischen 15 und 18 EUR/MWh (KW 22: 25. bis 31. Mai 2020). In Frankreich war
somit das Preisniveau nur halb so hoch wie in der Woche vor den Ausgangsbeschränkungen, in Österreich
immerhin um gut 30,0 % niedriger.

Tabelle 8: Europäische Day-Ahead-Preise im Wochenmittel vor und nach Beginn der Ausgangsbeschränkungen

Erste Woche Vorwoche Veränderung Vorjahres- Veränderung Ende Mai


der Vorwoche woche Vorjahres- KW 22:
Maßnahmen* woche 25.–31. Mai
[Einheit] EUR/MWh EUR/MWh % EUR/MWh % EUR/MWh
Deutschland 17,61 21,34 -17,0 % 36,45 -52,0 % 18,04
Österreich 22,16 26,31 -16,0 % 38,86 -43,0 % 17,78
Niederlande 22,45 27,44 -18,0 % 40,03 -44,0 % 17,68
Belgien 21,01 27,30 -23,0 % 40,58 -48,0 % 15,60
Frankreich 21,29 26,66 -20,0 % 39,32 -46,0 % 14,39
Italien 35,88 37,49 -4,0 % 55,47 -35,0 % 23,62
Spanien 28,55 34,41 -17,0 % 50,14 -43,0 % 27,54
Anmerkungen: *In den meisten Ländern wurden die ersten Maßnahmen in der KW 12, also in der Woche ab 16. März, implementiert. Der
Beginn der Ausgangsbeschränkungen wird in Deutschland mit KW 13 festgelegt, d. h. nach der Einigung zwischen Bund und Länder (siehe
z. B. https://www.tagesschau.de/inland/kontaktverbot-coronavirus-101.html). In den Niederlanden wurde der Beginn der
Schulschließungen herangezogen (KW 12), in Italien der 09. März. Bei Italien wurde die Gebotszone Central-North ausgewertet. Für Italien
fehlen die Preise vom 24. März 2020. (Datenquelle: ENTSO-E Transparency Platform, Berechnungen: Österreichische Energieagentur)

Eingebettet ist diese Entwicklung allerdings in einen bereits im Feber 2020 einsetzenden Preisverfall. Starke
Windeinspeisung ließen in diesem Monat die Preise im CWE-Raum und auch in Österreich bereits auf unter
30 EUR/MWh fallen, in Deutschland sogar auf annährend 20 EUR/MWh im Monatsmittel. Im Jahr 2019 und im
Jänner 2020 lagen die Day-Ahead-Preise im Mittel in Österreich hingegen noch bei rund 40 EUR/MWh. Im März

27
Central West Europe Region mit den Preiszonen Belgien, Deutschland-Luxembourg, Frankreich, Niederlande und Österreich.

22
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

2020 sank dieser Wert auf knapp 25 EUR/MWh, während das April- und das Mai-Monatsmittel bei rund
18 EUR/MWh lagen. Neben dem durch die Coronakrise bedingten Nachfragerückgang sind auch die sonnigen
Tage und der milde März und April mit hoher Photovoltaik-Einspeisung (PV) ein Mitgrund für den Preisdruck an
den Großhandelsmärkten.

Ein deutlicher Rückgang war auch bei den Preisdifferenzen (Spreads) zwischen Deutschland und Österreich zu
beobachten (siehe Abbildung 5 mit den Spreads auf Tagesbasis). Während im Feber 2020 die österreichischen
Day-Ahead-Preise im Durchschnitt noch mehr als 7 EUR/MWh über den deutschen Preisen lagen, sank der
Spread zwischen den beiden Ländern im März auf rund 2 EUR/MWh. Mit April 2020 lag der Spread bei rund
1,2 EUR/MWh. Obwohl es in diesem Monat in einzelnen Stunden zu starken Preisabweichungen kam – allen
voran am 21. April –, waren die Preisdifferenzen ansonsten gering ausgeprägt. An diesem Tag kam es aufgrund
28
hoher Wind- und Rekord-PV-Einspeisungen von über 30 GW am Nachmittag in Deutschland, Belgien und
Spanien zu stark negativen Preisen. Es war laut EPEX Spot auch der erste Werktag mit einem negativen
29
Baseload-Index . Im Mai kehrte sich die Situation um und der Spread war im Monatsmittel sogar leicht
negativ.

Allerdings ist diese Preisbewegung für die Frühjahrsmonate tendenziell zu erwarten, da sich mit vermehrtem
Einsetzen der Wasserkrafterzeugung die Merit-Order in Österreich entsprechend verschiebt. Auch war der
März nicht mehr von den sehr ausgeprägten Windereignissen (z. B. Sturmtief „Sabine“) geprägt. So waren
Preisdifferenzen zwischen Österreich und Deutschland im Feber dann besonders hoch, wenn in Deutschland
aufgrund der sehr hohen Windeinspeisung negative Preise bzw. sehr niedrige Preise zu beobachten waren,
während die Day-Ahead-Preise in Österreich nicht so stark verfielen. Im Feber 2020 gab es beispielsweise in
Deutschland 85 Stunden mit negativen Preisen, während dies in Österreich lediglich in acht Stunden der Fall
war. Im März bzw. April lagen diese Werte bei jeweils 40/40 (DE) bzw. 16/25 (AT) Stunden. Auch im Mai kam es
in beiden Ländern in über 30 Stunden zu negativen Preisen. Im April des Vorjahres waren dies 18 bzw. 14
Stunden in Österreich und Deutschland. Auch hier waren die hohe PV-Einspeisung sowie die geänderte
Nachfragesituation mitverantwortlich.

Abbildung 5: Preisdifferenzen im Day-Ahead-Markt zwischen Deutschland und Österreich (Tagesmittelwert)

28
Siehe ENTSO-E-Transparency-Plattform
29
https://www.energate-messenger.de/news/201875/erstmals-baseload-spotpreis-am-werktag-negativ abgerufen am 27.04.2020

23
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

3.2.2 Terminmarkt

Neben dem Day-Ahead-Markt sind für die langfristige Absicherung für Stromerzeuger und den Stromvertrieb
die diversen Terminmarktprodukte ein zentraler Benchmark im Markt. Es werden einerseits die
Settlementpreise für die österreichische Produktschiene der EEX „Phelix-AT“ dargestellt. Aufgrund der
mangelnden Liquidität der Produkte wird auch auf die Preisdifferenzen zu den liquideren „Phelix-DE“-
Produkten eingegangen. Anschließend werden die Veränderungen der gehandelten Volumina sowie die
Preisentwicklungen der wichtigsten Primärenergieträger und der Emissionszertifikate diskutiert.

Vergleicht man die Durchschnittspreise von unterschiedlichen Produkten und Rohstoffen im 1. Quartal 2019
mit den Durchschnittspreisen aus dem 1. Quartal 2020 ist zu beobachten, dass die Durchschnittspreise aller
Produkte und Rohstoffe im 1. Quartal 2020 niedriger waren als im 1. Quartal 2019. Einzige Ausnahme bildet
hier der CO2-Preis. Dieser ist im Vergleich um 2,0 % gestiegen. Vergleicht man die Durchschnittspreise vom
März 2019 mit jenen vom März 2020, ist ein noch stärkerer Preisrückgang zu verzeichnen. Auch der CO 2-Preis
ist in dieser Betrachtung um 9,0 % gesunken.

Cal-21 Base Q3-20 Base EUA Dec-20 Brent Gas Cal-21 TTF Kohle API2

Q1-19 vs. Q1-20 -12,0 % -21,0 % +2,0 % -16,0 % -26,0 % -36,0 %

Mar19 vs. Mar20 -17,0 % -29,0 % -9,0 % -42,0 % -32,0 % -34,0 %


Tabelle 9: Prozentuelle Änderungen des Durchschnittspreises für unterschiedliche Rohstoffe und Produkte

Bei den Base- und Peak-Spreads ist zu beobachten, dass diese bei Produkten mit naher Lieferung gesunken
sind, bei Produkten, die weiter in der Zukunft liegen, jedoch keine große Veränderung aufweisen. Der Spread
zwischen Base und Peak für das Kalenderjahr 2021 ist im April 2020 sogar um 2,0 % gestiegen. Auch die
Preisdifferenz zwischen Österreich und Deutschland hat sich im April nur gering verändert. Für das
Kalenderjahr 2021 ist im April ein Rückgang der Preisdifferenz um 2,0 % zu beobachten.

PxB April-20 AT PxB Q2-20 AT PxB Cal-21 AT ATxDE Cal-21

Front-Half April vs. Back-Half April -22,0 % -15,0 % +2,0 % -2,0 %


Tabelle 10: Prozentuelle Änderungen des Durchschnittspreises von der ersten Aprilhälfte auf die zweite Aprilhälfte 2020

Jahreskontrakte
Längerfristig betrachtet zeigt sich, dass die Settlementpreise der Base-Jahreskontrakte seit Beginn des
4. Quartals 2019 eher rückläufig waren. Mit den Ausgangsbeschränkungen und Schließungen von
Produktionsstätten ist vor allem im März 2020 ein starker Preisverlust aller Base-Jahreskontrakte zu
beobachten. Das Frontjahr fiel auf ein Preisniveau von deutlich unter 40 EUR/MWh (siehe Abbildung 6).
Vergleicht man die unterschiedlichen Jahreskontrakte, ist zu erkennen, dass sich alle Kontrakte ähnlich
entwickelt haben. Der deutliche Aufschlag für die Kontrakte 2021 und 2022 deutet darauf hin, dass die Händler
derzeit nicht von einem pessimistischen Narrativ ausgehen, sondern mit einem wirtschaftlichen Rebound
rechnen, auch wenn die Notierungen mit Ende Mai noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht haben.

Quartalskontrakte
Die Quartalskontrakte, die den Stromterminmarkt in Österreich vom 01. April 2020 bis 31.März 2021 abbilden,
zeigen, dass seit dem 4. Quartal 2019 die Preise rückläufig sind. Diese Entwicklung hat bereits vor Ausbruch der
durch SARS-CoV-2 verursachten Pandemie eingesetzt und kann daher nicht ausschließlich darauf zurückgeführt
werden. Zu beobachten ist jedoch, dass im März 2020 die Preise aller betrachteten Quartalskontrakte
zwischenzeitlich massiv eingebrochen sind, was auf die Coronakrise zurückgeführt werden kann. Auch hier hat

24
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

die Erholung relativ rasch eingesetzt, was darauf hindeutet, dass Marktteilnehmer aktuell von einem eher
optimistischen Narrativ ausgehen. Trotzdem ist das Preisniveau auf den Terminmärkten im Vergleich zum
Vorjahr niedriger, eben auch weil die Ausgangssituation bereits von einer Abwärtsbewegung geprägt war.

Strom Jahreskontrakte Österreich [EUR/MWh]


60

55

50

45

40 YearBase 2021
Year Base 2022
Year Base 2023
35
01/19 03/19 05/19 07/19 08/19 10/19 12/19 02/20 04/20
Quelle: EEX | Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Abbildung 6: Preisverlauf Year-Base-Produkte von Jänner 2019 bis Mai 2020

Strom Quartalskontrakte Österreich [EUR/MWh]


65

60

55

50

45

40

35 Base Q2-20
30 Base Q3-20
25 Base Q4-20
Base Q1-21
20
01/19 03/19 05/19 07/19 08/19 10/19 12/19 02/20 04/20
Quelle: EEX | Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Abbildung 7: Entwicklung der EEX-Phelix-AT-Frontquartale

Spreads (Base-Peak und DE-AT)


Die Base-Peak-Spreads im März haben sich für kürzerfristige und längerfristige Produkte unterschiedlich
entwickelt. Bei kürzerfristigen Produkten wie dem Frontmonat und dem Frontquartal ist die Preisdifferenz
zwischen den Base- und Peak-Produkten kleiner geworden, was auf das Rückfahren der österreichischen
Industrie zurückzuführen ist. Bei längerfristigen Produkten wie dem Frontjahr ist keine Veränderung in der

25
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Preisdifferenz zwischen Base- und Peak-Produkten zu beobachten. Ein Grund ist die Erwartung, dass die
Industrie im Jahr 2021 innerhalb der Peak-Zeiten nach wie vor mehr Strom nachfragen wird.

Auf die Preisdifferenzen im Terminmarkt (Base Cal-21) zwischen Deutschland und Österreich hatte das
Zurückfahren der Industrie im März 2020 auf den Spread keine Auswirkungen, der bei rund 2,8 EUR/MWh lag.
Der Markt ist somit im März davon ausgegangen, dass sich das Verhältnis des wirtschaftlichen Niveaus
zwischen Österreich und Deutschland im Jahr 2021 nicht ändern wird. Interpretiert man diesen Spread
entsprechend den hier zugrunde liegenden Narrativen, so wird davon ausgegangen, dass in den beiden
Ländern jeweils das gleiche Narrativ realisiert wird.

Spread PxB AT, Spread ATxDE [EUR/MWh]


10,5
9,5
8,5
7,5
6,5
5,5
4,5
3,5
2,5
02.Mär 09.Mär 16.Mär 23.Mär 30.Mär
Spread Apr-20 PxB AT Spread Q2-20 PxB
Spread Cal-21 PxB Spread Base Cal-21 ATxDE
Quelle: EEX | Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Abbildung 8: Peak–Base-Spread und AT-DE-Spread für ausgewählte Produkte im Handelszeitraum März 2020

Gehandelte Volumina
Vergleicht man einzelne börsliche Produkte wie beispielsweise die gehandelten Volumina der
Frontjahreskontrakte im Q1-19 und im Q1-20 auf der EEX, ist kein eindeutiges Bild erkennbar (siehe Tabelle
11). Während sich am österreichischen Markt das Volumen im Q1-20 vervierfacht hat, ist das gehandelte
Volumen in Deutschland annähernd gleich geblieben. Betrachtet man die Frontquartalskontrakte, ist zu sehen,
dass sich das gehandelte Volumen in Österreich mehr als halbiert hat und das in Deutschland stark angestiegen
ist.

Tabelle 11: Handelsvolumen für Fronjahreskontrakte und Frontquartalskontrakte im Zeitraum Q1 in den Jahren 2019 und
2020 für Österreich und Deutschland (EEX)

Erstes Quartal 2019 Erstes Quartal 2020


Produkt und Markt
[GWh] [GWh]
Volumen Frontjahr Base-AT 70 298
Volumen Frontjahr Base-DE 197.666 203.004
Volumen Frontquartal Base-AT 48 17
Volumen Frontquartal Base-DE 33.793 50.151

26
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Betrachtet man alle Kontrakte, dann wurden an der EEX über alle europäischen Terminmarktprodukte
30
536 TWh gehandelt (+54,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat, +40,0 % gegenüber Feber 2020). Besonders
starke Zuwächse gab es in Frankreich (+143,0 % gegenüber Vorjahresmonat) und in Spanien (+88,0 %). Die
Phelix-DE-Produkte konnten die – für börslichen Handel – relativ hohe Liquidität weiter steigern (+43,0 %
gegenüber März 2019). Auffällig beim Terminhandel an der EEX ist, dass ein Rückgang der Handelsvolumina
lediglich für die Phelix-AT-Produkte zu beobachten war. Dies ist ein weiteres Indiz dafür, dass
Absicherungsgeschäfte für zukünftige Preisbewegungen in Österreich vorwiegend über den deutschen Markt
erfolgen. Aus diesem Grund hat die Entwicklung des Spreads von Terminprodukten zwischen Österreich und
Deutschland eine große Bedeutung.

Auf Basis dieser Zahlen ist es jedoch nicht möglich, allgemeine Aussage zu treffen, da das Volumen, das auf der
Börse gehandelt wird, nur ein Teil des gehandelten Volumens ist. Um hier eine qualifizierte Einschätzung
31
treffen zu können, ist auch das am OTC-Markt gehandelte Volumen notwendig. Obwohl diese Volumina nicht
gesamthaft vorliegen, vermittelt der monatliche Marktbericht der London Energy Brokers‘ Association (LEBA)
einen guten Eindruck über die Entwicklungen der Handelsvolumina in diesem Bereich. Für März 2020 zeigt sich
32
dabei für den deutschen Strommarkt („German Power“) ein Anstieg der Handelsmengen um knapp 59,0 %
gegenüber dem März des Vorjahres und immerhin über 30,0 % gegenüber dem Vormonat Feber. Auch im
langjährigen Vergleich ist das von LEBA berichtete OTC-Volumen mit über 670 TWh für März
überdurchschnittlich (LEBA 2020, 11). Insgesamt betrachtet ist dies ein starkes Indiz dafür, dass vor allem
Lieferanten und Großindustrie überschüssige Mengen auf den Markt bringen.

3.2.3 Preisentwicklung CO2-Zertifikate und fossile Energieträger

Der CO2-Preis in Europa hat sich von Beginn 2020 bis Ende Feber im Bereich zwischen 26 EUR/Tonne und
23 EUR/Tonne bewegt. Durch das Zurückfahren der europäischen Industrie und den sehr starken Rückgang im
Flugverkehr ist der CO2-Preis in Europa vom 11. bis 23. März vorübergehend stark, auf ein Niveau von ca.
15 EUR/Tonne, eingebrochen. Grundsätzlich wird erwartet, dass der CO 2-Ausstoß im Jahr 2020 im Vergleich zu
2019 sinken wird. Im optimistischen Narrativ rechnet das WIFO mit einem Rückgang der
Treibhausgasemissionen im Jahr 2020 gegenüber 2019 von über 7,0 %. Ein pessimistisches Narrativ bzw. eine
„U“-Rezession wurde nicht berechnet. Sieht man sich die Preisentwicklung von 01. März bis 10. März 2020 an,
ist erkennbar, dass sich der CO2-Preis wieder auf einem Aufwärtstrend befindet. Eine mögliche Interpretation
des Preisverlaufes ist, dass vorwiegend Marktteilnehmer, die eine finanzielle Position – die nicht auf
33
realwirtschaftliche Bedürfnissen basiert – auf den EUA-Preis gehalten haben, diese geschlossen haben.
Vonseiten der Realwirtschaft ist im optimistischen Narrativ weiterhin mit einer entsprechenden Nachfrage
nach Zertifikaten zu rechnen, da der Rückgang der Emissionen von den stark betroffenen Sektoren wie
Beherbergung und Gastronomie getrieben wird, die im Emissionshandel keine Rolle spielen. Im pessimistischen
Narrativ wäre davon auszugehen, dass aufgrund der tief greifenden und lang anhaltenden Rezession die
Industrie und die Energiewirtschaft so stark betroffen sind, dass ein kompletter Einbruch der Zertifikatspreise
möglich ist. Dies hätte massive Auswirkungen auf die Investitionen in Erneuerbare-Erzeugungsanlagen.
Reformen im europäischen Emissionshandelssystem seit 2009 bedeuten aber, dass ein direkter Vergleich mit
der Finanzkrise nicht möglich ist.

Während der Kohlepreis seit Beginn 2019 tendenziell leicht rückläufig ist, ist im März 2020 keine gravierende
Auswirkung durch die Coronakrise auf ihn zu beobachten, jedoch ist auch hier seit Ende April eine Fortsetzung
des Abwärtstrends zu beobachten. Anders verhält sich das Bild bei den Ölprodukten. Diese sind mit März 2020
stark eingebrochen. Auch eine Ölproduktionsreduktion der OPEC-Staaten um 10,0 % der Fördermengen konnte

30
Monatsreport März 2020 http://www.eex.com/de/about/newsroom/news-detail/eex-group-pressemitteilung---monatsreport-maerz-
2020/105600 (abgerufen am 28.04.2020)
31
Als „Over-the-Counter“ (OTC) Handel wird der außerbörsliche Handel von Strom bezeichnet.
32
Österreich wird aufgrund der geringen Volumina nicht separat ausgewiesen.
33
Abkürzung für EU Allowances, welche die Emission einer Tonne CO2-Äquivalent erlauben (2003/87/EC)

27
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

den Preisrückgang nicht aufhalten. Kurzfristig waren für manche Ölprodukte sogar negative Preise zu
beobachten. Das ist ein Umstand, der im Strommarkt seit dem Ausbau der erneuerbaren Energien öfter zu
beobachten ist, jedoch im Ölmarkt aufgrund der Speicherbarkeit des Mediums durchaus ungewöhnlich ist und
ein starkes Signal dafür ist, dass derzeit am Ölmarkt ein Überangebot herrscht, was längerfristig für niedrige
Ölpreise sorgen könnte. Interessant ist auch, dass der von Platts veröffentlichte Dated Brent für den
Frontmonat seit 14. Mai tiefer notiert als die Frontmonatspreise für Brent und West Texas Intermediate (WTI).
Das kann als Hinweis dafür gesehen werden, dass die Experten von Platts eher vorsichtig sind, wenn es um eine
Erholung des Ölpreises geht.

Der Gaspreis für das Cal-21 am niederländischen Referenzmarkt TTF hat sich im Jahr 2019 stabil entwickelt. Im
Zeitraum Dezember 2019 bis Mai 2020 ist ein Preisrückgang von rund 17 EUR/MWh auf 12 EUR/MWh, was
einen prozentuellen Rückgang von rund 30,0 % entspricht, zu beobachten.

EUA [EUR/Tonne]
27

25

23

21

19

17 Dec-20
Dec-21
15
02.Jän 22.Jän 11.Feb 02.Mär 25.Mär 16.Apr 07.Mai 27.Mai
Quelle: EEX | Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Abbildung 9: Preisentwicklung im CO2-Zertifikate-Handel seit Beginn 2020

Fossile Brennstoffe [USD/bbl], [EUR/Tonne], [EUR/MWh]


90
80
70
60
50
40
30
20
10
Brent WTI
Coal Gas Cal-21 TTF
0
01/19 03/19 05/19 07/19 09/19 10/19 12/19 02/20 04/20
Quelle: EEX | Berechnungen: Österreichische Energieagentur

Abbildung 10: Entwicklung Öl- und Kohle-(API2)-Preise seit Beginn 2019 bis Mai 2020

28
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

3.3 Markteffekte – Endkundenmarkt

Aufgrund der Datenlage im Endkundenmarkt ist es nicht möglich, die aktuelle Preissituation darzustellen, da
statistische Informationen in diesem Bereich mit Verzögerungen veröffentlicht werden. Mittel- bzw.
längerfristig relevant ist im Endkundenmarkt auch die Entwicklung des Österreichischen Strompreisindex (ÖSPI)
der Österreichischen Energieagentur. Neben Kundengruppen, die aufgrund von variablen Tarifen an diesen
Index gekoppelt sind, ist der ÖSPI auch in vielen Allgemeinen Lieferbedingungen Grundlage für mögliche
Preisänderungen. Die Entwicklung des ÖSPI wird in Abbildung 11 dargestellt. Aufgrund des Designs des
Preisindex ist der ÖSPI gegenüber der Entwicklung der einzelnen Terminmarktkontrakte stark geglättet.
Trotzdem zeigt sich im Zeitablauf bereits die Auswirkung der sich seit dem 4. Quartal 2019 abzeichnenden
Preisrückgänge im Terminmarkt. Im Mai 2020 lag der ÖSPI daher bei rund 50 EUR/MWh, dies entspricht einem
Minus von 9,0 % gegenüber dem Mai des Vorjahres (55,37 EUR/MWh). Änderungen im ÖSPI sind im
Massenkundensegment bei den ÖSPI-indexierten Produkten sofort wirksam.

Mai 2020: 50,25 EUR/MWh


Veränderung gegenüber …
Mai 2019: -9,0 %
April 2020: -6,0 %

Abbildung 11: Entwicklung des ÖSPI im Zeitablauf

In Kombination mit dem Mengenrückgang können Preiseffekte im Endkundenmarkt – vor allem bei indexierten
Verträgen und im direkt betroffenen Großkundenbereich – zu Umsatzrückgängen führen. Unter der Annahme,
dass der bisherige Verbrauchsrückgang von rund 1.322 GWh (siehe Abschnitt 3.1) hauptsächlich im
34
Kundensegment der Nicht-Haushalte anfiel (Energiepreise der E-Control-Marktstatistik ), entspräche das im
Zeitraum 16.03.2020 – 31.05.2020 einem theoretischen Umsatzrückgang auf Basis der Mengenverschiebung
der Energieversorger von circa 53,7 Mio. Euro (verglichen mit einem theoretischen Gesamtjahresumsatz im
35
Jahr 2019 von rund 3 Mrd. Euro). Hinzu kommen Preiseffekte für jene Kundengruppen, die direkt an ein
Großhandelsprodukt gekoppelt sind, die hier jedoch unberücksichtigt bleiben. Neben diesen Ersteffekten ist
sowohl im optimistischen wie auch im pessimistischen Narrativ von einer Verringerung des Marktvolumens für
2020 auszugehen (siehe Abschnitt 4).

34
Verfügbar auf https://www.e-control.at/statistik/strom/marktstatistik (abgerufen am 17.04.2020)
35
Marktstatistik E-Control (Preise 2019, Abgabe an Endkunden 2018)

29
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

3.4 Sonstige Effekte

In diesem Abschnitt wird eine Reihe weiterer direkter Effekte auf den Strommarkt bzw. die E-Wirtschaft
diskutiert. Dazu gehören beispielsweise Auswirkungen auf das Marktumfeld, die Stromnetze sowie
Zahlungsausfälle und jene auf die Verrechnung von Ökostrom.

3.4.1 Effekte durch geänderte Rahmenbedingungen im Ausland

Die österreichische E-Wirtschaft ist nicht nur auf der Absatzseite mit allen Sektoren der Volkswirtschaft
36
verbunden, sondern benötigt auch stabile und zuverlässige Zulieferer . Besonders in international geprägten
Bereichen können Lieferketten durch die Coronakrise negativ beeinflusst sein. So berichtet die Austrian Power
37
Grid (APG) von Problemen bei Stahllieferungen . In der Ausschreibung zum dänischen 700-MW-Offshore-
Windpark Hollandse Kust North zog sich mit Vattenfall einer der erwarteten Mitbewerber bereits vor Ende der
Ausschreibung zurück. Neben dem Preisverfall waren vor allem auch allgemeine Unsicherheiten und durch die
Coronakrise ausgelöste Probleme in den Lieferketten eine Begründung für den Rückzug des schwedischen
38
Energieunternehmens . Wegen Lieferengpässen bei Schlüsselkomponenten wird in China ebenfalls ein
39
Rückgang bei Windinstallationen von 10,0 bis 50,0 % im Jahr 2020 erwartet. Zusätzlich zu den Lieferketten
selbst ist durch die Reisebeschränkungen der Austausch von ExpertInnen bzw. Fachkräften stark erschwert.
Auch die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen, wie beispielsweise Abstandsregeln, können Änderungen im Ablauf
notwendig machen, die zu Zeitverschiebungen führen. Insgesamt gesehen ist es daher realistisch, dass sich
auch in Österreich zumindest im heurigen Jahr Verzögerungen beim Netzausbau und Ausbau der Erneuerbaren
einstellen, welchen durch entsprechende Gegenmaßnahmen entgegengewirkt werden.

Darüber hinaus haben Unternehmen der österreichischen E-Wirtschaft eine relativ starke Präsenz in Zentral-
und Südosteuropa. Das Marktumfeld dort fließt über die Beteiligungsergebnisse direkt in die
Unternehmenserfolge ein. In der Finanz- und Wirtschaftskrise 2009 war dies durchaus ein bemerkbarer Faktor
(E-Control, Marktbericht 2009). Bereits vor Beginn der Coronakrise kündigten sich erste Anzeichen eines
Rückgangs der wirtschaftlichen Aktivität in der Region an, welche durch die Einschränkungen in den
produzierenden Bereichen sowie Tourismus oder Luftfahrt negativ beeinflusst wird. Das genaue Ausmaß dieses
Rückgangs und der Effekt auf die E-Wirtschaft sind jedoch aktuell ungewiss. Gemäß Wirtschaftsprognosen des
Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) werden vor allem jene Länder stärker betroffen
sein, die besonders starke Wirtschaftsbeziehungen mit Italien oder China haben oder wesentlich vom
Tourismus abhängig sind, wie Albanien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Rumänien und Slowenien (Astrov, et
al. 2020). Ein weiterer Risikofaktor in der Region sind etwaige politische Dynamiken – wie z. B. autoritäre
Praktiken in einzelnen Staaten der Region – die durch die Coronakrise eine verstärkte Gefahr werden könnten
(Dzihic 2020). Für einen Bereich wie die E-Wirtschaft, in der stabile regulatorische und rechtliche
Rahmenbedingungen wesentlich sind, könnte dies zu erhöhter Unsicherheit führen.

3.4.2 Zahlungsausfälle

In allen Bereichen der E-Wirtschaft kann es bei einem Rückgang der wirtschaftlichen Tätigkeit zu möglichen
Zahlungsschwierigkeiten und Liquiditätsproblemen entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungsketten

36
Die E-Wirtschaft ist umgekehrt wichtig für die Zulieferer. Medienberichten zufolge hat Vattenfall beispielsweise in einer Coronakrisen-
bedingten Kostensenkungsstrategie Zulieferer und Kontraktoren um 20%ige Zahlungskürzungen gebeten.
https://www.montelnews.com/en/story/vattenfall-cuts-costs-to-survive-coronavirus-crisis--report/1106781 (abgerufen am 20.04.2020).
37
APG-Vorstand Gerhard Christiner am 9. April 2020 zu Energate https://www.energate-messenger.de/news/201695/apg-chef-christiner-
die-talsohle-ist-erreicht- (abgerufen am 20.04.2020).
38
ReNews berichtet am 31. März 2020 https://renews.biz/59418/vattenfall-pulls-out-of-700mw-dutch-offshore-wind-tender/ (abgerufen
am 20.04.2020).
39
ReNews am 17. Feber 2020 https://renews.biz/58660/coronavirus-could-halve-china-turbine-installation-rate/ (abgerufen am
20.04.2020).

30
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

kommen (siehe auch Abschnitt 3.4.1). In diesem Abschnitt wird hingegen auf mögliche Zahlungsausfälle im
Endkundenbereich, welche Lieferanten und Netzbetreiber direkt betreffen können, eingegangen. Vor dem
Hintergrund, dass durch die Ausgangsbeschränkungen in manchen Bereichen Haushalte und Unternehmen
sehr kurzfristig und immanent von kompletten Einkommensausfällen konfrontiert waren, vereinbarten
Branchenvertreter mit dem Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und
Technologie (BMK) sowie der E-Control, dass aufgrund von Zahlungsverzug durch Coronamaßnahmen bis
01. Juli keine Stromabschaltungen (bzw. Gasabschaltungen) durchgeführt werden. Eine Vereinbarung gab es in
40
einem ersten Schritt bis 01. Mai. Am 30. April 2020 wurde der Zeitraum um zwei Monate verlängert.

Im Jahr 2018 kam es zu rund 30.000 Abschaltungen bei Strom (E-Control, Tätigkeitsbericht 2019, 127). Da die
Zeitreihe nicht rückwirkend publiziert wird, ist kein Abgleich mit wirtschaftlichen Kennzahlen möglich. Im
Tätigkeitsbericht (2018, 159) findet sich jedoch der Hinweis auf „relativ stabile“ Abschaltraten. Für die letzte
Finanz- und Wirtschaftskrise wurden diese Kennzahlen in dieser Art nicht erhoben. Mit dem bereits erfolgten
Anstieg der Arbeitslosigkeit sowie einem zu erwartenden Anstieg der Insolvenzen kann davon ausgegangen
werden, dass Zahlungsausfälle oder -rückstände im Jahr 2020 häufiger werden. Neben kompletten
Zahlungsausfällen kann es zu Anpassung der Teilzahlungsbeträge (zeitlich befristet), Stundungen usw. kommen.

3.4.3 Stromnetze

Wie alle Bereiche der E-Wirtschaft sind auch die Netzbetreiber vom Absatzrückgang insofern betroffen, als dass
für jene Komponenten der Systemnutzungsentgelte, welche sich auf Arbeit und Leistung beziehen, ceteris
paribus, mit einem Rückgang der Erlöse zu rechnen ist. Wendet man für eine Grobabschätzung die
41
Absatzzahlen für Nicht-Haushalte und Netzpreise aus der Marktstatistik der E-Control an, so ergibt sich ein
hypothetischer Fehlbetrag aufgrund der im Zeitraum 16. März 2020 bis 31. Mai 2020 beobachteten
Verbrauchsrückgänge von rund 30,8 Mio. Euro gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Da in der
42
Erhebung der Durchschnittserlös für die jeweilige Kundengruppe über alle Systemnutzungsentgelte gemeldet
wird, kann allerdings nicht zwischen Arbeits- und Leistungskomponenten und sonstigen Komponenten
unterschieden werden. Auch auf der Verbrauchsseite ist die Differenzierung zwischen Rückgängen bei
Strommengen (Arbeit) und Leistungsspitzen, welche insbesondere bei KundInnen mit gemessener Leistung
unterschiedliche Effekte haben können, nicht möglich. Zusätzlich kann in dieser Systematik nicht zwischen
Entnehmern und Einspeisern unterschieden werden. Änderungen bei den Systemnutzungsentgelten seit 2019
bleiben ebenfalls unberücksichtigt. Trotz dieser starken methodischen Einschränkungen kann aber auf Basis der
Grobabschätzung davon ausgegangen werden, dass der Ersteffekt im Verhältnis zu den gesamten Netzkosten
43
von rund 2,3 Mrd. Euro im Moment über das Gesamtsystem betrachtet überschaubar ist. Die zu erwartenden
Mindererlöse werden zwar über das Regulierungskonto ausgeglichen, führen jedoch unter Umständen zu
Liquiditätsproblemen. Inwieweit hier maßgeblichere Effekte auftreten können – welche schlussendlich in
deutlicherem Ausmaß auf zukünftige Systemnutzungsentgelte wirken könnten – ist im Wesentlichen von der
weiteren Ausprägung der Narrative abhängig.

Weitreichendere Auswirkungen sind jedenfalls für den Zeitplan zukünftiger grundlegender Änderungen der
Systemnutzungsentgelte zu erwarten. Eine Verschiebung für die Reform der Netzentgelte wurde bereits von
der E-Control gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) angekündigt. Neben den – auch durch die
Coronakrise – bedingten Verzögerungen im Smart-Meter-Roll-out müssen auch die notwendigen rechtlichen

40
OTS-Meldung vom 26. März 2020 https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200326_OTS0169/coronavirus-oesterreichweit-keine-
strom-und-gasabschaltungen-bei-zahlungsrueckstand-wegen-corona-massnahmen und vom 30.04.2020:
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200430_OTS0048/coronavirus-strom-und-gasabschaltungen-weiterhin-ausgesetzt
(abgerufen am 26.03.2020 bzw. 30.04.2020)
41
Verfügbar auf https://www.e-control.at/statistik/strom/marktstatistik (abgerufen am 17.04.2020)
42
Vgl. Monats-, Halbjahres- und Jahreserhebung für Netzbetreiber verfügbar auf: https://www.e-
control.at/marktteilnehmer/erhebungen/erhebungen-im-rahmen-der-bundesstatistiken/elektrizitaetsbereich/erhebungen-netzbetreiber
(abgerufen am 23.04.2020).
43
https://www.sn.at/wirtschaft/oesterreich/e-control-will-stromnetztarife-aendern-66424309 (abgerufen am 23.04.2020)

31
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Grundlagen mit der ElWOG-Novellierung erst geschaffen werden. Die E-Control rechnet daher mit einer
44
Umsetzung der Netztarif-Reform („Tarife 2.0“) erst im Jahr 2022.

Unmittelbar führte die Coronakrise zu einem Stopp aller nicht für die Versorgungssicherheit notwendigen
Wartungs- und Baumaßnahmen der Stromnetze. Auch Ablesungen, Stromzählertausch und Smart-Meter-Roll-
out wurden im Zuge der Ausgangsbeschränkungen nicht durchgeführt. Mit der Ende März 2020
veröffentlichten „Handlungsanleitung der Sozialpartner für den Umgang mit Baustellen aufgrund von Covid-
45
19“ wurde die Grundlage geschaffen, die Bautätigkeit schrittweise und mit entsprechenden Standards im
Hinblick auf Abstandshaltung und Hygiene wiederaufzunehmen. Dies wurde von einzelnen
46
Verteilnetzbetreibern und auch der APG öffentlich angekündigt. Mit Stand Ende Mai ist daher davon
auszugehen, dass die Baustellenabwicklung aufgrund der Coronamaßnahmen selbst wenig beeinträchtigt ist.

Verzögerungen bei Bautätigkeiten sind jedoch abseits etwaiger Ausgangssperren zu erwarten. Die
Unterbrechung von Lieferketten könnte im weiteren Baustellenbetrieb zu Änderungen im Zeitplan führen.
47
50Hertz geht zum Beispiel von Lieferschwierigkeiten bei den aus Italien bezogenen Trafos aus. Die APG führt
beispielhaft Verzögerungen beim Bau der Salzburgleitung an, welche laut APG monatlich rund 10 Mio. Euro
Redispatch-Kosten durch ihre Nicht-Existenz verursacht. Dies hat daher unmittelbare wirtschaftliche
48
Auswirkungen .

3.4.4 Ökostromfinanzierung

Neben der bereits für 2020 fixierten Ökostrompauschale dient der Ökostromförderbeitrag der Abdeckung der
Mehraufwendungen der Ökostromabwicklungsstelle (OeMAG). Er ist von allen an das öffentliche Netz
angeschlossenen Endverbrauchern im Verhältnis zum Netznutzungsentgelt und Netzverlustentgelt zu
entrichten. Der Ökostromförderbeitrag wird jeweils ex-ante für das Folgejahr auf Basis von Prognosen
festgelegt. Da in diese Prognosen die zu erwartenden Erlöse aus dem Verkauf durch die OeMAG einfließen,
spielt auch der angenommene Marktpreis eine wesentliche Rolle bei der Festsetzung des
Ökostromförderbeitrages. Für die Festsetzung des Ökostromförderbeitrages 2020 wurde ein Marktpreis von
47 EUR/MWh angenommen, welcher angesichts der bisherigen Entwicklungen des Jahres und der
wirtschaftlichen Situation als mehr als optimistisch einzustufen ist. Auf Basis der restlichen Annahmen, wie
beispielsweise der zu erwartenden unterstützten Menge Ökostrom, wurde für 2020 somit ein
Finanzierungsbedarf von 500,6 Mio. Euro kalkuliert. In Tabelle 12 werden für unterschiedliche
Marktpreisniveaus der rückgerechnete Ökostromförderbeitrag und die durch den geänderten angenommenen
Marktpreis erhöhte Finanzierungserfordernis dargestellt. Bei einem Marktpreis von 32 EUR/MWh würde sich
daraus eine Finanzierungslücke von rund 180 Mio. Euro ergeben, welche im Jahr 2021 über den
Ökostromförderbeitrag eingehoben werden müsste.

Die Berechnung erfolgt unter der Annahme, dass andere Einflussfaktoren gleich bleiben, und vernachlässigt,
49
dass ein Teil der Mengen über den Marktpreis gemäß § 41(1) ÖSG 2012 abgerechnet werden . Andere

44
„Viruskrise bremst Reform der Stromnetztarife“, 15. April 2020, Wiener Zeitung
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/wirtschaft/oesterreich/2057438-Reform-der-Stromnetztarife-verzoegert-sich.html (abgerufen
am 17.04.2020).
45
Verfügbar auf https://www.wko.at/branchen/gewerbe-handwerk/bau/RS10-Blg-Handlungsanleitung-Sozialpartner-COVID-19.pdf
(abgerufen am 17.04.2020).
46
APG am 9. April 2020 https://www.apg.at/de/media-center/presse/2020/04/09/wiederaufnahme-bautaetigkeit (abgerufen am
17.04.2020).
47
https://www.energate-messenger.de/news/201612/coronavirus-beeintraechtigt-netzausbau (abgerufen am 20.04.2020)
48
APG-Vorstand Gerhard Christiner am 9. April 2020 zu Energate https://www.energate-messenger.de/news/201695/apg-chef-christiner-
die-talsohle-ist-erreicht- (abgerufen am 20.04.2020).
49
Das Marktpreisniveau hat für diese Anlagen somit auch einen Effekt auf die benötigten Unterstützungsvolumina. Allerdings bezieht sich
der Marktpreis § 41(1) ÖSG 2012 auf Phelix-AT-Produkte, welche aufgrund mangelnder Liquidität im Allgemeinen nicht direkt gehedgt bzw.
nur eingeschränkt gehandelt werden können.

32
EFFEKTE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

wesentliche Einflussfaktoren wie Ausgleichsenergiekosten und die Menge an über die OeMAG vermarktetem
bzw. kontrahiertem Ökostrom bleiben somit ebenfalls unberücksichtigt. Die Szenarien sollen lediglich einen
Überblick über die Höhe des Marktpreishebels in der Festlegung des Ökostromförderbeitrages geben.

Tabelle 12: Möglicher Einfluss des Marktpreises auf den Ökostromförderbeitrag

Einheit 2020 2019 2018


Förderbeitrag % 25,68 % 16,24 % 24,58 %
Marktpreis EUR/MWh 47,00 44,48 32,39
Mögliche Szenarien 2020
Förderbeitrag % 39,47 % 35,05 % 30,06 %
Finanzierungserfordernis Mio. Euro 770 683 586
Finanzierungslücke Mio. Euro -269 -183 -86
Marktpreis EUR/MWh 25 32 40
Anmerkungen: Zugrunde liegende Daten sind den Erläuterungen zur Ökostromförderbeitragsverordnung für die Jahre 2018 bis 2020
entnommen50; Berechnungen der Österreichischen Energieagentur.

Im langjährigen Vergleich war der höchste Aufschlag, der seit Umstellung des Verrechnungssystems 2012 zu
beobachten war, im Jahr 2016 mit 37,11 %. In diesem Jahr wurde mit 23,42 EUR/MWh auch der niedrigste
Marktpreis gemäß § 41(1) ÖSG 2012 seit dem Jahr 2003 veröffentlicht (E-Control, Ökostrombericht 2019).

Während etwaige höhere Ökostromkosten im Verrechnungssystem von den Endkunden getragen werden und
somit in dem Sinn keine zusätzliche Belastung der Unternehmen der E-Wirtschaft darstellen, so sind diese
jedenfalls für das Umfeld bzw. das öffentliche Bewusstsein relevant. Höhere Ökostromkosten können
gegebenenfalls einen höheren Widerstand gegen einen Erneuerbaren-Ausbau bedingen, da diese eben von
KonsumentInnen und Unternehmen direkt getragen werden. Anlagen, die nicht mehr im Förderregime sind,
sind von ähnlichen Markteffekten wie alle anderen Erzeuger betroffen (siehe Abschnitt 3.2).

50
https://news.wko.at/news/oesterreich/Oekostromfoerderbeitragsverordnung_2018_-_Erlaeuterungen.pdf und
https://news.wko.at/news/oesterreich/Erlaeuterungen_Oekostromfoerderbeitragsverordnung_2019_2018-.pdf bzw.
https://news.wko.at/news/oesterreich/40b_Erlaeuterungen_Oekostromfoerderbeitragsverordnung_2020_2.pdf (abgerufen am
17.04.2020)

33
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

4 Ausblick und Herausforderungen für


die E-Wirtschaft
Durch die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise sieht sich die E-Wirtschaft einer Reihe von
Herausforderungen konfrontiert. Im Vergleich zur letzten Wirtschafts- und Finanzkrise sind die Vorzeichen
jedoch stark unterschiedlich. Damals fielen die Großhandelspreise von einem sehr hohen Niveau von knapp
73 EUR/MWh (Day-Ahead-Base) im Jahr 2008 auf knapp 46 EUR/MWh im Jahr 2009. Der Höchstwert vor
Beginn der damaligen Finanz- und Wirtschaftskrise lag sogar bei 119 EUR/MWh im Oktober 2008 (E-Control,
Marktbericht 2009, 24 bzw. 26). Wie in Abschnitt 3.2 dargestellt war die Ausgangslage zu Jahresbeginn 2020
eine gänzlich andere: Bereits vor Beginn der Coronakrise fielen die Großhandelspreise sowohl in den
kurzfristigen Märkten wie auch an den Terminmärkten. In diesem bereits sehr schwierigen Umfeld sehen sich
Erzeuger, Stromhandel, Vertrieb und der Netzbereich mit Herausforderungen konfrontiert. Diese werden auf
Basis der Marktsituation und auf Basis der entwickelten Narrative nachfolgend quantifiziert. Eine Preis- oder
Mengenprognose im Sinne eines Fundamentalmodels wird nicht herangezogen. Vielmehr geht es darum, eine
grobe Einordnung der möglichen Effekte zu ermöglichen. Dabei handelt es sich um die Bewertung der
volkswirtschaftlichen Marktgröße und keine Prognose der Umsätze oder betriebswirtschaftlichen Situation von
einzelnen Unternehmen. Mit diesen Kennzahlen kann man somit lediglich die mögliche Bandbreite der zu
erwartenden Veränderungen abbilden.

Erzeuger sehen sich zwischen März und Mai 2020 im Großhandelsmarkt mit drastisch gesunkenen Preisen
konfrontiert. Während die Bruttostromerzeugung in Österreich von einer Reihe von Faktoren beeinflusst wird
und nicht direkt durch volkswirtschaftliche Faktoren wie BIP-Wachstum geprägt ist, sind für 2020 Umsatz- bzw.
Erlösrückgänge aufgrund des Preisverfalls zu erwarten, auch wenn Absicherungsstrategien der Unternehmen
einen gewissen Schutz bieten. Das aktuelle Preisniveau im Day-Ahead-Markt von 20 EUR/MWh liegt deutlich
unter dem Jahresmittel 2019 von 40 EUR/MWh. Geht man davon aus, dass sich ein sehr niedriges Preisniveau
von 25 EUR/MWh, im Sinne eines pessimistischen Narrativs, für den Rest des Jahres hält, würde die
Marktgröße gegenüber 2019 – bei gleichbleibender Menge – um knapp 40,0 % oder 1 Mrd. Euro sinken. In
einem optimistischeren Narrativ mit einer Marktpreisbewertung von 32 EUR/MWh wäre noch immer von
einem Rückgang des Marktvolumens um rund 500 Mio. Euro auszugehen. Die Effekte auf die
Bruttostromerzeugung selbst sind schwer abzuschätzen, da diese bei dargebotsabhängigen Erzeugungsanlagen,
welche in Österreich hohe Relevanz haben, beispielsweise von der Wasserführung abhängig sind. Sollten die
pessimistischeren Szenarien Realität werden und die wirtschaftliche Erholung langsam und mit starker
Zeitverzögerung einsetzen, werden auch die Jahre 2021 bzw. 2022 aus Sicht der Erzeuger entsprechend
herausfordernd sein. Die rasche Erholung der Terminmarktpreise, vor allem für die Jahreskontrakte, deutet
jedoch darauf hin, dass der Markt bisher tendenziell von einem optimistischeren Szenario ausgeht und die
Preise sich gemäß dieser Erwartungen 2021 bei rund 40 EUR/MWh einpendeln würden. Die gefallenen
Terminmarktnotierungen haben darüber hinaus für die wirtschaftliche Bewertung des Erzeugungsportfolios in
den Folgejahren eine negative Auswirkung.

Im Stromhandel und Stromvertrieb sind die geänderten Bedingungen an den Großhandelsmärkten ebenfalls
von Relevanz. Das niedrigere Großhandelspreisniveau bedeutet für den Stromvertrieb eine Herausforderung,
da im Vorhinein beschaffte, durch den Absatzrückgang überschüssige Mengen zu niedrigeren Preisen wieder
verkauft werden müssen. Im mengenmäßig relevanten Großkundensegment werden zudem Preiseffekte über
entsprechende vertragliche Gestaltung bis zu einem gewissen Grad direkt weitergegeben. Gerade in diesem
Segment kann ob der äußerst niedrigen Großhandelspreise der vermehrte Wunsch nach längerfristiger bzw.
mehrjähriger Absicherung stehen. Dies ist jedoch vor dem Hintergrund der mangelnden Liquidität von

34
AUSBLICK UND HERAUSFORDERUNGEN FÜR DIE E-WIRTSCHAFT

Forwards und Futures für die österreichische Gebotszone eine Herausforderung für den Stromvertrieb.
Jedenfalls relevant wird für den Stromvertrieb das erhöhte Mengenrisiko. In der Finanz- und Wirtschaftskrise
von 2009 sank die Abgabe an Endkunden um 3,6 %. Vor allem für die Großindustrie war der
Verbrauchsrückgang mit -14,9 % beträchtlich, während die Abgabe an Haushalte mit +1,3 % sogar leicht
51
anstieg . Durch die Coronakrise haben sich jedenfalls durch die Ausgangsbeschränkungen (siehe Abschnitt 3.1)
Verbrauchsrückgänge in der Größenordnung von rund 10,0 % manifestiert. Prognosen gehen davon aus, dass
52
sich dies bei rund 5,0 % einpendeln könnte. In Kombination mit einem möglichen Preiseffekt im
Industriekundensegment ist hier in einem optimistischen Narrativ ebenfalls von einer Verkleinerung des
Marktes um rund 300 Mio. Euro auszugehen. Nimmt man ein pessimistisches Narrativ mit starken
Verbrauchsrückgängen an, so verdoppelt sich dieser Rückgang beinahe auf rund 580 Mio. Euro. Relevant in
diesem Bereich ist auch die konkrete Vertragsgestaltung im Großkundensegment. Sollte das Mengenrisiko
größtenteils beim Lieferanten liegen, dann schlägt sich der Verbrauchsrückgang immanent und direkt auf die
Energieversorgungsunternehmen durch. Anpassungen bei Teilzahlungsbeträgen sowie vermehrte
Stromabschaltungen aufgrund der Verletzung vertraglicher Pflichten können im Jahr 2020 bzw. 2021 ebenfalls
relevanter werden.

Der Netzbereich ist ebenfalls durch einen Rückgang von Leistung und Arbeit betroffen. Resultierende
Mindereinnahmen werden zwar letztendlich über das Regulierungskonto ausgeglichen, Liquiditätsprobleme
können aber eine Herausforderung für Netzbetreiber darstellen. Darüber hinaus ist bei der lange geplanten
Reform der Systemnutzungsentgelte mit weiteren Verzögerungen zu rechnen. Netzbetreiber sind auch
besonders von Einschränkungen hinsichtlich der Bautätigkeit oder Verzögerungen durch Unterbrechungen
einzelner Lieferketten betroffen. Dies betrifft auch Bereiche wie den Smart-Meter-Roll-out.

In Bezug auf die betriebswirtschaftliche Situation der Unternehmen der E-Wirtschaft ist zu erwarten, dass die
Coronakrise Spuren in den Unternehmensbilanzen hinterlassen wird. Die letzte Wirtschafts- und Finanzkrise
53
hat sich in der E-Wirtschaft mit einem Minus von 12,0 % auf den Jahresüberschuss niedergeschlagen. Im Jahr
2009 mussten einzelne Unternehmen bei ansteigenden Umsatzerlösen sogar einen negativen Jahresüberschuss
hinnehmen. Aufgrund der strukturellen Unterschiede der damaligen Krise und der jetzigen Situation sind die
damaligen Effekte nur ein grober Indikator für die Auswirkungen der Coronakrise. Für Unternehmen, die im
Ausland aktiv sind, kann in diesem Zusammenhang auch die Lage in Osteuropa sehr relevant werden, da die
Situation in diesen Ländern über die Beteiligungsergebnisse auch in die Jahresabschlüsse einfließt. In Summe
ist davon auszugehen, dass 2020 und gegebenenfalls 2021 für die Unternehmen der österreichischen E-
Wirtschaft wirtschaftlich herausfordernd werden. Neben diesen Problematiken ergeben sich für die E-
Wirtschaft aber auch Chancen: Direkt und unmittelbar kann die österreichische E-Wirtschaft zeigen, dass die
Krisensicherheit unter realen Stresssituationen gegeben ist.

51
Marktstatistik E-Control verfügbar auf https://www.e-control.at/statistik/strom/marktstatistik (abgerufen am 17.04.2020)
52
Vgl. https://www.energyquantified.com/blog/fast-or-slow-consumption-recovery (abgerufen am 27.04.2020)
53
Vgl. Marktbericht der E-Control für die Jahre 2008 und 2009 verfügbar auf https://www.e-control.at/publikationen/marktberichte

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—. Konjunkturindikator zum 15. April 2020. Wien, 2020b.

Vivid Economics. Green Stimulus Index: An assessment of the orientation of COVID-19 stimulus in
relation to climate change, biodiversity and other environmental impacts. 2020.

voestalpine. Industry as a facilitator of clean energy and carbonneutral feedstock. 2018.

WIFO. „Konjunkturszenario: Scharfer, aber im besten Fall kurzer Einbruch der Konjunktur infolge der
Coronavirus-Pandemie.“ Bericht, Wien, 2020a.

—. Pressinformation vom 30. April 2020: COVID-19-Pandemie ließ heimische Wirtschaftsleistung


bereits im I. Quartal 2020 kräftig sinken. 2020.

41
WIRTSCHAFTLICHE AUSWIRKUNGEN DER CORONAKRISE AUF DIE ÖSTERREICHISCHE E-WIRTSCHAFT

Wirtschaftskammer Österreich. Was Österreich jetzt braucht: WKÖ-Forderungspapier für


Regierungsverhandlungen . Wien, 2019.

WKO Bundessparte Industrie. Österreichs Industrie – Kennzahlen 2018. Wien, 2018.

Wyns, Tomas, Gauri Khandekar, und Isobel Robson. Industrial Value Chain: A Bridge Towards a
Carbon Neutral Europe. Brussels: Vrije Universiteit Brussel (VUB) - Institute for European
Studies (IES), 2018.

Zimmermann, Arno, und Marvin Kant. CO2 Utilisation Today. Berlin: Technische Universität Berlin,
2017.

Zoback, Mark D., und Steven M. Gorelick. Earthquake triggering and large-scale geologic storage of
carbon dioxide. Stanford: Stanford University, 2012.

42
ABBILDUNGSVERZEICHNIS

6 Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Wesentliche Unterscheidungsmerkmale für mögliche ökonomische Narrative ............. 17


Abbildung 2: Relative Stromlast in Österreich im Vergleich zu 2019.................................................... 19
Abbildung 3: Stromlastrückgang einiger ausgewählter europäischer Länder ...................................... 20
Abbildung 4: Relative Stromlast Südeuropa ......................................................................................... 21
Abbildung 5: Preisdifferenzen im Day-Ahead-Markt zwischen Deutschland und Österreich
(Tagesmittelwert) .................................................................................................................................. 23
Abbildung 6: Preisverlauf Year-Base-Produkte von Jänner 2019 bis Mai 2020 .................................... 25
Abbildung 7: Entwicklung der EEX-Phelix-AT-Frontquartale ................................................................ 25
Abbildung 8: Peak–Base-Spread und AT-DE-Spread für ausgewählte Produkte im Handelszeitraum
März 2020 ............................................................................................................................................. 26
Abbildung 9: Preisentwicklung im CO2-Zertifikate-Handel seit Beginn 2020........................................ 28
Abbildung 10: Entwicklung Öl- und Kohle-(API2)-Preise seit Beginn 2019 bis Mai 2020 ..................... 28
Abbildung 11: Entwicklung des ÖSPI im Zeitablauf............................................................................... 29

43
TABELLENVERZEICHNIS

7 Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Zusammenfassung der prognostizierten BIP-Entwicklung für Österreich ........................... 11


Tabelle 2: Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in Österreich............................................................... 12
Tabelle 3: Entwicklung Budgetdefizit und öffentliche Verschuldung ................................................... 13
Tabelle 4: Entwicklung Inflation ............................................................................................................ 13
Tabelle 5: Fünf meist betroffenen Branchen der Coronakrise in Österreich ........................................ 14
Tabelle 6: Konjunkturprognosen selektierter Länder ........................................................................... 16
Tabelle 7: Sektorale Querschnittstabelle von Strombedarf und OeNB-Vulnerabilitätsindex............... 20
Tabelle 8: Europäische Day-Ahead-Preise im Wochenmittel vor und nach Beginn der
Ausgangsbeschränkungen ..................................................................................................................... 22
Tabelle 9: Prozentuelle Änderungen des Durchschnittspreises für unterschiedliche Rohstoffe und
Produkte ................................................................................................................................................ 24
Tabelle 10: Prozentuelle Änderungen des Durchschnittspreises von der ersten Aprilhälfte auf die
zweite Aprilhälfte 2020 ......................................................................................................................... 24
Tabelle 11: Handelsvolumen für Fronjahreskontrakte und Frontquartalskontrakte im Zeitraum Q1 in
den Jahren 2019 und 2020 für Österreich und Deutschland (EEX)....................................................... 26
Tabelle 12: Möglicher Einfluss des Marktpreises auf den Ökostromförderbeitrag .............................. 33

45
ÜBER DIE ÖSTERREICHISCHE ENERGIEAGENTUR – AUSTRIAN ENERGY AGENCY (AEA)
Die Österreichische Energieagentur liefert Antworten für die klimaneutrale Zukunft: Ziel ist es, unser Leben und
Wirtschaften so auszurichten, dass kein Einfluss mehr auf unser Klima gegeben ist. Neue Technologien, Effizienz sowie
die Nutzung von natürlichen Ressourcen wie Sonne, Wasser, Wind und Wald stehen im Mittelpunkt der Lösungen.
Dadurch wird für uns und unsere Kinder das Leben in einer intakten Umwelt gesichert und die ökologische Vielfalt
erhalten, ohne dabei von Kohle, Öl, Erdgas oder Atomkraft abhängig zu sein. Das ist die missionzero der
Österreichischen Energieagentur.
Mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus vielfältigen Fachrichtungen beraten auf wi ssenschaftlicher Basis
Politik, Wirtschaft, Verwaltung sowie internationale Organisationen. Sie unterstützen diese beim Umba u des
Energiesystems sowie bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise.
Die Österreichische Energieagentur setzt zudem im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative klimaaktiv um und
nimmt die Aufgaben der Nationalen Energieeffizienz-Monitoringstelle wahr. Der Bund, alle Bundesländer, bedeutende
Unternehmen der Energiewirtschaft und der Transportbranche, Interessenverbände sowie wissenschaftliche
Organisationen sind Mitglieder dieser Agentur.

Die Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency GmbH ist eine 100-prozentige Tochter des Vereins
Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency.
www.energyagency.at