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ROBERT KOCH INSTITUT

Statistisches Bundesamt

Freizeit- und Breitensport in Vereinen und kommerziellen


Einrichtungen ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet,
die positiven gesundheitlichen Auswirkungen sind belegt.
Aber auch in diesen Bereichen des Sports gibt es Doping
bzw. Arzneimittelmissbrauch. Aus den wenigen verfüg-
baren europäischen Studien zum Doping außerhalb des
Leistungssports ist bekannt, dass ein, wenn auch geringer
Teil der Fitnessstudiokundinnen und -kunden Dopingsub-
stanzen missbraucht. Speziell unter Bodybuildern finden
sich vermehrt Nutzer verbotener Substanzen (insbeson-
dere Anabolika). Männer geben häufiger als Frauen an,
Dopingmittel eingenommen zu haben. Das gesundheits- Heft 34
gefährdende Potenzial dieser Wirkstoffe ist erheblich, zahl-
reiche Nebenwirkungen bis hin zu einer erhöhten Sterblich-
Doping beim Freizeit- und Breitensport
keit werden beobachtet.
Neben persönlichen Motiven, wie einem übersteigerten
Körperbewusstsein, sind auch gesellschaftliche Faktoren
von Bedeutung, wenn nach den Ursachen des Substanz-
missbrauchs im Freizeitsport gefragt wird. Der oft sorglose
Einsatz von Wirkstoffen, um vermeintliche oder nur
vorübergehend bestehende körperliche oder geistige Beein-
trächtigungen zu kompensieren, ist in unserer Gesellschaft
weit verbreitet. Damit zu entwickelnde Präventionsmaß-
nahmen erfolgreich sind, sollten sie nicht allein auf den
Kontext Sport beschränkt sein. Es geht darum, ein kriti-
sches Bewusstsein gegenüber leistungssteigernden Mitteln
in allen Bereichen des täglichen Lebens zu wecken.

© Robert Koch-Institut

ISBN 978-3-89606-174-4
ISSN 1437-5478 Gesundheitsberichterstattung des Bundes
Gesundheitsberichterstattung des Bundes
Heft 34

Doping beim Freizeit- und Breitensport

Autoren: Carl Müller-Platz, Carsten Boos und R. Klaus Müller

Herausgeber: Robert Koch-Institut


Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 3

Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Die Gesundheitsberichterstattung des Bundes gebündelt und gemeinsam herausgegeben


(GBE) liefert daten- und indikatorengestützte werden. Die fortlaufende Erscheinungsweise
Beschreibungen und Analysen zu allen Bereichen gewährleistet Aktualität. Die Autorinnen und
des Gesundheitswesens. Autoren sind ausgewiesene Expertinnen und
Experten aus dem jeweiligen Bereich.
www.rki.de
Rahmenbedingungen
des Gesundheitswesens
Ω Informationssystem der Gesundheitsbericht-
erstattung des Bundes
Gesundheitliche Lage Ω Das Informationssystem der Gesundheits-
berichterstattung des Bundes liefert als
Online-Datenbank schnell, kompakt und
transparent gesundheitsrelevante Informa-
Gesundheits- Gesundheits- tionen zu allen Themenfeldern der Gesund-
verhalten und probleme, heitsberichterstattung. Die Informationen
-gefährdung Krankheiten werden in Form von individuell gestaltbaren
Tabellen, übersichtlichen Grafiken, verständ-
lichen Texten und präzisen Definitionen
bereitgestellt und können heruntergeladen
Leistungen und Inanspruchnahme
werden. Das System wird ständig ausgebaut.
Derzeit sind aktuelle Informationen aus
über 100 Datenquellen abrufbar. Zusätzlich
können über dieses System die GBE-The-
Ressourcen der Ausgaben,
Gesundheits- Kosten und menhefte sowie weitere GBE-Publikationen
versorgung Finanzierung abgerufen werden.
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Als dynamisches und in ständiger Aktualisierung Ω Schwerpunktberichte


begriffenes System bietet die Gesundheitsbericht- Ω In den Schwerpunktberichten werden spe-
erstattung des Bundes die Informationen zu den zielle Themen der Gesundheit und des Ge-
Themenfeldern in Form sich ergänzender und sundheitssystems detailliert und umfassend
aufeinander beziehender Produkte an: beschrieben.
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Ω Themenhefte der Gesundheitsberichterstattung
des Bundes Die Aussagen der Gesundheitsberichterstattung
Ω In den Themenheften werden spezifische des Bundes beziehen sich auf die nationale,
Informationen zum Gesundheitszustand der bundesweite Ebene und haben eine Referenz-
Bevölkerung und zum Gesundheitssystem funktion für die Gesundheitsberichterstattung
handlungsorientiert und übersichtlich prä- der Länder. Auf diese Weise stellt die GBE des
sentiert. Jedes Themenheft lässt sich einem Bundes eine fachliche Grundlage für politische
der GBE-Themenfelder zuordnen; der inne- Entscheidungen bereit und bietet allen Interes-
re Aufbau folgt ebenfalls der Struktur der sierten eine datengestützte Informationsgrund-
Themenfelder. Somit bieten die Themenfel- lage. Darüber hinaus dient sie der Erfolgskont-
der der GBE sowohl den Rahmen als auch rolle durchgeführter Maßnahmen und trägt zur
die Gliederung für die Einzelhefte. Inhalt- Entwicklung und Evaluierung von Gesundheits-
lich zusammengehörende Themen können zielen bei.
4 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Der Leser- und Nutzerkreis der GBE-Produk-


te ist breit gefächert: Angesprochen sind Gesund-
heitspolitikerinnen und -politiker, Expertinnen
und Experten in wissenschaftlichen Forschungs-
einrichtungen und die Fachöffentlichkeit. Zur
Zielgruppe gehören auch Bürgerinnen und Bür-
ger, Patientinnen und Patienten, Verbrauche-
rinnen und Verbraucher und ihre jeweiligen Ver-
bände.

Das vorliegende Heft 34 der Gesundheits-


berichterstattung des Bundes »Doping beim Frei-
zeit- und Breitensport« lässt sich folgendermaßen
in das Gesamtspektrum der Themenfelder ein-
ordnen:

Rahmenbedingungen
des Gesundheitswesens

Gesundheitliche Lage

Gesundheits- Gesundheits- Gesundheitsgefährdungen


Doping beim Freizeit-
probleme, verhalten und in der Arbeitswelt und
und Breitensport
Krankheiten -gefährdung in der Freizeit

Leistungen und Inanspruchnahme

Ressourcen der Ausgaben,


Gesundheits- Kosten und
versorgung Finanzierung
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 5

Bislang sind folgende Themenhefte der GBE Adressen:


erschienen:
Heft 1 »Schutzimpfungen« Robert Koch-Institut
Heft 2 »Sterbebegleitung« Gesundheitsberichterstattung
Heft 3 »Gesundheitsprobleme bei Fernreisen« Postfach 650261
Heft 4 »Armut bei Kindern und Jugendlichen« 13302 Berlin
Heft 5 »Medizinische Behandlungsfehler« Tel.: 03018-754-3400
Heft 6 »Lebensmittelbedingte Erkrankungen« Fax: 03018-754-3513
Heft 7 »Chronische Schmerzen« gbe@rki.de
Heft 8 »Nosokomiale Infektionen« www.rki.de
Heft 9 »Inanspruchnahme alternativer
Methoden in der Medizin« Statistisches Bundesamt
Heft 10 »Gesundheit im Alter« Zweigstelle Bonn
Heft 11 »Schuppenflechte« Informations- und Dokumentationszentrum
Heft 12 »Dekubitus« Gesundheitsdaten
Heft 13 »Arbeitslosigkeit und Gesundheit« Graurheindorfer Straße 198
Heft 14 »Gesundheit alleinerziehender Mütter 53117 Bonn
und Väter« Tel.: 03018-644-8121
Heft 15 »Hepatitis C« Fax: 03018-644-8996
Heft 16 »Übergewicht und Adipositas« gbe-bund@destatis.de
Heft 17 »Organtransplantation und Organspende« www.gbe-bund.de
Heft 18 »Neu und vermehrt auftretende Infek-
tionskrankheiten«
Heft 19 »Heimtierhaltung – Chancen und
Risiken für die Gesundheit«
Heft 20 »Ungewollte Kinderlosigkeit«
Heft 21 »Angststörungen«
Heft 22 »Hautkrebs«
Heft 23 »Selbsthilfe im Gesundheitsbereich«
Heft 24 »Diabetes mellitus«
Heft 25 »Brustkrebs
Heft 26 »Körperliche Aktivität«
Heft 27 »Schlafstörungen«
Heft 28 »Altersdemenz«
Heft 29 »Hörstörungen und Tinnitus«
Heft 30 »Gesundheitsbedingte Frühberentung«
Heft 31 »HIV und AIDS«
Heft 32 »Bürger- und Patientenorientierung im
Gesundheitswesen«
Heft 33 »Koronare Herzkrankheit und akuter
Myokardinfarkt«

Schwerpunktberichte der GBE


Ω Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Ω Pflege
Ω Gesundheit von Frauen und Männern im mitt-
leren Lebensalter
6 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 7

Doping beim Freizeit- und Breitensport

Einleitung

Über Doping im Freizeit- und Breitensport wird des Athleten nachempfunden – ist dann also eine
in Europa seit rund 20 Jahren berichtet. Auslöser maßgebliche Triebfeder für die Einnahme von
waren epidemiologische Erhebungen bei High- anabolen Wirkstoffen [3, 4].
school-Schülern unterschiedlichen Alters in den Erhebungen zum Doping und Arzneimit-
Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada, telmissbrauch bei sportlicher Betätigung sind in
die den Missbrauch von Anabolika und anderen Deutschland bisher selten. In der ehemaligen
Dopingsubstanzen unter Jugendlichen belegten. DDR war Doping offensichtlich auch ein flächen-
Die Erhebungen entsprangen der Vermutung, deckendes Phänomen im Bereich »Körperkultu-
dass Anabolika konsumiert werden, einerseits ristik« (entspricht dem westlichen Bodybuilding
um im Schulsport zu glänzen, andererseits auch, und dem Kraftsport) [5]. Auch in der Laufbewe-
um den Körper athletisch zu formen. Im Leis- gung der ehemaligen DDR gab es wohl Anabolika-
tungssport dagegen werden diese Substanzen Doping im Breitensport. Vermutlich wurden sogar
zur unerlaubten Leistungssteigerung eingesetzt. Dopingexperimente durchgeführt [6].
Es werden Parallelen zum Arzneimittel- und
Drogenmissbrauch zur Kompensation von Stress
oder Überbelastung im Beruf vermutet. Freizeitsport und Breitensport: Definitionen und
Der oft sorglose Einsatz von Wirkstoffen, Beispiele
insbesondere, um vermeintliche oder oft nur
vorübergehend bestehende körperliche oder Die Bezeichnung »Breitensport« leitet sich aus
geistige Beeinträchtigungen zu kompensieren, der pyramidalen Darstellung der Sportaktivitä-
ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Kon- ten in der Gesellschaft ab: eine breite Basis vieler
zentrationsfördernde oder beruhigende Mittel Sporttreibender (der Breitensport) trägt den Wett-
werden schon bei Kindern eingesetzt, häufiger kampfsport; die Spitze bildet der Hochleistungs-
Gebrauch von Schmerzmitteln, Schlaf- oder sport.
Wachmitteln ist ebenfalls aus verschiedenen Unter dem Begriff »Breitensport« wird die Ge-
Studien bekannt. Auch der verbreitete Alkohol- samtheit unterschiedlichster organisierter Sport-
und Nikotinkonsum ist Gegenstand vieler Un- angebote zusammengefasst; die Sporttreibenden
tersuchungen. Doping und Arzneimittelmiss- sind in der Regel in Sportvereinen organisiert.
brauch im Breiten- und Freizeitsport gehören Der Freizeitcharakter der sportlichen Betätigung
in diesem Sinne zum sorglosen Umgang mit hat in der Gesellschaft zunehmend an Bedeutung
Wirkstoffen. Im Hinblick auf die Gesamtprob- gewonnen und ist auch nicht mehr an Strukturen
lematik findet dieses spezielle Feld bisher kaum wie Vereine geknüpft. Er beruht eher auf der Be-
Beachtung. Deshalb ist die Hervorhebung dieses gegnung von Menschen gleicher sportlicher Inte-
Teilproblems wichtig. Hinsichtlich der Drogen- ressen. Während im Breitensport der Wettkampf
affinität kann auf einschlägige Studien verwiesen auf lokaler oder auf regionaler Ebene als Betäti-
werden [1]. gungsfeld angesehen wird und die Motivation der
Der Missbrauch von anabolen Wirkstoffen sportlichen Betätigung auf Wettkampfbeteiligung
und der Beikonsum verschiedener anderer Wirk- zielt, ist der Freizeitsport nicht mehr zwingend auf
stoffe wird mit dem Bodybuilding in enger Korre- Beteiligung am Wettkampf ausgerichtet, sondern
lation gesehen [2]. zielt auf sportliche Freizeitbeschäftigung. Wohl-
Im Freizeitsport werden insbesondere Anabo- fühlen, ein positives Körpergefühl (Wellness) und
lika missbraucht, wenn Körperbetonung im Vor- Gesundheitsaspekte stehen im Vordergrund [7]
dergrund steht. Übersteigertes Körperbewusst- und unterscheiden den Freizeitsport vom Breiten-
sein – bei Männern dem hellenistischen Ideal sport. Eine andere Sichtweise unterscheidet den
8 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Breitensport in einen wettkampfgebundenen und gen teilzunehmen bzw. Wettkampfsportler oder


einen wettkampfungebundenen Teilbereich. Letz- -sportlerinnen die Einrichtung zu Trainingszwe-
terer wird als Freizeitsport bezeichnet [8]. Zwar cken nutzen.
werden im Freizeitsport vereinzelt Wettkämpfe Im Jahr 2002 waren 55,1 % der Mitglieder
ausgetragen, diese Wettkampfformen sind jedoch in Fitnessanlagen Frauen, 44,9 % der Mitglieder
nicht in ein vorgegebenes Muster hierarchischer Männer [9].
Ligen eingefügt, sondern werden aus dem Sport- Während die Trainingsmöglichkeiten an be-
geschehen selbst lokal oder regional organisiert. reitgestellten Geräten nahezu gleich blieben, nah-
Die nachfolgend genannten Beispiele sind men die Fitness- und Wellnessangebote in den
sowohl dem Freizeit- als auch dem Breitensport letzten Jahren zu. Eine Verbindung zwischen der
zuzuordnen. Bodybuilding-Bewegung und den Fitnessstudios
besteht aufgrund des dort möglichen Krafttrai-
nings an den Geräten.
Die Fitnessstudios Die Entwicklung der Fitnessanlagen als Wirt-
schaftszweig belegt, dass damit Bedürfnisse in der
Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich die Sportsze- Gesellschaft befriedigt werden. In einer Befragung
ne neben dem hauptsächlich durch ehrenamtli- von mehr als 1.000 Fitnessstudionutzerinnen und
ches Engagement getragenen Vereinssport auch -nutzern wurden drei allgemeine Motivationskom-
kommerziell entwickelt. Diese kommerziellen plexe analysiert [11]:
Sportangebote bestehen insbesondere in den An-
geboten von Fitnessstudios, deren Zahl rasch zu- Ω Körperformungswünsche
genommen hat (siehe Abbildung 1). Heute gibt es Ω Individuelle Autonomie des Sporttreibens
in Deutschland insgesamt ca. 6.500 Studios mit Ω Gesundheit.
mehr als 4,6 Millionen Mitgliedern [9], der Markt
scheint heute gesättigt (vgl. Abbildung 2).
Fitnessstudios bieten wetterunabhängige
Grundvoraussetzungen für spezielles Sporttrei-
ben und das selektive Trainieren von Muskelgrup-
pen. Die Durchlässigkeit zum Wettkampfsport ist
gegeben, wenn sich Einzelpersonen oder Gruppen
entscheiden, an offenen Wettkampfveranstaltun-

Abbildung 1 Abbildung 2
Anzahl der Fitnessanlagen in Deutschland (1975 bis 2001) Mitglieder in Fitnessanlagen
Quelle: Verband Deutscher Fitness- und Freizeitunter- Quelle: Verband Deutscher Fitness- und Freizeitunter-
nehmen e. V. [10] nehmen e. V. [10]
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Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 9

Auch zehn Jahre später gaben die Befragten von Die Städte-Marathons
Fitnessstudios vergleichbare Antworten (siehe
Tabelle 1). Ein Beispiel für die Verbindung von Leistungs-,
Breiten- und Freizeitsport sind Marathonläufe,
Tabelle 1
Motivation für Fitnesstraining
die mittlerweile kommerziell organisiert werden.
(Mehrfachnennungen möglich) [12] Bereits 1963 wurde in Deutschland das erste der-
artige Laufereignis veranstaltet. Vorbild waren die
Motivation Zustimmung in der Schweiz längst üblichen Waffenläufe.
Besser aussehen 71 % Seit Jahren werden in vielen Städten Deutsch-
Gesundheit verbessern 67 % lands, Europas und in Übersee jährliche Ma-
Abnehmen 49 % rathonläufe organisiert [14]. Sie erfreuen sich
großer Beliebtheit. Bei solchen Veranstaltungen
Freie Trainingszeiten 36 %
treffen Sportlerinnen und Sportler aus dem Leis-
Neue Leute kennen lernen 19 %
tungs-, Breiten- und Freizeitsport zusammen, die
einen, um zu gewinnen oder Qualifikationszeiten
zu erreichen, andere aus Spaß oder um sich der
In einer von der FH Worms im Auftrag des Herausforderung zur Bewältigung einer außer-
Verbandes Deutscher Fitness- und Freizeitunter- gewöhnlichen Leistung zu stellen [15]. Soweit bei
nehmen e. V. (VDF) durchgeführten Befragung der Teilnahme der Wettkampfcharakter im Vor-
von 1.052 Fitnesssportlern (53 % Frauen, 47 % dergrund steht, werden zumindest bei den plat-
Männer) gaben 69,2 % »Fitness/Ausdauer«, zierten Sportlerinnen und Sportlern Dopingkont-
57,4 % »Gesundheit«, 45,8 % »Spaß« und 36,1 % rollen durchgeführt.
»Muskelaufbau« als Gründe für den Besuch der Rollstuhlfahrer und die Trendsportart Inline-
Studios an [13]. skaten [16] haben sich bei diesen Ereignissen ei-
Es gibt keine Auswertungen, die einen ein- nen festen Platz erworben. Mittlerweile hat auch
deutigen Vergleich der Motivationslage von Fit- die Walking-Bewegung Eingang gefunden.
nessstudiokundinnen und -kunden ermöglichen,
die keine Arzneimittel missbrauchen, und sol-
chen, die Arzneimittel missbrauchen (bzw. sich Doping
dopen). Es lässt sich aus den verfügbaren Studien
aber ableiten, dass als Gründe für Doping und Arz- Der Begriff »Doping« ist im Sport (aber auch in
neimittelmissbrauch zuerst Muskelaufbau gefolgt der Werkstofftechnik) seit Langem gebräuchlich,
von Bodybuilding und Kraftzuwachs angegeben ohne dass sein Ursprung genau geklärt wäre [17,
werden. Fitness und kürzere Erholungszeit zwi- 18, 19, 20].
schen Trainingseinheiten werden nur nachrangig
genannt.
Wie in anderen Ländern ist auch in Deutsch- Doping im Sport
land heute die Fitnessstudioszene sehr heterogen.
Nach Angaben des VDF sind 61,8 % der Studios Es gibt immer wieder Definitionsversuche des
gesundheits- und medizinorientiert, 40,0 % Dopings im Sport; in Deutschland den ersten
– meist kleine Studios – geben dem Krafttraining durch die Vereinigung der deutschen Sportärzte
den Vorzug, 34,5 % positionieren sich mit ver- im Jahr 1952 [21]. Das Internationale Olympische
schiedenen Kursangeboten, aber nur 8,6 % sind Komitee (IOC) definierte das Doping über eine
wellnessorientiert (Mehrfachantworten möglich) Liste verbotener Wirkstoffe und verbotener Metho-
[9]. den erstmals 1968 [22].
Artikel 2 des Europäischen Übereinkom-
mens gegen Doping vom 16. November 1989 [23]
definiert den Begriff »Doping im Sport« als den
Einsatz von verbotenen Wirkstoffen oder verbote-
nen Methoden bei Sportlerinnen oder Sportlern,
10 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

die regelmäßig an organisierten Sportveranstal- Arzneimittelmissbrauch wird als »zweckent-


tungen teilnehmen. Diese regelmäßige Teilnah- fremdeter Gebrauch von Arzneimitteln in über-
me wurde deshalb in den Text des Abkommens höhten Dosen ohne medizinische Notwendigkeit«
eingefügt, um nicht jede sportliche Betätigung [25] bzw. »die übermäßige regelmäßige oder spo-
mit Dopingkontrollen zu überziehen. Da der radische Verwendung eines Arzneimittels, das
Breitensport auf Wettkampfbetrieb ausgelegt ist, vom medizinischen Standpunkt nicht erforderlich
kann auch im Breitensport von Doping gespro- ist« [26] beschrieben. Im Gemeinschaftsrecht der
chen werden. Europäischen Union ist folgende Definition veran-
Im Spitzensport gilt nun die Doping-Definition kert: »Missbrauch eines Arzneimittels: Die beab-
im Welt Anti-Doping Code (WADC) [24]. Grund- sichtigte, ständige oder sporadische übermäßige
lage ist die Liste der verbotenen Wirkstoffe und Verwendung von Arzneimitteln mit körperlichen
Methoden geblieben, die jährlich aktualisiert und oder psychologischen Schäden als Folge.« [27].
als rechtlich verbindlich im Bundesgesetzblatt II Diese Definition trifft auch auf den Missbrauch
veröffentlicht wird. Daneben wird z. B. die Verwei- in der Fitnessszene zu. Wirkstoffe wie Anabolika
gerung der Abgabe einer Dopingprobe, der Besitz werden im Übermaß verwendet, subjektiv wahr-
von oder Handel mit verbotenen Wirkstoffen sowie genommene körperliche und psychische Verän-
Versäumnisse, z. B. die nicht erfolgte Meldung von derungen werden ignoriert und münden in vielen
Reisetätigkeit, als Dopingvergehen gewertet. Fällen in entsprechende Erkrankungen.
Die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA)
und das Nationale Olympische Komitee (NOK)
Deutschlands haben den Code unterzeichnet. Als Institutionen der Dopingbekämpfung
weiteres staatliches Instrument zur Übernahme
der Regelungen des WADC wurde in der Zustän- Eine umfassende Bestandsaufnahme zur Doping-
digkeit der UNESCO die Internationale Anti-Do- bekämpfung in Deutschland wurde anlässlich des
ping Konvention entwickelt. Ratifizierungsverfahrens des Ȇbereinkommens
Die Dopingsubstanzen sind Arzneimittel- gegen das Doping« des Europarates vom Deut-
wirkstoffe und unterliegen damit den Regelungen schen Bundestag in Auftrag gegeben und vom
des Arzneimittelgesetzes, insbesondere des § 6a zuständigen Bundesministerium des Innern
(Verbot von Arzneimitteln zu Dopingzwecken dem Parlament als »Anti-Doping-Bericht« [28]
im Sport), wenige sogar dem Betäubungsmittel- vorgelegt. Dieser Bericht erläutert die damalige
gesetz. Das nicht genehmigte Inverkehrbringen Dopingbekämpfung im Spitzensport. Zentrale
dieser Substanzen ist damit ein Tatbestand im Einrichtungen waren die gemeinsame Anti-Do-
Nebenstrafrecht. Die Einnahme selbst ist dagegen ping-Kommission (ADK) vom Deutschen Sport-
nicht strafbar und insoweit ist der dopende Sport- bund (DSB) und dem Nationalen Olympischen
ler oder die Sportlerin davon nicht erfasst. Sie wer- Komitee (NOK) und das Bundesinstitut für Sport-
den jedoch entsprechend dem Verbandsreglement wissenschaft (BISp), das insbesondere Forschungen
bestraft, in der Regel sind dies Aberkennung von in der Dopingbekämpfung unter Einbindung der
Sieg oder Platzierung und zeitlich begrenzte Ver- beiden akkreditierten Dopingkontrolllaboratorien
bote, an Wettkämpfen teilzunehmen (Wettkampf- in Köln und Kreischa/Dresden und der Analysen
sperre). Im Wiederholungsfall kann auch eine der Kontrollen deutscher Wettkämpfe finanzierte
lebenslange Sperre ausgesprochen werden. und koordinierte.
Die Wettkämpfe im Breitensport werden Länder und Kommunen tragen die Verantwor-
nicht mit Dopingkontrollen überzogen. Sport- tung für die Förderung des Sports. Die Sportförde-
lerinnen und Sportler im Breiten- und Freizeit- rung des Bundes konzentriert sich auf den Spitzen-
sport träfe mangels Reglement auch keinerlei sport wegen seiner internationalen Auswirkungen
Sanktion. Da Freizeitsport nicht in organisierten [29]. Der Gesamtumfang der Förderung des Sports
Wettkampfveranstaltungen ausgeübt wird, ist der durch die Bundesregierung kann ihrem Sportbe-
Einsatz von Dopingwirkstoffen hier weniger als richt entnommen werden [30]. Dem Bundesmi-
Doping, vielmehr als Arzneimittelmissbrauch zu nisterium des Innern (BMI) nachgeordnet ist das
bezeichnen. Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp).
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 11

Die Länder haben mit der Ratifizierung des Auch die Tätigkeit der WADA sowie der Welt
Übereinkommens gegen das Doping des Europa- Anti-Doping Code sind vorrangig auf die Doping-
rates die Arbeitsgruppe »Antidoping« für die bekämpfung im Spitzensport, dem olympischen,
Fragen der Prävention eingerichtet. In dieser paralympischen und sonstigen Hochleistungs-
Arbeitsgruppe wirkt der Bund mit. Die Arbeits- sport wie auch dem Sport mit Wettkampftieren
gruppe befasst sich auch mit Fragen des Dopings ausgelegt. Deutschland ist im Kuratorium und
bei Freizeit- und Breitensport und ist weiter paral- dem Vorstand der WADA indirekt durch den
lel zur NADA aktiv. Europarat und die Europäische Union vertreten.
Aufgrund der Dopingfälle bei der Tour de
France im Jahr 1998 wurde auf der eilig vom IOC
einberufenen Weltkonferenz gegen Doping im Häufigkeit von Doping beim Freizeit
Februar 1999 die Bildung einer weltweiten Anti- und Breitensport
Doping Agentur und die Erarbeitung eines welt-
weiten Anti-Doping Programms beschlossen.
Schon im November 1999 wurde die Welt Anti- In Europa werden seit 1987 Studien zum Miss-
Doping Agentur (WADA) gegründet. brauch von leistungssteigernden Mitteln durchge-
Im Jahr 2002 wurde in Deutschland die Stif- führt (siehe Tabelle im Anhang). Diese Erhebun-
tung »Nationale Anti-Doping Agentur« (NADA) gen lassen sich in fünf Kategorien unterteilen:
gegründet, die die Aufgaben der ADK und des
BISp auf dem Gebiet der Dopingbekämpfung Ω Befragungen der Bevölkerung
fortführt und weitere Aufgaben entsprechend Ω Befragungen von jungen Menschen in Schule
ihrer Satzung übernommen hat. Auch ihre Auf- und Freizeit
gaben beschränken sich vorrangig auf den Spit- Ω Befragungen und Analysen bei Breitensport-
zensport. Im Rahmen der Dopingprävention wirkt veranstaltungen
sie in den Freizeit- und Breitensport hinein. Das Ω Befragungen der Kunden von Fitnessstudios
BISp fördert nur noch Forschungen zur Verbesse- Ω Befragungen und Analysen bei Bodybuildern.
rung der Dopinganalytik.
Die Europäische Kommission hat bisher Eine umfangreiche Zusammenstellung von
keine Zuständigkeiten im Sport. Sie hatte in den Umfragen in Europa ist in der französischen
Jahren 1999/2000 und 2000/2001 jedoch zwei medizinischen Presse veröffentlicht [32]. Derselbe
Pilot-Forschungsprogramme aufgelegt und da- Autor hat auch eine Studie zur Einstellung von
rin auch Projekte zum Doping im Freizeit- und Trainerinnen und Trainern zum Doping verfasst
Breitensport gefördert. Eines dieser Projekte hatte [33].
zum Ziel, Drogenpräventionsmaßnahmen auf die In Deutschland wurden bis heute vier Studien
Dopingbekämpfung anzuwenden [31]. durchgeführt: Zwei aufeinander folgende Studien
Auf der Weltkonferenz gegen Doping in Ko- wurden vom Sportreferat des Niedersächsischen
penhagen im Jahr 2003 hat die WADA für die Koor- Innenministeriums zusammen mit der Ständigen
dination der Bekämpfung des Dopings im Spitzen- Konferenz der Sportminister/-senatoren der Län-
sport den Welt Anti-Doping Code zur Zeichnung der in Auftrag gegeben [34, 35]. Eine dritte Studie
durch die Nationalen Olympischen Komitees, die wurde in Eigeninitiative von der Universitätsklinik
internationalen Verbände und Nationalen Anti- Lübeck für den Raum Schleswig-Holstein durch-
Doping Organisationen ausgelegt. Gleichzeitig geführt [12, 36] und mit Hilfe von Landes- und
haben viele Staaten, darunter Deutschland, die so Bundesmitteln als Multicenter-Studie auf weitere
genannte Kopenhagen-Deklaration unterzeichnet, Regionen ausgedehnt [37]. Die vierte Studie, der
in der sie sich verpflichten, die WADA zu unter- Lübecker Studie nachempfunden, stammt aus
stützen und eine Welt Anti-Doping Konvention dem Jahr 2002 und erstreckte sich auf den süd-
unter dem Dach der UNESCO zu entwickeln. Die deutschen Raum [38].
Weltkonvention gegen Doping wurde am 25. Okto- Ergänzend wurden im Rahmen des EU-geför-
ber 2005 von der Vollversammlung der UNESCO derten Projekts »Dopingbekämpfung in kommer-
verabschiedet und ist zur Zeichnung aufgelegt. ziell geführten Fitnessstudios« unter Verwendung
12 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

eines vergleichbaren Erhebungsinstruments wei- stoffgruppen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein gro-
tere Studiobesucher in Hessen und umgebenden ßer Teil der jüngeren Bevölkerung in Deutschland
Bundesländern befragt [39]. vermutet, dass Doping im Breitensport ein Pro-
Die im Folgenden vorgestellten Ergebnisse blem darstellt.
einzelner Studien sind insbesondere wegen des
Stichprobenumfanges nicht repräsentativ. Sie sa-
gen nur bedingt etwas aus, da die persönliche Teil- Erhebungen bei jungen Menschen in Schule und
nahmebereitschaft an der Befragung und andere Freizeit
Faktoren nicht hinreichend erfasst werden kön-
nen. Die Umfragen, z. B. in den Fitnessanlagen, Zum Missbrauch von Dopingsubstanzen unter
zeigen allerdings eine gute Übereinstimmung Schülerinnen, Schülern und Jugendlichen liegen
beim Umfang des Arzneimittelmissbrauchs. eine Reihe von Studien aus den USA und Kana-
da vor [41, 42, 43, 44]. In diesen Ländern hat der
Sport einen hohen Stellenwert in Highschools und
Erhebungen in der Bevölkerung Colleges; eine Vereinsstruktur wie in Deutschland
gibt es nicht.
Regelmäßig in der Bevölkerung erhobene Daten, Die Ergebnisse dieser Studien können in eini-
in denen die Einschätzung zum Doping oder gen Kernaussagen zusammengefasst werden:
Missbrauch von Arzneimitteln im Sport abgefragt
wird, liegen für Deutschland nicht vor. Anlässlich Ω Etwa 6 % bis 8 % der Jugendlichen haben ein-
einer parlamentarischen Anfrage im Niedersäch- schlägige Erfahrungen mit dem Konsum von
sischen Landtag und im Zuge der Ratifizierung Anabolika und anderen Dopingsubstanzen.
der Konvention des Europarates gab das Nieder- Ω Die Einnahme bei männlichen Jugendlichen ist
sächsische Innenministerium eine Pilotstudie mehr als doppelt so häufig wie bei Mädchen.
zur Einstellung junger Menschen zum Doping Ω Ein Teil der Jugendlichen injiziert die Anabolika.
im Sport in Auftrag [34]. In der Hauptstudie wur- Ω Jugendliche, die andere Drogen nehmen, neh-
den neben Schülerinnen und Schülern aus Nieder- men vermehrt auch Anabolika.
sachsen und Berlin auch junge Erwachsene bis
25 Jahre befragt [35]. Aus der Schweiz liegen Die Ergebnisse sind aber wegen der unterschied-
Ergebnisse einer Studie mit ähnlicher Fragestel- lichen Strukturen der Sportangebote nicht ohne
lung vor, in die die gesamte Bevölkerung einbezo- Weiteres auf Deutschland übertragbar.
gen wurde (siehe Tabelle 2) [40]. Eine direkte Befragung über den Missbrauch
Unter den in der deutschen Untersuchung von Dopingsubstanzen bei Jugendlichen bzw.
befragten 19- bis 25-Jährigen (N=674) kannten Schülerinnen und Schülern gibt es in Deutsch-
15 % Personen, die Dopingsubstanzen einnah- land nicht. In anderen europäischen Staaten
men, persönlich. 49,4 % der befragten jungen wurden Schülerinnen und Schüler nach einem
Erwachsenen kennen auch die verbotenen Wirk- Dopingmissbrauch befragt (siehe Tabelle 3); die-

Tabelle 2
Einschätzung des Dopingproblems außerhalb des Spitzensports

Schweiz (1995) [40] Deutschland (1996) [35]


Anzahl der Befragten 1.201 674
Alter der Befragten 18 – 74 Jahre 19 – 25 Jahre
Doping im Breitensport ist ein Problem 81,0 % *
Dopingvermutung außerhalb des Spitzensports 68,0 %
Bekanntheit von Quellen für Dopingmittel Ja 28,6 %
* Gerundet nach Diagramm
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 13

se Angaben können vergleichend herangezogen Befragten und 56,7 % der weiblichen Befragten
werden. vermuten Doping auch außerhalb des Spitzen-
Bei einer weiteren Erhebung mit 633 Befrag- sports; eine persönliche Bekanntschaft mit Do-
ten gaben 2,8 % (4,4 % der männlichen und 1,0 % pingkonsumenten berichten 13,9 % männlichen
der weiblichen) College-Studenten (61 % bis 19 aber nur 6,4 % der weiblichen Befragten. 49,6 %
Jahre, 39 % 20 Jahre und älter) zu, anabole Ste- der männlichen und 34,1 % der weiblichen Be-
roide einzunehmen. Mehr als die Hälfte (56 %) fragten kennen Dopingsubstanzen. Nach der
begannen den Missbrauch bereits im Alter von Kenntnis von Bezugsquellen befragt, antworten
15 Jahren oder sogar noch früher [48]. 33,5 % der männlichen und 21,5 % der weiblichen
Angaben zur Einstellung junger Menschen Befragten, dass sie wüssten, was sie unterneh-
zum Doping im Sport lassen sich der bereits er- men müssten, um an entsprechende Mittel heran-
wähnten Studie aus Niedersachsen entnehmen zukommen.
[34]. Keiner der in dieser Pilotstudie befragten Ein deutlicher Unterschied zeigt sich zwi-
Schülerinnen und Schüler (N=97) im Alter von schen den Schülerinnen und Schülern der ver-
15 bis 19 Jahren gab an, jemals Dopingsubstan- schiedenen Schulformen. Wissensfragen, wie z. B.
zen eingenommen zu haben. Legale Maßnah- nach Dopingsubstanzen, beantworten Gymna-
men zur Leistungssteigerung im Sport sind siasten doppelt so häufig richtig wie Hauptschüler.
zwar bekannt, werden aber nicht genutzt. 57 % Doping außerhalb des Spitzensportes wird, ver-
der befragten Jugendlichen kennen aber Doping- glichen mit Schülern anderer Schultypen, am häu-
substanzen, und die Hälfte der Jugendlichen gibt figsten von Realschülern vermutet. Die Kenntnis
an, Bezugsquellen wie »Bekannte und Freunde« von Quellen für Dopingsubstanzen ist dagegen
(32 %) oder »Apotheken« (30 %) für den Bedarfs- von der Schulform unabhängig.
fall zu kennen. 11 % der Jugendlichen nennen Die Schülerinnen, Schüler und jungen Er-
Fitnessclubs, bei denen sie vermuten, dass »un- wachsenen wurden auch danach befragt, ob sie
ter dem Ladentisch« »entsprechende Mittel« zu regelmäßig oder gelegentlich ein Fitnessstudio be-
kaufen sind. 39 % der Schüler und Schülerinnen suchen (siehe Tabelle 4). Wenn die Jugendlichen
mochten nicht ausschließen, dass Doping im durch das Training in den Fitnessstudios athle-
Breitensport stärker verbreitet ist, als es sich in tisches Aussehen oder den Zugewinn an Kraft
der Öffentlichkeit darstellt. anstreben, können sie möglicherweise gefährdet
Aufgeteilt nach Geschlecht, belegen die Er- sein, leistungssteigernde oder muskelaufbauen-
gebnisse der Hauptstudie [35], dass die Wahrneh- de Substanzen zu konsumieren. Aus der Zusam-
mung der Dopingproblematik und Kenntnisse menstellung in Tabelle 4 wird deutlich, dass einige
dazu bei weiblichen und männlichen Jugendli- Jugendliche schon ab einem Alter von 14 Jahren
chen stark differieren: 46,7 % der männlichen regelmäßig ins Fitnessstudio gehen.

Tabelle 3
Missbrauch von Dopingsubstanzen bei Jugendlichen

Land Stichprobe Jahr Alter Missbrauch Autor


Schweiz > 5.500 1994 11–16 Anabolika: Kamber [45]
1,7 % (Jungen)
0,5 % (Mädchen)
Stimulanzien:
4,6 % (Jungen)
2,0 % (Mädchen)
Schweden 5.827 2000 16–17 Anabolika: Nilsson [46]
2,9 % (Jungen)
0,0 % (Mädchen)
Großbritannien 7.722 1995 15–16 Anabolika: Miller [47]
2,2 % (Jungen)
1,0 % (Mädchen)
14 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Während sich beim regelmäßigen Besuch Bergsteigen ist ein besonders in den Alpen-
keine großen Unterschiede zwischen den Schü- ländern weit verbreiteter Freizeitsport, der mit-
lerinnen und Schülern der verschiedenen Schul- unter körperliche Höchstleistungen abfordert. In
formen abzeichnen, sind deutlich mehr Haupt- einer österreichischen Studie wurden Bergsteiger
schülerinnen und -schüler bereits gelegentlich im gebeten, freiwillig eine Urinprobe abzugeben. In
Fitnessstudio gewesen. Dies stimmt mit der in der 3,6 % der 253 gesammelten Urinproben wurden
deutschen Multicenter-Studie [37] gefundenen Ab- Amphetamine, verbotene Dopingsubstanzen aus
hängigkeit zwischen Schulbildung und Tendenz der Gruppe der Stimulanzien, nachgewiesen [52].
zum Besuch von Fitnessstudios überein.

Erhebungen in Fitnessstudios
Erhebungen im Breiten- und Freizeitsport
In Fitnessstudios in Deutschland wurden bisher
Wie bereits erwähnt werden bei den meisten keine Dopingkontrollen durchgeführt. Die rechtli-
Städte-Marathonläufen in Deutschland, in denen chen Voraussetzungen hierfür sind nicht gegeben.
Spitzensport, Breitensport und Freizeitsport In vielen anderen Staaten scheint dies ähnlich zu
aufeinander treffen, Dopingkontrollen durchge- sein. Für diesen Bereich gibt es deshalb meist nur
führt. Meist sind es nur die Erstplatzierten, die zur Erhebungen durch Fragebogen (siehe Tabelle 5).
Kontrolle gebeten werden, bei einigen City-Mara- Eine der ersten umfassenden Erhebungen in
thonläufen werden aber zusätzlich einige weitere Fitnessstudios in Europa geht auf eine Initiative
Sportlerinnen und Sportler ausgelost. des »Zentrums für Forschung über Drogen und
In der Schweiz wurden weitergehende Unter- Gesundheitsverhalten« 1992 in Großbritannien
suchungen bei einer großen Anzahl von Teilneh- zurück [53]. Eine weitere Studie wurde zur selben
merinnen und Teilnehmer bei Marathonläufen Zeit in West Glamorgan durchgeführt [54]. Im
durchgeführt. Die Ergebnisse belegen zwar den Jahr 1996 wurde eine vergleichbare Befragung
häufigen Gebrauch von Arzneimitteln unter in Nord-West-England vorgenommen [55]. Im
Breiten- und Freizeitsportlern, klassische Doping- Zusammenhang mit der EU-Studie »Doping-
substanzen wurden aber nur in einem Fall ent- bekämpfung in kommerziellen Fitnessstudios«
deckt. Bei den Arzneimitteln handelte es sich in im Jahr 2000 wurden in Belgien, Deutschland,
den meisten Fällen um Schmerzmittel, Asthma- Italien und Portugal insgesamt 820 Fragebögen
mittel, Rheumapflaster [45, 49, 50, 51]. ausgewertet [56].

Tabelle 4
Abhängigkeit des Studiobesuches vom Alter und von der
besuchten Schulform (zusammengestellt aus [35])

Alter (Anzahl der Befragten) Regelmäßiger Studiobesuch Gelegentlicher Studiobesuch


14 – 15 Jahre (N=771) 3,8 % 11,5 %
16 – 18 Jahre (N=1.009) 6,4 % 15,3 %
19 – 21 Jahre (N=306) 11,1 % 18,0 %
22 – 25 Jahre (N=368) 7,6 % 15,8 %
Schulform (Anzahl der Befragten)
Hauptschüler/-schülerinnen (N=317) 5,6 % 20,3 %
Realschüler/-schülerinnen (N=384) 3,4 % 15,0 %
Gymnasiasten/Gymnasiastinnen (N=729) 5,2 % 10,3 %
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 15

In Deutschland gibt es vier Erhebungen in nehmer für die untersuchten Gruppen unter-
Fitnessstudios: schiedlich bzw. nicht bekannt. Insbesondere ist
der Anteil der Frauen, die sich an den Befragun-
Ω Die Studie in Lübeck; Anzahl der ausgewerte- gen beteiligt haben, deutlich geringer als der
ten Antworten: 255 [12, 36]. durchschnittliche Frauenanteil in Fitnessstudios.
Ω Die Multicenter-Studie als Erweiterung der Stu- Die Quote des Missbrauchs ist auch stark
die aus Lübeck; Anzahl der ausgewerteten Ant- abhängig von der Art des Studios. Korkia [57]
worten: 454, einschließlich der 255 Befragten beschreibt, dass die Missbrauchsrate zwischen
aus Lübeck [37]. Die Studie aus Lübeck wurde einzelnen Studios stark schwankt (0 % bis 45,9 %).
im Jahr 1997 aus eigener Initiative entwickelt Lenehan [55] unterscheidet zwischen »Hard-
und in den Jahren 1999/2000 auf weitere core-Studios« (mit Geräten für Schwergewicht-
Regionen (Altenberg, Augsburg, Hamburg, Training, Anwesenheit von Bodybuildern, wenig
Köln) in Deutschland ausgedehnt. Frauen), »Mixed-Studios« (weniger Gewichtstrai-
Ω Eine im Rahmen der EU–Studie durchgeführte ning, weniger Bodybuilder, mehr Frauen) und
Umfrage, bei der 101 Antworten ausgewertet »Fitnessstudios« (leichte Gewichte, viele Frauen,
werden konnten [39]. Ausrichtung auf Gesundheitstraining). Dabei ist
Ω Eine Studie in Süddeutschland mit 621 Ant- der Anteil der Anabolika-Konsumenten in Hard-
worten [38]. core-Studios (29,5 %) deutlich höher als in den
anderen Studiotypen.
In der Studie in Süddeutschland wurden 1.802
Fragebögen in 113 Fitnessclubs verteilt. Mit 621
Antworten (62,8 % Männer, 37,2 % Frauen) lag Die »Lübecker Studie« und »Multicenter-Studie«
der Rücklauf bei 34,5 %. In 13,5 % (3,9 % Frauen,
19,2 % Männer) der beantworteten Fragebögen Um einen Beitrag zur Einschätzung des Arznei-
wurde ein Missbrauch von Dopingsubstanzen zu- mittelmissbrauchs bei Fitnesssportlerinnen und
gegeben [38]. Auch die übrigen Ergebnisse sind -sportlern in Deutschland zu leisten, wurden im
ähnlich den Ergebnissen der Multicenter-Studie Jahr 1997 Befragungen in Fitnessstudios in Lübeck
[37]. und Umgebung durchgeführt [12, 36]. Eine Ein-
Der Rücklauf in der EU-Studie betrug bei teilung in verschiedene Arten von Fitnessstudios
großen Unterschieden zwischen den Ländern wie bei den vorhergegangenen Studien in Groß-
insgesamt 27 %. Die Missbrauchsrate lag bei ca. britannien wurde nicht vorgenommen; die Frage-
6 % [56]. bögen wurden aber nur an Sporttreibende verteilt,
Ein Vergleich der Studien ist problematisch, die mindestens drei Monate Trainingserfahrung
da die Ergebnisse unter unterschiedlichen metho- sowie Grundkenntnisse des Krafttrainings besa-
dischen Voraussetzungen gewonnen wurden. So ßen. 255 von 490 verteilten Fragebögen, das ist
sind die Teilnahmequote an den Studien und die ein Rücklauf von 52 %, konnten ausgewertet wer-
Repräsentativität der Teilnehmerinnen und -teil- den. Die Ergebnisse dieser Studie wurden 1999 in

Tabelle 5
Kenngrößen von Erhebungen in Fitnessclubs in Europa

Großbritannien Großbritannien Großbritannien Deutschland Deutschland


(Multicenter) [53] (West Glamorgan) [54] (Nord-West-England) [55] (Multicenter) [37] (Hessen) [39]
21 Fitnessstudios (keine Angabe) 43 Fitnessstudios 58 Fitnessstudios 34 Fitnessstudios
2.834 Fragebögen 300 Fragebögen 1.954 Fragebögen 1.297 Fragebögen 900 Fragebögen
1.677 Rücklauf 160 Rücklauf 1.105 Rücklauf 454 Rücklauf 101 Rücklauf
(59,2 % ) (53,3 % ) (56,6 % ) (35,0 % ) (11,2 % )
Anabolikaeinnahme Anabolikaeinnahme: Arzneimittelmiss- Arzneimittelmiss- Arzneimittelmiss-
jemals: 7,7 % 38,8 % brauch: 24,1 % brauch: 19,0 % brauch: 5,0 %
(9,1 % Männer, (keine Angaben (26,7 % Männer, (22,0 % Männer, (keine Angaben
2,3 % Frauen) zum Geschlecht) 8,8 % Frauen) 8,0 % Frauen) zum Geschlecht)
16 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

einer Kleinkonferenz im Bundesinstitut für Sport- liche Unterschiede bei Studiokundinnen und
wissenschaft [58] diskutiert und anschließend mit -kunden ohne und mit Arzneimittelmissbrauch
finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen ab: 69 % aller männlichen und weiblichen Studio-
Innenministeriums und des Bundesinstitutes für besucher gaben den Aufbau von Muskelmasse als
Sportwissenschaft auf verschiedene Städte im Bun- vorrangiges Trainingsziel an (kein Missbrauch:
desgebiet zu einer Multicenter-Studie erweitert. 63 %, Missbrauch: 91 %), gefolgt von Kraftzu-
Dabei wurden weitere 807 Fragebögen verteilt, der wachs bei 49 % (kein Missbrauch: 48 %, Miss-
Rücklauf betrug nun 24,7 %. Die Bereitschaft von brauch: 55 %).
Studiobesucherinnen und -besuchern zum Aus- Ähnliche Ergebnisse ergab die Studie in
füllen der Fragebögen hängt möglicherweise maß- Süddeutschland. 81 % der Männer und Frau-
geblich davon ab, ob die Betreuer der Studien von en, die Substanzen missbrauchen, nannten als
der Fitnessszene akzeptiert werden bzw. welche vorrangiges Trainingsziel den Aufbau von Mus-
Zugangsmöglichkeiten sie zur Szene haben. Auch kelmasse, für 70,9 % steht der Kraftaufbau im
wenn die Rücklaufquoten bei der zweiten Befra- Vordergrund. In der Vergleichgruppe ohne Miss-
gung in vier weiteren Städten niedriger waren und brauch wurden diese Ziele nur von 62,5 % bzw.
zwei bis drei Jahre zwischen der Ursprungsstudie 39,0 % der Befragten genannt. Auch die Ergeb-
und der Erweiterung vergangen sind, scheint es nisse der vorgestellten englischen Studien sind
methodisch vertretbar, die Einzelstudie und die insbesondere bei der Motivation zum Training
weiteren Befragungen zu einer Multicenter-Studie in Fitnessclubs und dem Hang zum Arzneimit-
zusammenzufassen, da derselbe Fragebogen ver- telmissbrauch ähnlich.
wendet wurde. Im Folgenden wird daher vor allem Als häufigster Grund für den Verzicht auf
auf die »Multicenter-Studie« Bezug genommen, Arzneimittel im Fitnesstraining wird die Angst
da die Ergebnisse der Lübecker Studie in diese vor den Nebenwirkungen genannt (84 %). Daraus
integriert wurden. kann abgeleitet werden, dass über Nebenwirkun-
Mit 454 ausgewerteten Fragebögen betrug gen und deren Gefährlichkeit zumindest vage
die Rücklaufquote der Multicenter-Studie 35 %. Kenntnis besteht.
365 Männer (80,4 %) und 89 (19,6 %) Frauen ha- Von 88 % der Befragten mit Arzneimittel-
ben den Bogen ausgefüllt. Die Zahl der Studio- missbrauch wurde der Konsum anaboler Steroide,
besucher, die Arzneimittelmissbrauch betreiben, von 22 % der Konsum von Stimulanzien angege-
betrug 22 % bei Männern und 8 % bei den Frauen ben; zwei Sportler setzten Wachstumshormon
(gesamt: 19 %). ein. 78 % der Sportlerinnen und Sportler mit Arz-
Die Missbrauchshäufigkeit in der Multicenter- neimittelmissbrauch trainierten bereits länger als
Studie [37] war in der Altersstruktur erkennbar 36 Monate [37]. Die fehlende Altersabhängigkeit
zweigipflig: mit Spitzen im Alter zwischen 20 bis des Missbrauchs und Trainingserfahrung von über
25 Jahren und über 30 Jahren. In einer weiteren drei Jahren unter den meisten Fitnessstudiokun-
Studie [54] liegt das Alter der Befragten, die den dinnen und -kunden mit Arzneimittelmissbrauch
Missbrauch zugaben, gleichmäßig im Bereich von könnte erklären, dass nach der Erschöpfung des
20 bis 34 Jahren. Bei den weiteren verfügbaren Potenzials an Muskelwachstum zur weiteren Ver-
englischen Studien wird das durchschnittliche besserung des Trainingserfolges auf Dopingmittel
Alter beim Missbrauch zwischen 25 und 30 Jah- mit entsprechender Wirkung zugegriffen wird.
ren angegeben [53, 55]. Eine Altersabhängigkeit Diejenigen, die einen Arzneimittelmiss-
des Missbrauchsverhaltens kann aus den Studien brauch angegeben haben, hatten durchschnittlich
nicht abgeleitet werden. einen niedrigeren Bildungsabschluss als diejeni-
Bedenklich sind die Angaben, dass der Be- gen ohne Arzneimittelmissbrauch.
ginn des Missbrauchs meist Jahre zurückliegt. Frauen und Männer , die Anabolika miss-
Vereinzelt war aus den Antworten ersichtlich, brauchen, greifen auch zu einem deutlich höheren
dass schon im Alter von 17 Jahren Anabolika miss- Prozentsatz auf andere Genussmittel oder Drogen
braucht wurden (siehe Tabelle 3). zumindest gelegentlich zu. Der Raucheranteil ist
Zur Frage nach der Motivation des Trainings deutlich höher, Ecstasy und Amphetamine wer-
zeichnen sich in der »Multicenter-Studie« deut- den nahezu doppelt so häufig konsumiert. Auch
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 17

Kokain und anderen Drogen werden in größerem deutschen Laboratorien durchgeführt wurden,
Umfang konsumiert [37]. Entsprechende Ergeb- wurden in fast 40 % Dopingsubstanzen nachge-
nisse finden sich auch in einer anderen Studie wiesen [60].
[59]. Daraus kann abgeleitet werden, dass neben Aus diesen Ergebnissen ist ein deutlicher
dem ausbleibenden Trainingserfolg weitere psy- Trend zum Doping beim Bodybuilding abzulesen.
chologische Dispositionen beim Arzneimittel- Es kann vermutet werden, dass dieser Missbrauch
missbrauch wirken. von Arzneimitteln in der Bodybuildingszene in
Aus den vorliegenden Studien können zwar den Breiten- und Freizeitsport hineinwirkt, da
keine verallgemeinerbaren Aussagen über die viele Bodybuilder in Fitnessanlagen trainieren.
Missbrauchshäufigkeit in Fitnessstudios getrof-
fen werden. Sie zeigen aber eindrücklich, dass
Doping- und Arzneimittelmissbrauch im Brei- Substanzen beim Doping und Arznei-
ten- und Freizeitsport auch in Deutschland nicht mittelmissbrauch
unterschätzt werden darf. Die Dachverbände der
organisierten Studios in Deutschland verneinen
einen hohen Grad an Arzneimittelmissbrauch; sie Die jeweils aktuelle Fassung der Liste der im Sport
haben verschiedene Zertifizierungskriterien für verbotenen Wirkstoffe und Methoden kann auf der
ihre Mitgliedsstudios entwickelt. Allerdings sind Internetseite der NADA bzw. WADA abgerufen
nur 41,6 % der Clubs einem Dachverband ange- werden (www.nada-bonn.de; www.wada-ama.org).
schlossen [9]. Im Spitzensport werden nach den weltweiten
Statistiken der Dopingkontrollen des Internationa-
len Olympischen Komitees (IOC) am häufigsten
Erhebungen und Untersuchungen bei Body- die androgen-anabol wirkenden Substanzen bei
buildern Dopingsündern nachgewiesen. Sie werden auch
bei Umfragen im Breiten- und Freizeitsport am
Zum Anabolikamissbrauch bei Bodybuildern häufigsten angegeben (siehe Tabelle 7).
liegen Umfragen und Untersuchungsergebnisse Aus den Summen der prozentualen Angaben
von Urinproben vor (siehe Tabelle 6). Allerdings ist ersichtlich, dass beim Doping bzw. Arzneimit-
lassen sich diese Ergebnisse nicht dem Freizeit- telmissbrauch meistens nicht nur ein Wirkstoff
sport im engeren Sinne zuweisen, weil bei den eingenommen wird. Die Frage nach der Anzahl
Getesteten eine regelmäßige Teilnahme an Body- der verschiedenen Wirkstoffe, die gleichzeitig
buildingveranstaltungen zu vermuten ist. Nicht oder aufeinander folgend eingenommen werden,
unterschieden wird auch zwischen nationalen und wird in den Studien mit zwei bis vier, manchmal
internationalen Bodybuildingveranstaltungen. mehr angegeben. Verschiedene Präparate werden
Nach Analysen von Urinproben bei Wett- über einen Zeitraum von mehreren Wochen hin-
kampfveranstaltungen im Bodybuilding, die in weg kombiniert [36].

Tabelle 6
Erhebungen und Analysen im Bodybuildingbereich
(zusammengestellt aus [61, 62, 63, 60])

Umfrage Umfrage Analysen Analysen


Zeitraum 1984/85 1989 1988–1993 1995–2000
Land Großbritannien Dänemark Belgien Deutschland
Missbrauchsrate 20 % 62 % 42 % 39 %
(8 von 41) (85 von 138) (158 von 379) (79 von 202)
In der Stichprobe Anabolika Anabolika Anabolika Anabolika
angegebene oder Diuretika Diuretika Diuretika
analysierte Thyroxin Stimulanzien Stimulanzien
Dopingwirkstoffe HCG Beta-2-Agonisten Beta-2-Agonisten
18 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Wie aus Tabelle 7 auch hervorgeht, sind die Die Arzneimittel oder sonstigen Präparate lie-
verwendeten Substanzen über den Zeitraum einer gen als Tabletten, aber auch als Ampullen für die
Dekade im Wesentlichen dieselben geblieben. Auch parenterale Applikation (Injektion) vor. Einige der
heute findet man auf den einschlägigen Internetsei- Anabolika sind nur als Injektionslösungen zu kau-
ten dieselben Wirkstoffe. Allerdings ist zu berück- fen. Innerhalb von einigen Wochen (sog. Stacking
sichtigen, dass es viele Synonyme für die Wirkstoffe oder Kur) werden mehrere Gramm an Anabolika
gibt, so dass auch gleiche Wirkstoffe als unterschied- eingenommen [64]. Dies wird in den oben ausge-
lich kategorisiert werden können. Eine Beispielliste werteten Studien übereinstimmend berichtet.
für Synonyme füllt mehrere Seiten [39].

Tabelle 7
Häufigkeit der Anwendung von Wirkstoffen in verschiedenen Studien
Mehrfachnennungen möglich

Wirkstoff Deutschland Großbritannien Großbritannien Großbritannien


(Multicenter) (West Glamorgan) (Nord-West-England) (Multicenter)
[37] [54] [55] [53]
Anteil der Anteil der Anteil der Anteil der
Konsumenten¹ Konsumenten² Konsumenten¹, Konsumenten¹,
jemals genutzt jemals genutzt
(N=87) (N=62) (N=386; (N=110;
alle AS-User) alle AS-User)
Anabol androgene Steroide (AS) (WHO-Nomenklatur)
Boldenon 16,1 % 16,4 %
Ethylestrenol 6 %³ 2,7 %
Methandienon 46 % 69,4 % 59 %³ 78,2 %
Metenolon 26 % 38 %³ 38,2 %
Nandrolon 30 % 59,7 % 65 %³ 66,4 %
Oxandrolon 8% 28 %³ 51,8 %
Oxymetholon 27 %³ 28,2 %
Stanozolol 32 % 30,6 % 47 %³ 49,1 %
Testosteron 41 % 51,6 % 75 %³ 65,5 %
Trenbolon 9 %³ 16,4 %
Sonstige Anabolika 48 % 42,7 %
Weitere Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen
Clenbuterol (Beta-2-Agonist mit 30 % 23,2 %4
anaboler Wirkung)
Amphetamine (Stimulanzien) 23 %³,4 18,4 %
Wachstumshormon (Peptidhormon) 1% 5,7 %4 2,7 %
HCG (humanes Choriongonadotropin, 4% 23,2 %4 22,7 %
Antiöstrogen, Schwangerschaftshormon)
Tamoxifen (Antiöstrogen) 3,2 % 48,6 %4 22,7 %
Thyroxin (Schilddrüsenhormon) 6,5 % 1,8 %4 4,5 %
Diuretika (harntreibende Mittel) 16,1 % 0,8 %4

1 Männer und Frauen wurden in die Studie einbezogen


2 Keine Angaben zum Geschlecht der Teilnehmer
3 Zahlen gerundet aus Diagramm
4 Einnahme in den letzten 6 Monaten
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 19

Gegenüber den Anabolika treten die anderen von Doping allgemein und Haschischmissbrauch
Wirkstoffe in den Hintergrund, müssen aber beim wurde in der Niedersächsischen Studie ermittelt
Spektrum der im folgenden Kapitel zusammen- [35]. 44 % aller Befragten im Alter von 14 bis 25 Jah-
gefassten Nebenwirkungen auch immer mit be- ren stufen Doping verwerflicher ein als Haschisch-
dacht werden. Sie werden oft eingenommen, um konsum, 47,3 % halten beide Fehlverhalten für
unerwünschte Nebenwirkungen der Anabolika zu gleich verwerflich. Zwischen den Geschlechtern
mindern oder zu verhindern. Diuretika beispiels- und in Abhängigkeit von der Sportausübung stel-
weise sollen die durch Anabolika verursachte Ein- len sich bestenfalls geringe Unterschiede dar. Mit
lagerung von Gewebewasser in die Haut durch dem Alter der Befragten nimmt die Einschätzung
medikamentöse Erhöhung der Urinausscheidung zu, dass Doping verwerflicher ist als Haschisch-
kompensieren, damit sich die Muskulatur besser konsum. Während diese Einschätzung von 32 %
darstellt bzw. definiert. der 14- bis 15-Jährigen geteilt wird, steigt der Pro-
Es wird auch Insulin zur Verbesserung der zentsatz bei den 22- bis 25-Jährigen auf 56,9 %.
Entwicklung der Muskulatur eingesetzt. Hierzu Vergleichsweise hoch ist auch der Prozentsatz der
berichten englische Ärzte, dass sechs von 200 Pa- Hauptschülerinnen und -schüler (11 %) mit der
tienten (3 %) zugegeben haben, dass sie sich im Einschätzung, dass weder Doping noch Haschisch-
Sport Insulin injiziert haben [65]. konsum verwerflich sei.
Der Missbrauch von Anabolika erfolgt über-
wiegend als Injektion (intramuskulär) wie sich
insbesondere aus den englischen Studien entneh- Gesundheitsschäden durch Doping
men lässt, in denen 75,8 % [54], 81,3 % [55] und
72 % der Befragten [57] die Injektion zugaben.
Auch in der Lübecker Studie werden von 64 % Da die beim Doping eingesetzten Wirkstoffe,
[36] und bei der Studie aus Süddeutschland von hauptsächlich die anabolen Steroide, meist über
64,7 % [38] derer, die den Missbrauch zugeben, einen längeren Zeitraum in höheren als thera-
Arzneimittel, insbesondere Anabolika, injiziert. peutischen Dosen und nicht ärztlich kontrolliert
Damit können zusätzliche Probleme durch den zugeführt werden, können sie erhebliche Auswir-
Umgang mit unsauberen Spritzen entstehen [66]. kungen auf die Gesundheit haben.
Das Risiko einer HIV- oder Hepatitis-Infektion bei Schon nach einmaliger Durchführung einer
Anabolikakonsumenten wird mit dem Austausch so genannten Kur (kombinierte Einnahme ver-
von Injektionsnadeln bzw. der Aufteilung der schiedener Präparate über mehrere Wochen)
Dosen aus einer Vorratsampulle mit nur einer kann mitunter ein deutlicher Gewichts- und
Spritze in Verbindung gebracht [67]. Muskelzuwachs erreicht werden. Dadurch wird
Mehrere Erhebungen verknüpfen mit dem die Bereitschaft zur weiteren Einnahme geweckt.
Missbrauch von Dopingsubstanzen auch die Ob ein Suchtpotenzial dieser Substanzen besteht,
Drogenprävalenz. Dabei stellte sich heraus, dass wird diskutiert [4, 68, 69].
die Häufigkeit des Drogenmissbrauchs (Alkohol, Die Anabolika haben aber eine psychotrope
Nikotin, illegale Drogen) bei den Sporttreibenden, Wirkung. Die Bereitschaft zum übermäßigen (ag-
die dopen bzw. einschlägige Arzneimittel miss- gressiven) Training wird für eine der psychotropen
brauchen, deutlich höher ist. Wirkungen gehalten.
In der deutschen Multicenter-Studie liegt der Hohe Trainingsfrequenz und übermäßige
Nikotinabusus bei denen, die Dopingwirkstoffe Belastung des Bewegungsapparates können dann
beim Sport einsetzen, bei 39 %, gegenüber 25 %, zu Schmerzzuständen führen, die mit verschiede-
wenn kein Missbrauch betrieben wird [37]. nen Schmerzmitteln, auch Narkotika, bekämpft
Ganz ähnlich ist das Ergebnis für den Kon- werden.
sum verbotener Drogen. Studiobesucher und Wie erwähnt, führen Anabolika zu Wasser-
-besucherinnen, die Dopingsubstanzen einneh- einlagerungen im Gewebe, die durch die medika-
men, geben doppelt so häufig wie die Vergleichs- mentöse Erhöhung der Urinausscheidung wieder
gruppe ohne Einnahme an, Drogen zu konsumie- kompensiert werden. Diese Arzneimittel greifen
ren (33 % vs. 16 %). Die moralische Einschätzung aber in den Elektrolythaushalt ein und können so-
20 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

wohl kurzfristig durch starken Elektrolytverlust als In den Jahren 1997 bis 1999 wurden zwei
auch in Folge zu hoher Elektrolytsubstitution bei Verfahren vor Berliner Gerichten verhandelt,
Selbsttherapie gefährliche Zustände auslösen. in denen Sportlerinnen der ehemaligen DDR
gegen damals für das Staatsdoping Verantwortli-
che klagten. Die Gerichte sahen es als erwiesen an,
Selbstbeobachtung von Nebenwirkungen von dass durch die Gabe von Oralturinabol körperli-
Dopingsubstanzen che Schäden bei den Betroffenen aufgetreten sind.
Durch das »Gesetz über eine finanzielle Hilfe für
Eine wichtige Informationsquelle für Nebenwir- Doping-Opfer der DDR« (DOHG 2002) [74] wur-
kungen von Dopingsubstanzen sind Befragungen de die gesetzliche Grundlage für eine finanzielle
von Betroffenen. Einige der Erhebungen stellen Hilfe der Doping-Opfer aus der ehemaligen DDR
auch die Frage nach gesundheitlichen Beeinträch- geschaffen. Aufgrund dieses Gesetzes wurden
tigungen [70]. Die Häufigkeit der Nebenwirkun- mehr als 300 Fälle unterschiedlicher Schädigun-
gen hängt von den eingesetzten Anabolika, der gen anerkannt (siehe auch [75]).
Dosierung sowie der Dauer der Einnahme ab. Im Folgenden werden Nebenwirkungen bzw.
Nachfolgend werden die Ergebnisse von Schädigungen nach Anabolikamissbrauch an-
drei Befragungen herangezogen, in denen auch hand der Ergebnisse deutscher und europäischer
ein Selbstdiagnosebogen auszufüllen war (siehe Studien beschrieben. Der Missbrauch ist, wie aus
Tabelle 8). Bei den in den drei Studien angegebe- den epidemiologischen Erhebungen abzuleiten,
nen Symptomen ist eine relativ gute Übereinstim- bei männlichen Personen sehr viel häufiger als
mung in den Ergebnissen zu erkennen. bei Frauen. Daher wurden auch die Nebenwir-
kungen, die in der Literatur beschrieben sind,
fast ausschließlich bei männlichen Personen fest-
Medizinisch-wissenschaftliche Studienergebnisse gestellt. Aussagen zu eventuell auftretenden Ne-
benwirkungen des Dopings bei Frauen fehlen in
Die von Dopingkonsumenten selbst beobachte- den Quellen oftmals. Mit dem Ziel, das Spektrum
ten Nebenwirkungen werden auch in einer Viel- möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen
zahl zusammenfassender internationaler Studien relativ vollständig abzubilden, wurden die Publi-
genannt [4, 71, 72]. Außerdem wurden viele wis- kationen jedoch trotz dieser Einschränkung in die
senschaftliche Studien zum Nebenwirkungsspek- folgende Übersicht aufgenommen.
trum verschiedener missbrauchter Wirkstoffe, Sichtbare Symptome können an Haut und
insbesondere Anabolika, durchgeführt. In vielen Drüsengewebe festgestellt werden. Verräterische
wissenschaftlichen Zeitschriften finden sich auch Nebenwirkungen an der Haut sind verstärkte Se-
Fallberichte, meist über Bodybuilder, die durch den borrhoe, ausgeprägte Akne (Steroidakne), im Ein-
Missbrauch von Steroiden und weiteren Arznei- zelfall bis zu blutigen Verkrustungen, Haarausfall,
mitteln sowie ungesunde Ernährung akut erkrankt Vermännlichung der Körperbehaarung bei Frauen
sind. Die Dunkelziffer dürfte sehr hoch sein. und, als indirekte Folge starken Muskelwachs-
Ein kausaler Zusammenhang zwischen Ana- tums, Dehnungsstreifen (Striae) [76, 77, 78, 79].
bolikamissbrauch und beobachteten Nebenwir- Eine als besonders unangenehm empfunde-
kungen und Schäden ist in den meisten Fällen ne und meist schmerzhafte Nebenwirkung bei
nicht eindeutig zu belegen, da immer eine Reihe Männern ist die Gynäkomastie (Vergrößerung von
anderer Faktoren (z.B. Beikonsum anderer Arz- Brustdrüsengewebe). Die Korrektur dieser Neben-
neimittel, falsche Ernährung, Alkohol- und Dro- wirkung erfolgt chirurgisch. Im Rahmen der Un-
genkonsum) mit berücksichtigt werden muss. tersuchung von 23 Bodybuildern wurde die Gynä-
Eine wichtige Quelle stellen die in den Sportakten komastie als Nebenwirkung in drei Schweregrade
der ehemaligen DDR dokumentierten Nebenwir- eingeteilt. Danach wurde bei 21 der Bodybuilder
kungen des Dopings (vor allem mit Oralturinabol) eine ausgeprägte Gynäkomastie festgestellt [80].
dar [73]. Auf der Basis dieser Dokumentationen Auch an Muskulatur und Sehnen werden
könnten auch Spätwirkungen (Krebs, teratogene Schadwirkungen vermutet. Inwieweit durch
Schäden) epidemiologisch untersucht werden. Anabolika Gewebeschäden an Sehnen, Muskeln
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 21

Tabelle 8
Selbstbeobachtung von Nebenwirkungen
(zusammengestellt aus Wulff [12], Lenehan [55], Korkia [53, 57])

Nebenwirkungen Wulff-Studie (N=53) Lenehan-Studie (N=386) Korkia-Studie (N=110)


Fragebogen Interviews Interviews
Männer Frauen Männer Frauen Männer Frauen
N=49 N=4 N=379 N=7 N=97 N=13
Akne 57,8 % 51,9 % 51,8 %
Zunahme Hautstreifen 31,1 % 0,0 %
Gesichtsschwellung 28,9% 25,0 %
Wasserretention 68,6 % 56,4 %
Verstärktes Schwitzen 64,4 % 100,0 %
Pruritus 13,3 % 0,0 %
Spontanes Nasenbluten 22,2 % 0,0 % 9,6 % 21,6 %
Starke Herzschläge 25,6 % 50,0 %
Schneller Herzschlag 33,3 % 50,0 %
Hoher Blutdruck 30,2 % 25,0 % 36,4 % 33,6 %
Flankenschmerz 11,1 % 0,0 %
Muskel/Gelenkverletzungen 5,7 %
Sehnenverletzungen 8,1 % 25,8 %
Gelenkschmerzen 13,3 % 25,0 %
Muskelermüdung 13,6 % 0,0 %
Muskelzittern 22,2 % 0,0 %
Muskelkrämpfe 28,9 % 50,0 %
Schlaflosigkeit 32,7 %
Händezittern 35,6 % 50,0 %
Augenrötung 4,6 % 0,0 %
Vermehrt Appetit 31,9 %
Vermehrt Erkältungen 6,8 % 16,5 %
Sehstörungen 4,6 % 0,0 %
Morgens Hinterkopfschmerz 2,3 % 25,0 %
Gelbsucht 6,8 %
Leberbeschwerden 2,6 % 5,2 %
Nierenbeschwerden 4,0 % 6,2 %
Geschwüre 2,1 %
Leichte Erschöpfbarkeit 24,4 % 0,0 %
Vermehrter Haarwuchs 25,0 % 0,0 % 27,1 % 28,6 % 38,2 %
Haarausfall am Kopf 6,8 % 0,0 % 8,0 %
Stimmvertiefung 8,9 % 25,0 % 3,2 % 71,4 % 28,2 %
Reproduktive Probleme 2,4 % 14,3 %
Hodenverkleinerung 28,9 % 22,5 % 55,7 %
Gynäkomastie 15,6 % 14,7 % 32,0 %
Erektion ohne Auslöser 22,2 %
Menstruationsstörungen 57,1 % 61,5 %
Klitorisvergrößerung 25,0 % 28,6 % 30,8 %
Brustverkleinerung 50,0 % 28,6 % 23,1 %
22 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

und Knochen verursacht werden, muss aber wei- Leberzellkarzinome [104, 109, 112, 113] und hepati-
ter untersucht werden. Anhaltspunkte, dass das sche Gefäßtumoren [114, 115]. Von toxischer Hepa-
Sehnengewebe nach Anabolikamissbrauch ge- titis wird ebenfalls berichtet [116]. In die Untersu-
schädigt wird, sind aus Tierversuchen ableitbar chungen von Scheuer [107, 108] zu Blutzysten in
[81]. Anabolika motivieren auch zu Übertraining der Leber waren auch Frauen einbezogen. Leber-
[82]. Auch kann der Bewegungsapparat nachhal- rupturblutungen sind eine sehr seltene Kom-
tig in Mitleidenschaft gezogen werden. Es wird plikation. Als histomorphologische Ursache
von Sehnen- und Muskelabrissen berichtet [83, wurden bisher Leberzysten [105, 117, 118], die
84, 85]. lokale Hepatozytenanhäufung [119] und das
Anabolika stören den Lipoprotein- und Lipid- hepatozelluläre Adenom [120] beschrieben.
stoffwechsel. Damit steigt das Risiko für kardio- Die Nieren scheinen durch den Missbrauch
vaskuläre Erkrankungen. Diese Effekte sind nur von Anabolika wenig geschädigt zu werden. Es
teilweise reversibel [86, 87, 88, 89, 90, 91, 92]. finden sich nur vereinzelt Hinweise auf Nierener-
Der Quotient von Gesamtcholesterin/HDL-Cho- krankungen, die mit dieser Form des Arzneimit-
lesterin, welcher der Risikoeinschätzung für Herz- telmissbrauchs in Verbindung gebracht werden
Kreislauf-Krankheiten dient, ist bei Bodybuildern, [121].
die anabole Steroide einnehmen, signifikant auf Die sichtbaren Wirkungen auf die Ge-
das mehr als das Dreifache erhöht [93]. Beschrie- schlechtsmerkmale (Vermännlichung bei Frauen,
ben werden auch Änderungen des Blutdrucks Gynäkomastie bei Männern) weisen auf die allge-
(siehe Tabelle 8). Unter Anabolikaeinfluss sind meinen Störungen des Sexualhormonhaushalts
der mittlere arterielle und diastolische Blutdruck hin [122, 123]. Unter Anabolikamissbrauch nimmt
erhöht [93, 94, 95]. Bei Untersuchungen von 15 die Spermienzahl meist deutlich ab. Vier Monate
Bodybuildern und Gewichthebern wurde aller- nach Absetzen der Anabolika waren die Werte in
dings gezeigt, dass sich nach jahrelangem Miss- den Normbereich zurückgekehrt [124, 125]. Auch
brauch die einschlägigen Blutwerte wie HDL/LDL über eine Verkleinerung der Hoden und über den
beispielsweise nach einem Jahr wieder weitgehend Rückgang der Libido wird berichtet [82].
normalisieren [96]. Vereinzelt wird, als weitere Nebenwirkung,
In Tierversuchen wurden deutliche Verände- der Einfluss von Anabolika auf den Mineralhaus-
rungen des Herzmuskels durch Anabolikaanwen- halt beschrieben. So ist nicht auszuschließen,
dung nachgewiesen, die zu einer Hypertrophie dass der Anabolikamissbrauch eine Hyperkalzi-
(Größenzunahme) führten [97, 98]. Echokardio- ämie auslösen und dies auch zu einer sonst nicht
graphische Untersuchungen des Herzens zeigten erklärbaren Verkalkung von Gehirnregionen füh-
makroskopische Veränderungen mit einer Erhö- ren kann [126]. Neuere Studien im Tierversuch
hung des Hypertrophieindexes um etwa 20 % und haben gezeigt, dass die Apoptose (Zelltod) durch
Beeinträchtigung der diastolischen Funktion [99, Anabolika eingeleitet werden kann [127].
100, 101]. Neben der Hypertrophie und Infarkt Anabolika haben psychotrope Wirkungen.
wird auch von arrhythmogenen Effekten berich- Unter Anabolikaeinfluss wird von Schlaflosigkeit
tet [102]. In gerichtsmedizinischen Einzeluntersu- berichtet [82]. Anabole Steroide induzieren ver-
chungen wurden Veränderungen (Mikroläsionen, mutlich auch Depressionen [128]. Feindseligkeit
die bindegewebig vernarben) am Herzmuskel fest- und Aggression sind als weitere Nebenwirkungen
gestellt. bekannt [82, 94]. Es ist jedoch bis heute nicht ge-
Erwartungsgemäß wird die Leber in Mitlei- klärt, ob Aggression im Sinne von Gewalt gegen
denschaft gezogen [92]. Leberschäden sind schon Leben und Gesundheit oder Feindseligkeit allein
beim therapeutischen Einsatz von Anabolika fest- durch Anabolikamissbrauch ausgelöst werden
gestellt worden [103]. Unter Missbrauch von Ana- [129, 130, 131, 132, 133]. Vermutungen reichen
bolika haben sich mitunter schwere Leberschä- allerdings bis zum Mord unter solchen psychi-
den ausgebildet. Beobachtet werden als mögliche schen Nebenwirkungen [134]. Der in den USA als
Leberschäden in abnehmender Häufigkeit Stau des Nebenwirkung geprägte Begriff »Roid Rage« die
Galleflusses, Blutzysten [104, 105, 106, 107, 108, rasende (unkontrolliert ausbrechende) Wut, wird
109, 110, 111], lokale Hepatozytenanhäufungen, in Deutschland oft mit Aggression gleichgesetzt.
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 23

Mit großer Wahrscheinlichkeit verursachen Ana- Finanzielle Aspekte des Arzneimittelmissbrauchs


bolika leichte Psychosen oder manische Zustände
[135, 136] aber auch suizidale Reaktionen [137]. Die angegebenen direkten und indirekten Ge-
Ein Abhängigkeitspotenzial wird den anabo- sundheitsschäden haben möglicherweise auch
len Steroiden nach derzeitigem wissenschaftlichen Auswirkung auf die Kosten im Gesundheitswe-
Kenntnisstand nicht zugesprochen. Allerdings sen.
sind sie unter den Substanzen aufgeführt, die Ver- Erkrankungsfälle, die behandlungsbedürftig
haltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen sind, belasten das Gesundheitswesen und führen
und Faktoren hervorrufen können [138]. auch zu Arbeitszeitausfällen. Leider gibt es keine
Langfristiger Anabolikamissbrauch erhöht die hinreichende Datenbasis für eine solide Kosten-
Sterblichkeit. In einer Untersuchung des weiteren schätzung, doch wurde in der Multicenter-Studie
Lebensweges von 62 Gewichthebern, von denen auch nach Verletzungshäufigkeit und Krank-
man fast sicher war, dass sie anabole Wirkstoffe schreibung gefragt [37].
missbrauchten, wurde festgestellt, dass die Mor- Dabei zeigte sich, dass chronische Schmerzen
talität der Gewichtheber (12,9 %) im Vergleich zur und andere Beschwerden gekoppelt mit Arznei-
Normalbevölkerung nach 12 Jahren (3,1 %) sehr mittelmissbrauch auftreten. Von den Befragten,
stark erhöht war. Als Ursachen der 8 Todesfälle die einen Missbrauch berichteten, gaben 15 % an,
war Selbstmord (3), akuter Herzinfarkt (3) und je unter Schmerzen zu leiden, 12 % gaben »sonsti-
einmal hepatisches Koma und Lymphom angege- gen Erkrankungen« an. Bei Studienteilnehmern
ben [139]. Über weitere tödliche Herzinfarkte von und -teilnehmerinnen ohne Missbrauch betrafen
Bodybuildern im Alter von 27 Jahren [140] und diese Beschwerden jeweils nur 6 %. Dasselbe Ver-
32 Jahren [141], die lange anabole Steroide miss- hältnis zeigt sich bei Sehnenentzündungen und
braucht hatten, wird berichtet. Zerrungen mit 26 % bzw. 23 % Betroffenen in der
Ein tödliches Hirnödem trat bei einem 21-jäh- Gruppe mit Arzneimittelmissbrauch gegenüber
rigen Bodybuilder in Verbindung mit dem massi- 13 % bzw. 12 % in der Gruppe ohne Missbrauch.
ven Missbrauch von anabolen Steroiden auf [142]. 32 % der Befragten mit Medikamentenabusus
Solche Fallstudien geben Anlass zur Vermutung, gaben an, dass sie wegen der genannten Verletzun-
dass die möglichen Gesundheitsschäden eines gen krankgeschrieben waren. In der Vergleichs-
hochdosierten Anabolikamissbrauchs schwer gruppe ohne Missbrauch berichten nur 20 % von
einschätzbar sind. verletzungsbedingten Krankschreibungen.
Besonders problematisch ist die Polymedi- Daraus ist abzuleiten, dass eine finanzielle
kation, also die gleichzeitige Einnahme mehrerer Belastung des Gesundheitswesens durch die Fol-
Dopingsubstanzen, z. B. von Anabolika, Diuretika, gen von Doping und Arzneimittelmissbrauch bei
Beta-Sympathomimetika und Insulin. Hierdurch Fitnessstudiokundinnen und -kunden nicht aus-
provozierte Elektrolytstörungen können über geschlossen werden kann.
Herzrhythmusstörungen bis zum plötzlichen
Herztod führen. Dies wird eindrücklich durch
Einzelberichte belegt [121, 143, 144].
Ein Beitrag für eine international einheitliche
Bewertung der vielen gesundheitlichen Folgen
des Dopings und Arzneimittelmissbrauchs wurde
mit dem Projekt »Harmonisierung des Kenntnis-
standes der biomedizinischen Nebenwirkungen
des Dopings«, das von der Europäischen Union
gefördert wurde, erstellt [145].
24 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Bezugsquellen von Dopingsubstanzen Selbstmedikation

Daten aus dem Arzneimittelmarkt belegen, dass


Anabole Wirkstoffe, insbesondere Wachstumshor- im Jahr 2001 knapp ein Promille aller verordneten
mone, haben ein eng begrenztes therapeutisches Packungen und 0,9 % aller Arzneimittelausgaben
Anwendungsfeld: auf Anabolika, Androgene und Wachstumshormo-
ne entfielen, die zu Dopingzwecken missbraucht
Ω Mangelzustände (Hypogonadismus) werden können (Quelle: Xponent MicroMarke-
Ω negative Stickstoffbilanz (katabole Zustände) ter/Pharma Scope). In die Auswertung gingen
Ω medizinische Spezialindikationen 17 Präparate der drei genannten Gruppen ein.
Insgesamt wurden im Jahr 2001 knapp 770.000
werden als hauptsächliche Anwendungsgebiete Packungen mit einem Verordnungsumsatz von
genannt [146]. etwa 195 Millionen Euro in den Apotheken abge-
Eine Einnahme von Androgenen ist vermut- geben. Der Anteil der Selbstmedikation betrug
lich bei zwei bis drei Promille der männlichen bei den Androgenen und Anabolika bis zu 11 %.
Bevölkerung (80.000 bis 120.000), die an Hypo-
gonadismus leiden, ärztlich indiziert. Der Bedarf
an Fertigarzneimitteln mit androgen-anabolen Handel im Internet
Wirkstoffen ist überschaubar. Das Arzneimit-
telverzeichnis für Deutschland weist unter den Das Internet wird nun schon einige Jahre als Mög-
androgen-anabolen Wirkstoffen insgesamt nur elf lichkeit des Vertriebs verschiedenster Produkte
Arzneimittel aus [147]. Über die Zahl der Wachs- darunter auch Arzneimittel genutzt. Auch die un-
tumshormonpatienten und damit den Bedarf an ter das Dopingverbot fallenden Wirkstoffe werden
Verschreibungen für Wachstumshormonpräpara- als solche oder als Fertigarzneimittel angeboten
te gibt es keine verlässlichen Daten. Annahmen [148]. Im § 72 Arzneimittelgesetz (AMG) ist die
liegen im Bereich von mehreren tausend Patien- Einfuhr von Arzneimitteln im Sinne des AMG ge-
ten in Deutschland. regelt. Wer Arzneimittel aus Ländern einführen
Für Gesunde, die solche Wirkstoffe missbrau- will, die nicht Mitgliedsstaaten der Europäischen
chen wollen, gibt es verschiedene Bezugsquellen. Union sind oder dem Abkommen der Länder des
Europäischen Wirtschaftsraums angehören, benö-
tigt die Erlaubnis der zuständigen Behörden. Die
Ärztliche Verschreibungen Verbotsvorschriften des AMG richten sich dabei
aber grundsätzlich an den Anbieter eines Produk-
Die Ergebnisse der bereits erwähnten deutschen tes und nicht an denjenigen, der sie zum eigenen
Studien zeigen, dass ein Teil der Befragten die Gebrauch im Internet bestellt.
Dopingsubstanzen von einem Arzt erhält. So ga- Wie entsprechende Recherchen von Journa-
ben in der »Lübecker Studie« 14 % der Befragten listen belegten, konnten auch über deutsche Inter-
an, die Arzneimittel vom Arzt erhalten zu haben netadressen Dopingsubstanzen beschafft werden;
(vom Trainer: 12 %; aus der Apotheke: 16 %; von gegen den mutmaßlichen Händler wurde staats-
Bekannten: 56 %; von Mitsportlern: 53 %; Mehr- anwaltschaftlich ermittelt. Es ist davon auszuge-
fachnennungen möglich) [36]. In der »Multicen- hen, dass auch weiterhin Dopingsubstanzen über
ter-Studie« berichteten 19 % der Befragten, die das Internet bestellt werden können [149].
Dopingsubstanzen von Ärzten erhalten zu haben Über den Internethandel mit Arzneimitteln
(aus der Apotheke: 22 %; von Bekannten: 53 %; von ist bekannt, dass diese zum Teil überteuert an-
Mitsportlern: 51 %) [37]. In der weiteren deutschen geboten werden und teilweise Fälschungen sind
Studie gaben 60,0 % an, dass ihnen die Arznei- [150]; dies ist auch für die Dopingsubstanzen an-
mittel vom Arzt verschrieben wurden, 43,6 % be- zunehmen.
zogen sie aus Apotheken ohne Rezept [38].
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 25

Schwarzmarkt problematik an Schulen unter Einbindung von


Bevölkerungsteilen [34, 35].
Aus Insider-Berichten und Sicherstellungen Weiterhin hat es als federführender Koordi-
durch Polizei und Zoll geht hervor, dass Doping- nator das von der EU geförderte Projekt »Kampf
substanzen auf dem Schwarzmarkt besorgt wer- gegen Doping in kommerziell geführten Fitness-
den können. Weitergegeben werden die Substan- studios« unter Beteiligung von Institutionen Ita-
zen, die häufig aus dem Ausland stammen, an liens, Portugals, Österreichs, Belgiens und der
einschlägigen Treffpunkten. Vermutlich werden Schweiz durchgeführt. In diesem Projekt wurde
auch über den Diebstahl von Rezepten Arznei- u. a. ein Informationsflyer entworfen, der in den
mittel beschafft und angeboten. Studios für alle Nutzer ausgelegt werden könnte.
Zum Teil enthalten als Arzneimittel verpackte Eine Umsetzung dieser und weiterer in der Studie
Substanzen auf dem Schwarzmarkt nicht den an- vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen steht
gegebenen Wirkstoff, sind verunreinigt, schwan- jedoch aus.
ken in den angegebenen Mengen stark oder es Im Zusammenhang mit Projekten der EU
sind gar keine Wirkstoffe enthalten [151, 152, 153]. zum Doping im Sport in den Jahren 2000 und
Das Volumen des niederländischen Schwarz- 2001 wurden neben den genannten weitere
marktes wurde mit etwa 90 Millionen Euro ange- Studien zur Dopingbekämpfung von deutschen
geben [154]. In Deutschland wird als Abschätzung Koordinatoren federführend durchgeführt.
des Schwarzmarktes ein Volumen von 51 Millio- Als wissenschaftliche Grundlage für ein
nen Euro je Jahr angegeben. Eine Berechnungs- Ausbildungsmodul wurde ein Symposium zur
grundlage wird allerdings nicht genannt [153]. Harmonisierung des Kenntnisstandes über die
Konservative Abschätzungen aus den Umfragen biomedizinischen Nebenwirkungen des Dopings
in deutschen Fitnessstudios lassen jedoch ein durchgeführt [145] und eine international abge-
deutlich höheres Volumen vermuten. stimmte Foliensammlung erstellt [156].
Im EU-Projekt »Doping-unplugged« wurde
Suchtprävention mit Dopingprävention verknüpft.
Präventionsmaßnahmen Bei der Gegenüberstellung konnten Parallelen
herausgearbeitet werden. Es wurden aber auch
die Grenzen der Vergleichbarkeit deutlich [31].
Bis zur Einigung Deutschlands beschränkten sich Zur Prävention gegen Doping in den Fitness-
Präventionsmaßnahmen im Wesentlichen auf studios bieten sich als Partner auch die Berufs-
sportverbandsinterne Informationen. Das BISp organisationen der gewerblichen Fitness- und
veröffentlichte in jeweils aktualisierter Form flan- Freizeitunternehmer an, da sie selbst an einem
kierend die Broschüre »Dopingkontrollen«. Ziel- guten Ruf ihrer Einrichtungen interessiert sind.
gruppe waren die Akteure im Spitzensport. Mit Hilfe von Zertifizierungssystemen versuchen
Nach der Wiedervereinigung und der Bildung die Dachverbände, die sich mittlerweile europa-
der Anti-Doping-Kommission (ADK) wurden auf weit zusammengeschlossen haben, Qualitäts-
sie auch Präventionsmaßnahmen übertragen, die sicherungsmaßnahmen einzuführen.
sich ebenfalls vorrangig auf den Spitzensport be- Im Jahr 2001 wurde in Deutschland das Be-
schränkten. rufsbild des Fitnessfachwirts neu etabliert [157].
Mit der Ratifizierung des Abkommens des Insoweit hat der Gesetzgeber Qualitätsnormen
Europarates gegen Doping im Jahr 1994 wurde beim Personal gesetzt. Allerdings sind in der
von den Ländern die Arbeitsgruppe »Antidoping« Ausbildung keine Themen zur Bekämpfung des
eingerichtet, die zunehmend auch den Breiten- Dopings bzw. Arzneimittelmissbrauchs enthalten.
und Freizeitsport in die Überlegungen einbezog. In der ärztlichen Aus- und Weiterbildung
Das Niedersächsische Innenministerium hat- wird das Thema Doping nur in geringem Um-
te den Vorsitz in der Arbeitsgruppe und initiierte fang angesprochen. Die Deutsche Gesellschaft
zuerst einmal eine Studie zur Situationsanalyse für Sportmedizin und Prävention hat erstmals
bestehender Präventionsmaßnahmen [155]. An- 2001 eine Fortbildung zum Arzt im Fitness- und
schließend finanzierte es Studien zur Doping- Gesundheitsstudio angeboten [158, 159, 160]. Das
26 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

weiterentwickelte Fortbildungsprogramm »Arzt ben zusammen mit dem Deutsch-Französischen


im Fitness- und Gesundheitszentrum« ist im Jugendwerk und dem NOK Frankreichs gemein-
Internet abrufbar. Zielgruppe der Fortbildung sind same Sportjugendlager durchgeführt. Für die Ju-
Ärzte, die in gesundheitssportorientierten Anla- gendlichen war die gemeinsame Begegnung ein
gen tätig werden. Derzeit wird in zwei von 60 wichtiges Element, das unter der Thematik der
Unterrichtseinheiten auf Substitution und Doping Bewusstseinsbildung gegen Doping stand. Un-
eingegangen. mittelbar vor und nach der Kampagne wurden
Im Bereich der Trainerausbildung im Sport, die Jugendlichen zur Evaluation des Lerneffektes
insbesondere aber für den Fitnessbereich beginnt hinsichtlich der Inhalte befragt und die Ergebnis-
das Thema »Dopingprävention« Fuß zu fassen. se verglichen. Der Kenntnisstand war deutlich
Doch bis heute ist die Ausbildung für Fitness- gestiegen [161].
trainer im Gegensatz zur allgemeinen Trainer- Eine andere Kampagne in Frankreich mit ins-
ausbildung im Sport nicht normiert. Die entspre- gesamt 476 heranwachsenden Athleten bestand
chenden Verbände bemühen sich jedoch um eine aus einem Informationsteil und einem Rollen-
Vereinheitlichung auf europäischer Ebene. In die- spiel. Zur Evaluation des Erfolges der Maßnahme
sem Zusammenhang ist auch an den Verband der wurden die Teilnehmer vor und unmittelbar nach
Fitness- und Freizeitunternehmen zu appellieren. der Kampagne befragt sowie drei Monate später
In Schulen und Hochschulen werden für [162]. Auch hier kann festgehalten werden, dass
Projekt- und Examensarbeiten vereinzelt Themen solche Maßnahmen nutzbringend sind.
zum Doping vergeben. Auf vielen Internetseiten werden Informatio-
Seit 2003 wird an der Fachhochschule des nen zum Doping und Antidoping angeboten. Die
Bundes als Wahlpflichtfach »Dopingbekämpfung Qualität der Internetseiten ist sehr unterschied-
als staatliche Aufgabe« angeboten. Die Studenten lich.
kommen aus verschiedenen Bereichen der öffent- Eine neue Maßnahme zur Eindämmung des
lichen Verwaltung u. a. des Bundesgrenzschutzes Handels mit Dopingwirkstoffen wurde in Köln
(heute Bundespolizei). entwickelt. Zwischen den Zollbehörden und dem
Die Ständige Konferenz der Sportminister Gesundheitsamt der Stadt Köln in Zusammen-
und -senatoren und auch der Sportausschuss des arbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln
Deutschen Bundestages haben sich in den letzten wurde ein Einfuhrinformationssystem (EIS)
Jahren mehrfach mit dem Thema Doping im Frei- aufgebaut. Zollbeamte sind nicht medizinisch
zeit- und Breitensport befasst und Handlungsbe- ausgebildet und können daher an einschlägigen
darf festgestellt. Verpackungen nicht immer erkennen, um wel-
Der Gesetzgeber hat in das Arzneimittelge- che Substanzen es sich handelt. Mit diesem Sys-
setz einen § 6a »Verbot von Arzneimitteln zu Do- tem können Daten zu Wirkstoffen zwischen Zoll
pingzwecken im Sport« eingefügt. Damit wurde und der Pharmazeutin des Gesundheitsamtes der
eine Grundlage für die Verfolgung von Dopingver- Stadt Köln sehr schnell ausgetauscht werden. Das
gehen nach staatlichem Recht geschaffen. System soll ausgebaut werden [163].
Ein wichtiger Gesichtspunkt bei der Ent- Zu den Kernaufgaben der NADA gehört die
wicklung einer Präventionsstrategie ist neben der Erstellung und Verbreitung von Aufklärungs- und
Ermittlung der Zielgruppen und der Methodik Erziehungsmaterial zur Problematik des Dopings
auch die Erhebung des Kenntnisstandes bei den im Sport.
Zielgruppen. Die Technische Universität München Sie hat dazu eine Bestandserhebung der Prä-
hat mit Förderung durch das Bundesinstitut für ventionsmaßnahmen bei den Landessportbünden
Sportwissenschaft solche Daten im Sport erhoben. und Sportfachverbänden durchgeführt und Aus-
Neben diesen wissenschaftlichen Arbeiten züge daraus auf der von der Arbeitsgruppe »Prä-
gibt es auch praxisorientierte Ansätze. Die ge- vention« der NADA veranstalteten Fachtagung
meinsame Anti-Doping-Kommission (ADK) vom zur Dopingprävention im Jahr 2003 vorgestellt.
Deutschen Sportbund (DSB) und dem Nationalen Danach werden an vielen Institutionen Präven-
Olympischen Komitee (NOK) und nachfolgend tionskonzepte entwickelt und durchgeführt. Bei-
die Nationale Anti-Doping Agentur (NADA) ha- spielhaft werden nachfolgend zwei genannt.
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 27

»Falscher Einwurf« ist eine Gemeinschafts- die Gut-Drauf-Tipps »Fitness, Sport, Body«, »Fit
aktion des Sportbundes und der Regierung des ohne Pillen«, »Gefährliches Ziel: Traumbody«,
Landes NRW, dessen Ansatzpunkt die Schule und die sich an Jugendliche richten. Aus einer starken,
der Sportverein sind. Diese Maßnahme weist in selbstsicheren Position heraus sollen Jugendliche
einer Einleitung auf die Verwandtschaft zum Arz- »Nein« zu Suchtmitteln aller Art sagen können.
neimittelmissbrauch hin, da der Sportverein ein Andere BZgA-Aktivitäten zielen im Sinne von
Spiegelbild der Gesellschaft ist. Das Projekt wur- primärpräventiver Aufklärung auch unmittelbar
de 2005 abgeschlossen und die Ergebnisse nun auf das Doping. Zu nennen ist hier »Arzneimit-
evaluiert. Weiterhin wurde in Jena die »Thüringer tel – Materialien für die Suchtprävention in den
Beratungsstelle gegen Doping, Drogen und Medi- Klassen 5 – 10«. Die Bausteine für die neunten
kamentenmissbrauch im Sport« eingerichtet. und zehnten Klassen behandeln ausführlich das
Die NADA wird diese Vielzahl von Präven- Problem des Dopings [165].
tionsprojekten und Initiativen von unterschiedli- Präventionsmaßnahmen müssen hinsicht-
chen Organisationen (Hochschulen, Länder, Sport- lich ihrer Wirksamkeit auch evaluiert werden.
bünde, Stiftungen usw.) zusammenführen und in Evaluationsinstrumente sind integraler Bestand-
ein koordiniertes Handlungskonzept einbauen. teil einer Maßnahme. Allerdings ist es schwierig,
Mögliche Strategien wurden während der nach längerer Zeit den nachhaltigen Effekt einer
Fachtagung im Jahr 2003 diskutiert. Als aus- Dopingpräventionsmaßnahme zu bestimmen.
schlaggebend für eine erfolgreiche Dopingprä- Auch die BZgA führt regelmäßig Evaluationsstu-
vention wird die Kooperation mit vielen Akteuren dien durch, die zur Optimierung bestehender und
und auf vielen Ebenen, wie z. B. mit den verant- Entwicklung neuer Maßnahmen genutzt werden.
wortlichen Organisationen auf Bundes- und Lan- Sie sind ein wichtiger Baustein der Qualitätssi-
desebene, den Medien, den Sportverbänden, der cherung und Grundlage effektiver und effizienter
Sportjugend sowie mit Partnern aus den Berei- Präventionsarbeit.
chen Medizin und Bildung angesehen. Das »Ge-
samtkonzept Dopingprävention« der NADA, das
insbesondere durch die Arbeitsgruppe Prävention Fazit
ausgestaltet wurde, liegt inzwischen als Broschüre
vor [164]. Für verschiedene Zielgruppen (jugendli-
che Athletinnen und Athleten sowie Trainerinnen Freizeit- und Breitensport in Vereinen und kom-
und Trainer) wurden jeweils eigene Präventions- merziellen Einrichtungen ist in der Gesellschaft
konzepte entwickelt. In diesem Zusammenhang weit verbreitet, und sollte hinsichtlich seiner
ist die Basisbroschüre für jugendliche Athletin- positiven Wirkungen auf die Gesundheit der
nen und Athleten »high 5« hervorzuheben, zu der Bevölkerung weiter propagiert werden. Leider gibt
auch ein Internetauftritt eingerichtet wurde (www. es auch in diesem Bereich des Sports das Doping
highfive.de). bzw. den Arzneimittelmissbrauch.
Die Aktivitäten der Bundeszentrale für ge- Untersuchungen aus der Schweiz bei Breiten-
sundheitliche Aufklärung (BZgA) erstrecken sich sportereignissen dokumentierten, dass dort kei-
auf viele Schwerpunkte, u. a. Suchtprävention und ne besondere Dopingproblematik vorliegt, auch
Kinder- und Jugendgesundheit, zum Teil werden wenn die Bevölkerung Schlimmeres vermutet.
dabei auch das Thema Doping und die Dopingprä- In Deutschland sind bisher keine Dopingfälle bei
vention aufgegriffen. Die BZgA initiiert Projekte, Breiten- und Freizeitsporttreibenden nachgewie-
die darauf abzielen, ein kritisches Bewusstsein sen geworden. Das liegt daran, dass dieser Bereich
gegenüber leistungssteigernden Mitteln in allen des Sports nicht kontrolliert wird.
Bereichen des täglichen Lebens zu wecken. Dazu Ein anderes Bild zeigt sich beim Freizeit-
gehört u. a. die Initiative »Kinder stark machen«, und Breitensport in Fitnessstudios. Es gibt für
die das Ziel hat, das Selbstvertrauen und Selbst- Deutschland zwar nur wenige Untersuchungen,
wertgefühl von Heranwachsenden zu stärken aber ein nicht zu vernachlässigender Teil befrag-
und ihre Konflikt- und Kommunikationsfähig- ter Fitnessstudiokunden bekennt sich zum Miss-
keit zu fördern (www.kinderstarkmachen.de) und brauch von Dopingsubstanzen.
28 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Die Umfragen und eine Untersuchung in ohne Rezept bezogen werden können, sollten
drei Staaten zur Körperwahrnehmung von Män- diese Berufsgruppen in die Präventionsanstren-
nern weisen darauf hin, dass sich Männer häufig gungen einbezogen werden.
einen muskulöseren Körper wünschen [166]. Das Die Ergebnisse aller Untersuchungen zeigen,
Streben nach vermeintlicher Ästhetik oder ähnli- dass wesentlich häufiger Männer als Frauen Ana-
chen Normen als Persönlichkeitsmerkmal kann bolika konsumieren oder andere Arzneimittel zu
das Missbrauchsverhalten mit Anabolika und in Dopingzwecken missbrauchen. Präventionsmaß-
der Folge weiteren Wirkstoffen auslösen. Dieser nahmen sollten daher diese Geschlechtsunter-
Motivationslage sollte unter anderem mit einer schiede einbeziehen.
Stärkung von Kompetenzen wie Selbstvertrauen, Freizeitsport in Fitnessclubs ist heute ebenso
Selbstbewusstsein, Kommunikations- und Konflikt- unverzichtbarer Teil des Sportangebotes für die
fähigkeit, insbesondere bei Kindern, Jugendlichen Bevölkerung wie organisierte Breitensportveran-
und jungen Erwachsenen begegnet werden. staltungen. Diese kommerziellen Angebote wer-
Das gesundheitsgefährdende Potenzial der den in großem Umfang angenommen. Sportaus-
Dopingsubstanzen insbesondere der Anabolika ist übung trägt zur Gesundheit bei. Allerdings sind
groß. Vom Missbrauch der Substanzen schrecken kompetente Trainingsberatung und -betreuung
glücklicherweise viele wegen der bekannten Ne- wesentliche Voraussetzungen. Um nicht etwa
benwirkungen zurück. Sporttreibende, die sich Sportinteressierte von der Ausübung des Sports
aber darauf eingelassen haben, lassen sich oft trotz abzuhalten, ist eine differenzierte Sicht auf die
der an sich selbst festgestellten Nebenwirkungen Sportangebote und Sportanbieter unbedingt er-
von einer Einnahme der Substanzen nicht abhal- forderlich.
ten. Trotz zahlreicher Bemühungen um eine wirk-
Es gibt Hinweise darauf, dass durch die kör- same Prävention von Arzneimittelmissbrauch im
perlichen Folgen des Arzneimittelmissbrauchs, Freizeit- und Breitensport gibt es bisher keine
insbesondere durch den Missbrauch von Anaboli- abgestimmten Präventionsstrategien. Damit die
ka, zusätzliche Kosten für das Gesundheitswesen zu entwickelnden Präventionsmaßnahmen im
entstehen. Auch Arbeitsausfälle durch Verletzun- Bereich Doping und Arzneimittelmissbrauch
gen, die im Zusammenhang mit Medikamenten- insbesondere in einschlägigen Fitnessstudios
abusus stehen, belasten die Solidargemeinschaft. erfolgreich sind, sollten sie nicht allein auf den
Das zurzeit vorliegende Datenmaterial ist für Kontext Sport beschränkt sein. Da Sport alle Wer-
etwaige Abschätzungen der Größenordnung je- te, Vorstellungen, Normen und Ansprüche, die in
doch nicht geeignet. der Gesellschaft bestehen, widerspiegelt, ist ein
Es ist davon auszugehen, dass der Umsatz kritisches Bewusstsein gegenüber leistungsstei-
von Dopingmitteln auf dem Schwarzmarkt erheb- gernden Mitteln in allen Bereichen des täglichen
lich ist. Vermutlich greifen in diesem Schwarz- Lebens zu wecken.
markt dieselben Strukturen wie beim illegalen Für die Entwicklung von Präventionsstrate-
Drogenhandel. Da solche Substanzen in einer gien beim Doping im Freizeit- und Breitensport
nicht vernachlässigbaren Zahl von Fällen von sind weitere systematische Untersuchungen er-
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36 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Anhang
Ausgewählte Studien zum Dopingmissbrauch beim Freizeit- und Breitensport in Europa

Jahr der Titel der Studie und Autor Land


Veröffentlichung
1987 Drug abuse in body builders in the West of Scotland (McKillop) [61] Schottland
1989 Drug abuse in body builders (Kisling) [62] Dänemark
1990 Use of anabolic-androgenic steroids among body builders Schweden
– frequency and attitudes (Lindstrom) [167]
1992 Dying to be big: A review of anabolic steroid use (Perry) [54] Großbritannien
1993 Anabolic Steroid Use in Great Britain – an explanatory investigation (part 2: fitness-clubs) Großbritannien
(Korkia) [53]
Anabolic steroid use among students at a British college of technology Großbritannien
(Williamson) [48]
1994 The use of performance-enhancing drugs by young people in the Netherlands Niederlande
(van Kleij) [168]
Strategien der Leistungssteigerung bei Schülern in Niedersachsen (Melchinger) [34] Deutschland
Abuse of doping preparations outside organized sports (Haug) [169] Norwegen
1995 Androgenic anabolic steroid use among male adolescents in Falkenberg (Nilsson) [170] Schweden
The abuse of doping agents in competing bodybuilders in Flanders (Delbeke) [63] Belgien
1996 Umfrage bei der Schweizer Bevölkerung – Einschätzung des Dopingproblems (Kamber) [40] Schweiz
Drinking, smoking and illicit drug use among 15 and 16 year olds in the United Kingdom Großbritannien
(Miller) [47]
Performance enhancing drugs for sport, prevalence rates and control strategies (Lee) [171] Großbritannien
A study of anabolic steroid use in the North West of England (Lenehan) [55] Großbritannien
Personality Profile of Men Using Anabolic Androgenic Steroids (Galligani) [172] Schweden
1997 Einstellung junger Menschen zum Doping im Sport (Melchinger) [35] Deutschland
Doping in sport: doctors are providing drugs (Laure) [173] Frankreich
Nachfrage, Verschreibung und Abgabe von hormonalen Dopingmitteln in Arztpraxen Schweiz
und Apotheken der Deutschschweiz (Kamber) [174]
Gym and tonic: A profile of 100 male steroid users (Evans) [175] Großbritannien
Indications of prevalence, practice and effects of anabolic steroids in Great Britain Großbritannien
(Korkia) [57]
1998 Medikamentenmissbrauch beim Freizeitsportler im Fitnessbereich (Boos) [36] Deutschland
National Inquiry about the use of Anabolic Steroids by the Fitness Clubs clients Portugal
(not published)
Drug abuse of Finnish male prisoners in 1995 (Korte) [176] Finnland
Discordant public perception of doping in elite versus recreational sport in Swizzerland Schweiz
(Nocelli) [177]
1999 Abgabe oder Verbot von Dopingmitteln? Resultate einer Repräsentativumfrage 1998 Schweiz
(Egli) [178]
2000 Body image perception among men in three countries (Pope) [166] USA
Frankreich
Österreich
2001 The prevalence of the use of androgenic anabolic steroids by adolescents in a county of Schweden
Sweden (Nilsson) [46]
2004 Drug Abuse in Commercial Fitnessclubs (Müller-Platz) [56] Belgien
Deutschland
Italien
Portugal
2006 Anabolic ergogenic substance users in fitnesssports: A distinct group supported by Deutschland
the health care system (Striegel) [38]
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 37

Glossar

Akne Sammelbezeichnung für verschiedene Erkrankungen der Talgdrüsen der Haut, äußert sich durch
Entzündungen (Pickel, Pusteln) und Vernarbung
Adenom Gutartige Neubildung (hier: von der Leberzelle ausgehend)
(hepatozelluläres)
Amphetamin Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Stimulanzien)
Anabolika, anabole Verbotene Dopingsubstanzen, die sich vom (–› Testosteron) ableiten, mit leistungssteigernden
androgene Steroide Effekten
Apoptose Zelltod, durch genetische Informationen der betroffenen Zelle selbst reguliert
Applikation Zuführung eines Arzneimittels, z. B. orale Applikation (durch den Mund) von Tabletten o. Tropfen
Arrhythmogen, Unregelmäßiger oder fehlender Rhythmus (hier: zeitliche Unregelmäßigkeit der Herztätigkeit)
arrythmogene Effekte
Ethylestrenol Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Beta-2-Agonisten Anabol wirkende Substanzen (z. B. –› Clenbuterol), therapeutisch eingesetzt gegen Asthma, als
Dopingsubstanzen verboten
Beta-Sympathomimetika Gehören zur Gruppe der (–› Beta-2-Agonisten)
Blutzysten Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum (hier: mit Blut gefüllt)
Boldenon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Clenbuterol Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Beta-2-Agonisten)
Diuretika Entwässernde Medikamente, als Dopingsubstanzen verboten (durch den Verdünnungseffekt soll
Nachweis von Dopingsubstanzen im Urin erschwert werden)
Echokardiographie Ultraschalldiagnostik des Herzens
Ecstasy Synthetisch hergestellte Droge, unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG), als Doping-
substanz verboten, gehört zur Gruppe der (–› Stimulanzien)
Elektrolyte Im Wasser gelöste Mineralstoffe (Salze), z. B. Natrium, Chlor
Elektrolythaushalt Bestand und Verteilung von (–› Elektrolyten) im Organismus
Elektrolytstörung Durch einen Reiz (z. B. Dopingmittel) hervorgerufene Störung des (–› Elektrolythaushalts)
(provozierte)
Fertigarzneimittel Im Voraus hergestellte und in einer zur Abgabe an den Verbraucher bestimmten Verpackung
in den Verkehr gebrachte Arzneimittel
Gesamtcholesterin Maß für die Menge des Cholesterins (Blutfett) im Körper; neben dem Gesamtcholesterinwert
sind auch die Werte für (–› HDL-Cholesterin) und (–› LDL-Cholesterin) von Bedeutung
Gynäkomastie Ein- oder beidseitige Vergrößerung der männlichen Brustdrüse
HCG, Humanes Schwangerschaftshormon, als Dopingsubstanz verboten
Choriongonadotropin
HDL-Cholesterin Bestandteil des (–› Gesamtcholesterins), hohe HDL-Werte gelten in Verbindung mit niedrigen
Werten für das (–› LDL-Cholesterin) als günstig bezogen auf das Herzinfarktrisiko
Hepatisch Die Leber betreffend
Hepatisches Koma Bei schwerer Leberfunktionsstörung auftretende Bewusstseinsstörung mit Schädigung des Gehirns
Hepatitis Entzündung der Leber
Hepatitis-Infektion Übertragung von (–› Hepatitis) auslösenden Viren auf den Organismus
Hepatozytenanhäufung Örtlich begrenzte Anhäufung von Leberzellen
Hirnödem Vermehrte Einlagerung von Wasser in das Gehirn; in Folge eines Hirndruckanstiegs kann es zur
Einklemmung von Teilen des Gehirns kommen
Histomorphologisch Die Form und Struktur von Gewebe betreffend
38 Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34

Hyperkalziämie Erhöhte Kalziumkonzentration im Blut, kann u. a. durch Medikamente hervorgerufen werden


Hypertrophie Größenzunahme
Hypogonadismus Unterfunktion der (männlichen) Keimdrüsen
Kokain Natürlich vorkommende Droge, unterliegt dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG), als Doping-
substanz verboten, gehört zur Gruppe der (–› Stimulanzien)
LDL-Cholesterin Bestandteil des (–› Gesamtcholesterins), niedrige LDL-Werte gelten in Verbindung mit hohen
Werten für das (–› HDL-Cholesterin) als günstig bezogen auf das Herzinfarktrisiko
Leberruptur Leberriss; als Komplikation kann eine Nachblutung auftreten (Leberrupturblutung)
Leberzyste Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum in der Leber
Lymphom Sammelbezeichnung für (in der Regel) Lymphknotenvergrößerungen verschiedener Art und Ursache
Makroskopisch Mit bloßem Auge sichtbar, Gegensatz zu mikroskopisch
Manischer Zustand Psychische Störung mit weit übernormal gesteigertem Antrieb und gesteigerter Stimmung
Methandienon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Metenolon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Mikroläsion Geringe Schädigung/Verletzung
Mortalität Sterblichkeit
Nandrolon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Narkotika Betäubungsmittel, bestimmte Substanzen sind als Dopingmittel verboten
Oralturinabol Synthetisches Androgen, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika), in der ehemaligen DDR produziert,
nicht mehr auf dem Markt
Oxandrolon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Oxymetholon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Parenteral Zuführung von Substanzen in den Körper unter Umgehung des Magen-Darm-Trakts, z.B. durch
Injektion
Pruritus Juckreiz
Psychosen Gruppe psychischer Störungen mit zeitweiligem weitgehenden Verlust des Realitätsbezugs
Psychotrop Eigenschaft von Substanzen, auf das Nervensystem zu wirken und dadurch psychische Prozesse
zu beeinflussen
Reproduktiv Die Fortpflanzung betreffend
Seborrhoe Hautkrankheit mit öliger Beschaffenheit der (Gesichts-)Haut, hervorgerufen durch Überproduk-
tion der Talgdrüsen
Stanozolol Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Steroide Verbotene Dopingsubstanzen, gehören zur Gruppe der (–› Anabolika)
Stimulanzien Anregungsmittel, unterliegen teilweise dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG), als Dopingsubstan-
zen verboten
Tamoxifen Antiöstrogen, als Hormonpräparat in der Tumortherapie eingesetzt, als Dopingsubstanz verboten
Teratogen Eigenschaft, u. a. von Substanzen, Fehlbildungen hervorzurufen
Testosteron Männliches Sexualhormon, als Dopingsubstanz verboten, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Thyroxin Schilddrüsenhormon
Toxisch Giftig
Toxische Hepatitis Beispielsweise durch Medikamente oder Alkohol hervorgerufene (–› Hepatitis)
Trenbolon Verbotene Dopingsubstanz, gehört zur Gruppe der (–› Anabolika)
Wachstumshormon Einsatz in der Therapie von Wachstumsstörungen, als Dopingsubstanz verboten
Wasserretention Wassereinlagerung
Gesundheitsberichterstattung des Bundes – Heft 34 39

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek


Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation
in der Deutschen Nationalbibliografie.

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin

Redaktion
Robert Koch-Institut
Gesundheitsberichterstattung
Dr. Anke-Christine Saß, Dr. Thomas Ziese
Seestraße 10
13353 Berlin

Autoren
Dr. Carl Müller-Platz
Bundesinstitut für Sportwissenschaft
Bonn
Dr. Carsten Boos
Medizinische Universität zu Lübeck
Prof. Dr. R. Klaus Müller
Institut für Dopinganalytik und Sportbiochemie
Dresden

Abonnentenservice
Die Hefte »Gesundheitsberichterstattung des
Bundes« können im Jahresabonnement
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E-Mail: gbe@rki.de
www.rki.de/GBE
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Fax: 03018-754-3513

Satz
Gisela Winter
Robert Koch-Institut

Druck
Oktoberdruck, Berlin
gedruckt auf PROFIsilk, tcf

ISBN
978-3-89606-174-4
ISSN
1437-5478
Die politische und finanzielle Verantwortung für
die Gesundheitsberichterstattung des Bundes liegt
beim Bundesministerium für Gesundheit.

Gesundheitsberichterstattung des Bundes

Robert Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem


Statistischen Bundesamt

Heft 34
September 2006

Doping beim Freizeit- und Breitensport

Berlin: Robert Koch-Institut


ISBN 978-3-89606-174-4
ISSN 1437-5478
Recreational sports in clubs and commercial sports
facilities are widespread in Germany. The positive health
effects are well documented. Unfortunately doping and
drug abuse also exist in this area. The few available
studies in Europe regarding doping beyond high level
sports point out that only a small number of customers
of fitness clubs abuses doping substances, males more
often than females. In particular among bodybuilders
there are users of prohibited substances (especially ana-
bolic steroids). The health-threatening potential of these
substances is considerable. Numerous biomedical side
effects including an increased mortality rate have been
documented.
Besides individual motives, like body-shaping also social
factors are of importance, when asking for the causes
of substance abuse in recreational sports. The often
careless use of substances for compensating alleged or
transient physical or mental disturbances is widespread
in our society. In order to be successful, prevention
measures should not be limited to the context of sports
alone. Moreover it is essential to create critical aware-
ness concerning performance enhancing substances in
all areas of daily life.
ROBERT KOCH INSTITUT
Statistisches Bundesamt

Freizeit- und Breitensport in Vereinen und kommerziellen


Einrichtungen ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet,
die positiven gesundheitlichen Auswirkungen sind belegt.
Aber auch in diesen Bereichen des Sports gibt es Doping
bzw. Arzneimittelmissbrauch. Aus den wenigen verfüg-
baren europäischen Studien zum Doping außerhalb des
Leistungssports ist bekannt, dass ein, wenn auch geringer
Teil der Fitnessstudiokundinnen und -kunden Dopingsub-
stanzen missbraucht. Speziell unter Bodybuildern finden
sich vermehrt Nutzer verbotener Substanzen (insbeson-
dere Anabolika). Männer geben häufiger als Frauen an,
Dopingmittel eingenommen zu haben. Das gesundheits- Heft 34
gefährdende Potenzial dieser Wirkstoffe ist erheblich, zahl-
reiche Nebenwirkungen bis hin zu einer erhöhten Sterblich-
Doping beim Freizeit- und Breitensport
keit werden beobachtet.
Neben persönlichen Motiven, wie einem übersteigerten
Körperbewusstsein, sind auch gesellschaftliche Faktoren
von Bedeutung, wenn nach den Ursachen des Substanz-
missbrauchs im Freizeitsport gefragt wird. Der oft sorglose
Einsatz von Wirkstoffen, um vermeintliche oder nur
vorübergehend bestehende körperliche oder geistige Beein-
trächtigungen zu kompensieren, ist in unserer Gesellschaft
weit verbreitet. Damit zu entwickelnde Präventionsmaß-
nahmen erfolgreich sind, sollten sie nicht allein auf den
Kontext Sport beschränkt sein. Es geht darum, ein kriti-
sches Bewusstsein gegenüber leistungssteigernden Mitteln
in allen Bereichen des täglichen Lebens zu wecken.

© Robert Koch-Institut

ISBN 978-3-89606-174-4
ISSN 1437-5478 Gesundheitsberichterstattung des Bundes

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