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Johanna Luisa Zimmermann

Der Einfluss eines Arbeitstages auf die Konzentrationsleistungen

im d2-R und der PTS bei ÄrztInnen

Diplomarbeit

zur Erlangung des akademischen Grades einer

Magistra an der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität

Graz

Begutachter: Ao. Univ.-Prof. Dr. phil. Norbert Tanzer

Institut für Psychologie

Arbeitsbereich Diagnostik

Graz, Mai 2015


ERKLÄRUNG ZUR DIPLOMARBEIT

Ich erkläre hiermit ehrenwörtlich, die vorliegende Arbeit selbstständig und ohne fremde

Hilfe verfasst zu haben. Es wurden keine anderen als die angegebenen Quellen verwendet

und die den verwendeten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen wurden als

solche kenntlich gemacht. Die Arbeit hat in gleicher oder ähnlicher Form noch keiner

Prüfungsbehörde vorgelegen und ist nicht bereits veröffentlicht worden. Der Inhalt der

gedruckten Version entspricht vollständig dem Inhalt der digitalen Version.

Graz, den 04.05.15 Johanna Luisa Zimmermann


DANKSAGUNG

Hiermit möchte ich mich ganz herzlich bei meinem Diplomarbeitsbetreuer, Herrn Univ.

Prof. Dr. phil. Norbert Tanzer, für seine Unterstützung bedanken.

Des Weiteren möchte ich mich bei meinem Onkel, Herrn Dr. med. Bodo von Ehrlich-

Treuenstätt, dafür bedanken, dass er für mich wichtige Kontakte hergestellt und so meiner

Arbeit ihren ersten Anstoß gegeben hat.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Prof. Dr. phil. Sadjak und Herrn Prof. Dr. phil. Porta,

welche mir zu Beginn meiner Arbeit eine große Hilfe waren und diese überhaupt erst

ermöglicht haben!

In diesem Zusammenhang möchte ich besonders allen, bei meiner Untersuchung

involvierten, KlinikleiterInnen, Chef- und OberärztInnen der einzelnen Abteilungen, sowie

natürlich ÄrztInnen für ihre sehr freundliche Unterstützung danken - Sie waren bereit, mir

ihre wertvolle Zeit zu opfern und ich bin Ihnen unendlich dankbar dafür!

Des Weiteren möchte ich meiner Familie danken, die für mich während meiner gesamten

Studienzeit in jeglicher Hinsicht eine große Stütze war.

Insbesondere danke ich meinem Vater für seine fortwährende Unterstützung während dieser

langen Zeit.

Auch Judith, Maja, Arne, Conny und Rebeka danke ich für die schöne Zeit in Graz.
KURZZUSAMMENFASSUNG

Hintergrund. Die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen stationär tätiger ÄrztInnen auf ihre

kognitive Leistungsfähigkeit blieben bislang weitgehend unerforscht. Im Rahmen dieser

Diplomarbeit wurde daher untersucht, wie stark sich die Konzentrationsleistungen von

stationär tätigen ÄrztInnen bereits nach einem durchschnittlichen Arbeitstag von 8 Stunden

verändern. Weiterhin wurde analysiert, wie exakt die Konzentrationsleistungen durch den

d2-Revision-Aufmerksamkeits-und Konzentrationstest (d2-R, Brickenkamp, Schmidt-Atzert

& Liepmann, 2010) und die Subtests C, E und F der Progressiven Testserie (PTS, Gittler &

Tanzer, 1996) erfasst werden, sowie, ob eines dieser Testverfahren differenziertere

Konzentrationskennwerte ermittelt.

Methode. 40 stationär tätigen ÄrztInnen wurden der Test d2-R sowie die Subtests C, E und F

der PTS vor und nach einem Arbeitstag von 8 Stunden vorgegeben. Anschließend wurde

untersucht, inwiefern die Kennwerte der Konzentrationsleistungen (Bearbeitungstempo und

Fehleranzahl) vor und nach einem Arbeitstag innerhalb, sowie zwischen den einzelnen

Testverfahren voneinander abwichen.

Ergebnisse. In allen verwendeten Testverfahren verringerte sich die Konzentrationsfähigkeit

der ÄrztInnen nach einem Arbeitstag - mit Ausnahme der Tests d2-R sowie PTS-F. Nach

einem Arbeitstag machten stationär tätige ÄrztInnen im Test d2-R weniger Fehler, im

Subtest F der PTS arbeiteten sie schneller.

Implikationen. Die Konzentrationsleistungen stationär tätiger ÄrztInnen entwickeln sich über

einen durchschnittlichen Arbeitstag sehr variabel. Insbesondere die Subtests C und E der

PTS erfassen die Konzentrationskennwerte stationär tätiger ÄrztInnen differenziert.

Schlagworte: ÄrztInnen, Konzentrationsleistung, Arbeitstag, d2-R, Progressive Testserie


ABSTRACT

Background: The effects of working conditions of hospital physicians on their cognitive

capabilities still remain largely unexplored. This diploma thesis therefore examines how

distinctively concentration performance of hospital physicians changes after an average

working day of 8 hours. Furthermore, it analyzes how accurately concentration performance

is measured by the d2-Revision-Aufmerksamkeits-und Konzentrationstest (d2-R,

Brickenkamp, Schmidt-Atzert & Liepmann, 2010) and the subtests C, E and F of the

Progressive Testseries (PTS, Gittler & Tanzer, 1996). Additionally, it investigates if one of

these tests identifies more differentiated concentration parameters.

Method: 40 hospital physicians were presented with the test d2-R, as well as the subtests C,

E and F of the PTS before and after an 8 hour working day. Subsequently, it was examined

in how far the parameters of concentraion performance (i.e. processing-speed and amount of

errors) differed before and after a working day, as well as between the different tests.

Results: All the different tests indicated a decrease in concentration capability after an 8 hour

working day, except for the tests d2-R and PTS-F. The test d2-R displayed hospital

physicians making less errors after a working day, while the subtest F of the PTS exhibited a

faster processing speed after a working day.

Implications: Concentration performance of hospital physicians varies during the course of

an average working day. Especially the subtests C and E of the PTS measure concentration

parameters of hospital physicians in a differentiated manner.

Keywords: hospital physicians, concentration performance, working day, d2-R, Progressive

Testseries
INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG ........................................................................................................... 1

1.1 Abgrenzung von Konzentration und Aufmerksamkeit ......................................... 2

1.2 Konzentration ........................................................................................................ 5

1.3 Konzentrationstests ............................................................................................... 8

1.4 Beeinflussung von Konzentration ....................................................................... 13

2 METHODE .............................................................................................................. 19

2.1 Stichprobenbeschreibung .................................................................................... 19

2.2 Untersuchungsmaterial ........................................................................................ 19

2.2.1 Test d2-Revision (d2-R) .............................................................................. 20

2.2.2 Progressive Testserie (PTS) ....................................................................... 22

2.3 Untersuchungsablauf ........................................................................................... 25

2.4 Datenaufbereitung und statistische Auswertung ................................................. 27

3 FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN ................................................... 29

4 ERGEBNISSE ......................................................................................................... 30

4.1 Fragestellung 1: Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen vor und nach einem

Arbeitstag ............................................................................................................ 31

4.2 Fragestellung 2: Differenziertheit der Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen

im Test d2-R und den PTS Subtests C, E und F .................................................. 32

5 DISKUSSION .......................................................................................................... 36

5.1 Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen vor und nach einem Arbeitstag .......... 36

5.2 Differenziertheit der Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen im Test d2-R

und den PTS Subtests C, E und F ........................................................................ 43

5.3 Einschränkungen der Ergebnisse und Ausblick auf weitere Forschung ............. 46

5.4 Fazit ...................................................................................................................... 48


6 LITERATURVERZEICHNIS ............................................................................... 50

7 ANHANG ................................................................................................................. 55
TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Reihenfolge und Dauer der Testvorgabe ............................................................. 27

Tabelle 2: Deskriptive Daten des Tests d2-R sowie der Subtests C, E und F der PTS für

die Gesamtzahl bearbeiteter Items ....................................................................... 31

Tabelle 3: Deskriptive Daten des Tests d2-R sowie der Subtests C, E und F der PTS für

die Fehleranzahl ................................................................................................... 32

i
ABBILDUNGSVERZEICHNIS

Abbildung 1. Konzentration und Aufmerksamkeit als eigenständige Konstrukte .................. 5

Abbildung 2. Beispielaufgabe des d2-R ................................................................................ 21

Abbildung 3. Beispielaufgabe des Subtests C der PTS ......................................................... 23

Abbildung 4. Beispielaufgabe des Subtests E der PTS ......................................................... 24

Abbildung 5. Beispielaufgabe des Subtests F der PTS ......................................................... 25

Abbildung 6. Mittelwerte der Gesamtzahl bearbeiteter Items in den verwendeten

Testverfahren bei der Morgen- und Nachmittagsmessung .............................. 35

Abbildung 7. Mittelwerte der Fehleranzahl in den verwendeten Testverfahren bei der

Morgen- und Nachmittagsmessung ................................................................. 35

ii
1 EINLEITUNG

Laut EU-Arbeitszeitrichtlinie (2003/ 88/ EG) ist die wöchentliche Arbeitszeit von

ArbeitnehmerInnen in der EU auf 48 Stunden begrenzt, Überstunden eingeschlossen.

Die Realität von ÄrztInnen in den österreichischen Krankenhäusern sieht anders aus.

Laut Krankenanstalt-Arbeitsgesetz waren für ÄrztInnen in Österreich bis Ende des

Jahres 2014 wöchentliche Arbeitszeiten von bis zu 72 Stunden erlaubt. Mit Beginn des

Jahres 2015 dürfen österreichische ÄrztInnen immerhin nur noch bis zu 60 Stunden pro

Woche arbeiten (KA-AZG). In Deutschland herrschen die gleichen Bedingungen (ArbZG).

In den USA arbeiten ÄrztInnen in Facharztausbildung sogar bis zu 80 Stunden in der Woche

(McLean, 2005).

Stationär tätige ÄrztInnen müssen also im Vergleich zu den meisten anderen

Berufsgruppen deutlich längere Arbeitszeiten, mehr Schichtdienste sowie regelmäßige

Überstunden und Bereitschaftsdienste hinnehmen - und nebenbei die damit verbundenen

Einschränkungen im Privatleben meistern. Darüber hinaus ist die Ausübung des Arztberufes

von einer sehr hohen Verantwortung gekennzeichnet. Medizinische Entscheidungen

bestimmen im Extremfall über Leben und Tod von PatientInnen.

Angesichts dieser Zustände erscheint es wenig überraschend, dass sich die

Arbeitsbedingungen von stationär tätigen ÄrztInnen negativ auf deren Leistungsfähigkeit

auswirken können. Die meisten Studien untersuchten dabei vor allem die Auswirkungen von

Nachtdiensten beziehungsweise Überstunden auf die körperliche Verfassung der ÄrztInnen

(z. B. Rauchenzauner et al., 2009; Landrigan et al., 2004; McMurray, Linzer, Konrad,

Douglas, Shugerman & Nelson, 2000). Zur direkten Wirkung der Arbeitsbedingungen von

ÄrztInnen auf deren kognitive Leistungsfähigkeit wurden bislang jedoch nur wenige Studien

durchgeführt (Ernst et al., 2014).

1
Das Ziel dieser Arbeit war es daher, Kenntnis darüber zu erlangen, wie stark sich die

Konzentrationsfähigkeit von stationär tätigen ÄrztInnen nach einem durchschnittlichen

Arbeitstag von acht Stunden verändert. Ein weiterer Fokus dieser Untersuchung liegt auf der

Exaktheit der Erfassung der Konzentrationsleistung durch die verwendeten Testverfahren

und der damit verbundenen Frage, ob einer der Subtests C, E und F der Progressiven

Testserie (PTS, Gittler & Tanzer, 1996) oder der Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest

d2-Revision (d2- R, Brickenkamp, Schmidt- Atzert & Liepmann, 2010) bei ÄrztInnen vor

Beginn und nach Ende eines Arbeitstages differenziertere Konzentrationskennwerte

ermittelt.

1.1 Abgrenzung von Konzentration und Aufmerksamkeit

Bei dem Wort „Konzentration“ handelt es sich, zumindest in der psychologischen

Wissenschaft, um die sprachliche Bezeichnung für ein Konstrukt. Dies bedeutet, dass der

Begriff Konzentration für sich in Anspruch nimmt, ein nicht direkt beobachtbares Merkmal

zu beschreiben, welches aus anderen, messbaren Sachverhalten erschlossen werden muss.

Als Voraussetzung für den Versuch einer Erklärung des Konstruktes Konzentration

sollte zunächst dessen begriffliche Definition erfolgen. Jedoch ist eine allgemein anerkannte

Bestimmung dieses Begriffes in der deutschsprachigen psychologischen Fachwelt bisher

nicht erkennbar (z. B. Goldhammer, 2006).

So werden die begrifflichen Bezeichnungen für die Konstrukte Konzentration und

Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Psychologie häufig synonym verwendet - es wird

jedoch ebenso häufig eine Trennung beider gefordert.

Interessanterweise wird im angloamerikanischen Sprachraum keine klare

Unterscheidung der zwei Bezeichnungen getroffen. So werden dort vor allem die Begriffe

attention beziehungsweise sustained attention zur Beschreibung von Phänomenen

2
verwendet, welche konzeptuell dem - auch im angloamerikanischen Raum vorhandenen -

Begriff concentration zuzuordnen wären (Schweizer, 2006; Goldhammer, 2006; Krumm,

Schmidt-Atzert, Bracht & Ochs, 2011; Krumm, Schmidt-Atzert & Eschers, 2008;

Brickenkamp, Schmidt-Atzert & Liepmann, 2010).

Anzumerken ist daher, dass ausschließlich in der deutschsprachigen psychologischen

Fachliteratur eine Unterscheidung beider Begriffe getroffen wird (Goldhammer, 2006;

Hagemeister, 2007).

Im deutschsprachigen Raum konnten Konzentration und Aufmerksamkeit bisher weder

klar voneinander abgegrenzt, noch in Übereinstimmung definiert werden. Diesbezüglich

werden in der deutschsprachigen psychologischen Literatur zweierlei Auffassungen

vertreten.

Einer ersten Auffassung gemäß lässt sich der Begriff der Konzentration in den

konzeptuellen Rahmen von Aufmerksamkeit im Sinne einer Mehrdimensionalität der

Letzteren integrieren. Diese Auffassung geht davon aus, dass beide Konstrukte jeweils

allgemeine Voraussetzungen für das Erbringen bestimmter kognitiver Leistungen erfassen

und eine Abgrenzung daher nicht notwendig ist (Krumm, Schmidt-Atzert, Schmidt, Zenses

& Stenzel, 2012; Amelang & Schmidt-Atzert, 2006). Konzentration wird demzufolge als

besondere Form der Aufmerksamkeit verstanden und bezieht sich vor allem auf

Verarbeitungsaspekte der Aufmerksamkeit mit hohen Kontrollanforderungen, bei welchen

nicht die Wahrnehmung im eigentlichen Sinne im Vordergrund steht. Konzentration wird

hier als eine Synergie von Aufmerksamkeitskomponenten beschrieben, welche

Handlungsschemata auf einer willentlichen Basis dauerhaft selektieren, koordinieren und

kontrollieren (Schweitzer, 2006).

Eine zweite Auffassung plädiert hingegen für eine konsequente Unterscheidung

zwischen den beiden Konstrukten Aufmerksamkeit und Konzentration. Dieser Ansicht

zufolge ist Aufmerksamkeit konzeptuell allein auf die Wahrnehmung von Information

3
begrenzt, wobei die Selektion von Reizen ihr wesentliches Merkmal ist, während

Konzentration als eine Form der Weiterverarbeitung von Reizen bezeichnet werden kann.

Zusätzlich kennzeichnet Konzentration die Fähigkeit, unter kognitiver Anstrengung schnell

und genau arbeiten zu können (Schmidt-Atzert, Büttner & Bühner, 2004). Eine konzeptuelle

Trennung von Aufmerksamkeit und Konzentration ist dieser zweiten Auffassung gemäß

notwendig, da das Konstrukt Konzentration bisher nicht den zugrundeliegenden

theoretischen Annahmen gemäß zufriedenstellend operationalisiert werden konnte (Schmidt-

Atzert, Kersting, Preckel, Westhoff & Ziegler, 2012).

So gibt es - neben der Schwierigkeit einer konzeptuellen Bestimmung von

Konzentration - ein grundsätzliches Problem bei deren Messung. Dies äußert sich darin, dass

Konzentrationstests neben Konzentration immer auch andere Fähigkeiten erfassen, welche

für die Bearbeitung der jeweils vorgelegten Aufgaben erforderlich sind. Oft lässt sich daher

nicht genau bestimmen, ob womöglich Konfundierungen mit anderen Konstrukten vorliegen

(Schmidt-Atzert, Bühner & Enders, 2006). In Bezug auf Konzentrationstests lässt sich

feststellen, dass diese häufig hoch mit Aufmerksamkeitstests korrelieren. Dies liegt zum

einen daran, dass es keine Aufgabenstellung gibt, die lediglich konzentrierte und nicht zum

selben Zeitpunkt aufmerksame ProbandInnen erfordert (Schmidt-Atzert et al., 2004). Es

könnte zum anderen jedoch auch daran liegen, dass es zwischen beiden Konstrukten stärkere

Überlappungen auf theoretisch-konzeptueller Ebene gibt und Konzentration womöglich, wie

in der ersten Ansicht vertreten, lediglich einen Teilleistungsaspekt von Aufmerksamkeit

darstellt.

Bei Annahme eines, wie in der zweiten Ansicht vertretenen, eigenständigen

Konzentrationskonstruktes muss daher eine klare konzeptuelle Trennung der Konstrukte

Aufmerksamkeit und Konzentration zur Verbesserung der testtheoretischen

Operationalisierbarkeit beider erfolgen (Schmidt-Atzert et al., 2004). Zudem müssten

Aussagen über den individuellen Ausprägungsgrad der Aufmerksamkeit, vor dem

Hintergrund mehrdimensionaler Aufmerksamkeitsmodelle, auch in mehrdimensionaler Form

4
getroffen werden, was wiederum die Anwendung verschiedener diagnostischer Verfahren

erfordert und so für eine eigenständige Operationalisierung des Konzentrationskonstruktes

sprechen würde (Schweitzer, 2006).

Die, für die vorliegende Arbeit eingesetzten, Testverfahren Progressive Testserie

(Tanzer & Gittler, 1996) und d2-R (insbesondere in seiner schriftlichen Version;

Brickenkamp, Schmidt-Atzert & Liepmann, 2010) nehmen für sich in Anspruch, die

Konzentration ihrer TeilnehmerInnen zu erfassen. Daher wird in dieser Arbeit

konsequenterweise ein vom Aufmerksamkeitskonstrukt abzugrenzendes

Konzentrationskonstrukt angenommen. Zunächst soll dazu der Versuch einer Definition des

Konzentrationskonstruktes erfolgen.

Abbildung 1. Konzentration und Aufmerksamkeit als eigenständige Konstrukte (Schmidt-

Atzert, Büttner & Bühner, 2004).

1.2 Konzentration

Das Konstrukt Konzentration beschreibt einerseits einen Zustand, zum anderen

kennzeichnet es ein Persönlichkeitsmerkmal. Als Zustand ist Konzentration durch

verschiedene, miteinander kovariierende, situative und individuelle Gegebenheiten

5
beeinflussbar. So spielen Alter, bestimmte körperlichen Faktoren, Motivation, Emotionen,

Geübtheit, Strategien und Dauer des Konzentrationstests, sowie auch Tageszeit und

Ablenkungsreize eine wichtige Rolle beim konzentrierten Arbeiten (Westhoff, 1995). Als

eine der extremsten Formen von Konzentration im Sinne eines Zustandes gilt der sogenannte

„Flow“. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass Personen während des konzentrierten

Arbeitens das Gefühl erleben, vollkommen mit sich selbst im Einklang zu stehen,

Tätigkeiten mühelos ausführen zu können, sowie durch Störungen nicht abgelenkt zu werden

(Csikszentmihaly, 1987, 1992; zitiert nach Scholz, 2006, S. 19).

Im Sinne eines Persönlichkeitsmerkmals wird Konzentration durch die Faktoren

Stabilität, Generalität und Universalität charakterisiert. Erstens zeigt eine Person hinsichtlich

ihrer individuellen Ausprägung im Merkmal Konzentration über einen gewissen Zeitraum

relativ ähnliche Ergebnisse. Des Weiteren zeigt sich die individuelle Ausprägung dieser

Person in verschiedenen Situationen. Zuletzt lässt sich eine Person hinsichtlich ihrer

Ausprägung im Merkmal Konzentration im Verhältnis zu anderen Personen einordnen.

Dadurch werden Menschen hinsichtlich ihrer Konzentrationsfähigkeit systematisch

unterscheidbar (Westhoff & Hagemeister, 2005; zitiert nach Scholz, 2006, S. 16).

Konzeptuell lässt sich Konzentration relativ abstrakt als „Fähigkeit, unter Bedingungen

schnell und genau zu arbeiten, die das Erbringen einer kognitiven Leistung normalerweise

erschweren“ definieren (Schmidt-Atzert et al., 2004, S. 9). In einer etwas präziseren

Definition wird Konzentration als willentliche Fokussierung der Aufmerksamkeit auf eine

Tätigkeit, ein Objekt, beziehungsweise auf eine bestimmte Reizstichprobe beschrieben

(Schmidt-Atzert & Bühner, 1997; zitiert nach Flehming, 2010, S. 8). Fokussierung bezieht

sich hierbei auf die alleinige Beachtung der Inhalte der aktuellen Tätigkeit, beziehungsweise

des aktuellen Wahrnehmungserlebnisses (Flehming, 2010).

Schweitzer geht darüber hinaus davon aus, dass bei Konzentration jene

Aufmerksamkeitskomponenten zusammenwirken, welche unter Einsatz willentlicher

Anstrengung andauernde Selektion, Koordination und Kontrolle von Handlungsschemata

6
leisten (Schweitzer, 2006). Laut Westhoff und Graubner ist hierbei vor allem kennzeichnend

für Konzentration, dass Handlungsschemata zwar automatisiert ablaufen können, jedoch

absichtsvoll koordiniert werden müssen (Westhoff & Graubner, 2003). Westhoff beschreibt

Konzentration sogar als einen zentralen Koordinationsmechanismus, anhand dessen ein

Individuum bereitliegende Aktionsmuster auswählt, mit Energie versorgt und ihren Ablauf

über Wahrnehmungsmechanismen kontrolliert. Dieses tut eine konzentriert arbeitende

Person in zeitlich sehr geringem Abstand (Westhoff, 1995).

Hierauf Bezug nehmend wird auch angenommen, dass Konzentration immer dann

erforderlich ist, wenn Arbeitsanforderungen ungewohnt sind, sowie keine eingeübten

Routinen zur Verfügung stehen (Schmidt-Atzert et al., 2006; Westhoff, 1995).

Andere AutorInnen gehen zudem davon aus, dass Konzentration immer dann notwendig

ist, wenn man Informationen für eine Tätigkeit schnell abrufen will, oder Absichten nicht

durch konkurrierende Motivationen gestört werden sollen (Goschke & Kuhl, 1993; zitiert

nach Flehming, 2010, S. 8).

Alle diese Definitionen beinhalten den Bezug von Konzentration auf mentale Arbeit als

gemeinsames Element. So war schon Freyberg der Ansicht, dass sich Konzentration immer

auf das Arbeiten, beziehungsweise auf die Bearbeitung von Information bezieht, nicht

jedoch auf die Aufnahme derselben (Freyberg, 1989; zitiert nach Scholz, 2006, S. 13).

In Übereinstimmung dazu wird auch angenommen, dass Konzentration immer ein

gewisses Maß an mentaler Anstrengung erfordert, welches mit der Zeit zunimmt (Flehming,

2010; Schmidt-Atzert et al., 2004).

Die Konzentrationsspanne, also die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Konzentration,

kann zudem individuell stark variieren. Daher sind manche AutorInnen der Ansicht,

Konzentration könne als eine Art mentaler Effizienz bezeichnet werden. Konzentration ist

dieser Ansicht zufolge vor allem durch die schnelle und gleichzeitig korrekte Ausführung zu

bewältigender Arbeitsanforderungen gekennzeichnet (Flehming, 2010).

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Anderen AutorInnen gilt Konzentration sogar als Teilaspekt von Intelligenz, welcher je

nach konkreter Aufgabenanforderung, perzeptuelle, zentral-koordinierende und motorische

Teilprozesse umfasst (Flehming, 2010; Moosbrugger, Goldhammer & Schweizer, 2006).

1.3 Konzentrationstests

Aufgrund der unter Punkt 1.1 dargelegten Schwierigkeiten einer eindeutigen

Bestimmung des Konzentrationskonstruktes wurden die heute existierenden

Konzentrationstests nicht anhand eines zugrundeliegenden theoretischen Modells oder einer

Definition von Konzentration entwickelt (Flehming, 2010; Schmidt-Atzert et al., 2006;

Westhoff & Graubner, 2003).

Konzentrationstests gehören zu den allgemeinen Leistungstests und unterscheiden sich

von Aufmerksamkeitstests vor allem dadurch, dass man in ihnen nacheinander eine Reihe

von Aufgaben unter Zeitdruck zu bearbeiten hat. Die TeilnehmerInnen werden dabei meist

angewiesen, so schnell und genau wie möglich zu arbeiten. Zur Bearbeitung des Tests haben

sie ein vorgegebenes Zeitlimit, bestimmen jedoch ihr Tempo bei der Beantwortung der

einzelnen Items selbst (self-paced). Bei Aufmerksamkeitstests hingegen haben die

ProbandInnen einzelne Aufgaben in einer vorgegebenen Geschwindigkeit zu bearbeiten

(force-paced). Diese werden ihnen meist am Computer dargeboten. Demzufolge gibt es hier

im Gegensatz zu den gängigen Konzentrationstests keinen möglichst schnellen und

selbstbestimmten Wechsel zur nächsten Aufgabe (Brickenkamp, Schmidt-Atzert &

Liepmann, 2010; Flehming, 2010; Amelang & Schmidt-Atzert, 2006; Westhoff & Graubner,

2003; Krumm, Schmidt-Atzert, Michalczyk & Danthiir, 2008; Krumm et al., 2012).

Bei jeder Konzentrationsaufgabe müssen mindestens zwei Aktionsmuster koordiniert

werden - das heißt, es muss immer zwischen mehreren Möglichkeiten eine Auswahl

getroffen werden - ansonsten würde es sich nur um eine Reaktion handeln (Westhoff, 1995).

8
Konzentration liefert dabei einen allgemeinen Beitrag zur Leistung in unterschiedlichen

Aufgaben. Aus diesem Grund werden in Tests zur Erfassung von Konzentration keine

spezifischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse überprüft. Jedoch kann die Leistung

in Konzentrationstests auch von spezifischen Fähigkeiten abhängen, die zur Bearbeitung des

Tests erforderlich sind (Schmidt-Atzert et al., 2006).

Es hat sich zudem gezeigt, dass Konzentrationstests, welche eher schwierige

Aufgabentypen enthalten, relativ hoch mit Intelligenztests korrelieren. Eine Vermischung

von Konstrukten ist jedoch nicht wünschenswert. Um eine Konfundierung des

Konzentrations- mit dem Intelligenzkonstrukt zu vermeiden, werden daher in

Konzentrationstests einfache und intellektuell anspruchslose Aufgaben verwendet, die von

jedem/r gesunden TeilnehmerIn ohne Zeitdruck problemlos gelöst werden können (Amelang

& Schmidt-Atzert, 2006).

Auf diese Weise soll auch die Verfälschung der Testleistung durch individuelle

Unterschiede in anderen Fähigkeiten bei der Bearbeitung der Aufgaben bestmöglich

verhindert werden (Schmidt-Atzert et al., 2004).

Es gibt dabei zwei Facetten der Konzentrationsleistung, welche messbar sind und zur

Verhaltensvorhersage genutzt werden können. Zum einen kann das Tempo konzentrierten

Arbeitens festgestellt werden. Konzentration ist demnach messbar über die Geschwindigkeit,

mit der eine Person zu arbeiten in der Lage ist - dieser Aspekt bezieht sich auf die Quantität

der erbrachten Leistung. Als Kennwert der Geschwindigkeit wird hierbei meist die Anzahl

der bearbeiteten, beziehungsweise korrekt bearbeiteten, Aufgaben innerhalb des

vorgegebenen Zeitlimits, erfasst (Berg & Westhoff, 2006). Bei Bedarf wird auch die

durchschnittliche Bearbeitungszeit für die einzelnen Aufgaben berechnet (Amelang &

Schmidt-Atzert; 2006).

Zum anderen lässt sich die Neigung zu Konzentrationsfehlern bei der Testbearbeitung

ermitteln. Das heißt, Konzentration ist ebenfalls messbar über die Genauigkeit des Arbeitens

- dieser Aspekt beschreibt die Qualität der erbrachten Leistung. Dabei wird der

9
Genauigkeitskennwert über die Gesamtzahl der im Test unterlaufenen Fehler bestimmt

(Wirtz, 2014).

Fehler sind in Konzentrationstests aufgrund der Einfachheit der hier verwendeten

Testaufgaben jedoch eher seltene Ereignisse (Westhoff & Graubner, 2003). Daher sollte, zur

Beurteilung des individuellen Genauigkeitskennwerts, anstatt des absoluten, der prozentuale

Fehleranteil einer Person im Test berechnet werden. Dieser ist aussagekräftiger, da er die

absolute Fehleranzahl an der Gesamtzahl der bearbeiteten Zeichen relativiert. Allerdings

kann der prozentuale Fehleranteil nur bei einer, über einen hinreichend langen Zeitraum

stattfindenden, Testung reliabel erfasst werden (Berg & Westhoff, 2006).

Die Fehleranzahl sollte aber noch aus einem weiteren Grund an der Gesamtzahl

bearbeiteter Items relativiert werden. Eine unabhängige Bestimmung der Fehleranzahl birgt

bei Konzentrationstests nämlich ein Dilemma, welches als sogenanntes speed-accuracy-

tradeoff bekannt wurde. Dieses beschreibt das Phänomen der wechselseitigen Abhängigkeit

von Fehler- und Tempowerten einer Person bei der Bearbeitung eines Konzentrationstests. Je

schneller die Person einen Konzentrationstest bearbeitet, desto eher wird sie dazu neigen

Fehler zu machen. Auf der anderen Seite wird eine Person umso genauer arbeiten und daher

verhältnismäßig weniger Fehler machen, wenn sie mehr Zeit zur Verfügung hat. Da so das

Bearbeitungstempo auf Kosten der Genauigkeit, beziehungsweise die Genauigkeit auf

Kosten des Tempos steigerbar sind, können Leistungs- mit Fehlerwerten konfundiert sein.

Um dieses Phänomen abzumildern, wird in vielen Tests ein Gesamtwert der

Konzentrationsleistung bestimmt, bei welchem die Fehlerzahl (oder auch die doppelte

Fehlerzahl) von der Anzahl bearbeiteter Items abgezogen wird. Diese Relativierung der

Fehlerzahl an der Gesamtzahl bearbeiteter Items führt zu einer Optimierung des Tempowerts

unter Kontrolle des Fehlerwertes. So können in Konzentrationstests die Uneindeutigkeit der

Kennwerte für Geschwindigkeit und Genauigkeit, sowie die damit verbundene

Interpretationsproblematik des Geschwindigkeits-Genauigkeits-Dilemmas verhindert

10
werden. Der auf diese Weise erzielte Testwert wird auch „liminaler Leistungswert“ genannt

(Schweitzer, 2006).

Gemäß Westhoff und Berg kann die Konzentrationsleistung einer Person, neben der

Beschreibung in Tempo- und Fehleranteil, auch in einer dritten Facette, dem

Konzentrationsverlauf, beschrieben werden. Konzentration ist demnach messbar über die

Konstanz beziehungsweise Variabilität des konzentrierten Arbeitens - dieser Aspekt

beschreibt die Homogenität der erbrachten Leistung (Berg & Westhoff, 2006). Dies ist

jedoch nur sinnvoll, wenn die Konzentrationsmessung über einen ausreichend langen

Zeitraum stattgefunden hat (Schweitzer, 2006). Dabei wird der Kennwert des

Konzentrationsverlaufs über die Streuung des Leistungsverlaufs bei der Bearbeitung

einzelner Testabschnitte ermittelt (Berg & Westhoff, 2006).

Die drei messbaren Facetten des konzentrierten Arbeiten - Quantität, Qualität und

Homogenität - sind nicht vollständig voneinander unabhängig. Jedoch legitimiert sich die

Verwendung dreier Facetten durch den Zugewinn an Information über die individuelle

Ausprägung der Konzentrationsfähigkeit eines/r ProbandIn. Zudem konnte in verschiedenen

Untersuchungen eine hinreichende diskriminante Validität von Tempo-, Fehler- und

Homogenitätswerten (möglichst niedrige Korrelationen zwischen Tempo-, Fehler- und

Homogenitätswerten) empirisch gezeigt werden (Berg & Westhoff, 2006; Schweitzer, 2006).

Nach Schweitzer lassen sich Testverfahren zur Erfassung von Konzentration in Tests

mit Diskriminationsaufgaben, Tests mit Additionsaufgaben, sowie Tests mit Sortieraufgaben

einteilen (Schweitzer, 2006).

Es gibt jedoch noch eine andere Einteilung von Konzentrationstests hinsichtlich ihrer

systematisch unterscheidbaren Anteile. Dieser Einteilung gemäß sind bei

Konzentrationstests drei Aspekte zu unterscheiden, welche den zugrundeliegenden

Prozessen bei der Bearbeitung dieser Tests besser gerecht werden sollen.

Der erste Aspekt nach dem sich jeder Konzentrationstest einteilen lässt, ist die

Komplexität seiner Reizvorlage. Hierbei geht man davon aus, dass sich Konzentrationstests

11
aufgrund der geforderten, intellektuellen Anspruchslosigkeit der verwendeten Aufgaben in

diesen nicht unterscheiden. Die Aufgaben in Konzentrationstests unterscheiden sich lediglich

hinsichtlich der Komplexität ihrer Reizgrundlage. Es gibt also Unterschiede bei der

Informationsanzahl, die aufgenommen werden muss, um eine Aufgabe in einem

Konzentrationstest lösen zu können, sowie Unterschiede in der Struktur der verwendeten

Aufgaben. Jedoch sind die Konzentrationstests nicht bezüglich der, für die Bearbeitung der

Reizgrundlage, benötigten Kenntnisse unterscheidbar. Die Schwierigkeit oder Komplexität

der Reizgrundlage kann so auch systematisch variiert werden.

Der zweite Aspekt, nach dem sich jeder Konzentrationstest einteilen lässt, ist die

Komplexität der erforderten Reaktion. Diesbezüglich wird angenommen, dass sich jeder

Konzentrationstest hinsichtlich der Anzahl der, in ihm geforderten, Operationen

unterscheiden lässt. Eine Operation ist hier als Verarbeitungsprozess zu verstehen, dessen

Ziel die Beherrschung der zur Lösung führenden Reaktion ist. Auch hier ist die Komplexität

der geforderten Reaktion systematisch variierbar.

Der dritte Aspekt, nach dem sich jeder Konzentrationstest einteilen lässt, ist die

Geübtheit der ProbandInnen in den Testaufgaben. Demnach sollte jeder Konzentrationstest

Aufgaben enthalten, welche den TestteilnehmerInnen gleich gut bekannt sind. Dieser Aspekt

bezieht sich, ähnlich wie der erste Aspekt der Komplexität der Reizvorlage, auf die, für

Konzentrationstests geforderte, Anspruchslosigkeit der in ihnen verwendeten Aufgaben.

Falls sich also bei Aufgaben eines Konzentrationstest erhebliche Unterschiede zwischen

Personen im Geübtheitsgrad der Reizgrundlage beziehungsweise in der, zur Lösung der

Aufgaben erforderlichen, Reaktion herausstellen, sollten diese nicht im Test verwendet

werden (Flehming, 2010).

Wie zuvor bereits erläutert wurde, kann Konzentration einerseits als Zustand sowie

andererseits als Persönlichkeitsmerkmal charakterisiert werden (Westhoff, 1995). Die

Konzentrationskennwerte Quantität, Qualität und Homogenität eines/r ProbandIn können in

im Test jedoch auch durch aufgabenspezifische Einflüsse, situationsspezifische Einflüsse (z.

12
B. Müdigkeit, Ablenkung) und Einflüsse des Messfehlers (unsystematische Zufallseinflüsse)

verändert werden (Schweitzer, 2006).

Wenn man die individuelle Konzentrationsfähigkeit einer Person im Sinne eines

Persönlichkeitsmerkmals erfassen will, sind die unter Punkt 1.2 genannten situativen

Einflüsse auf Konzentration zu minimieren (Scholz, 2006). Will man jedoch den Einfluss

situativer Bedingungen auf die Konzentrationsleistung herausarbeiten, ist ein

experimenteller Vergleich von Gruppen unter verschiedenen Bedingungen erforderlich

(Westhoff, 1995). Hier soll nun im Weiteren über Erkenntnisse zu den situativen und

aufgabenspezifischen Einflüssen auf die individuelle Konzentratonsleistung berichtet

werden.

1.4 Beeinflussung von Konzentration

Konzentrationskennwerte werden nicht allein durch die zu erfassende Fähigkeit

bestimmt - sie sind also nicht nur individuell unterschiedlich - sondern auch situations- und

aufgabenspezifisch. Hierbei ist anzumerken, dass individuell-, situations- und

aufgabenspezifische Einflüsse miteinander kovariieren, das heißt sie können sich gegenseitig

beeinflussen beziehungsweise bedingen. Darüber hinaus spielen bei der Bestimmung der

Konzentrationsleistung Einflüsse des Messfehlers eine Rolle (Schweitzer, 2006).

Situationsspezifische Einflüsse auf die individuelle Konzentrationsleistung lassen sich

einteilen in interne und externe Einflüsse. Zu internen Einflüssen zählen psychische und

physische Faktoren.

Interne, psychische Einflüsse können wiederum unterteilt werden in emotionale,

motivationale und kognitive Faktoren (Schweitzer, 2006).

13
Emotionale Einflüsse auf die individuelle Konzentrationsleistung einer Person können

beispielsweise intensive Gefühle sowie eine geringe emotionale Stabilität bei der

Bearbeitung eines Konzentrationstests sein. Beispielsweise scheinen Personen mit höheren

Ausprägungen im Persönlichkeitsmerkmal Neurotizismus dazu zu neigen, mehr Fehler zu

machen und schneller zu arbeiten (Flehming, 2010).

In Bezug auf motivational beeinflussende Faktoren der individuellen

Konzentrationsleistung einer Person ist anzumerken, dass Motivation hier als „grundlegende

Bereitschaft zu verstehen ist, gestellte Aufgaben mit maximalem Einsatz vollbringen zu

wollen“ (zitiert nach Flehming, 2010, S. 22). Da die Aufgaben in Konzentrationstests, wie

unter Punkt 1.3 erläutert, sehr homogen, sowie intellektuell anspruchslos sind, ist ihre

Bearbeitung eher monoton und daher anstrengend für die TeilnehmerInnen. Durch hierbei

entstehende psychische Sättigung kann es zu einer „reaktiven Hemmung“ (Hull, 1943)

kommen, welche bei der Bearbeitung von Aufgaben im Konzentrationstest kurzfristig als

negativer Antrieb wirkt (Hull, 1943; zitiert nach Flehming, 2010, S. 27). Dabei ist

Motivation eine notwendige aber keine hinreichende Bedingung für Konzentration. Eine

Person mit schweren Konzentrationsstörungen kann auch bei hoher Motivation nur schlecht

konzentriert arbeiten (Schmidt-Atzert et al., 2004). Auch die Einstellung einer Person zum

Konzentrationstest ist in diesem Zusammenhang bedeutsam. Wird den TeilnehmerInnen für

die Absolvierung des Konzentrationstests eine Belohnung in Aussicht gestellt, konzentrieren

sie sich länger und intensiver. Zudem hat sich gezeigt, dass Rückmeldungen über die eigene

Leistung einen motivierenden Effekt haben. Es wird auch davon ausgegangen, dass ein

extrem hoher Fehleranteil in einem Konzentrationstest auf eine geringe Motivation der

Testperson bei dessen Bearbeitung schließen lässt (Flehming, 2010).

Weiterhin wirken kognitive Faktoren, als interne, psychische Einflüsse, auf die

individuelle Konzentrationsleistung ein. Hierzu zählen beispielsweise die Wahrnehmung,

das Gedächtnis, sowie die Lern- und Problemlösefähigkeit. So muss eine Person ihre

Wahrnehmung oder ihr Gedächtnis einsetzen, um konzentriert handeln zu können (Westhoff

14
& Graubner, 2003). Wenn die Aufgaben eines Konzentrationstests Gedächtnisprozesse

erfordern, welche selbst bei gesunden TestteilnehmerInnen zu deutlichen Unterschieden

führen, so kann man mit diesen Aufgaben nicht Konzentration erfassen (Westhoff, 1995).

Zudem müssen die TeilnehmerInnen aufgabenirrelevante Kognitionen abschirmen, um den

Anforderungen eines Konzentrationstests gerecht werden zu können. In diesem

Zusammenhang hat sich gezeigt, dass die ununterbrochene konzentrierte Tätigkeit mit

zunehmender Dauer schwerer aufrechtzuerhalten ist und eine Person bei länger andauernden

konzentrativen Tätigkeiten sensibler gegenüber extern bedingten Distraktorreizen

beziehungsweise irrelevanten Kognitionen wird (Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008).

Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass bei kontinuierlich ausgeführten kognitiven

Tätigkeiten mentale Blockierungen durch eine steigende Überladung des kognitiven Systems

auftreten. Diese sind von kurzer Dauer, finden unabsichtlich statt, und werden als

zwangsläufig auftretende Erholungspausen angesehen. Man bezeichnet diesen Vorgang auch

als mentale Ermüdung. Die Hemmung der Fortführung der Bearbeitung kann auch durch

Variation der Aufgaben oder experimentell eingebaute Kurzpausen vermindert werden

(Flehming, 2010). In Bezug auf die Lern- und Problemlösefähigkeit der TestteilnehmerInnen

ist anzumerken, dass ein Test nicht als Konzentrationstest bezeichnet werden kann, wenn für

seine Bearbeitung Lernleistungen erforderlich sind (Westhoff, 1995).

Zu situationsspezifischen, internen Faktoren mit Wirkung auf die individuelle

Konzentrationsleistung zählen auch bestimmte physiologische Parameter. Beispielsweise

können Müdigkeit, Alter, Krankheit, Schmerzen, falsche Ernährung und Sauerstoffmangel,

sowie die Einnahme bestimmte Substanzen die individuelle Konzentrationsleistung

beeinflussen (Flehming, 2010). Hinsichtlich des Alters konnte gezeigt werden, dass das

Bearbeitungstempo bei Konzentrationstests vom sechsten Lebensjahr an kontinuierlich

zunimmt, wobei sich dieser Effekt ab dem in etwa zwanzigsten Lebensjahr wieder umkehrt.

Entsprechendes gilt auch für den Fehleranteil. Dieser nimmt im Zeitraum vom zehnten bis in

etwa zwanzigsten Lebensjahr kontinuierlich ab und steigt danach wiederum monoton an

15
(Westhoff, 1995). Interessanterweise scheint sich zunehmendes Alter neueren

Studienergebnissen zufolge nicht negativ auf die Konzentrationsleistung auszuwirken. So

konnte gezeigt werden, dass Personen mit höherem Alter zwar dazu neigen, langsamer zu

arbeiten, dabei jedoch gleichzeitig weniger Fehler machen (altersbedingtes speed-accuracy-

tradeoff). Dies führt wiederum zu einem Ausgleich von Tempo- und

Genauigkeitskennwerten und somit zu einer, trotz zunehmenden Alters, konstant bleibenden

Konzentrationsleistung (Carriere, Cheyne, Solman & Smilek, 2010; Staub, Doignon-Camus,

Bacon & Bonnefond, 2014).

Zu situationsspezifischen, äußeren Faktoren mit Einfluss auf die Konzentration zählen

beispielsweise Lärmeinwirkung oder Unterbrechungen. Generell gilt diesbezüglich, dass

eine möglichst unverfälschte Erfassung der individuellen Konzentrationsleistung nur durch

die eindeutige und nicht erschwerte Wahrnehmbarkeit der Reize gewährleistet ist (Westhoff,

1995).

Wenn man nun die individuelle Konzentrationsleistung einer Person erfassen möchte,

besteht auch bei optimalen externen Bedingungen das Problem, dass beispielsweise aufgrund

von Müdigkeit oder mangelnder Motivation die gezeigte und die mögliche Leistung des/der

TestteilnehmerIn voneinander abweichen. Hier ist die erfasste Leistung als

Mindestschätzung der möglichen Leistung zu werten (Bartenwerfer, 1983; zitiert nach

Schweitzer, 2006, S. 96).

Zu aufgabenspezifischen Faktoren, welche die Leistung in Konzentrationstests

beeinflussen können, zählen die Komplexität der dargebotenen Reize, die Komplexität der

verlangten Reaktionen, sowie der Grad an vorhergehender Übung (Westhoff & Dewald,

1990). So benötigen komplexere Aufgaben längere Lösungszeiten (Flehming, 2010) und

Testpersonen neigen hier eher zu Fehlern (Westhoff & Graubner, 2003). Auch allgemeine

Intelligenz scheint bei komplexeren Items einen stärkeren Einfluss auf die Testergebnisse zu

haben (z. B. Westhoff & Graubner, 2003; Flehming, 2010). Es hat sich zudem gezeigt, dass

eine schrittweise Erhöhung der Itemschwierigkeit, durch eine zusätzliche Anforderung an

16
die Testperson, zu einem Abnehmen impulsiver Reaktionen bei der Testbearbeitung führt.

Dies erklären sich die AutorInnen durch einen Zerfall reizinduzierter motorischer

Aktivierungen aufgrund der, durch die erhöhte Aufgabenschwierigkeit bedingten, längeren

kognitiven Verarbeitung (Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008; Schweitzer, 1996; zitiert

nach Flehming, 2010, S. 254-255). Die Testlänge hat ebenfalls einen bedeutenden Einfluss

auf die Konzentrationsleistung. Je länger ein Konzentrationstest andauert, desto eher neigen

Personen dazu Fehler zu machen (Westhoff & Graubner, 2003). Außerdem kann sich die

Konzentrationsleistung allein durch eine hinreichend lang andauernde Darbietung des

Konzentrationstests aufgrund von Übung oder Ermüdung verändern. Aber auch

Aufgabenfaktoren, wie die kombinierte Darbietung unterschiedlich schwieriger Aufgaben

spielen eine Rolle. So geht man davon aus, dass es bei gemischter Darbietung von leichten

und schwierigen Items zu Sequenzeffekten kommt. Wenn einfache Aufgaben gemeinsam

mit schwierigen zu bearbeiten sind, werden die schwierigen Aufgaben schneller bearbeitet.

Dies geschieht auf Kosten der Genauigkeit. Umgekehrt gibt es in diesem Fall bei

Bearbeitung einfacher Aufgaben mehr lange Reaktionen. Dies geschieht wiederum zu

Gunsten der Genauigkeit, geht jedoch auf Kosten des Tempos (Flehming, 2010).

Zuletzt soll auf die, insbesondere für die testtheoretische Erfassung der individuellen

Konzentrationsleistung, bedeutenden Einflüsse von Geübtheit in Konzentrationstests

eingegangen werden. Bei nahezu allen Leistungstests ist damit zu rechnen, dass die Leistung

bei einer Wiederholung des Tests besser ausfällt. Auch bei Konzentrationstests verbessern

sich Tempowerte und Fehlerraten bei wiederholter Durchführung. Tatsächlich sind diese

Übungseffekte bei Konzentrationstests wesentlich größer, als bei anderen Leistungstests. Die

Übungsgewinne sind dabei nicht auf die erste Testung beschränkt, sondern setzen sich mit

jeder Testwiederholung fort. Den größten Leistungszuwachs durch Testwiederholung

erzielen ProbandInnen beim Tempokennwert, während sich die Fehlerrate meist nur wenig

verringert. Anzumerken ist jedoch, dass der durchschnittliche Leistungszuwachs mit jeder

weiteren Testwiederholung sinkt (Schmidt-Atzert et al., 2004). Interessanterweise verbessert

sich die Leistung in einem Konzentrationstest auch, wenn zuvor ähnliche Tests absolviert

17
wurden. Jedoch gibt es keine Transfereffekte bei wiederholtem Durchlaufen von

Konzentrationstests mit unterschiedlichem Aufgabenmaterial, also beispielsweise

Transfereffekte von Durchstreich- auf Rechenkonzentrationstests (Westhoff & Hagemeister,

2001; zitiert nach Hagemeister, 2007, S. 1). Diese Beobachtung legt nahe, dass

Übungseffekte zwar zu einer Steigerung der Performanz im jeweiligen Test führen, jedoch

keine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit an sich widerspiegeln (Hagemeister, 2007).

Zudem kann man anhand der wiederholten Vorgabe eines Konzentrationstests individuelle

Unterschiede in den Konzentrationsleistungen von Personen deutlicher machen (Westhoff &

Dewald, 1990). Auch scheint es bei komplexeren Aufgabenstellungen größere

Übungsgewinne zu geben (Flehming, 2010).

Als mögliche Ursache von Übungseffekten vermutet man, dass die Bearbeitung bei

Wiederholung eines Konzentrationstests stärker von den psychomotorischen Fähigkeiten

einer Person abhängt, wohingegen beim ersten Testdurchgang hauptsächlich die

Wahrnehmungsgeschwindigkeit angesprochen wird (Hagemeister, 2007). Dabei geht man

davon aus, dass Übungseffekte auf Mechanismen des prozeduralen Lernens basieren. Diese

beinhalten, dass mentale Operationen zunehmend von einer kontrollierten

Verarbeitungsebene in eine automatische Ebene verlagert werden. Nach Übung von

Handlungen oder Reaktionen werden hierfür notwendige mentale Operationen besser

miteinander verknüpft und so ihre Ausführung verbessert. Wenn ausreichend geübt wurde,

können Handlungen und Reaktionen sogar vollständig automatisiert werden.

Automatisierung bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Ausführung von Handlungen

oder Reaktionen vollständig auf Gedächtnisabrufprozessen basiert (Flehming, 2010).

Geübtheit in Konzentrationstests stellt ein großes Problem bei der Erfassung einer

unverfälschten, individuellen Konzentrationsleistung dar. Das Testergebnis eines/r

ProbandIn wird durch sie verfälscht und die tatsächliche Konzentrationsleistung überschätzt.

Übungsgewinne bleiben über Wochen und Monate erhalten, verschwinden aber im Laufe der

Zeit wieder, wenn nicht wieder geübt wird (Westhoff & Dewald, 1990).

18
Darüber hinaus sollte ein Test, um das Merkmal Konzentration möglichst eindeutig zu

erfassen, nicht mit stark unterschiedlich effektiven Strategien bearbeitbar sein (Westhoff,

1995).

Generell bleibt anzumerken, dass die Messung der Konzentrationsfähigkeit eines

Individuums umso valider ist, je weniger sie durch kovariierende Bedingungen verfälscht

wird (Flehming, 2010; Westhoff, 1995).

2 METHODE

2.1 Stichprobenbeschreibung

An der vorliegenden Untersuchung nahmen insgesamt 40 ÄrztInnen teil. Diese waren alle an

einem Krankenhaus im Raum Graz beschäftigt, gehörten jedoch unterschiedlichen Kliniken

desselben Krankenhauskomplexes an. Von der Untersuchung ausgeschlossen wurden

ÄrztInnen, die eine Sehhilfe zur Bearbeitung der Tests benötigten, diese jedoch zum

Zeitpunkt der Testung nicht bei sich trugen. Das Alter der TeilnehmerInnen betrug 19 bis 60

Jahre (M = 41.25, SD = 11.38). Insgesamt nahmen 26 Männer und 14 Frauen an der Studie

teil. Von den TeilnehmerInnen waren 38 Personen Rechtshänder und 2 Personen

Linkshänder. Bei der Bearbeitung der Testverfahren trugen 26 ÄrztInnen eine Sehhilfe, 14

ÄrztInnen benötigten eine solche nicht.

2.2 Untersuchungsmaterial

19
Zur Beantwortung der Fragestellungen kamen in dieser Arbeit die Testverfahren PTS in

ihren Versionen C, E und F (Tanzer & Gittler, 1996) sowie die revidierte Fassung des Tests

d2 (Brickenkamp et al., 2010, 1. Auflage) zur Anwendung. Diese sollen im Folgenden näher

erläutert werden.

2.2.1 Test d2- Revision (d2- R)

Der Test d2-Revision (d2-R) gehört zu den allgemeinen Leistungstests und ist die

altersspezifisch normierte Weiterentwicklung des Tests d2 (Brickenkamp, 2002, 9. Auflage).

Der d2-R kann in nahezu allen psychologischen Arbeitsbereichen für Einzel- und

Gruppentestungen bei Personen im Altersbereich von neun bis sechzig Jahren eingesetzt

werden. Im deutschsprachigen Raum wird der d2-R sehr häufig verwendet. Der Test nimmt

für sich in Anspruch, die individuelle Konzentrationsfähigkeit, beziehungsweise

konzentrierte Aufmerksamkeit, der ProbandInnen zum Testzeitpunkt zu messen. Die

ProbandInnen müssen dazu ähnliche visuelle Reize unter Zeitdruck unterscheiden. Die

Leistung der TeilnehmerInnen wird über die Kennwerte „Fehlerrate“ und „Schnelligkeit“

(Anzahl bearbeiteter Zielobjekte) erfasst. Diese beiden Kennwerte werden zu einem

Gesamtwert der Konzentrationsleistung verrechnet, indem die Anzahl der Fehler von der

Anzahl der bearbeiteten Zielobjekte abgezogen wird. Zusätzlich kann die Leistung noch in

einem dritten Kennwert, dem Verlauf des Gesamtwertes der Konzentrationsleistung über den

Test, abgebildet werden. Die TeilnehmerInnen werden vor der Bearbeitung des Tests

angewiesen, möglichst schnell und fehlerfrei zu arbeiten. Zudem muss das Sehvermögen für

die Bearbeitung des Tests ausreichen, beziehungsweise eine Fehlsichtigkeit durch Brille/

Kontaktlinsen ausgeglichen werden.

Die Kennwerte „Gesamtwert der Konzentrationsleistung“ und „Schnelligkeit“ werden

beim d2-R mit hoher Messgenauigkeit erfasst (Cronbachs α = .89 - .95, rtt = .91 - .94 bzw. rtt

20
= .85 - .92). Der Kennwert für die Sorgfalt (Fehlerrate) weist befriedigende Reliabilitäten auf

(Cronbachs α = .80 -.91, rtt = .47. - .84). Aktuelle Befunde zur Validität zeigen, dass der d2-

R das Konstrukt der Konzentrationsfähigkeit erfasst. Dabei besteht lediglich ein geringer

Zusammenhang zu Intelligenz, Leistungsmotivation, motorischer Schnelligkeit sowie

Belastbarkeit. Die Kriteriumsvalidität kann ebenfalls als zufriedenstellendend beurteilt

werden. (Brickenkamp et al., 2010).

Die Aufgabenstellung des d2-R besteht aus der Vorgabe der Buchstaben „d“ und „p“,

welche in 14 Testzeilen á 47 Zeichen angeordnet und mit jeweils einem bis vier Strichen

versehen sind. Die TeilnehmerInnen haben die Aufgabe jedes „d“, welches zwei Striche

trägt, durchzustreichen und andere vorhandene Buchstaben (z. B. ein „p“ mit zwei oder mehr

Strichen sowie ein „d“ mit mehr oder weniger als zwei Strichen) zu ignorieren. Dabei sollen

sie von links nach rechts arbeiten (Brickenkamp et al., 2010).

Abbildung 2. Beispielaufgabe des d2-R.

Bezüglich des Untersuchungssettings dieser Arbeit wurde die Bearbeitungsanweisung

für den d2-R geringfügig modifiziert. Den ProbandInnen wurde hier an Stelle der, wie beim

d2-R sonst üblichen, Bearbeitungszeit von 20 Sekunden pro Testzeile lediglich ein Zeitlimit

von 60 Sekunden für die Bearbeitung des gesamten Tests eingeräumt. Der Verlauf des

Gesamtwertes der Konzentrationsleistung konnte dadurch nicht mehr erfasst werden.

Außerdem wurden die in der ersten Zeile des Testbogens bearbeiteten Objekte aufgrund der

verkürzten Gesamtbearbeitungszeit des Tests in die Berechnung der Kennwerte

miteinbezogen.

21
2.2.2 Die Progressive Testserie (PTS)

Die Progressive Testserie (PTS, Gittler & Tanzer, 1996) ist ein noch relativ neues

Verfahren zur Messung der individuellen Konzentrationsfähigkeit der TeilnehmerInnen.

Zwei Besonderheiten der PTS sind, dass in ihr keine lateinischen Schriftzeichen verwendet

werden, sowie, dass in ihr jede zweite Zeile von rechts nach links bearbeitet werden soll. Da

die PTS so nicht an eine kulturell bedingte Schreibweise gebunden ist, ist sie auch im

interkulturellen Vergleich ein faires Verfahren. Zudem werden durch diese Aufgabenstellung

Linkshänder gegenüber Rechtshändern nicht benachteiligt. Dabei basiert die

Aufgabenstellung der PTS trotzdem auf dem Prinzip der klassischen Konzentrations-

Durchstreichtests. Die Leistung der TeilnehmerInnen wird hier, wie beim d2-R, in den

Kennwerten „Schnelligkeit“ (Anzahl bearbeiteter Aufgaben) und „Fehleranzahl“ erfasst, aus

welchen ebenfalls ein Gesamtwert der Konzentrationsleistung gebildet wird (Anzahl

bearbeiteter Aufgaben minus Fehleranzahl).

Die Kennwerte „Schnelligkeit“ und „Gesamtwert der Konzentrationsleistung“ der PTS

weisen zufriedenstellende Reliabilitäten auf (Cronbachs α = .90), es handelt sich also um ein

reliables Verfahren.

Die PTS besteht aus den elf Subtests M, A, B, C, D, E, F, P, G, Q und H mit jeweils

ansteigendem Komplexitätsgrad. Dabei wurde für jeden Subtest anhand derselben

verhältnismäßig geringen Menge von Stimuli eine Vielzahl von Aufgaben entwickelt. Die

Aufgaben der PTS unterscheiden sich zum einen hinsichtlich der Komplexität der

Reizgrundlage, zum anderen sind sie hinsichtlich der Komplexität der erforderten

Reaktionen unterschiedlich anspruchsvoll. Auf diese Weise ergibt sich ein langsames und

kontinuierliches, demnach progressives, Ansteigen des Schwierigkeitsgrades über die

einzelnen Subtests. Dabei werden die TeilnehmerInnen, wie bei den meisten

Konzentrationstests üblich, auch bei der PTS angewiesen, so schnell und fehlerfrei wie

möglich zu arbeiten.

22
Die Subtests M, A und B der PTS beinhalten rein motorische Aufgaben, sind kognitiv

wenig anspruchsvoll und sollen vor allem die psychomotorische Schnelligkeit der

ProbandInnen erfassen. Die Subtests C, D und E der PTS erfordern hingegen mehr Einsatz

an kognitiven Ressourcen und umfassen komplexere Komponenten der kognitiven

Leistungsfähigkeit. Die letzten Subtests F, P, G und Q der PTS enthalten einen hohen

kognitiven Komplexitätsgrad und haben die Aufgabe, Komponenten der fluiden Intelligenz

zu erfassen (Broer, 2001).

Im Rahmen dieser Untersuchung wurden die Untertests C, E und F der PTS vorgegeben.

Hier soll nun zur Veranschaulichung eine kurze Vorstellung der drei Untertests erfolgen.

Bei Subtest C werden die TeilnehmerInnen angewiesen, die Anzahl der unteren Balken

mit der Anzahl der oberen Kreise zu vergleichen. Subtest C wurde in der vorliegenden

Untersuchung für 40 Sekunden vorgegeben.

Abbildung 3. Beispielaufgabe des Subtests C der PTS.

Verwendet man das, unter Punkt 1.3 erläuterte, Klassifikationsschema für

Konzentrationstests von Westhoff und Kluck (1984) für eine Einteilung von Subtest C der

PTS, so ergibt sich hier eine Schwierigkeit der verwendeten Aufgaben (Komplexität der

Reizgrundlage) von insgesamt 3 Punkten. In Bezug auf die Komplexität der geforderten

Reaktion weist Subtest C der PTS eine Schwierigkeit von insgesamt 5 Punkten auf. Das

heißt, für Test C ergibt sich eine Gesamtschwierigkeit von 7 Punkten (Broer, 2001).

23
Bei Subtest E sollen die ProbandInnen die Übereinstimmung der Anzahl der unteren

Balken mit der Anzahl der oberen Kreise überprüfen. Dabei dienen zusätzliche Kreise unten

und Balken oben als Ablenkung. Subtests E wurde in der vorliegenden Untersuchung für 40

Sekunden vorgegeben.

Abbildung 4. Beispielaufgabe des Subtests E der PTS.

Hinsichtlich des Klassifikationsschemas von Westhoff und Kluck (1984) ergibt sich für

die in Subtest E verwendeten Aufgaben eine Komplexität der Reizgrundlage von 6 Punkten

sowie eine Komplexität der geforderten Reaktion von 7 Punkten. Subtest E weist

demzufolge eine Gesamtschwierigkeit von 13 Punkten auf (Broer, 2001).

Bei Subtest F sollen die TeilnehmerInnen wie zuvor bei Test C und E Balken mit

Kreisen vergleichen, sie müssen hier jedoch zweifach die Übereinstimmung der unteren

Balken mit den oberen Kreisen sowie der oberen Balken mit den unteren Kreisen

überprüfen. Zusätzlich müssen die TeilnehmerInnen bei Test F die Anzahl der

Übereinstimmungen zählen und im Aufgabenblatt richtig markieren. Subtest F wurde in der

vorliegenden Untersuchung für 90 Sekunden vorgegeben.

24
Abbildung 5. Beispielaufgabe des Subtests F der PTS.

Subtest F lässt sich hinsichtlich des Klassifikationsschemas von Westhoff und Kluck

(1984) dermaßen einteilen, dass die Komplexität der Reizgrundlage hier 6 Punkte beträgt

und die geforderten Reaktionen eine Schwierigkeit von 10 Punkten aufweisen. Für Test F

ergibt sich also eine Gesamtschwierigkeit von 16 Punkten (Broer, 2001).

Demzufolge sind die in Subtest C der PTS verwendeten Aufgaben sowohl in Bezug auf

die Komplexität der Reizgrundlage, als auch bezüglich der Komplexität der geforderten

Reaktion deutlich weniger anspruchsvoll als die in Subtests E und F der PTS verwendeten.

Die Aufgaben der Subtests E und F hingegen gleichen sich hinsichtlich der Komplexität der

Reizgrundlage. Trotzdem ist die Komplexität der erforderten Reaktion bei den Aufgaben des

Subtests F höher zu bewerten, als bei den Subtests C und E der PTS.

2.3 Untersuchungsablauf

Die Testungen für die vorliegende Untersuchung fanden im Zeitraum von Anfang

September bis Ende November 2014 statt. In einem ersten Schritt wurden die Vorstände der

Kliniken des im Raum Graz gelegenen Krankenhauses kontaktiert. Im Folgenden wurden

den einzelnen KlinikleiterInnen das Ziel und der Ablauf der Untersuchung vorgestellt sowie

das Einverständnis für die Durchführung der Untersuchung eingeholt. Der erste Kontakt zu

den ÄrztInnen wurde danach über den Chefarzt der jeweiligen Station hergestellt.

25
In einem zweiten Schritt wurden die ÄrztInnen dann auf den Stationen einzeln

angesprochen und gegebenenfalls für die Untersuchung rekrutiert. Um den Einfluss

möglicher Übungseffekte zu reduzieren, wurde bei dieser Gelegenheit eine sogenannte

„Einschulung“ mit jedem/r TestteilnehmerIn durchgeführt. Dabei wurden den

TeilnehmerInnen die Anleitungen zur Bearbeitung des Tests d2-R und der PTS vorgelesen.

Daraufhin wurden die Beispielaufgaben für die jeweiligen Tests erklärt und die

ProbandInnen angewiesen, die vorgegebenen Übungszeilen zu bearbeiten. Danach wurden

noch einmal alle Aufgabenbögen gemeinsam durchgegangen und auftretende Fragen

beantwortet. Nun wurde mit jedem/r TeilnehmerIn individuell ein Termin für die eigentliche

Testung vereinbart.

Die tatsächlichen Testtermine fanden ungefähr eine Woche nach der Rekrutierung und

Einschulung der TeilnehmerInnen statt. Meist wurde der Seminarraum, in welchem die

täglichen Besprechungen der ÄrztInnen der jeweiligen Station stattfanden, für die Testungen

verwendet. Hierbei wurde auf eine störungsfreie Umgebung geachtet und die

TestteilnehmerInnen gebeten, auf ihren Handys beziehungsweise Stationstelefonen die

Funktion „lautlos“ einzustellen, falls dies möglich war. Vor Beginn einer Testung wurde

jedem/r ProbandIn erklärt, dass seine/ihre Teilnahme an dieser Untersuchung freiwillig

erfolge und er/sie diese jederzeit sowie ohne Angabe von Gründen abbrechen könne. Danach

wurde das, zur Wahrung der Anonymität mündliche, Einverständnis des/der ProbandIn

eingeholt.

Beide Testverfahren, bestehend aus einem DIN A4 Blatt für den Test d2-R und drei DIN

A4 Blättern für die PTS Subtests C, E und F, sowie drei weißen Trennblättern, wurden

jedem/r ProbandIn daraufhin gesammelt in einer Aufgabenmappe vorgelegt. Die Blätter der

Testverfahren waren beidseitig beschriftet, wobei sich auf der ersten Seite lediglich die

Beispiel- und Übungsaufgaben befanden. Die eigentlichen Tests waren auf der Rückseite der

Blätter zu finden. Diese durften jedoch erst aufgedeckt werden, wenn die

TestteilnehmerInnen die Vorderseiten mit den Beispiel- und Übungsaufgaben bearbeitet

26
hatten und zum Umdrehen der Testblätter aufgefordert wurden. Zuerst wurden die

TeilnehmerInnen gebeten, für sich einen persönlichen Code zu generieren und diesen

zusammen mit demographischen Angaben zu Alter, Geschlecht, Händigkeit sowie benötigter

Sehhilfen in den dafür vorgesehenen Kästchen auf der Vorderseite des Tests d2-R

einzutragen. Der persönliche Code diente zur Gewährleistung der Anonymität der

TestteilnehmerInnen und dazu, die erste Testung einer Person deren zweiter Testung

zuordnen zu können. Anschließend wurden die Testverfahren in folgender Reihenfolge

vorgegeben:

Tabelle 1:
Reihenfolge und Dauer der Testvorgabe

Test Vorgabezeit in Sekunden

d2-R 60

PTS-C 40

PTS-E 40

PTS-F 90

Vor der Bearbeitung des d2-R und der Subtests C, E und F der PTS wurden die

TeilnehmerInnen jeweils angewiesen, so schnell und genau wie möglich zu arbeiten. Um die

Zeit zu erfassen, wurde eine handelsübliche Stoppuhr verwendet.

Nach der ersten Testung wurde mit den ÄrztInnen ein zweiter Testtermin am selben Tag

vereinbart. Dieser fand im Durchschnitt acht Stunden später statt und verlief in der gleichen

Reihenfolge, wie die erste Testung.

2.4 Datenaufbereitung und statistische Auswertung

27
Die statistische Auswertung der für die Untersuchung erhobenen Daten erfolgte anhand

des Statistical Package for the Social Sciences 22 (IBM Corp., Version 22.0. Armonk, NY.).

Das α- Signifikanzniveau wurde für alle statistischen Prüfungen auf 5% festgelegt. Zur

besseren Interpretierbarkeit der Ergebnisse wird der genaue Signifikanzwert angegeben. Die

Ergebnisse der multivariaten Varianzanalysen (MANOVAs) wurden, aufgrund deren

besonderer Robustheit gegen eine Verletzung der Voraussetzungen, anhand von Pillai-Spur-

Werten angegeben (Tabachnik & Fidell, 2001, S. 269). Zur praktischen Deutung des

statistischen Signifikanzwertes wurde für die Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Tests Cohenʼs dz/g

für abhängige Stichproben als Effektstärkenmaß deskriptiv berechnet (Bühner & Ziegler,

2009, S. 183). Dieses wird entsprechend den Konventionen interpretiert (dz/g = 0.2 kleiner

Effekt, dz/g = 0.5 moderater Effekt, dz/g = 0.8 großer Effekt) (Cohen, 1988; zitiert nach

Bühner & Ziegler, 2009, S. 177). Zusätzlich wurden zur Sicherung der gefundenen Effekte

die zugehörigen Teststärken (1 - β) anhand des Programms G* Power berechnet.

Die Überprüfung der Voraussetzungen für die jeweils verwendeten Verfahren wurde

standardmäßig durchgeführt. Daher wird hier nur auf diese eingegangen, wenn sie verletzt

wurden. Die Überprüfung der Normalverteilung der Messwertdifferenzen der abhängigen

Variablen erfolgte für die einzelnen MANOVAs mit Messwiederholung zunächst anhand der

Berechnung von Kolmogorov-Smirnov-Tests (in Verbindung mit der visuellen Beurteilung

der zugehörigen Histogramme und Boxplots sowie anhand der Schiefe und Kurtosis) am 5%

Niveau. Es zeigte sich hier keine univariate Normalverteilung für einige der abhängigen

Variablen. Zudem konnten über die visuelle Beurteilung der zugehörigen Histogramme und

Boxplots Ausreißer identifiziert werden. Jedoch wurde aufgrund der kleinen

Stichprobengröße von 40 Personen entschieden, keine Fälle aus den Berechnungen

auszuschließen. Auch eine Transformation der Variablen kam nicht in Betracht, da hierdurch

die substantielle Interpretierbarkeit der Variablen erschwert worden wäre (Osborne, 2002).

Zusätzlich wurde die multivariate Normalverteilung anhand der Berechnungen von

Mahalanobis-Distanz überprüft (Tabachnik & Fidell, 2001, S. 74). Hier konnten keine

multivariaten Ausreißer für die MANOVAs identifiziert werden. Die Linearität wurde für

28
die einzelnen abhängigen Variablen über Streudiagramme geprüft. Für einige der

abhängigen Variablen lag keine lineare Beziehung vor. Da die berechneten statistischen

Verfahren ab einer Stichprobengröße von über 20 Personen jedoch als robust gegenüber

Verletzungen der Normalverteilung gelten, wurden die MANOVAs mit Messwiederholung

durchgeführt (Tabachnik & Fidell, 2001, S. 251; Bortz, 2005, S. 286). Die Überprüfung der

Sphärizität anhand des Mauchly-Tests entfiel für die Berechnung der multivariaten

Varianzanalysen mit Messwiederholung, da diese jeweils nur zwei Messzeitpunkte

enthielten. Da keine univariate Normalverteilung vorlag wurden im Anschluss an die

Berechnung der MANOVAs Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Tests für die einzelnen

abhängigen Variablen berechnet (Bühner & Ziegler, 2009).

Im Folgenden werden die statistischen Berechnungen zur Beantwortung der einzelnen

Fragestellungen dargestellt.

3 FRAGESTELLUNGEN UND HYPOTHESEN

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Beleg dafür zu erbringen, wie stark sich die

Konzentrationsfähigkeit (Bearbeitungstempo und Genauigkeit) von stationär tätigen

ÄrztInnen nach einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden verändert. Weiterhin

soll untersucht werden, ob einer der Subtests C, E und F der PTS oder der Test d2-R besser

zwischen vor und nach einem Arbeitstag erbrachten Konzentrationsleistungen von stationär

tätigen ÄrztInnen differenziert. Dadurch ergeben sich folgende Fragestellungen und

Hypothesen:

Fragestellung 1: Unterscheiden sich die, anhand der Tests d2-R und PTS in Version C, E

und F gemessenen Konzentrationsleistungen (Bearbeitungstempo und Genauigkeit) von

ÄrztInnen vor und nach einem Arbeitstag von acht Stunden?

29
Eine Vielzahl von Studien konnte zeigen, dass die individuelle Konzentrationsfähigkeit

durch verschiedenste Faktoren beeinflusst wird. Hierzu zählen beispielsweise Müdigkeit,

emotionale Belastung, Ablenkungen sowie motivationale Faktoren und Übungseffekte (z. B.

Flehming, 2010; Schweitzer, 2006; Schmidt- Atzert et al., 2004, Westhoff & Graubner,

2003; Westhoff, 1995). Für die vorliegende Arbeit ergibt sich dadurch die folgende

Hypothese:

Hypothese 1: Anhand des Tests d2-R und der PTS in Version C, E und F gemessene

Konzentrationsleistungen (Bearbeitungstempo und Genauigkeit) von ÄrztInnen

unterscheiden sich nach einem Arbeitstag von acht Stunden.

Fragestellung 2: Welches der verwendeten Testverfahren d2-R, PTS Subtest C, PTS Subtest

E und PTS Subtest F weist die stärkste Differenzierung zwischen vor und nach einem

Arbeitstag erbrachten Konzentrationsleistungen (Bearbeitungstempo und Genauigkeit) von

ÄrztInnen auf?

Es wurde bereits erläutert, dass sich die Subtests C, E und F der PTS in Bezug auf das

Klassifikationsschema von Westhoff und Kluck (1984) hinsichtlich der Komplexität der

Reizvorlage und der Komplexität der geforderten Reaktion der in ihnen verwendeten

Aufgaben grundlegend voneinander unterscheiden (Broer, 2001). Für den Test d2-R erfolgte

bislang keine Einordnung nach selbigem Klassifikationsschema.

Unklar ist weiterhin, inwiefern sich die unterschiedliche Komplexität der Aufgaben in

den verwendeten Testverfahren auf die Differenziertheit der Erfassung der

Konzentrationsleistung auswirkt. Aus diesem Grund liegt keine Erwartung bezüglich der

Beantwortung der Fragestellung 2 vor. Diese wird im Folgenden explorativ untersucht.

4 ERGEBNISSE

30
4.1 Fragestellung 1: Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen vor und nach einem

Arbeitstag

Tabelle 2 sind die deskriptiven Daten in Bezug auf die Gesamtzahl der bearbeiteten

Items (Bearbeitungstempo) in den vorgegebenen Testverfahren zu entnehmen.

Tabelle 2:
Deskriptive Daten des Tests d2-R sowie der Subtests C, E und F der PTS für die Gesamtzahl

bearbeiteter Items

Morgen Nachmittag

M SD M SD

d2-R 53.10 16.12 46.30 10.68

PTS-C 37.25 8.92 34.03 8.43

PTS-E 27.25 8.71 25.75 8.71

PTS-F 22.93 8.45 24.35 7.65

Anmerkungen. Morgen = 40 Personen, Nachmittag = 40 Personen

Tabelle 3 sind die deskriptiven Daten in Bezug auf die Fehleranzahl (Genauigkeit) bei den

bearbeiteten Items in den vorgegebenen Testverfahren zu entnehmen.

31
Tabelle 3:
Deskriptive Daten des Tests d2-R sowie der Subtests C, E und F der PTS für die

Fehleranzahl

Morgen Nachmittag

M SD M SD

d2-R 10.05 15.97 6.20 10.69

PTS-C 0.28 0.64 0.35 0.66

PTS-E 0.83 1.15 0.88 1.56

PTS-F 2.45 2.78 2.20 2.41

Anmerkungen. Morgen = 40 Personen, Nachmittag = 40 Personen

Um zu überprüfen, ob sich stationär tätige ÄrztInnen insgesamt in den verwendeten

Konzentrationstests vor und nach einem Arbeitstag hinsichtlich der Anzahl bearbeiteter

Items (Bearbeitungstempo) unterschieden, wurde eine einfaktorielle multivariate

Varianzanalyse für abhängige Messungen durchgeführt. Das Bearbeitungstempo stationär

tätiger ÄrztInnen unterschied sich insgesamt in den vorgegebenen Konzentrationstests vor

und nach einem Arbeitstag, F(4,36) = 5.84, p = .001, ɳpartial2 = .39.

Des Weiteren sollte untersucht werden, ob sich stationär tätige ÄrztInnen insgesamt in

den verwendeten Konzentrationstests vor und nach einem Arbeitstag hinsichtlich der

Fehleranzahl (Genauigkeit) unterschieden. Hierfür wurde ebenfalls eine einfaktorielle

multivariate Varianzanalyse für abhängige Messungen berechnet. Die Fehleranzahl stationär

tätiger ÄrztInnen unterschied sich insgesamt in den vorgegebenen Konzentrationstests vor

und nach einem Arbeitstag, F(4,36) = 3.93, p = .009, ɳpartial2 = .30.

4.2 Fragestellung 2: Differenziertheit der Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen

im Test d2-R und den PTS Subtests C, E und F

32
Weiterhin sollte explorativ untersucht werden, welches der verwendeten Testverfahren

die stärkste Differenzierung zwischen vor und nach einem Arbeitstag erbrachten

Konzentrationsleistungen (Bearbeitungstempo und Genauigkeit) von stationär tätigen

ÄrztInnen aufwies. Um zu ermitteln, in welchen der verwendeten Testverfahren sich

Unterschiede zeigten, wurden die Leistungen in den Tests d2-R sowie PTS Subtests C, E

und F zu Messzeitpunkt 1 und Messzeitpunkt 2 hinsichtlich des Bearbeitungstempos und der

Fehleranzahl zunächst anhand von Wilcoxon-Vorzeichen-Rang-Tests miteinander

verglichen. Zur Ermittlung des Differenzierungsgrades der verwendeten Testverfahren

wurde anschließend Cohenʼs dz/g für die gefundenen Unterschiede deskriptiv berechnet.

Zusätzlich wurden für die gefundenen Effekte die zugehörigen Teststärken (1 - β) ermittelt.

Bearbeitungstempo:

Für den Test d2-R war der Wilcoxon-Test signifikant. Stationär tätige ÄrztInnen zeigten

hier nach einem Arbeitstag ein geringeres Bearbeitungstempo als vor einem Arbeitstag (d2-

R: z = -4.25, p = .000, Mdiff = 6.78, SDdiff = 10.66). Der für den Test d2-R gefundene Effekt

im Bearbeitungstempo ist als moderat zu bewerten (dz/g d2-R Gesamtzahl = .64). Die Teststärke ist

als hoch zu bewerten (1 - βd2-R = .99).

Für den Subtest C der PTS war der Wilcoxon-Test signifikant. Auch hier zeigten

stationär tätige ÄrztInnen nach einem Arbeitstag ein geringeres Bearbeitungstempo als vor

einem Arbeitstag (PTS-C: z = -3.32, p = .001, Mdiff = 3.23, SDdiff = 5.76). Der für den Subtest

C der PTS gefundene Effekt im Bearbeitungstempo ist als moderat zu bewerten (dz/g PTS-C

Gesamtzahl = .56). Die Teststärke ist als hoch zu bewerten (1 - βPTS-C = .96).

Für den Subtest E der PTS wurde der Wilcoxon-Test nicht signifikant. Hier gab es vor

und nach einem Arbeitstag hinsichtlich des Bearbeitungstempos von stationär tätigen

ÄrztInnen keinen Unterschied. Es zeigte sich hier lediglich eine Tendenz zur Signifikanz

33
dahingehend, dass ÄrztInnen nach einem Arbeitstag langsamer arbeiteten als zuvor (PTS-E:

z = -1.79, p = .073, Mdiff = 1.5, SDdiff = 5.31).

Für den Subtest F der PTS war der Wilcoxon-Test wiederum signifikant. Stationär tätige

ÄrztInnen arbeiteten hier nach einem Arbeitstag schneller als vor einem Arbeitstag (PTS-F: z

= -2.56, p = .010, Mdiff = -1.43, SDdiff = 4.14). Dieser für Subtest F gefundene Effekt im

Bearbeitungstempo ist als klein zu bewerten (dz/g PTS-F Gesamtzahl = .34). Die Teststärke für den

im Subtest F der PTS gefundenen Effekt ist ebenfalls als klein zu bewerten (1 - βPTS-F = .66).

Fehleranzahl:

Für den d2-R wurde der Wilcoxon-Test signifikant. Hier machten stationär tätige

ÄrztInnen nach einem Arbeitstag weniger Fehler, als vor einem Arbeitstag (d2-R: z = -3.13,

p = .002, Mdiff = 3.85, SDdiff = 7.62). Der für den Test d2-R gefundene Effekt in der

Fehleranzahl ist als moderat zu bewerten (dz/g d2-R Fehler = .51). Die Teststärke ist als hoch zu

bewerten (1 - βd2-R = .92).

Für die Subtests C, E und F der PTS wurden die Wilcoxon-Tests nicht signifikant. Vor

und nach einem Arbeitstag gab es hier keinen Unterschied in der Fehleranzahl stationär

tätiger ÄrztInnen (PTS-C: z = -.56, p = .572, Mdiff = -0.08, SDdiff = 0.76; PTS-E: z = -.22, p =

.822, Mdiff = -0.05, SDdiff = 1.69; PTS-F: z = -.71, p = .473, Mdiff = 0.25, SDdiff = 1.82). Die

Ergebnisse sind in Abbildungen 6 und 7 noch einmal graphisch dargestellt.

34
Gesamtzahl bearbeiteter Items 60

50

40 d2- R

PTS- C
30
PTS- E
20 PTS- F

10

0
Morgen Nachmittag

Abbildung 6. Mittelwerte der Gesamtzahl bearbeiteter Items in den verwendeten

Testverfahren bei der Morgen- und Nachmittagsmessung.

12

10

8 d2- R
Fehleranzahl

PTS- C
6
PTS- E
4 PTS- F

0
Morgen Nachmittag

Abbildung 7. Mittelwerte der Fehleranzahl in den verwendeten Testverfahren bei der

Morgen- und Nachmittagsmessung.

35
5 DISKUSSION

5.1 Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen vor und nach einem Arbeitstag

Bei gemeinsamer Untersuchung der Konzentrationsleistungen in allen verwendeten

Testverfahren unterschieden sich in der vorliegenden Studie sowohl das Bearbeitungstempo

als auch die Fehleranzahl von ÄrztInnen vor und nach einem Arbeitstag von acht Stunden.

Bei separater Untersuchung der Konzentrationsleistung im jeweiligen Testverfahren

unterschied sich das Bearbeitungstempo von ÄrztInnen vor und nach einem Arbeitstag

sowohl im Test d2-R, als auch in den Subtests C und F der PTS. Im Subtest E der PTS gab

es diesbezüglich zumindest einen tendenziellen Unterschied. Die Fehleranzahl von

ÄrztInnen unterschied sich hingegen vor und nach einem Arbeitstag bei separater

Untersuchung der Konzentrationsleistungen für das jeweilige Testverfahren nur im Test d2-

R.

Diese Ergebnisse lassen sich so deuten, dass die Testverfahren bei gemeinsamer

Untersuchung mehr Unterschiede in der Fehleranzahl von ÄrztInnen vor und nach einem

Arbeitstag nachweisen können, als bei separater Untersuchung (Tabachnik & Fidell, 2001).

Außerdem zeigt sich hier, dass bezüglich des Bearbeitungstempos von ÄrztInnen vor und

nach einem Arbeitstag in den verwendeten Testverfahren ähnlich hohe Unterschiede

festgestellt werden können, während die Unterschiede in der Fehleranzahl von ÄrztInnen vor

und nach einem Arbeitstag in den verwendeten Testverfahren verschieden hoch ausfallen.

Bei genauerer Untersuchung der gefundenen Unterschiede zeigte sich hinsichtlich des

ersten Konzentrationsleistungsparameters - des Bearbeitungstempos - in allen der

vorgegebenen Konzentrationstests eine Verringerung der Konzentrationsleistung von

ÄrztInnen nach einem Arbeitstag, mit Ausnahme des Subtests F der PTS. Hier stieg die

36
Konzentrationsleistung der ÄrztInnen nach einem Arbeitstag. Dies bedeutet, dass ÄrztInnen

sowohl im Test d2-R als auch den Subtests C und E der PTS nach einem Arbeitstag

langsamer arbeiteten - wie vor dem Hintergrund der berichteten Literatur zu diesem

Themengebiet auch zu erwarten gewesen ist (Flehming, 2010; Fischer, Dreisbach &

Goschke, 2008; Scholz, 2006; Westhoff, 1995). Nur im Subtest F der PTS arbeiteten

ÄrztInnen nach einem Arbeitstag schneller, was ungewöhnlich erscheint.

Hinsichtlich der Verringerung des Bearbeitungstempos von ÄrztInnen nach einem

Arbeitstag im Test d2-R sowie den Subtests C und E der PTS kommen physische Faktoren

als mögliche Ursachen in Betracht (Flehming, 2010). So konnte nachgewiesen werden, dass

Personen Zeichen erhöhter physischer Belastung wie Müdigkeit zeigten, nachdem sie eine

anstrengende Tätigkeit für einen bestimmten Zeitraum ausgeführt hatten (z. B. Schellekens,

Sijtsma, Vegter & Meijman, 2000). Daher kann man davon ausgehen, dass ÄrztInnen nach

einem Arbeitstag von acht Stunden in körperlicher Hinsicht deutlich erschöpfter sein werden

als zu Beginn eines Arbeitstages. Dies kann in der Folge dazu geführt haben, dass das

Bearbeitungstempo der ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im Test d2-R sowie den Subtests C

und E der PTS sank.

Sowohl für die Morgenmessung als auch für die Nachmittagsmessung der

Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen kommen als weitere physisch beeinflussende

Faktoren Lärmeinwirkung und Unterbrechungen in Betracht (Westhoff, 1995). Es wurde

sorgfältig darauf geachtet, die Testungen in einer möglichst störungsfreien Umgebung

durchzuführen. Jedoch spielen diese Faktoren in einer quasiexperimentellen Untersuchung

immer eine gewisse Rolle, da sie hier nie vollständig ausgeschaltet werden können (Bortz,

2005). Derartige mögliche physische Einflussfaktoren sind im Rahmen der gegenständlichen

Studie nicht miterhoben beziehungsweise kontrolliert worden, weshalb sich über ihren

Einfluss nur spekulieren lässt.

37
Hinsichtlich des möglichen physischen Einflussfaktors Alter konnte in der vorliegenden

Untersuchung kein Effekt auf das Bearbeitungstempo im Test d2-R sowie den Subtests C, E

und F der PTS festgestellt werden (Flehming, 2010).

Weiterhin könnte das Bearbeitungstempo von ÄrztInnen im Test d2-R und in den

Subtests C und E der PTS nach einem Arbeitstag von psychischen Faktoren beeinflusst

worden sein. Diese sind vor allem in Wechselwirkung mit den oben beschriebenen

physischen Einflussfaktoren des Bearbeitungstempos der ÄrztInnen nach einem Arbeitstag

als bedeutsam zu erachten (Schweitzer, 2006).

So könnte sich die Motivation der ÄrztInnen zur Bearbeitung der Testverfahren auf ihr

Bearbeitungstempo im Test d2-R sowie den Subtests C und E der PTS nach einem

Arbeitstag ausgewirkt haben. Der Einsatz von Anstrengung ist bei der Bearbeitung von

Konzentrationstests insbesondere von der Motivation der TeilnehmerInnen abhängig

(Gopher & Sanders, 1995; zitiert nach Westhoff, 1995, S. 388). Die Aufgaben in

Konzentrationstests sind per definitionem intellektuell wenig anspruchsvoll (Flehming,

2010; Amelang & Schmidt-Atzert, 2006). Daher wird ihre Bearbeitung oft als monoton

erlebt. Hierbei kann es in motivationaler Hinsicht zur sogenannten reaktiven Hemmung

kommen, welche kurzfristig als negativer Antrieb bei der Bearbeitung der Aufgaben wirkt

(Flehming, 2010). Die TeilnehmerInnen waren zum zweiten Messzeitpunkt durch die oben

benannten physischen Einflussfaktoren möglicherweise bereits belastet. Aus diesem Grund

kann sich eine Beeinträchtigung der Motivation bei der Bearbeitung der Testverfahren nach

einem Arbeitstag deutlicher im Bearbeitungstempo ausgedrückt haben, als zuvor.

Hinsichtlich einer Verringerung der Motivation könnte ebenfalls eine Rolle gespielt haben,

dass die ProbandInnen die verwendeten Testverfahren bei der Nachmittagsmessung schon

kannten und ihre Bearbeitung möglicherweise schneller als monoton erlebten.

Des Weiteren könnten kognitive Faktoren einen Einfluss auf das Bearbeitungstempo

von ÄrztInnen in den Tests d2-R sowie PTS-C und PTS-E nach einem Arbeitstag ausgeübt

haben (Schweitzer, 2006). Man geht davon aus, dass es bei kontinuierlich ausgeführten

38
kognitiven Tätigkeiten nach einer gewissen Zeit zur mentalen Erschöpfung, also einer

Überladung und somit kurzfristigen Blockierung des kognitiven Systems kommen kann

(Flehming, 2010). Diese Blockierung des kognitiven Systems könnte bei der Bearbeitung der

Aufgaben in den Tests d2-R sowie PTS-C und PTS-E - aufgrund der Kombination mit

Faktoren, wie Müdigkeit und geringer Motivation - nach einem Arbeitstag möglicherweise

häufiger aufgetreten sein, als zuvor.

Zusammenfassend könnten die Ergebnisse im Test d2-R sowie den Subtests C und E der

PTS hinsichtlich des Bearbeitungstempos so gedeutet werden, dass die ÄrztInnen nach

einem Arbeitstag zunächst aufgrund von physischer Erschöpfung in ihrer Leistungsfähigkeit

beeinträchtigt waren. Die körperliche Erschöpfung kann nach einem Arbeitstag einen so

bedeutenden Einfluss auf Motivation sowie mentale Ermüdung der TeilnehmerInnen gehabt

haben, dass all diese Faktoren in Wechselwirkung miteinander letztendlich zur

Verschlechterung des Bearbeitungstempos von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im Test d2-

R sowie den Subtests C und E der PTS geführt haben.

Die Verbesserung des Bearbeitungstempos von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im

Subtest F der PTS erscheint vor dem Hintergrund der bisher berichteten möglichen Auslöser

für die Verschlechterung der Tempoleistungen im Test d2-R sowie den Subtests C und E der

PTS zunächst paradox. Jedoch sind für den Subtest F der PTS hinsichtlich der berichteten

möglichen motivationalen Einflussfaktoren gegensätzliche Wirkungen auf das

Bearbeitungstempo denkbar. Diese könnten insbesondere in Kombination mit

aufgabenspezifischen Faktoren die Bedeutsamkeit der physischen Einflussfaktoren nach

einem Arbeitstag bei der Bearbeitung des Subtests F der PTS reduziert haben.

Die Komplexität der Aufgaben im Subtest F der PTS ist im Vergleich zu den anderen

Testverfahren am höchsten einzustufen (Broer, 2001). Tatsächlich berichteten fast alle

UntersuchungsteilnehmerInnen nach der Bearbeitung des Subtests F der PTS, dass sie diesen

als deutlich anstrengender empfunden hätten, als den Test d2-R sowie die Subtests C und E

der PTS. Man könnte die Bearbeitung der Aufgaben des Subtests F der PTS daher als

39
weniger monoton einstufen. Die höhere Komplexität des Subtests F könnte so in Verbindung

mit den als weniger monoton erlebten Aufgaben zu einer erhöhten Motivation der

TeilnehmerInnen bei der Bearbeitung des Subtests F geführt haben. Wie bereits unter Punkt

1.4 erläutert wurde, ist Motivation hier als „grundlegende Bereitschaft zu verstehen, gestellte

Aufgaben mit maximalem Einsatz vollbringen zu wollen“ (zitiert nach Flehming, 2010, S.

22).

Einen Einfluss auf das Bearbeitungstempo von ÄrztInnen im Subtest F der PTS können

ebenfalls aufgabenspezifische Faktoren ausgeübt haben (Westhoff & Dewald, 1990). Es

wurde bereits berichtet, dass die Aufgaben im Test d2-R hinsichtlich ihrer Komplexität im

Vergleich zu den Aufgaben der Subtests C, E und F der PTS am leichtesten einzustufen sind.

Die Komplexität der Subtests der PTS steigt wiederum von Subtest C zu Subtest F graduell

an. Es konnte gezeigt werden, dass eine schrittweise Erhöhung der Itemschwierigkeit dazu

führt, dass Testpersonen bei der kognitiven Verarbeitung von Aufgaben länger brauchen.

Dies kann in Folge zu einer Abnahme impulsiver Reaktionen bei der Testbearbeitung führen.

Diese Abnahme impulsiver Reaktionen bei der Testbearbeitung kann sich wiederum so

auswirken, dass ProbandInnen aufgabenirrelevante Stimuli besser abwehren und somit bei

der Bearbeitung der Aufgaben schneller arbeiten (Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008;

Schweitzer, 1996; zitiert nach Flehming, 2010, S. 155). Die Bearbeitung der Subtests C, E

und F der PTS fand aufeinanderfolgend statt. Gleichzeitig sind diese Subtests, wie unter

Punkt 2.2.2 erläutert, sehr ähnlich aufgebaut. Zudem kommt eine schrittweise Erhöhung der

Itemschwierigkeit von Subtest C zu Subtest F der PTS zustande. Dies kann bei den

ÄrztInnen zu der erläuterten Abnahme impulsiver Reaktionen bei der Bearbeitung des

Subtests F der PTS geführt haben. Auf diese Weise ist es möglich, dass die ÄrztInnen bei

der Bearbeitung des Subtests F der PTS aufgabenirrelevante Stimuli besser abwehren

konnten und daher schneller arbeiteten.

Auch die Übung der TeilnehmerInnen kommt als aufgabenspezifischer Einfluss auf das

Bearbeitungstempo der ÄrztInnen in Betracht. So hat sich gezeigt, dass sich die

40
Konzentrationsleistung auch durch Übung verbessert, wenn zuvor ähnliche Tests absolviert

wurden (Westhoff, 1995; Westhoff & Dewald, 1990). Der Subtest F der PTS wurde von den

TestteilnehmerInnen zu beiden Messzeitpunkten immer nach Vorgabe der Subtests C und E

der PTS bearbeitet. Aufgrund der sehr ähnlichen Aufgabenstellungen in diesen

Testverfahren sowie des von Subtest C zu Subtest F der PTS sukzessiv ansteigenden

Schwierigkeitsgrades könnte es Übungseffekte innerhalb eines Messzeitpunktes gegeben

haben. Diese hätten sich insbesondere bei Subtest F der PTS auf die Leistung der

TeilnehmerInnen ausgewirkt, da dieser Test immer zuletzt vorgegeben wurde. Zusätzlich

kann es zum zweiten Messzeitpunkt Übungseffekte aufgrund der wiederholten Vorgabe der

verwendeten Testverfahren gegeben haben. Außerdem scheint es bei komplexeren

Aufgabenstellungen generell größere Übungsgewinne zu geben (Flehming, 2010).

Möglicherweise haben sich Übungseffekte daher insbesondere im Subtest F der PTS auf das

Bearbeitungstempo der TeilnehmerInnen ausgewirkt.

Zusammenfassend sprechen die Ergebnisse im Subtest F der PTS hinsichtlich des

Bearbeitungstempos dafür, dass mehrfache Übungseffekte in Kombination mit einer

erhöhten Motivation sowie weniger impulsiven Reaktionen die physische Erschöpfung der

TeilnehmerInnen bei der Bearbeitung des Subtests F der PTS nach einem Arbeitstag

möglicherweise in ihrer Bedeutsamkeit reduziert haben. Diese Wechselwirkung von

Einflussfaktoren kann zudem bei der Nachmittagsmessung einen dermaßen starken Effekt

auf das Bearbeitungstempo der ÄrztInnen im Subtest F der PTS ausgeübt haben, dass sich

dieses letztendlich verbesserte.

Im Gegensatz dazu zeigte sich hinsichtlich des zweiten

Konzentrationsleistungsparameters - der Fehleranzahl - nur beim Test d2-R ein Effekt. Hier

verbesserte sich die Konzentrationsleistung von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag. Dies

bedeutet, dass ÄrztInnen in allen Subtests der PTS nach einem Arbeitstag nicht signifikant

mehr Fehler machten. Dies ist vor dem Hintergrund der bisher berichteten Literatur zu

diesem Themengebiet ebenfalls zu erwarten gewesen, da Fehler in Konzentrationstests eher

41
selten auftreten (Westhoff & Graubner, 2003). Nur im Test d2-R arbeiteten ÄrztInnen nach

einem Arbeitstag paradoxerweise genauer, hier nahm die Fehleranzahl ab.

Hinsichtlich der Verringerung der Fehleranzahl im Test d2-R nach einem Arbeitstag

kommen vor dem Hintergrund der bisher erläuterten Einflussfaktoren nur Übungseffekte als

Ursache in Betracht. Jedoch wurde bereits berichtet, dass Übungseffekte für die Fehleranzahl

eher gering ausfallen (siehe Punkt 1.4). So erzielen ProbandInnen den größten

Leistungszuwachs durch Übung beim Tempokennwert, während sich die Fehlerrate meist

nur geringfügig verändert (Westhoff & Dewald, 1990). Das Bearbeitungstempo der

ÄrztInnen im Test d2-R sank nach einem Arbeitstag. In diesem Zusammenhang ist die

deutliche Verbesserung der Fehlerwerte von ÄrztInnen im Test d2-R nach einem Arbeitstag

als ungewöhnlich zu beurteilen.

Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Leistungen im Test d2-R eine

generell erhöhte Variabilität aufweisen. Dies gilt sowohl für die Gesamtzahl bearbeiteter

Items, als auch für die Fehleranzahl. Der Test d2-R enthält sehr viele, einfach zu

bearbeitende Items. Aus diesem Grund sind bei diesem Test eher Fehler (hier insbesondere

Auslassungsfehler) möglich als bei den Subtests der PTS. So können im Test d2-R

hinsichtlich der Fehleranzahl schneller Effekte erzielt werden als in den Subtest der PTS.

Dies erklärt allerdings nicht, warum die Fehleranzahl von ÄrztInnen im Test d2-R nach

einem Arbeitstag so stark sank.

Die starke Verringerung der Fehleranzahl von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im Test

d2-R könnte jedoch anhand eines Phänomens, welches als sogenanntes speed-accuracy-

tradeoff bekannt wurde, verständlich werden. Dieses Phänomen bezeichnet die

wechselseitige Abhängigkeit von Fehler- und Tempowerten einer Person bei der Bearbeitung

eines Konzentrationstests. So ist das Bearbeitungstempo auf Kosten der Genauigkeit,

beziehungsweise die Genauigkeit auf Kosten des Tempos steigerbar. Dadurch können

Leistungs- mit Fehlerwerten konfundiert sein (Schweitzer, 2006). Einerseits verlangsamte

sich das Bearbeitungstempo von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im Test d2-R signifikant -

42
andererseits verbesserte sich die Fehleranzahl von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag im Test

d2-R signifikant. Es scheint daher plausibel, dass zum zweiten Messzeitpunkt bei der

Bearbeitung der Aufgaben des Tests d2-R das sogenannte speed-accuracy-tradeoff

aufgetreten ist und sich die Fehlerrate hier auf Kosten des Bearbeitungstempos verbesserte.

Zusammenfassend deuten die Ergebnisse in den verwendeten Testverfahren darauf hin,

dass die Fehleranzahl insbesondere im Test d2-R von der Gesamtzahl bearbeiteter Items

abhängig ist, während sich die Fehleranzahl in den eingesetzten Subtests der PTS in

Übereinstimmung mit Vorgängerstudien nur wenig veränderte.

5.2 Differenziertheit der Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen im Test d2-R

und den PTS Subtests C, E und F

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen nach

einem Arbeitstag in den verwendeten Testverfahren unterschiedlich stark veränderten. Dies

lässt darauf schließen, dass sich die verwendeten Testverfahren in der Differenziertheit der

Erfassung der individuellen Konzentrationsleistung unterscheiden.

Laut Westhoff (1995) ist die Gesamtzahl bearbeiteter Zeichen (Bearbeitungstempo) ein

sehr reliables Maß der Konzentrationsleistung. Bei der Bearbeitung von Aufgaben in

Konzentrations- und Aufmerksamkeitstest wird die kontrollierte kognitive Verarbeitung von

Information von ihrer automatisierten Verarbeitung unterschieden. Viele Autoren

befürworten Posner und Rafals (1987) Definition von Konzentration als ,,absichtsvolle,

kontrollierende, sowie anstrengende Koordination von Handlungsteilen“ (Westhoff, 1995, S.

388). Es wird dabei explizit davon ausgegangen, dass konzentriertes Arbeiten mentale

Anstrengung erfordert und immer dann nötig ist, wenn Arbeitsanforderungen ungewohnt

sind, sowie keine eingeübten Routinen zur Verfügung stehen (Moosbrugger & Goldhammer,

2006; Schmidt-Atzert et al., 2006; Westhoff, 1995). Automatisiertes und unbewusstes

43
Arbeiten wird hingegen häufig als selektive Aufmerksamkeit beschrieben, welche von

Konzentration abzugrenzen ist (siehe Punkt 1.1). Vor allem die kontrollierte Verarbeitung

wird hierbei als anstrengend erlebt (Westhoff, 1995; Schmidt-Atzert, Büttner & Bühner,

2004). Es wurde bereits berichtet, dass die TeilnehmerInnen der gegenständlichen

Untersuchung die Bearbeitung des Subtest F der PTS als deutlich anstrengender erlebten als

die Bearbeitung der anderen Tests. Wenn man sich nun den oben genannten Definitionen

von Konzentration und Selektiver Aufmerksamkeit anschließt, könnte man die Ergebnisse

hinsichtlich des Bearbeitungstempos im Subtest F der PTS so deuten, dass dieser Test in

besonderem Maße eine kontrollierte Verarbeitung von Information, also Konzentration,

erfordert. In diesem Sinne würde der Subtest F der PTS das Konstrukt Konzentration

besonders gut erfassen.

Wie bereits erläutert wurde, wird in Bezug auf die vorliegende Untersuchung zudem

davon ausgegangen, dass hier mögliche Einflüsse physischer Erschöpfung unter anderem

durch eine erhöhte Motivation sowie Abnahme impulsiver Reaktionen der TeilnehmerInnen

bei der Bearbeitung des Subtests F der PTS ausgeschaltet wurden (siehe Punkt 5.1). Eine

gesteigerte Motivation sowie Abnahme impulsiver Reaktionen können bei den ProbandInnen

wiederum durch aufgabenspezifische Einflussfaktoren, namentlich der höheren Komplexität

der eingesetzten Aufgaben und erforderten Reaktionen im Subtest F der PTS, zustande

gekommen sein (Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008; Flehming, 2010). Diese

aufgabenspezifischen Einflussfaktoren ergeben sich aufgrund der spezifischen

Konstruktionsweise der Aufgaben im Subtest F der PTS. Eine solche Art der Konstruktion

spricht nicht gegen eine gelungene Operationalisierung der Aufgaben des Subtests F der PTS

zur Erfassung des Konzentrationskonstruktes. Vielmehr deuten eine, im Vergleich zu

anderen Konzentrationstests, erhöhte Motivation sowie Abnahme impulsiver Reaktionen der

TeilnehmerInnen beim Bearbeiten des Subtests F der PTS darauf hin, dass dieser bei der

Erfassung des Konstruktes Konzentration weniger durch situations- und aufgabenspezifische

Faktoren beeinflussbar ist, als andere Testverfahren. Sowohl die von den TeilnehmerInnen

berichtete erhöhte Anstrengung, als auch eine möglicherweise erhöhte Motivation und

44
Abnahme impulsiver Reaktionen bei der Bearbeitung des Subtests F der PTS sprechen

demnach dafür, dass dieser das Konstrukt Konzentration differenziert erfasst hat.

Jedoch wird in Bezug auf die vorliegende Studie auch angenommen, dass sich das

Bearbeitungstempo von ÄrztInnen im Subtest F der PTS durch Einwirkung starker

Übungseffekte zum zweiten Messzeitpunkt letztendlich verbesserte (siehe Punkt 5.1). Zwar

ist dies, nach Einschätzung der Autorin, vornehmlich auf den Vorgabemodus der

Testverfahren in der gegenständlichen Studie und nicht etwa auf, dem Subtest F der PTS

innewohnende, Faktoren zurückzuführen. Allerdings wurde das individuelle

Bearbeitungstempo von ÄrztInnen im Test PTS-F durch die starken Übungseffekte

vermutlich so verfälscht, dass die Differenziertheit der Erfassung von Konzentration durch

den Subtest F der PTS letztendlich schwer zu beurteilen ist. Anzumerken ist jedoch, dass

Subtest F der PTS das Konzentrationskonstrukt bei einem anderen Vorgabemodus

differenziert erfasst haben könnte, da auf diese Weise Übungseffekte eher ausgeschlossen

wären.

Die Fehleranzahl von ÄrztInnen im Subtest F der PTS veränderte sich, übereinstimmend

mit der bisher berichteten Literatur, vor und nach einem Arbeitstag nur wenig (Berg &

Westhoff, 2006; Westhoff & Graubner, 2003). Zumindest bezüglich der Fehleranzahl kann

also festgehalten werden, dass der Subtest F der PTS gut zwischen vor und nach einem

Arbeitstag von ÄrztInnen erbrachten Konzentrationsleistungen differenziert.

Hinsichtlich der Ergebnisse des Subtests C der PTS wurde festgestellt, dass sich das

Bearbeitungstempo von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag deutlich verlangsamte. Dies

erscheint vor dem Hintergrund der berichteten möglichen Wechselwirkung physischer und

psychischer Einflüsse zum zweiten Messzeitpunkt plausibel (siehe Punkt 5.1). Zudem

veränderte sich hier die Fehleranzahl von ÄrztInnen, wiederum in Übereinstimmung mit

bisherigen Studienbefunden, nach einem Arbeitstag im Vergleich zur Morgenmessung

kaum. Daher lässt sich für den Subtest C der PTS festhalten, dass dieser gut zwischen

morgens und nachmittags erbrachten Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen differenziert.

45
Im Subtest E der PTS zeigte sich bezüglich der Verringerung des Bearbeitungstempos

von ÄrztInnen nach einem Arbeitstag nur eine Tendenz zur Signifikanz. Diese erscheint

jedoch vor dem Hintergrund der hier vermutlich mehrfach aufgetretenen Übungseffekte

plausibel (siehe Punkt 5.1). Daher kann auch für den Subtest E der PTS angenommen

werden, dass dieser die Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen vor und nach einem

Arbeitstag differenziert erfasst hat.

Die Ergebnisse für die Konzentrationsleistung von ÄrztInnen im Test d2-R sind, wie

zuvor erläutert (siehe Punkt 5.1), womöglich aufgrund einer Konfundierung von Fehler- mit

Tempowerten (speed-accuracy-tradeoff) zum zweiten Messzeitpunkt zustande gekommen.

Dies erschwert auch die Beurteilung der Exaktheit der Erfassung des

Konzentrationskonstruktes durch den Test d2-R.

Zusammenfassend kann demnach festgehalten werden, dass die Subtest C und E der

PTS das Konstrukt Konzentration am differenziertesten erfasst haben. In Übereinstimmung

mit bisherigen Befunden zur Beeinflussung der individuellen Konzentrationsleistung gab es

bei ÄrztInnen einerseits eine signifikante Verringerung des Bearbeitungstempos nach einem

Arbeitstag, beziehungsweise eine Tendenz zur Signifikanz beim Subtest E der PTS,

andererseits veränderte sich die Fehleranzahl in den Subtests C und E der PTS nach einem

Arbeitstag kaum (Flehming, 2010; Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008; Scholz, 2006;

Westhoff, 1995).

5.3 Einschränkungen der Ergebnisse und Ausblick auf weitere Forschung

Eine Limitation dieser Untersuchung liegt darin, dass sie nicht den Anspruch einer

experimentellen Untersuchung erhebt. So wurde für die vorliegende Studie eine selektive

Stichprobe von ÄrztInnen untersucht. Diese wurden sozusagen in ihrer „natürlichen“

Zusammensetzung in den einzelnen Kliniken des im Raum Graz gelegenen Krankenhauses

46
rekrutiert und nicht etwa randomisiert ausgewählt. Die für die gegenständliche Untersuchung

ausgewählte Stichprobe spiegelt daher nicht uneingeschränkt die Population von stationär

tätigen ÄrztInnen wider. Zudem wurden die ÄrztInnen nicht in einem experimentellen

Untersuchungssetting getestet, sondern an ihrem Arbeitsplatz in den einzelnen Kliniken. Bei

einem solchen Vorgehen spielen immer Störvariablen eine Rolle. Eventuelle Unterschiede

hinsichtlich der erzielten Leistungen in den verwendeten Konzentrationstests können

insofern nicht kausal auf den Einfluss der Arbeitsbedingungen von ÄrztInnen zurückzuführt

werden, da es Erklärungsalternativen gibt. Die gegenständliche Studie wird dadurch

natürlich in ihrer internen Validität einschränkt (Bortz, 2005). Die Entscheidung dafür, eine

selektive Stichprobe auszuwählen, sowie die ÄrztInnen an ihrem jeweiligen Arbeitsplatz zu

testen, begründet sich mit der allgemeinen Schwierigkeit, ÄrztInnen als ProbandInnen

rekrutieren zu können. Darüber hinaus wären zusätzliche Anforderungen an die

Untersuchungsbedingungen im Rahmen der vorliegenden Untersuchung schwer

durchführbar gewesen, da dies den Umfang einer Diplomarbeit überschritten hätte.

Eine weitere Limitation der gegenständlichen Arbeit liegt darin, dass hier die

Wirkungen möglicher Einflussfaktoren auf die individuelle Konzentrationsleistung der

TeilnehmerInnen nicht zusätzlich erhoben, beziehungsweise kontrolliert worden sind.

So hätte die Kontrolle beziehungsweise zusätzliche Erhebung der Motivation der

ÄrztInnen zu beiden Messzeitpunkten beispielsweise hilfreiche Informationen hinsichtlich

der Interpretierbarkeit der erzielten Ergebnisse liefern können. Auch die Kontrolle

beziehungsweise zusätzliche Erhebung der Müdigkeit der TeilnehmerInnen zu beiden

Messzeitpunkten hätte einen wichtigen Anhaltspunkt in Bezug auf den Einfluss physischer

Faktoren bei der Messung der individuellen Konzentrationsfähigkeit erbringen können.

Zudem wurden in der gegenständlichen Studie mögliche Übungseffekte nicht kontrolliert

beziehungsweise mit erhoben. Wie bereits erläutert wurde, wird in Bezug auf die Ergebnisse

der gegenständlichen Studie davon ausgegangen, dass diese durch starke Übungseffekte

beeinflusst worden sind (siehe Punkt 5.1 und 5.2). Eine Veränderung des Vorgabemodus der

47
verwendeten Testverfahren hätte hier möglicherweise Abhilfe schaffen können. Zwar zeigen

bisherige Studien, dass Übungseffekte bei kognitiven Leistungstests häufig auftreten und

zudem schwer zu kontrollieren sind (Schmidt-Atzert et al., 2004). Jedoch besteht die

Progressive Testserie aus insgesamt 11 Subtests, welche alle sukzessiv in ihrem

Schwierigkeitsgrad ansteigen. Hierin liegt der für die PTS spezifische Vorteil gegenüber

anderen Testverfahren, da insbesondere bei Untersuchungssettings mit Prätest-

Posttestmessungen aus der PTS immer unterschiedliche Subtests vorgegeben werden

können. Auf diese Weise können Übungseffekte besser eingedämmt werden.

Eine Anregung für nachfolgende Studien wäre folglich, einen anderen Vorgabemodus

der Testverfahren zu wählen, um auf diese Weise mögliche Übungseffekte besser

kontrollieren zu können. Eine weitere Anregung bestünde darüber hinaus darin, mehrere

Pretest- und Posttestmessungen vorzunehmen, da dies eine Erhöhung der internen Validität

der Untersuchung mit sich bringen würde (Bortz, 2005). Für nachfolgende Studien, welche

die Erfassung der individuellen Konzentrationsfähigkeit von ProbandInnen beabsichtigen,

wird diesseits darauf hingewiesen, dass ein Untersuchungssetting ausgewählt werden sollte,

welches sich in Bezug auf Störvariablen bestmöglich kontrollieren lässt.

5.4 Fazit

Bisherige Studien konnten nachweisen, dass die körperliche Leistungsfähigkeit stationär

tätiger ÄrztInnen durch ihre Arbeitsbedingungen, insbesondere durch Überschichten und

Nachtdienste, beeinträchtigt wird (z. B. Rauchenzauner et al., 2009; Landrigan et al., 2004;

McMurray, Linzer, Konrad, Douglas, Shugerman & Nelson, 2000). Nur wenige Studien

untersuchten bislang, wie sich die Arbeitsbedingungen stationär tätiger ÄrztInnen auf deren

kognitive Leistungsfähigkeit auswirken können (Ernst et al., 2014).

48
Vor diesem Hintergrund war es das Ziel der vorliegenden Studie, einen Nachweis

darüber zu erbringen, wie sich die Konzentrationsleistungen von ÄrztInnen bereits nach

einem durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden verändern. Darüber hinaus sollte die

gegenständliche Untersuchung aufzeigen, ob sich die Konzentrationsparameter stationär

tätiger ÄrztInnen nach einem Arbeitstag in vier unterschiedlichen Testverfahren, namentlich

dem Test d2-R sowie den Subtests C, E und F der PTS unterscheiden, sowie, ob eines der

Testverfahren differenziertere Konzentrationskennwerte ermittelt.

Die erhaltenen Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich die Konzentrationsleistungen

stationär tätiger ÄrztInnen über einen durchschnittlichen Arbeitstag von acht Stunden sehr

variabel entwickeln. In allen verwendeten Testverfahren verringerte sich die

Konzentrationsfähigkeit der ÄrztInnen nach einem Arbeitstag, wie vor dem Hintergrund der

bisher berichteten Literatur eigentlich zu erwarten gewesen ist - mit Ausnahme der Tests d2-

R sowie PTS-F (Flehming, 2010; Fischer, Dreisbach & Goschke, 2008; Scholz, 2006;

Westhoff, 1995). Nach einem Arbeitstag machten stationär tätige ÄrztInnen im Test d2-R

weniger Fehler, im Subtest F der PTS arbeiteten sie schneller. Dabei liefert die vorliegende

Arbeit erste Hinweise darauf, dass die verwendeten Testverfahren bei der Erfassung der

individuellen Konzentrationskennwerte unterschiedlich gut differenzieren. Insbesondere die

Subtests C und E der PTS erfassten das Konstrukt Konzentration nuanciert.

49
6 LITERATURVERZEICHNIS

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54
7 ANHANG

Anhang A
Ablauf der Untersuchung

40 ÄrztInnen = Zustimmung zur Teilnahme an der Studie

Morgenmessung = ca. 7.30 Uhr

Vorgabe d2-R Vorgabe PTS-C Vorgabe PTS-E Vorgabe PTS-F


60 Sekunden 40 Sekunden 40 Sekunden 90 Sekunden

Durchschnittlicher Arbeitstag von ca. 8 Stunden

Nachmittagsmessung = ca. 15.30 Uhr

Vorgabe d2-R Vorgabe PTC-C Vorgabe PTS-E Vorgabe PTS-F


60 Sekunden 40 Sekunden 40 Sekunden 90 Sekunden

55
Anhang B

PTS Subtest C Instruktion

Betrachten Sie bitte die Beispiele. Einige Figuren haben nun oberhalb kleine Kreise. Diese Kreise
sollen mit der Anzahl der grauen Balken in der Figur übereinstimmen. Ihre Aufgabe besteht darin, dies
bei jeder Figur zu überprüfen. Sie sollen also herausfinden, ob eine Figur gleich viele Kreise wie
Balken hat. Gibt es gleich viele Kreise wie Balken, so ist „Ja“ zu markieren, ansonsten „Nein“.

Überprüfen wir gemeinsam die erste Figur: Zwei Kreise und zwei Balken sind vorhanden. Es gibt bei
dieser Figur also gleich viel Kreise wie Balken. Als richtige Antwort ist daher das „Ja“ markiert.

Betrachten wir nun die zweite Figur: Hier ist kein Kreis aber auch kein grauer Balken vorhanden. Bitte
aufpassen: Kein Kreis und kein Balken bedeutet auch, dass die Anzahl der Kreise mit jener der Balken
übereinstimmt. Daher ist „Ja“ die richtige Antwort.

Überprüfen Sie selbst, dass alle Beispiele richtig markiert sind!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum eigenständigen Überprüfen der Beispielfiguren gegeben.
Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Bearbeiten Sie nun die beiden Übungszeilen möglichst rasch ohne dabei Fehler zu machen!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum Bearbeiten der Übungszeilen gegeben:

Die richtigen Markierungen sind in der Reihenfolge der Bearbeitung:

nein nein ja ja ja nein

Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Arbeiten Sie wieder so schnell wie möglich ohne dabei Fehler zu machen!
Haben Sie noch Fragen? Sind alle bereit?

Vorgang: Stoppuhr-Anzeige → Kommando: „Testbeginn. Bitte umblättern! Achtung, Los!“

[Stoppuhr läuft ohne Unterbrechung 40 Sekunden]

56
Anhang C

PTS Subtest E Instruktion

Betrachten Sie bitte die Beispiele. Einige Figuren können nun auch vom oberen Rand her mit einer
grauen Fläche aufgefüllt sein. Es gibt aber niemals eine graue Fläche in der Mitte. Man kann daher bei
jeder Figur leicht feststellen, wie viele graue Balken am oberen Rand vorhanden sind und wie viele am
unteren Rand.

Wie die Pfeile in Figur A anzeigen, sollen Sie wieder überprüfen, ob es gleich viele Kreise über der
Figur, wie Balken am unteren Rand der Figur gibt. Sie müssen sich also ganz auf die Kreise oben und
die Balken unten konzentrieren und müssen alle anderen Kreise und Balken ignorieren.
Überprüfen wir gemeinsam Figur A: Hier gibt es genau einen Kreis über der Figur und einen Balken
unten. Es sind also gleich viele Kreise oben wie Balken unten. Daher ist „Ja“ die richtige Antwort.
Figur B ist schon etwas schwieriger. Es gibt keine Kreise über der Figur und keine Balken unten. Daher
ist „Ja“ die richtige Antwort.

Überprüfen Sie selbst, dass alle Beispiele richtig markiert sind!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum eigenständigen Überprüfen der Beispielfiguren gegeben.
Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Bearbeiten Sie nun die beiden Übungszeilen möglichst rasch ohne dabei Fehler zu machen!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum Bearbeiten der Übungszeilen gegeben:

Die richtigen Markierungen sind in der Reihenfolge der Bearbeitung:

erste und letzte Figur „nein“, die übrigen „ja“

Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Arbeiten Sie wieder so schnell wie möglich ohne dabei Fehler zu machen!
Haben Sie noch Fragen? Sind alle bereit?

Vorgang: Stoppuhr-Anzeige → Kommando: „Testbeginn. Bitte umblättern! Achtung, Los!“

[Stoppuhr läuft ohne Unterbrechung 40 Sekunden]

57
Anhang D

PTS Subtest F Instruktion

Betrachten Sie bitte die Beispiele. Wie die Pfeile in Figur A anzeigen, gehören jene Kreise und Balken
zusammen, die an gegenüberliegenden Rändern liegen. Sie müssen also nicht nur die Kreise oben mit
den Balken unten vergleichen, sondern auch die Kreise unten mit den Balken oben.

Eine Übereinstimmung liegt dann vor, wenn es gleich viele Kreise an einem Rand wie Balken am
gegenüberliegenden Rand gibt. Ihre Aufgabe ist es, bei jeder Figur die Anzahl der
Übereinstimmungen herauszufinden und in der Antwortleiste zu markieren.

Überprüfen wir gemeinsam Figur A: Zwei Kreise oberhalb der Figur stimmen mit zwei Balken unten
überein. Ebenso stimmt ein Kreis unten mit einem Balken oben überein. Für die erste Figur ist daher
die richtige Antwort: „Zwei Übereinstimmungen“.
Figur B ist schon etwas schwieriger. Die einzige Übereinstimmung besteht darin, dass es keinen Kreis
unten gibt und keinen Balken am gegenüberliegenden Rand.
Überprüfen Sie selbst, dass alle Beispiele richtig markiert sind!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum eigenständigen Überprüfen der Beispielfiguren gegeben.
Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Bearbeiten Sie nun die beiden Übungszeilen möglichst rasch ohne dabei Fehler zu machen!

Den Testpersonen wird genügend Zeit zum Bearbeiten der Übungszeilen gegeben:

Die richtigen Markierungen sind in der Reihenfolge der Bearbeitung:

1 0 2 1 2 0

Nachdem etwaige Fragen beantwortet sind:

Arbeiten Sie wieder so schnell wie möglich ohne dabei Fehler zu machen!
Haben Sie noch Fragen? Sind alle bereit?

Vorgang: Stoppuhr-Anzeige → Kommando: „Testbeginn. Bitte umblättern! Achtung, Los!“

[Stoppuhr läuft ohne Unterbrechung 90 Sekunden]

58