Sie sind auf Seite 1von 78

EINFACH BESSER DEUTSCH LEARN GERMAN ESTUDIAR ALEMÁN APPRENDRE L’ALLEMAND IMPARARE IL TEDESCO

Kauf! Mich! Sofort!

4
Dossier: Wofür

100

17
die Deutschen ihr
Geld ausgeben

DINGE
die sich in Deutschland
,

gerade ändern
CH sfr 13,00 A · B · E · F · FIN · GR ·
I · L · P (cont) · SK · SLO: € 9,00
Deutschland € 7,90

GB £ 7,50
Unterwegs lesen

Die neue Deutsch-

Lesemodus für bequemes Lernen

Offline-Funktion für unterwegs

Interaktive Sprachkarten zum Vokabellernen

Vorlesefunktion für ausgewählte Artikel


und lernen statt nur zu liken:

perfekt-App – jetzt ausprobieren.

Jetzt NEU!
Sprachmagazin und
Audio-Trainer als App
Gratis-Nutzung für E-Paper-
und Audio-Download-Abonnenten
Nur 1€ im Monat für Print-Abonnenten

Jetzt Gutschein-Code holen


und ausprobieren.
www.deutsch-perfekt.com/app

Auch erhältlich auf:


Der neue
Deutsch-perfekt-Audio-Trainer –
jetzt im Mini-Abo testen.

Zwei
Ausgaben
für
€ 17,20

Jetzt NEU!
Direkter Streaming-Zugriff
mit einem Klick
Inhalte hören
und mitlesen
Optimal für die mobile
Nutzung geeignet
Bestellen Sie jetzt:
spotlight-verlag.de/audiomini
Deutsch perfekt 4 / 2017 EDITORIAL 5 Langenscheidt

„Die Welt ändert sich – und damit ändert sich


auch Deutschland.“ Willkommen
MITTEL
in Deutschland.
Deutsch für den Beruf, Lernen mit

D
ie Zeit ist aus den Fugen“ („The time is out of Bildern und vieles mehr!
aus den Fugen sein
joint“), sagt Hamlet in William Shakespeares , ≈ in Unordnung sein
„ berühmtem Drama. Ein Satz, der mehr als
“n „ller M¢nde sein
400 Jahre alt und trotzdem heute in aller Munde ist, , aktuelles Gesprächsthe-
wenn auch ein bisschen anders als im Original: „Die ma sein NEU
Welt ist aus den Fugen“, sagen nicht nur Angela Mer- gehören zu
kel und Frank-Walter Steinmeier. Der Satz gehört , ≈ ein Teil sein von
Langenscheidt
bei Reden über den Zustand des Globus inzwischen die Titelgeschichte, -n Deutsch für den Berufseinstieg
, Text in einer Zeitung Berufsbezogenes Zusatzmate-
zum Standardrepertoire.
oder Zeitschrift, zu dem rial für Integrationskurse oder
Die Welt ändert sich – und damit ändert sich es meistens auf der ersten Berufsschulen. Inkl. Übungsheft
auch Deutschland. Nicht nur politisch, auch im All- Seite ein Bild gibt 978-3-468-48972-3 9,99 €
tag, beim Arbeiten und sprachlich. Für die Titelge- die Ausgabe, -n
schichte dieser Ausgabe haben mehr als 30 Autoren , hier: Heft

Beobachtungen zu den vielen großen und kleinen die Beobachtung, -en


, hier: ≈ Entdeckung;
Änderungen unserer Gesellschaft gesammelt. Das
≈ Feststellung NEU
Resultat: Ein Kaleidoskop unserer Zeit (ab Seite 16),
die Redakteurin, -nen
das der Videokünstler und Grafikdesigner Daniel franz. , ≈ Journalistin
Kluge künstlerisch interpretiert hat – ich hoffe, seine Langenscheidt
kreuzen , hier: ≈ über den Vom Bild zum Satz
Collagen gefallen Ihnen. Weg des Roboters gehen Bildwörterbuch mit Schreib-
Neues hat unsere Redakteurin Claudia May linien – alltagsnahe Sätze im
eben , hier: ≈ Man muss
diesen Monat auch in einem Elektronikhaus in akzeptieren, dass … Kontext üben, 64 S.
978-3-468-29815-8 7,99 €
Ingolstadt beobachtet. Sie hat dort Paul besucht, die Konkurr¡nz , hier:
Deutschlands ersten Verkäuferroboter. Sehr positiv Situation, dass der Roboter
registrierte sie, wie schnell der Roboter auf ein klei- einem Verkäufer seinen
Arbeitsplatz wegnimmt
nes Kind reagierte, das seinen Weg kreuzte. Trotz- NEU
h„lten für
dem ist Paul noch nicht perfekt: Plötzlich musste er
, meinen, dass … ist
neu gestartet werden. Er ist eben doch nur ein fah-
s“ch auskennen Langenscheidt Wortschatz
render Computer und damit keine Konkurrenz für , hier: ≈ Erfahrung haben;
Deutsch als Fremdsprache
die menschlichen Verkäufer. May (ihre Reportage den Laden kennen
Bild für Bild
steht auf Seite 74 und 75) wurde übrigens nach kur- vertraut , gut bekannt Grundlegender Wortschatz,
zer Zeit von einer Kundin auch für eine Verkäuferin h„ndeln v¶n illustriert mit witzigen Bildern,
gehalten: „Kennen Sie sich hier aus? Sie reden so ver- , zum Inhalt haben 304 S.
traut mit dem Roboter.“ 978-3-468-20224-7 12,99 €
digital , hier: ≈ so, dass
Und da dieses Editorial nun schon von so vielen man etwas mit Computern
lesen kann
Änderungen handelt: Auch wir haben etwas Neu-
es. Ab sofort gibt es für Android und iOS unsere n¢tzen , hier: benutzen, NEU
um Deutsch zu lernen
Deutsch-perfekt-App. Damit können Sie die digi-
Langenscheidt
talen Varianten unserer Produkte auf Smartphone Übungsbuch Deutsch
und Tablet so gut nutzen wie noch nie. Warum? Das Vorbereitung auf gängige Übungs-
erklären wir auf www.deutsch-perfekt.com/app. formate in Vor- und Integrations-
kursen für DaF-Lernanfänger.
Titelillustration: Daniel Kluge; Foto: Blende1Fotografen

80 S.
Ich wünsche Ihnen viel Freude mit diesem Heft, egal 978-3-468-48981-5 7,99 €
ob Sie es gedruckt, als E-Paper oder über die App le-
sen!

Mehr Infos online:


Ihr
www.langenscheidt.de/daf

Jörg Walser
Chefredakteur
6 DIE THEMEN DES MONATS

Themen In diesem Heft:


18 Seiten Sprachteil
58 DEBATTE S +
Brauchen wir eine Quote für 40 TÄGLICHE ROUTINE M
Landärzte? Die Formeln der Sprache –
Teil 1 unserer neuen Serie
60 WIE DEUTSCHLAND L
FUNKTIONIERT 45 ATLAS DER L
Die Verbraucherzentrale ALLTAGSSPRACHE
Eigentümer eines Hauses
62 GESCHICHTEN AUS M
DER GESCHICHTE 46 WÖRTER LERNEN L +
Vor 25 Jahren: die erste lutherische ALLTAGSSPRACHE
Bischöfin der Welt Im Bad

68 WIE GEHT ES S + 47 ÜBUNGEN ZU DEN L M S


EIGENTLICH DEM ... THEMEN DES MONATS
Journalismus? Mehr Sicherheit mit Wörtern
und Texten
74 TECHNIK-REPORTAGE L
Paul, der Roboter 48 DEUTSCH IM BERUF S +
Neu am Arbeitsplatz

51 SCHREIBEN, L M S +
Standards SPRECHEN
VERSTEHEN
8 Deutschland-Bild L Kündigung von Verträgen
10 Panorama L In der Kneipe
15 Die deutschsprachige L April, April!
Welt in Zahlen
39 Mein erstes Jahr L 53 DEUTSCH IM ALLTAG M +
64 Kulturtipps M Ärger zeigen
71 Kolumne – Alias Kosmos S
72 Reisetipps L 54 GRAMMATIK M S +
76 D-A-CH-Menschen M Modalsätze

56 RATEN SIE MAL! L S


Rätsel zu den Themen des Monats 40
57 WORTKOMPASS
Extra Service
L M S
Die Formeln
Übersetzungen in Englisch,
Spanisch, Französisch, Italienisch,
Ungarisch, Polnisch, Russisch
der Sprache
M

48
In manchen Alltagssituationen
benutzt man immer die
Fotos: iStock; Mauritius; Illustration: Daniel Kluge

gleichen Wörter oder Sätze.

Schön, dass Sie Für Muttersprachler ist das


selbstverständlich. Alle anderen
da sind! müssen lernen, was man wann sagt –
und wie. Teil 1 unserer neuen Serie.
S+

So gelingt der Start im


neuen Job.
DIE THEMEN DES MONATS 7

16 Lernen mit
Deutsch-perfekt-Produkten

Deutsch perfekt

Nichts bleibt,
Audio
der Trainer für Hörverstehen
und Aussprache,

wie es ist
auf CD oder als Download.
Achten Sie im Heft auf diese
S+
Symbole: AUDIO und kurz .
Zu diesen Artikeln können
Deutschland ändert sich, in manchen
Sie Texte und Übungen auf
Dingen radikal, in anderen nur langsam.
Deutsch perfekt Audio
Manche sprechen schon vom Beginn einer
hören.
neuen Epoche. Wir dokumentieren diesen
Prozess – mit 100 Phänomenen aus Alltag
und Gesellschaft.
Deutsch perfekt
plus
24 Seiten Übungen und Tests
zu Grammatik, Vokabeln und
mehr. Achten Sie im Heft
auf diese Symbole: PLUS und
kurz +.
Zu diesen Artikeln finden
Sie nämlich Übungen in
Deutsch perfekt plus.

Deutsch perfekt
im Unterricht
kostenlos für alle Lehrer, die
Deutsch perfekt abonniert
haben.

28
Kaufen, kaufen,
kaufen! Noch mehr Informationen und Übungen:
M
www.deutsch-perfekt.com
Die Wirtschaft kann sich freuen: www.facebook.com/deutschperfekt
Geld haben die Deutschen. Und
sie geben es gern aus. Was und wie L M S
GER:
kaufen sie am liebsten? Und macht LEICHT MITTEL SCHWER Gemeinsamer
Texte auf Stufe Texte auf Stufe Texte auf Stufe europäischer
sie das glücklich? Außerdem: Testen Referenzrahmen
A2 des GER B1 des GER B1 des GER
Sie mit unserem Quiz, wie viel Sie
über deutsche Produkte wissen. m lockere Umgangssprache L Gegenteil von ...
d negativ o langer, betonter Vokal
a Vorsicht, vulgär! ¢ kurzer, betonter Vokal
≈ ungefähr, etwa , ¿er Plural-Formen
8 DEUTSCHLAND-BILD Deutsch perfekt 4 / 2017

Kontroverse
um drei Busse
LEICHT Wegen drei Bussen hat es in Dres-
den in den letzten Wochen eine große
Debatte gegeben. Die Installation des
deutsch-syrischen Künstlers Manaf Hal-
bouni steht seit Anfang Februar vor der
Dresdener Frauenkirche. Halbouni will
damit an den Krieg in Syrien erinnern
– und an ein spezielles Bild aus Aleppo.
2015 ist es auf der ganzen Welt bekannt
geworden. Auf dem Foto ist eine Barrika-
de aus drei vertikal stehenden Bussen zu
sehen. Sie sollten die Menschen in Aleppo
vor Scharfschützen beschützen. Mit der
Antikriegsinstallation in Dresden will
Halbouni auch daran erinnern, wie gut
es den Menschen in Deutschland geht.
Manche Dresdener haben aber laut ge-
gen das Monument des Künstlers pro-
testiert. Denn auf der Barrikade in Alep-
po war eine islamistische Flagge. Auch ist
nicht klar, wer die Busse dort aufgestellt
hat. Halbouni sagt, dass er von der Flagge
nichts gewusst hat. „Ich spreche die Spra-
che der Kunst. Deshalb kann nur dies für
mich sprechen“, sagt er in einem Video.
Die Busse sollen noch bis zum 3. April
stehen bleiben.

der K•nstler, - besch•tzen , hier: helfen,


, Person: Sie macht äs- dass niemand von einem
thetische Dinge, z. B. Bilder Scharfschützen verletzt
oder Skulpturen. oder totgemacht wird
die Frauenkirche, -n die Fl„gge, -n , großes
, gemeint ist: Kirche Stück Stoff in den speziellen
Unserer Lieben Frau = Kir- Farben einer Nation
che von Maria: Sie war die
aufgestellt , Part. II von:
Mutter von Jesus Christus.
aufstellen = hier: an einen
der Krieg, -e , ≈ Streit speziellen Platz stellen
zwischen Nationen
die K¢nst , ästhetische
der Sch„rfschütze, -n Dinge (z. B. Bilder, Literatur,
, hier: Person: Sie schießt Musik oder Skulpturen)
von großer Distanz sehr
genau auf Personen.
(schießen , ≈ z. B. eine
Pistole benutzen)
Foto: picture alliance/dpa
10 PANORAMA Deutsch perfekt 4 / 2017

Geniale Idee: Die Einheitswippe


BERLIN soll sich bewegen können.

Dynamisches Symbol AUDIO

Die Politiker in Berlin haben viel als auf der anderen Seite stehen. Das
und lange darüber diskutiert. Das Denkmal war eine Idee der Agentur die Einheitswippe , Denkmal bewegen , hier: die Position von
in der Form von einer Wippe als jeder der beiden Seiten ein kleines
Objekt ist dabei genauso dynamisch Milla & Partner und der Choreo- Symbol für die deutsche Einheit Stück nach oben oder unten ändern
wie die Diskussion: die Einheits- grafin Sasha Waltz. Es soll vor dem (das D¡nkmal, ¿er/-e die Wiedervereinigung
wippe. Das Denkmal soll sich näm- Berliner Schloss stehen. Dieser Plan , z. B. Monument, Skulptur) , von: wiedervereinigen = hier:
Fotos: picture alliance/dpa; Katharina Kubica; iStock

lich bewegen können. Die Wippe ist schon zehn Jahre alt. Jetzt soll er (die W“ppe, -n wieder ein Land werden
, Spielgerät: Ein Kind sitzt auf der
soll an die friedliche Revolution im endlich realisiert werden. Kontro- die Agentur, -en , Firma, die einen
einen Seite, ein anderes Kind auf der
Jahr 1989 und an die deutsche Wie- versen hat es besonders wegen der Service für Privatpersonen oder
anderen Seite, und durch starkes
andere Firmen anbietet
dervereinigung erinnern. Genau Kosten gegeben. Denn mit 15 Mil- Drücken der Beine ändern die
Kinder die Position vom Spielgerät der Jahrestag, -e
wie bei diesem historischen Prozess lionen Euro wird die Einheitswip- nach oben und unten.) , hier: An diesem Tag vor genau
müssen die Menschen dabei etwas pe fünf Millionen Euro teurer als (die deutsche Einheit 30 Jahren hat man die Wiederverei-
zusammen machen. Nur so können am Anfang gedacht. In Berlin hofft , Union von Ost- und West- nigung offiziell gemacht.
sie den Status quo ändern. Denn die man, dass das Denkmal bis zum Jahr deutschland im Jahr 1990)
Wippe bewegt sich erst, wenn auf 2020 fertig wird – zum 30. Jahrestag
der einen Seite 20 Personen mehr der Wiedervereinigung.
Deutsch perfekt 4 / 2017 PANORAMA 11

3 FRAGEN

System im Spiel
Der Hamburger Andres Lehmann
liebt Lego. Die kleinen Plastikstei- WAS HEISST …?

ne sind nicht nur sein Hobby – er


hat sie zu seinem Job gemacht: Der
Was heißt

1
37-Jährige hat ein Lego-Blog. „Nazi-Keule“?
Haben Sie noch genug Platz für die Arbeit? Eine Keule ist eine der ältesten Waffen der Men-
der Pl„stikstein, -e
Auf meinem Schreibtisch steht noch nichts aus , ≈ kleines Ding aus Plas- schen. Neandertaler im Museum haben sie oft in
Lego. Aber in meinem Büro gibt es auf acht Quadrat- tik: Kinder spielen damit. der Hand. Die Nazis hatten natürlich keine Keulen.
metern eine Stadt mit Häusern und Straßen, einen der R¢mmelplatz, ¿e Wenn jemand heute von der Nazi-Keule spricht,
Rummelplatz, elektrische Züge und natürlich auch , großer Platz: Dort feiert meint er damit also keine primitive Waffe. Die
man ein großes Fest.
Autos. Ich baue nach Vorlagen, liebe es aber auch, Nazi-Keule ist ein Vergleich mit der Nazi-Dikta-
nach der MOC-Methode zu arbeiten. Das bedeutet: bauen , z. B. Häuser oder tur. Dieser soll den Gegner schockieren und zum

2
Straßen machen; hier:
„my own creation“. Ich designe das Objekt also selbst. Lego-Objekte machen Schweigen bringen. So einen Vergleich hat zum
Auch viele Besucher meines Blogs zusammenge- Beispiel der türkische Präsident Recep Tayyip Er-
die Vorlage, -n
baut.com lieben das. , hier: Modell doğan gemacht. In einem Streit um Wahlkampfauf-
Das Blog ist seit circa zwei Jahren Ihr Beruf. Kann man bieten , hier: etwas tritte von türkischen Ministern in Deutschland
davon leben? Spezielles publizieren warf er den Deutschen „Nazi-Methoden“ vor. Er-
Millionär bin ich nicht. Manche denken, dass ich nur die M¡sse, -n , Ausstel- doğan hat also die Nazi-Keule geschwungen.
ein bisschen mit Lego spiele. Aber das Blog macht lung: Dort werden neue
Produkte gezeigt.
sehr viel Arbeit. Ich muss den Fans sieben Tage in

3
der Woche etwas bieten. Ich teste, schreibe, mache s¡lten , hier: fast nie
die W„ffe, -n , Gerät zum der Wahlkampfauftritt, -e
Videos und besuche wichtige Messen. die Ged¢ld , hier: ≈ Ruhe Kämpfen, z. B. Pistole , Sprechen vor Publikum im
und Konzentration für eine Wahlkampf
Sie sind jetzt 37 Jahre alt. Auch die Leser Ihres Blogs sind (kæmpfen , ≈ streiten)
komplizierte Arbeit
selten Kinder. Warum lieben so viele Erwachsene Lego? (der Wahlkampf, ¿e
der Gegner, -
die S„mmelleidenschaft , ≈ Kämpfen der Parteien um das
Es ist sicher viel Nostalgie dabei. Als Kind wollte ich , ≈ geliebtes Hobby: Man
, hier: Person: Sie streitet mit
Ja der Wähler)
einer anderen.
immer große Sets haben. Aber die sind teuer! Heu- sammelt spezielle Dinge.
w„rf … vor , Prät. von: vorwer-
te kann ich sie kaufen. Und für große Sets mit 2500 z¢m Schweigen br“ngen
fen = hier: sagen, dass der andere
, ≈ machen, dass jemand keine
Steinen braucht man mindestens acht Stunden – und Argumente mehr hat und nichts
etwas Schlimmes macht
sehr viel Geduld. Das ist ganz klar nichts für kleine mehr sagt geschw¢ngen
Kinder. Und vergessen Sie nicht die Sammelleiden- , Part. II von: schwingen = hier:
≈ in einem Halbkreis hin- und her-
schaft. Da hat Lego mit seinen vielen Serien wirklich tun und dann attackieren; gemeint
für jeden etwas. ist hier: verbal attackieren

UNESCO Weltkulturerbe Bamberg Deutsch lernen bei Freunden – intensiv, effektiv und mit Spaß! Freizeitprogramm inklusive
www.learn-german.com
12 PANORAMA Deutsch perfekt 4 / 2017

GELD

Sicherer zahlen
AUDIO

In den Geldbörsen gibt es ab dem 4. April


ein bisschen mehr Farbe – durch die neu-
en 50-Euro-Scheine. Diese sollen sicherer
sein, zum Beispiel, weil sich ihre Farbe
etwas ändert, wenn man sie kippt. Auch
unter ultraviolettem und Infrarotlicht Ist das Ryan Gosling?
Nein, es ist der Koch
und im Hologramm des Scheins sind spe- Ludwig Lehner.
zielle Sicherheitsmerkmale zu sehen. So
soll die Arbeit für Geldfälscher schwerer
werden. Es gibt nämlich besonders viele FERNSEHEN
¡s geht ¢m …

Der falsche Ryan Gosling


falsche 50-Euro-Scheine. In Deutschland , hier: in einer Zeremonie
hatten sie 2016 einen Anteil am Falsch- gibt man …
geld von mehr als 60 Prozent. Von allen der F¡rnsehpreis, -e
Scheintypen zusammen hat man dort im , ≈ Ding oder Geld für sehr Stars aus Hollywood – die hat man auch in Deutschland gern.
gute Film- und Fernsehstars
letzten Jahr rund 82 200 falsche identifi- Besonders dann, wenn es um einen Fernsehpreis wie die Gol-
ziert. Neue 20-Euro-Scheine gibt es schon g¶lden , von: Gold = dene Kamera geht. Also haben die Organisatoren der Golde-
teures Metall; hier: in der
seit November 2015. Dadurch ist der An- Farbe von Gold nen Kamera über eine Agentur Ryan Gosling (La La Land) ein-
teil dieses Scheintyps am Falschgeld um geladen. Aber die Agentur gibt es nicht wirklich. Das Team der
die Agentur, -en
15 Prozent kleiner geworden: Im letzten , Firma: Sie bietet einen Fernsehshow „Circus Halligalli“ hat sie für die Goldene Kamera
Jahr waren es noch 25 Prozent. Neue 100- Service für Privatpersonen erfunden. Das Team hat dann auch nicht das Original, sondern
oder andere Firmen an.
und 200-Euro-Scheine soll es bis Ende einen Doppelgänger zum Fernsehpreis geschickt: den 27-jäh-
2018 geben. erf¢nden , Part. II von: rigen Koch Ludwig Lehner aus Kirchseeon bei München. Und
erfinden = hier: die Idee für
eine fiktive Sache haben Lehner hat wirklich die Goldene Kamera bekommen – und dann
in ziemlich schlechtem Englisch gesprochen. Nicole Kidman im
der D¶ppelgänger, -
, Mensch: Er sieht genau Publikum hat gelacht. Die Menschen zu Hause vor den Fernse-
gleich aus wie ein anderer hern auch. Und Doppelgänger Lehner kann sich freuen, dass er
Mensch.
jetzt international bekannt ist.

SMART TOYS
die P¢ppe, -n
, ≈ Spielfigur: Sie sieht aus
wie ein Mensch.
das Spielzeug
Agentin Cayla
Durch die neuen , Ding zum Spielen Sie hat lange Haare, blaue Augen und ist klein:
50-Euro-Scheine soll es
weniger Falschgeld geben. kommunizieren die Puppe Cayla. Sie antwortet auf Fragen, er-
, hier: ≈ in Kontakt sein zählt von Tieren und Farben. Cayla ist kein
ohne K¡nntnis der ]ltern einfaches Spielzeug. In der Puppe ist ein Mi-
, ohne, dass Eltern das
der Schein, -e das S“cherheitsmerkmal, -e krofon. Und sie kommuniziert per Bluetooth
wissen
, hier: ≈ Papiergeld , hier: spezielles Symbol mit einer App. Aber was passiert mit den Da-
auf dem Papiergeld: Das aufnehmen , hier: ≈ auf
Diese s¶llen s“cherer sein.
macht es sicher, weil man so einem Computer speichern
ten aus dem Kinderzimmer? Welche Kon-
, ≈ Man sagt, dass diese
identifizieren kann, dass es sequenzen hat es, wenn jemand den Server
sicherer sind. weiterleiten , hier: ≈ an
nicht falsch ist. der Herstellerfirma hackt? „Ohne Kenntnis
andere schicken
k“ppen , hier: von einer
der G¡ldfälscher, - der Eltern können die Gespräche des Kindes
horizontalen Position in die Bundesn¡tzagentur
, kriminelle Person: Sie
eine leicht vertikale Position
druckt illegal Geld. , Kontrollinstitution für und anderer Personen aufgenommen und
bringen ganz Deutschland: Sie küm- weitergeleitet werden“, schreibt die Bundes-
der [nteil, -e mert sich um die Anbieter
, hier: Menge von Telekommunikation
netzagentur. Zum Beispiel an Kriminelle oder
und Internet. Pädophile. Das Amt hat Cayla in Deutschland
zerstören , kaputt deshalb verboten. Eltern müssen die Spiona-
machen ge-Puppe jetzt zerstören.
Deutsch perfekt 4 / 2017 PANORAMA 13

MEDIZIN NORDDEUTSCHLAND

Deutschland Dialekt in der


braucht Prüfung
Cannabis In Mecklenburg-Vorpommern können
das Abitur
Schüler jetzt an sechs Schulen beim
, Prüfung am Ende vom
Abitur Plattdeutsch als Prüfungsfach Gymnasium
In Deutschland wird es für Patienten wählen. Auch verschiedene Schulen in das Prüfungsfach, ¿er
„nbauen
einfacher, medizinisches Cannabis zu , hier: sich um die Canna- Schleswig-Holstein bieten Plattdeutsch- , hier: ≈ Unterricht in
bekommen. Außerdem zahlen die Kran- bispflanzen kümmern, ihre Unterricht an. Prüfungsfach ist es einem Fach mit Prüfung am
Blätter sammeln und daraus Ende vom Gymnasium
kenkassen jetzt für Cannabis-Therapi- dort aber noch nicht. Plattdeutsch ist
Medizinprodukte machen pl„tt
en. Die Konsequenz: Das Land braucht außerdem nicht nur ein Dialekt – es
das B¢ndesinstitut, -e , in der Form wie ein Blatt
Hunderte Kilo von der Substanz. Des- , offizielle deutsche
gibt viele verschiedene Dialektformen. Papier; hier: ohne Berge
halb will die Regierung Cannabis jetzt Institution Manche sagen auch, dass es eine eigene verstændlich
auch offiziell anbauen. Dafür startet das das Arzneimittel, - Sprache ist. Man spricht sie im Norden , gut zu verstehen
Bundesinstitut für Arzneimittel und , Medikament Deutschlands, aber auch in Ländern wie
Medizinprodukte eine Cannabisagen- die C„nnabisagentur, -en den Niederlanden oder Brasilien. Woher
tur. „Erste Ernten sind in Deutschland , Firma: Sie kümmert der Name Plattdeutsch kommt? Nicht
sich um das Anbauen von
für 2019 vorgesehen“, sagt Institutspräsi- Cannabis.
vom platten Norden Deutschlands.
dent Karl Broich. Die Pflanze kann zum „Platt“ heißt verständlich oder deutlich.
die ]rnte , hier: Sammeln
Beispiel Menschen mit Rheumatismus von Blättern Es war die Sprache der einfachen Leute.
oder Multipler Sklerose helfen. Legal ist Circa 16 Prozent der Norddeutschen
vorgesehen sein
Cannabis aber nur für Patienten: Der Ha- , geplant sein sprechen es heute noch gut oder sehr
schischkuchen auf der Hipster-Party ist gut – in Mecklenburg-Vorpommern
also immer noch verboten. wahrscheinlich bald mehr.

NAVIGATOR
Diesen Ort gibt es wirklich
der B¢ndesstaat, -en der H„mmelstall, -ställe
Das Wort Philadelphia im US-Bundesstaat , ≈ Teil von einer Union , Raum oder Haus für

lphia Pennsylvania liegt im Osten der USA. Es


Philade
Hammel
f•nftgrößte (-r/-s)
ist die fünftgrößte Stadt des Landes. Aber , hier: so, dass nur vier (der H„mmel, - , männ-
andere Städte größer sind liches, kastriertes Schaf)
Philadelphia gibt es nicht nur in den USA.
(das Schaf, -e
die B¢rg, -en
, Tier: Aus seinen Haaren
Der Ort Philadelphia ist ein Ortsteil der , großes, massives
macht man Wolle.)
Schloss
Kleinstadt Storkow in Brandenburg. Mit der König, -e , Monarch
das F¡ld, -er
rund 260 Einwohnern ist er ein bisschen
, Areal in der Natur: Dar- das Wohngebiet, -e
kleiner als die Millionenmetropole in den auf wächst z. B. Gemüse. , ≈ Ortsteil: Dort gibt es
Fotos: picture alliance/dpa; Bundesbank; Genesis Industries; iStock

USA. In dem Ort gibt es ein paar Vereine, (w„chsen , hier: groß viele Wohnhäuser.
in der Nähe steht eine der ältesten Burgen werden und Früchte tragen)
Brandenburgs: Burg Storkow. Außerdem erwähnt , Part. II von:
ist in der Region viel Natur in Form von erwähnen = hier: einen
Namen in ein Register
Seen und Feldern. 1713 wird das Dorf zum schreiben
ersten Mal erwähnt – mit dem Namen „Bei
dem Hammelstalle“. Die Einwohner haben
den Namen aber nicht gemocht. Deshalb
hat der Amerika-Fan König Friedrich II.
dem Ort den Namen Philadelphia gegeben.
Andere hat das inspiriert: Ein Wohngebiet
in Storkow heißt Neu Boston.
14 PANORAMA Deutsch perfekt 4 / 2017

live engl. , hier: so,


Im TILTA-
dass man selbst aktiv ist
Team sind
alle Science- und nicht nur als Teil vom
Fiction-Fans. Publikum dort ist
erleben , hier: sehen
und ausprobieren; ≈ die
Erfahrung machen
die Kul“sse, -n
, hier: Dekoration und
Design für die Räume
das Gutachten, -
, Report von einem Ex-
perten nach einer genauen
Untersuchung
die Ausrüstung, -en
, hier: Dinge: Man braucht
sie für das Laserspiel.
die W„ffe, -n , Gerät zum
Kämpfen, z. B. Pistole
(kæmpfen , hier: mit
Waffen streiten)
die F¡rnbedienung, -en
, ≈ kleines technisches Ge-
rät: Damit kann man über
eine Distanz ein anderes
Gerät kontrollieren.
der S¡nsor, Sensoren
START-UP DES MONATS , hier: kleines elektroni-

Galaktisches Imperium
sches Ding: Es registriert
die Treffer.
(der Tr¡ffer, -
LEICHT , von: treffen = hier: direkt
auf einen Körper kommen)
Die Idee Erwachsene Man merkt sofort: Sandro komplette Ausrüstung von uns“, erklärt der Hambur- ¡s geht n“cht ¢m … , hier:
können mit Lasern spielen Sachs ist ein großer Fan ger. „Wir haben die neueste Technik, und man kann das Wichtigste ist nicht …
und Science-Fiction live
erleben. von Science-Fiction. Geht zwischen fünf verschiedenen Taggern wählen.“ einfach , hier: ≈ nur
Warum braucht die Welt man nämlich in The Im- Aber sind Laserwaffen nicht gefährlich? Sachs
das? das R¶llenspiel, -e
Spaß und das Erleben einerperial Lasertag Academy kann schnell erklären, warum das nicht so ist: „Es , hier: Theaterspiel:
komplett anderen Realität (TILTA), ist man in einer heißt zwar Lasertag, aber wir arbeiten mit Infrarot- Die Spieler müssen es in
sind nie falsch. einer Rolle spielen.
Der schönste Moment? komplett anderen Welt signalen. Das ist wie bei einer Fernbedienung für
(die R¶lle, -n , hier:
Das erste große Testspiel:– und das auf 2600 Qua- den Fernseher.“ Die Signale kann man mit dem Auge fiktive Person: Sie lebt in
Meine Idee funktioniert
dratmetern. Die Räume in nicht sehen. Sensoren auf den Körpern der Spieler einer anderen Realität.)
– und das Design der
verschiedenen Räume dem größten Laser-Areal registrieren, wenn jemand getroffen wird. Und nach einzelne (-r/-s)
finden alle fantastisch. Europas erinnern an Filme dem Spiel hat man eine komplette Statistik. Aber , hier: nur eins

wie Alien und Serien wie es geht bei TILTA nicht einfach ums Kämpfen. Bei ber•cksichtigen , hier:
„Battlestar Galactica“. Na- den Hamburgern gibt es ein richtiges Rollenspiel. beim Planen von Szenarien
denken an
türlich ist auch ein bisschen Star Wars dabei. Auch „Wir haben 15 verschiedene Szenarien – und auch
der Sch¢tzschild, -e
das Design der Toiletten ist futuristisch. „Die Ideen wir selbst machen mit“, erklärt Sachs. „Deshalb kann , ≈ virtuelles Objekt: Es
für passende Kulissen bekomme ich immer im Bett, man auch keine einzelnen Spiele buchen, sondern steht vor dem Spieler wie
wenn ich nicht schlafen kann“, sagt Sachs und lacht. bleibt mindestens vier Stunden.“ Bei den Szenarien eine Wand, sodass er drei-
mal nicht getroffen werden
Schon vor fünf Jahren hat er mit der Planung für berücksichtigen Sachs und sein Team auch, wenn kann. Dann muss der Schild
TILTA angefangen. Aber die jemand keinen Tagger in die Hand virtuell repariert werden.
Bürokratie hat es ihm nicht nehmen will. „Dann bekommt der einige (-r/-s) , ein paar
leicht gemacht. Viele Doku- Spieler eine Rolle, in der man sich s“ch … überlegen
mente und Gutachten muss- zum Beispiel um den Schutzschild , lange denken, wie man …
te der 47-Jährige an verschie- der anderen kümmern muss.“ Aber machen kann
dene Ämter schicken – und auch die skeptischsten Kunden ha-
dann war plötzlich wieder ben schnell Spaß. „Fast alle Firmen
etwas nicht in Ordnung. und auch die privaten Spieler kom-
Fotos: Detlev Overmann

Aber seit Ende letzten Jah- men nach einigen Wochen wieder“,
res können Erwachsene sei- sagt Sachs. „Deshalb überlegen wir
Diesen Text können Sie mit einem
ne Science-Fiction-Welt er- uns auch immer neue Dinge – lang- Premium-Abo hören:
leben. „Jeder bekommt eine weilig soll es bei uns nie werden.“ www.deutsch-perfekt.com/service
Deutsch perfekt 4/ 2017 DIE DEUTSCHSPRACHIGE WELT IN ZAHLEN 15

Eine Übung zu diesem Text


finden Sie auf Seite 56.

LEICHT AUDIO
[lle W¡tter! , m ≈ Das

Alle
überrascht mich!
das Hagelkorn, ¿er
, ≈ harter, kleiner Eisball

Wetter!
das Hochdruckgebiet, -e
, Region mit hohem
Luftdruck; auch: ≈ schönes
Wetter
(der L¢ftdruck
Der April macht, was er , ≈ Effekt physikalischer
Energie der Luft)
will, sagt man. Aber auch das Tiefdruckgebiet, -e
sonst ist das Wetter in , Region mit niedrigem
Luftdruck; auch: ≈ schlech-
Deutschland manchmal tes Wetter

ziemlich verrückt. Das be„ntragen


, hier: ein Formular ausfül-
Phänomen in Zahlen. len und so versuchen, einem

1018,1
Hoch oder einem Tief einen
Namen zu geben
die |nsel, -n
, Stück Land in einem
Meer, See oder Fluss
¡cht , wirklich

Millimeter Regen sind im Jahr 2002 in Deutschland

1
gefallen. Es war das nasseste Jahr seit Anfang der
Wetter-Dokumentation im Jahr 1881.

wichtiger Tipp für Small Talk in Zentimeter war Deutschlands


780
14,1
Deutschland: Wetter ist als Thema im- gigantischstes Hagelkorn groß.
mer gut! Zu viel Regen, zu viel Ein Meteorologe hat es im
Wind, zu heiß, zu kalt – über nichts Sommer 2013 in Undingen Zentimeter
anderes beschweren sich die (Baden-Württemberg) gefun- Schnee
Deutschen lieber. den. Sein Gewicht: 360 Gramm. hat es am
26. April 1980
auf der Zug-

299 403
spitze gege-
ben. Sie ist der
höchste Berg
Deutschlands.

32,2
Stunden hat die Sonne im Rekord-
Juli 1994 am schönen Kap Arkona auf Ein Teil davon
Euro plus 19 Prozent Mehr- der Ostseeinsel Rügen geschienen. liegt in Ös-
wertsteuer kostet es, wenn man Ein echter Platz an der Sonne! terreich. Auf
Grad warm war es einem Hochdruckgebiet der Zugspitze
in München am einen Namen geben will. hat es auch
28. April 2012. Der Ein Tiefdruckgebiet kostet schon einen
Monat ist für seine 199 Euro. Den Namen bean- deutschen
Fotos und Illustrationen: iStock

extremen Tempe- tragen kann man beim Institut Windrekord


raturen bekannt. für Meteorologie der Freien gegeben:
Es hat auch schon Universität Berlin. In diesem 335 Kilometer
Apriltage mit kaum Jahr haben die Hochs weibliche pro Stunde
mehr als null Grad Namen und die Tiefs männli- – am 12. Juni
gegeben. che. Das wechselt jedes Jahr. 1985.
16 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017

Nichts bleibt, wie es ist


Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 17

Deutschland verändert sich, in manchen Dingen


radikal, in anderen nur langsam. Wir dokumentieren
diesen Prozess – mit 100 Beobachtungen aus
Alltag und Gesellschaft. SCHWER PLUS

Von Margaret Davis, 1Politik mit Schere und Klebstoff: In Frei- fast jede Stunde Bing. Mal hören wir von Mauern, Zöllen und
Rossella Dimola, Virginia
Azañedo González, Sarah
burg hat der SPD-Ortsverein kürzlich Par- Billionen-Investitionen. Bing. Mal beginnt er Streit mit China,
Gough, Tanja Haas, teibücher gebastelt. Die Original-Parteibü- Deutschland oder Mexiko. Bing. Oder er erklärt die kritischen
Katharina Heydenreich, cher für neue Mitglieder waren aus – und Medien zu „Feinden des amerikanischen Volkes“. Bing! Bing!
Holger Hofmann,
Isadora Mancusi, er konnte auch erst einmal keine mehr Bing! Was kommt noch? Dank der multimedialen Trump-End-
Thorsten Mansch, Dorle bekommen. Der Martin-Schulz-Effekt: losschleife fühlt es sich so an, als gäbe es kein Entkommen.
Matussek, Claudia May,
Ian McMaster, Juan Seit die Sozialdemokraten einen Kanzler- Wir wissen sogar, dass der Mann sich nachts im Weißen Haus
Ramón García Ober, kandidaten haben, der beliebter ist als die manchmal einsam fühlt und mit seiner Zeit nichts anders an-
Cornelia Osterbrauck,
Leandra Pérez Casanova,
Kanzlerin, bekommt die Partei Tausende zufangen weiß, als sich die Trump-Sendungen des Tages anzu-
Eva Pfeiffer, Ignacio neue Mitglieder. Zum ersten Mal seit zehn schauen. Wie wir kann er nicht abschalten. Ob die Trump-Soap
Rodríguez-Mancheño, Jahren ist die SPD in Umfragen populärer auch ihr Gutes hat? Jedenfalls ist die Politik auch in Deutsch-
Judith Rothenbusch,
Hildegard Rudolph, als Angela Merkels CDU. So stolz war die land wieder aufregend geworden – wir alle reden über fast nichts
Giancarlo Sánchez- 154 Jahre alte Partei lange nicht mehr. anderes mehr. Und vielleicht sorgt das abschreckende Beispiel
Aizcorbe, Michael
Scheufler, Renate Trump ja unfreiwillig dafür, den Zulauf der Lauten, Unversöhn-
Schlichthörlein, Maja Außen an dem Supermarkt-Gebäude
2 lichen und Radikalen zu stoppen und die Demokratie wieder
Sirola, Rudolf Spindler,
Ingrid Sturm, Andrea
steht noch groß: Tengelmann. Innen fragt wertzuschätzen.
eine Kundin: „Seid ihr schon Edeka?“ Ja,
Uysal, Jörg Walser, Klaus
Walter, Sabine Weiser,
sind sie. Bis zum Herbst wird das bei den 4 Die Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg wirbt jetzt
Sandra Weiß, Iriet Yusuf
und Melanie Zölls 405 Filialen der zuletzt ältesten deutschen ganz groß: Geöffnet von 7.30 bis 19 Uhr! Fast zwölf Stunden, so
Lebensmittel-Handelsfirma auch zu se- flexibel wie heute waren Banken selten. Nur: Es kommt kaum
hen sein: Die meisten Kaiser-Tengelmann-Filialen gehören noch einer. Deshalb gibt die Sparkasse bis zum Sommer 20 von
dann dem größten deutschen Lebensmittel-Händler. Und die 75 Filialen auf – und hat jetzt zu viele Angestellte, um die rest-
Konzentration im Lebensmittelmarkt nimmt weiter zu: Mehr lichen Filialen schon um 17 Uhr zu schließen. Noch radikaler
als 85 Prozent des Umsatzes machen Edeka (mit Discounter sind die Hamburger Sparkasse und neun andere Sparkassen in
Netto), Rewe (mit Discounter Penny), die Schwarz-Gruppe Deutschland: Sie schließen nicht nur Filialen, sie bieten jetzt ein
(Discounter Lidl und Kaufland) und der Discounter Aldi (Nord neues Konto inklusive App an: Yomo. Sie ist kostenlos – aber in
und Süd). Lieferanten müssen sich noch mehr diktieren lassen. eine Filiale sollen die Yomo-Kunden bitte nicht mehr kommen.
Revolution bei den Banken?
3 In der Endphase des Präsidenten-Wahlkampfs hat es begon-

nen. Vor dem Einschlafen fingen wir an, die Live-Videos seiner 5 Eine Kindergartenbekanntschaft: Sie wirkt sympathisch, intel-

verrückten Auftritte in Philadelphia oder Cincinnati anzuschau- ligent, man kommt ins Gespräch. Plötzlich sagt sie: „Ich habe mir
en. Und unsere Tage begannen damit, dass wir als Erstes alle das Programm der AfD angesehen. Wirklich sehr interessant.“
Nachrichten über den wütenden alten Mann lasen, der Ame- Eine Sympathisantin der rechtspopulistischen Alternative für
rika wieder „great“ machen will. Fast wie Süchtige. Inzwischen Deutschland: nicht im Fernsehen, nicht in der Zeitung, sondern
ist der Mann Präsident, und jetzt erst recht macht unser Handy ganz real. Und sie ist auch noch sympathisch. Schreck!

die SPD die Filiale, -n der Auftritt, -e die ]ndlosschleife, -n der Zulauf , hier: (große) die AfD , kurz für: Alter-
, kurz für: Sozial- , eines von mehreren , hier: Rede vor Publikum , hier: ≈ d Sache, die nie Menge an Menschen native für Deutschland
demokratische Partei Geschäften einer Firma aufhört
der/die S•chtige, -n ¢nversöhnlich die Sympathis„ntin, -nen
Deutschlands
der }msatz, ¿e , Person, deren Körper … so, „ls gäbe ¡s kein , hier: ≈ so, dass man mit , hier: Frau, die extremisti-
das Parteibuch, ¿er , Summe aller Verkäufe in jeden Tag eine bestimmte ]ntkommen. , ≈ … so, der Politik der Regierenden sche Ideen gut findet
, ≈ Dokument, dass man einer speziellen Zeit Substanz (z. B. Alkohol, dass man es nicht schafft, unzufrieden ist
Schr¡ck!
bekommt, wenn man Nikotin oder Kokain) ein Thema zu ignorieren.
s“ch diktieren l„ssen wertschätzen , den Wert , m ≈ Das macht Angst!
Mitglied einer Partei wird braucht, sonst fühlt sie sich
m•ssen sein Gutes haben , hier: von etwas Gutem erkennen
schlecht
Collage: Daniel Kluge

aus sein , hier: nicht , hier: Bedingungen, z. B. einen Vorteil bringen


flexibel , hier: so, dass sie
mehr da sein, weil es zu niedrige Preise, die die erst r¡cht , hier: genau
„bschreckend sich an den Wünschen der
wenige gab großen Lebensmittelhänd- deswegen; noch öfter
, so, dass man Angst Kunden orientiert
ler bestimmen, akzeptieren
bekommt
müssen
18 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017

Diese Liste der zehn Wörter können


Sie mit einem Premium-Abo hören:
www.deutsch-perfekt.com/service

Diese zehn Wörter sind in der deutschen Sprache immer häu- 17 Schwertransport in Bremerhaven: Im Schritttempo fährt das

figer zu hören: gigantische Modulfahrzeug mit seinen 48 Achsen zur Baustelle.


6 das Darknet: In dem Netzwerk können sich User zum Bei- Es transportiert ein 88,4 Meter langes Rotorblatt – für den Pro-
spiel mit dem Browser Tor anonym bewegen. Das kann gut und totyp des größten Windrads der Welt. In diesen Tagen geht es
schlecht sein: Politisch Verfolgte nutzen das Darknet genauso auf dem erst vor einem Jahr geschlossenen Flugplatz Bremerha-
wie Kriminelle. ven in Betrieb. Es ist eine von 2950 neuen Anlagen, die bis 2018
7 das Doodeln: Wenn mehrere Menschen sich miteinander ver- in Deutschland gebaut werden. Ein neuer Windräder-Boom:
abreden möchten, tragen sie ihre freien Termine in eine Doodle- Denn bis zum Ende einer Frist am 31. Januar haben Tausende
Online-Tabelle ein. Zeit und Ort mit den meisten Teilnehmern Investoren noch ihre Bauanträge gestellt. So bekommen sie spä-
gewinnen. ter mehr Geld für den Strom, den sie herstellen. Und Deutsch-
8 der Enkeltrick: Indem sie am Telefon oder an der Haustür land bekommt besonders viele Windräder in kurzer Zeit: Am
behaupten, Verwandte zu sein, die finanzielle Hilfe brauchen, Ende werden es 30 220 sein. 630 Bürgerinitiativen im ganzen
betrügen Kriminelle alte Menschen. Land kämpfen dagegen.
9 der E-Commerce-Kaufmann: Online-Shopping wird in

Deutschland immer beliebter, weshalb es ab 2018 diese neue 18 Zwei Männer in der S 6, Abfahrt in Tutzing um 8.04 Uhr, An-

Ausbildung für den Internethandel gibt. kunft München-Ost 8.57 Uhr. Der eine arbeitet konzentriert
10 der Flexitarier: Dieser Teilzeit-Vegetarier isst selten Fleisch am Laptop. Der andere spricht ihn vorsichtig an, er braucht
und findet dessen Qualität und die Frage, wie die Tiere leben eine Auskunft. Die beiden kommen ins Gespräch und sind sich
durften, besonders wichtig. schnell einig: Die Leute reden kaum noch miteinander. Alle
11 der Gruselclown: Dieser fiese Mensch im Clownskostüm ist schauen nur noch in Smartphones und Tablets. Sie führen ein
ein Phänomen aus den USA und erschreckt die Deutschen vor lebendiges Gespräch, plötzlich muss der Laptop-Mann ausstei-
allem seit letztem Jahr – am liebsten nachts auf der Straße. gen. Der andere: „Ach, wie schade.“
12 die Reichweitenangst: Das ist die Sorge, mit dem Elektroauto

stehen zu bleiben – weil die Batterie leer ist. 19 Der kleine Junge, knapp zwei, liebt Plastikkarten im Scheck-
13 der Social Bot: Das Programm simuliert in sozialen Netzwer- kartenformat. Auf dem Schreibtisch steht eine ganze Sammlung
ken wie Facebook menschliche Nutzer – zum Beispiel zur politi- davon. Als der Vater wieder einmal nach alten Exemplaren zum
schen Propaganda. Ein anderes Wort dafür ist Meinungsroboter. Spielen sucht, hält er plötzlich diese Videotheken-Guthabenkar-
14 das Superfood: Chiasamen, Goji- und Acai-Beeren sind typi- te in der Hand. Videothek? Der letzte Besuch liegt Jahre zurück.
sche Beispiele für dieses exotische Essen, das eine extrem posi- Gibt es die überhaupt noch? Nein, sagt das Internet. Und nicht
tive Wirkung auf die Gesundheit haben soll. Bewiesen ist das nur diese gibt es nicht mehr. Im Jahr 2017 ist Apokalypse Now für
aber nicht. Videotheken Realität.
15 die Willkommensklasse: Dort werden Kinder aus Flücht-

lingsfamilien ohne Deutschkenntnisse auf den Besuch einer 20 Die drei Männer drücken gemeinsam den roten Knopf, und

normalen Klasse vorbereitet. der Laser beginnt mit Projekt Aida S. 696. Sie soll das erste Kreuz-
fahrtschiff der Welt werden, das komplett mit dem zurzeit emis-
16 Lila Essen, da denken die Deutschen seit 44 Jahren an die lila sionsärmsten Treibstoff fährt: tiefgekühltes, flüssiges Erdgas
Kuh auf der Milka-Schokolade. Jetzt macht sich Lila in den Su- (LNG). „Wir haben zehn Jahre an der LNG-Technologie gear-
permärkten außerhalb der Süßwarenregale breit. Die Kartoffel, beitet“, sagt Bernhard Meyer, der Seniorchef der Meyer Werft
der Deutschen liebstes Gemüse, wird überall in Lila angeboten. in Papenburg (Niedersachsen), Weltmarktführer im Bau von

das N¡tzwerk, -e fies , m böse; moralisch die Fl•chtlingsfamilie, -n das Modulfahrzeug, -e s“ch einig sein , die der Treibstoff, -e
, ≈ Computernetz schlecht , Familie, die aus religiö- , Transportmittel, das gleiche Meinung haben , z. B. Benzin, Diesel
sen, politischen oder andere Transportmittel
der politisch Verf¶lgte, -n die Reichweite, -n die Videothek, -en tiefgekühlt , bei sehr
ethnischen Gründen aus transportieren kann
, hier: Person, die aus , hier: Strecke, die ein , hier: Laden, in dem man niedriger Temperatur, z. B.
ihrer Heimat weggegangen
religiösen, politischen Auto ohne neuen Strom die [chse, -n , hier: Filme leihen kann bei -10 Grad konserviert
ist / weggehen musste
oder ethnischen Gründen fahren kann Konstruktion, an der die
die Guthabenkarte, -n die W¡rft, -en
Probleme bekommt oder s“ch breitmachen Räder festgemacht sind
der Samen, - , harte, , Karte mit Computerchip, , Fabrik, in der Schiffe ge-
Nachteile hat , m hier: immer mehr zu
kleine Frucht, die eine das Rotorblatt, ¿er , ei- auf dem ein gezahlter baut und repariert werden
sehen sein
eintragen “n , seinen Na- Pflanze produziert und aus ner von mehreren großen, Betrag gespeichert ist
der W¡ltmarktführer, -
men in eine Liste schreiben der neue Pflanzen wachsen der Schwertransport, -e flachen Teilen eines Rotors
zur•ckliegen , Firma, die in einem
können , Transport schwerer
Collage: Daniel Kluge

der Tr“ck, -s , hier: das W“ndrad, ¿er , vor … gewesen sein bestimmten Geschäftsbe-
Dinge
illegale Methode , technische Konstruktion, reich international auf dem
das Kreuzfahrtschiff, -e
das Schr“tttempo die mithilfe von Wind ersten Platz steht
indem , ≈ dadurch, dass … , großes Schiff für eine
, sehr langsame Fahrge- Energie herstellt
Urlaubsreise
der Grusel , ≈ Angst schwindigkeit
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 19
20 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 21

Kreuzfahrtschiffen. Im Dezember 2018 führt die erste Fahrt 26 Craft Beer – weil es so viel authentischer ist als das Bier, was

zu den Kanarischen Inseln. Buchen geht schon. Das Ende der alle anderen trinken.
Megastinker? 27 Chaga-Pulver – weil Pilz zum Trinken eine wirklich originelle

Alternative zu Kaffee ist.


2113 041 Unterschriften für das Kurfürstenbad in Bonn-Bad 28 Documenta – weil es nach fünf Jahren endlich wieder Zeit

Godesberg. Aber der Stadtrat bleibt dabei: Kurfürstenbad und ist für die weltweit größte Ausstellung für Gegenwartskunst,
Frankenbad sollen geschlossen werden, dafür soll ein zentra- diesmal nicht nur in Kassel, sondern auch in Athen.
les Schwimmbad her. Per Brief dürfen nun bis zum 21. April die 29 Hamburg – weil der Berliner Flughafen nach fast elf Jahren

Bürger entscheiden, zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt. noch immer gebaut wird, die Elbphilharmonie nach knapp zehn
Bonn ist nicht allein: In sehr vielen Orten in Deutschland wer- Jahren Bauzeit aber tatsächlich eröffnet wurde.
den zurzeit Bäder geschlossen, weil sie zu alt und zu teuer sind. 30 Saftbegleitungen – weil immer weniger Deutsche zum Es-

Auch das Sonnenbad in Karlsruhe sollte einmal geschlossen sen Wein bestellen und immer mehr Restaurants deshalb auch
werden. Inzwischen sorgen 650 Leute im Freundeskreis dafür, feine Saft-Essenz-Kräuter-Mischungen servieren, natürlich in
dass es jedes Jahr als erstes Freibad in Deutschland öffnet – die- Weingläsern.
ses Jahr am 17. Februar. 31 Selfie-Drohnen – weil Selfie-Sticks jeder kann und Drohnen

schon längst in sind.


22Gerade hat der Stuttgart-Besucher noch das komplizierte 32 Wahlkampf – weil 2017 nicht nur der Bundestag gewählt

Tarifsystem studiert, nun will er die Fahrkarte für die Fahrt wird, sondern auch drei Landtage.
zum Zoo kaufen. Aber am Automat ist schon wieder alles ganz
anders: „Feinstaubalarm in Stuttgart!“, steht im Display. Für Diese zehn Dinge sind out:
Erwachsene gelten an diesem Tag Kinderfahrkarten. Kinder- 33 Facebook – weil Jugendliche inzwischen Whatsapp, Ins-

fahrkarten, passt irgendwie zum Zoo-Besuch, da sind wir alle tagram, Jodel und Snapchat lieber haben.
wieder Kind. Nur die schlechte Luft, die passt nicht. Jetzt aber 34 Hass-Botschaften – weil auch im Internet gilt: Wer andere

reagiert die Politik – weil Gerichtsurteile ihr Druck machen. beschimpft, muss mit Konsequenzen rechnen.
Nicht nur mit einem Feinstaub-Ticket für Bus und Bahn, son- 35 Helikopter-Eltern – weil Kinder auch ohne Mama und Papa

dern als erste deutsche Stadt ab 2018 mit Fahrverboten für alte den Schulweg schaffen.
und besonders schmutzige Dieselautos. Es wird wohl nur der 36 High Heels – weil Stabilität im Leben auch was hat.

Anfang sein: Auch in Berlin, München und vielen Städten in 37 Nerdbrillen – weil Hipster nach ein paar Jahren auch mal

Nordrhein-Westfalen wird darüber diskutiert, es wie die Stutt- wieder etwas anderes wollen als die klassisch schwarzen
garter zu machen. Ray-Ban-Modelle aus Horn.
38 Krawatten – weil auch große Firmen inzwischen so tun, als

Diese zehn Dinge sind in: wären sie Start-ups.


23 Aerial Yoga – weil diese Variante, bei der die Teilnehmer ähn- 39 Luxuswohnungen – weil die, die das Geld haben, schon 2010

lich wie in einer Hängematte in einem Tuch aus Lycra sitzen gekauft haben.
oder liegen, viel einfacher ist als konventionelles Yoga. 40 PCs – weil groß nicht mehr großartig ist.
24 Bart tragen – weil viele Männer heute wieder wie Männer 41 Snowboards – weil Skier cooler und Skikleidung snowboar-

aussehen wollen. diger wurden.


25 Brunchen – weil Expats aus der ganzen Welt das Frühstücken 42 Starke Staubsauger – weil seit Januar keine mit mehr als

bis in den Nachmittag hinein wieder populär machen. 900 Watt verkauft werden dürfen.

der Megastinker, - s¶ll … her , m hier: soll die Hængematte, -n die Drohne, -n der L„ndtag, -e , Parla- großartig
, m gemeint ist hier: … gebaut werden , langes Stück Stoff, das , hier: Fluggerät mit ment eines Bundeslandes , sehr gut; wunderbarde
Transportmittel, das sehr man zwischen zwei Bäume Kamera, das man aus der
der Feinstaubalarm die Botschaft, -en Staubsauger, -
viele stinkende Emissionen hängt, um darin zu liegen Distanz kontrolliert
, Warnung, dass es eine , Information; Nachricht , elektrisches Gerät, mit
in die Luft abgibt
hohe Konzentration von das P¢lver, - … jeder k„nn dem man den Boden reinigt
besch“mpfen
der Kurfürst, -en Feinstaub gibt , trockene Substanz aus , m korrekt: … jeder
, böse Worte gegen (der Staub , sehr kleine
, Aristokrat mit der extrem kleinen Stücken benutzen kann
(der Feinstaub jemanden benutzen Schmutzstücke in der Luft)
Erlaubnis, den deutschen
, extrem kleine Schmutz- die Begleitung, -en længst , schon lange
König zu wählen das H¶rn , hier: speziel-
stücke in der Luft) , von: begleiten = dabei
les Plastikmaterial
der St„dtrat, ¿e sein
Dr¢ck m„chen
Collage: Daniel Kluge

, Parlament einer Stadt die Kraw„tte, -n


, hier: ≈ sagen, dass die die Kräuter Pl.
, langes, schmales Klei-
dabei bleiben , seine Städte schnell etwas tun , Pflanzen, von denen man
dungsstück, das Männer
Meinung nicht ändern müssen die Blätter als Gewürz oder
über dem Hemd um den
Medizin verwendet
Hals tragen
22 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017

43 Landung am Flughafen München, ankommen am neuen Sa- 47 5,95 Euro, 40 Milliliter, beste Ware: Die dm-Drogeriemärk-

tellitenterminal. Mit der fahrerlosen Flughafen-U-Bahn geht es te haben jetzt Pfefferspray im Sortiment, Ballistol Pfeffer KO
zum Terminal 2. Fahrerlose Fahrzeuge? Alle schreiben darüber, Fog, offiziell ein Mittel gegen aggressive Tiere. Gut, die Kunden
nur selten sind sie zu sehen. Aber in ganz Deutschland werden können dort auch die Taschentücher gleich dazu kaufen. Aber
sie getestet: ein Navya-Bus war schon in Oberhausen, Chemnitz, passt Pfefferspray wirklich in einen Drogeriemarkt? Sicher ist:
Karlsruhe, Mannheim, Leipzig, Bad Zwischenahn, Dangast und Er passt zum subjektiven Sicherheitsgefühl der Deutschen.
Berlin ohne Fahrer unterwegs. Und spätestens im Herbst fährt Nicht nur in Drogeriemärkten wird das Produkt immer dann
ein roter Regionalzug vom Typ VT 642 autonom auf einer 30-Ki- extrem oft gekauft, wenn wieder ein Terroranschlag passiert ist.
lometer-Strecke durch Sachsen. Noch ist das nur ein Test. Aber Und zum ersten Mal seit 20 Jahren ist Terrorismus auf der aktu-
die Bahn hofft, dass spätestens 2023 reguläre Züge autonom fah- ellen Liste der größten Ängste der Deutschen die Nummer eins.
ren können. Die Flughafen-U-Bahn kann das schon jetzt. Nur ist Aber hilft Pfefferspray gegen Terroristen?
sie nach 48 Sekunden leider schon am Ziel.
Sätze, die wir so und so ähnlich immer häufiger hören:
44 Florian Max hat es gewagt. Würmtal Apotheke heißt sein neu- 48 „Die Welt ist aus den Fugen.“ – „Die Welt ist aus den Fugen

es Projekt. In Planegg bei München, einem Ort mit 10 526 Ein- geraten.“ – „Ist die Welt völlig aus den Fugen?“ – „Die Welt, wie
wohnern, ist es die vierte Apotheke in einem Umkreis von wir sie kennen, ist aus den Fugen geraten.“ – „Die Welt ist in vie-
100 Metern. In städtischen Gebieten steigt die Zahl der Apo- len Teilen der Welt aus den Fugen geraten.“
theken gerade deutlich. Werden die Deutschen häufiger krank? 49 „Wir leben in einer postfaktischen Zeit.“ – „Willkommen im

Sicher ist: Sie melden sich öfter krank, berichten die Krankenkas- postfaktischen Zeitalter.“ – „Willkommen in der Unterwelt des
sen – so wie immer, wenn es der Wirtschaft gut geht. Postfaktischen!“

45 Der Sohn feiert seinen fünften Geburtstag. Klar, die Eltern 50 „Dresden, das schöne Dresden!“ Die Begeisterung war immer

backen für ihn und seine 25-köpfige Kindergartengruppe plus groß, wenn er den Wohnort seiner Eltern nannte. Dann kam die
Erzieher Muffins. Typ Schokolade, mit vielen bunten Smarties hässliche Meute von Pegida. Heute heißt es: „Ach je, Dresden.“
drauf. Bloß nicht wieder das Gleiche wie im letzten Jahr. Eltern
sind heute im kreativen Marathon gefangen. Alle versuchen, mit 51 Drei Monate Bauzeit, und fertig waren die 14 Wohnungen.

ihren Bastel- und Backkünsten zu beeindrucken. Glücklich die- Vonovia, mit 360 000 Wohnungen Deutschlands größter Ver-
jenigen, die ihr Kind in einer pragmatischen Kindertagesstätte mieter, hat jetzt in Bochum das erste seriell hergestellte Wohn-
haben: „Bitte bringt zum Geburtstag nur eine Tüte Gummibär- haus gefeiert. Ein Haus aus Modulen – das war in der Deutschen
chen mit, bei 70 Kindern haben wir sonst jeden Tag Kuchenpar- Demokratischen Republik sehr populär und hieß dort Platten-
ty“ stand dort in der Willkommensbroschüre. Für so eine Bitte bau. Jetzt ist die „Platte“ wieder da: In ganz Deutschland glau-
würden andere Eltern ihre letzte Bastelschere hergeben. ben Politik und Wirtschaft an bezahlbaren Wohnraum aus der
Fabrik. Das Land braucht bis 2020 jedes Jahr 350 000 neue Woh-
46 Movie, Pure Mozart, Brazil, Opera und mehr: 26 Angebote nungen. Wird die industrielle Herstellung die Lösung?
sind es bei Klassik Radio. NRJ Urban, NRJ Rock, NRJ Hits for
Girls und mehr: 25 Angebote hat Radio Energy. Das alte Radio 52 Die Deutschen lernen das Fliegen: Während in Bottrop schon

reagiert auf Spotify & Co. – mit Subchannels im Internet. Gab seit 2008 ein Windkanal steht, war der Rest von Deutschland
es vor einem Jahr noch 257 spezielle Streams, waren es Anfang an Indoor-Skydiving kaum interessiert – bis jetzt. Plötzlich än-
2017 schon 456. Radio war noch nie so individuell wie heute. dert sich das. 2017 eröffnen gleich sieben Tunnel: Fly Vision und

wagen , etwas versu- 25-kœpfig seine l¡tzte B„stelschere der T¡rroranschlag, ¿e die }nterwelt seri¡ll
chen, obwohl es ein großes , hier: mit 25 Kindern hergeben , krimineller Versuch , ≈ Aktivitäten von krimi- , so, dass man in großer
Risiko gibt, dass es ein , Wortspiel mit: sein von Terroristen, jemanden nellen Personen Zahl Gleiches herstellt
die B„ckkunst, ¿e
Misserfolg wird letztes Hemd hergeben = totzumachen (oft aus
, Wissen und Können, wie die Begeisterung der Pl„ttenbau, -ten
bereit sein, alles zu tun, was politischen Gründen)
der }mkreis , nahe man backt , Gefühl großer Freude; , (meistens) hohes Haus
andere wollen
Umgebung … “st aus den Fugen (gera- Enthusiasmus aus Betonplatten
diejenigen , hier: ≈ alle
das Sortim¡nt, -e ten). , … ist in Unordnung
deutlich , hier: stark die Meute , hier: aggres- (die Betonplatte, -n
die K“ndertagesstätte, -n , ≈ Warenangebot (gekommen).
sive Gruppe von Menschen , flaches Stück aus einem
s“ch kr„nkmelden , ≈ Kindergarten
das T„schentuch, ¿er p¶stfaktisch sehr harten Baumaterial)
, sagen, dass man krank die Pegida
das G¢mmibärchen, - , kleines, viereckiges , ≈ so, dass wahre und
ist, oder eine schriftliche , kurz für: Patriotische der W“ndkanal, ¿e
Stück Stoff oder Papier, beweisbare Tatsachen
Collage: Daniel Kluge

, Süßes aus weicher, elas-


Bestätigung vom Arzt Europäer gegen die Islami- , technische Anlage für
tischer Substanz, meistens mit dem man sich die Nase weniger wichtig sind als
schicken, die sagt, dass man sierung des Abendlandes Aerodynamiktests;
in Tierform sauber macht Emotionen
krank ist ≈ Windtunnel
(das Abendland
das Zeitalter, -
, westliche Kultur)
, ≈ Epoche; Zeit
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 23
24 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017

FlyHaus in Frankfurt, Fly Station Munich und Jochen Schwei- sie ein Flüchtling aus Damaskus. Jetzt ist die imaginäre Durch-
zer Wind Tunnel in und bei München, Hurricane Factory und schnittsbürgerin auch wieder auf all den Mustern für den neuen
Windobona in Berlin und Windobona Hamburg. Frischer Wind deutschen Reisepass zu sehen, so sicher wie noch nie. Sogar als
für Deutschland. Hologramm. Übrigens: Im Telefonbuch stehen zwei echte Erika
Mustermanns, sie wohnen in Siegen und in Augsburg.
53 Diese Lkw sind anders. Genauer: ihr Anhänger. Denn er hört

und hört einfach nicht auf – 25 Meter ist er lang. Jahrelang 57 Den Audi R8 gibt es jetzt für wenige Hundert Euro mehr mit

wurde getestet, seit Januar sind Gigaliner in vielen Teilen von individuellem Wunsch-Symbol auf dem Lack. Ein paar Hun-
Deutschland zugelassen. Werden die Giganten jetzt also normal dert Euro – das ist nicht viel bei einem Auto, das weit mehr als
im Straßenbild? Experten erwarten bald bis zu 10 000 XXL-Lkw 150 000 Euro kostet. So wird der individuelle Look bei diesem
auf deutschen Straßen. Modell durch eine neue Technik wahrscheinlich zum Standard.
Und das nicht nur bei diesem Luxuswagen: Die Industrie kann
54 Dass der Restaurantführer Gault&Millau einen wie Andreas immer mehr Produkte extrem günstig individualisieren. Spe-
Krolik zum Koch des Jahres 2017 macht, wäre vor Kurzem noch ziell wird normal.
undenkbar gewesen. Gewonnen hat der 42-Jährige, weil er nicht
nur besonders gut kochen kann, sondern auch „einer der besten Davon gibt es immer mehr:
Gemüseköche Deutschlands“ ist. Und damit liegt der Küchen- 58 Bundestagsabgeordnete – weil ihre Zahl laut Prognosen nach

chef des Frankfurter Lokals Lafleur im Trend: Das Interesse an der Wahl am 24. September von 630 auf 695 steigen könnte.
vegetarischer und veganer Ernährung boomt. Die Zahl der Dann aus bis zu sieben statt aktuell fünf Parteien.
vegetarischen Restaurants hat sich 2016 fast verdoppelt, inzwi- 59 Bio-Mineralwasser – weil konventionelles Mineralwasser

schen gibt es in Deutschland 616 davon – und 161 vegane Res- immer häufiger Rückstände enthält.
taurants. Gleichzeitig kaufen nach vielen Boom-Jahren aber seit 60 Carsharing-Autos – weil inzwischen auch alle großen Auto-

ein paar Monaten weniger Menschen Fleischersatzprodukte. firmen Carsharing anbieten.


Ein Grund: Tester hatten in vielen davon Mineralöl gefunden. 61 Obst und auch Gemüse im Einmachglas – weil die Jungen

wiederentdecken, was für die Alten einmal ganz normal war.


55Jetzt auch noch eine Bank. Nicht irgendeine, sondern die 62 Englisch im Berufsleben – weil die deutsche Arbeitswelt im-

Deutsche Bank. Das chinesische Unternehmenskonglomerat mer internationaler wird.


HNA ist seit Kurzem ihr drittgrößter Aktionär. Die Chinesen 63 Integrationskurs-Teilnehmer – weil die vielen Zuwanderer

kommen: Für mehr als 11,6 Milliarden Euro kauften Firmen aus im letzten Jahr mit 317 000 fast doppelt so viele Kursplätze be-
Fernost zwischen Januar und Oktober 2016 deutsche Firmen – nötigten wie 2015.
das waren mehr als 20-mal so hohe Investitionen wie 2015 und 64 Outlet-Center – weil Fabrikverkaufszentren in ganz Europa

viel mehr als in all den Jahren davor. Allein der Industrierobo- boomen und jedes dritte neue in Deutschland gebaut wird.
ter-Hersteller Kuka kostete 4,6 Milliarden. Was kommt noch? 65 Rauchmelder – weil sie jetzt in fast allen Gebäuden Pflicht sind.
66 Rente – weil die Renten nicht nur zum 1. Juli 2016 in West-
56 Erika Mustermann ist eine multiple Persönlichkeit, man muss deutschland um 4,25 Prozent und in Ostdeutschland um 5,95
es so sagen. Geboren am 12. September 1945 (und am 12. August Prozent erhöht wurden – so stark wie seit 23 Jahren nicht mehr.
1957 und am 12. August 1964) in München (und Berlin) ist sie Sondern weil sie bis 2021 pro Jahr noch um weitere zwei bis drei
Ordensschwester, arbeitet aber auch im Bundeskriminalamt Prozent steigen sollen.
(Dienstmarkennummer 4711) und als Soldatin – außerdem ist 67 Smartphones – weil inzwischen 78 Prozent eines haben.

der fr“sche W“nd “m Tr¡nd liegen das Unternehmens- allein , hier: nur die Dienstmarkennum- der R•ckstand, ¿e
, gemeint ist hier: etwas , ≈ modern sein konglomerat, -e mer, -n , ≈ Nummer , Rest; etwas einer Sub-
multipel , hier: ≈ so,
Neues; etwas Interessantes , Gruppe von Firmen mit eines Ausweises, den ein stanz, das übrig bleibt
das Fleischersatzprodukt, dass es viele verschiedene
geschäftlichen Aktivitäten Zivilpolizist hat
der [nhänger, - -e , Lebensmittel, z. B. davon gibt das Einmachglas, ¿er
in verschiedenen Wirt-
, hier: Wagen ohne Tofu, das ähnlich wie Fleisch (der Zivilpolizist, -en , besonderes Glas, in das
schaftsbereichen die {rdensschwester, -
eigenen Motor, der hinten oder Wurst geformt ist , Polizist, der keine man konservierte Lebens-
, Frau, die sich in ihrem
an ein Transportmittel der Aktionär, -e Uniform trägt) mittel legt
das Mineralöl, -e , Erdöl Leben in einer religiösen
gehängt wird , hier: Firma, die Aktien
Gruppe von Frauen genau das M¢ster, - der Zuwanderer, -
besitzt
zugel„ssen sein , hier: an den Regeln der Religion , hier: Beispiel , ≈ Immigrant
eine Fahrerlaubnis haben (die [ktie, -n orientiert
der B¢ndestagsabgeord- benötigen , brauchen
, Dokument über den
das Straßenbild nete, -n , Mitglied im
Besitz eines bestimmten der Rauchmelder, -
, hier: ≈ Straße mit allen deutschen Parlament
Teils des Kapitals und des , Gerät, das bei Rauch ein
Verkehrsmitteln, wie man
Gewinns einer Firma) Alarmsignal gibt
sie normalerweise sieht
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 25

68 Stylishe Outdoor-Mode – weil sehr viele Menschen von kon- 82 Situationen, in denen sich Leute siezen – weil jetzt auch Chefs

ventioneller schon genug im Schrank hängen haben. von großen Firmen wie Klaus Gehrig von Lidl/Kaufland einfach
69 Verkehrsunfälle – weil es durch immer mehr Autos auf den „der Klaus“ sind.
Straßen auch immer häufiger zu einem Unfall kommt: 2016 mit 83 Sonntagsleerungen bei Briefkästen – weil nicht einmal werk-

2,6 Millionen Mal so oft wie noch nie. tags noch viele Briefe eingeworfen werden.
70 Offene WLAN-Netze – weil Betreiber nach Wunsch der Re- 84 Strom fürs gleiche Geld – weil die Strompreise durch den

gierung bald nicht mehr haften müssen, wenn Dritte ohne ihr Ausbau von erneuerbaren Energien stark gestiegen sind und
Wissen über ihr Netz illegal handeln. weiter steigen – so stark, dass die Inflation in Deutschland mit
2,2 Prozent so hoch ist wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr.
Davon gibt es immer weniger: 85 Stammtische – weil sie spätestens mit den Rauchverboten in
71 Amalgam als Zahnfüllung – weil die gesundheitlichen Risiken den Kneipen für die meisten Menschen nicht mehr interessant
von Quecksilber immer bekannter werden und diese Zahnfül- waren.
lung im nächsten Jahr in Europa für Kinder und Schwangere 86 Verkehrstote – weil Autos immer sicherer werden und so

sogar verboten wird. 2016 nur noch 3214 Menschen bei einem Verkehrsunfall star-
72 Dieselfahrzeuge – weil Volkswagen viel versprach, aber we- ben, so wenige wie seit 60 Jahren nicht mehr.
nig hielt, und weil die Zukunft dieser Technik unsicher ist. 87 Zeitungen und Zeitschriften im Flugzeug – weil jetzt auch
73 Ersatzräder in Autos – weil es kaum noch Plattfüße gibt. die Lufthansa sie abschafft und stattdessen E-Paper anbietet.
74 Fußgängerzonen – weil nicht nur in Gelsenkirchen-Horst und

Wanne-Mitte immer weniger Menschen in die Läden kommen. 88 Emsbürens letzte Telefonzelle gibt es nicht mehr. Zuletzt
75 500-Euro-Geldscheine – weil die Europäische Zentralbank machte die Telekom in der niedersächsischen Kommune noch
ab Ende 2018 keine neuen mehr druckt. zehn Euro Umsatz damit – pro Monat. Auch wenn zurzeit vie-
76 Grüne Pfeile – weil das Verkehrszeichen zwar die Deutsche le Telefonzellen verschwinden, bleiben in Deutschland rund
Demokratische Republik überlebt hat, aber jetzt an immer mehr 29 000 davon noch eine Weile stehen. Den vielen handylosen
Orten nicht mehr den Prozess der Reduzierung der Zahl der Ver- Senioren zuliebe.
kehrszeichen überlebt.
77 Kinder, die noch unbeschwert in der Natur spielen dürfen 89 Alter: 13, Familienstand: verheiratet. Die Deutschen disku-

– weil heute eins eine Frischluft-Allergie hat, das andere eine tieren plötzlich über Kinderehen. Was für sie undenkbar ist, ist
Sand-Intoleranz und das nächste aus ethischen Gründen ge- durch die Flüchtlingskrise plötzlich Realität. Was tun mit den
genüber den Waldinsekten nicht raus darf. rund 1500 verheirateten minderjährigen Ausländern im Land?
78 Metzgereien – weil die Deutschen nicht nur immer weniger

Fleisch essen, sondern viele es auch lieber möglichst billig im 90 Es ist kurz nach Mitternacht, als mitten in Berlin ein weißer

Supermarkt kaufen. Audi A6 TDI und ein Mercedes AMG CLA 45 an der Grenze
79 Piraten in der Politik – weil die Piratenpartei vor lauter Pro- des technisch Möglichen fahrend nach elf ignorierten Ampeln
test und internen Debatten an sich selbst gescheitert ist. mit einem Jeep kollidieren. Der Fahrer des Jeeps ist sofort tot.
80 kostenlose Plastiktüten – weil immer mehr Händler keine Ein Jahr später stehen Marvin N. und Hamdi H. vor Gericht,
Angst mehr haben, wegen Gebühren für die Tüten Kunden zu wie in der letzten Zeit viel zu viele junge Männer in Köln und
verlieren. Konstanz, Berlin und Frankfurt, Stuttgart und Bremen. Für all
81 Pokemon-Go-Spieler – weil das, was schnell kommt, meis- diese Männer sind Autos Fetische. Auch für N. und H., aber ihr
tens auch wieder schnell geht. Fall wird Rechtsgeschichte schreiben. Zum ersten Mal werden

der Betreiber, - das Qu¡cksilber ¢nbeschwert , ohne die erneuerbaren Energien die Telefonzelle, -n Den … zuliebe.
, hier: Person oder Firma, , silberfarbenes, che- Sorgen und Probleme Pl. , Energien, die immer , öffentliches Telefon an , ≈ Um … zu unterstützen.
die ein kostenloses WLAN- misches Element Hg, das wieder neu entstehen (z. B. der Straße
vor lauter Prot¡st m“nderjährig
Netz anbietet früher in Thermometern Wasserkraft, Wind und
, hier: ≈ weil sie zu viel zu verschw“nden , unter 18 Jahren
verwendet wurde Solarenergie)
h„ften , verantwortlich tun haben, um gegen alles , hier: weggemacht
der F„ll, ¿e , hier: krimi-
sein; hier: zahlen müssen der Pl„ttfuß, ¿e zu protestieren der St„mmtisch, -e werden
nelle Sache, die untersucht
, hier: m Reifen, der , Tisch in einer Gaststätte,
die Zahnfüllung, -en int¡rn eine Weile , längere Zeit werden muss
keine Luft mehr hat der für Gäste reserviert ist,
, ≈ Menge einer speziellen , hier: innerhalb der Partei
die sich regelmäßig dort R¡chtsgeschichte
Substanz, die in einen Zahn der Pfeil, -e
scheitern treffen schreiben
gemacht wird, um ihn zu , hier: Signal an der
, keinen Erfolg haben , in der Rechtsgeschichte
reparieren Ampel, das zeigt, dass man „bschaffen , hier: nicht
historisch wichtig werden
rechts abbiegen darf der Ausbau mehr anbieten
, von: ausbauen = hier:
überleben , hier: weiter stattd¡ssen
sich darum kümmern, dass
benutzt werden , hier: ≈ im Gegenteil dazu
es mehr Angebot gibt
26 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH Deutsch perfekt 4/ 2017
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCHLAND VERÄNDERT SICH 27

zwei Teilnehmer eines illegalen Autorennens wegen Mordes 95 Parken, einstecken – und dann erst einmal stehen: Fahrer von

zu lebenslanger Haft verurteilt. Und nach vielen ähnlichen Pro- Elektroautos müssen beim Stromtanken geduldig sein. Aber
zessen, die alle mit milden Strafen endeten, hofft Deutschland: wenigstens steigt die Zahl der Ladestationen rasant: Gab es in
Ist das die Wende im Kampf gegen die tödliche Gefahr in deut- Deutschland 2015 noch 5571 Stromtankstellen, waren es 2016
schen Großstädten? schon 24 667 – und in den nächsten drei Jahren sollen noch ein-
mal 15 000 dazukommen. Noch aber ist die Situation paradox:
91 Gemma Ripol Soler mag München, aber das hat der Spanierin Weil es zu wenige Lademöglichkeiten gibt, kaufen zu wenige
noch gefehlt: eine Tapas-Bar mit modernem Ambiente. So hat Menschen Elektroautos – und so bleiben die wenigen Ladesta-
sie nach ihrem Abschied aus Barcelona selbst eine eröffnet. Jetzt tionen leer.
ist das Barna eine der besten Tapas-Bars der bayerischen Metro-
pole – und nur eine von Tausenden guten Ideen, die die vielen 96 Es ist eine Premiere in Deutschland: Die Kinderwunsch-Tage

Zuwanderer ins Land bringen. In dem leben jetzt 82,8 Millionen an einem Wochenende im Februar in Berlin. Der Veranstalter,
Menschen, so viele wie noch nie – und auch 300 000 mehr als eine Agentur aus England, lockt mit dem Traum vom eigenen
2002, im bisherigen Rekordjahr. Baby. Denn viele Paare versuchen vergeblich, Eltern zu werden.
Die Veranstaltung ist so beliebt wie umstritten, denn es gibt In-
92 Gerechtigkeit: ein Lieblingsthema der Deutschen. Auch die formationen über Verfahren der Reproduktionsmedizin, die in
Deutsche Bahn will jetzt ihren Beitrag zur Debatte leisten. Seit Deutschland illegal sind. Zum Beispiel die Eizellenspende oder
Jahresbeginn bietet sie in den ICEs kostenloses WLAN auch in die Leihmutterschaft. Aber die Angebote sind gefragt – auch
der zweiten Klasse an. Werden jetzt also alle Fahrgäste das Un- wenn Paare ins Ausland reisen müssen, um die strengen deut-
glück teilen, dass ihre Internetverbindung im entscheidenden schen Gesetze zu umgehen.
Moment unterbrochen wird?
97 24 Milliarden Euro Gewinn machte der Staat 2016, so viel
93 320 000 Coffee-to-go-Becher verbrauchen die Deutschen wie seit mehr als 25 Jahren nicht mehr. Nur Jens Weidmann,
– pro Stunde. Freiburg hat jetzt genug von dem Bechermüll: der spielte nicht mit: Nicht wie erwartet 2,5 Milliarden, son-
FreiburgCup heißt der neue Mehrwertbecher, den Kunden in dern nur 400 Millionen Euro hat der Präsident der Bundesbank
mehr als 60 Cafés und Bäckereien bekommen und auch wieder an das Finanzministerium unter Minister Wolfgang Schäuble
zurückgeben können. Nicht nur diese Stadt, die seit bald 15 Jah- überwiesen, so wenig wie seit 2004 nicht mehr. Eine Vorsichts-
ren von einem grünen Bürgermeister regiert wird, tut das: In maßnahme in schwierigen Zeiten. Reiches Deutschland, armer
Regensburg, Erlangen, Castrop-Rauxel, Paderborn und immer Finanzminister.
mehr anderen Orten im ganzen Land gibt es ähnliche Projekte.
Drei Tweets, die typisch sind für unsere Zeit:
94 Maxdome machte im Januar mit der Buddy-Serie „Jerks“ mit 98 Warum eigentlich EILMELDUNG, wenn jemand gestorben

den deutschen Schauspielern Christian Ulmen und Fahri Yar- ist? Aus Angst, dass sich das möglicherweise ganz schnell wieder
dim den Anfang. Im März folgte „You Are Wanted“ von und mit ändert?
Matthias Schweighöfer auf Amazon. Und Netflix bringt Baran 99 3 großartige Kulturbauten in wenigen Wochen eröffnet:

bo Odars Serie „Dark“. 2017 ist das Jahr der ersten deutschen Ei- @elbphilharmonie @MuseumBarberini @boulezsaal. Das
genproduktionen bei Video-on-Demand-Anbietern. Mal sehen, spricht für unsere #Gesellschaft.
ob das deutsche Publikum das mag. 100 Was wurde eigentlich vor Trump getwittert?

die H„ft , hier: Gefängnis der ICE, -s , kurz für: die Ladestation, -en umstr“tten , so, dass die Leihmutterschaft, -en m“tspielen
Intercityexpress , Station, an der man es Stimmen dafür und , ≈ Situation, dass eine , hier: wirtschaftliche
(das Gefængnis, -se
Energie in einer Batterie Stimmen dagegen gibt Frau ein Baby bekommt Aktivitäten mitmachen
, Gebäude, in das Krimi- unterbr¡chen
speichern kann für eine andere Frau, die
nelle geschlossen werden) , hier: plötzlich stoppen die Eizellenspende, -n die Vorsichtsmaßnahme,
das aus gesundheitlichen
ras„nt , sehr schnell , ≈ Erlaubnis einer Frau, -n , Handlung, die man
die W¡nde der B¡cher, - , Gegen- Gründen nicht kann
einer anderen Frau ihre aus Vorsicht macht
, hier: entscheidende stand, aus dem man trinkt die Agentur, -en
Eizellen für eine Schwan- gefragt sein , hier: viele
Änderung , Firma, die einen Service möglicherweise
genug haben v¶n gerschaft zu geben Interessenten haben
für Privatpersonen oder , ≈ vielleicht
der [bschied, -e , nicht mehr wollen
andere Firmen anbietet (die Eizelle, -n , hier: str¡ng , hier: sehr genau;
, Moment am Ende eines spr¡chen für , hier:
der Mehrwertbecher, - ≈ kleinstes Teil im weibli- ≈ radikal
Treffens; hier: Verlassen der l¶cken zeigen, dass … tun kann
Collage: Daniel Kluge

, Becher, den man mehr- chen Organismus, aus dem


Heimat , hier: so neugierig umgehen , hier: Metho-
mals verwendet ein Baby entstehen kann)
machen, dass man an einen den verwenden, um trotz
seinen Beitrag zu … leisten
ged¢ldig speziellen Ort kommen will bestimmter Vorschriften
, hier: freiwillig machen,
, so, dass man ruhig und Regeln ein Baby
um für … etwas Gutes zu tun
warten kann bekommen zu können
Kaufen,
kaufen, kaufen!
Fotos: iStock
Deutsch perfekt 4 / 2017 DOSSIER KONSUM 29

Die Wirtschaft
kann sich freuen: Eine Übung zu diesem Text
Geld haben die finden Sie auf Seite 47.
Deutschen. Und
sie geben es
gern aus.

Geld regiert die Welt. Und Konsum ist der


Motor der Wirtschaft. Gleichzeitig wird durch
neue Technologien das Einkaufen anders –
und damit auch das Leben der Menschen in
Deutschland. Von Claudia May MITTEL

E
s ist eine seltsame Liebe der Deutschen.
der Konsum
Eine Liebe, die schneidet, rührt, kocht und , ≈ Kauf vieler Produkte
dampfgart – und dabei ziemlich laut wer-
der Motor, Motoren
den kann. Das alles kann der Thermomix, , hier: ≈ Kraft, durch die
die Küchenmaschine der Wuppertaler die etwas funktioniert
Firma Vorwerk. Der Preis: 1199 Euro. Dazu kommen rühren , durch Kreisbe-
noch Kosten für Rezeptbücher und -chips. In den wegungen mischen
meisten Küchen kosten höchstens Großgeräte wie d„mpfgaren
, ≈ mit Dampf kochen
der Kühlschrank ähnlich viel. Trotzdem machte Vor-
werk 2015 nur in Deutschland 429 Millionen Euro (der D„mpf
, Wasser, das als Nebel
Umsatz mit seiner Maschine. Und als der Discounter hochsteigt, wenn es min-
Aldi im selben Jahr einen billigen Klon für 199 Euro destens 100 Grad heiß ist)
in seinen Läden anbot, prügelten sich Kunden. An der Rez¡ptchip, -s
ein paar Orten musste die Polizei kommen. , Computerchip, auf dem
Rezepte gespeichert sind
Trotzdem muss auch der größte Thermomix-Fan
zugeben: Die Küchenmaschine ist zwar praktisch. der }msatz, ¿e
, Summe aller Verkäufe in
Aber man kann auch gut ohne sie leben. Warum einer speziellen Zeit
geben Hunderttausende Deutsche trotzdem so
s“ch prügeln , einer den
viel Geld dafür aus? Ist es das Prestige, einen Ther- anderen sehr stark schlagen
momix zu besitzen? Vielleicht. Die Maschine ist in zugeben
deutschen Küchen inzwischen ein Statussymbol – , hier: ehrlich sagen
und als Produkt der starken Marke Vorwerk auch ein die M„rke, -n , Produkt
Symbol für Qualität. mit bekanntem Namen
„Deutsche Hersteller haben national und inter- exzell¡nt , sehr gut
national ein exzellentes Qualitätsimage“, sagt auch die Biolebensmittelbran-
Peter Pirck, Spezialist für Markenstrategie bei der che , Branche, die Lebens-
Brandmeyer Markenberatung. „Das macht uns stark mittel mit ökologischen
Methoden herstellen lässt
im Export.“ Auch unter den Top 10 der Lieblingsmar- und verkauft
ken der Deutschen finden sich nach einer aktuellen
der Verbraucher, -
Untersuchung der Beratungsfirma sechs deutsche , Person, die Waren kauft
Marken – nämlich Adidas, BMW, Mercedes Benz, und benutzt
VW, Audi und eine Firma aus der Biolebensmittel- heimisch , hier: aus dem
branche, nämlich Alnatura. „Es gibt einen globalen eigenen Land

Trend zu regionalen Produkten“, erklärt Pirck. „Es ist schætzen , hier: wissen,
dass etwas gut ist
also in allen Ländern so, dass Verbraucher heimische
Marken sehr schätzen.“

In diesem Dossier
28 32 36
FEATURE QUIZ INTERVIEW
Wie die Deutschen Zehn Produkte – Kann man sich
einkaufen welche sind deutsch? glücklich kaufen?
30 DOSSIER KONSUM Deutsch perfekt 4 / 2017

Aber das Label „Made in Germany“ die Hälfte dieser Gruppe kauft außer-
der F„ktor, Faktoren das Z¡ntrum für
als einziges Charakteristikum ist natür- dem „lieber preiswertere Ware und dafür , ≈ objektive Sache; maschin¡lles L¡rnen
lich noch nicht genug, damit eine Marke öfter etwas Neues“. Und das, obwohl das Komponente , ≈ Zentrum, in dem
Erfolg hat. Für die Brandmeyer Marken- Institut für Demoskopie Allensbach den Software und Algorithmen
attraktiv
entwickelt werden, mit
kommunikation gibt es fünf Faktoren, die Deutschen bei Mode eine „ausgesproche- , hier: ≈ interessant
denen man das Kaufver-
Marken stark machen: die Unterschiede ne Affinität zu Markenprodukten“ bestä- die Präs¡nz , hier: ≈ halten der Kunden besser
zu anderen Anbietern, gute Produkte, at- tigt, die schon seit ein paar Jahren anhält. Angebot eines speziellen analysieren kann
Produkts im Laden
traktives Design, Präsenz und Nähe – und Das macht deutlich: Firmen müssen ber¡chenbar , hier: so,
der Sp¶rtartikel- dass man weiß, was jemand
die richtige Werbung. „Der US-Sportarti- sich auf verschiedene Kunden mit sehr hersteller, - , Firma, die kaufen will und wird
kelhersteller Nike ist zusammen mit Adi- verschiedenen Wünschen einstellen. Ab- Produkte für Sport herstellt
der Verbraucherschützer, -
das auf Platz 1 der beliebtesten Marken in hängig davon, welche Ware sie anbieten der Pl„tz, ¿e , Organisation, die den
Deutschland. Das liegt sicher auch an der und welche Gruppe sie erreichen wollen, , hier: Position Verbraucher schützen will
sehr guten Kommunikation mit den Kun- müssen sie einen anderen Verkaufskanal und ihm Informationen über
beliebt , populär
Produkte gibt
den“, erklärt Pirck. „So war im letzten Jahr und einen anderen Stil für ihre Werbung Das liegt „n … , hier: Ein
s“ch bemühen , hier: mit
ein Werbespot mit dem portugiesischen wählen. Keine leichte Aufgabe. Deshalb Grund dafür ist …
Argumenten versuchen,
Fußballspieler Cristiano Ronaldo extrem ist es für den stationären genau wie für der W¡rbespot, -s engl. dass die Verbraucher nicht
populär, in dem er mit einem Jungen die den Onlinehandel so interessant, Daten , kurzer Film, der für ein mitmachen
Produkt Werbung macht
Rollen tauscht. Der wurde millionenfach zu sammeln. Denn mit individueller das Bonusprogr„mm, -e
tauschen , hier: die Iden- , ≈ Rabatt- oder Vorteils-
geklickt.“ Besonders gut gefiel das dem Werbung und Angeboten, die sich ge-
tität und das Aussehen zu programm
jungen Publikum: Bei den Deutschen nau an den Wünschen des Einzelnen dem einer anderen Person
n¢tzen , hier: mit-
von 14 bis 29 Jahren gibt es sogar nur ei- orientieren, steigt die Chance, etwas zu ändern und dieser Person
machen, um selbst das
nen ersten Platz bei den Lieblingsmarken verkaufen. die eigene Identität und das
Beste von einer Sache zu
eigene Aussehen geben
– und dort steht Nike. Im Netz sollen Algorithmen wie ein bekommen
millionenfach
Das ist positiv für die Firma: Im Teen- digitaler Berater funktionieren. Online- die Studie, -n
, viele Millionen Mal
, systematische
ageralter lenken nicht selten Logos das händler wie Amazon vergleichen zum
sogar , ≈ auch Untersuchung
Leben. Wer in sein will, muss das teure Beispiel das Kaufverhalten: Dir hat ein
l¡nken , hier: einen so das M„rktforschungs-
Spiel mitspielen und die gerade belieb- Buch von Thomas Mann gefallen? Dann unternehmen, -
starken Effekt haben, dass
testen Marken kaufen. ist vielleicht auch die Familiengeschichte Schüler Marken kaufen , Firma, die ökonomische
Aber passt das denn zum Klischee? der Manns von Tilmann Lahme etwas für Konditionen für Angebot
die Demoskopie und Kaufinteresse der
Wollen die Deutschen nicht so billig wie dich. Oder wie wäre es mit der Biografie , Untersuchung der Mei- Menschen untersucht
möglich einkaufen? Ja und nein – man von Hans Fallada? Der ist nämlich auch nung vieler Menschen
muss auf jeden Fall unterscheiden, was ein interessanter deutscher Autor. Und das Magazin, -e
, hier: Zeitschrift
eingekauft wird. Denn Brot und Butter so geht es immer weiter. Das System ist
sind nicht mit Schuhen oder Kleidern zu komplex. Denn nicht nur der Vergleich der Onlinehandel engl.
, Kauf und Verkauf im
vergleichen. des Kaufverhaltens verschiedener Kun- Internet
Lebensmittel kaufen Deutsche im- den gibt Antworten. Auch Posts, Kom-
dafür , hier: ≈ weil sie
mer noch gern in Discountern wie Aldi mentare und das Surfverhalten werden schnell kaputtgeht
oder Lidl ein, heute sogar noch öfter als analysiert. Es ist ein dauernder Kampf um
ausgesprochen
früher. Das zeigt eine Untersuchung des Informationen. Deshalb gibt es in Berlin , extrem; sehr
Instituts für Demoskopie Allensbach im seit 2015 ein Zentrum für maschinelles die Affinität , hier:
Auftrag des Frankfurter Allgemeine Maga- Lernen von Amazon. Es ist das dritte nach großes Interesse
zins. Waren es vor 30 Jahren noch 63 Pro- den großen Zentren in Bangalore und Se- „nhalten , hier: dauern
zent der Deutschen, die zum Discounter attle. Das Ziel: Der Mensch soll berechen- s“ch einstellen auf
gingen, sind es heute 84 Prozent. Außer- bar werden. , hier: sich orientieren an
dem werden Lebensmittel von fast allen Das funktioniert auch im stationären stationär , hier: im
im Laden gekauft – nur drei Prozent der Handel ziemlich gut. Denn so sehr sich Laden; im Geschäft
Deutschen bestellen sie online. Im On- Verbraucherschützer auch bemühen – die digital , hier: so, dass es
linehandel ist kein Produkt so beliebt wie Deutschen lieben Bonusprogramme. Fast ein Computer macht
Kleidung: Aktuell kaufen sie 42 Prozent drei Viertel von ihnen nutzen eins, sagt der Onlinehändler, - engl.
, Verkäufer im Internet
der Deutschen vor allem dort. Interessant eine Studie des Marktforschungsunter-
ist auch hier der Blick auf die jüngeren nehmens Nielsen. In ganz Europa zusam- das Kaufverhalten
, Art, wie und was jemand
Menschen: Bei den unter 30-Jährigen ge- men sind es 66 Prozent. Mit vielen dieser einkauft
hen nämlich sogar 63 Prozent zum Klei- Programme, wie zum Beispiel Payback
dershoppen gern online. Und ungefähr mit seinen 20 Millionen Nutzern, lässt
Deutsch perfekt 4 / 2017 DOSSIER KONSUM 31

sich das Kaufverhalten ziemlich genau analysieren.


die Prämie, -n , hier:
Es ist schon paradox: Die meisten Deutschen haben Gegenstand, den man
Angst um ihre Daten. Aber wenn beim Einkaufen bekommt
kleine finanzielle Vorteile oder eine neue Bratpfan- gegen Zuzahlung
ne als Bonus angeboten werden, ist das alles plötz- , ≈ wenn man noch etwas
bezahlt
lich egal. Und: Viele der als so günstig vorgestellten
Prämien gibt es nur gegen Zuzahlung. Da werden der Treuepunkt, -e
, ≈ virtuelles Emblem
es dann außer den Treuepunkten und -herzen noch oder runder Aufkleber, das
ein paar Euros mehr. Für die Anbieter ein gutes Sys- oder den man für gekaufte Lebensmittel kaufen fast
Produkte bekommt: Bei alle Deutschen selbst
tem, um mehr (auch zu teure) Waren einfacher zu im Laden – und das sehr
einer großen Zahl davon
verkaufen. bekommt man Rabatt
gern bei Discountern.
Natürlich gibt es auch Bonusaktionen, bei denen beim Kauf eines größeren
Produkts.
keine Daten gesammelt werden. Bei diesen kann
man dann zum Beispiel Stempel sammeln und den (der Aufkleber, -
, Zettel, den man auf
elften Kaffee in der Bäckerei kostenlos bekommen. etwas kleben kann)
Aber auch so einen Bonus geben die Händler ihren
der W¡ttbewerbsvorteil,
Kunden nicht nur, weil sie nett sein wollen. Sie haben -e , hier: Vorteil im Kampf
dadurch einen Wettbewerbsvorteil. „Unsere Studie um Kunden
zeigt, dass die Deutschen die Einzelhändler bevor- der Einzelhändler, -
zugen, die ein entsprechendes Programm anbieten“, , Geschäft; Laden;
Supermarkt
sagt auch Ingo Schier von Nielsen Deutschland.
Und der Kampf um den deutschen Kunden lohnt bevorzugen
, hier: lieber mögen als
sich – denn Geld zum Ausgeben haben die Deut- andere
schen. Die Konsumfreude im letzten Jahr hat einen entspr¡chend
großen Teil zum stärksten Wirtschaftswachstum des , hier: so, wie die Kunden
Landes seit fünf Jahren beigetragen. Dieses war, wie es wünschen
das Statistische Bundesamt berichtet, 2016 um 1,9 s“ch lohnen , hier: einen
Prozent höher als im Jahr davor. finanziellen Vorteil bringen

Geht dieser positive Trend immer so weiter? Hilft die Konsumfreude


, Spaß am Konsum
das Konsumverhalten der Deutschen auch noch in
zehn, 20 Jahren der Wirtschaft? Und worauf müssen (einen großen Teil)
beitragen zu , hier: einer
sich Händler einstellen? Dazu gibt es verschiedene der wichtigsten positiven
Prognosen mit unterschiedlichen Szenarien. Die Effekte sein für
Studie Handel 2036 – Wie kauft Deutschland übermorgen das W“rtschaftswachstum
ein? der Teleshopping-Firma QVC beschreibt einige , das Wachsen der
Wirtschaft
Optionen. So denken 22 Prozent aller Deutschen
beim Shopping der Zukunft an „virtuelle Einkaufs- m“ttels , mithilfe; mit

welten, die mittels Brillen betreten werden“. 37 Pro- betreten , hineingehen in


zent erwarten „den digitalen Assistenten in der Um- erw„rten
kleidekabine, der das Hemd in einer anderen Größe , hier: wollen; meinen,
dass es … geben wird
besorgt“. Außerdem wäre da noch der Kühlschrank,
die }mkleidekabine, -n
der Milch und Butter gleich selbst bestellt. Auch
, Ort, an dem man die
die Sharing Economy könnte noch viel mehr Fans Kleidung wechselt
gewinnen: Warum kaufen, wenn man auch mieten bes¶rgen , holen
kann?
nahe , hier: so, dass sie
Ob das alles wirklich so kommt, weiß man erst in bald da ist
20 Jahren. Aber ein Blick in die nahe Zukunft zeigt, Ges¡llschaft leisten
dass sich der Handel freuen kann: Eine Prognose des , hier ironisch: zu ihm
Marktforschungsinstituts GfK erwartet für 2017 gestellt werden und bei
ihm bleiben, damit er nicht
„steigende Umsätze im Einzelhandel in Deutsch- allein ist
Fotos: Shutterstock

land“. Das bedeutet auch: noch mehr Daten für die


Anbieter der Bonusprogramme. Und noch mehr
Prämien-Bratpfannen, die dem Thermomix in den
deutschen Küchen Gesellschaft leisten.
32 DOSS ER KONSUM Deu sch pe ek 4 20 7

...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Hautcreme
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
von N vea
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
..................................................................................................................................................................... .........................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................

Woher
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................

komme ich?
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
.............................................................................................................................................................................. ................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Zehn Produkte eine Frage Welche davon
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
sind deutsch welche nicht? Gutes
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
..................................................................................................... .........................................................................................................................................
Marketing macht es nicht immer einfach
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
spontan richtig zu antworten
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
M TTEL
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................. .............................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
........................................................................................................................ ......................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
.................................................................................................................................................................................................................... ..........................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Badre n ger
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Me ster Proper
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
.................................................
Deutsch perfekt 4 / 2017 DOSSIER KONSUM 33

Kopfhörer
von Sennhe ser K nder
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Überraschung
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
..................................................................................................................................................................... .........................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Autos von
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Landw nd
...............................................................................................................................................................................................................................................
.............................................................................................................................................................................. ................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
..................................................................................................... .........................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Mode von
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
D ese
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
................................................................................................................................................................................................. .............................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Tempo-
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
taschentuch
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
L kör
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
........................................................................................................................
O Donne
...............................................................................................................................................................................................................................................
......................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Moonsh ne
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
Asp r ntab ette
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
.................................................................................................................................................................................................................... ..........................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
o

...............................................................................................................................................................................................................................................
Fotos: picture alliance/dpa

...............................................................................................................................................................................................................................................
K ndermode
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
hu

von F nk d
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
...............................................................................................................................................................................................................................................
................
Fo o PR p

D e Lösungen stehen auf der nächsten Se te


34 DOSSIER KONSUM Deutsch perfekt 4 / 2017

Hautcreme von Nivea Mode von Diesel Aspirintablette


Mit der blauen Dose im Badezimmer sind Mit dem Dieselskandal der deutschen Der Name Aspirin wird in vielen Ländern
viele Menschen aufgewachsen. Nivea ist Autofirma Volkswagen haben diese Klei- der Welt als Synonym für Kopfschmerz-
eine der bekanntesten Hautcremes der dungsstücke natürlich nichts zu tun. Mit tabletten verwendet. Was viele nicht
Welt. Nicht total hip, aber irgendwie im- dem Erfinder des Dieselmotors, dem wissen: Das Präparat wird von dem deut-
mer schon da gewesen. Verkauft wird sie Deutschen Rudolf Diesel, auch nicht. schen Pharma- und Chemiekonzern Bay-
von der Beiersdorf AG – einem Konzern Und auch sonst nicht viel mit Deutsch- er produziert. Felix Hoffmann, ein damals
aus Hamburg. Erfinder der Creme ist land – außer, dass man die Sachen hier junger Chemiker der Firma, hat es 1897
der Apotheker Oscar Troplowitz, der die kaufen kann. Das Modelabel ist aus Ita- zum ersten Mal hergestellt.
Beiersdorf AG 1890 gekauft hat. Aber wa- lien. Den Namen wählte Firmenchef
rum der wenig deutsche Produktname? Renzo Rosso wegen der internationalen Kindermode von Finkid
Er kommt vom lateinischen Adjektiv Verständlichkeit. Bei Finkid kauft man nicht nur Mode für
„niveus“ für Schnee: Nivea bedeutet „die die Kleinen – man kauft auch eine Phi-
Schneeweiße“. Tempotaschentuch losophie: Natur, Freiheit und Finnland.
Wenn ein Deutscher fragt: „Hast du ein Diese erklärt die Firma auf ihrer Websi-
Kopfhörer von Sennheiser Tempo für mich?“, dann meint er damit te sehr genau. Nur ein Detail passt nicht
Der Name Sennheiser ist ein Symbol für einfach nur ein Taschentuch. Die Ta- dazu: Finkid ist eine Hamburger Firma.
Premiumsound. Die Kopfhörer des Au- schentücher einer Nürnberger Papierfa- Ein bisschen finnisch ist das teure Label
diospezialisten sind auf der ganzen Welt brik wurden ab 1929 nämlich so bekannt, trotzdem, denn die Mutter von Firmen-
bekannt. Popstars benutzen die Mikrofo- dass ihr Name ein Teil der deutschen chefin Annika Rendel ist Finnin.
ne bei ihren Shows. Aber ob Pink & Co. Sprache geworden ist. Tempo war die
wissen, dass Sennheiser ein deutsches erste Marke für Papiertaschentücher. Der
Traditionsunternehmen ist? Gegründet Name sollte den dynamischen Zeitgeist der Konz¡rn, -e “n deutschen Hænden sein
, Gruppe von Firmen mit , einen deutschen Besitzer
hat es 1945 Fritz Sennheiser in der Nähe in den 20er-Jahren symbolisieren. Heute
gemeinsamer Leitung haben
von Hannover. ist die Marke aber nicht mehr in deut-
der Erf“nder, - , Person, der Meister, -
schen Händen: Sie gehört der schwedi- die neue Ideen hat und , hier: ≈ Person, die in ihrer
Kinder Überraschung schen Firma Svenska Cellulosa AB. etwas Neues konstruiert Arbeit sehr gut ist
Man kann Kinder Überraschung mögen das Traditionsunterneh- die Gl„tze, -n
oder auch nicht – die Idee, Schokolade Badreiniger Meister Proper men, - , Firma mit langer , Kopf ohne Haare
Tradition
und Spielzeug in dieser Form zu kombi- Der Mann mit der Glatze und dem mus- muskulös
nieren, ist genial und hat Erfolg. „Überra- kulösen Oberkörper ist schwer zu igno- gr•nden , starten , mit starken Muskeln

schungsei“ ist ein oft benutztes Synonym rieren. Wer Meister Proper nicht vom das Spielzeug (der M¢skel, -n
, Ding zum Spielen , elastischer Körperteil bei
für das Produkt. In englischsprachigen Badreiniger im Putzschrank kennt, der Mensch und Tier, um einen
Ländern heißt es „Kinder Surprise“ oder kennt ihn aus der Werbung. Er ist sauber die M„rke, -n , Produkt Teil des Körpers oder ein
mit bekanntem Namen Organ zu bewegen)
„Kinder Egg“, im Spanischen „Kinder und hat Disziplin – ist das nicht typisch
Sorpresa“ – immer mit dem deutschen deutsch? Kann sein, aber Meister Pro- der Van, -s engl. , Auto die W¡rbefigur, -en
mit fünf bis sieben Sitzen , Figur, die ein Produkt
„Kinder“ im Namen. Aber Vorsicht: Der per ist eine Werbefigur und Marke des bekannt machen soll
der Gelændewagen, -
Erfinder der Kinder Überraschung war US-Konzerns Procter & Gamble. Sein Ori- , Auto, mit dem man nicht „npassen , hier: etwas
William Salice von der italienischen Fir- ginalname Mr. Clean wird in jedem Land nur auf Asphalt fahren so ändern, dass es zu einem
ma Ferrero. an die Landessprache angepasst. kann, sondern z. B. auch speziellen Land passt
über Gras
der K¶rnbrand, ¿e
Autos von Landwind Likör O’Donnell Moonshine n“chts zu tun haben m“t , Schnaps, den man aus
, keine Verbindung haben Getreide herstellt
Die Kombination der deutschen Wörter O’Donnell Moonshine hat vieles, was mit
(das Getreide
„Land“ und „Wind“ erinnert an Freiheit, Hipster lieben. Die Firma verkauft ihren die Verstændlichkeit , alle Pflanzen, aus deren
Bewegung und viel Platz. Deshalb passt Likör und Kornbrand im Vintage-Look , von: verständlich = gut kleinen Früchten man Mehl
es auch, dass Autos dieser Marke vor al- in schicken Gläsern. Auf ihrer Websi- zu verstehen machen kann)
lem Vans und Geländewagen sind. Nur: te nennt sie ihre Inspiration: die Zeit einfach die Prohibition, -en
, hier: nichts anderes als , staatliches Verbot,
Deutsch sind sie nicht. Landwind ist eine der amerikanischen Prohibition (1919
Alkohol herzustellen oder
Marke der chinesischen Firma Jiangling bis 1933). Sie zeigt ihre Produkte auf der Zeitgeist
zu verkaufen
, ≈ alle Meinungen, die für
Motors. In Deutschland war diese vor ein stylish-altmodischen Fotos. Ein perfektes eine Epoche typisch sind „ltmodisch , unmodern
paar Jahren viel in den Medien – wegen ei- Image – aber hinter O’Donnell Moonshi-
Fotos: iStock

s“ch h“nter … verb¡rgen


nes katastrophalen Resultats eines Land- ne verbirgt sich ein Team von jungen Leu- , hier: Gründer und
wind-Autos in einem Crashtest. ten aus Berlin. Besitzer der Firma … sein
NEU! Das Sprachmagazin und der Audio-Trainer von Deutsch perfekt als App

Holen Sie sich Deutsch perfekt auf Ihr Smartphone und ihr Tablet! Alle Informationen unter:
www.deutsch-perfekt.com/app

DVD -TIPP GRAMMATIK

300 Worte Deutsch Verbtabellen plus


- Alle Verbformen schnell nachschlagen und
-
-
bung bedroht. Moschee-Vorsteher Demirkan -
-
- fänger und Wiedereinsteiger, die Verbformen
kischen Heimat. Doch selbst Demirkans eigene
Tochter rebelliert gegen die traditionelle Hei- nachschlagen möchten.

Buch mit 160 Seiten. Deutsch


Artikel-Nr. 75335. € 7,99 (D)/€ 8,30 (A)
Marc verliebt.

DVD Artikel-Nr. 71022. € 12,99 (D)/€ 12,99 (A) Deutsch SPRACHENSPIEL

Ein Wochenende in Berlin


NACHSCHLAGEWERKE
-
Elektronisches Wörterbuch Deutsch
Niemand möchte sich beim Lesen eines Bu-
ches von unbekannten Wörtern aufhalten las-
sen. Abhilfe schafft dieses Elektronische Wör-
terbuch, das man immer bei sich tragen und Sprachenspiel. Niveau B1/B2 und B2/C1
als Lesezeichen benutzen kann. 38.000 Wörter,
-

gepackt und mit einer Tastatur versehen – je-


derzeit zum Abruf bereit!

-
sung.

Elektronisches Wörterbuch. Deutsch


Artikel-Nr. 78070. € 12,50 (D)/€ 12,50 (A)

Der Onlineshop für Sprachprodukte


Bücher, Hörbücher, Computerkurse, DVDs & mehr
Für abwechslungsreiches Lernen und Lehren
Jetzt unter sprachenshop.de/daf oder
telefonisch unter: 0711-7252-245

sprachenshop.de
36 DOSSIER KONSUM Deutsch perfekt 4 / 2017

Ein Ausflug in die Natur kostet


wenig bis gar nichts – und kann
trotzdem glücklich machen.
Deutsch perfekt 4 / 2017 DOSSIER KONSUM 37

„Weniger ist mehr“


Kann man sich glücklich kaufen? Ja – aber nicht sehr lange, sagt
Jens Förster. Der Sozialpsychologe erklärt, warum man weniger
besitzen und lieber mehr reisen sollte. Interview: Eva Pfeiffer
MITTEL

Herr Förster, gibt es ein typisch deutsches Materielle Konsumgüter funktionieren


das Konsumverhalten s“ch belohnen m“t , sich
Konsumverhalten? gut als Belohnung – genau so, wie Sie , Art, wie jemand einkauft selbst etwas Gutes tun
Die Deutschen mögen und brauchen es in Ihrem Beispiel beschreiben. Aber (der Konsum verurteilen
Sicherheit. Da spielt der Begriff der „Ger- das Glück, das man deshalb fühlt, dauert , ≈ Kauf vieler Produkte) , hier: stark kritisieren
man Angst“ eine Rolle. Nirgends auf der nicht sehr lange. Ich möchte diese Art von der Begr“ff, -e , Wort ]s geht ¢m … , hier: Das
Welt werden so viele Versicherungen Konsum nicht verurteilen. Als Therapeut das Erlebnisgut, ¿er
Wichtigste ist …
verkauft wie in Deutschland. Außerdem empfehle ich Patienten manchmal auch, , ≈ Erlebnis, das man bew¢sst
gibt es hier, so wie in den westlichen Ge- sich mit etwas zu belohnen. Trotzdem kaufen kann , hier: gut überlegt

sellschaften insgesamt, einen Trend zum denke ich: Weniger ist mehr. Es geht um (das Erlebnis, -se h„ndeln , ≈ tun; machen
, hier: schönes Ereignis)
Konsum von Erlebnisgütern. bewusstes Handeln und um ökologische h“n zu … , m ≈ mit dem
Was genau sind Erlebnisgüter? Aspekte. So können Sie ein Kleid aus ei- (das Gut, ¿er Motto …; ≈ bei dem man
, hier: Produkt; Ware) … macht
Das sind zum Beispiel Reisen, die die ner Fairtrade-Produktion kaufen statt ein
Deutschen übrigens auch besonders billiges von H&M. Oder Sie können sich dazugehören teilen , hier: gemeinsam
, hier: ein Beispiel für ein benutzen
gern mögen. Essengehen gehört dazu, vor dem Kauf überlegen, ob Sie ein neues Erlebnisgut sein
erœffnen
Sport oder auch Party-Hopping in Städ- Kleid wirklich brauchen – oder ob es spä-
beliebt , populär , zum ersten Mal öffnen
ten wie Berlin ist zurzeit sehr beliebt. Der ter doch nur im Schrank hängt.
material“stisch , sowieso , ≈ auf jeden Fall
Markt dafür boomt. Vor allem jüngere Passt zu diesen Gedanken auch der Trend gemeint ist: d so, dass
ökologisch betr„chtet
Menschen sind weniger materialistisch hin zum Teilen von Gütern – so wie beim man im Leben nur an Besitz
, ≈ wenn man den ökologi-
orientiert und wollen mehr erleben. Carsharing? und Profit interessiert ist
schen Aspekt sieht
Was sind die Gründe für diesen Boom? Ja, absolut. In Köln bei mir in der Nähe erleben , hier: ≈ eine
„nnehmen , hier: gut
Erfahrung machen
Macht es glücklicher, eine Reise zu konsumie- wurde vor Kurzem ein Laden zum Klei- finden und mitmachen
ren, als sich etwas Materielles zu kaufen, wie dersharing eröffnet. Auch Bikesharing konsumieren , kaufen
zudem , außerdem
zum Beispiel ein neues Fahrrad? wird immer beliebter, Carsharing sowie- die F¶rschung
gew“nnen , hier: mehr
, Arbeit für mehr Wissen
Die Forschung zeigt, dass der Konsum so. Ökologisch betrachtet, sind das gute bekommen
durch systematische
materieller Güter Menschen auf Dauer Ideen. Sie werden angenommen, weil Untersuchungen s“ch beschæftigen m“t
eher unglücklich macht. Bei Erlebnisgü- sie zudem noch günstig sind. Außerdem auf Dauer
, hier: ≈ studieren;
tern ist das Gegenteil der Fall: Sie machen bringt die Interaktion mit anderen Men- untersuchen
, hier: für längere Zeit
glücklich. In der Erinnerung werden sie schen einen Glückseffekt. Und: Man ge- den Schr“tt m„chen zu …
eher
, mit … beginnen
sogar immer schöner. Stellen Sie sich eine winnt Zeit. Wenn ich Carsharing mache, , hier: ≈ wahrscheinlicher
tolle Reise vor. An die denkt man sein Le- muss ich mein Auto am Wochenende “st … der F„ll , ist es …
ben lang sehr gern zurück. Vor allem im nicht waschen oder damit in die Werk- sogar , ≈ auch
Alter werden solche Erinnerungen an statt fahren. Mehr Zeit haben – das ist ein
s“ch vorstellen
Erlebnisse immer wichtiger. wichtiger Gedanke des Minimalismus. , hier: sich denken
Aber ist der Konsum materieller Güter Mit dem Minimalismus haben Sie sich per- das [lter , hier: Lebens-
grundsätzlich schlecht? Wenn ich zum sönlich viel beschäftigt. phase, in der man alt ist
Beispiel eine anstrengende Woche hatte und Ich habe vor ein paar Jahren den Schritt s¶lche (-r/-s) , von der
mich dafür am Samstag mit dem Kauf eines zum Minimalismus gemacht in einer genannten Kategorie
Foto: iStock

schönen Kleids belohne, dann freue ich mich Situation, in der es mir nicht gut ging. gr¢ndsätzlich
darüber. Ich hatte eine extrem große, schicke , hier: ≈ immer
38 DOSSIER KONSUM Deutsch perfekt 4 / 2017

Eine Alternative zum


Materialismus: schöne
Dinge erleben und sich
später daran erinnern.

Wohnung und habe gut verdient. Aber an den Wo- stabile Freundschaften können Sicherheit geben.
beschæftigt sein
chenenden war ich fast nur damit beschäftigt, mei- Sport, Ausflüge in die Natur, aber auch Museums- , (viel) zu tun haben
nen Besitz zu pflegen. Ich hatte das Gefühl, über- besuche können gegen Burn-out helfen. Manche s“ch tr¡nnen v¶n …
haupt keine Zeit für mich zu haben. Ich hatte Menschen finden Glück in der Religion. , hier: entscheiden, dass
Motivationsprobleme, keinen Spaß mehr an der Besitz symbolisiert für manche Menschen Prestige. Kann man … nicht mehr haben will
Psychologie, und ich schlief schlecht. Ich wollte et- der Minimalismus da auch funktionieren? bieten , hier: haben
was ändern und begann, meinen Besitz zu reduzie- Tatsächlich klebt Prestige an materiellen Gütern, wie der Verz“cht
ren und mich von vielen Dingen zu trennen. Heute Markenkleidung oder Autos. Menschen, die das er- , von: verzichten = hier:
freiwillig nicht kaufen; frei-
lebe ich in einer viel kleineren Wohnung, die trotz- reichen wollen, müssen diese Güter kaufen. Da hilft willig nicht haben wollen
dem genug Platz bietet. Ich habe viel mehr Zeit, und kein Minimalismus. Das Problem dabei ist, dass man
häufig , oft
es geht mir viel besser. Ich gebe nun zwar mehr Geld immer mehr Prestige will und deshalb nie zufrieden
¢m die 50 , im Alter von
für Erlebnisgüter aus, gehe öfter essen. Aber auch ist. Wenn man ein schönes Haus baut, dann baut der
circa 50 Jahren
Erlebnisse, die nichts oder fast nichts kosten, sind Nachbar vielleicht ein noch schöneres. Das bedeutet
der gehobene M“ttelstand
wichtiger für mich geworden. Wanderngehen zum dann wieder Stress: Man muss noch mehr arbeiten, , soziale Klasse, der es
Beispiel. Natürlich gibt es noch radikalere Minima- um noch mehr Geld zu verdienen und das noch grö- finanziell ziemlich gut geht
listen als mich. Der Philosoph Erich Fromm zum ßere Haus zu finanzieren. fr¡ssen , hier: wegneh-
Beispiel hat gesagt: Den Weg zum Glück findet man Bedeutet weniger Materialismus mehr Tiefsinn? men; brauchen
nur durch Verzicht. Ja, weil Materialismus so viel Zeit frisst – mit dem tatsächlich , wirklich
Auch wenn Sie weniger radikal als Erich Fromm sind – Resultat, dass man sich nicht mit anderen Themen kleben „n , hier: eine
macht weniger Besitz glücklich? beschäftigen kann. Nur superreiche Menschen ha- typische Konnotation
sein von; eine Verbindung
Ich will nicht missionarisch sein, ben dieses Problem nicht. Die verbringen auch mal
haben mit
aber als Therapeut habe ich vie- einen ganzen Tag damit, ein Buch zu lesen.
die M„rkenkleidung
le Patienten mit Burn-out ken- Konsum ist elementar für die Wirtschaft. Kann diese , Kleidung einer Firma mit
nengelernt. Das sind besonders noch funktionieren, wenn die Leute immer weniger bekanntem Namen
häufig Menschen um die 50 aus materielle Güter konsumieren? der Tiefsinn , hier:
dem gehobenen Mittelstand. Die Auf jeden Fall. Man kann auch mit Erlebnisgütern Wichtigkeit des Lebens;
Jens Förster wichtiger Inhalt des Lebens
Der international
sind extrem gestresst und unzu- viel Geld verdienen. Eine andere Möglichkeit ist,
bekannte frieden. Sie arbeiten sehr viel für sich auf die Qualität statt auf die Menge der mate- der M„ssenkonsum
Sozialpsychologe , Konsum durch viele
ihren materiellen Lebensstan- riellen Güter zu konzentrieren. Massenkonsum ist Menschen; gemeint ist
ist Professor an der
Ruhr-Universität dard. Aber das frisst ihre Zeit. vor allem ein Phänomen der letzten 50 Jahre – die hier: Konsum von in großen
Bochum und Autor Außerdem erleben Menschen in Werte verändern sich. Denken Sie an das Kleid aus Mengen hergestellten
mehrerer Bücher, Produkten
darunter Was das diesem Alter oft, dass die ersten der Fairtrade-Produktion, mit dem Sie sich belohnen
der Wert, -e , hier: Ideal;
Haben mit dem Sein Verwandten und vielleicht auch könnten.
macht. Die neue Sache, die einem wichtig ist
Psychologie von Freunde sterben. Dann merken Wie wird sich das Konsumverhalten der Deutschen Ihrer
s“ch verændern
Konsum und Verzicht sie plötzlich: Ich bin total un- Meinung nach in der Zukunft entwickeln? , anders werden
(2015). Heute lebt der glücklich. Als Therapeut sucht Durch meinen Kontakt mit den Studenten an der
52-Jährige in Köln. s“ch entw“ckeln
man dann mit den Patienten Universität habe ich gelernt, dass jüngere Menschen
Fotos: iStock; picture-alliance/dpa

, hier: anders werden


dar¢nter nach neuen Prioritäten im Leben. bewusster leben. Sie wollen nicht arbeiten bis zum der Teilzeitjob, -s
, hier: zum Beispiel Es gibt Alternativen zum Mate- Burn-out, sondern interessieren sich für die Idee der , Job, bei dem man nicht
der Verz“cht rialismus. Wenn jemand zum Teilzeitjobs. Auch ethische und ökologische Aspek- den ganzen Tag oder die
, von: verzichten = ganze Woche arbeitet
Beispiel Sicherheit braucht, dann te werden wichtiger. Ein Beispiel dafür ist die Vega-
hier: freiwillig nicht die Bewegung, -en
kaufen; freiwillig nicht ist Geld nicht das einzige Mittel, ner-Bewegung. Und trotzdem: Der Konsum steigt
, hier: spezielle Lebens-
haben wollen um sie zu erreichen. Auch gute, weiter. philosophie
Deutsch perfekt 4 / 2017 39

Eine Übung zu diesem Text


finden Sie auf Seite 47.

MEIN ERSTES JAHR

„Warum ist der Chef so böse zu mir?“


Adéla Polloczkova
Heimat: Tschechien Adéla Polloczkova wollte eigentlich nur ein halbes Jahr
Alter: 28 Jahre
Beruf: Rezeptionistin und Reiki- in Deutschland bleiben. Und bei der Arbeit machte sie
Lehrerin
Start: Januar 2016
zuerst schlechte Erfahrungen. Aber plötzlich war alles
Hobbys: Reiten, Bogenschießen, ganz anders. LEICHT AUDIO
Reisen

V
iele deutsche Firmen sind in Tschechien
Adéla Polloczkova München
aktiv. Einen Job dort bekommt nur, wer die
die Rezeption“stin, -nen dr“ttgrößte (-r/-s)
Sprache gut kann. Ich habe Deutsch schon
, Frau: Sie arbeitet an der , hier: so, dass nur zwei
an der Schule gelernt. Eigentlich habe ich die Spra- Rezeption in einem Hotel. andere Städte größer sind
che also verstanden. Aber wirklich sprechen konn- reiten , auf einem Tier die Zentrale, -n
te ich sie nicht. Um besser zu werden, bin ich nach (z. B. Pony) sitzen und sich , Teil von einer Organisa-
Deutschland gegangen. von ihm tragen lassen tion oder Firma: Sie macht
die Planung, organisiert und
Im Internet habe ich viele Jobangebote gefunden, das Bogenschießen
kontrolliert.
, Sport: Man benutzt
die meisten in München. Ein Freund hat mich unter-
keine Pistole, sondern eine
stützt. Ich konnte am Anfang bei ihm in München Konstruktion wie früher die Mein Tipp
wohnen und seine Adresse in meine Bewerbungen Indianer.
die Kaiserin, -nen
schreiben. Das war die größte Hilfe. Ich habe sofort , oberste Monarchin
eine Einladung zu einem ersten Bewerbungsge- unterst•tzt , Part. II
w¢rde , Prät. von:
von: unterstützen ≈ helfen
spräch bekommen. Zum Glück musste ich dabei werden
verliebt
nicht viel sagen. Der Gesprächspartner hat viel über
, Part. II von: sich verlie-
die Aufgabe erzählt und wenig gefragt. In der Woche ben = beginnen, zu lieben
danach habe ich angefangen, als Rezeptionistin in ei- zus„mmengezogen
München
Dort liegt es: Bayern nem Hotel. , Part. II von: zusammen-
Dort wohnen: 1,5 Millionen Mein Deutsch ist sehr schnell besser geworden. ziehen = zusammen in einer
Menschen Wohnung oder in einem
Interessant ist: Hauptstadt Meine Pläne musste ich trotzdem ändern. Denn ei- Haus leben
von Bayern, drittgrößte Stadt gentlich wollte ich nur sechs Monate bleiben, aber
ehrlich
Deutschlands, Frauenkirche, ich habe mich in einen Kollegen verliebt. Wir sind , ≈ so, dass man nicht lügt
Marienplatz, Olympiastadion,
Zentralen von Firmen wie BMW schon nach kurzer Zeit zusammengezogen, auch das M“ssverständnis, -se
und Siemens, FC Bayern München, wegen der hohen Mieten in München. Im Juni wol- , falsche Interpretation
Oktoberfest einer Aussage, Geste oder
len wir heiraten.
Aktion
Ein Problem war am Anfang nicht nur mein
Mein Tipp der Verlobte, -n
In und um München kann schlechtes Deutsch. Oft habe ich Deutsche auch we-
, von: sich verloben =
man viele schöne Ausflüge gen ihrer Mentalität nicht verstanden. In Tschechien sich versprechen, dass man
machen, zum Beispiel an den heiraten wird
Starnberger See. Dort ist das sagt niemand direkt seine Meinung. Wir benutzen
kleine, aber schöne Kaiserin- viel Ironie. Deshalb war ich am Anfang in der Arbeit gemein , ≈ böse
Elisabeth-Museum. Elisabeth ist oft sehr emotional. „Warum ist der Chef so böse zu
in Possenhofen am Starnberger s¶lche (-r/-s) , ≈ von
See groß geworden. Später wurde mir?“, habe ich meine Kollegen gefragt. Heute weiß dieser Kategorie; so
sie dann Kaiserin von Österreich. ich: Er war nur ehrlich und hat meine Arbeit kritisiert. klarkommen
Sehr bekannt ist sie wegen der , m zurechtkommen
Sissi-Filme. Erst nach Monaten habe ich diesen Unterschied
zwischen Deutschen und Tschechen wirklich ver- s“ch w¢ndern über
, ≈ überrascht sein wegen
standen. Auch jetzt gibt es manchmal noch Missver-
ständnisse, mit meinem deutschen Verlobten zum
Beispiel. Ich denke dann: Warum sagt er so etwas
Gemeines zu mir? Und er versteht nicht, warum ich
Sie wollen auch von Ihrem ersten
Fotos: privat; iStock

Jahr in Deutschland, Österreich böse oder traurig bin. Mit solchen Situationen kom-
oder der Schweiz erzählen? me ich aber immer besser klar. Und mein Verlobter
Schreiben Sie einfach eine kurze
E-Mail (Name, Nationalität, Ort) an wundert sich jetzt auch nicht mehr über meine iro-
redaktion@deutsch-perfekt.com. nische Kritik. Aufgeschrieben von Tanja Haas
40 SPRACHFEATURE Deutsch perfekt 4 / 2017

DIE FORMELN DER SPRACHE (TEIL 1)

Tägliche Routine
In bestimmten Situationen des Alltags benutzt man immer die gleichen Wörter best“mmte (-r/-s)
oder Sätze. Für Muttersprachler ist das selbstverständlich. Alle anderen müssen , hier: so, dass sie immer
den gleichen Ablauf haben
lernen, was man wann sagt – und auf welche Nuancen man achten muss. Teil 1
(der [blauf, ¿e
unserer neuen Serie. Von Claudia May. MITTEL , hier: Reihenfolge, wer
wann was sagt)
die Ver„bschiedung, -en
, von: sich verabschieden
= auf Wiedersehen sagen
auf einem f¶rtgeschritte-
nen Spr„chniveau

G
, hier: wenn man schon
leich in der ersten Kursstunde lernt sie jeder Darf ich vorstellen? Das ist ... gute Deutschkenntnisse hat
Anfänger: die Routineformeln – auch wenn Mit dieser Formel stellt man jemand anderen (rela- die [nwendung
der Lehrer selten sagt, dass sie so heißen. tiv formell) vor. Der Vorgestellte begrüßt dann nor- , von: anwenden = hier:
in einer konkreten Situation
Denn in jeder Sprache braucht man sie als Basis für malerweise auch selbst die anderen Personen. Diese benutzen
die tägliche Kommunikation: zur Begrüßung, zur erwidern den Gruß.
f¶lgen , hier: sich
Vorstellung der eigenen Person und zur Verabschie- Darf ich vorstellen? Das ist Miguel Montoya. Er hat orientieren an
dung. Auf einem fortgeschrittenen Sprachniveau heute seinen ersten Tag bei uns und ist der neue Assis- verw“rrt , ≈ unsicher
gibt es davon noch viel mehr zu lernen: Wie gratu- tent der Geschäftsleitung.
allein , hier: ≈ nur das
liere ich jemandem? Oder wie mache ich jemandem Guten Tag, schön, Sie alle kennenzulernen.
reichen , hier: genug sein
ein Kompliment? Herzlich willkommen!
Die Anwendung dieser Routineformeln funkti- ]s k¶mmt auf … „n.
, hier: Es hängt von … ab.
oniert nach einem ganz bestimmten Schema. Folgt Kennen Sie sich? / Kennt ihr euch? Das ist ...
die Betonung
man diesem Schema nicht, ist der Gesprächspartner Diese Form der Vorstellung benutzt man nicht, , Intonation
verwirrt. So antwortet man auf ein Guten Morgen! wenn jemand zum ersten Mal an seine neue Arbeits-
der }nterton
nie mit Auf Wiedersehen!. Aber das Wissen um ein be- stelle kommt. Aber zum Beispiel dann, wenn er seit , ≈ nicht direkter Hinweis;
stimmtes Schema allein reicht oft nicht, um richtig einigen Tagen da ist und auf zwei Kollegen trifft, von Art der Intonation
zu reagieren. Es kommt immer auf die Situation an denen er bisher nur einen kennt. ¢nvernünftig , ≈ nicht
– und die Betonung. Der Satz Du bist gut! kann natür- Kennen Sie sich? Das ist Miguel Montoya. Er arbeitet rational; emotional
lich genau das heißen: Du bist (in deinem Job / in deiner seit Montag bei uns und ist der neue Assistent der begegnen , treffen
Arbeit) fantastisch! Aber: Spricht man diesen Satz mit Geschäftsleitung. die Geschæftsleitung, -en
ironischem Unterton, dann bedeutet er Du bist aber Schön, Sie kennenzulernen! , Besitzer einer Firma oder
Manager, der eine Firma
unvernünftig! oder auch Über dich kann ich mich nur Ganz meinerseits!
leitet
wundern!. Routineformeln sind also nicht immer ein-
relativ , ziemlich
fach. Aber mit der Zeit lernt man sie und ihre vielen Ähnlich funktionieren die Formeln:
erwidern , antworten auf
Facetten gut kennen. Lernen Sie im ersten Teil unse- Darf ich bekannt machen? Das ist ...
rer Serie, wie man sich in welcher Situation vorstellt, Darf ich Sie mit ... bekannt machen? / Darf ich Ihnen ... einige , ein paar
begrüßt und verabschiedet. vorstellen?. bisher , hier: bis zu
diesem Zeitpunkt

Die Vorstellungsformeln Wird eine Person vorgestellt, sollte man immer G„nz meinerseits!
, ≈ Ich freue mich auch, Sie
Darf ich mich vorstellen? / Mein Name ist ... / eine positive und freundliche Reaktion zeigen. Al- kennenzulernen.
Ich bin ... les andere ist extrem unhöflich. Mögliche Formeln
m„n s¶llte … , hier: es
Ist man neu in einer Firma und begegnet seinen Ar- dafür sind: wird empfohlen, dass …
beitskollegen zum ersten Mal, kann man sich mit Ich freue mich, Sie/dich kennenzulernen. / Ich freue
die Bek„nntschaft
dieser Formel vorstellen. Die anderen Personen re- mich, Ihre/deine Bekanntschaft zu machen. (Kurz- , hier: ≈ Kennenlernen
agieren dann mit einem Willkommensgruß – nichts form: Freut mich!) / (Sehr) angenehm! Sehr erfreut!
zu sagen, ist sehr unhöflich. Schön, Sie/dich (persönlich) kennenzulernen! , ≈ Das freut mich sehr.
Foto: Shutterstock

Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Miguel Mon- Sehr erfreut! meinerseits , hier: so,
toya. Ich bin der neue Assistent der Geschäftsleitung. Die Freude ist ganz meinerseits. (Kurzform: Ganz dass vor allem ich sie fühle
Herzlich willkommen! meinerseits!) / Freut mich auch!
Deutsch perfekt 4 / 2017 SPRACHFEATURE 43

duzen , Du sagen
Die Grußformeln und 13 Uhr. Besonders oft hört man diesen Gruß
siezen , Sie sagen
Guten Morgen! am Arbeitsplatz. Man kann ihn gegenüber Freunden
Diese Begrüßung benutzt man am Morgen. Zum benutzen, aber auch gegenüber Menschen, die man erw„rten
, hier: ≈ meinen, dass man
Beispiel, wenn man zu seinen Arbeitskollegen in das siezt. Die erwartete Antwort ist einfach: Mahlzeit! mit … antwortet
Büro kommt. Dabei ist es egal, ob man die Person(en) Eine ironische Variante, die aber kein Gruß ist,
“n ¡rnstem Ton
duzt oder siezt. Es ist unhöflich, wenn auf diese Be- ist Na, dann Prost Mahlzeit! Das ist ein Ausdruck von , so, dass man etwas
grüßung nicht geantwortet wird. Die erwartete Verärgerung oder Skepsis. ernst sagt
Antwort: (Guten) Morgen! oder Hallo!. Die Kurzform Die Chefin sagt, wir müssen diese Woche auch am Wo- der Vorgesetzte, -n
Morgen! wirkt dabei etwas informeller. chenende arbeiten. , Chef

Achtung, Ironie: Kommt man zu spät zur Arbeit Na dann, Prost Mahlzeit! n¢tzen , ≈ benutzen
und der Chef begrüßt einen in ernstem Ton mit geb¢nden sein „n
Guten Morgen!, ist dies kein freundlicher Gruß. Ihr (Guten) Abend! , hier: abhängen von

Vorgesetzter zeigt so, dass er das Zuspätkommen Wie man sich leicht denken kann, wird dieser Gruß best“mmte (-r/-s)
, hier: ≈ geplante (-r/-s);
registriert hat und es nicht toll findet. nur am Abend benutzt. Guten Abend! kann man zu
gültige (-r/-s)
Freunden, aber auch zu fremden Personen sagen, die
einsetzen
Guten Tag! man siezt. Kürzt man den Gruß ab (Abend!), wirkt das , hier: benutzen
Diese Begrüßung kann man den ganzen Tag benut- etwas salopper. Mögliche Antworten sind zum Bei-
die Ehre
zen, also nicht nur morgens, sondern auch am Nach- spiel Hallo! / (Guten) Abend!. , hier: ≈ wunderbare
mittag. Erst am Abend sollte man zu Guten Abend! Möglichkeit: Man darf
wechseln. Regional werden auch andere Varianten Die Abschiedsformeln einen speziellen Menschen
treffen oder kennenlernen.
genutzt: Zum Beispiel Grüß Gott! in Süddeutschland (Auf) Wiedersehen!
¢nbedingt , auf jeden Fall
oder (Moin) Moin! in Norddeutschland. Alle Formen Dies ist der Klassiker unter den Abschiedsformeln.
sind für die Du- oder Sie-Form gleich. Auch hier ist es Er funktioniert immer. Im Süden Deutschlands wird gegenüber
, hier: in der Beziehung zu
unhöflich, wenn auf die Begrüßung nicht geantwor- daraus oft (Auf) Wiederschaun!. Mögliche Antworten
die Verærgerung
tet wird. Die erwartete Antwort: (Guten) Tag! / Hallo! / sind Tschüss! / (Auf) Wiedersehen! / (Auf) Wiederschaun!.
, von: verärgern = ärger-
Grüß Gott! (süddt.) / Moin! (norddt.). Achtung: Am Telefon sollte man diese Abschieds- lich machen
formel nicht benutzen. Denn man sieht seinen Kom- „bkürzen
Hallo! / Hi! / Hey! / Hallöchen! / Na (, du)? / munikationsparter nicht, sondern hört ihn nur. , hier: weniger Wörter
Moinsen! (norddt.) / Servus! (süddt.) oder nur ein Wort benutzen,
statt den ganzen Ausdruck
Diese Routineformeln sind informell. Das heißt, Tschüs(s)! / Tschau! zu verwenden
man sollte die Person(en) kennen, die man so be- Diese Abschiedsformeln funktionieren bei Freun-
sal¶pp
grüßt. Diese Art der Begrüßung funktioniert den den und auch bei fremden Personen, die man etwas , hier: alltagssprachlich;
ganzen Tag und auch die ganze Nacht. Sie ist also besser kennt. Achtung: In vielen Teilen Bayerns wird jugendlich unkompliziert
an keine bestimmte Zeit gebunden. Eine in Süd- Tschüss! nicht gern gehört. Hier benutzt man besser ¢nter , hier: bei
deutschland außerdem eingesetzte Variante ist Ha- Tschau! (vom italienischen Ciao!), Pfiat di! / Pfiat eich! Pfiat di/eich/Eahna! bayer.
bedere, eine Kurzform von (Ich) Habe die Ehre (, mit dir / Pfiat Eahna! oder auch Servus!. Von älteren Men- , von: Behüt dich/euch/
Sie Gott! ≈ Gott soll auf
zu sprechen). Achtung: Genau wie Servus kann Habedere schen hört man dort außerdem manchmal noch Ade!.
dich/euch/Sie aufpassen!
auch eine Abschiedsformel sein. Im Norden des Landes ist Tschüss! als Verabschiedung
nachher/n„chher , spä-
Auch bei informellen Begrüßungen unter Freun- typisch. Eine etwas saloppere Form ist Tschö!. Diese ter
den sollte man unbedingt antworten. Zum Beispiel sollte man aber nur unter Bekannten benutzen. Alle
s“ch „nhören
mit Tag! / Hallo! / Hi! / Hey!. diese Abschiedsformeln funktionieren zu jeder , hier: in einer speziellen
Tages- und Nachtzeit. Mögliche Antworten sind Art wirken
Grüß dich! / Grüß Sie! Tschüss! / Tschö! / Tschau!. das M“ssverständnis, -e
Diese Begrüßung benutzt man besonders oft in , falsche Interpretation
einer Aussage, Geste oder
Süddeutschland. Sie funktioniert unabhängig von Bis gleich! / Bis nachher! / Bis dann! / Aktion
der Tageszeit. Mögliche Antworten sind zum Bei- Bis später! / Bis dahin!
spiel Servus! (bei Bekannten), Hallo! / Guten Tag! (bei Auch wenn sich alle diese Formeln ziemlich ähnlich
Fremden). anhören: Es gibt große Unterschiede, wann man wel-
che davon benutzt. Achtet man nicht darauf, kommt
Mahlzeit! es schnell zu Missverständnissen.
Foto: Shutterstock

Diesen Gruß benutzt man zur Mittagszeit, also


dann, wenn es Mittagessen gibt. In Deutschland ist Mit Bis gleich! verabschiedet man sich, wenn man
das ziemlich früh: nämlich meistens zwischen 12 die andere Person in sehr kurzer Zeit wiedertrifft:
44 SPRACHFEATURE Deutsch perfekt 4 / 2017

vergehen , ≈ vorbeigehen
Ich muss noch schnell diese E-Mail fertig schreiben, Person. Man kann diese Art des Abschieds also ger“ng , hier: klein
dann komme ich in dein Büro! auch dann nutzen, wenn man sich nicht garan- … f¡stlegen
Okay, bis gleich! tiert wiedersieht. Diese Abschiedsformeln funk- , hier: genau wissen, wie
tionieren zu jeder Tages- oder Nachtzeit. Mög- groß … ist
Bei den Abschiedsformeln Bis nachher! und Bis spä- liche Antworten auf Wir sehen uns! sind: Ja, okay! / ¢nabhängig v¶n …
, hier: so, dass … keine
ter! vergeht etwas mehr Zeit, aber auch hier ist der Alles klar! / Bis dann!
Rolle spielt
Abschied von geringer Dauer:
vœllig , total
Wollen wir in zwei Stunden, so gegen 12 Uhr, zusammen Mach’s gut! / Machen Sie es gut!
in die Mittagspause gehen? Bei dieser Form des Abschieds wird eine gewisse verw¡chseln
, hier: ein falsches Datum
Gern! Bis nachher! / Bis später! Vertrautheit vorausgesetzt – auch wenn man den nennen
Gesprächspartner siezt. Der Zeitpunkt des Wieder- ans¶nsten
Bei der Abschiedsformel Bis dahin! ist die Dauer bis sehens ist nicht sehr konkret. Es kann ein Abschied , hier: ≈ außerdem gibt
zum Wiedersehen nicht festgelegt. Es kann sein, dass von einer Stunde sein – oder für ein Jahr. Auch diese es noch …
sich die Gesprächspartner bald sehen – oder auch erst Form des Abschieds ist von der Tageszeit unabhän- gew“sse (-r/-s)
, hier: ein wenig; etwas
in ein paar Tagen: gig. Darauf antworten kann man zum Beispiel mit Ja,
Ich komme heute Mittag / nächste Woche wieder zum bis bald! / Wir sehen uns!. die Vertrautheit
, von: vertraut = so, dass
Deutschkurs. Eine ironische Antwort, die gern von Jüngeren un- man jemanden sehr gut
Alles klar, bis dahin! ter Freunden benutzt wird, ist: Mach’s besser! kennt
voraussetzen
Eine der Verwendungen von Bis dann! funktio- Hau rein! / Sieh zu! (norddt.) , hier: automatisch eine
niert genauso: Diese Formel kann unabhängig von Eine sehr saloppe Form des Abschieds. Man muss wichtige Bedingung sein

der Dauer des Abschieds eingesetzt werden. Bis dann! den Gesprächspartner gut kennen, sonst wirken die- die Aufforderung, -en
, von: auffordern = jeman-
kann aber auch bedeuten, dass der Zeitpunkt des se Aufforderungen sehr unhöflich. Hau rein! bedeutet dem sagen, was er tun soll
nächsten Wiedersehens völlig unbekannt ist: so viel wie: Mach dir eine gute Zeit! Bei Sieh zu! kommt
so viel wie
Ich fand unser Treffen sehr schön! noch eine andere Nuance dazu. Damit ist nämlich au- , hier: ungefähr
Ich auch. Wir schreiben uns, ja? Bis dann! ßerdem gemeint: Sieh zu, dass du keinen Unsinn machst!
n¶ch dazukommen
oder Sieh zu, dass du vorankommst!. Mögliche Antworten , hier: außerdem gemeint
Alle Formeln können zu jeder Tages- und Nacht- auf diese Formeln sind: Du auch! / Mach ich! sein
zeit benutzt werden. zusehen
(Auf) Wiederhören! , hier: dafür sorgen

Bis Montag! / Bis nächste Woche! Dies ist die klassische Verabschiedung am Telefon. vor„nkommen
, hier: seine aktuelle
Bei dieser Abschiedsformel wird der konkrete Zeit- Sie wird also immer dann benutzt, wenn man seinen
Aufgabe schnell beenden
punkt des Wiedersehens der beiden Gesprächspart- Gesprächspartner nicht sehen kann (also nicht bei
verl„ssen
ner genannt. Deshalb sollte man seinen Gesprächs- Videotelefonie, dort funktioniert aber Auf Wiederse- , hier: hinausgehen aus
partner auch unbedingt korrigieren, wenn er das hen!). Mögliche Antworten sind (Auf) Wiederhören! /
ausbrechen aus
Datum verwechselt: Tschüss!. , hier: herauskommen
Bis nächste Woche! aus; weglaufen von
Nein, da komme ich nicht ins Büro. Ich habe ab Montag (Gute) Nacht!
zwei Wochen Urlaub. Dieser Abschiedsgruß wird benutzt, wenn wenigs-
tens einer der Gesprächspartner schlafen gehen
Ansonsten sind mögliche Antworten Ja, okay!/ Alles möchte. Eltern, die ihre Kinder ins Bett bringen, sa-
klar! / Bis dann!. gen dies auch, bevor sie das Kinderzimmer wieder
verlassen, oft ergänzt durch Schlaf gut! oder Träum
Wir sehen uns! schön! / Träum süß!. Auf den Abschiedsgruß Gute
Im nächsten
Bei dieser Abschiedsformel meint der Gesprächs- Nacht! kommt normalerweise die gleiche Antwort: Monat:
partner das, was er sagt: Man sieht sich garantiert (Gute) Nacht! „SCHÖNEN URLAUB
wieder. Das ist bei Auf Wiedersehen! nicht der Fall – UND TOI, TOI, TOI!“
man benutzt diesen Abschiedsgruß auch, wenn man Eine ironische Variante ist: Na, dann gute Nacht! In Teil 2 unserer
Serie lernen Sie, wie
den anderen sehr wahrscheinlich nicht wiedersieht Dies ist kein Abschiedsgruß, sondern heißt so viel man anderen zu
(sich das aber vielleicht wünscht). wie: Das kann unangenehm werden. speziellen Ereignissen
etwas wünscht – und
Eine Variante von Wir sehen uns! ist Man Wenn der Tiger wirklich aus dem Zoo ausgebrochen ist welche Reaktion dann
sieht sich!. Achtung: „Man“ ist keine konkrete – na, dann gute Nacht! normalerweise kommt.
Deutsch perfekt X / 20xx ATLAS DER ALLTAGSSPRACHE 45

○ HAMBURG
Eigentümer
Hausbesitzer
Hauswirt
Hausherr
○ HANNOVER ○ BERLIN Vermieter

○ LEIPZIG
der Eigentümer, - , hier:
○ KÖLN
Person: Ihr gehört ein Haus.
bes“tzen , hier: haben,
weil man ein Haus oder eine
○ FRANKFURT
Wohnung gekauft hat
die eigenen vier Wænde
, m hier: eigene
Wohnung; eigenes Haus

○ STUTTGART

○ MÜNCHEN
○ WIEN

○ SALZBURG
○ BASEL ○ ZÜRICH

○ GRAZ

○ GENF

Wo spricht man wie?


Eigentümer eines Hauses
Ein eigenes Haus – am besten mit schönem Gar- in Deutschland sagt man „Hauswirt“. Und manche der Krieg, -e , Streit
ten? Millionen Deutsche haben andere Prioritäten: Deutsche benutzen das Wort „Vermieter“, beson- zwischen Nationen
Weniger als jeder Zweite besitzt eine Wohnung ders in Nord- und Mitteldeutschland. Es zeigt ganz zerstört , ≈ kaputt
oder ein Haus. In anderen Ländern Europas ist die- klar den Unterschied zwischen dem Mieter und bauen
se Quote viel höher. dem Vermieter eines Hauses oder einer Wohnung. , hier: konstruieren

Wörter gibt es für die Besitzer der eigenen vier Dass Deutschland ein Land der Mieter ist, kann zur Miete wohnen , als
Wände natürlich trotzdem. Die meisten Deutschen man auch historisch erklären. Nach dem Krieg wa- Mieter in einem Haus oder
einer Wohnung wohnen
sagen zu dieser Person „Besitzer“ oder „Eigentü- ren viele Städte fast komplett zerstört. Im Jahr 1950
das Ges¡tz, -e , schrift-
mer“. Im Nordwesten und in Teilen Bayerns hört haben 4,5 Millionen Wohnungen gefehlt. Deshalb
liche Norm: Die Regierung
man öfter „Eigentümer“. Im Saarland und zwischen haben Investoren besonders viele große Wohn- macht sie und alle müssen
Main und Donau dominiert „Besitzer“. Aber es häuser für mehrere Familien gebaut. Aber auch sich daran orientieren.
Illustration: iStock

gibt noch andere Synonyme für den Hausbesitzer: die Mentalität ist wichtig: Die meisten Deutschen
Fotos: xxxxxx

In Bayern und Österreich hört man zum Beispiel wohnen wirklich gern zur Miete. Und: Die deut-
das Wort „Hausherr“. An ein paar anderen Orten schen Gesetze sind ziemlich freundlich zu Mietern.

Quelle: Atlas zur deutschen Alltagssprache (Elspaß/Möller)


46 WÖRTER LERNEN Deutsch perfekt 4 / 2017

Im Bad
LEICHT PLUS

1 der Rasierapparat, -e
1
2 der Spiegelschrank, ¿e
3 der K„mm, ¿e
2
4 die B•rste, -n
5 die Creme, -s
6 das Duschgel, -e
7 die Nagelschere, -n 3 4
8 die Zahnbürste, -n 16 5
9 der W„sserhahn, ¿e
10 das W„schbecken, -
11 die Zahnpasta, -pasten 8
12 die Waage, -n
9 7 6
13 der L“ppenstift, -e
14 das H„ndtuch, ¿er
15 10
15 der W„schlappen, -(auch: der
W„schhandschuh, -e )
16 der Föhn, -e

14
13

12

11 2. Das passt nicht!

Welches Wort passt nicht in die Reihe?


Markieren Sie!

1. das Handtuch – der Kamm – die Bürste – der Föhn


1. Am Morgen 2. das Shampoo – das Duschgel – die Seife – die Creme
3. die Dusche – die Waschmaschine – das Waschbecken
Was brauchen Sie wofür? – der Wasserhahn
Ergänzen Sie das passende Wort! 4. das Deodorant – das Parfüm – die Zahnpasta – das
Rasierwasser
1. Zuerst dusche ich. Dabei benutze ich 5. die Sonnencreme – die Gesichtscreme –
. die Schuhcreme – die Handcreme
2. Dann trockne ich mich mit einem Handtuch ab.
3. Meine Haare trockne ich mit dem .
4. Ich putze mir die Zähne, natürlich mit
Illustration: Silke Werzinger

Lösungen:
und . 6. Kamm, Bürste
5. Ich rasiere mich mit meinem neuen . 5. die Schuhcreme 5. Rasierapparat

6. Ich kämme mich mit einem oder


4. die Zahnpasta 4. Zahnbürste, Zahnpasta
3. die Waschmaschine 3. Föhn
einer . 2. die Creme 1. Duschgel
2. 1.
Deutsch perfekt 4 / 2017 ÜBUNGEN ZU DEN THEMEN DES MONATS 47

Übung macht den 2. Alles verstanden?


Kaufen, kaufen, kaufen!
Seite 28 - 31

Meister In der Prüfung Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ), Lesen,


Aufgabe 3, sollen Sie Informationen verstehen.
Üben Sie hier! Was passt: A, B oder C? Kreuzen Sie an!
Das heißt: Durch viel Training wird man
sehr gut in einer Sache. Diese Übungen 1. Deutsche Marken …
zu verschiedenen Texten aus dem Heft A sind bei den Deutschen auch nicht populärer als ausländi-
machen Sie fit in Deutsch! sche.
B sind für viele ein Symbol der Qualität.
C verlieren langsam ihre gute Reputation im In- und Aus-
land.

2. Online …
A bestellen die Deutschen am liebsten Lebensmittel.
B bestellen die Deutschen nur billige Produkte.
C bestellt fast die Hälfte der Deutschen ihre Kleidung.

3. Persönliche Daten …
A werden bei manchen Bonusprogrammen nicht gesammelt.
B sammelt nur Amazon.
C muss man bei Payback nicht angeben.

Mein erstes Jahr:


1. Etappen im Leben 4. Der Konsum …
Seite 39
A ist letztes Jahr stark gesunken.
Adéla Polloczkova erzählt, dass sie verlobt ist. B war 2016 dafür verantwortlich, dass die Wirtschaft stabil
Es gibt noch viele andere Wörter rund um den geblieben ist.
Familienstand. Ordnen Sie die Buchstaben, C war ein wichtiger Faktor für das Wirtschaftswachstum
und finden Sie sie! 2016.

1. so, dass man einen Mann oder eine Frau hat,


Debatte
aber nicht mit ihm oder ihr zusammenlebt: 3. Ein guter Weg Seite 58 - 59
getnernt
Melanie Huml meint, dass die Landarztquote in Bayern auf
2. so, dass man nicht verheiratet ist: liged einem guten Weg ist. Welche anderen Redewendungen rund
um den Weg kennen Sie noch? Setzen Sie in der richtigen
Form ein!
3. so, dass man einen Mann oder eine Frau hat:
viehrertaet auf dem Weg der Besserung sein – auf dem richtigen Weg sein –
seinen Weg machen – auf den Weg bringen – über den Weg laufen
4. so, dass man einen Mann oder eine Frau
hatte, der oder die gestorben ist: viwerwett 1. Um meine Tochter mache ich mir keine Sorgen. Ich bin
mir sicher, sie wird ihren Weg machen und einen soliden
Beruf lernen.
5. so, dass man eine frühere Ehe beendet hat:
gisedechen 2. Prima, mach nur so weiter, Ralf! Du !

3. Leider ist Tamara immer noch krank und kann auch morgen
nicht ins Büro kommen. Aber ab nächster Woche ist sie be-
stimmt wieder da, denn sie .
Lösungen:
4. Nachdem sich die Partei auf die Reform geeinigt hat, will sie
4. auf den Weg bringen
3. ist auf dem Weg der

das Gesetz jetzt möglichst schnell .


5. über den Weg
richtigen Weg
2. bist auf dem
1B 2C 3A 4C
5. geschieden
3. verheiratet

Besserung
4. verwitwet

5. Weißt du was? Ich habe endlich einmal Karl wiedergesehen!


gelaufen
1. getrennt

Gestern bin ich ihm im Einkaufszentrum .


2. ledig

2.

3.
1.
48 DEUTSCH IM BERUF Deutsch perfekt 4 / 2017

Schön, dass Sie


da sind!
Endlich ist der Moment da: Der erste Arbeitstag in der
neuen Firma steht bevor. Was muss man beachten,
damit der Start im neuen Job gelingt? Und welche
Formalitäten müssen noch erledigt werden?
SCHWER PLUS

Bereiten Sie sich vor Planen Sie den ersten Eindruck bevorstehen Zugang haben zu …
Neben der Vorfreude ist etwas Nervosität Abgesehen davon, dass Sie sich am bes- , bald da sein , hier: … lesen können; …
vor dem ersten Arbeitstag ganz normal. ten an den Dresscode halten, der für Ihre die Vorfreude
ansehen können
Üblicherweise kennen Sie Ihre zukünf- Branche typisch ist (siehe Deutsch per- , Freude auf ein Ereignis in das Unternehmen, -
tigen Kollegen noch nicht und müssen fekt 8/2016), können Sie einige wenige der Zukunft , Firma

sich außerdem auf eine neue Umgebung Sätze vorbereiten. Mit diesen Sätzen s“ch einstellen auf „bgesehen v¶n …
, sich vorbereiten auf , hier: ≈ selbstverständ-
und eventuell neue Aufgaben einstellen. werden Sie sich am ersten Tag vorstellen.
lich ist, dass man …, aber
Die Erwartungen sind hoch. Jedoch: Es Geben Sie Ihren neuen Kollegen kurz der Überblick, -e
außerdem …
, ≈ Orientierungshilfe;
geht vor allem darum, einen ersten Über- Auskunft darüber, wer Sie sind, in welcher zusammenfassendes Bild die Kont„ktaufnahme
blick über die Arbeitsabläufe zu erhalten Abteilung Sie arbeiten und wofür Sie zu- , von: Kontakt aufnehmen
der [rbeitsablauf, ¿e
und Ihren Arbeitsplatz, das Team und die ständig sein werden. Etwas Persönliches = hier: ein Gespräch
, ≈ Reihenfolge, was wann
beginnen
Ansprechpartner kennenzulernen. Falls wie ein Hobby kann auch ein gutes The- in einem Arbeitsprozess
passiert zugehen auf , hier:
Sie Zugang zu Organigrammen oder ma für eine spätere Kontaktaufnahme
Kontakt aufnehmen mit
Firmenstrukturen haben, ist es hilfreich, mit den Kollegen sein. Wenn Sie interes- der [nsprechpartner, -
, Person, die bei Fragen „nsprechen
sich Namen und Arbeitsbereiche von siert auf ihre Gesprächspartner zugehen, und Problemen hilft , ≈ sagen zu; sprechen zu
Mitarbeitern zu merken. So sind Sie bei freundlich sind, den Blickkontakt suchen
der erste Auftritt, -e
Ihrem ersten Rundgang durch das Unter- und sie persönlich ansprechen, sollte Ihr , hier: ≈ erste Begegnung
Foto: iStock

nehmen optimal auf das Kennenlernen erster Auftritt in dem neuen Unterneh-
vorbereitet. men gelingen.
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCH IM BERUF 49

In vielen Firmen ist es üblich, dass man als neuer Mitar-


beiter oder neue Mitarbeiterin seinen Arbeitsbeginn, den
sogenannten Einstand, feiert. Fragen Sie am besten die
Kollegen, wie das an Ihrem Arbeitsplatz üblich ist. Die klei-
ne Feier sollten Sie jedoch nicht gleich für den ersten Tag Formulare: Personalfragebogen
planen; das könnte einen schlechten Eindruck machen. Al- Fangen Sie in einem Unternehmen neu an, müssen Sie nor-
kohol ist bei einem Einstand auch fehl am Platz. In einigen malerweise einen Personalfragebogen ausfüllen und weitere
Firmen ist der Ausschank von alkoholischen Getränken Unterlagen abgeben. Das Formular kann zum Beispiel Fragen
sogar grundsätzlich verboten. zu Ihrer Person, Ihrer Ausbildung und Ihrer Sozialversicherung
umfassen. Sie müssen Fragen, die für Sie zu persönlich sind,
fehl „m Pl„tz sein der Ausschank
nicht beantworten. Und fragen Sie ruhig nach, wenn Sie etwas
, nicht gewünscht sein; nicht passen , von: ausschenken = in Gläser gießen
nicht verstehen.

Rubriken


Ein Personalfragebogen kann folgende Abschnitte umfassen:
Ein absolutes Tabu zu Beginn einer neuen Anstellung Persönliche Angaben: Name, Anschrift, Geburtsdatum,
sind Verbesserungsvorschläge oder Vergleiche mit der al- Geschlecht, Familienstand, Staatsangehörigkeit,


ten Firma. Niemand hört gern Kritik. Und niemand erwar- Kontodaten
tet von Ihnen, dass Sie am ersten Tag alles verändern. Mit Beschäftigung: Eintrittsdatum, Berufsbezeichnung,
etwas Zurückhaltung können Sie nichts falsch machen. Beschäftigungsverhältnis, höchster Schulabschluss,
höchste Berufsausbildung, Fortbildungen, Probezeit,
die Zur•ckhaltung , hier: ≈ Vorsicht Urlaub, Angaben zum Arbeitsverhältnis (befristete oder


unbefristete Beschäftigung)
Steuer: Steueridentifikationsnummer, Steuerklasse,


Regelungen und Formalitäten Kinderfreibeträge, Konfession
Normalerweise werden Sie an Ihrem ersten Arbeitstag von Sozialversicherung: Sozialversicherungsnummer,


einem Mitarbeiter eingewiesen. Ihnen wird Ihr Arbeitsplatz gesetzliche oder private Krankenkasse
gezeigt, und Sie werden mit verschiedenen Regelungen und Angaben zu den Arbeitspapieren: Kopie des
Formalitäten der Firma vertraut gemacht. Arbeitsvertrags, Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse,
Regelungen können zum Beispiel die Arbeitszeiten und Vertrag zu vermögenswirksamen Leistungen, Kopie der


Pausen betreffen oder auch die Benutzung von Geräten und Arbeitserlaubnis, Kopie der Aufenthaltserlaubnis
Maschinen. Arbeitnehmererklärung: Bestätigung der Richtigkeit aller
Angaben durch die Unterschrift

Wenn Sie beim Rundgang und der Einweisung durch Ih-


ren Kollegen auf Nummer sicher gehen möchten, siezen
Sie die Personen, die Ihnen vorgestellt werden. Anders ist die Regelung, -en die [ngabe, -n der K“nderfreibetrag, ¿e
es natürlich, wenn Ihnen vorab schon mitgeteilt wurde, , Regel; Vorschrift , Information , Teil des Gehalts, auf den
Arbeitnehmer mit Kindern
dass sich alle in der Firma duzen. Beobachten Sie auch, wie einweisen , hier: zeigen, die [nschrift, -en
keine Steuer zahlen müssen
Ihre Kollegen auf Sie zugehen und sich vorstellen. Stellen wie alles funktioniert , Adresse
die Konfession, -en
sich diese mit Vornamen vor, können Sie davon ausgehen, vertraut m„chen das Eintrittsdatum
, ≈ Religion
, genau sagen und zeigen, , Datum des ersten
dass man sich duzt. Bei Personen, die Sie nicht kennen,
wie etwas funktioniert Arbeitstags an einer neuen die M“tgliedsbescheini-
bleiben Sie sicherheitshalber beim „Sie“. Stelle gung, -en
betr¡ffen
Und: Ein Begrüßungsritual gibt es heute normalerwei- , hier: wichtig sein für die Berufsbezeichnung,
, schriftliche Bestätigung,
dass man Mitglied ist
se nicht mehr. Es steht also keiner auf, wenn der Vorgesetz- -en
der Personalfragebogen, ¿
te in den Raum kommt. Die Mitarbeiter grüßen einfach , Name für einen Beruf die vermögenswirksame
, Fragebogen für die
Leistung, -en
und arbeiten weiter. Personalabteilung die F¶rtbildung, -en
, staatlich geförderte
, Kurs, um aktuelles und
(das Personal Möglichkeit, zu sparen
die Einweisung , von: einweisen = zugehen auf , hier: ein Gespräch mehr Wissen zu bekom-
, alle Personen, die in einer
hier: zeigen, wie alles funktioniert beginnen; Kontakt aufnehmen mit men; Weiterbildung (fœrdern , hier: finanziell
Firma arbeiten)
unterstützen)
auf N¢mmer s“cher gehen ausgehen v¶n , hier: sicher sein die Probezeit, -en
die }nterlagen Pl.
, m nicht unabsichtlich etwas , Zeit, in der ein neuer die B„nkverbindung, -en
s“cherheitshalber , um sicher zu sein , hier: Dokumente
Falsches tun Angestellter zeigen kann, , alle nötigen Informatio-
umf„ssen dass er für eine Stelle gut nen für eine Banküberwei-
der/die Vorgesetzte, -n
vor„b , ≈ schon vorher , hier: ≈ enthalten qualifiziert ist sung, z. B. Kontonummer,
, Chef/Chefin
Name der Bank …
nachfragen
, noch einmal und im
Detail fragen
50 DEUTSCH IM BERUF Deutsch perfekt 4 / 2017

Personalfragebogen
Persönliche Angaben

Familienname: Vorname:

Geburtsname: Geburtsdatum:

Geburtsort: Staatsangehörigkeit:
Geschlecht: männlich weiblich

Familienstand: verheiratet ledig Kinder: ja nein

Anschrift: Straße, Hausnummer: PLZ, Ort:

Bankverbindung: IBAN BIC Name des Bankinstituts:


Beschäftigung

Eintrittsdatum: Berufsbezeichnung:
Hauptbeschäfti- Nebenbeschäfti-
ausgeübte Tätigkeit:
gung gung

Probezeit: ja nein Dauer der Probezeit:

höchster Schulabschluss: höchste Berufsausbildung:


wöchentliche Arbeitszeit: Vollzeit Teilzeit
Urlaubsanspruch:
Befristung: befristet unbefristet
Steuer
Steueridentifikationsnummer: Steuerklasse:

Konfession: Kinderfreibeträge:
Sozialversicherung
Sozialversicherungsnummer: Krankenkasse:
Angaben zu den Arbeitspapieren
Kopie Arbeitsvertrag: Bescheinigung Krankenkasse: Vertrag vermögenswirksame Leistungen:
liegt vor liegt vor liegt vor
Mitgliedsbescheinigung Krankenkasse: Kopie Arbeitserlaubnis: Kopie Aufenthaltserlaubnis:
liegt vor liegt vor liegt vor
Arbeitnehmererklärung
Ich versichere, dass die Angaben richtig sind. Ich verpflichte mich, alle Änderungen meinem Arbeitgeber sofort mitzuteilen.

Datum, Unterschrift Arbeitnehmer Datum, Unterschrift Arbeitgeber

Rubriken ausüben , hier: arbeiten;


machen
der Urlaubsanspruch, ¿e
Ordnen Sie die Rubriken, wie im Personalfragebogen angegeben, zu! , ≈ Garantie, Urlaub nehmen
zu können
persönliche Angaben – Sozialversicherung – Angaben zu den Arbeitspapieren – Beschäftigung – Steuer liegt vor , hier: ≈ ist schon in
der Personalabteilung
1. 4. s“ch verpfl“chten , offiziell
Konfession: evangelisch Mitgliedsbescheinigung der Kranken- erklären, dass man … tun wird
2. kasse
Lösungen:
verheiratet, zwei Kinder 5. 5. Sozialversicherung
3. versichert bei der Geba Krankenkasse Arbeitspapieren

Studium der Medizin an der Universität


4. Angaben zu den
3. Beschäftigung
Würzburg 2. persönliche Angaben
1. Steuer
Deutsch perfekt 4 / 2017 Sammelkarte Schreiben
MITTEL

Kündigung von

Kündigung des Vertrags mit einem Die Kündigungsfrist
Verträgen Fitnessstudio Wenn Sie einen Vertrag kündigen
Kiel, 26.3.2017 wollen, müssen Sie in der Regel einen
Verträge hat man mit Verei- Kündigung meiner Mitgliedschaft bestimmten Termin (= Frist) einhalten.
nen, Versicherungen, Firmen, Achtung: Dabei zählt das Datum, an dem
Sehr geehrte Damen und Herren,


Fitnessstudios und anderen der Brief beim Empfänger ankommt!
Institutionen. Wenn Sie einen hiermit kündige ich meinen Vertrag mit Ih- Die Kündigungsfrist steht meistens
Vertrag kündigen möchten, rem Fitnessstudio zum nächstmöglichen im Vertrag. Viele Verträge verlängern
sollten Sie auf ein paar Dinge Zeitpunkt. Meine Vertragsnummer ist: FIT- sich automatisch, wenn man nicht


achten. Lesen Sie hier Tipps, 379215. Bitte teilen Sie mir das Datum der fristgerecht kündigt.
Redemittel und Beispiele für Vertragsbeendigung mit, und bestätigen Sie Falls Sie die Frist nicht kennen, bitten Sie


eine Kündigung. mir den Eingang der Kündigung schriftlich. um Auskunft.
Die Kündigungsfrist für Wohnungen
Mit bestem Dank und freundlichen Grüßen steht im Mietvertrag. Für den Mieter
Tom Gösel liegt die Frist meistens bei drei Monaten.

Deutsch perfekt 4 / 2017 Sammelkarte Sprechen


LEICHT PLUS

In der Kneipe Hallo! Was darf ich Für mich eine So rufen Sie die So bestellen Sie
Gehen Sie mit Freunden oder Ihnen bringen? Apfelschorle, bitte. Bedienung Ich hätte gerne ein Glas
Kollegen abends nach der Ich hätte gerne ein Eine große oder eine Wenn Sie möchten, Wein.
Arbeit gern in eine Kneipe? Bier. kleine? dass die Bedienung
Oder sind Sie als Tourist in Ein Helles oder ein Wie viel ist denn eine an Ihren Tisch Ich nehme eine haus-
Deutschland und möchten Dunkles? Oder ein große? kommt, dann heben gemachte (= von der
abends ausgehen? Dann soll- Weizen? 0,5 Liter; eine kleine Sie eine Hand, und Kneipe selbst herge-
ten Sie wissen, welche Haben Sie auch ein ist 0,25. sagen Sie höflich: stellte) Limonade.
Getränke es in der leichtes Weizen? Dann hätte ich gerne • Entschuldigung!
Kneipe gibt, wie Sie Natürlich! eine große. • Hallo! Bringen Sie uns bitte ein
dort bestellen und Dann nehme ich ein Danke. Mineralwasser ohne
bezahlen. leichtes Weizen. Kohlensäure und eine
Gern. Und Sie, was Ein leichtes Bier ist Rotweinschorle.
möchten Sie trinken? ein Bier mit weniger
Alkohol.

Deutsch perfekt 4 / 2017 Sammelkarte Verstehen


SCHWER

April, April! m jemanden auf m jemanden an m das Blaue vom m jemandem


Am 1. April sollten Sie aufpas- den Arm nehmen der Nase herum- Himmel herunter- Sand in die Augen
sen! Denn da kann es passie- (≈ jemanden täu- führen lügen streuen
ren, dass Ihnen jemand etwas schen) (= jemanden täu- (= lügen) (= jemanden täu-
erzählt, was nicht stimmt. Hast du hier drinnen schen) Herr Müller hat schen/irreführen)
Wenn Sie das aber trotzdem geraucht? Hat Emilio Ida jetzt gesagt, er zahlt mir Glaubst du wirk-
glauben, sagt die Person Ich? Nein! doch nicht geheira- den Schaden. Bis lich, dass die Löhne
„April, April!“ und freut sich Sag mal, willst du tet? heute habe ich keinen steigen werden?
Illustration: Silke Werzinger

– denn sie hat Sie in den April mich auf den Arm Geheiratet? Nee, die Cent erhalten! Quatsch! Damit
geschickt. nehmen? Hier riecht sind gar nicht mehr Kein Wunder. Müller streut der Politiker
Lernen Sie hier idiomatische es total nach Rauch! zusammen. Er hat ist bekannt dafür, das seinen Wählern
Wendungen und Verben rund sie nur an der Nase Blaue vom Himmel doch nur Sand in die
um das Thema „die Unwahr- herumgeführt. Ich herunterzulügen. Augen!
heit sagen“! glaube, der wollte nur
eine Affäre.
Sammelkarte Schreiben Deutsch perfekt 4/ 2017


Kündigung einer Versicherung Formulierungen Allgemeine Tipps:
Bonn, 20.3.2017 So können Sie Ihre Kündigung Eine Kündigung sollten Sie

⋅ ⋅
Kündigung meiner Haftpflichtversicherung mitteilen: immer schriftlich machen.
Versicherungsnummer: HA-2790454 Hiermit kündige ich den Handyver- Wichtig: Lassen auch Sie sich
Sehr geehrte Damen und Herren, trag zum nächstmöglichen Zeit- den Eingang der Kündigung

⋅ ⋅
punkt. schriftlich bestätigen.
da ich am 6. Mai heirate, bin ich ab diesem Zeit- Ich kündige den Vertrag fristge- Wollen Sie ganz sicher
punkt in der Haftpflichtversicherung meines recht/fristgemäß/termingerecht/ sein, dass der Empfänger


Mannes mitversichert. Deshalb kündige ich mei- termingemäß zum 1. Juli 2017. die Kündigung erhält?
ne Haftpflichtversicherung bei der Securo-Versi- Ich kündige den Vertrag mit soforti- Dann schicken Sie sie ihm
cherung termingerecht zum 1. Juli 2017. Ich bitte ger Wirkung / fristlos (= ab sofort). per Einschreiben: Dabei
Sie, mir die Kündigung schriftlich zu bestätigen. erhalten Sie von der Post eine
Fristlos können Sie nur aus wichtigen
Gründen kündigen. Bestätigung, dass Sie den Brief
Mit freundlichen Grüßen verschickt haben.
Sonja Krauser Einen Kündigungsgrund müssen Sie nicht
angeben, Sie können das aber tun.

Sammelkarte Sprechen Deutsch perfekt 4/ 2017

Wichtige Wörter Bezahlen

das Alkoholfreie, -n das/der Radler, - In Deutschland ist es ganz normal, Wir möchten bitte zahlen!
, kurz für: alkoholfreies Bier = , Mischung aus hellem Bier und
wenn Gäste ihre Rechnung in der Zusammen oder getrennt?
Bier ohne Alkohol Zitronenlimonade
Kneipe getrennt zahlen. Wenn Sie Getrennt, bitte.
das D¢nkle, -n die Sch¶rle, -n
, kurz für: dunkles Bier , Mischung aus Wein oder Saft
möchten, können Sie Ihr Gegen- Das macht dann 3,50 für die
und Mineralwasser über aber natürlich auch einladen. Schorle und 3,80 für das
die H„lbe, -n
, hier: m ein halber Liter Bier das Weizen, - Normalerweise gibt man der leichte Weißbier.
, kurz für: Weizenbier = Bier, das Bedienung circa fünf bis zehn Ich zahle das Bier. Machen Sie
das H¡lle, -n
man aus Weizen macht Prozent Trinkgeld. vier Euro, bitte.
, kurz für: helles Bier
(der Weizen, - Danke sehr!
die Maß, -/M„ss, - bayer., österr.
, Pflanze, aus deren kleinen,
, Menge von einem Liter Bier
harten Früchten man Mehl macht)
Landeskunde
das P“ls, - In einer Kneipe ist es meistens nicht so
, helles Bier, das bitter schmeckt formell wie in einem Restaurant. Deshalb
wird dort oft das „Du“ benutzt, auch wenn
man sich nicht so gut kennt.

Sammelkarte Verstehen Deutsch perfekt 4 / 2017

m jemandem ein X für ein mit dem Kuchen passiert? Bis jetzt war er nur beim Vorstel- d a jemanden verarschen
U vormachen Keine Ahnung! lungsgespräch – ob er die Stelle (= (zum Spaß) etwas
(= jemanden betrügen/ Sag mir die Wahrheit! wirklich bekommen wird, ist noch Falsches erzählen und den
belügen) Ich mag es nicht, wenn du nicht klar. anderen glauben lassen, dass
Der Makler sagte, das Haus schwindelst. es wahr ist)
würde im Zentrum der Stadt m jemanden veräppeln Wo warst du denn gestern
liegen. m flunkern (= etwas sagen, was nicht Abend?
Wie bitte? Das soll im Zen- (= etwas erzählen, was nicht wahr ist und sich darüber Ach, ich habe auf der Straße
trum sein? Der will dir wohl ganz der Wahrheit ent- freuen, wenn ein anderer es zufällig meine Exfreundin
ein X für ein U vormachen! spricht) glaubt) getroffen, und wir sind zusam-
Also, dass Benjamin den Job Was, du willst in zwei Jahren men essen gegangen.
m schwindeln schon hat, stimmt nicht. Da hat er schon 5000 Euro mehr Gehalt Rein „zufällig“? Nein, das
(= etwas sagen, was nicht geflunkert. haben? Du willst mich wohl glaube ich dir nicht! Weißt
ganz wahr ist) veräppeln! du was? Verarschen kann ich
Jetzt sei mal ehrlich: Was ist mich selber!
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEUTSCH IM ALLTAG 53

Spinnst du?
Der deutsche Kommunikationsstil ist oft sehr direkt. Besonders
zwischen Freunden und Verwandten werden manche Situationen
sehr emotional. So zeigen die Deutschen in der gesprochenen
Alltagssprache, dass sie ärgerlich sind.
MITTEL AUDIO PLUS

1 In der Wohngemeinschaft Weitere typische Ausdrücke aus


a Komisch! Ich war sicher, dass ich eine der Alltagssprache, um zu sagen,
volle Packung Milch im Kühlschrank dass jemand „verrückt“ ist:
hatte. Du hast wohl einen Schatten!
Ach, das war deine Milch?! Die habe Du hast ja eine Meise!
ich gestern Abend für meine Pfann- 2 Im Auto Bei dir piept’s wohl!
kuchen verwendet. a He! Der hat sie wohl nicht mehr alle! Du bist wohl/ja nicht ganz bei Trost!
a Sag mal, geht’s noch? Du kannst doch Hast du das gesehen, Ina? Der ist bei Vorsicht: Die meisten Ausdrücke
nicht einfach meine Sachen nehmen, Rot über die Ampel gefahren. sind sehr negativ und können
ohne zu fragen! Ja, ja, Martin. Reg dich nicht auf. aggressiv wirken.
Ja, aber der Supermarkt war schon a Du bist lustig! Das war total gefähr-
geschlossen, und außerdem war die lich. Da standen Kinder an der Ampel.
der Pf„nnkuchen, - s“ch aufregen
Milch schon abgelaufen. … Also, das gibt’s doch nicht! Der Typ , in der Pfanne gebacke- , sich ärgern
a Aber sonst geht’s dir gut, oder? Das hat ja einen Vogel – überholt trotz ne Mehlspeise aus Eiern,
Das gibt’s d¶ch n“cht!
ist doch kein Grund, nicht zu fragen. Gegenverkehr! Mehl und Milch
, Das ist doch nicht
Tut mir leid. Ich wollte es dir sagen, Martin, bitte reg dich nicht so auf. einfach , hier: ≈ ohne möglich!
aufzupassen
hab’s dann aber vergessen. a Ich rege mich gar nicht auf. Ich stelle der Gegenverkehr
a Okay. Aber ich hoffe, ich bekomme nur fest. … He! Der tickt wohl nicht „bgelaufen , hier: zu , Verkehr auf der ande-
alt, sodass man sie besser ren Straßenseite
wenigstens einen von deinen Pfann- richtig! Hast du … nicht mehr trinkt
kuchen. Pass auf, Martin! Brems!
Na klar.

1. Mit Ironie und (Un)Verstand 2. Wörtlich genommen

Wer sich ärgert, benutzt gern Ironie (I) oder erklärt den Mit neutraler Intonation und in anderen Kontexten
anderen für verrückt (V). Was bedeutet was? Kreuzen könnten viele alltagssprachliche Ausdrücke, mit denen
Sie an! man sagt, dass jemand verrückt ist, auch ganz wörtlich
verstanden werden. Nämlich wie? Verbinden Sie mit
1. Du bist lustig! I V der wörtlichen Bedeutung!

2. Aber sonst geht es dir gut, ja? I V


1. Du hast ja eine Meise. A Du bist ein fröhlicher
3. Du hast sie wohl nicht mehr alle. I V Mensch.
2. Du bist lustig!
4. Du hast ja einen Vogel. I V B Es fehlt Geschirr.
3. Du hast nicht alle Tas-
5. Spinnst du? I V sen im Schrank. C Du solltest dich (bes-
ser) waschen.
Illustration: Silke Werzinger

4. Du bist nicht ganz


Lösungen: sauber. D Du bist Besitzer eines
Vogels.
1D 2A 3B
4. V
5. V
3. V
2. I

4C
1. I

2.
1.
54 GRAMMATIK Deutsch perfekt 4 / 2017

Auf die eine oder


andere Art
Wenn Sie Methoden und Hilfsmittel angeben
wollen, brauchen Sie Modalsätze. Wie bilden Sie
die wichtigsten dieser Sätze?
MITTEL AUDIO PLUS

Modalsätze nennen das Mittel, also die Art und Weise. Hauptsatz mit „dadurch“
Sie geben Antwort auf die Frage „Wie? / Auf welche Art „Dadurch“ verbindet zwei Hauptsätze. Der Satz mit
und Weise?“. „dadurch“ markiert das Ergebnis oder Ziel.
Victor liest täglich 30 Minuten lang eine deutsche Zeitung.
Nebensatz mit „indem“ und „dadurch, dass“ Dadurch lernt er viele neue Wörter.
Im Nebensatz mit „indem“ wird die „Methode“ ange- (Methode: (Ziel/Ergebnis:
geben, mit der ein im Hauptsatz genanntes Ziel erreicht Zeitung lesen) neue Wörter lernen)
wird. Das Verb steht, wie immer in Nebensätzen, am
Ende. Synonyme dazu sind „so“ und „auf diese Weise“:
Am besten lernt man Deutsch, indem man regelmäßig übt. Victor spricht alle neuen Wörter, die er von Kollegen hört,
(Ziel: Deutsch lernen) (Methode: sofort mehrmals nach. So / Auf diese Weise kann er sich die
regelmäßig üben) Wörter besser merken.
Die Reihenfolge von Haupt- und Nebensatz kann geän- (Methode: (Ziel/Ergebnis:
dert werden: Wörter nachsprechen) sich Wörter
Indem man regelmäßig übt, lernt man am besten Deutsch. besser merken)

„dadurch, dass“ ist ein Synonym zu „indem“. Das Wort


„dadurch“ kann von „dass“ getrennt stehen:
Victors Deutschkenntnisse verbessern sich dadurch, dass er
viel mit seinen deutschen Kollegen spricht. Oft verwendete Alternativen: „durch“ und „mit“
(Ziel/Ergebnis: (Methode: viel mit Die Präposition „durch“ steht mit einer nominalen Kon-
Deutschkenntnisse Deutschen sprechen) struktion im Akkusativ und ersetzt einen Modalsatz:
verbessern) Dadurch, dass Victor einen Deutschkurs besucht hat, hat sich
Man kann seine Deutschkenntnisse dadurch verbessern, dass sein Deutsch verbessert.
man auf Deutsch fernsieht. Durch den Besuch eines Deutschkurses hat sich Victors
(Ziel/Ergebnis: (Methode: auf Deutsch verbessert.
Deutschkenntnisse Deutsch fernsehen) (Methode: (Ergebnis:
verbessern) einen Deutschkurs besseres Deutsch)
Haupt- und Nebensatz können getauscht werden: besuchen)
Dadurch, dass Victor viel mit seinen deutschen Kollegen
spricht, verbessern sich seine Deutschkenntnisse. Ein Hilfsmittel wird mit „mit“ angegeben. „Mit“ steht
mit einer nominalen Konstruktion im Dativ:
Indem man eine gute App verwendet, kann man heute auch
Deutsch lernen.
Mit einer guten App kann man heute auch Deutsch lernen.
(Methode: (Ziel:
eine gute App Deutsch lernen)
Illustrationen: Silke Werzinger

verwenden)
Deutsch perfekt 4 / 2017 GRAMMATIK 55

1. Entspannung 3. Hohe Mieten

Was machen die Leute, um sich nach einem langen, Ersetzen Sie die fett markierten Satzteile durch eine
harten Arbeitstag zu entspannen? Schreiben Sie Sätze nominale Konstruktion mit „durch“!
mit „indem“!
1. Indem er staatliche Grundstücke an Investoren
Ich entspanne mich, … verkauft, will der Staat den Wohnungsmarkt entlas-
ten.
1. indem ich Musik höre . Durch den Verkauf von staatlichen Grundstü-
(Musik hören) cken an Investoren will der Staat den Woh-
nungsmarkt entlasten.
2. . 2. Indem mehr Sozialwohnungen gebaut werden, soll
(mit meinen Kindern spielen) auch ärmeren Menschen geholfen werden.

3. .
(lange und heiß duschen)
3. Indem man neue Gesetze macht, sollen Mieter vor
4. . zu hohen Preisen geschützt werden.
(sich auf das Sofa legen)

5. .
(ein Glas Wein auf dem Balkon genießen) 4. Indem Baulücken in der Stadt genutzt werden,
spart man sich die Kosten für neue Infrastruktur.

5. Indem Mietshäuser energetisch saniert werden,


steigen die Mieten.
2. Retter der Umwelt

Was passt? Setzen Sie „indem“, „dadurch“ oder


„durch“ ein!

Viele glauben, dass der Einzelne nichts dafür tun kann,


dass es unserer Umwelt besser geht. Stimmt nicht! Auch
Sie können zum Retter der Umwelt werden, zum Beispi
el, (1) Sie weniger Auto fahren. Nehmen
Sie doch öfter mal das Fahrrad. (2) mehr
Bewegung tun Sie nicht nur etwas für Ihre Gesundheit,
sondern schützen auch die Umwelt. (3)
Sie weniger einkaufen, kommen am Ende weniger Le-
bensmittel in den Müll. Auch (4) wird
die Umwelt geschont, und Sie sparen Geld. Duschen
statt Baden ist die Devise! (5) Baden
wird viel zu viel Wasser verbraucht. Unnötig! Und muss
es jedes Jahr das neueste Smartphone-Modell sein?
Benutzen Sie Ihr Smartphone doch einfach, solange es Lösungen:
funktioniert. (6) wird weniger von den
Sozialwohnungen soll auch ärmeren

seltenen Metallen gebraucht, die für die Handyherstel-


4. Durch die Nutzung von Baulücken

5. Durch die energetische Sanierung


3. Durch neue Gesetze sollen Mieter
4. indem ich mich auf das Sofa lege
3. indem ich lange und heiß dusche

5. indem ich ein Glas Wein auf dem

vor zu hohen Preisen geschützt

lung notwendig sind. Wussten Sie übrigens, dass die


in der Stadt spart man sich die
2. indem ich mit meinen Kindern

Kosten für neue Infrastruktur.

von Mietshäusern steigen die


Menschen geholfen werden.

Metalle oft (7) Kinderarbeit gewonnen


2. Durch den Bau von mehr

werden? Sie finden, dass Umweltschutz anstrengend ist?


Einverstanden, aber wir haben nur diese eine Welt, und
Balkon genieße

(8) wir die Umwelt retten, retten wir


uns selbst.
6. Dadurch
4. dadurch

werden.

Mieten.
8. indem
3. Indem
2. Durch

5. Durch
1. indem
spiele

7. durch
2.

3.
1.
56 RATEN SIE MAL! Deutsch perfekt 4 / 2017

1. Ganz typisch? Kolumne: Seite 71

Alia Begisheva ist auf der Suche nach der deutschesten aller Städte. Welche Aussage oder welches Klischee passt zu
welcher Stadt? Ordnen Sie die Städte den Beschreibungen zu!

Hamburg

1. stolz und imperial

2. hip und weltoffen


Düsseldorf Hannover Berlin
3. bayerisch, mit inter-
national bekanntem
Schloss

4. liegt in Ostdeutschland Köln Leipzig


5. Man spricht Hoch-
deutsch.

6. berühmter Christkind- Frankfurt


lesmarkt
Nürnberg
7. multikulti

8. Fröhlichkeit

9. chic München

Die deutschsprachige Welt


2. Aprilwetter! in Zahlen: Seite 15

Im April weiß man nie, wie das Wetter sein wird. Welche „Wetter-Wörter“ werden hier ge-
sucht? Schreiben Sie die Wörter auf die Linien, und finden Sie so das Lösungswort:
Das Synonym für „sehr schönes Wetter“ wird man in diesem Monat nicht so oft benutzen!

1. Vorgestern war überall weißer . Es hat .


2
Lösungen:
2. Gestern hat es . Überall haben die körner gelegen. Lösung: Kaiserwetter
1 5. neblig, Nebel
4. geschienen
3. Danach ist es wärmer geworden. Aber die Straßen waren nass, denn es hat nur noch 3. geregnet, Regen

. Aber der war wenigstens warm.


2. gehagelt, Hagel
5 1. Schnee, geschneit
2.
4. Am Nachmittag hat kurz die Sonne .
3 9. Düsseldorf
8. Köln
5. Abends ist es dann geworden. Der war so stark, dass man 7. Frankfurt
Fotos: iStock; Shutterstock

4
gar nichts mehr sehen konnte. Typisch Aprilwetter!
6. Nürnberg
5. Hannover
4. Leipzig
3. München
2. Berlin
Lösung: Heute ist ja richtiges K wetter! 1. Hamburg
1 2 3 4 5 1.
Deutsch perfekt 4 / 2017 WORTKOMPASS 57

„Mein Lieblingswort des Monats ist


der Wasserfall. Das Wasser höre ich nämlich
sehr gerne fallen und finde es wunderbar,
wenn etwas davon in meinem Gesicht landet.“
Judith Rothenbusch sucht und findet für
Deutsch perfekt jeden Monat tolle Fotos.

Die polyglotte Seite


Kennen Sie die deutschen Wörter zu diesen Themen im Heft?
Testen Sie sich nach dem Lesen: Legen Sie die Hand auf die
deutschen Wörter, und finden Sie die richtige Übersetzung!
DEUTSCH ENGLISCH SPANISCH FRANZÖSISCH ITALIENISCH UNGARISCH POLNISCH RUSSISCH

RUND UM LANDSCHAFTEN, TEXT: REISETIPPS SEITE 72


der Wasserfall waterfall la cascada la cascade la cascata vízesés wodospad водопад
das Tal valley el valle la vallée la valle völgy dolina долина
das Gebirge mountain range la sierra la montagne la montagna hegység góry гора
der Gipfel peak la cumbre le sommet la cima hegycsúcs szczyt вершина
der Gletscher glacier el glaciar le glacier il ghiacciaio gleccser lodowiec ледник
der Hügel hill la colina la colline la collina domb pagórek холм
die Wüste desert el desierto le désert il deserto sivatag pustynia пустыня
die Insel island la isla l’île l’isola sziget wyspa остров
die Küste coast la costa la côte la costa tengerpart wybrzeże берег, побережье
das Feld field el campo le champ il campo (szántó)föld, mező pole поле
die Höhle cave la cueva la caverne la grotta barlang jaskinia пещера
die Wiese meadow el prado la prairie il prato mező łąka луг
der Bach stream el arroyo le ruisseau il ruscello patak strumień ручей
der Urwald jungle el bosque virgen la forêt vierge la foresta vergine őserdő puszcza девственный лес

RUND UM RELIGION, TEXT: GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE SEITE 62 - 63


der Pfarrer minister el párroco le prêtre il parroco plébános, lelkész proboszcz священник
der Bischof bishop el obispo l’évêque il vescovo püspök biskup епископ
der Papst pope el papa le pape il papa pápa papież Папа
die Kirchen- congregation la parroquia la communauté la comunità di fedeli egyházközség parafia церковный приход
gemeinde religieuse
der Gottesdienst service la misa le service religieux la messa istentisztelet nabożeństwo богослужение
die Predigt sermon el sermón le sermon la predica szentbeszéd, kazanie проповедь
prédikáció
das Gebet prayer la oración la prière la preghiera ima modlitwa молитва
die Beichte confession la confesión la confession la confessione gyónás spowiedź исповедь
die Taufe christening el bautismo le baptême il battesimo keresztség, chrzest крещение
keresztelés
die Kommunion communion la comunión la communion la comunione elsőáldozás komunia причастие
die Firmung confirmation la confirmación la confirmation la cresima bérmálás bierzmowanie миропомазание
(Catholic) (iglesia católica)
die Konfirmation confirmation la confirmación la confirmation la confermazione konfirmáció konfirmacja конфирмация
(Protestant) (iglesia evangélica)
der Mönch monk el monje le moine il monaco szerzetes, barát mnich монах
die Nonne nun la monja la religieuse la suora apáca zakonnica монашка

RUND UM DEN CHARAKTER VON STÄDTEN, TEXT: KOLUMNE SEITE 71


attraktiv attractive atractivo attrayant attraente vonzó atrakcyjny привлекательный
spießig suburban aburguesado bourgeois di piccola borghesia nyárspolgárias kołtuński мещанский
weltoffen cosmopolitan cosmopolita cosmopolite cosmopolito kozmopolita kosmopolityczny космополитический
stolz proud orgulloso fier fiero büszke dumny гордый
imperial imperial imperial impérial imperiale imperiális imperialny имперский
Illustration: iStock; Foto: privat

schick fancy chic chic elegante elegáns modny элегантный


multikulti multicultural multicultural multiculturel multiculturale multikulti wielokulturowy мультикультурный
vielfältig versatile diverso varié versatile sokszínű, változatos różnorodny разнообразный
mit dunkler with a dark past con un pasado avec un sombre con un passato sötét múltú z niechlubną с темным прошлым
Vergangenheit oscuro passé oscuro przeszłością
öde dull desolado morne deserta sivár opustoszały запущенный
58 DEBATTE Deutsch perfekt 4 / 2017

Brauchen wir eine Quote für


Landärzte?
In der Provinz fehlen Ärzte. Würde es helfen, wenn junge Leute leichter einen
Medizin-Studienplatz bekämen, wenn sie später auf dem Land arbeiten?
SCHWER PLUS
Deutsch perfekt 4 / 2017 DEBATTE 59

Eine Übung zu diesem Text


finden Sie auf Seite 47.

Ja „In einer älter werdenden Gesellschaft brauchen


wir eine gute Versorgung.“ Nein „Die Quote ist ein falsches Signal an die
Studierenden.“

Ganz klar: Ja! In Bayern ist die Landarzt- Alle Maßnahmen, die die Entscheidungs-
die Vers¶rgung einschränken
quote schon auf einem sehr guten Weg. , hier: ≈ alle medizini- freiheit einschränken, sind keine Lösung , reduzieren; limitieren
Mein Ziel ist, dass die Menschen auch in schen Leistungen, die man dafür, dass es zu wenige Landärzte gibt.
die Niederlassungsförde-
Zukunft zu einem Hausarzt in ihrer Nähe braucht Daher: Keine Quote! Als Sofortmaßnah- rung, -en
gehen können. In einer älter werdenden auf einem guten Weg sein men helfen Stipendien und Niederlas- , Unterstützung bei der
, hier: bald entschieden Gründung einer Praxis
Gesellschaft brauchen wir eine gute und werden
sungsförderungen – jedoch nur für kurze
wohnortnahe Versorgung. Deshalb ist es Zeit. Das Berufsbild und die Arbeitsbe- die Sch„ffung
“m lændlichen Raum , von: schaffen = hier:
wichtig, mehr Studierende für die Arbeit , auf dem Land dingungen der Landärzte müssen geprüft entstehen lassen
im ländlichen Raum zu gewinnen. werden. Hier müssen wir Ärzte aktiv wer-
gew“nnen für , erreichen, attraktiv
Nach meiner Ansicht sollten bis zu dass jemand für etwas den – mit der Schaffung einer attraktiven , hier: ≈ interessant
fünf Prozent aller Medizinstudienplätze aktiv wird Aus- und Weiterbildung, Regelungen der St„ndortf„ktor, -fak-
in Bayern Studierende bekommen, die s“ch verpfl“chten für eine gesicherte Patientenversorgung toren , hier: Bedingung,
sich verpflichten, später als Hausarzt in , hier: offiziell erklären, außerhalb der Sprechzeiten und der För- die es dort, wo ein Arzt tätig
dass man … tun wird ist, geben sollte
Regionen zu arbeiten, die bereits unter- derung von Kooperationsformen wie
das Maßnahmenbündel, - die weiterführende Schu-
versorgt sind oder von Unterversorgung Gemeinschaftspraxen und Ärztehäusern.
, viele Maßnahmen le, -n , z. B. Realschule,
bedroht sind. Die Landarztquote ist ein zusammen Die Attraktivität des ländlichen Raums Gymnasium
wichtiger Teil eines Maßnahmenbündels. (die Maßnahme, -n kann nur durch die Politik mit der Schaf- der œffentliche Nahver-
Aktuell haben wir in Bayern eine gute , Handlung, um ein be- fung einer guten Infrastruktur gefördert kehr
ärztliche Versorgung. stimmtes Ziel zu erreichen) werden. Wir brauchen Standortfaktoren , Transportmittel für den
Verkehr auf kurzen Wegen
Aber: Die Ärzte sind zum Teil ungleich z¢m Teil wie einen guten Arbeitsmarkt für den
, hier: nicht überall, aber überf¶rdern
über das Land verteilt – und die demo- Partner, weiterführende Schulen, Kinder-
in manchen Gebieten , mehr erwarten, als man
grafische Entwicklung wird uns in den betreuungsmöglichkeiten, guten öffentli- leisten kann
die Herausforderung, -en
nächsten Jahren vor große Herausfor- , schwierige Aufgabe chen Nahverkehr und schnelles Internet. die F„chrichtung, -en
derungen stellen. Zum einen, weil die Drei Gründe sprechen gegen die Quo- , hier: spezieller medizini-
bereits , schon
Ärzte selbst älter werden. Und zum an- te: Erstens überfordert es die Abiturien- scher Bereich
Maßnahmen ergreifen
deren, weil eine älter werdende Bevölke- , beginnen zu handeln,
ten, sofort entscheiden zu müssen, auf die Allgemeinmedizin, -
, medizinischer Bereich, in
rung mehr Ärzte braucht. Deshalb ist es um ein bestimmtes Ziel zu welche Fachrichtung sie sich später spe-
dem der Arzt jede Krankheit
so wichtig, dass wir junge Ärzte für den erreichen zialisieren und wo sie in Zukunft tätig kennen soll
ländlichen Raum gewinnen. Hier ver- die Niederlassung, -en sein wollen. Sie müssten sich vor dem fin„nzkräftig , ≈ reich
, hier: Gründung einer
trauen wir nicht nur auf die Effekte der Studienstart verpflichten, einen Teil
Praxis s“ch aus dem Progr„mm
Quote, sondern haben bereits zahlreiche ihrer Weiterbildung zum Facharzt für kaufen kœnnen , hier: die
das Stip¡ndium, Stip¡n-
weitere Maßnahmen ergriffen, damit die dien , hier: Geld, das Allgemeinmedizin auf dem Land zu ma- Strafe dafür zahlen können,
dass sie doch nicht auf dem
ärztliche Versorgung auch auf dem Land Studenten von Universitä- chen – und dann weitere acht Jahre dort
Land arbeiten
gut bleibt. ten oder Organisationen tätig sein. Zweitens besteht die Gefahr
bekommen, damit sie verm“tteln , hier: zeigen
So ist es uns wichtig, dass junge Ärz- ohne finanzielle Probleme der Ungleichbehandlung, da sich finanz-
der Hausarztberuf
te schon während ihrer Ausbildung den studieren können kräftige Studierende aus dem Programm
, Beruf eines Arztes, der
ländlichen Raum kennenlernen und die CSU , kurz für: kaufen können. Drittens ist die Quote einen Patienten viele Jahre
sich dann auch häufiger für eine Nie- Christlich-Soziale Union ein falsches Signal an die Studierenden, betreut und zur Untersu-
chung auch ins Haus kommt
derlassung dort entscheiden. Deshalb denn sie vermittelt ein negatives Bild des
erhalten Medizinstudenten in Bayern Hausarztberufs. Nach mehr als 30 Jahren „bwechslungsreich
, hier: so, dass viel pas-
ein Stipendium in Höhe von 300, bald als Landarzt kann ich sagen, dass es sich siert und man immer wieder
500 Euro monatlich, wenn sie bereit sind, um einen verantwortungsvollen und etwas Neues macht
ihre Facharztweiterbildung im ländlichen abwechslungsreichen Beruf mit gesi-
Fotos: picture-alliance/dpa; privat

die Rahmenbedingung,
Raum zu machen und dann für mindes- chertem Einkommen handelt, wenn die -en , allgemeine
Bedingung
tens fünf Jahre auf dem Land tätig zu sein. Rahmenbedingungen passen.
die L„ndesærztekammer,
Melanie Huml (CSU) ist Max Kaplan ist Präsident der -n , ≈ Organisation für die
Gesundheitsministerin in Bayern. Bayerischen Landesärztekammer. beruflichen Interessen von
Ärzten und die Kontrolle
der ärztlichen Pflichten in
einem Bundesland
60 WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT Deutsch perfekt 4 / 2017

WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT

Lobbyisten seinen Alltag zu organisieren, muss man


sich um viele Dinge kümmern.
Muss ich für mein Bankkonto bezah-
gezogen , Part. II von:
ziehen = hier: umziehen

für dich
ges¡tzlich , hier: so, dass
len? Wie kann ich Strom sparen? Was ma- es schriftliche Normen gibt,
che ich, wenn meine Internetverbindung dass man diese Versiche-
rung haben muss
zu langsam ist? Welcher Telefontarif ist

und mich für mich am besten? Auf diese und viele


andere Fragen geben die Experten in den
Beratungsstellen Antworten. Auch bei
das B¢ndesland, ¿er
, Teil von einer föderalisti-
schen Republik
das r¡chtliche Thema,
In der Verbraucherzentrale Problemen helfen sie weiter, zum Beispiel Themen
beraten Experten bei Fragen bei falschen Rechnungen oder bei Ärger , hier: ≈ z. B. Probleme
und Streit mit einer Firma
und Problemen im Alltag mit Verträgen. oder dem Vermieter
Es gibt für die Beratung verschiede-
– objektiv, und ohne etwas weiterhelfen , helfen, ein
ne Varianten: E-Mail, Telefon oder ein
verkaufen zu wollen. persönliches Gespräch. Im Internet fin-
Problem zu lösen
der Staat , hier: alle
LEICHT det man die Kontaktdaten unter www. Menschen in einem Land:
verbraucherzentrale.de/beratung. Für ein Sie zahlen Steuern.

V
persönliches Gespräch muss man vorher der Sp¡nder, -
, Person oder Firma: Sie
errückt“ – mit diesem Wort einen Termin vereinbaren. Connors er-
schenkt Geld, um zu helfen.
beschreibt der Ire Owen zählt: „Es hat ein paar Tage gedauert, bis
das Verbraucherthema,
Connors seine ersten ich einen Termin bekommen habe. Der
Verbraucherthemen
„ Wochen und Monate in Berater war ein Versicherungsexperte. Er , Inhalt: Er ist für einen
Deutschland. Vor ein paar Jahren ist er hat mir erklärt, welche Versicherungen Verbraucher interessant.
von Dublin nach München gezogen. „Ich es gibt, welche ich auf jeden Fall brauche (der Verbraucher, -
musste so viel organisieren. Es war das to- und welche ich individuell wählen kann. , ≈ hier: Person: Sie be-
nutzt eine Dienstleistung.)
tale Chaos“, erzählt der heute 39-Jährige. Das hat mir sehr bei der Orientierung ge-
(die Dienstleistung, -en
Um ein bisschen Ordnung in sein neues holfen.“
, Service(angebot);
Leben zu bringen, hat er bei den Versi- Verbraucherzentralen gibt es in auch: Beruf: Dadurch wird
cherungen angefangen. „Das Gesund- Deutschland seit den 50er-Jahren. Die kein Produkt hergestellt,
sondern etwas für andere
heitssystem in Irland ist ganz anders als Idee: Sie sollen Lobbyisten für Menschen getan, z. B. Arzt, Verkäufer
das in Deutschland. Es gibt hier so viele sein – und nicht für die Wirtschaft. Geld oder Beamter.)
verschiedene Krankenversicherungen. bekommen die Vereine vom Staat und je nach Thema ¢nd Dauer
Ich wollte wissen: Welche Versicherung von Spendern. Außerdem schreiben, pu- , unterschiedlich für jedes
ist die richtige für mich? Was ist der Un- blizieren und verkaufen sie eigene Bücher Thema und die Dauer

terschied zwischen einer privaten und über Verbraucherthemen, wie Achtung, der Vortrag, ¿e
, ≈ Präsentation; ≈ Spre-
einer gesetzlichen Krankenkasse? Und: Zucker!, Meine Daten gehören mir oder Was chen vor Publikum
Welche Versicherungen brauche ich tun, wenn jemand stirbt?. Man kann sie im
sonst im Alltag?“ Um Antworten auf sei- Internet bestellen oder manchmal auch
ne Fragen zu bekommen, hat Connors in den Beratungsstellen kaufen.
bei der Verbraucherzentrale in München Die meisten Beratungen sind nicht
einen Termin zur Versicherungsberatung kostenlos, aber oft günstig. Die Preise Verbraucherzentralen geben
vereinbart. Und ist so genau zur richtigen sind sehr unterschiedlich. Manche per- auch Tipps zum Stromsparen.
Stelle gegangen. sönlichen Gespräche kosten fünf Euro,
Die Verbraucherzentrale ist eine In- andere mehr als 100 Euro – je nach The-
stitution für die Menschen in Deutsch- ma und Dauer der Beratung. Auch eine
land. Jedes der 16 Bundesländer hat eine E-Mail- oder Telefonberatung kann Geld
eigene. In jedem Bundesland bietet der kosten. Alle Preise stehen auf den Web-
Verein Beratungen an mehreren Orten sites der Verbraucherzentralen. Manch-
an. Dort bekommt man Informationen mal finden kostenlose Sprechstunden
zu finanziellen und rechtlichen Themen, oder Vorträge statt. Auch diese Termine
zu Verträgen und Rechnungen, zu Ange- und Angebote stehen im Internet. Es ist
boten von Telekommunikations-, Versi- also zu empfehlen, zuerst auf die Website
cherungs- und Energiefirmen. Denn um der Beratungsstelle in der Nähe zu sehen.
Deutsch perfekt 4 / 2017 WIE DEUTSCHLAND FUNKTIONIERT 61

Die Beratung ist nicht


kostenlos, aber der
Berater will auch
nichts verkaufen.

„Ich finde es besonders gut, dass die Reiseversicherungen, Tier- und Kli-
neutral , hier: ≈ objektiv; der D¶lmetscher, -
Berater in den Verbraucherzentralen maschutz. Außerdem ist der vzbv ju- so, dass es kein persönliches , Person: Sie übersetzt
neutral sind“, sagt Connors. „Es bringt ristisch für Verbraucher aktiv. Unter Interesse gibt Gespräche in eine andere
Sprache.
dem Berater keinen Profit, wenn er mir www.vzbv.de findet man oft auch inte- die D„chorganisation, -en
zum Beispiel eine spezielle Versicherung ressante Informationen und Tipps zu , Organisation von mehre-
ren Vereinen
empfiehlt.“ Das stimmt: Die Experten aktuellen Verbraucherthemen.
kooperieren nicht mit Firmen, sie wollen Klar ist also: Die Verbraucherzentrale der B¢ndesverband, ¿e
, Organisation für ganz
den Kunden nichts verkaufen. ist eine wirklich gute Sache. Was aber soll Deutschland
Außerdem soll die Arbeit der Vereine man tun, wenn das Deutsch noch nicht Einfluss nehmen auf …
auch parteipolitisch neutral sein. Eine gut genug für ein Beratungsgespräch , hier: erreichen wollen,
Dachorganisation für alle Verbraucher- ist? Connors hat zu seinem Termin eine dass Interessen von Ver-
brauchern bei … Priorität
zentralen ist der Verbraucherzentrale deutsche Freundin mitgenommen. Sie haben
Bundesverband (vzbv). Der vzbv will hat für ihn und für den Berater übersetzt.
der Datenschutz
für die Verbraucher Einfluss auf die Po- In manchen Beratungsstellen gibt es Dol- , hier: Daten schützen
litik nehmen. Zum Beispiel publiziert metscher für verschiedene Sprachen. Am = aufpassen, dass andere
Fotos: iStock

Personen persönliche
und twittert er kritische Statements zu besten fragt man danach bei der Termin-
Daten nicht bekommen
aktuellen Themen wie Datenschutz, vereinbarung. Eva Pfeiffer
62 GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE Deutsch perfekt 4 / 2017

Theologin mit
klaren politischen
Positionen: Maria
Jepsen an ihrem
ersten Tag als
Bischöfin.

Die kleine Revolution


Im April 1992 wird Maria Jepsen in Hamburg zur ersten lutherischen
Bischöfin der Welt gewählt. Für die einen ist das eine Sensation, für
die anderen ist es ein Schock. MITTEL AUDIO

K
ann die das? Und: Darf die das Im Januar 1992 wird Maria Jepsen
die B“schöfin, -nen w¡ltweit
eigentlich? Über diese und als eine von zwei Kandidaten für das , Frau mit hoher Position , auf der ganzen Welt
ähnliche Fragen wird im Früh- Bischofsamt in Hamburg aufgestellt. in der evangelischen Kirche
das B“schofsamt
jahr 1992 intensiv öffentlich Die 47-Jährige hat zu diesem Zeitpunkt seitdem , hier: seit dem , Position als Bischof
diskutiert. Seitdem ist nämlich bekannt, schon als Pastorin Karriere gemacht. Mit Zeitpunkt, da …
aufstellen
dass im progressiven Kirchenkreis an der ihrem Mann hatte sie viele Jahre lang der K“rchenkreis, -e , hier: vorschlagen
Fotos: epd Bild; picture alliance/dpa

Nordelbe, zu dem Hamburg und Schles- verschiedene Kirchengemeinden in , mehrere Kirchenge-


die Pastorin, -nen
meinden mit gemeinsamer
wig-Holstein gehören, eine Sensation Schleswig-Holstein geleitet. 1991 wird Administration
, Frau, die in der evan-
gelischen Kirche religiöse
Realität werden könnte: Eine Frau könnte die Pastorin als eine der ersten Frauen in (die K“rchengemeinde, -n Aufgaben hat
die erste lutherische Bischöfin werden – Deutschland Pröpstin im Kirchenkreis , Gruppe von Christen, die
in dieselbe Kirche gehen) die Pröpstin, -nen
die erste weltweit. Diese Nachricht lässt Hamburg-Harburg. , hier: Leiterin einer
die einen hoffen. Die anderen sind total Und jetzt vielleicht Bischöfin, als erste gehören zu Verbindung mehrerer Kir-
, ≈ ein Teil sein von chengemeinden
schockiert. der Welt in der evangelisch-lutherischen
Deutsch perfekt 4 / 2017 GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE 63

Kirche? Es dauert nicht lange, bis diese Stadt, kommen Theologen aus der ganzen
Idee öffentlich kritisiert wird. Kurz nach- Welt, so zum Beispiel jüdische, orthodo-
dem die Kandidatur bekannt wird, fragt xe und katholische Geistliche. Das Mot-
das Hamburger Abendblatt: „Darf eine Frau to der neuen Bischöfin: „Die Kirche muss
Bischof werden?“ Ein 63-jähriger Pfar- sich einmischen in die Politik.“
rer erklärt, dass er früher in Rente gehen Genau das wird sie in den nächsten
würde, wenn Jepsen gewählt würde. Sei- 18 Jahren auch tun. Jepsen, die sich als fe-
ne Aussage begründet er mit einem theo- ministische Theologin sieht, mischt sich
logischen Argument, einem Satz aus der ein. Sie kämpft gegen Antisemitismus
Bibel: „Es schweige die Frau in der Ver- und Gewalt gegen Ausländer genauso
sammlung.“ Er ist nicht der Einzige. Mit wie gegen Armut. Als eine der Ersten
ihm sagen rund 80 andere Pastoren, dass kämpft sie für die Anerkennung von Ho-
sie es genauso machen würden. mosexuellen innerhalb der Kirche und
Verglichen mit Szenarien wie diesen selbstverständlich auch für eine stärkere
passiert die kirchenpolitische Revolution Position der Frauen in den Kirchen. Auch das Bl„tt, ¿er der Geistliche, -n
dann überraschend einfach. Am 4. April die Ökumene, der Dialog zwischen den , hier: Zeitung , ≈ Person, die in einer Kir-
1992 wird die Theologin in der Hambur- Religionen, ist ihr wichtig. Nach ihrer che religiöse Aufgaben hat
der Pf„rrer, -
ger Hauptkirche Sankt Michaelis schon ersten Amtszeit wird Jepsen im Jahr 2002 , Mann, der in der Kirche s“ch einmischen “n
religiöse Aufgaben hat , hier: aktiv werden; et-
im ersten Wahlgang mit großer Mehrheit noch einmal für zehn Jahre als Bischöfin was zu einem Thema sagen,
gewählt. In der geheimen Wahl stimmen gewählt, wieder mit großer Mehrheit. schweige
ohne dass man gefragt
, Konj. I von: schweigen =
78 Kirchenparlamentarier für sie und Aber dann wird alles anders. 2010 wer- worden ist
still sein; nichts sagen
nur 44 für den männlichen Kandidaten. den Fälle von sexuellem Missbrauch in die Gew„lt , hier:
die Vers„mmlung, -en
Jepsen selbst hatte – wie die meisten – ge- der evangelischen Kirche bekannt. Davor ≈ Schläge; Aggression
, ≈ Zusammenkommen
dacht, dass das Ergebnis erst nach mehre- waren schon Fälle von Missbrauch an ver- einer Gruppe von Personen die [rmut , Situation,
dass man arm ist
ren Wahlgängen feststehen würde. schiedenen katholischen Institutionen die Hauptkirche, -n
Es ist ein Stück Kirchengeschichte, das und der reformpädagogischen Oden- , wichtigste Kirche einer die [nerkennung
Kirchengemeinde , ≈ offizielle Akzeptanz
an diesem Tag in Hamburg geschrieben waldschule bekannt geworden. Über Mo-
der Wahlgang, ¿e der F„ll, ¿e
wird. Die Medien berichten weltweit, nate sind die Skandale in Deutschland ein
, eine von mehreren , kriminelle Sache, die
auch Radio Vatikan informiert seine Hö- großes Thema. Phasen beim Wählen untersucht werden muss
rer über die Sensation. Anders als in der Im Juli 2010 berichtet die Zeitschrift st“mmen für der sexu¡lle M“ssbrauch
katholischen und der orthodoxen Kirche Der Spiegel, dass die Bischöfin Jepsen , hier: wählen , sexuelles Tun mit einem
dürfen in der evangelischen Kirche Frau- schon seit 1999 von einem Missbrauchs- Kind oder Jugendlichen
ein St•ck K“rchen-
en schon länger Pastorinnen werden, in fall in ihrem Kirchenbezirk gewusst und geschichte schreiben ¡s geht ¢m … , das
, kirchenhistorisch sehr Thema / der Inhalt ist …
Hamburg seit 1969. Aber eine Frau als nichts getan hat. Dabei geht es um einen
wichtig werden
oberste Chefin einer Kirche – das gab es Pfarrer aus Ahrensburg bei Hamburg, der Vorwurf, ¿e , hier:
orthod¶x offizielle Aussage, dass je-
weltweit bis zu dieser Wahl nur dreimal: der in den 70er- und 80er-Jahren viele Ju- , hier: Mitglied in einer mand wahrscheinlich etwas
mit einer methodistischen und einer gendliche missbraucht hat. christlichen Gemeinde, wie Kriminelles gemacht hat
episkopalischen Bischöfin in den USA Jepsen sagt öffentlich, dass sie erst seit es in Osteuropa, Afrika und
zugeben , sagen, dass
Asien viele gibt
und einer anglikanischen Bischöfin in März 2010 von dem Fall weiß und sich an man etwas getan hat, was
der Weihbischof, ¿e nicht richtig war
Neuseeland. 1999 mit Kollegen geführte Gespräche
, ≈ Titel für die Position
Für die katholische Kirche ist das nicht erinnern kann. Dokumente zu dem verjährt sein , enden
eines Bischofs: Der Mann
einer Frist, nach der eine
Ganze eine Provokation. Zwar gratuliert Fall gibt es nicht mehr, die Vorwürfe – der mit diesem Titel unterstützt
kriminelle Sache nicht
den Bischof.
der Hamburger Weihbischof Jepsen zur Pfarrer gibt die Sache kurze Zeit später weiter untersucht wird
(der Titel, - , hier: Name
Wahl. Aber als die Frau im August wirk- selbst zu – sind juristisch schon verjährt. für eine Position) beschädigt
lich als Bischöfin zu arbeiten beginnt, Aber das Image der Bischöfin ist be- , kaputt gemacht
s“ch n“cht beeindrucken
kommentiert das der Vatikan: In der ers- schädigt, und so tritt sie im Juli 2010 von l„ssen v¶n zur•cktreten , hier:
ten weiblichen Bischöfin sieht die Lei- ihrem Amt zurück. Viele Menschen sind , ≈ sich keine Angst aufhören, in einer offiziellen
machen lassen Position zu arbeiten
tung der katholischen Kirche ein Problem darüber traurig. Kurze Zeit später zieht
für die Ökumene. Jepsen mit ihrem Mann aus Hamburg die Predigt, -en
, religiöse Rede
Die evangelische Kirche in Deutsch- weg. Zwei Jahre später ist auch sicher: Sie
land lässt sich davon nicht beeindrucken. bekommt wegen des Skandals kein Pro-
Zu Jepsens erster Predigt im Hambur- blem mit der Justiz. Heute lebt das Paar in
ger Michel, der bekanntesten Kirche der Husum an der Nordsee. Barbara Kerbel
64 KULTURTIPPS Deutsch perfekt 4 / 2017

Roger Willemsen
war ein wirkliches
Multitalent.

MITTEL

Musik
auskommen s“ch beschæftigen m“t

Aus Liebe zur Musik


, hier: zurechtkommen , hier: ≈ untersuchen;
auch: etwas zu sagen
s“ch einlassen auf
haben zu
, hier: ≈ kennenlernen
der Universalgelehrte, -n
kl“ngen
Anfang letzten Jahres ist Roger Willemsen gestorben. , hier: zu hören sein
, Person mit sehr

1
guten Kenntnissen in vielen
Jetzt feiert ihn die Deutsche Grammophon, das Jahrh¢ndert, -e Sektoren
das Label für klassische Musik, mit einer speziellen Publikation. . , Zeit von 100 Jahren
die German“stik

W
auflegen , hier: Musik , ≈ systematisches Studie-
er heute noch wissen will, was Willemsen war nicht nur ein Musikfan, z. B. von CDs spielen ren der deutschen Sprache
und Literatur
Freiheit in der Musik sein kann, sondern ein Mann mit einem großen De- das Kl„ssikstück, -e
der wird nicht ohne den Jazz tailwissen. 279 Radiosendungen und 26 , ≈ klassische Musik, z. B. die D¶ktorarbeit, -en
Teil von einer Symphonie , systematische Untersu-
auskommen können, und wer sich auf ihn Veranstaltungen machte er unter dem Ti- chung, um den Titel Doktor
eingelassen hat, wird nicht weitermachen tel „Willemsen legt auf“. Um Willemsen der S¡nder, - , Station, zu bekommen
die Radio- und Fernsehsen-
wollen ohne ihn.“ Das schrieb Roger Wil- zu ehren, hat das Label Deutsche Gram- dungen macht
lemsen 2007 im Booklet zur Compilation mophon jetzt eine Edition mit demsel-
der NDR , kurz für:
99 x Jazz – Das klingende Lexikon des Jazz. ben Titel publiziert. Sie besteht aus neun Norddeutscher Rundfunk
Willemsen liebte Jazz. Er war für ihn die CDs, einem Booklet mit Fotos und einer der Krebs , hier:
„klassische Musik des 20. Jahrhunderts“. DVD mit Szenen aus der Musiksendung gefährliche Krankheit, bei
Jazz und Klassik – diese beiden Musik- „Engelke und Willemsen legen auf“, die der Tumore wachsen

stile kombinierte er in seiner Radiosen- Willemsen mit der Komikerin Anke En- die St“mme, -n , hier:
Mensch, der Aussagen zu
dung „Willemsen legt auf“. Sein Publikum gelke gemacht hat.
speziellen Themen macht
liebte die oft überraschenden Vergleiche Mit Intelligenz, Humor, Neugier und
ehren , hier: zeigen, dass
zwischen Jazz- und Klassikstücken. Sie- Enthusiasmus beschäftigte sich Willem- man gut findet, was jemand
ben Jahre lang war Willemsen auf dem sen mit vielen verschiedenen Themen. gemacht hat
Sender NDR Kultur zu hören. Aber 2015 Man kann ihn als modernen Universal- die Edition, -en , hier:
bekam er die Diagnose Krebs. Im Februar gelehrten sehen. 1955 wurde er in Bonn spezielle Version von CDs
mit Booklet und DVD
2016 ist Willemsen im Alter von 60 Jah- geboren, er studierte Germanistik, Philo-
ren gestorben. Mit ihm hat Deutschland sophie und Kunstgeschichte und schrieb die Komikerin, -nen
, Schauspielerin, die
eine seiner wichtigsten intellektuellen eine Doktorarbeit über den Schriftsteller lustige Geschichten erzählt
Stimmen verloren. Robert Musil. Willemsen begann auch oder lustige Rollen spielt
Deutsch perfekt 4 / 2017 KULTURTIPPS 65

die Habilitationsschrift,
eine Habilitationsschrift über das Thema -en , ≈ systematische
Suizid in der Literatur, die er aber nicht Untersuchung, um den Titel
Professor zu bekommen
beendete. So verschieden wie seine Inte-
ressen waren auch seine Berufe: Willem- der N„chtwächter, -
, Person, die nachts
sen war in seinem Leben Nachtwächter, aufpasst, dass niemand in
Reiseleiter, Museumsangestellter, Jour- ein Gebäude geht, in das er
nalist, Übersetzer und Autor. nicht hineindarf

Seine Karriere im Fernsehen begann der Reiseleiter, - , hier:


Person, die einer Gruppe
Anfang der 90er-Jahre auf dem Sender von Touristen die Sehens-
Premiere, der Willemsen als Modera- würdigkeiten zeigt
Die Berlinerin
tor für ein Interview-Magazin zu sich der Moderator, -en Joy Denalane
holte. In dieser Sendung sprach er mit , hier: Person, die in einer singt über sehr
Sendung Gäste interviewt persönliche Dinge.
vielen bekannten Personen wie Audrey

2
Hepburn oder Jassir Arafat. Auch wenig das Interview-Magazin, -e

Deutscher Soul
, hier: Sendung, in der
bekannte, aber interessante Menschen, sehr bekannte Personen
wie zum Beispiel ein Bankräuber, waren interviewt werden
Gast. Danach kamen andere Sendungen, der B„nkräuber, - 1999 nahm sie mit Max Herre von der Hip-Hop-Band Freun-
wie „Willemsens Woche“. Mit „Willem- , Person, die z. B. mit einer deskreis das Duett „Mit dir“ auf. Das war der Start von Joy
sens Musikszene“ hatte er eine Musik- Pistole in eine Bank kommt Denalanes Karriere. Dann kam ihr erfolgreiches Debütalbum
und Geld wegnimmt
sendung, bei der er Künstlern wie Pierre Mamani. Denalane ist für viele eine der wichtigsten deutschen
die Musikszene , ≈ alle
Boulez oder Chick Corea Fragen stellte. Musiker und Musikfans
Soulsängerinnen. Mit Gleisdreieck hat sie nun ein neues Album
Die Edition Willemsen legt auf folgt ihm gemacht. Darin geht es um persönliche Themen, wie den Tod
f¶lgen
und seinen Überlegungen zu Musikern , hier: zum Inhalt haben ihrer Mutter, oder um die Suche nach der eigenen Identität. Auf
wie Eric Satie, Johann Sebastian Bach, dem Album zeichnet Denalane auch ein Bild Berlins. Hier ist
das ZDF , kurz für: Zwei-
Miles Davis oder Stan Getz. Zur hören tes Deutsches Fernsehen die Sängerin mit den südafrikanischen Wurzeln geboren. Im
ist auch Michel Petrucciani, über den der Deutsche B¢ndestag Stadtteil Kreuzberg, wo auch der U-Bahnhof Gleisdreieck liegt,
Willemsen 1996 den Film Non Stop – Eine , deutsches Parlament wuchs sie auf. Ab dem 20.4. geht Denalane mit ihrem aktuellen
Reise mit Michel Petrucciani machte. Der die k•nftige Generation, Album auf Tour.
französische Jazz-Pianist spielte immer -en , ≈ Menschen in der
Zukunft
wieder in Willemsens Sendung „Willem- aufnehmen , hier: Musik das Gleisdreieck, -e zeichnen
(die Generation, -en im Studio speichern , ≈ Treffen von mehreren , hier: beschreiben
sens Woche“ im ZDF, obwohl Willemsen
, Altersgruppe in einer Gleisen, die dann ein Dreieck
deshalb Ärger bekam. Petrucciani wurde der Freundeskreis, -e die W¢rzeln Pl.
Familie, z. B. Großeltern, formen
, alle Freunde , Ort, von dem
durch diese Sendung einem großen Pu- Eltern, Kinder …) ¡s geht ¢m … , das Thema / eine Familie kommt
erf¶lgreich , mit Erfolg
blikum in Deutschland bekannt. der Inhalt ist …
In seinen letzten Jahren war Willem-
sen vor allem Autor. Auch dabei war die

3
Musik wichtig, für die Wochenzeitung
Die Zeit schrieb er zum Beispiel die Ko-
lumne „Willemsen hört“. Sein letztes Poetische Lieder
während seines Lebens publiziertes Buch Manche nennen ihn den deutschen Bob Dylan: Mit
heißt Das Hohe Haus. Ein Jahr im Parlament. poetischen Songtexten macht der Singer-Songwriter
Fotos: Deutsche Grammophon; Sony Music; Universal Music

Ein Jahr lang war Willemsen Besucher im Max Prosa, der eigentlich Max Podeschwig heißt, seit
Deutschen Bundestag. In dem Bestseller 2012 auf sich aufmerksam. „Noch ein Junge mit Gi-
Von Max Prosa gibt es jetzt
beschreibt er, welche Erfahrungen er da- tarre. Aber was für einer!“, war damals die Reaktion das dritte Studioalbum.
bei gemacht hat. der Wochenzeitung Die Zeit. Nach dem Abitur stu-
Wer wir waren heißt sein letztes Buch. dierte Prosa Physik und Philosophie, aber dann ent- auf s“ch aufmerksam m„chen
, machen, dass andere sich für
Es wurde erst nach seinem Tod publi- schied er sich gegen die Universität und für die Mu- einen interessieren
ziert. In dieser Zukunftsvision fragt er, sik. Die Phantasie wird siegen war der Titel von Prosas
siegen , gewinnen
wie künftige Generationen einmal über erstem Album. Neben Rio Reiser oder Jimi Hendrix
das Vorbild, -er , hier: Mensch,
uns denken werden. In Erinnerung blei- ist Bob Dylan eines seiner musikalischen Vorbilder. der ein positives Beispiel ist
ben wird Willemsen als brillanter Denker Auch Dylan ist für viele ein Poet mit Gitarre, 2016
der Literaturnob¡lpreis, -e
und Redner – aber auch durch seine Liebe bekam er den Literaturnobelpreis. Keiner kämpft für , Geld für den besten Autor oder
zur Musik. Ana Maria Michel mehr (31.3.) heißt Prosas neues Album. die beste Autorin
66 KULTURTIPPS Deutsch perfekt 4 / 2017

Erlaubnis für den Tod


Diesen Text können Sie mit einem
die st“llen Res¡rven Pl. Premium-Abo hören:
, m Geld, das jemand im www.deutsch-perfekt.com/service
Film Geheimen gespart hat; hier:
tote Körper

Ein Dorf mit


Sie wollen der [bschluss, ¿e , hier:
sterben? Dann Unterschreiben eines
fragen Sie zuerst Vertrags

Träumen
diesen Mann. „m Leben h„lten ,
≈ machen, dass jemand
nicht stirbt
das Ers„tzteillager, -
, hier iron.: Mensch, aus
dem man Organe heraus-
Fische und Bananenbäume sollen
holt, um sie in einen ande- einem Dorf helfen. Ob das wirklich
ren Menschen hineinzu-
machen
funktioniert?
die M„cht , Kontrolle;
Oberndorf, ganz im

4
Erlaubnis für
Dominanz
Norden Niedersach-
der Ag¡nt, -en , hier:
sens, ist ein 700 Jah-

den Tod
≈ Mann, der Todesversiche-
rungen verkauft re altes Bauerndorf.
die Hauptfigur, -en 1400 Menschen
AUDIO , wichtigste Figur leben dort. Aber für
das {pfer, - , hier: Per- sie gibt es immer we-
Dunkle Science-Fiction aus Österreich: Die einzige son, die große Probleme niger Arbeit, denn
wegen dieses Systems hat
Garantie für einen sicheren Tod ist in Valentin Hitz’ Landwirtschaft
Film Stille Reserven (ab 20.4.) der Abschluss einer Goebbels’ Sekretärin bringt nicht mehr
Todesversicherung. Wer kein Geld für diese Ver- die Führung, -en genug Geld. Viele
sicherung hat, wird künstlich am Leben gehalten. , von: führen = leiten entscheiden sich
Zum Beispiel, um als menschliches Ersatzteillager die R„ndfigur, -en deshalb, vom Land in

6
benutzt werden zu können. So wollen die Firmen, , unwichtige Person
Diese Fische sollen wieder neues die Stadt zu ziehen.
die in dieser Dystopie die Macht haben, Profit ma- der M„ssenmord Leben nach Oberndorf bringen. Landflucht ist der
chen. Der Agent für Todesversicherungen Vincent , Mord an vielen Men- Name dieses Phänomens. Die Konsequenz: Dörfer
schen; hier: Holocaust
Baumann (Clemens Schick) ist ein Mann ohne ohne Menschen und Infrastruktur. Und das ist nicht
(der M¶rd, -e , kriminel-
Emotionen, dem nur die Karriere wichtig ist – und nur in Oberndorf ein großes Problem.
les Tun, bei dem ein Mensch
die Hauptfigur des Films. Baumann wird bald selbst totgemacht wird) Die Oberndorfer wollen das nicht akzeptieren.
Opfer des schrecklichen Systems. Gemeinsam mit der Jude, -n , Person,
Sie möchten, dass junge Familien in ihr Dorf ziehen.
der Aktivistin Lisa Sokulowa (Lena Lauzemis) be- deren Religion die Thora als Aber die Kommune will die Schule im Ort zumachen
ginnt er, dagegen zu kämpfen. Basis hat und das Gebäude verkaufen. Für Familien mit Kin-
die M“tläuferin, -nen dern ist das ein Grund, nicht aufs Land zu ziehen. Die
, hier: Frau, die die Ideolo-
Oberndorfer entscheiden sich, aktiv zu werden. Da-

Goebbels’
gie der Nationalsozialisten
für brauchen sie Geld. Mit einer neuen Biogasanlage

5
passiv unterstützte
wollen sie einer Aquakultur für afrikanische Fische

Sekretärin Ein Dorf mit Träumen


die L„ndwirtschaft
die Energie liefern. Der Dünger aus dem Fischwasser
soll dann für das Kultivieren von Bananenbäumen
, Agrarwirtschaft
Im Alter von 106 Jahren ist Brun- im Dorf benutzt werden.
hilde Pomsel im Januar dieses das L„nd , L Stadt
Die Regisseurin Antje Huber war drei Jahre lang
Jahres gestorben. Sie war zwi- ziehen , hier: umziehen bei den Oberndorfern und hat mit ihnen den Doku-
schen 1942 und 1945 die Sekre- die Biogasanlage, -n mentarfilm Von Bananenbäumen träumen gemacht,
tärin von Propagandaminister , technische Konstruktion, der am 30. März ins Kino kommt. Oberndorf soll
die aus Exkrementen von
Joseph Goebbels. Ein deutsches Leben (ab 6.4.) heißt Tieren und Pflanzenresten eine Inspiration für andere Dörfer sein, die in einer
der Dokumentarfilm, den Christian Krönes, Olaf S. Energie herstellt ähnlichen Situation sind. Der Film zeigt den Opti-
Müller, Roland Schrotthofer und Florian Weigen- der D•nger, - , spezielle mismus der Einwohner und ihre Hoffnung. Er zeigt
samer kurz vor Pomsels Tod mit ihr gemacht haben. Substanz, die macht, dass aber auch die vielen Schwierigkeiten, mit denen die
Pflanzen schneller wachsen
Obwohl sie für die NS-Führung arbeitete, sah Pomsel Oberndorfer konfrontiert werden. Ein Dorf zu ret-
sich selbst als Randfigur. In den Interviews in dem die Regisseurin, -nen ten, ist keine einfache Aufgabe. Man braucht dafür
franz. , hier: Leiterin
Schwarz-Weiß-Film sagt sie, dass sie nichts von dem bei der Produktion eines nicht nur Geld, sondern auch viel Geduld. Bis die ers-
Massenmord an den Juden gewusst hat. War Pomsel Dokumentarfilms ten Fische nach Oberndorf kommen, dauert es sehr
in der Zeit des Nationalsozialismus wirklich nur eine die Ged¢ld , hier: ≈ Ruhe lange. Und die Bananenbäume werden vielleicht
Mitläuferin wie viele andere Deutsche? und das Talent, zu warten immer ein Traum bleiben – vielleicht aber auch nicht.
Deutsch perfekt 4 / 2017 KULTURTIPPS 67

SPRACHKURSE UND SPRACHFERIEN

Buch
Sprachen lernen in...
Mehr als nur Sprachkurse

lustige Klischees Deutsch und Englisch

Fremdsprachenberufe

Ausländische Journalisten erzählen Heidelberg Berlin Darmstadt


Prüfungszentrum
in kurzen Geschichten von deutschen
Alltagsphänomenen. Hauptstraße 1, 69117 Heidelberg, Tel.: 06221 7050-4001
Friedrichstraße 189, 10117 Berlin, Tel.: 030 206176-61
Poststraße 4-6, 64293 Darmstadt, Tel.: 06151 66728-0
www.fuu-languages.com
Die Deutschen sind Frühstücksweltmeister, fahren mit To-
deswunsch viel zu schnell auf ihren Autobahnen und schrei-
ben gern auf der Toilette. Mehr davon? In Ordnung: In der Lernen Sie Englisch Intensivkurse
Sauna tragen die Deutschen wirklich gar keine Kleidung, sie in Cornwall Deutsch
sind sauber und mögen Kritik. All diese Dinge lernt man beim www.learnenglishincornwall.co.uk als Fremdsprache
Lesen des Buchs Typisch deutsch?. Es ist eine Sammlung von Julie Tamblin MA - 0044 (0) 1208 871 184 „Zertifikat Deutsch“ und
kurzen Geschichten über die Deutschen – von A wie Ämter „Mittelstufenprüfung“
bis Z wie Zuverlässigkeit. Die Autoren der Anekdoten sind BBS Baden-Badener
ausländische Journalisten, die in Deutschland leben und von Sprachschule GmbH
dort aus in ihre Heimatländer berichten. Tel. 07221 22661
Die Texte spielen mit Klischees, aber gleichzeitig doku-
www.bbs-sprachen.de
mentieren sie einen genauen Blick von außen. Auch machen
DEUTSCH INTENSIVKURSE
die verschiedenen Nationalitäten der Autoren die Geschich-
Deutsch in Stuttgart rund um das Jahr bei Alpha-Aktiv.
ten besonders interessant. So schreibt der Ägypter Hany Gha- Sommerkurse, Jugendkurse, DSH, Test DaF.
Alpha-Aktiv, Kurfürsten-Anlage 6,
nem über den Herbst: „Aus Ägypten kannte ich den Herbst TestDaF
69115 Heidelberg, Tel. 06221-5880269
nicht so, wie es ihn in Deutschland gibt. Das war schon etwas email: info@alpha-heidelberg.de
www.alpha-heidelberg.de
Besonderes, wegen der Farben und der Stimmung.“ Yaotzin
Botello aus Mexiko stellt fest: „Es ist so leise in Deutschland.
Als Mexikaner denke ich manchmal, dass ich auf dem Dorf DIALOG Nächster
Anzeigentermin: 3. Mai
bin, selbst wenn ich mich in den deutschen Großstädten wie Sprachreisen & Sprachkurse weltweit
München, Berlin oder Hamburg aufhalte.“ für die Deutsch-perfekt-
DIALOG-SPRACHREISEN Ausgabe 6/17

7
Zu den Texten gibt es Fo- T. 0761 286470ìwww.dialog.de
tos und Illustrationen. Das
Buch ist für Leser geeignet,
die schon gut Deutsch kön- SPRACHPRODUKTE
nen. Übrigens: „Typisch
deutsch?“ ist auch der Name
einer Serie von Deutschland- Von unseren Sprachprofis für Sie zusammengestellt:
radio Kultur. Dort kann man
die Geschichten hören – ge-
Fotos: Blackbox Film und Medienproduktion Freibeuter Film; Im Film

sprachenshop.de
sprochen von den Korres-
pondenten.
Bücher, Filme, Lernsoftware u.v.m
für Sprachbegeisterte.

der Frühstücksweltmeis- „ll diese , alle diese das Bes¶ndere Haben Sie Fragen zu Anzeigenschaltungen
ter, - , gemeint ist hier: , hier: ≈ schöne Sache
die Zuverlässigkeit in Deutsch perfekt?
Nation, deren Einwohner
, von: zuverlässig = so, die St“mmung
gerne viel zum Frühstück
dass man pünktlich ist und , ≈ Atmosphäre
essen Tel. +49 (0)89/8 56 81-131/-135
genau arbeitet, Verabre-
s“ch aufhalten , hier:
der Todeswunsch dungen und Versprechen
, Wunsch, zu sterben realisiert
sein in; Zeit verbringen in anzeige@spotlight-verlag.de
geeignet , gut passend www.deutsch-perfekt.com
68 WIE GEHT ES EIGENTLICH …? Deutsch perfekt 4 / 2017

WIE GEHT ES EIGENTLICH DEM …

Journalismus?
In vielen Ländern haben Journalisten zu kämpfen – gegen autoritäre
Regierungen, Mythen von „alternativen Fakten“ und Medien als „Feinden
des Volkes“. Wie ist die Situation in Deutschland? Von Christina Hertel
SCHWER PLUS

I
ch muss etwas loswerden“, schreibt und zu tun haben?“ Und er fragt: „Wird
der/das F„kt, F„kten “m lændlichen Raum , auf
Alois N. auf Facebook und postet sogar im ländlichen Raum die Presse an- , Tatsache dem Dorf; auf dem Land
„ dazu einen wütenden Smiley. Folgen- gehalten, keine negativen Einzelfälle von loswerden , hier: „nhalten , hier: Instrukti-
des ist in der nordbayerischen Stadt Bay- Asylanten zu berichten?“ Die Aufregung etwas Wichtiges anderen onen geben; sagen, wie man
reuth angeblich passiert: Nachdem eine im Netz ist groß. Der Post wird 900-mal mitteilen sich verhalten soll
Frau getankt hatte, saßen plötzlich drei auf Facebook geteilt. Später wird klar: Al- der Fl•chtling, -e keine negativen Einzelfälle
Flüchtlinge in ihrem Auto und wollten les war eine Lüge. , Person, die aus v¶n Asyl„nten zu ber“ch-
religiösen, politischen oder ten , eigentlich: nicht
nicht mehr aussteigen. Die Frau rief die Es gab die Frau und die Flüchtlinge in ethnischen Gründen aus über negative Einzelfälle
Polizei. Aber die Beamten halfen ihr nicht. dem Auto gar nicht. Nicht in Bayreuth ihrer Heimat weggegangen von Asylanten zu berichten
„Hallo? Geht’s noch?“, schreibt Alois N. und in keiner anderen Stadt. Nie wandte ist / weggehen musste
(der Asyl„nt, -en
weiter. Der Ehemann dieser Frau wandte sich damit jemand an die Zeitung. Warum H„llo? Geht’s n¶ch? , d Asylbewerber)
, m d Was soll denn
sich angeblich an die Bayreuther Tageszei- Alois N. die fiktive Geschichte trotzdem das?
teilen , hier: empfehlen,
Foto: picture alliance/dpa

tung und den Nordbayerischen Kurier, aber verbreitete? „Weil es doch bekannt ist, was jemand anders in sein
s“ch w¡nden „n , hier: Profil geschrieben hat
die Journalisten wollten über das Ereignis dass Presse keine schlechten Nachrich- um Veröffentlichung bitten
verbreiten , hier: weiter-
nicht berichten. Alois N. ergänzt: „Sind ten über Asylbewerber veröffentlichen
S“nd wir sch¶n so weit … geben; veröffentlichen
wir schon so weit, dass die Regierung darf“, sagte er später, wobei er vor dem , m hier: Ist es schon so
uns vorschreibt, was wir sagen, denken Wort „Presse“ den Artikel „die“ vergisst. schlimm …
Deutsch perfekt 4 / 2017 WIE GEHT ES EIGENTLICH …? 69

das Ger•cht, -e die Staatsanwaltschaft,


Solche Gerüchte werden in Deutsch- Aber am nächsten Tag wurde nicht , Neuigkeit, die schnell -en , Amt, für das Staats-
land zurzeit immer häufiger im Internet darüber berichtet. Auch nicht am darauf- weitergesagt wird: Man anwälte arbeiten
weiß nicht, ob sie wirklich
veröffentlicht. Es geht um Flüchtlinge, folgenden. Erst vier Tage später erfuhr die (der Staatsanwalt, ¿e
wahr ist.
die angeblich stehlen, morden, verge- Öffentlichkeit, was in Köln passiert war. , Person, die kriminelle
vergew„ltigen , mit Handlungen untersucht
waltigen. Doch oft sind es nur Behaup- „Uns erreichten Zuschriften von Lesern, Gewalt erreichen, dass man und für die Interessen des
tungen, die sich später als falsch heraus- die fragten: Wollt ihr uns etwas verheim- mit jemandem Sex hat Staates kämpft)
stellen. Wie sollen die Medien auf solche lichen?“, erzählt Ott. Doch die Medien s“ch herausstellen „ls ausgehen v¶n , hier:
Lügen reagieren? Die Bayreuther Tageszei- hatten selbst erst spät von den Vorfällen , hier: festgestellt wer- ziemlich sicher sein, dass
den, dass sie … sind es … gibt
tung veröffentlichte den Fall von Alois N. erfahren. In einer ersten Pressemitteilung
Sie wollte den Vorwurf nicht akzeptieren, berichtete die Kölner Polizei von einer ru- der Vorwurf, ¿e , Kritik mutmaßlich
, ≈ wahrscheinlich
sie habe darüber bewusst nicht berichtet. higen Nacht. „Ich hatte das Gefühl: Jetzt bew¢sst , mit Absicht
„Das Einzige, was wir dem entgegenset- müssen wir raus und unsere Arbeit erklä- die Zuschrift, -en
entgegensetzen
, Brief; Schreiben
zen können“, sagte der Bayreuther Jour- ren. Wir müssen transparent machen, was , hier: Gegenargumente
bringen; ≈ kämpfen gegen verheimlichen , hier:
nalist Otto Lapp später, „ist die Suche wir tun“, erinnert sich Ott. über etwas nicht berichten,
nach der Wahrheit.“ Inzwischen haben der 57-Jährige und die St“ftung, -en
damit es geheim bleibt
, ≈ Organisation mit einer
Dass diese Wahrheit die Menschen seine Kollegen Anfragen von mehr als speziellen Aufgabe der Vorfall, ¿e , hier:
auch erreicht, ist jedoch keine leichte Auf- 100 Schulen bekommen. Manche Jugend- kriminelle Sache
n¢tzen , ≈ benutzen
gabe mehr. Laut Hans-Bredow-Stiftung, liche wollen wissen, wie man Sportjour- transpar¡nt , hier: so,
“n eine ]chokammer
einem Institut für Medienforschung, nalist wird. Andere fragen: Wie nimmt dass man öffentlich, ehrlich
geraten , wörtliche
und im Detail darüber
nutzt fast ein Viertel der Deutschen regel- die Bundeskanzlerin Einfluss darauf, wo- Bedeutung: in einen Raum
spricht
mäßig Facebook, um Nachrichten zu su- rüber berichtet wird? Darf sie bestimmen, kommen, in dem man nur
sein eigenes Echo hört die [nfrage, -n , hier: Bit-
chen oder darüber zu diskutieren. In der was auf die erste Seite kommt? Natürlich te, einen Vortrag zu halten
m“tbekommen , hier:
Gruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es fast darf sie das nicht – in Deutschland ist die
hören, lesen und sehen etabliert , hier: mit
40 Prozent. Die Gefahr: Der User gerät, Pressefreiheit eines der wichtigsten ju- langer Tradition
vertreten sein
wie es Wissenschaftler nennen, in eine ristischen Prinzipien. „Aber woher sollen , hier: veröffentlicht die Deutungshoheit
Echokammer. Das heißt: Er bekommt nur sie es wissen, wenn ihnen das niemand er- werden; da sein , ≈ Erlaubnis, als Einziger
die Nachrichten mit, die ihn in seinen ei- klärt?“, fragt Ott. Er ist davon überzeugt: Ereignisse und Zustände zu
der [nlass, ¿e
interpretieren
genen Ansichten bestätigen. Anders als in Der Journalismus in Deutschland hat sich , hier: spezielles Ereignis,
wegen dem er mit der indem , ≈ dadurch, dass …
einer Zeitung, in der ein breites Spektrum verändert. „Wir können nicht mehr so ar-
Arbeit an seiner neuen
– von Politik, Kultur, Sport und Wissen- beiten wie vor 30 Jahren.“ d¢rchblättern , eine
Aufgabe begonnen hat
Seite nach der anderen kurz
schaft, aber auch von Meinungen – vertre- Aber was genau ist anders? Der belæstigen , hier: z.B. ansehen
ten ist, sehen die Nutzer auf Facebook nur Spiegel-Online-Kolumnist Georg Diez zum Sex auffordern
der Deutsche Journal“sten-
das, was ihnen „gefällt“. schreibt, dass die etablierten Medien ihre „nfassen verband , Organisation
Der Journalist Klaus Ott möchte die- Deutungshoheit verloren hätten. Früher , hier: intim berühren für die Interessen aller Jour-
nalisten in Deutschland
sem Trend etwas entgegensetzen. Er ar- erfuhren die Menschen, was wichtig ist, ausrauben , jemandem
beitet schon seit mehr als 30 Jahren für indem sie morgens am Frühstückstisch mit Gewalt Geld oder
Gegenstände wegnehmen
die Süddeutsche Zeitung. Eigentlich schreibt die Tageszeitung durchblätterten und
er über Skandale in der Wirtschaft, oft abends die Fernsehnachrichten sahen.
geht es um Korruption. Doch seit etwa Durch das Internet aber gibt es extrem
einem Jahr hat Ott noch eine weitere Auf- viele Möglichkeiten, sich zu informie-
gabe: Er besucht Schulen in ganz Bayern ren. Zu allem, was gesagt wird, lässt sich
und erklärt den Jugendlichen, wie Journa- jemand finden, der genau das Gegenteil
listen arbeiten. behauptet. Und das alles ist oft kostenlos.
Anlass waren die Ereignisse der Sil- Das hat wirtschaftliche Konsequenzen
vesternacht 2015. Damals belästigten – auch wenn in Deutschland immer noch
Gruppen nordafrikanisch aussehender so viele Zeitungen gedruckt werden wie
Männer vor dem Kölner Hauptbahnhof in keinem anderen Land in Europa. Trotz-
Frauen. Später sagten die Opfer, sie seien dem: Der Journalismus ist in eine wirt-
am ganzen Körper, auch zwischen den schaftliche Krise geraten. Vor dem Jahr
Beinen, angefasst worden. Und dabei 2000 waren laut dem Deutschen Jour-
raubten die Männer sie aus. Die Staatsan- nalistenverband (DJV) nur 700 Journa-
waltschaft Köln geht inzwischen von fast listen arbeitslos. Heute sind es ungefähr
1300 mutmaßlichen Opfern aus. 5000. Außerdem werden immer weniger
70 WIE GEHT ES EIGENTLICH …? Deutsch perfekt 4 / 2017

Journalisten fest angestellt. Etwa 26 000 Organisation „Reporter ohne Grenzen“


f¡st „nstellen , eine der Übergriff, -e
freie Journalisten gibt es in Deutschland, stellt jedes Jahr eine Rangliste der Pres- Stelle mit Arbeitsvertrag , Attacke
vor 30 Jahren waren es nur 6000. Der sefreiheit in der ganzen Welt auf. 2015 geben
die Ausrüstung, -en
Verband geht davon aus, dass diese Zahl war Deutschland noch auf Platz 12, 2016 frei , hier: selbstständig , hier: alle Geräte, die ein
weiter steigen wird. Das Problem dabei: nur noch auf Platz 16, hinter Ländern wie Journalist für seine Arbeit
das Honorar, -e
braucht
Oft verdienen freie Journalisten schlecht. Schweden und Finnland, aber auch hin- , Bezahlung für die Arbeit
Fast 40 Prozent bekommen weniger als ter Jamaika und der Slowakei. Ein Grund von Selbstständigen ¡rnst nehmen
, hier: verstehen und
1000 Euro im Monat. Und weil die Ho- dafür: Die Gewalt gegen Journalisten in die Recherche, -n franz.
versuchen, richtig darauf zu
, Suchen nach genauen
norare so niedrig sind, bleibt meistens Deutschland nahm zu. Fast 40 gewalt- reagieren
Informationen
nur wenig Zeit für Recherche. Gleichzei- tätige Übergriffe gab es 2015. „Reporter die F¡rnsehmoderatorin,
der Dr¢ck , hier: psy-
tig steigt durch das Internet der Druck, wurden geschlagen, getreten, zu Boden -nen , Person, die in einer
chischer Stress, möglichst
Fernsehsendung Gäste
Nachrichten schneller zu veröffentlichen, geworfen, ihre Ausrüstung beschädigt schnell zu arbeiten
interviewt
als andere es tun. oder zerstört“, schreibt die Organisation. zuspitzen
k¶sten , hier: brauchen
Der Münchener Kommunikationswis- So etwas passierte meistens auf rechten , hier: so formulieren,
dass eine Nachricht interes- k¡ss
senschaftler Christoph Neuberger sieht Demonstrationen.
santer wirkt , hier: frech; provokativ
in der wirtschaftlichen Krise des Jour- Eine Entschuldigung für Gewalt und
verkn„ppen , hier: mög- der Spr¢ch, ¿e
nalismus ein großes Problem. Um die falsche Behauptungen gibt es nicht. Aber lichst kurz formulieren , hier: ≈ Aussage, die ein
Klickzahlen zu erhöhen, sagt er, würden der Journalist Klaus Ott glaubt, dass auch Klischee zum Inhalt hat
w„s sie „n … haben
Journalisten Nachrichten vereinfachen, die Medien Fehler gemacht haben. Viel- , ≈ wie nützlich und zuhauen , m hier:
zuspitzen und verknappen – seiner An- leicht hätten sie die Sorgen der Menschen sinnvoll … ist provozieren; sagen, um
eine starke Reaktion zu
sicht nach das Schlechteste, was Medien ernster nehmen müssen, als im Sommer aufstellen
bekommen
tun können. Denn am Ende seien Men- 2015 so viele Flüchtlinge nach Deutsch- , hier: eine Liste machen
anst„tt
schen nur bereit, für Qualität zu bezahlen. land kamen. Vielleicht hätten sie mehr die R„ngliste, -n , Liste,
, hier: ≈ im Gegenteil dazu
die eine Reihenfolge zeigt
An eine Vertrauenskrise zwischen der von den möglichen Problemen berich-
gegenhalten , m hier:
Presse und ihrem Publikum glaubt der ten müssen. Notwendig sei dazu genaue der Pl„tz, ¿e
kämpfen gegen
, hier: Position
Professor aber nicht. Tatsächlich steige Recherche.
das Vertrauen sogar. Zwar gibt es auf der Auch die Fernsehmoderatorin Anja gew„lttätig , so, dass
man andere verletzt oder
einen Seite immer mehr Menschen, die Reschke sagte bei einer Journalisten- Dinge kaputt macht
Journalisten gar nicht mehr glauben. An- konferenz in Hamburg, es sei die wich-
dererseits vertrauen laut einer Untersu- tigste Aufgabe eines Journalisten, sehr
chung der Universität Mainz 40 Prozent gut vorbereitet zu sein: „Das Problem ist
der Deutschen den Medien. Das ist viel allerdings, das kostet Zeit. Und da ist es
mehr als noch vor zehn Jahren. Vielleicht, natürlich viel einfacher, mit einem kessen
meint der Forscher Oliver Quiring, der Spruch zuzuhauen, anstatt mit Argumen-
die Untersuchung leitete, erkennen die ten gegenzuhalten.“ Aber wenn es trotz-
Menschen heute besser, was sie an der dem gelingt, mit Fakten zu überzeugen,
Pressefreiheit in Deutschland haben. sieht Klaus Ott darin eine große Chance:
Foto: iStock

Aber selbstverständlich ist eine freie „Dann können wir zeigen, dass es uns
Presse auch in Deutschland nicht. Die Journalisten noch braucht.“
Deutsch perfekt 4 / 2017 71

Eine Übung zu diesem Text


finden Sie auf Seite 56.

KOLUMNE – ALIAS KOSMOS

„Plötzlich ging es darum, was Alia Begisheva wurde in Moskau


geboren. Heute lebt die 41-Jährige

Deutschland eigentlich ist“


mit ihrem kanadischen Mann und
ihren zwei Kindern in Frankfurt
am Main und weiß viel besser als
viele ihrer deutschen Nachbarn,
Die deutscheste aller Städte zu finden, ist nicht so einfach. dass man Papier und Glas nicht
Schon gar nicht mitten in der Nacht auf einer Party. in dieselbe Mülltonne wirft. Jeden
Monat schreibt sie diese Kolumne.
Versucht hat es unsere Lieblingsrussin trotzdem. SCHWER AUDIO

D
ie Party lief seit Stunden, der Mann deshalb auch aus: zu stolz, schon fast im-
laufen die heile W¡lt
der Gastgeberin schlief schon. perial, aber ohne international bekanntes , hier: aktuell stattfinden , Welt ohne Probleme
Dann entwickelte sich doch noch Schloss. Dann doch lieber München. Ist
m“t Leidenschaft st¡cken , hier: sein
ein interessantes Gespräch. Das Thema: aber zu bayerisch. In München erkennen , ≈ mit Enthusiasmus; mit
gefühlt
überraschend und seltsam. Aber es war sich weder Hannover noch Wiesbaden großer Freude
, m hier: so, dass man
genug Wein getrunken worden, sodass wieder. Aber auch diese beiden Städte s“ch st•rzen auf glaubt, dass … sein soll
sich die letzten Gäste mit Leidenschaft fanden wir ungeeignet, Hannover wegen , hier: anfangen, etwas
das F„chwerk
intensiv und mit Freude
darauf stürzten. Welche Stadt ist die des Hochdeutschs, Wiesbaden wegen der zu tun
, spezielle Architektur, bei
der man Holzteile an der
deutscheste aller Städte? Nicht im natio- Langeweile.
der S“nn , Bedeutung Außenseite sehen kann
nalistischen Sinn. Dafür reicht schon ein Düsseldorf – zu chic. Stuttgart – hat
reichen , hier: genug sein der Bezug , hier: Bezie-
Ort in Mecklenburg-Vorpommern, der in nichts zu bieten. Köln – zu hässlich. Die hung; Verbindung
kein R¡nner sein
den Medien als „Nazidorf“ bekannt ist. Er rheinische Frohnatur ist für den Touris-
, m nicht populär sein der Chr“stkindlesmarkt,
heißt Jamel, besteht nur aus elf Häusern, ten so schnell auch nicht zu verstehen. ¿e südd. besonderer Markt
attraktiv , hier: ≈ schön
und fast alle Einwohner sind rechtsradi- Frankfurt am Main – zu multikulti und in der Zeit vor Weihnachten
kal. Nur: Der Nationalsozialismus ist kein zu groß. Freiburg – klein genug, aber ausscheiden
das Heilige Römische
, hier: entscheiden, dass
Renner auf deutschen Partys. zu viel heile Welt. Heidelberg – zu viel Reich Deutscher Nation
etwas unpassend ist
, Verbindung von Städten
Deshalb wollten wir nicht weniger, Schloss, zu wenig Stadt. Bonn – steckt das Ruhrgebiet , Region und Ländern in Europa
als eine spezielle deutsche Stadt finden. zu sehr in den 50er-Jahren. Mainz – gar mit vielen Industriestädten (962 - 1806)
Sie sollte alles haben, was typisch für nicht so schlecht, aber zu katholisch. Leip- in Nordrhein-Westfalen
d¢nkel , hier: schlimm;
Deutschland ist. Oder möglichst viel da- zig – noch besser, aber im Osten. Unsere imaginär schrecklich
, hier: so, dass er nur in
von. Aber attraktiv sollte sie auch sein. Stadt musste gefühlt im westlichen Teil der Titel, - , hier: ≈ Name
ihrer Vorstellung existiert
Also schied das Ruhrgebiet schon einmal Deutschlands liegen. Es war halb zwei. für eine Position
einheitlich , hier: so, dass
aus. Denn wir wollten einen imaginären Irgendwann hatten wir alle Kriterien: es ein einziges Land ist
der Fl•chtling, -e
, Person, die aus
Touristen dorthin schicken, damit dieser maximal 500 000 Einwohner, Fachwerk,
s“ch einig sein religiösen, politischen oder
einen ziemlich guten Eindruck davon be- eine Burg, römische und Nazi-Vergangen- , derselben Meinung sein ethnischen Gründen aus
kommt, wie der Rest des Landes ist. heit, außerdem touristische Attraktionen ihrer Heimat weggegangen
¢ngeeignet , unpassend ist / weggehen musste
Nun hoffe ich, dass Sie erkennen, wie und ein Bezug zum modernen Deutsch-
spießig , m d konser-
schwierig diese Aufgabe ist. Denn, wie land. Jetzt dürfen Sie mitraten … vativ im Denken
man weiß, war Deutschland – anders als Die Lösung hatten wir gegen drei Uhr:
w¡ltoffen
Frankreich – lange Zeit kein einheitlicher Nürnberg. Nürnberg hat den Christkind- , voll Interesse für alles,
Staat. Es bestand aus vielen größeren und lesmarkt und die Bratwürstchen. Das was in der Welt passiert
kleineren Ländern, die selbstständig wa- älteste Fachwerkhaus ist von 1338. Eine imperial
ren und eine eigene Kultur und Sprache tolle Burg gibt es auch. Nürnberg war eine , ≈ hier: so, dass es so
wirkt, als wäre es der Sitz
hatten. Deshalb gibt es in Deutschland der größten Städte des Heiligen Römi- eines Aristokraten; groß,
bis heute so viele verschiedene Dialekte. schen Reiches Deutscher Nation, und sei- teuer und mit viel Kultur
Umso spannender war die Aufgabe: Es ne Nazi-Vergangenheit ist so dunkel, dass das Hochdeutsch
ging plötzlich auch darum, was Deutsch- es tatsächlich den Titel der „deutschesten , L Dialekt

land eigentlich ist. aller Städte“ getragen hat. Außerdem liegt die Frohnatur
Schnell war man sich einig, dass Berlin dort das Bundesamt für Migration und , hier: Fröhlichkeit, egal, in
welcher Situation
Foto: Stephan Sperl

– so toll die Stadt auch ist – ungeeignet ist. Flüchtlinge, über das heute alle sprechen.
m¢ltik¢lti
Zu groß, zu hip. „Deutschland ist doch Und in den Osten ist es auch nicht weit ...
, m so, dass Menschen
mehr Dorf als Stadt“, sagte einer. „Mehr Haben Sie einen anderen Vorschlag? Ich aus vielen verschiedenen
spießig als weltoffen.“ Hamburg schied freue mich darauf! Kulturen dort wohnen
72 REISETIPPS Deutsch perfekt 4 / 2017

1
LEICHT

REGENSBURG NATIONALPARK EIFEL

Junges Leben in alter Stadt Gelber Frühling

Wenn der Schnee weg ist, dominiert eine


Seit 7000 Jahren stehen an der Biegung Farbe die Landschaft der Eifel: Gelb. Die
die Biegung, -en
der Donau Häuser. Und schon vor 1800 , hier: Stelle vom Fluss:
gelbe Narzisse ist dann an den Bächen

2
Jahren hat der römische Monarch Marc Sie geht nicht geradeaus. des Nationalparks überall zu sehen. Im
Aurel an dem Fluss eine Stadt für seine römisch Perlen- und Fuhrtsbachtal gibt es im
Legionäre gebaut. Die bayerischen Mo- , aus der Zeit vom histori- Frühling eine bis zu 100 Meter breite der B„ch, ¿e
schen Rom , kleiner Fluss
narchen haben Regensburg später zu ih- gelbe Zone – eine ideale Landschaft für
bauen das Tal, ¿er , hier:
rer Hauptstadt gemacht. Zwischen By- einen Spaziergang. Sammeln darf man
, hier: z. B. Häuser, Stra- Landschaft rechts und links
zanz und Italien, Böhmen und Russland ßen und Brücken machen
die schönen Blumen aber nicht. Die Wild- von einem kleinen Fluss
war Regensburg eine wichtige Station für narzissen gibt es nämlich nicht oft. Beim die W“ldnarzisse, -n
Böhmen
reisende Verkäufer. Die Stadt wurde grö- , Region in Tschechien an Blumenverkäufer kann man aber eine , Narzisse: Sie wächst
ßer und reicher. Regensburg hat also eine der Grenze zu Bayern genauso schöne Narzissenart kaufen. Sie ohne menschliche Hilfe in
der Natur.
lange Geschichte – und das sieht man w¢rde ist eine typische Frühlingsblume und als
(w„chsen
noch heute. Mehr als 1500 denkmalge- , Prät. von: werden Dekoration zu Ostern sehr populär.
, groß werden)
schützte Häuser stehen in der Stadt. Auch die Gesch“chte , Historie
Nationalpark Eifel Tel.+49 die Narz“ssenart, -en
deshalb ist sie seit 2006 UNESCO-Wel- d¡nkmalgeschützt (0) 24 44 / 9 51 00 , ≈ Kategorie von
terbe. , von: unter Denkmal- www.nationalpark-eifel.de Narzissen
schutz stehen ≈ schriftliche
Historisch ist auch die Steinerne Brü-
Normen sagen, dass histo-
cke an der Donau. Als sie vor circa 900 Jah- rische Häuser nicht kaputt
ren gebaut wurde, war das eine Sensation. gemacht werden dürfen
und wie sie restauriert
Sie wurde dann zum Beispiel für andere werden müssen
Brücken in Europa, wie die Karlsbrücke in

3
das W¡lterbe
Prag. Die Steinerne Brücke ist aber nicht , Häuser, Städte und
das wichtigste Monument der Stadt – das Landschaften in der ganzen
ist nämlich der Dom. Die gotische Kirche Welt: Sie sollen für die
Menschen der nächsten
ist für ihre schönen Glasfenster bekannt Zeit so bleiben, wie sie LUDWIGSBURG
und für ihren Knabenchor, die Regens- sind, und man darf sie nicht Barocke Lust
kaputt machen.
burger Domspatzen.
Regensburg ist aber kein Museum, in steinern Breite Straßen, Parks, Häuser in Pastell- M“t … w¢rde … geboren.
, aus Steinen gemacht , ≈ … war der Anfang von …
dem nichts passiert. Die Stadt ist jung farben und natürlich das Schloss: Das ist
– dort leben 20 000 Studenten. Auch (der Stein, -e Ludwigsburg. Mit dem Residenzschloss der H¡rzog, ¿e , Aristo-
, sehr harte Substanz, z. B. krat: Er regiert eine Region.
deshalb gibt es dort sehr viele Bars und Granit, Quarzit ...) wurde die Stadt geboren. Herzog Eber-
Lokale. Legendär ist das Wurstkuchl hard Ludwig von Württemberg wollte die Gr•ndung, -en , von:
der Knabenchor, ¿e gründen = hier: eine Stadt
(Thundorferstraße 3): Es ist das älteste , Gruppe von Jungen: Sie mit der Gründung einer Stadt bei Stutt- planen und bauen lassen
Bratwurstlokal der Welt. singen zusammen. gart seine Macht demonstrieren. Also
(bauen
Touristeninformation Regensburg
der Sp„tz, -en wurde das Schloss mit 452 Zimmern ge- , hier: z. B. Häuser, Stra-
, kleiner Vogel; hier: Kind:
Tel. +49 (0) 9 41 / 5 07 44 10 baut und in der Nähe die Stadt mit dem ßen und Brücken machen)
www.regensburg.de/tourismus Es singt in einem Chor.
großen Marktplatz. Auf der einen Seite seine M„cht demonstrie-
Fotos: Regensburg Tourismus; Ludwigsburg Tourismus; iStock

steht die evangelische Kirche, gegenüber ren , ≈ zeigen, dass er die


(politische) Kontrolle hat
die katholische. Dazwischen ist ein Brun-
w¢rde … gebaut
nen: Der erinnert an den Herzog.
, ≈ hat man … gebaut
Im Frühling ist der Schlossgarten be-
der Br¢nnen, -
sonders schön. Deshalb heißt er auch , hier: ≈ Konstruktion mit
„Blühendes Barock“. Noch mehr Barock einer Statue: Daraus kommt
gibt es am Schloss Favorite: Es hat eine eine Wasserfontäne.
Barockfassade. Im Stil des Rokoko ist das blühend , so, dass
Pflanzen Blüten haben
Seeschloss Monrepos.
(die Blüte, -n
Touristeninformation Ludwigsburg , Teil von einer Pflanze: Er
Tel. +49 (0) 71 41 / 9 10 22 52 hat eine schöne Farbe und
www.ludwigsburg.de/tourismus riecht meistens gut.)
Deutsch perfekt 4/ 2017 IM NÄCHSTEN MONAT 73

im Mai17
20
Heft 5/
IMPRESSUM ab dem
gibt es
il.
Herausgeber Gesamt-Anzeigenleitung International Sales 26. Apr
Rudolf Spindler Matthias Weidling Empfehlungsanzeigen
Chefredakteur +49 (0)40/32 80-142 Gerda Gavric-Hollender,
Jörg Walser matthias.weidling@zeit.de Gezim Berisha, Bettina Goedert,
Leitung Kooperationen Vanessa Schäfer
Art Director
Key Account Manager Tel. +49 (0) 2 11/8 87-23 47
Michael Scheufler
Sprachenmarkt Fax +49 (0) 2 11/8 87-97-23 47
Redaktion Barbara Duckstein Iriet Yusuf sales-international@iqm.de
(in Elternzeit), Katharina Tel. +49 (0)89/8 56 81-135
Heydenreich, Sonja Krell, Claudia i.yusuf@spotlight-verlag.de KUNDENSERVICE
May, Cornelia Osterbrauck,
Abonnenten- und Kundenservice
Eva Pfeiffer, Janina Schalkhaußer Sales Manager Sprachenmarkt
customer service, subscriptions
(in Elternzeit), Sabine Weiser Eva-Maria Markus
Spotlight Verlag GmbH
Tel. +49 (0)89/8 56 81-131
Bildredaktion Sarah Gough, Kundenbetreuung
e.markus@spotlight-verlag.de
Judith Rothenbusch Postfach 1565
Anzeigenpreisliste 82144 Planegg / Deutschland
Redaktionelle Mitarbeit
Es gilt die Anzeigenpreisliste Nr. 12
Tanja Haas Privatkunden und
ab Ausgabe 1/17.
Buchhandlungen
Autoren
Tel. +49 (0)89/8 56 81-16,
Ana Maria Michel, Daniela ISSN 1861-1605 Deutsch perfekt
Fax +49 (0)89/8 56 81-159
Niebisch, Barbara Schiele, erscheint monatlich.
Montag bis Donnerstag:
Adamma Stekovics
9 bis 18 Uhr, Freitag: 9 bis 16 Uhr
© 2017 Spotlight Verlag, auch
Korrespondenten abo@spotlight-verlag.de
für alle genannten Autoren,
Marcel Burkhardt (Mainz),
Fotografen und Mitarbeiter Lehrer, Trainer und Firmen
Barbara Kerbel (Berlin),
Tel. +49 (0)89/8 56 81-150,
Astrid Labbert (Bremen),
Repräsentanz Fax +49 (0)89/8 56 81-119
Yvonne Pöppelbaum (Hamburg)
Empfehlungsanzeigen Montag bis Donnerstag:
Gestaltung 9 bis 18 Uhr, Freitag: 9 bis 16 Uhr
Anzeigenleitung
Özhan Bülbül, Anna Sofie Werner, lehrer@spotlight-verlag.de
iq media marketing GmbH
Nerina Wilter
Anke Wiegel
So erreichen Sie uns
Produktionsleitung Ingrid Sturm Speersort 1, 20095 Hamburg
Tel. +49 (0) 40/32 80-3 45 Leserbriefe
Leitung Redaktionsmanagment
Mobil +49 (0) 1 60/90 17 28 99 redaktion@deutsch-perfekt.com
Thorsten Mansch
anke.wiegel@iqm.de Anzeigen
Litho anzeige@spotlight-verlag.de
Katja Bredemeyer,
Mohn Media Mohndruck GmbH Sprachenshop
Nicolas Gauert, Susanne Janzen,
33311 Gütersloh www.SprachenShop.de
Gesa Gröning, Marion Weskamp
Kasernenstraße 67
Bestellung@SprachenShop.de Nachbarn
Druck
Vogel Druck & Medienservice 40213 Düsseldorf
Tel. +49 (0)7 11/72 52-245 Nicht nur deutsche und
Fax +49 (0)7 11/72 52-366
GmbH, 97204 Höchberg Tel. +49 (0) 2 11/8 87-20 55 französische Polizisten
Fax +49 (0)2 11/8 87-97-20 55
Deutsch perfekt wird besonders Konditionen sind so vertraut mitein- mitein„nder vertraut sein
sales-duesseldorf@iqm.de
umweltfreundlich auf chlorfrei Jahresabonnement , ≈ sich sehr gut kennen
gebleichtem Papier gedruckt. Oliver Mond, Carsten Thum, ander, dass sie – einma-
Deutschland € 85,20 inkl. MwSt.
Christian Leopold
und Versandkosten lig in Europa – gemein- einmalig , von: ein Mal;
Verlag und Redaktion
Eschersheimer Landstraße 50,
Österreich € 85,20 inkl. MwSt. plus hier auch: besonders
Spotlight Verlag GmbH
60322 Frankfurt
€ 10,20 Versandkosten
sam auf dem Rhein
Fraunhoferstraße 22 entw“ckeln
Tel. +49 (0)69/2424-4510
82152 Planegg Schweiz sfr 120,60 plus sfr 18,00 patrouillieren. Überall
Fax +49 (0)69/2424-59-4510 , hier: durch das Zusam-
Tel. +49 (0)89/8 56 81-0 Versandkosten
Fax +49 (0)89/8 56 81-105
sales-frankfurt@iqm.de
übriges Ausland € 85,20 plus
auf beiden Seiten der menleben und Zusammen-
Jörg Bönsch, Axel Schröter, Versandkosten deutsch-französischen arbeiten bekommen
Geschäftsführer
Tina Kreibich
Rudolf Spindler, Jan Henrik Groß,
Nymphenburger Straße 14,
Studenten bekommen gegen Grenze haben die Men- eindrucksvoll , toll; so,
Markus Schunk
80335 München
Nachweis eine Ermäßigung. Die
schen eine gemeinsame dass es positiv wirkt
Lieferung kann nach Ende des
Leiter Lesermarkt Tel. +49 (0)89/545907-29
Holger Hofmann Fax +49 (0)211/887-97-8717
ersten Bezugsjahres jederzeit Identität entwickelt – die Vœlkerverständigung
beendet werden – mit Geld- , friedliche Kommuni-
und unseren Reportern
Vertriebsleitung Jörg Bönsch, Thierry Kraemer zurück-Garantie für bezahlte, aber kation und Kooperation
Monika Wohlgemuth Mörikestraße 67, noch nicht gelieferte Ausgaben. eindrucksvoll gezeigt, zwischen verschiedenen
70199 Stuttgart Völkern
Leserservice Birgit Hess
Tel. +49 (0)711/96666-560
CPPAP-Nr. 1019 U 88497 wie Völkerverständi-
Leitung Marketing B2C & PR Fax +49 (0)711/96666-561 Bestellung Einzelhefte / ältere gung geht.
Heidi Kral sales-muenchen@iqm.de Ausgaben
leserservice@spotlight-verlag.de
Leitung Marketing B2B & Andreas Wulff, Sandra Holstein,
Kooperationen Susanne Mürbeth Matthias Schalamon
Einzelverkaufspreis Deutschland: Detektivin der Liebe
€ 7,90
Vertrieb Handel Brandstwiete 1, 20457 Hamburg Ihre Kunden suchen Va-
Tel. +49 (0)40/30183-102 Im Spotlight Verlag erscheinen
MZV
Fax +49 (0)40/30183-283 Spotlight, Business Spotlight, ter oder Mutter, Bruder
Ohmstraße 1
85716 Unterschleißheim sales-hamburg@iqm.de Écoute, Ecos, Adesso und oder Schwester – und
Deutsch perfekt
Bankverbindungen Andreas Wulff, Michael Seidel, manche auch die verlo-
Matthias Schalamon www.spotlight-verlag.de
Commerzbank AG, Düsseldorf
Gormannstraße 14, 10119 Berlin
rene Jugendliebe. Eine
IBAN DE46300800000212865200
SWIFT (BIC) DRESDEFF300 Tel. +49 (0)40/30183-102 Personensucherin fin-
Fax +49 (0)40/30183-283
Credit Suisse AG, Zürich
sales-hamburg@iqm.de
det für sie Menschen auf
IBAN CH1204835055483341000
Foto: ddp

SWIFT (BIC) CRESCHZZ80C der ganzen Welt.


74 TECHNIK Deutsch perfekt 4 / 2017

Auf dem Display sind


Pauls Augen. Eine
Kamera registiert, wenn
vor dem Roboter ein
Kunde steht.

Paul, der Roboter


Er kennt das Sortiment genau. Das muss er auch: Roboter Paul soll
Kunden in einem Kaufhaus helfen, Produkte zu finden.
Ein Besuch bei Deutschlands erstem digitalen Verkäufer. LEICHT AUDIO

E
r steht am Eingang und wartet. Produktsuche helfen?“, fragt er. Logisch,
digital , hier: ≈ so, dass “ns Plaudern k¶mmen
Ihm ist es egal, wie lange. Denn das ist hier seine Aufgabe. Aber ich will ihn ein Computerprogramm , beginnen, nett zu
er ist ein Roboter. Sein Name: wissen, ob der digitale Verkäufer mehr kontrolliert erzählen
Paul. Den hat er von seinen kann. „Nein“, antworte ich deshalb. Na- die St„nge, -n r“chtig , hier: wirklich
humanoiden Kollegen bekommen. Er türlich erst, nachdem Paul „Piep“ gemacht , langes, dünnes Stück
der W“tz, -e
ist weiß, 1,60 Meter groß und sieht aus hat. Das ist nämlich das Signal, dass man schräg , hier: ein biss- , ≈ kurze Erzählung mit
chen vertikal lustigem Ende
wie eine Stange. Oben auf einem schrä- sprechen soll. Wenn er selbst redet, kann
gen Display sind zwei Lichter – das sind er keine Kommandos verstehen. „In Ord- bedienen , zwei Bedeu-
tungen: (Smartphones mit
Pauls Augen. Arme und Beine fehlen. Die nung. Wie wäre es mit einem Small Talk?“, den Händen) benutzen;
braucht er auch nicht, denn Paul soll hier fragt Paul. Das Wort Small Talk spricht er Kundenservice machen
im Saturn-Markt von Ingolstadt keine etwas komisch aus. Englisch kann Paul begrüßen
Smartphones bedienen. Seine Aufgabe nicht. „Ja!“, sage ich nach dem Piep. „Was , Hallo sagen zu

ist es, Kunden zu den richtigen Produk- möchtest du wissen?“ fragt der Roboter. ¡cht , original; wirklich
ten zu bringen. Paul versteht nur wenige Fragen. Zum reden , sprechen
Heute besuche ich ihn. Als ich vor ihm Beispiel diese: „Hast du Hobbys?“ Paul
Wie wäre ¡s m“t …?
stehe, registriert er das sofort. „Servus!“, antwortet und kommt dabei richtig ins , ≈ Sollen wir …?
begrüßt er mich in echtem Bayerisch. Plaudern: „Ich tanze gerne, erzähle gerne komisch aussprechen
„Hallo, Paul“, sage ich. „Soll ich dir bei der Witze und wasche gerne Wäsche. Aber , hier: nicht richtig sagen
Deutsch perfekt 4 / 2017 TECHNIK 75

am liebsten sortiere ich nachts USB-Ka- ist ein schöner Tag.“ Ob er das auch bei
sortieren , hier: ≈ eine |ch b“n ja kein D-Zug!
bel. Befreunde dich doch auf Facebook Regen tut? Heute stimmt seine Diagno- Ordnung in verschiedene , m Ich bin nicht der
mit mir. Ich heiße ‚Paul der Roboter vom se: Die Sonne scheint. Gruppen, z. B. Kabelgröße, Schnellste!
Saturn’ auf Facebook. Dann siehst du, was Dann sind wir da. Paul bleibt stehen. machen
(der D-Zug, ¿e , kurz
ich den ganzen Tag so mache.“ „Wir sind angekommen. Soll ich dir ei- das Kabel, - , Teil: Es für: Durchgangszug =
verbindet einen Computer früher schneller Zug: Er hat
Nicht schlecht. Ich frage mich zwar, wie nen Mitarbeiter rufen?“, will er wissen. und ein externes Gerät. nur an großen Bahnhöfen
Paul ohne Arme und Hände USB-Kabel Ich sehe mich um. Hier stehen DVDs gehalten.)
s“ch befreunden m“t
sortiert – aber vielleicht sucht er heim- und Blu-Ray-Discs, aber keine Fernseher. , Freunde werden der M“tarbeiter, -
lich Hilfe, wenn es dunkel ist. Denn es Paul hat mein Kommando nicht richtig , Angestellte
zwar …, aber …
gibt in diesem Markt noch Tom. Tom ist verstanden. Vielleicht hat er „Paul, suche , hier: das ist so …, aber … s“ch ¢msehen
ein kleiner humanoider Roboter, Mo- einen Fernseher“ als Titel eines Films in- heimlich , so, dass es
, hier: genau nach allen
Seiten sehen
dell NAO – und normalerweise auch in terpretiert. Trotzdem sage ich Ja. „Okay, andere nicht wissen
diesem Saturn-Markt zu Hause. Er tanzt ich rufe dir jetzt einen meiner humanoi- niesen
zu Hause sein
, ≈ Luft plötzlich und laut
sehr gern und kopiert die Choreografie den Kollegen.“ , wohnen; hier: im Ge-
aus der Nase drücken
schäft sein und bleiben
des K-Pop-Stars Psy zum Lied „Gangnam Per Voice-over-IP ruft Paul eine Mitar-
dazw“schenquatschen
Style“. Aber heute ist er nicht da. Er muss beiterin des Marktes ganz in der Nähe an. normalerweise
, m plötzlich sprechen,
, ≈ meistens: Das ist
gewartet werden. Er hat Arthrose. Zu viel Ich höre ihr Telefon klingeln. Die Mitar- normal.
wenn andere sich unter-
halten
getanzt. beiterin kommt zu uns. „Hallo“, sagt sie.
gew„rtet , Part. II von:
Paul hat dieses Problem nicht. Er ist Und ich muss lachen. „Eigentlich suche verk•rzen
warten = kontrollieren und
, kürzer machen
ein Care-O-bot 4 und fährt auf Rädern. ich Fernseher. Aber Paul hat mich jetzt reparieren
gemeinsam , hier: beide
Eigentlich hat dieses interaktive Robo- hierhin gebracht. Wahrscheinlich hat er das Rad, ¿er
ter-Modell Arme. Manchmal auch mehr mein Kommando nicht richtig verstan- , hier: ≈ Reifen gefährden , hier: ≈ ma-
chen, dass sie bald keinen
als zwei. Denn Care-O-bots sollen As- den“, versuche ich ihr zu erklären. „Wuss- die Abteilung, -en
Arbeitsplatz mehr haben
, Teil von einer Firma, z. B.
sistenten sein und zum Beispiel älteren test du, dass es unmöglich ist, mit offenen
Produktion oder Einkauf s¡lber , m selbst
Menschen im Haushalt helfen. Die Hard- Augen zu niesen?“, quatscht Paul dazwi-
losfahren zum“ndest , auf jeden Fall
ware ist vom Stuttgarter Fraunhofer-In- schen. Er will mir das Warten mit Anek- , ≈ beginnen, zu fahren
stitut für Produktionstechnik und Auto- doten verkürzen. Er weiß nicht, dass sei- nach einer Weile
¢mfahren , an jeman- , ≈ etwas später
matisierung. Um die kuriosen Dialoge ne humanoide Kollegin schon da ist. Die den/etwas fahren, sodass
ein schl¡chtes Gew“ssen
haben sich aber die Digital-Experten von muss nämlich eine Karte mit einem QR- er/es zu Boden fällt
haben , sich schlecht
Saturn gekümmert. Code an den Roboter halten, damit er das (der Boden, ¿ , Ort: Da- fühlen, weil man glaubt,
„Paul, ich suche einen Fernseher!“ rufe registriert. Ich versuche Paul zu erklären, rauf geht und steht man.) etwas Falsches zu tun
ich zum Roboter. Jetzt will ich testen, ob dass ich eigentlich einen Fernseher suche. der S¡nsor, Sensoren einfach so , hier:
, hier: ≈ kleines elektroni- ≈ plötzlich; ≈ spontan
er Kunden wirklich gut beim Einkaufen Er ignoriert mich. Die Mitarbeiterin und
sches Stück im Roboter: Es
helfen kann. „Du hast nach ,Paul, suche ich lachen jetzt gemeinsam. stehen l„ssen , hier:
prüft z. B. durch Temperatur
weggehen und sich nicht
einen Fernseher’ gesucht. Habe ich das Wir beide wissen: Paul muss noch viel oder Licht die Distanz zu
mehr kümmern
einem Objekt.
richtig verstanden?“, fragt er. Ich glaube, lernen. Und die Arbeitsplätze seiner ho-
er hat mich verstanden. „Darf ich dich in manoiden Kollegen gefährdet er hier sicher her¢mfahren ¢m
, ≈ in einer Distanz von
die Abteilung Filme und Musik bringen?“, nicht. „Weißt du was, Paul? Ich glaube, ich einem Objekt bleiben und
will er wissen. Ob das der richtige Ort für sehe die Fernseher und gehe da jetzt selber so weiterfahren
Fernseher ist? Trotzdem sage ich Ja, und hin. Und du kümmerst dich um andere das H“ndernis, -se , hier:
Paul fährt los. Vorher sagt er mir natürlich, Kunden, okay?“, sage ich. Er reagiert nicht, Objekt: Es steht im Weg.
dass ich bei ihm bleiben soll. zumindest nicht richtig: „Wusstest du, das Plakat, -e , großes
Der Roboter fährt langsam. Logisch, dass in China mehr Englisch sprechen, Stück Papier mit Informati- Paul hat
onen: Es steht dort, wo viele keine
denn er soll keine anderen Kunden um- als in den Vereinigten Staaten?“ Leute es sehen. Arme. Die
fahren. Das kann er auch gar nicht: Seine Lachend gehe ich zu den Fernsehern. braucht
r¢ckeln , m hier: er auch
Sensoren sagen ihm, ob ein Objekt auf Nach einer Weile höre ich Paul wieder plötzlich stoppen, nicht.
seinem Weg ist. Dann fährt er elegant sprechen: „Oh, ich sehe meinen Kunden beginnen, zu fahren,
wieder stoppen und wieder
um das Hindernis herum. Wie jetzt auch. nicht mehr!“ Wenig später fährt er wieder
Fotos: Saturn; picture alliance/dpa

beginnen, zu fahren
Denn auf dem Boden steht ein Plakat. Es an den Eingang des Marktes zurück. Jetzt
gesch„fft , Part. II von:
dauert ein bisschen. Paul ruckelt. Dann habe ich ein bisschen ein schlechtes Ge- schaffen = eine schwere
aber fährt er etwas nach links und hat es wissen. Es ist schon ziemlich unhöflich, Aufgabe gut machen
geschafft. „Heute fahre ich eher gemüt- jemanden einfach so stehen zu lassen. eher , hier: ≈ mehr
lich, ich bin ja kein D-Zug“, ruft Paul. Kurz Wie gut, dass Roboter damit aber kein gemütlich , hier: langsam
danach redet er vom Wetter: „Ach, heute Problem haben. Claudia May
76 Deutsch perfekt 4 / 2017

D-A-CH-MENSCHEN – EINE VON 98 MILLIONEN

„Man ist vom Rest der Welt isoliert“ Christiane Heinicke (31) nahm als
einzige Deutsche an einem Mars-
Simulationsprojekt der NASA auf
Ein Jahr lang auf dem Mars leben – geht das? Christiane Hawaii teil. Über das Experiment
mit einem internationalen Team hat
Heinicke erzählt von Alltag, Aufgaben und Salsa-Abenden die Geophysikerin aus Bitterfeld
(Sachsen-Anhalt) ein Buch
während eines Simulationsprojekts. MITTEL geschrieben: Leben auf dem Mars.

Frau Heinicke, Sie haben für das Simula- In Ihrem Buch erzählen Sie von der Idee
auf ¡ngem Raum der Apr“lscherz, -e
tionsprojekt der NASA ein Jahr lang mit fünf für einen Aprilscherz: Die Crew sollte nach , hier: so, dass jeder Ein- , Spaß am 1. April
Menschen zusammengelebt – isoliert und auf draußen mitteilen, dass zwei Mitglieder bald zelne nicht viel Platz für sich
auf dem Weg sein
engem Raum. Gab es da oft Konflikte? Eltern werden – also ein Marsmissions-Baby selbst hat und alle dauernd
, hier: m bald geboren
Kontakt miteinander haben
Die gute Nachricht ist: Wir sind alle heil auf dem Weg ist. Wie kamen Sie darauf? müssen
werden
aus der Mission herausgekommen. Aber Viele Medien wollten wissen, ob in der heil , gesund
k¶mmen auf
ja, es ist eine extreme Situation, in der Crew Beziehungen entstanden sind. Die- , hier: die Idee haben für
herauskommen
es immer wieder Konflikte gibt. Man ist se Fragen fanden wir ziemlich intim und , hier: beenden
entstehen
, hier: beginnen
zusammen mit fünf anderen Menschen frustrierend. Denn das war ein wissen-
¢mgehen m“t
vom Rest der Welt isoliert. Zwar hatte je- schaftliches Projekt, und wir hatten alle frustrierend
, hier: leben mit
, ≈ so, dass etwas traurig
der von uns ein eigenes kleines Zimmer. unsere Aufgaben. Der Aprilscherz sollte der Außeneinsatz, ¿e und ärgerlich macht
Aber allein war man trotzdem selten. die Fragen mit Humor kontern. , hier: Arbeitsaktion
w“ssenschaftlich
Geht man in so einer Situation anders mit Aber die sozial-psychologische Komponente außerhalb der Simulations-
, hier: so, dass Experten
station
Konflikten um? ist bei dem Projekt ja schon sehr interessant. aus verschiedenen Sekto-
enth„lten ren (z. B. Physik) systema-
Ja. Es ist dann besonders wichtig, Konflik- Sie haben auch Experimente dazu gemacht.
, zum Inhalt haben tisch etwas untersuchen
te so schnell wie möglich zu lösen. Des- Ja, verschiedene. Wir haben zum Beispiel
das Gewæchshaus, ¿er k¶ntern
halb haben wir jeden Abend zusammen in Gruppen am Computer gespielt und , Glashaus, in dem , hier: ≈ so gegen die Art
über die Ereignisse des Tages gesprochen. Aufgaben gelöst. Das Ziel war, zu sehen, Pflanzen unter sehr guten der Fragen protestieren
Wie sah der Tag für Sie aus? wie gut die Kooperation funktioniert. Bedingungen wachsen
die Eigenschaft, -en
können
Das war unterschiedlich. Manchmal Aber die Resultate sind noch nicht , ≈ spezielle Art des
verd¢nsten Charakters einer Person
hatte ich Außeneinsätze. Eine meiner komplett analysiert.
, zu Wasserdampf werden
Aufgaben war die Extraktion von Was- Welche Eigenschaften sollte man für eine m„n s¶llte …
(der W„sserdampf , hier: es wird empfohlen,
ser. Der Boden auf Hawaii ist sehr tro- Marsmission haben? , ≈ Wasser, das als Nebel dass man …
cken, enthält aber trotzdem ein bisschen Man sollte sich gut an eine extreme Um- nach oben steigt)
s“ch „n … „npassen
Wasser. Ich habe eine Art Gewächshaus gebung anpassen können – und an eine auffangen , hier: sich so ändern, dass
gebaut, in dem ich das verdunstende Gruppe. Außerdem sollte man tolerant , hier: ≈ in einem speziel- man gut mit … zurecht-
len Container sammeln kommt
Wasser aufgefangen habe. In dem gan- und zu Kompromissen bereit sein. Das
zen Jahr waren das circa 100 Liter. Das Team steht an erster Stelle. der Raumanzug, ¿e bereit sein zu , hier:
, spezieller Anzug, um sich machen wollen und können
System funktioniert im Prinzip auch auf Wie ist es seit dem Ende des Projekts für Sie im Universum zu bewegen
Wie “st ¡s weitergegan-
dem Mars. Die Außeneinsätze waren weitergegangen?
gefriergetrocknet gen?
das Schönste an dem Projekt. Natürlich Ich kann mich noch an die frischen Him- , durch Trocknen bei ex- , hier: Was ist passiert?
haben wir dabei immer spezielle Raum- beeren erinnern, die ich bei meinem ers- trem niedriger Temperatur
die H“mbeere, -n
konserviert
anzüge getragen. Wenn ich keine Außen- ten Frühstück draußen gegessen habe. , rote Beere
einsätze hatte, habe ich zum Beispiel am Wir haben alle erst einmal ein paar Tage der Br¡ttspiel-Abend, -e
erst einmal
, Abend, an dem man
Computer gearbeitet. Es gab immer et- Urlaub auf Hawaii gemacht. Endlich die Brettspiele spielt
, hier: als Erstes
was zu tun. Abends haben wir gekocht, Palmen sehen und im Meer schwimmen! ¡cht , real; wirklich
(das Br¡ttspiel, -e
meistens etwas Gefriergetrocknetes oder Natürlich haben wir bald an der Analyse , Spiel, das man mit (geo-
aus der Dose. Danach haben wir etwas der Simulation gearbeitet. Und ich habe metrischen) Figuren aus
Plastik oder Holz auf einem
zusammen gemacht, wir hatten einen mein Buch darüber geschrieben.
flachen Stück aus Holz oder
Foto: Cassandra Klos

Brettspiel-Abend und einen Film-Abend. Würden Sie an einer echten Marsmission dickem Papier spielt)
Manchmal haben wir auch Salsa-Tanz- teilnehmen?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz
abende veranstaltet. Diese gemeinsamen Wenn ich die Möglichkeit hätte – auf je- (D-A-CH) leben 98 Millionen Menschen. An dieser
Aktionen waren wichtig für die Gruppe. den Fall. Interview: Eva Pfeiffer Stelle interviewen wir jeden Monat einen davon.
Amerikanische Demokraten

müssen jetzt in den sauren Apfel beißen,

or as they would say:

bite the bullet.

Englisch besser sprechen und verstehen


Alles über Kultur, Menschen & Sprache
Jeden Monat neu
Jetzt Sprachmagazin gratis testen.
spotlight-online.de/gratis
Tel. +49 (0)89 / 8 56 81-16
Der leichte Einstieg in
die deutsche Grammatik
www.duden.de

288 Seiten. Broschur


16,99 € (D), 17,50 € (A)
978-3-411-75012-2

’ Die Duden-Trainer begleiten Sie mit Erklärungen und Tipps


durch das Buch – passend zu Ihrem Sprachniveau
’ Die wichtigsten Regeln und 500 Übungen mit Lösungen
’ Dialoge und Textbeispiele
’ Zur Vorbereitung auf Prüfungen der Niveaustufen A1, A2 und B1

Das könnte Ihnen auch gefallen