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Vorbereitungsphase B: Refresher Course

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Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie Neurologie

Aufgaben & Funktion des Nervensystems

Die Organfunktionen sowie die Bewegungen des Körpers werden vom Nervensystem gesteuert. Es nimmt Informationen


auf und leitet sie weiter, um sie letztlich zu verarbeiten. Das Nervensystem kann eine Reaktion auslösen oder diese
Informationauch abspeichern. Außerdem ist es Sitz des Gedächtnisses und des Bewusstseins sowie des Denkens und Empfindens.

Das Nervensystem besteht topographisch gesehen aus dem Zentralennervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS).


Zum ZNS zählen neben dem Gehirn auch das Rückenmark und der Hirnstamm. Als PNS werden alle Spinal- und Hirnnerven bezeichnet.

Abbildung 30: Zentrales und peripheres Nervensystem

Das Nervensystem besteht topographisch gesehen aus dem Zentralennervensystem (ZNS) und dem peripheren Nervensystem (PNS).


Zum ZNS zählen neben dem Gehirn auch das Rückenmark und der Hirnstamm. Als PNS werden alle Spinal- und Hirnnerven bezeichnet. 

Bei der funktionellen Einteilung ist es nicht wichtig, wo im Körper die Strukturen liegen, sondern es geht darum, welche Aufgaben sie
erfüllen. Das somatische Nervensystem nimmt Reize aus der Umwelt oder aus dem Körper auf und verarbeitet diese. Danach löst es
direkt eine Reaktion auf den Reiz aus. Das kann eine willkürliche oder eine unwillkürliche Reaktion (Reflex) sein. Das autonome
Nervensystem hingegen kontrolliert die inneren Organe. Seine Impulse sind nicht willkürlich steuerbar.

Größe
Das Gehirn (Encephalon) eines Erwachsenen ist ungefähr 1000 bis 1500g schwer. Es macht circa zwei Prozent des Körpergewichts aus.

Aufbau
Abbildung 31: Das Gehirn und seine Abschnitte

Zentrales Nervensystem
Das Cerebrum (Großhirn) besteht aus zwei Hälften den sogenannten Großhirnhemisphären, deren Oberflächen viele Windungen (Gyri)
besitzen. Das Diencephalon (Zwischenhirn) liegt zwischen Großhirn und Hirnstamm. Der längliche Hirnstamm (Truncus encephali) bildet
den Übergang zum Rückenmark, an dessen Rückseite sitzt das Cerebellum (Kleinhirn). Das Rückenmark (Medulla spinalis) liegt innerhalb
des knöchernen Wirbelkanals. Es beginnt am Hirnstamm und endet etwa auf Höhe des 1. bzw. 2. Lendenwirbels. Das Cerebrum ist
der Sitz des Bewusstseins und des Sprachzentrums. Es ist verantwortlich für die Erinnerung, kontrolliert Emotionen und
plant Bewegungen. Die beiden Hemisphären sind über einen Balken (Corpus callosum) miteinander verbunden.

Abbildung 32: Großhirnlappen

Zum Diencephalon gehören der Thalamus, Hypothalamus sowie die Hypophyse. Der Thalamus verarbeitet hauptsächlich sensible


Reize und filtert die Informationen für die Weiterleitung an das Großhirn. Der Hypothalamus bildet die Schnittstelle zwischen Nerven-
und Hormonsystem, das  die Körperkerntemperatur sowie den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Die Hypophyse ist an der Steuerung
des Hormonsystems beteiligt.

Der Hirnstamm (Truncus encephali) besteht aus dem Mesencephalon (Mittelhirn), dem Pons (Brücke) und der Medulla
oblongata (verlängertes Mark). Im Mesencephalon werden optische und akustische Reize auf ihrem Weg ins Großhirn umgeschaltet.
Die Brücke ist die wichtigste Verbindung zwischen auf- und absteigenden Nervenbahnen. Die Medulla oblongata ist der unterste Teil
des Hirnstamms und verbindet das Gehirn mit dem Rückenmark. In diesem Bereich befinden sich das Atem- und Kreislaufzentrum und
das Brechzentrum. Die meisten Hirnnerven entspringen im Bereich des Hirnstamms.

Das Cerebellum (Kleinhirn) besteht aus zwei Kleinhirnhemisphären, die über den sogenannten Kleinhirnwurm miteinander verbunden
sind. Es arbeitet mit dem Großhirn zur Feinabstimmung der Körperbewegung zusammen sowie mit dem Innenohr zum Erhalt
des Gleichgewichts.

Video 1: ZNS
Das Rückenmark (Medulla spinalis) ist in 32 Segmente unterteilt. Pro Segment entspringt ein Spinalnervenpaar. Die Segmente sind
nach dem Wirbel benannt, durch dessen Zwischenwirbelloch sie den Wirbelkanal verlassen. Da das Rückenmark auf Höhe des 2.
Lendenwirbels endet, verlaufen die Wurzelfäden der unteren Segmente noch weiter im Wirbelkanal, bevor sie ihn verlassen. Sie bilden
die sogenannte Cauda equina.

Abbildung 33: Das Rückenmark

Das Gehirn und Rückenmark werden schützend von drei Meningen umgeben. Die äußere Hirn- bzw. Rückenmarkshaut (Dura mater) ist
fest mit dem Schädelknochen sowie dem Wirbelkanal verwachsen und schützt das ZNS vor Verletzungen, beispielsweise durch Sprünge.
Überdies bilden die Meningen die Blut-Hirn-Schranke und sind für die Ernährung des Gehirns zuständig.
Abbildung 34: Die Hirnhäute

Der Liquor cerebrospinalis umgibt das Gehirn sowie das Rückenmark. Der Liquor schützt das Gehirn vor Erschütterung und übernimmt
im ZNS die Funktion der Lymphe. Es wird im Bereich der Pia mater aus Bestandteilen des Blutplasmas gebildet. Pro Tag werden in
den Hirnventrikeln etwa 500 ml gebildet. Im Bereich der Arachnoidea wird der Liquor resorbiert. Auf diese Weise wird ungefähr alle
sieben Stunden der komplette Liquor ausgetauscht bzw. erneuert.

Video 2: Rückenmark

Peripheres Nervensystem
Das periphere Nervensystem besteht aus den Hirnnerven, den Spinalnerven sowie den peripheren Nerven.

Es gibt 12 Hirnnervenpaare, die meistens dem Hirnstamm entspringen.


Abbildung 35: Die Hirnnerven

Die sensiblen Fasern der Hirnnerven sind für die Sinneswahrnehmung, die motorischen Anteile für die Innervation der Muskeln und
die autonomen Fasern für die Regulation von Organfunktionen zuständig.

Im Gegensatz zu den Hirnnerven sind alle der 31 bis 33 Spinalnervenpaare hinsichtlich ihrer Faserqualität gleich aufgebaut. Jeder
Spinalnerv besitzt sowohl sensible als auch motorische und autonome Anteile.

Abbildung 36: Dermatome der Spinalnerven

Die peripheren Nerven bilden die Fortsetzung der Hirn- und Spinalnerven. Über die sensiblen afferenten Fasern leitet der Nerv
Informationen aus der Peripherie zum ZNS. Motorische efferente Fasern hingegen transportieren Bewegungsimpulse zu den Muskeln und
über die autonomen efferenten Fasern steuern die Nerven die unterschiedlichen Organfunktionen.
Video 3: PNS

Vegetatives Nervensystem
Über das vegetative Nervensystem (VNS) werden Organfunktionen des Körpers autonom gesteuert. Das VNS kann sich an
unterschiedliche Umweltbedingungen sowie Belastungen anpassen, in dem es beispielweise die Herz- und Atemfrequenz oder auch
Stoffwechsel- und Verdauungsvorgänge verändert.

Strukturell ist das VNS sowohl im ZNS als auch im PNS zu finden. Die Steuerung des vegetativen Nervensystems obliegt
dem Hypothalamusund dem limbischen System. Sympathikus, Parasympathikus und Darmnervengeflecht bilden das VNS.

Sympathikus und Parasympathikus kontrollieren lebenswichtige Funktionen und können einzelne Organ bzw. Organsysteme direkt
beeinflussen.

Abbildung 37: Wirkung des sympathischen und parasympathischen Nervensystems

Das Darmwandnervensystem oder auch enterisches Nervensystem steuert die Sekretionsvorgänge sowie die Peristaltik weitgehend


selbstständig. Das enterische Nervensystem besteht aus dem Meissner-Plexus, der in der Submukosa liegt, sowie dem Auerbach-Plexus,
den man in der Muskularis findet. Sympathikus und Parasympathikus haben hier nur bedingt Einfluss. Verschiedene Neurotransmitter
dienen als synaptische Überträgerstoffe.

Video 4: VNS
Somatisches Nervensystem
Das somatische Nervensystem steuert die motorischen Reflexe und willkürlichen Bewegungen der Skelettmuskulatur über aufsteigende
bzw. absteigende Nervenbahnen.

Feinbau

Zentrales Nervensystem
Das Gehirn sowie das Rückenmark besitzen im Querschnitt eine graue Substanz (Substantia grisea) und die weiße Substanz (Substantia
alba). Das Gehirn besitzt hauptsächlich an der Oberfläche graue Substanz, die dort den Kortex bildet. Im Inneren des Gehirns befindet sich
weiße Substanz. Im Rückenmark ist die graue Substanz hauptsächlich im Zentrum zu finden und die weiße Substanz hingegen außen.

Die Hirnrinde ist am Großhirn besonders stark entwickelt und dort befinden sich sogenannte Rindenfelder. Die Rindenfelder werden in
sensorische und motorische Gebiete unterschieden. Hier werden Bewegungen wie auch Empfindungen gesteuert. Die Größe dieser
Abschnitte ist nicht abhängig von der Größe des Körperteils, sondern davon, wie detailliert diese Regionen des Körpers gesteuert werden.
Einen Überblick über die Größenverhältnisse der Rindenfeldabschnitte bietet der sogenannte Homunkulus. Im Bereich der sensorischen
Rindenfelder gibt es spezielle Abschnitte, die akustische Reize und optische Informationen verarbeiten. Überdies befindet sich in der
linken Hirnhemisphäre ein Bereich, der Sprache motorisch und sensorisch steuert. Den größten Anteil der Rindenfelder (80%) machen
jedoch sogenannte Assoziationsbahnen aus. Hier werden Informationen aus den Rindenfeldern miteinander verknüpft. Dadurch ist das
Gehirn erst zu höheren Leistungen, wie etwa das Erinnern, das Kreativ-sein oder das Lernen, fähig. Zudem befinden sich in der weißen
Substanz des Großhirns Kerne und Kerngruppen, die für unterschiedliche Funktionen verantwortlich sind. Zum Beispiel koordinieren
die Basalganglien gemeinsam mit dem Diencephalon und dem Hirnstamm die Bewegungsabläufe des Körpers. Der Mandelkern
(Amygdala) zählt im weiteren Sinne ebenfalls zu den Basalganglien und wird jedoch hauptsächlich dem limbischen System zugeordnet,
das für die Emotionen zuständig ist. Das limbische System ermöglicht zudem intellektuelle Fähigkeiten.

Abbildung 38: Motorischer und sensorischer Homunkulus

Im Bereich des Rückenmarks umgibt die weiße Substanz die graue Substanz. Die Nervenfasern im Rückenmark sind zu Bündeln
zusammengefasst. Man unterscheidet hier aufsteigende und absteigende Bahnen, die entweder Informationen zum Gehirn (sensible
Fasern) oder vom Gehirn weg (motorische Fasern) transportieren. Die wichtigsten absteigenden Bahnen sind die
sogenannten Pyramidenbahnen sowie die extrapyramidalen Bahnen. Diese sind für willkürliche und unwillkürliche Bewegungen des
Körpers verantwortlich.
 

Peripheres Nervensystem
Das periphere Nervensystem besteht zum Großenteil aus Nervenfasern. Die Nervenzellkörper machen insgesamt einen geringen Teil aus.
Die Spinalnerven bilden Nervengeflechte (Nervenplexus). Die Fasern lagern sich neu zusammen und es entstehen die peripheren Nerven.
Diese ziehen dann zu ihren Zielstrukturen hin, wobei sie zum Teil noch Äste abgeben.

Gefäßversorgung & Innervation

Das Gehirn benötigt, um seine Funktion aufrechterhalten zu können, eine große Menge an Glukose und Sauerstoff.

Das Gehirn erhält ungefähr 15% des Herzzeitvolumens. Die Blutversorgung bleibt relativ konstant. Je nachdem, welcher Bereich des
Gehirns grade aktiv ist, werden die Bereiche unterschiedlich stark durchblutet. Grundsätzlich wird die graue Substanz stärker als die weiße
Substanz durchblutet.

Abbildung 39: Arterielle Blutversorgung des Gehirns

Die Grundlage für die Versorgung des Gehirns mit sauerstoffreichem Blut bilden die A. carotis communis sowie die A. vertebralis. Das
sauerstoffarme Blut fließt über oberflächliche und tiefe Hirnvenen in den Hirnsinus ab. Dieser leitet das venöse Blut weiter an die V.
jugularis interna, die in die V. cava superior mündet.

Über den Bayliss-Effekt hält das Gehirn seinen Blutdruck weitgehend konstant. Bei einem erhöhten systolischen Blutdruck im Körper
kommt es zur Vasokonstriktion und bei einem niedrigen Blutdruck zur Vasodilatation. Auf diese Weise ist eine kontinuierliche
Blutversorgung des Gehirns gewährleistet.

Das Rückenmark wird im oberen Bereich über die Äste der A. vertebralis und im unteren Verlauf auch über
die Zwischenrippenarterien mit arteriellem Blut versorgt. Das venöse Blut fließt über unterschiedliche Venen zurück zum Herzen.

Im Gegensatz zum übrigen Kapillarnetz des Körpers weist das im Gehirn eine Besonderheit auf. Nur fettlösliche Stoffe können mit Hilfe
spezieller Transportenzyme die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden. Wasserlösliche Moleküle könne diese Barriere nicht
überwinden. Auf diese Weise wird das Hirngewebe vor vielen schädlichen Substanzen geschützt. Alkohol und Nikotin können diese
Barriere jedoch durchdringen. Im Bereich der Hypophyse ist die Blut-Hirn-Schranke nicht angelegt, sodass die dort gebildeten Hormone
ungehindert passieren können. 

Die Blut-Liquor-Schrankeim Plexus chorodei ist der Blut-Hirn-Schranke ähnlich und schränkt den Stoffwechsel zwischen Blut und Liquor
ein.

Stoffwechsel
Die Blut-Hirn-Schranke verhindert den Übertritt freier Fettsäuren aus dem Blut ins Hirngewebe. Die wichtigsten Energiequellen für das
Gehirn sind Glukose und Ketonkörper, die bei der Fettverbrennung in den Mitochondrien der Leberzellen entstehen.

Das Gehirn wird bei der Verteilung der Glukose im Körper bevorzugt behandelt und reagiert sehr empfindlich auf einen Mangel an
Glukose. Die Aufnahme der Glukose ins Gehirn ist insulinabhängig. Einerseits muss der Blutzuckerspiegel durch Insulin gesenkt werden,
damit die Glukose in die Muskeln und Leber aufgenommen werden kann. Andererseits darf der Blutzuckerspiel nicht zu sehr abfallen,
damit dem Hirn noch ausreichend Glukose zur Verfügung steht. Fällt der Spiegel langfristig so weit ab, dass das Gehirn nicht mehr
ausreichend versorgt wird, stellt der Körper seinen Stoffwechsel auf die Fettverbrennung um. Die Ketonkörper sind die einzige alternative
Energiequelle für das Gehirn.

Pathophysiologie Nervensystem

Apoplex
Als Apoplex oder zerebraler Insult wird eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit verminderter Sauerstoffzufuhr bezeichnet. Diese
Beschreibung ist jedoch sehr unspezifisch und erklärt nicht, was die Ursache für die Sauerstoffminderversorgung des Gehirns ist. Pro
Jahr sind etwa 200.000 Menschen in Deutschland von einem Apoplex betroffen. In 85 % der Fälle handelt es sich um einen ischämischen
Insult. Lediglich 15% der Schlaganfälle ist auf eine Hirnblutung zurück zu führen.

Bei einer verminderten Hirndurchblutung spricht man von einer Hirnischämie. Es kommt infolgedessen zu einem Sauerstoffmangel in
den Nervenzellen. Dauert der Sauerstoffmangel länger an und Hirngewebe stirbt ab, spricht man von einem Hirninfarkt. Die daraus
resultierende Funktionsstörung der Nervenzellen führt zu kurz- oder längerfristigen neurologischen Ausfällen. Ist eine Blutung im Gehirn
ursächlich für den Apoplex, spricht man von einem hämorrhagischen Hirninfarkt.

Die Arteriosklerose ist die häufigste Ursache für einen Schlaganfall. Durch arteriosklerotische Veränderungen an der Gefäßwand oder
Entzündungen kann es bei kleineren Gefäßen zu Mikroangiopathien kommen. Überdies führen Stenosen zu einer hämodynamischen
Insuffizienz, weil nicht mehr ausreichend Blut durch die betroffene Arterie fließen kann. Eine Embolie kann ebenfalls die Ursache einer
Hirnischämie sein.

Abbildung 40: Typische Ursachen für einen Schlaganfall

Je nachdem, welches Areal im Gehirn betroffen ist, sind die Symptome sehr unterschiedlich. Am häufigsten sind die A. carotis sowie die A.
cerebri media betroffen. Typische Symptome sind die Hemiparese, Aphasie, Ataxie, Apraxie, Dysphagie und Vigilanzstörung.

Grundsätzlich können zwei Formen der Hirnischämie unterschieden werden. Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) kann ein
Vorbote eines Hirninfarkts sein. Bei einer TIA treten die Symptome nur vorübergehend (meistens 2-15 Minuten/maximal 24 Stunden) auf
und bilden sich wieder vollständig zurück.

Bilden sich die Symptome nicht mehr oder nur teilweise zurück, spricht man von einem Hirninfarkt.
Abbildung 41: Symptome des Schlaganfalls

Um die Prognose des Patienten maximal zu verbessern, sollten Schlaganfallpatienten auf einer Stroke Unit versorgt werden. Dort
stehen alle relevanten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen zur Verfügung.

Sobald die vitale Situation des Patienten gesichert ist, liefert die (Fremd-)Anamnese wichtige Informationen über mögliche Ursachen des
Insults. Laborchemisch werden sämtliche Parameter überprüft und bildgebende Verfahren wie CT und MRT sollten schnellstmöglich
erfolgen. Im CT sind Blutungen und im MRT ischämische Infarkte sofort erkennbar.

Das oberste therapeutische Ziel ist es, das ischämische Areal möglichst klein zu halten. Zu den Basismaßnahmen zählen neben
der Korrektur einer eventuellen Hypovolämie und der Senkung des Blutdrucks (>220/120mmHg) auch die Korrektur einer
möglichen Glukosestoffwechselstörung sowie die Senkung einer erhöhten Körpertemperatur. Als spezifische
Therapiemaßnahmen ist eine systemische oder auch eine lokale interarterielle Fibrinolyse in Betracht zu ziehen. Voraussetzung für die
Lysetherapie ist der Ausschluss einer Hirnblutung bzw. einer erhöhten Blutungsneigung durch Vorerkrankungen.

Bei hämorrhagischen Insulten richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Blutungsform. Die operative Versorgung ist obligat.
Allgemeine Maßnahmen bei Hirnblutungen sind die Sauerstoffgabe sowie die Blutdrucksenkung. Zudem müssen die Patienten auf
Hirndruckzeichen beobachtet werden, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und entsprechend intervenieren zu können.

Video 5: Apoplex

Epileptischer Anfall und Epilepsie


Kommt es zu einer gleichzeitigen Entladung mehrerer Nervenzellen im Gehirn, spricht man von einem epileptischen Anfall. Ein
epileptischer Anfall kann, durch einen Sturz verursacht, ebenfalls zu einem Schlaganfall führen. Als Epilepsie bezeichnet man
das wiederholte Auftreten epileptischer Anfälle infolge einer erhöhten Erregungsbereitschaft des Hirns. Gelegenheitsanfälle bzw. das
einmalige Auftreten sind relativ häufig, da die Krampfschwelle des Gehirns durch verschiedene Faktoren wie Stoffwechselstörungen,
Drogenkonsum, Medikamente oder Fieber beeinflusst werden kann. Von einer Epilepsie sind etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung entweder
vor dem 15. oder nach dem 65 Lebensjahr betroffen. Ätiologisch sind beispielweise Tumore oder Blutungen. Ebenso können auch eine
familiäre Disposition oder fokale Ursachen im Gehirn vorliegen.
Symptomatisch werden, je nachdem in welchem Ausmaß das Gehirn betroffen ist, verschiedene Anfallstypen unterschieden. Es gibt
partielle und generalisierte Anfälle. Bei den partiellen Anfällen sind nur Teile des Hirns betroffen. Der Grand-Mal-Anfall wird als
klassischer epileptischer Anfall bezeichnet. Dieser Anfall dauert in der Regel ungefähr eine Minute. Es kommt zu tonisch-klonischen
Krämpfen und Muskelzuckung sowie zu dem Zungenbiss und wird unter Umständen egleitet vom Einnässen und von einer Verwirrtheit
beim Aufwachen. Wenn ein Anfall länger als fünf Minuten dauert, gilt dies als Status epilepticus. Insbesondere dann ist der Patient vital
gefährdet.

Diagnostisch ist die Anfallsanamnese essentiell. Die üblichen Laborparameter werden durch die Untersuchung des Liquors ergänzt. Eine
Elektroenzephalografie (EEG) und eine MRT helfen dabei die betroffenen Bereiche im Gehirn einzugrenzen.

Abbildung 42: Epilepsie im EEG

Akuttherapeutisch ist es wichtig, dass der Patient sich selbst oder andere nicht verletzt. Das Festhalten oder das Einbringen eines Beißkeils
provoziert jedoch unnötige Verletzungen. Dauert der Anfall länger als drei bis fünf Minuten können Benzodiazepine wie Lorazepam rektal
oder auch intravenös verabreicht werden. Nach einem Anfall sind eine Anfallsprophylaxe mit Antikonvulsiva sowie regelmäßige
Kontrolluntersuchungen erforderlich.

Video 6: Epilepsie
Demenz
Von einer Demenz spricht man, wenn es zu einem fortschreitenden Abbau von Hirngewebe und damit zum Verlust von kognitiven
Fähigkeiten kommt. Die Wahrscheinlichkeit an einer Demenz zu erkranken, steigt mit dem Lebensalter.

Es gibt verschieden Formen der Demenz. Der häufigste Typ ist die primäre Demenz. Hier liegen die Ursachen im Gehirn. Dazu zählen die
Alzheimer-Demenz sowie die vaskuläre Demenz. Bei der sekundären Demenz findet sich die Ursache außerhalb vom Gehirn.
Beispielsweise ausgelöst durch ein Schädel-Hirn-Trauma, Alkoholabusus oder einen Hirntumor.

Abbildung 43: Demenzformen im Überblick

Morbus Alzheimer
Bei dieser Demenzform kommt es bedingt durch einen Verlust von Hirngewebe zu einer Atrophie des Cortex. Man spricht daher auch von
einer kortikalen Demenz. Die Ursache ist bisher nicht bekannt.

Die Alzheimer-Demenz kann man in Stadien unterteilen, wobei der Übergang fließend ist.

Abbildung 44. Stadien der Alzheimer-Demenz

Die Symptome sind sehr vielfältig und unspezifisch. Bei Morbus Alzheimer bleibt die Persönlichkeit meistens lange erhalten. Im


frühen Stadium fällt meistens zuerst den Angehörigen auf, dass die Betroffenen einem Gespräch nicht mehr folgen können oder normale
Dinge wie Termine vergessen. Das Kurzzeitgedächtnis ist frühzeitig gestört. Außerdem sind sie zeitlich beziehungsweise örtlich nicht
mehr oder nur teilweise orientiert. Beispielsweise finden Betroffene nach einem Spaziergang nicht mehr nach Hause zurück. Im mittleren
Stadium nehmen die Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen weiter zu. Im frühen und teilweise auch im mittleren Stadium nehmen die
Patienten die fortschreitende Erkrankung auch bewusst war. Dies führt meistens zu einer aggressiven, depressiven Verstimmung. Der
Patient hat Schwierigkeiten beim Rechnen und Lesen. Zunehmend können auch willkürliche Bewegungen nicht mehr ausgeführt werden.
Im späteren Stadium kommt es zu Unruhe, Schlaflosigkeit sowie Angst und Erregungszuständen. Und dadurch letztendlich zu einer
Veränderung der Persönlichkeit. Die Aktivitäten des täglichen Lebens werden verstärkt beeinträchtigt. Es kommt zum sozialen Rückzug.
Die Patienten haben zunehmend Probleme mit der Sensorik, Motorik und Koordination. Später kommt dann noch die Inkontinenz hinzu,
die Patienten werden intensiv pflegebedürftig.
Diagnostisch sollte eine vollständige Selbst- und Fremdanamnese durchgeführt werden. Ebenso wie eine klinisch-neurologische
Untersuchung. Mithilfe neuropsychologischer Tests wie dem Mini-Mental-State-Test sowie dem Uhrentest können deutliche Anzeichen
für eine Demenz festgestellt werden.

Abbildung 45: Uhrentest

Bei Verdacht auf eine Alzheimer-Demenz kann zudem eine Liquorpunktion gemacht werden. Im CT bzw. MRT können erst im Verlauf
Veränderungen im Gehirn festgestellt werden.

Therapeutisch kann die Erkrankung nur verzögert, aber nicht aufgehalten oder geheilt werden. Die Lebenserwartung ist deutlich
verkürzt. Zur Therapie können Medikamente verabreicht werden, die zu einer leichten Verbesserung der kognitiven Störungen sowie der
Fähigkeiten im Alltagbeitragen. Begleitsymptome, etwa eine Depression, müssen zudem behandelt werden. Essentiell ist es,
ein geordnetes Umfeld mit klaren Strukturen zu schaffen. Ebenso wichtig ist die Schulung im Umgang mit dem Betroffenen sowie
die Entlastung der Angehörigen. Das Konzept der Validation bietet eine gute Möglichkeit den Herausforderungen der Alzheimer-
Demenz zu begegnen.

Vaskuläre Demenz
Bei der vaskulären Demenz sind multiple kleine Hirninfarkte, die auf eine Arteriosklerose zurückzuführen sind, ursächlich. Im Gegensatz
zum Morbus Alzheimer sind Bereiche unterhalb der Hirnrinde betroffen. Man spricht auch von einer subkortikalen Demenz.

Die vaskuläre Demenz verläuft schubförmig. Die Betroffenen sind affektlabil und weisen Konzentrations- und Antriebsstörungen auf.
Aufgrund der Mikroangiopathie bzw. der Hirninfarkte treten zudem körperliche Symptome wie Hemiparesen, Sensibilitäts- und
Gangstörungen auf. Charakteristisch sind auch Dysphagien und Aphasien.

Im Bereich der Diagnostik bieten die bildgebenden Verfahren wie CT und MRT neben der Anamnese gute Möglichkeiten, die
Infarktläsionen im Gehirn zu erkennen.

Da die vaskuläre Demenz nicht heilbar ist, steht die Behandlung der Risikofaktoren im Vordergrund. Unterstützend können
Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie zum Einsatz kommen. Die subkortikale Demenz hat aufgrund des Infarktrisikos keine gute
Prognose. Die Lebenserwartung ist dadurch erheblich reduziert.

Video 7: Alzheimer-Krankheit
 

Video 8: Demenz

Morbus Parkinson

Das Parkinsonsyndrom ist eine progredient verlaufende Störung des extrapyramidal-motorischen Systems des Gehirns.
Die Symptomtrias Tremor, Rigor und Bradykinese ist typisch für diese Erkrankung. In Deutschland sind ungefähr 300.000 Menschen von
der Parkinson-Krankheit betroffen. Die Inzidenz liegt jährlich bei etwa 13. 000 Menschen um das 55. Lebensjahr.

Abbildung 46: Sichtbare Symptome bei Parkinson

Pathophysiologisch unterscheidet man drei Formen der Erkrankung. Erstens das idiopathische Parkinson-Syndrom bzw. den Morbus
Parkinson. Auslöser ist der Dopaminmangel im Gehirn. Die dopaminhaltigen Neuronen in der Substantia nigra gehen auf unklare Weise
unter. Bei dieser Form wird eine genetische Disposition diskutiert.

Als zweite Form wird das symptomatische Parkinson-Syndrom benannt. Symptomatisch ist es dem Morbus Parkinson ähnlich.
Allerdings können hier die Ursachen eindeutig bestimmt werden. Das symptomatische Parkinson-Syndrom wird durch Traumata bzw.
bestimmte Medikamente wie Neuroleptika oder Vergiftungen mit Kohlenmonoxid oder Tumore und auch durch manche
Stoffwechselerkrankungen wie Morbus Wilson hervorgerufen.

Als dritte Form tritt das idiopathisch-degenerative Parkinson-Syndrom in Folge anderer ZNS-Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus
Alzheimer oder Multisystematrophien auf.
Charakteristisch für die klassischen Symptomen können ein kleinschrittiges Gangbild, Sprechstörungen sowie
eine Mikrografie und verlangsamte Denkprozesse beobachtet werden. Hinzu kommen Schlafstörungen, Depressionen und Störungen
des vegetativen Nervensystems wie vermehrtes Schwitzen und eine vermehrte Speichelproduktion.

Die klinische Diagnostik steht hier im Vordergrund. Zeigt ein Patient die typischen Symptome und spricht auf die Erhöhung des
Dopaminspiegels mit L-Dopa an, spricht man von einem Morbus Parkinson. Bildgebende
Verfahren und Laboruntersuchungen werden zum Ausschluss anderer Erkrankungen durchgeführt.

Die Parkinson-Krankheit kann nicht geheilt werden. Die Linderung der Symptome ist hier die Zielsetzung. Die medikamentöse


Einstellung ist sehr komplex und bedarf einer ständigen und genauen Überwachung bzw. Anpassung. Durchschnittlich sind die
Betroffenen nach 20 Jahren pflegebedürftig.

Video 9: Morbus Parkinson

 
 

Zuletzt geändert: Dienstag, 13. August 2019, 15:26

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