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C H T E N

S O M Ö H T
WIE N D ER N I C
E R E K I E R N
U N S , S O N D
B R OT E H E N ?
DI E TA U S C
C H U L E
DIE S

EIN ENDE DEN


BILDUNGSEXPERIMENTEN!
„Bildung ist Bürgerrecht“
Ralf Dahrendorf

© 2011 FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin

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INHALT

Einleitung..................................................................................................................... 4

I. Grundlagen für gute Schule.............................................................................. 6

1. Eigenverantwortung.................................................................................................................6

2. Chancengerechtigkeit..............................................................................................................7

3. Leistung...................................................................................................................................8

4. Wettbewerb und Exzellenz........................................................................................................9

II. Lehrberuf - Qualifikation und Arbeitsbedingungen


zukunftssicher ausrichten............................................................................... 11

III. Bildung bereichert das ganze Leben............................................................... 12

1. Frühkindliche Bildung ............................................................................................................ 12

2. Grundschule ......................................................................................................................... 13

3. Sekundarschule .................................................................................................................... 13

4. Gymnasium ........................................................................................................................... 14

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Einleitung

Bildung ist für jeden Einzelnen der Schlüssel zu Teilhabe, Aufstieg, Wohlstand und persönlichem Glück.
Berlin braucht eine solide und verlässliche Bildungspolitik, die die Einrichtungen vor Ort stärkt. Exzel-
lente Bildung ist eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie trägt Innovationsfreude in unser Land, belebt
die Wirtschaft und sichert unser Solidarsystem. Wer einerseits jedem Einzelnen ermöglichen will, seine
Zukunft eigenverantwortlich zu meistern, andererseits eine blühende Wissenschaft, erfolgreiche Unter-
nehmen und gesunde Staatsfinanzen will, der muss sich zwangsläufig für die Förderung der individuellen
Talente jedes Einzelnen einsetzen.

Berlin muss zur Stadt der Bildung, des Wissens, der Wissenschaften und Unternehmensgründer werden.
Berliner Kinder, Eltern, Lehrer und andere Beteiligte brauchen die Zusage von Seiten des Senats, dass
das von ihnen eigenverantwortlich entwickelte Bildungskonzept mindestens eine Schülergeneration Be-
stand hat. Geben wir den Schulen die Zügel in die Hand, lassen wir ihnen Raum für Veränderungen an
ihrer Bildungseinrichtung.

Es gibt kein Bildungsmodell, das immer und überall passt. Nur Ideologen glauben an Patentrezepte.
Hervorragende Bildungseinrichtungen zeichnen sich durch die Fähigkeit zum Wandel aus. Sie haben ihr
unmittelbares soziales Umfeld stets im Blick und stellen sich immer wieder neu auf die Herausforderun-
gen der Zeit ein. Nur so kann es ihnen gelingen, alle ihnen anvertrauten Menschen optimal zu fördern.

Wandlungs- und Anpassungsfähigkeit setzen flexible Strukturen voraus. Während andere Staaten sich
darauf beschränken, Bildungsziele mit ihren Bildungseinrichtungen zu vereinbaren und zu überprüfen,
setzt das Land Berlin die Schulen einem Regelungswust aus Stundendeputaten, Strukturvorgaben und
Unterrichtsplänen aus. Das eigentliche Ziel, Wissen und soziale Kompetenzen zu vermitteln, damit unse-
re Schülerinnen und Schüler die sich ihnen stellenden Aufgaben in Eigenverantwortung und Zufrieden-
heit lösen können und der Weg in die Ausbildung oder Hochschule geebnet wird, wird so nicht erreicht.
Das belegen die zahlreichen Studien, die die Berliner Bildungsqualität trotz hoher Ausgaben im hinteren
Mittelfeld bzw. als Schlusslicht im Bundesländervergleich einordnen.

Für die FDP Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus ist Bildung Kernaufgabe des Staates. Sie tritt dafür
ein, dass Bildung dieser Aufgabe gerecht wird, denn gute Bildung befähigt jeden Einzelnen, seine Zu-
kunft in unserer demokratischen Gesellschaft eigenverantwortlich meistern zu können.

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Das Leitbild liberaler Bildungspolitik ist der Aufstieg durch Bildung. Deshalb ist die Bildungspolitik die
eigentliche Integrationspolitik, die die Zukunftschancen der Kinder nicht vom Wollen und Können der
Eltern abhängig macht.

Hingegen ist die Berliner Bildungslandschaft seit vielen Jahren ein Opfer ideologisch geleiteter Politik.
Die drängenden Probleme wie Unterrichtsausfall, unzureichende Ausstattung mit Sachmitteln, man-
gelnde Deutschkenntnisse, fehlende Erzieher oder Lehrer und unterdurchschnittlichen Bildungserfolg
bekommt der Senat nicht in den Griff. Stattdessen hat er mit Experimenten und Vorhaben die Situation
vor Ort noch deutlich verschärft, was die zahlreichen Brandbriefe von Lehrern an Brennpunktschulen
verdeutlichen. Die rot-roten Reformen, denen die Grünen zugestimmt haben, gehen zu Lasten der Schü-
ler und Bildungseinrichtungen. Ob Abschaffung der Vorklassen, verpflichtendes Jahrgangsübergreifen-
des Lernen oder die Marginalisierung der Gymnasien durch schlechtere Ausstattung im Vergleich zur
Sekundarschule: diese Entscheidungen und die Vielzahl der sog. Reformen haben dem Bildungsstandort
Berlin nachweislich geschadet. Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern und Kinder mit Migrationshin-
tergrund haben von den Reformen der rot-roten Regierung nicht profitiert. Die schleichende Einführung
der Gemeinschaftsschule und die Aushöhlung der Gymnasien ist die konsequente Fortsetzung dieser
verfehlten Politik. Dem muss dringend Einhalt geboten werden!

Mieke Senftleben, MdA


Bildungspolitische Sprecherin

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I. Grundlagen für gute Schule

1. Eigenverantwortung

Damit jedes Kind in seiner Entwicklung zu einem selbstbestimmten und selbständigen Bürger gefördert
und unterstützt wird, damit jedes Kind lernt, dass es durch seine eigenen Entscheidungen, Anstrengun-
gen und Leistungen seine Zukunft selbst gestalten kann, brauchen Bildungseinrichtungen und Pädago-
gen ein Arbeitsumfeld, das ihnen genau diese Hilfestellung gestattet.

Wir wollen die politischen Vorgaben darauf beschränken, mit den Bildungseinrichtungen und Bildungs-
partnern klare Zielvorgaben und Bildungsstandards zu vereinbaren und diese künftig auf transparentem
Wege zu überprüfen. Schulen sollen über ihr eigenes Budget bestimmen, ihre eigenen Personalent-
scheidungen treffen und schließlich auch ihr eigenes Profil entwickeln und umsetzen. Nur so wird Eltern
und Schülern ein Angebot unterbreitet, das optimal an den Bedingungen vor Ort ausgerichtet ist. Dazu
müssen wir den Regelungsbereich des Berliner Schulgesetzes und der Verwaltungsvorgaben auf das
Notwendige beschränken. Es muss endlich Schluss sein mit überflüssigen Paragraphen.

Wir benötigen ein neues Finanzierungssystem. Schulgutscheine können – wie schon jetzt im Kitabereich
- eine gerechte und transparente Basis herstellen. Jede Schule erhält zukünftig einen festen Betrag, der
sich an den durchschnittlichen Kosten orientiert, die einer Schule pro Schüler entstehen. Dabei berück-
sichtigt der Schulgutschein den individuellen Förderbedarf einzelner Schüler. Die Schulen werden so
verlässlich finanziert. Voraussetzung für eine eigenverantwortliche Schule ist die Professionalisierung
des Schulmanagements und die Übertragung der Personalhoheit an die Schule. Es wird Zeit, dass Bil-
dung nicht mehr von Bürokraten verwaltet, sondern durch die Pädagogen an den Schulen gestaltet wird!

So entstehen eigene Gestaltungsspielräume einer zukunftsfähigen selbständigen Schule in Freiheit und


Verantwortung.

So wird eigenverantwortliche Schule Realität:

- Die Aufgabenverteilung von Senats- und Bezirksverwaltung und Schulen wird grundle-
gend neu definiert
- Die Schulfinanzierung wird schrittweise auf Schülervollkostensätze umgestellt, so dass
ab 2016 eine trägerunabhängige Schulfinanzierung mit Schulgutscheinen greift.

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- Die Schulleitungen werden durch Weiterbildungen im Schulmanagement professionali-
siert.
- Ein zukunftstaugliches Modell für Lehreraufgaben und –arbeitszeiten wird eingeführt,
das auch verbindliche Fort- und Weiterbildungen in der unterrichtsfreien Zeit berück-
sichtigt.
- Die Schulen nehmen eigene Stellenausschreibungen und –einstellungen vor, denen die
Verwaltung nur in begründeten Einzelfällen widersprechen kann.
- Die Personalvertretung wird an die einzelnen Schulen verlagert.
- Die Schulen bekommen als Vertretungsreserve ein zusätzliches Personalkostenbudget
in Höhe von 4% und organisieren ihren Vertretungsunterricht eigenverantwortlich.
- Die Schulen erhalten ein übertragbares Budget für die Kleine Bauunterhaltung und ent-
scheiden eigenverantwortlich, wo und wie investiert wird.
- Den Schulen wird für ihre Profilbildung freigestellt, ob sie das jahrgangsübergreifende
Lernen (JüL) in der Grundschule durchführen. Ebenso erhalten die Integrierten Sekun-
darschulen die Möglichkeit der äußeren Differenzierung.

2. Chancengerechtigkeit

Fast allen Eltern sind gute Zukunftsaussichten für die eigenen Kinder eine Herzensangelegenheit. Den
meisten ist dabei bewusst, dass der Erziehung und Ausbildung eine Schlüsselrolle zukommt. Allerdings
versagen einige Elternhäuser dabei, ihre Kinder auf dem Weg durch die Bildungseinrichtungen und beim
Erwachsenwerden zu unterstützen. Eine frühe Förderung beeinflusst den gesamten individuellen Bil-
dungsverlauf und hilft Defizite auszugleichen. Dabei sind insbesondere auch die an der Bildung ihrer
Kinder desinteressierten Eltern in den Bildungsprozess mit einzubeziehen. Es ist jedoch auch unser er-
klärtes Ziel, hochbegabte Kinder und Jugendliche rechtzeitig zu erkennen und ihnen eine entsprechende
Förderung zu gewährleisten, nicht indem wir sie ausschließlich schneller durch die Schule schicken,
sondern indem wir ihre Begabungen gezielt fördern und ihren Lerneifer mit zusätzlichen Angeboten an-
spornen (Enrichment). Generell müssen die Bildungseinrichtungen durch individuelle Förderung auf die
unterschiedlichen Startbedingungen reagieren, und weitere Unterstützungssysteme aktivieren.

Rot-Rot vernachlässigt die gezielte Förderung der Leistungsstarken und nimmt eine Niveauabsenkung
des Leistungsniveaus bewusst in Kauf. Die FDP setzt als einzige politische Kraft einerseits auf mehr
Chancengerechtigkeit durch bessere Startchancen für alle Kinder, andererseits durch Förderung des
individuellen Leistungsvermögens auf ein vielseitiges Leistungsspektrum.

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So schaffen wir mehr Chancengerechtigkeit:

- Die Einführung einer Startklasse.


- Die Schulen werden für den pädagogischen, abwechslungsreichen Ganztagsschulbe-
trieb mit einem ausreichenden Budget ausgestattet, das vielfältige Kooperationen mit
Sportvereinen, Musikschulen, Theatern, Universitäten, Wirtschaftsunternehmen und
anderen ermöglicht.
- Mit Freiwilligenagenturen und Stiftungen werden Schulmentoren eingesetzt, die beson-
ders in Brennpunktschulen einzelne Schüler besonders unterstützen können.
- Summer Schools werden als freiwilliges Angebot zur sinnvollen Feriengestaltung insbe-
sondere für Kinder aus bildungsfernen Schichten eingerichtet.
- Der Förderunterricht insbesondere an den Grundschulen wird verbindlich geregelt, um
zu gewährleisten, dass dieser Unterricht tatsächlich als Förderunterricht stattfindet.
- Das Programm für Studierende „Schülerpate werden!“ wird für Brennpunktschulen auf-
gelegt, um die Verbindung zwischen Hochschulen und Schulen frühzeitig herzustellen
und gleichzeitig zu gewährleisten, dass Studierende ihre praktischen Erfahrungen von
Beginn an entwickeln und erweitern können.
- Die diagnostischen Fähigkeiten von Pädagogen werden in der Ausbildung und durch
Weiterbildungen professionalisiert, so dass auch Hochbegabtenförderung spätestens
ab der Grundschule verstärkt greift.

3. Leistung

Bildungserwerb, Fleiß und Anstrengung gehen Hand in Hand. Während bei Kleinkindern Neugier und
Wissbegierde ein natürlicher Lernmotivator ist, machen Kinder und Jugendliche später die Erfahrung,
dass der Wissens- und Kompetenzerwerb mit Mühe, Anstrengung und Ausdauer verbunden ist. Sie
müssen daher auch lernen, mit dieser Belastung umzugehen. Die Akzeptanz von Selbstdisziplin gelingt
jedoch nur dann, wenn Leistung und Leistungsbereitschaft bereits in den Bildungseinrichtungen hono-
riert werden – ganz nach dem Motto „ohne Fleiß kein Preis“.

Um Leistungsmotivation im Schulsystem zu stärken, muss ein Paradigmenwechsel hin zur individuellen


Förderung und zur individuellen Herausforderung eingeleitet werden. Einerseits darf der schwächere
Schüler nicht nur an seinen Defiziten gemessen werden, andererseits muss der leistungsstarke Schüler
dazu angehalten werden, seine eigene Leistungsgrenze zu erfahren. Wir werden die individuelle schuli-
sche Leistung verstärkt anerkennen.

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Wettbewerbssituationen spornen zu Bestleistungen an, was Wettbewerbe im Sport, aber auch in Mathe-
matik und Forschung immer wieder verdeutlichen. Im Wettbewerb wird deutlich, welche Wege, Strate-
gien und welche unterschiedlichen Techniken die besten Ergebnisse liefern. Außerdem bereiten Wett-
bewerbssituationen die Schüler in dem geschützten Raum Schule auf das spätere Erwerbsleben vor, für
das Leistungsmotivation und Durchhaltevermögen wichtige Voraussetzungen sind.

So stärken wir die Stärken der Schüler:

- Die Schulen erhalten regelmäßig Rückmeldungen von der weiter auszubauenden und zu
professionalisierenden Schulinspektion.
- Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) werden ge-
stärkt, gegebenenfalls in Form von Projektarbeit und Zusammenarbeit mit universitären
Einrichtungen.
- Die Gründung einer Spezialschule für Naturwissenschaften nach Vorbild des Friedrichs-
hainer Heinrich-Hertz-Gymnasiums wird ermöglicht.
- Kompetente Partner aus der Wirtschaft werden bei der Lehrplangestaltung beratend
hinzugezogen.
- Schulen kooperieren mit Musikschulen, Sportvereinen und anderen Partnern, damit bei
Schülern Erfolgserlebnisse entstehen, die nicht unmittelbar im Zusammenhang mit dem
Unterrichtsalltag stehen.
- Die grundständigen Gymnasien werden nach Bedarf ausgebaut.
- Die Förderung der Hochbegabten erhält einen neuen Stellenwert, indem die Schüler
gezielt gefördert werden (Enrichment).

4. Wettbewerb und Exzellenz

Wir werden den fairen Wettbewerb im Bildungsbereich zwischen den Bildungseinrichtungen stärken.
Hierfür benötigen wir Transparenz und faire Bedingungen. Deswegen werden wir die Schulfinanzierung
über Schulgutscheine organisieren, die keinen Unterschied zwischen Schulen in öffentlicher und priva-
ter Träger machen (Bürgerschulsystem). Das Budget der Schulen setzt sich dann im Wesentlichen auf
Basis der Schülerzahlen zusammen. Damit fairer Wettbewerb sich entfalten kann, benötigen wir Offen-
heit und einen aufrechten Umgang mit der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Schule, um die unterschied-
lichen sozialen Bedingungen der jeweiligen Schule auszugleichen. Das Bürgerschulsystem unterstützt
das Engagement Freier Träger gerade in sozialen Brennpunkten mit einem hohen Migrationsanteil durch
den integrierten Sozialfaktor. Damit entscheidet zukünftig nicht mehr der Geldbeutel oder die soziale

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Herkunft der Eltern über den Besuch einer Schule in Freier Trägerschaft. Ergebnisse der Schulinspekti-
on, der Vergleichsarbeiten oder der Abschlussarbeiten sind für die Schulwahl durch Schüler und Eltern
genauso wichtig wie persönliche Entfaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Schulprofils, das Betreuungs-
und Kooperationsangebot der Schule oder die Erfolge bei der individuellen Leistungsentwicklung der
einzelnen Schüler oder die Berufsausbildungs- oder Studierquoten.

„Ja“ zum fairen Wettbewerb um die gute Schule:

- Die Ergebnisse von Schulinspektion und Vergleichsarbeiten werden veröffentlicht, wie


bereits von einzelnen Schulen freiwillig praktiziert.
- Die Leistungsentwicklung der Schüler wird als Förderleistung der Schule erfasst und
dokumentiert, um das jeweilige Leistungsvermögen der Schule darzustellen.
- Für die Schulen besteht die Möglichkeit, aus staatlicher Trägerschaft in Freie Träger-
schaft überführt zu werden. Dazu wird die Schulfinanzierung über Schulgutscheine
transparent geregelt. In einem ersten Schritt sollen einige Modellschulen nach dem
Bürgerschulsystem errichtet werden.

Weiterführende Informationen zum Konzept „Bürgerschule“ der FDP-Fraktion finden Sie hier:
http://www.fdp-fraktion-berlin.de/index.php/page/kampagnen/kampagne/3

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II. Lehrberuf - Qualifikation und Arbeitsbedingungen zukunftssicher ausrichten

Weniger als 11 % der Berliner Lehrkräfte sind unter 40 Jahre alt, über 38 % älter als 55 Jahre. In den
nächsten Jahren wird eine ganze Lehrergeneration durch Nachwuchskräfte ersetzt werden. Schulkol-
legien brauchen jedoch eine ausgewogene Alterszusammensetzung und eine ausgewogene Mischung
von männlichen und weiblichen Lehrkräften, um den notwendigen Erfahrungsaustausch von älteren,
erfahrenen und jüngeren Lehrkräften zu garantieren. Die Arbeitsanforderungen an Pädagogen haben
sich stark verändert. Didaktik und individuelle Förderung spielen heute eine herausgehobene Rolle. Es
müssen bereits heute die Weichen für eine zukunftsfähige Qualifikation von Pädagogen gestellt werden,
um diesen Anforderungen und den Arbeitsbedingungen gleichermaßen gerecht zu werden.

Ferner gilt es, durch Eignungsverfahren bei der Lehramtsstudierendenauswahl die bestgeeigneten Kan-
didaten für den Lehrerberuf auszuwählen.

Anforderungen an die Erzieher und Lehrkräfte (Pädagogen) von heute und morgen

- Es wird ein Berliner Modell entwickelt, das den angestellten Lehrern genügend Anreize
bietet, das Land Berlin nicht zu verlassen.
- Die Fort- und Weiterbildung der Erzieher erfolgt kontinuierlich und ist verbindlich.
- Die Ausbildung der Lehrkräfte wird universitär an einer School of Education neu kon-
zipiert. Dabei wird auch die lebenslange verbindliche Fortbildung von Pädagogen neu
strukturiert, so dass sie sowohl berufsbegleitend als auch in Fortbildungs-semestern
(alle sieben Jahre) erfolgen kann. Die Fort- und Weiterbildung ist für Pädagogen verbind-
lich.
- Der Bachelorabsolvent erhält den Status eines Erziehers oder Schulassistenten nach
finnischem Modell, d.h. er kann bereits als unterstützende Kraft im Unterricht einge-
setzt werden, insbesondere an Grundschulen.
- Es wird eine bessere Vernetzung zwischen Hochschulen und Schulen herbeigeführt, um
die praktische Ausbildung der Studierenden zu stärken.
- Die Arbeitsbedingungen und -anforderungen der Pädagogen werden durch ein neues
Lehrerjahresarbeitszeitmodell abgebildet, das unterschiedliche Aufgaben und Präsenz-
zeiten adressiert.
- Vor Aufnahme des Lehramtsstudiums werden Eignungsverfahren durchgeführt.

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III. Bildung bereichert das ganze Leben

Damit Bildung das ganze Leben optimal bereichert, müssen auf allen Bildungsstationen Veränderungen
vorgenommen und die Übergänge optimiert werden.

1. Frühkindliche Bildung

Was Hänschen und Lottchen nicht lernen, lernen Hans und Lotta nimmermehr!

Förderanstrengungen, die in den ersten Jahren nicht gemacht werden, müssen später doppelt und drei-
fach nachgeholt werden. In den ersten Jahren lernen Kinder am liebsten, am schnellsten und am meis-
ten – diese intrinsische Motivation muss erhalten bleiben. Daher ist eine qualitativ hochwertige Kita die
Basis und die Voraussetzung für eine erfolgreiche Schullaufbahn eines jeden Einzelnen.

- Die Tagespflege wird nach Bedarf ausgebaut.


- Für eine kontinuierliche Qualitätsentwicklung in den Kitas ist eine vorausschauende
Personalplanung unabdingbar. Der drohende Erziehermangel muss verhindert werden,
auch durch Umschulungsmaßnahmen von Quereinsteigern. Diese sind allerdings nur
dann erfolgreich und akzeptiert, wenn eine qualitativ hochwertige Ausbildung erfolgt.
Die Erzieherausbildung muss sich zukünftig an den akademischen Standards der Alice-
Salomon-Hochschule orientieren..
- Die bestehenden Eigenbetriebe sollen möglichst vollständig an Freie Träger übertragen
werden.
- Besonderer Schwerpunkt ist die verbindliche Startklasse im letzten vorschulischen Jahr,
die den Übergang in die Schule strukturiert, individuelle Förderinstrumente anbietet
und so die Startchancen zum Schulbeginn verbessert. Elternarbeit muss zu einem fes-
ten Bestandteil des Bildungsprogramms werden, um bereits frühzeitig insbesondere
bildungsferne Eltern an das Bildungssystem heranzuführen.

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2. Grundschule

Mit einem guten Start gelingt die Zukunft!

Die Grundschule bildet die Grundlage für die weitere Bildungskarriere der Berliner Kinder. Sie muss
daher verlässlich und solide ausgestattet werden. Die individuelle Förderung in der Gemeinschaft muss
hier im Vordergrund stehen.

- Der individuelle Förderunterricht wird verbindlich ausgestaltet, ausreichendes Personal


wird zur Verfügung gestellt, auch durch eine enge Kooperation zwischen Hochschulen
und Schulen.
- Der Ganztagsbetrieb muss rhythmisiert werden, um durch abwechselnde Angebote von
Unterricht und Arbeitsgemeinschaften attraktiver zu werden. Die Schule erhält dazu bis
zur Einführung von Schülervollkostensätzen ein Budget. Die Hortlücke in der 5. und 6.
Klasse soll geschlossen werden.
- Die MINT-Fächer sollen in Klasse 5. und 6. über das Schulprofil und Projektarbeit ge-
stärkt werden.
- Eltern erhalten unabhängig vom Wohnort die Möglichkeit, ihre Grundschule frei zu wäh-
len.
- Zusatzangebote für hochbegabte Kinder werden eingerichtet.
- Beim Schulwechsel nach der Grundschule ist der Elternwille zu respektieren. Nach ei-
nem verbindlichen Beratungsgespräch zwischen Lehrkraft und Eltern entscheiden die
Eltern darüber, welche Schulform und welche Schule ihr Kind zukünftig besuchen soll.
Hierbei sollen die Eltern mindestens 2 Schulen angeben. Die aufnehmende Schule be-
rät die Eltern und entscheidet nach eigenen transparenten und diskriminierungsfreien
Kriterien über die Aufnahme. Das Losverfahren wird abgeschafft.

3. Sekundarschule

Fördern und fordern – fit für die Ausbildung!

Der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wird in Zukunft deutlich ansteigen. Nachdem die Ausbil-
dungsfähigkeit der Schüler in den letzten Jahren immer wieder kritisiert wurde, soll insbesondere die
Sekundarschule auf die berufliche Zukunft vorbereiten. Dazu müssen Betriebe als beratende Partner in
den Schulalltag mit einbezogen werden, die Kooperation von Schule und Betrieb, also die Verbindung
von Theorie und Praxis, wird so intensiviert. Die Chance, mit einem guten Abschluss das Abitur nach

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insgesamt 13 Jahren auf einem Oberstufenzentrum abzulegen, ist gegeben. Allerdings müssen die Ober-
stufenzentren darauf vorbereitet werden, dass sie zukünftig mehr Jugendliche auf das Abitur vorbereiten,
das zu einem Hochschulstudium berechtigt. Die Durchlässigkeit muss in der Sekundarschule gewähr-
leistet sein, um nach einem erfolgreichen mittleren Schulabschluss (MSA) das Abitur nach 12 Jahren auf
einem Gymnasium ablegen zu können.

- Das rot-rot-grüne Gemeinschaftsschulexperiment wird nicht weiter mit 22 Mio. Euro


privilegiert. Die Gemeinschaftsschule muss sich zukünftig im fairen Wettbewerb mit an-
deren Schulformen beweisen. Die finanzielle Ausstattung der jeweiligen Schule erfolgt
zukünftig nach Schülerkostensätzen, nicht nach Ideologie.
- Über Betriebspraktika, praxisorientierten Unterricht und das Einüben sog. „Soft Skills“
wie Disziplin, Pünktlichkeit und Leistungsbereitschaft wird die Ausbildungsfähigkeit
kognitiv weniger begabter Schüler erreicht.
- Im Ganztagsbetrieb müssen neben zusätzlichen Angeboten aus Sport und Kultur auch
zusätzlicher Unterricht angeboten werden, um Defizite individuell ausgleichen zu kön-
nen.
- Die Durchlässigkeit von der Sekundarschule zum Gymnasium muss erhöht werden.
Geeignete Schüler sollen deshalb nach einem erfolgreichen mittleren Schulabschluss
auf das Gymnasium wechseln können, um dort nach weiteren 2 Jahren das Abitur abzu-
legen.
- Ein Austauschprogramm zwischen Schule und Betrieb auf der Ebene der Ausbilder,
Lehrkräfte und Schulleiter soll eingerichtet werden.
- Die OSZ müssen im Rahmen der Schulstrukturreform eigenverantwortliche Partner für
Sekundarschulen werden.

4. Gymnasium

Fit für die Hochschule in 12 Schuljahren!

Aufgabe des Gymnasiums ist es, innerhalb von 6 Schuljahren die Jugendlichen auf das Hochschul-
studium vorzubereiten. Das verlangt eine hohe Leistungsbereitschaft, eine hohe fachliche und soziale
Kompetenz, denn dasselbe Pensum muss in kürzerer Zeit geschafft werden. Während Rot-Rot die Gym-
nasien mehr und mehr benachteiligt, um letztlich die Gemeinschaftsschule in Berlin für alle einzuführen,
bekennt sich die FDP eindeutig zu der Schulform Gymnasium und will deren Diskriminierung beenden.

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Dazu ist es notwendig, die Bedingungen so zu verändern, dass die hohen Ansprüche an das Gymnasium
auch erfüllt werden können.

- Das Zentralabitur an Gymnasien, OSZ, Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe


und Gemeinschaftsschulen ist nach nationalen Bildungsstandards auszurichten, um
Vergleichbarkeit herzustellen und die Studienkompetenz zu sichern.
- Die Klassenfrequenz ist insbesondere in den Klassen der Sekundarstufe I auf maximal
28 Schüler festzulegen.
- Insbesondere in der 7. Jahrgangsstufe sind mehr individuelle Fördermöglichkeiten ein-
zurichten.
- Schnellläuferklassen sind abzubauen. Stattdessen werden spezielle Klassen für hoch-
begabte Jugendliche mit differenzierten Unterrichtsangeboten eingerichtet. Kooperatio-
nen mit Hochschulen sind zu fördern.
- Spezialschulen sind auszubauen, insbesondere im Bereich der Naturwissenschaften.
- Ganztagsgymnasien sind nach Bedarf auszubauen, um Eltern- und Schülerwünsche zu
berücksichtigen.

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ANSPRECHPARTNER

Christoph Meyer, MdA


Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Haushalt und Finanzen

FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin


Preußischer Landtag
10111 Berlin

Telefon: 030 2325 23-00


Telefax: 030 2325 23-09

meyer@fdp.parlament-berlin.de
www.fdp-fraktion-berlin.de

Mieke Senftleben, MdA


Sprecherin für Bildung, Familie, Religionsgemeinschaften und Soziales

FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin


Preußischer Landtag
10111 Berlin

Telefon: 030 2325 23-11


Telefax: 030 2325 23-29

senftleben@fdp.parlament-berlin.de
www.fdp-fraktion-berlin.de

Diese Publikation dient ausschließlich der In-


formation über die parlamentarische Arbeit der
FDP- Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin.
Sie darf nicht zu Wahlkampfzwecken verwendet
werden.