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ICS 17.040.01, 19.

060 VDI/VDE-RICHTLINIEN Juni 2013

VEREIN VDI/VDE 2631


DEUTSCHER
INGENIEURE Blatt 2
Formprüfung
VERBAND DER Überprüfung der Signalübertragungskette Entwurf
ELEKTROTECHNIK
ELEKTRONIK
INFORMATIONSTECHNIK

Form measurement – Verification of the signal Einsprüche bis 2013-11-30


transmission chain vorzugsweise über das VDI-Richtlinien-Einspruchsportal
http://www.vdi.de/einspruchsportal
Frühere Ausgabe: 12.01

in Papierform an
VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik
Fachbereich Fertigungsmesstechnik
Postfach 10 11 39
40002 Düsseldorf

Inhalt Seite
Vorbemerkung ................................................................................................ 2
Einleitung ........................................................................................................ 2
1 Anwendungsbereich................................................................................ 2
2 Normative Verweise ................................................................................. 2
3 Begriffe ..................................................................................................... 2
4 Verfahren und Normale ........................................................................... 3
4.1 Flicknormal, Vergrößerungsnormal .................................................. 4
4.2 Kugelnormal mit Rundheitsabweichungen ....................................... 4
4.3 Mehrwellennormal ............................................................................ 5
4.4 Endmaßstufen ................................................................................... 6
4.5 Linearmaßstäbe ................................................................................. 6
5 Durchführung ........................................................................................... 6
5.1 Vorbereitung der Messung ................................................................ 6
5.2 Wahl der Mess- und Auswertebedingungen ..................................... 7
Schrifttum ....................................................................................................... 8

VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA)


Fachbereich Fertigungsmesstechnik

VDI/VDE-Handbuch Fertigungsmesstechnik
–2– VDI/VDE 2631 Blatt 2 Entwurf

Vorbemerkung 2 Normative Verweise


Der Inhalt dieser Richtlinie ist entstanden unter Die folgenden zitierten Dokumente sind für die
Beachtung der Vorgaben und Empfehlungen der Anwendung dieser Richtlinie erforderlich:
Richtlinie VDI 1000. DIN 1319-1:1995-01 Grundlagen der Messtechnik;
Teil 1: Grundbegriffe
DIN EN ISO 10012:2004-03 Messmanagementsys-
teme; Anforderungen an Messprozesse und
Messmittel (ISO 10012:2003); Dreisprachige
Fassung EN ISO 10012:2003
DIN EN ISO 16610-21:2012-10 Geometrische Pro-
duktspezifikation (GPS); Filterung; Teil 21: Li-
neare Profilfilter: Gauß-Filter (ISO 16610-21:
Allen, die ehrenamtlich an der Erarbeitung dieser 2011); Deutsche Fassung EN ISO 16610-21:
VDI-Richtlinie mitgewirkt haben, sei gedankt. 2012
VDI/VDE 2617 Blatt 2.2:2000-07 Genauigkeit von
Einleitung Koordinatenmessgeräten; Kenngrößen und de-
Das vorliegende Blatt 2 ist Bestandteil einer Folge ren Prüfung; Formmessung
von Blättern der Richtlinienreihe VDI/VDE 2631. VIM, Internationales Wörterbuch der Metrologie [1]
Eine Liste der aktuell verfügbaren Blätter dieser
Richtlinienreihe ist im Internet abrufbar unter 3 Begriffe
www.vdi.de/2631. Für die Anwendung dieser Richtlinie gelten die Be-
Die Richtlinie wurde im Fachausschuss „Form- griffe nach DIN 1319-1, DIN ISO 10012-1 und die
messtechnik“ der VDI/VDE-GMA erarbeitet. Festlegungen des VIM, Internationales Wörterbuch
Die gemäß diesem und VDI/VDE 2631 Blatt 4 bis der Metrologie [1] sowie die folgenden Begriffe:
Blatt 7 ermittelten Messwerte können in Regelkar- Empfindlichkeit
ten dokumentiert und zur Stabilitätsüberwachung Quotient der Änderung der Anzeige eines Mess-
herangezogen werden. Beispiele für Regelkarten systems und der entsprechenden Änderung im
enthält VDI/VDE 2631 Blatt 8. Wert einer Messgröße. [VIM, Abschnitt 4.12]
Anmerkung 1: Die Empfindlichkeit eines Messsystems kann
1 Anwendungsbereich vom Wert der Messgröße abhängen. [VIM, Abschnitt 4.12]
Die Bestimmung der Empfindlichkeit der Signal- Anmerkung 2: Die Änderung im Wert der Messgröße muss
übertragungskette unter Berücksichtigung der spe- im Vergleich zur Auflösung groß sein. [VIM, Abschnitt 4.12]
ziellen dynamischen Verhältnisse bei Formmessge-
räten ist eine grundlegende Aufgabe zur Sicherung Formabweichungsnormal
vergleichbarer und rückverfolgbarer Messergeb- Normal mit definierten Formabweichungen.
nisse von Formmessungen. In dieser Richtlinie Beispiel: Abweichung von der Rundheit, der Geradheit
werden die prinzipielle Vorgehensweise und ge- Justierung
eignete Normale zur Bestimmung der Empfind- Menge von Tätigkeiten, die an einem Messsystem
lichkeit der Signalübertragungskette von Form- ausgeführt werden, sodass dieses festgelegte An-
messgeräten beschrieben. zeigen liefert, die Werten einer zu messenden Grö-
Die Bestimmung der Empfindlichkeit der Signal- ße entsprechen. [VIM, Abschnitt 3.11]
übertragungskette ist Teil der metrologischen Be- Anmerkung 1: Zu den Justierungsarten eines Messsystems
stätigung des Messgeräts. Sie dient sowohl der gehören Nullpunktjustierung eines Messsystems, Offset-
Bestimmung des Anteils der Messabweichung Justierung und Kennwertjustierung (manchmal auch Verstär-
kungsjustierung genannt). [VIM, Abschnitt 3.11]
durch die Signalübertragungskette als auch der
Kalibrierung des Messgeräts. Anmerkung 2: Justierung eines Messsystems sollte nicht mit
Kalibrierung verwechselt werden, die eine Voraussetzung
Vorgehensweise und Normale sind sinngemäß für Justierung ist. [VIM, Abschnitt 3.11]
auch auf andere Messgeräte anwendbar, z. B. auf
Anmerkung 3: Nach der Justierung eines Messsystems muss
Koordinatenmessgeräte, wenn diese zu Formmes- das Messsystem für gewöhnlich neu kalibriert werden [VIM,
sungen herangezogen werden. Abschnitt 3.11]
Diese Richtlinie gilt für Formmessgeräte. Bei Anmerkung 4: Bei der Justierung erfolgt ein Eingriff in das
Formmessungen auf Koordinatenmessgeräten ist Messgerät.
zusätzlich VDI/VDE 2617 Blatt 2.2 zu beachten.
Entwurf VDI/VDE 2631 Blatt 2 –3–

Kalibrierung gen für den beabsichtigten Gebrauch des Messmittels sowie


Tätigkeit, die unter festgelegten Bedingungen in alle erforderlichen Plombierungen und Etikettierungen. [DIN
EN ISO 10012, Abschnitt 3.5]
einem ersten Schritt eine Beziehung zwischen den
Anmerkung 2: Eine metrologische Bestätigung ist erst er-
durch Normale zur Verfügung gestellten Grö- reicht, wenn die Tauglichkeit der Messmittel für den beabsich-
ßenwerten mit ihren Messunsicherheiten und den tigten Gebrauch dargelegt und dokumentiert ist. [DIN EN
entsprechenden Anzeigen mit ihren beigeordneten ISO 10012, Abschnitt 3.5]
Messunsicherheiten herstellt und in einem zweiten Anmerkung 3: Die Anforderungen für den beabsichtigten
Schritt diese Information verwendet. um eine Be- Verwendungszweck können Aspekte wie Messbereich, Auflö-
ziehung herzustellen, mit deren Hilfe ein Messer- sung und Grenzwerte für Messabweichungen einschließen.
[DIN EN ISO 10012, Abschnitt 3.5]
gebnis aus einer Anzeige erhalten wird.
[VIM, Abschnitt 2.39] Metrologische Rückführbarkeit (Rückführbarkeit)
Anmerkung 1: Das Ergebnis einer Kalibrierung kann in Form Eigenschaft eines Messergebnisses, wobei das Er-
einer Angabe, einer Kalibrierfunktion, eines Kalibrierdia- gebnis durch eine dokumentierte, ununterbrochene
gramms, einer Kalibrierkurve oder einer Kalibriertabelle ausge- Kette von Kalibrierungen, von denen jede zur
drückt werden. In einigen Fällen kann sie aus einer additiven
oder multiplikativen Korrektion der Anzeige mit der beigeord-
Messunsicherheit beiträgt, auf eine Referenz bezo-
neten Messunsicherheit bestehen. [VIM, Abschnitt 2.39] gen werden kann. [VIM, Abschnitt 2.41]
Anmerkung 2: Kalibrierung sollte nicht mit Justierung Normal
eines Messsystems verwechselt werden, das oft fälschlicher- Maßverkörperung, Messgerät, Referenzmaterial
weise Selbst-Kalibrierung genannt wird, und auch nicht mit oder Messeinrichtung zum Zweck, eine Einheit
Verifizierung der Kalibrierung. [VIM, Abschnitt 2.39]
oder einen oder mehrere Größenwerte festzulegen,
Anmerkung 3: Oft wird nur der erste Schritt in der obigen zu verkörpern, zu bewahren oder zu reproduzieren.
Definition als Kalibrierung angesehen. [VIM, Abschnitt 2.39]
[VIM, Abschnitt 5.1]
Messbeständigkeit Prüfung
Eigenschaft eines Messgeräts, entsprechend der Feststellen, inwieweit ein Formmessgerät eine
seine metrologischen Eigenschaften zeitlich kon- Forderung erfüllt. [in Anlehnung an DIN 1319-1]
stant bleiben [VIM, Abschnitt 4.19]
Anmerkung: Messbeständigkeit kann auf verschiedene Weise Signalübertragungskette
quantifiziert werden als: Folge von Elementen eines Messgeräts oder einer
Beispiel 1: Dauer eines Zeitintervalls, über das eine metrolo- Messeinrichtung, die den Weg des Messsignals
gische Eigenschaft sich um einen vorgegebenen von der Aufnahme der Messgröße bis zur Bereit-
Betrag verändert stellung der Ausgabe bildet.
Beispiel 2: Änderung einer Eigenschaft über ein vorgegebenes Anmerkung: Die Signalübertragungskette von Formmessge-
Zeitintervall [VIM, Abschnitt 4.19] räten ist in Bild 1 von VDI/VDE 2631 Blatt 1 dargestellt.
Messung
Prozess, bei dem einer oder mehrere Größenwerte, 4 Verfahren und Normale
die vernünftigerweise einer Größe zugewiesen Die Signalübertragungskette eines Formmessgeräts
werden können, experimentell ermittelt werden. transformiert in einem dynamischen Prozess das
Anmerkung 1: Der Begriff „Messung“ ist nicht auf Nomi- wirkliche Profil des Geometrieelements in das
nalmerkmale anwendbar. [VIM, Abschnitt 2.1] erfasste Profil. Am erfassten Profil erfolgt die Be-
Anmerkung 2: Eine Messung bedeutet Vergleich von Größen wertung der Geometrieabweichungen, z. B. der
und schließt das Zählen mit ein. [VIM, Abschnitt 2.1] Rundheitsabweichung. Die Kalibrierung der Emp-
Anmerkung 3: Eine Messung setzt eine Beschreibung der findlichkeit der Signalübertragungskette erfolgt
Größe zusammen mit dem beabsichtigten Zweck eines Mess- deshalb dynamisch mit kalibrierten Formabwei-
ergebnisses voraus sowie ein Messverfahren und ein kalibrier- chungsnormalen unter vereinbarten Bedingungen.
tes Messsystem, das gemäß einem vorgegebenen Messverfah-
ren arbeitet, einschließlich der Messbedingungen. [VIM, Je nach Anwendungsfall sind Formabweichungs-
Abschnitt 2.1] normale mit großen oder kleinen Abweichungen
erforderlich. Vor der dynamischen Kalibrierung ist
Metrologische Bestätigung sicherzustellen, dass das Formmessgerät justiert ist
Satz von notwendigen Tätigkeiten, um sicherzu- (siehe dazu VDI/VDE 2631 Blatt 4 bis Blatt 7)
stellen, dass ein Messmittel die Anforderungen an und, falls erforderlich, die Tasterkalibrierung nach
seinen beabsichtigten Gebrauch erfüllt [DIN EN den Vorgaben des Geräteherstellers erfolgreich
ISO 10012, Abschnitt 3.5] abgeschlossen wurde.
Anmerkung 1: Üblicherweise umfasst die metrologische
Anmerkung: Normale für die Rundheit mit nahezu idealer
Bestätigung Kalibrierung und Verifizierung, jegliche notwen-
Gestalt werden als Rundheitsnormale bezeichnet. Sie sind vor
dige Einstellung oder Reparatur mit nachfolgender Neukali-
allem für die Bestimmung der Drehführungsabweichung
brierung, den Vergleich mit den metrologischen Anforderun-
–4– VDI/VDE 2631 Blatt 2 Entwurf

erforderlich (siehe VDI/VDE 2631 Blatt 4). Da das Tastele- Flicknormale verkörpern nur bedingt die Struktur
ment bei der Erfassung eines Profils an diesen Normalen von Rundheitsprofilen an rotationssymmetrischen
nahezu keine Auslenkung erfährt, können sie nicht für die
dynamische Kalibrierung der Empfindlichkeit der Signalüber- Geometrieelementen. Das Frequenzspektrum des
tragungskette verwendet werden. Messsignals wird durch das Verhältnis der Bogen-
höhe der Abflachung zum Zylinderdurchmesser,
Mit einem Formabweichungsnormal (FN) können die Schärfe der Kanten im Übergangsbereich der
mehrere Punkte der Signalübertragungsfunktion Abflachung zur Kreisform und den in radialer
überprüft werden. Für die Überprüfung der Linea- Richtung wirkenden Durchmesser des Antastele-
rität der Signalübertragungskette werden mehrere ments beeinflusst. Bei der Verwendung von Flick-
Formabweichungsmerkmale benötigt, die auf ei- normalen ist deshalb besonders auf die Filterbe-
nem (oder mehreren) Formabweichungsnormal(en) dingungen und den Durchmesser des Antastele-
verkörpert sein können. ments zu achten (siehe dazu Abschnitt 4 und VDI/
Diese Merkmale müssen so beschaffen sein, dass VDE 2631 Blatt 3). Flicks können auch mit einem
sie den benötigten Bereich der Signalübertragungs- Zylindernormal kombiniert werden (Bild 2).
funktion repräsentieren. Bei Formmessgeräten mit Flicknormale können vorteilhaft für den Nachweis
mehreren elektrisch gestuften Messbereichen ist der Messbeständigkeit von Formmessgeräten und
die Kalibrierung nur dann lückenlos rückgeführt, anderen zur Formmessung angewendeten Messge-
wenn jeder Messbereich unabhängig kalibriert räten eingesetzt werden.
wurde.
4.2 Kugelnormal mit
Für Formmessgeräte werden in der Regel induktive Rundheitsabweichungen
Wegaufnehmer eingesetzt, die für einen Wechsel
Als Normal für die Rundheitsabweichung dient
der Antastrichtung geeignet sind. Jede genutzte
eine Kugel mit einer charakteristischen Rundheits-
Antastrichtung muss unabhängig kalibriert werden.
abweichung am Äquator (Bild 3). Das Normal
Die zur Kalibrierung der Signalübertragungskette
verkörpert ein Rundheitsprofil mit einer niedrigen
benutzten Formabweichungsnormale verkörpern
Anzahl von Wellen am Umfang (2 W/U bis
den Größenwert einer Abweichung, der durch eine
10 W/U) und verschiedenen Werten für die Rund-
anerkannte Kalibrierstelle bestimmt worden sein
heitsabweichung, üblicherweise im Bereich von
muss. Seine Unsicherheit und die bei der Kalibrie-
3
rung vorliegenden Einflussgrößen sowie die ge-
wählten Auswerteparameter müssen in einem Zer-
tifikat, dem Kalibrierschein, dokumentiert sein.
Voraussetzung für die Kalibrierfähigkeit eines
Formabweichungsnormals durch eine anerkannte
Kalibrierstelle ist ein konstanter Wert der verkör-
perten Abweichung möglichst in einem Bereich
von ±1 mm um die Nenn-Radialschnittebene. Die
Gestaltung der Normale muss so sein, dass die
Einstellung der Nenn-Radialschnittebene mit guter
Reproduzierbarkeit möglich ist. Die Einhaltung
dieser Forderungen ist eine wesentliche Vorausset-
zung für eine gesicherte Weitergabe (Übertragung)
des kalibrierten Wertes der Abweichung mit einer
geringen Unsicherheit.
4.1 Flicknormal, Vergrößerungsnormal
Das Flicknormal hat einen zylindrischen Grund-
körper (Außenzylinder) mit einer Abflachung
(Flick), deren Tiefe ein Maß für die Rundheitsab-
weichung ist (Bild 1). Um den verschiedenen
Empfindlichkeiten von Signalübertragungsketten
Rechnung zu tragen, werden Flicknormale mit
unterschiedlicher Tiefe der Abflachung angeboten,
im Allgemeinen zwischen 2
Zylinder hat je nach Größe der Abflachung einen
Durchmesser zwischen 18 mm und 44 mm. Bild 1. Flicknormal, Verstärkungsnormal
Entwurf VDI/VDE 2631 Blatt 2 –5–

Gebräuchlich sind Kugeln mit Durchmessern von


50 mm bis 100 mm. Die Kugel ist in einem Ring,
vorzugsweise mit einer Dreipunktauflage, befes-
tigt. Zur Messung ist vorzugsweise die Ebene an-
zufahren, die im Kalibrierschein angegeben ist.
Der Ring ermöglicht sowohl die präzise Ausrich-
tung des Formabweichungsnormals als auch seine
Aufspannung auf dem Messgerät mit axial gerich-
teter Spannkraft, sodass eine radiale Verformung
der Kugel durch die Spannkräfte vermieden wird.
4.3 Mehrwellennormal
Ein Mehrwellennormal hat einen zylindrischen
Grundkörper von etwa 80 mm bis 200 mm Durch-
messer mit einer zusätzlichen definierten Überla-
gerung rein sinusförmiger Wellen. Mehrwellen-
normale können als Außen- oder Innenzylinder
gefertigt werden. Die Formabweichung kann zwi-
l-
lenstruktur besteht vorzugsweise aus Wellen mit
Wellenlängen der genormten Filtergrenzwellen-
längen ((5, 15, 50, 150, 500) W/U) [2; 3]. Bild 4
zeigt ein typisches Rundheitsprofil einer solchen
Wellenstruktur. Das Mehrwellennormal deckt ei-
nen breiteren Frequenzbereich ab als der Flick, da
dieser nur bis etwa 75 W/U wesentliche Signalbei-
Bild 2. Zylindernormal mit zwei Flicks träge liefert. Das Mehrwellennormal kann in glei-
cher Weise wie das Kugelnormal in Abschnitt 3.2
eingesetzt werden. Seine wesentlichen Vorteile
gegenüber Kugelnormal und Flicknormal kommen
jedoch erst dann zum Tragen, wenn statt der Form-
abweichung das Amplitudenspektrum des Mess-
profils ausgewertet wird. Ein solches Spektrum ist
in Bild 5 abgebildet. Die Amplitudenhöhen der

Bild 4. Gemessenes Kreisprofil eines Mehrwellen-


Bild 3. Kugelnormal mit Rundheitsabweichung normals
–6– VDI/VDE 2631 Blatt 2 Entwurf

Die korrekte Einstellung der Empfindlichkeit er-


folgt heutzutage bei den meisten Formmessgeräten
über einen Verstärkungsfaktor in der Software.
4.5 Linearmaßstäbe
Insbesondere Referenz-Formmessgeräte verfügen
häufig über hochgenaue Linearmaßstäbe. In die-
sem Fall ist eine Empfindlichkeitsüberprüfung
besonders einfach, da keine speziellen externen
Normale erforderlich sind.
Das Tastelement wird innerhalb seines Messbe-
reichs parallel zu einem der Maßstäbe (in der Re-
gel in horizontaler Richtung) gegen eine Fläche
Bild 5. Amplitudenspektrum eines Mehrwellennor- bewegt. Die Differenz zwischen der Änderung des
mals Tastersignals und des Maßstabssignals kann für die
Wellen, aus denen das Profil zusammengesetzt ist, Einstellung der Empfindlichkeit verwendet wer-
können so einzeln mit den kalibrierten Werten den.
verglichen und somit die Frequenzabhängigkeit der
Signalübertragungskette überprüft werden. Außer- 5 Durchführung
dem ist diese Anwendung unempfindlich gegen- 5.1 Vorbereitung der Messung
über kleinen Störungen des Messsignals, wie etwa Die dynamische Bestimmung der Empfindlichkeit
durch Vibrationen, Schmutz oder Kratzer, da die der Signalübertragungskette setzt den bestimmungs-
nicht periodischen Anteile des Messprofils unter- gemäßen Zustand der Messeinrichtung voraus (sie-
drückt werden. Die Zuverlässigkeit der Kalibrie- he dazu VDI/VDE 2631 Blatt 4 bis Blatt 7). In das
rung ist somit höher als etwa beim Flick. Messgerät ist der für die Messung vorgesehene
4.4 Endmaßstufen Tastarm mit dem gewählten Tastelement einzuset-
Gebräuchlich sind Endmaßstufen (siehe Bild 6), zen. Die gewünschte Messkraft ist einzustellen. Sie
die durch Zusammenfügen von zwei oder mehr soll der bei der Kalibrierung des Formabweichungs-
zertifizierten Parallel-Endmaßen hergestellt wer- normals angewendeten Kraft entsprechen und im
den. Da die Empfindlichkeit stets für alle Messbe- Allgemeinen gleich der mittleren Einstellung in-
reiche zu überprüfen ist, sind gegebenenfalls Mes- nerhalb des Bereichs der Krafteinstellung sein.
sungen über mehrere Stufen unterschiedlicher Das Normal ist auf dem Messgerät sicher zu befes-
Höhe erforderlich. tigen und relativ zur Drehführungsachse auszurich-
Zur Empfindlichkeitsüberprüfung wird der Tast- ten. Dabei ist darauf zu achten, dass eine Verfor-
arm in eine (nahezu) horizontale Messposition mung des Normals durch Spannkräfte ausgeschlos-
geschwenkt und nacheinander durch horizontales sen ist.
Verschieben der Endmaßstufen auf die vorhande- Die Ausrichtung sollte vorzugsweise bei einer
nen Endmaßflächen positioniert. Dies ist so durch- Filtergrenzwellenzahl von 50 W/U oder mehr
zuführen, dass jeweils zwischen zwei Endmaßflä- durchgeführt werden (LSCI). Bei zylindrischen
chen der Messbereich des Tasters nicht verlassen Normalen (Flicknormal, Mehrwellennormal) sind
wird. Der Vorgang wird sinngemäß wiederholt, bis zur Ausrichtung zwei Radialschnitte mit möglichst
alle Stufen des Stufenendmaßes gemessen wurden. großem Abstand voneinander und geringen Rund-
Stufe 1 heitsabweichungen zu wählen.
Bei Kugelnormalen mit Rundheitsabweichungen
Stufe 2 ist die Abweichung der Richtung der Messebene
Fläche 1 parallel zur Äquatorialebene der Kugel zu mini-
Fläche 2 mieren, indem der Messtisch rechtwinklig zur
Drehführungsachse ausgerichtet wird.
Fläche 3
Außerdem ist sicherzustellen, dass die Kugel in der
Ebene angetastet und zentrisch zur Drehführungs-
achse ausgerichtet wird, die im Kalibrierschein
Bild 6. Schematische Ansicht von zwei Endmaß-
angegeben ist. Handelt es sich dabei um die Äqua-
stufen – Ein Stufenendmaß mit drei Messflächen torebene der Kugel, so ist diese nach Möglichkeit
hat zwei Stufen. durch die Ermittlung des Umkehrpunkts der An-
Entwurf VDI/VDE 2631 Blatt 2 –7–

zeige bei vertikaler Verstellung des Tasters zu Art des Filters


bestimmen (Zenitbestimmung). Nach der Positio- Grenzwellenzahl und Referenzkreis
nierung in die Messebene ist das Normal nach dem
Anmerkung: Zur Filterung sind DIN EN ISO 16610-21 und
Mittelpunkt des Gauß-Ausgleichskreises (LSCI) zu VDI/VDE 2631 Blatt 3 anzuwenden
zentrieren.
Grundsätzlich sind alle ermittelten Ergebnisse auf
5.2 Wahl der Mess- und Plausibilität zu prüfen. Das aufgezeichnete Profil-
Auswertebedingungen
diagramm wird auf einzelne Spitzen in Richtung
Zur Sicherung der Vergleichbarkeit und metrologi- der materialfreien Seite (Ursachen: z. B. Schmutz,
sche Rückführbarkeit von Messwerten kommt der Grat an der Kante), auf Schließfehler sowie
Wahl der Mess- und Auswerteparameter bei der Schwingungen überprüft.
Formmessung besondere Bedeutung zu. Die Kali- Sind derartige Ereignisse aus dem Profildiagramm
brierung der Empfindlichkeit der Signalübertra- erkennbar, sind die Ursachen zu beseitigen und die
gungskette kann entweder in umfassender Weise Messung ist zu wiederholen. Zusammen mit den
für mehrere verschiedene Filtergrenzwellenzahlen, Ergebnissen sind die Werte der Einflussgrößen und
Filterarten und Referenzkreisverfahren durchge- die Mess- und Auswerteparameter zu dokumentie-
führt werden oder in eingeschränktem Umfang nur ren.
für einzelne ausgewählte Auswerteparameter, die
dann in der Regel denen der durchzuführenden Die Ergebnisse der Kalibrierung der Signalüber-
betrieblichen Messaufgaben entsprechen. tragungskette können zusammen mit anderen Prü-
fungen zum Nachweis der Messbeständigkeit her-
Nennwerte für die Einflussgrößen und die Mess- angezogen werden.
und Auswerteparameter sind z. B.:
Geometrie und Radius des Tastelements
statische Messkraft
–8– VDI/VDE 2631 Blatt 2 Entwurf

Schrifttum VDI/VDE 2631 Blatt 4:1999-09 Formprüfung; Bestimmung


der radialen Drehführungsabweichung (Form measuring sys-
Technische Regeln tems; Determination of the radial spindle deviation). Berlin:
DIN 1319-1:1995-01 Grundlagen der Messtechnik; Teil 1: Beuth Verlag
Grundbegriffe (Fundamentals of metrology; Part 1: Basic VDI/VDE 2631 Blatt 5:2004-08 Formprüfung; Bestimmung
terminology). Berlin: Beuth Verlag der axialen Drehführungsabweichung (Form measurement;
DIN EN ISO 10012:2004-03 Messmanagementsysteme; An- Determination of the axial spindle deviation). Berlin: Beuth
forderungen an Messprozesse und Messmittel (ISO 10012: Verlag
2003); Dreisprachige Fassung EN ISO 10012:2003 (Meas- VDI/VDE 2631 Blatt 6:2005-09 Formprüfung; Bestimmung
urement management systems; Requirements for measurement der Geradführungsabweichungen (Form measurement; Deter-
processes and measuring equipment (ISO 10012:2003); Tri- mination of the straightness deviation of the linear guide).
lingual version EN ISO 10012:2003). Berlin: Beuth Verlag Berlin: Beuth Verlag
DIN EN ISO 16610-21:2012-10 Geometrische Produktspezi- VDI/VDE 2631 Blatt 7:2012-02 Formprüfung; Bestimmung
fikation (GPS); Filterung; Teil 21: Lineare Profilfilter: Gauß- der Lageabweichung von Formmessgeräteachsen (Form
Filter (ISO 16610-21:2011); Deutsche Fassung EN measurement; Determination of positional deviations of the
ISO 16610-21:2012 (Geometrical product specifications (GPS); form-measurement axes). Berlin: Beuth Verlag
Filtration; Part 21: Linear profile filters: Gaussian filters
VDI/VDE 2631 Blatt 8:2012-07 (Entwurf) Formprüfung; Stabi-
(ISO 16610-21:2011); German version EN ISO 16610-21:
litätsüberwachung von Formmessgeräten (Form measurement;
2012). Berlin: Beuth Verlag
Stability monitoring of form measuring systems). Berlin:
VDI 1000:2010-06 VDI-Richtlinienarbeit; Grundsätze und Beuth Verlag
Anleitungen (VDI Guideline Work; Principles and proce-
VDI/VDE 2631 Blatt 8:2005-09 Formprüfung; Stabilitätsüber-
dures). Berlin: Beuth Verlag
wachung von Formmessgeräten (Form measurement; Stability
VDI/VDE 2617 Blatt 2.2:2000-07 Genauigkeit von Koordina- monitoring of form measuring systems). Berlin: Beuth Verlag
tenmessgeräten; Kenngrößen und deren Prüfung; Formmes-
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Literatur
ters and their reverification; Form measurement). Berlin:
Beuth Verlag [1] VIM Internationales Wörterbuch der Metrologie, Inter-
national Vocabulary of Metrology, Deutsch-Englische
VDI/VDE 2631 Blatt 1:1999-06 Formprüfung; Grundlagen
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zur Bestimmung von Form- und Lageabweichungen (Form
Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e.V.,
measurement; Principles for the measurement of geometrical
Beuth Verlag GmbH, ISBN 978-3-410-20070-3
deviations). Berlin: Beuth Verlag
[2] Jusko, O.; Lüdicke, F.: Novel multi-wave standards for
VDI/VDE 2631 Blatt 3:2007-08 Formprüfung; Eigenschaften
the calibration of form measuring instruments. Proc. 1st
und Auswahl von Filtern (Form measurement; Properties and
EuSPEN, Bremen, Vol. 2. Shaker-Verlag, 1999, pp.
selection of filters). Berlin: Beuth Verlag
299–302, ISBN 3-8265-6085-X
VDI/VDE 2631 Blatt 4:2013-06 (Entwurf) Formprüfung; Er-
[3] Jusko, O.; Lüdicke, F.: Neuartige Formnormale. Quality
mittlung der radialen Drehführungsabweichung (Form measur-
Engineering, 5, 2000. Konradin Verlag, ISSN 1436-
ing systems; Determination of the radial spindle deviation).
2457, S. 50–51
Berlin: Beuth Verlag

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