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Tutorium zur UE Grammatik der Gegenwartssprache Johannes MATTES / Katrin FEINER - WS 2005/06

Koordination & Subordination

Mehrere Satz-Grundstrukturen können zu komplexen Einheiten zusammengefügt


werden > „zusammengesetzte Sätze“.
Diese Zusammenfügung erfolgt durch koordinative oder subordinative Verbindungen.

Koordination

Sind die Teile eines zusammengesetzte Satzes zwei oder mehrere Hauptsätze und
sind diese koordiniert, spricht man von einer Satzverbindung.
(Aber auch Nebensätze und Satzglieder können koordiniert sein.)

Die Teile einer Satzverbindung können asyndetisch oder syndetisch verknüpft sein.

Asyndetische Konstruktion
• das formale Verknüpfungszeichen (Konjunktion, Konjunktionaladverb) fehlt
• durch Semantik und Satzintonation wird der Zusammenhang zwischen den Teilen
aber deutlich

Bsp.: Die Lesefähigkeit wird entwickelt, die Sprachbeherrschung wird verbessert.


Sei pünktlich, der Zug wartet nicht!

Syndetische Konstruktion
• formales Verknüpfungszeichen vorhanden
• Verknüpfungszeichen leiten den zweiten Satz ein oder stehen nach dem finiten
Verb

Bsp.: Torsten studiert in Leipzig, aber seine Schwester studiert in Marburg.


Ich gehe nicht mit ins Kino, denn ich muss noch arbeiten.
Ich muss noch arbeiten, deshalb gehe ich nicht ins Kino.

Der Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen ist also nicht nur durch die
Konjunktion bedingt, sondern es gibt natürlich auch inhaltlich-semantische
Verbindungen. Dabei lassen sich sieben Verbindungen unterscheiden:

1. Kopulative Satzverbindungen
• die Teile werden nur aneinander gereiht
• nur das Nebeneinanderstehen von Sachverhalten bzw. ihre gleichzeitige Geltung
wird behauptet
• keine spezifizierten, semantischen Relationen zwischen den Teilen werden
ausgedrückt
• meist sind dabei Konjunktionen wie sowohl...als auch, weder...noch, nicht
nur...sondern auch bzw. Konjunktionaladverbien wie auch, außerdem, ferner,
zudem... verwendet

Bsp.: Der Ingenieur war viel im Ausland, und er lernte die Lebensbedingungen in
fremden Ländern kennen.

2. Disjunktive Satzverbindungen
Tutorium zur UE Grammatik der Gegenwartssprache Johannes MATTES / Katrin FEINER - WS 2005/06

• durch Sachverhalt des zweiten Hauptsatzes wird der Sachverhalt des ersten
Hauptsatzes ausgeschlossen
• es werden zwei Alternativen ausgedrückt, zwischen denen eine Wahl erfolgen
muss
• dabei werden Konjunktionen wie oder, entweder...oder bzw.
Konjunktionaladverbien wie sonst, andernfalls... verwendet

Bsp.: Er ist entweder schon zur Arbeit gegangen, oder er ist noch zu Hause.

3. Adversative Satzverbindungen
• beide Sachverhalte gelten
• der Sachverhalt des zweiten Hauptsatzes wird aber dem des ersten
entgegengesetzt
• dabei werden Konjunktionen wie aber, doch, jedoch, vielmehr bzw.
Konjunktionaladverbien wie dagegen, hingegen, indessen, vielmehr verwendet
• es können diese Konjunktionen / Konjunktionaladverbien allerdings auch fehlen
(asyndetische Verbindung)

Bsp.: Er beherrscht die Theorie seines Faches, aber er hat noch wenig praktische
Erfahrung.
Einsichten sind gut, Veränderungen sind besser.

4. Restriktive Satzverbindungen
• der zweite Hauptsatz schränkt den Sachverhalt des ersten Hauptsatzes ein
• dabei werden Konjunktionen wie aber, doch, allein, jedoch bzw.
Konjunktionaladverbien wie freilich, zwar...(aber), wohl...(aber), nur, indessen

Bsp.: Er hat Wien mehrmals besucht, jedoch in Graz ist er noch nicht gewesen.
Er hat zwar Wien mehrmals besucht, aber in Graz ist er noch nicht gewesen.

5. Kausale Satzverbindungen
• der zweite Hauptsatz enthält den Grund für den Sachverhalt des ersten
Hauptsatzes
• dabei werden Konjunktionen wie denn bzw. Konjunktionaladverbien wie nämlich
bzw. gar keine Konjunktionen / Konjunktionaladverbien verwendet

Bsp.: Er konnte das Problem nicht lösen, denn ihm fehlte die Sachkenntnis.
Sportler müssen eisern trainieren; nur so können sie zu Höchstleistungen gelangen.

6. Konsekutive Satzverbindungen
• der zweite Hauptsatz gibt die Folge des im ersten Hauptsatz genannten
Sachverhalts an
• dabei werden Konjunktionaladverbien wie also, folglich, daher, darum, demnach,
deshalb, deswegen, mithin, somit, infolgedessen oder gar keine verwendet

Bsp.: Dem Schüler fehlte die Sachkenntnis, deshalb konnte er das Problem nicht lösen.

7. Konzessive Satzverbindungen
• der zweite Hauptsatz gibt eine Folge an, die im Gegensatz zu der im ersten
Hauptsatz genannten Voraussetzung steht
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• dabei werden (a) Konjunktionaladverbien wie trotzdem, gleichwohl,


nichtsdestoweniger, dessen ungeachtet oder (b) das Konjunktionaladverb zwar im
1. Hauptsatz, die Konjunktion aber am Anfang des 2. Hauptsatzes und fakultativ
trotzdem im 2. Hauptsatz verwendet

Bsp.: (a) Es regnete in Strömen, trotzdem gingen wir spazieren.


(b) Es regnete zwar in Strömen, aber wir gingen (trotzdem) spazieren.

Subordination

Die Subordination wird verwendet, um einen Nebensatz in einen Hauptsatz


einzubetten. Dabei entsteht ein Satzgefüge. Auch Nebensätze können zueinander
subordinativ verbunden werden, wenn ein Nebensatz in einen übergeordneten
Nebensatz eingebettet wird.

Eine solche Einbettung erfolgt entweder mithilfe eines Einleitungswortes


(eingeleiteter Nebensatz) oder ohne ein solches (uneingeleiteter Nebensatz).

Eingeleiteter Nebensatz

• Nach Art und Form des Einleitungswortes werden folgende Arten des
eingeleiteten Nebensatzes unterschieden:

o Subjunktionalsätze (eingeleitet durch Subjunktionen)


Er besucht uns, obwohl er krankt ist. Wir wissen nicht, ob er kommt.

o Sätze mit d-Wörtern (Relativpronomen der mit seinen Formen bzw.


Präposition + der)
Er hat das Buch gekauft, das er sich wünscht / auf das er so lange gewartet hat.

o Sätze mit w-Wörtern (Fragewörter mit relativischer oder


interrogativischer Funktion; dabei a) Pronomina welcher und was mit
ihren Fomen, b) Adverbein, c) Pronominaladverbien)
a) Er hat das Buch gekauft, welches er sich wünscht.
b) Er hat Wittenberg besucht, wo er geboren ist.
c) Er hat alles bekommen, worauf er gehofft hat.

• Nach Art der syntaktischen Verknüpfung werden folgende Arten des eingeleiteten
Nebensatzes unterschieden

o Subjunktionalsätze (Einleitungswort hat keinen Satzgliedwert; es tritt


erst bei der Einbettung auf und signalisiert die semantische Beziehung
zwischen den beiden Teilsätzen)
Er ist nicht zur Arbeit gekommen, weil er krank ist.

o Relativsätze (Einleitungswort hat einen Satzgliedwert und setzt ein in


beiden Teilsätzen identisches Element voraus)
Er kauft das Buch, das (welches) im Schaufenster liegt.
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o Indirekte Fragesätze im syntaktischen Sinne (d.h. unabhängig davon,


ob es Fragesätze im semantisch-kommunikativen Sinne sind); das w-
Wort als Einleitungswort hat Satzgliedwert
Er fragt sie, wann sie kommt.
Ich weiß nicht, wann sie kommt.

Uneingeleiteter Nebensatz

Hier fehlen zwar die formalen Signale der Subordination, das Abhängigkeitsverhältnis
wird aber dennoch deutlich – durch Semantik und Satzintonation. Uneingeleitete
Nebensätze sind mit entsprechenden eingeleiteten äquivalent und können durch
Weglassung des Einleitungswortes und durch Veränderung der Position des finiten
Verbs daraus abgeleitet werden.

Bsp.: Er sagte, dass er krank gewesen sei.


> Er sagte, er sei krank gewesen.

• Aufgrund ihres Satzgliedcharakters lassen sich folgende Arten von


uneingeleiteten Nebensätzen unterscheiden

o Objektsätze (die Subjunktion dass wird eliminiert)


Ich dachte, dass er seine Prüfung schon abgelegt hätte.
> Ich dachte, er hätte seine Prüfung schon abgelegt.

o Subjektsätze (die Subjunktionen dass, wenn, als ob werden eliminiert)


Es schien ihm, als ob der Vortrag bald zu Ende ist.
> Es schien ihm, der Vortrag ist bald zu Ende.

o Konditionalsätze (die Subjunktionen wenn und als werden eliminiert)


Wenn er morgen kommt, können wir alles besprechen.
> Kommt er morgen, können wir alles besprechen.

o Konzessivsätze (die Subjunktion wenn wird eliminiert; bzw. die


Subjunktionen obwohl, obgleich oder trotzdem werden durch die
Partikeln auch im Nebensatz und doch im Hauptsatz ersetzt)
Wenn die Arbeit auch schwer war, sie musste doch geschafft werden.
> War die Arbeit auch schwer, sie musste doch geschafft werden.
Obwohl die Arbeit schwer war, musste sie geschafft werden.
> War die Arbeit auch schwer, sie musste (doch) geschafft werden.

• Aufgrund der Satzgliedstellung muss man folgende Typen von uneingeleiteten


Nebensätzen unterscheiden

o mit Zweitstellung des finiten Verbs (darunter fallen immer uneingeleitete


Objekt- und Subjektsätze)
o mit Erststellung des finiten Verbs (darunter fallen immer uneingeleitete
Konditional- und Konzessivsätze)
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• Augrund der Valenzeigenschaften lassen sich valenzbedingte und


valenzunabhängige uneingeleitete Nebensätze unterscheiden

o uneingeleitete Subjekt- und Objektsätze sind immer valenzbedingt (d.h.


an Verben des übergeordneten Satzes gebunden)
o uneingeleitete Konditional- und Konzessivsätze sind immer
valenzunabhängig (d.h. unabhängig von Wörtern des übergeordneten
Satzes und von deren Valenz)

Ausführungen entnommen aus:


Helbig, Gerhard & Buscha, Joachim: Deutsche Grammatik. Ein Handbuch für den Ausländerunterricht. Langenscheidt
Verlag, Berlin u.a., 20055