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Die Äquivalenzproblematik bei der

literarischen Übersetzung
am Beispiel von Taha Husseins „Al-Ayyām“

Dissertation
zur Erlangung der Würde des Doktors der Fachbereiche
Sprache, Literatur, Medien & Europäische Sprachen
und Literaturen
der Universität Hamburg

vorgelegt von
Abdel Kader El Gendi
aus Kairo, Ägypten

Hamburg, im April 2010

1
Rückseite von Blatt 1

Hauptgutachter: Prof. Dr. Juliane House

Zweitgutachter: Dr. Mohammed Khalifa

Datum der Disputation: 29.04.2008

Angenommen von der Fakultät für Geisteswissenschaften,


Fachbereiche Sprache, Literatur, Medien & Europäische
Sprachen und Literaturen
der Universität Hamburg, am 30.04.2008

Veröffentlicht mit Genehmigung der Fakultät für


Geisteswissenschaften der Universität Hamburg am: 06.10.2009
und nach Änderung (Veröffentlichung ohne Anhang: am 08.04.2010)

2
Meinen Eltern, meiner Frau und meiner Tochter

3
Vorwort

Die vor liegende Ar beit wurde als Disser t at ion an d er Fak u lt ät für
Geist eswissenschaft en der Universit ät Hamburg eingereicht . Dass
diese Ar beit abg eschlo ssen wurde, ist der gro ß en Fö rderu ng u nd
Unt erst üt zung me iner Do kt o rmut t er, Prof. Dr. Dr. h.c.
Juliane House – I nst it ut für Allg emeine und Angewandt e Sprach-
wissenschaft , Abt eilung Sprachlehr fo r schung –, zu verdanken. I hr
bin ich für die vie len wissenschaft lichen Disku ssio nen, prakt ische n
Vo rschläge, kr it ischen u nd wert vo llen Anregu ngen u nd nicht zu let zt
die st ändige Er mut igung in allen P hasen d er Ar beit zu t iefst e m
Dank verpflicht et . Besonders dank bar bin ich Pro f. House ebenso
für viele Er leicht erungen, Rat sch läge, Hilfs mit t el und wissen-
schaft liche Mat er ialien, d urch d ie ich meine ‚E in-‘S icht in vie le
relevant e Fragen des Themas der Ar beit er weit er n ko nnt e.

Außerdem gebührt mein herzlicher u nd au fr icht ig er Dank d e m


Zweit gut acht er, Herrn Dr. Mo ha mmed Khalifa – Asien- Afr ika-
Inst it ut , Abt eilung für Geschicht e und Ku lt ur des Vo rdere n
Or ient s –, für seine wissenschaft liche Mit bet reuung der Ar beit , vo r
alle m des arab ischen Teils. Ihm möcht e ich für seine st ändige u nd
freu nd liche Unt erst üt zung beso nder s danken.

Bei Dr. Magdalène Lévy-Tö dt er – Inst it ut für Allgemeine u nd


Angewandt e Sprachwissenschaft , Abt eilung Sprachlehr fo r schung –
bedanke ich mich herzlichst für ihr e Anmerk u ngen und gedu ld ig e
Hilfe bei der Überar beit u ng d er Ar beit .

Mein her zlichst er Dank gilt auch me inen Elt er n, meiner Frau Ho d a
und me inen Brüder n Farouk und Nader für d ie st änd ige Er mut igu ng
und den seelischen Beist and, den sie mir während aller P hasen der
Ar beit st et s geleist et haben.

4
Inhaltsverzeichnis

Vo rwort …………………………………..… ……………………… …… 1


Wicht ig e Abkürzu ngen ……….……… ………………………..……… 8
Abbildung s- u nd Tabellenverzeichnisse ..…...………………….…… 9

1 Einfüh rung und Grund lagen …………. …………….……… 10


1.1 Gegenst and der Unt ersu chu ng …… … …………….……….…… 11
1.2 Aufbau der Arbeit …………… …………………….………..…… 15

2 Die lit era rische Überset zung im Zeich en der


Äquivalen zdi sku ssion …………… …….….………….……… 21
2.1 Zu m Wesen des Über set zens …………………….……………... 22
2.1.1 Ent wick lu ngset appen der Über set zungswissenschaft ...22
2.1.2 Definit io nen des Über set zens ……… ….…………...… 27
2.1.3 Über set zung st ypen …… ……………. ….…………….… 30
2.1.4 Über set zung st heo r ien und - mo delle …….……….…… 36
2.2 Zu m Überset zen als Kult urt ransfer …………….………….…… 47
2.2.1 Die Ro lle der Über set zung in der kult urellen
Ko mmunik at ion ……...……… ……………………..…… 47
2.2.1.1 Zur Begr iffsbezeichnu ng Kultur … ……..…… 48
2.2.1.2 Die Über set zu ng als Ku lt urar beit ……….…… 52
2.2.1.3 Ku lt urspezifik in der Überset zung ………….. 55
2.2.2 Der Über set zer als Kult ur mit t ler ………...……...…… 60
2.3 Die lit erar ische Über set zung zw ischen Theo r ie und Praxis …. 64
2.3.1 Das Pro dukt „lit er ar ische Über set zung“ …………...… 65
2.3.1.1 Beso nder heit en der lit erar ischen
Überset zung …… ……………… ………………. 66
2.3.1.2 Zur Theo r ie der lit er ar ischen Überset zu ng …. 72
2.3.2 Die Lesero r ient ieru ng …………… …………….….…… 77
2.3.3 Die Ar beit des Überset zers ………… .………………… 80
2.3.3.1 Der Ent st ehu ng spro zess der lit erar ischen
Über set zu ng ….....….……………………..…… 81
2.3.3.2 Drei P hasen der Überset zerar beit ……….…… 82

5
2.3.3.3 Das Kü nst ler isch- Äst het ische im lit erarischen
Überset zen ……..………… …… ………….…… 85
2.4 Zur Äqu ivalenzpro ble mat ik in d er lit erar ischen
Über set zung …………….……… …………………………….…… 93
2.4.1 Probleme u nd Schwier ig keit en d er lit erarischen
Über set zung ……………… …….…… ……………..…… 94
2.4.1.1 Sprachliche Schwier igke it en …… ……….…... 94
2.4.1.2 Ku lt ur bed ingt e Schwier igk eit en … ……….... 100
2.4.2 Die Äquivalenzrelat io n …………… …….….………… 108
2.4.3 Ansät ze in d er Äquivalenzd isku ssio n …….………… 11 0
2.4.4 Äquiva lenzfo rderung en der lit erar is chen
Über set zung ……...………………… ……..…………… 121
2.4.4.1 Eine „ver set zt e Gleichwert igkeit “ ….……... 121
2.4.4.2 Differ enzieru ng des Äqu iva lenzbegr iffs ..… 122
2.4.4.3 Zur Äquiva lenz bei der arabisch-deut schen
lit erar ischen Überset zung ……… …..…….… 127

3 Zu r Überset zungsb ewertun g ………………………….…… 131


3.1 Zur Bewert ung lit erar ischer Überset zung …….……… ……… 132
3.1.1 Best immu ng der Qualit ät lit erar ischer
Über set zung ……………… … ……………………… …. 133
3.1.2 Zu den Schwier ig keit en der Über set zu ngs-
bewert u ng ……………… …………… …………………. 135
3.2 Ansät ze zur Über set zungsbewert ung ……….………………… 138
3.2.1 Verschiedene Ansät ze zur Qualit ät sevaluat io n vo n
Über set zungen ……..…………… … …….………..…… 138
3.2.2 Das House’sche Modell zur Überset zu ngs-
bewert u ng ……………… …………… ………….……… 141

4 Ein interaktives Modell zu r Analyse literari scher


Überset zung ……….……… ………………………..…..…… 148
4.1 Vom Ausgangs- zu m Zielt ext ……….……………………….… 149
4.2 Schwerpunkt e der Analyse ……… ….……………………….… 152
4.3 Das int erakt ive Mo dell ……… ……………………………….… 155
4.3.1 Zur Funkt io nsweise des int erakt iven Mo dells …...… 158

6
5 Zu r Überset zungsan alyse von „Al-Ayyām“ …..………… 167
5.1 Taha Hu ssein und sein Werk …………………………..….…… 168
5.2 Analyse des Ausg angs- und Zielt ext es …………….…….…… 177
5.2.1 Der Tit el ……………… ……………… …………...…… 178
5.2.2 Kapit el 1 ………………… ………………………..….… 183
5.2.3 Kapit el 4 ………………… ………………….……..…… 202
5.2.4 Kapit el 5 ………………… ………………..…….……… 208
5.2.5 Kapit el 10 ……………… …………… ……………….… 211
5.2.6 Kapit el 13 ……………… …………… …………….…… 218
5.2.7 Kapit el 16 ……………… ………………….…………… 222
5.2.8 Kapit el 18 ……………… ……………………….……… 223
5.3 Funkt io nsbest immu ng und Qualit ät sbewert ung …………...… 230
5.3.1 Zur Funkt io nsbest immu ng des Au sgangst ext es ….… 230
5.3.2 Zu einer Qualit ät sbewert ung des Zielt ext es ……..… 233
5.3.3 Ko mment ar ……………… ………… ………..……….… 243

6 Schlu ssfolgerun gen …………… ………… ………….……… 245

Literatu rverzeichni s …………… ……………………….….……… 250

7
Wichtige Abkürzungen

AS = Au sg ang ssprache
AS- Ausdru ck = Au sg ang ssprachlicher Ausdruck
AS- Aut or = Au sg ang ssprachlicher Aut o r
AS- Ku lt ur = Au sg ang ssprachliche Ku lt ur
AS- Leser = Au sg ang ssprachlicher Leser
AS-Text = Au sg ang ssprachlicher Text
AT = Au sg ang st ext
AT- Aut or = Aut o r des Au sgangst ext es
AT-Leser = Leser des Ausgang st ext es
ZS = Zielsprache
ZS-E mpfänger = Zielsprach licher E mp fänger
ZS-Ent sprechung = Zielsprach liche Ent sprechu ng
ZS- Kult ur = Zielsprach liche Ku lt ur
ZS-Leser = Zielsprach licher Leser
ZS-Text = Zielsprach licher Text
ZT = Zielt ext
ZT-Leser = Leser des Zielt ext es

8
Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Über set zung smod ell vo n Koschmieder ………..…….. 43


Abb. 2: Das Über set zung smod ell vo n Nida ………………………... 44
Abb. 3: Das Schema der zweispr achig en Ko mmun ikat io n
von Kade ……… ……………… … ……………...…………… 35
Abb. 4: Das Schema zu m E nt st ehung sprozess der
lit er ar ischen Überset zung vo n Levý ……… …….………... 81
Abb. 5: Das Modell zur Analyse u nd zum Verg leich vo n
Orig ina l- und Über set zungst ext en von Ho use ………….. 142
Abb. 6: Das Schema der Anwendu ng d es Ho use’schen Mo dells ..145
Abb. 7: Das Schema zur Über set zungsanalyse u nd - bewert ung .. 157
Abb. 8: Das int er akt ive Modell zur Analyse lit erar ischer
Überset zung …… ……………… … ……………………… … 162

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Über set zung st ypen (eig ene zusammen fassende


Darst ellung ………………… … ……….…………………. 36
Tabelle 2: Die Bezug srahmen der Äqu iva lenz von Ko ller
(eigene zu sammenfassende Dar st ellu ng) ………...….. 124

9
1 Einführung und Grundlagen

10
1.1 Gegenstand der Untersuchung

Die vo r liegende Ar beit beschäft igt sich mit der Äqu iva lenzprob-
lemat ik beim Lit erat urü berset zen vo n Pro sat ext en als ei n
bedeut endes Gebiet der Über set zung swissenschaft . Die Analyse u nd
Bewert u ng von deut scher Über set zu ng arabischer Lit erat ur ist dabe i
zent rales T hema. Anhand so lcher Analyse, d ie durch e in
ent sprechendes Modell – als den h ier er zielt en Bezug srahmen für
diesen Zweck – realis iert wir d, kann man die Äquivalenz-
relat ion(en) zwischen d em Or iginalt ext u nd seiner Überset zung
näher bet racht en, unt ersuchen und beschr eiben.

Die Unt ersuchung der Äqu iva lenzfr age bei der arabisch-deut sche n
lit erar ischen Über set zu ng ist inso fer n r elevant , da nicht nur d ie
beiden Sprachen u nt erschied lich sind, sonder n au ch die beide n
Kult uren. Dur ch d ie ver schiedenen formalen Ko nst rukt ionen,
semant ischen und prag mat ischen Aspekt e, st ilist ischen Merk ma le
und d ie sozio-ku lt urelle E inbet t ung des Ausgangst ext es wird der
Lit erat urü berset zer einer schwier ig en Au fgabe so wie pro ble-
mat ischen Äquivalenzanfo rderungen ausgeset zt . Er so llt e de m
deut schen Leser nicht nur semant ische und äst het ische Qualit ät en
des AT, sond er n auch I nfor mat io nen ü ber die arabische Gesellschaft
und Kult ur ver mit t eln. So st ellt sich d ie Äqu ivalenzu nt ersu chu ng
sowie - bewert ung beim ar abisch-deut schen Lit erat urüberset zen als
auf fo r ma ler, semant ischer u nd st ilist isch er Ebene als int eressant er
Bereich her aus. Daher werd en in der vor liegenden Ar beit vo r alle m
die Wirkungsg leichheit und der adäqu at e Info r mat io nsg ehalt als
wicht ige Kr it er ien und zent rale Fo rderu ng en der Äqu iva lenzpro b-
lemat ik unt ersucht .

Die Äqu ivalenzfrage g ilt bei den meist en Überset zungst heo ret ik er n
als ein S chlüsselbegr iff für d ie Behandlu ng vo n Pro blemen d er
Überset zung. House (2 005) geht auf d iese Problemat ik mit der
Frage: „Kann man von einer Über set zu ng behaupt en, dass sie ‚das
Gleiche‘ sagt wie ihr Or ig inal?“ ein. Für sie scheinen bekannt e
11
Met ap her n wie „eine Über set zu ng ist wie ein Kuss durch ein
Taschent uch“, „eine Über set zung ist wie ein Teppich, der verkehrt
heru m liegt “ oder auch „eine Überset zung ist wie ein Tanz in
Ket t en“ d ieser Gleichheit sannahme zunächst einmal zu w idersp-
rechen ( vg l. House 2005: 76). Das Wesen der Überset zung liegt in
dem Versu ch, die „Bedeut ung“ einer sprachlichen E in heit bei m
Überwechseln in e ine andere Sprache so weit wie mö g lich „gleich “
oder äqu ivalent zu ha lt en. Wenn man d avon ausgeht , dass d iese
Bedeut ung au s drei Ko mpo nent en best eht , einer semant ischen, einer
prag mat ischen und einer t ext uellen, dann k ann man Über set ze n
definieren „als das Erset zen eines in einer Ausg ang sspr ache
gegebenen Text es dur ch einen se mant isch, prag mat isch u nd t ext uel l
äquivalent en Text in der Zielsprache“ (Ho use 2005 : 78).

Somit wird zwischen den beid en Text en eine Äqu ivalenzrelat io n


bzw. eine „Überset zu ng sbeziehu ng“ herg est ellt . Überset zen ist also
grundsät zlich durch eine doppelt e Bindu ng zu char akt er isieren: ein e
Bindung an den Ausg angst ext und eine Bindung an d ie ko mmu ni-
kat iven Bedingungen in der Zie lt ext sprach- u nd Zie lkult ur-
gemeinschaft (vgl. Ho use 2005: 78). In d iesem Zu sammenhang ist
einer d er wicht igst en Aspekt e der Äqu ivalenzpro ble mat ik zu
erwähnen, dass das Nicht -Ver st ehen des AT im Allg emeinen (auß er
den spezifischen sprach-, st il- u nd kult u rbed ingt en Pro blemen, d ie
im Rahmen der Ar beit d iskut iert werden) eine gro ße Ro lle be i
dieser Problemat ik spie lt . E in Überset zer t rit t , wie Ko t cheva (1992)
bemerkt , nicht nur als Quasi- Adressat des AT, so nder n au ch als
Ver fasser des ZT auf. So kann er keinen kommu n ikat iv äqu ivalent e n
ZT wiedergeben, wenn er den AT oder St ellen davo n nicht verst eht .
Auch d ie Fehlfor mulieru ng des ZT o der St ellen davo n hemmt die
Verwirklichu ng der Äqu ivalenz ( vg l. Ko t cheva 19 92: 8). Nac h
Kaut z (2002) ist d ie gru ndlegende Frag e, d ie sich ein Über set zer
st ellen muss: Ver st ehe ich den Text ? ( vg l. Kaut z 2002: 82). Das ist
beim Überset zen selbst verst änd lich, denn ein Überset zungsakt ist in
erst er Linie „eine ver st ehensbasiert e Handlung “ ( Wilss 1988: 48).

12
Weit er hin k ann Äquivalenz best immt en Bezug srahmen ( Äqu ivalenz-
forderungen) gemäß sp ezifiziert werden. Nicht alle kö nnen gle ich-
zeit ig er füllt werden, d. h. der Überset zer muss st et s Ent schei-
dungen darüber t reffen, in welcher Rangfo lge er d ie einzelne n
Äquivalenzt ypen für eine best immt e Über set zu ng br ingt ( vgl. Ho use
2005: 79). Dies bedeut et u. a., „dass d ie Bed ingu ngen herau s-
gear beit et werden, d ie d ie Auswahl u nt er pot ent iellen Äqu ivalent e n
auf Wert -, S ynt agma-, Sat z- und Text ebene best immen“ ( Ko ller
2004: 205).

Fer ner hebt Elgo har y (1989) d ie wicht ig e Ro lle des Über set zers in
der int erkult urellen Ko mmu nikat io n her vor und bezeichnet ihn „i m
Idealfall als M it t ler int er nat io naler Verst änd igu ng “ (E lgo har y
1989: 3). Für ihn g ilt d ie Überset zung lit erar ischer Werk e als
Brückenschlag zwischen Ku lt uren, deren Angehö r ig e Neug ierde u nd
Neigung dazu haben, ü ber Land u nd Leut e der überset zt en Werke zu
er fahr en. Nach Go et hes Maxi men u nd Maximen zit iert er :
„Über set zer sind als geschäft ige Kuppler anzu sehen, d ie u ns ein e
halbver schle iert e Schöne als höchst liebenswürd ig anpreisen: sie
erregen eine unwid erst ehliche Neigu ng nach d em Or iginal “
(E lgohar y 1989: 3). So hilft die vo m Überset zer g ebaut e Brü ck e
dem Leser, der d ie Au sg angssprache nic ht kennt , damit er „neues
Land u nd Ufer “ kennen ler nen k ann.

Jede Sprache hat ihr eig enes Wesen u nd ihre eigene n


Ausdru cksmög lichkeit en. Die Wört er einer Sprache sind nicht nu r
S inn-, sonder n vie lmehr Ku lt urt räger. Bei genauer er Bet racht ung
wird die E ins icht größ er, wie sehr Wö rt er und Wendu ngen vo n der
jeweiligen Ku lt ur „get ränkt “ s ind. Jeder lit erar ische Text hat se in e
eigene Welt . Deshalb kö nnen nicht alle st ilist ischen Qualit ät en de s
Or iginalt ext es in einer Überset zung wiedergeg eben werden ( vgl.
E lgohar y 1989: 4). Der Gru nd für d ie nüt zliche „Ser vice“- Fu nkt io n
des Überset zens dür ft e also im menschlichen Bedür fn is lieg en, d ie
eigene Welt zu erweit er n, über d ie eigene, sprachlich begrenzt e
Diskur swelt und d ie eig ene Kult ur hinau szugehen, sie zu erkunden,

13
über sie zu ber icht en. Als Mit t ler zwischen Sprachen, Gesell-
schaft en, Kult ur en und Lit erat uren helfen Überset zer also dabei, d ie
durch Sprachen u nd Ku lt ur en geset zt en Grenzen zu ü berwind e n
(vg l. House 2005: 77).

Wenn man nu n au f d ie E bene des Lit er at urüber set zens näher


eingeht , findet man vo r allem, dass d ie lit erar ische Über set zung
eine besond ere St ellu ng hat . Im Verg leich zur fachsprachliche n
Überset zung, die ihr em Wesen nach ein deut ig inhalt sbest immt ist
und der en Ziel in vielen Fällen mit hilfe einfacher, no r mgebu ndener
Subst it ut io nsvorgäng e auf d er Bas is von fachspr achlichen E ins- zu-
eins-E nt sprechu ngen erreicht werden kann, do min ieren in der
lit erar ischen Über set zu ng die s ynt ag mat ischen, ko nnot at ive n
Ausdru cksmit t el, die im ausg angs- u nd zielsprachlichen Ko nt ext o ft
ganz unt erschiedlich vert eilt sind und dem Überset zer ein e
„schöpfer ische Neu gest alt ung einer kü nst ler ischen Aussag e“ auf der
Inha lt s- und au f der Au sdruck sebene eines Text es abver langen ( vgl.
Wilss 1977: 90). Daher hat d ie spr achliche Fo r m in lit erar ische n
Text en nicht nur d ie Funkt io n, Sachzu sammenhäng e zu ver mit t eln,
sonder n auch eine darü ber hinausweisende äst het isch-assoziat ive
Fu nkt io n; sie ist Träger in des künst ler ischen Gest alt ungswillens,
der eine m lit erar ischen Text seine pr inzipiell u nwieder ho lbare u nd
daru m zielsprachlich nur analog zu verwir klichende Er schei-
nungsfor m ver leiht . Ob diese künst ler ische E nt sprechu ng gelingt ,
hängt in ent scheidender Weise vo m lit erarischen „E in fü hlu ng s-
ver mögen des Überset zer s, vo n seinen Fähigkeit en zu m Au fspüre n
und zur Wiedergabe der lit er ar ischen Qualit ät en eines Text es ab “
(Wilss 1977: 91).

E lgohar y bezeichnet es auch als eine wicht ig e Aufgabe des


Überset zers, die At mo sp häre des Or ig in alwerk s zu bewahr en. Das
bedeut et , dass der Überset zer nicht nur d en neuen Rezip ient enkreis
der ZS ansprechen, so nder n auch einen repräsent at iven u nd
aut hent ischen Text wiedergeben so ll. Überset zen he iß t also : „Pr io r i-
t ät en set zen und Ko mpro misse sch ließen“ (E lgo har y 1989: 3).

14
Die Überset zung aus einer Sprache in eine andere, d ie d erse lbe n
Sprachfamilie gehört , biet et nat ür lich weniger Probleme als die au s
einer anderen Sprachgruppe und and eren Ku lt ur. Vor alle m die
Überset zung aus der arabischen Spr ache birgt verschied ene,
schwier ige Probleme. Deut sch u nd Ar abisch gehören zu unt er-
schiedlichen Kult urkreisen u nd besit zen ver schiedene Denk st -
rukt uren mit anderen Wo rt assoziat ionen, d ie sich schwer vo n der
einen in d ie ander e wiederg eben lassen. Auch die Gefü hlswelt en
und ihre Ausdruck sebenen sind verschied en. I m Arabischen gehö re n
Übert reibu ngen, Wied er ho lu ng en, schö ner Klang, Überschwang u nd
Redu ndanz zu m Reiz der Spr ache. Jedo ch st eckt hint er de m
Überschwang an ver balen E mot io nen ein Ker n echt er E mp fin-
dungen, Lebenseinst ellu ng en u nd Ko nflikt e (vg l. E lgo har y 1989 : 8).
Im Arabischen und Deut schen, d ie et ymo lo gisch so weit
voneinander ent fer nt sind, zwingt d ie unt erschied liche se mant ische
Dicht e in den beiden Spr achen manchmal zu einer Beschränku ng d es
Gehalt s oder auch zu einer Erweit erung der Ausdruck sfo r men. Der
Überset zer wird manch mal gezwungen, ein in der Au sgangssprache
vie ldeut iges Wo rt durch einen Au sdruck mit engere m Bedeut ung s-
feld wieder zugeben. Und wenn er keine deckung sgle ichen Wö rt er
find et , drängt er dem Leser seine eigen e I nt erpret at ion auf. Das
Arabische hat auß erdem Beschaffenheit en, d ie in vielen Spr ache n
nicht vorhanden sind. Es ist reich „an Bild er n, an pracht vo lle n
Far ben, an sonderart igen, fant asievollen Verg leichen u nd
Met ap her n, an Wendung en u nd Id io men, die au f jahr hu nd ert elang e
Tradit io n und Kult ur zurückgehen“ (E lgo har y 198 9: 9).

1.2 Aufbau der Arbeit

Die vor liegende Ar beit u mfasst neben d em E in leit ungsk ap it e l u nd


dem Lit er at urverzeichnis vier Kapit el und ein Schlu sskap it el.

Kapit el 2 bild et den t heo ret ischen Teil d er Ar beit , in dem Asp ekt e
behandelt werden, welche einerseit s d ie lit er ar ische Überset zung
15
und d eren Analyse bet reffen und and ererseit s wicht ig e
Über legungen u nd Diskussio nen der lit er ar ischen Überset zu ng u nd
der Äquivalenzpro blemat ik für daran Int eressiert e d idakt isc h
darst ellen. Die drei wo hl wicht igst en problemat ischen Haupt -
bereiche der lit erar ischen Überset zu ng – nämlich erst ens das
Produkt (also der lit erar ische Text ) in seiner E ig enheit , Ko mp lexit ät
und Kult ur bedingt heit , zweit ens die Leseror ient ieru ng ( mit d e n
Erwart ungen der Leser und die semant ische u nd äst het ische
Wirku ng der Überset zung auf s ie) sowie dr it t ens die St rat eg ien d es
Überset zers – werden in diesem Kapit e l u nt er verschiedene n
Aspekt en diskut iert . An verschiedenen St ellen d ieses Kap it e ls
werden Beispie le au s mehreren arabischen lit erar ischen Werken u nd
ihren deut schen Überset zungen exemp lar isch zu den jewe ilige n
diskut iert en Aspekt en und Fr agen angefü hrt . Die genauen T it el u nd
Dat en dieser Werke sind im Lit erat ur verzeichnis aufgefü hrt .

Unt er 2.1 werden die w icht igst en Ent wick lu ngset appen der
Überset zungswissenschaft kurz darg est ellt . Dann wird exemp lar isc h
auf einige Ansät ze über Über set zu ng sdefinit io nen u nd -t ypen einge-
gangen, wo bei eine wicht ige für d iese Ar beit relevant e T ypo lo g ie
besonders her vorgeho ben wird. Anschließ end werden bed eut end e
Überset zungst heor ien u nd - mod elle darg elegt .

Mit Abschnit t 2.2 wird ein B lick auf d ie Rolle der Über set zu ng in
der kult urellen Ko mmu nikat io n gewo r fen. Dies ist vor alle m
wicht ig, weil es in der vo r lieg enden Arbeit u m ein lit erar ische s
Werk geht , dessen Kult ur und Sprache sich vo n der Ku lt ur u nd
Sprache, in d ie überset zt wird, vö llig unt erscheiden. Daher werde n
hier die Ro lle der Überset zung als Ku lt urar beit u nd d ie de s
Überset zers als Ku lt ur mit t ler eing ehend d iskut iert .

Abschnit t 2.3 geht auf das Z iel d er Ar beit näher ein, indem d ie
lit erar ische Über set zu ng aus t heoret ischer u nd prakt ischer S icht
behandelt wird. Wied er werden hier P erspekt iven u nd Ansät ze
dargest ellt , die zu einem groß en Teil ar abisch-d eut sche lit erar ische

16
Überset zung bet reffen, welche in d ieser Ar beit ana lysiert und
bewert et wird. Besonder heit en der lit erar ischen Überset zung so wie
Fragen zu deren T heo r ie werden hier beleucht et . Anschließend geht
die Abhandlung auf die Ber eiche der Leseror ient ieru ng u nd d ie
konkret e Über set zerar beit ein. Dabei wer den d ie kü nst ler isch-äst he-
t ischen Aspekt e des lit er ar ischen Überset zens her vo rgehoben.

Die in den vo rgenannt en Abschn it t en behandelt en Bereiche bild e n


die Haupt fragen, durch die man auf d ie Äquivalenzproble mat ik nu n
eingehen kann. So wird u nt er 2.4 au f d iese Proble mat ik ko nkr et er
eingegangen. Dabe i werd en Aspekt e darg elegt , die vo r alle m für die
Haupt t hemat ik der Ar beit relevant sind. Es werden zuer st
Schwier igkeit en und Probleme d er lit er ar ischen Über set zu ng
dargest ellt ( mit anderen Wort en d ie Schwier igkeit en, d ie
Äquivalenzpro ble me verursachen). Nachfolgend wir d au f das Wesen
der Äquiva lenz als Beziehu ng zwischen d em Or igina l u nd der
Überset zung sowie au f verschiedene Ansät ze in der Äq uivalenz-
disku ssio n eingegangen. Anschließ end wird die S icht au f d ie
Äquivalenzforderungen der lit erar ischen Über set zu ng, vo r alle m
beim Spr achenpaar Arabisch–Deut sch, dar gelegt .

Die gemeinsame Linie, d ie durch alle Teile des 2. Kap it els hindurc h
geht , ist , dass sie einer se it s so wohl für d en Über set zer als au ch de n
Überset zungsanalyt ik er lit er ar ischer Werke so wie für d ie
St udierend en d er Über set zu ng swissenschaft relevant bzw. d idak-
t isch sein kö nnen und dass sie alle andererseit s, wenn man eine n
schar fen Blick dar auf w ir ft , die Äqu iva lenzpro ble mat ik behand eln,
auch wenn dieser Begr iff nicht d irekt erwähnt wird. Die T heo r ie n
und Modelle, d ie ku lt urelle Ro lle u nd d ie verschied enen Aspekt e
sowie Schwier igkeit en d er lit erar ischen Überset zu ng zeigen in
dieselbe Richt ung ; au f d ie Äq uivalenzproblemat ik. Au ch das
Bewert u ngs modell bas iert in er st er Linie au f der Äqu ivalenzrelat io n
zwischen dem Or ig inal u nd seiner Überset zung. Daher wird
berücksicht igt , dass d ie Abschnit t e dieses Kap it els zusammen-
hängen u nd st u fenweise zu demselben Ziel fü hren; nämlich d e n

17
Blick auf die Äquivalenz u nd d ie Met hod ik der Über set zu ng sanalys e
zu st euer n, was schließ lich d em pr akt ischen Teil d ient .

Den Schwerpunkt der Ar beit bet reffend behandelt Kap it el 3


Aufgaben u nd Schwier igk eit en der Überset zu ng sbewert ung, vo r
alle m in Bezug auf d ie lit er ar ische Über set zung. Es werd en Ansät ze
zur Überset zungsbewert ung kurz dargest ellt , aber d ie zent rale
St ellung nimmt dabei das Mo dell zur Beurt eilu ng von Über set -
zungsqualit ät von Ho use ein, an dem sich me in eigenes Mo dell i m
Kapit el 4 haupt sächlich o r ient iert . Hier werden weit er fü hr end e
Perspekt iven für die im 2. u nd 3. Kapit el behandelt en t heo ret ische n
Ansät ze dargest ellt . Diese Per spekt iven u nd Über legu ng en bet reffe n
das d as für vor liegend e Ar beit zu ent wickelnde Modell u nd d ie
Analyse d irekt und dienen als Gru ndideen und Er läut erung en dafür.
Ansch ließ end wird das Mo dell selbst ausfü hr lich diskut iert und
ent worfen, anhand d essen d ie Überset zung vo n „Al- Ayyām“ i m
darauf fo lgend en Kap it el analys iert und bewert et wird.

Unt er Kapit el 5 werden zuer st Taha Hussein, der Ver fasser des
arabischen Ro mans „Al- Ayyā m“ (wö rt lich: Die Tage), so wie d ieser
Ro man selbst kurz vo rgest ellt . Dies ist das lit erar ische Werk,
dessen Über set zung in d iesem Kapit el analysiert u nd bewert et wird.
Der Maßst ab für die Auswahl u nd die Vo rgehensweise d er Behand-
lu ng der Beispie le werd en kurz her vorgeho ben. Ansch ließ end
beginnt die Analyse des Ausgang st ext es, d ie den T it el u nd
versch iedene Beispiele au s mehr eren Kap it eln des er st en Bandes de s
Werks umfasst . Obwo hl inner ha lb d er Analyse d ie beid en Text e
direkt verg lichen werden, so mit allgemeine Züge einer Best immun g
deren Fu nkt io nen er schlo ssen werden können und d ie Überset -
zungsqualit ät an vielen St ellen bewert et wird, er fo lgen anschließ end
eine allgeme ine Fu nkt io nsbest immu ng des Au sgangst ext es und ein e
Qualit ät sbewert ung des Zie lt ext es. Die vo llst ändigen Kap it el de s
AT und des ZT, aus denen d ie behandelt en Beisp ie le st ammen, sind
im Anhang der Ar beit zu find en.

18
Das let zt e Kapit el beinhalt et allgeme ine Ergebn isse der Ar be it
sowie weit er führende Über legungen u nd Schlussfo lgeru ngen zu r
Analyse und Bewert ung d er lit erar ischen Überset zung, d ie sich i m
Laufe d er gesamt en Ar beit ent wickelt haben.

Absch ließ end s ind im Zusammenhang mit der prakt ischen Über set -
zungsanalyse in d ieser Ar beit dr ei Pu nk t e erwähnenswert . Erst ens
geht es hier nicht u m eine Über set zu ng skr it ik im weit eren S inne des
Wort es, sonder n um eine Überset zu ngsanalyse mit hilfe eine s
Modells, d ie dann zu einer allgemeinen Über set zung sbewert ung
führen kann. E s handelt sich dabei also nicht in erst er Linie um ein e
Feh leranalyse, so nder n d arum, d ie verschiedenen Äqu ivalenz-
forderungen und d ie Über set zu ngsst rat egie zu u nt ersuchen. Und
wenn dabei Ansät ze behand elt werden, d ie den Begr if f
Überset zungskriti ker bzw. Überset zungskritik verwenden, dann ist
das im S inne von Analyse und Bewert ung. Das wird deshalb
hervorgehoben, we il d ie Über set zu ngskr it ik einen grö ß eren
überset zungswissenschaft lichen Zweig d arst ellt , au f den in dieser
Ar beit nicht in erst er Lin ie eing egang en wird. Zweit ens er lebt e d ie
deut sche Überset zu ng vo m Band 1 des „Al- Ayyām“ mehr ere
Auflagen. I n dieser Ar beit w ir d die Au flage verwend et , d ie 197 3
von der Überset zer in Mar ianne Lapper ang efert igt wurde. Danac h
ist bisher nur eine Au flag e ersch ienen, die 1985 vo m Ver lag Edit io n
Or ient verö ffent licht – u nd anscheinend überar beit et – wurde, aber
keinen Namen eines Überset zers o der einer Über set zer in t rägt .
Daher wird darauf verzicht et , d iese Auflage zu verwend en. Für d ie
arabische Vor lage wird d ie Gesamt au sgabe verwendet , d ie 2004 vo n
der Al-Ahram-Organisat io n ver legt wurde. Dr it t ens mu ss ebenso
hervorgehoben werden, dass d ie Ana lyse dadurch er schwert wurde,
dass I nfor mat ionen über die E nt st ehu ngsbed ingungen und ü ber de n
Prozess der Überset zung von „Al- Ayyā m“ n icht zugäng lich u nd
ver fügbar waren. Daher war zum Beispiel nicht deut lich, vo n
welchen Zie lvo rst ellu ng en s ich d ie Über set zer in bei der Anfert igu ng
der Überset zung hat leit en lassen. Es best and leider kein e
Möglichkeit einer Rückko ppelung mit ihr , weil keine Ko nt akt info r-

19
mat io nen vo r lagen, u nd es wurde zu wenig ü ber d iese deut sche
Überset zung u nd ihr e Rezept io n über hau p t geschr ieben.

Nicht zu let zt ist der Grund für die Wahl d ieses Beisp ielwerk s
„Al- Ayyām“ her vorzuheben. Wie vo r allem in den er st en beid e n
Abschnit t en des fünft en Kapit els deut lich wird, ist Taha Hussein
einer der bedeut endst en S chr ift st eller der moder nen arabische n
Lit erat ur. Seine Werke, vo r allem se in Haupt werk „Al- Ayyā m“, s ind
künst ler isch- äst het isch sehr anspruchsvoll, dur ch d ie gehobene
lit erar ische Sprache gekennzeichnet und so zio -ku lt urell st ark
eingebet t et . So ist dieses ein gut er „Vert ret er“ der anspru chsvo lle n
arabischen Lit erat ur. Daher st ellt dieses Werk immer ho he
Anforderungen an seine Überset zer. Dessen Über set zu ng zu analy-
sieren dür ft e also über set zung swissenschaft lich, -kr it isch sowie
-did akt isch sehr relevant sein, u m ein Bild ü ber d ie Mö g lichkeit e n
der Über set zung so lcher Werke u nd der en Analyse zu g eben. Dies
wird im Rahmen der dargest ellt en wesent lichen t heo ret ische n
Ansät ze und P erspekt iven realisiert und es kö nnen außerde m
dadurch wicht ige Ko nzept e und Äquivalenzper spekt iven de s
arabisch-deut schen lit erar ischen Überset zens (z. B. die „o ffene
Überset zung“ u nd d ie „verset zt e Fu nkt io nsäqu ivalenz“, d ie i m
Laufe d er Ar beit behandelt werden) unt ersucht werden.

Für d en Zweck dieser Über set zu ngsanalyse und - bewert ung wird e in
Modell angewendet , das ein ü berset zungsanalyt isches Vo rgehen für
das S prachenpaar Arabisch–Deut sch exemp lar isch zeigt . Durch d ie
Analyse wird belegt , dass d ieses Mo dell als I llu st rat io n für de n
vor liegenden Über set zu ng st yp gut geeignet ist , u m dadurch auch d ie
Überset zungsst rat egie aufzu zeigen so wie die Schwächen dar in
aufzudecken.

20
2 Die literarische Übersetzung im Zeichen
der Äquivalenzdiskussion

21
2.1 Zum Wesen des Übersetzens

I m vor liegenden Abschnit t 2.1 wird zunächst au f d ie E nt wick-


lu ngset appen der Über set zu ng swissenschaft chrono lo g isch kur z
eingegangen. Anschließend werden Beisp iele von Defin it io nen d es
Über set zens, Über set zu ngst ypen, -t heo rien und - mo delle n
dargest ellt , was dazu d ient , den Gegenst and d er Unt ersuchung näher
zu bet racht en sowie Ansät ze und Über leg ungen dar zu leg en, die die
Grund lage für die spät eren Teile sowie die Schwerpu nkt e der Ar beit
in den ko mmend en Kap it eln bilden.

2.1.1 Entwicklungsetappen der Übersetzungswissenschaft

Frühe Überset zer, u. a. Hiero nymus ( im 5. Jahr hu ndert ) und Lut her
( im 16. Jahr hundert ), haben sich in Begrü ndu ng ihrer Über set zu ngs-
met hoden vor alle m zu dem grund sät zlichen Wid erspruch zwische n
wö rt lich-t reuem und sinngemäß- freiem Überset zen geäuß ert . Die
beiden Genannt en t endiert en zu Let zt erem, o hne jedo ch ko nsequent
danach zu handeln. Der St reit u m d as r icht ig e Ver hält nis zwische n
AT und ZT zieht sich also seit sehr lang er Zeit durch d ie Lit erat ur
zum Überset zen (vgl. Kaut z 2002: 31).

Anfangs wurde T ran slation als Fremdwort in der Bedeut ung


„Über set zu ng“ zum erst en Mal vo m hu manist ischen Arzt Heinr ic h
St einhö wel (14 12–148 3) verwendet . In der erst en Hälft e des 16.
Jahr hundert s findet man d iesen Begr iff auch bei ein igen Aut o ren
und dann spät er in Wört erbücher n, wo es als S yno nym zu
Do lmet schen und Über set zen ang eführt wird (vgl. Pru nč 2001: 9).

Sch leier macher (1768– 1834) – einer der Erst en, d ie sich t heo ret isc h
umfassend er mit dem Über set zen beschäft igt en – fordert e im 19 .
Jahr hundert , die Au sgangssprache so lle in der Über set zu ng „durch-
sche inen“. I nt eressant erweise war dieselbe Fo rderung t eils au ch
noch in jüngerer Ze it zu hö ren, z. B. be i Benjamin (1892– 1940) u nd

22
Ort ega y Gasset (1883–1955). Der zugru n de liegende Gedankengang
lässt sich so zusammenfassen:

„Die Menschen haben eine dur ch ihr e Mut t ersprache


geprägt e spezifische Welt sicht ; ist schon inner ha lb einer
Sprache wegen der u nt erschied lichen Denk weise der sie
benut zenden I ndiv idu en eine Verst ändigu ng schwier ig, so
erst recht zwischen Benut zer n zweier ver schiedener
Sprachen“ ( vg l. Kaut z 2002: 32).

Diese Po sit io nen, z. B. au ch von Humbo ldt (1767–1835) im 19. u n d


Weisger ber (1899–1985) im 2 0. Jahr hund ert vert ret en, fü hrt en dann
zur Diskussio n über d ie Fr age der Überset zbarkeit u nd Unü berset z-
barkeit . Für viele Wissenschaft ler beruht die pr inzip ielle Bejahung
der Überset zbarkeit darau f, dass zwischen Au sgangs- u nd Zie lt ext
bzw. deren E lement en eine „Äqu iva lenz“ (= Gle ichwert igke it )
best ehe. Zur Abst üt zung d ieser gru nd sät zlichen po sit iven Halt u ng
zur Überset zbarkeit wurde von d en Überset zu ng swissenschaft ler n
das I nst rument ar iu m der mo der nen Sprachwissenschaft auf da s
Überset zen angewendet . E in beso nders frucht barer Ansat z war in
dieser Hins icht die au f den Schweizer Ling u ist en Sau ssure (1857–
1913) zurückgehende Differenzieru ng vo n Sprachsyst em (langu e)
und Red e (parol e) (vg l. Kaut z 2002: 32).

Das der Disku ss io n über die Überset zbarkeit zugru nd e liegend e


Problem – nämlich das Ver hält n is vo n Sp rache u nd Denken – wurd e
auch vo n der Generat iven Transfor mat ionsgrammat ik (GTG) d es
Amer ikaners Cho msky (geb. 1 928) und der von ihr angeregt e n
Universalienfor schung t hemat isiert . Aller dings erwiesen sich d iese
Richt ungen der moder nen Linguist ik scho n bald als wenig frucht bar
für die Überset zung swissenschaft . Insbesonder e hat die GTG ihr e
Spuren in den t ranslat io nsling uist ischen Arbeit en von Vert ret ern der
von so wjet ischen Vo rbild er n insp ir iert en „Leip ziger S chu le“ –
Jäger, Kade, Neu bert u. a. –, aber au ch in den Ar beit en vo n Cat fo rd,
Ver nay, Newmark u. a. hint er lassen ( vgl. Kaut z 2002: 34). I n
diesem Zusammenhang ist der bedeut ende Beit rag von Kade zu

23
erwähnen, der in den 60er-Jahren d es 2 0. Jahr hu ndert s d ie
Translat io n als Ober begr iff für Über set zen u nd Do lmet sche n
eingeführt hat . Dabei wird zwischen Translat ion im engeren u nd im
weit eren S inne u nt erschieden:

„Wir verst ehen u nt er Translat ion im weit eren S inne jene n


in einen zweisprachig en Ko mmu nik at io ns[akt ] (und damit
zugleich in e in ko mp lexes g esellschaft liches Bedingu ng s-
gefüge sprachlicher und außersprachlicher Fakt oren)
eingebet t et en Pro zeß , der mit der Au fnah me eines
AS-Text es (= Or ig inal; Text in einer gegebenen Sprache
L1) beginnt u nd mit der Realis ieru ng eines ZS-Text es
(= Trans lat ; Text einer gegebenen Sprache L2) endet . Die
wicht igst e Phase d ieses Prozesses ist der Ko dieru ngs-
wechsel AS → ZS, der au fgru nd sein er Funkt io n im
Ko mmunikat io nsakt best immt en Bed ing ungen u nt er liegt
und den wir als Translat io n im engeren S inne au ffasse n
können“ ( Kade 1968 a: 199).

Translat io n im eng eren S inne ist also die mü ndliche o der


schr ift liche „Übert ragung“ eines AT in einen anderssprachigen ZT.
Translat io n im weit eren S inne ent hält aber auch and ere, vo r alle m
gese llschaft lich bed ingt e E lement e der zweispr achig en Ko m-
mu nikat io n.

Die lingu ist isch au sger icht et e Überset zu ngswissenschaft ver sucht e,
mit lingu ist ischen Mit t eln den AT u nd seine Beziehu ng zu m ZT zu
beschr eiben. Das Überset zen sei d ie E nt schlü sselu ng einer vo n
einem „Sender “ im au sg angssprachlichen Ko de gesend et en u nd vo m
Überset zer empfangenen, vo n ih m zielspr achlich „u mko diert en“ u nd
wiederu m an den zie lsprachig en „E mp fänger “ gesendet en Bo t schaft .
Dabei werde der Info r mat io nsgehalt dieser Bot schaft invar iant
gehalt en, u nd d iese inhalt liche „I nvar ian z“ wir d durch po t enzielle
„Äquiva lenzbeziehu ng en“ er mög licht (vgl. Kaut z 2002: 34).

Der sprachenpaarspezifischen Beschr eib ung und Klassifiz ieru ng


so lcher po t enziellen Äqu ivalenzbeziehu ngen wid met e d ie Transla-

24
t ionslingu ist ik große Aufmerksamkeit . Inso fer n u nt erschied sie sic h
damals k aum vo n d er ko nt rast iven Linguist ik. I n diesem Ko nt ext
ent st anden die Ar beit en vo n Vinay, Dar belnet u nd Malb lan c
(Stylistique Comparée) 1 in den 60 er-Jahren. Die Vert ret er der
Stylisti que Comparée bewegt en sich damit (ebenso wie die Leip-
ziger Schu le) aussch ließ lich au f der Ebene d er Überset -
zungsergebn isse und beacht et en nicht den Über set zungsprozess: das
Result at ihr er weit g ehend dedukt iven Unt ersuchu ngen waren List e n
pot enzie ller lex ikalisch- synt akt ischer Äquiva lent e. Damit wurde der
Unt erschied zwischen langue u nd pa ro le prakt isch au fg eho ben,
denn d ie pot enziellen Äquivalent e sind au f der E bene de s
Sprachs yst ems angesied elt (vg l. Kaut z 2002: 35).

Der Ver feinerung des Begr iffs d er Äquiv alenz für d ie Zwecke de s
Überset zens ga lt vor allem in d en 70er-Jahren des 20. Jahr hundert s
die Aufmerk sa mkeit der Wissenschaft ler . Die allgemeine Tendenz
in der E nt wick lung der Über set zu ng swis senschaft war jedo ch die
Abwendu ng vo n der vo rwieg end lingu ist isch- no r mat iv or ient iert en
Äquivalenzforderung u nd d ie Hinwendu ng zu einer Richt u ng, d ie
mit den St ichwö rt ern Pragmat ik, Funkt io n, Pro zess und Text
beschr ieben werden kann. Der Saar brü cker Überset zungswissen-
schaft ler Wilss for mu liert e 1980: Au fgabe der „ü berset zu ng s-
bezogenen Text linguist ik“ ist es, durch
„eine linguist ische Analyse d er Texto ber fläche d ie
t ext semant ischen, t ext funkt io nalen u nd t ext pragmat ischen
Bedingu ngen der Text her st ellu ng zu reko nst ruieren und
damit die Vorausset zu ngen für die E nt wicklung einer
t ext sort enspezifischen Über set zu ngsmet ho dik zu schaffen“
(Wilss 1 980: 17).

1
Als äquivalent gelten in der Stylistique Comparée per definitionem also nur kommunikativ
funktionsgleiche sprachliche Elemente ohne Rücksicht auf ihre Struktur. Um Äquivalenzen
herzustellen, werden verschiedene Übersetzungsprozeduren vorgeschlagen, die in zwei Gruppen
eingeteilt werden können (vgl. Prunč 2001: 50–53):
(1) Prozeduren, bei denen der AT, genauer gesagt, die Textoberfläche des AT, mehr oder minder
linear in eine Zielsprache übertragen werden kann. Sie werden mit dem Oberbegriff der traduction
directe zusammengefasst (Entlehnung, Lehnübersetzung, wortgetreue Übersetzung).
(2) Prozeduren, bei denen aufgrund der Asymmetrie der Sprachen komplexere Verfahren
notwendig sind; sie werden dem Oberbegriff der traduction oblique zugeordnet (Transposition,
Modulation, Äquivalenz, Adaptation).

25
Die ü ber set zungswissenschaft liche Fo rschu ng ent wickelt e s ich in
Richt ung einer st ärkeren Berü ck sicht ig ung des Text es u nd seiner
E igenschaft en. Die t ext t ypo lo g ischen u nd t ext analyt ischen
Fo rschu ngen z. B. vo n Reiß , T hiel und spät er Hö nig haben sic h
dabei als beso nder s anregend erwiesen. Von der sich ent wickelnde n
Sprechakt t heor ie pro fit ierend, d ie ja neue Erkennt nisse ü ber d as
Ver hält nis ko mmunikat ive Fu nkt io n/ sprachlicher Fo r m br acht e, g in g
damit auch im Bereich d er Überset zu ng swissenschaft eine „prag ma-
t ische Wende“ einher: Neben den spr achlichen und t ext uelle n
Fakt oren wurden nu n auch der Text ver fasser, der Über set zer u nd der
Text adressat in ihrer jeweilig en S it uat ion als sprachlich Handelnd e
in die Bet racht ung einbezo gen ( vgl. Kaut z 2002: 37).

Es ent st anden welt weit versch iedene neu e überset zungst heo ret ische
Ansät ze, darunt er d ie seit den 70er-Jah ren des 20. Jahr hu ndert s
ent wickelt en Descri ptive T ran slation Studies. S ie st ellt en d ie
Wicht igkeit des Zie lt ext es her aus, wandt en sich ent schieden gege n
die linguist ische Ver engung des Überset zens u nd bet ont en d ie
zielku lt ur elle u nd - sprachliche Ko mmu nik at io nsgemeinschaft , in der
und für die der ZT seine Funkt io n zu er fü llen hat . In den beid e n
let zt en Jahr zehnt en des 20. Jahr hu ndert s ist die Tendenz zur
Int erdiszip linar it ät st ärker gewo rden. Wo hl am bekannt est en wurd e
das „int erdiszip linär e St rat ifikat io nsmo dell“ 2 von S nell-Hornb y
(1988) (vgl. Kaut z 2002: 39).

Der Zweck bzw. d ie Fu nkt io n be i der Überset zu ng wurde sch ließ lic h
zum Ange lpunkt eines et wa zeit g leich ent st ehenden Ansat ze s
gemacht : der Skopost heo r ie (Skopo s = Zweck, Funkt io n) vo n Reiß
und Ver meer (1984, 1 991). Die Über set zung mü sse nicht an der
Treue zum AT, so nder n an der Fu nkt io nsadäqu at heit des ZT
gemessen werden. Die funkt io nale T heorie wurde aber t eilweise
heft ig kr it isiert (vgl. Kaut z 2002: 40).

2
Laut dieses Modells wird das Übersetzen als konkretes Handeln in konkreten Kommunikations-
situationen immer mehrfach und komplementär determiniert. Hier erhält auch der Begriff der
Kultur – Übersetzung als „interkulturelle Kommunikation“ – einen sehr hohen Stellenwert (vgl.
Kautz 2002: 39).

26
Was den gegenwärt igen St and der Überset zungswissenschaft
bet rifft , erscheinen vo r allem d ie ind u kt iv- emp ir ischen, au f de n
Überset zungspro zess ko nzent r iert en Forschu ngen zu der Frage, „was
in d en Köpfen von Über set zer n vo rgeht “ von Kö nig s, Kr ing s,
Kuß mau l, Lörscher u. a. vielverspr echen d. Diese et wa seit Anfang
der 80er- Jahre des 20. Jahr hund ert s pu bliziert en Ar beit en zielen au f
die Beschreibung des Überset zens ab ( nicht auf Vorschr ift en o der
Modelle für das Überset zen). Für die mo der ne Überset zungs-
wissenschaft best eht d ie Au fg abe heut e also dar in, wen iger Rezept e
für das „r icht ige“ Überset zen zu geben, so nder n vielmehr zu
versuchen, die Bewu sst heit des Überset zers für d ie v iele n
versch iedenen Facet t en seiner Tät igk eit u nd für d ie mannig falt ige n
Alt er nat iven, die ih m in der konkret en Ko mmunik at io nssit uat io n mit
all ihren wider sprüchlichen Fakt oren o ffenst ehen, zu schär fen ( vg l.
Kaut z 2002: 42).

2.1.2 Definitionen des Übersetzens

Die Blicke der verschiedenen Wissensch aft ler au f das Wesen des
Überset zens sind vielle icht in einig er Hinsicht unt erschiedlich,
jedoch haben sie immer eine geme insame Basis. Das k ann ma n
anhand der fo lgend exemp lar isch dargest ellt en Defin it io nen, die
auch für d ie T hemat ik d er vo r liegend en Ar beit relevant sind,
fest st ellen.

Nida und Taber (1969) heben den sprach- und t ext bezo genen Aspekt
des Überset zens her vo r und vert ret en die Auffassung, Überset zung
bedeut e, in d er Zie lsprache das “clo sest nat ural equ iva lent ” d er
ausgangsspr achlichen Bo t schaft zu schaffen, u nd zwar erst ens in
Bezug auf den S inn und zweit ens in Bezu g auf den St il ( vg l.
Nida/Taber 1969: 12). E inen weit eren S chr it t geht Wilss (1 977) u nd
hebt in seiner Definit io n des Überset zens zwei Haupt p hasen her vor,
indem er Über set zen als einen „Text verar beit u ng s- und
Text ver balis ieru ngspro zeß “ bezeichnet , der vo n eine m AT zu eine m

27
möglichst äqu ivalent en ZT hinüber fü hrt u nd d as inhalt liche u nd
st ilist ische Verst ändnis der Text vor lage vo rausset zt . Man kann de n
Überset zungsvorgang daher in zwei Haupt phasen g lied er n, ein e
Verst ehensphase, in der der Über set zer den ausg ang sspr achliche n
Text au f seine S inn- u nd St ilint ent io n hin analys iert , und ein e
sprach liche Rekonst rukt io nsp hase, in der der Überset zer de n
inha lt lich und st ilist isch analysiert en ausgangssp rachlichen Text
„unt er opt imaler Berücksicht igu ng ko mmunik at iver Äqu ivalenz-
gesicht spunkt e reproduziert “ ( Wilss 1977: 72).

In einer weit eren Ent wicklung st ellen Vannerem und Snell-Ho rnby
(1986) den analyt ischen und ko mmunikat iven Aspekt in den Vo r-
dergrund, und zwar in Anlehnung an Fillmores (1977)
“scenes-and-frames”-Semant ik 3, und führen aus, dass beim Verst e-
hen von einem Text (A) der Überset zer „vo n einem vo rgegebenen
f rame“ ausgeht , nämlich dem Text und seinen linguist ischen
Komponent en. Dieser Text nun „wurde vo n einem Aut o r erst ellt , der
dabei von seinem eigenen Erfahrungshint ergrund, seinem Repert o ire
an z. T. prot o t ypischen Szenen ausging“. Der Gesamt -f rame des
Text es (und alle grö ßeren und kleineren f rames innerhalb des
Text es) lösen kognit ive scenes in der Vo rst ellung des Lesers aus
(vgl. Vannerem/Snell-Ho rnby 1986: 189). Ausgehend von den
erfasst en scenes muss der Überset zer „nach passenden f rames in der
ZS suchen, welche die gewünscht en scenes beim Adressat en der
Überset zung hervo rrufen“. Zu diesem Zweck hat er laufend
Ent scheidungen zu t reffen, wo bei er auf seine Beherrschung der ZS
angewiesen ist . Er muss sich vergewissern, dass die vo n den scenes
aufgerufenen f rames auch wirklich adäquat sind für die scenes, die
sie aufrufen so llen. Wo beispielsweise der AS-Text in ganz beso n-
derer Weise Expressivit ät aufweist , d. h. st ilist isch markiert ist ,
sollt e er je nach Zweck der Überset zung versuchen, „durch die

3
Nach diesem Ansatz baut sich eine Bedeutungsvorstellung aus den Erfahrungen des Sprechers
auf. Eine scene ist dabei eine Art „Bild von Welt“ im Kopf eines Menschen, das frame der
bereitstehende Ausdruck, die sprachliche Kodierung als „Organisation für Wissen“ mit dem Kon-
zept als Bedeutungsinhalt. Dann läuft der Kommunikations- und Verstehungsprozess so ab, dass
wir zu jeder linguistischen Form (frame) zunächst mittels eigener Erfahrung bzw. einer Situation
Zugang finden, die für uns persönlich von Bedeutung ist (scene) (vgl. Fillmore 1977: 63).

28
Mit t el der ZS ähnliche Expressivit ät zu erreichen, o der an anderer
St elle zu ko mpensieren. In let zt er Inst anz ist also der f rame der ZS
maß gebend für seine Ent scheidung“ (Vannerem/Snell-Ho rnby
1986: 191).

Solche Definit io nen machen eine Vielzahl vo n Fakt o ren d eut lich,
die be im Überset zen eine Ro lle spielen: AS, ZS, Text , Inhalt (S in n,
Bedeut ung), St il, E mp fäng er et c. In den Defin it io nen vo n
Vannere m/S nell-Hornby und vo n Wilss aber wird nicht näher
best immt , „wie sich die Zuo rd nu ng des ZS-Text es mit seinen scene s
und f rames zum AS-Text mit seinen scenes u nd f rames vo llzieht ,
bzw. wie die P hasen der Analyse und d er Reko nst rukt io n (S ynt hese)
mit einander ver bunden sind“ ( Ko ller 200 4: 95). So versucht Ko ller,
beim Definieren vo m Wesen des Über set zens au f d iese fehlend e
„Zuordnung“ zu acht en, indem er den Überset zu ng sbegr if f
„verwendet , um den Vo rgang der schr ift lichen Umset zu ng eines
Text es aus einer Sprache ( AS) in eine andere Sprache (ZS) zu
bezeichnen, wo bei das Umset zu ng spr odukt, die Über set zu ng,
best immt en Äquiva lenzforderu ng en genügen mu ss“ ( Ko ller
2004: 80). Kennzeichnend für d ie Überset zung ist ihre gan z
spez ifische Bindung an einen AT. Die Äuß erung Könnt est du bitt e
das Fenst er öf f nen? ist keine Über set zu ng von “It ’s a bit chill y
here, isn’t it ?”; der jenig e, der die deut sche Äuß eru ng for mu liert ,
fungiert nicht als Überset zer u nd es hand elt sich d abei n icht u m
eine Über set zungssit uat ion ( vg l. Ko ller 2004: 88). Der Über set zer
ist so mit bei der Fo r mu lierung einer Überset zung n icht aut o no m,
sonder n an d ie Aut ono mie des AT gebund en.

Absch ließ end ist der Ansat z von Ho use (2005) her vo rzuheben, wei l
er d ie me ist en Defizit e vie ler Überset zungsdefinit io nen ver me idet
(und auch deren wicht igst e Ko nzept e einschließ t ) und eine n
umfassend en Blick auf das Wesen des Über set zens hat bzw.
gewähr le ist et . Für Ho use liegt das Wesen der Überset zung nämlic h
in dem Versuch, die „Bedeut u ng “ einer sprachlichen E inheit bei m

29
Überwechseln in e ine andere Sprache so weit wie mö g lich „gleich “
oder „äqu iva lent “ zu halt en:

„Wenn man davo n ausgeht , dass d iese Bedeut ung aus drei
Ko mponent en best eht , einer semant ischen, einer
prag mat ischen u nd einer t ext uellen, dann kann man
Überset zen definieren als d as Erset zen eines in e iner
Ausg angssprache g egebenen Text es durch einen
semant ischen, pr ag mat isch u nd t ext uell äqu ivalent en Text
in der Zielsprache“ (Ho use 200 5: 78).

Mit diesem wicht igen Ansat z g ibt Ho use mit Recht eine Defin it io n,
die für alle Text - und Überset zungst ypen gelt en kann. Daher basiert
die Dar st ellung der Über legungen zur Äquivalenzpro ble mat ik und
zur Über set zung sanalyse in der vo r liegenden Ar beit au f d iese m
bedeut enden Aspekt . Des Weit eren fü hrt e d ie Beschäft igu ng mit de n
Definit io nen des Überset zens (auch p arallel) zu Diskuss io nen ü ber
die möglichen Überset zungst ypen, worau f im Fo lgenden kur z
eingegangen wird.

2.1.3 Übersetzungstypen

Ausg ehend vo n der Funkt io n des Über set zens kö nnen emp ir isc h
grundsät zlich zwei ver schiedene Überset zungst ypen u nt ersch iede n
werden, die im Laufe d er Ent wicklungsgeschicht e der Über set zu ng s-
wissenschaft unt erschied liche Bezeichnu ngen er hielt en:
ein T yp, der den AT in Bezug au f best immt e (oder alle)
E igenschaft en abbild end ist (also ret rospekt iv am AT or ient iert )
(T yp A) und einer, d er au f d ie in der Zie lku lt ur für d ie
Ziele mpfäng er int end iert en ko mmunik at iven Fu nkt io nen ausge-
r icht et ist (pro spekt iv an d er Ziels it u at ion o rient iert ) (Typ B).

Scho n Lut her (1483–154 6) pro pagiert e sehr früh in seine m


Sendbrief vom Dol met schen (1530) einer seit s, „d em Vo lk au fs Mau l
zu schauen“ (T yp B), während er es an anderen St ellen seiner
Bibelüberset zung für nö t ig hie lt , „d ie Wö rt er genauso st ehen zu
30
lassen“ wie im Or iginal (T yp A). Schleier macher u nt erschied sp ät er
in seiner Abhand lung Ueber die verschi ed enen Metho den des Ueber-
set zen s (1813) zw ischen „eindeut schender“ (T yp B) u nd „ver frem-
dender “ (T yp A) Überset zu ng, Nida (1964) zwischen “fo r ma l
equivalence” (T yp A) und “d ynamic equ ivalence” (T yp B), Mo u n in
(1967) zwischen „Ger manisieren“ (T yp B) u nd „E nt fremden“ (T yp
A), Lev ý (1969) zwischen „illu sio nist ischer “ (T yp B) u nd „ant iillu-
sio nist ischer “ (T yp A) Überset zu ng, Newmark (1988) zwische n
„ko mmunik at iver “ (T yp B) und „semant ischer “ (T yp A) Überset -
zung und nicht zulet zt No rd (1993) zwischen „do kument arischer “
Überset zung (T yp A) und „inst rument eller “ Überset zung (T yp B).

Am sinnvo llst en – u nd vo r alle m für die D iskussio nen über d ie


Äquivalenzpro ble mat ik und d ie Überset zung sbewert ung (d ie beid e n
Schwerpu nkt e der vo r lieg enden Ar beit ) – erscheint d ie Unt er-
sche idung vo n House (199 7), d ie zwei Überset zungst ypen effekt iv
fest legt und beschr eibt . Dieser Ansat z beru ht darau f, d as s
prag mat ische, also sit u at ions- u nd gebrauchsor ient iert e Sprach-
t heor ien, besonder s relevant für T heo r ien des Überset zens sind,
„denn Über set zen ist eine prakt ische Tät igkeit , in der es
um Akt e des Spr achg ebrauchs, u m Vo rkommnisse vo n
(vera llgeme iner bar er, konvent ionalis iert er) Paro le u nd
(eher ind ivid ueller, p sycho lin guist isch ko nzip iert er)
Per for mance geht “ (House 2005: 78).

Unabd ingbar für Bet racht ungen des Überset zens ist so mit eine S icht
von Spr ache als int ent io nsge leit et em so zialen Handeln, als ko gnit i v
organisiert e und gest euert e Sprache- in- Fu nkt io n, Sprache- in-
Ko mmunikat io n, Sprache- in-S it u at io n ( „d ie ‚Mikro‘-S icht “) u nd als
Sprache- in- Ku lt ur („die ‚Makro‘-S icht “) (vg l. Ho use 200 5: 78).

Beim Überset zen wir d ein Text in der AS d urch eine n


funkt io nsäquiva lent en Text in der ZS er set zt . Funkt io nsäqu ivalen z
ist d adurch fest st ellbar, d ass Or ig inal und Überset zung au f de n
S it uat ionskont ext bezo gen werden, in den beide eing ebet t et sind u nd

31
den sie zugle ich gener ieren. Aus Analysen von Text en vie ler
versch iedener Genr es hat sich dann erg eben, dass die post u liert e
Fu nkt io nsäquiva lenz in zwei emp ir isch gewonnenen Über set -
zungst ypen syst e mat isch var iiert , nämlich der „o ffenen“ u nd der
„verdeckt en“ Über set zung (vgl. Ho use 20 05: 78).

Die offene Überset zung


E ine o ffene Überset zu ng ist g anz o ffensicht lich eine Überset zung,
kein zweit es Or igina l. Or ig inale, d ie eine o ffene Über set zung
ver langen, sind in spezifischer Weise an d ie Au sgangsk u lt ur
gebund en, im Falle lit erar ischer Text e sind sie aber auch in
gewisser Weise vo n u niverseller Gült ig keit , vo n allge mein
menschlichem I nt eresse und vo n äst het ischem Wert . Text e, d ie
offen zu über set zen sind, sind ent wed er zeit lo s mit fikt iver Realit ät
oder aber an ein best immt es, hist or isches, nicht wieder ho lbares
Ereig nis, einen best immt en Zeit punkt und einen best immt en Ort
gebund en. Diese Überset zungen o per ieren in der Zielku lt ur gan z
offen in einer neuen Disk urswelt , sie fungieren gleichsam als Zit at ,
d. h. Inhalt und For m mü ssen, so weit irgend mög lich, be i m
Kodewechsel und dem Transfer dur ch Rau m und Zeit „int akt “
gelassen werden ( vg l. Ho use 200 5: 82).

Die Fu nkt io n offener Überset zu ng ist es also , den neuen Adressat e n


Zugang zum Or igina lt ext zu verschaffen. Da d ieser Zug ang aber i m
Med ium einer anderen Sprache vo llzo gen werd en mu ss, wird ein
Wechsel der Diskur swelt en nöt ig, sodass eine Art „ver set zt e
funkt io nale Äquiva lenz“ (House 20 05: 82) erreicht werden k ann.
Paradoxerweise wird aber d iese Art von Äquiva lenz durch ein
Äquivalent halt en der sprachlichen For m, t ext ueller Must er und des
Regist er s erreicht , welche zusammen zu einer ment ale n
Ko- Akt ivieru ng der Diskurswelt en des Or iginalt ext es u nd der
offenen Über set zung fü hren. Diese Ko -Akt iv ieru ng beider
Diskur swelt en er lau bt es d ann den Adr essat en der Überset zung,
gewisser maßen in das Or igina l „hinein zu lauschen“. Hier findet
so mit echt er spr achlicher u nd ku lt ureller Transfer st at t als Resu lt at

32
einer sprachlich- kult urellen Ko nt akt sit uat io n, d ie zu Abweichunge n
von der zie lspr achlichen Nor m durch den E influ ss einer fremd e n
Sprache und Kult ur führ en kann. Bei o ffener Über set zung ist
Transfer häu fig deut lich spür bar, weil das Or ig inal so zusage n
„durchschimmert “. Der Or ig inalt ext geht mit n icht en ver lor en –
Or iginal und Über set zu ng sind in gewisser Weise beide präsent
(vg l. House 2005: 82).

Die Art der Gleichheit vo n Or igina l u nd Überset zu ng, d ie bei m


offenen Überset zen erreicht wird, kann also derg est alt charak-
t erisiert werden, dass d ie Rezip ient en eine so lche Über set zung wie
ein Or igina l wahr nehmen wo llen u nd die Über set zu ng nur als
Sprungbr et t zum Verst ehen d es Or iginals gebrauchen. G leichheit
heißt hier maxima ler Erhalt d es Or ig ina ls und eine bewu sst e
Analog ie des Ensembles der sprachlichen For men, G leichheit als
Kopie des Or iginals im neuen Gewand. Diese Gleichheit be i
offenbar Überset zung bedeut et aber zug leich au ch Fer ne,
Unnahbarkeit , Abwesenheit d er Mö g lichkeit „echt er“ Funk-
t ionsäquivalenz oder des Direkt -Angespro chenseins der Adressat en.
Die Gle ichheit bezieht sich au f d en Text , nicht auf d ie Reakt io n der
Adr essat en ( vgl. Ho use 2005: 83). Mit and eren Wort en handelt es
sich nach Ho use um “seco nd- leve l fu nct io nal equivalence” (Ho use
1997: 112). D ie Ar beit des Über set zers in der o ffenen Überset zung
ist so mit sehr wicht ig:

“... t he resu lt s o f his wo rk are clear ly visible. S ince it is


t he t ranslat or’s t ask t o allow perso ns in t he t arget cult ure
to gain access t o t he so urce t ext and it s cult ural impact o n
source cult ure p erso ns, t he t ranslat or put s t arget cu lt ure
members in a po sit io n t o obser ve, be worked upon and
evaluat e t he o r ig inal t ext ’s funct io n as members o f t he
t arget cult ure” (House 1997: 112).

Die verdeckte Üb erset zung


Die verdeckt e Überset zung ist „eine Art Täuschung “ (Ho use
2005: 84), denn die Über set zu ng t ut so , als sei sie gar keine, als se i

33
sie ein Or iginal. Verdeckt e Überset zung en sind prag mat isch nicht
als Überset zung en mark iert : Or ig ina l u nd Überset zung d iffer iere n
sozusagen zufällig in der sprachlichen Form. Das Or igina l ist vo n
pot enzie ll gle icher Relevanz für Mit glieder beid er Sprachgemein-
schaft en. Do ch obwohl Text e, die ein e verdeckt e Über set zung
ver langen, überwiegend „t ransit o r ischer Nat ur“ sind – I nst ruk-
t ionen, Wer bet ext e, Wirt schaft s- u nd po pulärwissenschaft lich e
Text e, die alle sozusagen „ü berku lt urell“ für best immt e, g enauer
definier bare Adressat engruppen gült ig sein kö nnen, so ist es do c h
diese verdeckt e Über set zu ng, die su bt ilere Über set zu ng spro ble me
aufwir ft ( vgl. House 2005: 84).

Um d ie für verd eckt e Überset zu ng nö t ige Beacht ung der


Erwart ungsnor men der neuen Adressat en zu bewerkst elligen, mu s s
der Über set zer ein äqu iva lent es sprachliches Ereig nis kre ieren, d. h.
die Über set zu ng muss sich in einer neuen Diskurswelt , eine m neu en
Rahmen er halt en, ohne dass die Disk urswelt , in der sich d as
Or iginal ent falt et hat t e, ko -akt iviert wird. Mit verdeckt en Überset -
zungen wird o ft eine gro ße Dist anz zum Or ig inal kr eiert , denn zu m
Erreichen echt er Funkt io nsäqu iva lenz – und d ie ist hier mög lich und
nöt ig – können auf den E benen der sprachlichen For men, der
Text must er und des Reg ist er s Änderung en am Or ig ina lt ext
vorgeno mmen werden, die dazu fü hr en, dass sich verdeckt e
Überset zungen naht los in das ent sprechend e Genre der Zielku lt ur
einpassen, also so rezipiert werden, als seien s ie Or ig inale ( vg l.
Ho use 2005: 84).

Um diese „Or igina lit ät “ zu erzielen, set zt nu n der Überset zer eine n
sogenannt en „kult urellen Filt er “ ein, er sieht zum Überset zen da s
Or iginal „dur ch die Br ille der Zielku lt uradressat en“. Mit de m
Begr iff des kult ur ellen Filt er s ist ein Konst rukt gemeint , das zu r
Erk lärung von Prozessen d er Ko mpensat ion vo n Kult ur spezifik i m
Prozess des Überset zens dient . E in so lcher Filt er so ll nun aber
id ealit er nicht allein au f der I nt uit io n d es Überset zer s, so nder n au f
empir ischer kont rast iver Fo rschu ng basier en (vgl. Ho use 200 5: 84).

34
Die Auswahl zwischen o ffener u nd verdeckt er Überset zu ng als T yp
bzw. Met hode hängt aber vo n mehrer en Fakt oren ab. Ho use fü hrt
aus:
“T he cho ice of an o vert or a co vert translat io n depends
not just o n t he t ranslat o r himself, o r o n t he t ext o r t he
t ranslat o r’s perso nal int erpr et at io n o f t he t ext , but also ,
and t o a co nsider able ext ent , o n t he reaso ns fo r t he
t ranslat io n, on t he implied readers, o n publish ing and
market ing po lic ies. I n o t her words, in t ranslat io n t here are
man y fact o rs t hat cannot be co nt ro lled by t he t ranslat or
and have not hing t o do wit h t ranslat io n as a lingu ist ic
procedure o r wit h t he t ranslat o r’s ling uacu lt ural
co mpet ence. Such fact ors are so cial fact ors, t hey co ncer n
human agent s and so cio-po lit ical o r even ideo log ical
co nst raint s t hat no r mally have far great er power and
in flu ence t han t he t ranslat o r. St ill, a t ranslat ion is also a
lingu ist ic/t ext ual p heno meno n and can be legit imat ely
descr ibed, analysed and assessed as such” (House
1997: 118 f.).

Die Annahme, dass ein best immt er Text eindeut ig ent wed er ein e
verdeckt e oder eine offene Über set zung er fo rder lich macht ,
„muss jedoch dahing ehend qualifiziert werden, daß jed er
Text als ein ( nicht zu ver änder ndes) Dokument angesehen
werden kann, welches dann st et s o ffen überset zt werden
mu ss; z. B. ließ e sich vorst ellen, daß ein Rund schr eiben
einer mult inat io nalen Fir ma als Beweismat er ial vo r
Ger icht zit iert würde und dann o ffen überset zt werden
mü sst e. Der spezie lle Zweck u nd die spezielle Adressa-
t engruppe, für d ie ü berset zt werden so ll, ent scheid et auch
darü ber, ob eine Über set zung oder eine o ffene Ver sio n
angefert igt werden mu ss“ (Ho use 1981: 199).

Anhand der bisher ig en Diskussio n über die Über set zu ngs-


definit io nen u nd -t ypen wird deut lich, waru m die beiden T ype n
„o ffene“ und „verdeckt e“ Über set zu ng am relevant est en für d ie
Frage der Äquiva lenz sowie der Überset zungsbewert ung sind. Wie
auch der T yp heißt , bezieht er sich let zt end lich au f diese beide n

35
T ypen, deren Bezeichnung alle jeweilig en Kr it er ien einsch ließ en
kann. Die Über set zung st ypen k ann man wie fo lgt t abellar isc h
zusa mmenfassen:

T abelle 1 : Üb er s et zu ngst yp en ( eigene zusa mmenfass ende Dar st ellu ng)

House Offene Üb erset zung Verdeckte Überset zung


„d ie Wört er genauso „dem Vo lk au fs Mau l zu
Lut her st ehen zu lassen wie schauen“
im Or igina l“
Ver fremd ende E indeut schend e
Sch leier macher
Überset zung Überset zung
Nida For male Äquiva lenz Dynamische Äquivalenz
Mounin Ent fremden Ger manis ieren
Ant iillus io nist ische I llu sio nist ische
Levý
Überset zung Überset zung
Semant ische Ko mmunikat ive
Newmark
Überset zung Überset zung
do kument ar ische Inst rument elle
No rd
Überset zung Überset zung

Nu n kann man einen weit eren Schr it t gehen und die Überset -
zungspro zedur anhand der fo lgenden Beispiele vo n Überset zungs-
t heor ien und - mo de llen et was näher bet racht en.

2.1.4 Übersetzungstheorien und -modelle

Die Überset zungst heo r ie hat d ie Aufgabe, den Überset zu ng spro zes s
und die Bed ingungen u nd Fakt oren d ieses Prozesses d urchschau bar
zu machen. S ie abst rahiert von je ein zelnen u nd einzeln vo m
Überset zer zu lö senden Überset zungsschwier igkeit en und syst ema-
t isiert die gru ndsät zlichen Pro bleme. S ie reflekt iert das in der
Praxis Selbst ver st ändliche und gg f. Aut omat isiert e. Die Über set -
zungst heo r ie beschäft igt sich u. a. mit der Kläru ng fo lg ender
Fragen: Wie lässt sich der Überset zung svorgang darst ellen? Welch e
Fakt oren spr achlicher u nd auß ersprachlicher Art best immen das
Überset zen? Welche Geset zmäß igke it en liegen dem Über set ze n
zugrunde? Welche Met hoden u nd Ver fahr en ko mmen bei der Lö su ng
unt erschied licher Überset zu ngsschwier ig keit en zur Anwendung ?

36
Was ist das Wesen u nd welche sind d ie Bed ing ungen vo n
Äquivalenz? Es sind diese Fragen, die in der Geschicht e der
Überset zungst heor ie immer wieder g est ellt wurd en u nd d ie
unt erschied lich beant wo rt et werden ( vgl. Ko ller 2004: 125).

Das Überset zen ist unt er verschied enen Asp ekt en t heo ret isiert
wo rden. Dabei hat sich im Ver laufe der Ent wicklung u nt erschied-
lichst er Über set zungst heor ien eine präzise Vo rst ellu ng vo n de n
Fakt oren herausg ebildet , d ie beim Über set zen eine Ro lle sp ielen.

I m Bereich der lit erar ischen Über set zung find et man d ie frü he
„Auffassu ng des Ver fremdens“ bei Benja min, der sich 1 923 in d e m
Aufsat z „Die Aufgabe des Über set zers“ 4 als Dicht er g leichfa lls zur
Überset zung des lit erar ischen Ku nst werks geäuß ert hat . Er bet o nt
die Selbst gelt ung des Ku nst werk s, vö llig unabhäng ig vo n desse n
Rezept ion: „Denn kein Gedicht g ilt d em Leser, kein Bild de m
Beschauer, keine S ymp ho nie der Hörerschaft “ (St örig 1969 : 156) .
Und dabei ist d ie Gest alt das Wicht ig st e, d ie Mit t eilu ng des Text es
eher u nwesent lich.

In d ieser Sprach- und Über set zu ng st heorie bet o nt Benjamin da s


„Mag ische in der Sprache“. Er st ellt sich einen Überset zer vor, der
in seiner eig enen Spr ache versucht , jene „Art des Meinens“ des
fremd en Text es nachzu bild en:

„Die wahr e Über set zu ng ist durchsche inend, sie verdeckt


nicht das Or iginal, st eht ihm nicht im Licht e, so nder n
lässt die reine Spr ache, wie ver st ärkt durch ihr eigenes
Med ium, nur u m so vo ller au fs Or iginal fallen. Das
ver mag vor alle m Wö rt lichkeit in der Übert ragung der
S ynt ax, u nd gerade sie erwe ist das Wo rt, nicht den S at z
als das Ur element des Über set zers. Denn der Sat z ist d ie
Mauer vor der Sprache des Or ig inals, Wört lichk eit die
Ark ade“ (St örig 1969 : 166).

4
Abgedruckt in: Störig, Hans J. (Hrsg.) (1969), 155–169.

37
Dieser Ansat z ist aber einseit ig. Er acht et nämlich nicht genug au f
den Überset zu ngsvorgang selbst und versucht d iesen nicht zu
beschr eiben. Dieses Defizit ver meidend leist et Holmes (1988) in
einer spät eren E nt wick lu ng der T heo r ie lit er ar ischer Über set zung
einen deskr ipt iven Ansat z und u nt er nimmt den Versu ch, d ie
vie lfä lt igen einzelnen Forschu ngsbereiche in ein S yst em zu br ingen,
wo bei er die Überset zungsfo rschung als emp ir ische Wissenschaft
sieht (vg l. Ho lmes 19 88: 71). Er bet racht et nicht d ie Text e u nd d ie
Frage, wie man sie ü berset zen so ll, so nd ern d ie bis dat o erört ert en
Überset zungst heor ien, also die Disziplin als ganzes. Durch seine n
Ansat z legt er ein beso nderes Au genmerk au f d en deskr ipt ive n
Bereich, d er Über set zu ngen als Produkt , als Pro zess u nd d ere n
Fu nkt io n in der Zie lku lt ur u nt ersucht . Die deskr ipt ive Theo r ie
bezieht sich so mit au f:

„… eine T heor ie des Überset zung sprozesses, d. h. die


Theor ie dessen, was geschieht , wenn jemand et was
überset zen will;
eine T heor ie des Überset zu ngsprodukt s, d. h. was d en
überset zt en Text als Text kennzeichnet ;
eine T heor ie d er Überset zu ngsf unktion , d. h. wie die
Überset zung in der E mpfängerku lt ur wirkt “ (Ho lmes
1988: 95).

Dabei geht es auch um d ie Beziehu ngen dieser Bereich e


unt ereinander. So gilt , dass d ie int endiert e Po sit io n einer Über-
set zung im S yst em einer Zielk ult ur ( Funkt io n) deren geeig net e
Ober flächenrealisat io n (Pro dukt ) best immt , was wiederum d ie
Überset zungsst rat egien (Prozess) regier t . Holmes beacht et aber
nicht einen wicht igen Aspekt im Prozess der lit erar ischen Über set -
zung, und zwar, dass im Fa ll von gro ß en Sprachver schiedenheit e n
(z. B. wie beim Spr achenpaar Arabisch– Deut sch) d ie st ilist ische n
Merkmale des AT eine wicht ig e Ro lle sp ielen, vo r allem wenn ma n
„o ffen“ überset zt und d ie st ilist ischen Merkmale des AT beibeha lt e n
will. So kann wiederu m d ie „Funkt io n“ n icht konst ant bleiben.

38
Unt er Berücksicht igung dieser Aspekt e geht aber S nell-Ho rnb y
(1988) einen Schr it t weit er u nd bear beit et die rezept io nsäst het ische
Theor ie von I ser (1976), der die I nt erakt io n zwischen Leser u nd
Text als Erschaffung einer S it uat ion beschreibt : „Fo lglich sind Text
und Leser in einer d ynamischen S it uat ion mit einander ver spannt ,
die ihnen nicht vorgeg eben ist , so ndern im Lesevo rgang als
Bedingu ng der Ver st änd igu ng mit dem Text ent st eht “ (Iser
1976: 111). So wird die ( fikt ive) Wirklichkeit des lit erar ische n
Text es im Lesevorgang konkret erschaffen.

I m Blick au f die Fu nkt io n vo n Überset zungen ent st eht ein ähnliche s


Bild. Viele Text e haben eine k lar best immt e Fu nkt io n in der
Zielku lt ur, au f die hin sie for muliert werden, do ch auch lit erar ische
Text e sind nicht funkt io nslo s: da ist , wie S nell-Ho r nby an merkt ,
zunächst die Funkt io n der int rat ext uellen Ko härenz, o hne d ie der
Aufbau jener „alt er nat iven Welt “ in F ikt ivt ext en g ar nicht mög lic h
wäre, und daneben gibt es die Funkt io n d er Über set zu ng, wiederu m
einen „lit erar ischen Text “ oder ein Ku nst werk im Rahmen einer
Zielku lt ur zu erschaffen ( vg l. S nell-Ho rnby 1988 : 114).

Dann ver bindet Snell-Ho rnby d iese Funkt io n des lit erar ische n
Text es mit eine m wicht igen ü berset zungst heo ret ischen Asp ekt : de m
Fakt or „St il“. S ie nennt daher d ie St ilt heorie vo n Leech und Short
(1981). Beide gehen vo n einem breit angelegt en Ko nzept des St ils
als einem S yst em der Auswahl im Spr achg ebrau ch au s, wo bei ein e
P luralit ät semant ischer, synt akt ischer u nd grap hisch-phono lo gischer
Möglichkeit en in Text en anzu set zen ist , die mit einer Vie lfa lt der
Text funkt ionen geko ppelt ist . St il kann quant it at iv beschr iebe n
werden, indem die Fr equenz best immt er st ilist ischer Merkmale
best immt wird ( vgl. S nell-Ho rnb y 1988: 120).

Für d ie überset zungsre levant e Text analyse erg ibt sich so der
Auft rag, st ilist ische Asp ekt e, wie S at zst rukt uren u nd Länge,
Infor mat io nsarrangement , Fr equenz von Ver balphr asen vs. No mi-
nalphrasen, Frequenz der Ad jekt iva usw. zu unt ersuchen, wobe i

39
Fragen der S prachnor m ent scheidend sin d. Abweichu ngen von der
No rm kö nnen nämlich Feh lleist u ngen, aber auch kü nst ler isch e
Erweit erungen d erselben sein ( vgl. Sto lze 2001: 185).

In eine m ähnlichen Bereich haben auch Hönig u nd Kuß mau l (1982)


eine „St rat egie“ der Über set zu ng ent wickelt , wo durch d er Hand-
lu ngscharakt er der Sprachver wendu ng im Überset zen verdeut licht
wird. S ie me inen, dass man als Über set zer o ft zu vö llig u nange-
messenen Über set zung slösu ngen gelangt , wenn man sich aussch-
ließ lich „a m Wort “ o rient iert . Ent scheidend ist vie lmehr zu fr agen,
für wen eine Überset zu ng best immt ist . Die Bedeut ung ent st eht erst
an dem P unkt , wo d ie Äußeru ngen vom jeweilig en Ko mmu ni-
kat ionspart ner int erpret iert werden. Die Ko mmu nik at ion fu nk-
t ioniert nur unt er der Vo rausset zu ng, dass der Send er d ie mö g liche n
Reakt io nen seines E mp fängers scho n einp lant – er st ellt sich au f ihn
ein. So sehen Hö nig u nd Kuß mau l „d en AS-Text nicht als ein
fert iges Bedeut ungsgefüge, so nder n im wesent lichen als ein
Angebo t von linguist ischen I nst rukt io nen, das je nach I nt eresse u nd
S it uat ion des Überset zer s verschieden als Bedeut ung realis iert
wird“ (Hö nig/ Kuß mau l 198 2: 29).

Mit dem Verwe is auf d ie Sprachprag mat ik wir d der Unt erschied
zwischen Sät zen u nd Äuß erungen verdeut licht . Überset zt werden i m
Allgemeinen nur Äuß erungen, also „Text e- in-S it uat ion“. E in u nd
derselbe Sat z hat in ver schiedenen S it u at ionen nat ür lic h
versch iedene Bedeut ungen u nd kann unt erschied lich ü berset zt
werden. D iese Unt er schiede liegen auch in kult urell ver schie dene n
Ko nvent io nen begründ et . Die sozio -ku lt urelle E inbet t ung eine s
Text es wird in diesem nur t eilweise verbalisiert , der Grad d er
Differenzierung ist ver schieden:

„S elbst ver st ändlich lässt sich der no t wendige Grad der


Differenzierung immer nur für den jeweils zu
überset zenden Text fest legen. Er ist abhäng ig vo n der
erst en st rat eg ischen E nt scheidu ng des Über set zers,
nämlich der Defin it io n des Überset zungszweck s, a lso der

40
Funkt io n des ZS-Text es. […] Aus dieser kommu nikat iven
Funkt io n leit et e er den no t wend ig en Gr ad der Differen-
zierung ab, indem er die relevant e Grenze zwischen
Ver balis ierung u nd so zio -kult urelle m S it uat io nshin-
t ergrund im AS-Text best immt , und dann als Sender des
ZS-Text es auf dem Hint ergrund der so zio kult urellen
S it uat ion seiner Adressat en den not wend igen Grad der
Differenzierung seiner Ver balis ieru ng fest legt “ (Hö n ig/
Kuß maul 198 2: 58).

Die S it uat ion, in die ein Text eing ebet t et ist , ist für das Verst änd nis
ent scheid end. Dazu gehö ren die Fakto ren soziale Relat io n,
Vert raut heit zwischen S precher n, geographische Herku nft u nd
soziale Schicht eines Sprecher s, Geschlecht u nd Anzahl der
Gespr ächst eilnehmer, Art des Mediu ms (geschr ieben vs. gesp-
rochen) so wie der Verwendu ng sbereich des Text es. „Diese
umfassend e S it uat ion beeinflusst die Spr ache des Text es po t ent iel l
auf allen E benen“ (Hön ig/ Kuß mau l 198 2: 70). Die auß ersprach-
lichen Fakt oren wie k ult urelle Konvent io nen, u nt erschied licher
Differenzierungsgr ad u nd S it u at io n werden sodann dur ch d ie
Sprachanalyse auf verschiedenen E benen ergänzt .

In der weit eren E nt wick lu ng d er Über set zung swissenschaft wird der
Überset zer als ent scheidender Fakt o r im Über set zu ng spro zess
bezeichnet . Die Praxis ver langt o ft genug vo n ih m sehr weit gehend e
Ent scheidungen, doch so lche Hand lu ngsent scheidu ng en sind ja nicht
alle in der Su bjekt ivit ät des Über set zers zu über lassen. Um se in e
E inbet t ung in e in so ziales Ver mit t lu ng sgefü ge zu analys ier en u nd
diese in die T heor ie mit einzu beziehen, hat Ho lz-Mänt t äri (1986) da s
„t ranslat or ische Handeln “ mo dellha ft zu fassen ver sucht . S ie meint ,
es so llt en
„Text e als Bot schaft st räger in Fu nkt io nssit uat io nen
bet racht et werden, so daß d ie zu vo llz iehend e t ransla-
torische Produkt ionshand lung fallbezogen spezifiziert
werden kann. Auch ein Text kann und muß bei
professio neller Her st ellung wie jedes Produkt hinsicht lic h
seines Ver wendu ngszwecks in einer best immt en S it uat io n
41
beschr ieben werden. Spezifikat io nen sind Teil der
Text erst ellung und damit Best andt eil des Vert rags
zwischen Bedar fst räger und Produzent “ (Ho lz-Mänt t äri
1986: 351).

Diese T heo r ie über t ranslat o r isches Handeln als umfassend es


Handlu ngsko nzept so ll den Fakt o renrahmen für Pro fessio nalit ät
liefer n. Der Überset zer ist „E xpert e für d ie Pro dukt io n vo n
t ranskult urellen Bo t schaft st räger n, die in ko mmun ikat ive n
Handlu ngen vo n Bed ar fst räger n zur St eueru ng vo n Ko o perat io n
eingeset zt werden können“ (Ho lz-Mänt t är i 19 86: 35 4). Über set ze n
wird bei Ho lz-Mänt t är i also nicht als rein sprach liche Tät igk eit
aufgefasst , und Über set zer sind bei ihr nicht nur Sprachmit t ler, d ie
E lement e einer Sprache durch E lement e einer anderen Sprache
erset zen. I hr Verdienst liegt im Ver such, allen t ranslat or ische n
Handlu ngen eine t heoret ische Grundlag e zu liefer n. Schließ lich ist
die Bear beit ung des sprachlichen Mat er ials nur ein T eil d es Ganze n
– u nd bleibt sinn lo s, so lang e nicht ber ücksicht igt wird, d ass d ie
behandelt en Sachver halt e, das Bild mat er ial o der d ie Verwen-
dungsweise d er Überset zung in der Zielku lt ur au f Unver st änd nis
st oßen. Die Haupt frag e beim Überset zen kann so mit nicht sein, w ie
man dies oder jenes in einer anderen Sprache sagt , sonder n v ielmehr
was über haupt in der Zie lsit uat ion und -ku lt ur get an und g esagt
wird o der werden kann ( vgl. Risku 19 98: 108).

Absch ließ end ist anzumerk en, dass d ie fr ucht bare E nt wicklu ng der
Überset zungswissenschaft lange vo n der Suche nach „umfassend en
Theor ien“ oder aber dur ch die gegenseit ige Ablehnu ng versch ie-
denst er „linguist ischer T heo r ien“ o der „p raxiso r ient iert er Ansät ze “
behindert worden ist ( vg l. St o lze 2 001: 166). Bei jed er T heo r ie
werden immer nur Teilaspekt e abgehandelt . Es wurd e allerd ings o ft
der Anspruch er ho ben, eine „allgeme ine Über set zungst heor ie “
darzust ellen; bei g enauerem Hinsehen hand elt e es sich jedoc h
immer nur um eine Teilt heo r ie. So ver sucht e d ie Forschu ng im
Laufe der Ent wicklung d er Überset zungswissenschaft d ie Pro zesse

42
der Überset zung genauer zu bet racht en und zu beschr eiben, inde m
man vo n „Modellen“ redet .

Überset zungsm odelle


I m Gegensat z zu den ver balen Defin it io nen u nd den T heor ien, die
Gefahr laufen, „ko mp liz iert und u nanschaulich zu werden, wenn sie
mehr als einen oder zwei der Fakt o ren und Bed ingungen des
Überset zens zu int egr ier en versuchen“ (Ko ller 2004: 96), haben
Modelle die Fu nkt io n, wicht ige E lemen t e des zu beschreibende n
Phäno mens in ihrem Zusammenhang und -sp ie l in abst rakt er und
zugleich anschaulicher For m vo rzufü hr en. Modelle dienen also i m
Allgemeinen dazu, die Überset zungswissenschaft und - vo rgäng e
eher durch graphische Darst ellungen zu syst emat isieren und zu
beschr eiben. Die fo lg enden exemplar isch angefü hrt en Mo delle des
Überset zungspro zesses u nt erscheiden s ich in ihr er u nt ersch iedliche n
Ko mplexit ät und in der unt erschiedlichen Berück sicht igu ng von de n
am Überset zungsvorgang bet eiligt en Fakt oren.

Scho n 1955 hat Ko schmieder ein Mo dell ent wickelt , das de n


Umset zung sprozess vo n AS- Zeichen in ZS- Zeichen hinsicht lic h
einer int er lingual ko nst ant en Größ e („das Geme int e“) t hemat isiert ,
die in AS und ZS unt erschiedlich bezeichnet werden:

AS- ZS-
Ausdru ck/ Ausdruck/
Form Fo r m
AS- Zeichen = ---------- ---------- = ZS-Zeichen
AS- ZS-
Inhalt / Inhalt /
Bedeut ung Bedeut ung

Begr iff,
gemeint er Sachver halt
= int er lingual ko nst ant e Grö ße

Abb. 1 : Das Üb er s et zu ngs mod ell von K os chmied er (19 55); zit. in
Koller 2004: 97

43
Dieses spr achzeichenbezo gene Über set zungsmo dell ist aber u nbef-
r ied igend, weil es nahelegt , Ze ichen und Wo rt zu id ent ifizier en;
überset zt werden aber nicht einzelne Wört er, so nder n Wört er in
ihren Text zusammenhäng en ( im sprachlichen Ko nt ext ).

Dieser Schwier igkeit su cht das fo lgend e Modell vo n Nida (1969) zu


begeg nen, indem d ieses nicht vo m Zeichen ausg eht , so nder n vo m
Text und die Überset zerar beit et was syst emat ischer in dr ei P hase n
gliedert (vgl. Nida 1969: 48 4):

So urce Language Recept or Language

Text Translat ion

Analysis = 1. Schrit t Rest ruct uring = 3. Schrit t

Transfer
= 2. Schrit t

Abb. 2 : Das Üb er s et zu ngs mod ell von N ida (1 969: 484)

Hier wird der Überset zungsvo rgang als Analyse- und


Synt heseprozess dargest ellt . Dabei handelt es sich nicht um st reng
formal-synt akt ische Beschreibungen, sondern um int uit iv begrün-
det e Rückführungen (Rückt ransfo rmat io nen) von AS-Sät zen auf
einfachere St rukt uren, die in einem zweit en Schrit t in einfache
ZS-St rukt uren umgeset zt und dann in einem drit t en Schrit t in den
ZS-Text überführt werden.

Die Vorzüge dieses Modells lieg en dar in, dass der Vo rgang der
Reko nst rukt io n, der S ynt hese, g enau er gefasst wird: „E le ment ar e
ZS-St rukt uren werden über führt in ZS-St rukt uren, d ie st ilist isch so
bear beit et werden, dass sie den ZS-E mp fänger opt imal erreichen “
(Ko ller 2004: 103). Maßgebender Best immu ngsfakt or in der Phase
der Reko nst rukt io n ist also der ZS-E mpfäng er.

44
In diesem Zusammenhang me int St o lze (2001) ebenso , dass mit
Nidas Ansat z der Gru nd für d ie moder ne Über set zu ngswissenschaft
gelegt wurde, denn mit d en synt akt ischen Analyseschr it t en wurde n
hier erst mals sprachwissenschaft liche Aspekt e ins Überset zen vo n
Text en eingebracht . Dabei wird angedeut et, dass mit der vo ll-
st ändigen Analyse d es Ausg ang st ext es auch d ie Gesamt int ent io n d er
Bot schaft er fasst würde. Freilich ble ib t d ie sinng lieder nd e und
st ilist ische For mulier u ngsent scheidung weit gehend der I nt uit io n und
Sachkennt nis des Überset zer s über lassen und wird nicht wirk lic h
wissenschaft lich ded uziert (vg l. St olze 20 01: 100).

In einer spät eren E nt wick lu ng wurde im Rahmen der ko mmu nik a-


t ionswissenschaft lichen or ient iert en Überset zu ngst heor ie ein ko m-
mu nikat io nst heo ret isches Mo dell vo n Kade ent worfen (1968a: 203):

Translat io n

S – L 1 -Text → Translat o r – L 2 -Text → E’


E U S’
I II III

Abb. 3 : Das Schema der zweispr achigen K ommu nikation von Ka de


(1968a: 203)

Die Über set zung sko mmu nik at io n wird hier in drei P hase n
gegliedert :
- In P hase 1 findet d ie Ko mmu nikat io n zwischen dem Send er (S)
und dem Überset zer als E mp fänger (E) mit Hilfe eines L 1 -Text es
st att .
- In P hase 2 nimmt der Überset zer eine Umkod ieru ng vo n L 1 au f L 2
vor.
- In Phase 3 schließ lich ko mmu niz iert der Überset zer als seku ndär er
Sender (S’) mit dem Zie lt ext emp fänger (E’).

Gegen dieses Modell ist einzu wend en, dass es der Spezifik der
Überset zungsko mmunikat io n und der Ko mplexit ät der überset -

45
zer ischen Akt ivit ät nicht ger echt wird. Das bet r ifft insbeso ndere d ie
Beschreibung d er Au fg abe des Überset zers als einen blo ß e n
„Umkodierer “. Außerdem ist d ieser ein anderer T yp E mp fänger als
der nor male E mpfänger in der AS. Zug le ich erschließ t sich ih m der
AS-Text aufgrund seiner Kennt nisse der AS- Ku lt ur und der
AS-Text welt auf eine andere Weise, als es einem ZS-E mpfäng er
möglich ist . I n einer weit eren Hinsicht „pro duziert “ der Über set zer
hier nicht , so nder n er reproduziert bzw. der pro dukt ive Aspekt ist
dem repro dukt iven unt ergeordnet .

Absch ließ end ist auf eine fundament ale Über legung eine s
kult uro rient iert en Mo dells vo n Kupsch- Lo sereit (1995) hinzu-
weisen. E ine so lche kult uro r ient iert e Per spekt ive fasst Überset zen
nicht als rein sprach lichen Vo rgang auf, so nder n bet o nt die
kult urelle E inbet t ung jeder sprach lichen Hand lu ng. Genau er
for muliert : „Die Sprache wechseln heißt in eine andere We lt
wechseln“ ( Kupsch-Lo sereit 1 995: 1)

Sprachliche Äußerung en werden danach von ihrem sozio -ku lt urelle n


Ko nt ext her verst anden und analys ier t . Sie s ind jedo ch kei n
individuelles, so nder n ein t yp isches Vorko mmen. Und so wie der
Ausg angst ext eine d ynamische Ver bindung herst ellt zwische n
Int ent ion, spr achlichen Äuß erungen, sozio -kult urelle m Kont ext ,
Bedeut ungen und Wirk ung, so schafft d ie Über set zung eine neu e
dynamische Ver bindu ng, d ie d ie ku lt ur spezifische Ko nst ellat io n vo n
Wirku ngsabsicht , Sprach- u nd Text fo r men, I nhalt u nd S inn
verar beit et . Die Überset zu ng w ir d in der neuen Vo rausset -
zungssit u at ion nur bei Berück sicht igung d es zie lspr achliche n
Kult urkont ext es u nd ko mmu nikat iven Handlung szusammenhang s
wirksam ( vgl. Kupsch- Losereit 1995: 1).

Überset zen wird danach verst anden als bik u lt urelles Ereig nis, da s
umfangreiches Wissen von AS- und ZS-Ku lt ur und d er gegen-
seit igen E inschät zung d ieser Ku lt uren zur Vo rausset zu ng hat . Es
wird verst anden als Sonder so rt e t ransk ult ureller Ko mmun ikat io n, d a

46
es ein an das soziale Hand eln und d ie Sprache zweier Ku lt ure n
gebund ener d yna mischer Pro zess ist , der bei g egebenem sit u at io -
nellen Umst and sprachkult ur spezifischen Must er n fo lgt und desse n
Ergebnis ein funkt io nsgerecht er Zielt ext sein so ll ( vgl.
Kupsch-Loser eit 1995: 2).

Mit diesen Über legu ngen wir d gezeigt , dass es nicht um d ie


Beschreibung der Über set zung als Prod ukt geht , so nder n um d ie
Erforschung der int erkult urell relevant en Fakt o ren, die de n
Verst ehensprozess und den Über set zu ng svo rgang beein flu ssen u nd
best immen. Das schafft also den Übergang zu m nächst en Abschn it t
2.2, in dem d ie Ro lle des Über set zens in der kult ure lle n
Ko mmunikat io n d iskut iert wird.

2.2 Zum Übersetzen als Kulturtransfer

Im vorliegenden Abschnit t werden wicht ige Aspekt e der Überset -


zungsrolle in der int erkult urellen Ko mmunikat io n hervo rgehoben.
Dabei werden Definit ionen der Begriffsbezeichnung „Kult ur“
exemplarisch dargest ellt und die Bedeut ung der Überset zung als
Kult urarbeit so wie die kult urspezifischen Text inhalt e kurz disku-
t iert . Anschließend wird auf den Überset zer als Kult urmit t ler und
seine erforderlichen Ko mpet enzen in dieser Hinsicht eingegangen.

2.2.1 Die Rolle der Übersetzung in der kulturellen


Kommunikation

Anhand der bisher dargest ellt en Über legu ngen u nd Perspekt iven ist
die Tät igkeit des Über set zers n icht nu r unt er dem Aspekt des
Sprachko nt akt s zu sehen, so nder n sie muss auch u nt er dem Aspekt
des Kult urko nt akt s gesehen werden. Man kann also sagen, dass
Sprache und Kult ur in eine m engen Zusammenhang st ehen. Keine

47
Sprache kann get rennt vo n ihr em ku lt urellen Ko nt ext bet racht et
werden, sonder n ist vielmehr ein Teil d er Kult ur ; wie z. B. auch
T it zmann (1977) meint , „präsuppo niert “ jed er Text „pragmat isc h
das kult ure lle Wissen der Kult ur, der er angehört “ (T it zman n
1977: 268). In Bezug au f Über set zen sind die Überset zung swissen-
schaft ler
„sich darüber einig, daß Überset zen auch ein Überset zen
von Welt b ilder n u nd Ku lt uren ist u nd dass das Sprach-
und Text ver st ehen so wie die überset zer ische Ver mit t lu ng
nur dann gut gelingen k ann, wenn ein gut es Kult ur-
verst ändnis g egeben ist “ (Blank e 1976: 126).

2.2.1.1 Zu r Begri ffsb ezeichnung Kultu r

Das Wort Kultur st ammt vo n den lat ein ischen Su bst ant ive n
„cult ura“ und „cult us“ ab, d ie auf das Bear beit en des Bo dens bzw.
der Nat ur im landwirt schaft lichen S inne sowie au f andere mensch-
liche Akt ivit ät en und d eren Produkt e ver weisen. I m weit eren S inn e
geht es um verschied ene Art en der Bear beit u ng vo n bzw. d es
Umgang s mit der Wirklichk eit , einsch ließlich der Menschen selbst .
Der Begr iff Kultu r hat jedo ch mit der Zeit u nt erschied liche I nhalt e
angeno mmen u nd wird zu m Teil in ähnlicher bzw. g le icher
Bedeut ung gebrau cht wie der Begr iff Zivilisati on ( vg l. Gerk e n
1999: 19).

E ine früher e Defin it io n vo n Kultur fin det man be i Kro eber und
Kluckhohn (1952):

“Cult ure consist s o f pat t erns, exp licit and imp licit , o f and
for behavior acquired and t ransmit t ed by symbo ls,
co nst it ut ing t he d ist inct ive achievement of hu man groups,
inc luding t heir embo diment s in art ifact s; t he essent ial
co re of cu lt ur e co nsist s o f t rad it io nal ( i.e., hist o r icall y
der ived and select ed) ideas and especially t heir at t ached
values; cult ure syst ems ma y, on t he o ne hand, be
co nsidered as pro duct s o f act io n, on t he o t her as

48
co ndit io ning influences upon furt her act io ns” ( Kroeber/
Kluckho hn 1952: 357).

Diese Definit io n ist inso fer n bedeut end, da hier Kultur sich au f
geist ige, künst ler ische u nd hist o r ische Fakt en menschlicher Wert e
bezieht so wie mat er ielle Erzeug nisse einbezieht . I n Ergänzung
st ellen Kro eber u nd Kluck ho hn des Weit eren fest , dass dre i
unt erschied liche Aspekt e bzw. Art en vo n Ku lt ur behandelt werde n
können ( vgl. Kro eber/ Kluck ho hn 1952: 98 ):
1. Die „mat er ielle Kult ur “ bezieht sich au f eine t echno lo gisch e
Auseinand erset zu ng der Menschen mit ihrer Umwelt im Allg e-
meinen und insbeso nd ere mit den nat ür lichen Geg ebenheit e n
unt er dem ü bergeo rdnet en Asp ekt der Subsist enz.
2. Die „soziale Kult ur “ verweist au f d ie Beziehu ng en der Mensche n
unt ereinander und manifest iert sich in den sozialen Hand lunge n
und I nst it ut io nen.
3. Die „geist ige Ku lt ur “ u mfasst diver ses Wissen, Glauben u nd
Kunst und schlägt sich in Wert - und Nor mvorst ellungen nieder.

Während die so ziale Ku lt ur E inheit und Differ enzierung vo n


Inst it ut io nen u nd Hand lu ngs must er vo n Gruppen bet r ifft u nd au s
den sozialen Handlu ngen u nd Beziehu ngen einzelner Mensche n
hervorgeht , u mfasst die geist ige Ku lt ur kognit ive Hand lu ngs- bzw.
Verst ehensvorausset zungen einsch ließ lic h Wert - u nd No r mvorst el-
lu ngen. Unt er t heoret ischem Aspekt wir d die g eist ig e Ku lt ur der
sozialen ü bergeordnet und zu m Teil auch als eig ent licher
Gegenst and der Kult ur forschung au fg efasst .

So best eht für Goo deno ugh (1964) in einer weit eren E nt wick lu ng
die Kult ur einer Gesellschaft in all d em, was man wissen o der
glauben mu ss, u m in einer Art und Weise handeln zu können, die fü r
Mit glieder ak zept abel ist , und zwar in jeglicher Ro lle, die sie für
jeden u nt er ihnen akzept ieren ( vg l. Go odeno ugh 1964: 36) .
Go odenough set zt sein Verst ändnis vo n einer geist igen Ku lt ur g ege n
mat er ielle und soziale Ku lt ur ab, indem Kult ur für ihn kei n

49
mat er ielles P häno men ist und nicht aus Dingen, Leut en, Ver halt e n
und Gefühlen best eht , so nder n die ment ale Organ isat io n d ieser
Dinge bet r ifft (vg l. Go odeno ugh 1964: 36 ).

Mit seinem sehr w icht igen Ansat z bet ont Go odeno ugh a lso de n
regelnden E influss der ge ist ig en Kult ur au f das Hand eln u nd
Verst ehen der Kult urt eilhaber u nd me int dement sprechend, dass
Kult uranalyse in syst e mbezo gener Beschreibung ge ist ig er Ku lt u r
best ehen so ll. Rechnet man dagegen auch Handeln und Verst ehen i m
E inzelnen zum Gegenst andsbereich der Ku lt uranalyse, so müsse n
nicht nur geist ige, sond er n auch soziale Aspekt e berü ck sicht igt
werden.

In An lehnung an Go odeno ugh bet o nt Geert z (1973) spät er, dass d er


S inn im Vordergrund st ehen so ll, welcher zusät zlich zur Beschrei-
bung des Hand lungsver lau fs durch eine int erpret at ive Beschr eibu ng
unt er Bezugnahme au f eine geschicht et e Hierar chie bedeut u ng s-
vo ller St rukt uren darge legt wird, o hne d ie eine Hand lu ng nicht als
eine ku lt urelle Kat ego r ie t at säch lich exis t ier en würde ( vg l. Geert z
1973: 7). Geert z geht davo n au s, dass sich Ku lt ur nicht in de n
Köpfen vo n I ndividuen befindet , sondern sich in beo bacht bare n
symbo lischen Handlu ng en manifest iert , und me int , dass Kult u r
öffent lich ist , weil S inn ö ffent lich ist (vgl. Geert z 1973: 12). Ku lt ur
set zt sich ihm zufo lg e au s S yst emen ko nst ruier bar er Zeichen bzw.
S ymbo le zusa mmen u nd st ellt einen Ko nt ext dar, inner halb d esse n
soziale Ereignisse, Ver halt ensweisen, I nst it ut ionen oder Pro zesse
beschr eibbar sind ( vgl. Geert z 1973: 14).

Ähnliche Perspekt iven finden sich spät er bei der bed eut ende n
Kult ur definit io n vo n Göhr ing (1978), für den Ku lt ur all das ist ,
„was man wissen, beherrschen u nd empfind en kö nnen
mu ss, um beurt eilen zu können, wo s ich E inheimische in
ihren ver schiedenen Ro llen erwart ungsko nfor m o der
abweichend ver halt en, u nd u m sich selbst in der
bet reffenden Gesellschaft erwart ungsko nform ver halt en zu

50
können, so fer n man dies will u nd nicht et wa bereit ist , die
jeweils aus erwart ungswidr ig em Ver halt en ent st ehend en
Ko nsequenzen zu t ragen“ (Gö hr ing 1 978: 10).

In der neueren Forschu ng w ir d erkannt , dass jede Defin it io n vo n


Kult ur not wendigerweise redukt io nist isch ist , so fer n sie Ku lt ur als
et was Gemacht es u nd Repro duziert es verst eht . In Anlehnu ng a n
Thornt on (1988) versch iebt sich der Fo kus vo n der Frage „was ist
Kult ur ?“ hin zu der Fr age „was t ut Kult ur?“, wo mit auch fo lg end e
Fragen abgedeckt sind: „Wie, waru m und wo t un wir Ku lt ur ?“ So
meint er:

“An u nder st and ing o f cu lt ure, t hen, is not simply a


knowledge o f d ifference, but rat her an und erst anding o f
how and why d ifferences in lang uage, t ho ught , use of
mat er ials and behavior s co me abo ut ” (Tho rnt on 1988: 25).

So gehen Knapp u nd Knapp-Pott ho ff (199 0) einen Schr it t weit er u nd


definieren Kult ur wie fo lgt :

„E ine Kult ur st ellt ein E nsemb le von in symbo lischem


Handeln man ifest iert en Wissensbest änden dar, d ie sich in
den verschiedenen so zio hist or ischen Do mänen u nd
Ent wicklung sphasen einer Gesellschaft u nt erscheiden oder
für d iese Do mänen spezifisch sind, d ie aber durch den
Bezug auf die g leiche Gesellschaft einen mehr o der
weniger gemeinsamen Ker n an den Welt bild er n, Wert vor-
st ellu ngen, Denk weisen, Nor men u nd Ko nvent io nen
au fweisen und d ie sich deshalb – vo r alle m au s der
ho mogenis ierenden P ersp ekt ive vo n auß en – als so lche
einer best immt en Kult ur dar st ellt en“ ( Knapp/
Knapp-Pott hoff 1990: 65).

Ent sprechend dem erweit ert en Begr iff verst eht Bo lt en (2001) u nt er
Kult ur
„Lebenswelt en, die sich Menschen d urch ihr Handel n
geschaffen haben u nd st ändig neu schaffen. Diese
Lebenswelt en exist ieren ohne Bewert ungsmaßst äbe. S ie
beru hen nicht auf einer Auswahl d es Schönen, Gut en u nd

51
Wahren, sonder n umfassen alle Lebensäuß erungen
der jenigen, d ie an ihrer E xist enz mit gewirkt haben und
mit wirken. Hierzu zählen auch Relig io n Et hik, Recht ,
Technik, Bildu ng ssyst eme sowie alle weit eren mat er ielle n
und immat er iellen Produkt e“ (Bo lt en 2001: 21).

Diese vorangehenden, exemp lar isch dargest ellt en Disku ssio nen ü ber
den Kult ur begr iff d ienen den Haupt konzept en der vo r liegende n
Ar beit . Bei d er lit erar ischen Über set zung, vo r alle m im Falle des
Sprachenpaares Arabisch–Deut sch, sp ielen d ie ku lt ur spezifische n
Text inhalt e eine wicht ige Ro lle. Wie der Über set zer bei seiner
Tät igkeit da mit umgeht u nd wie er dem ZT- Leser d ie
Kult ur markieru ngen dar st ellt bzw. „näherbr ingt “, sind wicht ig e
Aspekt e, d ie die obige Dar st ellu ng er fo rd ern (um zu verst ehen, was
diese „Kult ur mark ieru ngen“ sind) u nd im Fo lgend en bear be it et
werden. Daher wird nun auf die Ro lle der Überset zung in der
kult urellen Ko mmu nikat io n näher eingeg ang en.

2.2.1.2 Die Überset zung als K ultu ra rbei t

Überset zungen lassen s ich in vie lfä lt iger Weise zu g egebene n


Ausg angs- und Zielk u lt uren in Beziehu ng set zen. Pro dukt ion und
Rezept ion vo n Ausgang s- und Zie lt ext er fo lgen in ku lt ur elle n
Ko mmunikat io nszusammenhäng en. Daher kann man Über set zu ng in
einem engeren S inne als Sprachar beit und in eine m weit eren S inn e
als Kult urar beit bezeichnen, d. h. „Ar beit mit der anderen und a n
der eigenen Ku lt ur, Ar beit mit u nd an d er eigenen S prache“ ( Ko ller
2004: 59). Die Über set zungsaufgabe ist so mit e ine ko mmu nik at ive
Herausforderung.

Was d en Sprachkont akt bet r ifft , so wurde er im vo r igen Abschn it t


bear beit et , aber in Bezug au f den Kult u rko nt akt kann man sagen,
dass jeder Text in eine m best immt en ko mmu nikat iven Zu sam-
menhang, einer Kult ur, verankert ist . Text pro dukt io ns- u nd
Text rezept io nsbeding ungen sind vo n einer Ko mmu nikat io nsge-

52
meinschaft zur and eren verschieden. Je st ärker die ko mmunikat ive n
Zusammenhäng e vo ne inander abweichen, umso größ er ist d ie ko m-
mu nikat ive Her ausfo rderu ng für d en Überset zer, der d iese
kommunikat ive Differenz über brück en mu ss. Idealt yp isch lasse n
sich im Allgemeinen zwei Überset zungsmet ho den (oder vielle icht
Überset zerhalt ung en) unt erscheiden, mit denen sich Über set zunge n
dieser Herausforderung st ellen ( vg l. Ko lle r 2004: 60):
a) Die adaptierende Üb erset zung er set zt AS-Text element e, d ie
spez ifisch in der AS- Ku lt ur verankert sind, durch E lement e der
ZS- Kult ur ;
b) Die transf eri erende Üb erset zun g versucht , ku lt urspezifisch e
AS-E lement e als so lche im ZS-Text zu ver mit t eln. S chwier ig-
keit en t ret en dann auf, wenn d ie ku lt urell e Differ enz so gro ß ist ,
dass beim ZS- Leser erst d ie Ver st ehensvo rau sset zunge n
geschaffen werden müssen, u m eine adäquat e Rezept ion zu
er mög lichen. Mit der t ransfer ierend en Überset zung wird der
kommunikat ive Zu sammenhang der ZS erweit ert , und das kann
( muss aber n icht ) bedeut en, dass d ie fremdku lt urellen E lement e
durch den E insat z neuer spr achlich- st ilist ischer Au sdru cks-
for men in d er ZS ver mit t elt werden: die Über set zung verändert
oder erneuert Sprach- u nd St ilno r men in der ZS.

So begrü ndet sich d ie Bezeichnu ng „Überset zu ng als Ku lt ur ar beit “.


Überset zen kann auch d ie zielkult urelle Lit erat ur bereicher n. Die
deut sche Überset zung eines arabischen Werks z. B. kann im Falle
eines „o ffenen“ Über set zung st yps einen Zugang zur Welt des AT,
zur St ilist ik des AT-Aut ors und so mit fü r event uelle zie lku lt ur elle
Aut oren, die den ZT lesen, insp ir ierend sein. Weit er hin le ist et der
ZT in diesem Fall einen Beit rag zum Ko nt akt des ZT-Leser s zur
AS- Ku lt ur sowie zum AT- Aut o r, was sich als sehr wicht ig es
Ko nzept in den fo lgend en Teilen d er vo rliegenden Ar beit erweise n
wird.

So hebt Levý die „Funkt io n der Über set zung in d er Nat io nalkult ur “
(Levý 196 9: 74) her vo r. Das ü berset zt e Werk wird zu eine m

53
Best andt eil der in der Zie lsprache geschr iebenen Lit er at ur und hat
eine ähnliche kult urelle Fu nkt io n wie ein nat io nales Or ig inalwerk.
Darüber hinaus hat d ie Über set zu ng g egenüber der Or iginallit erat ur
ihren spezifischen Erkennt niswert : sie in for miert über das Or ig ina l
und über die fr emde Ku lt ur ü ber haupt .

Beide Au fgaben der überset zt en Lit erat ur st ehen zueinander o ft in


einem Spannungsver hält nis: einerseit s will man, dass z. B. die
Überset zung wie ein Or ig ina lwerk der eigenen Nat ionallit erat ur
wirkt , andererse it s so ll sie auch zeigen, welche Züge für d ie fremd e
Lit erat ur u nd Ku lt ur charakt er ist isch sind ( vgl. Levý 1 969: 74).
Diese infor mat ive Fu nkt io n der Überset zung ist in der Regel u mso
st ärker, je ent legener die Lit erat ur ist , aus der ü ber set zt wird. Die
Rangordnu ng der be iden kult urellen Au fg aben der Überset zung wir d
aber nicht nur vo n der ü berset zt en Lit erat ur best immt , so nd ern au c h
vo m heimischen Leser. Der Überset zer k ann sich bei der mehr o der
minder vo llst ändigen Wahrung der nat io nalen Beso nd er heit en eines
Werks davo n leit en lassen, we lche Kennt nis der fre mden Kult ur er
bei seinem Leser vo rau sset zen k ann. Gleichzeit ig hat er jedo ch die
Möglichkeit , den Leser zu m besseren Verst ändnis d er fremde n
Lit erat ur zu erziehen (vgl. Levý 19 69: 75) .

So wird au f d ie Ro lle des Über set zers, der den ku lt ure llen Transfer
der Überset zung in Gang set zt , groß er Wert gelegt . In Anlehnu ng
daran hebt Mat t er-Seibel (1995) in ihr em Ansat z zur Analyse des
Kult ursp ezifischen in einer deut schen Hamlet -Überset zung d ie
sowohl akt ive als au ch kreat ive Ro lle des Über set zers als Leser
hervor. Er muss die Aut o rwelt und -ku lt ur und d ie
Zielreziepient enwelt mit einander in Verbindung br ing en. E in e
Transkodieru ng (ein lingu ist ischer Transfer) reicht also nicht au s,
eine Translat io n, ein ku lt ureller Transfer, ist vielmehr no t wend ig
(vg l. Mat t er-Seibel 19 95: 110). Dies ist beso nder s wicht ig be i
einem lit erar ischen Text , der als d ie Deut ung des menschliche n
Lebens aus der Er fahrung heraus bezeichnet werden k ann. Der
lit erar ische Text hat eine best immt e Öffent lichkeit sfu nkt io n, d en n

54
er spr icht st ellvert ret end für d ie lesend e u nd nicht - lesend e
Öffent lichk eit . Sprache ist hier ein Med iu m zur Wirk lich keit s-
konst it ut io n, d er Text ist gest alt et e Wirk lichkeit . Über set zen ist
zwar immer I nt erpret at ion, da der Überset zer sich für e ine mö g liche
Lösung ent scheiden mu ss, denno ch rufen die u nt erschiedliche n
Int erpret at io nen unt erschied liche Lesart en des Or iginalwerk s in der
Überset zung hervor. Da der Über set zer nicht immer d er über legen e
biku lt urelle Kenner zweier Ku lt uren ist , ergeben sich bisweile n
Int erpret at io nen des Text es, die den I nt ent io nen d es Aut ors des
Ausg angst ext es nicht gerecht werden. Eig ent lich int er essant sind
diese Auswirku ngen vo n Überset zungsin t erpret at io nen au f d ie
Rezept ion des Werk es im Land der Ziels prache ( vgl. Mat t er-Seibe l
1995: 110).

2.2.1.3 K ultu rspezi fi k in der Überset zun g

Je fremder der AT für d ie Zielk ult ur (so wie beim Sprachenp aar
Arabisch–Deut sch) ist , dest o häu figer sind die ku lt ur spezifische n
Markierungen. Das nat ional und hist orisch Spezifische st ellt in
diesem Fall auch Überset zungsschwier igkeit en d ar, denn d as
lit erar ische Werk ist „ein h ist o r isch bedingt es Fakt u m, das nicht
wieder ho lt werden kann“ ( Levý 1969: 93) . In d ieser Hins icht ist au f
Namen, Anred efor men, Maß e und Gewicht e, Ansp ielu ngen u nd
Dialekt e zu verweisen, d ie im neuen Kont ext beim Leser ander e
Wirku ngen und Vorst ellu ngen her vo rru fen kö nnen, wenn sie nicht ,
soweit mög lich, angepasst (verdeckt e Überset zu ng) bzw. er läut ert
(offene Überset zung) werden. I n der Erzählu ng Di e Öllamp e der
Umm Haschim findet man z. B.  ‫„ ها  ا  ا ا
 ر‬er ist
Herr Ismail, der Sohn vo n S cheich Ragab“ (Hakki 1981: 83/84). I m
Arabischen ist d ie Anredefo r mel  umgang sspr achlich u nd
schicht spezifisch und wir d von Perso nen niederer so zialer S chicht e n
gegenüber Per sonen mit eine m hö heren so zialen St at us gebraucht .
Dies wird im ZT aber nicht ver mit t elt .

55
Hier mit handelt es sich u m „Realienbezeichnu ngen“, wie sie u. a.
auch Bö deker und Freese (1987) in ihren Unt ersuchu ngen vo n
Mehr fachüber set zungen fremd sprachiger lit erar ischer Werke auc h
nennen, wo bei sie d ie E nt wick lung eines Inst ru ment ar iu ms für „ver-
gleichende Analysen vo n Über set zu ngen ü ber mehr als eine Spr ach-,
Lit erat ur- und Kult urgrenze hinweg “ (Bödeker/Freese 1987: 137)
anst reben. Dabe i beziehen sie „Kult urrali en“ u nd „Nat uralien“ ein.
Zur Fest st ellung d er über set zer ischen Ver fahrensweisen ziehen sie
Wört er und Ko mpo sit a heran, die sie in allen weit ere n
Analyseschr it t en immer in Relat io n zu ihre m Ko- und Ko nt ext
sehen, „um d ie Differenzen zwischen ausgangs- u nd zie lsprach-
lichen Bezeichnu ngen einzuschät zen“ ( Bödeker/ Freese 19 87: 142).

In einer erwe it ert en P erspekt ive u nd in Bezug auf Überset -


zungsanalysen, was für die vo r liegende Ar beit relevant ist , st ellt
Gerzymisch- Ar bogast (1994) fest , dass in der Überset zung s-
forschung ku lt urspezifische I nhalt e haupt säch lich mikro -st rukt urell
behandelt werden. E in Gru nd für d ieses Defiz it der Beschreibu ng i m
makro st rukt urellen Bereich ist ihr zufo lge die unzureichend e
Differenzierung des Kult ur begr iffes. Um im ko nkr et en Über set -
zungsfa ll Ku lt ur einheit en syst emat isch vergleichen und g anzheit lic h
überset zen zu können, sind Ku lt uren in verschiedene Kult ur syst eme
wie z. B. Sprachs yst em, Bek le idu ngssyst em usw. au fzut eilen, u m
einander ent sprechend e Kult ur syst eme verschiedener Kult uren u nt er
dem gle ichen Zweck so wie mit Bezug auf eine weit er e hier archische
Unt ert eilung zu bet racht en ( vg l. Gerzymisch- Ar bo gast 1994: 79).
Für einen gegebenen Über set zung szu sammenhang nimmt sie an,
dass nicht alle I nhalt e der abst rakt en S yst em-E bene au f der
Text -Ebene akt ualis iert werden und zu nächst d ie im Text ang elegt en
syst emat ischen k ult ur spezifischen Bezug sbereiche erkannt werd e n
mü ssen ( vgl. Gerz ymisch- Ar bogast 1994: 83). Au sg ehend vo n
ganzheit lichen, im Text erkennbaren ku lt urellen Must er n so ll d aher
das vo m Leser an den Text heranget ragene Ku lt urwisse n
int ersu bjekt iv überprüfbar dargest ellt werden.

56
In diesem bedeut enden Zusammenhang u nt erscheidet Gerken (1999)
in eine m weit eren Schr it t zwei Art en vo n Ku lt ur bezü gen, d ie bei m
Überset zen au f der S at z- u nd Text eben e zu m Au sdruck ko mme n
(vg l. Gerken 1999: 113):
1. „E xplizit e Ku lt ur bezüg e“, d ie durch best immt e Lexeme u nd
E igennamen hergest ellt werden, die als solche ku lt urspezifische
Bezeichnungsinhalt e haben, so wie dur ch sprach lich explizit
kult urbezogene Äußerung en in S at z- und Text zusammenhängen.
2. „I mpliz it e Ku lt ur bezüge“, die durch Sat z- und Text zusammen-
hänge hergest ellt werden, in denen d ie Lexeme und E igenname n
als so lche k eine ku lt ur spezifischen Bezeichnungsinhalt e habe n
und d ie spr achlichen Äuß eru ngen nicht exp lizit kult ur bezo ge n
sind.

Um den So nder fall be im Sprachenpaar Ar abisch–Deut sch zu zeigen,


ist ein Beispie l, das exp lizit e u nd imp lizit e Ku lt ur bezüg e zu samme n
beinhalt et , anzuführ en. In der Erzählu ng Die Welt Allahs findet ma n
die Aussage  ‫ ا  ی ك ی  ااه‬، ‫ﻡ! ی  ااه‬#‫ا ی‬
(Machfus 19 63d: 13) „Allah sei d ir g nädig u nd behandle d ic h
freu nd lich, Onkel I brahim!“ (Machfu s 19 78c: 26). Hier geht es u m
einen Allt agssprechakt als Ausdruck der Dankbarkeit , der
Genugt uu ng und der Freu de, wenn der Geg enüber st ehende de m
Sprechenden et was Gut es g et an hat (exp liz it er Ku lt ur bezug). Die s
ist aber keine beso nders religiös or ient iert e Aussage, wie es
vie lleicht de m ZT-Leser vo rko mmen kö nnt e. Außerdem hat sie ein e
t iefer e Bed eut ung im ägypt ischen Ku lt urmilieu u nd meist ens wir d
das Affekt ive (Freude, Dankbarkeit ) d urch e ine Hand bewegu ng
(beide Hände nach o ben, den Blick zum Himme l r icht end) bet o nt .
Die Gest ik ist also religiö s t rad it io nell ko nnot iert . Was de n
impliz it en Ku lt ur bezug no ch bet o nt , ist , dass der Zuhö rer d ieser
Aussag e sich ü ber den Segen Allahs und so d ie Nähe zu I hm freut .
Der expressive Grad ist im AT vie l hö her als im ZT, wo die Aussag e
sach licher klingt .

57
Weit er hin unt erscheidet Gerken sechs Beziehung smög lichk eit en für
diese Kult ur bezüge zwischen d em AT u nd dem ZT ( vg l. Gerk en
1999: 112):
1. „E nt sprechung“: Das AT-E lement und das ZT-E lement haben de n
gleichen Bezeichnung sinha lt .
2. „Erweit erung“: Das AT-E lement hat einen spezifischeren Be-
zeichnu ngsinhalt als das ZT-E lement .
3. „E inengung“: Das ZT-E lement hat einen spezifischeren Bezei-
chnungsinha lt als d as AT-E lement .
4. „Erset zu ng“: Das AT-E lement und das ZT-E lement haben unt er-
schiedliche Bezeichnu ngsin halt e, aber sie lassen sich e inand er
vo m S inn her zuordnen.
5. „Auslassung“: E inem AT-E lement lässt sich weder von der Bezei-
chnung noch vo m S inn her ein ZT-E lemen t zuordnen.
6. „Hinzufügung “: E inem ZT-E lement lässt sich weder vo n der Be-
zeichnu ng noch vo m S inn her ein AT-E lement zuordnen.

Die Beziehungs mö glichkeit en 2, 3 u nd 5 sind nicht ganz gelungen.


Das bez ieht sich auf d ie deut sche „o ffene“ Überset zung eines
arabischen lit er ar ischen Werk s. Um dieser Über set zu ng smet ho d e
gerecht zu werden, muss d er Überset zer den AT- Aut o r und d ie
AS- Ku lt ur sozusagen zu m ZT-Leser br ingen. In diesem Fall kö nne n
Int ent ionen des Aut o rs, seine st ilist ischen Merkmale, d ie
äst het ische Wirkung des AT so wie nat ür lich die kult ur spezifische n
Text inhalt e bewahrt werden und ihre E igenheit aufweisen. Gege n
diese Pr inzipien verst oß en also d ie genannt en drei Beziehu ngs-
möglichk eit en. E in gut es Beispiel findet man im Ro man Pala st d er
Sehnsucht anhand der Au ssage ‫ة‬%& ‫ وا*)( ' ا‬,-. (Machfu s
1957: 70) „Du reinigst u nd wäschst d ich doch vor dem Gebet “
(Machfus 1993: 115). Hier ist die Überset zu ng sehr gelu ngen, ind e m
man dem arabischen Ko nt ext t reu ble ib t und d ie Unt erscheidu ng
zwischen „Reinigen und Waschen“ vo r dem Gebet beibehält . Ohne
E inengung oder Au slassung konnt e der S inn bewahrt bleiben.

58
Et was spezifischer au f d iese Problemat ik eingehend, und auch für
die bevorst ehende Überset zungsanalyse relevant , bezeichnet Ko ller
(2004) d ie „sozio ku lt urellen Bed eut ungen“ in einem T ext als
„spezifisch für Ku lt uren, Länder, so ziale Gruppen o der Religio ns-
gemeinschaft en“ ( Ko ller 2 004: 290). Diese sind nämlich mit gemeint
und ihre Kennt nis wird beim Leser vorau sgeset zt . Sie sind zu sehe n
im Zusammenhang mit der Ku lt urspezifik der Über set zu ng bzw. der
Verankerung von Text en in eine m best immt en ko mmu nikat iven
Zusammenhang. Die Ver mit t lu ng von so lchen sozio -kult ur elle n
Bedeut ungen ist z. B. o ft nur in der Fo r m vo n Ko mment are n
möglich ( vgl. Ko ller 2004: 290).

Weit er hin spr icht Ko ller im Zusammenhang mit I nko ngru enzen d er
Ausg angs- und Zie lspr ache vo n „echt en Lü cken im lex ikalische n
S yst em der ZS “ ( Ko ller 2004: 232). Dabei geht es um I nhalt e vo n
„Realia-Bezeichnung en (so g. landesko nvention ellen, in e ine m
weit eren S inne: kult urspezif isch en E lement en), d. h. Au sdrück en
und Namen für Sachver halt e po lit ischer, inst it ut io neller,
sozio-ku lt ureller, g eo graphischer Art , d ie spezifisch sind fü r
best immt e Länder “ ( Ko ller 2004: 232). Ko ller führt dann „Über set -
zungsver fahren“ an, mit d enen der Über set zer die „nur vo r läufige n
Lücken“ schließen kann. Vo n d iesen Ver fahren sind fo lgende für
(offene) arabisch-d eut sche lit erar ische Überset zu ng en vo n I nt eresse
(vg l. Ko ller 200 4: 232 f.):
1. Über nahme des AS- Au sdruck s in die ZS (gg f. in An fü hru ng s-
zeichen) als Z it at wort (Fremdwort ) oder als Anpassu ng an d ie
pho net ischen Nor men der ZS (Lehnwort )
2. Lehnüberset zung (wö rt liche Über set zung)
3. Exp likat io n (Ko mment are, definit or ische Umschr eibung).

Beispielsweise findet man im Ro man Pa last d er Sehnsu cht Name n


von po lit ischen Part eien wie /0 ‫ار وا‬12‫„ ا‬d ie Liberalen u nd
Nat ionalen“ sowie den o ffiz iellen P erso nent it el in ! ‫اد‬4‫( ﺵ‬Machfu s
1957: 296) „Schaddad Bey“ ( Machfu s 1993: 466).

59
2.2.2 Der Übersetzer als Kulturmittler

Es set zt e sich immer wieder und st ärker der Aspekt durch, dass d er
Überset zer nicht nur Sprachzeichen mit ihr en for malen, seman-
t ischen und st ilist ischen Aspekt en über mitt elt , so ndern er so ll auc h
die Kult ur, die dahint er st eht , übert ragen. Er so ll wissen, wie
Sprachzeichen in der ko nkret en S it uat io n in den beiden Ku lt ure n
verwendet werden. So ist für St olze (1 992) das Spezifiku m der
Überset zeraufgabe eigent lich d ie Rezip ient eno r ient ieru ng. Die
Erwähnung von besond eren E mp fänger bedingu ngen verweist auf die
Überset zert ät igkeit als Ver mit t lu ng zwis chen zwei Kult uren. Ma n
bezeichnet es als Teil der Über set zungskompet enz, „d aß sich der
Über set zer se ine Kennt nisse h ins icht lich der eig enen und der je-
weils berü hrt en fr emden Kult ur bewuß t macht “ (St o lze 1992: 205).

Der Überset zer st eht also vo r der Aufgabe, g le ichzeit ig zwische n


Sprachen und zwischen Kult uren zu ver mit t eln – sie sind so mit
int erkult urelle Ko mmunik at o ren. So lässt sich Kult ur für die
Zwecke des Über set zers definier en als all das, was d ieser i m
Hinblick auf seine Au sgangsg esellschaft u nd au f sein e
Zielgesellschaft wissen u nd emp finden k ö nnen muss ( vg l. Gö hr in g
1998: 112 f.). I n einem erweit ert en Schr it t definieren neu er e
überset zungst heoret ische Über legu ngen Überset zen als ku lt urelle
Transfer hand lung u nd u nt erst reichen d ie Ro lle des Überset zers als
eines Ku lt ur mit t lers. Nach Ansicht mehrerer „kult ur-sensit iver “
Theor ieansät ze lässt sich Überset zung als So nder so rt e int erku l-
t ureller Ko mmunik at ion d efin ieren, d. h. als let zt liches Zie l
t ranslat or ischen Handelns wird d ie Überwindu ng vo n Ku lt ur-
barr ieren zu best immt em Zweck post u liert . Sprachbarr ieren lasse n
sich dann als Sonderso rt e von Ku lt ur barr ier en beschreiben ( vgl.
Wit t e 1998: 346).

Kom petenzen des Üb erset zers


Aus dieser ko nzept uellen Fassung vo m Überset zen als
Kult urt ransfer und vo m Überset zer a ls Kult ur mit t ler erg ibt sich für

60
die lit erar ische Überset zung zwischen dem Ar abischen u nd de m
Deut schen d ie Bedeut u ng spezie ller Ko mpet enzen des Überset zer s.
Für den Schwerpu nkt der vor liegenden Ar beit , nämlich d ie
Überset zungsanalyse u nd - bewert ung, ist dies ein sehr wicht ige s
Ko nzept , das d iesen Schwerpu nkt bee in flusst . Daher ist es relevant ,
auf die Bedeut ung des Überset zers als Ku lt ur mit t ler u nd i m
Fo lgenden auf so lche Ko mp et enzen einzugehen.

Scho n für Mo unin (196 7) reicht e es nicht au s, um eine Sprache g ut


zu überset zen,
„einfach d iese S prache zu ler nen. Man mu ss d ie Ku lt ur,
der sie angehö rt , st udieren, u nd d as n icht bloß zur Ergän-
zu ng, sonder n vo n Grund auf, u nd nicht durch gelegent -
liche Lekt üren, so nd er n syst emat isch. Au slandsau fent halt e
z. B. sind nicht eine freiw illige Be igabe im Gep äck des
gut en Über set zers, so nder n sie machen die Hälft e seines
Wissens aus“ (Mo u nin 1967: 108).

Die Zeichen der Sprache erset zen die Dinge, d ie sie bezeichnen,
nicht gänzlich, sonder n sie verweisen d arau f. Daher ist d ie g anze
Ar beit des Über set zers ger ade au f ihrer hö chst en Schwier ig-
keit sst ufe, dass er se inen Leser n eine Vorst ellu ng vo n de n
unzugänglichen Ding en zu geben ver sucht , vo n denen ein Text , der
sich au f eine o ft mals ganz oder t eilweise fremd e Ku lt ur bezieht , in
einer ander en Sprache hande lt (vg l. Mo unin 196 7: 109).

E inen S chr it t weit er ist Ammann (1990 b) gegang en, indem sie d ie
Bedeut ung d er Kult urko mp et enz des Überset zer s her vo rhebt u nd
ausfü hrt , dass der Über set zer über zwei Grundko mp et enze n
ver fügen muss, u m seiner Aufgabe gerecht zu werden:
1. Text ko mpet enz: Diese u mfasst „die Fähigkeit zur T ext rezept io n
und Text produkt io n so wo hl in der eig enen als au ch in d er
fremd en Kult ur “ ( Ammann 1990 b: 7 6). Text rezept io n bezieht
sich auf die Art und Weise d es Text verst ehens. Dieses
Text verst ändnis hängt vo n Lesegewo hnheit en (Gewo hnheit en i m
Umgang mit Text en) u nd Lesest rat eg ien ab. So wohl Lese-

61
gewohnheit en als auch - st rat eg ien sind ku lt urspezifisch. Der
Überset zer bildet hier k eine Ausnahme. Auch er ist von de n
seiner Kult ur anhaft end en Gewo hnheit en g eprägt , sollt e aber
plur ilingual und p lur ik ult urell sein ( vgl. Ammann 1990 b: 79).
2. Kult urko mp et enz: S ie kann verst anden werden a ls die Fähig keit ,
„vo n der e igenen Kult ur und S it u at io n abst rahier en zu kö nnen,
die fremde Kult ur in ihr er Beso nder heit und dem Verg le ich zu
der eigenen zu bet racht en u nd d ie dabei gemacht en Beo bach-
t ungen und Annahmen in einer best immt en (ko mmu nikat iven)
S it uat ion ziel- u nd ku lt urgerecht anzuwenden“ ( Amman n
1990b: 71).

In einer spät eren E nt wicklung und u nt er Her vorhebu ng spezifischer


Bezeichnungen ergibt sich d ie Fo rderung nach „biku lt ureller
Ko mpet enz“ des Überset zer s: Um funkt io nsgerecht e Ko mmunikat io n
zwischen M it glieder n unt erschiedlicher Ku lt urgemeinschaft en zu
er mög lichen, muss der Überset zer sich in seiner eig enen wie in de n
fremd en Ar beit sku lt uren au skennen. E ine „int u it ive Ku lt ur-
kennt nis“, wie sie z. B. ein bik u lt urell aufgewachsener nat ive
speaker besit zt , „ist hier be i n icht ausreichend. Pro fessio nelles
t ranslat or isches Handeln er fordert eine zu mindest pot ent iel l
bewusst e Kult urko mp et enz“ ( Wit t e 1998: 346).

Die Kult urko mpet enz des Überset zers hat also das Gesamt ver halt e n
seiner Ar beit sku lt uren zu u mfassen. Will er scho n fu nkt ionsg erecht e
int erkult urelle Ko mmun ikat io n er mö glic hen, so mu ss er die i m
Vo rwissen der I nt erakt eure bereit s vo r handenen o der sich in der
int erkult urellen S it uat io n u nt er Umst änd en herau sbild ende n
gegenseit igen „Bild er “ u nd der en mö g lichen E influss auf d e n
int erkult urellen Ko nt akt in seine m Handeln berücksicht igen. Da s
bedeut et , dass t ranslat o rische Kult urko mpet enz „nicht nur das
Wissen über die jewe iligen Ar beit sku lt uren für sich geno mme n
(‚Ko mp et enz- in- Kult uren‘), so nder n auch eine Ko mpet enz zwische n
diesen Kult uren“ u mfasst (vgl. Wit t e 1998: 346).

62
„Ko mpet enz-zwischen- Kult uren“ bed eut et , der Überset zer mu ss
einschät zen können, wie die ( Mit g lieder der) beid en Ku lt uren sic h
selbst im Ver hält nis zu der jeweils and eren Ku lt ur sehen, welches
Wissen sie über die andere Ku lt ur haben und wie sie g lauben, d as s
sie von der anderen Ku lt ur gesehen werden. Anders fo r mu liert , d ie
„Ko mpet enz-zwischen- Kult uren“ bezieht sich au f das Wissen des
Überset zers über S elbst -, Fr emd- und reflex ive Selbst bild er der
bet reffenden Ar beit skult uren im gegenseit igen Bezug au feinander
und au f die po t enziellen Au swirku ngen so lcher Bilder au f d ie
int erkult urelle S it uat ion. Erst eine so lche „Ko mpet enz- zwischen-
Kult uren“ befähigt den Über set zer, für die „int erku lt urelle
Ko nt akt sit uat ion“ das Ver halt en der Int erakt io nspart ner zu
ant izip ier en und gg f. zu ko mp ensieren o der/u nd zu ko rr ig ieren ( vg l.
Wit t e 1998: 347).

Absch ließ end geht Lö we (2002) au f diese Pro blemat ik der


Kult urko mpet enz näher ein und behande lt auch d ie wicht ige Ro lle
der Kult urko mpet enz in der Überset zung:

„Verst eht man Ku lt ur als d ie Gesamt heit der Ko nven-


t io nen u nd No r men, d ie das Ver halt en von Mit g lieder n
einer Gesellschaft rege lt , dann bedeut et Ku lt urko mpet enz
die Kennt nis u nd das Beherrschen dieser Konvent io nen
und Nor men. Ko mpet enz in der eig enen Ku lt ur […] ist in
der Regel vorhanden: I hre einzelnen E lement e bzw. ihr e
Gesamt heit werden gekannt und beher rscht , aller d ings
unbewußt . Bei der Ko nt akt aufnahme mit einer fremde n
Kult ur […] werden deren E lement e bzw. ihr e Gesamt heit
im Allgeme inen ebenso unbewuß t nach den Maß st äben der
eigenen Kult ur wahrgeno mmen u nd int erpret iert “ (Lö we
2002: 149).

Nicht ausreichend ist die unbewusst e Kult urko mpet enz jedoch für
Überset zer. S ie brauchen, u m t ranslat orisch t ät ig sein zu kö nnen,
die be wusste Ko mpet enz in der eig enen so wie in der fremde n
Kult ur, d ie nicht nur das Kennen, sond ern auch das Beherrsche n
ihrer E lement e beinha lt et . Auch eine bewusst e Ko mp et enz in der

63
eigenen und in der fremd en Ku lt u r wird erst dann zur
t ranslat or ischen Ku lt urko mpet enz, wenn, darau f au fbauend, d ie
bewusst e Ko mpet enz zwischen den beiden Ku lt uren vorhanden ist .
Der Überset zer, der zwischen Angehö r ig en ver schiedener Ku lt ure n
professio nell als Überset zer, als Do lmet scher, als Reg io nalexpert e
t ät ig sein will, muss also ü ber d iese doppelt e Kult urko mpet enz
ver fügen ( vgl. Löwe 2002: 150).

Zu den I nhalt en der fr emdkult ur ellen Kennt nisse gehö ren z. B. d ie


geographisch- demo graphischen Gru ndt atsachen, die I nst it ut io ne n
von St aat , Polit ik u nd Gesellschaft , vo n Verwalt u ng, Wirt schaft ,
Recht swesen, Bildungswesen und Fo rschung. E ine zent rale St elle
nehmen d ie Ber eiche Geschicht e, Geist esgeschicht e u nd Lit erat ur
sowie ein ige wicht ige Bereiche der bildenden u nd der darst ellende n
Kunst ein ( vgl. Lö we 20 02: 151). Beisp ielsweise findet man i m
Ro man Zuckergäßch en 4 60  7 ‫ع ا ﺹ‬/':‫ ا‬7‫( در‬Machfus 1958: 31)
„die Überzeugungskraft der Wafd-P art ei“ (Machfus 1994: 43).
Durch die gut e ku lt urelle Kennt nis d es Über set zers wird im ZT
verdeut licht , dass es sich u m eine Part ei handelt , was im AT nickt
explizit st eht .

2.3 Die literarische Übersetzung zwischen


Theorie und Praxis

In diesem Abschnit t wird au f d ie Pro ble mat ik d er lit erar ische n


Überset zung näher eingegangen. Es sind drei Haupt aspekt e, die d as
Fu ndament dieser Themat ik konst ru ieren, nämlich d as Pro dukt , die
Leseror ient ierung und die Leist ung des Überset zer s. Daher wird i m
Fo lgenden zunächst au f d as Wesen der lit erar ischen Über set zung
sowie die Problemat ik der T heo r ien für d ie lit erar ische Über set zung
eingegangen. Dann werden die Ro lle des Leser s u nd se in e
Beziehung zum Text so wie zu m Über set zer behand elt . Anschließ end

64
werden die Ro lle des Überset zers sowie seine St rat eg ien u nd se in
schöp fer isches Schaffen d iskut iert . Darau f fo lgend werd en
Probleme und Schwier igkeit en der lit er ar ischen Überset zung i m
Licht e der vorang ehenden Über legung en d iskut iert . Bei all diese n
Aspekt en werden auch Beisp ie le aus einer arabisch-deut sche n
lit erar ischen Überset zu ng angefü hrt .

2.3.1 Das Produkt „literarische Übersetzung“

Die lit erar ische Über set zung wird als ein beso nderes Genu s
angesehen. Es wird immer wied er die Frag e d iskut iert , o b d ie
lit erar ische Überset zung Geg enst and der Ling uist ik o der der
Lit erat urwissenschaft ist . Mit dem Vo rdringen lingu ist ischer
Met hoden in die Lit erat urwissenschaft hat diese St reit fr age ein e
neue Dimensio n gewo nnen. Mehr u nd mehr set zt sich d ie Ansicht
durch, dass das lit erar ische Werk – wie jeder Text – ein Ko mp le x
von Ze ichen ist . Diese Zeichen sind nur zu m Te il sprachlicher
Nat ur, wiewohl sie alle sprachlich konst it uiert sind ( vg l.
Diller/ Kornelius 1978: 113). H ier kö nnt e man aber zu e iner
Mit t elst ellung t end ier en, weil d ie lit erar ische Überset zung in er st er
Linie ein lingu ist ischer Pro zess ist , d essen Produkt – also der
Zielt ext – auch lit erar ische E igenschaft en au fweisen muss.

Dies geht au f einen wicht igen Aspekt zurück, und zwar d ie Fr ag e


der Über set zu ngsst rat eg ie. An dieser S t elle ist Mounins (1967)
Ansicht über „das alt e Pro blem der lit er ar ischen Über set zung “
hervorzuheben, weil d ieses meist ens immer no ch best eht : Für
welche Seit e mu ss sich der Über set zer ent scheiden, d ie
„linguist ische Treue o der die lit erar ische Schönheit “? ( vg l. Mo unin
1967: 118). Die Ant wort auf diese Fr age kann er leicht ert werden,
indem man sich für eine best immt e Überset zu ngsst rat egie für de n
jeweiligen vor liegenden T ext ent scheid et . Will ( bzw. muss) ma n
offen oder verdeckt überset zen? Will der Über set zer de m
Or iginalt ext linguist isch, inha lt lich u nd semant isch t reu ble iben,

65
dann wählt er d en o ffenen Überset zungst yp. Will er aber d iese n
Text verdeut schen u nd auf d ie lit erar ische Schö nheit dar in acht en,
so über set zt er verdeckt .

2.3.1.1 Besonderheiten der literari sch en Überset zung

Die Über set zung lit erar ischer Text e hat demzufo lge e ine beso nd er e
St ellung. S ie kann als eine beso ndere Text sort e, als eine eigen e
Gat t ung der Lit erat ur bet racht et werden. Lit er ar ische Text e habe n
keine o bjekt ive allgeme ingü lt ig e einzige Deut ung u nd deshalb
wert et der Leser ihren Gehalt ganz and eres als d ie sachspezifische n
Text sort en. Es mag ebenso vie le verschiedene E indrü cke auf d ie
Leser wie die Anzah l d er Leser geben. Daher g ilt d ie lit er ar isch e
Überset zung als eine lit erar ische Auseinand erset zung mit d e m
Or iginalwerk, wobei es sich gle ichzeit ig u m Wissenschaft u nd
Kunst handelt .

In diesem Zusammenhang werden für Sto lze (1992) lit erar ische
Text e in einer Weise der Sub jekt iv it ät realis iert . Mit „S u bjekt iv it ät “
wird geme int , d ass der jeweilig e Aut o r se ine su b jekt ive, fr eilic h
kult ursp ezifisch geprägt e Welt ansicht mit t eilt , die bei der Über set -
zung zu berücksicht igen ist , da so nst ja g enau jene sprachlichen u nd
kult urellen E igenheit en ver loren g ingen, d ie den jeweiligen Aut o r
ausmachen ( vgl. St o lze 1992: 219). Lit er ar ische Text e sind ko mp-
lexer als nicht - lit erar ische, weil d ie Funkt io nen ihrer Teilst ruk-
t uren, vo n den phonet isch/p ho no log ischen bis zu den semant isch-
synt akt ischen, vo n der äst het ischen Fu nkt io n über lagert und
domin iert werden. Mit ihr er äst het ischen Fu nkt io n aber sind
lit erar ische Über set zungen nicht nur in das sprachliche u nd
kult urelle S yst em im Allgemeinen, sondern auch in das S yst em der
jeweiligen Lit er at ur im Beso nderen eing ebu nd en. Dies g ilt be i
überset zt er Lit erat ur konsequ ent erweise sowo hl für Ausg ang s- als
auch für Zielt ext e. Wenn lit erar isches Überset zen in e in
Translat io nsmodell int egr iert werden so ll, mu ss es geling en, d ie

66
Bezüge zu den lit erar ischen und ku lt urellen S yst emen mit eine m
adäqu at en Fu nkt io ns modell zu er fassen ( vgl. Prunč 20 01: 206). Hier
acht et Prunč aber nicht auf d ie Beso nd er heit der lit erar ische n
Überset zung, dass d iese au ch einfach nur Zug ang zu der
Or iginallit er at ur und -kult ur er mö glichen kann, d. h. sie mu ss nicht
in das S yst em der Z iellit er at ur eing ebu nden sein, so nder n eher d ie
Ausg angslit erat ur und -ku lt ur präsent ieren.

In d er deut schen Über set zu ng d er äg ypt ischen Erzählu ng Di e


Öllampe der Umm Haschim beispielswe ise findet man d iesen Aspekt
ganz deut lich. Gleich zu Anfang der Erzählu ng sind z. B. ein
Spruch, der in der arabischen Welt relig iös und ku lt urell ver ankert
ist , nämlich ‫  ت‬/  ‫ل‬2‫„ ا‬über d ie Tat en ent scheiden die gut en o der
schlecht en Absicht en“ (Hak k i 19 81: 6/7) und eine Aussag e, d ie vo r
alle m Angehör ige d es äg ypt ischen myst ischen Milieus verst ehen:
‫ ه‬1 6‫ ر آب " ا (? " و‬6 ‫ة‬2‫ا ﺵ? ا‬#‫„ وه‬So lebt e unsere Familie i m
Schat t en der Sayyid a und u nt er ihrem S chut z“ (Hakki 1981: 8/9).
Hier wurde im ZT exp lizit verdeut licht , dass es sich um „Sayyid a “
handelt , obwo hl im AT eine Bezeic hnu ng (wört lich „Frau “)
verwendet wurde, die aber in d iesem Kont ext nur au f „Sayyid a “
zurückzu fü hren ist .

Levý (1969) geht in der Frage nach dem Wesen d er lit erar ische n
Überset zung einen S chr it t weit er u nd bet racht et sie als eig ene
„Kunst gatt ung“. I n allen lit erar ischen Spr achku nst werken, seien sie
in Prosa oder in Ver sen geschr ieben, wirken drei E lement e
zusa mmen: I nhalt , Fo r m und Klang. Als gut er lit erar ischer Über-
set zer gilt der jenige, der d ie Fähigk eit u nd die I nsp ir at io n hat , die
genannt en E lement e im Or ig ina l zu erkennen, einzu schät zen und ei n
Maximum ihres Gesamt wert es in der Zielsprache wiederzug ebe n
(vg l. Levý 1969: 65). Die lit erar ische Überset zu ng ist nach ih m i m
Übergangsbereich zwischen der r eproduzierend en u nd der schöp-
fer ischen Kunst ang esiedelt . Die Überset zung als Werk ist ein e
künst ler ische Reprodukt io n, das Über set zen als Vo rgang ist ein
kreat iv-künst ler ischer Schaffensprozess. Das Überset zen ist a m

67
ehest en mit der „Schausp ielku nst “ zu vergle ichen, d ie einer
Werkvor lage durch Kreat iv it ät ko nkret e künst ler ische Gest alt
ver leihe. Levý ist sich bewusst , dass er mit der Defin it io n des
lit erar ischen Überset zens als reprodukt ive und kreat ive Ku nst eine
nor mat ive Fest st ellung t r ifft . Wenn man dem zu st immt , sind d ie
Qualit ät skr it er ien vo n zwei No r men abzuleit en: d er Repro duk-
t ionsnor m, also der Nor m d er Werk t reue und des r icht ige n
Verst ehens, u nd der No r m der k ünst ler ischen Gest alt u ng, also der
Schö nheit . Die scheinbaren Wider sprüche, die s ich aus d iese n
beiden Nor men ergeben, sind nicht selt en der Gru nd für Fehlurt eile
über überset zer ische Le ist u ngen ( vg l. Levý 1969: 66 ff.).

In Bezug auf einen st ilist isch anspruchsvo llen lit erar ischen Text ,
der aus dem Arabischen ins Deut sche zu überset zen ist , kann ma n
Levýs Ans icht best ät ig en u nd auch ergänzen. Denn u m sein e
Aufgabe er fü llen zu kö nnen, so ll der gut e lit erar ische Über set zer
dazu fähig sein, d ie eig ene Sprache, die fr emde Ku lt ur und d ie
fremd en lit erar ischen T echniken g ut zu kennen, sodass er eine n
neuen Text kü nst ler isch pro duzier en kann, der dem ZS- Leser
dasselbe Verg nügen u nd d ieselbe Verst änd lichk eit wie ein
Or iginalwerk biet et . Die Überset zung so ll zug le ich schö n sein u nd
dem Leser das Gefü hl der E ig enheit (als o b sie ursprüng lich in einer
fremd en Sprache und Kult ur ent st anden wäre) oder der Ent fr emdung
(um d ie fr emde At mo sp häre genießen zu lassen) ver mit t eln. Denn es
handelt sich beim lit erar ischen Überset zen nicht um ein e
mechanische Bewahr u ng der Fo r m, so nd ern u m deren semant ische
und äst het ische Wert e für den Leser. Und bei d em nat io nal und
zeit lich Spezifischen im AT geht es nicht darum, alle E inzelheit e n
zu bewahren, in d enen das hist o r ische Milieu der E nt st ehu ngszeit
zur Gelt ung ko mmt , so nd er n es so ll im Leser der E indruck eine s
best immt en hist o rischen Milieus erweckt werden, indem das
Exot ische her vorgeho ben wird.

Aus so lchen Gründen ist auch die lit erar ische Überset zung für Kad e
(1968 b) nicht nur aus d er lingu ist ischen S icht anzusehen: die

68
Fo r mko mpo nent e hat für lit erar ische Text e meist ens nicht nu r
kommunikat iven Wert , sonder n ist Mit t el d er kü nst ler ische n
Gest alt ung des Text es. So meint Kade, dass die d ie Qualit ät der
lit erar ischen Überset zung dadurch best immt wird, in welchem Maß e
es gelingt , d ie Dar st ellu ng des I nhalt s mit den Mit t eln der ZS
künst ler isch zu gest alt en. Be i der Gest alt ung d es ZT in der Sprache
der Über set zung aber ko mmt man ohne kü nst ler ische Begabu ng
nicht aus. Der Überset zer mu ss d ie Fähigkeit haben, „schö p fer isc h
int uit iv das Wort mat er ial zur hand haben“ (Kade 1968 b: 47).

In d iesem Zusammenhang meint Ko ller (2004): „E iner st reng


wissenschaft lichen lingu ist isch o r ient iert en Über set zu ngst heo r ie
zugänglich sind nach Kade demnach nur prag mat ische Text e, für d ie
die Äquivalenzbeziehungen zwischen AS und ZS o bjekt ivier bar
sind“, weil sie aus den durch die S yst eme der jeweiligen Sprache n
gegebenen „Fakt en“ resu lt ieren. Es wird so mit u nt erschied e n
zwischen dem lit er ar ischen Über set zen („kü nst ler ische Pro sa und
Dicht ungen aller Art “) u nd dem p rag mat ischen Überset ze n
(„Sachpro sa aller Art “, wissenschaft lich-t echnische, jur ist ische,
polit ische, ko mmerzie lle u sw. Text e) (vg l. Ko ller 2004: 152).
Gegen diese Ansicht ist aber einzuwenden, d ass Äq uivalenz-
beziehungen sich sowo hl in der o ffenen als auch der verdeckt en
Überset zung lit erar ischer Text e realis ier en lassen, wenn auch d ie
Grade auf d en for malen, semant ischen, st ilist ischen und prag ma-
t ischen E benen unt erschied lich sind. S elbst bei der Über set zu ng
eines lit erar ischen Text es au s einer ganz unt erschiedlichen Lit erat ur
und Kult ur (wie der arab ischen) kann man durch geeig net e
lit erar isch-äst het ische Mit t el eine verset zt e Funkt io nsäqu ivalen z
erreichen, wie durch d ie prakt ische Analyse in d er vo r liegende n
Ar beit fest gest ellt werd en kann.

E ine Besonder heit d er lit erar ischen Überset zung liegt auch in
best immt en Fakt o ren des jeweilig en Text es. Der Transfer eines
lit erar ischen Kunst werks in einen anderen Sprach- und
Kult urzusammenhang durch das Mit t el der Über set zu ng k ann zu

69
Ent fremdu ngen und int erpret ato rischen Divergenzen führen. I n
erst er Linie verant wo rt lich für d iese Divergenzen sind beso nd ere
Text element e wie Met apher n und Zit at e. Wenn man d iese
Text element e darau fhin u nt ersucht , was sie unt ereinander ver bind et ,
dann ist es vor allem e ine ge meinsame Qualit ät . Diese Qualit ät
nennt man I mplizit ät . Imp liz it ät bed eut et , dass den genannt en
Text element en ein kult ursp ezifischer Mehrwert innewo hnt , der nicht
explizit gemacht zu werden braucht , so ndern unausgespro chen seine
Bedeut ung ent falt et . Es handelt sich u m E lement e einer virt uelle n
Ko mmunikat io n zwischen de m Aut or und seinen Leser n, die freilic h
nur dann funkt io niert , wenn beid e d em g leichen zeit räu mliche n
Kult urzusammenhang angehören. I m Falle der lit er ar ischen Überset -
zung wird die impliz it e Ko mmu n ikat io n durch eine int erku lt urelle
Dimens io n mod ifiz iert . Es geht dann in der Tat nicht nur u m
sprach liche Ver schiebungen, so nd er n auch u m u nt ersch ied lich e
Deut ungswelt en ( vg l. Schilly 200 4).

Wenn man diese T hese er nst nimmt , dann ergibt sich darau s ein e
Ko nsequenz, die die Ku nst des Überset zens bet r ifft : Für eine n
Überset zer, der nicht nur wort getreu sein will, so nd er n auch als
Kult ur mit t ler fungieren w ill, ist eins u ner lässlich: Das zu
überset zende Werk ist au f der Basis ausg angsk ult ureller Kennt niss e
zu er schließ en. Dabei so llt e ergründet werden, o b d em jeweilig e n
Text eine imp liz it e Bedeut u ngsebene zugeordnet ist , und der
Überset zer mu ss ver suchen, d iese I mpliz it ät in den Überset -
zungst ext aufzu nehmen. Nat ür lich dar f hier bei nicht ü ber sehe n
werden, dass dem Überset zer Grenzen g eset zt sind. „Denn er st ens
gibt die Zielsprache u nd -ku lt ur limit iert e Mö g lichkeit en des
Ausdru cks vor. Und zweit ens ist es vo n einem lit erat uräst het ische n
Aspekt her fraglich, o b bzw. inwiewe it eine imp liz it e Aussageebene
an die Text o ber fläche gebr acht werden dar f“ (Schilly 200 4).

Als gut es Beispiel für d iese Perspekt ive find et man in der Erzählu ng
Die Öllampe der Umm Ha schi m wieder eine Aussag e, die implizit e
kult ur- u nd zeit bedingt e Bedeut ungen beinhalt et , die ein E ingreife n

70
des Über set zers dur ch Er läut eru ngen er forder n, um den
met aphor ischen Aspekt zu erk lären: 4A , 6 ،! ‫ إ‬71 6 ‫دك‬% ‫إن‬
‫ ن‬D ‫„ ا‬I hr Land braucht S ie, denn es ist ein Land, in d em es viele
Blinde gibt “ (Hakk i 1981 : 46/47). Wö rt lich heißt es im AT „… ist
ein Land der Blinden“, aber bei der Über set zung wurde d ie
Met ap her abg eschwächt , um d as Bild deut licher zu ü ber mit t eln.

Nu n st ehen Text e und ihr ku lt ureller Ko nt ext grundsät zlich in eine m


Referenz-Ver hä lt nis zueinander. Lit erar ische Text e unt erscheid e n
sich jedoch im Gr ad der kommunikat iven Bezü glichk eit au f ihr e
Produkt ionskult ur. Das heiß t , dass d ie kult urelle Au fge ladenheit
von Text en nicht immer g leich st ark ist . So gibt es Text e, d ie sic h
eher auf sich se lbst beziehen, u nd es g ibt Text e, d ie st ärker eine s
kult urellen Ko nt ext es bedür fen, u m auf sp ezifische Weise wir ken zu
können. Dies ist in beso nderem Maß e dann d er Fall, wenn ein Aut o r
eine gesellschaft skr it ische I nt ent io n u mset zen mö cht e, die er n icht
offen äußer n kann. I n int erkult ureller P erspekt ive erg ibt sich darau s
nun aber eine grundsät zliche Verst ehenspro blemat ik, „denn was a n
kommunikat iven Text st rat egien von e in em Aut o r auf d ie e igene
Kult ur abgest immt ist , kann in einem and eren ku lt urelle n
Bedeut ungszu sammenhang eine ganz and ere Wirk ung er zielen “
(Schilly 2004). Der Über set zer muss in so lchen Fällen d ie
jeweiligen Kont ext e näher er läut ern. Wenn in eine m arabische n
Text z. B. isla misch relig iö se Hand lu ng en ind ir ekt kr it isiert werden,
dann muss der Überset zer d ie Hint ergründ e dafür nennen und
erklären, d amit der ZT bzw. der jeweilige ZT- Kont ext auch ähnlich e
Wirku ng auf seinen Leser haben k ann.

Absch ließ end ist zu den Besonder heit der lit er ar ischen Überset zung
zu sagen, dass der ZT no t wend igerweise vo m AT abweicht , u nd
zwar au fgrund der verschiedenen S prachsyst eme, der verschiedene n
Lit erat uren mit den ihnen jeweils eigenen Trad it io nen, der
unt erschied lichen Ku lt uren mit ihren geist ig en u nd mat er ielle n
Ausprägungen, der hist o r isch und ind iv iduell ver schiedene n
Vo rst ellungen vo m L it erat urüberset zen u nd n icht zu let zt des

71
hist or isch und ind iv iduell ver schiedenen Ver st änd nisses de s
jeweiligen Werkes. Die ver schiedenen arabischen u nd deut sche n
Sprachs yst eme z. B. führen o ft zu sema nt ischen u nd st ilist ische n
Abweichungen in der Über set zung. Beso nders wicht ig erscheint d ie
Tat sache, dass die lit erar ische Überset zung nicht mit I nt erpret at io n
gleichzuset zen ist ( vgl. Frank 1987: XV). Denn es würd e sich in
diesem Fall nicht mehr um einen Überset zungspro zess hand eln,
sonder n eher u m Bear beit u ng d es AT in einer anderen Sprache.

2.3.1.2 Zu r Th eo ri e der litera rischen Üb erset zung

Benö t igt die lit erar ische Über set zung eine Theo r ie? Dies ist ein e
sehr bedeut ende Frage. E igent lich wür de d ie lit erar ische Über-
set zung mehr als eine Theor ie brauch en, u m den Äqu ivalenz-
forderungen nachzuko mmen. So lchen Theo r ien liegen Über set -
zungsst rat eg ien zugrund e. Die Best immung d ieser St rat eg ien u nd
der Text funkt io n kann T heor ien fest st elle n, d ie d ie Vo rgehenswe ise
des Überset zu ngspro zesses u nd d ie Realis ierung der Äqu ivalenz-
forderungen beschr eiben. Am Be ispie l arabisch-deut scher lit era-
r ischer Überset zu ngen kann man fest st ellen, dass eine T heo r ie vo n
großer Bedeut ung für d ie Rezept io n des ZT ist . Dadurch k ann ma n
nämlich fest leg en, wieweit I nhalt , Semant ik und St il d es AT
übert ragen werden.

In diesem Zusammenhang hebt St olze (20 01) d ie Bedeut u ng für die


Theor ie und au ch d ie Praxis her vor, zu einer allge meingült ige n
Theor ie der lit erar ischen Überset zung zu gelangen. Anst att
Erkennt nisse best ehend er lit erar ischer Theo r ien auf Überset zu ng e n
anzuwenden, wird der Bet racht ungswinkel u mg edreht : zu nächst
so llen Über set zu ngen, ein fach so wie sie sind, analys iert werden,
um darau s t heoret ische Rück sch lüsse im Bereich vo n Lit erat ur und
Lingu ist ik ziehen zu kö nnen. Damit ist dieser Ansat z rein deskr ipt iv
ausger icht et (vgl. St o lze 2001: 150).

72
Anhand vo n Fallst ud ien so llen der Überset zungspro zess u nd d ie
Wirku ng der Über set zu ng als T ext in einer E mp fängerku lt u r
unt ersucht werden. Die Über set zu ng wird als ein „pro duziert es“ wie
auch als ein „produzierend es“ Objekt gesehen. H ier zit iert Sto lze
Toury (1989), der den Begr iff der „lit er ar ischen Überset zung “
diskut iert und zwischen der Übert ragu ng vo n Text en, d ie in d er
Ausg angskult ur zu m Lit er at urkano n gehö ren, und Über set zungen,
die in der Zielkult ur als lit erar isch ak zept iert werden ( so llen) ,
unt erscheid et :

“( i) t he t ranslat io n o f t ext s wh ich are regarded as


‘lit er ar y’ in t he sou rce cu lt ure; […] o ne which aims at t he
ret ent ion o f t he ‘web o f r elat io nship s’ exhib it ed by t he
source t ext ;
( ii) t he t ranslat io n o f [any] t ext such as t he pro duct be
accept ed as ‘lit erar y’ by t he recipien t cu lt ure ( sic)”
(Toury 1989: 103 ; zit . in St o lze 2001: 150).

E inen weit eren Schr it t geht Her mans (19 85), der den Prozessaspekt
und die Bedeut ung einer T heor ie für d ie lit erar ische Überset zung
hervor hebt u nd eine eigene Grundo r ient ierung fo lgender maß en
kennzeichnet :

“Lingu ist ics has undo u bt ed ly benefit ed our under st and ing
of t ranslat io n as far as t he t reat ment of u nmarked,
non- lit erar y t ext s is co ncer ned. But as it pro ved t oo
rest r ict ed in sco pe to be o f mu ch use to lit erar y st ud ies
generally […] and u nable t o deal wit h t he man ifo ld
co mplexit ies o f lit erar y wo rks, it beco mes obvio us t hat it
co uld not serve as a pro per basis fo r t he st ud y o f lit erar y
t ranslat io n eit her.
What t hey have in co mmo n is, br iefly, a view o f lit erat ure
as a co mp lex and dynamic syst em; a co nvent io n t hat t here
should be a co nt inu al int erp lay bet ween t heoret ica l
models and pract ical case st ud ies; an app roach t o lit erar y
t ranslat io n wh ich is descr ipt ive, t arget /o rient ed, fu nc-
t io nal and syst emat ic; and an int er est in t he no r ms and
co nst raint s t hat go ver n t he product ion and recept io n o f
t ranslat io n, and in t he p lace and ro le o f t rans lat ion bot h

73
wit hin a given lit erat ure and in t he int eract ion bet ween
lit erat ure” (Her mans 1985: 10 f.).

Damit ö ffnet sich der Blick au f Auswirku ng en, d ie von lit erar ische n
Überset zungen in ihrer Zielkult ur verursacht werden, und u mgek ehrt
können in d iachro nischer Per spekt ive Überset zu ng st rad it io nen u nd
-no r men analys iert werden ( vgl. St o lze 2001: 151).

Um zu e iner möglichen Theo r ie der lit erar ischen Über set zu ng zu


gelangen, muss man also die Text e auf eine beso nd ere Weis e
analys ieren. Lit erar ische Text e zeichn en sich eig ent lich durc h
besondere E igenschaft en aus, deren Vorkommen u nd Wirku ng auc h
in Überset zungen analys iert werden k ann, wobei es nicht u m
st at ische Bewert ung der „Äqu iva lenz“, sonder n u m Beschreibu ng
von dyna mischen Überset zungslö sungen geht . Lit erar ische Text e
sind so mit durch beso nder e Qualit ät en „mark iert “. Bei der Frag e
nach den for malen Beso nder heit en, d ie „Lit erar izit ät “ aus machen,
wird u. a. auf Levý (1969) verwiesen. Er iso liert und bet racht et
best immt e Ober flächenst rukt uren an Text en, d ie diese als
„lit erar isch“ im Geg ensat z zu gewö hnlichen Text en auszeichnen,
wie et wa Aspekt e vo n Rhyt hmu s, Kla ng, kreat ive Fo r men u nd
No rmabweichung ( vg l. St o lze 2 001: 152). Das st immt in mancher
Hinsicht aber nicht . Wenn man durch die Analyse vo n lit erar ische n
Überset zungen zu T heor ien ko mmen mö cht e, dann würde man zu
zahlreichen T heor ien g elangen. Jeder lit erar ische Text st ellt ein e
eigene Welt dar. Die Analyse und d ie dadurch fest gest ellt e Theo r ie
sind su bjekt iv und kö nnen mehrer e Var iant en durch ver schiedene
Versu che au fweisen.

Wie her vorgeho ben wurde, kann d ie Überset zung smet ho de ein e
Theor ie best immen. I n dieser Hinsicht bet racht et auch Kloep fer
(1967) d ie Bedeut ung einer T heor ie der lit erar ischen Über set zung
aus eine m pr akt ischen Winkel. Für ihn beschr änkt sich d ie Theo r ie
let zt lich au f die Diskussio n der Überset zu ngs met hode, d ie ein
adäqu at es Wiedergeben des sprach lichen Kunst werks in einer

74
fremd en Sprache er lau bt u nd ein mög lichst genau es Ver st ehen d es
Fremden gewähr le ist et . Zent ral für die lit er ar ische Überset -
zungst heo r ie ist nach Klo epfer d ie Au seinander set zu ng mit
Sch leier macher s Ant it hese vo n „Ver fremden“ und „Verdeut schen“.
Er versucht nämlich, eine „Mit t ellin ie“ zu finden:

„Zu dieser sich ö ffnend en Grenze oder Mit t ellinie hin, in


dieses ‚Niemandsland ‘ muß sich der Überset zer wagen.
Seine Sprachwelt dar f nicht irgendwie gegeben o der
beliebig ent wickelt sein, so nd er n muß im Ringen mit der
Sprachwelt des Or ig ina ls u nd nach deren Maßgabe i m
deut schen Wort laut neu err icht et werden, g leichsam ‚ein
Gr iechisch‘ im Bere ich der deut schen Zunge“ ( Klo epfer
1967: 75 ; zit . in Ko ller 2004: 293).

Ähnlich ist der Bet racht u ngswinke l be i Popo vič (1977), anhand
dessen Über legungen eine T heor ie der lit erar ischen Über set zu ng au f
Unt ersuchungen auf ver schiedenen Gebie t en bas iert und wie fo lgt
charakt er isiert werden kann:
1. Die T heor ie der lit erar ischen Überset zung ist eine int erd is-
zip linäre.
2. S ie ver fügt über einen spezifischen Fo rschungsgegenst and so wie
über spezifische Erkennt nis int eressen u nd Forschung smet hoden.
3. Sie st ellt ein Bindeg lied zwischen der Analyse lit erar ischer
Prozesse und der Unt ersu chung ihr er so zialen Funkt io n dar ( vg l.
Popovič 1977: 93).

Die Über set zu ngst heor ie st ellt , was ihre Beziehungen zur
verg leichend en Lit erat urwissenschaft ( Komparat ist ik) bet r ifft , ein e
relat iv unabhängige Wissenschaft dar. Der Bezug zur Ko mp arat ist ik
ist einer der grundlegenden Aspekt e der Theo r ie d er lit erar ische n
Überset zung und erhellt , zusammen mit der vergleichende n
Lingu ist ik und St at ist ik, best immt e Bereiche der Beziehu nge n
zwischen Or ig inal und Überset zung ( vgl. Po povič 1977: 93 f.).

75
Die Über set zu ngst heo r ie k ann also syst emat isch definiert werden:
1. in ihr en Beziehung en zur verg leichenden Ling uist ik u nd St at ist ik,
zur Theor ie des Lit erat urverg leichs und zur Lit erat ur-
wissenschaft ;
2. in ihren Beziehung en zur Geschicht e der Über set zu ng ( ihrer
Theor ie und Praxis), zur Lit erat urgeschicht e, zu Überset zu ngs-
und Lit erat urkr it ik, zur Praxis der Überset zung u nd zur
Kult urpo lit ik ( vgl. Po po vič 197 7: 94).

Die Theor ie der lit erar ischen Über set zung so llt e sich auf d ie
Ent wicklung einer Ko nzept io n ko nzent r ieren, die e ine angemessen e
Beurt eilung der st ilist ischen Ver fahrensweisen bei der lit erar ischen
Überset zung gewähr leist et (vg l. Po po vič 1977: 98). S ie kann auc h
keine abso lut en Regeln für d ie Wied ergabe d er St ilmerk ma le des
Or iginals durch den Überset zer for mu lieren, da die Über set zung
ebenso wie die Ver fassung des Or iginals einen einzig art ige n
kommunikat iven Akt darst ellt ( vg l. Popo vič 197 7: 104).

So best ät ig en die Über legungen vo n Klo epfer und Po po vič d as


wieder, was oben her vo rgehoben wurde, dass d ie Über set -
zungst heo r ie von d en Überset zu ng sst rat egien st ark abhängt .
Absch ließ end k ann man sagen, d ass die lit erar ische Über set zu ng
eher von St rat egie als vo n Theor ie do miniert wird. Für d ie
lit erar ische Über set zu ng kann n icht nur eine einz ige allgeme in-
gült ige T heo r ie gelt en. Jeder Überset zer kann je nach dem
vor liegenden Text und seiner St rat egie eine Theor ie fest st ellen und
anwenden. Die arabisch-deut sche lit er ar ische Überset zung z. B.
braucht (eine) prakt ische St rat egie( n), die d ie kult urelle Dist an z
und d ie Sprachver schiedenheit en in er st er Linie beacht et . E ine
mögliche T heo r ie d er arabisch-d eut schen lit erar ischen Über set zu ng
kann vo r alle m besag en, dass d er Über set zer d ie E ig ent ü mlichkeit
der kult urellen, r elig iö sen, sprachlich- st ilist ischen Best ände u nd
Ko nst rukt io nen des Ausgangst ext es t reu und er läut ernd ü ber mit t eln
so ll, ohne d er ZS zu „schaden“. I n d er Erzählu ng Die Öllampe d er
Umm Haschim findet man beisp ielswe ise d ie geko nnt e Übert ragung

76
der Aussage einer St raß enbet t ler in EFG‫ ﻡ ی‬/‫ ر‬،A(‫ ی ﻡ‬H 0 ‫( ا‬# . A ‫ی‬
! 7 ‫„ ! و‬O Gläubiger, der du den ar men Weiber n Kle idung g ibst ,
Got t beschüt ze deine Weiber !“ (Hakk i 1981: 18/19) so wie d ie
Au ssage AJ‫ ا‬H ‫ ی و‬،H.0‫ش ﺥ‬% M „Hör auf, nimm Ver nunft an,
Frau!“ (Hakki 1981: 70/71). Bei d en beiden Aussagen hand elt es
sich um umgangssprachliche u nd kult urell verankert e Sprüche, d ie
der Über set zer in den Ko nt ext des ZT st rukt urell und semant isch e
auf eine passende Weise eing ebet t et und no ch dazu im Anhang der
Überset zung genügend erk lärt hat .

2.3.2 Die Leserorientierung

Der Beit rag der Überset zu ng zur int erku lt urellen Ber eicherung des
lit erar ischen Lebens lässt sich qualit at iv wie qu ant it at iv kau m
überschät zen. Die Überset zung als kreat ives und künst ler isches
Produkt t rit t auch in eine ko mp liz iert e Beziehu ng zur rezipierend e n
Nat ionallit erat ur ein. S ie kann sich in d ie Nat ionallit erat ur ein füge n
und sie st üt zen, sie k ann aber auch mit ihr ko nk urr ieren. Die
Met hoden des Über set zens ergeben sich dabei „aus d en ku lt urelle n
Bedür fnissen der Zeit , und zwar so wohl im Gesamt ver hält nis zu r
fremden Welt und ihrer I nt erpret at ion als auch in Bezug au f d ie
t echnischen E inzelhe it en der Überset zung “ ( Levý 1969: 76).

Was den Prozess des Über set zens selbs t angeht , ist d ieser no ch
nicht abgeschlo ssen, wenn d er ZT geschaffen ist . Der ZT so llt e auc h
nicht das E ndzie l d er Überset zerar beit sein. Auch d ie Über set zu ng
wird in der Gese llschaft erst dann wirksam, wenn sie gelesen wird.
Wieder ko mmt es dann zu einer subjekt iven Umset zung des
objekt iven Mat er ia ls: der Leser g eht an die Über set zu ng heran, und
es ent st eht d ie dr it t e Ko nzept io n des Wer ks. Die erst e St u fe war d ie
Au ffassu ng des Aut ors vo n der Wirklichk eit , d ie zweit e ist d ie Au f-
fassung d es Überset zers vo m Or ig ina l u nd d ie dr it t e die Auffassu ng
des Leser s vo n der Über set zu ng. Wie für den Über set zer nicht der
Text des Or igina ls der Au sgangsp u nkt sein so ll, so nd er n d ie

77
Mit t eilung, d ie in ih m ent halt en ist , so so llt e sein Zie l nicht der
Text sein, sonder n eben der I nhalt , den dieser Text dem Leser
mit t eilt . Dies bedeut et , dass der Überset zer mit dem Leser, für de n
er überset zt , rechnen mu ss. So wird man zu m Beisp ie l bei einer für
Kinder best immt en Über set zu ng mehr au f eine leicht ver st änd liche
Sprache acht en als bei Übert ragungen für anspruchsvo lle Leser, wo
es mehr auf die Bewahrung aller Fein heit en des Or ig inals anko mmt
(vg l. Levý 1969: 40).

Für die bevorst ehende Analyse bedeut et dies ebenso , dass der Leser
des ZT auch eine bedeut ende Ro lle im Kreis des Überset -
zungspro zesses spielt . Der Über set zer rechnet mit diesem Leser,
seinen kult urellen Hint ergrü nden und seiner Rezept io n der
Überset zung. Da die ur sprü ngliche Mit t eilu ng vo m Aut o r des AT
st ammt , ist hier also eine ind ir ekt e Beziehu ng zwischen d iese m
Aut or und dem Leser des ZT zu sehen. Die Aufgabe des Überset zer s
ist dabei nat ür lich vo n zent raler Bedeu t ung. Er ist jedo ch kein
zweit er Aut or, sonder n ein ‚Über ‘set zer, der die Tür – und nicht
irgendeine Tür – zwischen d iesem Leser und d iesem Aut o r „öffnet “
bzw. „o ffen hält “.

Bei der Überset zung zwischen dem Deut schen und d em Arabische n
handelt es sich u m die Wiederg abe zwischen zwei sich gru nd leg end
unt erscheid enden Sprach- u nd Ku lt urgemeinschaft en. I n so lche n
Fällen ist zu erwart en, dass d ie Wissensbest ände zw ischen d en
Ausg angsleser n und den Zie lleser n weit auseinand erk laffen. Der
ZT-Leser st eht in einem best immt en f rame u nd hat best immt e
Erwart ungen an den ZT. Je u nt erschied licher Wissensbest ände sind ,
dest o mehr st ehen sich Sprachen u nd Ku lt uren u nvereinbar
gegenüber ( vgl. Naim 1994: 7). Wilss (1977) bemer kt , dass der
Überset zer in so lchen Fällen versuchen soll, dem Leser des ZT d as
Text verst ändnis zu er leicht er n ( vgl. Wilss 1977: 163).

So so ll d er Überset zer d ie Au fg abe des Int erpret en über nehmen.


Seine Aufgabe ist es, die Lücken in Bezug au f die Wissensbest änd e

78
seiner fikt iven Leser zu ü ber brücken, welches ih n „ja selbst zu m
Schr ift st eller “ macht (Naim 1994: 7 ). Naim beschreibt de n
Überset zer daher als „Kämp fer zwischen den zwei Kult ur fro nt en “
(Naim 1994: 7). Währ end das Verst änd nis des zu ü berset zende n
lit erar ischen Werks d ie Vert raut heit des Überset zer s mit der
Sprache und Kult ur seines Herkunft sland es vo rausset zt , so ll bei d er
Wiedergabe d ie Zielsprache und -ku lt ur berück sicht igt werden.
Stolze (1992) ist der Meinu ng, dass d ie Rede vo n beso ndere n
E mpfänger bed ingungen „au f d ie Über set zert ät igkeit als Ver mit t lu ng
zwischen zwei Ku lt uren“ verweist (Sto lze 1992: 205). Zu d ies e m
Punkt sagt auch St einbach (1992), dass sich jeder Überset zer
zwischen zwei Or ient ieru ngsgrö ßen befindet , „dem Zie lt ext
aufgrund der E mp fänger bezo genheit und dem Au sgangst ext als
Handlu ngsfund ament “ (St einbach 1992: 101).

Die P flicht eines Über set zers, auf vorau sgeset zt e Wissensbest änd e
von fikt iven Zie lleser n zu acht en, macht die Figur des Ziellesers zu
einem „Le it st er n des Überset zer s“ ( Liedke 1997: 19). S ich Mit t eln
der Zielsprache zu bed ienen, um eine Wissenslücke zu füllen, hängt
in Anlehnu ng an Liedt ke „mit den Hypot hesen zusammen, d ie der
Überset zer darüber bild et , was er an Verst ehensle ist ungen seit ens
seiner Zu hörerschaft vo rausset zen kann. Seine sprachliche Wah l
beim Ver fassen des Text es ist vo n d ieser Hypo t hese beein flu sst “
(Liedke 1997: 19). I hrer seit s me int St olze: „Das Sp ezifiku m der
Überset zungsau fgabe ist d ie Rezip ient enor ient ierung “ (St olz e
1992: 205).

Durch eine Ver nachlässigung der Rezept ionserwart ung en bei d e n


fikt iven Zielleser n kann eine „Über set zu ng Gefahr lau fen,
miß verst anden zu werden, ja ü ber haupt echo los zu bleiben“ (Bad r
1995: 30). Der zielsprachig e Leser des ZT wird g egebene
Ansp ie lungen nicht ver st ehen kö nnen ( vg l. Schmit t 1997: 142). Mit
der Anfo rderu ng an einen Über set zer, d ie Verst ehensvo rausset -
zungen bei den fikt iven Zie lleser n zu berücksicht ig en, u m dan n
einen verst ändlichen Text zu pro duzier en, t rit t vo r allem bei m

79
Lit erat urü berset zen ein heik les Pro blem au f, au f d as Liedke (1997)
fo lg ender maßen hinweist :

„Verst ändlichkeit für eine best immt e Po pu lat ion ist eine
ziemlich unwäg bar e E igenschaft . Woher weiß d er Überset -
zer, was für seine Leser ver st ändlich ist und was nicht ? Er
ist schließ lich nicht allwissend, das heiß t , daß der Über-
set zer auf Ver mut ungen angewiesen ist darüber, welche
Verst ehensvorausset zungen seine Leser er fü llen. Er weiß
zu m Beisp iel n icht genau, wie das sprachliche Wissen, das
Welt wissen und d as er fo rder liche ku lt urelle Wissen seiner
Adr essat en st rukt uriert ist “ (L iedk e 1997: 19).

Diese Über legungen zu der bedeut enden Ro lle d es ZT-Lesers i m


Kreis des Überset zungspro zesses le it en uns nu n zur Ro lle de s
Überset zers weit er, d ie dabei vo n zent raler Bedeut u ng ist . Durc h
sein überset zer isches S chaffen kann er die Rezept io n des ZT
weit gehend best immen und den Ko nt akt seiner Leser zu m AT
beein flu ssen. Daher wird im Fo lgenden auf den prakt ischen Pro zess
der lit erar ischen Überset zu ng näher eing egangen.

2.3.3 Die Arbeit des Übersetzers

Das S chaffen des Über set zers a ls d er dr it t e pro blemat ische Bereic h
beim Lit er at urüber set zen wird einer seit s von den Präferenzen u nd
St rat eg ien des Über set zers weit gehend best immt u nd beein flu sst
anderer seit s d ie Rezept io n des ZT durch dessen Leser.

Dass nu n et was konkret er auf den Vorgang der lit er ar ische n


Überset zung eingegangen wird, ist nicht nur für die Beschreibu ng
dieses Prozesses vo n Bedeut u ng, so nd ern auch für die Überset -
zungsbewert ung bzw. -kr it ik lit er ar isch er Text e, was in eine m
spät eren Kapit el über d ie Über set zu ngsanalyse ko nkret isiert wird.
Denn wenn man au f d ie Grü nde des jeweiligen Über set zu ngs-
vorgangs eing eht , kann man eine prag mat ische Analyse d es ZT
erreichen, die d ann zu einer Kr it ik bzw. einer Bewert u ng führt .

80
2.3.3.1 Der Ent stehungsp rozess der litera rischen Überset zung

Levý ( 1969) beze ichnet das Über set zen als „Mit t eilen“. Damit wir d
gemeint , d ass der Über set zer d ie Mit t eilung ent schlü sselt , die in
dem Text des Or igina laut o rs ent ha lt en ist und sie in seine Sprache
umfor mu liert . Die in dem Text ent halt ene Mit t eilu ng ent schlü sselt
sodann der Leser der Überset zung. Damit ent st eht eine zweig lied-
r ige Ko mmunikat ionsket t e, die sich graphisch so veranschau lichen
lässt (vg l. Levý 196 9: 33):

Autor
Wirklichkeit → Auswahl / Formulierung → fremdsprachiger Text →

Übersetzer
Lektüre / Übertragung → Texte in der Sprache des Übersetzers →

Leser
Lektüre / Konkretisierung

Abb. 4 : Das Schema zu m E ntst ehu ngspr ozess der lit er ar ischen
Üb er s et zu ng von L evý (196 9: 33 )

Der Über set zer ist in erst er Lin ie Leser. Der Text eines Werks wir d
im Kult ur milieu des Lesers realisiert und wirkt als Ku nst werk erst
dann, wenn er gelesen w ir d. Das Werk gelangt in d ie Hände de s
Lesers und Überset zers in Gest alt des Text es, u nd d ieser Text wirkt
bei der Au fnahme als objekt ives Mat er ial, das dur ch das Ob jekt des
Aufnehmenden, des Lesers, umg eset zt wird. So ko mmt es zur
Ko nkret isierung seit ens des Überset zers ( vg l. Levý 1969: 37).

Mit der Konkret isier ung des Text es, d. h. seiner Widerspiegelung
durch den Leser, endet der Rezept ionsvorgang. Der Unt erschied
zwischen dem bloß en Leser und dem Überset zer best eht dar in, dass
der Überset zer seiner Konzept ion noch mit der Sprache Ausdru ck
ver leiht . Es ko mmt so mit er neut zu einer sprachlichen Mat er ia-
lis ieru ng d er semant ischen Wert e des Werks. Und auch hier mus s
auf eine Tat sache hing ewiesen werd en, die o ft übersehen w ir d: d ie
Sprache ist nicht nur das Mat er ial, in dem die schö p fer ische

81
Ko nzept io n ver wir klicht wird – er st d ie des Aut ors, dann d ie de s
Überset zers –, sonder n sie ist auch in eine m best immt en, fr eilic h
beschr änkt en Maß e an beiden schöp fer ischen Akt en bet eiligt . Das
Mat er ial der Sprache ble ibt n icht o hne Einflu ss auf d ie Mit t eilu ng,
deren Träger es ist . Es wir kt passiv au f d eren endgü lt ig e Gest alt u ng
ein, indem es Widerst and leist et und zu Ausdrucksfo r men le it et , d ie
diesem Mat er ial ent sprechen, und akt iv, in dem es durch laut lich e
und andere Assoziat io nen neue Bedeut u ngen in das Werk einfü hrt ,
die in der ursprünglichen Ko nzept io n nicht vo rhanden waren u nd
mit ihr nicht vo n selbst ent wickelt worden wären ( vg l. Lev ý
1969: 38).

Levý geht dann einen Schr it t weit er u nd behand elt et was ko nkret er
drei P hasen, aus denen die Ar beit des Überset zers best eht . Bevo r
auf d ie Frage eingeg angen wird, inw iefern d iese drei P hasen aber
für die Analyse der arab isch-deut schen lit erar ischen Über set zung
relevant sind, werden d iese Phasen vorerst kurz dargest ellt .

2.3.3.2 Drei Phasen der Überset zerarbei t

Nachdem der Ent st ehungsprozess der Über set zung beschr iebe n
wurde, werden nu n ein ig e Forderu ngen fo r muliert , d ie an die Ar beit
des Überset zers gest ellt werden. Wenn man von der T hese au sgeht ,
dass d ie Vor lage das Mat er ial bildet , das er kü nst ler isch zu
bear beit en hat , dann kann man die Forderu ngen, die an de n
Überset zer gest ellt werden, in drei Punk t en zu sammen fassen ( vgl.
Levý 1969: 42):

Das Erfassen der Vorla ge


Man ver langt vo m Über set zer, dass er das Werk er fasst , das er
überset zt . E in gut er Über set zer muss vo r alle m ein gut er Leser sein.
Er muss eigent lich in drei St u fen in den S inn des Werks eindr ingen.

82
Die erst e St ufe ist das wört liche, d. h. „das p hilo lo gische Er fasse n
des Text es“ (Levý 1969: 42). Die zwe it e St ufe ist d as Er fassen der
st ilist ischen Wert e des sprachlichen Ausdrucks, d. h. St immungen,
ironische oder t ragische Unt ert öne, Ap pelle an d en Leser o der
t rockenes Ko nst at ieren usw. Der Durch schnit t sleser br aucht sic h
diese Qualit ät en n icht mit dem Verst and e bewu sst zu machen, do ch
der Überset zer so llt e fähig sein, sie rat io nal zu erk ennen und zu
best immen, mit welchen Mit t eln der Aut or sie erzielt . Die
Überset zung er fordert nicht nur ein gr ünd licher es, so nder n vor
alle m ein bewu sst eres Erkennen des Werks als die blo ß e Lekt üre
(vg l. Levý 1969: 43). Die dr it t e St u fe fü hrt über das Er fassen der
st ilist ischen und inha lt lichen Wert e der einzelnen Sprachmit t el u nd
Teilmot ive hinaus zu m Ver st ändn is des künst ler ischen Ganzen, d. h.
zum Ver st ehen der im Werk ausgedrü ckt en Realit ät en, wie z. B. der
Gest alt en, ihr er Beziehungen zueinander, des Milieu s der Hand lu ng
und id eo logischen St andpu nkt s des Aut o rs. Diese Art des
Text verst ändnisses ist d ie schwier ig st e, denn ebenso wie jed er
Leser neigt auch der Über set zer zu eine m At omis ier en der Wo rt e
und Mot ive, und es wird ein bet rächt liches Maß an P hant asie bei m
Leser vorausgeset zt , wenn er d ie künst ler ische Realit ät des Werk s
vo ll er fassen so ll ( vgl. Levý 196 9: 44).

Die Interpretati on der Vorl age


Das wirk lichkeit sbezogene Er fassen ist auch deshalb ein e
Vo rausset zung für d ie künst ler ische Beherrschu ng der Überset zu ng ,
weil wegen der Inkongruenz des Sprachmat er ials eine vo llko mmen e
Bedeut ungsüber einst immung im Au sdruck der Überset zu ng u nd der
Vo rlage nicht möglich ist u nd daher eine nur sprach lich r icht ig e
Überset zung nicht ausreicht . Es ist v ielmehr eine I nt erpret at io n
er fo rder lich. Oft t rit t der Fall ein, dass die ZS keinen in der
Bedeut ung so weit en u nd vie lsagenden Ausdruck kennt , wie ihn d ie
Vo rlage benut zt . Dann muss d er Überset zer d ie Bed eut ung
spez ifiz ieren und sich für eine der engeren Bedeut unge n
ent scheid en. Hierzu mu ss er jedo ch d ie Wir k lichkeit kennen, die
sich hint er dem Text ver birgt (vgl. Levý 1 969: 47).

83
Vo m Über set zer ver langt man die r icht ige I nt erpret at io n d er
Vo rlage. I m Zusammenhang damit sind d rei Mo ment e zu beacht en:
das Suchen nach dem o bjekt iven S inn des Werks, der I nt erpret a-
t ionsst andpunkt des Über set zers u nd d ie Int erpret at io n der objek-
t iven Wert e vo n diesem St andpu nkt au s – d ie Ko nzept ion d es Über-
set zers und die Möglichkeit einer Umwert ung ( vg l. Levý 1969: 48).

Die Um setzung der Vorla ge


Vo m Or igina laut or ver langt man eine kü nst ler isch gült ig e
Darst ellung der Wir k lichkeit , vo m Überset zer eine künst ler isc h
gült ige Umfo r mulieru ng der Vor lag e. Sein T alent kann der Über-
set zer vor allem bei der sprachlichen Fassu ng zur Gelt u ng br ingen ;
deshalb braucht er in erst er Lin ie St ilg efü hl. Die spr achlich e
Problemat ik des lit erar ischen Überset zens erst reckt sich besonder s
auf fo lgende Fr agen: das Ver hält nis d er beid en Spr achsyst eme
zueinander, die Spur en der Or ig inalsprache der Über set zung u nd das
Spannung sver hält nis im St il der Über set zung, das dadurch ent st eht ,
dass ein Gedank e in eine Spr ache t ranspo rt iert wird, in der er nicht
ent st anden ist (vg l. Levý 19 69: 55).

Nu n zurück zu der Frage „I nwiefer n sind d iese dr ei P hasen für d ie


Analyse der vor liegenden Ar beit relevant ?“. E igent lich geht der
Vo rgang der Überset zungsanalyse zie mlich ähnlich wie d er
Überset zungsvorgang vo r. Das heißt , dass be i der Analyse au f d ie
Gründe des Über set zu ngsvo rgangs e ingegangen wird, indem ma n
versucht , d ie Wahl der lex ikalischen, synt akt ischen und seman-
t ischen E inhe it en zu begründen, zu analys ieren u nd zu bewert en,
so mit den ZT zu int erpret ieren u nd au f die Grü nd e für die bereit s
vor liegende I nt erpret at ion seit ens des Überset zer s einzu gehen.
Aufgrund der Analyse der Lö su ng en des Überset zers kann man die
semant ischen u nd st ilist ischen Ko mpo nent en der Bedeut ung d es
Text es analys ieren u nd bewert en. Eben dadurch kann u nt ersucht
werden, wieweit der ZT für seine Leser verst ändlich ist und welche
Wirku ng die st ilist ischen u nd äst het ischen Aspekt e im ZT au f sein e
Leser hat im Gegensat z zu denen im AT auf seine Leser. So mit k an n

84
man schließ lich den „Korrespo nd enzgrad“ zwischen den beide n
Text en und wiederu m zwischen dem AT -Aut o r und d em ZT-Leser
fest st ellen.

Dies bed eut et weit erhin, dass eine Art Ver hält nis zwischen de m
Gedanken (dem Geme int en) u nd seiner sp rachlichen Dar st ellung u nd
Fassung best eht . Der Überset zer kann d en Grad dieses Ver hält nisses
und seine Wirkung au f den Leser best immen. Er überset zt den Text
nicht nur, er legt ihn au s, int erpret iert ihn und malt ihn aus. Die
st ilist ische Begabung d es Über set zers sp ielt h ier nat ür lich ein e
große Ro lle. Bei der Über set zu ngsanalyse und - bewert ung geht e s
nicht um d ie Bewu nd eru ng dieser Begabung en, so nder n darum, d en
Grad dieses Ver hält n isses zu messen und d ie Über einst immu ng
zwischen den beiden Text en vo r allem auf semant ischer u nd
st ilist ischer Ebene zu u nt ersu chen.

Da die Analyse der lit erar ischen Über set zung gro ßen Wert au f d as
St ilist ische legt , werden im Fo lgend en die Ro lle des Kü nst ler isch-
Äst het ischen im Vo rgang der lit erar ischen Über set zung und d ie
schöp fer ische Leist ung des Über set zers hervo rgehoben.

2.3.3.3 Das K ünstleri sch-Ästheti sche i m literari sch en


Überset zen

Do rt , wo dem Überset zer mehrere st ilist ische Mög lichk eit en zu r


Ver fügung st ehen, u nd wo er nach den Er fordernissen des Ko nt ext es
zwischen ihnen ent scheiden muss, beg innt das Au ffind en u nd
Auswählen. An dieser St elle end et das Handwerk und beg in nt die
Kunst . Hier lässt sich d er Charakt er der schö pfer ischen Ar beit de s
Überset zers genauer best immen. Bei ihm g eht es um e in
Schöpfert um, in d em d as Au ffind en dem Auswählen unt ergeo rdnet
ist , die invent ive der selekt iven Fähig keit . Der Überset zer braucht
eine lebhaft e spr achliche P hant asie u nd Erfind ungsgabe, um sic h
mit ihr er Hilfe eine gro ß e Zahl vo n Au sdrucksmit t eln zu schaffe n

85
und d ie Möglichkeit zu er halt en, aus ihnen das Treffend st e
auszuwählen. Gle ichzeit ig aber mu ss er Geschmack u nd Diszip lin
besit zen, um s ich n icht durch einen ver lo ckenden Ausdruck vo n d er
Aufgabe des Reproduzierens abbr ing en zu lassen o der in st ilist ische
Unebenheit en zu ver fallen ( vg l. Levý 196 9: 63).

Für die Bewert ung lit er ar ischer Über set zung bedeut et das, dass die
Analyse aber auch ein Gle ichg ewicht zwischen d en au sgangssprach-
lichen Au sdrucksmit t eln u nd den I nt ent ionen des AT- Aut o rs
einerseit s und d en mög lichen äqu ivalent en zie lsp rachliche n
Var iant en ander erseit s fest zust ellen ver sucht . Dadurch kann der
Grad der schöpfer ischen Leist ung des Überset zers beurt eilt werden.
Wo s ind aber die Gr enzen einer so lchen schö pfer ischen Leist u ng ?
Ist diese pro dukt iv oder repro dukt iv?

Die schöpferi sch e Rep rodu ktion


Das Zie l der Überset zerar beit ist es, das Or ig inalwerk (desse n
Mit t eilung) zu er halt en, zu er fassen und zu ver mit t eln, keinesfalls
aber, ein neues Werk zu schaffen, das k einen Vo rgänger hat . Mit
anderen Wort en ist das Zie l d er lit er ar ischen Über set zung
reprodukt iv. Das Ar beit sver fahren d ieser Ku nst best eht dar in, dass
ein Spr achmat er ial durch ein anderes erset zt wird u nd fo lg lich alle
aus d er Sprache her vorgehenden Ku nst mitt el selbst st änd ig g est art et
werden. I m Spr achbereich, in dem sich d ieser Vorgang absp ie lt , ist
er also o riginal schöp fer isch. I n d ieser Hinsicht meint Levý, das s
„die Über set zung als Werk eine kü nst ler ische Reprodukt ion, das
Überset zen als Vo rgang ein o r ig inales Sch affen, d ie Über set zu ng als
Kunst gat t ung ein Grenzfall an der Scheide zwischen reproduzie-
render u nd or iginal schö p fer ischer Kunst “ sei ( vg l. Levý 196 9: 66).

Die Überset zung kann nicht dem Or ig inal gleichen, sie so ll aber au f
den Leser auf d ie gleiche Weise wirk en. Der Über set zer muss au f
die Perspekt ive acht en, dass sein Leser einen anderen Hint ergru nd
an Kennt nissen u nd äst het ischen Er fahr ung en als d er Leser des
Or iginals hat . Deshalb würde er bei einer mechanischen Ko p ie

86
vie les nicht und vie les in einem verzer rt en S inn verst ehen. Der
Überset zer so ll ke inesfalls die fo r malen Ko nt uren des Text es,
sonder n dessen Bedeut ung und äst het ischen Wert bewahren, u nd
dies mit Mit t eln, die seine m Leser d iese Wert e nahebr ingen kö nne n
(vg l. Levý 1969: 69).

Das Haft en des Überset zers an der mit t eilend en Ko mponent e


spiegelt sich scho n in d er St ilis ieru ng der S ät ze wid er. Der
unkünst ler ische Überset zer r icht et sich nur nach d er Bed eut ung de s
Sat zes im Or igina l. Er über set zt nu r d ie Wö rt er, die ein e
Aussag efu nkt ion haben u nd nimmt dem Text die Wo rt - und
Fo r mele ment e, die eine mehr äst het ische Fu nkt ion haben. Da s
Kunst werk er schöpft sich indessen nicht in einer Su mmieru ng vo n
sach lichen Bedeut u ngen, in einer Aneinanderreihu ng vo llse man-
t ischer Wört er. Für den künst ler ischen S t il haben vie le im Ganze n
inha lt s lose Wö rt chen wie n och, d och, n ur usw., d ie nuancieren, d ie
Bedeut ung subjekt iv u nt er malen u nd g lätt en, den Rhyt hmus des
Sat zes au sgleichen, kur z, die Rede flü ssig u nd lebend ig g est alt en,
eine Fu nkt ion. Weil er dafür im Urt ext keine Gru nd lage hat , weicht
ihnen der Überset zer pedant isch aus, sein St il wird t ro cken u nd hart
(vg l. Levý 1969: 122).

Levý hebt zwar d ie Ro lle und die Bed eut ung der schöp fer ische n
Leist ung des lit erar ischen Über set zers hervor, jedo ch igno r iert er,
dass es auch Abweichung en geben kö nnt e. Diese nennt Po po vič
(1970) Shif ts of expression ( Ausdruck sver schiebung en):

“Each indiv idual met hod o f t ranslat io n is det er mined by


t he presence or absence o f sh ift s in t he var ious layer s o f
t he t ranslat io n. All t hat appears new wit h r espect t o t he
orig ina l, o r fails t o appear where it mig ht have bee n
expect ed, may be int erpret ed as a shift ” (Popo vič
1970: 78).

In diesem Rahmen hat Po po vič ver sucht , d ie expressiven Merkmale


des Ausgangst ext es mit den expressiven Merk ma len d es

87
rezipierenden lit erar ischen S yst ems in Beziehu ng zu set zen. Als
wesent liches Korrelat ionskr it er ium st r ich er d ie Fu nkt ionsgleich he it
heraus. Er konzent r iert e seine Aufmer k samk eit au f semant ische,
st ilist ische und äst het ische Änd erungen, d ie währ end d es
Transferprozesses ( fast ) unwe iger lich auft ret en.

In Bezug au f Klassifizierung der S hif ts meint Po povič, dass s ie


objekt iv, im Unt erschied zwischen den Sprachen bed ingt , also
obligat orisch se in kö nnen. S ie kö nnen aber auch subjekt ive Fak-
toren, wie z. B. äst het ische Pr äferenzen der Überset zer wider sp ie-
geln. Währ end Erst ere unver meidbar sin d, sind Let zt ere n icht vo n
vornherein als Über set zu ng smängel anzuprang er n, so nder n als
posit ives Merkmal der Po et ik eines Über set zers zu beurt eilen:

„Die Ausdruck sverschiebungen st ellen ein Merk ma l der


Kreat ivit ät des Überset zers dar u nd bilden in ihrer
Gesamt heit d ie Po et ik eines Überset zers. […] Der
jeweilige Char akt er der kreat iven Persö nlichkeit des
Überset zers zeigt sich in einer Ver schme lzu ng der Poet ik
des Or iginalaut o rs mit der Poet ik eben dieses Überset zers.
Als po sit ive S ynt hese st ellt d ie Über set zu ng d ie Su mme
der Kreat ivit ät von Or iginalaut o r und Überset zer dar “
(Popovič 1977: 101).

Kö nnen aber st ilist ische E igenschaft en nicht im Lau fe des


hist or ischen Wandels ver schiedenen I nt erpret at io nen u nt er liegen ?
Dies ist eine Fr age, die auch für die Überset zungsanalyse und
-kr it ik eine ent scheidende Ro lle sp ielt . Überset zung en lit erar ischer
Text e können weit ere Bear beit ungen im Lau fe der Zeit benö t igen.
Aber selbst bei ver schiedenen Leser n der gleichen Zeit kö nnen auc h
st ilist ische E igenschaft en ver schiedenen I nt erpret at io nen unt er-
liegen. Diese Über legung fü hrt uns wied er zu d er oben g enannt e n
Frage nach den Grenzen der schöp fer ischen Leist ung des lit era-
r ischen Über set zers zurück. I n einer ar abisch-deut schen lit er ar i-
schen Überset zung ko mmt es aufgrund der Sprachver schiedenheit en
und der unt erschiedlichen St ilnor men oft zu semant ischen u nd

88
äst het ischen Abweichungen. I n diesem Zusammenhang muss sic h
der Über set zer Gr enzen set zen, u m reprodukt iv u nd nicht pro dukt iv
zu über set zen. Dadurch kann eine o ffene Überset zung ent st ehen u nd
die Leser können die fremd e, exo t ische At mo sp häre des AT
genießen, anst at t sich u m event uelle I nt erpret at io nen zu bemü hen.

Am Beisp ie l der Erzählung Di e Öl lampe der Umm Ha schim find et


man so lche Abweichu ngen bei religiö s geprägt en Sprüchen, z. B.
‫ر‬0-(‫ر ﻡ‬4J‫ ا  ﻡ ﻡ‬NA ‫ ﻡ‬0O ‫ وی‬، , A ‫ب‬0)‫ ا أن ی‬N( „Möge Alla h
ihnen verzeihen u nd die Schr ift zeichen des ihnen best immt e n
Sch icksals vo n ihr er St ir n t ilgen“ ( Hakk i 1981: 24/25). Hier fü hrt e
die fehlende Er läut eru ng zur semant ischen u nd prag mat ische n
Bedeut ungskompo nent e von „T ilg u ng der Schr ift zeichen des ihne n
best immt en Schicksals vo n ihrer St ir n“ zu e iner unko mp let t en
S innü bert ragung.

Das sind u. a. Perspekt iven, die für d ie Überset zungsanalys e


relevant und maß gebend sind. Die äst het ische Wir kung im ZT kann
nämlich ent weder äqu iva lent , abgeschwächt o der ver st ärkt
übert ragen werden. Das Er fassen z. B. ein es ar abischen lit erar ischen
AT seit ens des Überset zers sowie sein e künst ler ische Begabu ng
best immen weit gehend d ie Realisier u ng des deut schen ZT. Die
Analyse so ll dann den expressiven Gr ad im ZT u nt ersuchen. So
spielt der St il eine ent scheidende Ro lle im Vorgang des lit era-
r ischen Überset zens u nd wiederum be i d er Analyse d es ZT. Deshal b
wird im Fo lgenden au f d iesen Asp ekt näher eingegangen.

Der Stil in der literari schen Übersetzung


Zum Spr achgefühl als Teil d er Überset zung sko mpet enz g ehö rt das
Wissen um st ilist ische Merk ma le in der Ausgangs- und Zielsprache.
Für den Überset zer geht es nicht u m eine umfassend e St ilanalyse
der Text vor lage, sond er n nur darum, einig e markant e st ilist ische
Aspekt e des Text es in ihr er Funkt io n zu erkennen. We il der St il de n
S inn eines Text es spez ifisch beeinflu sst , kann der Überset zer aber
darü ber auch nicht ein fach hinwegsehen ( vg l. St olze 1992: 231).

89
Man kann den St il als das Result at aus d er Au swahl des Aut o rs au s
den konkurr ierenden Mö glichkeit en d es Sprachsyst ems u nd der
Reko nst it uieru ng durch den t ext rezip ierenden Leser bezeichnen. Die
Möglichkeit der Auswahl au s dem parad igmat ischen I nvent ar ist d ie
Grund vorausset zung für das P häno men Stil, „denn wo Freihe it in
der Sprachverwendu ng walt et , g ibt es kein S yst em“ (St o lze
1992: 231). St il hat allerd ing s auch st et s et was mit der Rede-
sit uat io n zu t un. St ilist ische Merk male sind lingu ist isch beschreib-
bare Sprachst rukt uren, d ie k eine st at ische, ein für alle mal u nverän-
der lich fest gelegt e Erscheinung an Text en sind, so nd er n eher ein e
virt uelle Qualit ät , die jeweils im Rezept ionsprozess erst
reko nst ruiert werden mu ss. Der dem Rezipient en sinn fällig
werdende St il e ines Text es k ann je nach Lesergruppe pr inz ipiel l
unt erschied lich sein ( vgl. St o lze 1992: 23 2).

In d ieser Hins icht k ann man mit St o lze nicht ü bereinst immen, denn
der St il einer lit erar ischen Überset zung liegt der äst het ische n
Wirku ng auf d ie Leser zugrunde. Poet ische Sprache ist Sprache in
der Fü lle ihrer syst emischen Mö glichkeit en. Dies begrü ndet die
Beobacht ung, dass im lit erar ischen Text die sprachliche Fo r m ein e
gewisse Ro lle sp ielt . Dabei handelt e es sich nicht um eine n
best immt en St il neben and eren, weshalb man auch nicht im S inn e
einer ornament alen St ilau ffassu ng von der „Fo r mbet o nt heit
lit erar ischer Text e“ sprechen kann ( vg l. S to lze 1992: 232).

Her meneut isch gesehen sind d ie r het o risch- st ilist ischen Mit t el, vo n
denen eine leser beein flu ssende Wirku ng ausgeht , nur ein Teil der
Fo r m, die mit dem lediglich analyt isch abzut rennenden I nhalt ein e
unlösbare E inhe it bild et . Text e lassen sic h zwar d idakt isch in d iese
beiden E lement e au ft eilen, aber weder der Inhalt no ch d ie pur e
Fo r m hät t en für sich eine Subst anz, welche jene Wirku ng
hervor br ingen kö nnt e ( vgl. Sto lze 199 2: 232 f.).

Die makrost ilist ische Analyse zeigt dann mikro st ilist ische
Ergebnisse. Und hier kö nnen ent sprechende Fest st ellu ngen für de n

90
Überset zer – beso nder s der lit erar ischen Werke – wicht ig werden.
St il ist Welt ansicht durch Sprache u nd n icht nur spr achlich e
Fo r mbet ont heit . Wenn beim Über set zen nach d er Kat ego r ie
Pragmati k best immt e so zio lekt ale Asp ekt e her vo rtret en, „d ann kann
deren konkret e einzelsprachliche Ausfo r mung mit der Kat egor ie
Stilistik beschr ieben werden“ (St o lze 199 2: 233).

Solche for malst ilist ischen Aspekt e an Text en kö nnen wegen der
Verschied enart igk eit d er E inzelsprachen meist n icht u nmit t elbar in
die Überset zung ü ber no mmen werd en. S ie t ragen jedoch zu m
Text sinn bei. Deshalb so llt e der Überset zer ver suchen im Rahme n
der zielsprachlichen Mög lichk eit en eine Ko mpensat io n zu finden.
Diese St ilaspekt e t ragen nicht zulet zt auch zu m äst het ische n
Gesamt eindruck beim Leser bei. So lche st ilist ischen Aspekt e a n
Text en dür fen nicht ü ber bewert et werden, do ch ihr Vorhandensein
ist nicht abzu st reit en. St ilmit t el mü ssen r het o risch mehr o der
weniger bewusst eing eset zt werden, u m beim Leser eine best immt e
Reakt io n zu erzeugen ( vg l. St o lze 1992: 234).

In d iesem Zusammenhang könnt e man no ch hinzufügen, dass bei der


Überset zung st ilist isch mar kiert er Text st ellen vo r allem zu beden-
ken ist , dass d ie Wir ku ng eines st ilist ischen Affekt s übert ragen wir d
und nicht das St ilmit t el selbst . Die ar abische Sprache z. B. hat
andere St ilmit t el a ls die deut sche. E inzels prachliche Besonder heit en
sind im Text ganzen zu bet racht en, auch wenn sich dann i m
punkt uellen Vergleich eine Abweichung erg ibt . Die fo r ma le
Gest alt ung eines Text es ist ein Beit rag zu m S inng anzen, ein e
Änderung der For m bewirkt eine Änder ung des S inns. Dies g ilt
zunächst inner sprach lich, denn beim Überset zen änd ert sich d ie
Fo r m o hnehin. Für d ie Überset zu ng sanalyse ist dies inso fer n
relevant , dass man die „verset zt e Funk t ionsäqu ivalenz“ mancher
st ilist ischen Asp ekt e nicht u nt erschät zt bzw. bemängelt , so nd er n sie
vor dem Hint ergru nd d ieses S in nganzen und der versch iedene n
kult urellen u nd lit erar ischen Hint ergründ e der ZT-Leser sieht .

91
Nida (1975) geht einen S chr it t weit er und legt Wert au f d ie
Beacht ung der st ilist ischen Fakt o ren im Text ganzen. Für ihn d ar f
der Über set zer die au sgangssprach liche Text analyse nicht au f
synt akt ische Relat io nen zwischen spr achlichen E inhe it en o der d ie
denot at ive (referenzie lle) Bedeut ung dieser E inheit en beschränken.
„Er muss in seiner Analyse au ch d ie emot iven (o der ko nno t at iven)
Wert e der for malen St rukt ur des zu überset zend en Text es
einbeziehen“ (Nida 197 5: 137). Hier wird jedoch d ie inno vat ive
Responsio n auf das Text t hema ausgeschlo ssen. Dieses Pro blem liegt
nämlich auß er halb der Zu st änd ig keit der Lingu ist ik, o bwo h l
nat ür lich die persö nliche E inst ellu ng zum Text t hema, sei sie po sit iv
oder negat iv, leicht die emot iven Reakt ionen au f d ie synt akt ische n
und semant ischen St rukt uren des bet reffenden Text es beein flu sst
(vg l. Nida 19 75: 137).

Die konnot at ive Auswert ung der for malen St rukt uren eines Text es
läuft haupt sächlich au f eine Analyse des Text st ils hinaus. Wenn
man eine so lche Auswert ung machen will, dar f man sich nat ür lic h
nicht auf den Sat z als o berst e analysier bare lingu ist ische E inhe it
beschr änk en. St ilist ische Fakt o ren sin d immer im Gesamt t ext
wirksam, vo n der E bene des Laut symbo ls bis zur Text ganzheit . De n
Schwerpu nkt einer St ilanalyse bild et freilich „der Text und nicht
et wa ein gefä lliges Laut mu st er o der d ie Abfo lge vo n semo t akt isch
glücklich gewählt en synt akt ischen E inheit en“ (Nid a 1975: 137). I n
diesem let zt en Zit at kann man aber mit Nida nicht ganz
übereinst immen, denn best immt e synt akt ische E inheit en kö nne n
auch st ilist ische Merkmale aufweisen, durch d ie sie eine g ewisse
äst het ische Wirkung best immen, verst ärken o der abschwächen. I n
der Erzählung Die Ölla mpe der Umm Ha schim find et man z. B. zwe i
Met ap her n, d ie jeweils eigene st ilist ische Merkma le inner halb der
synt akt ischen E inheit haben und st ilis t ische sowie äst het ische
Wirku ng au fweisen: H .%J , J‫ یﺵ‬7 ‫ ا ﺥﻡ‬H)) NA ,D‫ى ﻡ‬0, 6 „so dass
er mit seinen Angehö r ig en au f d ie mar mor ne Schwelle n ieder fie l
und s ie mit Küssen bedeckt e“ (Hakk i 19 81: 6/7),  ‫ أن د‬N ‫ إ‬-G. :‫أ‬
‫&ر ؟‬S‫ ا‬6 T4‫أ ی‬4 . ‫ أن‬0‫  ه‬A( ‫ ا‬6 ND ‫ ا‬7‫„ ا')اب ه‬Erkennst du nicht ,

92
dass drohend e Erblind u ng s ich dadurch k undt ut , dass die Hände zu
sehen beg innen?“ (Hakk i 1981: 10/ 11). In d iesen beiden Beisp iele n
liegt die Expressivit ät im ZT fast g leich so hoch wie im AT, was
durch die gelu ngene adäq uat e semant ische und st ilist isch e
Befo lgu ng der Met apher im AT realisiert wurde.

2.4 Zur Äquivalenzproblematik in der


literarischen Übersetzung

Zwar ist die Äquivalenzfrage ein Schwerpunkt der vo rliegenden


Arbeit , jedo ch wurde sie bis zu dieser St elle verschoben, denn sie
wird in dieser Arbeit in Bezug auf die lit erarische Überset zung
behandelt , vo r allem in Bezug auf diejenige, die zwischen zwei so
verschiedenen Kult uren st eht . Daher wurden vo rerst grundlegende
Überlegungen zu den kult urellen Aspekt en der Überset zung so wie
zu der lit erarischen Überset zung diskut iert , um nun die Äquiva-
lenzfrage, die im Allgemeinen diese Aspekt e und Relat ionen regelt ,
darzust ellen. Ferner st ellt die Äquivalenzproblemat ik gro ße Schwie-
rigkeit en bei der arabisch-deut schen lit erarischen Überset zung dar.
Es kann aber nicht auf dieses Thema in der vorliegenden Arbeit
det ailliert eingegangen werden, so ndern es werden Aspekt e über die
Problemat ik und Ansät ze über die Äquivalenzbeziehung und
-t ypolo gie dargest ellt , die für die bevo rst ehende Überset -
zungsanalyse und -bewert ung des lit erarischen Werkes „Al-Ayyām“
relevant sind.

I m Fo lgenden wird zu nächst au f Pro bleme und Schwier igkeit en der


Überset zung, vor allem der lit erar ischen Überset zung, eingeg angen,
die anhand der Über legu ngen in den let zt en Abschnit t en dargest ellt
werden u nd die die Äquivalenzpro ble mat ik au f ihren verschiedene n
Ebenen verur sachen. So kann d anach d iese Äqu iva lenzrelat io n näher

93
bet racht et und behand elt werden. Abschließend werden Ansät ze u nd
T ypen der Äquivalenzt hemat ik dargest ellt .

2.4.1 Proble me und Schwierigkeiten der literarischen


Übersetzung

In An lehnung an die im vor igen Abschnit t diskut iert en drei Aspekt e


(das Wesen der lit erar ischen Über set zung, d ie Lesero rient ieru ng
und d ie Überset zerar beit ), die für d ie Problemat ik der lit erar ische n
Überset zung relevant sind, sowie an d ie kult urellen Asp ekt e der
Überset zung, kann man allg emein sag en, dass das gru ndsät zliche
Problem e iner arabisch-deut schen lit er ar ischen Über set zung d ie
Ver mit t lung einer anderen Lebens- und Allt ag swelt , einer andere n
als der bekannt en Wirk lichkeit ist , und zwar au f der semant ischen,
prag mat ischen und st ilist ischen E bene d es Text es. Diese „fremd e “
Wirklichk eit ist manchma l mit den Mit t eln d er ZS u ngenau
er fassbar und mit t eilbar.

2.4.1.1 Sprach li che Schwi erigkeit en

E ine ähnliche Über legu ng findet sich bei Po povič (1977), für de n
die Äquiva lenzproblemat ik so wie d ie S chwier igkeit en lit er ar ischer
Überset zungen o ft „au s dem E influss der Ko nvent io nen d er
versch iedenen Ko mmu nikat io nsp art ner au f den Pro zess der
Ko mmunikat io n“ resu lt iert (Popovič 19 77: 102). Die Ko mmu ni-
kat ionspart ner sind hier der Or ig ina lauto r und seine virt uelle n
Leser, der Über set zer u nd der Leser der Überset zu ng. Die
Überset zung st ellt zug leich eine Über schneidung der versch iedene n
Ko nvent io nen dar, d ie durch d ie zwei Lit erat uren und durch d ie
Ko mmunikat io nspart ner repräsent iert werden. Nicht alle d ies e
Ko nvent io nen t ret en in der st ilist ischen St rukt ur der Über set zu ng
zut age. Die ver schiedenen Ko nvent io nen werden fu nkt io nal in ein e
ho mogene St rukt urieru ng der ver schied enen E le ment e int egr iert .
Keine d ieser Konvent io nen ü bt e inen d irekt en E in flu ss auf den Text
94
aus: ihre Wir kung ist abhäng ig vo n d er Art und Weise, in der der
Überset zer sie in den ver schiedenen Transfo r mat io nen zur Gelt u ng
br ingt . Der Überset zer t rifft seine Wahl u nt er Berück sicht igu ng d er
Lesererwart ungen, hat aber g leichzeit ig auch d ie I nt ent io nen des
Or iginalaut ors im Aug e ( vgl. Po povič 1977: 102). Mit andere n
Wort en kann man sagen, dass der Überset zer semant ische u nd
st ilist ische I nfor mat io nen so wohl vo m Autor des Or ig ina ls als au c h
vo m virt uellen Leser e mp fängt . Das Gewicht vo n Aut o r und Leser
ist abhängig vo n der jeweiligen lit er ar ischen S it uat io n. In manche n
Fällen über wiegt der E influ ss des Or ig ina ls, in anderen Fällen mu ss
der Überset zer „den äst het ischen No r men o der den st ilist ische n
Ko nvent io nen seiner Spr achg emeinschaft grö ßeres Gewicht
beimessen“ (Popo vič 1977: 103).

So biet et Popovič eine Art Ko mpro miss an, wo bei aber feh lt , dass
auf einer anderen S eit e d ie E nt scheidu ng des Über set zers für eine n
best immt en Über set zu ngst yp auch no ch eine wicht ige Ro lle spie lt .
Wenn der Über set zer o ffen ü ber set zt , dann liegt das größt e Gewicht
auf den pragmat ischen, semant ischen, st ilist ischen u nd vie lleicht
auch s ynt akt ischen Aspekt en des AT. Bei der verdeckt en Überset -
zung aber liegt es au f der Seit e des ZT, dessen Kult ur und Leser.

Levý (1969) geht einen S chr it t weit er und bezeichnet lexik alische
und synt akt ische Pro bleme der lit erar ischen Überset zung. Für ih n
ent st ehen Über set zungsfeh ler am häu fig st en u. a. aus fo lgende n
Gründen:
a) Irrt ümer durch Verwechselung g leich - o der ähn lich kling end er
Wört er. Das führt dann meist ens zur unr icht igen Wah l zwische n
versch iedenen Bed eut ung en eines Wortes o der zur Verwech-
selu ng ähnlich k lingend er Wört er der fremden Sprache.
b) Irrt ümer durch unr icht iges Er fassen des Ko nt ext es. Dabei hande lt
es s ich um die falsche E ino rdnu ng eines Wo rt es in den Sat z bzw.
in einen längeren Text abschnit t , um d ie falsche Wo rt wahl i m
Hinblick auf das Lebensmilieu des Werk s o der um d ie unr icht ige
E inordnu ng eines Wort es in das Anschau ung ssyst em des Aut o rs

95
(Nicht begr eifen der Absicht en, der Poet ik u. a.) (vg l. Levý
1969: 42 f.).

No ch dazu kann es zu einer lexikalischen Verar mu ng o ft dadurc h


kommen, dass der Überset zer bei der Wahl eines Au sdrucks ein
allgemeineres und damit weniger anschau liches und lebend ig es
Wort gebraucht (vgl. Ko ller 2004: 227).

Weit er hin k ann für Lev ý d ie Überset zer arbeit auch zu drei T ype n
einer st ilist ischen Abschwächu ng d er Lexik ver le it en:
a) Verwendu ng eines allgeme inen Begr iffs anst elle e iner ko nkret en,
genau en Bezeichnung. In d iesem Pro ble mat ik zusammenhang
meint Levý, d ass aus d er Grupp e der „Quasi-S yno nyme“ d e m
Überset zer zu nächst d ie allgeme inen und deshalb wenig er
anschau lichen Bezeichnu ngen ein fallen. Der Über set zer mit
ger inger sprachlicher Vorst ellungsgabe begnügt sich mit ihnen,
und so bleibt sein St il gr au u nd wenig anschaulich. Der
sprach lich beg abt e Überset zer aber fö rdert aus der gegebene n
semant ischen Grupp e d as t reffender e und genauere Wo rt zut age
(vg l. Levý 1969: 111) ;
b) Verwendu ng eines st ilist isch neut ralen Wo rt es anst elle eines
gefühlsgefär bt en. Be i der Über set zung können gefü hlsgefär bt e
Ausdrucksmit t el manch mal ihr en st ilist ischen Wert ver lieren u nd
werden häufig durch neut rale und deshalb far b lo se Wö rt er
wiederg egeben (vgl. Levý 196 9: 114) ;
c) ger inge Ausnut zung vo n S yno n ymen zur Abwechslu ng im
Ausdruck. Dazu kann es ko mmen, wenn in den Über set zu nge n
der Reicht um einer Sprache an S yno nymen zur Differenzieru ng
des Wort ausdruck s nicht g enügend au sgenut zt wird ( vg l. Lev ý
1969: 115).

Solche Probleme sind für d ie arabisch-deut sche lit er ar isch e


Überset zung inso fer n relevant , weil die arabische Semant ik, S ynt a x
und St ilist ik reicher ist als d ie deut sche. Die Sprache der arab ische n
Lit erat ur ist reich, flex ibe l u nd zu einem gro ß en Teil vo n

96
kult urellen und relig iö sen Asp ekt en gepr ägt . Au fgru nd der Sprach-
und St ilver schiedenheit en ist es nicht einfach, den gru nd legende n
Wesenszügen des Or igina ls unt er den Bed ingu ngen eines neue n
Sprachs yst ems insgesamt t reu zu bleibe n. Der semant ische Ker n
beider Text e so llt e zwar u nverändert ble iben, jedo ch kann der
Wirku ngsgrad nicht immer gle ich sein. Beisp ielsweise findet man in
der Erzählung Die Moschee in der Gasse d ie Au ssage ‫ د‬00‫ ﻡ‬/‫ر‬
(Machfus 1963a: 63) „Unser Got t ist do ch da!“ (Machfu s
1978b: 43). Es handelt sich hier um ein en allt äglichen Sprechakt
des Tröst ens und Besänft igens, der relig iös verankert ist und eine n
sozio-ku lt urellen Hint ergrund hat . Er imp liz iert auch die is lamische
Wert vorst ellung „Vert rauen au f Gott “. So lche Per spekt iven u nd
Assoziat io nen kann d er ZT-Leser nat ür lich nicht o hne Erklärunge n
des Überset zer s wahr nehmen.

Weit er hin geht Lev ý au f d ie st ilist ischen Überset zu ngsschwie-


r igk eit en näher ein, indem er eine überset zer ische P erspekt ive
besonders bei der Suche nach st ilist ischen Äqu iva lent en als
not wendig eracht et . Die Wahru ng d es St ils ist eine sehr
problemat ische und nicht in vo lle m Maße realist ische Forderu ng.
Meist ens wir d nach zwei Met ho den gear beit et : Wahru ng der
for malen Mit t el der Vo r lage u nd Su bst it ut io nen des fremden St ils
durch einen ent sprechenden heimischen. Die erst e Met ho de rechnet
nicht in hinreichend em Maß e mit dem verschiedenart ig en fo r male n
E mpfinden und den Trad it io nen d er einzelnen Lit erat uren, d ie
zweit e st üt zt sich au f schwer abzu schät zende Analo gien. I hr Ansat z
ist ähnlich wie bei einer Su bst it ut ion der fremden Sprachfo r m durc h
die heimische. Doch kann sich d ie Su bst it ut io n von S prachfor me n
auf einen gemeinsamen Nenner st üt zen (den begr ifflichen o der
st ilist ischen Aussag ewert ), während d er gemeinsame Nenner der
st ilist ischen Ver fahren vo n ind iv iduellen Bed ing ungen abhäng ig u nd
schwer messbar ist (vg l. Levý 1969 : 69).

Bei eben diesen Über legu ngen acht et Levý nicht au f eine wicht ig e
Tat sache. Diese ist nämlich d ie, dass z. B. der arabisch-d eut sche

97
lit erar ische Über set zer mit ZT-Leser n rechnen so llt e, d ie mit de m
AT bzw. dem St il seines Aut ors gewisser maßen vert raut sein
können. Wenn es dann zu Subst it ut io nen des fremd en St ils durc h
einen ent spr echenden heimischen ko mmen so llt e, würden sich d ies e
Leser damit nicht ganz zu fr ied en geben. S ie wo llen I nfor mat io ne n
über den AT bzw. Zu gang dazu haben u nd den – ihnen event uell o ft
vert raut en – St il d es Aut o rs genießen. Beispielswe ise find et man i m
Ro man Di e Kinder un seres Viertel s die immer für den Aut or Nagib
Machfus t ypische und bekannt e bild liche Sprache in d er Met ap her
7G‫ﺹ‬D ‫ری آ ﻡل أﻡم ا‬0‫ن ﻡ‬0 0‫س ی‬/ ‫( وراح ا‬Machfus 19 91: 28) „D ie
Menschen flo hen ent set zt , wie S andk örner vo r einem St ur m“
(Machfus 1990: 33), d ie im ZT fo r mal und äst het isch adäqu at und
sehr gelungen übert ragen wurd e.

Dies führt uns dann zu der Frage ü ber die Veränderu ng konnot at iver
Wert e zwischen den beiden Text en, die durch so lche st ilist ischen
Abweichungen und st ilist ische Überset zbarkeit spro blemat ik ent st e-
hen kann. Ko ller (200 4) unt erscheid et „S yst eme der konnot at ive n
Wert e“, die st ilprägend sind u nd sich in verschiedenen Sprache n
nicht e ins zu eins decken. Aufgabe d es Überset zers wäre also, au f
der Text ebene in d er ZS d iejen ig en spr ach-st ilist ischen Mög lich-
keit en zu realis ieren, d ie als opt ima le k onnot at ive E nt sprechu nge n
fungieren können ( vgl. Ko ller 2004: 242).

Die ko nnot at iven Dimensio nen sind nach Ko ller wie fo lgt ( vg l.
Ko ller 2004: 243– 247):
a) Konnot at ionen der St ilsch icht (ko nno tat ive Wert e wie g eho ben,
dicht er isch, no r malsprachlich, u mg ang ssprachlich, S lang,
vulgär) ;
b) Ko nnot at ionen so zial bedingt en Spr achgebrauchs ( so zio lekt ale
konnot at ive Wert e wie st udent ensprachlich, so ldat ensprach lich,
Sprache der Ar beit erschicht , Sprache des Bildung sbürg ert u ms) ;
c) Ko nno t at ionen der geo graphischen Zuo rdnu ng oder Herkunft
(konnot at ive Wert e wie ü berregio nal, schwäbisch, ö st errei-
chisch) ;

98
d) Ko nnot at ionen des Mediu ms (konno t at ive Wert e wie geschr ie-
benspr achlich, g espro chensprachlich) ;
e) Ko nnot at io nen der st ilist ischen Wirku ng (ko nno t at ive Wert e wie
veralt et , gespreizt , pap ierdeut sch, mo disch, eu phemist isch,
anschau lich, bild haft ) ;
f) Konno t at io nen der Frequ enz (ko nnot at ive Wert e wie gebr äuch-
lich, wenig gebräuchlich) ;
g) Konnot at io nen d es Anwendu ng sbereic hs (konno t at ive Wert e wie
gemeinsprach lich, fachsprachlich, med iz inische Fachsprache) ;
h) Ko nnot at ionen der Bewert ung (konno t at ive Wert e wie po sit iv e
Bewert u ng [eines Sachver ha lt s], negat iv e Bewert ung, iro nisie-
rende Bewert ung).

In diesem Bereich best eht grundsät zlich d ie Mög lichk eit ,


konnot at ive Wert e, d ie nicht erhalt en werden können, durc h
„ko mment ierend e Ver fahr en“ zu ver mit t eln. Diese kö nnen jedoch in
Text en, in denen ko nnot at ive Wert e eine wicht ige st ilpr ägend e
Fu nkt io n haben (z. B. so zio lekt ale oder d ialekt ale E insch läge in
lit erar ischen Text en), kau m in größ erem Umfang angewendet
werden, o hne dass der T ext ent scheid ender äst het ischer Qualit ät en
ver lust ig g inge u nd als „k ünst ler ischer “ T ext unt er Umst änden r echt
unlesbar würde ( vgl. Ko ller 2004: 24 3).

In d ieser Hins icht k ann man mit Ko ller nicht ganz übereinst immen.
Bei e iner o ffenen ar abisch-deut schen lit erar ischen Über set zung
würden nämlich vie le ku lt ur elle u nd relig iöse Bedeut ungs-
komponent en o hne so lche ko mment ierende Ver fahren ver lo r e n
gehen. Der ZT-Leser w ill schließ lich den T ext auch verst ehen u nd
nicht nur die äst het ischen Qualit ät en genießen. Der Überset zer
so llt e ihn n icht über schät zen, so nder n seine Über set zu ng au f de m
Nenner des Lesers ohne – genügende – Vo rkennt nisse ü ber d ie
AS- Ku lt ur basieren lassen. Beisp ielsweise findet man in der
Erzählung Die Moschee in der Gasse die Aussage ‫ﺭﺒﻨﺎ ﻴﺘﻭﺏ ﻋﻠﻴﻨ ﺎ‬
(Machfus 1963a: 61) „Unser Herr ver g ibt uns u nser e Schu ld “
(Machfus 19 78 b: 39). Hier g eht es u m einen Allt ag sspr echakt des

99
„S ich-Bemit leid ens“, wenn man Allah u m die Vergebu ng vo n
Sünden bit t et und sich eine bessere Lage wünscht . Dies alles ist
nat ür lich durch die vo r lieg ende Überset zu ng svar iant e nicht deut lic h
genug und braucht vo m Überset zer mehr Erk läru ng ü ber die
kult urellen u nd relig iösen Ko nno t at io nen.

Absch ließ end kann man sagen, d ass für d en lit er ar ischen Über set zer
das S yst em der Zielsprache ver bindlich ist . Und das macht sein e
Aufgabe schwer, denn einerseit s muss er sich an d as S yst e m der ZS
halt en, andererseit s muss er d em ZS- Leser er mö glichen, an d er
Erfahrung der AS- Ku lt ur t eilzunehmen. Er so ll nat ür lich auc h
zugleich d ie Bedingu ngen der lit erar ischen Sprache an sich er füllen.
Das Pro ble m ent st eht hier d araus, dass d ie g ut e lit erar isch e
Überset zung d ie „lit erar ische Qualit ät “ einer best immt en Kult ur in
eine ander e mit eine m ander en Sprachsyst em ü bert ragen so ll. Den n
die Wört er eines lit erar ischen Text es st ehen in einem best immt en
Ko nt ext , und ihre Bed eut ung en sind nur zu eine m gro ß en Tei l
inner halb dieses Ko nt ext es zu verst ehen. Der lit erar ische Ko nt ext
ist wiederum mit der Ku lt ur ver bu nd en. So lche Asp ekt e haben
nat ür lich ihren d irekt en E influ ss au f d ie Äquivalenzbeziehu ng
zwischen den beiden Text en. Denn dadurch t auchen Fragen au f,
z. B. inwieweit der ZT diese lit erar ische Qualit ät des AT beibehält ,
die äst het ische Wirk ung gleichwert ig (übert ragen) ist u nd nicht
zulet zt inwiefer n d ie Begabung des Überset zers au sreicht , u m
Ko nt ext ko mponent en des AT so äqu ivalent wie mög lich zu
übert ragen. Daher wir d nu n auf Schwier igk eit en eing egangen, d ie
für die Äqu ivalenzpro ble mat ik d er lit erar ischen arabisch-deut sche n
Überset zung relevant sind.

2.4.1.2 K ultu rbedingte Schwi erig keiten

Probleme und Schwier igk eit en d er Überset zung liegen nicht


ausschließ lich auf dem Ar beit sgebiet der Linguist ik. Nicht d ie bei m
Überset zungsvorgang bet eiligt en Sprachen alle in sind inko m-

100
mensur abel, „so nder n au ch d ie Gegenst ände und Sachver halt e, ü ber
die gesprochen wird “ ( Albrecht 1973: 1 1). E ine ganze Reihe vo n
außersprachlich gegebenen P häno menen macht be i der Überset zung
Schwier igkeit en, weil sie d en Mit g lied er n der Sprachgeme inschaft ,
denen die ZS als Ko mmu nik at io nsmit t el d ient , vö llig unbekannt
oder wenigst ens in einer spez ifischen Form u nbek annt sind. Dazu
können u. a. gehören: Nat ür liche Gegenst ände, vo m Menschen
geschaffene Gegenst ände, soziale I nst it utio nen, Bezeichnu ngen fü r
Ver halt ensweisen, Er fahrung s- u nd Denkk at egorien und
t radit io nell-ko llekt ive E inst ellu ng zu Ding en (vgl. Albr echt
1973: 11). Die S chwier igkeit en werden nat ür lich u mso grö ß er, je
unt erschied licher die Kult urkreise sind , denen d ie beid en a m
Überset zungsvorgang bet eiligt en Sprachen angehö ren ( vg l. Albrecht
1973: 13).

Für St o lze (1992) spie lt d er Abst and ku lt urspez ifischer Welt en ein e
Ro lle bei der Überset zung spro ble mat ik. I m euro päischen Sprach-
raum z. B. bildet nat ür lich „die Trad it io n des Abend landes so et was
wie eine geme insame Basis des Ver st ehens u nd Überset zens “
(Stolze 1992: 2 06). Ku lt urelle Abweic hungen in d en einzelne n
Länder n sind hier leicht er einzuo rdnen. S ehr viel schwier iger ist es
jedoch dort, wo der hist o r ische Abst and zwischen Text ent st ehung
und Rezept ion d urch den Überset zer sehr groß ist , wie bei Über-
set zungen aus der Ant ike, o der wo überset zen zwischen fremde n
Welt en wie Or ient und Ok zident , Europa und Afr ik a, er fo lgen so ll.

An dieser St elle ist das scenes-und-f rames- Kon zept (s. u nt er 2.1)
frucht br ingend anzuwenden. Ku lt ur spezifische Unt erschiede werde n
bewusst , wenn man sich besprochene S it uat io nen ku lt urspezifisc h
vorst ellt . Der Vergleich so lcher unt erschiedlicher scenes im Ko p f
hilft dazu, zielsprachlich adäqu at e f rames, d. h. Fo r mu lieru ngen, zu
find en. Probleme des Text ver st änd n isses sind ja o ft Pro bleme des
Kult ur verst ehens. Hier kann nur überset zen, wer in beid en Kult ure n
wirklich sicher ist , und „wahrscheinlich kann ein Überset zer nur in
seiner Mut t ersprache r icht ig enkult ur ieren“ (St olze 1992: 206).

101
Die Forderung laut et dann, dass der Überset zer au f ku lt ur elle
Inkongruenzen in seinen Text en au f best immt e Weise reag iere n
kann. Daher sind vo r alle m drei Art en ku lt ureller Inko ngruenzen zu
unt erscheid en, unt er denen d ie Fü lle d er in Text en beo bacht bar en
Kult urunt erschiede zu subsumieren ist , nämlich reale, fo r male und
semant ische I nkongru enzen:

„(1) reale Inko ngruenzen in Überset zungst ext en ent st ehen,


wenn Realia au s einer Kult ur in der anderen unbek annt
sind;
(2) for male I nko ngru enzen bet reffen d ie Überset zungs-
schwier igkeit be i Text en, die als so lche zwar in der
Zielku lt ur auch bekannt , jedoch in and erer spr achlicher
Gest alt ü blich sind ;
(3) semant ische Inko ngruenzen bet reffen schließ lich d ie
kult urspezifischen Ko nnot at io nen vo n Wört ern, d ie in
Überset zungen abweichende/ u nerwünscht e Asso ziat io nen
auslö sen kö nnt en“ (St o lze 1992 : 207).

Als Beispiel findet man im Ro man Zuckergäßchen die Aussage ?/‫آ‬


ً )‫ی‬G ?/‫ وآ‬،‫ي‬0‫ أ‬4 1‫( و‬Machfus 1958 : 67) „I ch war der einz ige So hn
und ein ziemlicher Teufel“ (Machfu s 1994: 95). Hier st eht im AT
zwar buchst äblich das Wort „Teufel“, aber damit ist eigent lich ein e
andere Ko nnot at io n gemeint , die ein e best immt e Assoziat io n
auslö st , und zwar, dass man mit d ieser Bezeichnu ng ein u nart ige s
Kind me int , das Unanst änd ig es bzw. Unhöfliches anst ellt .

Auch Kup sch- Losereit (1995) hebt ku lt u relle Unt erschied e her vo r,
die sich sprach lich manifest ieren kö nnen als:
1. Unt erschiedliche Sprachko nvent io nen bei verg leichbarer S it ua-
t io n, wie z. B. Ver balisierung vo n Gruß , Dank u nd E nt schu l-
digu ng;
2. Unt erschiedliche Text fo r m bei verg le ichbarem ko mmunik at ive m
Zweck. Hierzu gehören Argument at io nsschemat a, Disk urst ypen,
Text sort en und äst het ische No r men;
3. Unt erschied liche Gebrau chsno r men, wie z. B. Verwendu ng vo n
Sozio lekt en, Dialekt en und P hraseo lo g ismen;

102
4. Unt erschied liche Text fo r m bei g leich er Text so rt e. Dies bet r ifft
vor alle m Facht ext sort en und ihre Publik at ionsfo r men ( vg l.
Kupsch-Loser eit 1995: 11 f.).

So kann man Über set zen als das au f Verst änd igung ange legt e,
zweckbest immt e Sprachhand eln, als t ransku lt urelle Ko mmun ikat io n
best immen. Daraus erg eben sich wicht ige Ko nsequenzen für de n
Überset zungsvorgang. Jeder Überset zer mu ss zuer st d ie Vo raus-
set zungen der Ko mmun ikat io nssit u at io n klären. Die nächst e Über-
legung ist , „ob in dieser neu en S it uat ion d ie vo m Au sg angst ext
gewo llt e Ko mmu nik at ions- und Mit t eilun gsabsicht zu realis ieren ist
bzw. welches die I nt ent io n des Über set zers ist ; o b er info r mieren,
Wissen über mit t eln, Hand lungen forder n et c. will“ ( Kup sch- Losereit
1995: 12).

Levý (1969) hebt eine weit ere pro blemat ische Per spekt ive her vor
und bet ont „d ie Wahru ng der nat io nalen und hist or ischen Beso n-
derheit en des Or ig inals“ ( Levý 1969: 92). Bei der lit erar ischen
Überset zung so llt e neben der Bedeut ung auch der Ko lo r it wert des
Or iginals er halt en b leiben. Bezüglic h der Über nahme vo n
Fremdwört ern in d as Translat äußert sich Levý jedoch skept isch:
„Nur dort, wo die lex ikalische E inheit Träger in der für d as
hist or ische Milieu des Or ig ina ls t ypischen Bedeut ung en ist , kann
man sie manch mal in der ur sprüng lichen Gest alt belassen: d ies ist
der Fall bei d en für eine Lebenssp häre t ypischen […] Wö rt ern “
(Levý 1969: 93). So lche Fremd wört er so llen nur do rt eingeset zt
werden, wo es semant isch not wend ig ersche int , denn bei d er
Ver mit t lung des
„nat io nal u nd zeit lich Spez ifischen geht es nicht daru m,
alle E inzelhe it en zu bewahren, in d enen das hist o r ische
Milieu der E nt st ehu ngszeit zur Gelt u ng k o mmt , sonder n es
so ll im Leser der E indruck, d ie I llusio n eines best immt en
hist or ischen nat ionalen Milieus erweckt werden“ (Lev ý
1969: 94).

103
Daraus leit et Levý zwei Ar beit sgru nd sät ze ab:
1. In der Über set zu ng ist es nur sinnvo ll, jene E lement e de s
Spezifischen, die der Leser der Über set zung als für das fremd e
Milieu charakt er ist isch empfinden kann, zu bewahren. Alle
übr igen, die der Leser nicht als Abbild des Milieu s begreift ,
ver lieren an Subst anz und sinken zu einer inhalt sleeren For m
herab, da sie nicht ko nkret isiert werden kö nnen ( vg l. Le v ý
1969: 94 f.).
2. Die Mit t el, für die d ie eigene Sprache kein Äqu ivalent hat u nd
die in der Or iginalfassung die I llusio n des Or iginalmilieus nicht
hervorzurufen ver mö gen, kann man durch eine heimisch e
merkma llo se, neut rale Analog ie er set zen, d ie nicht eindeut ig mit
der Zeit und dem Ort der Überset zung verbu nden ist ( vg l. Lev ý
1969: 96).

Bedingt durch kult ur elle o der hist o r ische Barr ieren sind also o ft
best immt e Ausdrü cke durch Überset zung allein n icht verst änd lic h
zu machen. Levý schreibt dazu:

„Der zeit liche u nd räu mliche Abst and br ingt es mit sich,
daß manche Bezüge auf d as Or ig inalmilieu au fhören, in
einer and eren Gesellschaft ver st änd lich zu sein, d aß sie
mit den üblichen Mit t eln nicht mit t eilbar sind, u nd des-
halb wird es o ft no t wendig, anst elle einer genauen Über-
set zu ng ent weder e ine Er läut eru ng oder nur eine And eu-
t ung zu br ingen. [...] Eine Er läut erung ist angebracht ,
wenn dem Leser der Über set zu ng et was ent gehen würde,
was für den ursprüng lichen Leser im Werk er halt en war.
[...] Eine Andeut ung ist angebr acht , wenn eine vo llko m-
mene Äußerung nicht mö g lich ist , da das spr achliche
Mat er ial selbst zu m kü nst ler ischen Med iu m geworden ist ,
also zu der Ko mpo nent e, d ie in der Überset zu ng nicht
erhalt en ble iben kann“ (Levý 1969: 97 f.).

Ähnlich sind au ch die Über set zung sschwier igke it en d er


Ansp ie lungen auf Fakt en, d ie in d er Zeit u nd im Land der
Ent st ehu ng des Or iginals allgeme in bekannt waren, dem Milieu, in

104
das das Werk übert ragen w ird, jedoch u nbekannt sind. Hier wäre n
er läut ernde Ergänzung en er fo rder lich ( vg l. Levý 1969: 98).

E in kult urspezifisches Pro blem kö nnt e durch die Tat sach e


ent st ehen, dass die Überset zung ssit uat io n dadurch gekennzeichnet
ist , dass sich d ie emp fänger seit ig en Bedingungen mehr oder weniger
st ark von den E mp fänger bed ingu ngen des Or ig inalt ext es
unt erscheid en. Nach Ko ller (2004) fü hrt d ie Über set zungssit uat io n
dazu, d ass d er ZS-Text in eine m anderen „Text universum“ als der
AS-Text st eht . Dann wir d wiederu m der ZS-Text in einer
sozio-ku lt urellen S it uat ion rezip iert , die sich von d er AS-S it uat io n
unt erscheid et . Die Wissensvo rausset zungen allgemein u nd d ie
spez iellen Vorausset zu ngen für das Verst änd nis eines Text es sin d
versch ieden. Das hat zur Fo lge, dass das, was in eine m AS-Text
nicht ausgedrückt werden muss, weil es zu den selbst verst änd liche n
Vo rausset zung en des Allt ag slebens (der Lebenspraxis) im
bet reffenden ko mmunikat iven Zusammenh ang g ehö rt, in der ZS gg f.
explizit ausgeführt werden mu ss; Asso ziat io nen, d ie der AS-Text
weckt , gehen in der ZS mö g licherweise ver lo ren, weil d ie
Assoziat io nsvorausset zungen in der ZS fü r den ZS-E mp fänger nicht
gegeben sind. Mit t els ko mment ierender Überset zungsver fahre n
versucht der Über set zer, Wissensdefizit e der ZS-Leser zu beseit ig e n
oder wenig st ens zu ver mind ern ( vgl. Ko ller 2004: 109). Als
einfaches Beispiel find et man in der Erzählung Der Allmächtige de n
Ausdru ck / ‫ ض ا‬6 ‫( أﻥ‬Machfu s 1963 b: 159) „Der Prophet habe
Erbar men mit mir “ ( Machfus 1978a: 49 ). Hier geht es um eine n
Allt agsspr echakt des „Anflehens“, der eine isla mische Wert -
vorst ellung hat und die Unt erwür fig keit d es Sprechenden au sdrückt .
Dabei ver sucht dieser Mit leid sg efühle her vo rzurufen.

Weit er hin meint Ko ller, dass ein Teil der ku lt urelle n


Überset zungspro ble mat ik dar in liegen k önnt e, dass d er AS- Aut o r
auf Wissensvorausset zu ngen der AS-E mp fänger aufbaut , d ie bei de n
ZT-Leser n nicht gegeben sind. Der AS- Aut or kann viele s
„ungesagt “ lassen, implizit vo rausset zen. Bei der Überset zung

105
so lcher Text st ellen st ellt sich dem Überset zer d ie Fr age, o b,
inw ieweit und auf welche Weise er „impliz it Mit -Ver st andenes“ in
der Überset zung expliz ieren muss, d. h. welche I nfo r mat io nen er im
Text nachliefer n mu ss, um den Text ver st ändlich (und g leichzeit ig
noch lesbar) zu machen ( vgl. Ko ller 2004: 115).

Kulturelle Vo rkenntni sse


Die H ypot hese, dass nicht pr imär sprachliche Verst änd i-
gungsschwier igk eit en, so nder n vor allem kult urelle Unt erschiede,
d. h. u nt erschied liche Denk- und E inst ellu ngsmust er, Wert orien-
t ierungen u nd dar aus result ier ende Wahr nehmu ngs-, Int erpret at ions-
und Ver halt ensweisen, d ie int erku lt urelle Ko mmunikat ion er sch-
weren (können), wird auch vo n den Erkennt nissen d er int erku l-
t urellen Ko mmu nikat io nsfor schu ng gest üt zt (vg l. Wit t e 1998: 346).

Die int erku lt urelle Ko mmu nikat io nsforschu ng hat au fgezeigt , das s
Int erakt ant en in einer int erk ult urellen Kont akt sit uat io n, so fer n sie
nicht bereit s über ein umfassendes Fremd kult urwissen ver fügen, d ie
jeweilige fremde Ku lt ur auf der Grundlage eig enku lt ure ller
Wahr nehmungs- und Bewert ungsmust er int erpret ieren. Ebenso wir d
das eigene akt ive Ver halt en an den in der eigenen Ku lt ur gelt ende n
No rmen, Konvent io nen, Wert en, Er fahr ungen, Erwart ungen et c.
ausger icht et . Das heißt , dass im direkt en o der ind irekt en int er-
kult urellen Kont akt bei nicht o der nur unzureichend vo r hand ene m
Fremdkult urwissen zwangsläufig der eigenku lt urelle Bezug srahme n
als Or ient ierung für das eig ene und zur Int erpret at io n des fremd e n
Ver halt ens zugrund e g elegt wird. And ers ließe sich auc h
for mulier en:

„Die fremde Ku lt ur w ir d mit der e ig enen verglichen.


Vergleichsgru ndlag e u nd - maßst ab ble ib t dabei zwang s-
läufig die E ig enkult ur. Auf diese Weise kann es bei d en
Int erakt ant en zu gegenseit igen ku lt ur inadäquat en Ver hal-
t ensäußerungen bzw. - int erpret at io nen kommen, spr ich zu
Missver st änd nissen und u. U. daraus resu lt ier enden Ko nf-
likt en“ ( Wit t e 1998: 346).

106
Daraus fo lgt für den Über set zer, dass blo ß es „Fakt en“-wissen für
er fo lgr eiches Überset zen und int erku lt urelles Handeln n icht
ausreicht . Vo n ent scheidender Bed eut ung ist vielmehr ein Wisse n
um eigen- und fremd ku lt urelle Ver halt ens- und Or ient ieru ngsmu st er
im genannt en S inn.

Außerdem ist eine E inschr änku ng der t ranskult urellen Transfer pro b-
lemat ik auf außersprachliche kult urelle Realia wie E mp fänger, Ort ,
Zeit , Sender, Int ent io n et c. nicht mög lich, „d a das Gelingen t rans-
kult ureller Ko mmu nik at ion d ie Kennt nis der Regeln ihrer Her st el-
lu ng vo rausset zt “ ( Kupsch- Losereit 19 95: 13). Diese Kennt nis
umfasst zweier le i: zu m einen d ie Kennt nis der ku lt urellen No r mal-
for men, wie z. B. der so zialen St rukt uren, der Hand lu ngsmu st er, des
Sach- und Wissenshint ergrunds vo n Ausgangs- und Zie lku lt ur un d
zum anderen das Sprachhandeln, die sprachku lt urspezifische Reali-
sierung vo n Sprechakt en, Ver ha lt ensmust ern et c., d ie Diskur s-
for men und Text so rt en im Ausgangs- u nd Zielt ext . Die Kennt nis
dieser ku lt urellen Nor malfor men er lau bt auch, fikt ive vo n reale n
Text en oder den Teno r Ernst vo n Ironie u nt erscheiden zu können.

Welt wissen und Sprachwissen werden also in sprachspezifischer


Weise ko mb iniert im Ver st ehenspro zess. Der Zie lt ext kann dann je
nach Sprache für den Leser Miss verst änd nisse o der gar
Nicht ver st ehen au sräu men und den Zusammenhang vo n ko mmu n i-
kat iven Zwecken u nd sprachlichen Mit t eln neu gest alt en. „Dazu
gehört auch, Nicht t ext ualis iert es für den ZT-Leser explizit zu
machen“ ( Ku psch-Lo ser eit 19 95: 13). Beisp ielsweise find et man in
der Erzählung Die Öllamp e der Umm Haschim d ie Aussage ‫ل‬0 /1‫إ‬
]. ‫ ه‬T‫ د‬. ‫ أم هﺵ‬NA‫ ا و‬NA / #. A ‫„ ﻥ‬Zeit unseres Leben s
haben wir auf Got t und auf Umm Hasch im vert raut . Ihr Geheimn is
ist uner fo r scht “ ( Hakki 19 81: 74/75). Mit seiner Erk lärung i m
Anhang ( vg l. Hakki 1981 : 134/135) er läut ert der Überset zer die
„Uner forscht he it des Geheimnisses“ ( was ja e ine best immt e
sozio-ku lt urelle Per spekt ive im äg ypt isch en Milieu ausdrückt ), dass
das Vert rauen auf „Umm Haschim“ hö chst wirksam ist .

107
2.4.2 Die Äquivalenzrelation

Die Zielbeschr eibung des Überset zens st eht seit jeher im Zent ru m
der über set zung swissenschaft lichen Dis kussio n und ist mit d e m
Begr iff „Äquivalenz“ verk nüp ft . Der Ter minu s st ammt aus der
Mat hemat ik u nd Lo g ik und me int „d ie Gleichwert igkeit vo n
E lement en in einer Gleichung“ (St o lze 1992: 61). Überset zu ng s-
wissenschaft lich gesehen ist d ie Äq uivalenz aber kein e
mat hemat ische Beziehung. S ie st eht aber in einer „Gleichu ng “
zwischen d em AT und d em ZT.

Für d ie bevorst ehende Über set zu ng sanalyse ist d ie Frage „I nwieweit


kann aber der ZT äqu iva lent bzw. g leichwert ig zu m AT sein?“ vo n
großer Bedeut ung. I n se iner Defin it io n bezeichnet Wilss (197 7) das
Überset zen als „Text verar beit u ng s- und Text rever balis ierung spro-
zess, der vo n eine m ausg ang sspr achlichen Text zu einem mög lichst
äquivalent en zielsprachlichen T ext hinü ber fü hrt und d as in halt lich e
und st ilist ische Ver st änd n is der Text vor lage vo rausset zt “ ( Wils s
1977: 72). D ie „spr achliche Reko nst rukt io nsp hase“ best eht dar in,
dass der Überset zer den inha lt lich und st ilist isch analys iert en
ausgangsspr achlichen Text „unt er o pt imaler Berücksicht igu ng ko m-
mu nikat iver Äquivalenzgesicht sp unkt e repro duziert “ ( Wils s
1977: 72).

Im Grunde kann die Äquivalenzre lat io n auf der Basis d es


Verst ändnisses und der Analyse der Text vorlage basier en. Es ist nu n
wicht ig, diese Tat sache her vo rzu heben, weil d ies für die prakt isch e
Überset zungsanalyse r elevant ist . Die Analyse basiert au f der
Unt ersuchung dieser Äqu iva lenzbeziehu ngen zwischen dem AT und
dem ZT. Man kann eine arabisch-d eut sche lit er ar ische Über set zung
analys ieren, ind em man vo r allem den „Ko mmu n ikat io nsgr ad “ bzw.
die Wirku ng jedes Text es auf semant ischer, prag mat ischer u nd
st ilist ischer Ebene unt ersu cht .

108
In eine m weit eren Schr it t geht Ko ller vo n der Wilss’sche n
Definit io n aus, und gelangt dadurch zu fo lgenden Best immu ngs-
merkma len ( vgl. Ko ller 200 4: 191):
(a) Bet eiligt sind z wei Sprachen ( AS und ZS),
(b) Ausg angspunkt und Result at der t ext verar beit enden u nd -rever-
balisier end en Tät igkeit des Überset zens sind Texte,
(c) Zwischen Resu lt at - und Au sg angst ext best eht eine Äquival enz-
bezi ehung, für d ie S in n- u nd St ilint ent io n des Ausg angst ext es
und ko mmunikat ive, d. h. rezip ient enbezo gene Asp ekt e maß -
geblich sind.

Überset zungen zeichnen sich also mit hin durch eine dopp elt e
Bindung aus: erst ens durch ihr e Bindu ng an den Au sg angst ext u nd
zweit ens d ie Bindung an die ko mmun ikat iven Bed ing ungen au f der
Seit e d es E mpfänger s. Überset zu ng en, die d ie Bind ung an den AT
verabso lut ieren, laufen Gefahr, u nleser lich u nd u nver st änd lich zu
werden; den E xt remfa ll d ieses T yp s st ellt d ie Wo rt -für-
Wort -Überset zung dar. Überset zungen dagegen, d ie d ie emp fänger-
seit ige Bindung verabso lut ieren, laufen Gefahr, d ie Aut o no mie de s
Or iginalt ext es zu ver let zen, indem sie die für d ie Überset zu ng
spez ifische Bind ung an den AT missacht en; „es hand elt sich i m
Ext remfall u m zie lsprachliche Or ig inalt ext e, d ie mit dem AS-Text
nur no ch in ent fer nt er Beziehung st ehen“ (vg l. Ko ller 200 4: 191).

Wicht ig für Ko ller ist so mit die Klärung der überset zungs-
konst it uierend en Beziehu ng zwischen Zie lt ext und Ausgangst ext :
„E ine Überset zung ist d as Resu lt at einer
sprachli ch-text uellen Operation, d ie vo n einem AS-Text
zu einem ZS-Text fü hrt , wo bei zwischen ZS-Text und
AS-Text eine Überset zung s- (oder Äqu ivalen z-)rel ation
hergest ellt wird. […] E ine zent rale Au fgabe der Über-
set zu ngswissenschaft als emp ir ische Wissenschaft best eht
dar in, d ie Lösung en, die d ie Über set zer in ihren
Überset zungen anbiet en, zu analysieren, zu beschreiben,
zu syst emat is ieren und zu pro blemat is ieren“ ( Ko ller
2004: 16 f.).

109
Dies ist auch die Aufgabe einer so lchen Überset zu ng sanalyse, d ie in
der vor liegenden Ar beit behandelt wird. Nun wird aber au f einig e
Ansät ze in der D iskussio n über d ie Äqu ivalenzr elat io n et was näher
eingegangen. Diese so llt en d ie Bedeut ung dieser Pro ble mat ik für d ie
prakt ische Überset zung sanalyse und - bewert ung her vo rheben.

2.4.3 Ansätze in der Äquivalenzdiskussion

„Der Über set zer muss sich u m G leichwert igkeit u nd nicht u m


Gleichheit bemühen“. So laut et d ie berühmt e Definit io n vo n
Nida/Taber (1969), die weit er ausfü hr en:
„Über set zen heiß t , in der E mp fängersprache das best e nat ür lichst e
Gegenst ück zur Ausgangsbo t schaft zu schaffen, erst ens was de n
S inn u nd zweit ens was den St il anbelangt “ (Nida/Taber 1969: 11).

Diese in der Lit erat ur oft zit iert e Definit io n imp liziert das Pr inz ip
der „d yna mischen Äqu ivalenz“. Bei Nida werden zweier le i
Ent sprechu ngen unt erschied en:

“For mal equiva lence fo cuses at t ent io n o n t he message


it self, in bo t h fo r m and cont ent . In su ch t ranslat io n one is
co ncer ned wit h such co rrespo ndences as po et ry t o poet ry,
sent ence t o sent ence, and co ncept t o concept . Viewed
fro m t his fo r ma l o r ient at io n, o ne is concer ned t hat t he
message in t he recept o r language shou ld mat ch as closely
as possib le t he d iffer ent element s in t he so urce langu age.
[…] A t ranslat io n o f d ynamic equ iv alence aims at
co mplet e nat uralness o f expressio n, and t r ies t o relat e t he
recept or to mo des o f behavio ur relevant wit hin t he co nt ext
of his own cu lt ure; it does no t insist t hat he u nder st ands
t he cult ure pat t erns o f t he so urce lang uage co nt ext in
order to comprehend t he message” (Nid a 1964: 159).

Formale Äquival enz liegt nach Nid a vo r, wenn sich ein e


Überset zung mö glichst an den AS-Text anlehnt u nd dessen E lement e
lediglich mit for ma l korrespo nd ierenden Mit t eln wiederg ibt . S ie

110
bedeut et auch, dass sich die Über set zung an den einzelne n
E lement en der Ober flächenst rukt ur des Text es o r ient iert . S ie
versucht , zwischen den Ober flächenst rukt uren des AT u nd ihr e n
Ent sprechu ngen im ZT eine mehr o der minder lineare Beziehu ng
herzust ellen. I m Geg ensat z dazu liegt dynamische Äquivalen z dann
vor, wenn der zielsprach liche Text so an die zielk u lt urelle n
Gegebenheit en ang epasst wird, dass d ie Bo t schaft des AT erhalt e n
und in d er Zielk ult ur eine ident ische Wirk ung erzielt wird.

Nida int eressiert sich vo r allem für das Fu nkt io nieren d er Zeiche n
in der Zielsprache und wenig er für den Bed eut ung sinha lt als
so lchen. Die for ma le Äqu ivalenz er innert an Sch leier macher s
ver fremdend e Überset zungsmet ho de, während d ynamische Äqu i-
valenz der Met hode des Verd eut schens ent spr icht . Das Über set ze n
wird „so wohl vo m Asp ekt der sprachlichen For men her als au c h
unt er E inbezug der Reakt io n der E mpfänger und der S it uat io n der
Über mit t lung bet racht et “ (St o lze 2001: 95).

Die gefo rdert e „Gleichwert igkeit “ me int nat ür lichen Klang in der
Zielsprache, d. h. dass eine Überset zung wie ein Or ig inal k ling en
so llt e, damit die E mpfänger der Bo t schaft hier mög lichst g leichart ig
reagieren wie d ie E mp fänger in der Au sgangsk ult ur. Damit wird i m
Grunde die ursprü ng liche Bot schaft auf ihre Fu nkt io n reduziert . So
ent st eht ein S yst em von Pr io r it ät en für den Überset zer:

„(1) ko nt ext gemäße Übereinst immu ng ist wicht ig er als


wö rt liche Übereinst immu ng ; (2) d ynamische Gleichwer-
t igkeit ist wicht ig er als fo r ma le Übereinst immu ng ; (3) d ie
fürs Ohr best immt e Fo r m d er Sprache hat Vorrang vor der
geschr iebenen; (4) Fo r men, d ie vo n d en vo rgesehenen
Hö rern der Über set zu ng gebraucht und anerkannt werden,
haben Vorrang vor t rad it io nellen Fo r men, auch wenn diese
größeres Ansehen genieß en“ (Nida/Taber 1969: 13).

Bei dieser Über legung fehlt aber d ie S icht au f lit erar ische
Überset zungen, die o ffen überset zt werden. Be i einer

111
arabisch-deut schen Über set zung z. B. ko mmen kult ur bed ingt e
Aspekt e und for male St rukt uren im AT o ft vor, für d ie dynamisch e
Äquivalent e im ZT schwer realis ier bar sind. Auß erdem beschränkt
sich das Problem der Äquivalenz hier anscheinend au f d ie Wahru ng
von I nhalt s- und Wirkungsgle ichheit in Bezug au f synt akt ische
Bedeut ungen. Dabei werden andere „Bedeut ungsko mponent en“ nicht
beacht et . Bei so lch einer einseit igen synt akt ischen S icht weis e
fehlen d ie semant ischen, prag mat ischen und fo r ma l- äst het ische n
Aspekt e. Hier ist ebenso einzuwenden, dass d as Ko nzept der
„dynamischen Äquiva lenz“ ggf. auch zu weit vo n der Text vo r lag e
wegführen und d ie Grenze zur „Bear beit u ng “ überschreit en kö nnt e.

In eine m weit eren Schr it t meint St olze jedo ch, dass mit Nid as
Ansat z „der Gru nd für die mo der ne Über set zung swissenschaft
gelegt “ worden sei, „denn mit den synt akt ischen Analyseschr it t en
wurden hier er st mals sprachwissenschaft liche Aspekt e in s
Überset zen vo n Text en eing ebracht “ (St o lze 2001: 1 00). Dabei w ir d
anged eut et , dass mit d er vo llst ändigen Analyse des AT auch d ie
Gesamt int ent io n d er Bo t schaft er fasst würde. Fr eilich bleibt die
sinng lieder nd e u nd st ilist ische Fo r mu lier ung sent scheidu ng weit ge-
hend der Int uit io n und Sachkennt nis des Überset zers ü ber lassen u nd
wird nicht wirklich wissenschaft lich ded uziert . „Auch gibt es no ch
keine sat zübergreifenden Über legu ng en“ ( Sto lze 2001: 100).

Was ist aber mit den Überset zu ngen lit erar ischer Text e, d ie
st ilist isch vo n den eigenen Lit erat urnor men st ark g eprägt s ind ?
Wenn d ie „Fo r mulierung sent scheidung weit g ehend der I nt u it io n und
Sachkennt nis des Überset zers über lassen“ wird, dann würden do ch
st ilist ische E igenheit en u nd so mit vielleicht auch gewisse I nt en-
t ionen des AT-Aut o rs ver lo ren gehen.

Für St olze lenkt ein so lches Sprachverst ändn is vo n Nida den Blick
verst ärkt auf die Not wend igkeit des Wissens u m den ku lt urelle n
Ko nt ext , den Sprache ko nst it uiert und in dem sie ihre Bedeut ung
erhält . Kult ur verst änd nis mit Bezug auf d ie eigene wie auch auf die

112
Ausg angssprache ist u ner lässlich. E ine weit ere Konseq uenz dieser
Sprachko nzept io n ist , dass keine Über set zu ng endgü lt ig sein kann:
„… jede Übert ragu ng ist von ihrer Zeit geprägt , von der jeweilig e n
Sprache, sowie vo m Überset zer und der vo n ihm g ewäh lt en, als
dominant ausge legt en Persp ekt ive“ (St o lze 2001: 101).

Stolze beacht et hier aber die Üb erset zu ngen hist orischer


lit erar ischer Text e nicht , die wegen ihr er E igenheit als „schö ne
Lit erat ur “ u nd „Spiegel ihrer Zeit “ gelt en kö nnen.

Der Begr iff der „ko mmunik at iven Äquiva lenz“ wird vo n Jäg er
(1975) aufgegr iffen. Für ihn liegt ko mmunik at ive Äqu iva lenz d ann
vor, wenn der zielsprachliche Text für seine Adressat en denselbe n
kommunikat iven Wert hat wie d as Or igina l für d ie
quellensprachigen Adressat en. Durch Jäg er wird der Fo kus vo n de n
Invar ianzford eru ngen, die es bei der Transko d ierung einzelner
Text element e zu er füllen g ilt , auf den Gesamt t ext erweit ert (vg l.
Prunč 2001: 59 f.).

Wie kann aber d ie d eut sche Überset zung eines arab ische n
lit erar ischen AT, der in seiner ar abischen is lamischen Ku lt ur t ie f
verankert ist , „denselben ko mmu nikat iven Wert “ haben? So lche
kommunikat ive Äqu ivalenz könnt e aber, wenn sie vo llst änd ig
realisiert werden kö nnt e, eine Adapt at io n und nicht e in e
Überset zung d es AT in der ZS erzeugen.

Die E nt wick lung der Ko mmu nikat io nswissenschaft u nd d er


Text linguist ik zog eine Dyna misierung des Äqu ivalenzbegr iffs nac h
sich. Filipec (1971) fü hrt e d ie Unt erscheidu ng zwischen st ruk-
t ureller Äquiva lenz und Text äqu iva lenz ein. Er fordert e eine
exakt ere Unt erscheidung zwischen Äqu iv alenzbeziehung en, d ie au f
der Ebene vo n Sprachsyst emen fest zust ellen sind, u nd Äq u ivalenz-
beziehungen, die sich zwischen einem Au sgangs- u nd einem Zielt ext
ergeben ( vg l. Prunč 2001: 60).

113
Bei d ieser Über legung fehlt aber, dass es zwischen Sprachen w ie
der arabischen und der deut schen, d ie zu verschiedenen Sprach- u nd
Grammat ik syst emen gehö ren, st rukt urelle Äqu iva lenz sehr schwer
geben kann.

Für die bevorst ehend e Überset zung sanalyse sind Über legungen vo n
Neubert von I nt eresse, d er sich vor allem mit dem pragmat ische n
Aspekt der Über set zu ng befasst e und bereit s 1 973 d ie
Berücksicht igung der zie lspr achlichen Text sort en fo rdert e. Die
Ent scheidungen des Über set zers sah er im Bereich zwischen der
Treue zum Or ig ina l au f d er einen u nd d er Angemessenheit in d er
Zielsprache auf d er ander en Seit e angesiedelt . Je nachdem, welche
Fu nkt io n e in Text zu er fü llen habe, hab e d ie E nt scheidu ng ein ma l
zugunst en der Treue, dann wiederu m zug unst en der Angemessenheit
auszufallen. Die Text sort e, in Neubert s Ter mino lo g ie der Text t yp,
wird so zum wesent lichen Ent scheidungsparamet er, aufgru nd desse n
mit einander konkurr ierend e Äqu ivalenzforderungen hierarchisiert
werden können ( vgl. Pru nč 2001: 60).

Zwischen Ausgangs- und Zie lt ext sei bei der Über set zu ng vo r alle m
„funkt ione lle Äquiva lenz“ herzust ellen, die man nach Neu bert wie
fo lgt definieren kann:

„Funkt ionelle Äquiva lenz liegt dann vor, wenn mit einem
Text oder Text ele ment in einer ko nkret en Ko mmun ika-
t io nssit uat io n und unt er Berücksicht igu ng einer ko nkret en
Text sort e derselbe ko mmunik at ive E ffekt erzielt wir d, wie
er durch den Au sgangst ext in der Ausgan gssprache erzielt
wurde/wo rden wäre“ ( Neu bert 1973; zit . in Prunč
2001: 61).

Dieser Ansat z ist inso fer n int eressant , da bei einer


arabisch-deut schen lit erar ischen Überset zung großes Gewicht au f
den „ko mmu nikat iven E ffekt “ g elegt werden müsst e. Die be ide n
Sprachs yst eme sind ja verschieden und der Ko nt ext des AT hängt
von v ielen ku lt urellen und prag mat ischen Aspekt en ab. Daher zählt

114
vor alle m d ie Unt ersu chu ng des Wirku ngs- u nd Ver st ändn isgr ades
beim ZT-Leser für die Analyse u nd Bewer t ung der Über set zu ng. Be i
einer so lchen o ffenen Über set zung aber ist nur eine Art versetzt e
Fu nkt io nsäquiva lenz ( vg l. d ie „o ffene Üb erset zu ng “ vo n Ho use) zu
erreichen.

Weit er hin führt Neubert aus, dass es zwei Art en vo n Äqu iva lenze n
gibt , gewisser maßen er st er u nd zweit er Ordnung, d ie erst en sind die
zwischen zwei Sprachsyst emen, die zweit en zwischen zwei Text e n
bzw. Text klassen. Die erst eren „haben mit der Translat io n i m
Grunde nicht s direkt zu t un“ (Neubert 1983: 101). S ie sind ein e
Vo rst ufe oder Vorausset zu ng. Die zweit en sind die eig ent liche n
t ranslat or ischen Äq uivalenzen. „S emant ik für den Translat o r ist
so mit let zt lich immer Text semant ik, Bedeut ung als Funkt ion des
Text es“ (Neubert 1983: 101).

Der Über set zer kann also nach Neu bert au f zwei Weisen vo rgehen.
Er kann Sat z für Sat z der Ausgang ssprache in durchau s
wo hlgefor mt e Sät ze der Zie lspr ache ü berset zen. Was er dadurc h
erhalt e, sei allerdings led ig lich ein „Pseudot ext , der den Au fbau des
Or iginals bedenkenlo s imit iert “ (Neubert 1983: 104). Oder er
berücksicht igt vo m erst en S at z bis zum let zt en, einschließ lich der
Überschr ift , d ie Ko nvent io nen des ent sprechenden ZS-T yps. Erst
dadurch g elingt ihm nicht nur d ie Schaffung vo n wo hlgefor mt e n
Sät zen, sonder n d ie Gest alt u ng eines „wohlg efo r mt en Text es “
(Neubert 1983: 104).

Hier ist aber einzuwenden, dass der Überset zer bei einer arabisch-
deut schen lit erar ischen Überset zu ng z. B. in den ZT zu sät zlic h
eingreifen so llt e, um gewisse Aspekt e un d E igenheit en im AT näher
zu erk lären, die nicht einfach im Text ganzen „verdeut scht “ werde n
können. Dieses E ingreifen k ann z. B. in For m vo n Fuß no t en o der
Er läut eru ngen im Anschlu ss an die Überset zung st at t finden.

115
„Anti-Äquivalen z-Gesicht spunkt e“
Nachdem nun d iese Über legung en über die Frage der Äqu iva lenz
exemp lar isch dargelegt wurden, sind zu nächst ander e Richt ungen,
als Ko nt rapunkt e, darzust ellen, bevor dann eine eig ene S icht (u nt er
2.4.3) dargest ellt wird. Durch so lche Gegenme inungen beko mmt
das, was man beweisen bzw. best ät igen will, seinen fest en Bo den.

Für St olze (2001) meint Äquival enz in der Lit erat ur meist eine eher
abst rakt e Forderung nach Gle ichheit best immt er Aspekt e in der
Text vor lage und der Über set zung, „wobei das u ng ek lärt e Ver hält nis
zwischen Text ganze m u nd einzelnen Überset zung se in heit en ein
inhärent es Problem darst ellt “ (St o lze 20 01: 109). Dagegen werde n
als „Äquivalent e“ d iejen igen synt akt ischen E lement e bezeichnet ,
mit denen jene Gle ichwert igkeit realis iert wir d. Diese Unt erschied e
sind im weit eren Ver lau f der über set zung swissenschaft liche n
Disku ssio n nicht immer genau beacht et worden, „et wa wenn manche
Aut oren pauschal fordert en, eine ‚Über set zung müsse zu ihr e m
Or iginal äquiva lent ‘ sein, o der aber bet onen, d ie Äqu ivalenz se i
‚eine I llusio n‘“ (St o lze 2001: 10 9).

Weit er hin meint St o lze, d ass aus so lchen Gründen der Äq u ivalenz-
begr iff st änd ig veränd ert wurde. „E s t rat en andere Begr iffswö rt er
auf wie Ang emessenheit, Adäquatheit, Gleich wertigkeit, Überein-
stimmung, Ko rrespond enz, sinng emäß e Entsprechu ng, Wi rkungsg-
leichheit usw. “ (St olze 2001: 109). Abschließend st ellt St olze fest ,
dass Äq uivalenz eine Relat ion zwis chen AS- u nd ZS-Text
bezeichnet , „die nur überset zungskr it isch, d. h. am ko nkret e n
Text beispiel, fest gest ellt werden kann. Man kann nicht ‚äquivalent
überset zen‘, so nder n ein Zielt ext kann ( jeweils nur hins icht lic h
best immt er Text ebenen!) als eine m Au sgang st ext äquivalent gelt en “
(Stolze 2001: 110). D ie e inzelnen E le ment e au f den verschied ene n
Ebenen kö nnen aufgrund der Ver schiedenheit en der Sprachen und
Kult uren in den me ist en Fällen nicht invar iant und nicht alle
zugleich äquiva lent gehalt en werden ( vg l. Stolze 2001: 110).

116
Gegen diesen Ansat z ist zu argu ment ieren, dass er st ens in eine m so
prakt ischen und prag mat ischen Prozess wie dem Über set zen d ie
Äquivalenz k eine „abst rakt e Forderung “ sein kann. Äquivalenz lässt
sich nämlich dur ch die prakt ischen Lösung en und d ie zut reffend
sinng emäße Übert ragu ng dur ch den Über set zer konkret realis ieren.
Zweit ens, wenn nur d ie „s ynt akt isch en E lement e, mit denen
Gleichwert igke it realis iert wird“, als Äqu ivalent e gelt en würden,
dann könnt en so lche E lement e in einer arab isch-deut sche n
Überset zung aufgrund d er gro ß en Sprachverschiedenheit en nicht als
Äquivalent e gelt en. Auß erdem ist es in einer lit erar ische n
Überset zung nicht der Fall, dass man „ein zelne E lement e“ über set zt ,
damit sie „alle zugleich äqu ivalent “ wer den, so nder n man versucht
den S inn, die kult urellen Mark ierung en und d ie äst het ische n
Ko mponent en „g le ichwert ig“ zu ü bert ragen.

Sne ll- Hornby bezeichnet d ie Äquivalenz bekannt lich als „I llu sio n “
(Snell-Hor nby 1986: 13) u nd argu ment iert , dass d ieser Ter minus in
versch iedenen S prachen semant isch nich t ident isch ist und se lbst
inner halb der einen Spr ache u nt erschied lich verwendet wird. „Das
heißt , dass z. B. dt . Äquivalen z und engl. equival ence, so p arado x
das klingt , nicht äquiva lent sind“ (S nell- Hornby 1986: 14). S ie fü hrt
aus, dass „Über set zung säqu ivalenz keine abso lut e Größe sein k ann.
[…] Äqu ivalenz ist […] zu st at isch u nd e indimensio nal“
(Snell-Hor nby 1986: 15).

Hier ist einzuwenden, dass S nell-Hor nby ihr e S icht einschränkend


st üt zt auf d ie „hist orische E nt wicklung “ des Begr iffs d er
Äquivalenz, au f den St and dieses Begr iffs „in der Mat hemat ik und
in der fo r malen Lo g ik “ und auf einen einzigen Wö rt erbucheint rag
im Oxf ord Engli sh Dictiona ry, au s dem Äqu ivalenz für sie
“virt ually t he same t hing” bedeut et (Snell- Ho rnby 1986: 14). I m
Brockhaus d ageg en ist Äqu ivalenz mit „d as, was in gewissen Fälle n
gleiche Wirkung her vo rzubr ingen ver mag“ u nd im Longma n
Dictiona ry of Contemporary English (1995) mit “having t he same
value, purpose… et c. as a perso n o r thing o f a d ifferent k ind ”

117
(House 1997: 26) defin iert . Außerdem ist die Realis ieru ng der
for malen, prag mat ischen und st ilist ischen Gleichwert igkeit – auc h
mit verschiedenen Graden zwischen den Sprachen – in d er
Überset zung scho n läng st bewiesen. Au ch in einer
arabisch-deut schen lit erar ischen Überset zung k ann Äquivalenz,
wenn auch ver set zt e Äq uivalenz au fgrund der Spr ach- bzw. d er
Fu nkt io nsverschiedenheit en zwischen den beid en Text en, erzielt
werden. Der Grund für so lche Über le gungen von S nell-Hornb y
könnt e – wie House ausfü hrt – fo lgender sein: “Such ent r ies wer e
not ment io ned by S nell-Ho r nby as t hey would clear ly not serve her
purpo se o f discred it ing t he co ncept o f equ ivalence in t ranslat io n
st udies” (Ho use 19 97: 26).

Nach Nord (1991) gehö rt der Begr iff der Äquivalenz zu de n


schiller ndst en u nd am vielfä lt ig st en int er pret ier baren Begr iffen der
Über beset zungswissenschaft . S ie hebt d ie „Unschär fe“ dieses
Begr iffs her vor, bezeichnet d ie Äqu ivalen z als „nebu lö sen Maßst ab “
und set zt sie mit T reue g leich. S ie beleucht et einen mö g lichen
prag mat ischen Aspekt des Begr iffs du rch die „Fo rderung nac h
‚gleicher Funkt ion‘ vo n AT u nd ZT u nd nach d er Ausr icht u ng au f
den ‚gleichen ( ?) E mpfänger‘“ ( vg l. Nord 1991: 26). Für No rd
liefert die AT- Ana lyse „in d er Regel d ie alle inige Gru ndlage für d ie
Best immung der Äq uivalenz“ (No rd 1991 : 26). Weit er h in meint s ie,
dass e ine funkt iona le Äqu ivalenz mö glicherweise hergest ellt werde n
kann, wenn die voraussicht liche ZT-S it uat io n mit der AT-S it uat io n
verg leichbar ist . Aller d ing s ist fu nkt io nale Äqu ivalenz zwischen AT
und ZT „nicht der No r malfall, so nder n ein Sonder fall, bei d em der
Fakt or Funkt ionswechsel ‚zéro‘ geset zt wird“ (Nord 1991: 27).

Gegen diesen Ansat z ist einzu wend en, dass hier d ie S icht sehr
eingeschränkt ist , und zwar in er st er Linie auf d ie Überset zung vo n
Text en t rans it or ischer Nat ur, z. B. nat ur- o der wirt schaft s-
wissenschaft liche Text e, Wer be- u nd S acht ext e, also Text e, d ie
„verdeckt “ überset zt werden. Äqui valen z kann nicht immer mit
Treue gle ichgeset zt werden. Die Übertragu ng des Künst ler isch-

118
Äst het ischen be i der lit erar ischen Überset zung er fo rdert eher
Äquivalen z. Aber Treue bedeut et eher eine sachgemäß e
Übert ragung, bei der eine echt e Funkt io nsäquiva lenz erre icht
werden kann ( beide [Sach-]Text e – AT u nd ZT – haben d ie gleich e
Fu nkt io n). Bei der lit erar ischen Über set zung aber kö nnt e nur ein e
verset zt e fu nkt io nale Äqu ivalenz realis ier t werden, vo r allem wie in
dem Fall einer arabisch- deut schen Über set zung.

Für Wilss (1977) hat d ie relat iv e Unbest immt heit (und


Unbest immbark eit ) des Äqu ivalenzbegr iffs t eils überset zer-, t eils
t ext -, t eils adressat ensp ezifische Ur sachen (vgl. Wilss 1977: 161):

(A) Die überset zerspezifischen Ur sachen bas ieren nach Wils s


darauf, dass jeder Über set zer aufgru nd seiner spr achlichen u nd
außersprachlichen Wirk lichkeit ser fahru ng, seiner t ranslat o -
r ischen I nt eressenlage u nd seiner Zugehö r igkeit zu einer
best immt en Sprachgeme inschaft und eine r best immt en sozialen
Gruppe ein Wert syst em besit zt , das seine überset zer ische
Produkt ion mehr oder mind er umfassend st euert und
det er miniert . Versu che, d en Äqu ivalenzbegr iff zu o bjekt iviere n
und ver bindliche q ualit at ive Maß st äbe zu set zen, werden nicht
uner heblich dadurch er schwert , dass der Überset zer – bewu sst
oder unbewusst – in v iele Überset zungsvorgänge su bjekt ive
Qualit ät svorst ellungen inha lt licher u nd/ oder st ilist ischer Art
einfließen lässt (vg l. Wilss 1977: 161).
(B) Bei d en t ext spezifischen Ursachen geht Wilss au f ver schiedene
Text explikat ionen ein, d ie unt erschied lich mot iv iert sein
kö nnen, je nachdem ob sie durch S chwier igkeit en in der
ausgangsspr achlichen Text ana lysep hase o der in der zielsprach-
lichen Text synt hesep hase bed ingt sind. Äqu ivalenzpro ble me
st ellen sich au ch da, wo durch absicht liche oder unabsicht liche
inha lt liche Amb ivalenz des AT der Über set zer I nt erpret at ions-
schwier igkeit en oder semant ische Gewicht ungspro bleme hat
und die Überset zung d esse lben Text es durch verschiedene

119
Überset zer zu unt erschiedlichen zielsprachlichen Ergebn isse n
fü hrt (vgl. Wilss 1977: 163).
(C) Die adr essat enspezifischen Ur sachen gehen d arau f zurü ck, dass
der Überset zer den AT- Aut o r und die ZT -Leserschaft o ft nicht
kennt . Dadurch kann man sag en, dass Überset zungen ent weder
relat iv adr essat enspezifisch o der relat iv adressat enu nspezifisc h
orient iert sind. Am sinnfällig st en ist d ie relat ive Adressat en-
spez ifik bei fachsprach lichen Überset zu ngen; d iese sind in der
Regel für Fachleut e auf dem bet reffenden Gebiet , event uell
auch für fachlich int er essiert e Laien, au f jeden Fall für einen
durch Fachkennt nisse o der Fachint eresse au sgewiesenen u nd
damit vo n vo rnherein begrenzt en Per so nenkreis best immt , der
sich anhand von Fachgebiet sü berset zung en fachlich in fo r-
mier en will ( vgl. Wilss 1977: 169).

Wenn für Wilss so lche Ursachen zur Unbest immt heit bzw.
Unbest immbark eit der Überset zung säqu ivalenz führen, dann sind sie
Ursachen dafür eher, dass so lche Text e, bei denen d ies vo rko mmt ,
nicht mehr als Über set zungen beze ichnet werden kö nnen, sonder n
als Adapt at ionen, Bear beit ungen oder Nachd icht u ng en. I n so lchen
Fällen kann man nicht vo n Äqu iva lenz zwischen d em AT u nd de m
ZT spr echen. Außerdem sind die adressat enspezifischen Ur sache n
im Falle der fachsprachlichen Über set zu ng nicht berecht igt . Denn in
diesem Fall sind die Äquivalenzford eru ng en ko nkret er; der Kreis
der ZT-Leser ist hier relat iv beschr änkt .

Absch ließ end kann man sag en, dass so lche Gegenr icht u ng en d er
Äquivalenz ihre S icht en auf fo r ma le, syn t akt ische u nd lexik alische
Gleichheit beschränk en. Diese genü gen für einen r icht ig
äquivalent en ZT nicht . I m Gegensat z dazu sind d ie funkt ionalen,
kommunikat iven und pragmat ischen Äqu ivalenzfo rd erungen u mfas-
sender und schilder n eher den Sprachgebr auch als die
Sprachst rukt ur.

120
Der Begr iff des Sprachg ebrau chs ist für uns relevant , da eine gut e
arabisch-deut sche lit erar ische Über set zung au f d em r icht ig e n
Sprachgebr auch beruht . Dieser ist u mfassend er als Spr achst rukt ur.
Durch den r icht igen Spr achgebrauch kann eine äqu iva lent e
semant ische und äst het ische Wirkung im ZT realis iert werd en. Für
die bevo rst ehende Analyse ist d ies auch wicht ig, da d iese, wie o be n
erwähnt , zu m größt en Teil au f d er Unt ersu chu ng d iese s
Wirku ngsgrades basiert . Daher k ann es nun zu m Äqu ivalenzkonzept
kommen, das diese Kr it er ien des r icht igen Sprachgebr auchs er fü llt
und für diese Analyse von I nt eresse ist .

2.4.4 Äquivalenzforderungen der literarischen Übersetzung

Den Ker n der Äquivalenzpro ble mat ik bei der lit erar ische n
Überset zung bildet das Ver hält nis dreier Ko mpo nent en: der I nhalt
des Werks und dessen zwei Ko nkret isieru ng en durch den Leser de s
Or iginals u nd den Leser der Überset zung. In dem Versu ch,
Gleichgewicht zwischen d iesen drei Asp ekt en zu erzeugen, liegt das
Haupt verd ienst der Über set zerar beit . Mit d iesem Ver such w ir d
gemeint , wieweit Äquiva lenz inner halb d ieser Grenzen realis iert
werden kann; mit ander en Wo rt en und in Bezug au f d ie
bevorst ehende Überset zu ng sanalyse basiert Äquivalenzbeziehu ng
zwischen dem AT und dem ZT au f der Gle ichwert igkeit au f
semant ischer, pragmat ischer u nd t ext ueller E bene. Der
Wirku ngsgrad des ZT auf seine Leser im Verg leich zu dem des AT
auf seine Leser sowie die Ko rrespo nd enz des ZT zu m AT best imme n
dabei die Überset zung säquivalenz u nd somit - bewert ung.

2.4.4.1 Eine „verset zte G lei chwertigkeit “

In einer lit er ar ischen Über set zu ng wird Äqu iva lenz erzielt , wen n
u. a. die kult urspezifischen E lement e gleichwert ig, t reu, offen und
verst ändlich, d ie vo m Or iginalaut o r erzielt e „Bedeut ung “ und
Int ent ionen gleichwert ig ü bert ragen und – nicht zu let zt – d ie

121
St ilmer k male des AT u nd ihr e Wir kung mö g lichst adäquat
„über‚ge‘set zt “ werden.

Äquivalen z ist in einer einfachen S icht eine Relat io n, d ie


versch iedene Grade haben kann und im Gru nde d ie
Korrespo ndenzst ärke zwischen dem AT und dem ZT bezeichnet .
Äquivalenz ist aber eine relat ive u nd k eine abso lut e Größ e, d. h.
sogar d iese Gleichwert igk eit in der Wir kung be im best mö gliche n
überset zer ischen Übert ragen der st ilist ischen u nd äst het ische n
Ko mponent en des AT ist im ZT schwer zu erreichen. Diese
Ko mponent en sind nämlich nicht nur spr achlich mar k iert , so nder n
sie hängen auch vo n best immt en konvent io nellen und no r miert e n
Perspekt iven u nd Wert en der ausgangssprachlichen Lit erat ur und
Kult ur sowie vo n Bewu sst seins inhalt en der AT-Leser ab. In
Anlehnung an die „ver set zt e äqu ivalent e Fu nkt io n“ bei der o ffene n
Überset zung von Ho use kann man hier mit auch eine Art „ver set zt e
Gleichwert igke it “ bei der arabisch- deut schen lit erar ischen Überset -
zung fest st ellen. Die Äqu iva lenzforder ungen d ieser Gle ichwer-
t igkeit sind den fü nf Äqu iva lenzt ypen von Ko ller (2004) a m
nächst en. Daher wird im Fo lg enden d arauf eing egangen.

2.4.4.2 Differen zierun g des Äquiva len zb eg ri ffs

Ko llers Diskussio n d er Äquival enz bildet eine gru ndlegend e


Auseinand erset zung, die die me ist en Asp ekt e der Pro ble mat ik deckt
und eine Äqu ivalenzt ypo lo gie realis ier t , welche in fast alle n
Überset zungst ypen anwendbar sein kann. Daher wird sie besonder s
hervorgehoben. Die Kläru ng des Äquivalenzbegr iffs mu ss nach ih m
von drei pr inzipie llen Vo rüber legu ngen au sgehen ( vgl. Ko ller
2004: 215):

1. (Überset zung s-) Äqu ivalenz bedeut et zunächst nur, d ass zwische n
zwei Text en eine Über set zu ng sbeziehu ng vo r liegt ; man würde
deshalb besser von Äqui valen zrelatio n st att nur vo n Äq uivalen z

122
sprechen. Auch die Forderu ng an d ie Überset zung, sie hab e
äquivalent (oder gleichwert ig) zu eine m best immt en Or ig ina l zu
sein, bedar f der inhalt lichen Präzis ierung: Es muss ang egebe n
werden, auf welche Qu alit ät en d es AS-Text es sich d ie no r mat ive
Aussage bezieht (vgl. Ko ller 2004: 215).

2. Die Verwendung des Äqu ivalenzbegr iffs set zt die Angabe vo n


Bezugsra hmen voraus. Das bedeut et , dass Äqu ivalenz bzw. ein e
Äqu ivalenzrelat io n zwischen den beid en Text en dann vor liegt ,
wenn der ZS-Text best immt e Fo rderu ngen in Bezug au f d iese
Rahmenbed ingungen er fü llt . D ie Äqu ivalenzforderu ng lässt sic h
jeweils in d ie For mel fassen:

„Die Qua lit ät (en) X des AS-Text es (Qualit ät en


inha lt licher, st ilist ischer, funkt io neller, äst het ischer et c.
Art ) muss ( müssen) in d er Überset zung gewahrt werden,
wo bei spr achlich-st ilist ische, t ext uelle u nd prag mat ische
Bedingu ngen au f der Seit e der E mp fänger zu
berücksicht igen sind “ ( Ko ller 200 4: 215).

3. Als ZS-Äquival ente werden sprachliche/t ext uelle E inhe it e n


versch iedener Art und unt erschiedlichen Ranges u nd Umfanges
bezeichnet , die zu AS-E lement en in eine r durch Angabe des/d er
Bezugsrahmen(s) spezifiz iert en Äqu ivalenzrelat io n st ehen ( vgl.
Ko ller 2004: 216).

So unt erscheidet Ko ller fü nf Bezug srahmen, d ie bei der Fest legung


der Art der Überset zu ng säq uivalenz eine Ro lle spie len u nd au f d ie
sich jeweils ein Äquivalenzbegr iff beziehen kann. Diese
Bezugsrah men kö nnen fo lgend er maß en t abellar isch dargest ellt
werden ( vgl. Ko ller 2004: 21 6):

123
T abelle 2 : D ie Bezu gsr ahmen der Äqu ivalenz von K oller (2004)
(eigene zusa mmenfass ende Dar stellu ng)

Äquivalen zb eg ri ff Bezug srah men


Deno t at ive Der außersprachliche Sachverhalt, der
1
Äquivalenz in eine m Text ver mit t elt wird
Die im Text durch d ie Art der Verbali-
sierung ( insbeso nder e: durch sp ezifische
Auswahl u nt er syno nymischen o der
Ko nnot at ive
2 quasi- syno n ymischen Ausdru cks-
Äquivalenz
mö glichkeit en) ver mit t elt en Ko nnot at io n
bezüglich St ilschicht , so zio lekt ale und
geo graphische Dimensio n, Frequ enz et c.
Die Text- und Sp rachnormen (Geb-
Text nor mat ive
3 rauchsno r men), d ie für best immt e Text e
Äquivalenz
gelt en
Der Empf änger (Leser), an den sich d ie
Überset zung r icht et und der den Text au f
der Bas is seiner Ver st ehu ng svo rausset -
Prag mat ische
4 zu ngen rezip ieren kö nnen so ll bzw. au f
Äquivalenz
den d ie Über set zu ng „eingest ellt “ wird,
damit sie ihre ko mmu nikat ive Fu nkt io n
er füllen kann
Best immt e ä stheti sche, fo r male und
For mal- äst het ische
5 indiv idualst ilist ische E igenschaft en d es
Äquivalenz
AS-Text es

(1) Denotative Äquival enz


Zent raler Gegenst and sber eich bei der Beschreibu ng denot at iver
Äquivalenzbeziehungen ist die Lexik, weil hier d ie Sprachen a m
produkt ivst en sind. Vo m Überset zu ngsst andpunkt au s ist d avo n
auszugehen, dass denot at ive Äqu iva lenz pr inz ipiell mit t els
komment ier ender Über set zu ngsver fahren erreicht werden kann ( vg l.
Ko ller 2004: 228). I m lexika lischen Bereich lassen sich fü n f
Ent sprechu ngst ypen u nt erscheid en:

(A) Die E ins- zu-eins-Ent sprechu ng


Zum Beisp iel: engl. cont rol signal → dt . Stellgröße; dt . die Sch wei z
→ frz. la Suisse ( vgl. Ko ller 2004: 229).

124
(B) Die E ins-zu- viele-Ent spr echu ng (Diversifik at ion)
Zum Beispie l: eng l. cont rol → dt . Regelung, Steuerung, Bedienung,
Regelgerät, Regler, Steuergerät ; dt . Großvater → schwed. morf ar,
f arf ar (vgl. Ko ller 2004: 230).
(C) Die Vie le-zu-eins-E nt sprechung (Neut ralisat io n)
Zum Beispiel: engl. cont rol, co ntrol uni t, regulato r → dt . Regler
(vg l. Ko ller 200 4: 231).
(D) Die E ins- zu-Null-E nt sprechu ng (Lü cke)
Zum Beisp iel: engl. layout → dt . ?; engl. Perf ormance ( ling.) → dt .
?; eng l. f ast-breed er react or → dt . ? (vg l. Ko ller 2004: 232).
(E) Die E ins-zu-Teil-E nt sprechung
Zum Be isp ie l: dt . Geist → eng l. min d (vg l. Ko ller 2004: 23 6).

(2) Konnotative Äquival enz


Für den Ausdruck eines deno t at iven Gemeint en st ehen u nt erschied-
liche beze ichnungsg leiche (s yno nymis che bzw. qu asi- syno ny-
mische) Au sdrucksmö g lichkeit en zur Ver fü gung: z. B. essen :
spei sen : taf eln : f ressen ; et was durchf ühren : et was zu r
Durchf ührung bringen ; Wi r sind die Schuldigen : Di e Sch uldigen
sind wi r (vg l. Ko ller 2004: 240 f.).

Ko nnot at ive Wert e ergeben sich als Fo lge der Het ero genit ät der
E inzelspr achen: Sprachliche Au sdrück e (Wö rt er, Synt ag men, Sät ze)
lassen sich ver schiedenen Sprachschicht en zuo rd nen; sie unt er-
sche iden sich in d er Frequ enz, d er st ilist ischen Wirku ng, d e m
Anwendu ngsbereich; sie kö nnen beschr änkt sein auf best immt e
Benut zergrupp en et c. (vg l. Ko ller 20 04: 241). Wie bei d er
Herst ellung deno t at iver Äqu iva lenz best eht im ko nno t at iven Bereic h
grundsät zlich die Mö glichkeit , ko nnot at ive Wert e, d ie nicht er halt en
werden können, durch „ko mment ier ende Ver fahr en“ zu ver mit t eln.

(3) Textnorm ative Äquival enz


Der Bereich der t ext no r mat iven Äqu ivalenz bez ieht sich auf da s
Feld der Gebrauchsno r men. Vert ragst ext e, Gebrauchsanweisung en,
Geschäft sbr iefe, wissenschaft liche Text e et c. fo lg en hins icht lic h

125
Auswahl und Verwendungswe ise sprachlicher Mit t el im synt ak-
t ischen u nd lexik alischen Bereich „best immt en spr achliche n
No rmen (St ilnor men), deren E inhalt u ngen in der Überset zung
Herst ellung t ext no r mat iver Äquivale nz bedeut et “ ( Ko ller
2004: 247). Die Bed ing ungen der Text so rt e st euern dabei d ie
Selekt io n der spr achlichen Mit t el u nd den Text au fbau. Sprachlich e
Veränderungen sind hier mö glich aufgrund der in der ZS g elt end e n
anderen Text nor men.

(4) Pragm atische Äquivalen z


Pragmat ische Äquivalenz herst ellen heiß t „d ie Überset zu ng au f d ie
Leser in der ZS einst ellen. Dabei ist auszugehen vo n für AS- und
ZS-Text unt erschiedlichen Rezept io nsbed ingu ng en“ ( Ko ller
2004: 248). Der Über set zer mu ss sich st et s fragen, wie weit er in
den Text bear beit end eingre ifen kann und so ll. Zu d en har mlose n
E ingr iffen gehö ren Zu sät ze als Resu lt at ko mment ierender Über-
set zungsver fahren, mit denen Wissensdefizit e der ZS- Leser o der
Ver lust e im Bereich denot at iver u nd ko nnot at iver Wert e,
int ralinguist ischer, so zio -kult ur eller u nd int ert ext ueller Bedeu-
t ungen au sgeg lichen werden.

(5) Form al-ästheti sche Äquival enz


Die Her st ellung fo r mal-äst het ischer Äq uivalenz im ZS-Text
bedeut et „Analog ie der Gest alt u ng“ in der Über set zu ng ( vg l. Ko ller
2004: 252). Au fgabe der Überset zungswissenschaft ist es, d ie
Möglichkeit for mal- äst het ischer Äqu ivalenz im Blick auf Kat e-
gorien wie Reim, Rh yt hmu s, beso nder e st ilist ische Ausdruck s-
for men in S ynt ax u nd Lexik, Sprachsp iel, Met apho r ik et c. zu
analys ieren ( vg l. Ko ller 200 4: 253).

Aufgrund dieser Äquivalenzt ypo log ie von Ko ller und d er o be n


dargelegt en maß geblichen Überset zu ng st ypo log ie vo n Ho use (o ffene
und verdeckt e Über set zung) kann man nu n auf d ie mö gliche n
Äquivalenzforderungen der arabisch-deut schen lit erar ischen Über-
set zung et was näher eingehen, damit dann die Überset zung sanalys e

126
und - bewert ung lit erar ischer Text e, d ie in er st er Linie au f d ieser
Äquivalenzrelat io n basieren, in den fo lgenden Kap it eln d iskut iere n
werden können.

2.4.4.3 Zu r Äquivalen z bei der a rabi sch -deutschen


literarisch en Überset zung

Mit Recht sieht House das Wesen der Üb erset zung in dem Versuch,
die „Bedeut ung“ einer spr achlichen E inh eit beim Überwechseln in
eine andere Sprache so weit wie mög lich äqu ivalent zu halt en.
Wenn man davon ausgeht , dass d iese Bedeut u ng au s dre i
Ko mponent en best eht , einer semant ischen , einer prag mat ischen u nd
einer t ext uellen, dann kann man Überset zen definier en „als da s
Erset zen eines in einer Ausg angsspr ache gegebenen Text es durc h
einen semant ischen, pragmat isch u nd t ext uell äqu iva lent en Text in
der Zielsprache“ (Ho use 20 05: 78).

Bei der lit erar ischen Überset zu ng, vo r alle m vo m Arabischen in s


Deut sche, ist in Bezug au f den Überset zung st yp d ie o ffene
Überset zung der Idealfall. Die fremd e At mo sp häre, der Ko nt ext und
die ku lt ur ellen Mark ier u ngen im AT erzeug en d iese o ffene
Überset zung im ZT. Die oben erwähnt e „v erset zt e Gleichwert igkeit “
wird also dann durch best immt e Äqu iva lenzforderu ng en r ealis iert .
Diese sind – in An lehnung an Ko llers Äqu ivalenzt ypo log ie – vor
alle m:
• die f ormal-ästh eti sche Äqui valen z ( im Sinne vo n Erzeugu n g
der möglichst ähnlichen Wirku ng auf den ZT-Leser durch d ie
geeignet e Auswahl der lex ikalischen und semant ische n
E inheit en sowie st ilist ischen Mit t el) ; u nd
• die pragmati sche Äqui valen z ( im S in ne von E ingreifen d es
Überset zers in den Text durch „Hinzufügen“ vo n
Er läut erungen u nd Ko mment aren so wie durch die passend e
Übert ragung vo n „Rea lia-Bezeichnu ngen“, indem sie auc h
ihre E ig enheit im ZT weit er bewahren, d amit dann i m

127
Endeffekt der jeweilige S it uat io nsko nt ext mö g lichst adäq uat
bzw. gleichwert ig/ wir kungsgleich übert ragen werden kann).
Schließ lich so ll der ZT-Leser d ie fremde At mosp häre,
Ausdrucksweise und den fremd en St il g enießen.

Die beiden Äqu ivalenzfo rd eru ngen sind st ark mit einander
verbunden. Die prag mat ische Äquivalenz kann Lö sungen für
Probleme im Bereich d er Lexik u nd Sema nt ik biet en. Beisp ielsweise
gibt es im Deut schen deno t at ive E inh eit en, die im Arabische n
versch iedene konno t at ive Wert e haben. Daher müssen sie näher
best immt bzw. er läut ert werden, wenn die Spezifiz ieru ng für de n
Ko nt ext relevant ist . So findet man für den deut schen „Onkel“ i m
Arabischen ‫( ﻋﻡ‬Onkel vät er licher seit s) und ‫( ﺨﺎل‬Onkel müt t er-
licherseit s, so wie für die d eut sche „Tant e“ ‫( ﻋﻤﺔ‬Tant e vät er-
licherseit s) und ‫( ﺨﺎﻝ ﺔ‬Tant e müt t erlicherseit s). In d iesem Fall k an n
in der ZS-E nt sprechu ng Differenzie rung durch Ad ver bie n
ausgedrückt werden.

Bei den „Realia- Bezeichnungen“ ( Ko ller 2004: 232) hand elt es sic h
um kult urelle Markier u ngen u nd landesko nvent io nelle, ku lt ur-
spez ifische E lement e, d. h. Ausdrücke u nd Namen für Sachver halt e
polit ischer, inst it ut ioneller, sozio -kult ur eller, geo grap hischer Art ,
die spezifisch sind für best immt e Länd er. Die Überset zu ng kann
hier beim Sprachenpaar Ar abisch– Deut sch vor alle m ent weder durc h
vo llst ändige oder t eilweise Anp assung an die p ho net ischen,
grap hemischen u nd/o der mo rp ho log ischen No r men der ZS er fo lge n
(Lehnwort ), z. B. ‫ آ)ب‬kuttab ( mit der Erk läru ng, dass es dabei u m
eine beso nder e Art vo n Koranschu len geht , die es nur in best immt e n
Landgebiet en Äg ypt ens und heut e nicht mehr exist ieren), o der durc h
Lehnü berset zung, z. B.  (/ ‫„ ﺵ ا‬Riechen des Wind hau ches“ ( mit
der Erkläru ng, dass d ies d ie Bezeichn ung für das Ost er fest in
einigen arabischen Länd er n ist ).

128
Die st ilist ische Überset zbarkeit spro blema t ik result iert daraus, dass
die S yst eme der ko nnot at iven Wert e, d ie st ilpräg end sind, sich i m
Sprachenpaar Ar abisch–Deut sch nicht immer eins zu eins decken.
Aufgabe des Über set zers ist es, au f d er Text ebene in der ZS
diejenigen sprachlich-st ilist ischen Mög lichk eit en zu realis ier en, d ie
als opt imale ko nnot at ive E nt sprechu ngen fu ng ieren können. D ie
Ent scheidung für eine best immt e Ent sprechu ng hängt einerseit s vo n
den zur Ver fügung st ehenden sprachlich-st ilist ische n
(Wahl-)Mö glichke it en ab, andererseit s v on der Hier archie der zu
erhalt enden Wert e, die der Über set zer au s d er für d en bet reffend e n
Text (bzw. die Text st elle) maß geblichen Hierarchie der Äq uivalenz-
forderungen ableit et . Beisp ie lsweise fin det man in der Erzäh lung
Hansal und der Poli zist d ie Au ssage ‫ أﻥ‬،‫ر‬0‫ة ا ^ﻡ‬F1 ‫ ا ی‬G_)‫أ‬
! !‫( ﺥدﻡ‬Machfus 1963 c: 187) „Nicht doch, Herr Kommissar, ic h
st ehe zu Dienst en“ (Machfus 1978d: 11). Die prag mat ische
Überset zung von ‫ ﺃﺴﺘﻐﻔﺭ ﺍ ﷲ‬mit „Nicht doch“ ist in diesem Ko nt ext
sehr gelungen, indem sie die wir k lich g emeint e Bedeut ung
wiederg ibt , o bwohl d er arabische Ausdru ck wö rt lich „ich bit t e Go tt
um Vergebu ng“ bedeut et , was gerade in diesem S it uat io nsko nt ext
nor malerweise als Ausdru ck d er Bescheidenheit o der Unt er-
wür figkeit dient .

Ko ller meint in d iesem Zusamme nhang aber, dass d ie


„ko mment ierend en Ver fahren“ zu den ko nno t at iven Wert en, d ie ein e
wicht ige st ilprägende Fu nkt io n im AT haben, „kaum in größ erem
Umfang angewendet werden, ohne dass der Text ent scheidender
äst het ischer Qualit ät en ver lust ig ginge und als ‚künst ler ischer‘ Text
unt er Umst änden recht eigent lich unlesbar würd e“ ( Ko ller
2004: 243). Dagegen kann man jedoch meinen, dass mit t els so lcher
erklärend en Zusät ze einerseit s die „fremd e At mosp häre“ im ZT
bewahrt wir d u nd anderer seit s dem „Künst er lischen“ nicht
geschad et wird, da d ie „ander en“ st ilist ischen und äst het ische n
Merkmale nämlich zur Ber eicheru ng der zielspr achlichen Lit erat ur
beit ragen kö nnt en.

129
Die beiden Äqu ivalenzforderu ngen haben beim Überset zen vo n
Sprachsp ielen und Met ap her n in ar abischen lit er ar ischen Text e n
eine zent rale Bedeut u ng. Die Überset zu ng st ößt hier nicht selt en a n
Grenzen, die auch der ( sprach-) schöp fer ischst e Über set zer schwer
überwinden kann. Text st ellen, in denen spr achliche Inhalt e a n
spez ifisch einzelspr achliche Fo r men g ebund en sind, erweisen sic h
als schwer überset zbar. Und hier sin d oft Defiz it e bei d e n
arabisch-deut schen lit erar ischen Über set zungen zu finden. Theore-
t isch kö nnen zwar mit Sprachspie len zu sammenhängende Über set -
zungspro bleme mit ko mment ierenden Verfahren gelö st werd en, d. h.
das AS-Spie l wird in einer Fuß no t e o der im Text selbst erk lärt .
Wenn aber das Sprachsp ie l zu den ent scheid ende n
st ilist isch-äst het ischen Qu alit ät en des AS-Text es g ehö rt , so wir d
durch die b loß komment ierende Wiederg abe dieser Qu alit ät en in d er
ZS die äst het ische Ident it ät des Or ig inals zerst ört . Wie Ko ller z. B.
meint , fu nkt ioniert ein Wit z, der erk lärt werden muss, „nicht mehr
wie ein (r icht iger) Wit z; ein Sprachspiel, das ko mment iert wird ,
ver liert (zumindest t eilweise) seinen spie ler ischen Charakt er “
(Ko ller 2004: 264). Beisp ielsweise findet man in der Erzählu ng Di e
Öllampe d er Umm Haschim d ie Met ap her 7 ‫رزة وا‬6 ‫ أذن‬H „er hö rt e
in hö chst er Aufmerksamkeit d ie verschiedenen Geräu sche“ (Hakk i
1981: 50/51). Hier heiß t der arabische Sat z wö rt lich: „er hat t e
sort ierende aufmerksame Ohren“. I m ZT wurde aber die Met apher
abgeschwächt , d ie prag mat ische Bed eut ung wied ergegeben und d ie
fehlende Met apher im Anhang (vg l. Hakki 1981: 134/135) erk lärt .

130
3 Zur Übersetzungsbewertung

131
Nachdem im vo r igen Kapit el grundlegend e Aspekt e u nd
Über legungen, die den Pro zess der Über set zung behandeln u nd fü r
die Überset zungsanalyse u nd - bewert ung von I nt eresse sind ,
dargest ellt wurden, ko mmen wir nun et was näher zu unserer
Analyse. I m vor liegend en Kap it el wird zunächst au f Au fgaben u nd
Schwier igkeit en der Überset zu ngsbewert ung kurz eingeg angen.
Dann werd en Ansät ze zur Evalu at io n der Über set zu ngsqualit ät
dargest ellt , mit beso nderer Her vo rhebung des Modells zur
Überset zungsbewert ung vo n House (19 77, 1981, 1997), au f d em da s
eigene, im nächst en Kap it el beschr iebene Modell basiert .

3.1 Zur Bewertung literarischer Übersetzung

E ine Überset zungsanalyse best eht haupt sächlich in der Besch-


reibung der Über set zung sleist u ng, Überset zu ng spr inzip ien u nd
- met hoden so wie der Ver fahren, mit d enen d er Über set zer die
konkret en Pro bleme lö st . So hat d ie bevo rst ehende Analyse d ie
Aufgabe, die Pr inzip ien vo n d enen sich ein Überset zer leit en lässt ,
durch den Vergleich vo n Or iginal u nd Über set zu ng heraus-
zuar beit en. Es geht dabei u m d ie Reko nst rukt io n der Hierarchie vo n
Äquivalenzforderungen, denen der Über set zer in seiner Ar beit fo lgt .
Dabei werden nat ür lich auch Text eingr iffe u nd ihre Berecht igung
bzw. möglichen Hint ergründe au fg edeckt und u. a. die Frag e
gest ellt , wo und in welchem Ausmaße d adurch die Aut o no mie de s
zu ü ber set zenden Text es und d ie I nt eressen des ZT-Leser s am Text
ver let zt werden.

E ine Wert ung der Über set zu ng auf d er Basis eines genaue n
Überset zungsverg leichs kann zu einem wesent lichen Teil als
objekti v bezeichnet werden ( „o bjekt iv“ v erst anden als ü berprü fbar
und sachgemäß). Zu einem anderen Teil is t diese Wert u ng subj ekti v,
was da mit zusammenhängt , dass der Überset zu ngskr it iker bei d er
Beurt eilung d er Adäquat heit – wie der Über set zer selbst – vo n
best immt en t heo ret ischen Vo rent scheidungen u nd Vorausset zu ng e n
132
ausgeht , die der Überset zu ng skr it iker exp liz it dar legen so llt e. Diese
t heoret ischen Vorausset zungen bet reffen die st ilist isch äst het ischen
Anschauu ngen, die Au ffassu ng vo n sprachlicher Nor m u nd sprach-
lichen Mög lichkeit en, d ie Au ffassungen von Überset zungszweck
und Über set zungspr inzip ien u nd - met hoden, denen ein Überset zer in
den Augen d es Kr it iker s fo lgen so llt e; „sie bet reffen schließ lic h
auch die Vorst ellungen, d ie s ich der Überset zungskr it ik er vo m
Bildung sgrad, dem Ver st ehensho r izont und den Ver st änd n is-
schwier igkeit en beim präsu mt iven Leser der Über set zung macht “
(Ko ller 1974: 273).

Die Analyse der Überset zu ng u nt er ko mmunikat ivem Aspekt , d. h.


sie in ihrer Beziehu ng zu m Leser zu bet racht en, ist besonder s
wicht ig, weil ein ko mmu nik at iver Ansat z nämlich andere Aspekt e
der Text e er hellen kann, z. B. das Au smaß der E influssnahme des
Lesers auf den Über set zungsakt . Man denkt dabei an d ie No r men,
die durch die P erson d es Leser s repräsent iert werden, und an dere n
Auswirku ngen auf d ie Ent scheidungen des Über set zers ( vg l.
Popo vič 1977: 94). Für d ie Analyse der lit erar ischen Über set zu ng
sche int d ieser ko mmu nik at ive Ansat z auf der Gru ndlag e eine s
weit gefasst en St ilbegr iffs sehr wicht ig zu sein, wo bei St il For m und
Thema als fu nkt ionale E inhe it zusammenfasst . „Die Makro st ilist ik
umfasst d ie St ilist ik von Thema, Hypers ynt ax u nd Text ko mpo sit io n;
die Mikrost ilist ik beschreibt die Funkt io n d er u nt eren Ebenen der
Text st rukt ur, vo n der Ebene des Sat zes bis zur lexemat ische n
Ebene“ (Popovič 1977: 98).

3.1.1 Bestimmung der Qualität literarischer Übersetzung

Die Fest st ellu ng, dass eine Sprache in der Regel mehrer e et wa
gleichwert ige Ausdrucksvar iant en für d ie Bezeichnu ng d es jeweils
Gemeint en zur Ver fügu ng hält , ist nach Wilss in g anz
ent scheid ender Weise für die Kr it ik lit erar ischer Überset zung
relevant . I m Verg leich zu m Überset zer hat der Überset zung skr it ik er

133
mit einer ver schär ft en Pro ble mlage zu rechnen. Bezug spu nkt seiner
Tät igkeit ist nicht nur der AT, so nder n er ist vielmehr mit der
Kopräsenz von zwei Text konkret isieru ng en ko nfro nt iert , von dene n
die zweit e das Ergebn is einer Umset zu ng d ieses AT in d ie
Zielsprache ist . Die beiden Text e mu ss er unt er Berücksicht igung
t ext funkt io naler, t ext konst it ut iver u nd t ext rezept iver Fakt o ren au f
ihre qualit at ive Konvergenz überprüfen ( vg l. Wilss 1977: 286).

Als sehr wicht ige Kr it er ien für d ie Überset zu ngsbewert u ng gelt e n


eigent lich die Wahru ng der äst het ischen Wirku ng u nd d ie
Aufweisung von st ilist ischen Merkmalen im ZT. So bezeichnet Kade
(1968 b) mit Recht d ie kü nst ler ische Gest alt ung des Text es als
wicht igen Maßst ab für die Beurt eilu ng lit erar ischer Über set zu ngen:

„Die Qualit ät der lit erar ischen Über set zung wird g erade
dadurch best immt , in welchem Maß e es gelingt , d ie
Darst ellung des Inhalt s mit d en Mit t eln der ZS
künst ler isch zu gest alt en. Bei der Gest alt ung des neu en
Text es in der Sprache der Über set zung aber ko mmt man
ohne künst ler ische Begabu ng, o hne schr ift st eller isches
Talent nicht aus. Das g ilt nicht nur für poet ische, sonder n
auch für pro saische Überset zungen. Die prosaischst e aller
prosaischen Über set zu ngen in ner halb des lit erar ischen
Schaffens ist nicht mö glich o hne kü nst ler ische Beg abu ng,
d. h. ohne die Fähigkeit , schö p fer isch int u it iv das
Wort mat er ial zur hand haben“ ( Kade 1968 b: 47).

Auch für Levý (1969) ist d ie Grund lage der Äst het ik einer
Überset zung die Wertkat egorie. Der Wert wird best immt durch da s
Ver hält nis des Werks zu d en lit erar ischen Nor men. Diese No r me n
sind vo r allem d ie No r m des „Repro duzierens“ ( Forderung nac h
Wahr heit st reue, im S inne vo n der Mit t eilung aller wesent liche n
Zügen des Or ig ina ls an den ZT-Leser) u nd die No r m des
„Künst ler ischen“ (Fo rderung nach Schö nheit , im S inne vo n Wecke n
ähnlicher o der derselben Asso ziat io nen u nd vo n der Erzie lu ng
gleicher Wir kung des ZT au f den Leser wie d ie Wirku ng des AT au f
seinen Leser) ( vgl. Levý 1969: 68). So kann der ZT-Leser d ie

134
fremd e Welt durch den Erhalt der äst het ischen Qualit ät en des AT
auch „g enießen“.

3.1.2 Zu den Schwierigkeiten der Übersetzungsbewertung

Auch wenn die Überset zung sbewert ung lit erar ischer Text e nicht
sehr schwer erscheint , hat sie auch Pro bleme und Schwier igk eit en,
weil s ie nämlich eine su bjekt ive Leist ung ist , d ie vo n einer andere n
subjekt iven Leist ung des Überset zers und einer jeweiligen Text -
beschaffenheit abhängt . So lche Schwie r igkeit en sind also nicht
abso lut . Sie var iier en in ihren Grad en je nach den E inst ellu ngen de s
Kr it ikers zum T ext , Überset zer u nd S it u at io nsko nt ext . Es ist aber
wicht ig, sie im Zusammenhang mit der bevorst ehend en Analyse in
dieser Ar beit her vo rzuheben, weil sie eigent lich a ls Begrü nd u ng für
event uell o ffen bleibende Fragen durch die Ana lyse d ienen können.
I m Allgemeinen lassen sich so lche S chwier igk eit en wie fo lgt
zusa mmenfassen:

Der Überset zungskr it ik er mu ss g leichsam gegen den Uhrzeiger sin n


vorgehen; er muss den Überset zu ng svo rgang zurückdrehen, u m au s
dem ihm vor liegenden Überset zu ngsr esu lt at d ie Fakt o ren zu
best immen, die zur z ielsprachlichen T ext konst it uieru ng gefü hrt
haben. E s ist aber g ar nicht einfach, Mit t el u nd Wege zu finden, u m
in die „schmale Fuge“ zwischen ausgang ssprachlicher T ext ko n-
zept io n und zie lspr achlicher Text realis ierung einzudr ing en. Sein e
Aufgabe wird dadurch zusät zlich erschwert , dass er d ie für d ie
Qualit ät einer Überset zung maß gebenden E nt st ehu ngsbed ingu ng e n
oft nicht k ennt und au ch nicht darü ber Bescheid weiß, vo n welche n
Zielvo r st ellungen sich der Über set zer bei der Anfert igu ng seine s
Translat s hat leit en lassen ( vg l. Wilss 19 7 7: 287).

E ine wicht ige Vorausset zung, deren Fehlen Schwier igkeit e n


bereit en kann, sind gut e ku lt urelle Kennt nisse. Der Kr it ik er
lit erar ischer Überset zung mu ss ein sehr g ut er „Kenner “ nicht nur in

135
den beiden Sprachen, so nd er n auch in den beiden Ku lt uren des AT
und ZT. Er muss in der Lag e sein, d ie beiden Text e gut zu ver st ehe n
und zu int erpret ieren und er muss deren kult urelle Hint ergrü nd e gut
kennen, weil diese nämlich vie les in der Überset zung sst rat eg ie
aufk lären kö nnen.

Lit erar ische Text e zeichnen sich gerad e dadurch aus, „dass sie nicht
interpret ationseind eutig sind“ ( Ko ller 2004: 121). S ie sind in einer
ganz anderen Weise int erp reta tionsbed ürf tig als Sacht ext e. Die
Mehrdeut igkeit s- u nd Unbest immt heit sst ellen lit er ar ischer Text e
werden in ver schiedenen S it uat io nen von E mpfänger n (Überset zer n)
mit verschiedenen Verst ehensvorausset zung en u nt erschiedlic h
konkreti siert. Die schwier ig e Frage ist also, „welche d ieser
Int erpret at io nen oder Konkret isat io nen d er Intention des Ori ginal s
gerecht oder noch gerecht werden, und welche sie ver let zen“ ( Ko ller
2004: 121). Das macht d ie Ar beit des Überset zungskr it ik er s
wiederu m schwer. Denn d er Überset zer als ein unt er so lche n
versch iedenen Rezept io nsbed ing ungen st ehender E mpfänger reali-
siert in der sprachlich- st ilist ischen Au sfor mung der Überset zung
„eine hist ori sch mögli che Konkretisat io n, die fr eilich ihrer seit s
Mehrdeut igkeit en und Unbest immt heit en au fweisen kann, die be i
unt erschied lichen Rezept ionsbedingu ngen unt erschied lich ko nkre-
t isiert oder int erpret iert werden“ ( Ko ller 2004: 121). E ine Au fg abe
sowie eine Schwier igk eit der Überset zungskr it ik lit er ar ischer Text e
ist es demzufo lge, d iese Ko nkret isat io nen in ihren sprachlich- st ilis-
t ischen Auswirkungen in der Überset zung zu analys ieren ( vg l.
Ko ller 2004: 122).

Auch die Forderung nach der Schö nheit und der äst het ische n
Bedeut ung der Überset zung als Kr it er iu m der Beurt eilung ko mp-
liz iert die Ar beit des Über set zungskr it ikers. In der Reg el ist der
Überset zer auch weniger Künst ler als der Aut o r der Vor lage, u n d
die schein baren Mängel d er Überset zu ng haben meist ihren Gru nd
dar in, d ass d er Über set zer d ie Absicht en des Aut ors nicht verst ehe n
konnt e. „Der Kr it iker d er Über set zung mu ss wiederu m sehr

136
vorsicht ig urt eilen, u m d ie absicht liche Nachahmu ng des pr imit ive n
St ils der Vor lage nicht dem Über set zer als Ungeschickt he it vo rzu-
wer fen, oder umgekehrt , den Überset zer der Vo rzüge der Vorlag e
wegen nicht zu über schät zen“ ( Levý 1969 : 71). Die doppelt e äst he-
t ische Nor m in der Überset zung ist meist d ie Ur sache für d ie
Feh lkr it ik über den Wert konkret er Über set zu ngen: „Schö nheit u nd
Text t reue werden einand er o ft gegenü bergest ellt , als würden sie
sich aussch ließ en“ (Levý 19 69: 71). Die Nähe zur Vo r lag e ist n icht
an sich scho n ein Maß st ab für den Wert der Überset zu ng, so nder n
nur ein Kennzeichen der Met hode. Für den Wert der Überset zung ist
nicht die gewählt e Met ho de ent scheidend, so nd er n d ie Art , wie der
Überset zer mit seiner Met ho de zu ar beit en verst eht (vg l. Lev ý
1969: 72).

Auf relat iv fest em Bo den befindet sich d er Kr it ik er da, wo er sic h


auf die Überprü fu ng der Inhalt säquivalenz vo n au sgang ssprach-
lichem und z ielsprachlichem T ext beschr änken kann. Ander s ist die
Lage aber bei lit erar ischen Text en. Fast alle Leser lit erar ischer
Text e kennen die Er fahrung, dass man den sub jekt iven E indruck ,
den so lche Text e hint er lassen, nur unzureichend in ver bind liche
Wert begr iffe zu fassen ver mag. Jeder Text dieser Art zeigt , dass der
Überset zungskr it ik er hier bei der E inzelanalyse an Grenzen st ö ßt,
hint er denen die Zu fallsbest immt heit ü berset zu ngskr it ischer Aus-
sagen beginnt und ihre Valid it ät zweifelhaft wird. Wenn sich de m
Überset zer für die Wiedergabe eines ausgang sspr achliche n
Text segment s mehr ere et wa gle ichwert ige Ausdrucksvar iant e n
anbiet en, wir d er diejenige auswählen, d ie er u nt er de n
vorwalt enden sit uat iven Umst änd en au s angebbaren Grü nden o der
int uit iv für d ie opt ima le Lö sung hält ( vg l. Wilss 1977: 288). Nu n
kann es vorko mmen, dass der Kr it iker bei d er Rekonst rukt io n der
einzelnen Überset zung spro zesse die vom Überset zer gewäh lt e
Lösung in d er Rang fo lg e der mög lichen Ausdrucksvar iant en „au f
den zweit en o der dr it t en P lat z verweist “, o hne dass er dafür ein e
andere Begründung geben kö nnt e als die, dass er „her meneut isc h
oder st ilist isch eben ander s programmier t “ ist und deshalb seine n

137
eigenen Lösungsvo rschlag für besser hält . Zu der ideale n
Überset zungskr it ik gehö rt also no t wend igerweise e in S yst em mit
Analysekr it er ien, d ie e ine g eneralis ier ende Beschr eibung, Erkläru ng
und Bewert ung des ZT gewähr leist et (vgl. Wilss 1977: 289).

3.2 Ansätze zur Übersetzungsbewertung

Es best eht keine allgeme in ver bindliche Theor ie zur Über set -
zungskr it ik bzw. Analyse- und I nt erpret atio nst echnik für d ie lit era-
r ische Überset zung. Die Über set zungswissenschaft ler haben zwar
mit einigen Ansät zen zur t heo ret ischen Fu nd ierung der Überset -
zungskr it ik beiget ragen, do ch g ibt es ver schiedene Fu ndament e für
Ent scheidungen, Bewert ungen und Ar gu ment e. Im Fo lg ende n
werden einige Ansät ze zur Bewert u ng vo n Überset zungsq ualit ät
kurz dargest ellt . Dies dient dazu, einen kur zen Über blick ü ber
Richt ungen zu ver mit t eln, die ver schiedene Über legu ngen zu m
Thema der Über set zungsanalyse u nd -bewert ung dar leg en.

3.2.1 Verschiedene Ansätze zur Qualitätsevaluation von


Übersetzungen

(1) Die neo-her meneut ischen Ansät ze


Vert ret er d ieses Ansat zes waren u. a. Sto lze (1992) und
Kupsch-Loser eit (1994). Hier werden d ie Ver st ehens- u nd
Int erpret at io nsphase sowie die Fert igung der Über set zung als sehr
individuelle und kreat ive Leist ung angesehen. Nach St olze k ann
man vo n einer gut en Überset zu ng sprechen, wenn der Über set zer
sich mit dem AT „vo ll ident ifiz iert “ (vgl. Ho use 1997: 2) .
Kupsch-Loser eit bet racht et die Über set zung st ät igkeit als ein e
soziale Handlung, die sich am S inn- u nd Bed eut ung sho r izo nt des
ZT-Leser s o rient iert (vg l. House 1997: 3).

138
Solche Über legungen wer fen nur einen beschr änkt en Blick au f d ie
Themat ik. S ie behaupt en, dass d ie Qu alit ät sbewert ung vo n Überset -
zungen eher auf der subjekt iven I nt erpret at ion und den E nt schei-
dungen des Überset zers basiert . Diese hängen aber vo n seiner
sprach lichen und ku lt urellen Ko mpet enz ab, was eine ob jekt ive und
sachgerecht e Bewert ung nicht liefer n kann. Hier werd en d ie
Beziehung zwischen AT u nd ZT so wie d ie Erwart ung en der
ZT-Leser nicht genug beacht et . Die Tät ig keit der Überset zu ng wird
so mit auch vo n anderen Leist ungen, wie der Adapt ieru ng ,
Bear beit ung oder Nachd icht ung, nicht deut lich abgegrenzt (vg l.
Ho use 1997: 3).

(2) Die rezept ionsor ient iert en Ansät ze


Nida (1964) bewert et die Qualit ät einer Über set zung nach de m
Äquivalenzgrad der Rezept io n, also nach der d yna mischen Äquiva-
lenz. Auch für Nida und Taber (1 969) best immen das korrekt e
Verst ändnis der ZT-Leser sowie d ie Wir kung dieses ZT au f sein e
Leser d ie Bewert ung der Überset zung (vgl. House 1 997: 4). Dieser
Ansat z ignor iert aber den AT zu einem groß en Teil so wie d ie
Tat sache, dass er „in eine andere Sprache“ ü bert ragen werden so ll.
Wieder wird hier die Beziehu ng zwischen dem AT u nd dem ZT nicht
beacht et und so mit sind hier d ie Grenzen zwischen Über set zu ng u nd
anderen Text produkt io nen nicht deut lich ( vg l. House 1997: 6).

(3) Die t ext o rient iert en Ansät ze


Die me ist en Vert ret er d ieser Ansät ze bet racht en den ZT eher nur i m
Rahmen der Zie lkult ur. To ur y (1985) z. B. bewert et die Qualit ät
lit erar ischer Überset zungen je nach der Funkt io n des ZT im S yst e m
der zielkult ure llen Lit erat ur. Nach ih m so ll der ZT als Teil des
„Po lysyst ems“ der Zielku lt ur bet racht et werden. Auch Venut i
(1992) sieht den ZT als „Rekonst rukt io n“ des AT durch Mit t el d er
ZS. Reiß und Ver meer (1984) bezeichnen den Über set zer so gar als
„Ko - Aut or“ und Hö nig (1995) hebt d ie Ro lle des Überset zers so wie
seine Beziehu ng zum ZT beso nd ers her vo r (vgl. Ho use 19 97: 10 f.).

139
Wieder wird h ier die Beziehu ng des ZT zum AT nicht beacht et . Es
wird ke in Wert auf die Bedeut ung des AT gelegt .

Unt er den t ext orient iert en Ansät zen nehmen auch d ie linguist ische n
einen besonderen P lat z ein. Für Reiß (1971) sp ielt d er Text t yp ein e
ent scheid ende Ro lle sowo hl für den Überset zungspro zess als auc h
die -bewert ung. Nach ihr g ibt es inhalt s- , for m-, appellbet o nt e und
audio - med ia le Text e, u nd man bewert et die Über set zu ng squalit ät je
nach der I nvar ianz des I nhalt s bzw. des E ffekt s im ZT. Dieser
Ansat z hat jedo ch eine beschr änkt e S icht , denn er weist nicht
deut lich darau f hin, wie man d ie Sprachfu nkt io nen u nd d ie T yp en
vo m AT fest legen kann.

Weit er hin bewert et Neubert (1994: 20) die Qualit ät einer Über set -
zung auf der Basis der Äqu iva lenz au f d er t ext uellen E bene, d. h.
auf der E bene vo n Wö rt ern, Sät zen u nd Text t eilen, was nat ür lic h
wieder eine beschränkt e S icht darst ellt , d ie nicht auf die äst het ische
Wirku ng, die se mant ischen und prag mat ischen Ko mponent en u nd
die verschied ene Ku lt urspezifik acht et .

Zu den wicht igen linguist ischen Ansät zen zählt St einer s (1995)
Ansat z zur Überset zungsbewert u ng. Er legt beso nder s gro ß en Wert
auf die Regist eranalyse u nd acht et dabei auf S it uat io ns- u nd
Kult urkont ext . Als Zeichen für die gut e Qualit ät einer Über set zung
mu ss nach ih m das Reg ist er im AT u nd ZT ko nst ant bleiben ( vg l.
Ho use 1997: 22). Zwar beacht en die meist en lingu ist ischen Ansät ze
die Beziehu ng zwischen AT u nd ZT et was mehr, jedo ch var iiere n
sie in der Beschreibung der Techniken bzw. Pro zesse d er
Überset zungsanalyse u nd -bewert ung sehr und legen wenig Wert au f
diese Beschreibung ( vgl. House 1997: 24) .

Die meist en aller o ben genannt en Ansät ze beacht en a lso d ie


Bedeut ung der Äquivalenzbeziehu ng nicht bzw. nicht genug. Wie i m
vor igen Kapit el unt erst r ichen wurd e u nd im Fo lgenden d argest ellt
wird, ist deut lich, dass die Äqu ivalenz eine zent rale Ro lle so wo hl

140
für den Überset zungsprozess als au ch d ie Qualit ät sbewert ung der
Über set zung sp ielt . Daher braucht man einen Ansat z zur Überset -
zungsbewert ung, der die Nacht eile u nd Probleme der andere n
Ansät ze nicht mehr hat , der in einem syst emat ischen und wissen-
schaft lich sachgerecht en Rahmen fu nkt io niert und in dem die Äqu i-
valenz ihre gebührende Bedeut ung als Schlü sselbegr iff er hä lt . Dies
schafft das Modell zur Überset zu ng sbewert ung vo n Ho use (1997),
das als ein sehr det ailliert es Modell zur wissenschaft lich begrü n-
det en Überset zung skr it ik gilt und im Fo lgenden darg est ellt wird.

3.2.2 Das House’sche Modell zur Übersetzungsbewertung

Ziel dieses Ansat zes, der zu nächst 1977, dann 1981 u nd schließ lic h
1997 5 ent wickelt und mo d ifiziert wurde, ist es, ein I nst ru ment ar iu m
zu ent wickeln, mit d em T ext e und Über set zungen in allen lingu is-
t ischen E inzelheit en mit einander verg lichen und so mit d eren Äqu i-
valenzst at us best immt werden k ann. Daraus kö nnt en sich dann auc h
Möglichkeit en der Op erat io nalisierung von Überset zu ngsregeln i m
S inne einer deskr ipt iven Darst ellung ü berset zer isch adäq uat er Reak-
t ionen auf Ausgangst ext st rukt uren ergeben. Zu d iese m Zweck wurd e
das Modell an einem Ko rpus ver schiedener Text so rt en erpro bt .

Ho use beru ft sich au f Ha llidays fu nkt io nale u nd syst emat ische


Theor ie, auf d ie D iskur sanalyse so wie au f E ins icht en der Prager
linguist ischen Schule ( vgl. Ho use 19 97: 29). Zent rale Bed eut ung
haben hier die Gru nd begr iffe over transl ation u nd co vert
translation sowie d ie Ro lle des cultural f ilter ( s. im 2. Kap it el der
vor liegenden Ar beit : „o ffene und verd eck t e Über set zu ng “). Wicht ig
dabei ist auch d ie Unt erscheidu ng zwischen Sprachfu nkt ionen u nd
Text funkt ionen, wobei mit let zt eren der Gebrau ch des T ext es in
einem best immt en S it uat io nsko nt ext gemeint ist (vg l. Ho use
1997: 36). Um d ie Text fu nkt ion zu best immen, muss das t ext uelle

5
Ich befasse mich hier mit der letzten, modifizierten Version des Modells, um den Rahmen der
Arbeit nicht zu sprengen. Außerdem dient diese Darlegung dazu, auf das Modell näher
einzugehen, auf dem mein eigenes Modell hauptsächlich basiert.

141
Profil erst ellt werden, welches au s einer syst emat ische n
linguist isch-pr agmat ischen Analyse der Sprachfu nkt ionen de s
Text es in eine m S it uat io nsko nt ext resu lt iert . Dazu werden Dimen-
sio nen (s. die Abbildu ng u nt en) gebraucht , die den AT u nd d en ZT
beschr eiben. Damit in einer Überset zung Funkt io nsäquivalenz mit
ihrem Or iginal erreicht wir d, mü ssen also
„beide Text e äq u ivalent e Text profile haben. Um d ies
fest zust ellen, wird d ie Über set zung wie das Or ig ina l
gemäß der gleichen Dimensio nen […] an alysiert , u nd die
Art und Weise, wie d ie beiden T ext pro file und Funkt io nen
übereinst immen oder nicht , ent spr icht dann dem
‚Güt egrad‘ der Über set zung “ (Ho use 20 02: 104).

Das Modell wird grap hisch wie fo lgt dargest ellt :

INDIVIDUAL TEXTUAL FUNCTION

GENRE
REGISTER
(Gener ic Purpose)

Field Teno r Mode

Subject mat t er Part icipant relat io nship - med iu m


and so cial - aut hor’s provenance (simp le/co mplex)
act ion and st ance - part icipat io n
- social ro le (simp le/co mplex)
relat io nship
- social at t it ude

LANGUAGE / TEXT

Abb. 5 : Das Modell zur Analys e u nd zu m Ver gleich von Or iginal-


und Üb er s etzu ngst ext en von H ous e (H ous e 1997: 108 )

142
Um das Mo dell näher zu erklär en, kann man sagen, dass es das
Wesen der Über set zung in dem Versuch des Äqu ivalent halt ens d er
semant ischen, pr agmat ischen und t ext uellen Bedeut u ng e ines Text es
sieht und vo n der prag ma lingu ist ischen Analyse des AT au sgeht ,
durch die eine Art Diskur spro fil er st ellt werden k ann, welches zur
Fu nkt io nsbest immung fü hrt und d ie Gru nd lage für d ie Bewert ung
der Überset zung darst ellt . Die Mög lichkeit einer – au f Äqu ivalen z
basier enden – Relat io n zwischen dem AT und d em ZT erg ibt sic h
aus der Funkt io nsbest immung. Laut dieses Mo dells sind d ie
sprach liche Analyse, d ie Beschr eibu ng der jewe iligen fo r malen u nd
st ilist ischen Mit t el u nd d ie Erk läru ng der Text profile am
wicht igst en, sie sind sogar das Fu nd ament für jede Überset -
zungskr it ik (vg l. House 2002: 108).

Es wird dabei Sprache/Text als Ausgang sbasis in d ie dre i


überset zungskr it isch relevant en Ber eiche Reg ist er, Genr e u nd
individuelle Text funkt io n u nt ert eilt . Die erst e St u fe der Analys e
st ellt das Regist er dar, dass sich darauf bezieht , “t o what t he
cont ext -of- sit uat io n requires as appropr iat e linguist ic realizat io ns in
a t ext ” (House 1997: 105). Das Reg ist er wird dabei wiederu m in
drei Dimensio nen unt ert eilt : „F ield “ u mfasst die inhalt lich-
t hemat ische Ausr icht u ng des Text es mit seinem jeweilig e n
Fachlichkeit sgrad. Der Au fbau u nd d ie Ko härenz des Text es, eine s
Kapit els oder best immt er zu sammenhäng ender Text st ellen sp iele n
hier auch eine wicht ige Ro lle. H ier ist auch der St il g emeint , mit
dem d ieser I nhalt ausgedrückt wird, z. B. was den Gebrau ch vo n
Ko njunkt io nen, best immt en grammat ischen Ko nst rukt io nen u nd vo m
Ver bal- bzw. No minalst il (und dessen Wirkung) bet r ifft (vgl. Ho use
1997: 10 8). „Tenor“ bet r ifft die sit uat iven Fakt o ren der Ko mmu n i-
kat ionst eilnehmer, d as emot io nale Ver hält nis zwischen Text pro -
duzent und Adressat , die E inst ellu ng des Senders zu m T hema u nd
schließ lich seine ko mmun ikat iven I nt ent io nen. Vo r alle m be i
lit erar ischen Text en sind so lche außersprachlichen Det er minant e n
nicht nur best immend für d en ind iv idu ellen St il eines Aut o rs, so fer n
dieser durch seine Herk unft , seine Bildung, d ie Epo che, in der er

143
lebt , seine Zug ehö r igk eit zu einer best immt en lit erar ische n
St römu ng usw. gepr ägt ist , so nder n sie sind auch au sschlaggebend
für die sprach liche T yp is ieru ng der „P er sonen“ e ines Aut o rs. Vo n
besonderem I nt eresse für d ie Text analyse ist fer ner d ie per sö nliche,
affekt ive E inst ellung des Text pro duzent en ( „St ance“) geg enü ber
dem im T ext wiederg egebenen I nha lt . Fer ner wird mit der
Dimens io n „Tenor “ auch d ie St ilebene des Text es er fasst , d. h. es
wird herausgear beit et , ob ein Text fo r mell, in for me ll o der
umgangsspr achlich ver fasst ist ( vg l. Ho use 1997: 10 9). Mit der
Dimens io n „Mode“ werden d ie Grade der jeweilig en Mü nd lichkeit
und S chr ift lichk eit (gesprochene/g eschr iebene Sprache) er fasst und
die Art und Weise, wie d ie Adressat en des Text es in d ie Vert ext ung
mit einbezogen werden, z. B. durch r het orische Fr agen, Verwendu ng
von Deix is, Modalpart ikeln, Ko nt akt parent hesen, Exk la mat io ne n
oder Wechsel des gr ammat ischen Modus o der Temp us. So lche s
„Mit einbezogen- Werden“ kann z. B. invo lv iert vs. infor mat iv,
explizit vs. sit uat ionsabhängig, abst rakt vs. nicht -abst rakt er fasst
werden ( vgl. House 1997: 109).

Diese drei Dimens io nen werd en jeweils au f lexik alischer,


synt akt ischer und t ext ueller E bene analys iert . Eng ver bu nd en mit
dem Regist er ist der zwe it e Bere ich „Genre“, der dabei im Gro ß en
und Ganzen die jeweilige Text sort e mein t und vo n Ho use wie fo lgt
definiert wird: “… g enre is a so cially est ablished cat egor y
charact er ized in t er ms of o ccurrence of use, so urce and a
co mmunicat ive purpose o r any co mbinat ion o f t hese” (Ho use
1997: 107). Über d ie Text so rt e sind schließ lich d ie Ber eiche
Regist er und indiv id uelle Text fu nkt ion verbund en.

I m Allgemeinen er fo lgt hier also d ie Beur t eilung vo n Überset zunge n


mit t els Äquivalenzrelat io nen zwischen AT und ZT. Welche Bereich e
und Kat ego rien d abei äqu ivalent g ehalt en werden so llen, hängt
wiederu m vo m Überset zu ngst yp ab (of f en vs. verdeckt). Die dre i
Haupt dimensio nen „Fie ld“, „Teno r“, „Mode“ u mfassen Kat ego rien,
nach denen die Dar st ellu ngsweise und d ie Expressivit ät im AT und

144
ZT verglichen und beurt eilt werden. S ie sind nämlich jeweils d ie
lexikalischen, synt akt ischen u nd t ext uellen Mit t el. Anhand dieser
Darst ellung kann dann d ie Fu nkt ion beider Text e best immt , so mit
auch die int ra- u nd int ert ext uelle Kohärenz her vorgeho ben und dann
eine Über set zungsbewert ung fest gelegt werden.

Anhand der Anwendu ng des Mo dells au f verschiedene Ausg angs-


t ext e und ihr e Über set zu ngen würde ein Schema für d ie prakt ische
Fu nkt io nsweise so aussehen ( vgl. Ho use 1 997: 121–157):

1. Schr it t :

Analyse des Or ig inals

- Field ( lexik alische, synt akt ische, t ext uelle Mit t el)
- Tenor (lexikalische, synt akt ische, t ext uelle Mit t el)
- Mode (lexikalische, synt akt ische, t ext uelle Mit t el)
- Funkt io nsbest immu ng

2. Schr it t :

Verg leich vo n Or iginal u nd Überset zung


und die Qualit ät sbest immu ng

- Field ( lexik alische, synt akt ische, t ext uelle


Nicht -Über einst immung en)
- Tenor (lexikalische, synt akt ische, t ext uelle
Nicht -Über einst immung en)
- Mode (lexikalische, synt akt ische, t ext uelle
Nicht -Über einst immung en)
- Qualit ät sbest immung

Abb. 6 : Das Schema der Anwendu ng des H ou s e’schen M odells


(eigene Dar stellu ng nach H ous e 1997 : 121– 157)

Gren zen der Überset zungsbewertun g


Mit diesem Modell will Ho use aber keine „abso lut e Evalu ieru ng “
von Über set zungen erzielen, was auch für die bevo rst ehend e
Analyse von Bedeut ung ist :
145
“My approach t o t ranslat io n qualit y assessment is t hu s no t
‘abso lut ely evaluat ive’. […] In t he t yp e o f det ailed
co mpar iso n and evalu at ion o f so urce and t ranslat io n t ext s
provided for in t he mod el, t he evalu at o r is no t put in a
posit io n t o give easy judg ment s o f ‘go od’ or ‘bad’ in
t ranslat io n. Rat her, t he mod el prepares t he gro und for t he
analys is o f a large nu mber o f evaluat io n cases t hat wo uld,
in any individu al case, no t be tot ally pred ict ab le,
however. T his is so becau se, in t he la st analys is, any
evaluat io n depends o n a large var iet y of fact ors whic h
co ndit io n social evalu at io n judg ment s. […] I consid er t he
co ncept of ‘qualit y’ in t ranslat io n pro blemat ical if it is
meant to refer t o value judg ment s alo ne. It is
problemat ical especially if one does not kno w anyt h ing
about , o r does no t t ake in acco u nt […], t he ideals and
id eas about t ranslat io n qu alit y t he t ranslato r, reviewer, or
resear cher ent ert ains. It is d ifficu lt t o pass a ‘fina l
judg ment ’ o f t he qualit y o f a t ranslat ion t hat fulfil t he
demand s o f object ivit y” (Ho use 199 7: 118 f.).

Mit Recht bet racht et Ho use die Über set zung sbewert ung a ls ein e
Akt io n, die auf ver schiedenen Fakt oren beruht , welche dazu führen,
dass d iese Handlu ng selbst u nt erschied lich bewert et wird. Darüber
hinaus set zt House Grenzen der Über set zu ngskr it ik. S ie unt er-
sche idet zwischen spra chlichen Analys en und Vergle ichen vo n
Or iginal und Überset zungen u nd sozi al- kultureller Bewert ung vo n
Überset zungen. Der S inn jeder Überset zung skr it ik „liegt dar in zu
erhellen, wo, mit welchen Ko nsequenzen und dur ch welch e
sprach lichen For men eine Über set zu ng in einem ganz sp ezie llen Fal l
so ist , wie sie ist – in Relat io n zu ihrem Or ig inal. Die sprachlich e
Analyse ist hier bei am wicht igst en“ (Ho use 2002: 10 8). S ie so llt e
sich vo m makro - zum mikro-analyt ischen Fo kus beweg en, vo n der
Berücksicht igung vo n Ideo log ie, Fu nkt ion, Genr e, Regist er g anzer
Diskur se zum ko mmu nikat iven Wert k leinerer sprachlicher E in-
heit en, damit au f d iese Weise die subjekt iven E nt schei-
dungsprozesse des Überset zers so weit wie mög lich int er su bjekt iv
nachvo llz iehbar rekonst ru iert und erk lärt werden kö nnen.

146
Sprachliche Analyse, Beschr eibu ng und Erkläru ng sind d as
Fu ndament jeder Überset zu ng skr it ik. Darau f au fbauende so ziale
Bewert u ng der Angemessenheit ü berset zer ischer E nt scheidu ngen für
oder gegen best immt e Fo r men u nd Filt eru ngen ent halt en dann
not wendigerweise ein subjekt ives E lement . Wie die Sprache selbst ,
so hat auch die Überset zung skr it ik zwei Funkt ionsko mpo nent en:
eine infor mat ive und eine p erso nenbezogene:

„Die infor mat ive bezieht sich au f Analyse, Beschreibu ng


und Erklärung, die perso nenbezo gene au f Fr agen des
Wert es, auf soziale u nd et hische Fragen der Relevanz u nd
persönlichen Präferenz. Beide Ko mpo nent en gehören zur
Überset zungskr it ik. Bewert ung en o hne das Fund ament
einer linguist ischen Analyse sind nut zlo s – u nd
gefähr lich. Nur wenn sie durch Analysen t ransparent
werden, sind Bewert ungen sinnvo ll“ (House 2002: 108).

Mit d em House’schen Modell u nd diesen Über legungen zu de n


Grenzen der Überset zungsbewert ung wir d das Fu ndament für das
nächst e Kapit el pr inzip ie ll gelegt . Mit Recht bet racht et Ho use d ie
linguist ische Analyse a ls Gru ndlage jeder Über set zu ng skr it ik, was
durch die Anwendu ng des Modells anhand vo n Über set zu nge n
versch iedener deut sch↔eng lischer Text e und Text so rt en realis iert
wurde. Für sie ent hält d ie Akt io n der Überset zu ng sbewert ung au ch
ein subjekt ives E lement und die E nt scheidu ngen des Überset -
zungskr it iker s hängen vo m jeweilig en Fall bzw. vo r liegenden AT
und ZT ab. Man kann es wiederu m so bet racht en, dass das bei so lch
einem Prozess angewandt e Analysemo dell auch vo n Fall zu Fal l
leicht verändert werden könnt e, u m sich g ewisser maß en anzupassen.
Da es in dieser Ar beit um d ie Überset zung sanalyse eines vo m
Arabischen ins Deut sche ü berset zt en lit er ar ischen Text es geht ,
gehen wir mit d em Mo dell einen Schr it t weit er und d iskut ieren i m
fo lg enden Kap it el eigene Über legungen zur bevo rst ehenden Analys e
sowie e in ent sprechendes Mo dell.

147
4 Ein interaktives Modell
zur Analyse literarischer Übersetzung

148
Aufbauend au f dem Ho use’schen Mo dell u nd den d argest ellt e n
Ansät zen und Über legung en in den vorang egang enen beid e n
Kapit eln wird in d iesem Kap it el das eig ene Mo dell ent wickelt und
dargelegt . Zunächst werden aber wicht ige Vorüber legung en u nd
Haupt id een zum Modell diskut iert , die mit d er zu analys ierend e n
Überset zung eng ver bu nden s ind und dann auch schr it t weise zu m
Modell führen.

4.1 Vom Ausgangs- zum Zieltext

„Es ist nichts s chwer er , als das D enken


eines a nder en b is in die f einer e
Eigentü mlichkeit s eines Ga nzen nach-
konstr u ier en, wahr nehmen u nd char akt e-
r isier en zu können … Und noch ka nn
ma n nur dann sa gen, dass ma n ein Wer k,
einen G eist ver st ehe, wenn ma n den
Gang u nd G lieder bau nachkonstr uier en
ka nn. D ies es gr ü ndliche Ver st ehen nu n,
welches, wenn es in b est immt en Wor t en
ausgedr ückt wir d, C har akt er is ier en
heißt, ist das eigent liche G es chäft u nd
inner e Wes en der Kr it ik.“
Fr iedr ich Schlegel, Über Lessing, 1804 6

Die Über set zu ngsanalyse eines lit erar ischen Werk s beinha lt et immer
Schwier igkeit en. E nt scheidend ist hier jedoch, w ie auch Fr iedr ic h
Sch legel o ben meint , dass man durch eine sachgerecht e Analys e
nicht nur d ie vo m Überset zer vo rgeschlagenen Lö su nge n
charakt er isier en, sonder n sie auch st ets in Beziehu ng zu de n
„fe ineren E igent ümlichkeit en“ des Or iginals set zen so llt e.
„Al- Ayyām“ ist ein gro ßes Werk d er arabischen Lit er at ur, das
mehr fach int erpret iert und gelo bt und wo rüber viel geschr ieben
wurde. Die Überset zung davon zu analys ieren, wird auch nicht
leicht fallen.

6
In: Reiß 1971: 17.

149
Überset zungsanalyse bedeut et : Fest st ellu ng, Beschreibu ng u nd
Bewert u ng der angebo t enen Überset zungslö su ngen in eine m
Zielt ext , vor allem nat ür lich an den St ellen mit unk lar en o der in
Bezug au f ihre jeweilige ku lt urelle Gebu ndenheit bzw. au f d ie
versch iedenen I nt ent io nsint erpret at io nen u mst r it t enen Begr iffen und
Sachver halt en. Dafür werden wir „au f d em Weg gehen“, den d ie
Überset zer in vo n „Al- Ayyā m“ bereit s ein geschlag en hat t e. Es wir d
so bezeichnet , weil d ie Über set zer in auf einem best immt en „Weg “
vo m AT bis zu m ZT gegangen war, u nd d ieser Weg wird in d er
Analyse sozusagen er fo rscht . Es ist hier auch wicht ig zu erwähnen,
dass es bekannt lich zu einem Or ig ina lt ext , selbst bei Funkt io ns-
konst anz, nie eine einzig e mög liche oder gar einzig r icht ig e
Überset zung g ibt . So wie die Überset zungsmög lichkeit en verschie-
den sein kö nnen, so var iier en auch die Int erpret at io nen und
Analysen der Überset zu ng en.

Bei der erzie lt en Analyse geht es nicht daru m, eine Fehler analys e
der deut schen Überset zung vo n „Al- Ayyā m“ darzust ellen bzw.
darauf abzuzie len, fehler haft e t ranslat o rische E inzelerscheinu nge n
auf der Basis „r icht ig/ falsch“ zu lo kalis ieren, so nder n es geht eher
daru m, eine Über set zu ngsanalyse darzu legen, d ie d ie Techniken der
Überset zer in von „Al- Ayyām“ zeigt u nd so mit ein mö g liches Bild
von der Rezept io n beim ZT- Rezip ient en g ibt . So kann man d ie
Überset zung in ihrer Gesamt er scheinu ng auf ihre Qualit ät hin so
objekt iv und sachlich wie mög lich beurt eilen.

Allgemein set zt jeder lit er ar ische Überset zer für sich Grenzen, d ie
er beacht et und d ie ihn als Vorwegweis er führen so llt en. Bei d er
lit erar ischen Überset zu ng mü sst e sich der Über set zer anst rengen,
um den I nhalt des AT adäquat zu übert ragen, vor alle m, wenn es wie
bei diesem Werk um einen arabis chen Ro man (also au s
orient alischer isla mischer Ku lt ur st ammend) geht , der ins Deut sch e
überset zt wir d (also für eine west liche Ku lt ur). Das Geme int e zu
erkennen, d ie Ko nno t at ionen im Or ig inal zu übert ragen u nd ein e

150
möglichst ähnliche St immung zu schaffen, zählen zu de n
Haupt au fgaben der Überset zer in vo n „Al- Ayyā m“.

E ine flüssige Über set zung, d ie sich wie ein Or ig inal lesen lässt , ist
für vie le Über set zu ngswissenschaft ler eine ideale, auch be i
lit erar ischen Text en. Aber bei „Al-Ayyā m“ hat sich d ie
Überset zer in für die o ffene Überset zung ent schieden. Die o ffen e
Überset zung war er fo rder lich, weil die Figuren, die Ereign isse, d ie
Kult ur und nat ür lich d ie „o r ient alische At mosphäre“ auf jed en Fal l
anders s ind als in der ZS. Die St ilmit t el und die pragmat ische n
Perspekt iven des AT haben für einen deut schsprach igen Leser eine n
fremd en Charakt er. Das Werk ist an die ägypt ische Ausgang sku lt ur
gebund en. Dort genieß t es einen best immt en anerkannt en St at us u nd
ist daher vo n g eradezu unant ast barem Wert . Daher ist es bei m
Überset zen vo n gro ßer Bedeut ung, eine Bilanz zwischen de n
synt akt ischen Ko nvent io nen, den ku lt urellen Milieu s u nd de n
sozio-ku lt urellen Kont ext en der beiden Welt en zu schaffen. Dazu
gibt es nat ür lich ver schiedene Mit t el, z. B. Er läut erung en, Fuß no t en
oder Ko mment are.

Die Art „o ffener “ Über set zung k ann das Ideal für die Über set zung
dieses Werks sein. Die „wahre“ lit erar ische Über set zung so lcher
Werke muss durchscheinend sein und das Or iginal n icht verdecken.
Der Überset zer mu ss d en Leser d azu br ingen, sich in d ie
Gewohnheit en des Aut ors zu verset zen, dem ZT-Leser Zu gang zu m
Or iginalt ext verschaffen und ihm er lauben, in diesen hinein-
zulau schen. Dadurch ko mmt eine „eigent liche“ Überset zung
zust ande. Und so mit wird wiederum der Überset zer (se ine Kr ea-
t ivit ät , seine Be mühung en) sicht barer. Er ist hier der jenige, der „das
Fremde“ dem „E ig enen“ zuführt und es d en Adressat en er mö g licht ,
den Or igina lt ext in eine m and eren Co de kennenzuler nen. So mit
find et ein echt er sprachlicher u nd ku lt ureller Transfer st at t . Die
Diskur swelt en des Or ig inalt ext es u nd der Überset zu ng werde n
koakt iviert . Beide Text e sind in gewisser Weise „repräsent “ ( vg l.
Ho use 2005: 82).

151
In der offenen Über set zu ng vo n „Al- Ayyām“ so llt e der Leser also
Merkmale des Or igina ls erkennen u nd spüren, d ass der AT- Aut o r zu
ih m spr icht . Der Leser so ll neu e, ih m bisher u nbekannt e
Ausdru cksmit t el kennenler nen. Er soll sic h nicht zu Hause, so nder n
in d er Fremd e fü hlen u nd au ch – st ilist isch – die fremd e n
Denkst rukt uren und Fo r mu lieru ngsweisen genieß en. Es wir d
sozusagen der heimische Leser zu m fremd en Aut or gebracht .

Hier geht es nicht darum, ein neu es lit erar isches Produkt
anzufert igen, so nder n – wenn man so lch ein lit erar isch- äst het ische s
Werk id eal überset zen will – einen neu en „Taha-Hussein-Text “ zu
gewinnen. So mit ist die „o ffene Überset zung “ eine „o ffene Tür “
zwischen den beiden T ext en u nd sie kann eine Brücke zwischen de m
AT- Aut or und dem ZT-Leser bauen. Mit anderen Wort en kann d ie
offene Überset zung e ine Tür zum AT- Aut or ö ffnen u nd Zug ang zu m
Verst ehen seiner I nt ent io nen und zu m Genieß en d es Äst het ische n
vo m AT schaffen.

4.2 Schwerpunkte der Analyse

Aufgrund des House’schen Modells ist der Schwerpu nkt der


bevorst ehenden Analyse die Fest st ellung der Äq uivalenzbeziehu ng
zwischen dem AT u nd d em ZT. Die Äquiva lenz bzw. der
Äquivalenzgrad ist hier also der Schlüsselbegr iff, da s
Haupt kr it er iu m für die Analyse u nd Bewert ung der Überset zung. So
basiert die Analyse haupt sächlich au f der Relat ion zw ischen de n
beiden T ext en, ja auf dem Pro zess der „Übert ragung “ d er
synt akt ischen, semant ischen, prag mat ischen und st ilist ische n
Ko mponent en (der „Bedeut u ng “) d es AT. Da es h ier u m eine n
lit erar ischen Text geht , spielt die Über t ragung der „äst het ische n
E ffekt e“ eine wicht ige Ro lle.

Bei der Analyse bildet nicht nur der ZT den Bezugsp unkt . Die
beiden Text e werden immer mit einander verglichen, d ie d er
152
zielsprachlichen Text erzeugu ng zugrunde liegenden Fo r mu lie-
rungsprozesse reflekt o risch nachvo llzo gen und nicht zu let zt wir d
der Grad ihr er Int ent io nsad äquat heit er mit t elt .

Aufgrund der „o ffenen Überset zung “ von „Al- Ayyā m“ kann ma n


sagen, dass die Äqu ivalenz zwischen dem AT u nd dem ZT nicht
aufgrund der gle ichen Funkt io n beruhen kann. Die Fu nkt ion d es
arabischen Text es ist u. a. die Kr it ik Hu sseins an einigen soziale n
Umst änden, was für d ie arabischen Leser, d ie in d iesem Umfe ld
leben und die Gegebenheit en kennen, eher leicht zu er fassen ist . Für
das deut schspr achige Leserpu b likum hat das Werk eine ganz ander e
Bedeut ung; es er füllt nämlich eine Art „verset zt e Fu nkt io n“, da der
ZT-Leser vo n den im Ro man beschr iebenen Lebensumst änden k ein e
oder unzur eichende Kennt nis hat . Die Haupt mo t ivat io n dieses
Lesers, zu diesem Bu ch zu greifen, wird im I nt eresse an d er
fremd en Kult ur und der „E xot ik “ best ehen. Die Über set zung er fü llt
so mit d ie Fu nkt ion eines „Z it at s“. S ie in for miert über das Or ig ina l
und über die fr emde Ku lt ur ü ber haupt .

So kann man sagen, dass die Über set zu ng sau fgabe vo n diesem Wer k
weniger dar in best eht , die Fu nkt io n des Or ig inals zu ver mit t eln
bzw. diese nachzuah men, so nder n mehr dar in, den S inn (d ie
Bedeut ung) zu übert ragen, d ie kult urelle Dist anz zu wahren ( i m
S inne vo n Sch ilderu ng des exo t ischen AT-Umfeld es) u nd so mit die
kult urellen Unt erschiede info r mat iv au fzuzeigen. E s g ibt hier a lso
keine echt e Funkt io nsäquiva lenz (weil u. a. der AT ein best immt es,
nicht wieder ho lbares Ereignis in der Au sgang ssprachgeme inschaft
darst ellt ), sonder n eine Art „verset zt e“ fu nkt io nale Äqu ivalenz ( vg l.
Ho use 1981: 197). Die Äqu iva lenz, d. h. d ie „Gle ichwert igke it “,
bezieht sich nu n au f den Text , nich t auf d ie Reakt io n d er
Adr essat en. Es geht hier auch u m das Überw inden vo n Ku lt ur-
barr ieren, aber nicht indem man d ie Barr ier e zerst ö rt , und au c h
nicht , ind em man das Fr emde, das And ere zu m Unver st änd liche n
macht und damit ein N icht -Ver mit t eln verursacht , so nder n ind e m

153
man einen Zugang zu m Fremden er mö g licht , „der mit d em Andere n
in seiner Andersheit ko mmu niz iert “ ( Ko ller 2002: 129).

So wird bei der erzie lt en Analyse gezeigt , inwieweit d ie


Überset zung so angefert igt ist , dass sie dem Leser auch dasselb e
Vergnügen wie dem Leser des Or ig inals bereit et und dass d ie
fremd e Kult ur diesem deut schsprachigen Leser näher gebracht wird .
E ine wicht ige Frage ist dabei auch, inwie weit die „Bot schaft “ d ieses
Aut ors dem ZT- Leser über mit t elt und mit welchen Mit t eln diese
beibehalt en wurde. Es wird also u. a. dargest ellt , wieweit d ie
Überset zer in den Aussag ewillen des Aut ors verst anden und wie s ie
ihn int erpret iert hat , wieweit d ie Hö hen u nd T iefen in den Gefü hle n
der Haupt figur übert ragen werden ko nnt en. Be i der Analyse werde n
ebenso d ie Aspekt e behandelt , wieweit d ie Über set zu ng ver schie-
dene kult ure lle „Bilder “ aus den äg ypt ischen Milieus ver mit t eln
konnt e, wieweit der ZT-Leser Mit gefüh l für d ie Hau pt figur (an de n
ent sprechenden St ellen) so wie der AT- Leser haben kann u nd wie
die Überset zer in die spezifische Ausdrucksweise des Aut o rs wahre n
konnt e, z. B. durch d ie Wo rt wahl, d ie sprachliche Gest alt u ng, d ie
st ilist ischen Mit t el und d ie Auswirku ng d es St ils in der Überset zung
im Vergle ich zu denen im Or igina l. Das sind Frag en, au f d ie hier
unt en eing egangen wird u nd die zu den wicht ig st en der
Überset zungsanalyse lit er ar ischer Werke gehö ren.

Dazu müsst e die Überset zer in u. a. die inha lt lichen, st rukt urelle n
und st ilist ischen E lement e des Text es int egr ieren, den Aussa-
gewillen des Aut ors ver st ehen u nd ihn in d er Zie lspr ache lebend ig
werden lassen. E benso sind d ie vo n Hussein verwendet e n
st ilist ischen Mit t el für d en ZT-Leser häu fig fr emd ( vg l. Maher
2002: 45). Deshalb ko nnt e d ie Überset zer in sie nicht alle beibe-
halt en, und zwar au fgru nd d er St ilu nt ersch iede zwischen der
arabischen u nd der deut schen Sprache. Jedoch ist es ihr gelungen,
einiges davon in den ZT au fzunehmen, um die Or ig ina lst immun g
zum Teil w ieder zugeben, dem ZT- Leser zu er mög lichen, sich in d ie
fremd e Ausdruck sweise einzufühlen und bei ih m g leiche o der

154
analoge E ffekt e auszu lö sen. So mit erreicht man eine Art
„äst het ische Decku ngsgleichheit “ (Maher 2002: 45). Schließ lic h
mu ss der lit erar ische Über set zer berücksicht igen, dass bei so eine m
expressiven Text t yp Ko nnot at io nen ein wicht iger Best andt eil der
künst ler ischen Organisat ion sind. Schließ lich erwart et der Leser vo n
einem lyr ischen Ged icht , dass es ihm ein äst het isches Er lebnis
ver mit t elt , von einem Kr iminalro man, dass er ihn au f sp annend e
Weise unt erhä lt (vgl. Ko ller 20 04: 117).

4.3 Das interaktive Modell

Anhand dieser Vo rü ber leg u ngen wird nun au f d ie Benennu ng


„I nt erakt ives Mo dell“ eing egangen, die durch d ie Disku ssio n des
Modells im Fo lgenden deut licher wir d. Das Mo dell sieht eine n
Analyseprozess, der den AT nicht get rennt vo n dem ZT bet racht et ,
sonder n die beiden immer mit einand er in Verbindu ng set zen. Da e s
um eine „o ffene Über set zung “ geht , sind beide Text e präsent , beid e
Diskur swelt en werden koakt iviert . So erfolgt d ie Analyse aufgrund
der wechselseit igen Beziehu ngen (u nd wenn man das so nenne n
dar f: aufgrund der Ko mmu nik at io n und I nt erakt ion) AT– ZT,
AT- Aut or–ZT-Leser und ZT-Leser–AS- Kult ur.

Für die Analyse spielt das Zusammens piel der be iden Fakt o ren
innerspr achlicher I nst rukt io nen ( lexik alische, semant ische u nd
st ilist ische) sowie außersprachlicher Det er minant en (prag mat ische
und ku lt urelle Ko mpo nent en) u nd sein e Bewält ig ung durch d ie
Überset zer in eine ent scheidende Ro lle. Es wird auch beso nder s
Licht darauf gewor fen, wiewe it das Lit erar isch- Äst het ische des AT
möglichst mit den ent sprechend en zielt ext uellen Mit t eln
wiederg egeben werden ko nnt e.

Ohne Rezip ient s ind aber auch so lche int ert ext uellen Relat io ne n
nicht fest st ellbar. E ine Über set zung u nd eine Überset zungskr it ik
„r ealis ieren sich jeweils in der Rezept io n“ ( vg l. Ammann
155
1990a: 217). So rückt der E mp fänger eines Translat s in de n
Vo rdergrund (so lang e d ie Translat io n als zielg er icht et e Hand lung
aufgefasst wir d). Das Vorwissen un d d ie Erwart ungen des
ZT-Leser s spielen eine wicht ige Ro lle bei d er St rat egie eine s
Translat ors und be i der Rezept io n. Er baut zunächst d ie e inzelne n
Teile des Translat s auf u nd fügt sie nach Abschluss der Lekt üre zu
einem Ganzen (gg f. werden wie bei so lchem Werk Er läut erungen zu
kult urgebu ndenen Sachver halt en verwend et ) zusammen. Hier ist der
Durchschnit t sleser g emeint , der allgeme in an lit erar ischen Text en
und an der Exot ik arabischer Lit erat ur int eressiert ist (so nst hät t e er
nicht zu d iesem Buch g egr iffen), aber nicht u nbed ingt ü ber ein e n
breit en lit erat urhist or ischen o der -wissenschaft lichen Hint ergru nd
oder genügend Vo rwissen über d ie ägypt ische Ku lt ur ver fü gt . Die
Überset zungsanalyse bzw. -kr it ik ko mmt dann einem „Verg leic h
zweier Lesest rat egien“ g leich, der St rateg ie der Analyse vo m AT
und der der Analyse vo m ZT (vgl. Ammann 1990 a: 226).

Um auf das int er akt ive Mo dell ko nkret er einzugehen, wird nu n


deut lich, dass d ie Äqu iva lenzr elat io nen zwischen dem AT u nd ZT
sowie die St ellung des ZT-Leser s e ine ent scheidende Ro lle sp ielen.
Das Wesen vo m Pro zess des lit erar ischen Über set zens u nd vo n der
Äquivalenz zwischen den beiden T ext en liegt dar in, d ie
„Bedeut ung“ des Or ig ina lt ext es so weit wie mö g lich „gleich“ o der
äquivalent zu halt en. Die „Bedeut u ng “ best eht aus drei Ko mpo -
nent en, nämlich einer semant ischen, einer prag mat ischen u nd einer
t ext uellen ( vgl. House 2005: 78). In dieser Analyse kö nnen sie aber
nicht get rennt behandelt werden; sie häng en zu sammen. I n ihne n
sind auch d ie For m-, St il- u nd semant ische E bene int egr iert und
wirken zusammen. S ie sind hier so zusagen u nt ergeo rdnet .

Solange diese „Bedeut ung“ (d ie in der Ausgang sku lt ur sozusage n


manifest iert ist und d ie zu m ZT-Leser ver mit t elt werden so llt e)
ursprünglich vo m AT- Aut o r st ammt , kann man au ch sag en, dass d ie
Analyse vo r alle m Wert auf d ie Relat io n zwischen dem AT- Aut or
und dem ZT-Leser legt . Diese Beziehu ng ist d ie wicht igst e im Kreis

156
des Über set zungsprozesses. Schließ lich hat der lit erar ische Über-
set zer die Aufgabe, eine Bo t schaft vo m AT- Aut or zum ZT-Leser zu
über mit t eln.

Die Analyse ver sucht so mit den „Schat ten“ des AT- Aut o rs in d er
Überset zung zu suchen, ih n darau fhin zu markier en bzw.
hervorzuheben, dem Wider hall seiner St imme zu lauschen und
seine m St il nachzu spüren. So mit will d as int erakt ive Modell de n
„Ko nt akt “ des Rezip ient en zur Au sg angsku lt ur, also den Ko nt akt
zwischen der Ausgangs- und der Zielku lt ur, u nt ersuchen. Da n n
find et die ku lt urelle Ko mmu nikat io n st at t. Und so schließ t sich au c h
das Dr eieck, das als d as „Gerü st “ bzw. „Gest ell“ des Gesa mt mo dells
(und so mit der Analyse) bezeichnet werd en kann. In d ieses „Gerüst “
können die im Fo lgenden d argest ellt en verschiedenen E lement e der
Analyse hine inpassen und dort gemeinsam int egr iert werden, u m
schließ lich eine effekt ive Analyse herzust ellen.

AT AS-Kult ur
(Aut or)

ZT
(Leser)

Abb. 7 : Das Schema zur Üb er s etzu ngsa nalys e und -b ewer tu ng

Um die Idee dieses Rahmens näher zu erk lären, k ann Fo lgendes


gesagt werden: Die Met ho de (u nd das Ziel) der Überset zungsanalys e
eines lit er ar ischen Werks so ll den Grad der Äqu ivalenz zwische n
den beiden Text en überprü fen u nd fe st st ellen. Das int erakt ive
Modell beinhalt et und beschr eibt diese Met ho de, d ie darau f zie lt ,
die Analyse unt er Berück sicht igung der oben erwähnt en Asp ekt e zu
realisier en. Es illu st r iert auch, wie man die ko mmu nikat iven E ffekt e
im ZT im Vergleich zu m AT u nt ersuchen kann. Denn mit seine m

157
Text macht der AT- Aut or ein Ko mmu n ikat io nsangebo t in seine m
eigenen (ausgangssprachlichen) S it uat io nskont ext , und wenn der
ZT-Leser den Text über die Perso n des Überset zer s rezipiert , ko mmt
ein zweit er Ko mmu nikat io nsakt zust and e. Diese Ko mmu n ikat io n
vo llz ieht sich aber in einem and eren ( zielsprachigen) S it u a-
t ionsko nt ext . Und da es hier u m eine „offene“ Über set zu ng g eht ,
kann der E mpfäng er ruhig auf d iesen ausgang sspr achliche n
S it uat ionskont ext blicken u nd ihn „mit er leben“. Der Idealfall so lc h
einer lit erar ischen Überset zung wie „Al- Ayyā m“ ist gegeben, wen n
diese Beziehung en best ehen, u nd zwar indem die Überset zer in ein e
Überset zung er st ellen konnt e, d ie der k ünst ler ischen Qualit ät des
Or iginals möglichst ent spr icht u nd einen Blick au f d ie
Ausg angskult ur er mög licht bzw. „eine Tür dazu öffnet “.

4.3.1 Zur Funktionsweise des interaktiven Modells

So wie das House’sche Modell sieht das int erakt ive Mo dell da s
Wesen der Über set zung in dem Versuch des Äqu ivalent halt ens d er
semant ischen, pragmat ischen und t ext uellen Bedeut u ng des AT und
hält bei der o ffenen Über set zung au ch nur eine Art ver set zt e
Fu nkt io nsäquiva lenz für mö glich. Jedoch g ibt es in d iesem Model l
Aspekt e, die im I nt eresse d er lit erar ischen Über set zu ng im
Allgemeinen u nd der Über set zu ng arabischer Lit erat ur im Beso n-
deren modifiziert werden mü ssen.

Das House’sche Mo dell ( s. unt er 3.2.2) zielt durch ein e


linguist ische Analyse auf das Erst ellen eines Text profils für jewei ls
den AT und den ZT. Diese Analyse er fo lgt im Bereich „Reg ist er “
(anhand der dr ei Dimens io nen Field, T eno r und Mo de) u nd i m
Bereich „Genre“. Jedes Pro fil best immt dann d ie jeweilig e
Text funkt ion. Dann werden beid e Pro file mit einander verglichen,
um den Äquiva lenzgrad zwischen den beiden Fu nkt io nen zu
best immen. I n der prakt ischen Anwendung (s. Abbildu ng 6) sieht
das Mo dell als erst en S chr it t eine Analyse des Or ig ina lt ext es mit

158
Berücksicht igung der drei Dimensio nen vo r, wo bei dann ein e
Fu nkt io nsbest immung des AT fo lgt . Im zweit en Schr it t wird der ZT
anhand der selben Dimens io nen verglich en bzw. analys iert , wo be i
die Unübere inst immu ngen zwischen d en beid en Text en bear beit et
werden und dann eine Qu alit ät sbewert ung fo lgt .

Im Falle der analys iert en lit erar ischen Überset zung vo n


„Al- Ayyām“ muss aber das int erakt ive Mo dell d ie Beso nd er heit en
der lit erar ischen Überset zu ng berücksicht igen. E in lit erar ischer
Text st ellt eine best immt e subjekt ive Welt sicht dar und hat sein e
sprach lichen, äst het ischen und ku lt ur spezifischen E igenheit en. U m
seine Aufgabe er füllen zu kö nnen, soll der gut e lit erar ische
Überset zer ein bewusst er Kü nst ler sein, d er d ie eigene Sprache, d ie
fremd e Kult ur u nd die fremd en lit erar ischen Technik en gut kennt ,
so dass er einen neuen Text produzieren kann, d er de m ZS-Leser
dieselbe Verst ändlichkeit wie ein Or ig inalwerk biet et . Die Über-
set zung so ll zug leich schö n sein und dem Leser das Gefühl d es
Fremden (um d ie fr emde At mosp här e genieß en zu lassen)
ver mit t eln. Denn es handelt sich beim lit erar ischen Über set zen nicht
um eine mechan ische Bewahrung der Fo rm, sond er n u m Bewahru ng
der semant ischen und äst het ischen Wert e für den Leser.

Somit (und wie oben scho n erwähnt ) kann d ie Funkt io n d er beid e n


vor liegenden Text e nicht d ie g leiche sein . Es kann nu n k ein Pro fi l
für jeden Text allein er st ellt werden, d. h. nicht jeder Text kann wie
bei House get rennt analys iert werden. Die Verschiedenheit en beid er
Sprach- und Lit erat ursyst eme des Arabischen und Deut schen sehe n
eher vor, dass einerse it s d ie Unübereinst immu ng in den beide n
Fu nkt io nen kein Zeichen für Nicht - Äqu ivalenz ist u nd dass so mit
anderer seit s event uell er st ellt e Profile nicht (o der nur sehr schwer )
mit einander vergle ichbar sein kö nnen. Auß erdem kann in der
prakt ischen Anwendung d ie Analyse des AT nicht get rennt vo n der
des ZT er fo lgen, sonder n sie mu ss zusammen mit dem Vergle ich mit
dem ZT in eine m Schr it t vo llzogen werden. Man so llt e dabei auc h

159
die Behand lung d er lexik alischen u nd synt akt ischen Mit t el vo n der
der st ilist ischen Mit t el und prag mat ische Perspekt iven t rennen.

Beide Text e, der arabische AT und der ( offen) ü ber set zt e deut sche
Text , st ehen zwar in verschiedenen S it uat ionskont ext en, zeige n
jedoch dasse lbe „Bild“ ( bzw. so llt en das t un). Die Analyse basiert
auf dem direkt en Verg le ich beider Text e und das Mo dell zur
Analyse so lch einer lit erar ischen Über set zung bzw. der Überset -
zungskr it iker so llt e eher den ZT- Leser und d essen Rezept io n der
Überset zung in Bet racht ziehen.

In diesem Zusammenhang ist auch zu erwähnen, dass nicht jed es


Kapit el des Werks „Al- Ayyā m“ auch no ch nach der Funkt io ns-
best immung u nd der Qualit ät sbewert ung einzeln behande lt werd e n
kann. Denn es hand elt sich hier (u nd in den lit erar ische n
Überset zungen im Allg emeinen) um ein en läng eren Text , desse n
Inha lt , For m u nd St il jeweils in allen Kapit eln durch Ko hären z
gekennzeichnet sind. Daher kann man zwar einzelne Kap it e l
analys ieren und die Dimens io nen d es int erakt iven Mo dells be i
jedem anwenden, jedo ch kann man n icht jedes d ieser Kapit e l nac h
der Funkt ion u nd d er Qualit ät der Über set zung einzeln beurt eilen,
denn das ganze Werk hat dieselbe( n) Funkt io n(en) u nd d ient
demselben Zweck u nd denselben I nt ent io nen des Aut o rs, auch wen n
es von verschiedenen Ereign issen, Aspekt en, Lebensst u fen, Ort en
und Figuren erzählt . Daher ist die Qualit ät der Überset zung
wiederu m fast auf der selben E bene und so kann dann ein e
allgemeine Funkt io nsbest immung u nd eine allgeme ine Qu alit ät s-
bewert ung für die gesamt e Über set zu ng nach der Analyse aller
Beispiele erreicht werden.

Zusammenfassend lassen sich fo lgende Unt ersch iede zw ischen de m


Ho use’schen Modell u nd dem erst rebt en int erakt iven Mo del l
sche mat isch so darst ellen:

160
Das House’sche Modell Das int erakt ive Mo dell
Lingu ist ische
√ √
Analyse
Regist er √ √
lexikalische, - lexik alische u nd
synt akt ische, t ext uelle synt akt ische Mit t el
Field Mit t el - st ilist ische Mit t el
und prag mat ische
Perspekt iven
lexikalische, - lexik alische u nd
synt akt ische, t ext uelle synt akt ische Mit t el
Tenor Mit t el - st ilist ische Mit t el
und prag mat ische
Perspekt iven
lexikalische, - lexik alische u nd
synt akt ische, t ext uelle synt akt ische Mit t el
Mode Mit t el - st ilist ische Mit t el
und prag mat ische
Perspekt iven
Wird mit der Analyse Da das Genre mit der
und d er Fu nkt io ns- Text fu nkt io n u nd dem
best immung des Thema zusammenhängt ,
Or ig inals behandelt . kann es (am Beisp iel vo n
Genre
„Al- Ayyām“) in d er all-
gemeinen Fu nkt io ns-
best immung behandelt
werden.
- Offene Überset zu ng: - Offene Überset zu ng:
verset zt e Funk- verset zt e Fu nkt io nsäqui-
t io nsäqu ivalenz valenz
- Die Fu nkt io nsü berein- - In arabisch-deut schen
Ind ividuelle
st immu ng ist ein allg e- lit erar ischen Überset -
Text funkt ion
meiner qu iva lenzmaß - zu ngen st immt d ie Fu nk-
und
st ab. t io n fast nie ü berein, da-
Fu nkt io nsbe-
her ist sie k ein Äqu iva-
st immung
lenzmaßst ab und es er-
fo lgt eine allge meine
Fu nkt io nsbest immu ng am
Ende d er Analyse.
I m 1. Schr it t erfo lgen Analyse des AT und der
eine Analyse u nd dann Verg leich mit d em ZT
eine Fu nkt io nsbest im- (Analyse) er fo lgen g leich
mung des AT. I m 2. zusa mmen. I m Ansch luss
In der Schr it t wird d er ZT kommen eine allgeme ine
prakt ischen verglichen bzw. analy- Fu nkt io nsbest immu ng
Anwendu ng siert , dann fo lgt eine und d ie Qualit ät sbewer-
Qualit ät sbewert ung. Die t ung des ZT. Beide
Analyse u nd der Verg- Schr it t e er fo lgen anhand
leich er fo lgen anhand der 3 Dimensio nen.
der 3 Dimensio nen.

161
Nach dieser eingehend en Disku ssio n des int erakt iven Modells kan n
dieses nu n sche mat isch wie fo lgt dargest ellt werden:

AT AS-K ultur
(Autor)

Sprache / Text

Regist er

Analyse der semant ischen, pragmat is chen u nd


t ext uellen Bedeut u ngsko mpo nent en des AT und d er
Vergleich mit dem ZT; anhand lexikalischer u nd
synt akt ischer Mit t el, st ilist ischer Mit t el und
pragmat ischer Perspekt iven

FIELD TENOR MODE


- Thema und - Part izip ant en u nd - Münd lichk eit
Handlu ng deren Beziehu ng und
zueinander Schr ift lich-
- Einst ellu ngen d es keit
Aut o rs
- soziale u nd kult u-
relle Hint ergründe

Fu nkt io nsbest immung u nd Qualit ät sbewer t ung


(FIELD, TENOR, MODE)

ZT
(Leser)

Abb. 8 : Das int er akt ive M odell zur Analys e lit er ar ischer Üb er s et zu ng

In Anlehnu ng an das House’sche Modell lässt sich das int erakt iv e


Modell so zusammenfassen, dass d ieses zur Ana lyse der lit era-
r ischen Über set zung u nd so mit zur Unt ersuchu ng der ver schiedene n
Äquivalenzgrade von der lingu ist ischen Analyse des t ext uellen,

162
semant ischen und pr ag mat ischen Bedeut ungsko mpo nent en des AT
im Vergle ich zu ZT ausgeht . Dafür werden d ieselben dre i
Regist erdimensio nen wie bei House anhand lexik alischer u nd
synt akt ischer Mit t el, st ilist ischer Mit t el u nd prag mat ischer Per spek-
t iven behandelt und analys iert . Dabei wer den d ie Art und Weise u nd
die Mit t el her vorgeho ben u nd u nt ersucht , durch die das Seman-
t ische, Äst het ische und Kult ur spezifisch e des AT d em ZT- Leser
ver mit t elt werden ( so llt en), was wieder um d en „Zug ang “ d ieses
Lesers zur AS- Ku lt ur u nd zu m AT- Aut or er mög licht . I m Anschlu ss
an die Analyse er fo lgen eine allg emeine Fu nkt ionsbest immu ng des
AT und danach dann eine Qualit ät sbest immu ng des ZT.

Sch ließ lich wird deut lich, dass zur Unt ersuchu ng d er Äq uivalen z
(Haupt ziel des Modells u nd der Analyse) vo r alle m au f d ie
Bedeut ungsko mpo nent en anhand der drei Dimensio n zu acht en ist .
So werden zum S chlu ss d iese Ko mpo nent en kurz diskut iert , was
sowohl der Ergänzu ng der Modellerkläru ng als au ch d er fo lgende n
Analyse (und d er Analyse lit erar is cher Überset zungen im
Allgemeinen) dient .

In Bezug au f die semant ische und t ext uelle Ko mpo nent e ko mme n
vor allem die Ausdruck sebene u nd d ie st ilist ischen M it t el in Frag e.
Wegen des best ehend en Zusammenhangs zwischen Fo r m u nd I nhalt
find et man immer ein st arkes Zu sammenkoppeln dieser beide n
Aspekt e bei der Analyse. Zwar zer br icht d ie Fo r m bei d er
Überset zung, der I nhalt wir d jedo ch bewahrt . Daher muss bei der
Analyse her vo rgeho ben werden, inwieweit d ie Wirke lement e de s
St ils und die äst het ischen u nd emot iven Qu alit ät en gleiche bzw.
analoge E ffekt e auslö sen kö nnen, z. B. durch die Wo rt wahl, d ie
Met ap her n, die Bild er und d ie s ynt akt ischen Mit t el. Jedes
lit erar ische Werk, so wie d as Beisp ielw erk „Al- Ayyā m“, hat ein e
poet ische Sprache mit einer best immt en äst het ischen St rukt ur, die
im ZT gesucht und in der Analyse behandelt werden mu ss. Wicht ig
ist in diesem Zusammenhang auch zu erwähnen, dass d ie For m
einerseit s die Text gest alt u ng (Text fo r m) und d abei die eing eha l-

163
t enen oder durchbro chenen Ko nvent io nen/No r men im Ganzen u nd
anderer seit s den St il (Sprachfor m) als I ndiv idu al- und als
Fu nkt io nsst il so wie d ie deno t at iven und ko nnot at iven Merk ma le
bet rifft . Die for male Äquiva lenz in d er Zielsprache wird er halt en,
wenn die gefundene Fo r m d ie g leiche oder eine ähnlich äst het isch e
Wirku ng erzeugt . I m Bereich der St ilist ik mu ss auch geprü ft
werden, ob der zielsprachliche Text vo lle Ko rrespo ndenz aufweist ;
d. h. wieweit d er St il des AT gewahrt wird, um im ZT mit ähn liche n
Mit t eln d er Sprache einen best immt en E ffekt zu erzielen.

Die pragmat ische Ko mponent e der Bedeut ung u mfasst das Zie l der
Überset zung, die Verst änd lichkeit , die Annäheru ng an den AT u nd
die Assoziat ionen, d ie im ZT bewahrt bleiben, und zwar u. a.
aufgrund der landesgebundenen Lebensg ewo hnheit en und Ort sbe-
st immung en. Hier sp ielen auch die äqu iva lent en Wirkungen vo n
z. B. den exo t ischen Au sdrücken und Spr ichwört ern sowie d ie
Int ent ionen der Mit t eilung im AT eine wicht ige Ro lle. Es geht hier
also auch um sozio -kult urelle Asp ekt e (d ie ja durch ver set zt e
Äquivalenz ü bert ragen werden kö nnen), um d ie Beziehu ng zwische n
dem Zweck des Text es u nd der Ko mmu nik at io nssit uat io n u nd u m
die Wir ksamkeit des ZT.

In Bezug auf arabisch-deut sche lit erar is che Über set zungen st ehe n
schließ lich hint er den Bedeut ungskompo nent en zwei gro ß e
Kult uren. Die arabische Au sgangsku lt ur „klingt “ nat ür lich dur ch die
Überset zung hindurch, vo r allem dur ch die isla misch-relig iö se n
Sachver halt e. Jede Kult ur man ifest iert sich let zt endlich u. a. in d er
Sprache der jeweiligen Nat io n. Daher ist die Tät igkeit eines
Überset zers auch nicht nur int ert ext u ell, so nder n auch st ark
int erkult urell bed ingt . Der sprachliche Tr ansfer ist ja zum Teil n icht
nur von der Sprache abhängig, so nder n auch vo n den jeweilige n
kult urellen Hint ergründen. Die ku lt urellen bzw. auß ersprachliche n
Gegebenheit en best immen die sprachliche Gest alt u ng des Text es
mit . S ie finden vielfä lt igen Nieder schlag auf lexik alischer, seman-
t ischer und st ilist ischer Ebene. So mu ss bei der Überset -

164
zungsanalyse u nd - bewert ung den Kult ursig nalen ( Kult ur mar-
kierungen) – sowohl den ver balen als auch d en no nver balen – in
Bezug au f ihre Ko ngruenz (S in nü bereinst immu ng) beso nder e
Aufmer ksamkeit en geschenkt werden.

Wie oben schon erwähnt , hängen d iese dr ei Ko mpo nent en zu samme n


und werden daher in der Analyse zu m größt en Teil nicht get rennt
behandelt . Die prag mat ische Ko mpo nent e nimmt eine beso nd er e
St elle ein, da in einer lit erar ischen Überset zung der „S inn“ ü ber de n
Inha lt und die For m do min iert . In vie ler Hinsicht ent scheid en aber
auch d ie st ilist ischen Erwägungen über d ie Au swahl der seman-
t ischen u nd lexikalischen E lement e. Das wird in „Al- Ayyā m“ z. B.
deut lich, wenn die Überset zer in einer best immt en grammat ische n
Ko nst rukt io n eine and ere mit der selben Bedeut u ng vo rzieht , weil
diese für die ZS st ilist isch bzw. pho no st ilist isch opt imal ist .

Absch ließ end kann man sagen, dass das Ho use’sche Modell fü r
Überset zungsanalysen u nd - bewert ungen im Allgemeinen maß-
geblich und sehr g eeig net ist . Für den Fall arabisch-d eut scher
lit erar ischer Überset zungen ist aber d iese Abwandlu ng in d ie o be n
dargest ellt e Richt ung relevant , um den Beso nder heit en d ieser
Überset zungen ger echt zu werden. Der I dealfall ist hier d ie o ffene
Überset zung, die die se mant ischen, t ext uellen u nd äst het ische n
Merkmale des AT mö g lichst bewahrt und deren Analyse u nd
Bewert u ng im Rahmen der gezeigt en „int erakt iven Fakt o ren und
Aspekt e“ r ealis iert werden kö nnen. So kann durch das int erakt iv e
Modell die bedeut ende Ro lle der ZT -Leser bei der Überset -
zungsbewert ung her vo rgeho ben u nd d ie offene Überset zung so wie
die verset zt e Funkt io nsäqu ivalenz kö nnen analys iert und bewert et
werden. Es kann au ch gezeigt werden, wieweit d ie ZT-Leser den AT
und die AS- Kult ur aufneh men. Weit er hin kann das Mo dell die
behandelt en wicht igen t heoret ischen Aspekt e der lit erar ische n
Überset zung und der Äqu iva lenzproblemat ik rea lisier en u nd so mit
die I nt erakt ion der äqu iva lenzbewert enden Fakt o ren zeig en u nd
regeln.

165
So kann das int er akt ive Mo dell zur Analyse u nd Bewert ung
arabisch-deut scher lit erar ischer Überset zung im Allg emeine n
passen, au ch wenn d ie ü ber set zer ischen St rat egien var iier en. Die
Überset zungst heor ien sind vielfä lt ig u nd decken alle mö gliche n
Seit en dieser Wissenschaft ab. Man k ann sagen, dass sie einand er
ergänzen und demselben o beren Zie l d ie nen. Daher passt bei jed er
Überset zungssit uat io n eine (o der mehr) Überset zungst heo r ie( n). I n
Bezug auf die lit erar ische Über set zung speziell kann jeder
Überset zer für sich eine Theor ie bzw. einen P lan für die St rat eg ie
und Vorgehensweise fest leg en, und zwar je nach dem Text t yp de s
AT, dessen Funkt ion und d er erzie lt en Fu nkt ion d es ZT. Jede s
Sprachku nst werk bildet sch ließ lich seine eigene Welt . Es kann also
keine fest e Überset zungst heor ie für lit erarische Über set zunge n
geben. Wicht ig ist vor allem, dass der Überset zer dabei immer an
seine Rezipient en denkt . Im Falle einer so lchen Über set zu ng wie
der jenigen vo n „Al- Ayyām“ mu ss d er Über set zer z. B. d amit
rechnen, dass einige Leser kein ku lt urelles Hint ergru ndwissen ü ber
die arabische Welt haben u nd d ass die meist en vo n ihnen Neug ier
auf die exot ische Welt oder den Aut or haben so wie d ie „and ere “
Denk- und Ausdrucksweise kennen lernen wo llen. Und der
Überset zer t ut gut daran, die kult urelle Differenz zu verdeut liche n
und die Fremdhe it er fahr bar zu machen. Die Wirk ung d es AT u nd
deren Grad, auch wenn d er ZT so mit eher als Do ku ment in d er
Zielku lt ur fungiert , hängen nicht nur v on der künst ler ischen u nd
kult urellen Ko mpet enz d es Überset zer s ab, so nder n auch vo n der
jeweiligen Über set zung sst rat eg ie, die zum jeweiligen Text passt .

So kann die o ffene Überset zung als repr oduzierende schö p fer ische
Tät igkeit auch zur Bereicheru ng der zie lsprach lichen Lit erat ur und
zur Gewinnung neuer, nachemp fu nd ener Qualit ät en in d er
Zielsprache beit rag en sowie d en ZT-Lesern durch d ie Übert ragu ng
der ausgang ssprachlichen Ausdru cksformen u nd äst het ische n
Qualit ät en neu e Ho r izo nt e öffnen.

166
5 Zur Übersetzungsanalyse von „Al-Ayyām“

167
I m vor liegend en Kapit el wird zunächst auf den AT- Aut o r und sein
lit erar isches Werk eingegangen. Dann er fo lgt d ie prakt ische
Überset zungsanalyse u nd - bewert ung vo n „Al- Ayyām“.

5.1 Taha Hussein und sein Werk

Taha Hu ssein, 1889–1973, war einer der grö ßt en arabische n


Schr ift st eller und I nt ellekt uellen. Er wurd e in einem k leinen Do r f in
der äg ypt ischen Pro vinz E l-Min ya gebo r en, wo er in bescheid enen
Ver hält nissen aufwuchs. Er war d er siebt e u nt er dreizehn
Geschwist er n. Wegen einer Augeninfekt io n, die vo n eine m
uner fahrenen lo kalen Heilprakt iker falsch behande lt wurde, ver lo r
er im Alt er vo n drei Jahren sein Augenlicht . I n einer ein fache n
Koranschule hat er den Koran geler nt . 1902–1912 abso lviert e
Hussein se ine S chulau sbild u ng und sein St ud iu m an der
t radit io nsr eichen isla mischen Al-Azha r Ho chschu le. Als erst er
promo viert e er 1914 bei dem it alienis chen Or ient alist en Car lo
Alfo nso Nallino an der Univer sit ät Kairo über den k lassische n
arabischen D icht er Abu Al-Ala Al-Maarri, u nd 1 919 an d er
Sorbonne ü ber den alt en arabischen His to riker und Po lit ik er Ibn
Khaldun. 1920–1932 war er Do zent für alt e Geschicht e und spät er
für ar abische Lit erat ur an der Univer sit ät Kairo (vg l. Al-Maaly/
Naggar 2004: 122).

Ihm ko mmt das Haupt verdienst für eine Fülle vo n o rganisatorische n


Neueru ngen zu, u. a. für S chu lpflicht , Fr auenst udiu m, die Gründu ng
des I nst it ut s für is lamische St ud ien in Madr id und des ar abische n
Lehr st uhls in At hen. 1942 war Hu ssein Grü nd ungs mit g lied d er
Universit ät vo n Alexandr ia, 1945–1 948 Leit er des Ver lag s Al-Kati b
Al-Masri ( „Der ägypt ische Schr ift st eller “) sowie der gleichnamig en
Zeit schr ift und 1950–1952 u nt er der let zt en Wafd-Reg ierung
Bildung sminist er. Sein Motto war: „B ildung ist e in Recht für alle
Menschen. S ie ist wie Wasser, das wir t rinken und Luft , d ie wir
at men. “ Er war zudem Mit g lied der Ak ademie für Ar abische
168
Sprache in Kairo und Damasku s. Viel t at er für d ie Erneueru ng u nd
Modernis ieru ng des Arab ischen als einer Wissenschaft ssprache, d ie
unt er seinen Händen an Best immt heit des Ausdruck s u nd Fein heit
der Unt erscheidu ng sehr vie l gewann ( vgl. Lange/S chiler 198 8: 26).

Er gehört e zu den präg enden Per sönlich keit en der arabischen und
ägypt ischen Kult ur der erst en Hälft e des 20. Jahr hundert s. Sein e
Bedeut ung als Ver fasser vo n ü ber 40 Bücher n und zahlreiche n
Aufsät zen und St udien ist nicht zu best reit en. Er war also nicht nu r
Ro manschr ift st eller, so nder n au ch Hist or iker, Kr it ik er u nd Über-
set zer. 1926 erschien seine ko nt rovers dis kut iert e Abhand lu ng Über
die vo risl ami sche Po esi e, in der er u nt er Anwendu ng mo der ner
linguist ischer und t ext kr it ischer Met ho den die These vert rat , der
überwiegende T eil der so genannt en vo ris lamischen Lyr ik sei in
Wirklichk eit ein Produkt der islamisch en Zeit . In der vo range-
st ellt en E inleit ung ahnt e Hu ssein bereit s, dass er damit einen St ur m
der E nt rüst ung auslö sen würde. Denn wenn seine T hese st immt e,
würden bis dahin gru nd legende Text e in Zukunft für d ie Wissen-
schaft der klassischen ar abischen Lit erat ur so wie für d ie Ko ran- und
Hadit hwissenschaft en u nbr auchbar ( vgl. Walt her 2 004: 283). Er
wurde der Häresie beschu ldigt und das Buch wurde ver bo t en, spät er
in le icht verändert er For m u nd u nt er anderem T it el aller d ing s
wieder au fg elegt .

Wicht ig e Werke: Ein Literat, Ro man, Kairo 1935; Der Ruf des
Regenpf eif ers, Ro man, Kairo 1942 ; Scheh era zades T räume, Ro man,
Kairo 1943 ; Der Baum des Elend s, Ro man, Kairo 1944; Kriti k un d
Ref orm, St udie, Kairo 1956; Anmerku ng en zur Biog raf ie, Abhand-
lu ngen über die Muhammadbiografien, Kairo 197 3 ; Werkau sgabe:
Gesammelt e Werke, 10 Bände, Kairo 1973–1974 ( vg l. Camp bel l
1996: 488).

I m Fo lg enden werden Äuß eru ngen vo n zwei Per sönlichkeit en ü ber


Taha Hussein her vo rheben. Die er st e ist Enno Lit t mann
(1875–1958), der groß e deut sche Or ient alist , der im Vo rwort zu der

169
allererst en deut schen Überset zung vo n „Al- Ayyām“ (1957 u nt er
dem T it el Kindheit stage in Ägyp ten er schienen) Hu ssein bezeichnet
als
„eine der her vorragend st en Persö nlichk eit en im Ku lt ur-
leben des heut igen Ägypt en; er ist au ch E hrenpräsident
der Int er nat io nalen Schr ift st eller vereinigu ng. Für ihn
begann sein eig ent liches wissenschaft liches Leben in der
neuen ägypt ischen Univer sit ät . Vo n Wissensdrang beseelt
[…] ler nt e er bei d en europäischen Professoren, d ie zu
Gast vor lesu ngen an die neue Universit ät beru fen wurden,
in arabischer Sprache euro päische Wissenschaft k ennen.
E ine neue Welt g ing ihm au f, u nd er war unser eifr igst er
und best er Schüler. S eine Prü fung bei u ns best and er mit
der best en Not e“ (Lit t mann 1 957: III–IV).

Die zweit e Per sönlichkeit ist d er gro ß e französische Schr ift st eller
und No belpr eist räger Andr é Gide (18 69–1951), der im Vorwo rt zu
der französischen Überset zung seine Ansicht en äußert (auch i m
Vo rwort der deut schen Überset zu ng von 1957 vorhanden) :

„Beim Lesen des ›Livr e des Jours‹ ist meine er st e


E mpfindu ng, mit meinen Gedanken in eine ungewö hnlich
fremd e Welt verset zt zu sein. Allmählich ko mmt ein
weit eres Befremdet sein hinzu: es hand elt sich u m das
Werk eines Blinden, u nd vo m Anfang bis zum Sch luss
seines Ber icht s hält der Ver fasser den Gedanken an diese
Tat sache wach. Durch seinen g anzen au sfü hr liche n
Ber icht hindurch ist ein kr it ischer Geist von einzig art iger
Schär fe lebendig “ (Gid e 1957: V).

Sein Gebrechen halt e ihn gefangen, aber er habe eine See le,
„d ie er st ickt , die leben will und d ie sich wehrt . […] Vo n
meiner let zt en Reise nach Ägypt en ble ibt mir d ie
Begeg nung mit Taha Hu ssein als bei weit em
bedeut samst es und schö nst es Er lebnis in Er inneru ng.
Welch st ille Heit erke it in seinem Lächeln […], welche
Milde im Ton seiner St imme, welcher Schar m und welche
Weisheit in seinen Äußerungen! Man wand elt mit ih m i m
Gart en des Wissens u nd nie ert appt man ihn bei einem

170
Versagen: die Aut oren fremder Sprachen sind ihm vert raut
geworden, und sein Gedächt nis gr enzt ans Wunder bar e.
Man erwart et vo n ih m eine Erkläru ng dar über, wie er […]
unsere Sprache so gut er ler nen ko nnt e, man erwart et , dass
er eine m auch d ie Geschicht e seiner unu nt er bro chenen
Ent deckungen, der Mehrung seines geist igen Besit zes,
seiner erst en fr eud vo llen Erschüt t erung en er zählt .
S icherer Geschmack u nd ein kr it ischer Geist , st et s wach
und auf der Hut , haben ihn bei der Wah l seiner Lekt üre
geleit et . Er hat für alles I nt eresse, u nd seine sp ät erwacht e
Neugierde bleibt fr isch und g leichsam unersät t lich. Ich
bewund ert e d ie Treffs icher heit seines Urt eils und dabe i
ebenso sehr die Gro ß züg igk eit seiner Begeist erung wie d ie
Heft igkeit seiner Ablehnung. […] I ch bin nicht sehr
erst aunt , dass man mir sagt , die vo n Taha Hu ssein
herbeigeführt e E manzip ieru ng er fasse zunächst u nd
haupt sächlich d ie Sprache selbst , denn es g ibt keine
int ellekt uelle und moralische Revo lut io n, d ie nicht eine
Erneu eru ng d er For m, eine Umg est alt ung der Au sdrucks-
weise er ford ert e und mit sich brächt e. Diese u nmit t elbare
Freude am Geschr iebenen können wir leider nicht
genieß en. So gut auch d ie Überset zung des ›Livr e des
Jours‹ sein mag, das, was der Ber icht von Taha Hu ssein
für seine Heimat an Neuem br ingt , kann sie uns do ch nicht
ahnen lassen“ (Gid e 1957: V–VIII).

Wie Taha Hussein im Vorwo rt der Sonderausgabe vo n „Al- Ayyā m“


(spezie ll mit Braille- Blindenschr ift gefert igt ) erwähnt hat t e, war es
über haupt keine Absicht vo n ih m, d ieses Buch zu verö ffent lichen.
Er hat t e „diese Wort e“ in se inen Freizeit en „zur E nt last ung seiner
Seele“ von t rüben Er inneru ngen d ikt iert (vg l. Hu ssein 2004: 7).
Dann kam es 1926 zur Verö ffent lichu ng als Fo rt set zungsro man in
der Zeit u ng Al-Hilal. 192 9 wurde der er st e Teil dann in Buchfor m
herausgeg eben.

„Al- Ayyām“, Husseins lit erar isches Haupt werk, ist ein in der dr it t en
Person ver fasst er aut o bio graphischer Ro man. Die vo n Taha Hussei n
dikt iert en Lebenser inneru ng en im Band 1 st ellen seine mühevo lle

171
Kindheit bis zu se inem 12. Lebensjahr d ar. Dieses Werk gehö rt zu
den Anfängen der mo der nen arabischen Romanlit erat ur und er langt e
int er nat io nale Anerkennu ng durch zahlreiche Überset zungen in
versch iedene Sprachen. Der zweit e Teil ist 1939 und der dr it t e 1972
erschienen (deut sche T it el: 1. Teil: Kind heitsta ge in Ägypten, 1 95 7
[vo n Mar ianne Lapp er], Kindh eitst age, 1 962, 1973 [ vo n Mar iann e
Lapper] und 1985; 2. Teil: Jugendj ah re in Kai ro, 1986 [ vo n
Moust afa Maher] ; 3. Teil: Weltbü rger zwi schen Kai ro u nd Pari s,
1989 [vo n Moust afa Maher]).

Im Band 1, dessen Überset zu ng in der vor lieg enden Ar beit


analys iert wird, schildert Hussein in 20 Kap it eln wicht ige St at io ne n
und S it uat ionen in seinem Leben, beg le it et von der Dar st ellu ng des
Lebens in seinem e infachen o beräg ypt ischen Do r f, des Tu ns und
Treibens der Bauer n u nd Schullehrer, der vo lk st ü mlichen Erzähl-
kunst , der isla mischen Gebr äuche und abergläu bischen Vo rst el-
lu ngen und n icht zulet zt der seelischen und geist igen E nt wicklu ng
von sich selbst . In den er st en drei Kapit eln g eht es u m d ie
Sch ilderung Husseins vo n seine m Familienhaus, dessen Umfeld und
Nachbar n, was er alles davo n bzw. vo n ihnen vor alle m durch sein
Hö rver mögen mit beko mmt . Dann erzäh lt er vo n den Fo lgen seiner
Behinderung u nd deren Wirku ng auf ihn selbst , was den Umgang
mit seinen Fa milienmit glied ern und beim Essen und Sp ie len bet r ifft .
E inige Kap it el beschreiben dann d ie Ro lle d er ein fache n
Koranschule, in d er er geler nt hat , den E influ ss des Lehr ers au f i h n
und seine Misser fo lge u nd seine Unlust bei dieser Art vo n Bildung .
Hussein ler nt danach durch seinen Bruder, der an der is lamisch-
t radit io nellen Al-Azhar Ho chschule in Kairo st udiert , neue Wissen-
schaft en kennen, z. B. die arabische Grammat ik und Lit erat ur,
wo für er nun großes und st änd ig wachsendes I nt eresse so wie ein
st arkes Best reben zu m St ud iu m an dieser Hochschu le zeigt . Dabe i
schildert und kr it is iert er auch verschiedene myst ische Hand lung e n
der Dorfbewohner. Zum Schlu ss des Band es erzählt Hu sse in mit
et was det ailliert er Beschr eibung den To d einer Schwest er und eines
Bruders und d ann seine er st en Tage in Kairo. Das let zt e Kap it el ist

172
eine Bot schaft , mit der er sich dir ekt an seine To cht er wendet ,
damit sie aus seinem Leben und seinem Durchhalt en ler nt .

„Al- Ayyām“ war zu seiner Zeit eine für die ar abische Lit erat ur
moder ne Aut obio graphie. Hu ssein erzählt hier v iele se iner
Er lebnisse, die er nicht in der Ich- Fo r m fo rmuliert , so nder n seine m
„Gleichen“, d en er o ft „u nseren Fr eu nd “ nennt , zuschreibt ( vg l.
Maher 2002: 45). Es g eht hier also nicht u m einen S achber icht o der
eine t abellar ische Biograp hie, so nd er n um ein Kunst werk. Dass
Hussein seinen Ro man als Er-Erzäh lu ng ver fasst hat , wird auch als
beispie lhaft dafür bezeichnet , wie er sein Leben weit gehend
objekt iv schildert und einen weit en Blic k vo n oben darau f hat . Es
wird meist ens so int erpret iert , dass Hussein durch sein Wer k
geist ige Kraft für sich selbst aus seiner mü hsamen Vergangenheit
ho len wo llt e, um den Ko nflikt en se iner Gegenwart ent gegenst ehe n
zu können. Durch das ganze Werk hindu rch werden d ie Ro lle u nd
die Fo lgen seiner Behinderung in ver schiedenen S it u at io nen u nd
Lebensbereichen her vo rgeho ben, u m zu zeig en, d ass man auc h
t rot zdem den Mut und auch d ie Wissbegie rde im Leben nie ver lier en
mu ss. I m Gegensat z zur sach lichen Aut o bio graphie unt er liegt d ie
Darst ellung in so lch einem aut o bio graph ischen Ro man nicht mehr
nur der Fo rderung unbed ingt er Wahr haft ig keit , so nder n k ünst -
ler ischen St rukt urgeset zen, d. h. die bio grap hischen Vorgäng e
werden nicht um ihr er selbst willen ber icht et , sonder n einer
S ymbo lst rukt ur unt erwo rfen. „Al- Ayyā m“ u mfasst Er innerungen,
die Aus lassungen vo n b io graphischen Fakt en zulassen und u. a.
Ereig nisse, Perso nen, Mot ive u nd Gemüt slag en beso nd ers her vo r-
heben. Die Blind heit , d ie Familie und d ie Kr it ik an der Gesellschaft
schaffen aut obiograp hische Det ails in d iesem Werk. Daher kann
man sagen, dass es hier wenig er ums Bericht en o der au ch Erzähle n
geht als u m die S childeru ng einer Lage, eines Zust and es, einer
E inst ellu ng durch d ie „E in“s icht Taha Husseins.

Husseins dicht er isches Ver mö gen und sein lit erar isches Talent
ver leihen dem Erzählt en eigenart ige Bildhaft igkeit und beso nd er e

173
Musikalit ät . Dafür bed ient er sich gekonnt und gesch ickt der Mit t e l
der arabischen St ilist ik, die ihr e Wur zeln in der alt en arab ische n
Poesie, im Koran u nd in der Fo lklore hat (vg l. Maher 200 2: 48) .
Hussein bewahrt e in seine m p häno menalen Gedächt nis, das nat ür-
lich durch se ine Er blindu ng beso nders geschär ft und au sgebild et
wurde, einen kost baren Zit at enschat z, in dem man d en Ko ran, d ie
Poesie und Prosa der ar abischen Klassik und ein Wö rt erbu ch mit
Belegen und Zeug nissen finden k ann ( vg l. Maher 2002: 4 8). So
zit iert er z. B. den alt en arabischen Dicht er Abu Nu wā s am E nde de s
Werks:
„I ch t ret e nicht den, der unt er mir ist ,
und gehorche nicht jed em, d er Macht über mich hat “
(Bd. 3: 164).

Taha Husseins erzähler ische Kr aft , wenn man es so nennen k ann, ist
so überwält igend, dass sich d er arabische Leser in d ie g eschildert e
S it uat ion oder Szene hineinver set zt und dass es ih m an vie le n
St ellen so vorko mmt , als würde er sich Filmszenen auf d er
Leinwand anschauen. Das wird veru rsacht durch d ie gro ß e
Sch ilderungs- und Darst ellung sfähigk eit des Aut o rs. Bedingt durch
seine Erblindung versucht Hussein sich ein Bild vo n alle m
vorzust ellen, was d azu führt , dass er auch vie les bis ins Det ail
beschr eibt . Er erwähnt sehr o ft Geräusche u nd St immen ( so gar
manchma l auch Gerüche) u nd versucht , sie zu beschr eiben. Als
erblindet er Ju nge, hat er sich nat ür lich oft au f sein Hö r- u nd
Geruchsver mögen ver lassen. So kann der Leser mit ih m z. B. das
Wasser in der Kanne ko chen, die Karren au f den engen Gasse n
fahren, d ie Nachbar n auf den Treppen hinau f- o der hinunt ergehen
und d ie Lö ffel in den Teller n beim E ssen k lingeln „hören“. So
schreibt Hussein: „… u nd hört en nicht das t raur ige Wasser, das –
dem Feuer ausgeset zt – zu nächst seufzt e, dann herzzerreiß end sang,
um schließ lich schlu chzend zu kochen. Keiner k ümmert e sich u m
den Samo war, keiner er freut e sich des S ingens o der g ar des
Weinens …“ ( Bd. 2: 27 f.). Die Met ap her verwendet Hussein auc h
in einer sehr äst het ischen Fo r m. So g ib t er beisp ielsweise d ieses

174
Bild: „Aus Sparsamkeit sgrü nd en hat t e man ein är mliches, billiges,
schäbiges fr anzösisches Schiff gewählt , das ‚Isfahan‘ hieß . Trot z
seines E lends war es doch ein frö hliches Schiff, das auf den Welle n
t anzt e und im Wasser sp ie lt e u nd sich nicht darum schert e, was die
Passagier e für seine Tanz- u nd Sp ie lleidenschaft an St rafe zu
er leiden hat t en“ (Bd. 3: 81).

Ähnlich ist es auch bei der Ort s- u nd Richt ungsbest immung. Den n
er wurde fast immer von anderen beg leit et , d ie ihn nat ür lich in
versch iedene Richt ungen fü hren, d ie er sich immer zu merke n
versucht e. Diese P erspekt ive ver leiht d em Sat zbau eine beso nder e
Fär bung. So liest man z. B.: „… sein Beg leit er zo g ihn bald nac h
recht s, bald nach links … “, „Er ging recht er Hand an e inem E ing ang
vorüber …“ Dasselbe g ilt auch für die Zeit angaben, indem Tages-
zeit en häu fig genannt werd en. Das ko mmt auch d aher, weil er s ic h
immer vo r der Dunkelhe it fürcht et e, d ie für ih n auch Ver lassenheit
bedeut et e. So schre ibt er z. B.: „… t ag süber o ffen gehalt en und
nacht s geschlo ssen wurde“, „wenn er mo rgens zur Azhar g ing u nd
abend s, wenn er zurückkam … “ ( vg l. Maher 2002: 51).

Husseins St il ist durch Mu sik alit ät , Bild haft igkeit und Wieder-
ho lu ngen gekennzeichnet , mit denen er versch iedene lit erar ische
Port rät s von Perso nen sowie von Sachver halt en g ibt . Seine Sprache
ist durch eine gewisse Behäbigkeit in der Ent falt u ng der Gedanke n
charakt er isiert . Bei der Schild erung von S achver halt en, psych ischen
und geist igen Zust änden kennzeichnet sich sein St il durch ein e
eigenart ige Genau igk eit u nd eine präzise Beschreibu ng, d ie de n
Leser in den Charakt er der gemeint en Gest alt deut lich „hinein-
schauen“ lässt . Das ist vo r allem auch zu find en, wenn ein e
best immt e Lage der Hau pt fig ur, also von sich selbst , geschild ert
wird. Da kennzeichnet sich sein St il d urch eine g ewisse „ps ychische
T iefe“, die der Leser au ch im ganzen Werk spüren kann. Dabei hat
er manchma l d ie so nder bare Fert igk eit , Wo rt sp iele zu verwende n
und Wort ko mbinat io nen durch neue synt akt ische Bild u ngen zu
prägen, z. B. wenn er sagt : „…d ie So nne au fg egangen war u nd ihr e

175
schwachen St rahlen ins Zimmer schickt e […] Der Knüp pe l
st reichelt e d ie Erde sanft , und die Menschenst imme berührt e die
Luft auf e ine angenehme, jedo ch et was matt e Weise“ (Bd. 2: 39). So
ist „Al- Ayyā m“ ein sehr reicher T ext , der eine groß e Vielfalt a n
Bilder n, St immen und Gefü hlen in s ich birgt .

Dieses Werk gilt als einma lig u nd must er gü lt ig u nt er den arabische n


aut o biograp hischen Ro manen. Viele Werke Hu sse ins haben ei n
allgemein menschliches Gepr äge. Er schr ieb zwar an er st er St elle
für seine Landsleut e, jedoch st et s mit dem Blick au f d ie Welt .
E iner seit s hat deshalb der erst e Teil der Aut o bio grap hie in der
arabischen Welt vie le Auflagen erreicht und gehört e scho n in d e n
dreiß iger Jahr en zur P flicht lekt üre an hö heren äg ypt ischen Schulen.
Anderer seit s haben sich viele Or ient alist en und Kr it iker w ieder ho lt
mit ver schiedenen Asp ekt en d ieses in künst ler ischer Hinsicht ganz
außerordent lichen Werk s „Al- Ayyā m“ befasst .

Das alles lässt nicht zu let zt erschließ en, inwieweit Hu ssein d ie


arabische Sprache mit all ihr en Fe inheit en im Gr iff hat t e.
Überwält igend dabe i ist au ch d ie Vielschicht igkeit , die sich in
Wort wahl und Au sdrucksvar iat io nen manifest iert u nd d ie Vergan-
genheit ins Leben ruft . Seinem Ar abischen ist nicht einfach zu
fo lg en u nd doch ver meidet er rhet o risch e Über lad enheit . Er fo r mt
die arabische Spr ache zu einem geschme idig en Ausdru cksmit t el. Da
er die Kunst des schlicht en Erzählens, dem er als Kind so o ft
gelau scht hat , mit der anspruchsvo llen Au sdrucksweise d er
klassischen Spr ache ver band, schuf er ein Meist erwerk, das ihn weit
über die Grenzen seines Ku lt urkreises als her vo rragende n
arabischen Aut or bekannt werden ließ .

Nicht vo n ungefähr g ilt Taha Hu ssein als der Do yen der arab ische n
Lit erat ur.

176
5.2 Analyse des Ausgangs- und Zieltextes

I m Fo lgenden wird d ie T it elü ber set zu ng der drei Bände analys iert .
Ansch ließ end werden ausgewäh lt e Text st ellen au s Band I de s
Ro mans behand elt . Wie o ben scho n erwähnt , wird nicht der g esamt e
Text unt ersucht . So et was würde den Rahmen d er Unt ersuchu ng
sprengen. Deshalb sind d ie fo lgenden T ext beisp iele dazu gedacht ,
beispie lhaft die Analyse und d ie Anwendu ng d es int erakt ive n
Modells zu ze igen; vor allem deswegen, weil nicht alle
Dimens io nen des Mo dells u nd d ie oben gezeigt en Analysekr it er ie n
in jedem der behandelt en Kap it el bear beit et werden kö nnen. E inig e
werden fehlen mü ssen, weil Beispiele dafür im jeweilig en Kap it e l
nicht gefunden werden kö nnen. Die Beispiele d ienen also dazu, ein
mögliches über set zu ngsanalyt isches Vo rgehen anhand de s
int erakt iven Mo dells exe mp lar isch zu d emo nst r ieren. So werden
int eressant e Beispie le au sgewählt , deren Überset zung proble mat isc h
sein kö nnt e und d eren Analyse so mit vo n Bedeut ung ist . S ie werde n
gezielt ausgewählt und her vo rgeho ben, so dass man eine äqu iva lent e
bzw. nicht äquiva lent e Übert ragung an ihnen zeigen kann. I m
Vo rdergrund st ehen dabei Beisp iele mit best immt en semant ische n
und äst het ischen St ellenwert en im AT o der mit st ilist isch g eho-
benen Mit t eln von Hussein, wodurch d ie St rat egie der Über set zer in
gezeigt und analys iert werden kann.

In Bezug auf die Dar st ellungsweise d er Analyse selbst erscheint es


prakt ischer und zweckmäß iger, dass d ie Analyse des AT u nd die de s
(bzw. der Vergleich mit dem) ZT nicht get rennt , so nder n dass die
beiden Schr it t e – wie o ben dargest ellt – immer ko mbin iert werden.
Das st eht im Gegensat z zu m Ho use’schen Modell, das an
englisch-deut schen Über set zungen angewendet wurde (vg l. Ho use
1997: 121 ff.). D ie ar abische u nd d ie deut sche Sprache sind nicht
unmit t elbar mit einander verg leichbar. Die sprachlichen M it t e l
beider S yst eme sind nicht gle ichwert ig. Die Bedeut u ngen und d ere n
äst het ische Wert e decken sich ebenfa lls nicht genau. Daher ist ein e
get rennt e Analyse des arabischen Text es als erst er Schr it t
177
unzweckmäß ig, denn man braucht gleichzeit ig die deut sch e
Ent sprechu ng vor s ich, um d ie Bedeut ungsko mpo nent en zu
erkennen, die Beisp ie le u nd d eren Analys e ( näher) zu verst ehen u nd
sich so mit ein Urt eil zu bilden. Schließ lich handelt es sich au ch hier
nicht um einen Sachber icht o der einen inh alt sbet o nt en Text , so nder n
um einen Text , der Geschehnisse und Fig uren darst ellt , einen Text ,
der „erzählt “. Die lex ik alischen E inhe it en st ehen nicht einzeln da,
sonder n sie sind st ark mit einander ver bu nd en und b ilde n
Bedeut ungs- und S inneinhe it en inner halb vo n Ko nt ext en.

Hier mit so ll auch her vorgeho ben werden, dass die u nt en darg est ellt e
Kr it ik u nd d ie Ko mment are be i ein ig en Beisp ielen nicht in de n
darauf fo lgenden Abschnit t über d ie Funkt io nsbest immu ng u nd
Qualit ät sbewert ung (5.3) verscho ben werden, weil sie jeweils g le ic h
aufgeführt werden müssen, um d ie Analyse des jeweilig en Beisp ie ls
zu er läut ern bzw. zu begrü nden. Und um eine sachg erecht e Analys e
zu erzie len sowie um zu zeigen, dass alle Kap it el d es Werk s
„Al- Ayyām“ eine allgeme ine Fu nkt io nsbest immu ng u nd ein e
allgemeine Qualit ät sbewert ung haben kö nnen, werden Kap it el mit
versch iedenen T hemenber eichen, Analys easpekt en, S it uat io ns- u nd
Sachbezügen, Begebenhe it en und Mot iven behandelt .

5.2.1 Der Titel

Die Über set zung des T it els eines lit er ar ischen Werks lässt sich
nicht ohne Kennt nis des gesamt en T ext es ent scheiden. Der das Werk
kennzeichnende To n und der Makro ko nt ext können den Hinweis
darauf geben, ob d iese oder jene E nt scheidu ng die o pt imale
Adäquat heit biet et .

Der arabische T it el d er drei Teile laut et einfach dasselbe, nämlic h


‫„ ﺍﻷﻴﺎﻡ‬Al- Ayyā m“. Wört lich bedeut et dieses Wo rt „Die Tage“.
Maher meint , dass es im k lassischen u nd auch im heut ige n
allt äglichen Ar abischen an Konno t at ionen beso nder s reich ist ( vg l.

178
Maher 2002: 46) ; im Ko ran, im Spr ichwo rt , in der Lit erat ur u nd in
der Umgangsspr ache kann „Die Tage“ jewe ils and ers geme int
werden u nd mehrere semant ische I nhalt e ausdrücken. I m seman-
t ischen Bereich kann man ver schie dene Bed eut ung snuancen
erkennen; es kann z. B. au f das ganze Leben eines Mensche n
hinweisen, auf seine Leiden, au f best immt e Er lebnisse o der Ereig-
nisse, auf Ruhm oder Vergäng lichkeit ( vg l. Maher 2002: 46).

Vielleicht fr agt man sich, waru m Hu ssein d ie Ze it angabe „Tag e “


und nicht z. B. „Jahr e“ o der „Mein Leben“ verwendet hat . Das
könnt e desweg en sein, weil seine Tag e fü r ihn irg endwie lang ware n
und die Ze it immer lang sam für ih n verg ing, wie er selbst a n
mehr eren St ellen im Ro man erwähnt . Deshalb wo llt e er vie lleicht
den Leser n auch den E indruck ver mit t eln, dass er sich an fast alle
Tage seines Lebens er innert u nd so kö nnt e der Leser als Rezip ient
diese Zeit en mit ih m er leben. Noch d azu wo llt e er, wie er in
Äußerung en über sein Buch u nd in dessen Vo rwort erwähnt hat ,
dass die Leser aus seinen Er fahrungen Nut zen ziehen und ler nen.
Daher sind diese Er fahrungen für ihn vo n allgemeinmenschlicher
Bedeut ung und nicht auf sich selbst beschränkt .

Den Über set zer n von „Al- Ayyā m“, d ie das Werk in d ie europäische n
Sprachen übert ragen haben, ent g ingen d ie oben erwähnt e n
Ko nnot at io nen auch nicht . S ie baut en dar um herum Zu sät ze, d ie i n
der Zie lsprache möglich waren u nd d acht en an mehrer e Wendung e n
wie Le Livre des Jou rs, An Egyptian Childhood ( vgl. Maher
2002: 47). Zwar geben so lche Wo rt kombinat ionen n icht alle s
wieder, was der arab ische T it el asso ziier en, denken u nd emp find e n
lässt , aber eine t ot ale E nt sprechu ng b zw. Äqu iva lenz ist nicht
immer zu finden. And ere Überset zung smög lichkeit en hät t en
lediglich andere Aspekt e und Asso ziat io nen her angeho lt und dafü r
aber andere weggelassen. E in ig e Fo rscher meinen sogar, man kö nnt e
die Zielsprache durch Wo rt wö rt lichk eit zwingen, in der Ho ffnu ng,
man könnt e sich d aran gewö hnen. Abgesehen vo n alle n
Gegenargument en kö nnt e man also e infach schr eiben: Di e Tage, Th e

179
Days, Les Jours. Man kö nnt e auch den arabischen T it el t ranskr i-
bier en: Al-Ayyām ( vgl. Maher 2002: 47). Die Transkr ipt io n kö nnt e
aber m. E. die Gefahr in sich bergen, dass d ie Rezept io n er schwert
wird und dass so mit d ie Bereit schaft d er Rezipient en, das exo t ische
Werk aufzunehmen, bis zu einem weit en Grad eing eschränkt wird.
An sprachlichen und ku lt urellen Asso ziat io nen ist d iese Über set -
zungsvar iant e dann ar m, es sei d enn, der t ranskr ibiert e T it el würd e
von einem deut schen Unt ert it el beg le it et .

Der von Mar ianne Lapper ü ber set zt e Band I hat den T it e l
Kindhei tsta ge. Indem sie den Bezug Kin dheit hinzugefügt hat , hat
sie hier mit also den zeit lichen Aspekt hervo rgeho ben. Durch die
lange und int ensive Beschäft igung mit diesem Werk u nd so mit
durch den einflussreichen St il Husse ins, ko nnt e sie so de m
deut schen T it el eine beschreibende Fär bung ver leihen. Sch ließ lic h
handelt dieser Band vo n der Kind heit Husseins u nd seine n
Er lebnissen in d ieser Alt ersst u fe. Lapp er hat also d iesen Band
int erpret iert u nd darau fh in wurd e in d er Überset zung seines T it els
das ausgedrückt bzw. dargest ellt , was in d iesem Band schließ lic h
auch geschildert und wo vo n ber icht et wird.

Anhand des int er akt iven Modells kann man auch sagen, dass d ie
verset zt e äquivalent e Funkt io n des T it els durch seine d eut sche
Überset zung „Kind heit st age“ verwirk licht wurde. Der Tit el wurd e
sozusagen „o ffen“ über set zt . Die Überset zer in hat d ie Bo t schaft des
AT- Aut ors zum ZT-Leser adäquat übermit t elt und diesem eine n
Hinweis dar au f gegeben, wo vo n dieser Band handelt . Weit er h in
find et man bezüglich der Dimensio n „Fie ld“ zwar keine vo lle
Übereinst immung zwischen dem arabischen u nd d em deut sche n
T it el, da die Über set zer in prag mat isch vorging u nd d en zeit liche n
Aspekt her vorgeho ben hat , indem sie den Fakt or „Kind heit “
hinzugefügt hat . Jedoch ist ihr auch st ilist isch gelungen, mit nur
einem Wo rt einen St il zu erreichen, der den I nhalt ausdrü ckt .
Fo r mal u nd st ilist isch ist der deut sche dem ar abischen T it e l

180
äquivalent ; er drückt auch mit nur eine m Wo rt ähnliche o der auc h
fast die gleichen Assoziat ionen aus.

Moust afa Maher, der Über set zer der and eren beiden Bände, ist auc h
im semant ischen und prag mat ischen Feld geblieben u nd ein ig e
Schr it t e weit er gegangen. Er hat nach einer einfachen Deut u ng „ein e
Rout e“ (Maher 200 2: 47) erkannt , die d ie Hand lu ngen im zweit e n
und dr it t en Band bezeichnet : Hussein g eht vo m engen Do r f nac h
Kairo und dann vo n Kairo nach Frankreic h. I n Frankreich wird ih m
auch ein Tor zur weit en Welt geö ffnet , d ie Welt des europäische n
Geist es, der abendländ ischen Kult ur u nd Lit erat ur. Diese neue Welt
und diese neuen Erkennt nisse bo t en für ihn zu sät zliche Ho ffnu nge n
und Lösungen, um allen se inen Widr ig keit en ein E nd e zu set zen.

So hat sich Maher, ähnlich wie Lapper, auch jeweils vo m I nhalt d er


beiden Bände le it en lassen u nd den zeit lichen sowie den ö rt liche n
Aspekt her vorgehoben. Für ihn ver bracht e Hussein in Kairo „kein e
Jugendt age sonder n - jahre“ ( Maher 2002: 47). So nannt e er Band II
Jugendj ahre in Kai ro. Wie es hier deut lich ist , konnt e er mit seiner
Überset zung die Wahr nehmung bzw. Aufmerksamkeit de s
deut schsprachigen Lesers in eine best immt e Bahn lenken, u nd zwar
dass die Hand lungen in d iesem Band vo n der Jugend zeit Hu ssein s
erzählen, d er mit 13 Jahren nach Kairo kommt , u m seine Ausb ildung
an der Al-Azhar Universit ät fo rt zuset zen. So mit hat Maher hier au f
die „pragmat ische Ko mpo nent e“ der Bedeut ung vo m T it el d ieses
Band es geacht et .

In Kairo hört en Hu sseins Leiden u nd wissenschaft licher Ant r ie b


nicht auf. Er hat erkannt , dass er in Eu ro pa das mo der ne Wissen
find en kann, das ihm d ie angest rebt en wissenschaft lichen und
geist igen Ergänzungen biet et . So verbracht e er wegen seine s
Promo t io nsst udiu ms einige Jahre in Frankre ich. So doku ment iert
Band III au s er st er Hand d ie äg ypt isch-euro päische ge ist ig e
Bewegung um die Jahr hundert wende. Hussein ber icht et über sein e
Erfahrung en mit Kr ieg u nd Fr ieden, Revo lut ion u nd E vo lut io n,

181
Ideo log ien und Massenbewegu ngen und äuß ert sich zu r
grund legenden Frage des E ngagement s der I nt ellekt uellen. In
seine m Glauben an d ie einhe it liche Kult ur der Menschheit ko nnt e er
Welt bürger werden. I n diesem S inne nannt e Maher d iesen dr it t en
Band Welt bürger z wischen Kai ro und Paris ( vg l. Maher 2002: 4 7).
Hier hat er nicht nur den ört lichen Aspekt hervorgeho ben, sonder n
auch eine semant ische Dimens io n durch den Zu sat z „Welt bürg er “
eröffnet , so mit die Spannung d es ZT-Leserkreises er höht u nd diesen
auf eine best immt e Spur geleit et . Semant isch ist dieser deut sche
T it el seinem arabischen Gegenü ber zwar nicht äquivalent , jedo ch
kann er eine ver set zt e äquivalent e Funkt io n haben.

Die Tat sache, dass u nser e beiden Überset zer au f denselbe n


ausgangsspr achlichen T it el u nt ersch ied lich reag iert en, geht au f
St ilpräfer enzen und kont ext uelle Vert eilu ng vo n Pr imär- und
Sekundär inhalt en zurück. So wir d durch diese Analyse versucht ,
gegen den Uhrzeiger sinn vo rzugehen u nd den Über set zu ngsvo rgang
zurückzudrehen, u m aus dem vor lieg enden Über set zu ng sresu lt at d ie
Fakt oren zu best immen, d ie zur zielsprachlichen T it elko nst it uieru ng
geführt haben.

Die Frage, ob es sich be i d iesen drei ver schiedenen Über set zunge n
des einheit lichen arabischen T it els „Al- Ayyā m“ u m eine äquiva lent e
Überset zung oder um I nt erpret at io nen ( int erpret ato rische Überset -
zung) handelt , wird wo hl no ch für einige Zeit o ffen und st r it t ig
ble iben. Diese drei Über set zungen kö nnen jedo ch als eine Art
Int erpret at io n angesehen werden. Vielle icht wäre es auch nicht
unangemessen gewesen, wenn man den einhe it lichen T it el als
Transkr ipt ion ( „Al- Ayyām“) au f jedem der drei Bände behalt en und
dann d iese dr ei deut schen T it el a ls „Unt ert it el“ jeweils hinzug efügt
hät t e. Dadurch hät t e das Werk einer seit s einen best immt en Wert
behalt en, au ch wenn nat ür lich nicht denselben Wert wie in der
arabischen Kult ur. Anderer seit s hät t e es auch unt er d en überset zt en
lit erar ischen Werken se in eigenes Wesen, seinen eig enen Char akt er
erhalt en, und zwar durch d ieses schö ne, k langvo lle Wo rt

182
„Al- Ayyām“. Maher me int sogar weit er, dass er sich von diese m
Wort „nur schwer t rennen“ ko nnt e u nd es „für eine neue Au flag e
einzu set zen ver suchen“ würd e (vg l. Maher 2002: 47).

5.2.2 Kapitel 1

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
Durch das erst e Kapit el ler nt man die Haupt figur kennen, u nd zwar
den Aut or Taha Hu ssein selbst als Kind. Hier wird das Haus mit der
nahen Umgebung beschr ieben, wo er mit seiner Familie lebt e.
Weit er hin werden hier d ie Geschwist er und d ie Mut t er erwähnt . Es
wird auch erzählt , wie d er Knabe o ft an der Mauer vor dem Hau s
st and, wo er in seine Über legu ngen sank u nd d ie ver schiedene n
Leut e und Nachbar n, vo r allem d ie Ku lt säng er, hö rt e. Dann wir d
seine Angst vor der Du nkelheit , der Nacht u nd den in seiner
Phant asie vorgest ellt en Geist er n beschr ieben. Die Geräu sche, d ie er
während der Nacht hört e oder zu hö ren glaubt e, erwähnt er auch.
Dann brach endlich der Mo rgen an u nd d ie ganze Familie, so gar d ie
Haust iere und die Geflügel, st anden auf.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


1) In diesem Kap it el, wie auch im ü br igen Ro man, verwendet
Hussein zu m größt en Teil r elat iv la ng e Sät ze mit mehrere n
Sat zabschn it t en. Seine Wört er, Begr iffe, Ko nst rukt ionen, Sät ze u nd
auch Sat zket t en sind vo n eine m geho benen ho charabischen St il u nd
durch eine anspruchsvo lle Au sdruck sweise gekennzeichnet . Jedo ch
sind sie einfache bzw. nicht schwer ver st änd liche Wört er. So findet
man in d iesem Kap it el beisp ielsweise einfache allt ägliche Wö rt er,
die Hussein in sehr ausdru cksvo llen Konst rukt io nen u nd Sät ze n
mit einander ver bindet .

183
Beispiel 1:
‫و‬4D.‫ و‬،7‫ﻡ‬e ‫ ا‬H‫ آ^ﻥ‬, ‫  ذرا‬HAO)6 ،, A ]/) 6 H0d ‫ ﻡ‬T4
)6
4D. d ،H‫ أﻡ‬6 NA H‫] رأ‬F.‫رض و‬2‫ ا‬NA H /. f 1 N ‫ إ‬H
, 6 -J.‫ و‬،‫ﺥى‬2‫ ا‬4D ‫ة‬41‫ وا‬,O)G)6 )Ag ‫ ا‬H /  N ‫ إ‬T‫ه‬
#‫ ی‬:‫ و‬0#
‫ ی‬: H/# ‫ ی^  و‬0‫ وه‬،‫ ﺥ ًا‬H A ‫ي‬4‫ ی‬:‫ و‬H‫ذی‬h‫ ی‬%i
.‫ّ ًء‬#‫ّ ًء ﺵ‬# ‫ ا &_ ة‬H)‫ن آ^ﺥ‬0#‫ أن ی‬T#‫ آن ی‬H‫ﻥ‬2
(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Sie würde ihn an seinen Kleidern zerren und trotz aller Gegenwehr
schließlich in ihre Arme schließen, als wäre er ein Spielzeug, und
im Laufschritt an einen Ort bringen, wo man ihn auf den Fußboden
legte und seinen Kopf in den Schoß der Mutter bettete. Die Mutter
würde aufmerksam seine armen kranken Augen betrachten, sie
nacheinander öffnen und eine Flüssigkeit in sie träufeln, die ihm
jedesmal Schmerzen verursachte, doch keine Besserung brachte.
Und er würde sich trotz aller Leiden hüten, zu klagen oder zu
weinen, denn er fand es abscheulich, so ein quengelndes Heullies-
chen wie seine kleine Schwester zu sein.
(Bd. 1, S. 6–7)

Anhand dieses Beisp ie ls erkennt man, dass der Aut o r des AT


vorwiegend Fo lgen vo n relat iv le icht durchschau baren Sät ze n
benut zt . Wie es für die arabische lit er arische Sprache t yp isch ist ,
sind sie meist ens Ver balsät ze, z. B. HAO. – H ‫و‬4D. – 4D. – -J. . Das
ausdrucksvo lle Adjekt iv )Ag‫( ﻡ‬wört lich = „du nk el“) benut zt
Hussein, um äst het isch seine blinden Augen zu beschreiben.
Zusät zlich findet man die au feinand er fo lgenden gereimt e n
Adver bien ً‫ء ا‬#‫ء اً ﺵ‬# (wört lich: „weinend, klagend“), d ie Musika-
lit ät im Sat z erzeu gen.

I m ZT fällt auf, dass der deut sche Text vo n größ erem Umfang ist als
der AT. Das ist einer seit s jedoch wegen der allgeme ine n
Sprachver schiedenheit en der arabischen und deut schen S prache
nicht merkwürdig. Dazu ko mmt nat ür lich noch d ie me ist er haft e
Fähigkeit und Fert igkeit Husseins, wie er sich der arabische n

184
Sprache bed ient , sie for mu liert und anpasst , um knappe aber
st ilist isch ausdru cksvo lle und künst ler isch lit erar isch-äst het ische
Sät ze zu gest alt en. Dieser Unt erschied zwischen dem ZT u nd de m
AT ist im ganzen Werk fest zust ellen. And ererseit s mu ss man bei der
Überset zung, vor allem lit erar ischer Text e, auch semant isch u nd
st ilist isch äquiva lent e Ent sprechu ng en finden. So mu ss beisp iels-
weise o ft ein arabisches Wo rt durch zwei o der mehr Wo rt e i m
Deut schen überset zt werden. Das g ilt in unsere m Beispie l u. a. für
die Ko nst rukt io n 7‫ﻡ‬e ‫ ا‬H‫„ =( آ^ﻥ‬als wär e er ein Sp ie lzeug“), die
Ko nst rukt ion H ‫و‬4D. (= „im Laufschr it t … br ingen“) u nd für das
Ver b 4D. (= „aufmerk sam ... bet racht en“). So konnt e auch d ie
Überset zer in das E igent ü mliche der Au sgangssprache semant isch,
aber vielleicht nicht st ilist isch, beibehalt en.

Durch d as oben angefü hrt e Be isp ie l wir d deut lich, dass d er Text
keine Schwier igkeit en für die Überset zerin g ebot en hat . S ie hat im
Deut schen die lexika lischen E le ment e gefunden u nd benut zt , die
den erzie lt en I nhalt bzw. S inn d es AT wiederg eben; zwar nicht
immer mit demselben lit erar isch- äst het ischen Grad u nd den wenige n
ausdrucksvo llen Wört ern wie im AT (vo r allem durch den Zwang
der deut schen lex ikalischen und s ynt akt ischen Mit t el), jedo c h
gelingt es ihr an e inigen St ellen do ch Husseins I nt ent io n u nd
Ausdrucksweise mit lex ikalischen u nd synt akt ischen E le ment en
wiederzugeben, die au ch Lit er ar isch- Äst het isches im ZT zeigen u nd
eine ähnliche äst het ische Wirku ng er zielen, z. B. durch d ie
Musikalit ät in: „… die ih m jed esma l Schmer zen verursacht e, do ch
keine Besserung br acht e“ u nd durch d ie Verk leiner u ng sfor m in: „…
quengelndes Heullieschen … “, die Husseins I nt ent io n her vo rhebt .
Dem Ver b ‫ ﺘﻌﻤﺩ‬hat d ie Überset zer in aber im ZT einen ger ing ere n
semant ischen Wert durch d ie Ko nst rukt ion „au fmer ksam bet racht en “
gegeben. E igent lich bedeut et es eher „et w. Aufmer ksamkeit
zuwenden“. Daher ist d ie Über set zu ng d ieser wicht ige n
semant ischen E inheit dem Or iginal nicht äqu ivalent .

185
Hier u nd anhand von weit eren zahlreic hen Beispielen im ganze n
Werk ist Husseins me ist er haft e Handhabung der arabischen
lit erar ischen S prache immer zu find en, indem er durch einzeln e
wenige, aber nuancenreiche Wö rt er best immt e ausdru cksvo lle
Bedeut ungen ausdrückt , d ie im Deut schen jedoch durch jeweils
mehr ere Wört er ausgedrückt werden.

2) I m Rahmen der lexikalischen Mit t el u nt er der Dimens io n „F ield “


ist in d iesem Kapit el no ch ein Punkt her vo rzu heben, und zwar d ie
Überset zung vo n ?‫ی‬G (= „Geist /Spukgest alt / Kobo ld “). I m AT
kommt dieses Wort mehr mals in S ingula r- und P luralfo r m vo r. Es
wurde aber auf verschied ene Weisen überset zt : an ein ig en St elle n
einfach durch „I fr ît “ t ranslit er iert , an anderen durch „Geist (er) “
oder durch „Ko bo ld(e) “ wiedergeg eben.

Beispielgruppe 2:
‫ ﻡ‬H6‫ أا‬41‫  أو أﺥج أ‬A ‫ء ا‬/d‫ أ‬H,‫ و‬r
‫ إن آ‬H‫ً أﻥ‬Jd‫وآن وا‬
) ‫ ة ا‬e# ‫ری? ا‬GD ‫ی? ﻡ ا‬G H fD‫ ﻡ أن ی‬4%6 ،‫ف‬OA ‫ا‬
H 1‫ا‬0‫ وﻥ‬T‫ أرء‬t.‫ر ا  ? و‬-'‫ أ‬D.
(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Er war überzeugt, daß in der Nacht, wenn sein Gesicht unbe-
deckt bliebe oder irgendein Teil seines Körpers unter der Decke
hervorblickte, bestimmt ein Ifrît, einer der vielen Geister, die
alle Räume des Hauses bewohnen und Ecken und Winkel
bevölkern, sein boshaftes Spiel damit treiben würde
(Bd. 1, S. 7)

,/‫ ﻡ‬4). ‫ ﻡ أن‬4%6 H6O 6 ‫_ة‬d ‫ك‬. ‫ إن‬H‫ً أﻥ‬Jd‫وآن وا‬


fD ‫ وا‬u_  H /)6 H( N ‫ی? إ‬G 4‫ی‬
(١٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
selbst durch den kleinsten Spalt könnte eine Koboldhand
nach seinem Körper greifen und ihr böses Spiel beginnen.
(Bd. 1, S. 8)

186
‫ف‬0 ‫ول وا‬2‫ال وا‬0‫ه‬2‫ ا‬T‫ ه‬6  A ‫ ﻡ ا‬%
ً ‫ی‬0 ‫ًا‬-‫ ﺵ‬FJ‫وی‬
?‫ری‬GD ‫ﻡ ا‬
(١٩ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
und verharrte endlos lange in solcher Beklemmung und
in Angstvorstellungen vor den Ifrîts
(Bd. 1, S. 8)

Zwar hat die Über set zer in das Wort „I fr ît “ nicht in einer Fuß no t e
erklärt , wie sie so nst viele andere Begr iffe und Per sönlichkeit en
u. ä. er läut ert , doch erklärt sie es g le ich beim er st en Erwähne n
(Beisp iel 2/1), indem sie auch die For m des Or ig inals bei d iese m
Sat z bewahrt und im anschließenden Nebensat z schreibt : „einer d er
vie len Ge ist er “. So mit ko nnt e sie die fremde Bezeichnu ng mit hilfe
eines kurzen apposit io nellen Zusat zes beibehalt en u nd durch „I fr ît “
einerseit s die Überset zung fremdart ig erscheinen lassen u nd d ie
exot ische For m u nd den ausdruck sst arken St il Husseins bewahren,
anderer seit s bereit et s ie auch dem ZT- Leser Vergnügen am T ext ,
ohne d ass die Fo r m der Aussage dur ch allzu lange Umschr eibu ng e n
zerst ört wird. E in ähnliches Verg nüg en find et man im Beispiel 2/ 1
in der Met apher: „… d ie alle Räume d es Hauses bewo hnen und
Ecken u nd Winkel bevö lker n“ und im Beisp iel 2/3 in der
Zusammenset zung: „… in so lcher Bek lemmu ng u nd in Ang st vo r-
st ellungen …“, wo d ie vo lle Bedeut ung des AT auch dur ch zwei so
ausdrucksst arke Su bst ant ive wiedergeg eben wird. Hier ko nnt e d ie
Überset zer in zut reffende Gegenst ücke zur „Au sgangsbo t schaft “
sowie zum St il des AT schaffen, erst ens was den S in n u nd zweit ens
was den poet ischen St il anbelangt . Der Ausdruck u nd g leichzeit ig
die Wirku ng ko nnt en so in der Überset zung ü ber mit t elt werden u nd
so lche St ellen, wo die r het orischen Verwendu ngen u nd die „schö ne
Sprache“ Husseins beso nder s zu find en sind, haben ihr e Äqu iva lent e
im ZT.

187
Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven
1) Husseins Text ist in d iesem Kap it el dur ch einen au sdrucksst arke n
und äst het ischen St il der g enau en Beschreibu ng seiner Umg ebu ng
gekennzeichnet ; der Umg ebung mit den mat er iellen und auch de n
sinnlich wahr nehmbaren Objekt en, was den Anfang des Werk s
int eressant macht (s. auch unt en be i Beispiel 8).

Beispiel 3:
!
‫ ا‬N ‫   إ‬: 7/ ّ 7O‫'? ذآى واﺽ‬0 ‫ ﻡ ها ا‬H J 4' ‫وإذا آن‬
‫ وا ي‬،&J ‫ ﻡ ا‬H‫م أﻡﻡ‬0J‫ﻥ ه ذآى ها ا ( ج ا ي آن ی‬y6 ،, 6
H‫ یآ ه ا ( ج آ^ﻥ‬0‫ ه‬.‫ات '&ر‬0-‫ ﺥ‬:‫ار إ‬4 ‫ و ب ا‬H/  #‫  ی‬
 (D ‫ن ﻡ ا‬#6 ،H)‫ل ﻡ 'ﻡ‬0‫ یآ أن '& ها ا ( ج آن أ‬.M‫ أﻡ‬Tz‫ر‬
‫)ً آ^ﻥ‬J‫ ویآ أن '& ها ا ( ج آن ﻡ‬.T‫ ﻡ وراء‬N ‫ إ‬T-)‫ أن ی‬H A
‫ ویآ أن '& ها ا ( ج‬.T‫ی‬/d 6 (/‫ ] أن ی‬-)(‫ ی‬#‫ ی‬A6 ،ً J‫ﺹ‬%)‫آن ﻡ‬
‫ﺥ‬z N ‫ إ‬H/ ‫  ی‬4)‫ وآن ی‬،7‫ی‬,‫ ﻥ‬H AD‫ ی‬: f 1 N ‫ إ‬H ‫  ﺵ‬4)‫آن ی‬
,)/. ?‫ آﻥ‬4J6 ،ً‫ 'ی‬7 1/ ‫ ا‬T‫ﻥ  ﻡ ه‬4 ‫ﺥ ا‬z ‫ وآن‬.7 1/ ‫ ا‬T‫ﻥ  ﻡ ه‬4 ‫ا‬
– H  ‫ ﺥ‬6 ' ‫ – أو‬H. 1 6 , ‫ وآن‬، ( ‫ ا‬H ?‫ﻡ‬4J. 1 ,6 ‫ة‬/' N ‫إ‬
. g  d^.
(١٦-١٥ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Wenn ihm je eine klare und deutliche Erinnerung aus dieser Zeit blieb,
die jeden Zweifel ausschließt, so ist es das Bild der Maisrohrhecke,
die vor ihm aufragte und die man von der Haustür mit wenigen Schrit-
ten erreichen konnte. Er erinnert sich an die Hecke, als hätte er sie
gerade gestern gesehen. Er entsinnt sich, daß ihr Rohr höher als er
war, daß es nur mit Mühe über sie klettern konnte, wollte er auf die
Felder dahinter gelangen, und daß die Schäfte so eng zusammenstan-
den, als wären sie aneinandergeklebt, und nicht einmal durch eine
Lücke vermochte er zu schlüpfen konnte. Er erinnert sich auch, daß
sich das Röhricht nach beiden Seiten erstreckte, links bis an einen
Punkt, der jenseits seiner Vorstellung lag und rechts bis an das Ende
der Welt. Aber das Ende der Welt war dort nahe: es lag an dem Kanal,
den er kennenlernte, als er dann schon älter war, und der in seinem
Leben – oder sagen wir in seiner Vorstellung – eine ungeheure Bedeu-
tung haben sollte. (Bd. 1, S. 5–6)

188
Zwar wo llt e Hussein im AT Info r mat io nen ü ber seine Umg ebu ng
ver mit t eln und einen sachlichen I nhalt beschr eiben, jedo ch hat er
dies mit äst het ischer, int eressant er spr achlicher Fo r m geschafft . Er
bedient sich For melement e, die an dem Zust and eko mmen u nd der
Gest alt ung des I nhalt ser lebnisses akt iv -produkt iv mit wir ken. Er
schildert dem Leser in diese m Beisp ie l durch seine meist er haft
ausgewählt en t ext uellen Mit t el u nd seine n äst het isch- kü nst ler ische n
St il ein Gemä lde, d as der Leser d urch die Kraft so lcher
Beschreibung in seiner P hant asie her vo rru fen und es mit male n
kann. So findet man z. B. die Reimbildu ng ‫ار‬4 ‫ و ب ا‬H/  #‫  ی‬
‫ات '&ر‬0-‫ ﺥ‬:‫( إ‬im ZT = „vo n der Haust ür mit wenig en Schr it t en“)
und die Angleichung ً J‫ﺹ‬%)‫) ً آ^ﻥ آن ﻡ‬J‫ ( آن ﻡ‬im ZT = „daß d ie
Schäft e so eng zusammenst anden, als wären sie aneinand er-
gek lebt “).

I m ZT sind diese Äst het ik, St ilist ik und S emant ik dur ch ein e
angemessene For mgest alt ü bert ragen u nd erhalt en. Die Überset zer in
fo lgt e dem AT und verwend et e For melement e mit spezifischer
äst het ischer Wirkung. Die Au sdruck sfu nk t io n d er Sprache im AT ist
in der Über set zu ng wiedergegeben und ein gleichwert ig er E indruck
konnt e durch Analogie d er Fo r m erz ielt werden.

So sind hier beispie lsweise E lement e vorhanden, dur ch d ie deut lic h


wird, dass die Über set zer in sich in die ausg ang sspr achliche Fo r m
hine inver set zt hat , sich vo n d iesen E le ment en hat inspir ier en lasse n
und analog zu ihnen die For m der Ziels prache wäh len ko nnt e, d ie
den gle ichen E indru ck beim ZT-Leser wecken wie beim AT-Leser,
z. B.: 7/ّ  7O‫( ذآى واﺽ‬im ZT = „eine k lar e und deut lich e
Er inneru ng “), , 6 !
‫ ا‬N ‫   إ‬: (im ZT = „die jeden Zweife l
ausschließ t “) und T‫ی‬/d 6 (/‫ ] أن ی‬-)(‫ ی‬#‫ ی‬A6 (im ZT = „und nicht
einmal durch eine Lücke ver mocht e er zu schlüp fen“). Das Bild in
7‫ی‬,‫ ﻥ‬H AD‫ ی‬: f 1 N ‫ إ‬H ‫  ﺵ‬4)‫( آن ی‬wört lich: „erst reckt e zu
seiner Linken bis zu einem u nbekannt en E nde“) hat d ie Überset zer in
semant isch und st ilist isch er halt en, indem sie dafür d ie

189
Ko nst rukt io n wählt e wie „… er st reckt e, links bis an einen Pu nkt ,
der jenseit s seiner Vo rst ellu ng lag …“, die eine lit erar ische
Äst het ik hat und den gemeint en S inn t rot z der verschiedene n
lexikalischen E inheit en wied ergibt .

2) Durch ein anderes vo n Hussein sehr oft ver wend et es St ilmit t e l


der det ailliert en Dar legung und „Beschreibu ng “ von Geräu schen u nd
St immen konnt e er au ch ein best immt es „I mage“ übert ragen und
eine Bild haft igkeit erzeugen, d ie die Bedeut ung seines Hö rsinne s
für ihn als B linden widerspiegeln u nd d ie auch die Über set zer in mit
adäqu at en Wirkelement en im ZT weit er ver mit t eln ko nnt e. Dieser
Aspekt konkret isiert sich durch mehr er e sowo hl lange als au ch
kurze Sät ze, d ie dieses St ilmit t el d eut lich darst ellen und in de n
beiden Sprachen funkt io nsäquiva lent sind.

Beispielgruppe 4:
،‫ی‬0 ‫ و'? '&  أو‬4D ,-_ ‫ا ﻡ‬0*G‫ ی‬N)1 
‫? ا‬#(‫وی‬
. _). ‫د‬#. : ) ‫ ا‬H)_/ ‫ب‬uD ‫ ا‬T‫ إﻥ
د‬r‫ ی()^ﻥ‬d
(١٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Der Erzähler pflegte zu schweigen und wartete, bis sich das
Geschrei nach kürzerer oder längerer Weile gelegt hatte. Darauf
nahm er seinen wunderlieblichen Vortrag wieder auf, den er mit
einer eintönigen Melodie darbot, die sich fast nie änderte.
(Bd. 1, S. 6)

 -_ ‫ ا‬6 ‫ن‬06( 6 ‫ن‬0-_‫ ی‬H.‫ا‬0‫ وأﺥ‬H.0‫ إﺥ‬H 01 ‫وﻡ‬


(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
seine Brüder und Schwestern schnarchen laut in der Runde,
als suchten sie sich mit ihren Geräuschen zu übertreffen!
(Bd. 1, S. 7)
‫ات‬0‫ﺹ‬2‫أت ا‬4‫وه‬
(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
und waren die Stimmen verklungen
(Bd. 1, S. 7)

190
T‫  ه‬u ‫ أن ی‬6 4,)‫ وی‬،‫ج‬4 ‫ ا‬E‫&ی‬.‫ و‬7#‫ی‬4 ‫وب ا‬. ]( 6
7GA) ‫ات ا‬0‫ﺹ‬2‫ا‬
(١٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
vernahm Rede und Widerrede der Hähne und Hühnergegacker
und bemühte sich, die verschiedenen Stimmen zu unterscheiden
(Bd. 1, S. 8)

‫ً أﺥى‬.‫ا‬0‫ أﺹ‬HA‫ف آ‬0 ‫إﻥ آن یف ا‬


(١٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Schreckliche Furcht hatte er indessen vor anderen Geräuschen
(Bd. 1, S. 8)


‫ض ا‬0,‫ ﻥ‬:‫ًا إ‬41 , ]F‫ ی‬#‫ﺽء ا )  ی‬0F ‫ك ا‬/‫وه‬
.^‫ﺽ‬0) €‫ی‬2 T‫ ودؤ‬،T‫ﻡ ی‬
(١٩ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Erst wenn sich der Scheich* von seinem Lager erhob und nach
einem Krug Wasser für die Waschung** rief, wurde dem Getüm-
mel Einhalt geboten.
(Bd. 1, S. 9)

Durch diese Beispie le wird deut lich, d ass d ie w icht ig e Ro lle d er


verschiedenen Begr iffe, die St immen und Ger äusche bezeichnen,
auch im ZT durch angemessene semant is che u nd st ilist ische Mit t e l
hervo rgehoben wird. I m let zt en Beisp iel d ieser Gru ppe b leibt d ie
Überset zer in dem AT auch t reu und erklärt zwei wicht ige ku lt ur elle
S ignale (Scheich * = „Hier: ehrer biet ige Bezeichnu ng für de n
Vat er“; Waschung ** = „Rit ue lle Waschu ng vo r dem Gebet “), was
pragmat isch relevant ist , weil d er ZT-Leser durch d iese
hervo rgehobene Erkläru ng den kult urellen Hint ergru nd verst ehe n
und den ko mp let t en S inn der Aussage er halt en kann.

Die fo lgenden Beisp iele sind zwar noch inner halb desselbe n
behandelt en St ilmit t els, aber sie werden beso nders her vorgeho ben,
weil sie eine besondere Auswahl vo n Wört ern u nd S yno nyme n

191
sowohl im Or iginal als auch im ZT er weisen. No ch dazu kenn-
zeichnen sie sich durch beso nd ere äst het ische Fo r mu lierungen u nd
eine Fert igkeit bei der Dar st ellu ng des g emeint en S innes.

Beispielgruppe 5:
‫ ًء‬#‫ ًء ﺵ‬# ‫ ا &_ ة‬H)‫ن آ^ﺥ‬0#‫ أن ی‬T#‫ آن ی‬H‫ﻥ‬2
(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
denn er fand es abscheulich, so ein quengelndes Heullieschen
wie seine kleine Schwester zu sein.
(Bd. 1, S. 7)

‫ ﻡ)ع‬7‫آ‬1 ‫ ا‚ﺥ‬,FD e‫ وی‬،‫ر‬/ ‫ ا‬NA A_‫ ا  ی‬u‫ أزی‬,FD e‫ی‬
-O/‫دًا ی‬0 ‫& أو‬J/‫ ﺥ
ً ی‬,FD e‫ وی‬،‫ن‬#‫ ﻡ‬N ‫ن إ‬#‫ ﻡ ﻡ‬J/‫ ی‬7G G‫ﺥ‬
(١٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Einige ähnelten dem Summen eines Kessels, der auf dem Feuer
kocht, andere dem Schleifen leichte Gegenstände, die von einer
Stelle zur anderen geschoben werden, und wieder andere klangen
wie Holz, das zerbricht, oder wie knackende Zweige.
(Bd. 1, S. 8)

ƒ D ‫ ƒ وا‬F ‫ك ا‬/‫ وه‬،‫ء‬/_ ‫ك ا & ح وا‬/,6


(١٩ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
gab es ein Singen und Schreien, ein Lärmen und Getöse!
(Bd. 1, S. 9)

‫ن‬t‫ ﻡ‬4'‫ و‬,.0  N ‫ن إ‬4D‫(ء ی‬/ ‫ات ا‬0‫ أﺹ‬HD N ‫? إ‬A‫ إذا وﺹ‬N)1
«... ‫ »ا ی  ا‬/_)‫ة وه ی‬/J ‫اره ﻡ ا‬
(١٩ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
bis endlich Frauenstimmen an sein Ohr schlugen. Die Frauen
kehrten bereits zu ihren Häusern zurück, sie hatten ihre Krüge
am Kanal gefüllt und sangen: „Allah, yâ lêl, Allah! …“ –
O Gott! O du Nacht! O Gott!
(Bd. 1, S. 9)

192
Vo r allem im Beisp ie l 5/4 findet man au ch einen wicht igen Asp ekt ,
den das Modell der Ana lyse beacht et , und zwar den Aspekt der
kult urellen Ko mmu nik at io n d es ZT-Leser s zur Au sgangsk ult ur. Die
Überset zer in hat der prag mat ischen Kompo nent e der „Bedeut u ng “
Aufmer ksamkeit geschenkt und dem Ku lt ursig nal des „Gesang s“ i m
sozio-ku lt urellen Ko nt ext des AT seinen Wert auch im ZT gegebe n
und so mit her vorgeho ben, indem sie eine Translit erat io n vo n d iese m
Liedabschnit t vor der Überset zu ng hinzugefügt hat . Damit hat sie
ebenso den ZT- Leser durch eine recht „o ffene Über set zu ng “ in ein e
ver fremdend e At mosphäre gebracht . Und so „klingt “ Hu sseins Text
durch d ie Über set zung hindur ch.

Den Höhepunkt dieses Aspekt s bilden in d iesem Kap it el zw e i


Bilder, d ie Hu ssein mit seinem äst het ischen St il gest alt et hat t e und
die die Über set zer in mit einem sehr ähnlichen „Wid er hall“ im ZT
wiederg eben ko nnt e, indem s ie auch Husseins St il und Wo rt auswahl
fo lgt e.

Beispielgruppe 6:
ً ‫ واﺽا‬7‫آ‬1 ‫ء‬FG ‫ت ا‬t‫رض وﻡ‬2‫? ا‬O. ‫ری? ﻡ‬GD ‫ ا‬T‫ت ه‬4D‫ﺹ‬
ً 1 ‫ﻡ(ً وﺹ‬,.‫و‬
(١٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
dann stiegen die Kobolde zur Erdoberfläche empor und füllten
den Raum mit Geschäftigkeit, mit Gewisper und Geschrei
(Bd. 1, S. 7)

iO ‫ ا‬H ‫د ی)ق‬#‫ًا ی‬4‫ ﻡ‬HD 4 H‫وإﻥ‬


(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Er lauscht ganz angestrengt. Vielleicht kann sein Ohr
durch die Wand dringen
(Bd. 1, S. 7)

Das Bild im let zt en Beisp iel ist im ZT et was abgeschwächt i m


Vergleich zu m AT. Hussein meint in seine m Text , dass „se in

193
Gehör“, und nicht „sein Ohr “, d urch d ie Wand dr ingen würde. So ist
der met apho r ische Ausdruck vo m ZT st ilist isch nicht äquiva lent .

Wie oben erwähnt , ist die Wieder ho lu ng ein St ilmit t el Husseins, mit
dem er e ine best immt e Wir ku ng zu erzielen p flegt . Mit d er
mehr ma ligen Wied er ho lu ng des Wo rt es „St imme( n) “ (u nd ander er
Wört er, die St immen u nd Geräu sche konnot at iv bezeichnen) will er
in einer best immt en expressiven Weise auf seine Blind heit hin-
deut en, ind em er vie le St immen und Geräusche erwähnt u nd
beschr eibt und sich d urch sie o r ient iert bzw. dadurch weiß, was u m
sich herum geschieht . I m ZT werden dieselben Asso ziat io ne n
ver mit t elt , was durch die o big en Beispiele in ihrer Gesamt heit
deut lich wird. So verwendet d ie Über set zer in expressive Wö rt er,
durch d ie der ZT-Leser d iesen Aspekt wahr nimmt u nd d ies e
St immen mit „hört “, z. B. „queng eln“, „knacken“, „Lär men“,
„Get öse“, „Gewisper “, „Geschrei“.

TENO R
Durch d ie oben angefü hrt en Beispiele, d ie Husseins Wahr nehmu ng
seiner Umwelt wider sp iegeln, werden seine so ziale St ellu ng u nd
seine persönliche E inst ellu ng seiner Umgebung geg enüber deut lich.
Die Adressat en, sowo hl die AT-Leser als auch d ie ZT-Rezip ient en,
beko mmen auch mit , dass d ie Haupt figu r blind ist , o bwo hl das in
diesem Kapit el nicht exp liz it au sgedrü ckt wird.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


1) Die o ben au fgefü hrt e Beispielgru ppe 2 kann auch h ier in die
Dimens io n „Tenor“ passen. Der Begr iff ? ‫ی‬G (= „Geist /
Spukgest alt /Ko bo ld“) schild ert einen Aspekt der so zialen Herkunft
des Aut ors (den Aberg lauben in der Do rfgesellschaft ). Dasselb e
könnt e auch für die Beisp ie lgrupp en 4 bis 6 gelt en. Dabei hande lt es
sich um die lexikalischen u nd synt akt ischen E inhe it en, d ie d ie
E inst ellu ngen des Aut o rs seiner Umgebung geg enüber au sdrücken,

194
um den sowohl po sit iven als auch negat iven E in flu ss so lcher
Umgebu ngse lement e (Geräu sche, St immen) auf ihn zu zeig en.

Beispielgruppe 7:
‫(ة‬1 H(G‫ ﻥ‬6‫ و‬:‫ ﻡ ا ( ج إ‬HG'0‫ ﻡ‬N ‫ إ‬7A ‫ یج‬: ‫ آن‬H‫ یآ أﻥ‬d
T04. 1 
‫ ا‬4
/ H)‫ ا‬H A ]-J  ‫ر أن‬4J‫ آن ی‬H‫ﻥ‬2 ،7‫ذ‬:
, A ]/) 6 H0d ‫ ﻡ‬T4
)6 ‫)ج‬6 N^ 6 ‫ل‬0‫ﺥ‬4 ‫ ا‬N ‫ إ‬H)‫أﺥ‬
(١٧-١٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Er erinnert sich, daß er sich nach Dunkelwerden eigentlich
niemals schmerzlich bedrückt auf seinen Platz an der Hecke
hinausschlich, denn er wusste, daß das Zuhören stets ein jähes
Ende fand, wenn ihn seine Schwester ins Haus rief. Zwar
würde er sich weigern, sie würde ihn an seinen Kleidern zerren
(Bd. 1, S. 6)

‫(ات‬O H(G‫ ﻥ‬6 ‫ وإن‬T‫ر‬.‫و‬


(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Nun ist er mit seinem Kummer allein.
(Bd. 1, S. 7)

Durch diese be iden Beisp iele wird im AT deut lich, wie der Aut o r
seine E inst e llung ausdrückt . Durch ausdru cksvo lle Wö rt er wie ‫(ة‬1
7‫ذ‬: (im ZT = schmerzlich bedrückt ) und ‫(ا ت‬1 (im ZT = Kummer )
wird das deut lich. I m ZT verwendet d ie Über set zer in semant isc h
und äst het isch äqu ivalent e E nt sprechu ngen, u m einen ähn lichen
E indruck beim ZT-Leser zu erzeugen. I m erst en Beisp ie l jedo ch g ibt
es einen semant ischen Fehler, wo durch d as Geg ent eil eines im AT
gemeint en S innes ent st eht . I m ZT st eht „… ni emal s schmerzlic h
bedrückt … “, obwohl im AT „immer “ bzw. „jede Nacht “ g emeint
ist . I m AT st eht nämlich, „dass er niema ls nacht s auf seinen P lat z
an der Hecke hinausg ing, ohn e im I nner st en schmerzlich bedrückt
zu sein, we il er doch wusst e, dass dieses Zu hö ren ein jähes E nde
fand, wenn seine Schwest er ihn ins Haus zurückr ief. “

195
2) Die Wieder ho lu ng, eines der beliebt en St ilmit t el Hu sseins, ist
hier ebenso nicht zu über sehen. Seine Vo r liebe für d ieses St ilmit t e l
find et man au ch scho n au f der erst en Seit e seines Buches, inde m er
das Wort ‫„( یآ‬sich er inner n“) mehr mals benut zt : insgesamt
erscheint es 14- mal alle in auf den erst en beiden Seit en. Dazu ko mmt
noch das Wort ‫„( ذآى‬Er inneru ng “) zweima l vo r. Offensicht lic h
will er damit eine beso ndere äst het ische Wirkung erzeug en u nd
hervor heben, dass er hier das Erzählt e ins Ged ächt nis zurückru ft
und dass d iese Er inneru ngen schon lang e zurü cklieg en. Damit
schafft diese Wieder ho lung au ch eine Art beliebt e Musikalit ät .

I m ZT hat sich die Über set zer in jedoch an die gewö hnlichen Regel n
der deut schen S ynt ax geha lt en. Für den üblichen St il im Deut sche n
gilt nor malerweise das Pr inzip der Abwechselu ng. So hat sie  ‫یآ‬
durch „sich er inner n“, „sich besinnen“ u nd „sich ent sinnen “
abwechselnd wiedergegeben. Dadurch kann au ch der g le iche E ffekt
erzielt werden, denn Ausdrücke sind S yn onyme u nd vo r allem sin d
die beiden let zt eren auch sehr ähn lich laut end. So mit sind d ie
semant ische und fo r ma le Ko mponent e der „Bedeut ung “ des Fakt o rs
„Er inner ung“ adäquat übert ragen.

Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven


Hussein fängt das er st e Kap it el mit einer emot ionalen Darst ellu ng
eines best immt en Tages und einer Beschr eibu ng eines „Bildes“ an,
die d ie S pannu ng des Leser s ü ber d ie gemeint e Per so n g le ic h
erwecken.

Beispiel 8:
,
‫ ا ﻡ ا‬HD‫ وﺽ‬f 1 HDF‫ ] أن ی‬-)(‫ ی‬:‫ و‬،ً‫م ا‬0 ‫ا ا‬, ‫ یآ‬:
.ً‫ی‬J. ! ‫ب ذ‬J‫ وإﻥ ی‬،H/ D ً)'‫م و‬0 ‫ ] أن یآ ﻡ ها ا‬-)(‫ ی‬:  ،7/( ‫وا‬
E‫ ی‬.Hi
 6 ‫ أو‬T6 6 ‫م‬0 ‫] ﻡ ذ ! ا‬J‫'? آن ی‬0 ‫ أن ها ا‬H/‡ ‫وأآ‬
r G ‫ ﺵء ﻡ ا د ا‬H 6 ‫ا ًء‬0‫'? ه‬0 ‫ ذ ! ا‬6 NJA. H,‫ یآ أن و‬H‫ﻥ‬2 ! ‫ذ‬
‫ر‬0/ ‫ ا‬7J J1 HA, NA H‫ﻥ‬2 ! ‫ ذ‬E‫ وی‬.M
‫ارة ا‬1 H ‫ه‬.  ‫ا ي‬
‫ً آ^ن‬G - ًG G‫ً ﺥ‬i‫رًا هد‬0‫ ﺥج ﻡ ا  ? ﻥ‬1 NJA. H‫د یآ أﻥ‬#‫ ی‬،7Ag ‫وا‬

196
‫ ها‬NJA. 1 H‫د یآ أﻥ‬#‫ ی‬H‫ﻥ‬2 ! ‫ ذ‬E‫ ی‬d .H ‫اﺵ‬01 ˆD 
_. 7Ag ‫ا‬
7‫آ‬1 M‫ﻥ‬z ‫ وإﻥ‬،7‫ی‬0' 7gJ‫ ی‬7‫آ‬1 H 01 ‫ ﻡ‬M‫ ء  ی^ﻥ‬F ‫اء وها ا‬0, ‫ا‬
.H A 7AJ‫م أم ﻡ‬0‫ ﻡ ﻥ‬7gJ )(‫ﻡ‬
(١٥ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Er kann sich weder auf den Namen des Tages besinnen noch ihm
im Lauf der Monate und der Jahre den Platz zuweisen, den ihm
Allah gegeben hat. Nicht einmal an die Tageszeit kann er sich
mehr erinnern. Er kann all das nur annähernd bestimmen.
Er nimmt an, es war um die Morgen- oder Abenddämmerung jenes
Tages. Das kommt ihm am wahrscheinlichsten vor, denn er entsinnt
sich, daß sein Gesicht zu jener Zeit einen Windhauch spürte, in dem
eine gewisse Frische mitschwang, die die Sonnenglut nicht aufgeso-
gen hatte. Zur Zeit der Dämmerung muß es wohl gewesen sein,
glaubt doch der blinde Knabe sich erinnern zu können, daß er, der
ja das wirkliche Licht und die wirkliche Finsternis gar nicht kennen-
gelernt hatte, beim Verlassen des Hauses einen ruhigen, leichten und
freundlichen Schein wahrnahm, dessen Ränder Dunkelheit über-
schattete. Gewiss war es so, zumal er sich zu entsinnen vermeint,
daß er bei der Empfindung dieses Hauches und des Lichtes ringsum-
her keine kraftvolle, lebendige Bewegung gewahrte, sondern nur
die Regung eines Erwachens aus dem Schlafe oder eines sanften
Einschlummerns.
(Bd. 1, S. 5)

Anhand des gesamt en Beispie ls wird deut lich, dass Hu ssein


st ilist ische Mit t el im AT verwendet , um seine Beziehu ng zu seine m
Umfe ld auszudrü cken, was seine E in st ellung zeigt und das
wid ersp iegelt , was er dem Rezipient en ver mit t eln will. Er kann sic h
an d iesen Tag nicht genau er inner n, weil ihm all seine Tage lang
und gle ich waren. Er kann zwischen Helligkeit u nd Du nkelhe it n icht
unt erscheiden, weil er b lind ist .

I m ZT hat die Über set zer in das vo n Hussein geschild ert e „I mag e “
übert ragen. Dur ch lit erar isch- äst het ische Au sdrucksweise fo lgt sie

197
seine m St il, z. B. durch „sein Gesic ht zu jener Zeit eine n
Windhauch spürt e, in dem eine gewisse Fr ische mit schwang “, „d ie
die Sonneng lut nicht au fgeso gen hat t e“ u nd „eine Regu ng eine s
Erwachens aus dem Schlafe“, was de m ZT-Leser d en Ausdruck Tah a
Husseins ü ber seine Wahr nehmu ngen mit äquivalent en Mit t eln
ver mit t elt .

Der ZT-Leser beko mmt auch g leich am Anfang der Lekt üre so fo rt
die exot ische At mosp häre mit , was eine „o ffene Über set zu ng “ ja
charakt er isiert . Durch d en Ausdruck „den ih m Allah geg eben hat “
z. B. spürt man ein or ient alisches isla misches Fla ir. Hu ssein hat t e ja
bis ins Jugend alt er eher eine isla mische Bildu ng er ha lt en, was so lc h
einen Ausdruck bei ih m ü blich klingen lässt (so ziale und t empo rale
Herkunft des Aut o rs).

Was diesen Aspekt auch angeht , wir d ‫„( ا‬Allah/Got t “) au f


zweier le i Art en im ganzen Band ü berset zt : in d er d irekt en Red e
wird meist ens Allah verwendet (wie d urch mehr ere vor liegend e
Beispiele deut lich wird; jedo ch: „Was bedeut et das Gott eswo rt …?“,
Bd. 1, S. 63), was dem Charakt er des AT ent spr icht , und in d er
Erzählung wird es manchmal über set zt (z. B. „Träger des Bu che s
Got t es“, Bd. 1, S. 62; „E s ko mmt der ko mmende Tag. Gott allein
deckt ihn auf“, Bd. 1, S. 78), was aber n icht sehr gelu ng e n
erscheint . Es wäre angebracht er, dass man in der Überset zung so lc h
eines Werks überall eher das Wo rt „Allah“ verwendet . E iner seit s ist
die Bezeichnung der Go tt heit im Allg emeinen ku lt urspezifisch,
wo rau f auch d ie o ffene Überset zung acht en so ll, u m ku lt urel le
Äquivalenz zu erzie len und d ie pragmat ische Ko mpo nent e d er
„Bedeut ung“ zu er zeugen. Anderer seit s ist das Wo rt „Allah“ als
Name der Got t heit der Mu slime im deut schsprachigen Kult urrau m
(vo r alle m für den int end iert en Leserkr eis ü ber set zt er arabischer
Lit erat ur) hin länglich bek annt . Da ist man auch der Meinu ng, d ie
Muslime würden einen anderen Got t, nämlich Allah, ver ehren. Und
das ist auch ber echt igt , denn der is lamische „Allah“ u nd der
chr ist liche „Gott “ u nt erscheid en sich unt er anderem in eine m

198
wesent lichen Pu nkt : Das arabische Glaub ensbekennt nis ‫ ا‬:‫ إ‬H ‫ إ‬:
‫ل ا‬0‫ ر‬4O‫„( ﻡ‬I ch bezeuge, dass es kein e Go tt heit auß er Allah g ibt
und dass Muhammed der Gesandt e Allahs ist “) besagt , dass es nur
diese eine Gott heit g ibt , während Chr ist en an d ie Dr eifa lt igk eit
glauben: den Vat er, den So hn u nd d en Heiligen Geist . Darü ber
hinaus vert ret e ich hier den St andpu nkt , dass d ie Wiederg abe dur ch
„Allah“ den Muslimen und ihrer Relig io n Respekt u nd Anerkennung
erweist ; schließ lich g ibt es dr ei mo no t heist ische Welt relig io nen u nd
„Allah“ durch „Go t t “ wiederzugeben, hieß e, den Isla m an das
Chr ist ent u m anzug leichen, was event uell für einig e Leser nicht
wü nschenswert wäre.

In diesem Zusammenhang ist auch d ie Meinung vo n K. Mundersbac h


hervorzuheben, dass es „sinnvo ll“ ist , „die ku lt ur int er ne Bezeich-
nung ‚Allah‘ zu verwenden, da d ie Idee, dass es s ich dabei u m ein e
mo not heist ische Gott heit hand elt , auch für den Ku lt ur fremd en
verst ehbar ist . Der Au sdru ck ‚Go tt ‘ ist … nicht wählbar, d a er zu
leicht mit einem chr ist lichen Go tt verst ändnis assoziiert würde “
(Munder sbach 2002: 221). In d ieser Hins icht konkret isiert sich auc h
das Mo dell, inde m nu n der ZT- Leser an d ie AS- Kult ur näher ko mmt .
Die o ffene Über set zung mit Allah lässt „pro venance“ und „st ance “
des Aut ors erkennen. Er hat t e ja auch eher e ine is lamische
Erziehung und bis ins Jugendalt er eine is lamische B ildung er halt e n
und sein grö ßt es Int eresse galt u. a. d er k lassischen arabischen
Lit erat ur. In dieser Hinsicht ko mmen neben diese m Wort nat ür lic h
auch das Zit ier en vo n alt er arabischer P oesie, vo m Koran u nd das
Verwenden von auf d ie is lamische relig iö se Anschauu ng
hinweisenden Konst rukt io nen. Dies kö nnen d ie nächst en beiden
Beispiele zeigen.

Beispiel 9 (aus Kapit el 6):


‫ﻥ أي‬-‫ أ‬H‫ أﻥ‬0A6 ‫ أ !؛‬NA 0‫ وإﻥ ه‬،َA :‫ ! و‬A M ‫ ا ﻥ‬# ‫و‬
‫ن‬zJ ‫ ا ا‬O6 J1 /D/‫ ﻡ‬H/# ‫ و‬،!gG1 6 H ‫ن رك ا‬zJ ‫م ﺥ)? ا‬0‫ی‬
(٤١ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬ .‫رك‬4‫ﻡ ﺹ‬

199
„Doch die Schuld kann man weder dir noch mir aufbürden, sie
fällt ganz auf deinen Vater. Hätte er an dem Tage, als du das
Koranlernen abgeschlossen hattest, mir meinen vollen Lohn
gegeben, hätte ihn Allah mit deiner Korankenntnis gesegnet.
Aber er hat mir mein Recht verweigert, und Allah hat also den
Koran in deinem Herzen ausgelöscht.“
(Bd. 1, S. 29–30)

Beispiel 10 (aus Kap it el 15):


‫اء‬S‫ ذآ ا‬, 6 ،76‫و‬D‫ة ﻡ‬4 &J rA‫ آ‬7‫ا ا
 ﺥﺹ‬, ‫وآن‬
:, ‫اج أو‬D ‫وا‬
41‫ أ‬%
ً ‫س ى‬4JA 4‫ﻡ‬2‫ وا  ? ا‬7#‫ﻡ ﻡ‬
(٧٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Der genannte Herr hatte von den bekannten Dichtungen eine
besonders gern, in der die nächtliche Reise des Propheten und
seine Himmelfahrt geschildert werden und die mit den Versen
beginnt:
Von Mekka, von dem hochgelobten Haus
Zog gen Jerusalem nachts Ahmad aus.
(Bd. 1, S. 66)

In diesem Beispiel ist auch die Geschickt heit der Überset zer in bei m
Erhalt en der For m der Verse g anz deut lic h. S ie hat sie au f eine sehr
ähnliche Weise wie im Or ig inal for muliert und ihnen auc h
Reimfo r m gegeben ( „Hau s … aus“), was be i der Überset zung alt er
arabischer Poes ie nicht immer leicht is t . Die Nachst ellu ng vo m
Subjekt „Ahmad “, so wie im Or ig ina l, ist passend. So mit hat die
Überset zer in auf die semant ische u nd d ie prag mat ische Ko mpo nent e
der Bedeut ung dieser Ver se geacht et , was d en ZT-Leser d ie ih m
„exot ischen“ Ver se gen ießen lässt , indem er ein Beisp iel vo n der
arabischen Poesie er hä lt und g le ichzeit ig gut verst ehen kann. An
so lch einer St elle kann man auch int rat ext uelle Text ko härenz u nd
ein Zusammenwirken der Text element e find en, d ie wiederu m zur

200
Annäherung zwischen dem ZT-Rezipie nt en u nd dem AT bzw.
AS- Ku lt ur beit ragen.

MODE
Der Grad d er Mündlichkeit , d. h. dass d ie Leser d irekt angespro che n
werden, ist im ganzen Werk sehr ger in g. Zwar hat Hussein, wie
weit er oben erwähnt wird, den Text wegen seiner Blind heit d ikt iert ,
man k ann ihn jedoch nicht als einen Text bezeichnen, der
geschr ieben wurde, u m ausg espro chen zu werden, als wäre er nicht
geschr ieben, so nder n einfach um gelesen zu werden. Daher finde n
wir, dass die Prono men der erst en und zweit en Per so n ganz selt en
benut zt werden. Hu ssein hat sein Werk in der Fo r m der
Er-Erzählung ver fasst . Wenn er d ie Haupt fig ur, also sich selbst ,
nennen will, dann verwendet er z. B. d ie Wö rt er „Der Knabe“, „Der
Junge“ oder „Unser Freu nd“.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


In diesem Kap it el findet man nur ein Beisp iel für d iese Dimensio n,
wo der Leser durch ein Ver b im I mperat iv angespro chen u nd
mit einbezogen wird.

Beispiel 11:
. g  d^. – H  ‫ ﺥ‬6 ' ‫ – أو‬H. 1 6 , ‫وآن‬
(١٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
und der in seinem Leben – oder sagen wir in seiner Vorstellung –
eine ungeheure Bedeutung haben sollte.
(Bd. 1, S. 6)

Mit d ieser Par ent hese ko mmt Taha Hu ssein au s d er Erzählu ng in d er


dr it t en Perso n heraus u nd spr icht den Leser an. I m ZT verwendet
die Über set zer in diese lbe Fo r m d er Parent hese mit dem Unt erschied,
dass sie das Prono men der erst en P erson P lural ( „oder sagen wir “)
anst at t der zweit en Perso n S ingular wie im AT ( ' ‫„ = أو‬oder sag “)

201
benut zt , was synt akt isch u nd st ilist isch für die deut sch- no r mat ive n
lit erar ischen Regeln ü blich ist .

5.2.3 Kapitel 4

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
Dieses Kapit el zeigt eine besondere p sychische T iefe, die Hu sse in
mit lexikalischen u nd st ilist ischen Mit t eln in eine m geko nnt en
lit erar isch-äst het ischen Bild ver mit t elt . Es handelt sich hier u m eine
Begebenheit , die er nie vergessen hat u nd d ie einen gro ß en E influ ss
auf ihn u nd die Ko mmu nik at io n mit and eren Menschen hat t e, und
zwar seit der Zeit , in d er sie sich ereig net hat , bis er g eheirat et hat
(so wie er selbst in diesem Kapit el er zählt ):

Beispiel 12:
‫ ة‬e‫ ﻡ دات آ‬H)‫^ﺥ‬6 H)/‫ 'ی‬-‫ ﺥ‬1 :‫دة إ‬D ‫ ا‬T‫و  ی)ك ه‬
.,G ‫ أ‬4' ‫آن‬
(٢٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Von dieser Gewohnheit ließ er nicht eher ab, als bis er
heiratete, denn seine Frau befreite ihn von vielen Eigen-
heiten, die er sich angewöhnt hatte.
(Bd. 1, S. 16)

Diese Begebenheit ist , dass er eines Tages mit seiner Familie zu


Abend aß u nd ver sucht e, mit seinen beiden blo ß en Händ en vo m
Teller zu essen, was dazu fü hrt e, dass et was vo n dem Essen au f sein
Gesicht und seine Kleid ung kam u nd ihn seine Geschwist er
auslacht en. Das hat t e eine negat ive psychische Wirku ng au f ihn u nd
seit dieser Ze it war er immer in all seinen Hand lu ngen vie l
schücht erner, zaghaft er u nd vorsicht ig er, vo r allem beim E ssen. Er
verzicht et e sogar auf v iele Sp eiseso rt en und aß vie l wenig er. Er aß
auch o ft allein und g ab deshalb meist ens vor, keinen Hu nger zu

202
haben, d amit er nicht mit anderen zusammen essen muss. Er dacht e
immer daran, dass d ie anderen ihn – wenn auch heimlich –
verspott en oder so gar Mit le id mit ihm haben würden (was er vo r
alle m hasst e), falls er et was Unang emessenes beim Essen anr icht e n
würde.

Weit er hin wird vo n ku lt ure llen Asp ekt en erzählt . Es werde n


Kult lied er, arabische Mär chen und Ged icht e u nd relig iö se
Geschicht en erwähnt , die Hussein immer sehr g er n hö rt e. Er erzählt
auch von seinem Groß vat er, der ein seh r fro mmer Mann war u nd
großen E influss auf Hussein u nd dessen Lernen des Ko rans hat t e.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


Hussein verwendet hier lexikalische E inheit en, d ie die vo n ih m
geschildert e Begebenheit genau bezeich nen u nd au sdrücken und
seine I nt onat ion bekräft igen.

Beispiel 13:
.‫ء‬#  ?
,^6 H‫ وأﻡ أﻡ‬.!OF ‫ ا‬6 ‫ا‬0'*^6 H.0‫^ﻡ إﺥ‬6
(٢٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Seine Geschwister erstickten fast vor Lachen, aber seine Mutter
war den Tränen nahe
(Bd. 1, S. 14)

Hier wird beisp ielsweise deut lich, dass im ZT die verwendet e n


lexikalischen u nd synt akt ischen Mit t el ( „fast vo r Lachen erst icken “
und „den Tränen nahe sein“) d ieselbe I nt o nat io n u nd d ie
semant ische Bedeut u ng des AT ver mit t eln und schild er n.

Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven


Hussein fo lgt hier wieder dem St il der Wieder ho lu ng, um d ie
Bedeut ung des Ereignisses zu zeigen.

203
Beispiel 14:
.H 41 : ‫ ء‬O ‫ق وا‬G‫ﺵ‬S‫ وا‬7‫ 
ء ﻡ ا زاﻥ‬H.‫آ‬1 ‫ت‬4 J. ?'0 ‫ﻡ ذاك ا‬
H(G‫ ﻥ‬NA ‫م‬1 ?'0 ‫ وﻡ ذ ! ا‬.7‫ی‬0' ‫ إرادة‬H(G/ ‫'? ف‬0 ‫وﻡ ذ ! ا‬
. ‫
ی‬D ‫ وا‬7(‫ أن وز ا ﻡ‬4D :‫ إ‬H E.  ‫م‬D- ‫اﻥً ﻡ ا‬0 ‫أ‬
(٢٧-٢٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Seither waren seine Bewegungen gehemmt durch grenzenlose
Scham, Schwere und Angst. Doch seit jenem Tage wurde er
sich auch seines starken Willens bewusst. Er unter sagte sich
den Genuss verschiedener Speisen und beharrte auf seinem
Verbot bis zu seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr.
(Bd. 1, S. 14–15)

I m AT wieder ho lt der Aut o r ‫( ﻤﻥ ﺫﻝﻙ ﺍﻝﻭﻗ ﺕ‬wö rt lich: seit dieser Zeit )
dreima l in drei einander fo lgenden Sät zen und mit der selben Fo r m.
Damit will er den gro ßen (negat iven) E ffekt dieses Ereig nisses au f
sich selbst zeig en u nd her vo rheben, d ass er d iesen Tag ( „d iese
Zeit “) nie vergessen hat und d ass dieser immer in seiner Er inneru ng
geblieben ist .

Die Über set zer in fo lgt dieser Art vo n Bekräft ig u ng aber nicht . S ie
beschr änkt diese wicht ige Bedeut ung snuance au f zweima l u nd
benut zt jeweils eine andere Fo rm. Dies mind ert den
Bekräft igu ngsgrad und kann so mit dem ZT-Leser die vo m AT- Aut o r
erzielt e I nt onat ion nicht ver mit t eln.

TENO R
Wie oben zum Teil gezeigt wurde, k ann man auch an versch iedene n
St ellen dieses Kap it els u nd anhand mehrerer lexika lischer und
st ilist ischer Mit t el die jeweilig e E inst ellung des Aut o rs erkennen.
Die Adressat en, so wo hl die AT-Leser als auch d ie ZT-Rezip ient en,
beko mmen auch mit , wie d ie Haupt figur das geschild ert e Ereig nis
er lebt und welchen Wert d ieses in ihr em Leben hat , wenn au ch i m
ZT mit unt erschiedlichem Grad im Verg leich zu m AT.

204
Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel
I m AT verwendet Hu ssein me ist ens kurze Sät ze, um die I nt ens it ät
seiner E inst ellung dem Ereignis geg enüber zu zeig en u nd dem Leser
ein Bild über seine E inst ellu ng u nd t iefe E mp findu ng zu ver mit t eln.

Beispiel 15:
.H)A NF' r ‫ف آ‬D‫ ی‬A6 0‫وأﻡ ه‬
(٢٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Er verbrachte jedoch eine schreckliche, quälende Nacht.
(Bd. 1, S. 14)

I m ZT hat die Über set zer in eher auf die prag mat ische Ko mpo nent e
der Bedeut ung des Sat zes geacht et . Wö rt lich laut et der arabische
Sat z: „Er aber wusst e nicht , wie er seine Nacht ver bracht e“. Das ist
ein äst het ischer lit er ar ischer St il im Ar abischen, u m die jeweilig e
Bedeut ung und den geme int en S inn zu bekräft igen. Um den Sat z
aber verst ändlicher zu machen und d em ZT-Leser den geme int e n
S inn anzunäher n, wurde im ZT d ie S ynt ax des Sat zes verein facht
und dem Subst ant iv „Nacht “ das Ad jekt iv „schreck lich“ u nd zu r
Bekräft igung des Ge meint en au ch no ch das zweit e Ad jekt iv
„quälend“ at t ribuiert . So mit ist d er ZT dem Or igina l pr ag mat isc h
und ko mmunikat iv äquiva lent .

Stili stisch e Mittel und prag matische Perspektiven


Weit er ist die Dimensio n „Teno r “ in d iesem Kap it el anhand
st ilist ischer Mit t el und prag mat ischer Aspekt e st ark vert ret en, u nd
zwar indem die so ziale Herku nft , d ie r elig iö se Erziehu ng und d ie
erst en lit erar ischen Hint ergründ e des AT- Aut o rs her vorgeho be n
werden.

Beispiel 16:
‫& ا
)ء‬6 ?  ‫ ا‬6 FJ‫ وآن ی‬،H ‫ً إ‬F _ g ‫  ا‬Jd ‫ ها‬T4 ‫آن‬
‫ح‬%& ‫ ا‬N ‫ ة إ‬O ‫ ا‬H.-‫ اﺽ‬1 !(‫ وﻥ‬EA‫ ﺹ‬4' ‫ وآن‬،7/ ‫ﻡ آ‬
.‫)  ذآ ا‬G‫ ی‬H‫ (ﻥ‬#‫ و  ی‬،,.'‫و‬2 M ‫ ا‬A&‫ن ی‬#6 ،!(/ ‫وا‬

205
‫ ﻡ)^ﺥة‬7 6 ‫م‬/‫ وآن ی‬."O ‫أ "ورد‬J  A ‫ﺥ ا‬z ŽJ )(‫وآن ی‬
‫م‬/‫ ی‬/1‫ وآن ﺹ‬.7 ‫د‬2‫وراد وا‬2‫اﻥً ﻡ ا‬0 ‫أ أ‬J‫
ء وی‬D ‫ ا‬A&‫ أن ی‬4D
ŽGO‫ وآن ی‬،0A)‫ ی‬0‫ وه‬HD(‫ن ی‬#6 ،
‫ة ها ا‬O ‫ة ﻡورة‬1 6
7‫ی‬J ‫ وآن أه ا‬.‫ ًا‬e‫ ﺵ ً آ‬7 ‫د‬2‫وراد وا‬2‫ ا‬T‫Ž ﻡ ه‬G1 N)1 0A)‫ﻡ ی‬
H‫ﻥ‬2 ،! ‫ ذ‬,/‫ ﻡ‬O‫ ی‬/1‫ وآن ﺹ‬،‫ذآر‬2‫ن ا‬0 J‫ف وی‬0&) ‫ن ا‬0O‫ی‬
‫ ﻡ‬7D) ‫ ا‬A‫ و  ی‬.T‫ء‬/d‫ون أ‬4
/ ‫ ا‬T4
/‫ و ی‬،‫ا ا آ‬, 0,A‫آن ی‬
%, ‫ ا‬D‫&‘ وﺵ‬J ‫ وا‬4‫ی‬4D) ‫*ﻥ وا‬2‫ ﻡ ا‬N‫ و‬4' ‫ آن‬N)1 T
N ‫Ž إ‬G1‫ و‬،7O ‫ ﺹ‬7A 7 60& ‫ ا‬4 ‫ وأﻥﺵ‬7 ‫د‬2‫وراد وا‬2‫ وا‬.‫ﻥ‬u ‫وا‬
.‫ن‬zJ ‫ ا‬HA‫ذ ! آ‬
(٣١ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Der Großvater war ihm höchst widerwärtig und verhasst. Er pflegte
jeden Winter im Elternhaus des Knaben zu verbringen. Erst als
ihn das Schicksal dazu zwang, hatte er ein frommes, den heiligen
Vorschriften gemäßes Leben zu führen begonnen. Nun sprach er
die fünf Gebete zu den vorgeschriebenen Zeiten, und seine Zunge
wurde nicht müde, Allah zu preisen. Er erhob sich, wenn die Nacht
zu Ende ging, und sprach das Gebet der Morgendämmerung. Er
begab sich erst in vorgerückter Stunde zur Ruhe, wenn er das Abend-
gebet verrichtet und eine Reihe anderer Gebete und Koranabschnitte
rezitiert hatte. Unser Freund schlief in dem Zimmer, das an das des
Alten stieß, und hörte seinen Vortrag. Und er behielt, was er vernahm,
so daß er eine große Zahl Koranabschnitte und Gebete auswendig
lernte. Noch eins ist zu erwähnen. Die Dorfleute hatten für alles Mys-
tische eine Vorliebe und fanden sich gern zu Dhikr-Veranstaltungen
zusammen. Diesen Zug liebte unser Freund an ihnen, weil ihm das
Singen bei den Zusammenkünften äußerst vergnüglich und unter-
haltsam vorkam. So kannte er, noch ehe er neun Jahre war, eine
Menge Lieder, Klageweisen und Geschichten, auch die Dichtungen
von den Banû Hilâl und Sanâtîs, Sprüche, Anrufungen, Gebete und
mystische Gesänge, und außerdem konnte er noch den Koran
auswendig aufsagen.
(Bd. 1, S. 19)

206
Durch das gesamt e Beisp iel wird eine Bo tschaft ü ber d ie ku lt urelle n
und religiösen Hint ergrü nd e der Haupt figur und so mit des
AT- Aut ors Husseins (also d ie t empo rale u nd so ziale Herk u nft )
deut lich, was sich auch in seiner Ausd rucksweise u nd Wo rt wah l
widerspiegelt . Die E inst ellung des Au to rs („St ance“) u nd der
E influss sowo hl seines Gro ßvat ers als auch d er verschiedene n
religiösen und kult urellen Handlungen auf ihn ko mmen durch das
ganze Beispiel hindurch st ark zum Ausdruck.

I m ZT ist das aber wenig er wahr zunehmen. Hier werden zwar


st ilist ische Mit t el verwendet , d ie den E indru ck u nd d ie Wirku ng
so lcher kult urellen u nd lit erar ischen Umgebu ng selement e
ver mit t eln, jedo ch konnt e d ie Überset zer in weg en fehlender
Erk lärungen der jeweilig en ku lt ur ellen u nd relig iösen Begr iffe d ie
„Bedeut ung“ nicht gänzlich ver mit t eln. Begr iffe aus d em Bereic h
der Lit erat ur wurden zwar den arabischen Begr iffen im AT
semant isch äqu iva lent und get reu überset zt , ind em d ie Bedeut u ng
adäqu at ver mit t elt (z. B. „Klageweis en“) bzw. d ie fr emd e
Bezeichnung be ibehalt en wir d ( „Dicht ung en vo n d en Banû Hilâl u nd
Zanât îs“), aber sie werd en nicht näher erk lärt . Der isla mische
Begr iff „Dhikr-Veranst alt ungen“ wurde aber scho n im er st en
Kapit el als „relig iö se Zusammenk ünft e“ erk lärt . Um die ver set zt e
funkt io nale Äquiva lenz bei so lcher offenen Überset zung zu
realisier en, gehört die Erk läru ng vo n solchen E lement en, d ie ihr e
sozio-ku lt urelle E inbet t ung im AT haben, zu d en Fakt o ren einer
id ealen lit erar ischen Überset zung, damit d ie im ZT „pragmat ische “
Bedeut ung übert ragen werden und der ZT -Leser d ie I nt ent ionen des
AT- Aut ors verst ehen k ann.

Auf der anderen Seit e verwendet die Überset zer in dem St il de s


AT- Aut ors fo lg end t ext uelle M it t el, d ie semant isch dem AT
äquivalent sind und ähn liche Bedeut ung snuancen t ragen, z. B. d ie
At t ribut e „wider wärt ig“, „ver hasst “, „vergnüg lich“ u nd „u nt er-
halt sam“. Dazu noch werden Ausdrücke eingeset zt , die der
lit erar ischen Sprache des Or ig inals und auch Hu sseins g eho bene m

207
St il fo lgen u nd so mit in den Ko nt ext d ieses Beisp iels passen, z. B. :
„seine Zung e wurd e nicht müd e, Allah zu preisen“, „begab s ich …
zur Ruhe“.

5.2.4 Kapitel 5

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
Der Schwerpunkt d ieses Kap it els li egt auf der Figur des
Koranlehr ers. Dieser hat t e einen E in flu ss au f Hussein als Kind. Er
wird h ier beschr ieben und sein Charakt er, Benehmen und se in e
Denkweise werden dargest ellt .

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


T ypisch für einen männ lichen Besucher au f de m Land e, dass er
‫ ﻴﺎ ﺴﺘﺎﺭ‬ya sattar bei der Anku nft ruft . Das war eher frü her und
inner halb der Mit t el- und u nt eren Schicht en üblich. Es handelt sic h
hier um einen Allt agssprechakt des Grüßens, um d ie Anku nft mit
laut er St imme anzukü nd igen, g leich vor dem E int r it t ins besucht e
Haus, vor alle m damit die Frauen des Hauses – d ie unverschleiert zu
sehen ja nicht gest att et ist – sich recht zeit ig in S icher heit br ing e n
können.

Beispiel 17:
H)O ‫ وﺹح ﺹ‬،ًD6‫ﻥ ا ب د‬4  ]6‫ ا  ? د‬0_A ‫ إذا‬N)1
‫ة‬g/ ‫ ا‬N ‫ إ‬H.‫ "ی )ر" وا‬:‫)دة‬D ‫ا‬
(٣٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Als sie angekommen waren, klopfte „unser verehrter Herr“ an
die Tür, ließ seinen üblichen Ruf „Yâ Sattâr!“ – O Versch-
leierer! – erschallen und ging ins Empfangszimmer.
(Bd. 1, S. 24)

208
I m ZT konnt e das Wort seine so zio -kult urelle arabische Bedeut u ng
zum Teil behalt en, ind em die Über set zerin d as Wort t ranskr ib iert ,
um d em ZT-Leser den Laut des Wo rt es zu ver mit t eln, was dazu
führt , dass der Sprechakt und der Ko nt ext ihm ver fr emdend wirk en.
So kann er d as Wo rt aussprechen und sich in den exo t ischen
(Kon-)Text vert iefen, u m dann auch d ie orient alische At mosp häre
zu spüren. Dazu no ch st eht d ie deut sche Überset zung d ieses Wo rt es
„O Verschleier er “ g le ich danach. In dieser dem AT ganz
äquivalent en Fo r m ( Au sruf + Su bst ant iv) ko nnt e d ie semant ische
Bedeut ung t eilwe ise ver mit t elt werden, vor allem durch das Ver b
„erschallen“, das so zusagen den Klang d es arab ischen Wort es und
die St imme der spr echenden Figur hören lässt . Ob aber d ie g anze
Bedeut ung dieses Sprechakt es alle in durch die fo lgend e
Überset zung deut lich war, lässt sich bezweifeln. Hier wär e ein e
zusät zliche Erkläru ng not wendig, und zwar – wie o ben erk lärt – in
welcher S it uat ion dieser Ru f ver wend et wird.

TENO R
Die E inst ellung des AT- Aut o rs dem Ko ranlehrer g egenüber w ir d
hier wieder durch d en St il d er Wieder ho lung deut lich.

Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven


I m AT wird der Ko ranlehrer mit dem T it el ‫ﻥ‬4  sayiduna bezeichnet
und immer so genannt . Dieser T it el ist auf dem Lande für
Koranlehr er t yp isch (wenn au ch eher in früher en Zeit en) u nd weist
auf seinen t radit io nsgebu ndenen so zialen St at us hin, was ja in de n
Ko nt ext des AT passt . Im ZT wird d ieses Wort mit „u nser verehrt er
Herr “ über set zt . Alle ine in d iesem Kap it el ko mmt es im AT genau
33- mal vor. I m ZT st eht es so gar au ch je des Mal da, wo es au ch i m
AT st eht (außer einma l, wo es mit „Lehrer “ ü ber set zt wird: s.
nächst es Beispiel). So konnt e die Über set zer in im ZT auch d ie
Wirku ng erzeugen, die Hu ssein mit d iesem St il der Wieder ho lung
im AT erzielt hat . Die Fo r m (das Wort st eht zwische n
Anführ u ngszeichen) hat sie auch im ganzen Kapit e l so behalt en,

209
obwohl das im AT nicht immer so ist . Dadurch wird der
kult ursp ezifische ko nnot at ive Char akt er dieser Anredefo r m im Werk
hervorgehoben. Es wird auch dann g ezeigt , dass d ieser „ver ehrt e
Herr “ großen E influss auf Hussein u nd au f seine Bildung hat t e
sowie dass der „verehrt e Herr “ eine best immt e St ellung in der
Familie der Hau pt figur u nd auch in dieser Dorfgesellschaft geno ss.

Beispielgruppe 18:
7FG/  :‫ و‬7 D  ?( ‫ ﻡ ا 
 ﺹ_ ة‬7‫ دآ‬NA ً(  «‫ﻥ‬4 » ‫وآن‬
.«‫ﻥ‬4 (» ‫ ی آ داﺥ‬f O ‫)“ب‬# ‫اﺥ ﻡ ب ا‬4 ‫ ی ا‬NA ?D‫ وﺽ‬4'
(٣٢ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
„Unser verehrter Herr“ saß auf einer nicht zu hohen, nicht zu
niedrigen Holzbank, die rechts neben der Tür stand, und jeder,
der eintrat, musste an dem Lehrer vorübergehen.
(Bd. 1, S. 20)

‫ ا
 أن‬NA EA‫ﻥ ی‬4  ‫ وآن‬.
‫ﻥ ﻡ] ا‬4  ,
6 ‫ة‬0,J ‫ أﺥ? ا‬d
‫ن‬zJ ‫Ž ﻡ ا‬G1  6 & ‫ ا‬O)‫ی‬
(٣٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Darauf nahmen „unser verehrter Herr“ und der Scheich den
Kaffee zu sich. „Unser verehrter Herr“ redete auf den Scheich
ein, den Knaben doch einmal im Koran zu prüfen
(Bd. 1, S. 24–25)

Die Bezeichnung „Unser verehrt er Herr “ als wö rt liche Überset zung


für das arabische Wo rt ‫ ﺴﻴﺩﻨﺎ‬ersche int sehr gelungen, um de n
angest rebt en ver fr emdenden E ffekt im ZT weit er zu er halt en. S ie ist
jedoch n icht ausreichend erk lärt . S ie wir d zwar ein mal mit „Lehr er “
überset zt , aber das g ibt auch nicht d ie ko mplet t e Bedeut u ng wied er.
Wie oben erwähnt , ist das eine Benennung, ein ku lt urspezifischer
T it el für d en Koranlehr er. Daher hät t e die Überset zer in d ie Bezeich-
nung für die mit der fr emden ägypt isch en Kult ur nicht vert raut en
ZT-Leser weit er erklären und vie lleicht auch den Gru nd für d iese
Benennung (also den so zio-ku lt ur ellen Hint ergru nd, seine soziale

210
St ellung) her vorheben kö nnen. Das g le iche gilt auch für d en Begr if f
‫( آُ )ّ ب‬Koranschule), der auch eine best immt e so zio -ku lt urelle
St ellung hat und eine best immt e Art vo n S chulen bezeichnet , d ie
sich sehr und in vielen Aspekt en vo n den ü b lichen Schu le n
unt erscheid et . Dieses Wo rt ko mmt zwar im Beisp ie l 18/1 vo r,
jedoch wurde es von der Über set zer in ig noriert . Es wird aber immer
mit „S chule“ überset zt , was durch Beisp iel 23 zu sehen ist .

5.2.5 Kapitel 10

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
In diesem Kap it el g eht es vo r alle m um so zio -ku lt urelle Aspekt e.
Hier werden Ereignisse geschild ert und Dialo ge g efü hrt , in die
versch iedene soziale, religiö se und ku lt urelle Asp ekt e des äg yp-
t ischen Milieus u nd der Do r fg esellschaft eingebet t et sind. Daher ist
bei der Überset zu ng eher auf d ie pragmat ische Ko mpo nent e der
Bedeut ung zu acht en. Der Knabe hat immer no ch Pro ble me mit de m
(Auswendig-)Ler nen des Ko rans, wo für ihn sein Vat er ( „der
Scheich“) st reng t adelt e. Dann ko mmt der Ko ranlehr er u nd führt ein
heft iges Gespräch mit dem Vat er darü ber. Spät er verzeiht der Vat er
dem Knaben wieder.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


I m AT ist dieses Kapit el vo ller Begr iffe und Bezeichnu ngen mit
best immt en S it uat io ns-, Sach- u nd Ort sbezügen, die dem AT-Leser
bekannt und verst ändlich sind.

Beispielgruppe 19:
]‫ﺵ)اك ﻡ‬:‫ وا‬،‫رة‬/ ‫ ا‬6 ‫د‬0D& ‫ وا‬،]‫ ا ﻡ‬N ‫ ا هب إ‬O‫وآن ی‬
.(
‫ذان ا‬2‫ ا‬A‫اء ا ي ی‬4/ ‫ ا‬0‫  )وه‬A() ‫ ا‬6 ‫ذن‬h ‫ا‬
(٥٢ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬

211
Er ging gern zur Moschee, vor allem auf das Minarett hoch,
wo er mit dem Muezzin am Taslîm, dem Ruf, der auf den
vorgeschriebenen Gebetsruf folgt, teilnahm.
(Bd. 1, S. 41)

،‫ر‬0( ‫ * ه ﻡ ا‬N(‫ آ ﻥ‬،^ ‫رة‬0 N(‫ ﻥ‬4' /1‫وآن ﺹ‬


.‫ف‬O H A ‫ ا‬E)G‫ ی‬A6
(٥٣ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Unser Freund hatte aber die Sure von Saba, ebenso wie noch
viele andere Suren, längst vergessen. Und Allah gab ihm auch
nicht einen einzigen Buchstaben ein.
(Bd. 1, S. 42)

I m ZT findet man d ie t reffenden lex ikalischen E inhe it en, d ie d e n


jeweiligen Sachbezug bezeichnen. Die Überset zer in hät t e einerseit s
jedoch näher erklären können, was im erst en Beisp ie l mit d e m
„vorgeschr iebenen Gebet sru f“ ( Ankün digu ng als ö ffent liche
Bekannt gabe des E int ret ens d er Gebet szeit ) u nd im zweit en mit
„Sur e“ ( Koranabschnit t ) als islamisch-r elig iöse Deno t at e gemeint
wird. Nicht alle ZT-Leser werd en das gleiche is lamisch-k ult urelle
Hint ergrundwissen haben.

Stili stisch e Mittel und prag matische Perspektiven


In eine m geho benen äst het ischen St il zeigt Hussein, wie sein Vat er
ih m wieder verzeiht und was das für ihn selbst bedeut et .

Beispiel 20:
،H ‫ ا & إ‬M‫ أﻥ‬N)1 ،€6‫ ور‬r-‫ و‬7‫ د‬6 HA#‫ زال ی‬6
H0 4D H,‫€ و‬A-‫واﻥ‬
(٥٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
und sprach mit ihm freundlich, gütig, ja scherzend, bis sich
der Knabe ihm vertrauensvoll zuwandte und sich sein finste-
res Gesicht aufhellte.
(Bd. 1, S. 45)

212
I m ZT findet man fo r ma l u nd st ilist isch äqu iva lent e sprachlich e
E inheit en, die den geme int en S inn des AT ü bert ragen. Das sieht
man z. B. durch die drei Ad ver bien „fr eu ndlich, güt ig, ja scherzend “
( im AT = die Präpo sit io n mit den drei Su bst ant iven r-‫ و‬7‫ د‬6
€6 ‫ ) ور‬und den Ausdruck „und sich sein finst eres Gesicht au fhellt e “
( im AT = der Ver balsat z H0 4D H, ‫€ و‬A-‫) واﻥ‬, d ie Hu sseins St il i n
diesem S at z fo lg en und d ie vo lle semant ische Bedeut u ng
wiederg eben.

TENO R
Durch verschiedene sprachliche M it t el drückt Hussein sein e
E inst ellu ng demgegenü ber aus, was er er lebt .

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


Mit lit erar isch-äst het ischen lexika lischen Mit t eln drückt der
AT- Aut or d ie Wirkung eines Ereignisses auf ihn selbst so wie sein e
E inst ellu ng demgegenü ber aus.

Beispiel 21:
 ‫ع و‬u‫ ی‬A6 ،‫م‬0 ‫ً ها ا‬,)‫ً ﻡ‬16 ‫ آن‬H/# ‫ و‬،‫ˆ ا
ء‬D ! ‫ ذ‬H‫ﻥ‬u1‫أ‬
?  ‫  ا‬76( ‫ ا‬4D‫ وﻡ آن أ‬.ً 61 ?  ‫ ا‬N ‫ ود إ‬،7' ‫ﻡ‬t ‫ّر‬4J‫ی‬
.ً 61 
‫ ًا ﻡ ﻡ‬e#6 H‫ ذ !  ی‬# ‫وا ﻡ]! و‬
(٥٢ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
das betrübte ihn zwar etwas, aber er war an jenem Tage so froher
Stimmung und so guter Laune, daß es ihn nicht weiter bedrückte,
er rechnete nicht einmal damit, daß die Sache ein Nachspiel haben
könnte. Nun ging er barfuss nach Hause. Das schreckte ihn nicht,
obgleich es ein schönes Stück Weges von der Moschee bis zum
väterlichen Hause war: Es kam ja öfter vor, daß er barfuss umherlief.
(Bd. 1, S. 41)

I m ZT verwendet die Über set zer in lexikalische u nd synt akt ische


Mit t el, die einen gleichen St ellenwert in semant ischer Hins icht wie

213
im AT au fweisen. Obwo hl im Deut schen der Text au fwend iger ist
(vo r allem aufgrund d er Sprachver schiedenheit en), ko nnt e der
E ffekt erhalt en werd en. Das wird z. B. durch „so froher St immun g
und so gut er Laune“ ( im AT = d ie beid en Ad ver bien ً,)‫ ً ﻡ‬16
f röhlich) und „ein schö nes St ück Weg es“ ( im AT = der so g.
„Verwu nderung ssat z“ 76( ‫ ا‬4D‫ = ﻡ أ‬wört lich: was f ür eine l ang e
Strecke) deut lich.

Stili stisch e Mittel und prag matische Perspektiven


Durch eine bild haft e Ausdrucksweise drückt Hussein sein e
E inst ellu ng dem Koranlehrer gegenüber aus.

Beispiel 22:
6 #G‫ وإﻥ ی‬،‫  آن‬6 :‫ن و‬zJ ‫ ا‬6 #G‫ ی‬: H‫ﻥ‬#‫ ﻡ‬6 /1‫و‡ ﺹ‬
JA‫ آ ی‬TJ ‫ ا ي أ‬fAe ‫ق ا‬%- ‫ ها ا‬6‫ و‬،‫ب‬# ‫ ا‬NA ‫ﻥ‬4ّ  ‫رة‬4J‫ﻡ‬
!!!,/ ‫ﺥ‬4. ‫غ ﻡ‬6 N)‫ ﻡ‬H.‫ ر‬
(٥٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Unser Freund blieb an seinem Platze, dachte weder an den Koran
noch an das, was vorgefallen war, sondern einzig an die Fertigkeit
„unseres verehrten Herrn“ im Lügen und an die dreifache Schei-
dung, die er wie eine Zigarette, die man zu Ende geraucht hat,
hingeworfen hatte.
(Bd. 1, S. 45)

Die Überset zer in fo lgt hier Hu sseins St il und ver sucht das Bild mit
ähnlichen St ilmit t eln wiederzug eben. Jedo ch ist daran zu kr it i-
sieren, dass einer se it s d ie Bezeichnu ng „Dreifache Scheidu ng “
(unwid errufliche Scheidu ng), d ie einen t iefen re ligiö se n
Hint ergrund im Isla m und einen best immt en sozio -kult ur elle n
St ellenwert hat , nicht erk lärt ist . Anderer seit s passt das Ver b NJ ‫=( أ‬
hinwer fen) zwar für d ie Scheidu ng u nd auch die Zigaret t e im
Arabischen, jedoch kann man es im Deut schen nicht mit
„S cheidung“ so verwend en wie im ZT hie r oben. Man sagt eher „d ie
Scheidung aussprechen“. Man k ann aber sagen, dass d ie

214
Überset zer in ver sucht hat , das Bild im AT w ieder zugeben, ind e m
sie d ieselben lexika lischen E inheit en benut zt e, u m ein ähn liches
Bild zu erzeugen. Wie d ieses be im ZT-Leser anko mmt , ist relat iv.

MODE
In diesem Kapit el verwendet Hu ssein vorwiegend das Med iu m de s
Dialo gs, das auch sozio -ku lt urelle Aspekt e ausdrückt . Durch d ieses
Mit t el werden die Fig uren lebhaft er und nehmen dyna mischer a n
Geschehnissen t eil.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


Im AT werden ku lt urelle S achbezüge ausgedrückt , d ie der
arabischen Leser schaft bekannt sind.

Beispiel 23:
‫م ﻡ‬0 ‫ أﻥ ﺥ? ا‬:0 ‫ و‬،ً ‫ﻡ‬0‫ ی‬H)A‫ً ﻡ أه‬d%d  gD ‫ أ'(  ا‬:‫ﻥ‬4ّ  ‫'ل‬
6 ‫ن ﻡة‬zJ ‫ ا‬
ّ A ‫أ‬J H‫ وإﻥ‬.ً 61 ]‫  ر‬،‫)“ب ' اﻥ&اف ا & ن‬# ‫ا‬
.‫ ا &ح‬6 ?A‫ وﺹ‬N)‫ ﻡ‬H/‫ ﻡ‬,D‫ أ‬،‫م‬0‫ آ ی‬6 ‫اء‬u‫ أ‬7) :‫ع‬0‫آ أ‬
!)‫ً ﻡ آ‬d%d €  .‫ اﻡأ‬:‫ﻥ‬4ّ  ‫ 'ل‬.ً ‫ق ﻡ ها ﺵ‬4‫ أﺹ‬: :
‫'ل ا‬
:
‫ 'ل ا‬.‫ع‬0‫ آ أ‬6 ‫ن ﻡة‬zJ ‫ ا‬H ]2 ‫ وإﻥ‬،‫ذب ا‚ن‬# ‫ وﻡ أﻥ‬،'
‫؟‬.‫ ﻡ اﻡأ‬
“ ‫ إ‬1‫ أ‬,‫ آ ﺵ‬6 
“ ‫] إ‬64. ‫ أن ﻡ‬g)6‫ أ‬:‫ﻥ‬4ّ  ‫ 'ل‬.‫ق‬4‫ أﺹ‬:
d%d ,)JA ‫ وأ – ﻡ] اﻡأة‬،‫ام‬O ‫ ا‬O)‫ أ‬
“ ‫] إ‬64. ‫   ﻡ‬6 ‫ أﻥ‬g. ‫أم‬
‫ی!؟‬4‫ ی‬
(٥٥ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
„Unser verehrter Herr“ rief: „Ich schwöre dreimal bei Allah, dem
Allmächtigen, ich habe ihn nicht einen einzigen Tag vernachlässigt.
Hätte ich heute die Schule nicht verlassen, noch bevor die Kinder
weggegangen waren, wäre er nicht barfuss nach Hause gekommen.
Und jede Woche sagt er doch den ganzen Koran auf! Täglich sechs
Teile, die ich ihm jeden Morgen abhöre, sobald ich eintreffe.“
Der Scheich unterbrach ihn: „Kein Wort glaube ich dir!“
„Unser verehrter Herr" ereiferte sich: „Tallaktuki! Mein Weib soll
dreifach verstoßen sein, falls ich dich je belogen habe! Ich lüge auch
jetzt nicht! Allah weiß, daß ich ihm jede Woche den ganzen Koran

215
abhöre.“ Der Scheich sprach: „Und ich glaube es eben nicht!“
Da rief „unser verehrter Herr“: „Ja bildest du dir denn ein, daß das,
was du mir jeden Monat zahlst, mir mehr bedeute als mein Weib?
Denkst du, ich würde um des Geldes willen, das du mir gibst, das
Unerlaubte für erlaubt halten und mit einem Weibe leben, von dem
ich mich in deiner Gegenwart feierlich geschieden habe?“
(Bd. 1, S. 44–45)

Fo r mal und s ynt akt isch muss man keine Anführ u ngszeichen für d ie
direkt e Rede im Ar abischen benut zen. I m ZT aber werden d ie
synt akt ischen Regeln eingehalt en u nd die d ir ekt e Rede immer
zwischen An fü hru ngsze ichen geset zt . Au ch bei d er dir ekt en Red e
des Koranlehr ers st eht im AT immer nur „Unser verehrt er Her r
sagt e: … “, aber im ZT ist die Über set zer in mit gro ß er über set -
zer ischer Fert igkeit pr ag mat isch vo rgegangen und ko nnt e ko mmu n i-
kat ive Äquiva lenz schaffen, indem sie d ie Ver ben „ru fen“ u nd „sic h
eifer n“ verwendet anst elle vo n ein fach nur „sagen“, was der
Gemüt slage des Sprechenden, dem jeweils Gesagt en u nd der
gesa mt en S it uat io n ent spr icht . Dadurch h aben d ieser Dia log u nd der
Ko nt ext ihre erz ielt e Wirk ung au f den ZT-Leser erreicht .

Die Überset zer in hat in d iesem Beispiel auch die fo r ma len u nd


semant ischen Aspekt e vo m AT vorwiegend beacht et . Die
Beschwörungsfor me l ً d%d  gD ‫( أ'(  ا‬im ZT = „Ich schwö re
dreima l bei Allah, dem Allmächt ig en“) wir d im Arabischen als
Bekräft igungsmit t el für eine Au ssage benut zt und ist vo n eine m
höheren heiligen St ellenwert (als Ausdru ck der Wahr haft igk eit u nd
Glaubwürdigkeit ), vo r allem wenn sie mit der zusät zliche n
nachdrü cklichen Best ät igu ng durch d ie Mult iplik at io n „dreima l“
verbunden wird. Diese Erkläru ng feh lt e aber im ZT, was zu
kr it isieren ist , weil diese Ko nst rukt ion eine wicht ige ko nno t at ive
Bedeut ung für diesen Ko nt ext u nd so mit für d ie ZT-Rezipient en hat .
No ch dazu ist zu kr it isieren, dass mit dem Namen Allahs  gD ‫ا‬
nicht „der Allmächt ig e“ geme int ist , sondern „d er Groß art ige“ bzw.
„der Unverg le ichliche“.
216
Weit er hin hat die Au ssage ًd %d €  .‫( اﻡأ‬im ZT = „Tallakt uk i!
Mein Weib so ll dreifach ver st oßen sein “) auch einen best immt e n
arabischen r eligiö sen u nd so zio-ku lt ur ellen St ellenwert . S ie hat
sogar einen größeren Bekräft igu ng ssin n als die o ben g enannt e
Best ät igu ngsfor m. Damit meint eig ent lich der Sprecher, dass er
sicher lich d ie Wahr heit sagt , so nst ist seine Frau is lam-recht lic h
von ihm geschieden. Diese wicht ige konnot at ive Bedeut u ng ü ber d ie
„dreifache Verst oßung“ wurde im ZT auch wieder nicht erk lärt .
Zwar kö nnt e der ZT- Leser d iesen Zu sammenhang vielle icht aus de m
gleich fo lgend en S at z „Mein Weib so ll dreifach ver st oßen sein “
oder dem spät er fo lgenden S at z „Denk st du, ich würd e u m des
Geldes willen, dass du mir gibst , das Uner lau bt e für er laubt ha lt e n
und mit einem Weibe leben, vo n dem ich mich in deiner Geg enwart
feier lich geschieden habe?“ er schließen, jedoch biet et d ies auc h
keine Garant ie dafür, dass der ZT-Leser, der keine oder k ein e
ausreichenden Hint ergrundk ennt nisse ü ber die arabische Ku lt ur
besit zt , die gemeint e vo llko mmene Bedeut ung verst ehen kann.

No ch dazu ist im ZT der vorangehende Ausdruck „T allakt uki!“ gan z


fehl am P lat ze. So , wie er hier st eht , handelt es sich um ein e
Transkr ipt ion des arab ischen Wo rt es !)JA (wört lich: ich habe d ic h
verst oßen“). E iner seit s st eht d ieses Wo rt gar nicht im AT u nd
anderer seit s gäbe es keinen Grund für d iesen u nver st änd liche n
Zusat z. Man hät t e also eher die T at sache d er „dreifachen
Verst oß ung“ erk lären müssen. Es handelt sich dabei u m ein e
is lamische Scheidu ngsfor me l, die d ie so fort ige recht skräft ig e
Scheidu ng von einer Fr au bewir kt , wenn der Mann sie dreima l
gegen seine E hefrau ausspr icht .

217
5.2.6 Kapitel 13

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
Der Knabe ist inzwischen grö ßer geworden u nd ent fer nt sic h
langsam vo n der r eligiö sen Bildu ng und der Ko ranschule. Er
int eressiert sich jet zt viel mehr für d ie Lehre der arabische n
Grammat ik und Lit er at ur. Ein Bru der vo n ih m, der in Kairo st ud iert ,
gibt ihm zwei wicht ige Bücher au s d iesen Fachber eichen, d ie er nu n
eifr ig ler nt . Aus eine m der beid en Büch er dur ft e er so gar o ft vo r
einem Richt er vor lesen bzw. aufsagen, was er davo n geler nt hat .

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


I m AT ko mmen sehr o ft Fachbegr iffe aus de m Bereich der
arabischen Grammat ik und Lit erat ur sowie Ged icht verse vo r. S ie
sind zu m Teil selbst für ein ig e AT-Leser nicht bekannt .

Beispiel 24:
7 G t HgG1 NA ‫ ] أن ی
ف‬-)(‫ ی‬: «‫ﻥ‬4 » E‫^ﺹ‬6
(٦٤ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
„Unser verehrter Herr“ erwies sich als unfähig, ihn beim
Einprägen der Alfîja zu überwachen
(Bd. 1, S. 53)

I m ZT wurd e der Begr iff „Alfîja“ durch Transkr ipt io n aus de m


Arabischen ü ber no mmen u nd im 12. Kap it el auch schon in einer
Fußnot e als „arabische Grammat ik in Versen“ erk lärt , was da s
E igent ümliche der fremd en Bezeichnung bewahren u nd den Begr if f
durch d ie Erkläru ng nicht ganz befremd lich sein lassen konnt e.

Beispiel 25:
‫ف‬J) ‫ 'ﺽ ا
ع‬0‫ وه‬،‫زه‬2‫ء ا‬A ‫ل   ﻡ‬1 ‫ آ‬NA 0‫ه‬
(٦٤ ‫ ص‬،١ ‫( )ج‬7G‫ وراء ﻡ‬7‫ﺽ‬

218
Jedenfalls stellte jener einen As’har-Gelehrten und Kadi (mit
dumpf glucksendem K gesprochen!) der Schar’ (mit stark
gerolltem R!) – des religiösen Gesetzes – vor
(Bd. 1, S. 53)

I m AT wo llt e der Aut or hervo rheben, wie zu seiner Zeit der


Buchst abe ‫ ق‬K im No men ‫ 'ﺽ‬Richter (= religiö ser Richt er i m
Islam) und der Buchst abe ‫ ر‬R im No men ‫ ا
ع‬Scharia (= relig iö ses
Geset z im I slam) emphat isch ausgesp ro chen werden. Das ist
nämlich eine Regel aus der arabischen Laut lehre ( im geho benen
Ho charabischen gehö ren d iese beiden Bu chst aben zu de n
emphat ischen Laut en) u nd lässt hier d ie ho he relig iö se und so ziale
St ellung des S char iar icht er s erk ennen. Diese laut liche Her vo r-
hebung wurde zwar im ZT über set zt (dump f g lu cksende m K; st ark
gero llt em R), jedo ch ohne näher erklärt zu werden. Aber es ist sehr
gelungen, dass die Über set zer in die fremd e Bezeichnung w ieder
durch E nt lehnung über no mmen hat („Kad i“, „S char ’“) u nd no c h
dazu „Schar ’“ mit „d em r eligiö sen Geset z“ er läut ert . Der Begr if f
„Kad i“ ist auf jed en Fall für Leser mit ku lt urellem Hint ergru nd-
wissen ziemlich bekannt u nd au ch in den me ist en deut sche n
Wört erbücher n zu finden.

Beispiel 26:
?gG1 ‫ – وآ‬D‫ ﻥ‬:‫؟ أب‬7#O ‫ ا‬N ‫ ه ذه? إ‬:T0‫ أ‬H ^‫& و‬D ‫ذا آن ا‬y6
،?D/ ‫ أو ﻡ ب ا‬،76‫ﺽ‬S‫ ﻡ أي ب؟ ﻡ ب ا‬. ‫ 
ی‬:‫ﻡ  ?؟ أب‬
ً)  ‫ 
ی‬H A ‫ 'أ‬،?gG1 ‫ ﻡ‬
“ A ‫ ا'أ‬:H ‫ذا 'ل‬y6 . (#) ‫أو ﻡ ب ] ا‬
،76D ‫ة وا‬#/ ‫ وأﺥى ﻡ ا‬،/ ‫ب وا‬D ‫ ﻡة ﻡ ا‬، ‫و‬2‫) ا‬i ‫ﻡ ا‬
 ‫أ وا‬4) ‫ ﻡ ا‬7e d‫و‬
(٦٦ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Es kam der Nachmittag, und sein Vater fragte: „Bist du im
Gericht gewesen?“
Er antwortete: „Ja.“
„Wieviel Verse hast du gelernt?“
„Zwanzig.“

219
„Von welchem Kapitel?“
„Vom Kapitel der Genitivverbindung“ oder „Vom Kapitel des
Adjektivs“ oder „Vom Kapitel des gebrochenen Plurals“, war
dann die Antwort.
Und wenn sein Vater verlangte: „Trag mir vor, was du gelernt
hast!“, so sagte er ihm zwanzig Verse von den ersten zweihundert
auf, sei es vom flektierbaren und unflektierbaren Nomen, sei es
vom determinierten und indeterminierten Nomen oder vom Subjekt
und Prädikat.
(Bd. 1, S. 55–56)

Wieder hat die Über set zer in im ZT d ie synt akt ischen Regeln
eingehalt en und die d irekt e Rede zwischen Anführungszeiche n
geset zt . Sachgerecht konnt e sie au ch die grammat ischen Bezeich-
nungen übert ragen. Dafür hat sie die genauen Äquiva lent e in der
deut schen Grammat ik verwendet u nd somit dem ZT- Leser d iese
Bezeichnungen näher gebracht .

Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven


Die Übert ragung von ar abischen Ged icht versen ins Deut sche berei-
t et meist ens Schw ier igkeit en, vo r alle m u m die „Bedeut ung “ samt
ihren semant ischen, pragmat ischen u nd t ext uellen Ko mpo nent en zu
ver mit t eln. Die for malen u nd st ilist ischen Aspekt e der Verse sind
oft pro blemat isch, vor allem wenn es u m so alt e Verse geht .

Beispiel 27:
-D‫ ا ﻡ‬7ّ G ‫ أ‬7ً Ji6 ُ  _ ً‫ رﺽ‬F)J.‫و‬
%  ‫ ا‬
َ i/d 0)(‫ﻡ‬ % FG. ui1 €( 0‫وه‬
‫ درت ا‚ﺥة‬6 H ‫  و‬ T6‫ت وا‬, FJ‫وا ی‬
(٦٥ ‫ ص‬،١‫)ج‬
Ein rückhaltloses Ja sei ihr gewährt,
Lässt sie doch Ibn Mu’tî weit unter sich!
Gemach, Entdeckertat wird hoch geehrt;
Und also rühme Ibn Mu’tî auch ich.

220
Oh, möge Allah seinen Lohn uns zwein
Im Jenseits, ihm wie mir, reichlich verleihn.
(Bd. 1, S. 54)

I m AT hand elt es sich u m einen kur zen Auszug aus der Alf îja de s
alt en arabischen Grammat ik ers u nd Gele hrt en Ibn Malik (13. Jh.).
In dieser Alf îja sind d ie arabischen Grammat ikregeln in Ver sfo r m
zusa mmeng efasst . Es ist durch einen g ehobenen sehr
künst ler isch- äst het ischen St il gekennzeichnet . Hier geht es also
nicht nur einfach daru m, d ie Grammat ikr egel darzust ellen, sonder n
es werden bei der Gest alt ung d ieser Verse d ie st ilist ischen,
rhet orischen und bild lichen Mit t el der arabischen Dicht kunst
verwendet bzw. eingehalt en. Für jemanden, der auf d iesem Geb iet
nicht sp ezialis iert ist , ist die Alf îja sehr schwer zu ver st ehen.

Solche Mit t el u nd der äst het ische S inn d es I nhalt s sind nat ür lich i n
die deut sche Sprache schwer zu ü bert ragen, vor alle m weil der
Inha lt für die ZT- Leser sowo hl u nbek annt als auch schwer zu
begreifen ist . Jedoch ist der Über set zer in gelu ngen, d ie semant ische
und künst ler ische Wirkung der Ver se au ch zu ver mit t eln. S ie ko nnt e
eine funkt io nale E nt sprechung dafür schaffen u nd so mit d en
ZT-Leser einig er maß en zu m AT hinfü hren, o bwo hl bei ihm das
not wendige Vorwissen fehlt . Durch den erzeugt en Reim können die
Verse im ZT auch als welche wirken, o hne d ie semant ische
Perspekt ive d es I nhalt s abzuschwächen. S o ist die Überset zer in d e n
deut sch- nor mat iven Regeln des Dicht ungsreims gefo lgt u nd hat
einen äst het ischen Wert im ZT geschafft , z. B. durch „gewährt …
geehrt “, „sich … ich“ und „zwe in … ver leihn“. Den Rhyt hmu s u nd
die s ynt akt ische Äst het ik hat sie auch b eacht et , wie z. B. bei der
Nachst ellung von „ih m wie mir “ u nd bei d er E llipse „E in
rück halt lo ses Ja“ ( im AT wird der Su bst ant iv ‫ رﺽ‬Zuf riedenhei t
verwendet , den d ie Überset zer in mit dem kurzen aber
ausdrucksvo llen „Ja“ erset zt hat , das d ie S ynt ax d es Verse s
verschö nert und dafür ang epasst ist ).

221
5.2.7 Kapitel 16

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

Wie o ben scho n erwähnt wurde, wird d er Leser dieses Werk s sehr
selt en ang esprochen und mit einbezo gen. Daher wurde bisher d ie
Dimens io n „Mode“ nur in der Analyse der beiden Kap it el 1 u nd 1 0
bear beit et . I m Kapit el 16 ist sie auch vert ret en. So wird sie hier nu n
hervorgehoben und es wird au f d ie beiden ander en Dimensio ne n
verzicht et , weil in d iesem Kap it el nicht viel anderes erwähnt
werden kann als das, was in d en and eren behand elt wir d.

MODE
Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel
Hier ko mmt diese Dimensio n st ark vo r. Hussein spr icht den Leser
direkt an. Nicht einfach in einer Parent hese (wie im Kapit el 1),
sonder n er benut zt d ie beiden Pro no men der erst en u nd zweit e n
Person in diesem Beispiel.

Beispiel 28:
‫& ﻡ‬O) ‫ ا‬N ‫س إ‬/ ‫] ا‬64‫] ا ي آن ی‬6‫ا‬4 ‫ إن ها ا‬:‫ل‬0J. ‫ ] أن‬-)(. ?‫وأﻥ‬
‫!  یآ‬d41‫ أن أ‬:‫ ] إ‬-)‫ أ‬%6 ‫ أﻡ أﻥ‬.ً60&. ‫ًا أو‬O ‫ا ( آن‬
7‫(  آﻥ? أیﻡً *ی‬/ ‫(€ أیم ﺵ ا‬. ?‫یم ا ) آﻥ‬2‫ا & ﻡ أن ا‬
(٩٠ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Auch der Beweggrund, der die Leute veranlasste, sich vor den
heißen Chamsînwinden zu schützen, wurzelte in Zauberei und
Mystizismus. Da muß ich erzählen, was unserem kleinen Freund
noch im Gedächtnis haftenblieb: wie merkwürdig nämlich die
Tage waren, die dem „Riechen des Windhauches“ vorangingen.
(Bd. 1, S. 78–79)

I m AT verwend et der Aut o r das Prono men der 2. Per so n S ing ular
zweimal, im No minat iv ( ?‫ أﻥ‬Du, in dem E in le it u ng ssat z ] -)(. ?‫وأﻥ‬
: ‫ل‬0J. ‫ أن‬Du kannst sagen:) und im Dat iv (das Su ffix ‫ ك‬Dich/Dir i m
222
Ver b !d41‫ أ‬Ich erzähl e Dir). Dadurch will Hussein her vo rheben,
dass d iese Meinung (d. h. was nach dem E inleit ungssat z st eht ) a m
wahrscheinlichst en sein kö nnt e ( im Absat z vo rher wurde n
versch iedene Ans icht en anderer Figur en über d ie dargest ellt e
Begebenheit erwähnt ). No ch dazu ko mmt das Prono men der er st en
Person S ingular ebenso ein ma l vo r ( ‫ أﻥ‬Ich). Hier mit drückt er also
seine eigene Meinung und E inst ellu ng aus u nd spr icht den Leser
direkt an.

I m ZT fällt jedoch der o ben erwähnt e E inle it ung ssat z aus, was d ie
erzielt e Her vorhebu ng Taha Hu sseins abschafft . Dasselbe g ilt auc h
für die zweit e Ersche inu ng d es Prono mens der zweit en P erson i m
Dat iv. Das Prono men der er st en Per so n I ch wurde jedoch ü ber set zt
( im ZT: „Da muß ich erzählen“). Das hebt zwar die E inst ellu ng de s
Aut ors her vo r, jedoch ist d ies wegen d er Auslassung der beid e n
Pronomen der 2. Person nicht so st ark wie im AT.

5.2.8 Kapitel 18

Analyse des O rig inals und der Vergleich mit dem Translat

FIELD
In dem längst en Kap it el d ieses Bandes ( 14 Seit en) erzählt Hussein
von nur zwei Begebenheit en, d ie zwar sehr ähnlich sind, jedo ch sein
Leben lang Spuren in seiner Seele h int er lassen haben u nd mit
jeweils ihr en E inzelheit en für immer in seiner Er innerung g ebliebe n
sind. Das sind die Todesfälle eines seine r Brüder und einer seiner
Schwest ern. Der To d vo n d en beiden und die s ie u mg ebende n
Zust änd e beschreibt Hu ssein mit so vie len E inzelheit en, z. B. wie
die beiden an Krankheit en lit t en, d ie unbekannt bzw. bis d ahin no c h
unheilbar waren, wie d iese Leid en genau waren, wie sich d ie
anderen im Hause ver hie lt en u nd wie die Gemüt szu st änd e d erer
währenddessen und nach dem To de waren. Dann w ird erzählt , dass
er nach dem Tod se ines Bruder s für lange Zeit vie le r elig iö se

223
P flicht en u nd freiwillig e gut e Tat en ausg efü hrt hat , mit der
Int ent ion, dass Allah sie d iesem verst orbenen Brud er anr echnen
würde.

Lexi ka li sch e und synta ktisch e Mittel


Hussein verwendet sehr ausdrucksvo lle lexikalische E inhe it en vo m
gehobenen Ar abischen, d ie er in eine Reihe bzw. „Ket t e“ zusam-
menbaut , um meist er haft e Beispiele seiner Beschr eibung s- u nd
Sch ilderungsfert igkeit zu geben.

Beispielgruppe 29:
‫ ا  ل‬7‫ی‬0' f‫ی‬4O ‫ ا‬7 ‫(ن‬A ‫ ا‬7O &6 H0 ‫ ا‬7JA ‫ ا وح‬7G G‫آﻥ? ﺥ‬
(٩٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Sie war ein kleines Plappermäulchen, ein liebenswertes Kind
mit offenem, strahlendem Gesicht, mit einer entzückenden Art
zu sprechen und lebendiger Einbildungskraft.
(Bd. 1, S. 86)

،AJ ‫ ﻥ  ذآ ا‬،7DA- ‫] ا‬i‫ را‬g/ ‫ 


ة   ا‬7/‫ﻡ‬e ‫ ا‬6 ‫ ا‬, ‫وآن‬
,6‫ وأرأ‬،Hّ‫ وأ“ه ^ﻡ‬،D ‫ه‬G‫ وأﺹ‬،A' ,'‫ة وأذآه وأر‬2‫وآن أﻥ ا‬
.‫ًا‬4‫ أ‬,)‫ وآن ﻡ‬،H.‫ا‬0‫ وأﺥ‬H.0‫ &_ر إﺥ‬,J6‫ وأر‬،H ^
(١٠٤ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Sie hatte einen achtzehnjährigen Sohn, einen hübschen, ansehnlichen
und aufgeweckten Jungen. Er war der Klügste der Familie, sehr zart
besaitet und hatte die besten Anlagen. Er war voller bescheidener
Kindesliebe zu seiner Mutter, voll Aufmerksamkeit gegen seinen
Vater und zeigte sich am kameradschaftlichsten seinen kleinen
Geschwistern gegenüber; und immer war er fröhlich!
(Bd. 1, S. 92)

In den beiden Beisp ielen beschr eibt Hussein Char akt ereigenschaft e n
vo n seiner Schwest er u nd seinem Bruder. Synt akt isch fo lgen d ie
E igenschaft en einander d irekt , ( im er st en Be ispie l auch ohne
Sat zzeichen). Damit int ensiv iert er das „Po rt rät “, das er für jed e

224
dieser Perso nen zeichnet . Es hand elt sich dabei um ein „Adjekt iv +
Subst ant iv- Konst rukt io n“, d ie kurz aber auch ausdruck svo ll de n
S inn äuß ert , z. B. f‫ی‬4O ‫ ا‬7 (wö rt lich = schö n + Gespräch), 7‫ی‬0'
‫( ا  ل‬wört lich = st ark + P hant asie), 7DA- ‫] ا‬i‫( را‬wört lich =
wunder bar + Auft r it t ) und ً A' ,'‫( أر‬wö rt lich = zärt lich + Herz).

I m ZT versucht die Überset zer in Husseins Fo r m und semant ische n


Mit t eln zu fo lgen. Aufgrund der Spr achverschiedenheit en findet sie
„verset zt e Äquivalent e“ zu den lex ikalis chen Mit t eln vo m AT, u m
den S inn auszudrücken u nd d ie Charakt ere zu beschr eiben, z. B.
„mit einer ent zück enden Art zu spr echen“, „mit lebend iger
E inbild ungskraft “, „einen hübschen, ansehnlichen u nd aufgeweckt en
Jungen“ und „sehr zart besait et “. Damit schafft e sie
fo r mal-äst het ische Äqu ivalent e, d ie die „Port rät s“ Hussein s
wiedergeben und ähnliche Wirk u ng dur ch für die deut sche S prache
übliche sprachlich- st ilist ische Mit t el erzeugen.

Stili stisch e Mittel und prag matische Perspektiven


Dieses Kap it el gibt ein sehr gut es Beisp iel für Husseins sehr
ausdrucksvo lle, det ailliert e, äst het ische und so zusagen „lebhaft e “
Sch ilderung, durch d ie er den Leser in so eine Gemüt sst immu ng
verset zen kann, dass dieser vo n dem Darg est ellt en st ark berührt und
beeindru ckt wird. Dadurch kann sich der Leser davo n bet ro ffe n
fühlen und in d ie d argelegt e Begebenheit ein leben. Sein e
st ilist ischen Mit t el ko mmen dabei der einen Film beg le it ende n
Musik nahe, die in z. B. ro mant ischen Szenen ruhig, in
at ember aubenden Act io nszenen schnell und beg eist er nd u nd in
Ho rrorszenen geheimnisvo ll ist . Wie die Musik im Film, so
verwendet Hussein h ier seine Wört er, Sätze, Bilder u nd Met apher n,
die emot io nal sehr affekt iv auf den Leser wirken. Die nächst e n
Beispiele sprechen für sich.

225
Beispiel 30:
7 1‫ ﻥ‬6 ,‫اﺵ‬6 NA ‫ة‬JA‫ وه ﻡ‬،ً‫ﻡ‬0‫ﻡً وی‬0‫ﻡً وی‬0‫ ی‬7‫ﻡ‬0O‫ة ﻡ‬4‫ة هﻡ‬.6 ?A‡
‫ار‬4 ‫ ا‬1‫ا‬0‫ﻡ ﻥ‬
(١٠٠ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Es wurde apathisch, matt und fiebrig, das dauerte einen, noch
einen und noch einen Tag
(Bd. 1, S. 88)

In diesem Beisp iel fo lgt die Überset zer in Hu sseins St il d er


Wieder ho lung, sowohl fo r mal als auch semant isch. Durch d ie
Wieder ho lung ً ‫ﻡ‬0‫ﻡ ً وی‬0‫ﻡ ً وی‬0‫„( ی‬einen, no ch einen u nd noch eine n
Tag“) wird dem Leser so wohl im AT als au ch im ZT das Bild
übert ragen, dass die Krank heit so lange d auert e, was dem Leser t ie f
beeindru ckend ist . Diese Wieder ho lu ng, wenn sie auch im
Deut schen et was u nüblich ist , schafft eine vo lle fu nkt ionale
Äquivalenz zu m Ko nt ext des AT.

Beispiel 31:
،, ‫(ع إ‬.‫ آ ﺵء و‬,‫ع أﻡ‬4)6 ،‫ًا‬#/‫ً ﻡ‬1 ‫ ﺹ‬E &. 7AG- ‫ وإذا ا‬,A 6 ?‫آﻥ‬
&)‫ وا & ح ی‬., ‫ آ ﺵء وی( إ‬7AG- ‫ات ا‬0‫ع أﺥ‬4)6 ،‫داد‬u‫وا & ح ی)& وی‬
., ‫ وی(ع إ‬HO‫ع ا
 أﺹ‬4 6 ،,ّ‫ب  ذرا أﻡ‬-F.‫ى و‬0A). 7AG- ‫ وا‬،4)
‫وی‬
‫ق‬D ‫ وی)& ا‬,,‫ˆ و‬J)‫ًا وی‬#/‫دًا ﻡ‬D.‫ ار‬4D.. 7AG- ‫ وا‬،4)
‫وا & ح ی)& وی‬
# ‫ و‬., ‫ن إ‬0(‫ وی‬f‫ی‬41‫ و‬0, ‫ ﻡ‬H 6 ‫&ف ا & ن وا
ن  ه‬/ 6 ،H A
‫ري ﻡذا‬4. : 7AG-  7- O‫ ﻡ‬7.0,‫ ﻡ‬7‫ وا‬,A‫ة آ‬2‫ ا‬T‫ وإذا ه‬،‫ة‬4‫ ﺵ‬:‫داد إ‬u‫ ی‬: ‫ا & ح‬
.7‫ و‬7 ! ‫ وی)& ذ‬...!]/&.
(١٠١-١٠٠ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Sie war gerade bei ihrer Arbeit, als das Kind in ein schreckliches
Geschrei ausbrach. Die Mutter ließ alles liegen und eilte zu ihm.
Das Schreien hielt an und wurde immer schlimmer. Da ließen die
Schwestern der Kleinen alles stehen und eilten zu ihr. Die
Schreie dauerten aber an, sie wurden noch stärker, und das Kind
wand sich zitternd in den Armen seiner Mutter. Da verließ der
Scheich seine Freunde und eilte zu ihm. Das Schreien hörte noch

226
immer nicht auf, sondern steigerte sich. Das Kind zitterte am ganzen
Körper, sein schweißüberströmtes Gesicht bedeckte sich über und
über mit Falten. Nun kamen die Knaben und Burschen, die sich
eben noch vergnügt unterhalten hatten, herbeigelaufen. Jedoch das
Geschrei nahm ständig zu. Da stand nun die ganze Familie, schwei-
gend und bedrückt, um das Kind und wusste nicht, was zu tun war!
Stunde um Stunde verrann.
(Bd. 1, S. 88)

Dieses Beisp ie l wirkt in seiner Gesamt heit als e ine st ilist ische
E inheit . Es kö nnen k eine best immt en Ko nst rukt ionen her vo r-
gehoben werden, denn alle E lement e und Sät ze wirken zusamme n
und gle ichzeit ig. I m AT inszeniert Hussein ( bzw. führt d ie Reg ie
über) ein sich st eiger ndes Bild, in d em mehr ere Mit t e l
zusa mmenwirken. Das St ilmit t el d er Wieder ho lung ( &)‫ا & ح ی‬
4)
‫ وی‬Die Schrei e dauern an und werden immer stärker) und d ie
St eigerung der Gemüt sst immu ng (alle Familien mit g lieder ko mme n
nacheinander) erzeugen ein sehr äst het isches beeindruckendes Bild.

I m ZT konnt e die Überset zer in das gesamt e Bild mit zut reffende n
st ilist ischen Mit t eln übert ragen und eine sehr ähnlich e
„funkt iona le“ Wirkung erzeugen. S ie fo lgt hier wieder Hu sseins St il
der Wieder ho lung der selben t ext uellen E inheit en und verwendet
ausdrucksvo lle Ad jekt ive ( „schlimmer, st ärker, schweiß ü ber st -
römt “), u m den ZT-Leser in d ie Ge müt sst immu ng d er darg est ellt e n
Begebenheit hine inzuführ en. Durch ein en sehr gelu ngenen St il
übert rägt der ZT eine ähnliche Gemüt sla ge, d ie auch st eiger nd u nd
sehr beeindru ckend ist , und schafft damit einen funkt io na l
äquivalent en Ko nt ext in einer lebhaft en, „sich beweg enden“ S zene.

Hier zusät zlich no ch zwei v ielle icht et was ruhig e Szenen, mit
„ruh igen“ Wört ern, jedoch mit einer geho benen lit erar isch-äst he-
t ischen Wirkung.

227
Beispiel 32:
‫ت‬0‫ ﺹ‬: &)‫وء ﻡ‬4‫ذا ه‬y6 g/. d ،‫م‬/) ,‫ أﻥ‬, ‫   إ‬6 ,)/‫ ا‬N ‫م إ‬2‫ ا‬g/.
،% A' )O)G‫) ﻡ‬G‫ ی)د“د  ﺵ‬7G ‫ ا‬4‫ی‬4‫ ﺵ‬r G‫ ﺥ‬MG‫ ﻥ‬0‫ وإﻥ ه‬،7‫آ‬1 :‫و‬
.‫ ة‬O ‫ر'? ا‬6 4' 7AG- ‫ وإذا ا‬MG/ ‫] ها ا‬-J/‫ ی‬d
(١٠٢ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Als die Mutter ihr Töchterchen ansah, glaubte sie, es wolle
schlafen. Wieder blickte sie hin – ungestörte Ruhe, kein Laut,
keine Bewegung! Nur ein ganz leichter, zarter Atem ging über
die ein wenig geöffneten Lippen aus und ein. Dann versiegte
dieser Atem. Das Kind war aus dem Leben geschieden.
(Bd. 1, S. 90)

Dem St il Husseins ist die Über set zer in wieder gefo lgt . Das wir d
z. B. vor allem deut lich dur ch „ung est ö rte Ruhe“, „kein Laut “, „e in
ganz le icht er, zart er At em“, „ver sieg en“ und „aus d em Leben
geschied en“. Dur ch die geko nnt e Au swahl der Wö rt er wir d hier
wieder for mal-äst het ische Äqu iva lenz realis iert .

Beispiel 33:
,A‫ﺥ ة ا ) أر‬2‫ ا‬7‫ﻥ‬2‫ ا‬T‫ ه‬N(/‫ آ ﺵء ' أن ی‬N(/ & ‫وإن ا‬
.?# d 7A‫ی‬0 7A ‫ ﺽ‬7A O‫ ﻥ‬N)G ‫ا‬
(١٠٨ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Unser Knabe hätte alles eher vergessen können als dieses letzte,
ganz dünne und schwache Röcheln des Jünglings, das eine Weile
anhielt, bevor es verstummte.
(Bd. 1, S. 95)

Die st arke Wirku ng d ieser Mo ment e hat ihre Spuren in Hussein s


Gedächt nis so hint er lassen, dass er sic h an diese Szene genau
er inner n und sie sogar bis ins Det ail beschreiben k ann. Er ü bert rägt
gekonnt seine Gemüt sst immung an den Leser u nd ver le iht seine m
Text durch seinen lit erar isch-äst het ischen St il eine ps ychische
T iefe, was auch d ie Überset zer in im ZT schaffen ko nnt e. S ie
verwendet hier au ch d ie beeindruck enden At t ribut e „dü nne,

228
schwache, ein We ile anhalt end “ für „Rö cheln“, wodurch sich d er
ZT-Leser in die geschildert e Szene hineinverset zen kann, u nd dann
endet die S it uat io n auch wie im AT durch d ie sehr gelu ngen e
Wort wahl vo n „verst ummen“ mit einer abso lut en St ille.

MODE
In diesem Kap it el benut zt Hussein auß er den oben darg est ellt e n
Mit t eln noch das Med ium d er ind ir ekt en Frage an d ie Leser. E s
werden hier zwar d ie Prono men der zweit en Perso n nicht benut zt ,
aber diese indirekt e Frage ist ein M it t el Husseins, u m den Leser
anzusprechen und ihn in d ie Fäden der Erzählu ng einzu beziehen.
Dies ist auch an den St ellen, wo d ie Mü ndlichke it wahr nehmbarer
bzw. die „St imme“ Husseins im Text hörbar sind, fest st ellbar.

Stili stisch e Mittel und pragmatische Perspektiven


Beispiel 34:
.‫ ها‬AD‫ ی‬T41‫؟ ا و‬7AD ‫ ا‬T‫ ه‬,. O ?‫ ذه‬r ‫؟ آ‬,)A ?‫ﻡذا آﻥ‬
(١٠٢ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Was für eine Krankheit hatte es gehabt? Wie konnte sie ihm das
Leben rauben? Allah allein weiß es.
(Bd. 1, S. 90)

Bei den beiden o ffen gebliebenen Frag en fo lgt die Über set zer in
Taha Husseins St il wieder, for mu lie rt sie s ynt akt isch u nd
semant isch genau so wie im AT und kann so auch d en ZT-Leser
ind ir ekt mit einbeziehen. Dadurch ent st eht ebenso der Kont akt
zwischen diesem Leser und dem AT- Aut o r.

Beisp ielgrup pe 35:


.‫ة‬0J ‫ ا‬T‫ل ه‬4D. ‫ة‬0' 7D‫ل و  ی)وزوا ا ا‬G2‫ ا‬6 ‫( أن‬1‫? أ‬/‫ﻡ آ‬
(١٠١ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Ich hätte nie geglaubt, daß einem Kinde, das nur vier Jahre
alt ist, solche Kraft innewohnen kann. (Bd. 1, S. 89)

229
T‫ دار‬N ‫ د ا
 إ‬1 7 ‫ه ﻡ‬#‫ی! ویﻥ‬O‫ ﻡ ﺽ‬, ‫م! وی‬0‫ ﻡ ی‬H  6
!‫ ا )اب‬6 H)/‫ وارى ا‬4'‫ و‬,g ‫ﻡ] ا‬
(١٠٣ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Was für ein Tag! Und was für Opfer! Wie furchtbar war die
Stunde, da der Scheich gegen Mittag nach Hause zurück-
kehrte, nachdem er sein Töchterchen ins Grab gebettet hatte!
(Bd. 1, S. 91)

In diesen beiden Beisp ielen ist d ie Münd lichkeit Husseins besonder s


st ark. I m erst en Beisp iel verwendet er auch das Pro no men der er st en
Person S ingular u nd im zweit en den im Arabischen gebräuchliche n
sog. „Verwunderungsst il“. I m ZT ist diese Mü ndlichk eit au c h
fest st ellbar, was die E inst ellu ng Husseins au sdrückt und sie d e m
ZT-Leser deut lich darst ellt . Durch das Pronomen „Ich“ im er st en
Beispiel und den analo gen St il „Was für ein Tag ! Und was für
Op fer!“ im zweit en schafft die Über set zer in e ine g elu ngene fo r male
und st ilist ische Äqu ivalenz.

5.3 Funktionsbestimmung und Qualitätsbewertung

5.3.1 Zur Funktionsbestimmung des Ausgangstextes

Die Funkt ion des vo r liegend en Ausgangst ext es ist einer seit s d ie
Kr it ik an den sozia len u nd relig iö sen Zust änden u nd an de m
Bildung swesen in der äg ypt ischen Dor fgese llschaft . Ander erseit s
wird das Leben dieses blinden Ju ngen exemp lar isch d argest ellt ,
damit man au s seiner Au sdau er so wie seinem „Blick “ au f die Welt
eine Lehre zieht . Durch seine E insicht in d ie Ereig nisse und viele
Zust änd e kann man auch herausfinden, d ass er seine Umwelt t rot z
der Behinderung immer kr it isch u nd denker isch bet racht et e. So kan n
der AT auch d ie Fu nkt io n eines Aufr ufs vo r alle m an ander e
Behindert e haben, damit d iese s ich nic ht der Beh inderu ng, de m
negat iven Schick sal und dem Druck bzw. der Ironie der Gesellschaft
hingeben. Dadurch kann her vo rgehoben werden, dass d ie wahr e
230
„S icht “ n icht im S ehver mögen d es Auges best eht , sonder n vie lmehr
in der E insicht bzw. Erkennt nis des Menschen sowie in der
Fäh igkeit , eigene Ansicht en zu ent wickeln. Das wäre also das
„S ehver mö gen“ d er Ver nunft .

FIELD
Der Text biet et ein E xemp lar d er lit erar isch- äst het ische n
Erzählkunst . Taha Hussein verwendet meist ens kurze Sät ze, die er
kunst vo ll mit einand er ver bindet . Dazu kommen noch Wö rt er u nd
Begr iffe, die am gedank lichen und geist igen Gehalt so wie a n
Bedeut ungsnuancen sehr reich sind. Man findet auch Begr iffe u nd
Bezeichnungen aus d er arabischen Lit erat ur und Gr ammat ik, aus der
is lamischen Religio n und Namen von Gest alt en aus alt en arabische n
vo lkst ümlichen Ro manen und Sagen. „Al- Ayyā m“ u mfasst
Er inneru ngen, die au f eine Sachber ich t sdarst ellu ng vo n bio gr a-
phischen Fakt en verzicht en u nd Ereig nisse, Perso nen u nd Mo t ive
besonders her vorheben. Den g anzen Text kennzeichnen vo r alle m
die geho bene arabische Sprache Husseins, o hne zu viel Verwendu ng
von k lassischen arabischen r het o rischen Mit t eln, u nd d as St ilmit t e l
der Wieder ho lung, das u. a. die Bedeut ung des jeweils Dargest ellt en
hervor hebt .

TENO R
Durch seine E inst ellu ngen u nd den Blick auf seine so zialen u nd
religiösen Hint ergründe gewährt der AT-Aut or dem Leser E inb lick
in sein Leben und in d ieses Zeit a lt er. Er schreibt in d er For m d er
Er-Erzählung, erwähnt seinen eigenen Namen nie, benut zt das
Pronomen der erst en Per so n S ing u lar sehr selt en u nd bezeichnet d ie
Haupt figur mit „de m Jungen“, „dem Knaben“ oder „u nser e m
Freund“. Durch diese Erzählung in d er dr it t en Perso n abst rahiert
Hussein best immt e Wert e, d ie d ie Abso lut heit so lcher Er fahr u nge n
zeigen. Dass die Haupt fig ur selbst der Autor und auch der Erzähler
ist , bedeut et eine Ident ifikat io n der E inst ellu ngen, die durch die
oben dargest ellt e Analyse behandelt werd en.

231
Durch die det ailliert en Beschreibu ngen kann man herau sfinden, dass
diese Ereignisse, Persö nlichkeit en o der auch Gegenst ände E in flu ss
auf den AT- Aut or hat t en, dass sie so lange in seiner Er inneru ng
ble iben. Mit seiner beisp ielhaft en E rzählt echnik u nd seine n
äst het ischen St ilmit t eln ver bind et Hussein all d iese Er innerung e n
so, dass eine int r at ext uelle Ko härenz best eht und zwischen de n
Sät zen u nd auch den einzelnen Kap it e ln eine Art „Melo d ie o hne
Reim“ ent st eht .

Der E influss der relig iö sen Bild ung u nd Erziehu ng in der Familie
hat t e ebenso groß en E in flu ss auf Hu ssein und d iesen Ro man. Go tt es
Willen u nd Macht kommen z. B. bei ver schiedenen Schilderu nge n
und auch in Dialogen zu m Ausdru ck.

MODE
Diese Dimensio n t rägt zur Fest st ellu ng der Fu nkt io n des AT i n
ger ingem Maße bei. Durch d ie Analyse wird d eut lich, d ass es sic h
hier eher um das Med iu m „geschr ieben, um gelesen zu werd en “
handelt . Der Grad der Mü ndlichkeit , als o das Angesprochen-Sein
des Leser s, ist an wenigen St ellen fest st ellbar. Wie o ben erwähnt
ist : o bwohl der Text eine Aut o bio graphie ist , t rennt der Aut o r sic h
selbst ja vo n den Ereig nissen u nd erzählt über „u nseren Freu nd “. So
wird der Leser se lt en direkt mit einbezogen, und zwar durch die
wenigen o ben in d er Analyse d argest ellt en Mit t el der ind irekt e n
Fragen und Prono men der erst en und zwe it en Per so n. Man k ann aber
sagen, dass die lit erar isch-äst het ischen ausdrucksvo llen Dar st el-
lu ngen, vor alle m in den sehr emot io nalen Beschreibu ngen vo n
Sachver halt en und Gemüt szust änden, große Wirkung au f d ie Leser
haben. Dank der lit er ar ischen St ilmit t el Husseins werden sie st ar k
mit einbezogen und o ft in d ie psychis che Lage der Haupt fig ur
verset zt . Noch dazu werden d ie Figuren u nd Ereig nisse dur ch die
Dialo ge lebhaft er darg est ellt .

232
5.3.2 Zu einer Qualitätsbewertung des Zieltextes

Durch die Analyse der o ben behandelt en Kapit el kann man zu einer
Qualit ät sbewert ung des ZT gelangen, die – im Zusammenhang mit
dieser Analyse – ein pr inz ipiell allg emeines, aber nicht
eingehendes, Urt eil über d as Translat er laubt u nd Licht au f ein e
mögliche Kr it ik so lch e iner lit erar ischen Überset zung wir ft .

Erwähnenswert ist hier d ie Tat sache, dass d ie vo r lieg end e


Überset zung einen Zugang zu Husse ins Or ig inalt ext u nd so mit zur
ägypt ischen Ausgangskult ur er mö glicht . Der ZT repräsent iert ein e
offene Über set zu ng, d ie for male, inh alt liche u nd st ilist ische
Merkmale des AT we it gehend bewahrt , eine ver fremd end e
At mosp häre liefert u nd die semant ischen und pr agmat ische n
Bedeut ungen des AT bis zu versch iedenen Gr aden ver mit t elt
(einsch ließ lich der g elo bt en u nd auch der als bemäng elt kr it isiert en
St ellen, die oben bzw. hier u nt en dargest ellt werden). Obwohl d ie
geschildert en Ereignisse, Aspekt e u nd S achbezüge d em ZT-Leser
wegen event uell feh lender Hint ergründe bzw. u nver füg bare m
Vo rwissen nicht bekannt sind, ko nnt e d ie Überset zer in d ie
kult urellen Barr ier en durch Er läut erungen und Ko mment are zu
einem groß en Teil ü berwinden. Durch d ie Befo lgu ng vo m Hussein s
St il ko nnt e sie o ft den ZT-Leser in d ie dargest ellt en psych ischen
Zust änd e und Gemüt slagen verset zen; zwar werd en d iese nicht in
demselben Maße wie beim AT- Leser ent gegengeno mmen, jedo c h
kann d er ZT-Leser d ie Beschr eibu ngen und „Bild er “ Hussein s
weit gehend spüren.

Im Fo lgenden werden Bewert u ngen weit erer Aspekt e sowie


Beispiele dargest ellt .

FIELD
I m Bereich dieser Dimensio n findet man außer den oben in der
Analyse u nt er „Field“ d argest ellt en Ko mment aren no ch Aspekt e, die
bei dieser Qualit ät sbewert u ng her vo rgehoben werden kö nnen.

233
Der ZT weist im Allg emeinen semant ische u nd t ext uelle Äq u ivalen z
im Rahmen d er lexik alischen u nd synt ak t ischen E inheit en au f. Die
Überset zer in fo lgt der St rat eg ie der offenen Überset zu ng u nd
bewahrt beisp ielsweise E lement e, d ie den AT in seiner E ig enheit
präsent ieren, jedoch werden ein ig e dieser E lement e nicht näher
erklärt , was dem ZT-Leser nicht die vo lle „Bedeut u ng“ ver mit t elt .
I m Beispie l 28 wird d er Ausdruck  (/ ‫ ﺵ ا‬wört lich mit „R ieche n
des Windhauches“ ü ber set zt und so mit wird zwar d as E ig ent ümlich e
der ägypt ischen Bezeichnu ng beibehalt en, jedoch werd en d ie
Bedeut ung dieses Begr iffs u nd der ko nnot at ive S achbezug, au f de n
er sich bezieht , nicht er läut ert . Die ku lt u relle E nt sprechu ng, die i m
deut schen Spr achraum bekannt ist , ist eigent lich d as Ost er fest . Ein
ähnlicher Fall lag ber eit s bei den Beisp ielen 22 und 23 vo r, wo d ie
kult urelle Ko nnot at io n der „dreifachen Scheidu ng“ nicht ausrei-
chend erk lärt wurde.

Anderer seit s werden aber E lement e so lcher Art erklärt und so mit
werden ihr e ku lt urelle Spezifik bewahrt , sozio -ku lt urelle
Hint ergründe und auch ihre Bedeut ung ü bert ragen. Auß er den in d er
Analyse genannt en Beisp ie len werden no ch im Kap it el 1 d ie Name n
‫ ودی ب‬7G A‫ وﺥ‬4‫„( أ زی‬Abû Seid, Chalîfa und Dijâb“) ( AT: S. 16,
ZT: S. 6) in d er Fuß not e als Gest alt en au s mit t elalt er lichen
Heldenro manen, im Kap it el 4 der Beg r iff 7/( ‫„( ا‬Su nna“) ( AT:
S. 30, ZT: S. 18) als Über lieferungen der Handlungen u nd
Aussprüche des Prophet en Mohammed, im Kapit el 5 der Begr if f
‫ش‬0  („Tar bû sch“) ( AT: S. 35, ZT: S. 23) als Ko p fbedeckung u nd
nicht zulet zt im Kapit el 16 d ie Bezeichnung )D‫„( رآ‬zwei Rak’as“)
(AT: S. 86, ZT: S. 75) als Gebet sabschnit t e erk lärt .

E ine gewandt e Wiederg abe u nt er Berücksicht igu ng der seman-


t ischen und pragmat ischen Äquiva lenz find et man au ch u nt er
Beispiel 8 bei der Überset zung der grammat ikalischen Erscheinu ng
€A- ‫ل ا‬0DG ‫„( ا‬al- maf c ū l al- muŃ laq “) im Sat z ً ‫ی‬J. ! ‫ب ذ‬J‫وإﻥ ی‬
(wört lich: „sond ern er nähert das eine Näheru ng “), der mit „Er kann

234
all das nur annäher nd best immen“ ü ber set zt ist . Ähn lich ist es i m
Kapit el 1 bei der Über set zung der Ko nst rukt io n  #G) ‫ ا‬6 ً '_‫ اً ﻡ‬#G‫ﻡ‬
(wört lich: nachdenkend, im Nachdenken versu nk en), d ie im ZT mit
„t ief in Gedanken ver su nk en“ ü berset zt wurde ( AT: S. 16, ZT: S. 8).
Hier hat d ie Über set zer in das subst ant iviert e Verb weggelassen u nd
den bet o nt en S inn vo m AT mit adäquat en Konst rukt ionen im ZT
wiederg egeben. Wie o ben erk lärt wurde, handelt es sich u m ein e
arabische grammat ische Fo r m, die zur Bekräft igu ng und
Verst ärkung der Aussag e u nd des g emeint en S innes d ient . Be i
so lchen beiden Ko nst rukt io nen ist der Überset zer in g elu ng en, d ie
von Hussein ang est rebt e geist ig e bzw. bildliche Darst ellu ng mit
äquivalent en spr achlichen Mit t eln d er ZS auszudrücken und
ähnliche Asso ziat io nen auszulö sen. S ie ko nnt e so mit funkt io nale
Ent sprechu ngen schaffen u nd d er äst het ische Wert des arabische n
Ausdru cks ist er halt en geblieben. Es g ibt zwar eine synt akt ische
Umst rukt urieru ng, aber die semant ische Sat zper spek t ive b leibt
erhalt en, wie o ft im ZT fest zust ellen ist .

I m Rah men der prag mat ischen Äq uivalenz geben auch Ko nst -
rukt io nen, Bezeichnu ng en oder auch Handlu ngen gut e Beisp ie le für
die Schwier igkeit der Überset zu ng vo n Text element en und
-einheit en, d ie für die AT- Leser bekannt bzw. verst änd lich sind ,
aber für d ie ZT-Leser eher durch bereit s vo r handenes kult urelle s
Hint ergrundwissen oder durch Erkläru ng d er Überset zer in. I m
Kapit el 8 findet man z. B. eine Aussage des Ko ranlehrer s zu
„unserem Freund“:
M‫ ) أﻡ‬O ?6‫ وﺵ‬,‫? و‬F ‫? رأ و‬D6‫ ر‬4J6
(٤٤ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Du hast gestern mein Haupt erhöht, mein Antlitz erhellt und
meinen Bart geehrt.
(Bd. 1, S. 33)

Hier bewahrt e die Über set zer in zwar die synt akt ische u nd
semant ische Ko nst rukt ion der Vor lage, jedo ch ko nnt e sie durc h
so lche wört liche Über set zung k eine funkt io nale Äq uivalen z
235
schaffen. Die Aussage hat sie auch nicht weit er erk lärt , was de m
ZT-Leser, der den ku lt urellen Hint ergrund für so lche Au sdrück e
nicht kennt , möglicherweise eine unver st ändliche Text st elle liefert .
Der gemeint e S inn ist hier ein fach „Du hast mich gest ern geehrt “.

Weit er hin find et man aber im Kap it el 12 die Ko nst rukt io n:


‫وی‬D) ‫ ا‬0A).‫ و‬04. H‫وأﻡ‬
(٦١ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Die Mutter flüsterte Gebete und flehte Gottes Segen herab
(Bd. 1, S. 50)

Hier ist d ie Bedeut u ng im ZT durch die pragmat isch äqu iva lent e
Überset zung übert ragen. Sehr geko nnt verwendet die Über set zer in
das Ver b „flü st er n“ (anst elle vo n einfach nur „aussprechen“), d as
eher für diese Hand lung, nämlich Bit t gebet e ausspr echen, passt . Das
Wort ‫ ﺘﻌﺎﻭﻴﺫ‬kann auch u. a. „Zau ber fo r meln“ bed eut et . Hier wählt
die Überset zer in aber die funkt io nal äquivalent e E nt sprechu ng
„Gott es Segen“ dafür au s.

E inen ähnlichen Fall findet man z. B. im Kapit el 17, und zwar be i m


Ausdru ck –-‫„( ﻡ‬Tar bûscht räger “) (AT: S. 94, ZT: S. 82), desse n
konnot at ive Bedeut u ng in der Fuß no t e als „euro päisiert er Muslim “
erklärt wird.

I m selben Kapit el werden au ch Besonderheit en der arabische n


Laut lehre und Grammat ik erwähnt :

–)G ‫ ا‬T‫ وأ'أ‬.?  ‫ ها ا‬N ‫ إ‬H‫& ذه‬.‫)– وا‬G ‫  ? ا‬N ‫وذه ا & إ‬
‫د*م‬S‫ء وا‬G‫ﺥ‬S‫ وا _ وا‬4ّ  ‫ ا‬H“A .4‫ی‬0) ‫ل ا‬0‫ أﺹ‬H ‫ل وﺵح‬G2‫ ا‬7GO.
N ‫ إ‬H ‫ث‬4O)‫ وآن ی‬،AD ‫ا ا‬, D‫ وآن ا & ﻡ‬.HA‫ا آ‬, &)‫وﻡ ی‬
،“ _ ‫ ا‬J)‫ ی‬:‫ و‬4ّ  ‫( ا‬O‫ ی‬: ‫ﻥ‬4ّ  ‫ أن‬, ‫ وآن ی‬،‫)ّب‬# ‫ ا‬6 H‫ا‬.‫أ‬
r“G ‫ وا‬Je ‫ ا‬4 ‫  ا‬:‫ و‬،6O ‫ وا‬A# ‫ ا‬4 ‫ق  ا‬G ‫ف ا‬D‫ ی‬:‫و‬
(٩٥ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬

236
Der Knabe ging also zum Inspektor, und dabei blieb es. Dieser
ließ ihn das „Schatzkästlein der Kinder“ lesen und erklärte ihm
die Grundzüge der Koranintonation, lehrte ihn den Madd, die
Verlängerung der Stimme auf einem Vokal, und den Ghann, die
Nasalierung, den Ichfâ’, die Senkung der Stimme, und den Iddighâm,
das Zusammenziehen zweier Buchstaben, und alles, was noch dazu
gehört. Der Knabe war über dieses Wissen entzückt und erzählte
seinen Gefährten in der Schule davon. Er erklärte ihnen, daß
„unser verehrter Herr“ den Madd nicht gut kenne, im Ghann nicht
sicher sei und den Unterschied zwischen der Verlängerung eines
Buchstaben und der eines Wortes oder der schweren und leichten
Verlängerung nicht wisse.
(Bd. 1, S. 83)

Hier fügt die Überset zer in nach jedem Au sdru ck eine Bedeut ung
bzw. eine genaue Erk läru ng hinzu, was dem ZT-Leser den S inn des
Ko nt ext es viel näher br ingt . Zu kr it is ieren ist hier nur d ie Auswahl
von „Schat zkäst lein der Kinder “ als Überset zu ng für den Bu cht it e l
‫ل‬G2‫ ا‬7GO. , wodurch seine E ig enheit u nd sein berü hmt er St ellenwert
in der arabischen Lit er at ur im ZT ver loren gehen. Es ist eigent lic h
ein bekannt es Lehr buch der arabischen I nt onat io n für Kind er. Die
Überset zer in hat aber den bekannt en Namen „S chat zkäst lein“ au s
der deut schen Lit erat ur ent lehnt , was beim ZT- Leser and er e
Assoziat io nen her vorru fen würde. S ie hat so mit also eine Art
„dynamische Äquiva lenz“ u nd „verdeckt e Über set zu ng “ geschaffen.
Es wäre sicher angemessener gewesen, wenn dieser T it el wö rt lic h
überset zt wird, nämlich Wunder werk der Kinder, u nd eine näher e
Infor mat io n darüber in einer Fuß not e hinzugefügt wird.

I m Beispie l 13 st eht im AT der Au sdr uck ‫ء‬#  ?


,‫ أ‬, der im
Deut schen „den Tränen nahe sein“ und auch „in Tränen ausbr echen “
bedeut et . Die Über set zer in hat prag mat isch adäquat d ie erst e
Bedeut ung ausgewählt , weil sie den AT und d ie I nt ent io n Hussein s
er fassen konnt e und begr iff, dass d ie Mut ter in d ieser S it uat io n eher
nicht in Tränen ausbr echen würde, um die Gefü hle ihres blinde n
237
Kindes nicht zu ver let zen. So acht et e die Überset zer in au f de n
S it uat ionskont ext .

I m Beispiel 27 findet man eine Überset zung vo n Ged icht versen, d ie


ungefähr so poet isch wie das Or ig inal ist . Zwar sind d ie Bedeut ung,
der S inn und der I nhalt d er Verse dem ZT-Leser u nbekannt , jedo ch
konnt e die Überset zer in sie st ilist isch u n d fo r mal so gest alt en, dass
der ZT eine ver set zt e äquivalent e Funkt io n dafür aufweist . Somit
wird d as Poet ische erkannt und ähnlic he Assoziat io nen werd en
ausgelö st . Es er fo lgt e weder eine Abschwächu ng noch e in e
Verst ärkung des semant ischen Wert es vo m AT und die in d er ZS
gelt enden Konvent ionen sind bewahrt .

I m Kapit el 1 wurde auch eine Met ap her in den ZT so ü bert ragen


abgeschwächt , dass sie ihren äst het ischen St ellenwert behalt e n
konnt e:
,G,‫ آ‬N ‫ إ‬M
‫ذا أوت ا‬y6
(١٧ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
Hatte sich aber die Sonne zur Ruhe begeben
(Bd. 1, S. 7)

Hier bedeut et der Sat z im AT wört lich: „Und wenn d ie So nne in ihr e
Hö hle kam“. Die Überset zer in hat d ie prag mat ische Bedeut ung
dieses Bildes und auch äst het ische S t ilmit t el übert ragen. Die
semant ische und äst het ische Ent sprechung von Bild er n u nd
Met ap her n ist nor malerweise idealt yp isch für d ie lit erar ische
Überset zung. Hier liegt der expressive Grad im ZT g leich so ho c h
wie im AT.

Anhand der Beispielgru ppen 4 bis 6 werden d ie adäquat e


Übert ragung und d ie Erzeugu ng vo n semant isch u nd st ilist isc h
äquivalent en St ellenwert en deut lich. Das ist bei d en Beschreibu nge n
von St immen u nd Geräuschen, auf die sich Hussein eig ent lich zu r
Or ient ierung ver lässt , mit denen er dem Leser seine Umwelt
beschr eibt und durch die er auch auf d ie Wicht igk eit seines Gehör s
238
hindeut et . Die Überset zer in ko nnt e oft d ie ver schiedenen genannt en
„S zenen“ mit adäquat en Wirkele ment en im ZT weit er ver mit t eln,
den S inn und d ie „lit erar ische Schö nheit “ dabei bewahr en und bei m
ZT-Leser eine ähnliche äst het ische Wir ku ng (wie es beim AT-Leser
ist ) er zielen, und zwar durch analog e Bildhaft igkeit , Beschr ei-
bungsmit t el, affekt ive Au sdrucksmit t el, Fert ig keit beim E inset zen
von S yno nymen und t reffs icheren Vokabeln u nd nicht zu let zt durch
Belebung dieser „Bilder “ und „Szenen“ mit hilfe lebhaft er Schil-
deru ngen. S chließ lich haben d ie sprach lichen Mit t el eine wicht ig e
Ausdru cksfu nkt ion bei lit erar ischen Text en. Das Fo r mele ment ist
so mit Träger des künst ler ischen Gest alt u ngsw illens und reprä-
sent iert auch das Mit t el zur Wahru ng der spezifische n
Ausdru cksweise des Aut o rs.

Unt er den Aspekt en, d ie auch zu kr it isieren sind, findet man i m


Beispiel 8 eine im AT nicht vo rhandene Erweit eru ng im ZT, u nd
zwar in dem Sat z:
NJA. H‫د یآ أﻥ‬#‫ ی‬،7Ag ‫ر وا‬0/ ‫ ا‬7J J1 HA, NA H‫ﻥ‬2 ! ‫ ذ‬E‫وی‬
.H ‫اﺵ‬01 ˆD 
_. 7Ag ‫ً آ^ن ا‬G - ًG G‫ً ﺥ‬i‫رًا هد‬0‫ ﺥج ﻡ ا  ? ﻥ‬1
Zur Zeit der Dämmerung muß es wohl gewesen sein, glaubt
doch der blinde Knabe sich erinnern zu können, daß er, der ja
das wirkliche Licht und die wirkliche Finsternis gar nicht kennen-
gelernt hatte, beim Verlassen des Hauses einen ruhigen, leichten
und freundlichen Schein wahrnahm, dessen Ränder Dunkelheit
überschattete.

Hier hat die Über set zer in das E lement „Zur Zeit der Dämmerung “
unnö t ig wied er ho lt und das E lement „d er blind e Knabe “
hinzugefügt , ohne dass d iese beiden im AT st ehen. So mit hat sie zu
schnell verrat en, dass d er Knabe b lind ist . E inerseit s st eht n icht
explizit , dass es hier u m einen „blinden Knaben“ geht . Anderer seit s
wollt e Hussein mit 7Ag ‫ر وا‬0/ ‫ ا‬7J J1 HA, NA H‫ﻥ‬2 au f d ie Tat sache
des Blind seins nur äst het isch und expressiv hind eut en u nd
Fo lgendes au sdrück en: „… weil er, der ja das wirk liche Licht und
die wir kliche Finst er nis nicht wahr neh men ko nnt e, …“. Hu ssein
239
hat t e doch das Licht u nd d ie Finst er nis „k ennen geler nt “, weil sein e
Blindhe it nicht angeboren war. So t r ifft „… der ja d as wirk lich e
Licht u nd die wirkliche Finst er nis gar nicht kenn engel ernt hat t e … “
nicht zu, denn im Or iginal ist gemeint , dass „er “ (d ie Haupt figur) zu
dieser Zeit das Licht u nd die Finst er nis nicht „wahr nehmen“ ko nnt e.
So laut et mein Über set zu ngsvorschlag für den ganzen Sat z wie
fo lgt :
Das ist ihm das Wahrscheinlichste, weil er, der ja das wirkliche
Licht und die wirkliche Finsternis nicht wahrnehmen konnte, beim
Verlassen des Hauses einen ruhigen, leichten und freundlichen Schein
wahrnahm, dessen Ränder Dunkelheit überschattete.

I m Beispiel 17 wurde d ie Überset zung vom Besucherruf ‫„( ی )ر‬O


Verschleier er!“) in der Ana lyse zwar zu m Teil g elo bt , jedo ch ist
daran noch zu kr it is ier en, dass außer der fehlend en Erkläru ng
darü ber, in welcher S it uat io n d ieser Ru f verwendet wird, auch d ie
t iefer e ko nnot at ive Bedeut u ng des Begr iffs nicht er läut ert wird.
Dieser Sprechakt hat auch einen re lig iö sen Hint ergru nd; das Wo rt
‫„ ﺴﺘﺎﺭ‬Ver schle ierer “ ist eine is lamische Bezeich nung für Go tt . Dies
führt dazu, dass dadurch der ZT-Leser nicht die ganze Assoziat io n
bzw. die vo lle kult ur elle I nfo r mat io n mit beko mmt .

TENO R
In der Analyse wurden anhand mehrerer Beisp iele d ie E inst ellunge n
des Aut ors so wie Konnot at e und Denot at e, die se ine so zialen,
kult urellen und relig iö sen Hint ergrü nde wid ersp iegeln, dargest ellt
und behandelt . Ohne Er läut erungen vo n Seit en der Über set zer in
oder durch feh lendes bzw. ung enügen des Vorwissen über d en
AT- Aut or selbst , die äg ypt ische Kult ur und die verschiedene n
Sach-, Ort s- oder Perso nenbezüg e wäre es für den ZT-Leser schwer,
die I nt ent io nen und Asso ziat io nen des AT so zu erkennen, wie die s
der AT- Leser t un würde. Die Über set zer in ko nnt e zwar o ft d ie
„Bot schaft “ Husseins ü ber mit t eln u nd vie le d ieser Bezüge erklär en,
aber aufgrund der Verschied enheit en d er beid en Spr achen und
Kult uren wird der ZT- Leser diese „Bo t schaft “ ander s rezipier en.
240
E in Kr it ikpunkt ist die u ne inheit liche Überset zung vo n „Allah/Go tt “
(s. Beispiel 8 und Ko mment ar). Die wesent lich bessere Alt er nat ive
in so lch e iner o ffenen Überset zung wäre „Allah“ So würde der ZT
eine ver fremd ende Wirkung auf den Leser haben und d adurch d ie
soziale und religiö se Herku nft des AT- Aut o rs au f dem gleiche n
Niveau behalt en.

I m Kapit el 4 findet man au ch noch d as Beisp iel:


‫ ﻡ ﺵء ا أن ی
ب‬,i‫ﺵب ﻡ ﻡ‬
(٢٩ ‫ ص‬،١ ‫)ج‬
trank er nach Herzenslust
(Bd. 1, S. 17)

Das ist wieder ein Beispie l für d ie Sch wier igkeit , Ausdrü cke mit
sozio-ku lt ureller, relig iö ser E inbet t ung in s Deut sche zu ü bert ragen.
Die Überset zer in hat eine prag mat isch äq uivalent e St rukt ur
geschafft , ohne aber das vo n Hussein int end iert e Bild zu ü bert ragen.
Wört lich laut et der arabische Sat z: „Er t rank vo m Wasser so vie l,
wie Allah wo llt e/ was Allah davo n für ihn g ewährt e“. Das ist e in
Kult ursig nal, und zwar dass Allahs Wille n u nd Macht o ft in vie le n
Lebenst ät igk eit en erwähnt und mit einbezogen werden, vo r allem be i
Menschen mit religiö ser Erziehung u nd Bildu ng wie Hussein.
Vielleicht ist die deut sche St rukt ur in d iesem Ko nt ext für den ZT so
passend, weil eine mit demselben semant ischen S inn des AT für de n
ZT-Leser unakzept abel bzw. zu befremd lich wär e. Daher hat d ie
Überset zer in eine sit uat io nsad äquat e St rukt ur für den ZT gewählt .

I m Rahmen der Beisp ie le für die Begr iffe, d ie d ie sozialen u nd


religiösen Hint ergründe des Aut ors wider sp ieg eln, sind im Beisp ie l
16 auch Punkt e zu krit isier en. Der isla mische, relig iö se Begr iff ‫" ورد‬
" O wurde mit d em „Gebet zur Morgendämmer u ng“ überset zt ,
während bekannt lich d iese relig iö se Handlung et was anderes als
dieses Gebet u mfasst . Damit ist eig ent lich das Rezit ieren vo n
mehr eren verschiedenen Koranver sen, Bit t gebet en und Dhik r

241
(Lobpreisung en und Ged enken an Allah) gemeint . Man hät t e diese n
Begr iff t ranskr ibieren u nd im Anhang erk lären kö nnen. Er
bezeichnet schließ lich eine eigene relig iö se Hand lu ng im Is lam. So
ist mein Vo rschlag die Transkr ipt ion „werd sahar“ für die
Überset zung d ieses Begr iffs, was nat ür lich noch eine Erkläru ng in
einer Fußnot e erfo rdert .

Weit er hin wurde im selben Beisp iel 7 ‫د‬2‫وراد وا‬2‫ ا‬zweima l mit
„Gebet e und Koranabschnit t e“ u nd ein mal mit „Sprüche, Anru-
fung en, Gebet e“ überset zt , was une inheit lich u nd nicht deut lic h
genug ist . Eigent lich bedeut et der erst e Begr iff ‫وراد‬2‫ ا‬das Rezi-
t ier en vo n Koranver sen (u nd nicht -abschnit t en) zusammen mit
Dhikr. Mit dem zweit en Begr iff 7 ‫د‬2‫ ا‬sin d eigent lich die Bit t gebet e
an Allah gemeint . Nur „Gebet e“ bezieh en sich eher auf d ie fün f
t äglichen P flicht gebet e. Für d iesen Ausdr uck wäre d ie Überset zung
„awrad und Bittgebet e“ angemessen, wobei „awrad “ nat ür lic h
erklärt werden muss.

Die Überset zer in hat aber am Anfang des zweit en Absat zes diese s
Beispiels einen kurzen Sat z hinzugefü gt , der im AT nicht st eht ,
nämlich „Noch eins ist zu erwähnen: … “. E s ist nicht erkennbar,
warum dieser Zusat z verwendet wurde u nd es lässt sich auch ke in
Grund dafür finden.

MODE
Anhand der wenigen Beisp iele in ner halb dieser Dimensio n k an n
man fest st ellen, dass der Grad d er Mündlichkeit im ZT zum grö ßt en
Teil äquiva lent ist . Aber im Beisp iel 28 liegt der expressive Gr ad
des ZT niedr iger als im AT, u nd zwar wegen der Auslassu ng der
beiden Prono men der zweit en Perso n.

Jedoch sind die st ilist isch und äst het isch eindruck svo llen u nd
äquivalent en Bilder u nd Beschreibu ngen im ganzen ZT (z. B. wie
bei den Gedicht ver sen u nd die Schilder ung der Gemüt slagen i m

242
Kapit el 18) ein Mit t el, mit d em d er ZT-Leser in den Text
mit einbezogen wird, ohne d ir ekt ang espro chen zu werden.

5.3.3 Kommentar

Die vor liegende Überset zung sanalyse und - bewert ung ko nnt en
zeigen, w ie schwier ig (oder vielleicht nur selt en) es ist , ein e
Übereinst immung bzw. Äquivalenz in der Fu nkt io n zwischen de m
AT und dem ZT bei d er arabisch-deut schen lit erar ischen Überset -
zung herzu st ellen. Die Kr it ik an den gesellschaft lichen u nd
Bildung szust änden ist d ie Haupt fu nkt io n des AT. Da d ie ZT- Leser
event uell kein I nt eresse an d ieser Kr it ik haben kö nnt en u nd auc h
nicht über das – g enügende – ent sprechende so zio-ku lt urelle Wisse n
ver fügen, ist der ZT für sie vo r alle m ein Mediu m dafür, d ie and er e
exot ische Kult ur sowie die for ma len u nd künst ler isch-äst het ische n
Merkmale der fr emden Lit er at ur kennenzuler nen. Die
sozio-ku lt urelle E inbet t ung des ZT ist schließ lich au ch eine ander e
als die des AT. So mit kann der ZT gener ell als of f ene Überset zu ng
vo m AT gelt en, was in so lch einem Überset zungsfa ll für gelu nge n
gehalt en werd en kann. Der ZT er fü llt eine verset zte f unktional e
Äquivalenz, indem er Zug ang zu m AT, AT-Aut o r und zur AS- Ku lt u r
schafft . E ine Aut obio grap hie ist schließ lich ein k lassisches Beisp ie l
für die o ffene Überset zu ng, da sie d ie „St imme“ des AT-Aut o rs zu m
ZT-Leser t ragen so llt e was ja weit geh end realis iert wurde. E in
E inblick in die fremd e At mo sp häre des AT wurde dem ZT-Leser
er mög licht (u. a. z. B. durch d ie ver schie denen Transkr ipt ionen u nd
die Befo lgung vo n Taha Husseins St il und Bilder n). So erreicht der
ZT mit hilfe der zie lt ext uellen M it t el d as Lit erar isch- Äst het ische des
AT in eine m nicht ger ingen Maße und es best eht an den me ist e n
St ellen eine int ert ext uelle Ko härenz.

I m ZT st eht zwar d ie Haupt funkt io n des AT nicht im Vordergrund ,


jedoch werden dar in d ie semant ischen und st ilist ischen Merkmale
des AT weit gehend wiedergegeben u nd er halt en und d ie ku lt urelle n

243
E igenheit en bewahrt . Der ZT-Leser kann neben Inhalt u nd For m
auch die Funkt ion mehrerer Text element e erkennen, was ein e
hochrangige Äquivalenzfo rd erung d arst ellt . Der Text sinn u nd d ie
dem Text t yp angemessene k ünst ler ische Organisat io n sind weit -
gehend g ewahrt . Es best ehen vorwiegend Über einst immu nge n
zwischen den beiden Text en in d en drei Dimens io nen des Mo dells,
in denen sich der AT und der ZT bis zu eine m weit en Grad decken,
ohne dass ein kult ureller F ilt er best eht . Die wen igen Differenze n
basier en ja zum T eil au f den Ver schiedenheit en der beiden Sprache n
und Kult uren und auf der verset zt en fu nkt io nalen Äquiva lenz. Wie
dargest ellt , gab es aber Fälle, d ie prag mat isch u nd äst het isch zu
kr it isieren waren. Let zt end lich hat „Al- Ayyā m“ einen eigene n
„Char me“ in seiner Spr ache u nd se iner Ku lt ur, der nicht ein fach zu
t ransfer ier en ist . Trot z der o ben angefü hr t en Kr it ik hat der ZT aber
die Funkt ion „lit erar ischer Text “.

So hat das int erakt ive Mo dell dazu beiget ragen, d ie Über set -
zungsst rat eg ie vo n „Al- Ayyām“ zu analys ieren und nachzu-
vo llz iehen, die Schwächen im ZT au fzudecken u nd so mit d iese
Überset zung zu bewert en. Die I nt erakt io n der Kr it er ien u nd
Fakt oren des Modells haben sich also für d ie o ffene
arabisch-deut sche lit erar ische Über set zung als geeig net erwiesen.

244
6 Schlussfolgerungen

Die vor liegende Ar beit widmet e sich der Unt ersu chu ng der
Äquivalenzfrag e be i der lit erar ischen Über set zung u nd d er
Bear beit ung eines Modells zur Analyse u nd Bewert ung
arabisch-deut scher lit erar ischer Über set zu ngen. Hier nimmt die
Er mit t lung der for malen und äst het ischen Gleichwert igke it zwische n
dem AT und dem ZT einen zent ralen P lat z ein. Au fgru nd der
Unt erschiede zwischen den vo r liegend en beid en Spr achen u nd
Kult uren sind eine „o ffene Überset zung “ u nd daher eine „verset zt e
Fu nkt io nsäquiva lenz“ realisier bar und fest st ellbar. Dabei kö nnen
nicht alle for malen und st ilist ischen Qualit ät en des arabischen AT
im ZT wiedergegeben werd en. Als gut er lit erarischer Überset zer g ilt
jedoch der jenige, der die Fähigk eit u nd die Insp irat io n hat , d iese
E lement e im AT zu erkennen, zu schät zen u nd ein Maximu m ihr es
Gesamt wert es in der ZS wiederzugeben. Dafür muss der Überset zer
nämlich d ie Welt des AT- Aut o rs, seine eigene u nd d ie Welt der
Zielrezipient en unt erscheiden und sie gleichzeit ig ver bind en u nd in
Relat io n br ingen können. So mit ko mmt d er ZT-Leser dann d em AT ,
dem AT- Aut o r und der AS- Kult ur näher.

I m Zu sammenhang des Über set zu ngspro zesses können verschied ene


Probleme u nd S chwier igkeit en eine Äqu iva lenzproblemat ik verur-
sachen, vo r alle m sprachlicher Art (aufgr und der u nt erschiedliche n
for malen, t ext uellen u nd st ilist ischen Versch ied enheit en beid er
Sprachen) und kult ureller Art (au fgru nd der kult urellen Unt er-
schiede und event uell mangelnd er kult ureller Kennt n isse de s
Überset zers). Zent rale Schwerpunkt e der Äqu ivalenzforderunge n
der lit erar ischen Überset zung sind, wie die vo r lieg ende Ar beit
gezeigt hat , die for mal-äst het ische und d ie prag mat ische Äquiva-
lenz. Hier mit sind d ie st ilist ische Wir k ungsg le ichheit so wie das
Verst ändnis der Text inhalt e ( vor allem der ku lt ur markiert en und
E igenheit en ar abischen M ilieu s) seit ens d es ZT- Lesers für die
Überset zungsbewert ung maßgeblich. Der Idealfall bzw. d ie
Haupt anforderung so llt e so mit durch die „o ffene Über set zu ng “
245
realisiert werden, wo bei die fo r ma len und st ilist ischen Merkma le,
die ku lt urellen Mark ieru ngen u nd Realienlexeme sowie d ie
eigenart igen Benennu ngen u nd Bezeichn ungen ( z. B. durch Lehn-
wö rt er o der erk lärende Überset zung) des AT bewahrt bleiben.
Außerdem hat der Über set zer nat ür lich darau f zu acht en, dass er
immer h in e inen lit erar ischen Text anfert igt , d. h. d ie kü nst ler isch e
Fo r mu lier u ng und d ie äst het ische Qualit ät müssen im ZT vo r hand e n
sein. I n Anlehnung an die „verset zt e Funkt io nsäqu iva lenz“ ka nn
hier also die Rede vo n „ver set zt er Gleichwert igkeit “ sein.

In diesem Zusammenhang ko nnt e anhand der Ana lyse in dieser


Ar beit zwischen einer „st ilist ischen“ u nd einer „pragmat ische n
Wirku ngsg leichheit “ u nt ersch ied en werden. Zwar kö nnt e durch die
Auswahl best immt er Wört er, die best immt e Bedeut ungsnuancen
t ragen, eine ähnliche st ilist ische Wirkung erreicht werden, aber
wenn jedoch der AT- Leser z. B. dur ch d ie jeweilige met ap hor ische
Text st elle auch lachen (weil er nat ürlich die ku lt ur ellen u nd
sachbezüglichen Hint ergrü nde für d as Gesagt e bzw. Geme int e
kennt ) und im Gegensat z dazu der ZT- Leser nicht lachen würde,
dann best eht eine „ko mmunikat ive Lü cke“ in d er Äqu iva lenz-
relat ion, d ie schwier ig bzw. durch Erklärung en u nd Ko mment are de s
Überset zers zu füllen ist . Der ZT kann a lso äst het isch ( fast ) wie der
AT wirken, ko mmunik at iv aber t rot zdem nicht . Wie lässt sich so lch
ein Pro ble m lösen? Durch Wö rt lichk eit oder ( lang e) Er läut erungen?

Die Sozialkr it ik, als eine der Haupt fu nkt io nen vo n „AL- Ayyām “
und als Ap pell an seine Leser, wird im ZT durch eine andere er set zt .
Für die ZT-Leser ist Ägypt en ein exo t isches arabisches Land, ü ber
das sie ( meist ens) wenige ku lt ur elle Hint ergründe haben. So wir d
so lche Kr it ik t rot zdem zu einer I nformat io n über exo t ische
Zust änd e, wenn sie über haupt als Kr it ik vo n d en deut schsprachige n
Zielrezipient en wahrgeno mmen wird. So lche „Lücke“ gehört zu den
Schwier igkeit en u nd Defiz it en einer arabisch-deut schen lit era-
r ischen Über set zung. Schließ lich s ind das E mp finden des AT- Leser s
bei der Lekt üre so wie d ie Art u nd Weise, wie d ie „I deen“ d es

246
Aut ors bei ihm anko mmen, g anz anders als beim ZT-Leser.
Fu nkt io ns- und „Ko mmu n ikat io ns“- ko nst anz sind bei so lch einer
lit erar ischen Überset zung ein sehr ko mp lexer Sachver halt . Mit
kurzen anderen Wo rt en kann man also sagen, dass das Pro blem der
arabisch-deut schen lit erar ischen Über set zu ng in der inha lt liche n
Äquivalenz bei for maler Nicht - Äquiva lenz liegt . Es ist nicht
einfach, das in der einen Sprache Gedacht e (und Denkbare) mit de n
Mit t eln der and eren Sprache wiederzu geben. Deshalb st ellen die
meist en vor liegenden o der mög lichen Überset zu ng en eines Text es
nur Annäheru ngen bzw. „Bilder “ des Or iginalt ext es d ar. Was auc h
dafür spr icht , ist d ie Tat sache, dass Überset zungen vieler lit era-
r ischer Text e immer wied er vo n neuem unt er no mmen werden. Jed e
gibt eine best immt e u nd immer nur part ielle I nt erpret at ion des AT.

Um schließ lich den Äquiva lenz- und Adäquat heit sford erunge n
gerecht zu werden, muss jed er lit erar is che Überset zer St rat egie n
und Vorgehensweisen bei jedem Überset zungsfall fest legen. Die
Theor ien der lit erar ischen Überset zung sind n icht abso lut . Jeder
Text hat seine eigene Welt . Die vo r liegende Überset zungssit uat io n
und die erzielt e zie lt ext uelle Funkt io n best immen weit gehend d ie
Überset zungsst rat egie und den -t yp. Alle Äquivalenzforderu nge n
können sogar auch im jeweiligen Text er forder lich werd en. Der
Überset zer muss sie in eine ang emessene Hierarchie aufst ellen. Die s
set zt nat ür lich voraus, dass d er Über set zer vo rher eine ü berset -
zungsr elevant e Text analyse d es AT vornimmt , u m semant ische u n d
st ilist ische Äq uivalenzgrade für den ZT fest zu legen. So eig net sic h
beispie lsweise bei einer Text st elle mit kult urspezifischen Beze ich-
nungen o der mit do min ier enden künst ler isch-äst het ischen Mit t eln
jeweils ein Äquivalenzt yp. Durch d ie gelungenen Äqu iva lenz-
relat ionen ent st eht auch dann die Text kohärenz, die ihre let zt en
Züge dadur ch er halt en kann, d ass d er Überset zer bei so einer
Überset zung wie „Al- Ayyā m“ Nicht t ext ualis iert es für den ZT-Leser
z. B. durch Erk lärungen expliz it zu machen. Der S in n des ZT w ir d
im Ver st ehen der int erpret at io nsbed ür ft ig en St ellen ver vo llst änd igt .

247
Auf einer ander en Ebene kann man zu einer weit eren S chlu ss-
fo lg eru ng ko mmen. Die Frage, die sich immer wieder st ellt , ob d ie
lit erar ische Über set zu ng zur Überset zung s- o der zur Lit erat ur-
wissenschaft gehö rt , beant wort e ich nun aus me iner S icht , wenn da s
auch als eine su bjekt ive Ant wo rt scheint : Jede lit er ar ische
Überset zung, sei sie einer Pro sa, Poesie oder eines Dramas, ist in
erst er Linie immer eine lingu ist ische Operat io n. Jede Art vo n
lit erar ischen Text en u nt er liegt aber je nach der erzielt en Funkt io n
und dem Überset zu ng st yp (of f en o der verdeckt) einem prosaischen,
lyr ischen oder dramat urg ischen Pro zess. So wie die lit erar ische n
Text e var iieren, so t un es auch d ie Überset zungsst rat eg ien,
Überset zerko mpet enzen bzw. - begabu ngen. Dieser Prozess r icht et
sich (und wir d auch bewert et ) nach best immt en Grund lagen und
Theor ien, die vo n d er Über set zung swissenschaft fest gelegt werden.
Somit ist die lit er ar ische Über set zu ng eine Sonder so rt e der
Überset zung, d ie schließ lich der Über set zung swissenschaft
zuzuo rdnen ist . Man schafft kein neues Pro dukt, so nder n repro -
duziert ein schon vo rhandenes Pro dukt . Das neue Pro dukt kann so
weit äst het isch sein, dass es als sehr „lit erar isch“ und „schö p-
fer isch“ bezeichnet werden kann, jed och nicht als eine neu e
Schöpfung.

Weit er hin muss noch d ie lit erar ische und ku lt urelle Ro lle der
Überset zung her vorgeho ben werd en. Lit erar isches Überset zen ist
immer e ine reproduzierende schöp fer ische Tät igkeit , durch d ere n
Leist ung Anr egung u nd Bere icheru ng der Zielsprache und - lit erat ur
erzielt werden kann. So fü hrt die Üb ert ragung d er Au sdruck s-
for men, in d enen sich g eist ig-seelische I nhalt e man ifest ieren, durc h
die Anst rengung des Überset zer s auch zur Gewinnu ng neuer ,
nachempfundener Qu alit ät en in d er Z ielsprache. Außerdem kann d er
Überset zer durch seine Ar beit d en AT u nd dessen Aut or vergrö ß ern
oder auch bed eut ung slo s für die Zielk ult ur machen. Bei m
Überset zungspro zess muss er auch alles in Bet racht ziehen; den St il
des Aut ors, die At mosphäre, den geschic ht lichen Hint ergru nd, also
alles, was das Werk dazu macht , was es ist .

248
Aus allen dargest ellt en Ergebnissen lässt sich wo hl schlussfo lger n,
dass der ideale Überset zer lit erar ischer Text e der ist , der aus einer
Fremdsprache in seine Mut t ersprache über set zt . Der Über set -
zungspro zess basiert zwar zum Teil au f d em Verst ehenspro zess d es
AT, jedoch hat er sein endgült ig es Ergebnis im E ndpro dukt . Die
Wahrscheinlichk eit bzw. der Grad einer misslungenen semant ischen,
prag mat ischen oder st ilist ischen Äquiva lenz bzw. ad äquat e n
Übert ragung ist beim Über set zen in d ie Fremd sprache größ er, auch
wenn die Sprach- und Ku lt urko mpet enz in der Fr emdsprache au f
einem hohen Niveau liegen.

Zum Schluss ist dazu anzuregen, in weit er führend en Unt er-


suchungen die ver schiedenen Über set zung en von „Al- Ayyā m“ zu
verg leichen. Das würde das Gebiet der Analyse u nd Kr it ik
arabisch-deut scher lit er ar ischer Überset zungen bereicher n und
überset zungsdid akt isch sehr relevant sein.

249
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